Appenzeller Verlag Leseprobe
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OTMAR ELSENER
GESCHICHTEN AUS DER REGION BAND 2
Appenzeller Verlag
Dieses Buch wurde ermöglicht mit finanzieller Unterstützung von: Stadt Rorschach Gemeinde Rorschacherberg Gemeinde Goldach Kulturförderung Kanton St. Gallen Ortsbürgergemeinde Rorschach Kulturhistorischer Verein Region Rorschach Würth Management AG Raiffeisenbank Goldach Jubiläumsfonds Albin-Pedrotti-Stiftung Die Mobiliar Rorschach St. Galler Kantonalbank Rorschach Lions Club Rorschach
Umschlagbilder vorne: Hafenmauer Rorschach 1926; hinten: Hauptstrasse Rorschach 1955 Klappe vorne: Blick vom Rorschacherberg auf Rorschach und Bodenseeufer Klappe hinten: Flugbild über Rorschach Ost mit Altenrhein Umschlag Innenseiten: Rorschach, Karte swisstopo © 2017 Appenzeller Verlag, CH-9103 Schwellbrunn Alle Rechte der Verbreitung, auch durch Film, Radio und Fernsehen, fotomechanische Wiedergabe, Tonträger, elektronische Datenträger und auszugsweisen Nachdruck, sind vorbehalten. Redaktion: Marcel Elsener, Roman Elsener Gestaltung: Adrian Elsener Gesetzt in Franklin Gothic Demi und Minion Pro, gedruckt auf 120 g/m2 Lessebo Smooth Natural FSC ISBN: 978-3-85882-784-5 www.verlagshaus-schwellbrunn.ch
I N H A LT S V E R Z E I C H N I S 7
Einleitung GESCHICHTE
11 21 25 29 33 39 45 49 55
Im Notfall Switzerland, Altenrhein Flugzeugtrümmer mit Hakenkreuz Der Russe, der über den See flüchtete Europas Adel und Kandinskys Kachel Das wahre Märchen vom Rorschacher Aschenputtel Das millionenschwere Grabmal eines Mordopfers Söldner, Pest, Piraten: Totenbücher erzählen Uneinnehmbare Trutzburg Stadt und Berg – nur 17 Tage vereint GEWERBE & POLITIK
63 69 73 77 83 89
Bierbrauer und Eissäger Die Reeperbahn an der Goldach Der Stickereibaron und Wohltäter Goldacher Stahlbauer schützt Urner Bergtäler Der Mann, der Rorschach zur Stadt machte Zauberwort «Würth» ORTE & BAUTEN
95 103 107 111 115 119 125 129 133 139
Calatravas vergeblicher Wurf fürs Kornhaus Das Federerhaus – Bijou am Hafenplatz Bleibuchstaben an der Hafenmeile «Wer sollte da nicht lustig sein» Die Verwandlungen des Hauses zum Grünen Baum Die Post als Motor der Transit- und Handelsstadt Der Bauernhof, in dem Fabrikarbeiter verkehrten Ihr Prediger brauchte Polizeischutz Relikte aus der Zeit der Dampflokomotiven Der Marktplatz war nichts weiter als Parkplatz STRASSENNAMEN
145 149
Die Reitbahn von Kavallerieoberst Klauser Das Geheimnis von Dufours Kanonen
153 157 161 165 169 173
Rauch und Lärm vertrieben die Klosterfrauen Den Wachs an der Sonne gebleicht Eisenbahner ehrten Kämpfer für Arbeiterrechte Mönch, Herzogin und Bestsellerautor Marmorsägen brachten Wohlstand Ein Gasthaus mit Signalwirkung FREIZEIT & NATUR
179 189 195 199 205 213 219 229
Ob das Eis wohl bis Nonnenhorn trägt? Aufstieg zum Kaien, Abfahrt zum See Die Riesenbäume verschwinden Ein Ungetüm spaltet die Stadt Die schönste Hafenmauer am Bodensee Heissi Marroni, seesüchtige Edelkastanien Eine Münze für den Kuckuck, ein Most in der Fernsicht Der Kletterpionier mit der Filmkamera TRADITIONEN
235 239 245 251
