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Perfusion 2025-05/06

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5/6 2025 PERFUSION VERLAG

Kreislauf- und Stoffwechselerkrankungen in Klinik und Praxis

Offizielles Organ der Deutschen Gesellschaft für Arterioskleroseforschung

Jahrgang 38, Heft 5/6 Dezember 2025

Current Contents/ Clinical Medicine

ÜBERSICHTSARBEIT Eosinophile Erkrankungen verstehen und therapieren FOREN Forum cardiologicum: • Fünf Gründe für SGLT-2-Inhibitoren in Ihrer hausärztlichen Praxis:So managen Sie Herzinsuffizienz effektiv • Das Herzpflaster – eine bahnbrechende Therapieoption bei fortgeschrittener Herzinsuffizienz Forum Gerinnungsstörungen: Innovative Rebalancing-Therapie bei Hämophilie A und B: ein großer Schritt hin zum „hemophilia-free mind“? Forum hereditäre Erkrankungen: Hereditäres Angioödem: Lanadelumab kann die Krankheitskontrolle auch bei niedriger Attackenrate verbessern Forum nephrologicum: • Peritonealdialyse neu gedacht – Impulse für die Nierenersatztherapie der Zukunft • Paradigmenwechsel in der Therapie der IgA-Nephropathie: Kinpeygo® erhält KDIGO-Empfehlung Forum Lipidsenker: ESC/EAS-Leitlinien-Update 2025 zur Dyslipidämie: Bempedoinsäure mit höchstem Empfehlungsgrad verankert Forum diabeticum: • Die Früherkennung des Typ-1-Diabetes fängt in der Kinderarztpraxis an • Insulin glargin 300 E/ml: einfache Umstellung auf eine stabile Blutzuckerkontrolle Forum ophthalmologicum: Endokrine Orbitopathie frühzeitig erkennen und behandeln REDAKTIONELLER TEIL Mitteilungen, Kongressberichte

ISSN 0935-0020


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Tim Eikermann, TSV Bayer Leverkusen, 60 & 100 m Hürden Deutscher Hallenmeister 2023 & 2024 (60 m Hürden)


EDITORIAL

Poorly designed clinical trials are unethical and dangerous Clinical trials are often poorly designed. This may be because of the incompetence of the researchers. In other instances, it could be by intention; after all, low-quality studies are more likely to yield a positive outcome. Such trials are not a mere nuisance, but they violate fundamental ethical principles and can lead to significant harm. Here are six ways in which poorly conceived studies can cause grief: 1. Waste of participants’ good will: If a study design is scientifically flawed, it is sure to produce an uninterpretable or irrelevant result. This means that the subjects have endured the burdens of participating (e.g. time, pain, inconvenience) unnecessarily. Strictly speaking, this is unethical. 2. Waste of money: If a study is poorly designed and thus unable to produce a meaningful result, the often con-

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Prof. Dr. med. E. Ernst, Exeter, U.K.

siderable amounts of money that have gone into the trial are wasted. Strictly speaking, this is unethical. 3. Waste of effort: If a study does not contribute meaningfully to advancing our knowledge, the time spent by researchers to conduct it is wasted and should have been spent more wisely. Strictly speaking, this is unethical. 4. Misleading conclusions: Flawed trial methodologies (e.g., selection bias, inappropriate endpoints, incorrect statistical analysis) lead to inaccurate, misleading or wrong results that send us all up the garden path. This can cause considerable harm to patients. Strictly speaking, this is not only unethical but also dangerous. 5. Erosion of public trust: Trials that are useless destroy public trust in science and medical research, mak-

ing future, ethical studies more difficult to conduct. Strictly speaking, this is dangerous. 6. Unwarranted credibility: Poorly designed trials transfer unwarranted credibility to a form of treatment that is implausible or otherwise not credible. Consequently, consumers might believe it to be evidence-based and use it. Strictly speaking, this can harm their health and is therefore dangerous. The lesson for researchers is simple: design your studies well. The lesson for the public is equally simple: be sceptical and mistrust findings that seem too good to believe. Unfortunately translating these lessons into action is far from simple. Edzard Ernst, Emeritus Professor, University of Exeter

© Verlag PERFUSION GmbH


Heft 5/6 Dezember 2025

137, 141 Forum cardiologicum 142 Forum Gerinnungsstörungen 144 Forum hereditäre Erkrankungen 146, 148 Forum nephrologicum 151 Forum Lipidsenker 153, 154 Forum diabeticum 155 Forum ophthalmologicum 150, 157 Mitteilungen 158 Kongressberichte

137, 141 Forum cardiologicum 142 Forum coagulation disorders 144 Forum hereditary diseases 146, 148 Forum nephrologicum 151 Forum lipid lowering drugs 153, 154 Forum diabeticum 155 Forum ophthalmologicum 150, 157 Informations 158 Congress reports

Offizielles Organ der Deutschen Gesellschaft für Arterioskleroseforschung Current Contents/Clinical Medicine

INHALT EDITORIAL 129 Schlecht konzipierte klinische Studien sind unethisch und gefährlich E. Ernst ÜBERSICHTSARBEIT 132 Eosinophile Erkrankungen verstehen und therapieren B. Söllner

CONTENTS EDITORIAL 129 Poorly designed clinical trials are unethical and dangerous E. Ernst REVIEW 132 Understanding and treating eosinophilic disorders B. Söllner


MOSSUL / IRAK © Peter Bräunig

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B. Söllner: Eosinophile Erkrankungen verstehen und adäquat therapieren

ÜBERSICHTSARBEIT

Eosinophile Erkrankungen verstehen und adäquat therapieren Brigitte Söllner, Erlangen

Eosinophile Granulozyten (EOS) spielen eine zentrale Rolle bei entzündlichen Prozessen und sind entscheidend für die Pathogenese verschiedener Erkrankungen wie dem schweren eosinophilen Asthma (SEA) und der eosinophilen Granulomatose mit Polyangiitis (EGPA) [1]. Als Bestandteile des Immunsystems sind EOS auch an der Abwehr von parasitären, bakteriellen und viralen Infektionen beteiligt. Sie sammeln sich in verschiedenen Zielorganen des Körpers an und werden dort aktiviert [2, 3]. Ist die Regulation der EOS-Aktivität gestört, kann es zur vermehrten Ausschüttung proinflammatorischer Zytokine kommen, was wiederum zu Krankheiten in verschiedenen Organen führen kann – z.B. zu Asthma, chronischer Rhinosinusitis mit Nasenpolypen (CRSwNP), eosinophilen gastrointestinalen Störungen, EGPA oder dem hypereosinophilen Syndrom (HES) [1, 2, 3]. In der Pathophysiologie dieser Erkrankungen spielen EOS eine zentrale Rolle, denn sie triggern die zugrundeliegende Inflammation und die Schädigung des Gewebes. Als Teil der Typ-2-Immunantwort werden die Signale der EOS über die Interleukine(IL)-4 und -13 sowie insbesondere über das Zytokin Perfusion 5-6/2025

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IL-5 vermittelt. IL-5 ist maßgeblich an der Vermehrung, Reifung, Aktivierung und Anreicherung von EOS beteiligt [1].

12]. Außerdem ist eine erhöhte EOS-Konzentration im Sputum mit einer stärkeren Atemwegsobstruktion und einem Abfall der Einsekundenkapazität (FEV1) assoziiert [13, 14, 15].

Schweres eosinophiles Asthma (SEA) Bei mehr als 80 % der Patienten mit schwerem Asthma liegt ein eosinophiler Phänotyp vor [4]. Hierbei reagiert der Körper auf Reize wie beispielsweise Infekte, indem er vermehrt eosinophile Granulozyten produziert. Diese sammeln sich im Lungengewebe und rufen dort eine Entzündung hervor [5, 6]. Diese Entzündungsreaktion führt zu Gewebeschäden, einer erhöhten Schleimproduktion sowie zu einer Verengung der Atemwege und damit zu den typischen Asthmasymptomen wie Atemnot, Husten und Engegefühl in der Brust [5–7]. Die Patienten haben häufig Exazerbationen, signifikante Einschränkungen der Lungenfunktion und eine verringerte Lebensqualität [8, 9, 10]. Eine erhöhte Anzahl von EOS im Blut gilt daher als ein zuverlässiger Prädiktor und Biomarker für das Risiko einer Exazerbation und korreliert mit einer schlechteren Asthmakontrolle [11,

Eosinophile Granulomatose mit Polyangiitis (EGPA) EGPA, früher als Churg-StraussSyndrom bezeichnet, ist eine seltene, komplexe Autoimmunerkrankung mit langem Leidensweg und teilweise lebensbedrohlichen Situationen für die Patienten. Sie kann verschiedene Organe, einschließlich der Lunge, Herz, Haut, MagenDarm-Trakt und Nerven, schädigen [16, 17]. EGPA tritt fast immer (≥95 %) zusammen mit Asthma auf und verursacht eine Entzündung kleiner bis mittelgroßer Blutgefäße, begleitet von einer Eosinophilie im Blut und Gewebe [18, 19]. Zu den häufigsten Symptomen zählen extreme Müdigkeit, Gewichtsverlust, Muskel- und Gelenkschmerzen, Hautausschläge, Nervenschmerzen sowie Nasen- und Atemwegsbeschwerden. Ohne Behandlung kann die Krankheit tödlich verlaufen [20]. Zwar ist noch nicht vollständig verstanden, wie die EGPA ent© Verlag PERFUSION GmbH


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B. Söllner: Eosinophile Erkrankungen verstehen und adäquat therapieren

steht, man geht jedoch davon aus, dass EOS für die mit EGPA verbundenen Organschäden verantwortlich sein können, indem sie das Gewebe infiltrieren und durch zytotoxische Effekte wie die Freisetzung des eosinophilen kationischen Proteins (ECP) und des Major Basic Protein (MBP) direkt schädigen [18, 21]. Außerdem rekrutieren sie auch andere Immunzellen wie Basophile und ILC2, die die Entzündungsreaktion verstärken und die Gewebeschädigung fördern [22, 23]. Die EGPA entwickelt sich typischerweise in 3 Phasen, wobei die einzelnen Phasen nicht bei allen Patienten und nicht in einer bestimmten Reihenfolge auftreten oder sich teilweise überschneiden. EOS sind an allen 3 Phasen beteiligt, dabei korreliert der Grad der Bluteosinophilie mit der Krankheitsaktivität [22]: 1. In der Prodromalphase stehen Asthma und Allergiesymptome im Vordergrund, oft verbunden mit chronischer Rhinosinusitis und Nasenpolypen (CRSwNP). Typisch sind erhöhte EOS-Zahlen im Sputum und erhöhte Spiegel von aus EOS ausgeschütteten Mediatoren [16, 21, 24]. 2. In der zweiten, eosinophilen infiltrativen Phase erhöht sich die Eosinophilenzahl im Blut und Gewebe, was Entzündungen und Gewebeschäden verursacht [21, 24]. 3. Die dritte, vaskulitischen Phase ist durch eine nekrotisierende Vaskulitis gekennzeichnet mit Entzündungen der kleinen Arterien und Venen, die zu weiteren Organschäden bis hin zu lebensbedrohenden Situationen führen kann [24]. Perfusion 5-6/2025

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Im Durchschnitt vergehen 3 – 9 Jahre von Beginn des Asthmas bis zur vaskulitischen Phase [16].

Nachteile der Therapie mit hochdosierten Kortikosteroiden Die Behandlung der EGPA hat das Ziel, eine langfristige Remission zu erreichen. Allerdings gelingt das bei etwa 40 % der Patienten mit den bisherigen Behandlungsoptionen nicht [25]. Laut Leitlinie bilden bislang orale Kortikosteroide (OCS) die Basis der Behandlung [26]. Diese sind aber in der Langzeitanwendung mit erheblichen Nebenwirkungen und Schäden für die Patienten verbunden, sodass die Leitlinien dazu raten, die OCS-Dosis soweit möglich zu reduzieren [26]. Außerdem kommt es beim Absetzen von OCS häufig zu einem Rezidiv, das möglicherweise auf eine entstehende gewebespezifische Kortikosteroidresistenz zurückzuführen ist – ein Teufelskreis entsteht [27, 28].

Mit Benralizumab die eosinophile Entzündungsreaktion gezielt stoppen Da eosinophile Graulozyten bei der EGPA die treibende Kraft für die Inflammation sind, rücken Therapie­ optionen, die direkt oder indirekt auf die EOS abzielen und somit nicht nur die Symptome, sondern auch die Ursache der eosinophilen Entzündung bekämpfen, immer mehr in den Fokus. Ein Wirkstoff, der diese Anforderungen erfüllt, ist Benralizumab (Fasenra®). Dieser monoklonale Antikörper blockiert gezielt den

Interleukin-(IL-)5-Rezeptor auf der Oberfläche von Eosinophilen und Basophilen und stoppt so die eosinophile Entzündungskaskade. Da bei den Eosinophilen gleichzeitig durch die Rekrutierung von Immuneffektorzellen die Apoptose eingeleitet wird, werden die EOS im Blut rasch nahezu vollständig entfernt [29]. Dieser Effekt bleibt über die gesamte Behandlungsdauer erhalten und ermöglicht damit den Patienten das Erreichen einer Remission sowie eine Reduktion oder sogar das Absetzen von OCS [1].

Überzeugende Studiendaten für die Behandlung von SEA und EGPA Benralizumab wird aufgrund seiner hohen Wirksamkeit bei der Reduzierung der EOS schon seit über 7 Jahren zur Behandlung des schweren eosinophilen Asthmas (SEA) eingesetzt, das trotz hochdosierter inhalativer Kortikosteroide plus langwirksamer Beta-Agonisten unzureichend kontrolliert ist. Bereits in den Studien PONENTE und SHAMAL bei Patienten mit unkontrolliertem SEA wurde gezeigt, dass die Steroidgabe durch die Behandlung mit Benralizumab reduziert werden konnte [30, 31]. In PONENTE konnten 63 % der Patienten die OCS vollständig absetzen und 92 % ihre OCS-Dosis auf ≤5 mg pro Tag senken. Bei Patienten mit Nebenniereninsuffizienz war bei 82 % ein vollständiges Absetzen der OCS bzw. eine Reduktion auf unter 5 mg pro Tag möglich. Auch mit der reduzierten OCS-Dosis blieben 75 % der Patienten exazerbationsfrei [30]. © Verlag PERFUSION GmbH


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Benralizumab Benralizumab (Fasenra®) ist ein anti-eosinophiler, humanisierter, afucosylierter, monoklonaler Antikörper (IgG1, kappa). Dieser bindet mit hoher Affinität und Spezifität an die Alpha-Untereinheit des menschlichen Interleukin-5-Rezeptors (IL-5Rα). Der IL-5-Rezeptor wird spezifisch auf der Oberfläche von Eosinophilen und Basophilen exprimiert. Das Fehlen von Fucose im Fc-Bereich von Benralizumab führt zu einer hohen Affinität von Benralizumab zu FcγRIII-Rezeptoren auf Immuneffektorzellen, wie z.B. natürlichen Killerzellen (NKZellen). Dies führt durch eine verstärkte antikörperabhängige zellvermittelte Zytotoxizität zur Apoptose von Eosinophilen und Basophilen, wodurch die eosinophile Entzündung reduziert wird [29]. Benralizumab ist zugelassen als Add-on-Erhaltungstherapie bei erwachsenen Patienten mit schwerem eosinophilem Asthma (SEA), das trotz hochdosierter inhalativer Kortikosteroide plus langwirksamer Beta-Agonisten unzureichend kontrolliert ist, sowie als Addon-Therapie bei erwachsenen Patienten mit rezidivierender oder refraktärer eosinophiler Granulomatose mit Polyangiitis (EGPA) [29]. Benralizumab wird mittels Fertigspritze oder Pen subkutan appliziert. Bei Asthma beträgt die empfohlene Dosis von Benralizumab 30 mg als subkutane Injektion, die ersten 3 Dosen in einem Abstand von 4 Wochen und anschließend alle 8 Wochen. Bei EGPA beträgt die empfohlene Dosis von Benralizumab 30 mg als subkutane Injektion alle 4 Wochen [29]. Die Behandlung mit Benralizumab führt bei SEA innerhalb von 24 Stunden nach der ersten Dosis zu einer nahezu vollständigen Depletion der Eosinophilen im Blut, die über die gesamte Behandlungsdauer erhalten bleibt. Bei Patienten mit EGPA war die Depletion der Eosinophilen im Blut konsistent mit dem in den Asthma-Studien beobachteten Effekt [29].

SHAMAL ist die erste randomisierte, kontrollierte Studie, die die Möglichkeit einer Reduktion der Hintergrundmedikation mit ICS/ LABA unter der Therapie mit Benralizumab zeigen konnte. Unter Benralizumab reduzierten 92 % der Patienten erfolgreich die Erhaltungsdosis HD-ICS/LABA bei gleichbleibender Asthmakontrolle während der 32-wöchigen Reduktionsphase [31]. Langzeitstudien zum Sicherheitsprofil bei SEA zeigten außerdem, dass der Wirkstoff bei diesen PatiPerfusion 5-6/2025

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enten über Jahre hinweg angewendet werden konnte – ohne zusätzliche Sicherheitssignale [32]. Seit dem 24.10.2024 ist der in der Therapie des unkontrollierten SEA bewährte Anti-IL-5-R-Antikörper auch für die Behandlung der rezidivierenden oder refraktären EGPA zugelassen [29]. Die Indikationserweiterung basiert auf den Ergebnissen der Nichtunterlegenheitsstudie MANDARA, der ersten und einzigen Head-to-head-Studie zweier Biologika bei EGPA, die die Wirksamkeit und Verträglichkeit von

Benralizumab und Mepolizumab bei Patienten mit rezidivierender oder refraktärer EGPA verglich [33]. Die teilnehmenden 140 Patienten erhielten über 52 Wochen alle 4 Wochen entweder 30 mg Benralizumab als einzelne s.c. Injektion oder 300 mg Mepolizumab als 3 separate s.c. Injektionen. Alle Studienteilnehmer bekamen eine stabile orale Kortikosteroid- (OCS)Dosis von ≥7,5 bis ≤50 mg/Tag. Primärer Endpunkt war der Anteil der Patienten, die sowohl in Woche 36 als auch in Woche 48 eine Remission erreichten, definiert als Birmingham Vasculitis Activity Score (BVAS) = 0 (d.h. keine aktive Vaskulitis) plus Prednisolon/ Prednison-Dosis ≤4 mg/ Tag [33]. Beide Biologika erzielten vergleichbare Remissionsraten: 58 % unter Benralizumab und 57 % unter Mepolizumab. Der Anteil der Patienten, die ihre OCS-Dosis in den Wochen 48 – 52 vollständig absetzen konnten, war jedoch mit Benralizumab höher (41 % vs. 26 %; 95-%-KI: 0,67–30,71; nominaler p = 0,04) (Abb. 1). Benralizumab erwies sich als gut verträgliche Therapieoption und zeigte zudem auch eine schnelle und nachhaltige Reduktion der EOS im Blut über 52 Wochen hinweg (Abb. 2 und 3) [33].

