Appenzeller Verlag Leseprobe
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Marcel Steiner Yvonne Steiner
ZWINGLI-WEGE Zu Fuss von Wildhaus nach Kappel am Albis Ein Wander- und Lesebuch
Unterstützt durch: Südkultur Kultur Toggenburg
© 2017 by Appenzeller Verlag, CH-9103 Schwellbrunn Alle Rechte der Verbreitung, auch durch Film, Radio und Fernsehen, fotomechanische Wiedergabe, Tonträger, elektronische Datenträger, auch auszugsweiser Nachdruck sind vorbehalten. Bild Front und Seite 2: Gampeleggen, Klöntal Gestaltung: Janine Durot Gesetzt in ITC Stone Serif Std und Myriad Pro Gedruckt auf Infinity matt Périgord FSC Mix, 135 g/m2 Satz: Appenzeller Verlag, Schwellbrunn ISBN 978-3-85882-773-9 www.verlagshaus-schwellbrunn.ch
Inhalt 06 Vorwort 08 Erste Etappe Wildhaus – Strichboden 30 Zweite Etappe Strichboden – Arvenbüel 52 Dritte Etappe Arvenbüel – Weesen 70 Vierte Etappe Weesen – Glarus 90 Fünfte Etappe Glarus – Richisau 112 Sechste Etappe Richisau – Einsiedeln 132 Siebte Etappe Einsiedeln – Wädenswil 152 Achte Etappe Wädenswil – Zürich 174 Neunte Etappe Zürich – Kappel am Albis 196 Zeittafel 197 Literaturverzeichnis 198 Bildnachweis
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Zwingli-Wege – eine Idee Wandern ist die Tätigkeit, bei der man zu Fuss von A nach B gelangt. Die in der modernen Zeit überaus populäre Fortbewegungsart kann verschiedene Beweggründe haben: körperliche Ertüchtigung, Erfahren der Natur, Erleben des kulturellen Raums oder Nachdenken über das eigene Sein. Die Zwingli-Wege bringen alles zusammen. Der Schwierigkeitsgrad der neun Etappen zwischen Wildhaus im Toggenburg und Kappel am Albis ist unterschiedlich und oszilliert zwischen Spaziergang am Zürichsee und veritabler Bergtour am Saaspass. Die neun Etappen führen durch Landschaften, deren Schönheiten und Besonderheiten all jenen verschlossen bleiben, die sich nicht auf die Zwingli-Wege aufmachen. Ja, und die Kultur! Zahlreich sind die Zeugen aus längst vergangenen Zeiten am Wegesrand und noch zahlreicher jene des modernen Menschen. Und was, bitte schön, hat all dies mit Ulrich Zwingli zu tun? Zugegebenermassen nur wenig. Spuren finden wir in Wildhaus, Weesen, Glarus, Einsiedeln, Zürich und Kappel am Albis. Sicher ist auch, dass sich der passionierte Reisende Zwingli nicht entlang unserer Route bewegt hat. Denn die gelb und weissrot ausgeschilderten, sorgfältig angelegten Wander- und Bergwege gab es vor 500 Jahren noch nicht. Aber uns führen sie sicher über 130 Kilometer von Wildhaus nach Zürich und Kappel am Albis. Dort wo uns der Weg zu weit oder zu unattraktiv erscheint, empfehlen wir Ihnen die öffentlichen Verkehrsmittel. Sie können als Tageswanderer auf einzelnen Etappen unterwegs sein oder aber als Weitwanderer am Abend Einkehr halten und am Morgen wieder aufbrechen. Unterwegs werden Sie vergeblich nach Zwingli-Wege-Markierungen Ausschau halten. Zwingli-Wege sind kein Themenwanderweg, Zwingli-Wege ist eine Idee. Die Idee, Streiflichtern aus Zwinglis Leben und Facetten der Reformationszeit neun Wanderetappen zuzuordnen. Zwingli-Wege will kein Geschichts-
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buch sein und schon gar kein wissenschaftliches. Wenn Sie bei der Lektüre und beim Wandern ins Sinnieren geraten – über die Reformationsgeschichte, über Gott und die Welt, ja, über den Sinn des Lebens – dann sind Sie im Sinn der Zwingli-Wege unterwegs. September 2017 Marcel und Yvonne Steiner
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Erste Etappe | Wildhaus – Strichboden
ERSTE ETAPPE Wildhaus – Lis
ighaus – Oberd orf – Illtios – Sellamatt – Str ichboden
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Erste Etappe | Wildhaus – Strichboden
Alp Sellamatt mit Blick auf die Churfirsten, WildhausAlt St. Johann.
Thurtalerstofel, Alp Sellamatt, Wildhaus-Alt St. Johann.
