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Journal Jahrgang 2026, Ausgabe 02

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JAHRGANG 35 HEFT 2 April 2026

FÜR PHARMAKOLOGIE UND THERAPIE

JOURNAL OF PHARMACOLOGY AND THERAPY

Familiäres Chylomikronämie-Syndrom: Mit Olezarsen akute Pankreatitiden gezielt verhindern

Vedolizumab kann Behandlungslücke bei Kindern und Jugendlichen mit moderater bis schwerer Colitis ulcerosa schließen

RSV-Prävention erfolgreich in die Praxisroutine integrieren

Frühzeitiger Einsatz von Lorlatinib ermöglicht mehr als 5 Jahre progressionsfreies Leben bei ALK+ aNSCLC

Aflibercept 8 mg jetzt für 3 Indikationen einsetzbar: bei nAMD, DMÖ und RVV

Chronische lymphatische Leukämie (CLL): Head-to-Head-Vergleich zeigt Nichtunterlegenheit von Pirtobrutinib gegenüber Ibrutinib

AgAIN-Studie zeigt: Secukinumab ist nach TNF-Inhibitor-Versagen bei Psoriasis-Arthritis besser wirksam als Ustekinumab

Retifanlimab – die erste Immuntherapie beim fortgeschrittenen Anal- und Merkelzellkarzinom

LORVIQUA® ist

der

präferierte Standard in der 1L Therapie des ALK+ aNSCLC1, 2

Für Tom ist AUSSERGEWÖHNLICH 3 mehr als ein Moment

>5 JAHRE mPFS in der 1L beim ALK+ aNSCLC3, 4, *

1L = Erstlinie; ALK = Anaplastische Lymphomkinase; aNSCLC = fortgeschrittenes nichtkleinzelliges Lungenkarzinom; BICR = Blinded Independent Central Review; mPFS = medianes progressionsfreies Überleben; PFS = progressionsfreies Überleben.

* Der primäre Endpunkt PFS wurde in der primären BICR-Analyse der CROWN-Studie erreicht (medianes Follow-Up für das PFS: 18,3 Monate für Patienten, die LORVIQUA® erhielten und 14,8 Monate für Patienten, die Crizotinib erhielten); das mediane PFS wurde im LORVIQUA®-Arm nicht erreicht. Eine ungeplante Follow-Up-Analyse, basierend auf der Bewertung durch die Prüfärzte, wurde mit einem medianen Follow-Up für PFS von annähernd 60 Monaten für Patienten auf LORVIQUA® (55 Monate für Patienten auf Crizotinib) durchgeführt, um den Effekt von LORVIQUA® versus Crizotinib mit einem längeren Follow-Up zu bestätigen. Alle Tumor-assoziierten Endpunkte, die in der 5-Jahresanalyse berichtet wurden, sind nach Ermessen der Prüfärzte bewertet (Investigator Assessment).3, 4

1. Griesinger F. et al. Onkopedia Leitlinie „Lungenkarzinom, nicht-kleinzellig (NSCLC)“. Stand: April 2025.

2. Fachinformation LORVIQUA®. Aktueller Stand.

3. Solomon BJ, Liu G, Felip E, et al. Lorlatinib Versus Crizotinib in Patients With Advanced ALK-Positive Non-Small Cell Lung Cancer: 5-Year Outcomes From the Phase III CROWN Study. J Clin Oncol. 2024;42(29):3400-3409.

4. Shaw AT, Bauer TM, de Marinis F, et al; CROWN Trial Investigators. First-line lorlatinib or crizotinib in advanced ALK-positive lung cancer. N Engl J Med. 2020;383(21):2018-2029.

Lorviqua® 25 mg/ 100 mg Filmtabletten

Wirkstoff: Lorlatinib

Zusammensetzung: Wirkstoff: 1 Filmtbl. enth. 25 mg/ 100 mg Lorlatinib. Sonst. Bestandteile: Tbl.-kern: mikrokristalline Cellulose, Calciumhydrogenphosphat, Poly (O-carboxymethyl)stärke-Natriumsalz, Magnesiumstearat. Tbl.-film: Hypromellose, Lactose-Monohydrat, Macrogol, Triacetin, Titandioxid (E 171), Eisen(II,III)-oxid (E 172), Eisen(III)-oxid (E 172). Anwendungsgebiete: Als Monother. zur Behandl. erw. Pat. m. Anaplastische-Lymphomkinase ( ALK )-pos., fortgeschr. nicht-kleinzell. Lungenkarzinom (non-small cell lung cancer, NSCLC), d. zuvor nicht m. e. ALK-Inhibitor behandelt wurden o. deren Erkrank. fortgeschr. ist nach: Alectinib od. Ceritinib als erste Ther. m. ALK-Tyrosinkinase-Inhibitoren (TKIs); od. Crizotinib u. mind. e. anderen ALK-TKI. Gegenanzeigen: Überempfindlichk. gg. d. Wirkstoff od. sonst. Bestandteile. Gleichz. Anw. starker CYP3A4/5-Induktoren. Nebenwirkungen: Sehr häufig: Anämie; Hypercholesterinämie (einschl. Cholesterin i. Blut erhöht), Hypertriglyceridämie (einschl. Triglyceride i. Blut erhöht); affektive Effekte (einschl. Affekterkrank., Affektlabilität, Aggression, Agitiertheit, Ärger, Angst, Bipolar-I-Störung, depressive Verstimmung, Depression, Depressivsymptom, euphorische Stimmung, Reizbarkeit, Manie, geänderte Laune, Stimmungsschwankungen, Panikattacke, Persönlichkeitsveränderung, Stress); kognitive Effekte (einschl. Amnesie, kognitive Stör., Demenz, Aufmerksamkeitsstör., Gedächtnisstör., geistige Beeinträcht., Aufmerksamkeitsdefizit/Hyperaktivitätsstör., Verwirrtheitszustand, Delirium, Orientierungsstör., Lesestör.), periphere Neuropathie (einschl. Brennen, Dysästhesie, Ameisenlaufen, Gangstör., Hypoästhesie, motorische Funktionsstörung, Muskelschwäche, Neuralgie, Neurotoxizität, Parästhesie, periph. motorische Neuropathie, periph. sensor. Neuropathie, Peroneuslähmung, Gefühlsstör.), Kopfschmerz; Sehstörungen (einschl. Diplopie, Photophobie, Photopsie, verschwommenes Sehen, Sehschärfe vermindert, Sehverschlechterung, Glaskörperflusen [Mouches volantes]); Hypertonie; Diarrhö, Übelk., Verstopfung; Ausschlag (einschl. akneiforme Dermatitis, makulo-papulöser Ausschlag, juckender Ausschlag); Arthralgie, Myalgie (einschl. Schmerzen des Muskel- u. Skelettsystems); Ödem (einschl. generalisiertes Ödem, peripheres Ödem, periphere Schwellung, Schwellung), Fatigue (einschl. Asthenie); Gewichtszunahme, Lipase erhöht, Amylase erhöht. Häufig: Hyperglykämie; psychotische Effekte (einschl. akustische Halluz., Halluz., visuelle Halluz., Wahn, akute Psychose, schizophrene Erkrank.), Veränderungen des mentalen Status; Effekte auf d. Sprache (einschl. Dysarthrie, langsame Sprache, Sprechstör.); Pneumonitis (einschl. interstit. Lungenerkrank, Opazität i. d. Lunge.); Proteinurie. Gelegentlich: Elektrokardiogramm-PR verlängert. Warnhinweise: Enthält Lactose.

Weitere Informationen s. Fach- u. Gebrauchsinformation.

Abgabestatus: Verschreibungspflichtig. Pharmazeutischer Unternehmer: Pfizer Europe MA EEIG, Boulevard de la Plaine 17, 1050 Brüssel, Belgien. Repräsentant in Deutschland: PFIZER PHARMA GmbH, Friedrichstr. 110, 10117 Berlin. Stand: Mai 2025.

Seit die Menschheit sich anschickte sesshaft zu werden, entwickelten sich zunehmend komplexere Gemeinschaften. In denen gelang es typischerweise einigen wenigen, die Kontrolle zu übernehmen und sich auf Kosten der übrigen ein angenehmes Leben zu machen, während der allergrößte Teil als gemeine Untertanen, vulgo Otto Normalverbraucher, ein kärgliches, von Entbehrungen geprägtes Leben führen musste. Da war es zum Erhalt des Status quo hilfreich, dass die auf der Sonnenseite einen möglichst direkten Bezug zu mächtigen Göttern reklamierten, bzw. man die auf der Schattenseite mit der Vision eines nachfolgenden zweiten, dann aber ewig währenden Lebens im Paradies ruhigstellen konnte.

Heute glaubt nur noch eine Minderheit an ein Leben nach dem Tod. Wohl auch deshalb ist Longevity so im Trend, das Begehr, dass dieses eine einzige Leben so lange wie möglich dauern möge. Die deutsche Übersetzung für Longevity ist schlicht Langlebigkeit. Da gilt es, das Geheimnis des diesbezüglichen Erfolgs zu knacken. Der Begriff „Blue Zones“ für geografische Regionen weltweit, in denen die Menschen besonders alt werden bzw. besonders viele 100-Jährige leben sollen, hat es vor diesem Hintergrund u.a. zu eigenen Wikipedia-Einträgen gebracht. Objektiv gesehen ist das in den letzten 150 Jahren in weiten Teilen der Welt in beeindruckender Weise gelungen. Lag die statistische Lebenserwartung in Deutschland um 1870 noch bei unter 40 Jahren, beträgt sie heute um die 80 Jahre [1]. Das liegt in Teilen auch – aber natürlich bei Weitem nicht nur – am Rückgang der Säuglingssterblichkeit. Dem Fortschritt in der Medizin ist es ganz wesentlich zu verdanken, dass z.B. ansteckende Krankheiten als Todesursache de facto keine Rolle mehr spielen.

Longevity: Alter Wein in neuen Schläuchen

Bleiben also nicht ansteckende Krankheiten wie maligne Erkrankungen, Herz-Kreislauf- und Lungenerkrankungen sowie Diabetes, die inzwischen in etwa 85 % aller Todesfälle als Todesursache die Statistik dominieren [3]. Die Dominanz dieser sog. chronischen Erkrankungen ist auch der Grund, warum „die Lücke zwischen Gesundheitsspanne (gesunde Jahre) und Lebensspanne“ immer größer wird [3]. Es handelt sich dem Wesen nach um chronische Erkrankungen, die unheilbar sind und eine „Erhaltungstherapie“ für den Rest des Lebens erfordern. Ist vor diesem Hintergrund die Konsequenz des Longevity-Hypes deshalb eine Verlängerung des Siechtums? Grundsätzlich ja, wenn nicht gleichzeitig der Fokus auf die Gesundheitsspanne gelegt wird, die Zahl der Jahre vor der klinischen Manifestation einer oder mehrerer chronischer Erkrankungen. De facto aber nein, da Longevity implizit mit gesundheitsfördernden Aktivitäten assoziiert ist.

Der Ansatz ist allerdings nicht wirklich neu, wurde doch schon vor fast 20 Jahren in meinem Institut ein neues, zunächst sächsisches, dann nationales Gesundheitsziel „Aktives Altern“ maßgeblich mit entwickelt [4]. Was aktuell unter der Überschrift Longevity so innovativ daherkommt, nämlich eine pflanzenbetonte Ernährung, regelmäßige körperliche Aktivität, Rauchverzicht, moderater Alkoholkonsum, ausreichend Schlaf sowie ein aktives soziales Umfeld, ist im Wesentlichen das, was uns damals schon bewegt hat und was seit vielen Jahren ein zentrales

Anliegen der WHO weltweit ist. Während noch vor 100 Jahren Bakterien und Viren als gesundheitliche Bedrohung dominierten, ist es heute der Lebensstil. Was gegen Bakterien und Viren die wohl bestmögliche Strategie war, nämlich eine medikamentöse Schadensbegrenzung, im Idealfall sogar die Ausrottung der bedrohlichen Keime, erscheint bei der heutigen Bedrohung, dem Lebensstil, bestenfalls nur eine Strategie von sekundärer Bedeutung zu sein.

Da aber eine Lebensstiländerung in erster Linie eine Frage des Willens und der persönlichen Konsequenz ist, taugt sie nur mittelbar als Geschäftsmodell. Deswegen wohl zielt der boomende Longevity-Markt vermeintlich darauf ab, mit Produkten den Alterungsprozess zu verlangsamen (Anti-Aging) bzw. die Zellgesundheit zu fördern. Hoch im Kurs sind Nahrungsergänzungsmittel, die u.a. vorgeben, NAD+ zu steigern, die Autopha-

Prof. Dr. med. Karl-Ludwig Resch

gie (Zellreinigung) zu fördern, als starke Antioxidanzien zu wirken oder die Telomerverkürzung zu verlangsamen.

Epidemiologische Studien zur Langzeitwirkung von Antioxidanzien zeigen allerdings eindeutig, dass es der Gesundheit eher abträglich ist, darauf zu setzen, dem Körper die Arbeit abzunehmen [5].

Oder um mit Pfarrer Kneipp zu sprechen: „Ein gesunder Wirt wirft seine Lumpen selbst hinaus“, und „Gesund ist nur derjenige, der es gelernt hat, mit sich selbst, seiner Umwelt und dem Herrgott fertig zu werden“. Will heißen: Livespan (Lebensspanne) kann man vermeintlich kaufen, healthspan (Gesundheitsspanne) muss man sich erarbeiten. In diesem Sinne: ein gesundes langes Leben!