Fazit Eosinophile Granulozyten, aktiviert durch IL-5, sind der Dreh- und Angelpunkt bei inflammatorischen Prozessen, so auch bei schwerem, nicht kontrollierbarem eosinophilem Asthma (SEA) und der oft rezidivierenden oder refraktären eosinophilen Granulomatose mit © Verlag PERFUSION GmbH


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Eosinophilenzahlen im Blut

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Abbildung 2: Ergebnisse der MANDARA-Studie für den sekundären Endpunkt, die Reduktion der Eosinophilen-Zahl im Blut. Unter der Behandlung mit Benralizumab erfolgte die EOS-Depletion schneller und vollständiger als unter Mepolizumab [33]. Perfusion 5-6/2025

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Abbildung 3: Unterschiedliche Mechanismen der EOS-Reduktion: Benralizumab bindet hochaffin und spezifisch an den menschlichen Interleukin-5-Rezeptor, der spezifisch auf der Oberfläche von Eosinophilen und Basophilen exprimiert wird. Das Fehlen von Fucose im Fc-Bereich von Benralizumab führt zu einer hohen Affinität von Benralizumab zu FcγRIII-Rezeptoren auf Immuneffektorzellen, wie z. B. natürlichen Killerzellen. Dadurch wird die antikörperabhängige zellvermittelte Zytotoxizität verstärkt und die Apoptose von Eosinophilen und Basophilen eingeleitet, sodass die eosinophile Entzündung reduziert wird. Im Gegensatz dazu bindet Mepolizumab an IL-5, verhindert dessen Bindung an die EOS und vermindert so deren Produktion und Überleben [29, 34].

Polyangiitis (EGPA). Für die davon betroffenen Patienten, die häufig unter den Nebenwirkungen der meist hochdosierten Glukokortikoidtherapie leiden, bietet der AntiIL-5-R-Antikörper Benralizumab (Fasenra®) eine willkommene, langfristig wirksame und sichere Alternative, um Langzeitschäden an Organen zu verhindern und ihre Lebensqualität zu verbessern. Denn Benralizumab kann durch die Blockade des IL-5-Rezeptors die eosinophile Entzündungskaskade im Blut stoppen, sodass die Patienten eine Remission erreichen und die Glukokortikoide reduzieren oder sogar ganz absetzen können. Brigitte Söllner, Erlangen Literatur 1 Wechsler ME et al. Mayo Clin Proc 2021; 96:2694-2707 2 Ramirez GA et al. Biomed Res Int 2018; 2018:9095275 3 Jackson DJ et al. Eur Respir Rev 2022; 31:210150 4 Heaney LG et al. Chest 2021;160:814830 Perfusion 5-6/2025

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5 McBrien CN et al. Front Med (Lausanne) 2017;4:93 6 Brusselle GG et al. N Engl J Med 2022; 386:157-171 7 Porsbjerg C et al. Lancet 2023;401:858873 8 Chung KF et al. Eur Respir J 2014;43: 343-373 9 Wenzel S. Am J Respir Crit Care Med 2005;172:149-160 10 Fernandes AGO et al. J Bras Pneumol 2014;40:364-372 11 Price D et al. J Asthma Allergy 2016;9:1-12 12 Price DB et al. Lancet Respir Med 2015; 3:849-858 13 Broekema M et al. Respir Med 2010; 104:1254-1262 14 Talini D et al. BMJ Open 2015;5 :e005748 15 Woodruff PG et al. J Allergy Clin Immunol 2001;108:753-758 16 Chakraborty RK et al. Churg-Strauss Syndrome. In: StatPearls. Treasure Island (FL): StatPearls Publishing; March 23, 2023 17 Trivioli G et al. Rheumatology 2020;59 (Suppl 3):iii84-iii94 18 Furuta S et al. Allergol Int 2019;68: 430-436 19 Cottin V et al. Eur Respir J 2016;48: 1429-1441 20 American Partnership for Eosinophilic Disorders. Eosinophilic Granulomatosis with Polyangiitis (EGPA). https://apfed. org/about-ead/eosinophilic-granulomatosis-withpolyangiitis/ 21 Khoury P et al. Nat Rev Rheumatol 2014; 10:474-483 22 Fagni F et al. Front Med 2021;8:627776

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Anschrift der Verfasserin: Brigitte Söllner Medizinjournalistin und Wissenschaftliche Lektorin Lärchenweg 10 91058 Erlangen brigitte.soellner@online.de © Verlag PERFUSION GmbH


FORUM CARDIOLOGICUM

Trotz erheblicher Errungenschaften in der Herzinsuffizienz-Therapie bleibt die reale Versorgung oft hinter den Möglichkeiten zurück. Um diese Diskrepanz zu überwinden, kommt der Allgemeinmedizin eine Schlüsselfunktion zu. Denn Hausärzte nehmen eine zentrale Rolle bei der Optimierung leitliniengemäßer Therapien ein. Gerade mit Blick auf SGLT-2-Inhibitoren wie Dapagliflozin (Forxiga®) zeigt sich, wie groß die Lücke zwischen wissenschaftlichen Empfehlungen und der Versorgungspraxis noch immer ist. Wer jedoch handelt und leitlinienkonforme Empfehlungen in der hausärztlichen Praxis integriert, kann die Prognose und Lebensqualität vieler Menschen mit diagnostizierter Herzinsuffizienz nachhaltig verbessern [1, 2, 3]. Dies betont auch Dr. Alexander Beck, Hausarzt, Internist und Kardiologe in der hausärztlich-internistischen Praxis, Essen: „Menschen mit diagnostizierter Herzinsuffizienz, die keine optimale medikamentöse Standardtherapie erhalten, begegnen uns leider häufig. Daher sollten wir den Therapieplan regelmäßig überprüfen und sicherstellen, dass alle leitlinienkonformen Behandlungsmöglichkeiten ausgeschöpft werden. Denn viele Patienten erhalten keinen SGLT-2-Inhibitor, obwohl sie genau davon profitieren würden. Wir als Hausärzte sind dabei bestens aufgestellt, solche therapeutischen Defizite zu beheben.“ Gestützt wird diese Einschätzung durch die umfangreiche Evidenz zu SGLT-2-Inhibitoren, die wichtige Argumente für deren konsequenten Einsatz im hausärztlichen Alltag liefert. Perfusion 5-6/2025

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Fünf Gründe für SGLT-2Inhibitoren in Ihrer hausärztlichen Praxis: So managen Sie Herzinsuffizienz effektiv 1. Leitlinienstandard Nationale und internationale Therapieleitlinien empfehlen SGLT2-Inhibitoren im Rahmen einer Erstlinientherapie zur Behandlung der Herzinsuffizienz unabhängig davon, ob ein Typ-2-Diabetes vorliegt oder nicht [1]. Die Empfehlungen umfassen gleichermaßen die Herzinsuffizienz mit reduzierter Ejektionsfraktion (HFrEF), die Herzinsuffizienz mit mäßig reduzierter Ejektionsfraktion (HFmrEF) und die Herzinsuffizienz mit erhaltener Ejektionsfraktion (HFpEF)a [1, 2, 3]. Aktuelle Daten aus dem deutschen Versorgungsalltag zeigen jedoch weiterhin großen Nachholbedarf, da nur rund 18 % der Patienten einen SGLT-2-Inhibitor erhielten [4]. Gerade hier kommt Hausärzten eine Schlüsselrolle zu: Da sie ihre chronisch kranken Patienten kontinuierlich begleiten, können sie die Therapie mit SGLTa

ine 1A-Empfehlung haben SGLT-2-InE hibitoren (SGLT-2i) von der European Society of Cardiology (ESC) erhalten: bei HFrEF als Bestandteil der 4-SäulenTherapie (ACEi/ARNI, Betablocker, MRA, SGLT-2i) und bei HFmrEF und HFpEF. Die S3-Leitlinie empfiehlt SGLT-2i bei HFrEF im Rahmen der 4-Säulen-Therapie (ACEi/ARB/ARNI, Betablocker, MRA, SGLT-2i), sowie bei HFmrEF und HFpEF.

2-Inhibitoren gezielt anstoßen und bestehende Versorgungslücken effektiv schließen.

2. Verminderte Symptomlast, Hospitalisierungen und reduziertes Mortalitätsrisiko Für Dapagliflozin wurden positive Effekte auf Symptomlast, Hospitalisierung und Mortalität nachgewiesen [5–8]. Eine Auswertung der randomisierten, kontrollierten klinischen Studien DAPA-HF und DELIVER zeigte, dass Dapagliflozin die Symptomlast und Lebensqualität verbesserte und das Risiko für Krankenhauseinweisungen senkte [5, 6]. Außerdem nimmt Dapagliflozin mit Blick auf die Mortalitätsreduktion eine einzigartige Position unter den SGLT2-Inhibitoren ein: Studien belegen für Dapagliflozin eine signifikante Senkung der Gesamt- und der kardiovaskulären Mortalität bei chronischer Herzinsuffizienzb [6, 9]. b

as relative Risiko war in den präspezifiD zierten Endpunkten CV Tod und Gesamtmortalität in der gepoolten Meta-Analyse der Primärdaten von DAPA-HF [7] und DELIVER [8] signifikant reduziert ohne Hinweis auf Effektmodifikation der einzelnen linksventrikulären Ejektionsfraktion. © Verlag PERFUSION GmbH


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Dapagliflozin Dapagliflozin (Forxiga®) war 2012 der erste Natrium-Glukose-Cotransporter2-Inhibitor (SGLT-2-Inhibitor), der eine Zulassung zur Behandlung des Typ2-Diabetes mellitus erhielt. Mittlerweile kommt er bei einem breiten Spektrum kardiorenaler Erkrankungen zum Einsatz [12]: – bei erwachsenen Patienten und Kindern im Alter von ≥10 Jahren zur Behandlung von unzureichend kontrolliertem Typ-2-Diabetes mellitus in Ergänzung zu einer Diät und Bewegung als Monotherapie, wenn Metformin aufgrund einer Unverträglichkeit als ungeeignet erachtet wird, oder zusätzlich zu anderen Arzneimitteln zur Behandlung des Typ-2-Diabetes – bei erwachsenen Patienten zur Behandlung der symptomatischen, chronischen Herzinsuffizienz – bei erwachsenen Patienten zur Behandlung der chronischen Niereninsuffizienz Zusatznutzen Der G-BA bestätigte Dapagliflozin als bis dato einzigem SGLT-2-Inhibitor einen Zusatznutzen über das gesamte Indikationsspektrum hinweg [13–16]. Bei erwachsenen Patienten mit Typ-2-Diabetes mellitus und einem hohen kardiovaskulären Risiko, die eine weitere Medikation, insbesondere Antihypertensiva, Antikoagulanzien und/oder Lipidsenker einnehmen, erhielt Dapagliflozin einen geringen Zusatznutzen zugesprochen [16]. Auch bei der Therapie der symptomatischen, chronischen HF sah der G-BA Anhaltspunkte für einen Zusatznutzen: bei HFrEF einen beträchtlichen Zusatznutzen [14], bei HFmrEF und HFpEF einen geringen Zusatznutzen [15]. Bei der chronischen Nierenkrankheit (CKD) ermittelte der G-BA Anhaltspunkte für einen Zusatznutzen, den er bei Erwachsenen mit komorbider chronischer HF als gering und ohne komorbide chronische HF als beträchtlich bewertete [13].

3. Rascher Wirkeintritt Wie eine Auswertung der Studien DAPA-HF und DELIVER ergab, berichten viele Menschen mit Herzinsuffizienz bereits Monate vor einer Herzinsuffizienz-bedingten Krankenhauseinweisung über eine Verschlechterung ihrer Symptome. Eine Zunahme der Beschwerden ist daher als ein Warnsignal für eine mögliche Dekompensation zu verstehen [5]. Um das Fortschreiten der Herzinsuffizienz zu verlangsamen, ist Perfusion 5-6/2025

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eine frühzeitige Therapieeinleitung entscheidend. Dabei ist von Vorteil, dass sich Dapagliflozin durch einen schnellen Wirkeintritt auszeichnet. In der für HFmrEF und HFpEF zulassungsrelevanten Studie zeigte sich unter Dapagliflozin bereits ab Tag 13 eine anhaltende statistische Signifikanzc [10]. Auch bei HFrEF-Patienc

isikoreduktion für ein Ereignis des priR mären Kompositendpunkts (kardiovaskulärer Tod oder Verschlechterung der HF) nominal signifikant ab Tag 13 und anhaltend signifikant ab Tag 15 (HR: 0,82; 95%-KI: 0,73 – 0,92; p < 0,001).

ten war – mit erstmaliger statistischer Signifikanz nach 28 Tagen – ein frühzeitiger Wirkeintritt zu verzeichnend [11].

4. Einfache Anwendung Der SGLT-2-Inhibitor Dapagliflozin wird einmal täglich als Filmtablette eingenommen. Titration oder routinemäßige Laborwertkontrollen sind nicht nötig. Darüber hinaus gilt für Dapagliflozin eine einheitliche Dosierung über alle Indikationen hinweg – für den Typ-2-Diabetes mellitus, die chronische, symptomatische Herzinsuffizienz sowie die chronische Nierenkrankheite [12].

5. Bestätigter Zusatznutzen, bundesweite Praxisbesonderheit Insbesondere in der Allgemeinmedizin prägen Budgetvorgaben den Praxisalltag. In diesem Zusammenhang ist es gut zu wissen, dass Dapagliflozin als einziger Vertreter seiner Wirkstoffklasse für alle zugelassenen Indikationen über einen vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) bescheinigten Zud

isikoreduktion für ein Ereignis des priR mären Kompositendpunkt (kardiovaskulärer Tod, Hospitalisierung wegen HF oder notfallmäßiger Kontakt) signifikant nach Tag 28 (HR: 0,74; 95%-KI: 0,65 – 0,85; p < 0,001). e Keine Dosisanpassung nötig bei Nierenfunktionsstörung, bei leichter oder moderater Leberfunktionsstörung oder bei Alter ≥65 Jahre. Bei schwerer Leberfunktionsstörung beträgt die empfohlene Anfangsdosis 5 mg, die bei guter Verträglichkeit auf 10 mg erhöht werden kann. © Verlag PERFUSION GmbH


satznutzen verfügtf [13–16]. Hinzu kommt, dass Dapagliflozin mit einer sehr breiten Rabattvertragsabdeckung in Deutschland budget­ schonend eingesetzt werden kanng. [17, 18]. Auch ist Dapagliflozin als bundesweite Praxisbesonderheit nach § 130b Abs. 2 SGB V anerkannt. Die Praxisbesonderheit gilt für Erwachsene: • mit einer symptomatischen, chronischen HFmrEF und HFpEF d. h. im Anwendungsgebiet f

Anhaltspunkt für beträchtlichen Zusatznutzen gemäß G-BA-Beschluss für Erwachsene mit symptomatischer, chronischer HFrEF. Anhaltspunkt für geringen Zusatznutzen für Erwachsene mit symptomatischer, chronischer HFpEF (LVEF > 50 %) und HFmrEF (LVEF > 40 bis 49 %). Anhaltspunkt für geringen Zusatznutzen vs. einer zweckmäßigen Vergleichstherapie gemäß G-BA-Beschluss vom 19.12.2019 für Dapagliflozin sowie für Dapagliflozin/Metformin bei Erwachsenen mit T2D mit hohem CV Risiko, die weitere Medikation zur Behandlung der CV Risikofaktoren erhalten – und bei denen Diät und Bewegung und die Behandlung mit einem anderen oder mit mindestens zwei blutzuckersenkenden Arzneimitteln (außer Insulin) den Blutzucker nicht ausreichend kontrollieren; – und bei denen Diät und Bewegung und die Behandlung mit Insulin (mit oder ohne einem anderen blutzuckersenkenden Arzneimittel) den Blutzucker nicht ausreichend kontrollieren. g Anhaltspunkt für beträchtlichen Zusatznutzen für Patient:innen mit CKD ohne HF als Komorbidität; Anhaltspunkt für einen geringen Zusatznutzen für Patienten mit CKD mit HF als Komorbiditätg. Gilt für alle Indikationen und Subgruppen mit Zusatznutzen entsprechend der Fußnotef und unter Beachtung des Wirtschaftlichkeitsgebotes gemäß § 12 Abs. 1 SGB V. In Subgruppen ohne Zusatznutzen empfehlen wir, die individuellen medizinischen Gründe für die Therapieauswahl zu dokumentieren, um die Wirtschaftlichkeit der Verordnung belegen zu können. Perfusion 5-6/2025

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mit einem Zusatznutzen laut GBA-Beschluss vom 17. August 2023 sowie • mit einer chronischen Nierenkrankheit mit oder ohne symptomatische, chronische Herzinsuffizienz als Komorbidität, d. h. im Anwendungsgebiet mit Zusatznutzen laut GBA-Beschluss vom 17. Februar 2022 [19]. Es gelten die allgemeinen Grundsätze einer wirtschaftlichen Verordnung nach § 12 Sozialgesetzbuch V und der Arzneimittel-Richtlinie, insbesondere § 9.

ventrikulären Ejektionsfraktion ein – ganz unabhängig davon, ob ein Typ-2-Diabetes besteht oder nicht. Damit jedoch möglichst viele Menschen mit diagnostizierter Herzinsuffizienz davon profitieren können, müssen wir gemeinsam handeln. Unsere Erfahrung zeigt, dass gerade die ambulante Versorgung beste Voraussetzungen bietet, diese bewährte Therapie breit zugänglich zu machen.“ Elisabeth Wilhelmi, München