Ventil auf für all die Skandälchen Als Velorennfahrer unter Barrieren durchschlüpften Billiger Jakob und Dicke Berta Der Elefant in der Krippe RÜCKBLICK
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Abenteuerspielplatz Arbeiterquartier ANHANG
264 269 270 272
Personenregister Bildnachweis Quellen und Literatur Autor
EINLEITUNG Ein zweites Buch mit noch mehr «Geschichten aus der Hafenstadt» und der Region am See? Die Reaktionen auf mein erstes Buch, 2011 erschienen und nun in vierter Auflage wieder erhältlich, waren überwältigend. Meine nostalgisch und lokalhistorisch geprägten Beiträge, die ich seit der Pensionierung regelmässig für die Rorschacher Ausgabe des St. Galler Tagblatts schrieb, stiessen auch in Buchform auf Interesse. Nach der Lektüre schilderten mir viele Leser und Leserinnen mündlich und schriftlich ihre persönlichen Erinnerungen. Rorschach und seine Region im Herzen, oft längst anderswo lebend, schrieben sie, wie die Geschichten – um zwei Briefausschnitte zu zitieren – «Verbundenheit und Zugehörigkeit schaffen» und «die Vergangenheit wach halten». Besonders freuten mich jene Reaktionen, die in der «liebenswürdigen Schilderung» der lebhaften Kleinstadtwelt Impulse für die Gegenwart und die Zukunft betonten: Wenn das Buch als «ein Mosaik aus bewegter Stadtgeschichte für eine selbstbewusste Zukunft» gewertet wird, kann ich mir keine erfreulichere Wirkung wünschen. Und wenn es Lehrerinnen und Lehrer tatsächlich im Geschichtsunterricht verwenden, wie mir berichtet wurde, ja es sogar als «Pflichtlektüre für Rorschacher Schüler» betrachten, fühle ich mich geehrt. Mein Dank gilt der Leserschaft und besonders jenen, die ihre Erinnerungen und ihre Einschätzungen mit mir teilten und mich zu «noch mehr Geschichten, die diesen Ort noch liebenswerter machen» ermunterten. Man müsse kein Rorschacher sein, um sich für diese Geschichten zu interessieren, hiess es in Besprechungen. Umso mehr habe ich mich im zweiten Buch bemüht, die Nachbargemeinden und die weitere Region einfliessen zu lassen. Von manchen Städten sagt man, die Geschichten lägen auf der Strasse. Mir geht es so in Rorschach und Umgebung: Die Geschichten verstecken sich in Strassennamen, in alten Bauten und Bäumen sowie in den Leistungen von Unternehmern, Persönlichkeiten und zahllosen Fabrik- und Gastarbeitern, die die Region prägten. «Die Zeiten ändern sich und wir uns in ihnen», lehrte uns Lateinlehrer Heinrich Hasler. Wie, das hoffe ich mit diesen Geschichten zu illustrieren. Otmar Elsener
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GESCHICHTE
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Die Crew des Bombers «Baby» umringt ihren schwer verletzten Kameraden Roy Hommer, der notdürftig auf eine Bahre gebettet ist.
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GESCHICHTE
Im Notfall Switzerland, Altenrhein Ein Jahr vor Kriegsende notlandete eine «Fliegende Festung» der amerikanischen Luftwaffe auf dem Flugplatz Altenrhein. Der Rorschacher Chirurg Max Richard rettete einem schwer verletzten Crewmitglied mit einer Notoperation und dank Penicillin das Leben.