Wildhaus – Strichboden | Erste Etappe
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Den Churfirsten entlang Start: Wildhaus, Dorf Ziel: Alp Selun, Strichboden Wanderzeit: 3 ¾ Stunden Weglänge: 13 km Gesamtaufstieg: 600 m Gesamtabstieg: 300 m Gaststätten: In Wildhaus, Oberdorf, Iltios, Sellamatt, Alp Selun/Strichboden (Juni bis Herbst). Bergbahnen: Sesselbahn Wildhaus-Oberdorf, wildhaus.ch, 071 998 50 50. Selunbahn, Bahn für die Alpwirtschaft, toggenburg.org, 079 537 77 20. Weitwanderer: Anreise mit Bahn und Bus nach Wildhaus Dorf, Übernachtung in der Alpwirtschaft Wildmannli, Alp Selun (Massenlager), wildmannli.ch, 079 261 73 56. Tageswanderer ÖV: Anreise mit Bahn und Bus nach Wildhaus Dorf. Rückreise ab Haltestelle Starkenbach. Tageswanderer Auto: Anfahrt nach Starkenbach, Parkplätze bei der Talstation der Selunbahn. Weiterreise mit dem Postauto zum Beginn der Wanderung nach Wildhaus Dorf. Varianten: Aufstieg von Wildhaus nach Oberdorf zu Fuss statt mit der Sesselbahn; Verlängerung der Wanderzeit um 40 Minuten. Abstieg von Strichboden nach Starkenbach zu Fuss statt mit der Selunbahn; Verlängerung der Wanderzeit um 1 ¼ Stunden.
Bild Seiten 8/9: Sellamatt mit Churfirsten, WildhausAlt St. Johann.
Bemerkenswert: A Reformierte Kirche Wildhaus B Zwingli-Geburtshaus C Zwingli-Quelle und Zwingli-Brunnen D Burgruine Wildenburg E Klangweg F Wildmannlisloch G Selunbahn
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Wildhaus – Strichboden | Erste Etappe
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Wanderroute Die Route führt zu Beginn der Wanderung vom Dorfplatz in Wildhaus 1 auf dem Trottoir der Hauptstrasse leicht abfallend Richtung Lisighaus 2 . Nach 800 m beim Hotel Alpenblick links auf die Vordere Schwendistrasse abbiegen und abwärts bis zur Talstation der Sesselbahn Wildhaus-Oberdorf 3 wandern. Beim Hauptwegweiser im Oberdorf 4 der Richtung St. Gallerweid folgen. Die Route verläuft auf dem Toggenburger Höhenweg, markiert mit einem grünen Routenfeld mit der Nummer 48 sowie bis zur Sellamatt auf dem mit braunen Wegweisern markierten Klangweg. Beim Wegweiser St. Gallerweid 5 rechts die Alpstrasse verlassen, der Weg führt nun durch Moorwiesen weiter. Auf dem Iltios 6 bietet das Bergrestaurant die Möglichkeit zur Einkehr, bevor es auf Höhenweg und Klangweg Richtung Sellamatt weitergeht. Im Gerstenboden 7 verlässt der Wanderweg rechterhand die Alpstrasse und auf der Sellamatt 8 kann erneut eingekehrt werden. Der Weg kann nicht verfehlt werden, stets auf dem Höhenweg bleibend, wird das Etappenziel Strichboden 9 erreicht. Tageswanderer fahren mit der Selunbahn talwärts nach Starkenbach 10 . Weitwanderer beziehen in der Alpwirtschaft Quartier.
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Erste Etappe | Wildhaus – Strichboden
Bemerkenswert A Reformierte Kirche Wildhaus
Bis 1484 gehörte Wildhaus zur Pfarrei Gams und wurde mit dem Bau der eigenen Liebfrauenkirche eine eigene Kirchgemeinde. Die Glocke stammt aus dem Jahr 1396 und hing einst in der Kapelle der Wildenburg. 1506 las Zwingli am Michaelstag (29. September) in dieser Kirche seine erste Messe. Bis zum Bau der katholischen Kirche im Jahr 1777 wurde die Liebfrauenkirche von beiden Konfessionen benutzt. Die nördliche Seitenwand der Kirche ist geschmückt mit dem Zwingli-Zitat: «Losend dem Gotzwort! Denn das wird Üch allein wiederumb zerecht bringen».
B Zwinglihaus Das Geburtshaus von Ulrich Zwingli steht im Ortsteil Lisighaus, 800 m westlich des Dorfzentrums Wildhaus. Es ist eines der ältesten erhaltenen Bauernhäuser der Schweiz. Im 19. Jahrhundert diente es als Schulhaus und ist heute im Besitz der Evangelisch-reformierten Landeskirche des Kantons St. Gallen, die darin ein Museum betreibt. Umfassende Literatur zum Thema Reformation mit Schwerpunkt Zwingli ist in der dem Museum angegliederten Zwinglibibliothek zu finden. Auskunft zu den Öffnungszeiten von Museum und Bibliothek erteilen +41 71 999 16 25 oder +41 71 999 16 63.