Karl-Ludwig Resch, Nürnberg

ÜBERSICHTSARBEIT

Familiäres Chylomikronämie-Syndrom: Mit Olezarsen akute Pankreatitiden gezielt verhindern 36 Brigitte Söllner

AKTUELLE THERAPIEKONZEPTE FÜR DIE PRAXIS

Vedolizumab kann Behandlungslücke bei Kindern und Jugendlichen mit moderater bis schwerer Colitis ulcerosa schließen

RSV-Prävention erfolgreich in die Praxisroutine integrieren

Frühzeitiger Einsatz von Lorlatinib ermöglicht mehr als 5 Jahre progressionsfreies Leben bei ALK+ aNSCLC

Aflibercept 8 mg jetzt für 3 Indikationen einsetzbar: bei nAMD, DMÖ und RVV

Quellen

1 NN. Longevity: Langes Leben auf Kosten der Gesundheit. Dtsch Arztebl International 2025;122:78 (www. aerzteblatt.de/archiv/longevity-langes-leben-auf-kosten-der-gesundheit-afad40d6-46dc-443d-9d96a3d4a6a771fc?tabId=)

2 https://data.who.int/countries/276

3 Garmany A, Terzic A. Global Healthspan-Lifespan Gaps Among 183 World Health Organization Member States. JAMA Netw Open 2024; 7(12):e2450241. PMID: 39661386

4 Brockow T, Schulze J, Fürst F, Sawatzki R, Wegge J, Kliegel M, Zwingenberger W, Thönges B, Eberhard C, Resch KL. Entwicklung des Sächsischen Gesundheitsziels „Aktives Altern – Altern in Gesundheit, Autonomie und Mitverantwortlichkeit.“ Bundesgesundheitsblatt Gesundheitsforschung Gesundheitsschutz 2009;52(7):775-88. PMID: 19565198

5 Moyer MW. The myth of antioxidants. Scientific American 2013;308(2):62-67

NEUE UND BEWÄHRTE ARZNEIMITTEL

Chronische lymphatische Leukämie (CLL): Head-to-Head-Vergleich zeigt Nichtunterlegenheit von Pirtobrutinib gegenüber Ibrutinib 54

AgAIN-Studie zeigt: Secukinumab ist nach TNF-Inhibitor-Versagen bei Psoriasis-Arthritis besser wirksam als Ustekinumab 57

Retifanlimab – die erste Immuntherapie beim fortgeschrittenen Anal- und Merkelzellkarzinom 58

RUBRIKEN

50, 64

60

Multiple Sklerose

Anhaltende Krankheitskontrolle und nach wie vor kein bestätigter PML-Fall weltweit unter der oralen Impulstherapie mit Cladribin-Tabletten (MAVENCLAD®)1–4,a

No news is good news: Konsistent gutes Sicherheitsprofil

„Die Sicherheit von Patienten mit schubförmiger MSa, die mit MAVENCLAD® behandelt werden, hat für uns oberste Priorität. Unsere freiwillig jährlich verö entlichten Sicherheitsdaten bestätigen weiterhin das konstante Sicherheitsprofil von MAVENCLAD® und auch in der aktuellen Auswertung gibt es weiterhin keinen bestätigten PML-Fall bei mehr als 130.000 Patienten (entsprechend mehr als 365.000 Patientenjahren) weltweit (Abb. 1).1“ sagte Dr. Michael Hübschen, Medical Director von Merck Healthcare Germany GmbH.

0,12

Schwere Lymphopenien

0,14

Malignomb 0,27

nistische Infektion

Sicherheitsdatenbank von Merck.1,c Inzidenz/100 Patientenjahre für Nebenwirkungen von besonderem Interesse; Stand 30. Juni 2025

Abb. 1: Das Sicherheitsprofil von Cladribin-Tabletten zeigte sich konsistent mit früheren Updates und dem klinischen Entwicklungsprogramm. Abb. modifiziert nach [1].

Behandlungsstrategie bei älter werdenden Patienten

Dass Cladribin-Tabletten auch bei älter werdenden RMSPatientena eine sichere und e ektive Therapieoption darstellen, verdeutlichten Real-World-Datend bei Patienten ab 50 Jahre (Altersspanne: 52–77 Jahre)e 2 Über 2 Jahre hinweg wurden keine neuen oder unerwarteten Sicherheitssignale berichtet.2 Die jährlichen Schubraten lagen in der Gruppe der 50–64-Jährigen bei 0,10 ± 0,30 (n=84) und bei Patienten ab 65 Jahrene bei 0,02 ± 0,09 (n=31).2

Kognitive Fähigkeiten erhalten. Von Anfang an. Gepoolte Daten zeigten, dass 4 Jahre nach Behandlungsbeginn, und damit in der behandlungsfreien Zeit, die kognitiven Fähigkeiten bei 86,6 % der Patienten stabil oder verbessert waren (8-Punkte-Di erenz im Symbol Digit Modalities Test, SDMT; n=473).3 Am deutlichsten ausgeprägt waren die Ergebnisse bei Patienten < 50 Jahre. (Abb. 2).

Mehr entdecken unter ms-kognition.de

87,4 % stabil/ verbessert

%

%

50 Jahre n=413 ≥ 50 Jahre n=60

Abb. 2: Kognitive Verarbeitungsgeschwindigkeit nach 4 Jahren, aufgeteilt nach Altersgruppen (8-Punkte-Di erenz im SDMT). Abb. modifiziert nach [3].

Therapeutische Perspektiven nach Therapiewechsel.

In einer aktuellen Real-World-Analysed führte die Umstellung auf Cladribin-Tabletten nach unzureichendem Ansprechen auf andere orale Therapien (n=108)f oder Ocrelizumab (n=53) zu einer Verringerung der Schubraten auf 0,04 bzw. 0,05 nach 2 Jahren (vs. 0,17 bzw. 0,19 vor der Umstellung).4 Es traten keine neuen oder unerwarteten Sicherheitssignale auf.4

Diese Daten sind konsistent mit den Ergebnissen einer deutschen Kohortenstudieg, in der nach einem Therapiewechsel von Anti-CD20-Antikörpern auf Cladribin-Tabletten (bzw. umgekehrt) jeweils eine Stabilisierung der Krankheitsaktivität beobachtet werden konnte.5

a MAVENCLAD® wird angewendet zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit hochaktiver schubförmiger MS, definiert durch klinische oder bildgebende Befunde.6 b Das Spektrum der malignen Erkrankungen ähnelte der Verteilung der Krebsarten in der Allgemeinbevölkerung, ohne dass eine Häufung spezifischer Tumorarten zu beobachten war. c Inzidenz pro 100 Patientenjahre. d In den USA ist MAVENCLAD® zur Behandlung von schubförmiger MS bei Erwachsenen zugelassen und allgemein empfohlen für Patienten, die auf eine andere MS-Therapie unzureichend angesprochen oder diese nicht vertragen haben. In der EU wird MAVENCLAD® angewendet zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit hochaktiver schubförmiger MS, definiert durch klinische oder bildgebende Befunde. e In der CLARITY-Studie wurde MAVENCLAD® bei Patienten bis zu 65 Jahren untersucht. Weitere Informationen entnehmen Sie der aktuellen Fachinformation. f Dimethylfumarat (37,9 %), Teriflunomid (29,1 %), Fingolimod (28,2 %), Siponimod, (2,9 %), Andere (1,9 %). g Retrospektive Analyse aus 6 ambulanten MS-Zentren in Deutschland. In die Analyse eingeschlossene Anti-CD20-Präparate: Ocrelizumab, Ofatumumab. 31 Patienten wechselten von Anti-CD20-Therapien auf MAVENCLAD® (Ocrelizumab, n=28; Ofatumumab, n=3). 40 Patienten wechselten von MAVENCLAD® auf Anti-CD20-Therapien (Ocrelizumab, n = 24; Ofatumumab, n = 16). Die Anzahl der Behandlungszyklen in der Ersttherapie betrug im Median (IQR) 4 (2–5) unter Anti-CD20 und 2 (2–4) unter MAVENCLAD®

Literatur:

Zum Pflichttext

1 Leist T et al., ACTRIMS 2026 [P416]; 2 Katz J et al., ACTRIMS 2026 [P404]; 3 Brochet B et al., ACTRIMS 2026 [P117]; 4 Katz J et al., ACTRIMS 2026 [P401]; 5 Konen FF et al., Neurotherapeutics. 2025:e00812; 6 Fachinformation MAVENCLAD®, aktueller Stand.

Impressum: Merck Healthcare Germany GmbH, Waldstr. 3, 64331 Weiterstadt

Das familiäre Chylomikronämie-Syndrom (FCS) ist eine sehr seltene genetisch bedingte Erkrankung, von der nur 1 bis 2 Menschen pro Million betroffen sind [1]. Kennzeichnend für das FCS sind dauerhaft stark erhöhte Triglyzeridwerte (>10 mmol/l bzw. >885 mg/dl/) [2]. Die dadurch verursachten Beschwerden beeinträchtigen die Lebensqualität der Betroffenen erheblich, zumal sie mit schweren, zum Teil lebensbedrohlichen Komplikationen wie vor allem einer akuten Pankreatitis einhergehen können [3]. Das Risiko für eine akute Pankreatitis steigt dabei exponentiell mit der Höhe der Triglyzeridwerte an [4] und ist bei FCS-Patienten im Vergleich zu normolipämischen Menschen um das 360-Fache erhöht [5]. Die Hypertriglyzeridämie (HTG) – eines der vielen Symptome des FCS – ist für etwa 10 % der akuten Pankreatitiden verantwortlich. Pro Jahr werden in Deutschland über 100.000 Patienten deswegen stationär behandelt [5, 6]. Die bisherigen lipidsenkenden Maßnahmen reichen bei FCS-Patienten jedoch häufig nicht für die Prävention der akuten Pankreatitis aus. Eine vielversprechende neue Behandlungsoption ist Olezarsen (Tryngolza®), ein Apolipoprotein C3 (ApoC3)-

Familiäres ChylomikronämieSyndrom: Mit Olezarsen akute Pankreatitiden gezielt verhindern

Inhibitor der neuen Generation, der im Dezember 2025 für erwachsene Patienten ergänzend zu einer Diät zur Behandlung des genetisch bestätigten FCS zugelassen wurde [7].

Mutiertes LPL-Gen führt zu schwerer Hypertriglyzeridämie

Ursache des FCS ist eine überwiegend autosomal-rezessiv vererbte Mutationen im Lipoproteinlipase (LPL)-Gen [8]. Die dadurch bedingte Funktionsstörung dieses Enzyms führt dazu, dass Blutfette wie Triglyzeride und Chylomikronen (Transport-Lipoproteinpartikel, die zu 90 % aus Triglyzeriden bestehen) nicht effektiv aus dem Blut abgebaut werden können. Die Folgen sind eine schwere Hypertriglyzeridämie und Chylomikronämie, die in begrenztem Maß durch Ernährungsgewohnheiten beeinflusst werden. Dabei bestimmen auch die kumulativen und interaktiven Wirkungen bestimmter anderer Gene die Schwere der HTG. Derzeit sind 8 solche „Loss of function“-Gene identifiziert, die zu einer eingeschränkten oder fehlenden Aktivität der Lipoproteinlipase beitragen und/oder die Hemmung der Triglyzeridproduktion in der Leber aufheben [1, 9, 10]:

• Apolipoprotein A5 (APOA5): Verstärker der LPL-Aktivität

• Apolipoprotein C2 (APOC2): erforderlicher Kofaktor für LPL

• Apolipoprotein E (APOE): Strukturbestandteil von Lipoproteinen (z.B. Chylomikronen)

• Zyklisches Adenosinmonophosphat (cAMP)-responsives Element bindendes Protein3-like-3 (CREB3L3): Transkriptionsfaktor in der Leber, der die Triglyzeride und das Cholesterin normalisiert

• Glukokinase regulierendes Protein (GCKR): Hemmung und Regulierung der Aktivität der Glukokinase in der Leber. Hohe Aktivität der Glukokinase führt zum verstärkten Umbau von Glukose zu Triglyzeriden

• Glycerin-3-Phosphat-Dehydrogenase-1 (GPD-1): Hydrierung von Dihydroxyacetonphosphat (DHAP) zu Glycerin-3-Phosphat

• Glycosylphosphatidylinositol-anchored High-Density Lipoprotein-Binding Protein 1 (GPIHBP1): Stabilisiert die Bindung von Chylomikronen in der Nähe von LPL

• Lipase-Maturation-Factor 1 (LMF1): Chaperonmolekül, das für eine angemessene LPLFaltung erforderlich ist

Akute Pankreatitis – eine zu oft unterschätzte Komplikation der Hypertriglyzeridämie

Mögliche Symptome einer FCS sind neurologische Beschwerden (Fatigue, „Brain Fog“), Hauterscheinungen (eruptive Xanthome), Lipaemia retinalis, Hepatosplenomegalie und rezidivierende Abdominalschmerzen (Abb. 1) [11]. Die schwerwiegendste Folge der Hypertriglyzeridämie ist jedoch eine akute Pankreatitis – mit potenziell tödlichem Ausgang. Das Risiko für eine Hypertriglyzeridämie-assoziierte Pankreatitis (HTG-AP) steigt deutlich bei Triglyzeridwerten ab >1000 mg/dl (>10 mmol/l) an [12]. Ab ≥885 mg/dl (10 mmol/l) spricht man von einem hohen Risiko und ab ≥1000 mg/dl (11,2 mmol/l) von einem extrem hohen Risiko [1] –und das liegt bei den meisten FCSPatienten vor.

Daher ist das FCS – obwohl selten – die dritthäufigste Ursache für akute, potenziell letale Pankreatitiden (Abb. 2) [1]. 65 – 90 % der FCS-Patienten erleiden im Lauf ihres Lebens eine akute Pankreatitis [12]. Dennoch werden die Triglyzeride in Deutschland nicht routinemäßig bei den Betroffenen mit Pankreatitis bestimmt [13]. Hypertriglyzeridämie-assoziierte Pankreatitiden verlaufen besonders schwer und sind mit einem erhöhten Risiko für Organversagen, Pankreasnekrose, intensivmedizinische Behandlung und Mortalität verbunden (Abb. 3) [3]. Betroffene zeigen im Vergleich zu Menschen mit einer non-HTG-AP höhere Sterblichkeitsraten (bis zu 20 % vs. 15,2 %) und deutlich höhere Rezidivraten (bis zu 64,8 % vs. 23, 3%) [14]. Bei 5 – 6 % der Patienten verläuft die Pankreatitis letal [3]. Primäres Therapieziel bei FCS muss daher das Verhindern der Pankreatitis sein.