Mit zerfetztem Bauch, kurz vor dem Verbluten, liegt der 23-jährige Fliegersergeant Roy Hommer aus dem US-Staat Pennsylvania am späten Nachmittag des 24. April 1944 in einem Bett des Spitals Rorschach. Chirurg Max Richard schaut dem jungen Mann in die Augen: «Sie können wählen. Wir geben Ihnen noch mehr Morphium gegen die Schmerzen und ein ruhiges Zimmer oder ich wage eine Operation. Ich kann ihnen aber nicht garantieren, dass ich Ihr Leben retten kann.» Hommer versteht und entscheidet: «Do what you can, doctor!» Von England nach Süddeutschland
Der Tag hat für Hommer in England begonnen. Im Morgengrauen sind US-Pilot William «Woody» Parramore und Co-Pilot Oscar «Sammy» Sampson mit ihrem «Baby» getauften viermotorigen B17-Bomber vom Flugfeld Podington nördlich von London gestartet, um sich dem Geschwader 407 der Bombergruppe 92 anzuschliessen. Die zehnköpfige Crew der «Fliegenden Festung», darunter der Bordschütze Hommer, hofft zu Beginn, dass ihr bereits 21. Einsatz ohne Probleme verlaufen werde. Über 700 amerikanische B17-Bomber der 8th Air Force, begleitet und beschützt von 600 Jagdflugzeugen, sind aufgestiegen, um in Nazi-Deutschland Bomben auf
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Flugzeugwerke und Flugplätze abzuwerfen. Eines ihrer Ziele sind Rüstungsbetriebe im schon mehrmals bombardierten Friedrichshafen. Parramore und Sampson steuern ihre «Fliegende Festung» an der Spitze einer Gruppe von 18 Bombern. Das Ziel ihres Geschwaders: die Dornier-Werke in Oberpfaffenhofen bei Ulm, wo Triebwerke für den ersten deutschen Düsenjäger in unterirdischen Anlagen hergestellt werden. Über der Küste Frankreichs werden sie von feindlicher Fliegerabwehr belästigt, noch ohne Folgen. Hunderte von Bombern fliegen gleichmässig vorwärts. Unbehelligt dringen sie in den deutschen Flugraum ein, parallel zu ihnen die Jagdflugzeuge, kaum zu erkennen, ob Freund oder Feind. Wegen Zeitverlusten sind einige der Bomber zwanzig Minuten lang ohne Begleitschutz. Wie schön die weissen Wolken, der azurblaue Himmel – die friedliche Szene verblüfft Parramore, den Veteranen, der schon Berlin bombardiert hat. Das soll Krieg sein? Ein kurzer Luftkampf
Ein Funkspruch schreckt die Crew auf. Hommer warnt von der oberen Geschützkanzel: «Jagdflugzeuge aus Richtung neun Uhr kommen uns entgegen.» Schnell erkennt Woody, dass es nicht die eigenen Mustangs sind. Feindliche Messerschmitt-Maschinen greifen frontal an. Ihre Bordkanonen feuern. Von den Schiesskanzeln seiner «Baby» hört er das Rattern der eigenen Maschinengewehre. Oberhalb der «Baby» explodiert ein Bomber. Wrackteile, Bomben und menschliche Körper regnen zwischen den fliegenden Maschinen zur Erde. Eine andere Maschine wirbelt zu Boden – rettende Fallschirme kann die Crew der «Baby» nicht entdecken. Die Messerschmitts drehen ab und suchen andere Ziele. Dann herrscht plötzlich Ruhe, auch von den eigenen Geschützkanzeln. Nur die Motoren dröhnen. Copilot Sampson checkt Flugzeug und Mannschaft nach Schäden. Hommer ist schwer verwundet. Eine 20-mm-Granate ist vor seinem Körper explodiert. Sein Unterleib ist zerfetzt und durchsetzt von Metallteilen des Fallschirmgurts. Er blutet stark. Alle anderen Crewmitglieder sind unverletzt. Sie spritzen Roy Morphium und geben ihm Sauerstoff. Parramore zählt nach: Der kurze Luftkampf hat zehn Maschinen gefordert, doch das Ziel muss erreicht werden. Die Piloten steuern unbeirrt weiter. Über München drehen sie um 180 Grad Richtung Oberpfaffenhofen ab. Eine Zeitlang werden sie von eigenen
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GESCHICHTE
Amerikanische B-17-Bomber im Anflug auf Ziele.