SGLT-2-Inhibitoren – eine zentrale Säule in der Allgemeinmedizin Die Herausforderungen in der medizinischen Versorgung von Menschen mit Herzinsuffizienz sind groß – die Potenziale moderner Therapieoptionen allerdings auch. Verdeutlicht wird dies durch die genannten Gründe für SGLT-2-Inhibitoren wie Dapagliflozin. Gestützt auf eine breite Evidenzbasis wird diese Substanzklasse in Leitlinien empfohlen und – nicht zuletzt auf Initiative von Allgemeinmedizinern – zunehmend routinemäßig eingesetzt. Die Bedeutung der Therapie mit SGLT-2-Inhibitoren unterstreicht auch Dr. Felicitas Lemmer, Kardiologin am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Kiel: „SGLT2-Inhibitoren wie Dapagliflozin sind aus der modernen Herzinsuffizienz-Therapie nicht mehr wegzudenken. Wir setzen sie über das gesamte Spektrum der links-

Literatur 1 McDonagh TA et al. Eur Heart J 2021; 42:3599-3726 2 McDonagh TA et al. Eur Heart J 2023; 44:3627-3639 3 S3-Leitlinie: Nationale Versorgungsleitlinie Chronische Herzinsuffizienz, Version 4.0 (Stand: Dezember 2023). AWMF-Register-Nr. nvl-006 4 AstraZeneca interne Daten WATCH-HF 5 Bhatt AS et al. Eur J Heart Fail 2023; 25:981-988 6 Jhund PS et al. Nat Med 2022;28:19561964 7 McMurray JJV et al. N Engl J Med 2019;381:1995-2008 8 Solomon SD et al. N Engl J Med 2022;387:1089-1098 9 European Medicines Agency Assessment report of Dapagliflozin (EMA/954956/2022) 10 Vaduganathan, M et al. JAMA Cardiol 2022;7:1259-1263 11 Berg DD et al. JAMA Cardiol 2021; 6:499-507 12 Fachinformation Forxiga®, aktueller Stand 13 Gemeinsamer Bundesausschuss (GBA). Beschluss des G-BA über eine Änderung der Arzneimittel-Richtlinie: Dapagliflozin (Neues Anwendungsgebiet: Chronische Niereninsuffizienz; Stand: 16. November 2023) 14 Gemeinsamer Bundesausschuss (GBA). Beschluss des G-BA über eine Änderung der Arzneimittel-Richtlinie: Dapagliflozin (Neues Anwendungsgebiet: Chronische Herzinsuffizienz; Stand: 20. Mai 2021) 15 Gemeinsamer Bundesausschuss (GBA). Geltende Fassung der Arzneimit© Verlag PERFUSION GmbH


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tel-Richtlinie/Anlage XII für Dapagliflozin (Neues Anwendungsgebiet: chronische Herzinsuffizienz mit linksventrikulärer Ejektionsfraktion LVEF >40%; Stand: 16. November 2023) 16 Gemeinsamer Bundesausschuss (GBA). Beschluss des G-BA über eine Änderung der Arzneimittel-Richtlinie: Dapagliflozin (Neubewertung aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse (Diabetes mellitus Typ 2; Stand: 19. Dezember 2019) 17 ASP-Monitor, Stand 01.08.2025

18 DeutschesArztPortal Networks GmbH 2024. Rabattverträge Forxiga (Stand: 1. November 2025) 19 GKV Spitzenverband. Anlage 1 zur Vereinbarung nach § 130b Abs. 1 Satz 1 SGB V zwischen dem GKV-Spitzenverband und der AstraZeneca GmbH zum Arzneimittel Forxiga® (Wirkstoff: Dapagliflozin) bezüglich der Anerkennung einer Praxisbesonderheit (Stand: 6. August 2024) 20 Ramani GV et al. Mayo Clin Proc 2010;85:180-195

21 Deutsche Herzstiftung. Herzschwäche: Symptome und Therapie. 22 Mozaffarian D et al. Circulation 2016; 133:e38-e360 23 Mamas MA et al. Eur J Heart Fail 2017;19:1095-1104 24 Azad N et al. Geriatr Cardiol 2014; 11:329-337 25 Solomon SD et al. Eur J Heart Fail 2021;23:1217-1225 26 Kosiborod MN et al. J Am Coll Cardiol 2023;81:460-473

MITTEILUNGEN

Bild, das man nicht vergisst. Und es zeigt, wie entscheidend Ernährung für Mobilität, Selbstständigkeit und Lebensqualität im Alter ist.“ Daher warnte er davor, Gewichtsverlust im Alter zu unterschätzen: „Ein Kilo weniger im Jahr wirkt harmlos, ist es aber nicht. Jede ungewollte Gewichtsabnahme im höheren Alter sollte medizinisch abgeklärt werden.“ Besonders gefährdet sind ältere Menschen mit Appetitverlust, Depression oder sozialer Isolation.

Bestandteile der Diabetesbehandlung verankert werden – sowohl im stationären als auch im ambulanten Bereich. Andernfalls droht eine sarkopene Adipositas, also das gleichzeitige Auftreten von Übergewicht und Muskelschwund, das die Insulinresistenz verschärft und die Gebrechlichkeit fördert.

DGEM warnt: Mangelernährung betrifft auch Menschen mit Übergewicht Mangelernährung betrifft längst nicht nur untergewichtige Menschen. Besonders gefährdet sind ältere Menschen sowie Patienten mit chronischen oder schweren Erkrankungen, aber auch Menschen mit Adipositas oder Typ-2-Diabetes. Das machten die Experten der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin (DGEM) in ihrer Pressekonferenz zur Malnutrition Awareness Week 2025 deutlich und betonten: 50.000 Todesfälle pro Jahr wären vermeidbar. „Mit dem Älterwerden schrumpfen die körperlichen Reserven“, erklärte Professor Jürgen Bauer. „Wenn Energie und Eiweiß fehlen, baut der Körper Muskelmasse ab. Die Folgen sind gravierend: Schwäche, Stürze, Verlust der Selbstständigkeit. Allein im Krankenhaus verliert ein älterer Patient innerhalb von 3 Tagen bis zu 1 Kg Muskelmasse. Das entspricht etwa 4 Steaks – ein Perfusion 5-6/2025

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Muskeln schützen statt nur Kalorien zählen Professorin Julia Szendrödi ergänzte: „Bis zu 30 % der Menschen mit Adipositas oder Typ-2-Diabetes haben trotz ausreichender Kalorienzufuhr einen ausgeprägten Mikronährstoffmangel. Man erwartet das nicht – aber selbst bei Menschen mit Überernährung fehlen oft Vitamine und Spurenelemente.“ In der Ernährungstherapie bei Typ-2-Diabetes liegt der Fokus häufig auf einer strikten Kalorien- und Kohlenhydratreduktion, während der Erhalt von Muskelmasse zu wenig berücksichtigt wird. Daher sollten die Nährstoffversorgung und ein gezieltes Muskeltraining als feste

Mangelernährung ist vermeidbar DGEM-Präsident Dr. Gert Bischoff betonte die gesundheitspolitische Dimension des Problems: „Wir wissen aus großen Studien, dass durch ein systematisches Screening und eine leitliniengerechte Ernährungstherapie jährlich über 50.000 Todesfälle verhindert werden könnten. Mangelernährung ist kein unausweichliches Schicksal – sie ist vermeidbar, wenn die Strukturen stimmen.“ Die DGEM fordert daher verbindliche Ernährungsteams in allen Krankenhäusern, ein flächendeckendes Screening bei Aufnahme, eine angemessene Vergütung im ambulanten Bereich sowie die konsequente Umsetzung qualitätsgesicherter Standards wie nutriZert und E-Zert. E. W. © Verlag PERFUSION GmbH


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Das deutsche Biotech-Unternehmen Repairon GmbH verfolgt mit dem „Herzpflaster“ (Abb. 1) einen weltweit einzigartigen Therapieansatz für Menschen mit fortgeschrittener Herzinsuffizienz, der das Potenzial hat, die Pumpfunktion des Herzens wiederherzustellen. Das in Göttingen ansässige Unternehmen hat nun für die Weiterentwicklung der innovativen Zelltherapie eine substanzielle Serie-A-Finanzierung erhalten – strategische Partner dabei sind die Bioventure Management GmbH als Lead-Investor sowie der Co-Investor Satorius AG. Ausschlaggebend hierfür waren überzeugende präklinische Daten, die in der Fachzeitschrift „Nature“ publiziert wurden [1], sowie positive Zwischenergebnisse der klinischen Phase-I/II-Studie [2]. Die neuen Mittel ermöglichen die Vorbereitung der Phase-III-Zulassungsstudie sowie die Skalierung der GMP-Produktion (Good Manufacturing Practice) in Kooperation mit der Satorius AG. Für die Entwicklung und klinische Prüfung des Herzpflasters kooperiert Repairon eng mit der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) und dem Deutschen Zentrum für HerzKreislauf-Forschung (DZHK).

Pionierarbeit mit globalem Potenzial Das Herzpflaster besteht aus einem im Labor aus induzierten pluripotenten Stammzellen gezüchteten, aus Bindegewebe- und Herzmuskelzellen zusammengesetzten Herzmuskelgewebe (Engineered Perfusion 5-6/2025

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Das Herzpflaster – eine bahnbrechende Therapieoption bei fortgeschrittener Herzinsuffizienz

aber auch insgesamt gesteigert [1]. Der Therapieansatz wurde an der UMG entwickelt und gilt weltweit als einzigartig [3, 4]. Erste klinische Anwendungen begannen Anfang 2021. Im Juli 2025 wurde die Rekrutierung für die Interimsanalyse der klinischen Phase-II-Studie BioVAT-HF (Biological Ventricular Assist Tissue in terminal Heart Failure)-DZHK20 abgeschlossen, in der 15 Patienten mit terminaler Herzinsuffizienz behandelt wurden [4], und damit ein wichtiger klinischer Meilenstein erreicht. Abbildung 1: Das Herzpflaster im Modell (© UMG).

Heart Muscle), das während eines minimalinvasiven Eingriffs auf den geschädigten Herzmuskel aufgenäht wird. Es verwächst mit dem Herzmuskel und kann teilweise dessen Funktion übernehmen. Dies konnte an einem Herzpflaster gezeigt werden, das Rhesus-Makaken mit einer Herzschwäche implantiert wurde. Bildgebende Verfahren und Gewebeanalysen bestätigten, dass die implantierten Herzmuskelzellen durchblutet und erhalten blieben. Durch das Implantat wurde die Kraft des geschwächten Herzen lokal an der Stelle des Implantats,

Strategische Partnerschaft stärkt klinische Perspektive Die Anfang 2025 in „Nature“ publizierten präklinischen Daten zeigen im Primatenmodell die Machbarkeit, Sicherheit und Wirksamkeit des Verfahrens. Darüber hinaus konnte im Rahmen dieser Arbeit erstmalig ein Herzmuskelaufbau über eine Herzpflasterimplantation auch beim Patienten demonstriert werden [1]. Diese Ergebnisse bilden zusammen mit den positiven Interimsdaten der klinischen Phase-I/II-Studie [2] die Basis für die Serie-A-Finanzierung von Bioventure. © Verlag PERFUSION GmbH


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Potenziell lebensverändernde Therapie Die Vision, den bei Herzinsuffizienz geschädigten Muskel mit im Labor hergestelltem Herzmuskelgewebe zu „reparieren“, geht auf Prof. Dr. Wolfram-Hubertus Zimmermann und sein Team an der UMG zurück: „Nach mehr als 30-jähriger Forschungstätigkeit sehen wir der Phase-III-Studie hoffnungsvoll entgegen. Denn unter den derzeit verfügbaren Therapien stehen Patientinnen und Patienten mit fortgeschrittener Herzinsuffizienz unter einem hohen Leidensdruck. Über den Herzmuskelaufbau mittels Herzpflaster soll es gelingen, die körperliche Leistungsfähigkeit und Lebensqualität nachhaltig zu steigern“, so der Direktor des Instituts für Pharmakologie und Toxikologie der UMG. Fabian Sandner, Nürnberg

Literatur 1 Jebran AF et al. Nature 2025;639:503511 2 Zimmermann WH et al. American Heart Association (AHA) Scientific Sessions, Philadelphia, PA, USA, 10.– 13.11.2023, Abstract 23468 3 Pressemeldung der Universitätsmedizin Göttingen vom 29.01.2025: Studienergebnisse öffnen die Tür für die Behandlung der Herzschwäche mit „Herzpflaster“. 4 Website DZHK: https://biovat.dzhk.de/ 5 Gesundheitsatlas Deutschland GmbH. https://www.gesundheitsatlasdeutschland.de/erkrankung/herzinsuffizienz?act iveValueType=praevalence&activeLaye rType=state Perfusion 5-6/2025

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Innovative Rebalancing-Therapie bei Hämophilie A und B: ein großer Schritt hin zum „hemophilia-free mind“?

Herkömmliche Hämophilie-Therapien ermöglichen Betroffenen mit Hämophilie A und B heutzutage eine effektive Blutungsprophylaxe [1, 2]. Eine therapeutische Herausforderung stellt jedoch die hohe Therapiebelastung dar [3, 4]. Wie eine aktuelle Umfrage unter 50 niedergelassenen und klinisch tätigen Hämatologen und Onkologen zeigt, berichteten 2 Drittel der Patienten mit Hämophilie, die eine Faktorersatztherapie erhalten, ihren behandelnden Hämatologen von einer eingeschränkten Lebensqualität. Unzufrieden waren sie besonders wegen Einschränkungen beim Sport (82 %) und beim Reisen (79 %) [5]. Mehr als die Hälfte fühlte sich unsicher hinsichtlich Wirksamkeit und Sicherheit der Prophylaxe mit Faktorkonzentraten (58 %) und war unzufrieden in Bezug auf Einblutungen in Gelenke (58 %). Über ein Drittel (36 %) berichtete von Angst vor Spritzen [5]. Hämophilie-Patienten, die sich durch die Behandlung stark belastet fühlen, denken häufiger über innovative Therapieansätze nach und sprechen ihre Ärzte auch häufiger auf die Möglichkeit einer Rebalancing-Therapie an als ihre Kollegen (48 % vs. 6 %) [5]. Denn sie wün-

schen sich einerseits eine sehr gute Blutungskontrolle und andererseits eine Behandlung, die praktisch ist und sich leicht in den Alltag integrieren lässt.

Der Anti-TFPI-Antikörper Marstacimab zeigt signifikante Vorteile gegenüber der Bedarfsbehandlung Innovative Rebalancing-Ansätze bei Hämophilie zielen auf eine effektive und sichere Blutungsprophylaxe bei gleichzeitiger Reduktion der Therapiebelastung ab. Mit dem Anti-TFPI-Antikörper Marstacimab (Hympavzi®) steht Patienten ab 12 Jahren mit einem Körpergewicht von mindestens 35 kg mit schwerer Hämophilie A (definiert als FVIII-Aktivität <1 %) oder schwerer Hämophilie B (definiert als FIX-Aktivität <1 %) ohne Hemmkörper eine neue subkutane Behandlungsoption zur Routineprophylaxe von Blutungsepisoden zur Verfügung [6]. Marstacimab wird einmal wöchentlich subkutan mittels Fertigpen mit einer fixen Dosierung verabreicht. Damit kann die Behandlung von den Patienten leichter selbst zu Hause durchge© Verlag PERFUSION GmbH


FORUM GERINNUNGSSTÖRUNGEN

Marstacimab Marstacimab (Hympavzi®) ist ein humanes monoklonales Immunglobulin vom Isotyp G, Unterklasse 1 (IgG1). Der Wirkstoff zielt auf die Kunitz-2-Domäne des Tissue Factor Pathway Inhibitors (TFPI) ab, ein natürliches Antikoagulationsprotein, das die Blutgerinnung hemmt. Antikörper gegen TFPI können so die Hämostase wieder ins Gleichgewicht bringen und die Gerinnung verbessern [6].

führt werden. Eine individuelle Dosisanpassung oder intravenöses Spritzen sind nicht erforderlich [6]. In der Phase-III-Studie BASIS, die 116 Patienten mit schwerer Hämophilie A und mittelschwerer bis schwerer Hämophilie B ohne Hemmkörper einschloss, führte die einmal wöchentliche subkutane Gabe von Marstacimab mittels Fertigpen mit einer fixen Dosierung (beginnend mit einer subkutanen Initialdosis von 300 mg, gefolgt von einer subkutanen einmal wöchentlichen Erhaltungsdosis von 150 mg mit der Möglichkeit einer Dosiseskalation auf 300 mg einmal wöchentlich) im Vergleich zur intravenösen Routineprophylaxe mit FVIII oder FIX sowie zur Bedarfsbehandlung nach 12 Monaten zu einer Verringerung der annualisierten Blutungsrate (ABR) für behandelte Blutungen [7]. Damit zeigte Marsta-

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cimab sowohl Nicht-Unterlegenheit als auch Überlegenheit gegenüber der Routineprophylaxe (p = 0,0349) sowie Überlegenheit gegenüber der Bedarfsbehandlung (p < 0,0001). Auch bei allen blutungsbezogenen sekundären Endpunkten – ABR von spontanen Blutungen, Gelenkblutungen, Zielgelenkblutungen und Gesamtblutungen – war Marstacimab der Bedarfsbehandlung signifikant überlegen (p < 0,0001) und der Routineprophylaxe nicht unterlegen. Darüber hinaus wurde unter Marstacimab ein Trend zu einer Verbesserung der Lebensqualität beobachtet. Die Veränderungen waren jedoch nicht signifikant und werden in der offenen Verlängerungsstudie weiter untersucht, um festzustellen, ob der Einfluss auf die Lebensqualität zeitabhängig ist [7]. Übereinstimmend mit den Ergebnissen der Phase-I/II-Studien wurde die Blutungsprophylaxe mit Marstacimab im Allgemeinen gut vertragen. Die häufigsten Nebenwirkungen von Marstacimab sind Reaktionen an der Injektionsstelle, Kopfschmerzen, Hypertonie und Pruritus [6].