Lipämisches /milchiges Blutplasma Dauerhaft hohe TG-Werte > 885 mg/dl (> 10 mmol/l)

Nach der Trennung (Kühlschranktest)

Neurologische Symptome Fatigue (3%), Konzentrationsstörungen, Brain Fog (8%)

Lipaemia retinalis

Hepatosplenomegalie (10-11%)

Pankreatitis (50-80%) und/oder chronische Bauchschmerzen (41%)

Xanthome

Abbildung 1: Symptome des familiären Chylomikronämie-Syndroms (mod. nach [2, 9]).

14

Gallensteine 46 %

Alkoholkonsum 22 %

Andere Ursachen 22 %

Hypertriglyceridämie 10 %

Abbildung 2: Ursachen einer akuten Pankreatitis (mod. nach [11]).

Diagnostik des familiären Chylomikronämie-Syndroms

Obwohl das FCS genetisch bedingt ist und somit bereits im Kindesalter beginnen kann, wird die Erkrankung häufig erst im jüngeren Erwachsenenalter diagnostiziert. Da es sich um eine sehr seltene Krankheit handelt, ist der Weg zur Diagnosefindung oft lang. Die Untersuchungsschritte bei FCS umfassen:

• Anamnese

• Körperliche Untersuchung

• Blutuntersuchung (Fettwerte, lipämisches/milchiges Blutplasma)

Familiärer Chylomikronämie-Syndrom (FCS)-Score

• Ultraschalluntersuchung

• FCS-Score

• Genetische Untersuchungen

Familiärer Chylomikronämie-Syndrom (FCS)-Score

Zur Beurteilung, ob ein Familiäres Chylomikronämie-Syndrom (FCS) und damit eine genetische Ursache der HTG vorliegt, kann die Berechnung des ”FCS-Scores” helfen.

Zur Beurteilung, ob ein Familiäres Chylomikronämie-Syndrom (FCS) und damit eine genetische Ursache der HTG vorliegt, kann die Berechnung des ”FCS-Scores” helfen.

Zur Berechnung des FCS-Scores werden die folgenden Kriterien, die auf eine genetische Ursache hinweisen, mit Punkten gewichtet. Anhand der daraus ermittelten Punktzahl kann die Wahrscheinlichkeit für das Vorliegen einer genetisch bedingten, schweren Hypertriglyzeridämie und damit auch für die Notwendigkeit eines genetischen Tests abgeschätzt werden.

Atherosklerose-bedingte Gefäßerkrankungen (ASCVD)

Hypertonie • Atherosklerose-bedingte Gefäßerkrankungen (ASCVD)

Hierbei werden Kriterien, die auf eine genetische Ursache hinweisen, mit Punkten gewichtet. Anhand der daraus ermittelten Punktzahl kann die Wahrscheinlichkeit für das Vorliegen einer genetisch bedingten, schweren Hypertriglyceridämie und damit auch für die Notwendigkeit eines genetischen Tests abgeschätzt werden.

Hierbei werden Kriterien, die auf eine genetische Ursache hinweisen, mit Punkten gewichtet. Anhand der daraus ermittelten Punktzahl kann die Wahrscheinlichkeit für das Vorliegen einer genetisch bedingten, schweren Hypertriglyceridämie und damit auch für die Notwendigkeit eines genetischen Tests abgeschätzt werden.

KRITERIEN

TRIGLYCERIDE (TG)

TRIGLYCERIDE (TG)

Drei konsekutive Nüchtern-TG-Werte > 885 mg/dl (10 mmol/l)ª

Drei konsekutive Nüchtern-TG-Werte > 885 mg/dl (10 mmol/l)ª

Nüchtern-TG-Wert > 1.750 mg/dl (19,77 mmol/l) mind. einmal

Nüchtern-TG-Wert > 1.750 mg/dl (19,77 mmol/l) mind. einmal

Vorangegangene TG-Werte < 175 mg/dl (1.977 mmol/l)

ANAMNESE

Vorangegangene TG-Werte < 175 mg/dl (1.977 mmol/l)

ANAMNESE

Pankreatitis in Eigenanamnese

Pankreatitis in Eigenanamnese

Nicht erklärbare, rezidivierende abdominelle Schmerzen

Kein Hinwels auf familiäre kombinierte Hyperlipidämie

Nicht erklärbare, rezidivierende abdominelle Schmerzen

Kein Hinwels auf familiäre kombinierte Hyperlipidämie

DIFFERENTIALDIAGNOSE

DIFFERENTIALDIAGNOSE

Keine sekundären Faktorenb (außer Schwangerschaftc und Ethinylestradiol)

Keine sekundären Faktorenb (außer Schwangerschaftc und Ethinylestradiol)

Kein Ansprechen auf lipidsenkende Therapie (< 20%ige TG-Senkung)

Kein Ansprechen auf lipidsenkende Therapie (< 20%ige TG-Senkung)

Beginn der Symptomatik im Alter von < 40 Jahren

20 Jahren

10 Jahren

Beginn der Symptomatik im Alter von

40 Jahren

Abb. 3: Mit Hilfe des FCS-Scores kann die Wahrscheinlichkeit für das Vorliegen einer genetischen Ursache eingeschätzt werden. a Plasma-TG-Konzentration gemessen mindestens im Abstand von 1 Monat; eruptive Xanthome können als Surrogat für hohe TG-Spiegel gewertet werden (selten).

a Plasma-TG-Konzentration gemessen mindestens im Abstand von 1 Monat; eruptive Xanthome können als Surrogat für hohe TG-Spiegel gewertet werden (selten).

Abb. 3: Mit Hilfe des FCS-Scores kann die Wahrscheinlichkeit für das Vorliegen einer genetischen Ursache eingeschätzt werden. a Plasma-TG-Konzentration gemessen mindestens im Abstand von 1 Monat; eruptive Xanthome können als Surrogat für hohe TG-Spiegel gewertet werden (selten).

b Sekundäre Faktoren: Alkohol, Diabetes, metabolisches Syndrom, Hypothyreoidismus, KortikosteroidTherapie und weltere Medikamente. c Wenn Diagnose während einer Schwangerschaft gestellt wird, ist post partum die Bestätigung der Diagnose erforderlich. Modifiziert nach Moulin et al., 20186

b Sekundäre Faktoren: Alkohol, Diabetes, metabolisches Syndrom, Hypothyreoidismus, Kortikosteroid-Therapie und weitere Medikamente.

c Wenn die Diagnose während einer Schwangerschaft gestellt wird, ist post partum die Bestätigung der Diagnose erforderlich (mod. nach Moulin et al. [8]).

Auswertung:

b Sekundäre Faktoren: Alkohol, Diabetes, metabolisches Syndrom, Hypothyreoidismus, KortikosteroidTherapie und weltere Medikamente. c Wenn Diagnose während einer Schwangerschaft gestellt wird, ist post partum die Bestätigung der Diagnose erforderlich. Modifiziert nach Moulin et al., 20186

*FCS-Score > 7: genetische Abklärung erwägen19

FCS-Score > 10: genetische Abklärung empfohlen, da Ursache eines FCS sehr wahrscheinlich6

g FCS-Score >7: genetische Abklärung erwägen g FCS-Score >10: genetische Abklärung empfohlen, da Gendefekt als Ursache sehr wahrscheinlich

*FCS-Score > 7: genetische Abklärung erwägen19 FCS-Score > 10: genetische Abklärung empfohlen, da Ursache eines FCS sehr wahrscheinlich6

https://spotlightfcs.com/de/ diagnose/#diagnostic-score

Digitaler FCS-Score Rechner:

https://spotlightfcs.com/de/ diagnose/#diagnostic-score

Diagnostik sHTG

Sogenannte HTG-Pankreatitiden sind im Vergleich zu akuten Pankreatitiden ohne HTG mit einem längeren Krankenhausaufenthalt, einer häufigeren Einweisung auf die Intensivstation und einer höheren Rate an anhaltendem Organversagen verbunden.13

ÜBERSICHTSARBEIT

Zu den Komplikationen der HTG Pankreatitis zählen chronische Pankreatitis, pankreatogener (Typ 3) Diabetes, Pankreasinsuffizienz und langfristige Organschäden.17,18 Bei 5 % – 6 % der Patienten verläuft die Pankreatitis letal.17,18

Limitationen bisheriger Therapien

Klinik und Risiko

Abb. 8: Klinischer Verlauf bei akuter Pankreatitis: normale versus hohe Triglycerid (TG)-Werte. Modifiziert nach Nawaz et al. 201521

Abbildung 3: Klinischer Verlauf einer akuten Pankreatitis bei normalen gegenüber hohen Triglyzerid (TG)-Werten (mod. nach [15]).

Wirkprinzip der ApoC3-Hemmung

... und deren Aufhebung durch Olezarsen (Tryngolza®)

Lipidsenkende Maßnahmen wie eine strenge fettreduzierte Diät (<15 – 20 g Fett/Tag) mit absolutem Alkoholverbot, der Ersatz langkettiger Fettsäuren durch mittelkettige Fettsäuren (MCT), hochdosierte Omega-3-Fettsäuren (>4 g EPA/DHA) und Fibrate reichen bei FCS-Patienten häufig nicht für die Prävention der akuten Pankreatitis aus [12, 16, 17]. Diese lipidsenkenden Interventionen sind außerdem nur bedingt geeignet, da ihr Effekt über einen LPL-vermittelten Abbau der Triglyzeride ausgeübt wird, der bei FCS jedoch beeinträchtigt ist.

Seit 2021 ist in Deutschland der ApoC3-Hemmer Volanesorsen (Waylivra®) verfügbar, der aber trotz guter Wirksamkeit aufgrund von immunologisch bedingten Kontraindikationen und/oder (häufigen) Nebenwirkungen wie z.B. Thrombozytopenien nicht für alle FCS-Patienten geeignet ist bzw. nicht kontinuierlich gegeben werden kann [18, 19]. Darüber hinaus bleibt die Lebensqualität der Betroffenen unter anderem auch durch ein engmaschiges Therapiemonitoring weiterhin eingeschränkt und das Risiko einer akuten Pankreatitis bei Therapieunterbrechungen ist hoch [19].

Olezarsen – ApoC3-Hemmung durch gezielten Eingriff in den Triglyzeridstoffwechsel

Abbildung 4: Olezarsen hemmt die Bildung von ApoC3, einem wichtigen Inhibitor des TGStoffwechsels und ermöglicht so den verstärkten Abbau der Triglyzeride. *ApoC3 wird nicht komplett gehemmt (mod. nach [21]).

Triglyzeride werden im Blut in Chylomikronen transportiert und über zwei unterschiedliche Wege verstoffwechselt: einen Lipoproteinlipase (LPL)-abhängigen und einen LPL-unabhängigen Weg. Das hauptsächlich in der Leber gebildete Apolipoprote-

in C3 (ApoC3) spielt dabei eine zentrale Rolle, denn es wirkt als starker Inhibitor der LPL, des Enzyms, das für die Hydrolyse der Triglyzeride verantwortlich ist. Außerdem hemmt ApoC3 die hepatische Lipase und blockiert die hepatische Clearance triglyzeridreicher Lipoproteine über die Rezeptoren LDLR und LRP1 [20].

Die Folge ist ein anhaltender Anstieg der Triglyzeridkonzentration im Blut (Abb. 4).

Olezarsen (Tryngolza®) ist ein Vertreter der neuen Generation der ApoC3-Inhibitoren. Es wirkt zielgerichtet in der Leber, wo es die Bildung von ApoC3 hemmt, sodass die Triglyzeride über einen LPL-unabhängigen Weg wieder verstärkt abgebaut werden können und die TG-Konzentration signifikant sinkt (Abb. 4) [21].

Mittlere Veränderung der Triglyzeride über 1 Jahr

Abbildung 5: Die Ergebnisse der BALANCE-Studie, die die Wirksamkeit von Olezarsen 80 mg s.c. alle 4 Wochen mit Placebo verglich, zeigen eine signifikante Senkung der Nüchterntriglyzeride nach 6 bzw. 53 Wochen [23]. * Placebo-korrigierte TG-Reduktion (95% KI −69.1 bis −17.9; p <0 ,001), ** Placebo-korrigierte TG-Reduktion (95% KI −90,7 bis −28,1 %; p = nominal signifikant).

Zeit bis zum ersten Pankreatitis-Ereignis

1 Pankreatitis – jeweils in der Dosierung 50 und 80 mg

11 Pankreatitiden – bei 7 Patienten

Konfidenzintervall; PJ, Patientenjahr.

Konfidenzintervall; PJ, Patientenjahr.

Olezarsen ist – wie sein Vorgänger Volanesorsen (Waylivra®) – ein Antisense-Oligonukleotid, das selektiv an die ApoC3-mRNA bindet und so die Translation des Proteins verhindert, besitzt aber eine zusätzliche N-Acetyl-D-Galactosamin (GalNAc3)-Konjugierung [7]. Diese führt zu einer zielgerichteteren Aufnahme in die Leberzellen, wo die APOC3-mRNA abgebaut und damit die Produktion von ApoC3 verhindert wird. Die gezielte hepatozytenspezifische Aufnahme erlaubt eine im Vergleich zu Volanesorsen deutlich geringere Dosierung (80 vs. 300 mg) und ein geringes Injektionsvolumen von 0,8 ml. Dies ermöglicht eine monatliche Gabe von Olezarsen per Fertigpen (Selbstinjektion ist möglich) statt einer zweiwöchentlichen Applikation per Spritze wie bei Volanesorsen [7, 18]. Ein indirekter Vergleich zwischen der Balance - Studie (Olezarsen) und

Endpunkt akute Pankreatitis

Tage nach der ersten Dosis

Ereignisrate pro 100 PJ (95%-KI) Verhältnis Ereingisraten PlaceboOlezarsen gepoolt

Abbildung 6: Wie die BALANCE-Studie belegt, lässt sich durch die Therapie mit Olezarsen die Pankreatitis-Inzidenz Vergleich zu Placebo relevant um 88 % senken – ein entscheidender klinischer Benefit [23]. PJ = Patientenjahre.

der APPROACH - Studie (Volanesorsen) bestätigte zudem eine nominal verbesserte Krankheitskontrolle in Bezug auf die Pankreatitisprävention unter Olezarsen [1,2, 22].