Mustang-Jagdflugzeugen begleitet. Die feindliche Flak wird dichter, die Mustangs verlassen sie. Über den Dornier-Werken wirft Bombardier John Garcia die Bomben ab. Die Last ist nur vermeintlich weg. Garcia entdeckt, dass sich eine Bombe im Abwurfschacht verfangen hat. Die Bomber drehen ab und nehmen Kurs zurück nach England. Altenrhein als Rettung
Ein ohrenbetäubendes Dröhnen durchdringt die «Baby». Ein Propeller überdreht, gerät ausser Kontrolle. Ein weiterer Motor verliert Öldruck. Noch 550 Meilen zurück nach Podington. Mit nur zwei Motoren und dem verblutenden Roy an Bord? Sampson erinnert Parramore an das Briefing vor dem Abflug: Im Notfall Switzerland, Altenrhein, ein Grasflugfeld am Ufer des BoEin ohrenbetäubendensees. Navigator John Steichen meldet: «Nur 70 Meilen des Dröhnen durchbis dahin. Flieg, bis du einen grossen See siehst!» dringt die «Baby». Ein Parramore entscheidet, ohne zu zögern, und dreht Propeller überdreht, nach Süden ab. Kurz bevor der Bodensee erreicht ist, gerät ausser Kontrolle. sichtet er ein deutsches Jagdflugzeug. Der angeschlagene Bomber ist ein leichtes Opfer für den Todesstoss. Parramore steuert Ausweichmanöver, wie ein Wunder wird er nicht angegriffen. Er überquert den See Richtung Altenrhein. Die Crew versucht vergeblich, Roys Blutung zu stillen. Garcia entschärft die blockierte Bombe, um zu verhindern, dass sie beim Landen auf dem unebenen
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Der B-17 Bomber setzt am 24. April 1944 um 14 Uhr auf der Graspiste des Flugplatzes Altenrhein auf.
Flugplatz Altenrhein während des Zweiten Weltkriegs.
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GESCHICHTE
Grasfeld explodiert. Parramore entdeckt das Flugfeld. Es herrscht Westwind, also Anflug von Osten. Aber er will nicht über feindliches, österreichisches Land anfliegen. Er kreist lange immer tiefer über Rorschach, bis er die Landung mit Rückenwind vom See her riskiert. Die Maschine setzt auf dem Gras auf, doch der Auslauf ist wegen des Rückenwinds zu lang. Zudem driftet der Bomber wegen eines zerschossenen Pneus nach links in eine der tiefen Rillen, die ein vor elf Tagen gelandeter Bomber in den weichen Boden gerissen hat. Das Flugzeug kippt durch den abrupten Halt nach vorn – es steht für eine Sekunde fast auf dem Kopf, die Nase bricht. Doch dann fällt der Rumpf zurück in die normale Position. Kaum steht die Maschine, springt die Crew aus dem Flugzeug und warnt laut schreiend die herbeigeeilten Soldaten und Zuschauer, sich dem Bomber nicht zu nähern – die verhakte Bombe könnte nicht korrekt entschärft sein. Niemand versteht, warum sich die Amerikaner nicht über die geglückte Landung in der neutralen Schweiz freuen. Bomben auf Friedrichshafen
Im April 1944 hatte sich der Krieg der Schweizer Grenze genähert. Das Ende der Naziherrschaft in Deutschland war nur noch eine Frage der Zeit. Seit Juni 1943 waren die Rüstungswerke Dornier, Zeppelin und Maybach in Friedrichshafen und Telefunken in Immenstaad mehrmals bei Tag und bei Nacht bombardiert worden. So auch am 13. März und am 13. April 1944, einige Tage vor der Landung der «Baby». Der dumpfe Lärm der Bomben und Abwehrgeschütze sowie Rauch und Flammen konnten vom Schweizer Ufer aus wahrgenommen werden, wie auch Hunderte von dunklen Wolken der explodierenden Fliegerabwehrgeschosse. An beiden Tagen gelang es Piloten, ihre beschädigten Maschinen in Altenrhein zu landen. Da die Bomber jeweils vor der Landung tief über Rorschach kreisten, eilten viele, vor allem auch Buben, zu Fuss oder auf Velos zum Flugplatz, wo auch die Arbeiter der Dornierwerke aus der Fabrik strömten, um die Landung der Amerikaner zu erleben. Am 24. April flogen am Nachmittag nebst der «Baby» andere Bomber in die Schweiz ein, die in Oberpfaffenhofen beschossen worden waren. James King stürzte mit der «Lil Brat» im Anflug auf Dübendorf brennend bei Baltenswil ab, seine ganze Crew kam ums Leben. Auch die «Little Chub» versuchte in Dübendorf zu landen. Sie wurde von schweizerischen Jagdflugzeugen – für die Bevölkerung völlig unver-