Fazit für die Praxis Non-Faktor-Therapien bieten den Patienten durch die einfache Verabreichung einen großen Vorteil. Im Vergleich zu anderen Anti-TFPI-

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Antikörpern muss die Anti-TFPITherapie mit Marstacimab nur einmal wöchentlich durchgeführt werden [6]. Denn Marstacimab wurde so modifiziert, dass es eine geringere Bindungsaffinität und langsamere Clearance-Raten aufweist, was zu einer längeren Steady-State-Halbwertszeit führt [8, 9]. Das ermöglicht ein breites therapeutisches Fenster und somit eine fixe, gewichtsunabhängige Dosierung [6]. Aufgrund der Möglichkeit der Heimanwendung mittels Fertigpen mit einer fixen Dosierung ist Marstacimab insbesondere für Patienten, die eine schlechte Adhärenz zeigen, eine wertvolle Therapieoption. Brigitte Söllner, Erlangen

Literatur 1 Srivastava A et al. Haemophilia 2020; 26:1-158 2 Franchini M et al. Orphanet J Rare Dis 2012;7:24 3 Brod M et al. J Patient Rep Outcomes 2023;7:17 4 Mahlangu J. Expert Rev Hematol 2024;17:741-748 5 DocCheck Insights, QuickCheck Online-Befragung „Hämophilie“ im DocCheck Panel vom 12.–26.09.2025. Data on file 6 Fachinformation Hympavzi®; Stand: September 2025 7 Matino D et al. Blood 2025;146:16541663 8 Pittman DD et al. Res Pract Thromb Haemost 2022;6:e12679 9 Parng C et al. J Pharm Sci 2018;107: 1995-2004

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FORUM HEREDITÄRE ERKRANKUNGEN

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Das hereditäre Angioödem (HAE) ist eine genetisch bedingte, chronische Erkrankung, die durch rezidivierende Ödem-Attacken gekennzeichnet ist. Die Schwellungen können im Gesicht, an den Extremitäten oder Genitalien stark beeinträchtigend sein, im Gastrointestinaltrakt kolikartige Abdominalschmerzen verursachen und zu lebensbedrohlichen Kehlkopfschwellungen führen [1]. Durch die Attacken selbst und die Angst vor der nächsten Attacke ist die Krankheitslast enorm, Alltag, Ausbildung und Beruf der Patienten können daher erheblich eingeschränkt sein [2, 3], selbst wenn die Attacken nur ab und zu auftreten [4]. Therapieziele beim HAE sind eine vollständige Krankheitskontrolle und ein normales Leben für die Betroffenen. Dies wird durch eine Langzeitprophylaxe mit Lanadelumab (Takhzyro®) ermöglicht, wie die Ergebnisse einer Interimsanalyse der PIQHAR-Studie zeigen, die auf dem Deutschen Allergiekongress 2025 präsentiert wurden [4].

Auch bei niedriger Attackenrate erheblich eingeschränkte Lebensqualität Die multizentrische Phase-IVBeobachtungsstudie PIQHAR untersucht erstmals prospektiv im Real-World-Setting die Langzeitprophylaxe mit Lanadelumab bei HAE-Patienten, die trotz niedriger Attackenrate unter einer erheblichen Beeinträchtigung der Lebensqualität leiden. Eingeschlossen wurden bislang 22 Patienten mit Perfusion 5-6/2025

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Hereditäres Angioödem: Lanadelumab kann die Krankheitskontrolle auch bei niedriger Attackenrate verbessern HAE9Typ 1 und Typ 2 ab 12 Jahren aus 8 deutschen Zentren. Sie litten unter weniger als 2 Attacken pro Monat im Jahr vor Studienbeginn, etwa 37 % davon hatten sogar weniger als eine Attacke pro Monat [4]. Zur Beurteilung des Patient Reported Outcome wurden 2 Fragebögen verwendet: • der Angioedema Quality of Life (AE-QoL) Fragebogen, der die Beeinträchtigung der Lebensqualität ermittelt. Höhere Scores auf der Skala von 1 – 100 entsprechen einer höheren Krankheitslast [5, 6].

• der Angioedema Control Test (AECT), der die Krankheitskontrolle erfasst. Höhere Scores auf der Skala von 0 – 16 zeigen eine bessere Krankheitskontrolle an. Ein Score von ≥10 bedeutet eine gute bis sehr gute Krankheitskontrolle [7]. Die Lebensqualität war zu Studienbeginn bei ca. 74 % der Patienten stark bis sehr stark beeinträchtigt (AEQoL-Score >50). Außerdem hatten ca. 84 % der Patienten vor Studieneinschluss einen AECTScore <10, was auf eine unzureichende Krankheitskontrolle hinweist.

Lanadelumab Lanadelumab (Takhzyro®) ist ein vollständig humaner monoklonaler Antikörper (IgG1/κ-Leichtkette), der die proteolytische Aktivität von aktivem Plasmakallikrein hemmt. Eine erhöhte Plasmakallikrein-Aktivität führt bei Patienten mit einem hereditären Angioödem durch die Proteolyse von hochmolekularem Kininogen (HMWK), bei der gespaltenes HMWK und Bradykinin entstehen, zu Angioödem-Attacken. Lanadelumab ermöglicht eine anhaltende Kontrolle der Plasmakallikrein-Aktivität und beschränkt daher die Bradykinin-Bildung bei HAE-Patienten. Die empfohlene Anfangsdosis beträgt 300 mg Lanadelumab alle 2 Wochen. Bei Patienten, die unter Behandlung attackenfrei sind, kann eine Dosisreduzierung von 300 mg alle 4 Wochen in Betracht gezogen werden. Dosisanpassungen sind weder bei älteren Patienten, noch bei Patienten mit Leber- oder Nierenfunktionsstörungen erforderlich [8].

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7 Dieser stieg im Mittel klinisch signifikant um 7 Punkte nach 12 Monaten und lag bei 14,49 7 Dieser Krankheitskontrolle. Krankheitskontrolle. stieg im Mittel klinisch signifikant um 7 Punkte nach 12 Monaten und lag bei 14,49

möglichen Punkten in Monat 6 bis 12 (Abb. vonvon 16 16 möglichen Punkten in Monat 6 bis 12 (Abb. 1).21).2 Über 50% derder Patient:innen blieben im Behandlungszeitraum vonvon einem JahrJahr ab der ersten Injektion vollständig Über 50% Patient:innen blieben im Behandlungszeitraum einem ab der ersten Injektion vollständig attackenfrei. DieDie Attackenrate wurde umHEREDITÄRE ca. ca. 94%94% reduziert (Abb. 2). Lanadelumab war war insgesamt gut verträglich; attackenfrei. Attackenrate wurde um reduziert (Abb. 2). Lanadelumab insgesamt gut verträglich; 145 FORUM ERKRANKUNGEN

diedie meisten behandlungsbedingten Ereignisse waren mildmild ausgeprägt. meisten behandlungsbedingten Ereignisse waren ausgeprägt. Abb. 1 1 Abb.

Abb. 2 2 Abb. AECT-Score Monat 6–12 = 14,49

14 12 10

2,5 Mittlere Attackenrate (Attacken/Monat)

AECT-Gesamtscore

16

Krankheitskontrolle

8 6 4 2 0

0

6

2,5 2,5

n=

19

17

2,5 0

12 13

b)

-94,05%

2,5

Zeit (Monate)

a)

Attacken/Monat Jahr vor vs. nach Beginn der Lanadelumab-Behandlung

n=

Jahr vor

Jahr nach

13

13

Abbildung 1. Die Ergebnisse der Interimsanalyse der PIQHAR-Studie zeigen nach 12-monatiger Langzeitprophylaxe mit Lanadelumab (Takhzyro®) eine signifikant verbesserte Krankheitskontrolle (a) und eine fast vollständige Attackenfreiheit (b) [mod. nach 4].

DasDas Fazit vonvon Prof. Markus Magerl vomvom Institut für für Allergieforschung der der Charité ‐ Universitätsmedizin Berlin: „Die„Die Fazit Prof. Markus Magerl Institut Allergieforschung Charité ‐ Universitätsmedizin Berlin: derder PIQHAR‐Studie dassentspricht es nicht allein die die Anzahl der Attacken ankommt: AuchAuch Ergebnisse PIQHAR‐Studie verdeutlichen, dass es nicht auf Anzahl der Attacken ankommt: Zum anderen belegen die InterimsAlle Ergebnisse Studienteilnehmer erhieltenverdeutlichen, bensqualität [5, allein 6].auf Auch

ergebnisse, dass gerade diese Patiden humanen monoklonalen Antibeim AECT-Score sich eine Patient:innen mitmit selteneren Schwellungen können im Alltag spürbare Einschränkungen erleben. PIQHAR konnte Patient:innen selteneren Schwellungen können imzeigte Alltag spürbare Einschränkungen erleben. PIQHAR konnte enten mit Lanadelumab eine stabile körper Lanadelumab subkutan ge- Verbesserung hin zu einer guten bisKrankheitskontrolle zeigen, dass gerade diese Patient:innen mitmit Lanadelumab eineeine stabile und und eineeine deutliche dass gerade diese Patient:innen Lanadelumab stabile deutliche Krankheitskontrolle und eine deutmäß derzeigen, aktuellen Produktinformasehr guten Krankheitskontrolle [7]: Krankheitskontrolle Lebensqualitätsverbesserung erreichen können. Besonders hervorzuheben ist, dass mehr als die Hälfte der liche Lebensqualitätsverbesserung tion (siehe auch Insert auf S. 144) Er stieg im Mittel klinisch signifiLebensqualitätsverbesserung erreichen können. Besonders hervorzuheben ist, dass mehr als die Hälfte der [8]. Behandelten über ein Jahr hinweg attackenfrei kant um 7blieb.“ Punkte nach 12 Monaten erreichen können. Besonders herBehandelten über ein Jahr hinweg attackenfrei blieb.“ Die Studie läuft von Q2/2022 bis und lag bei 14,49 von 16 möglichen vorzuheben ist, dass mehr als die Q4/2026, für die Interimsanalyse Punkten in Monat 6 bis 12 (Abb. 1) Hälfte der Behandelten über ein Jahr hinweg attackenfrei blieb. wurden die Daten nach einem Jahr [4]. ausgewertet [4]. Über 50 % der Patienten blieben im Brigitte Söllner, Behandlungszeitraum von einem Erlangen Jahr ab der ersten Injektion vollständig attackenfrei. Die AttackenSignifikante Senkung der rate wurde um ca. 94 % reduziert Literatur Attackenrate (Abb. 2). Lanadelumab war insge1 Maurer M et al. Allergy 2022;77:1961Die Interimsergebnisse der PI- samt gut verträglich, die meisten 1990 QHAR-Studie zeigen erstmals, behandlungsbedingten Ereignisse 2 Aygören-Pürsün E et al. Orphanet J Rare Dis 2014;9:99 dass auch Betroffene mit niedriger waren mild ausgeprägt [4]. 3 Caballero T et al. Allergy Asthma Proc Attackenrate von einer Langzeit2014;35:47-53 4 Lochbaum R et al. Propylaxis impact on prophylaxe mit Lanadelumab proquality of life impairment of HAE pafitieren können [4]. Wie die Daten Fazit für die Praxis tients with lower annual baseline attack der 13 ausgewerteten Patienten rates: 1-year interim results from the PIQHAR study. Poster #P8.13 präsentibelegen, verbesserte sich bei ihnen Ergebnisse der PIQHAR-Studie ert beim Deutschen Allergiekongress, die Lebensqualität signifikant: Der verdeutlichen zum einen, dass es 2.-4. Oktober 2025, Düsseldorf AE-QoL-Gesamtscore sank bei al- bei der Behandlung des hereditä- 5 Weller K et al. Allergy 2016;71:1203len im Mittel um 33,26 Punkte nach ren Angioödems nicht allein auf 6 1209 Kulthanan K et al. Health Qual Life 12 Monaten und lag im Durch- die Anzahl der Attacken ankommt Outcomes 2019;17:160 schnitt bei 25,70 Punkten von Mo- – auch Patienten mit selteneren 7 Weller K et al. J Allergy Clin Immunol Pract 2020;8:2050-2057.e4 nat 1 bis 12, was einer nur noch Schwellungen können im Alltag 8 Fachinformation Takhzyro; Stand: April geringen Beeinträchtigung der Le- spürbare Einschränkungen erleben. 2025 Perfusion 5-6/2025

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Trotz ihrer seit Jahrzehnten bekannten medizinischen Qualität und positiven Auswirkungen auf Lebensqualität und Therapieautonomie bleibt die Peritonealdialyse (PD) in Deutschland mit nur rund 6 % der Dialysepatienten weiterhin deutlich unterrepräsentiert [1, 2, 3] – auch in komplexen Situationen wie dem ungeplanten, inzidenten Therapiestart. Dabei bietet die PD gegenüber der Hämodialyse (HD) wesentliche Vorteile, wie eine Kohortenstudie [4] zeigt, in der ein akuter Therapiestart bei PD- und HD-Patienten verglichen wurde. Darin hatten die HD-Patienten ein signifikant höheres Risiko für Bakteriämien bei vergleichbaren Mortalitätsraten. Dieses Ergebnis wird durch eine Metaanalyse [5] aus dem Jahr 2021 untermauert, in der die PD ebenfalls mit signifikanten Vorteilen im Hinblick auf Bakteriämien einherging. Außerdem kam es zu weniger Katheter-Dysfunktionen ohne signifikant mehr Peritonitiden nach einem ungeplanten PD-Start. Die Sterblichkeit war in dieser Analyse bei den HD-Patienten erhöht [5].

Peritonealdialyse neu gedacht – Impulse für die Nierenersatztherapie der Zukunft

Multidisziplinäre Zusammenarbeit als Schlüssel für eine bessere Versorgung Eine mögliche Ursache für die in Deutschland anhaltend sehr niedrige PD-Quote ist unter anderem die für die zeitnahe PD-KatheterAnlage begrenzt OP-Kapazität, was zu einer Stagnation der Implantationszahlen führt [6]. Wie sich Abläufe verbessern lassen, Perfusion 5-6/2025

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zeigt das Beispiel eines multidisziplinären Versorgungsmodells eines Krankenhauses in Singapur. Dort konnte nach Einführung eines nephrologisch geleiteten Dialysezugangsteams der Eingriff bei deutlich mehr Patienten innerhalb von 24 Stunden erfolgen (50 % vs. 17 % vor Etablierung dieser Einheit). Die Krankenhausaufenthalte verkürzten sich (3 vs. 5 Tage) und weniger Patienten benötigten vorab eine Hämodialyse (47 % vs. 69 %) [7]. In Deutschland existieren derzeit nur sehr wenige Curricula für das spezialisierte Teilgebiet der interventionellen Nephrologie, obwohl dieses dazu beitragen könnte, die Dialysemodalität besser zu planen, operative Ressourcen zu schonen und Versorgungslücken zu schließen [8]. Ein wichtiger Schritt für die optimierte Versorgung einer steigenden Anzahl dialysepflichtiger Patienten ist daher der Aufbau von interdisziplinären Strukturen – wobei die Expertise in der Nephrologie bleiben sollte. Insbesondere unter diesen Voraussetzungen ist auch ein direkter Start mit einer PD bei komplex kranken Patienten möglich und sicher umsetzbar.

Individualisierter Behandlungsbeginn durch inkrementelle PD Ein Erhalt der Lebensqualität bei möglichst geringer Symptom- und Behandlungslast und bestmöglichen Versorgungsstandards im Rahmen einer gemeinsamen Entscheidungsfindung mit den Patienten – das sind die definierten Behandlungsziele der PD [9]. Vonseiten der Patienten haben die Faktoren Lebensqualität, Überleben, Sicherheit und Unabhängigkeit den höchsten Stellenwert [10], wobei der Zeit-Aspekt eine ganz entscheidende Rolle spielt. Eine besondere Bedeutung kommt dabei der inkrementellen PD zu. Bei diesem Dialyseverfahren wird die Dosis an die Restnierenfunktion der Patienten angepasst und schrittweise erhöht. Wie eine Studie belegt, hat dieses Vorgehen für die Patienten keine medizinischen Nachteile im Hinblick auf die Eigendiurese und den GFR-Verlust [11]. Dem gegenüber stehen jedoch ein verringerter Zeitaufwand sowie ein höheres Maß an Lebensqualität – bei gleichzeitiger Kostenersparnis durch reduzierten Materialbedarf und ökologischen Vorteilen bezüglich Abfall und © Verlag PERFUSION GmbH


Wasserverbrauch [12, 13]. Insgesamt ermöglich eine inkrementelle PD einen sicheren, schonenden und personalisierten Behandlungsbeginn.

Assistierte PD: mögliche Vorteile und aktuelle Herausforderungen Als Voraussetzungen, um eine PD eigenständig als Heimverfahren durchzuführen, gelten eine medizinische und soziale Eignung sowie ausreichend Wohnraum für die Lagerung der Materialien. Dadurch ergibt sich jedoch eine Lücke bei Patienten, die multimorbid und/ oder wenig mobil sind und damit die zweite Voraussetzung nicht erfüllen. In diesen Fällen sollte eine assistierte PD durchgeführt werden. Allerdings sind dazu einige Hürden zu überwinden, insbesondere weil die PD aktuell nicht im Leistungskatalog der häuslichen Krankenpflege enthalten ist und demnach keine Leistungspflicht für die Krankenkassen besteht. Daher sollte man die Option einer Einzelfallentscheidung in Erwägung ziehen. Da für einen positiven Bescheid die Kosten entscheidend sind, müssen alle Ersparnisse aufgelistet werden, die durch eine assistierte PD entstehen. So ist eine Ersparnis (ausgehend von 14 – 28 Beutelwechseln/Assistenzleistungen

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pro Woche) gegenüber der HD im Dialysezentrum nur gegeben, wenn die Fahrt ins Zentrum per Krankentransportwagen (KTW) erfolgt, nicht jedoch bei einem (Rollstuhl-) Taxi. Bei einer Ablehnung gibt es in nächster Instanz dann noch die Möglichkeit eines positiven Gutachtens durch den medizinischen Dienst. In diesem Fall könnten die Kosten übernommen werden und der behandelnde Nephrologe könnte Mitarbeiter einer ambulanten Sozialstation bzw. Pflegekräfte in Altenheimen schulen; die Abrechnung würde dann zwischen der Sozialstation und der Krankenkasse erfolgen. Als Überbrückung kann die inkrementelle PD im Zentrum für den Versicherten durchgeführt werden.