Wildhaus – Strichboden | Erste Etappe
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C Zwingli-Quelle und ZwingliBrunnen Wenige Meter neben der ehemaligen Post Lisighaus in Wildhaus erinnert ein Gedenkstein mit dem Medaillon des Reformators und ein Brunnen, aus dem bestes Quellwasser sprudelt, an den berühmten Mann. Die ältesten Wasserrechte des Brunnens gehören zum Zwinglihaus. 1951 wurde der heutige Brunnen nach einem Entwurf des Winterthurer Architekten Edwin Bosshardt erstellt. Das Zwingli-Relief stammt vom Berner Künstler Karl Hänny. Die Anlage wurde auf private Initiative erstellt und als Eigentum der Evangelisch-reformierten Landeskirche des Kantons St. Gallen übergeben.
D Burgruine Wildenburg Die Wildenburg liegt östlich des Dorfzentrums Wildhaus auf einem Felssporn in der Nähe des Schönenbodensees. Sie ist zu Fuss vom Dorfzentrum in einer guten halben Stunde erreichbar. Die Wildenburg ist für Wildhaus namensgebend und wurde vermutlich um 1200 von den Freiherren von Sax aufgegeben. Um das Jahr 1600 setzte ein Blitzschlag die Anlage in Brand und machte sie unbewohnbar. Im Zweiten Weltkrieg wurde im Burghügel ein Infanteriewerk errichtet, 1998 nach Deklassierung des Werks ging die Ruine in den Besitz der Gemeinde Wildhaus-Alt St. Johann über. Seit 2013 ist die restaurierte und konservierte Burgruine mit einer Aussichtsplattform und Feuerstellen für das Publikum frei zugänglich.
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Erste Etappe | Wildhaus – Strichboden
E Klangweg Die Route der ersten Etappe verläuft zu einem grossen Teil auf dem Klangweg. Dieser führt am Fuss der Churfirsten vom Oberdorf auf die Alp Sellamatt oder umgekehrt. 26 Klanginstallationen am Wegrand laden zum Ausprobieren und Bespielen ein. Texttafeln zu jedem Instrument vermitteln Hintergrundinformationen zur Klangerzeugung, zur Bauweise und zur Stimmung des Instruments. Der Klangweg wurde 2004 eröffnet und ist mit mehreren zehntausend Besucherinnen und Besuchern pro Jahr eine regionale Attraktion. F Wildmannlisloch Zehn Minuten neben der Alpwirtschaft Wildmannli liegt das Wildmannlisloch. Die Höhle liegt am Nordhang des Seluns, des siebten Churfirsten. Die Höhle wurde zwischen 1906 und 1927 vom St. Galler Naturwissenschafter Emil Bächler erforscht. Die heute bekannten Forschungen gehen davon aus, dass das Wildmannlisloch seit der Zeit vor etwa 90000 Jahren immer wieder von Bären aufgesucht wurde, die dort den Winterschlaf hielten. Später bot die Höhle auch Jägern und Sammlern Unterschlupf. Um die Höhle ranken sich zahlreiche Sagen und Geschichten, die auch im Sagenweg zwischen der Sellamatt und dem Wildmannlisloch ihren Niederschlag finden. Eng verknüpft ist die Höhle auch mit der Geschichte des Toggenburger Findelkindes Johannes Seluner, der einige Zeit im Wildmannlisloch verbracht haben soll.
Wildhaus – Strichboden | Erste Etappe
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G Selunbahn Die Fahrt mit der Selunbahn ist ein spezielles Erlebnis. Sie wurde 1911 als einfache Transportseilbahn für die Alpwirtschaft erbaut. 1955 wurde sie erneuert und umgebaut, so dass sie auch vom Alppersonal benützt werden durfte. 1986 erfolgte eine Totalsanierung, darauf erhielt die Bahn die Konzession für den allgemeinen Personentransport. Die Seilbahn überwindet in zehn Minuten eine Höhendifferenz von 671 Metern zwischen dem Weiler Starkenbach im Thurtal und dem Strichboden. Die Gondeln sind eine einfache, offene Konstruktion, die vier Personen Platz bieten. Während der Alpzeit muss der Platz oft mit Milchtansen geteilt werden. Auskunft über die Betriebzeiten unter +41 79 537 77 20.