Signifikante Senkung der Triglyzeride ...

Die Zulassung von Olezarsen basiert auf der doppelblinden, randomisierten, placebokontrol-

Anwendung von Olezarsen

Olezarsen (Tryngolza®) ist bei erwachsenen Patienten – ergänzend zu einer Diät – zur Behandlung des genetisch bestätigten familiären Chylomikronämie-Syndroms (FCS) indiziert. Die empfohlene Dosis beträgt 80 mg, verabreicht als subkutane Injektion alle 4 Wochen mittels Fertigpen. Die Selbstinjektion ist möglich. Wird eine Dosis versäumt, sollte Tryngolza® sobald wie möglich verabreicht werden Anschließend ist die monatliche Dosierung ab dem Datum der zuletzt verabreichten Dosis wieder aufzunehmen [7].

Bei älteren Patienten (≥65 Jahren) ist keine Dosisanpassung erforderlich. Gleiches gilt für Patienten mit leichter oder mittelgradiger Nierenfunktionsstörung sowie für Patienten mit leichter Leberfunktionsstörung. Bei Patienten mit schwerer Nierenfunktionsstörung, terminaler Niereninsuffizienz oder mittelgradiger bis schwerer Leberfunktionsstörung wurde die Anwendung von Tryngolza® nicht untersucht und das Medikament darf nur verabreicht werden, wenn der zu erwartende klinische Nutzen das Risiko überwiegt [7].

lierten Phase-III-Studie Balance [23], in der die Wirksamkeit und Sicherheit von Olezarsen bei 66 erwachsenen Patienten mit FCS untersucht wurde. 71 % der Studienteilnehmer hatten in den letzten 10 Jahren eine akute Pankreatitis durchgemacht. Alle Teilnehmer wurden randomisiert 3 Behandlungsgruppen zugeteilt: 21 erhielten Olezarsen 50 mg, 22 erhielten Olezarsen 80 mg und 23 erhielten Placebo, jeweils subkutan alle 4 Wochen. Primärer Endpunkt war die prozentuale Veränderung des Nüchtern-Triglyzeridspiegels vom Ausgangswert bis Monat 6 im Vergleich zu Placebo. Sekundäre Endpunkte umfassten unter anderem die prozentuale Senkung der Triglyzeridwerte nach 12 Monaten, die prozentualen Veränderungen anderer Lipidparameter nach 6 und 12 Monaten sowie die Häufigkeit unabhängig beurteilter, akuter Pankreatitis-Ereignisse über den gesamten Behandlungszeitraum. Nach dem Ende der doppelblinden, placebokontrollierten Phase konnten die Patienten an einer offenen

Verlängerungsstudie teilnehmen, in der sie alle 4 Wochen Olezarsen erhielten.

Unter der Therapie mit 80 mg Olezarsen wurden die Triglyzeridwerte nach 6 Monaten im Vergleich zu Placebo signifikant reduziert (−43,5 %; 95%-KI: −69,1 bis −17,9; p < 0,001). Die Wirksamkeit hielt bis Monat 12 an: Nach einem Jahr war der Triglyzeridspiegel um 59,4 % gesunken (95%-KI −90,7 bis −28,1 %; p = nominal signifikant) (Abb. 5) [23].

... und Reduktion der Pankreatitis-Inzidenz um 88 %

Über den 12-monatigen Behandlungszeitraum war die Pankreatitis-Inzidenz bei den mit Olezarsen 80 mg behandelten Patienten zahlenmäßig deutlich geringer als unter Placebo: Nur 1 Patient in der Gruppe mit Olezarsen 80 mg zeigte 1 Ereignis von bestätigter akuter Pankreatitis, verglichen mit 11 Ereignissen bei 7 Patienten in der Placebo-Gruppe (Abb. 6).

Außerdem war die Zeit bis zum ersten Pankreatitis-Ereignis in der Olezarsen-80 mg-Gruppe mit 357 Tage wesentlich länger als in der Placebo-Gruppe mit 9 Tagen. Die mittlere Pankreatitis-Ereignisrate pro 100 Patientenjahre betrug 4,37 in der gesamten Olezarsen-Gruppe (80-mg- und 50-mg-Gruppe), verglichen mit 36,31 in der Placebogruppe. Das mittlere Verhältnis der Pankreatitis-Ereignisraten für Olezarsen insgesamt im Vergleich zu Placebo betrug 0,12 (95%-KI: 0,022 bis 0,656) [23].

Überzeugendes Sicherheitsprofil

Besonders hervorzuheben ist das günstige Sicherheitsprofil von Olezarsen: Unter der Therapie mit dem ApoC3-Hemmer traten keine schwerwiegenden unerwünschten Ereignisse und weniger unerwünschte Ereignisse als unter Placebo auf. Außerdem wurden weder klinisch relevante Thrombozytopenien noch klinisch relevante Veränderungen der Leberund Nierenfunktion beobachtet. Bei FCS-Patienten waren die unter der Therapie mit Olezarsen am häufigsten gemeldeten Nebenwirkungen Erytheme an der Injektionsstelle (17 %), Kopfschmerzen (16 %), Arthralgie (15 %) und Erbrechen (10 %) [7, 23]. Ein Monitoring von Thrombozyten-, Leber- und Nierenwerten ist während der Therapie mit Olezarsen nicht erforderlich [7, 23].

Fazit für die Praxis

Mit Olezarsen (Tryngolza®) steht erstmals eine kausale und im Management einfache Therapie für Patienten mit familiärem Chylomikronämie-Syndrom zur Verfügung,

die gezielt in den Triglyzeridstoffwechsel eingreift und dadurch nachweislich die Inzidenz von durch das FCS ausgelösten hypertriglyzeridämischen Pankreatitiden reduzieren kann. Die monatliche subkutane Gabe mittels Fertigpen, das günstige Sicherheitsprofil ohne erforderliches Monitoring und die wirksame Triglyzeridsenkung stellen einen deutlichen Fortschritt in der FCS-Therapie dar und bieten den betroffenen Patienten eine neue Behandlungsperspektive.

Literatur

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2 Moulin P et al. Identification and diagnosis of patients with familial chylomicronaemia syndrome (FCS): Expert panel recommendations and proposal of an “FCS score”. Atherosclerosis 2018;275: 265-272

3 Gaudet D et al. Acute pancreatitis is highly prevalent and complications can be fatal in patients with familial chylomicronemia: results from a survey of lipidologist. J Clin Lipidol 2016;10:680-681

4 Rabacchi C et al. Spectrum of mutations of the LPL gene identified in Italy in patients with severe hypertriglyceridemia. Atherosclerosis 2015;241:79-86

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© Oliver Barth /MSF

5 Rasch S et al: Aktuelle Daten zur Morbidität und Mortalität der akuten Pankreatitis basierend auf der DRG Statistik des Statistischen Bundesamtes. Z Gastroenterol 2023;61:544-545

6 Mayerle J et al. Weißbuch Gastroenterologie: Diagnostik und Therapie der akuten Pankreatitis. Dtsch Arztebl Int 2023/ 2024

7 Fachinformation Tryngolza® (Olezarsen); Stand: November 2025

8 Moulin P et al. Identification and diagnosis of patients with familial chylomicronaemia syndrome (FCS): Expert panel recommendations and proposal of an “FCS score”. Atherosclerosis 2018;275: 265-272

9 Matarazzo L et al. Successful fenofibrate therapy for severe and persistent hypertriglyceridemia in a boy with cirrhosis and glycerol-3-phosphate dehydrogenase 1 deficiency. JIMD Reports. 2020;54:25-31

10 Hegele RA et al. Rare dyslipidaemias, from phenotype to genotype to management: a European Atherosclerosis Society task force consensus statement. Lancet Diabetes & Endocrinology 2020;8:50-67

11 Davidson M et al. The burden of familial chylomicronemia syndrome: Results from the global IN-FOCUS study J Clin Lipidol 2028;12:898-907

12 Javed F et al. Familial chylomicronemia syndrome: an expert clinical review from the National Lipid Association. J Clin Lipidol 2025;19:382-403

13 Madisch A et al. Poster #P10-04, DGIM, 3.-6. Mai 2025, Wiesbaden

14 Lu J et al. A systematic review of the epidemiology and risk factors for severity and recurrence of hypertriglyceridemiainduced acute pancreatitis. BMC Gastroenterol 2025;25:374

15 Nawaz H et al. Elevated serum triglycerides are independently associated with persistent organ failure in acute pancreatitis. Am J Gastroenterol 2015;110: 1497-503

16 Laufs U et al. Clinical review on triglycerides. Eur Heart J. 2020;41:99-109c

17 Mach F et al. 2025 Focused Update of the 2019 ESC/EAS Guidelines for the management of dyslipidaemias. Atherosclerosis 2025;409:120479

18 Fachinformation Waylivra® (Volanesorsen); Stand: November 2022

19 Witztum JL et al. Volanesorsen and triglyceride levels in familial chylomicronemia syndrome. N Engl J Med 2019;381:531-542

20 Gordts PL et al. ApoC-III inhibits clearance of triglyceride-rich lipoproteins through LDL family receptors. J Clin Invest 2016;126:2855-2866

21 Gaudet D et al. Antisense inhibition of apolipoprotein C-III in patients with hypertriglyceridemia. N Engl J Med 2014; 373:438-447

22 Soran H et al. Poster at VMAC 2026; 5.7.2.2026, Cologne

23 Stroes ESG et al. Olezarsen, acute pancreatitis, and familial chylomicronemia syndrome. N Engl J Med. 2024;390: 1781-1792

Anschrift der Verfasserin: Brigitte Söllner Medizinjournalistin und Wissenschaftliche Lektorin Lärchenweg 10 91058 Erlangen brigitte.soellner@online.de

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* Klinische Remission nach 52 Wochen unter Vedolizumab alle 8 bzw. 4 Wochen vs. Placebo bei CU: 41,8 % bzw. 44,8 % vs. 15,9 % (für beide p < 0,001).1 ‡ Klinische Remission (CDAI ≤ 150) in Woche 52 unter Vedolizumab alle 8 bzw. 4 Wochen vs. Placebo bei MC: 39,0 % bzw. 36,4 % vs. 21,6 % (p < 0,001 bzw. p = 0,004).2 § Zugelassen seit Mai 2014. # Entyvio®: einziger in Deutschland zugelassener Integrin-Antagonist bei CED.5,6 † Firstline-Biologikum: Der Einsatz wird von den DGVS- und ECCO-Leitlinien unterstützt.7–10 CDAI: Crohn’s Disease Activity Index; CED: chronisch-entzündliche Darmerkrankung; CU: Colitis ulcerosa; DGVS: Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten; ECCO: European Crohn’s and Colitis Organisation; MC: Morbus Crohn.

nicht angesprochen haben. Gegenanzeigen: Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Bestandteile. Aktive schwere Infektionen wie Tuberkulose, Sepsis, Cytomegalievirus, Listeriose und opportunistische Infektionen, wie z.B. progressive multifokale Leukoenzephalopathie (PML). Nebenwirkungen: Sehr häufig: Nasopharyngitis, Kopfschmerzen, Arthralgie; Häufig: Pneumonie, Clostridium-difficile-Infektion, Bronchitis, Gastroenteritis, Infektion der oberen Atemwege, Grippe, Sinusitis, Pharyngitis, Herpes Zoster, Parästhesie, Hypertonie, Schmerzen im Oropharynx, Nasenverstopfung, Husten, Analabszess, Analfissur, Übelkeit, Dyspepsie, Obstipation, Bauch aufgetrieben, Flatulenz, Hämorrhoiden, Rektalblutung*, erhöhte Leberenzyme, Ausschlag, Pruritus, Ekzem, Erythem, Nächtliche Schweißausbrüche, Akne, Muskelspasmen, Rückenschmerzen, Muskuläre Schwäche, Ermüdung, Schmerzen in den Extremitäten, Fieber, Reaktionen im Zusammenhang mit einer Infusion (Asthenie* und Brustkorbbeschwerden*); Reaktion an der Injektionsstelle (einschließlich: Schmerzen an der Infusionsstelle und Irritation an der Infusionsstelle); Gelegentlich: Atemwegsinfektion, vulvovaginale Candidose, orale Candidose, verschwommenes Sehen, Follikulitis, Schüttelfrost, Kältegefühl; Sehr selten: anaphylaktische Reaktion, anaphylaktischer Schock, Hepatitis. Nicht bekannt: Interstitielle Lungenerkrankung.