Hindernisse auf dem Weg zu einer assistierten PD. Um Versorgungslücken zu schließen, werden dringend rechtssichere Finanzierungen benötigt, z.B. durch Aufnahme der Assistenzleistung in das Kapitel 40.14 der leistungsbezogenen Kostenpauschalen für nichtärztliche Dialysekosten (EBM) oder in den Leistungskatalog der Häuslichen Krankenpflege. Brigitte Söllner, Erlangen

Fazit für die Praxis Ein akuter Start mit Peritonealdialyse und optimierte Logistik bei der Anlage des PD-Katheters, eine inkrementelle Therapie oder die assistierte Versorgung zählen zu den Einsatzbereichen, in denen eine Peritonealdialyse abseits der regulären Behandlung besondere klinische Vorteile bieten kann. Studien und Erfahrungen zeigen, dass diese PD-Konzepte eine sichere, flexible und nachhaltige Versorgung ermöglichen. Allerdings gibt es zahlreiche

Literatur 1 Chuasuwan A et al. Health Qual Life Outcomes 2020;18:191 2 Liu L et al. BMC Nephrol 2023;24:313 3 Gemeinsamer Bundesausschuss. Jahresbericht 2019 zur Qualität der Dialyse. www.g ba.de 4 Koch M et al. Nephrol Dial Transplant 2012;27:375-380 5 Htay H et al. Cochrane Database Syst Rev 2021;1:CD012899 6 Eden G et al. DGfN 2024 [P178] 7 Gan CC et al. J Vasc Access 2024; 26:1604-1609 8 Kächele M et al. Nephrologie aktuell 2023;27:321-325 9 Brown EA et al. Perit Dial Int 2020; 40:244-253 10 Jongejan M et al. Nephrol Dial Transplant 2024;39:659-668 11 Hayat A et al. Perit Dial Int 2023; 43:374-382 12 Nicdao MA et al. Perit Dial Int 2025: 8968608251326329 13 Alrowiyti IM et al. Indian J Nephrol 2023;33:239-246

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Paradigmenwechsel in der Therapie der IgA-Nephropathie: Kinpeygo® erhält KDIGOEmpfehlung Die IgA-Nephropathie (IgAN) – auch Morbus Berger genannt – ist die weltweit häufigste Form der Glomerulonephritis. Sie betrifft zwei- bis dreimal häufiger Männer als Frauen und wird oft erst im Alter zwischen 30 und 40 Jahren diagnostiziert. Ursächlich ist die Bildung von galaktosedefizienten IgA1-Antikörpern (gd-IgA1), gegen die der Körper IgG-Autoantikörper produziert. Diese bilden Immunkomplexe mit den IgA1-Antikörpern, die sich in den Nierenglomeruli ablagern. Dort aktivieren die IgG-gd-IgA1-Immunkomplexe das Komplementsystem sowie das Renin-Angiotensin-AldosteronSystem. Die Folge sind Entzündungsprozesse, erhöhter Blutdruck, Hämaturie und Proteinurie in unterschiedlicher Ausprägung, die letztlich zum Nierenversagen führen können [1]. 20 – 30 % der Betroffenen entwickeln innerhalb von 10 Jahren eine terminale Niereninsuffizienz [2]. Um den Nierenfunktionsverlust zu verzögern, ist eine rasche und aggressive Therapie zur Senkung der Proteinurie entscheidend. Das erste und einzige Medikament, das von der Europäischen Arzneimittel-Agentur für die gezielte Behandlung der primären IgA-NephPerfusion 5-6/2025

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ropathie zugelassen wurde, ist das TrF-Budesonid Kinpeygo®* [3].

Kausale Therapie mit gezielter Wirkung im Dünndarm Die Therapie der primären IgANephropathie war lange Zeit auf symptomatische, supportive Behandlungsoptionen der CKDKrankheitskomponente begrenzt. Kinpeygo® (Studienname Nefecon) bietet als einziges Medikament einen kausalen Therapieansatz, der die zugrunde liegende Pathogenese der IgAN direkt adressiert. Mit seiner einzigartigen zielgerichteten Wirkstofffreisetzung direkt im Dünndarm reduziert Kinpeygo lokal im distalen Ileum die Bildung von gd-IgA innerhalb der B-Zellen und verringert somit die Bildung der pathogenen IgG-gd-IgA1-Immunkomplexe [4]. * Kinpeygo® ist zur Behandlung der primären Immunglobulin-A-Nephropathie (lgAN) bei Erwachsenen mit einer Proteinausscheidung ≥1 g/24 h oder einer UPCR von ≥0,8 g/Gramm zugelassen. Mit der Phase 3-NefIgArd-Studie wurde zum ersten Mal ein Medikament zur Behandlung der IgAN aufgrund von Proteinurie-Verlaufsdaten nach 12 Monaten vorläufig zugelassen. Die volle Zulassung durch die EMA erfolgte dann aufgrund der positiven Ergebnisse der Gesamtstudie über 2 Jahre.

Seit seiner Zulassung 2022, hat sich Kinpeygo® zur zielgerichteten Behandlung der Erkrankungsursache als wichtiger Bestandteil der modernen IgAN-Therapie etabliert. Die Bedeutung eines zielgerichteten und ursächlichen Behandlungsansatzes wurde nun mit der Aufnahme von Kinpeygo® in die Leitlinien der Kidney Dis­ ease: Improving Global Outcomes (KDIGO) betont. In der neuen Leitlinie zum Management der IgA-Nephropathie wird das TrFBudesonid für die Behandlung der primären IgAN mit Empfehlungsgrad 2b empfohlen [1]. Die Leitlinie berücksichtigt die Evidenz klinischer Studien bis August 2024 mit dem Ziel, den behandelnden Ärzten aktuelle Empfehlungen zur Diagnose, Prognose und Behandlung zur Verfügung zu stellen [1]. Die neue KDIGO-Leitlinie wurde am 18.09.2025 im Rahmen des 18. International Symposium on IgA Nephropathy (IIgANN) in Prag vorgestellt und publiziert.

Paradigmenwechsel in der IgAN-Therapie Die KDIGO-Leitlinie 2025 sieht für das Therapiemanagement der © Verlag PERFUSION GmbH


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Abbildung 1: Paralleles Behandlungsschema der IgA-Nephropathie, modifiziert nach KDIGO 2025 [1]. *Der Einschluss in klinische Studien sollte geprüft werden [1].

IgAN als neues konstantes Behandlungsziel eine Reduktion des Nierenfunktionsverlustes auf ein physiologisches Level von <1 ml/ min/1,73 m2 vor [1]. Der bislang einzige validierte Biomarker für die IgAN, die Proteinurie, sollte dabei mindestens auf <0,5 g/Tag oder idealerweise auf <0,3 g/Tag reduziert werden; dieses Behandlungsziel trifft auf die meisten IgAN-Patienten, mit Ausnahme von Patienten mit ausgeprägter Nierenvernarbung, zu [1]. Bei Patienten mit einem hohen Progressionsrisiko (progredienter Nierenfunktionsverlust; d.h. Proteinurie ≥0,5 g/Tag) sollte eine parallele Behandlung beider Erkrankungsarme angestrebt werden, wie unter anderem aus dem von der KDIGO empfohlenen Therapieschema (Abb. 1) hervorgeht. Die neue Leitlinie schärft das Therapiebestreben, neben dem Management der CKD-Komponente auch die Immunkomponente der Erkrankung gezielt zu adressieren, um den Krankheitsverlauf zu verlangsamen und die Nierenfunktion Perfusion 5-6/2025

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möglichst lange zu erhalten [1]. Hier kommt Kinpeygo® als einziger zugelassener Therapie, die frühzeitig und gezielt am Ursprung der Erkrankung ansetzt [3, 5] eine zentrale Rolle zu. Daher wird es von der KDIGO mit Empfehlungsgrad 2b für die Therapie der IgAN-spezifischen Krankheitskomponente empfohlen [1].

Studiendaten belegen krankheitsmodifizierenden Effekt Die Phase-III-Zulassungsstudie NefIgArd hat zeigt, dass die eGFR bei den mit Kinpeygo® behandelten Patienten nach einem 9-monatigen Therapiezyklus und einer Followup-Periode von 15 Monaten um 50 % weniger abgenommen hat als in der Kontrollgruppe [5]. Auch die Reduktion der UPCR konnte über den 24-monatigen Behandlungs- bzw. anschließenden Beobachtungszeitraum nachhaltig um 30 % gegenüber der Kontrollgrup-

pe verringert werden [5]. Darüber hinaus zeigte sich in der Phase-IINEFIGAN-Studie eine signifikante Abnahme der gd-IgA-Spiegel in der Kinpeygo®-Gruppe versus Placebo, was den krankheitsmodifizierenden Effekt des TrF-Budesonids belegt [6]. Zusätzlich deuten Daten einer Modellierungsanalyse von RealWorld-Daten darauf hin, dass Kinpeygo® die Zeit bis zum Nierenversagen um bis zu 12,8 Jahre im Vergleich zu einer ausschließlich supportiven Therapie verzögern könnte (Medianzeit bis zum Nierenversagen unter Kinpeygo®: 22,4 Jahre, unter einer ausschließlich supportiven Therapie: 9,6 Jahre**) [7]. Diese Daten unterstreichen die Relevanz der in den Leitlinien geforderten, frühzeitigen Reduktion ** Modellierungsanalyse von Real-WorldDaten. Ein lineares Regressionsmodell wurde verwendet, um die Wirkung von Kinpeygo® auf den eGFR-Slope in der NefIgArd-Studie zu extrapolieren und dessen Einfluss auf das Eintreten eines Nierenversagens in einer Real-WorldKohorte vorherzusagen. © Verlag PERFUSION GmbH


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der IgA-Spiegel und IgA-Immunkomplexe-Bildung [1]. Brigitte Söllner, Erlangen

Practice Guideline for the Management of Immunoglobulin A Nephropathy (IgAN) and Immunoglobulin A Vasculitis (IgAV). Kidney Int 2025;108(4S): S1-S71 2 Pitcher D et al. Clin J Am Soc Nephrol 2023;18:727-738 3 Fachinformation Kinpeygo® 4 mg Hartkapseln mit veränderter Wirkstofffreisetzung; Stand: 02/25

Literatur 1 Kidney Disease: Improving Global Outcomes (KDIGO). IgAN and IgAV Work Group. KDIGO 2025 Clinical

4 Yeo SC et al. Clin Kidney J 2023;16 (Suppl 2):ii9-ii18 5 Lafayette R et al. Lancet 2023;402:859870 6 Fellström BC et al. Lancet 2017; 389:2117-2127 7 Barratt J et al. eGFR slope modelling predicts long-term clinical benefi t with nefecon in a real-world IgAN population. Clin Kidney J 2025;18: sfae404

MITTEILUNGEN

Recycling-Initiative ReMed™: Novo Nordisk ruft Apotheken weiter zum Mitmachen auf Mit der Recycling-Initiative ReMed™ zur Wiederverwertung von Fertigpens setzt Novo Nordisk ein wichtiges Zeichen in Sachen Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung. Um das volle Potenzial auszuschöpfen, werden weitere teilnehmende Apotheken in Berlin und Rheinland-Pfalz gesucht. Je mehr Apotheken mitmachen, desto mehr Patienten haben die Chance, ihre Novo Nordisk Pens zurückzugeben und zu mehr Nachhaltigkeit beizutragen. Abgegeben werden können alle vorbefüllten Pens der Modelle FlexTouch®, FlexPen® und FlexPro®, die für die Behandlung von Diabetes, Adipositas und Wachstumsstörungen verwendet werden. Novo Nordisk kümmert sich um die Bereitstellung der notwendigen Sammelbeutel und -Container so-

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Novo Nordisk ReMed™ Weltweit vertrauen Millionen von Menschen mit schweren chronischen Krankheiten auf vorbefüllte Injektionshilfen aus Kunststoff, sog. Fertigpens. Allein Novo Nordisk produziert derzeit jährlich mehr als 800 Millionen solcher Pens. Das entspricht etwa 14.000 Tonnen Kunststoff. Da die Zahl der Patienten und damit die Nachfrage nach entsprechenden Medikamenten zunehmen wird, werden auch diese Zahlen weiter ansteigen Mit ReMed™ setzt Novo Nordisk ein wichtiges Zeichen im Hinblick auf Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung. Die Initiative ist Teil der Nachhaltigkeitsstrategie „Circular For Zero“. Die gesammelten Fertigpens werden nach Dänemark gebracht und in einer speziellen Recyclinganlage aufbereitet. Dieser Prozess ermöglicht es, beispielsweise aus dem recycelten Kunststoff neue Produkte, wie z.B. Stühle, herzustellen.

wie den Transport. Die Apotheken können so bei geringem Aufwand einen wirkungsvollen Beitrag zur Nachhaltigkeit leisten. Rund 200 Apotheken in Berlin und Rheinland-Pfalz nehmen bereits an der kostenfreien Recycling-Initiative ReMed™ teil und tragen damit zum Schutz der Umwelt bei. Ulrike Hey, Apothekerin und Inhaberin „Neue Apotheke“ aus Böhl-Iggelheim, berichtet: „Wir sind stolz darauf, seit Beginn Teil der ReMed™-

Initiative zu sein. Auf diese Weise können wir unseren Patienten mit chronischen Erkrankungen zeigen, dass uns Nachhaltigkeit am Herzen liegt, indem wir den Plastikabfall von Fertigpens erheblich reduzieren.“ Interessierte Apotheker erhalten weitere Informationen sowie das Registrierungsformular zur Teil­ nahme unter: https://pro.novonordisk.de/service/ remed.html#apotheken. E. W.

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FORUM LIPIDSENKER

Das 2025 Focused Update der ESC/EAS-Dyslipidämie-Leitlinie empfiehlt Bempedoinsäure in zwei klinisch besonders relevanten Versorgungssituationen: mit dem Empfehlungsgrad der Klasse I (Evidenzlevel B) für Patienten, die keine Statine einnehmen können oder wollen, sowie mit einer Klasse-IIa-Empfehlung (Evidenzlevel C) als Add-on für Patienten mit hohem oder sehr hohem Risiko, die ihre Low-Density-LipoproteinCholesterin (LDL-C)-Zielwerte trotz maximaler Statindosis mit oder ohne Ezetimib nicht erreichen [1]. Die Entscheidung basiert auf den Ergebnissen der CLEAR Outcomes-Studie, in die knapp 14.000 Patienten mit hohem oder sehr hohem kardiovaskulärem Risiko eingeschlossen wurden [2]. Sie zeigen, dass Bempedoinsäure (Nilemdo®) das relative Risiko für ein schwerwiegendes unerwünschtes kardiovaskuläres Ereignis (4-Punkte-MACE: kardiovaskulärer Tod, nicht-tödlicher Myokardinfarkt, nicht-tödlicher Schlaganfall, koronare Revaskularisation) bei Patienten, die keine Statine einnehmen konnten oder wollten, statistisch signifikant reduzierte [2]. Darüber hinaus bestätigen zahlreiche präspezifizierte Subgruppenanalysen sowie weitere Studien den Nutzen von Bempedoinsäure in unterschiedlichen Patientenkollektiven [3, 4, 5].

LDL-C ist kausaler Risikofaktor Das Leitlinien-Update stellt klar, dass LDL-C nicht nur ein RisikoPerfusion 5-6/2025

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ESC/EAS-Leitlinien-Update 2025 zur Dyslipidämie: Bempedoinsäure mit höchstem Empfehlungsgrad verankert

faktor, sondern eine direkte Ursache für die Entstehung und Progression atherosklerotischer kardiovaskulärer Erkrankungen (ASCVD) ist [1, 6]. Das Absenken der LDL-C-Spiegel reduziert das Risiko für kardiovaskuläre Erst- und Folgeereignisse proportional – unabhängig vom Ausgangsniveau [1]. Entsprechend rückt die Leitlinie die Kombinationstherapie unmittelbar in der stationären Versorgung eines akuten Koronarsyndroms (ACS) stärker in den Fokus: Für Patienten, die bereits vor dem Ereignis eine lipidsenkende Therapie erhalten haben, wird noch im Krankenhaus eine Intensivierung der Therapie empfohlen, um den LDL-C-Wert weiter zu senken (Klasse 1, Evidenzlevel C), und für therapienaive Patienten, die mit einem Statin alleine ihren LDL-C-Zielwert voraussichtlich nicht erreichen können, sollte die unmittelbare Initiierung einer intensiven Statintherapie in Kombination mit Ezetimib erwogen werden (Klasse IIa, Evidenzlevel B). Auch eine Kombinationsbehandlung mit einer oder mehreren Klassen von Nicht-Statin-Therapien mit nachgewiesenem kardiovaskulärem Nutzen wird im Focused Update der Leitlinie nahegelegt,

je nach Bedarf und abhängig von der lipidsenkenden Therapie des jeweiligen Patienten vor dem ACSEreignis [1]. Die Entscheidung basiert vorwiegend auf Daten des SWEDEHEART-Registers. Diese zeigen besonders eindrücklich, dass ACSPatienten, deren LDL-C-Spiegel frühzeitig und dauerhaft gesenkt wird, das mit Abstand geringste Risiko für erneute kardiovaskuläre Ereignisse tragen [7, 8]. Aus diesem Grund setzt die Leitlinie auf das Prinzip: „The sooner, the lower, the better“ [1].