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Erste Etappe | Wildhaus – Strichboden
Der Säntisgalöri von Wildhaus Wie die Welt aussah, in die Ulrich Zwingli 1484 im obersten Toggenburg hineingeboren wurde Ulrich Zwingli wurde im ausgehenden 15. Jahrhundert in eine angesehene und begüterte Toggenburger Familie hineingeboren. Der Alltag der Menschen war von Handarbeit bestimmt, und die allgegenwärtige Kirche ordnete das Leben mit ihren Vorschriften und Verboten. Die Welt war im Umbruch; das heliozentrische Weltbild von Kopernikus stellte die Sonne und nicht mehr die Erde in den Mittelpunkt der Welt und damit die ganze bisherige Weltordnung auf den Kopf. Als Ulrich Zwingli am 1. Januar 1484 in Lisighaus, einem Weiler von Wildhaus, auf die Welt kam, waren amtliche Geburtsregister noch nicht bekannt, und in den Taufbüchern wurden die Mädchen oft nicht eingetragen. So ist nicht sicher, wie viele Geschwister Ulrich Zwingli hatte. Belegt sind Vater Ulrich Zwingli
Lisighaus mit Zwinglis Geburtshaus, Aquatinta von Johann Baptist Isenring, um 1825.
Wildhaus – Strichboden | Erste Etappe
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(1455/1460 –1513/1516) und Mutter Margaretha Meili, geborene Bruggmann (1458 –1519), sowie sieben Brüder und zwei Schwestern: Heinrich, Klaus, Hans, Wolfgang, Bartholome (Bartli), Jakob, Andreas, Anna und Katharina (Trina). Ulrich war das dritte Kind der Familie und wurde wie damals üblich auf den Namen seines Paten getauft. Über das Familienleben und die einzelnen Familienmitglieder ist kaum etwas bekannt, da der spätere Reformator sie in seinen Schriften und Briefen meist nur indirekt erwähnt.
Familienwappen der Zwinglis.
Luther schimpfte Zwingli «Zwingel» – einen Zwängigrind Der Familiennamen Zwingli wird verschieden erklärt. In manchen Dialekten werden bis heute Zwillinge als Zwingli bezeichnet. Dass Ulrich Zwingli sich dieser Bedeutung bewusst war, zeigte er in der latinisierten Form seines Namens «Huldrychus Geminius» von lateinisch geminus – Zwilling. Als Student hatte er sich in Wien und in Basel mit «Udalricus Zwingling» immatrikuliert. Auch hier zeigt sich die Nähe zu «Zwilling». Das Familienwappen der Zwingli hingegen zeigt eine Zwinge, einen eisernen Ring; Zwingli bedeutet demnach kleiner Ring oder Ringli. Zwingli könnte sich aber auch von der gebräuchlichen Flurbezeichnung «Twing» oder «Zwing» ableiten, was ein Engnis oder ein eingezäuntes Stück Land bezeichnet. Südwestlich des Chreialp- oder Zwinglipasses auf Gebiet der Gemeinde Wildhaus-Alt St. Johann wird eine Stelle von den Einheimischen als Zwingli bezeichnet, wo der Weg durch eine Felsverengung, durch eine Zwinge, verläuft. Da der Chreialppass erst seit etwa 1900 auch als Zwinglipass bezeichnet wird, ist es nicht ausgeschlossen, dass mit dem Zweitnamen im Zug des aufkommenden Nationalismus auf den Reformator Ulrich Zwingli als vorbildliche Schweizer Persönlichkeit Bezug genommen wurde. Der Familienname Zwingli hat den deutschen Reformator Martin Luther zu einer ganz persönlichen Deutung angeregt. Luther nannte Zwingli an der Marburger
Disputation 1529 «Herr Zwingel»; ein Anhänger Luthers deutschte das aus als: «Zwingli will uns zwingen.» Mit dem Austeilen von Schimpf- und Spottnamen war man damals nicht zimperlich. Im Unterland erregte der Bauernsohn aus den Bergen Misstrauen und wurde als «Säntisgalöri» abgetan: ein Fremdling aus einem Schlag, den man nicht einschätzen konnte; den Bergen entstammend, die als unheimlich und unberechenbar galten; ein derber und ungebildeter Bauerntölpel. Ein Vorurteil, das auf Ulrich Zwingli allerdings nicht zutraf. Spross einer angesehenen Familie Ulrich Zwingli wurde in eine angesehene Familie hineingeboren. Sowohl Grossvater Heinrich als auch Vater Ulrich waren Bauern, Kaufleute und Ammänner. Sein Geburtshaus ist heute ein Museum und erscheint im Vergleich zu den heutigen Häusern daneben klein und bescheiden. Zu Zwinglis Zeit war es jedoch von Typ und Bauart her ein herrschaftliches Haus. Im Erdgeschoss be-
Zwinglihaus in Lisighaus, Stahlstich von Johann Balthasar Bullinger/Franz Hegi, um 1820.