*Berichtet bei Pouchitis Verschreibungspflichtig. EU-Zulassungsinhaber: Takeda Pharma A/S, Dänemark Stand der Information: März 2025 C-APROM/DE/ENTCD/0245 www.takeda.de

Referenzen: 1. Feagan BG et al. N Engl J Med. 2013;369(8):699 –710. Colitis ulcerosa (CU): Klinische Remission (Mayo-Score ≤ 2 und kein Subscore > 1); Steroidfreie Remission (Klinische Remission in Woche 52 ohne Steroidbehandlung bei Patienten mit Steroidbehandlung zu Beginn der Studie) 31,4 % bzw. 45,2 % vs. 13,9 % (p = 0,01 bzw. p < 0,001); Mukosaheilung (endoskopischer Mayo-Subscore 0 oder 1) 51,6 % bzw. 56,0 % vs. 19,8 % (für beide p < 0,001). 2. Sandborn WJ et al. N Engl J Med. 2013;369(8):711–721. Morbus Crohn (MC): Steroidfreie Remission (CDAI ≤ 150 ohne Steroidtherapie) unter Vedolizumab alle 8 bzw. 4 Wochen vs. Placebo in Woche 52: 31,7 % bzw. 28,8 % vs. 15,9 % (p = 0,02 bzw. p 0,04). 3. Danese S et al. Gastroenterology. 2019;157(4):1007–1018.e7. Vollständige Mukosaheilung (Abwesenheit jeglicher Ulzerationen, einschließlich Aphthen) unter Vedolizumab in Woche 26 bei MC: 14,9 %. 4. Dulai S et al. Am J Gastroenterol. 2016;111(8):1147–1155. Kumulative 12-Monatsrate der endoskopischen Mukosaheilung (Abwesenheit von Ulzerationen und /oder Erosionen) unter Vedolizumab bei MC: 63 %. 5. Fachinformation Entyvio® 300 mg Pulver für ein Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung, aktueller Stand. 6. Fachinformation Entyvio® 108 mg Injektionslösung in einer Fertigspritze / Entyvio® 108 mg Injektionslösung in einem Fertigpen, aktueller Stand. 7. Torres J et al. J Crohns Colitis. 2020;14(1):4 –22. 8. Sturm A et al. Aktualisierte S3-Leitlinie. März 2024 – AWMF-Registernummer: 021-004. 9. Raine T et al. J Crohns Colitis. 2022;16(1):2 –17. 10. Kucharzik T et al. Aktualisierte S3-Leitlinie Colitis ulcerosa (Version 6.2), Januar 2024. Entyvio® 300 mg, Pulver für ein Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung, Entyvio® 108 mg Injektionslösung in einer Fertigspritze; Entyvio® 108 mg Injektionslösung in einem Fertigpen Wirkstoff: Vedolizumab Zusammensetzung: Entyvio 300 mg, Pulver: Jede Durchstechflasche enthält 300 mg Vedolizumab; nach Rekonstitution enthält 1 ml Infusionslösung 60 mg Vedolizumab. Sonstige Bestandteile: L-Histidin, L-Histidin-Monohydrochlorid, L-Arginin-Hydrochlorid, Saccharose, Polysorbat 80. Entyvio 108 mg Injektionslösung (subkutan): Jede Fertigspritze/jeder Fertigpen enthält 108 mg Vedolizumab in 0,68 ml. Sonstige Bestandteile: Citronensäure-Monohydrat, Natriumcitrat-Dihydrat, L-Histidin, L-Histidin-Monohydrochlorid, L-Arginin-Hydrochlorid, Polysorbat 80, Wasser für Injektionszwecke. Anwendungsgebiete: Colitis ulcerosa: Behandlung von erwachsenen Patienten mit mittelschwerer bis schwerer aktiver Colitis ulcerosa, die entweder auf konventionelle Therapie oder einen der Tumornekrosefaktor-alpha (TNFα)-Antagonisten unzureichend angesprochen haben, nicht mehr darauf ansprechen oder eine Unverträglichkeit gegen eine entsprechende Behandlung aufweisen. Morbus Crohn: Behandlung von erwachsenen Patienten mit mittelschwerem bis schwerem aktiven Morbus Crohn, die entweder auf konventionelle Therapie oder einen der Tumornekrosefaktor-alpha (TNFα)-Antagonisten unzureichend angesprochen haben, nicht mehr darauf ansprechen oder eine Unverträglichkeit gegen eine entsprechende Behandlung aufweisen. Pouchitis (nur Entyvio 300 mg Pulver für ein Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung): Behandlung von erwachsenen Patienten mit mittelschwerer bis schwerer aktiver chronischer Pouchitis, die sich wegen Colitis ulcerosa einer Proktokolektomie, bei der ein ileoanaler Pouch angelegt wurde, unterzogen haben, und auf eine Antibiotikabehandlung nur unzureichend oder gar

Immer öfter werden auch bei Kindern und Jugendlichen chronisch-entzündliche Darmerkrankungen wie die Colitis ulcerosa diagnostiziert. Für die medikamentöse Therapie kommen zunächst Wirkstoffe wie 5-Aminosalicylate (z.B. Mesalazin), Immunmodulatoren wie Azathioprin und Methotrexat (off-label) oder Kortikosteroide wie Budesonid oder Prednisolon zum Einsatz. Letztere sollten aufgrund relevanter Nebenwirkungen bei Kindern jedoch nur kurzfristig verabreicht werden [1]. Haben die auch für das Kindesalter zugelassenen Arzneimitteltherapien nicht zu einer (steroidfreien) Remission geführt, empfiehlt die aktualisierte S3Leitlinie TNF-α-Antikörper zur Remissionsinduktion und -erhaltung. Auch Biologika oder JAKInhibitoren können eingesetzt werden [1]. Von den zahlreichen für Erwachsene zugelassenen Biologika und Small molecules sind derzeit jedoch nur 3 Präparate für pädiatrische Patienten zugelassen: Für Morbus Crohn und Colitis ulcerosa stehen ab einem Alter von 6 Jahren die TNF-α-Antikörper Infliximab und Adalimumab sowie für Colitis ulcerosa ab 16 Jahren der Sphingosin-1-Phosphat(S1P)Rezeptor-Modulator Etrasimod zur Verfügung, für den aber keine Daten zur Therapie bei Kindern

Vedolizumab kann Behandlungslücke bei Kindern und Jugendlichen mit moderater bis schwerer

Colitis ulcerosa schließen

und Jugendlichen vorliegen [1]. Für Kinder, die weder auf konventionelle Behandlungsoptionen noch auf Infliximab und Adalimumab ausreichend ansprechen, besteht laut Leitlinie derzeit dann nur noch die Möglichkeit, sie mit anderen, für Erwachsene zugelassenen Biologika außerhalb der Zulassungsbeschränkung für das Alter zu behandeln [1]. Hoffnung auf die Zulassung eines weiteren Biologikums für die Therapie von Kindern, die an einer schweren, therapierefraktären Colitis ulcerosa erkrankt sind, machen die positiven Ergebnisse der KEPLER-Studie, die die Wirksamkeit und Sicherheit des humanisierten monoklonalen IgG1-Antikörpers Vedolizumab (Entyvio®) bei Kindern ab 2 Jahren und Jugendlichen mit Colitis ulcerosa untersuchte [2].

KEPLER-Studie: Fast die Hälfte der Kinder erreichte eine klinische Remission

In die randomisierte, doppelblinde Phase-III-Studie KEPLER wurden 120 Kinder und Jugendliche im Alter von 2 – 17 Jahren mit mäßig bis schwer aktiver Colitis ulcerosa (modifizierter Mayo-Wert von 5 – 9 mit endoskopischem Subscore ≥2) eingeschlossen, die eine

unzureichende Reaktion auf konventionelle Behandlungen (wie Steroide und Immunmodulatoren) und/oder Tumornekrosefaktor(TNF)-Antagonisten zeigten. Alle Studienteilnehmer erhielten während einer 14-wöchigen Open-Label-Induktionsphase Vedolizumab i.v. 93 der 120 Patienten, die in Woche 14 ein klinisches Ansprechen zeigten, setzten die Studie dann in der 40-wöchigen Erhaltungsphase fort, in der sie je nach Gewicht randomisiert entweder mit einer niedrigen (LD) oder einer hohen (HD) VedolizumabDosis, jeweils alle 8 Wochen verabreicht, weiterbehandelt wurden:

• Teilnehmer ≥30 kg: Vedolizumab 300 mg (HD) oder 150 mg (LD)

• Teilnehmer >15 bis <30 kg: Vedolizumab 200 mg (HD) oder 100 mg (LD)

• Teilnehmer 10 – 15 kg: Vedolizumab 150 mg (HD) oder 100 mg (LD)

Der LD-Arm umfasste 47 Patienten, der HD-Arm 46 Patienten. Primärer Endpunkt der Studie war die klinische Remission in Woche 54 bei Patienten, die nach einer offenen Vedolizumab-IV-Induktion eine klinische Reaktion erreichten, definiert durch eine symptomatische Verbesserung und den endoskopischen Nachweis keiner oder einer minimalen Krankheitsakti-

Vedolizumab

Der humanisierte monoklonale IgG1-Antikörper Vedolizumab (Entyvio®) bindet spezifisch an das α4β7-Integrin, das auf aktivierten T-Helferzellen exprimiert wird. Durch die Bindung hemmt der Antikörper die Adhäsion dieser Zellen an das Mucosal addressin cellular adhesion molecule-1 (MAdCAM-1) an Darmendothelzellen. Dadurch wird die Einwanderung der proinflammatorischen TZellen aus dem Blut in das Darmgewebe und damit die Progression der Entzündung behindert. Vedolizumab ist seit 2014 bei Erwachsenen zur Behandlung der mittelschweren bis schweren chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen Colitis ulcerosa und Morbus Crohn zugelassen, wenn andere Therapien nicht oder nicht mehr ausreichend wirken oder nicht vertragen werden. Bei pädiatrischen Patienten ist derzeit nur ein Off-Label-Einsatz möglich.

vität (modifizierter Mayo-Score). Sekundäre Endpunkte umfassten die Sicherheit und Verträglichkeit während der Induktion und Erhaltung, eine anhaltende klinische Remission (klinische Remission in den Wochen 14 und 54), endoskopische Endpunkte, die Auswirkungen der Dosiserhöhung bei Wirkungsverlust sowie die langfristige Sicherheit und Krankheitskontrolle, die in Nachbeobachtungsperioden bewertet wurden [2].

Die auf dem 21. Kongress der Europäischen Organisation für Morbus Crohn und Colitis (ECCO) vorgestellten Ergebnisse zeigen ein vielversprechendes Wirksamkeits- und Sicherheitsprofil von Vedolizumab bei den jungen Patienten:

• Fast die Hälfte (47,3 %) der Studienteilnehmer erreichte den primären Endpunkt der klinischen Remission in Woche 54.

• Mehr als ein Drittel (34,7 %) der Patienten erreichte eine klinische Remission in der 14. Woche (sekundärer Endpunkt).

• 1 von 4 Patienten (29 %) erreichte den sekundären Endpunkt einer anhaltenden klinischen Remission sowohl in Woche 14 als auch in Woche 54.

• Außerdem stimmte das Sicherheitsprofil von Vedolizumab bei den Studienteilnehmern im Allgemeinen mit dem etablierten Sicherheitsprofil bei Erwachsenen überein, ohne dass neue

Sicherheitssignale identifiziert wurden. Die am häufigsten auftretenden behandlungsbedingten Nebenwirkungen (≥10 %), die mit Vedolizumab in der KEPLER-Studie berichtet wurden, waren obere Atemwegsinfektionen (30 %), Colitis ulcerosa, d.h. eine sich verschlechternde Krankheit (17,5 %) und Fieber (12,5 %) [2].

Die Ergebnisse der KEPLER-Studie sind ermutigend und deuten darauf hin, dass Vedolizumab, das seit 2014 bei Erwachsenen zur Behandlung der mittelschweren bis schweren chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen Morbus Crohn und Colitis ulcerosa bei Erwachsenen zugelassen ist, auch bei der Behandlung der Colitis ulcerosa bei Kindern ab 2 Jahren, bei denen die Therapieoptionen bislang begrenzt sind, einen entscheidenden Nutzen bieten kann.

Brigitte Söllner, Erlangen

Literatur

1 Aktualisierte S3-Leitlinie Colitis ulcerosa (Version 7.0), federführend herausgegeben von der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten e.V. (DGVS), Stand: November 2025, AWMF-RegisterNr. 021-009

2 A study of vedolizumab in children and teenagers with moderate to severe ulcerative colitis (UC). ClinicalTrials.gov. https://clinicaltrials.gov/study/NCT047 79307

Impfempfehlung durch die STIKO, flächendeckende Impfvereinbarungen und die Abrechnung über die Versichertenkarte – im letzten Jahr wurden bei der Impfung gegen das Respiratorische Synzytial-Virus (RSV) Verordnungsbarrieren deutlich abgebaut. Trotz dieser Optimierungen wird die Möglichkeit zur Prävention schwerer RSV-Verläufe mittels Impfung noch nicht in ausreichendem Umfang in Anspruch genommen. Eine wesentliche Ursache liegt in einem Informationsdefizit begründet: Insbesondere ältere Erwachsene und Personen mit Komorbiditäten haben häufig nur unzureichendes Wissen bezüglich RSV-Infektionen und den damit assoziierten gesundheitlichen Risiken. Dies wird durch Ergebnisse einer aktuellen internationalen Befragung des Unternehmens GSK deutlich, an der sich in Deutschland 750 Personen mit Grunderkrankungen im Alter ab 50 Jahren beteiligten [1].

Das Wissen über RSV sowie die mit einer Infektion einhergehenden Risiken bei vulnerablen Menschen ist gering

Von den Befragten war nur ein Drittel mit dem Begriff „RSV“ vertraut und wusste, wofür das Akronym steht. Entsprechend äußerten 29 % keine Besorgnis in Bezug auf eine RSV-Ansteckung. Die möglichen Risiken wurden dabei von den meisten Umfrage-Teilnehmern unterschätzt: 60 % waren der Ansicht, dass diese Infektion für sie keine oder nur eine geringe bis moderate Gefahr darstellt [1]. Der Bedarf an Aufklärung bleibt somit hoch. Denn gerade bei älteren Menschen steigt bei einer RSV-Infektion das Risiko schwe-

RSV-Prävention erfolgreich in die Praxisroutine integrieren

rer Verläufe: Etwa jeder Vierte ab 60 Jahren muss im Falle einer RSV-Erkrankung stationär behandelt werden [2]. Kommen Grunderkrankungen hinzu, erhöhen sich die Gefahren weiter. So kommt es nach RSV-Infektionen häufiger zu Exazerbationen, insbesondere bei COPD und Asthma – hier

wurde eine Zunahme um das 3,1bis 4,6-Fache beobachtet [3]. Außerdem kann RSV die Herz- und Lungenfunktion verschlechtern, bakterielle Superinfektionen begünstigen und noch nach einer überwundenen schweren Infektion das Alltagsleben dauerhaft beeinträchtigen [4].