Individuelle Prävention und Therapieauswahl Neu ist die Anpassung der Risikoeinschätzung: Der bisherige SCORE-Algorithmus wird durch den SCORE2 (für 40 – 69 Jahre) und SCORE2-OP (für 70 – 89 Jahre) ersetzt. Diese Risikokalkulatoren bilden zusammen mit Komorbiditäten und weiteren Faktoren die Grundlage für die Ableitung des LDL-C-Zielwerts. Mit welcher Intensität die LDLSenkung erfolgen soll, richtet sich nach dem individuellen Gesamtri© Verlag PERFUSION GmbH


FORUM LIPIDSENKER

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Bempedoinsäure und die Fixkombination mit Ezetimib Bempedoinsäure (Nilemdo®) ist ein First-in-Class, orales, einmal täglich einzunehmendes Arznei-mittel, das LDL-C durch Hemmung der ATP-Citrat-Lyase (ACL) senkt – ein Enzym, das im Cholesterinsyntheseweg oberhalb des Wirkmechanismus der Statine angreift [11, 12]. Da Bempedoinsäure nicht im Skelettmuskel aktiviert wird, kann sie allein oder in Kombination mit Statinen bzw. anderen lipidsenkenden Therapien eingesetzt werden, insbesondere bei Patienten mit Statinintoleranz oder bei unzureichender Zielwerterreichung. Die Fixkombination aus Bempedoinsäure und Ezetimib (Nustendi®) vereint zwei unterschiedliche Wirkmechanismen zur Cholesterinsenkung in einer einmal täglich einzunehmenden Tablette [13]. Die vollständigen Indikationen und Anwendungshinweise sind den jeweiligen Fachinformationen zu entnehmen [11, 13].

siko des Patienten und der Distanz zum Zielwert. Sehr praxisnah ist die Gegenüberstellung der rechnerischen LDL-C-Reduktionen lipidsenkender Therapien zur Entscheidungsfindung, mit welcher Kombinationstherapie Patienten ihren LDL-C-Zielwert potenziell erreichen können.

Fazit für die klinische Praxis Nachdem Bempedoinsäure bereits 2024 in die ESC-Leitlinien zu chronischen Koronarsyndromen [9]

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und zur peripheren arteriellen Verschlusskrankheit [10] aufgenommen wurde, hat Bempedoinsäure nun Eingang in das Update der Dyslipidämie-Leitlinie gefunden und nimmt somit eine zentrale Stellung im Lipidmanagement ein. Gleichzeitig zeigt das Update einen generellen Wandel in der Prävention kardiovaskulärer Ereignisse auf: weg von einer kleinschrittigen Eskalation zu einer frühen Kombination mit Ezetimib, Bempedoinsäure und PCSK9-inhibierendem monoklonalem Antikörper, wenn die LDL-C-Zielwerte mit einer

maximal verträglichen Statindosis nicht erreicht werden (Klasse I, Evidenzlevel A). Für die behandelnden Ärzte bedeutet das eine verlässliche Orientierung, evidenzbasierte Sicherheit und eine gestärkte Rolle wirksamer oraler Kombinationstherapien. Fabian Sandner, Nürnberg

Literatur 1 Mach F et al. Eur Heart J 2025:ehaf190 2 Nissen SE et al. N Engl J Med 2023; 388:1353-1364 3 Ballantyne CM et al. Eur J Prev Cardiol 2020;27:593-603 4 Lincoff AM et al. J Am Coll Cardiol 2024;84:152-162 5 Ray KK et al. Lancet Diabetes Endocrinol 2024;12:19-28 6 Ference BA et al. Eur Heart J 2017;38: 2459-2472 7 Schubert J et al. Eur Heart J 2024;45: 4204-4215 8 Leosdottir M et al. J Am Coll Cardiol 2025;85:1550-1564 9 Vrints C et al. Eur Heart J 2024;45: 3415-3537 10 Mazzolai L et al. Eur Heart J 2024;45: 3538-3700 11 Fachinformation Nilemdo®, aktueller Stand 12 Pinkosky SL et al Nat Commun 2016;7: 13457 13 Fachinformation Nustendi®, aktueller Stand

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FORUM DIABETICUM

Typ-1-Diabetes (T1D) gilt als eine der häufigsten Stoffwechselerkrankungen im Kindes und Jugendalter – die Inzidenz steigt seit Jahren [1]. In Deutschland sind rund 32.000 Kinder und Jugendliche betroffen, jährlich kommen etwa 4.700 Neuerkrankungen hinzu – zunehmend auch im Vorschulalter [2]. Nach heutigem Verständnis verläuft T1D über 4 Stadien: • Stadium 1 ohne Symptome und mit normalen Blutzuckerwerten • Stadium 2 mit abnehmender Betazellmasse und beginnender Dysglykämie • Stadium 3 mit stark reduziertem Betazellanteil, klinischen Symptomen und messbarer Hyper­ glykämie [3] • Stadium 4 kennzeichnet den lebenslang bestehenden T1D und eine exogene Insulingabe ist zwingend erforderlich. Ein präsymptomatischer T1D kann in den Stadien 1 und 2 über Inselautoantikörper nachgewiesen werden; beim Vorhandensein von mindestens 2 Autoantikörpern spricht man von einem Frühstadium [4].

Typ-1-Diabetes früh erkennen, bevor die Ketoazidose auftritt Die Diagnose T1D trifft Familien oft unerwartet und geht teils mit schwerwiegenden Komplikationen wie einer lebensbedrohlichen diabetischen Ketoazidose (DKA) einher [3, 5]. Das Risiko einer DKA lässt sich jedoch durch die Früherkennung des T1D deutlich senken. Dies belegen die Ergebnisse der vom Institut für Diabetesforschung Perfusion 5-6/2025

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Die Früherkennung des Typ-1-Diabetes fängt in der Kinderarztpraxis an am Helmholtz Munich initiierten Fr1da-Studie, die seit 2015 über 240.000 Kinder getestet hat und seitdem mehr als 700 Kinder mit Frühstadien identifizieren konnte [6]. Die DKA-Rate lag bei diesen Kindern bei 2,5 % im Vergleich zur Rate von 36,7 % bei Kindern, bei denen kein Frühstadium bekannt war [5]. Mit der Früherkennung selbst ist es jedoch nicht getan. Entscheidend für den Verlauf sind die anschließende Betreuung und das regelmäßige Monitoring in den Fr1da-Schulungszentren. In Studien zeigte sich, dass das Stressniveau insbesondere bei Müttern von Kindern mit präsymptomatischem T1D direkt nach der Frühdiagnose erhöht war, sich jedoch innerhalb von 12 Monaten wieder normalisierte [7]. In Deutschland ist die Früherkennung des T1D bisher aber nur im Rahmen von Studien möglich und nicht Bestandteil der Regelversorgung, sodass sie in die Routine der Kinderarztpraxis integriert werden muss.

Die Früherkennungsuntersuchung in der Kinderarztpraxis erfordert klar definierte Abläufe Die Integration der Früherkennung in den Praxisalltag erfordert eine

an die individuellen Abläufe angepasste Logistik, entsprechende Strukturen und Organisation. Von Vorteil ist es, das Screening bei Routineuntersuchungen anzubieten – bei der U7, erneut bei U10/U11 sowie bei geplanten Blutentnahmen. Essenziell sind klare Abläufe – vom Begleitzettel-Check und der Materiallogistik über Versand und Dokumentation bis hin zur Befundmitteilung. In der Beratung sollte man zum einen den Eltern sowohl die medizinischen Gründe wie auch den Nutzen der Früherkennung erläutern, zum anderen aber auch deren Bedenken ansprechen und ausräumen.

Wichtig ist der Erhalt der Betazell-Restfunktion Die Betazelle steht im Zentrum der Pathophysiologie des T1D, da ihre autoimmune Zerstörung den Insulinmangel und damit die Krankheitsentstehung direkt verursacht. Daher sollte der Erfolg der Insulintherapie die zentrale Rolle der Betazelle nicht überdecken. Denn klinisch relevant ist die Frage, was die Transition vom T1D-Stadium 1 zu 2 und vor allem von 2 zu 3 triggert. Dafür muss der Verlauf der Betazellfunktion zwischen Dys­ glykämie und klinischer Manifes© Verlag PERFUSION GmbH


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tation besser verstanden werden. Hierbei kann das C-Peptid von Nutzen sein, da es ein direktes, quantitatives und zuverlässiges Maß für die Betazellfunktion darstellt [8]. Wie Studien belegen, senkt eine höhere residuale Betazellfunktion das Risiko für schwere Hypoglykämien und mikrovaskuläre Komplikationen [8, 9]. Als Parameter für die Funktionalität gewinnt das CPeptid immer mehr an Bedeutung. Um das C-Peptid systematisch in Klassifikation, Monitoring und Management zu integrieren, sind jedoch standardisierte Mess- und Reportingprozesse erforderlich. Ziel sollte dabei immer sein, die Betazell-Restfunktion zu erhalten – als Schlüssel für eine stabilere Stoffwechsellage und ein langfristig besseres Krankheitsmanagement, das die Chance bietet, schwere Komplikationen zu vermeiden. Fabian Sandner, Nürnberg Literatur 1 Gregory GA et al. Lancet Diabetes Endocrinol 2022;10:741-760 2 Robert Koch-Institut. Diabetes Typ 1: Inzidenz (0–17 Jahre). Gesundheitsberichterstattung des Bundes. 2024. https://gbe.rki.de 3 Insel RA et al. Diabetes Care 2015; 38:1964-1974 4 DDG 2023. S3-Leitlinie: Diagnostik, Therapie und Verlaufskontrolle des Diabetes mellitus im Kindes- und Jugendalter, AWMF-Registernummer: 057-016 5 Achenbach P et al. Gesundheitswesen 2025;87:27-37 6 Fr1da. The Fr1da study Dashboard. https://dashboard.typ1diabetes-frueh­ erkennung.de 7 Ziegler AG et al. JAMA 2020;323:339351 8 Latres E et al. Diabetes 2024;73:823833 9 Sorensen JS et al. Diabetes Care 2013; 36:3454-3459 Perfusion 5-6/2025

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Insulin glargin 300 E/ml: einfache Umstellung auf eine stabile Blutzuckerkontrolle

Die Insulintherapie ist der Goldstandard im Management des Typ1-Diabetes (T1D) und spielt eine wichtige Rolle bei Typ-2-Diabetes (T2D), wenn eine Kontrolle mit oralen Antidiabetika und/oder GLP-1-Rezeptoragonisten nicht ausreicht. In den letzten Jahren wurden Basalinsuline der zweiten Generation im Behandlungsalltag etabliert – darunter auch Insulin glargin 300 E/ml (Toujeo®). Vorteile bei der Gabe von Insulin glargin 300 E/ml sind beispielsweise ein stabiles Wirkprofil bis zu 36 Stunden und flexible Spritzzeitpunkte innerhalb eines Zeitfensters von ± 3 Stunden [1]. Mit dem Auslaufen von Levemir® Ende des Jahres wird die Auswahl an Basalinsulinen auf dem Markt kleiner [2]. Dies unterstreicht die Bedeutung etablierter Präparate wie Toujeo® für die Versorgung von Menschen mit Diabetes.

Höhere Therapiezufriedenheit und verbesserte Therapiepersistenz Die einfache Handhabung, gute Verträglichkeit und effektive Wirkung spiegeln sich auch in der Therapiezufriedenheit wider: In der prospektiven Interventionsstudie

OPTIMIZE zeigten Erwachsene mit T1D, die von einer zweimal täglichen Gabe eines Basalinsulins auf einmal täglich Insulin glargin 300 E/ml umgestellt wurden, eine um 22 % höhere Therapiezufriedenheit [3]. Ergänzend liegen Daten aus einer retrospektiven Real-World-Studie bei Erwachsenen mit T2D vor, die erstmals mit Basalinsulin behandelt wurden. Diese belegen eine signifikant bessere Therapiepersistenz und eine niedrigere Wahrscheinlichkeit eines Behandlungsabbruchs nach 12 Monaten bei der Behandlung mit Insulin glargin 300 E/ml gegenüber Insulin glargin 100 E/ml und Insulin detemir [4]. Für sportlich aktive Erwachsene mit T1D zeigte eine randomisierte Cross-Over-Studie, dass an Trainingstagen unter Insulin glargin 300 E/ml keine routinemäßige Dosisreduktion erforderlich war, ohne Anstieg der Zeit unter dem Zielbereich (Time Below Range, TBR). Die TBR blieb im 24-StundenFenster nach dem Sport niedrig und bei voller Dosis war die TBR sogar geringer als unter Insulin degludec 100 E/ml (2,71 % vs. 4,37 %; p = 0,023) [5]. Das kann eine flexiblere Alltags- und Trainingsplanung unterstützen.

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Breite Evidenz schließt ältere Patienten ein Zur Wirksamkeit und Sicherheit von Insulin glargin 300 E/ml liegt Evidenz für ein breites Patientenklientel vor, u.a. bei chronischer Nierenerkrankung sowie während des Fastens [6, 7]. In der kürzlich publizierten Real-World-Studie ELDERLY-T wurden die Wirksamkeit und Sicherheit auch bei älteren Patienten mit Typ-2-Diabetes ab 75 Jahren untersucht [8]. Unter dem bestehenden Diabetesmanagement konnte vor Einschluss in die Studie keine ausreichende Blutzuckerkontrolle erzielt werden (HbA1c-Wert ≥8,0 % und ≤11,0 %). Nach Neueinstellung oder Umstellung auf Insulin glargin 300 E/ml erreichten innerhalb von 6 Monaten 31,3 % ihren individuellen HbA1c-Zielwert (28,6 % bei insulin-naiven und

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34,4 % bei insulin-vorbehandelten Patienten). Der HbA1c-Wert sank im Mittel um 1,4 % (insulin-naiv) bzw. 1,2 % (insulin-vorbehandelt). Sekundäre Parameter zeigen darüber hinaus eine Reduktion des Nüchternplasmaglukosewertes. Neue Sicherheitssignale wurden nicht detektiert [8].

verabreicht, beträgt die empfohlene Anfangsdosis von Toujeo® 80 % der vorherigen Gesamttagesdosis. Während der Umstellung und in den ersten Wochen danach wird eine engmaschige Stoffwechselüberwachung empfohlen [1]. Elisabeth Wilhelmi, München

Empfehlungen für die Umstellung

Literatur

Bei Erwachsenen, Jugendlichen und Kindern ab 6 Jahren mit Diabetes mellitus kann die Umstellung auf Insulin glargin 300 E/ml in der Regel gemäß den Dosierungsempfehlungen problemlos erfolgen. Bei einer 1 täglichen Anwendung kann die Insulindosis 1:1 übertragen werden. Haben sich die Patienten bisher 2 täglich Basalinsulin

1 Fachinformation Toujeo®; Stand: November 2023 2 Informationsschreiben des Unternehmen Novo Nordisk vom 27.09.2024 3 Mathieu C et al. Diabetes Ther 2020; 11:495-507 4 Roussel R et al. Diabetes Ther 2020; 11:1861-1872 5 Moser O et al. Diabetes Technol Ther 2023;25:161-168 6 Haluzik M et al. Diabetes Obes Metab 2020;22:1369-1377 7 Hassanein M et al. Diabetes Res Clin Pract 2020;166:108189 8 Rudofsky G et al. Diabetes Obes Metab 2025;27:228-237

FORUM OPHTHALMOLOGICUM Wenn Patienten mit Symptomen wie hervortretenden Augäpfeln (Exophthalmus), Lidretraktion, entzündlich geröteten Augen, Karunkel- oder Plica-Schwellung in die Praxis kommen, sollte an eine endokrine Orbitopathie (EO) gedacht werden. Aber auch Trockenheit der Augen, Fremdkörpergefühl, Doppelbilder, Schmerzen bzw. Druckgefühl hinter dem Auge oder bei Augenbewegungen können Anzeichen dieser seltenen, progressiven Autoimmunerkrankung sein [1]. EO ist zudem häufig mit einer Hyperthyreose vergesellschaftet [2]. Perfusion 5-6/2025

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Endokrine Orbitopathie frühzeitig erkennen und behandeln Eine frühe Diagnose der endokrinen Orbitopathie ist essenziell, damit die Patienten schnell von einer adäquaten Versorgung profitieren können. Dennoch vergeht bis zur korrekten Diagnosestellung in der Regel viel Zeit [3]. Zur Therapie stehen Glukokortikoide zur Verfügung, die bevorzugt intravenös angewendet werden

sollten. Diese Therapie verringert zwar die klinische Aktivität der Erkrankung, hat aber einen geringeren Einfluss auf die Augenbeweglichkeit, einen Exophthalmus und die Veränderungen des Weichteilgewebes. Daher richten sich die Hoffnungen auf neue, zielgerichtete Therapien.

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EO tritt oft zusammen mit Morbus Basedow auf EO ist eine Autoimmunerkrankung, von der 40 % der Patienten mit Morbus Basedow betroffen sind [4]. Seltener kann EO auch bei euthyreotischer oder hypothyreotischer Stoffwechsellage auftreten [2]. Wie bei Morbus Basedow sind bei EO Thyreotropin-Rezeptor-Autoantikörper (TRAK) nachweisbar. Gleichwohl ist EO eine eigenständige Erkrankung. Sie zeigt einen zweiphasigen Verlauf, der mit einer entzündlichen Phase beginnt und nach 6 – 36 Monaten in eine chronische Phase übergeht [5–8]. Bei schwerem Verlauf kann EO zu einer Visusminderung, bleibender Entstellung und Behinderung führen [9–11]. Die Betroffenen können stark in ihrem Alltag, ihrer Lebensqualität und der sozialen Teilhabe beeinträchtigt sein und rehabilitative chirurgische Maßnahmen benötigen [12, 13].

Euthyreose und Rauchverzicht sind entscheidend Die Kenntnis des biphasischen Verlaufs ist für die Therapieentscheidung von großer Bedeutung, denn die systemische immunmodulatorische Therapie, z.B. mit Prednisolon-Infusionen oder Immunsuppressiva (off Label) greift in der akuten, progredienten Phase am besten. Grundsätzlich sollte sich das EO-Management an der Clinical Practice Guideline der European Group on Graves‘ Orbitopathy (EUGOGO) orientieren [13]. Perfusion 5-6/2025

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Sie rät als Basismaßnahmen neben dem Anstreben einer euthyreoten Stoffwechsellage zu Rauchstopp und Tränenersatzmitteln. Bei milder EO kann zunächst abgewartet und Selen supplementiert werden. Bei mäßiger bis starker, aktiver EO sollte eine antientzündliche Therapie in Form von i.v. Glukokortikoiden, ggf. plus Mycophenolat initiiert werden. Bei visusbedrohender EO empfiehlt die Leitlinie i.v. Glukokortikoide in Megadosis [13]. Neben der medikamentösen Therapie spielten die Reduktion der modifizierbaren Risikofaktoren Rauchen, Hypercholesterinämie, oxidativer Stress und eine Radiojodtherapie eine entscheidende Rolle für den Therapieerfolg.