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ständlich – abgeschossen und stürzte in den Greifensee. Nur vier Crewmitglieder konnten sich per Fallschirm retten. Die «Baby»-Crew erfuhr erst Tage später vom Schicksal ihrer Air-Force-Kollegen. Das Wundermittel Penicillin
Auf dem Flugplatz Altenrhein drängen Schweizer Soldaten die Zuschauermenge von der lädierten «Baby» zurück. Die Crew bettet Hommer auf eine Bahre und ruft verzweifelt nach einer Ambulanz. Hommer wird in die Sanitätsstation der nahen Dornierwerke getragen – ausgerechnet in die Firma, deren Werke in Deutschland er vor wenigen Stunden bombardiert hat. Eine Ambulanz holt ihn ins Spital Rorschach. Zwei Tage später liest man im Ostschweizerischen Tagblatt, dass die Gerüchte um den Tod des verletzten Amerikaners nicht stimmen, der junge Mann lebe, sei aber in besorgniserregendem Zustand. Wie ernst es um Hommer steht, ist sich Chirurg Max Richard bewusst. Er kann sein Leben nur retten, wenn er die nach der Operation eingetretene Blutvergiftung besiegen kann. Noch steht er unter dem Schock, dass sein eigener Assistenzarzt Schuhmacher vor wenigen Tagen an der damals unheilbaren Sepsis gestorben ist. Er weiss, dass die Amerikaner für ihre Armee das noch nicht lizenzierte Arzneimittel Penicillin produzieren und gelangt an die amerikanische Gesandtschaft in Bern. Die französische Resistance schmuggelt das rare Medikament in die Schweiz, und der Botschafter veranlasst eine Sendung nach Rorschach. Das Wundermittel wirkt; die Gesandtschaft telegraphiert Hommers Mutter, ihr Sohn sei verwundet, aber sicher in der Schweiz. Seine Kameraden dürfen ihn abwechselnd in Rorschach besuchen und spenden ihm mehrmals Blut.
Penicilin-Werbung: «Er wird heimkommen.»
Glasfenster zu Ehren von Chefarzt Max Richard im Spital Rorschach.
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GESCHICHTE
Der in Rorschach operierte Bordschütze Roy Hommer.
Die in Davos internierten Crew-Mitglieder John Garcia und Oscar Sampson.
Der clevere Chirurg hat sich genügend Penicillin liefern lassen. Es ermöglicht ihm, einige Wochen später einem zehnjährigen Rorschacher Buben das Leben zu erhalten. Der Bub war mit einem geplatzten Blinddarm eingeliefert worden. Auch er wird nach der Operation septisch, aufgegeben und abgesondert, seine Familie nimmt Abschied. Nachdem er dank Penicillin wie ein Wunder überlebt hat, erklärt ihm die stadtbekannte Krankenschwester Odilo, dass er sein Leben einem Amerikaner zu verdanken habe. Max Richard wurde ein europaweit anerkannter Kropfchirurg und führte bis zu 8000 Kropfoperationen aus. Hakenkreuz abgerissen
Während Hommer bis Ende 1944 im Spital Rorschach bleibt und mehrmals operiert wird, sind seine Kameraden in Adelboden wie alle amerikanischen Internierten in Hotels untergebracht. Im Juni werden die Offiziere nach Davos verlegt, mit ihnen auch die der «Baby»-Crew: Parramore, Sampson, Steichen und Garcia. Ausgerechnet nach Davos, das wegen seiner Tuberkulose-Höhenkliniken
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viele Deutsche und Nazi-Sympathisanten beherbergt. Die Offiziere wohnen im Hotel Palace, das deutsche Konsulat liegt direkt gegenüber. Ein Affront für Garcia und Sampson. Am 6. August reissen sie mit Hilfe von zwei jungen Davosern das Hakenkreuz vom Eingang. Deutschland verlangt von der Schweiz Bestrafung der beiden. Sie befürchten, ins berüchtigte Internierten-Straflager Wauwilermoos im Kanton Luzern gesteckt zu werden. Dieses wird vom nazifreundlichen und korrupten Schweizer Hauptmann André Béguin unter scheusslichen Bedingungen geführt. (1946 wird Béguin von einem Militärgericht zu nur dreieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Die USA versuchten vergeblich, ihn als Kriegsverbrecher verurteilen zu
Die Crew des Bombers «Baby» vor einer Trainingsmaschine während der Ausbildung in Texas. Hintere Reihe v.l. Hommer, Fass, Stetson, Dorsa, Bradshaw, Mckee; vordere Reihe: Parramore, Sampson, Steichen, Blencoe (durch Garcia ersetzt).
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