RSV-Impfstoff Arexvy: Möglichkeiten der Koadministration mit anderen Impfungen

Die Kombination von Impfungen

Spart dem Praxisteam Zeit

Vereinfacht das Praxis-Management

Bedeutet weniger Aufwand für Patienten

Der adjuvantierte RSV-Impfstoff kann mit folgenden Impfungen koadministriert werden:

Standard- und hochdosierter nichtadjuvantierter oder standarddosierter adjuvantierter Grippeimpfstoff

PneumokokkenKonjugatimpfstoff

Herpes ZosterImpfstoff COVIDImpfstoff

Wenn eine Koadministration mit einem anderen injizierbaren Impfstoff erfolgt, sollten die Impfstoffe immer an unterschiedlichen Injektionsstellen verabreicht werden

Abbildung 1: Quelle GSK,

Fachinformation Arexvy®

RSV-Impfstoff Arexvy®

Arexvy® besteht aus einem rekombinanten Protein-F-Antigen (RSVPreF3) und dem bewährten Adjuvans-System AS01 von GSK. Bei dem RSVAntigen handelt es sich um das rekombinante, in der Präfusionskonformation stabilisierte Glykoprotein F aus der Lipidhülle des RSV. Das Glykoprotein F ist essenziell für das Virus, um in die Wirtszelle eindringen zu können, indem es eine feste Bindung und Verschmelzung der RSV-Lipidhülle mit der Membran der humanen Wirtszelle bewirkt [6]. Befindet sich das Virus in der Nähe zur Wirtszelle, ändert sich die Präfusionskonformation von Protein F zur Postfusionskonformation. Diese Konformationsänderung führt zu einer sehr stabilen Bindung an die Wirtszelle und anschließend zum Eindringen des RSV in die Zelle. Das Adjuvans-System AS01E besteht aus Monophosphoryl-Lipid A und dem Saponin QS-21b, die in einer Liposomen-Formulierung vorliegen. Diese Hilfssubstanz kann die antigenspezifische Immunantwort verstärken. Das ist besonders bei älteren Erwachsenen wichtig, bei denen es mit zunehmendem Alter natürlicherweise zu einer nachlassenden Immunantwort kommt [7].

Adj. RSVPreF3 Impfstoff-Formulierung

RSVPreF3 Rekombinantes

RSV-F-Antigen, stabilisiert im Präfusionskomplex

AS01E GSK’s eigenes Adjuvanssystem

Adjuvantierter RSVImpfstoff bietet zahlreiche Koadministrationsmöglichkeiten

Für die RSV-Prävention stehen wirksame Impfstoffe zur Verfügung, darunter ein speziell für ältere Menschen entwickelter adjuvantierter Impfstoff (Arexvy®). Dieser hat seine Schutzwirkung über 3 RSV-Saisons hinweg bei Menschen ab 60 Jahren nach einer Impfung mit einer kumulierten Wirksamkeit von 62,9 % unter Beweis gestellt.

Durch die Kombination des RSVPreF3-Antigens mit dem bewährten Adjuvans-System erzeugt Arexvy® eine antigenspezifische zelluläre und humorale Immunantwort und neutralisierende Antikörper gegen beide Subtypen RSV-A und RSV-B, die dazu beitragen, RSVverursachten Erkrankungen der unteren Atemwege vorzubeugen und erwachsene Risikopatienten zu schützen. Die Europäische Kommission hat den Impfstoff für die aktive Immunisierung von Erwachsenen im Alter von 60 Jahren und älter sowie für 50- bis 59-Jährige mit erhöhtem Risiko für eine RSV-Erkrankung zur Prävention von RSV-Erkrankungen der unteren Atemwege zugelassen. Die Impfung ist seit August 2023 in Deutschland verfügbar und sollte in Übereinstimmung mit den offiziellen Empfehlungen erfolgen. Seit September 2024 haben alle gesetzlich Versicherten ab einem Alter von 75 Jahren sowie 60 Jahren mit bestimmten Risikofaktoren Anspruch auf eine einmalige RSV-Impfung.

Entsprechend empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) eine RSV-Impfprävention allen

Menschen ab 75 Jahren und bei Vorliegen schwerer Grunderkrankungen bereits ab 60 Jahren.

Der Impfstoff lässt sich mit wenig Aufwand in das Impfmanagement integrieren, denn er kann mit mehreren Impfungen koadministriert werden. Klinische Studien belegen, dass der adjuvantierte RSV-Impfstoff zusammen mit einem standard- und hochdosierten nichtadjuvantierten oder standarddosierten adjuvantierten Influenza-Impfstoff, einem Pneumokokken-Konjugatimpfstoff, einem HerpesZoster-Impfstoff und COVIDImpfstoffen verabreicht werden kann (Abb. 1) [5]. Die Sicherheit und Nichtunterlegenheit der koadministrierten RSV-Impfung gegenüber der einzelnen Verabreichung wurden jeweils in Studien untersucht.

Die RSV-Impfbereitschaft nach einer Beratung ist hoch

Laut den Ergebnissen der Umfrage ist jedoch nur etwa einem Drittel der Befragten bekannt, dass es einen RSV-Impfstoff für ihre Altersgruppe gibt. Ob ein verbesserter Schutz vulnerabler Gruppen vor den schweren Folgen einer RSV-Infektion gelingt, hängt auch vom Engagement der betreuenden Hausärzte ab. Denn diese sind in puncto Impfen meist die erste An-

laufstelle der Patienten. „Bei vielen Patienten fangen wir mit der Beratung über RSV ganz vorne an“, bestätigte Dr. Irmgard Landgraf, hausärztlich tätige Fachärztin für Innere Medizin, bei einer Presseveranstaltung von GSK. Sie hat die RSV-Impfung erfolgreich in die Praxisroutine implementiert und nutzt dazu ein digitales Programm zum Impfmanagement, das für jeden Patienten die bereits erfolgten, empfohlenen und unmittelbar notwendigen Impfungen anzeigt. Nach ihren Erfahrungen wird die RSV-Impfung nach einer Beratung von den Patienten gut akzeptiert. „Wenn man den Menschen verdeutlicht, welche schweren Krankheitsfolgen sie sich mit einer RSV-Impfung ersparen können, entscheidet sich der größte Teil für diese Impfung“, so die Internistin.

Ein Argument ist für viele der Älteren auch, dass sie damit ihre jungen Enkelkinder vor einer Übertragung der für sie gefährlichen Infektion bewahren können.

Gute Verträglichkeit

Von Vorteil ist außerdem, dass die RSV-Impfung von den Geimpften gut vertragen wurde: „In unserer Praxis wurden uns bisher keine Probleme mit der Verträglichkeit berichtet. Dies wirkt sich natürlich auch positiv auf die Impfbereitschaft aus, denn die Patienten tauschen sich über ihre Erfahrungen aus und motivieren andere.“

Impfung auch außerhalb der Wintersaison möglich

Die Administration der RSV-Impfung wird dadurch vereinfacht, dass sie aufgrund der langen Wirk-

dauer auch außerhalb der Wintersaison möglich ist. „Wir impfen gegen RSV das ganze Jahr über und haben hier keine Saisonalität. Im Vordergrund steht, möglichst viele vulnerable Menschen zu schützen“, betonte Landgraf.

Weniger schwere Infekte seit Einführung der RSV-Impfung

Die Fachärztin ist ist vom Nutzen dieser Präventionsmaßnahme überzeugt: „Wir sehen in meiner Praxis, dass die Impfung einen Effekt hat – tatsächlich sind seitdem schwere Infekte bei uns selten geworden.“

Ihr Rat an Berufskolleginnen und -kollegen lautet daher, das Impfen gegen RSV in den Fokus zu nehmen, denn: „Wir haben mit der Impfung ein gutes und einfaches präventives Instrument, um Menschen wirksam vor schwerer Erkrankung zu schützen. Das sollten wir nutzen.“

Brigitte Söllner, Erlangen

Wie die 5-Jahres-Daten der CROWN-Studie zeigen, eröffnet die zielgerichtete Erstlinientherapie mit Lorlatinib (Lorviqua®) Patienten mit ALKpositivem, lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem NSCLC (ALK+ aNSCLC) die Perspektive auf mehr als 5 Jahre progressionsfreies Überleben und einen wirksamen Schutz vor ZNS-Progression [1, 2]. Während ALK-Inhibitoren der zweiten Generation ein medianes PFS von etwa 2 – 3 Jahren erreichten, markiert Lorlatinib (Lorviqua®) mit der verlängerten Wirksamkeit einen Wendepunkt und verändert das Behandlungsszenario grundlegend. So waren nach 5 Jahren 60 % der mit Lorlatinib behandelten Patienten noch progressionsfrei im Vergleich zu 8 % unter Crizotinib [1]. Eine verlängerte progressionsfreie Zeit unter der Behandlung kann dazu beitragen, die Notwendigkeit von Therapiewechseln, stationären Krankenhausaufenthalten oder akuten medizinischen Interventionen zu verringern. Für viele Betroffene, darunter häufig vergleichsweise junge Patienten, geht dies mit einer stabileren Behandlungssituation einher, die es ermöglichen kann, die Lebensqualität über einen längeren Zeitraum aufrechtzuerhalten sowie familiäre und berufliche Rollen weiterhin wahrzunehmen. Zudem könnte die psychische Belastung durch Angst vor Progression reduziert werden.

Literatur

1 Umfrage GSK 2025, Data on file

2 Marijic P et al. Pharmacoecon Open 2025 ;9:445-459

3 Fonseca MJ et al. ESCMID Global 2025, Österreich

4 Wildenbeest JG et al. Lancet Respir Med 2024;12:822-836

5 Fachinformation Arexvy®, aktueller Stand

6 Battles MB & McLellan JS. Nat Rev Microbiol 2019;17:233-245

7 Stephens LM et al. Vaccines (Basel) 2021;9:624

92 % der Patienten waren nach 5 Jahren ohne ZNS-Progression

Das außergewöhnlich lange mPFS von Lorlatinib ist bislang ausschließlich in der Erstlinie belegt [3]. Da rund ein Drittel der Patienten nach einer Progression unter

Frühzeitiger Einsatz von Lorlatinib ermöglicht mehr als 5 Jahre progressionsfreies Leben bei ALK+ aNSCLC

Tyrosinkinaseinhibitoren der zweiten Generation keine weitere systemische Therapie mehr erhält, ist der frühzeitige Einsatz von Lorlatinib entscheidend [4]. Wird Lorlatinib nicht von Beginn an eingesetzt, verlieren die Patienten die Chance, von der lang anhaltenden Progressionsfreiheit zu profitieren. Bis zu 42 % der Patienten mit ALK+ aNSCLC haben bereits bei Diagnosestellung Hirnmetastasen, innerhalb von 3 Jahren ist etwa die Hälfte aller Patienten betroffen [5–9]. Unter einer Behandlung mit Lorlatinib blieben nach 5 Jahren 92 % der Patienten ohne ZNS-Progression [2]. Selbst bei Vorliegen von Hirnmetastasen zu Therapiebeginn lag der Anteil ohne intrakranielle Progression bei 83 %, während er bei Patienten ohne Baseline-Metastasen 96 % betrug [2].

Lorlatinib

Die effektive ZNS-Kontrolle kann den Verzicht auf lokale Bestrahlungen bei Hirnmetastasen ermöglichen und eine Entlastung für Betroffene bedeuten. Auch kann sie vor neurologischen Einschränkungen schützen, kognitive Fähigkeiten länger erhalten und zu mehr Selbständigkeit und Lebensqualität beitragen.

Für den Erhalt der Lebensqualität und ein erfolgreiches Langzeitmanagement ist eine umfassende Aufklärung der Patienten vor Therapiebeginn essenziell. Durch proaktive Kommunikation während der Behandlung können mögliche Nebenwirkungen, wie metabolische Veränderungen oder ZNSEffekte, frühzeitig erkannt und adressiert werden [10].

Fazit

Lorlatinib in der Erstlinie eröffnet den Patienten die Perspektive auf mehr als 5 Jahre progressionsfreies Überleben und einen wirksamen Schutz vor ZNS-Progression. Da ein intrakranieller Progress die Prognose deutlich verschlechtert, stellt die hohe intrakranielle Wirksamkeit von Lorlatinib einen entscheidenden Vorteil dar und kann eine langfristige Krankheitskontrolle ermöglichen [11]. Voraussetzung dafür ist jedoch der frühe Einsatz, der über viele Jahre hinweg zu Stabilität, Sicherheit und Lebensqualität beitragen kann.

Fabian Sandner, Nürnberg

Literatur

1 Fachinformation Lorviqua®

2 Solomon BJ et al. J Clin Oncol 2024;42: 3400-3409

3 Shaw AT et al. N Engl J Med 2020; 383:2018-2029

4 Bauman JR et al. Lung Cancer 2024; 195:107919

5 Solomon BJ et al. Lancet Respir Med 2023;11:354-366

6 Jablonska PA et al. Cancers 2021;13:2141

7 Patil T et al. J Thorac Oncol 2018;13: 1717-1726

8 Rangachari D et al. Lung Cancer 2015; 88:108-111

9 Nardone V et al. Radiol Med (Torino) 2023;128:316-329

10 Pronsati N et al. Lung Cancer 2025; 206:108662

11 Wu A et al. Front Neurol 2022;13:806344

Lorlatinib (Lorviqua®) ist ein selektiver Inhibitor der ALK (anaplastische Lymphomkinase)-Tyrosinkinase und ROS1 (c-ros Onkogen 1)-Tyrosinkinase, die am Wachstum von Zellen und an der Entwicklung neuer Blutgefäße, die diese versorgen, beteiligt sind. Die Hemmung dieser Kinasen unterbricht ALK- und ROS1-abhängige Signalwege und verhindert dadurch das Wachstum von Tumorzellen, bei denen ALK und ROS1 überexprimiert sind. Als Drittgenerations-Tyrosinkinase-Inhibitor ist Lorlatinib so konzipiert, dass es auch dann noch wirksam ist, wenn Tumoren Resistenzen gegen frühere TKI-Generationen (wie Crizotinib, Alectinib oder Brigatinib) entwickelt haben. Lorlatinib kann die Blut-Hirn-Schranke überwinden und war in Studien auch bei Patienten wirksam, deren Krebs sich auf das Gehirn ausgebreitet hat. Lorlatinib als Monotherapie wird angewendet zur Behandlung erwachsener Patienten mit ALK-positivem, fortgeschrittenem nicht kleinzelligem Lungenkarzinom (NSCLC), die zuvor nicht mit einem ALKInhibitor behandelt wurden und deren Erkrankung fortgeschritten ist nach Alectinib oder Ceritinib als erste Therapie mit ALK-Tyrosinkinase-Inhibitoren oder Crizotinib und mindestens einem anderen ALK-TKI [1].