Gezielte Blockade des Signalkomplexes mit Teprotumumab Da das Verständnis der molekularen Prozesse bei EO inzwischen differenzierter geworden ist, wird an zielgerichteten Therapien geforscht. Sie zielen insbesondere auf einen Signalkomplex ab, der auf Orbita-Fibroblasten exprimiert wird und eine entscheidende Rolle in der Pathogenese der EO spielt. Er besteht aus dem Thyreotropin (TSH)-Rezeptor und dem Insulinlike Growth Factor 1 (IGF-1)Rezeptor. Diese beiden Rezeptoren interagieren über das Protein β-Arrestin miteinander, sobald sie aktiviert werden. Diese Interaktion führt zu den EO-typischen Veränderungen wie Flüssigkeitseinlagerung und Gewebezunahme in der

Orbita [2, 14–16]. Eine gezielte Hemmung dieses Pathomechanismus gelingt mit dem Antikörper Teprotumumab (Tepezza®), der seit 2020 in den USA zugelassen ist und alle 3 Wochen intravenös infundiert wird. Im April 2025 hat der Ausschuss für Humanarzneimittel der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) empfohlen, Teprotumumab für Erwachsene mit moderater bis schwerer endokriner Orbitopathie zuzulassen. Die Markteinführung in Deutschland wird noch für 2025 erwartet [17]. Fabian Sandner, Nürnberg Literatur 1 Mourits MP et al. Clin Endocrinol 1997;47:9-14 2 Eckstein A et al. Augenheilkunde up2date 2020;10:127-143 3 Estcourt S et al. Eur J Endocrinol 2009;161:483-487 4 Chin YH et al. Clin Endocrinol (Oxf) 2020;93:363-374 5 Men CL, Kossler AL. touchOphthalmology 2024;18:33-38 6 Uddin JM et al. Ophthalmic Plast Reconstr Surg 2018;34(Suppl1):28-33 7 Menconi F et al. Thyroid 2014;24:6066 8 Von Arx G et al. Schweiz Med Forum 2006;6:999-1003 9 Bahn RS N Engl J Med 2010;362:726738 10 Bruscolini A et al. Autoimmun Rev 2018;17:639-643 11 Ponto KA et al. Dtsch Ärztebl Int 2009;106:283-289 12 Smith JT et al. Front Endocrinol 2023; 14:1283374 13 Bartalena L et al. Eur J Endocrinol 2021;185:G43-G67 14 Smith JT. Front Endocrinol 2021; 12:653627 15 Neag EJ, Smith TJ. Endocrinol Invest 2022;45:235-259 16 Smith JT et al, N Engl J Med 2017; 376:1748-1761 17 Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte. OPS 2025 © Verlag PERFUSION GmbH


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Mitteilungen

MITTEILUNGEN Unterstützung für mehr Nichtraucher Helden Im Rahmen der Pressekonferenz „Tabakentwöhnung und Lungengesundheit: Von der Leitlinie zur digitalen Praxis“ in Frankfurt am Main präsentierten die Chiesi GmbH und Sanero Medical GmbH wissenschaftliche Erkenntnisse und praktische Erfahrungen mit der App NichtraucherHelden, einer digitalen Unterstützung bei der Tabak­ entwöhnung. Die dauerhaft als Digitale Gesundheitsanwendung (DiGA) gelistete App entspricht den Empfehlungen der S3-Leitlinie zur Tabakentwöhnung. Sie nutzt einen verhaltenstherapeutischen Ansatz, der die Nutzer umfassend auf ihren Rauchstopp vorbereitet und sie während und nach dem Rauchstopp unterstützt.

Herausforderung Rauchstopp Die Herausforderungen des Nikotinentzugs sind vielfältig: Starke Rauchgelüste, Konzentrationsprobleme, Gereiztheit und depressive Verstimmungen erschweren besonders die ersten Wochen nach dem Rauchstopp. Hinzu kommen oft Gewichtszunahme, erhöhte Stressund Angstlevel sowie anhaltende Müdigkeit. Alltägliche Situationen wie Kaffeepausen oder der Kontakt zu rauchenden Freunden können als konditionierte Auslöser Rückfälle provozieren. Nur 3 – 7 % der Raucherinnen und Raucher mit eigenständig durchgeführten Perfusion 5-6/2025

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Die App NichtraucherHelden Die NichtraucherHelden-App ist ein zertifiziertes Medizinprodukt der Klasse I nach Medizinprodukteverordnung (MDR) und dauerhaft als Digitale Gesundheitsanwendung (DiGA) im Verzeichnis des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) gelistet. Sie kann daher von Ärzten auf Rezept verschrieben werden. Die App NichtraucherHelden ist Testsieger bei der Stiftung Warentest. Sie richtet sich an Raucherinnen und Raucher mit diagnostizierter Tabakabhängigkeit und funktioniert über ein maßgeschneidertes, verhaltenstherapeutisches Coaching, das sich an den individuellen Bedürfnissen der Patienten orientiert.

Rauchstoppversuchen sind über den Zeitraum eines halben Jahres erfolgreich.

Studie belegt medizinischen Nutzen Die NichtraucherHelden-App entspricht als digitale Intervention den aktuellen Leitlinien der WHO, die digitale Strategien als sinnvolle Ergänzung zu bestehenden Behandlungen empfiehlt. Sie basiert auf den Grundsätzen der kognitiven Verhaltenstherapie, die mit dem Ziel der Suchtentwöhnung schädliche Denkmuster hinterfragt und Strategien zur Bewältigung von Suchtdruck und sozialen Konflikten vermittelt. In einer deutschlandweiten, multizentrischen, prospektiven, randomisierten Studie mit insgesamt 661 Probanden wurde von November 2021 bis März 2023 der Versorgungseffekt der NichtraucherHelden-App zur Tabakentwöhnung untersucht. Zu Beginn der Studie erhielten sowohl die Interventionsgruppe (IG) als auch die Kontrollgruppe (KG) eine minimale Intervention in Form einer Kurzberatung, um mit dem Rau-

chen aufzuhören. Die IG bekam dann zusätzlich die App. Primärer Endpunkt war die selbstberichtete 7-Tage- Abstinenz nach 6 Monaten. In der IG hörten mit 20,2 % signifikant mehr Raucherinnen und Raucher auf zu rauchen als in der KG mit 10,5 % (OR: 2,2 [1,4 – 3,4]; p < 0,001, intention-to-treat). Auch die anhaltende Abstinenz über 6 Monate sowie die biochemisch verifizierte Abstinenz waren in der IG statistisch signifikant besser als in der KG.

Budgetunabhängige Verordnung Die Verordnung der digitalen Gesundheitsanwendung NichtraucherHelden ist für gesetzlich Versicherte (≥18 Jahre) mit einer diagnostizierten Tabakabhängigkeit nach ICD 10 F17.2 und dem Wunsch zum Rauchstopp per Rezept (Muster 16) möglich. Die Kosten werden von allen gesetzlichen Krankenkassen übernommen und belasten das Arzneimittel- und Heilmittel- Budget der verordnenden Ärzte nicht. Folgende Angaben auf dem Rezept sind nötig: PZN Erstverordnung (3 Monate): 17575561. F. S. © Verlag PERFUSION GmbH


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Mitteilungen / Kongresse

Zweistufiges Dosierungsschema mit Vericiguat in der EU zugelassen Vericiguat (Verquvo®) ist zugelassen zur Behandlung der symptomatischen, chronischen Herzinsuffizienz bei erwachsenen Patienten mit reduzierter Ejektionsfraktion, die nach einem kürzlich aufgetretenen Dekompensationsereignis, das eine i.v.-Therapie erforderte, stabilisiert wurden. Im Oktober hat die Europäische Kommission das zweistufige Dosierungsschema für Vericiguat zugelassen. Vericiguat kann nun mit einer Startdosis von einmal täglich 5 mg statt 2,5 mg eingesetzt werden. Dies verkürzt die Titration von ursprünglich zwei auf nur einen Titrationsschritt und vereinfacht das Therapieschema in der klinischen Praxis. Das könnte dazu beitragen, dass mehr Patienten die optimale Zieldosis der leitliniengerechten medikamentösen Therapie erhalten.

Wegweisende Ergebnisse der VELOCITY-Studie Die Zulassungserweiterung basiert auf den positiven Ergebnissen der Phase-IIb-Studie VELOCITY. Die prospektive, zweiwöchige, einarmige, offene Phase-IIb-Studie schloss 106 Patienten mit chronischer HFrEF ein, davon 50 % mit und ohne kürzliches WHF-Ereignis (WHF = Worsening Heart Failure). Diese Patienten wurden mit einer Startdosis von 5 mg Vericiguat täglich behandelt und im Hinblick auf den primären Endpunkt beobachtet, der als Abschluss von 2 Wochen ohne Dosisunterbrechung oder kliPerfusion 5-6/2025

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nisch relevante symptomatische Hypotonie zwischen dem Besuch am Tag eins und ihrem zweiten Besuch am Tag 14 definiert war. Über 93 % der Studienteilnehmer konnten die zweiwöchige Behandlung mit einer Startdosis von 5 mg ohne Abbruch und ohne moderate bis schwere symptomatische Hypotonie abschließen. Über 90 % vertrugen die Startdosis von 5 mg über 2 Wochen ohne jegliche unerwünschten Ereignisse. Das gute Sicherheitsprofil von Vericiguat wurde bereits in der zulassungsrelevanten Phase-III-Studie VICTORIA gezeigt. Die Rate behandlungsbedingter Nebenwirkungen war niedrig und vergleichbar mit Placebo. Auch in der VELOCITY-Studie war die Verträglichkeit konsistent, und die mittlere Blutdrucksenkung (~3 mmHg) entsprach den Ergebnissen der VICTORIA-Studie.

Neues Titrationsschema vereinfacht die leitliniengerechte Behandlung Verquvo® kann direkt nach der ersten Dekompensation eingesetzt werden, sobald die Patienten nach i.v.-Therapie stabilisiert sind, und kann in der Praxis mit einem Titrationsschritt von 5 mg auf die Zieldosis von 10 mg gesteigert werden – ohne erhöhtes Risiko für symptomatische Hypotonie oder zusätzliche Anforderungen an das Monitoring. Damit steht ein sicheres, verträgliches und vereinfachtes Therapieschema zur Verfügung, das eine schnellere und effektivere Versorgung von Patienten mit HFrEF ermöglicht. F. S.

KONGRESSE Aktuelle Daten zu lipidsenkenden Therapien aus dem deutschen Versorgungsalltag Erhöhte Spiegel von Low-DensityLipoprotein-Cholesterin (LDL-C) sowie Lipoprotein(a) (Lp(a)) gelten als Hauptrisikofaktoren für atherosklerotische kardiovaskuläre Erkrankungen (ASCVD). Auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung e. V. (DGK) wurden aktuelle Daten zu lipidsenkenden Therapien vorgestellt. Sie zeigen, dass ASCVD-Patienten mit hohem und sehr hohem kardiovaskulärem Risiko oft nicht leitliniengerecht behandelt werden. Dabei wurden auch Unterschiede zwischen den Geschlechtern festgestellt und es zeigte sich, dass die Adhärenz der Patienten oft durch Nebenwirkungen sowie eine hohe Medikationslast beeinträchtigt wird.

Alarmierende Ergebnisse von LipidSnapshot: Viel zu wenig Patienten erreichen ihren LDLC-Zielwert <55 mg/dl Die Registerstudie LipidSnap­ shot, eine Kooperation des DGKZentrum für kardiologische Ver­ sorgungsforschung, des Bundesverbands niedergelassener Kardiologen (BNK), der Deutschen Gesellschaft zur Bekämpfung von Fettstoffwechselstörungen und ihren Folgeerkrankungen (Lipid-Liga) e.V. und der Novartis Pharma GmbH) untersucht das Erreichen © Verlag PERFUSION GmbH


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Kongresse

von LDL-C-Zielwerten sowie die Anzahl der Lp(a)-Bestimmung bei ASCVD-Patienten in Deutschland in Abhängigkeit von der Betreuung durch niedergelassene Kardiologen (NK) oder Allgemeinmediziner (AM) über einen Zeitraum von 3 Jahren in jährlichen Momentaufnahmen („Snapshots“). Dabei sollen auch Unterschiede bei der Verordnung von lipidsenkenden Therapien (LLT) sowie geschlechts- und altersspezifische Unterschiede untersucht werden. Für diesen Zweck wurden die Daten von 1.500 ASCVD-Patienten, dokumentiert von 49 niedergelassenen Kardiologen, mit Daten von 82.375 ASCVD-Patienten, dokumentiert von 996 Allgemeinmedizinern, verglichen.

Die verheerenden Ergebnisse aus dem Jahr 2023 ... Die Ergebnisse des ersten Snapshots 2023 zeigen deutlich, dass ein Großteil der ASCVD-Patienten vor allem in allgemeinmedizinischen Praxen nicht adäquat versorgt wurde. Der von den Leitlinien empfohlene LDL-C-Zielwert von <50 mg/ dl wurde selten erreicht. Dabei erfolgte nur in wenigen Fällen eine Eskalation zu einer wirksameren Therapie, um den LDL-C-Spiegel weiter zu senken. Sofern eine Eskalation erfolgte und weitere LLT verschrieben wurden, war dies fast ausschließlich in kardiologischen Praxen der Fall. Unabhängig von der Fachrichtung erreichten Männer oft niedrigere mittlere LDL-CWerte als Frauen. Dabei zeigen die Daten, dass die von AM betreuten Patientinnen im Vergleich zu den männlichen Patienten oft keine LLT Perfusion 5-6/2025

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erhielten. Auch die von den Leitlinien empfohlene Lp(a)-Testung fand nicht routinemäßig statt. Nur bei 3 % der Erkrankten, die in allgemeinmedizinischen Praxen vorstellig wurden, wurde eine Messung durchgeführt. Bei den NK waren es immerhin 20 %. Die Häufigkeit der Messungen sank mit steigendem Alter (<50-Jährige: NK: 25,9 % vs. AM:4,7 %; 50–79-Jährige: 20,9 % vs. 3,6 %; >80-Jährige: 18,5 % vs. 1,8 %). Die Daten zeigen außerdem, dass bei den NK auch in einem breiteren Patientenprofil auf das Lipoprotein (a) getestet wurde. Ein Lp(a)-Wert wurde bei 19,5 % der männlichen und 22,9 % der weiblichen NK-Patienten dokumentiert und mehr Männer als Frauen erreichten vordefinierte Spiegel <50 mg/dl (76,6 % vs. 69,9 %). Auch Lp(a)-Spiegel <30 mg/dl wiesen mehr durch NK als durch AM betreute Männer (66,2 % vs. 48,2 %) und Frauen (61,5 % vs. 45,8 %) auf. Tendenziell erfolgten routinemäßige Lp(a)-Testungen eher bei jüngeren Menschen und bei denjenigen, die mit PCSK9-Inhibitoren in Kombination oder als Monotherapie behandelt wurden.

... haben sich 2024 nur geringfügig verbessert Die Ergebnisse der zweiten „Momentaufnahme“ aus dem Jahr 2024 bestätigen die bisher veröffentlichte Daten: Die LDL-C-Zielwerte wurden über alle Geschlechter und Altersgruppen hinweg meist verfehlt. Nur 31,5 % der NK- und 14,4 % der AM-Patientinnen und Patienten erreichten leitliniengerechte LDLC-Zielwerte <55 mg/dl, wobei eine marginale Verbesserung gegenüber

dem Snapshot des Vorjahres zu verzeichnen war: LDL-C-Zielwerte von 55 bis <70 mg/dl erreichten 24,7% vs. 17,6 %. Dabei kamen weniger Frauen auf LDL-C-Zielwerte <55 mg/dl als Männer. Bei den von AM betreuten Patienten gelang das 9,8 % der Frauen gegenüber 17,4 % der Männer. Insgesamt erreichten in jeder Altersgruppe weniger Frauen als Männer ihren individuellen Zielwert. Bei den Männern wurden LDL-C-Werte ≥130 mg/dl bei <50-Jährigen häufiger gemessen als bei >80-Jährigen (28,8 % vs. 10,7 %). Während es bei den Männern eher Jüngere sind, die hohe LDL-C-Werte aufweisen, steigt der Anteil an Frauen mit LDL-C-Werten ≥130 mg/dl mit zunehmendem Alter. Bei NK wurden vermehrt bei älteren Frauen LDL-C-Werte ≥130 mg/dl beobachtet und unabhängig von der betreuenden Fachrichtung wies der Großteil der Patientinnen und Patienten ohne lipidsenkende Therapie Werte dieser Höhe auf. Insgesamt wurde eine geringe orale Therapieeskalation beobachtet. Etwa jeder Fünfte von einem AM Betreute mit sehr hohem CV-Risiko erhielt keine LLT. Nur ein niedriger Anteil der wurde mit Inhibitoren der Proproteinkonvertase Subtilisin/Kexin Typ 9 (PCSK9) behandelt (NK: <4 %, AM: <1 %). Professor Ingo Hilgendorf, Universitäts-Herzzentrum Freiburg-Bad Krozingen, fasste die ernüchternden Ergebnisse zusammen: „Derzeit werden viele ASCVD-Patientinnen und -Patienten in Deutschland nicht adäquat versorgt. Eine Verbesserung der Zielwerterreichung ist elementar. Auch wird leider weiterhin häufig keine LLT verordnet, paradoxerweise gerade bei jungen Patienten, die am meisten davon © Verlag PERFUSION GmbH


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Kongresse

profitieren würden. Doch während 2023 noch jeder 4. bei Allgemeinmedizinern Betreute keine LLT erhielt, war dies 2024 nur noch bei jedem 5. der Fall – ein Trend, der sich ebenso wie eine Verbesserung der Zielwerterreichung hoffentlich fortsetzen wird.“