Stoboclo™ – ein neues Denosumab-Biosimilar

Mit Stoboclo™ als 60 mg/ml-Fertigspritze für die subkutane Injektion steht seit Dezember 2025 ein neues Denosumab-Biosimilar von Celltrion Healthcare zur Verfügung.

Das Präparat ist für sämtliche Indikationen des Referenzarzneimittels Prolia* zugelassen: zur Behandlung der Osteoporose bei postmenopausalen Frauen und Männern mit erhöhtem Frakturrisiko sowie bei Patienten mit Knochenschwund infolge Hormonablation oder langfristiger Glukokortikoidtherapie [1]. Mit einer deutlichen Preisdifferenz zum Originator stellt das Präparat eine kosteneffiziente Alternative für die Denosumab-Therapie dar.

Therapeutische Äquivalenz klinisch belegt

Der humane monoklonale Antikörper Denosumab bindet gezielt an den RANK-Liganden und hemmt so die Aktivierung osteoklastärer Zellen [1]. In der Folge kann der Knochenabbau reduziert und die Knochenstruktur gestärkt werden – ein zentraler therapeutischer Ansatz bei osteoporotischen Erkrankungen.

Die Zulassung von Stoboclo durch die Europäische Kommission im Februar 2025 basiert auf einer 18-monatigen randomisierten, doppelblinden Phase-IIIStudie mit 479 postmenopausalen Frauen mit Osteoporose, die die Wirksamkeit und Sicherheit des

* Prolia® ist eine eingetragene Marke von Amgen Inc.

Stoboclo™ (CT-P41)

Der aktive Wirkstoff von Stoboclo ist ein vollständig humaner monoklonaler IgG2-Antikörper, der gezielt an den Rezeptoraktivator des nukleären Faktors Kappa-B-Liganden (RANKL) bindet und dadurch dessen Interaktion mit dem RANK-Rezeptor auf der Oberfläche von Osteoklasten und deren Vorläuferzellen verhindert. Durch diese Blockade werden die Bildung und Aktivität der Osteoklasten gehemmt, wodurch der Knochenabbau reduziert und die Knochenstruktur gestärkt wird. Stoboclo ist als 60 mg/ml-Fertigspritze zur subkutanen Injektion verfügbar [1].

Biosimilars mit dem bereits zugelassenen Referenz-Denosumab verglich [2]. Primärer Wirksamkeitsendpunkt war die prozentuale Veränderung der Knochenmineraldichte der Lendenwirbelsäule (L1 bis L4) gegenüber dem Ausgangswert, gemessen mittels DXA in Woche 52.

Nach einem Jahr Therapie zeigte sich eine Zunahme der Knochenmineraldichte (BMD) der Lendenwirbelsäule um 5,49 % unter Stoboclo und um 5,66 % unter dem Referenzpräparat. Bis Woche 78 stieg die BMD unter fortgesetzter Stoboclo-Gabe auf 6,86 %, nach Wechsel vom Referenzpräparat auf 7,05 %. Damit lag die mittlere Differenz klar innerhalb der vordefinierten Äquivalenzmarge. Auch an Gesamthüfte und Femurhals waren die Ergebnisse in beiden Behandlungsarmen vergleichbar. Neue vertebrale oder nonvertebrale Frakturen traten nur vereinzelt auf [2].

Das pharmakokinetische und sicherheitsrelevante Profil entsprach dem des Biooriginators. Die Fläche unter der Effektkurve des Knochenumsatzmarkers s-CTX lag mit einem geometrischen Mittelwertverhältnis von 94,9 % im Äquivalenzbereich, neutralisierende Antikörper wurden nicht beobachtet. Die Häufigkeit unerwünschter Ereignisse war in beiden Studien-

armen ähnlich, die meisten waren mild bis moderat ausgeprägt [2].

Neues Biosimilar erweitert das Celltrion-Portfolio

Mit der Einführung von Stoboclo erweitert Celltrion Healthcare sein Biosimilar-Portfolio um eine bewährte und wirtschaftliche Option für die Osteoporose-Behandlung. Das Präparat wird als 60 mg/mlFertigspritze zur subkutanen Injektion angeboten und trägt dazu bei, den Zugang zu modernen antiresorptiven Therapien weiter zu verbessern. Vor diesem Hintergrund ist auch die Preisgestaltung relevant: Stoboclo™ weist im Apothekenverkaufspreis einen Preisvorteil von 70 % gegenüber Prolia® auf und bietet damit eine kosteneffiziente Option für die Denosumab-Therapie**.

S. M.

Literatur

1 Fachinformation Stoboclo™, aktueller Stand

2 Reginster J-Y et al. Efficacy and safety of candidate biosimilar CT-P41 versus reference denosumab: a double-blind, randomized, active-controlled, Phase 3 trial in postmenopausal women with osteoporosis. Osteoporos Int 2024;35:1919-1930

** Außerhalb von Rabattverträgen. LauerTaxe (Stand: 1.12.2025)

Wie der Fortschritt der Präzisionsonkologie die Versorgung beim Multiplen Myelom verändert

„Zusammen – gezielt – zukunftsfähig“ lautete das Motto des diesjährigen Deutschen Krebskongresses (DKK) vom 18. – 21. Februar in Berlin. Zusammenarbeit ist ein zentrales Thema bei der Frage, wie neue präzisionsmedizinische Therapieoptionen die Behandlung komplexer Erkrankungen verbessern können. In einer Presseveranstaltung von Johnson & Johnson diskutierten Experten aus Klinik und Praxis über das Zusammenspiel zwischen wissenschaftlichen Erkenntnissen, Versorgungsstrukturen und dem klinischen Alltag am Beispiel des Multiplen Myeloms (MM) und der CAR-T-Zelltherapie.

Überlebensvorteil durch den frühen Einsatz der CAR-T-Therapie mit Cilta-cel

Die Entwicklungen bei der Behandlung des Multiplen Myeloms zeigen, welche Chancen in zielgerichteten Ansätzen liegen. Ein Beispiel ist die CAR-T-Therapie mit Cilta-cel (Carvikti®). Die von Professor Igor-Wolfgang Blau, Berlin, vorgestellten Daten der As-Treated-Population (n = 176) der Studie CARTITUDE-4 – der ersten Phase-III-Studie mit einer CAR-T-Zelltherapie nach ≥1 Vortherapie beim Multiplen Myelom –zeigten, dass fast alle Patienten auf die Therapie ansprachen: 99,4 % erreichten ein Gesamtansprechen (ORR, Overall Response Rate) und 90,9 % erreichten nach einmaliger Cilta-cel-Gabe ein Komplettansprechen (CR, Complete Response) oder besser. In der As-Treated-

Population waren 2,5 Jahre nach der einmaligen Cilta-cel-Infusion 84,3 % der Patienten noch am Leben und 68,4 % progressions- und damit therapiefrei.

Ein früher Einsatz von Cilta-cel, insbesondere nach 1 – 2 Vortherapien, ist dabei im Vergleich zu späteren Therapielinien mit einem längeren Gesamtüberleben (OS) assoziiert. Biomarker-Daten deuten auf eine Korrelation von guter Immunfitness mit stärkeren Immunantworten und einem längeren progressionsfreien Überleben (PFS) und OS bei frühem Einsatz bereits nach 1 – 2 Vortherapien hin. Auch das Nutzen-Risiko-Profil der CARTITUDE-4-Studie konnte – durch RWE-Daten gestützt –überzeugen. Hervorzuheben waren dabei die vergleichbare Häufigkeit von unerwarteten Ereignissen (UEs) vs. Standard of Care (SOC) und wenige Grad 5-UEs, ein frühes Auftreten und ein überwiegend reversibler Verlauf von CRS (Zytokin - Freisetzungssyndrom), ICANS (Immuneffektorzell-assoziiertes Neurotoxizitätssyndrom) und anderen neurologischen UEs, eine geringere Häufigkeit und Schwere von Nebenwirkungen bei frühem Einsatz sowie insgesamt eine verbesserte Lebensqualität durch Cilta-cel versus SOC.

Eignung für eine Therapie mit Cilta-cel

Eine wichtige Rolle für den Erfolg der Therapie mit Cilta-cel spielen die zuweisenden Behandler und Hämatoonkologen, über die Dr. med. Stephan Fuhrmann, Berlin, Einblicke aus der Praxis gab. Zu den Erfolgsfaktoren gehören eine frühzeitige Vorstellung der Patienten im Zentrum zur Prüfung auf Eignung für eine Cilta-cel-

Therapie bereits im 1. Rezidiv, die Beachtung der Washout-Periode vor Leukapherese im Hinblick auf vorherige Erhaltungstherapien, um die T-Zell-Fitness zu maximieren, die Relevanz eines effektiven Bridging und einer geringen Tumorlast vor Infusion als Teil der Cilta-cel-Therapie.

Die Eignung von Patienten für eine Therapie mit Cilta-cel ist unabhängig von Alter, Transplantationseignung, Tumorlast oder ISS-Stadium sowie CD38-Vorbehandlung. Zudem unterstützen Daten den Einsatz bei verschiedensten Patientenprofilen, bei fitten Patienten mit Standardrisiko-Zytogenetik, Patienten mit Hochrisiko-Zytogenetik, Patienten mit funktionellem Hochrisiko und EMD und auch bei fragilen Patienten. Zugelassen ist die Behandlung für erwachsene Patienten mit rezidiviertem und refraktärem Multiplen Myelom, die bereits mindestens eine vorherige Therapie erhalten haben, darunter ein Proteasom-Inhibitor sowie ein Immunmodulator, und die während der letzten Therapie eine Krankheitsprogression zeigten und gegenüber Lenalidomid refraktär sind.

Während Forschung und Entwicklung in der Onkologie weiter voranschreiten, ist ein gutes Zusammenspiel der Ärzte in Praxis und Kliniken unerlässlich, damit möglichst jeder Patient die richtige Therapie zum richtigen Zeitpunkt erhält. Neben Wirksamkeit spielen Lebensqualität und andere Faktoren mit Blick auf die individuellen Therapieziele der Betroffenen eine Rolle. Forschende Pharmaunternehmen wie Johnson & Johnson arbeiten daran, die für Patienten verfügbaren Therapieoptionen stetig zu optimieren.

Elisabeth Wilhelmi, München

Auf dem diesjährigen Kongress der Augenärztlichen Akademie Deutschland (AAD) stand ein bedeutender Meilenstein in der Therapie retinaler Erkrankungen im Fokus: Aflibercept 8 mg (Eylea® 8 mg, 114,3 mg/ ml Injektionslösung). Der Wirkstoff ist seit Januar in Deutschland auch zur Behandlung von Patienten mit Visusbeeinträchtigung aufgrund eines Makulaödems infolge eines retinalen Venenverschlusses (RVV) einschließlich Venenast-, Zentralvenen- und Hemi-Zentralvenenverschluss zugelassen [1]. Der VEGF-Inhibitor in vierfach höherer molarer Dosis hat sich bereits seit über 2 Jahren im klinischen Alltag als wirksame Therapieoption mit hoher Flexibilität in der Behandlung der neovaskulären altersabhängigen Makuladegeneration (nAMD) und dem diabetischen Makulaödem (DMÖ) etabliert. Mit der aktuellen Zulassungserweiterung eröffnen sich zusätzliche Möglichkeiten für eine individuelle und effiziente IVOM-Therapie, bei der das Medikament direkt in den Glaskörper injiziert wird.

Im Rahmen des Bayer-Symposiums auf der AAD präsentierten die Retina-Experten Professor LarsOlof Hattenbach (Ludwigshafen), PD Jeany Q. Lammert (Köln) und Dr. Matthias Elling (Düsseldorf) überzeugende Studiendaten für alle 3 Indikationen. Entsprechend positiv fiel ihr Fazit aus: In allen 3 Indikationen ermöglicht Eylea®

Aflibercept 8 mg jetzt für 3 Indikationen einsetzbar: bei nAMD, DMÖ und RVV

8 mg starke und anhaltende Visusgewinne, eine schnelle und stabile Krankheitskontrolle sowie flexible Behandlungsintervalle – und dies bei bewährtem Sicherheitsprofil [2, 3, 4].

Lange Wirkdauer und anhaltend starke Visusgewinne

Basis für die Zulassung bei RVV waren die positiven Ergebnisse der doppelt maskierten, aktiv kontrollierten klinischen Phase-III-Studie QUASAR [2]. Diese verglich über den Zeitraum von 64 Wochen bei über 800 nicht vorbehandelten Patienten mit Makulaödem infolge eines RVV einschließlich Zentralvenenverschluss (ZVV), Venenastverschluss (VAV) und HemiZentralvenenverschluss (HZVV) die Behandlung mit Aflibercept 8 mg alle 8 Wochen (nach initialem Upload mit 3 oder 5 monatlichen Injektionen) mit der monatlichen Behandlung mit dem bewährten Vorgängerpräparat Aflibercept 2 mg.

Primärer Endpunkt war die Veränderung der bestkorrigierten Sehschärfe (best corrected visual acuity, BCVA), gemessen anhand des ETDRS-Buchstaben Scores (ETDRS, Early treatment of diabetic retinopathy study), vom Studienbeginn bis zur Woche 36. Wichtigster sekundärer Endpunkt war die Anzahl der Injektionen [2]. Nach 36 Wochen erreichte Afliber-

cept 8 mg seinen primären Endpunkt und zeigte eine bedeutsame Visusverbesserung bei Nicht-Unterlegenheit gegenüber dem Vorgängerpräparat. Die erzielten Visusgewinne blieben bis Woche 64 stabil: Im Aflibercept 8 mg-Arm mit 3er-Upload erreichten die Patienten im Mittel +17,8 Buchstaben (vs. +17,3 Buchstaben unter Aflibercept 2 mg). Auch die Netzhautdicke nahm unter Aflibercept 8 mg rasch ab und blieb bis Woche 64 auf einem vergleichbaren Niveau wie unter dem Vorgängerpräparat. Gleichzeitig war die Injektionszahl im Aflibercept 8 mg-Arm mit 3erUpload bis Woche 64 mit im Mittel 8,5 Injektionen vs. 11,7 Injektionen signifikant geringer als im Aflibercept 2 mg-Arm (–3,2 Injektionen; p < 0,0001). Außerdem erreichten bis Woche 64 9 von 10 Patienten im Aflibercept 8 mg-Arm mit 3erUpload ein zuletzt zugewiesenes Behandlungsintervall von ≥12 Wochen [2].