Medikationslast und Nebenwirkungen beeinträchtigen Adhärenz Neben einer adäquaten Therapie kommt auch der Adhärenz eine entscheidende Bedeutung bei der Erreichung der LDL-C-Zielwerte zu. Zwei Umfragen bei 174 niedergelassenen Medizinern und 771 Patienten (PERSEUS) ergaben, dass insbesondere Nebenwirkungen sowie eine hohe Medikamentenlast einen negativen Einfluss auf die Adhärenz haben können. Als häufigste Gründe für eine mangelnde Adhärenz nannten die Ärzte Tablettenmüdigkeit (77,6 %), große Medikamentenzahl (74,7 %) und die Angst vor Nebenwirkungen (74,1 %). Bei den befragten Patienten zeigten sich Geschlechterunterschiede: Männer vergessen die Medikation häufiger oder sehen sie als unwichtig an als Frauen (61,6 % vs. 39,8 %) und berichten entsprechend häufiger von Tablettenmüdigkeit oder komplexen Medikationsplänen (11,8 % vs. 8,8 %). Bei Frauen ist dagegen die Angst vor Nebenwirkungen höher als bei Männern (27,9 % vs. 12,9 %) und sie berichten häufiger von mangelndem Vertrauen oder Wissen (9,3 % vs. 3,2 %) sowie medizinischen Gründen (6,6 % vs. 4,7 %). Einen positiven Einfluss von Injektionstherapien auf den LDL-C-ZielPerfusion 5-6/2025

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Verschiedene Leitlinien sorgen für Verwirrung Die von niedergelassenen Kardiologen genutzte DGK-Pocketleitlinie basiert auf der EAS/ESC-Leitlinie und unterteilt die Patienten in folgende Gruppen: • sehr hohes Risiko (LDL-C-Zielwert <55 mg/dl), • hohes Risiko (LDL-C-Zielwert <70 mg/dl), • mittleres Risiko (LDL-C-Zielwert <100 mg/dl) und • niedriges Risiko (LDL-C-Zielwert <116 mg/dl. Bei sehr hohem und hohem Risiko sollte der LDL-C-Wert um ≥50 % gesenkt und allgemein bei jedem Erwachsenen einmal im Leben der Lipoprotein(a)Wert bestimmt werden. Die Nationale VersorgungsLeitlinie (NVL) für die chronische koronare Herzkrankheit, nach der sich die Allgemeinmediziner richten, empfiehlt dagegen bei Einsatz der „Zielwertstrategie“ einen LDL-C-Zielwert <70 mg/dl oder – wenn die LDL-C-Ausgangswerte bei 70–135 mg/dl – eine Reduktion um ≥50 %. Die Bestimmung des Lp(a)-Wertes wird der NVL nicht empfohlen.

wert erwarteten 90,2 % der Ärzte und 60,3 % auch eine Verbesserung der Adhärenz. Von den 57 befragten Patienten mit einer LLT-Injektionstherapie war der Großteil zufrieden oder sehr zufrieden mit den Injektionsintervallen (80,7 %), Nebenwirkungen (66,7 %) sowie Schmerzen bei der Injektion (75,4 %). Professor Volker J. J. Schettler, Nephrologisches Zentrum Göttingen, kommentierte diese Umfrageergebnisse wir folgt: „Sowohl bei Ärzten als auch bei Patienten ist es wichtig, über den Fettstoffwechsel aufzuklären und die Wichtigkeit der Cholesterinwerte zu betonen. Es sollte dabei so früh wie möglich der angestrebte LDL-C-Zielwert adressiert und verdeutlicht werden.“

VICTORION-IMPLEMENT: Therapieeskalation mit Inclisiran Wie eine erste Interimsanalyse (Februar 2022 bis August 2024) der nichtinterventionellen Studie

VICTORION-IMPLEMENT zeigt, kann eine Therapieeskalation auf eine Injektionstherapie mit Inclisiran (Leqvio®) sowohl die LDLC-Werte verbessern als auch die Adhärenz und Persistenz günstig beeinflussen. Eingeschlossen wurden ASCVD-Patienten mit einem hohen oder sehr hohen kardiovaskulären Risiko. Eine Eskalation der Baseline-LLT erfolgte erst nach mehrjähriger ASCVD-Vorgeschichte – im Mittel nach 5,5 Jahren in Kohorte A mit oraler LLT (oLLT) bzw. nach 6,1 Jahren in Kohorte B mit Inclisiran (B1 ohne und B2 mit PCSK9-Inhibitor-Vortherapie) nach dem ersten kardiovaskulären Ereignis. Die Patienten, die eine InclisiranTherapie begannen, waren jünger (mittleres Alter in Kohorte A 69,5, in B1 64,0 und in B2 65,8 Jahre) und es wurden mehr Frauen behandelt (A: 28,3 %; B1: 36,0 %; B2: 47,7 %). Nur 72,8 % bzw. 78,5 % der Patienten mit neu initiierter Inclisiran-Therapie hatten vor Baseline ein kardiovaskuläres Ereignis. Bei © Verlag PERFUSION GmbH


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5,4 % der PCSK9-Inhibitor-naiven, neu auf Inclisiran eingestellten Patienten wurde die oLLT zu Baseline deeskaliert und nur 37 % von ihnen erhielten nach Baseline eine intensive Kombinations-LLT. Bereits nach der initialen Inclisiran-Dosis konnte der LDL-C-Wert bei ihnen zum Zeitpunkt der 3-Monats-Visite um durchschnittlich 42,4 % gesenkt werden. Insbesondere jene Patienten mit einer zusätzlichen hochintensiven Hintergrund-LLT zeigten mit –50,1 %h die stärkste durchschnittliche LDL-C-Senkung. 40,9 % der Patienten in Kohorte B1 und 68,0 % derer in Kohorte B mit hochintensiver Hintergrund-LLT erreichten den LDL-C-Zielwert <55 mg/dl. Die Gesamtadhärenz unter Inclisiran – definiert als Anzahl abgedeckter Tage ≥80 % – betrug nach 15 Monaten 99,3 %. Die Persistenz betrug in der gleichen Zeit 95,6 % und war somit höher als unter oLLT. Aus diesen überzeugenden Studienergebnissen schlussfolgerte Schettler: Das Wichtigste, was wir aus diesen Daten mitnehmen sollten, ist, dass Patienten schneller auf eine intensivere LLT eingestellt werden müssen, wenn nötig, um ihre LDL-C-Zielwerte zu erreichen.“ Eine Therapieeskalation mit der small interfering RNA (siRNA) Inclisiran (Leqvio®) kann eine Möglichkeit darstellen, Patienten leitliniengerecht zu therapieren und ihre LDL-C-Zielwerte zu erreichen. Elisabeth Wilhelmi, München

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OFFIZIELLES ORGAN DER DEUTSCHEN GESELLSCHAFT FÜR ARTERIOSKLEROSEFORSCHUNG Herausgeber: Univ.-Prof. Dr. Dr. Edzard Ernst, Emeritus Professor of Complementary Medicine, University of Exeter, Peninsula Medical School,Salmon Pool Lane, Exeter EX2 4SG, UK Prof. Dr. med. Wolfgang Koenig Deutsches Herzzentrum München Technische Universität München Lazarettstraße 36 80636 München Wissenschaftlicher Beirat: Prof. Dr. med. T. von Arnim (Kardiologie), München Prof. Dr. med. G. V. R. Born (Arterioskleroseforschung), London Prof. Dr. med. C. Diehm (Angiologie), Karlsbad Priv.-Doz. Dr. med. Dr. phil. C. Drosde (Kardiologie), Freiburg Dr. med. J. Dyerberg MD, Ph. D. (Klin. Chemie), Aalborg Sygehus, Dänemark Univ.-Prof. Dr. med. H. W. Eichstädt, (Kardiologie), Berlin Doz. Dr. rer. nat. F.-D. Ernst (Hämorheologie), Dresden Dr. med. J. Gehring (Kardiologie, Rehabilitation), München Prof. Dr. med. J. D. Gruß (Gefäßchirurgie), Kassel Prof. Dr. J. Harenberg (Hämostaseologie), Mannheim Prof. Dr. med. L. Heilmann (Gynäkologie), Rüsselsheim Prof. Dr. med. H. M. Hoffmeister (Kardiologie), Solingen Prof. Dr. med. H. U. Janka (Diabetologie), München Dr. med. J. Janzen MPhil (Pathologie), Bern, Schweiz Prof. Dr. med. L. Kollár M. D., PhD (Gefäßchirurgie), Universität Pécs, Ungarn Prof. Dr. med. M. Marshall (Phlebologie), Rottach Egern Prof Dr. med. J. Matsubara (Chirurgie), Ishikawa, Japan Prof. Dr. med. G. Mchedlishvilli (Mikrozirkulation), Tbilisi, Georgien Prof. Dr. med. V. Mitrovic (Kardiologie, Klinische Pharmakologie), Bad Nauheim Prof. Dr. med. H. Mörl (Angiologie), Mannheim Prof. Dr. med. F. J. Neumann (Kardiologie), Bad Krozingen Prof. Dr. med. K. L. Resch (Medizin-Statistik), Bad Elster Prof. Dr. med. G. Rettig (Kardiologie), Homburg PD Dr. med. Rainer Röttgen (Radiologie), Berlin Prof. Dr. med. G. Schmid-Schönbein (Biomechanik), La Jolla, USA Prof. Dr. med. H. Schmid-Schönbein (Physiologie), Aachen Prof. Dr. med. A. Schrey (Pharmakologie), Düsseldorf Prof. Dr. med. H. Sinzinger (Nuklearmedizin), Wien, Österreich Prof. Dr. med. T. Störk (Kardiologie, Angiologie), Göppingen Prof. Dr. med. I. Szirmai M. D. (Neurologie), Universität Budapest, Ungarn Prof. Dr. med. G. Trübestein (Angiologie), Bonn Prof. Dr. med. B. Tsinamdzvrishvili (Kardiologie, Hypertonie), Tbilisi, Georgien Prof. Dr. med. W. Vanscheidt (Dermatologie), Freiburg Prof. Dr. med. H. Weidemann (Kardiologie, Sozialmedizin), Bad Krozingen

Schriftleitung: Univ.-Prof. Dr. Dr. Edzard Ernst, Emeritus Professor of Complementary Medicine, University of Exeter, Peninsula Medical School, Salmon Pool Lane, Exeter EX2 4SG, UK E-Mail: Edzard.Ernst@pms.ac.uk Tel: +44 (0) 1392 726029 Fax: +44 (0) 1392 421009 Die Zeitschrift erscheint 6-mal im Jahr; Jahresabonnement 27,–; Einzelheft 5,50, inklusive MwSt., zuzüglich Versandspesen. Der Abonnementpreis ist im voraus zahlbar. Stornierungen sind bis 6 Wochen vor Ablauf eines Kalenderjahres möglich. Abonnementbestellungen direkt beim Verlag.

Geschäftsführerin: Sibylle Michna Anschrift wie Verlag Chefredaktion: Brigitte Söllner (verantwortlich) Anschrift wie Verlag Herstellung/Layout: HGS5 – Rolf Wolle (verantwortlich) Schwabacherstr. 117, 90763 Fürth Werbung, Beratung, Verkauf: Sibylle Michna (verantwortlich) Anschrift wie Verlag Die Annahme von Werbeanzeigen impliziert nicht die Empfehlung durch die Zeitschrift; die in den Beiträgen zum Ausdruck gebrachten Meinungen und Auffassungen drücken nicht unbedingt die der Herausgeber, des wissenschaftlichen Beirates oder des Verlages aus. Der Verlag behält sich alle Rechte, insbesondere das Recht der Vervielfältigung jeglicher Art, sowie die Übersetzung vor. Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Verlages. Erfüllungsort: Puschendorf Gerichtsstand: Fürth Fälle höherer Gewalt, Streik, Aussperrung und dergleichen entbinden den Verlag von der Verpflichtung auf Erfüllung von Aufträgen und Leistungen von Schadensersatz. Anmerkung der Redaktion: Zur besseren Lesbarkeit werden in der PERFUSION personenbezogene Bezeichnungen, die sich auf das männliche oder weibliche Geschlecht beziehen, grundsätzlich nur in der männlichen Form verwendet. Damit wird keine Diskriminierung des Geschlechts ausgedrückt. Satz: Rolf Wolle, Schwabacherstr. 117, 90763 Fürth Druck und Verarbeitung: DRUCK_INFORM_W.R. Roland Welker Austraße 7, 96114 Hirschaid PERFUSION is listed in Current Contents/Clinical Medicine (CC/CM) and listed in The Genuine Article.

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Verlag PERFUSION GmbH Storchenweg 20 90617 Puschendorf Telefon: 09101/990 11 10 Fax: 09101/990 11 19 www.Verlag-Perfusion.de E-Mail: perfusion@t-online.de

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5 Jahre

Vertrauen Zum 5-jährigen Jubiläum in der HFrEF-Therapie feiert FORXIGA® alle, die frühzeitig das Potenzial für ihre Patient:innen erkannt haben.

Danke, dass Sie seit 5 Jahren mehr lebenswerte Zeit ermöglichen1–3,a,b – mit FORXIGA®, dem einzigen SGLT-2i mit Mortalitätsvorteil bei HFrEF.2,c

eGFR = geschätzte glomeruläre Filtrationsrate. HFrEF = Herzinsuffizienz mit reduzierter Ejektionsfraktion. KCCQ = Kansas City Cardiomyopathy Questionnaire. SGLT-2i = Natrium-Glukose-Cotransporter-2-Inhibitor. a DAPA-HF-Studie: Unter Dapagliflozin konnte die kardiovaskuläre und Gesamtmortalität, sowie das Hospitalisierungsrisiko aufgrund einer chronischen Herzinsuffizienz reduziert werden. In einer Analyse der Lebensqualität auf Grundlage des KCCQ-Fragebogens konnte eine Reduktion der Symptomlast festgestellt werden. Diese Ereignisse wurden hier als mehr lebenswerte Zeit definiert. b Patient:innenpopulation der DAPA-HF-Studie (symptomatische HFrEF-Patient:innen), basierend auf körperlichen und sozialen Einschränkungen gemessen anhand des validierten KCCQ-Fragebogens. c Sekundäre Endpunkte der DAPA-HF-Studie:2 (i) Zusammengesetzter Endpunkt aus kardiovaskulärem Tod oder Hospitalisierungen wegen Herzinsuffizienz. (ii) Absolute Zahl von wiederkehrenden Hospitalisierungen wegen Herzinsuffizienz und kardiovaskulärem Tod. (iii) Veränderung des Kansas City Cardiomyopathy Questionnaire (KCCQ) nach acht Monaten. (iv) Inzidenz einer Abnahme der Nierenfunktion, festgestellt anhand a) ≥ 50 % Rückgang der eGFR oder b) Endstadium Nierenkrankheit (eGFR < 15 ml/min/1,73 m2, dauerhafte Dialysebehandlung oder Nierentransplantation) oder renalem Tod. (v) Gesamtmortalität. 1 FORXIGA® Fachinformation, aktueller Stand. 2 McMurray JJV et al. N Engl J Med 2019;381(21):1995–2008. 3 Kosiborod MN et al. Circulation 2020; 141:90–99. Forxiga® 5 mg Filmtabletten, Forxiga® 10 mg Filmtabletten. Wirkstoff: Dapagliflozin. Verschreibungspflichtig. Zusammensetzung: 1 Filmtablette Forxiga® 5 mg enthält Dapagliflozin-(2S)-Propan-1,2-diol (1:1) (1 H2O), entsprechend 5 mg Dapagliflozin. 1 Filmtablette Forxiga® 10 mg enthält Dapagliflozin-(2S)Propan-1,2-diol (1:1) (1 H2O), entsprechend 10 mg Dapagliflozin. Sonstige Bestandteile: Tablettenkern: Mikrokristalline Cellulose, Lactose, Crospovidon, Siliciumdioxid, Magnesiumstearat. Filmüberzug: Poly(vinylalkohol), Titandioxid, Macrogol 3350, Talkum, Eisen(III)-hydroxid-oxid x H2O. Anwendungsgebiete: Indiziert bei Erwachsenen und Kindern im Alter von 10 Jahren und älter zur Behandlung von unzureichend kontrolliertem Typ-2-Diabetes mellitus in Ergänzung zu einer Diät und Bewegung als Monotherapie, wenn Metformin aufgrund einer Unverträglichkeit als ungeeignet erachtet wird; zusätzlich zu anderen Arzneimitteln zur Behandlung des Typ-2-Diabetes. Zu Studienergebnissen im Hinblick auf Kombinationen von Behandlungen, die Wirkung auf die Blutzuckerkontrolle, kardiovaskuläre und renale Ereignisse sowie die untersuchten Populationen, siehe Abschnitte 4.4, 4.5 und 5.1 der Fachinformation. Patienten mit schwerer Leberfunktionsstörung: Es wird eine Anfangsdosis von 5 mg empfohlen. Wenn diese gut vertragen wird, kann die Dosis auf 10 mg erhöht werden. Herzinsuffizienz: Indiziert bei erwachsenen Patienten zur Behandlung der symptomatischen, chronischen Herzinsuffizienz. Chronische Niereninsuffizienz: Indiziert bei erwachsenen Patienten zur Behandlung der chronischen Niereninsuffizienz. Gegenanzeigen: Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Bestandteile. Nebenwirkungen: Sehr häufig: Hypoglykämie (bei Anwendung mit einem Sulfonylharnstoff oder Insulin). Häufig: Vulvovaginitis, Balanitis und verwandte Infektionen des Genitalbereichs, Harnwegsinfektionen, Schwindel, Hautausschlag, Rückenschmerzen, Dysurie, Polyurie, erhöhter Hämatokrit, verminderte renale Kreatinin-Clearance zu Behandlungsbeginn, Dyslipidämie. Gelegentlich: Pilzinfektionen, Volumenmangel, Durst, Verstopfung, Mundtrockenheit, Nykturie, vulvovaginaler Pruritus, Pruritus genitalis, erhöhtes Kreatinin im Blut zu Behandlungsbeginn, erhöhter Harnstoff im Blut, Gewichtsreduktion. Selten: diabetische Ketoazidose (bei Typ-2-Diabetes). Sehr selten: nekrotisierende Fasziitis des Perineums (Fournier-Gangrän), Angioödem, tubulointerstitielle Nephritis. Weitere Hinweise: siehe Fachinformationen. Pharmazeutischer Unternehmer: AstraZeneca GmbH, Friesenweg 26, 22763 Hamburg, E-Mail: azinfo@astrazeneca.com, www.astrazeneca.de, Servicehotline für Produktanfragen: 0800 22 88 660. Stand: August 2024.


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Perfusion 2025-05/06 by Sibylle Michna - Issuu