Das Sicherheitsprofil entsprach den etablierten 3-Jahres-Sicherheitsprofilen der zulassungsrelevanten Studien zu nAMD (PULSAR) und DMÖ (PHOTON). Neue Nebenwirkungen traten nicht auf [3, 4]. Maßgeblich für die Zulassung waren die Daten von Aflibercept 8 mg mit 3 initialen monatlichen Injektionen. Entsprechend wurden die Behandlungsempfehlungen mit initial 3 monatlichen Injektionen in der Fachinformation denen bei nAMD und DMÖ angepasst.

Retinaler Venenverschluss

Der retinale Venenverschluss (RVV) ist eine chronische Erkrankung, von der zurzeit weltweit 28 Millionen Erwachsene betroffen sind und die zu einem plötzlichen und schnellen Sehverlust führen kann. Es gibt 2 Haupttypen des retinalen Venenverschlusses: den Zentralvenenverschluss (ZVV) und den Venenastverschluss (VAV). Der ZVV wird durch den Verschluss der Hauptvene in der Netzhaut verursacht. Zu einem VAV kommt es, wenn die kleineren Venen der Netzhaut blockiert sind. Dies tritt bis zu 6-mal häufiger auf als der ZVV. Von einem Hemi-Zentralvenenverschluss (Hemi-ZVV) spricht man, wenn eine Stammvene verschlossen ist, die eine Netzhauthälfte versorgt.

Ein RVV führt zu einer verminderten Sauerstoffzufuhr zur Netzhaut, sodass die Ausschüttung des vaskulären endothelialen Wachstumsfaktors (VEGF) und des Plazenta-Wachstumsfaktors (PlGF) erhöht wird. Aufgrund der blockierten Vene können Flüssigkeit und Blut in die Netzhaut eindringen und Schwellungen und Blutungen der Makula verursachen, dem Teil des Auges, der für das scharfe Sehen und Erkennen feiner Details verantwortlich ist. Diese Schwellung wird als Makulaödem bezeichnet.

Aflibercept, das direkt in das Auge injiziert wird, unterdrückt die Aktivität von VEGF und PlGF und trägt dazu bei, das Gefäßwachstum zurückzudrängen und den Flüssigkeitsaustritt aus Blutgefäßen der Netzhaut zu verhindern. So kann die Sehschärfe bei wiederholter Anwendung stabilisiert und in vielen Fällen wieder verbessert werden [1].

„Die Indikationserweiterung für Eylea® 8 mg ist sehr erfreulich. Damit steht nun – zusätzlich zu nAMD und DMÖ – auch für Patienten mit RVV eine sehr gute neue Therapieoption zur Verfügung, um bei bewährter Sicherheit eine rasche und anhaltende Krankheitskontrolle mit guten Visusergebnissen zu erreichen und die Behandlungslast zu reduzieren“, fasste Hattenbach zusammen, der die Daten der QUASAR-Studie präsentierte.

Aflibercept 8 mg überzeugt im klinischen Alltag

Auch für die Indikationen nAMD und DMÖ bestätigen die Erfahrungen aus dem klinischen Alltag

starke Visusgewinne bei gleichzeitig langer Wirkdauer und untermauern so die Studienergebnisse zu Aflibercept 8 mg weiter [3,4].

Wie Lammert und Elling anhand eigener Erfahrungen und Fallbeispiele eindrucksvoll aufzeigten, lassen sich bei vielen Patienten im klinischen Alltag mit Aflibercept 8 mg eine rasche und anhaltende Krankheitskontrolle sowie gute funktionelle Ergebnisse erreichen. Zugleich ermöglicht Aflibercept 8 mg bei bewährtem Sicherheitsprofil eine flexible, an den individuellen Bedarf angepasste Therapie – für eine adäquate und effiziente Patientenversorgung. „Dabei ist im klinischen Alltag die lang anhaltende Wirksamkeit ein entscheidender Vorteil, denn dadurch wissen wir die Patienten

selbst bei zwischenzeitlich längeren Abwesenheiten gut versorgt“, betonte Lammert. Oftmals können Patienten Injektionstermine aufgrund eingeschränkter Mobilität, Komorbiditäten, beruflicher Verpflichtungen oder Reisetätigkeit nicht wie geplant wahrnehmen und riskieren durch die Unterbrechung zumindest vorübergehende Visusverluste. Hier kann die Behandlung mit Aflibercept 8 mg bei Patienten aller Altersgruppen mehr Sicherheit bieten. „Nach unserer Erfahrung können im klinischen Alltag sowohl therapienaive als auch vorbehandelte Patienten von Aflibercept 8 mg profitieren. Bei vergleichbarer Wirksamkeit und bewährter Sicherheit lässt sich die Therapie noch individueller an den Behandlungsbedarf und die Lebenssituation unserer Patienten anpassen. Das kann die Zufriedenheit erhöhen und die Adhärenz unterstützen“, unterstrich Elling. Fabian Sandner, Nürnberg

Literatur

1 Fachinformation Eylea® 114,3 mg/ml Injektionslösung / Eylea® 114,3 mg/ml Injektionslösung in einer Fertigspritze; Stand: Januar 2026

2 Gale R. Aflibercept 8 mg in retinal vein occlusion: Primary endpoint results from the QUASAR study. Presented at the Angiogenesis Meeting 2025, Virtual Edition, February 8, 2025

3 Wong TY. Three-year outcomes of aflibercept 8 mg in nAMD: Safety and efficacy results from the PULSAR extension study. Presented at the Angiogenesis Meeting 2025, Virtual Edition, February 8, 2025

4 Do DV. Aflibercept 8 mg in DME: Key results from the PHOTON extension study. Presented at the American Academy of Ophthalmology Annual Meeting. 18–21 October 2024

In Deutschland ist die chronische lymphatische Leukämie (CLL) die häufigste Form hämatologischer Neoplasien im Erwachsenenalter [1]. In der Erst- wie auch in der Rezidivtherapie der CLL kommen zunehmend chemotherapiefreie, zielgerichtete Behandlungsstrategien zum Einsatz [1]. Mit der Zulassung von BrutonTyrosinkinase-Inhibitoren (BTKi) haben sich die therapeutischen Möglichkeiten grundlegend erweitert und die CLL-Patienten profitieren von einer deutlich verbesserten Prognose.

Eine Herausforderung in der Therapie mit kovalenten BTKi (cBTKI, Ibrutinib, Acalabrutinib, Zanubrutinib) [2] stellt jedoch die Bildung von Resistenzmutationen infolge der irreversiblen Bindung an das BTK-Protein dar [3]. Mit Pirtobrutinib (Jaypirca®) steht der erste und einzige nicht-kovalente BTKi zur Behandlung erwachsener CLL-Patienten bei rezidivierendem oder refraktärem Verlauf und Progress unter einem kovalenten BTKi (cBTKi) zur Verfügung [4]. Die unter einem cBTKi auftretende Resistenzen können mit Pirtobrutinib überwunden und die BTKHemmung kann wirksam und in der Regel gut verträglich fortgesetzt werden [3, 5, 6, 7]. Entspre-

Chronische lymphatische Leukämie (CLL):

Head-to-Head-Vergleich

zeigt Nichtunterlegenheit von Pirtobrutinib gegenüber Ibrutinib

chend spricht sich die OnkopediaLeitlinie zur Therapie der CLL in ihrem jüngsten Update für eine Therapie mit Pirtobrutinib oder die kombinierte Gabe von Venetoclax + Rituximab nach Progress unter einem cBTKi in der Erstlinie aus –unabhängig davon, ob der cBTKi als Monotherapie oder als Kombinationstherapie gegeben wurde [1].

BRUIN CLL-314 vergleicht erstmalig nicht-kovalenten BTKi Pirtobrutinib mit kovalentem BTKi Ibrutinib in der Erstlinie

Auf der Jahrestagung der American Society of Hematology

Pirtobrutinib

(ASH) in Orlando (USA) wurden Ergebnisse der Phase-III-Studie BRUIN CLL-314 vorgestellt, die die Wirksamkeit des nicht-kovalenten BTKi Pirtobrutinib (Jaypirca®) bei Therapie- und BTKinaiven CLL-Patienten erstmalig im Head-to-Head-Vergleich mit dem bisherigen Standard, dem kovalenten BTKi Ibrutinib, untersuchte [8].

In die randomisierte, offene Phase-III-Studie BRUIN CLL-314 wurden 662 Patienten (Intent-totreat-Population: 225 Therapienaive CLL-Patienten und 437 cBTKi-naive r/r CLL-Patienten) eingeschlossen. Sie erhielten 1:1 randomisiert entweder einmal täg-

Pirtobrutinib (Jaypirca®) ist der erste und einzige nicht-kovalente (reversible) Bruton-Tyrosinkinase-Inhibitor (BTKi) für die Behandlung von erwachsenen Patienten mit rezidivierter oder refraktärer CLL (r/r CLL), die zuvor mit einem kovalenten BTKi (cBTKi) behandelt wurden [4]. Die Zulassung erfolgte im März 2025 und basiert auf den Ergebnissen der Phase-III-Studie BRUIN CLL-321, in der das progressionsfreie Überleben (PFS) als primärer Endpunkt bei in der Regel guter Verträglichkeit signifikant verlängert werden konnte [10]. Im September 2025 wurde Pirtobrutinib in der OnkopediaLeitlinie CLL als wichtige Therapieoption post BTKi zusätzlich zu Venetoclax +/– Rituximab aufgenommen, unabhängig davon ob cBTKi in der Erstlinie als Mono- oder Kombinationstherapie gegeben wurden [8].

BTK-Inhibition und innovativer Wirkmechanismus

Die Effektivität von BTK-Inhibitoren (BTKi) beruht auf der gezielten Hemmung des B-Zell-Rezeptor-(BCR)-Signalwegs, der eine Schlüsselrolle bei der Entwicklung, Differenzierung, Signalweiterleitung und dem Überleben von B-Lymphozyten einnimmt. Pirtobrutinib bindet reversibel und unabhängig von bekannten Mutationen mit hoher Selektivität an der ATP (Adenosintriphosphat)-Bindungstasche des BTK-Proteins [3, 6, 7]. Es hemmt sowohl die Wildtyp-BTK als auch die BTK mit bekannten Mutationen (v.a. C481-Mutationen) [4, 7]. Unter einem cBTKi (Ibrutinib, Acalabrutinib, Zanubrutinib) auftretende Resistenzen können mit Pirtobrutinib überwunden und die Therapie mit oraler Einnahme und einfachem Dosierschema (1x täglich 2 Tabletten [gesamt 200 mg]) post BTKi fortgeführt werden [3, 4, 5, 7, 11].

BTK-Protein

ATPBindungsstelle C481

BTK-Protein

ATPBindungsstelle C481

Ibrutinib

Kovalenter BTK-Inhibitor

ten Behandlung oder bis zum Tod (TTNT), das Gesamtüberleben (OS), das Nebenwirkungsprofil sowie patientenberichtete Endpunkte (PROs) [8].

Pirtobrutinib ist der IbrutinibTherapie nicht unterlegen

Nicht-kovalenter BTK-Inhibitor

Die Studie erreichte ihren primären Endpunkt: Die PirtobrutinibTherapie erwies sich hinsichtlich der ORR im Vergleich zu Ibrutinib als nicht unterlegen in der ITT-Population der Therapie- und cBTKinaiven CLL-Patienten. Numerisch konnte mit Pirtobrutinib zudem eine höhere ORR im Vergleich zu Ibrutinib erzielt werden (87,0 % [95%-KI: 82,90 – 90,44] vs. 78,5 % [95%-KI: 73,73 – 82,85]; p < 0,0001) [8].

lich oral 200 mg Pirtobrutinib oder 420 mg Ibrutinib [8].

Primärer Studienendpunkt war die durch ein verblindetes, unabhängiges Prüfungskomitee (IRC) bestätigte Nichtunterlegenheit von Pirtobrutinib gegenüber Ibrutinib

Pirtobrutinib

Pirtobrutinib bindet reversibel und unabhängig von C481 sowohl an Wildtyp-BTK als auch an BTK mit erworbenen C481-Mutationen.

Aus den pharmakologischen Eigenschaften von Pirtobrutinib ergeben sich weitere Vorteile: So zeigt Pirtobrutinib eine 300-fach höhere Selektivität für die BTK als für andere Kinasen, sodass unerwünschte Off-target-Effekte reduziert sind [6]. Außerdem erreicht Pirtobrutinib bei gesunden Probanden eine hohe BTK-inhibitorische Konzentration von 96 % im Verabreichungsintervall und besitzt eine lange Halbwertszeit von ca. 19 Stunden sowie eine hohe absolute Bioverfügbarkeit von 85,5 % [4, 6]. Daraus resultiert, dass Pirtobrutinib nur einmal täglich genommen werden muss.

bei der ORR. Zu den durch einen Prüfarzt und das IRC beurteilten sekundären Endpunkten zählten das progressionsfreie Überleben (PFS), die Dauer des Ansprechens (DoR), das ereignisfreie Überleben (EFS), die Zeit bis zur nächs-

Der ORR-Vorteil zeigte sich über alle eingeschlossenen Subgruppen inklusiv derer mit bestehenden Hochrisikofaktoren wie einer Deletion im Chromosom 17p, einem komplexen Karyotyp und/oder einem unmutierten IGHV (variable Segmente der ImmunglobulinSchwerketten)-Status [8].

Die PFS-Werte* lassen ebenfalls einen Trend zugunsten der Pirtobrutinib-Therapie über alle eingeschlossenen Patienten der ITTPopulation hinweg erkennen (HR: 0,569; 95%-KI: 0,388 – 0,834). Besonders deutlich fiel der Effekt bei den Therapie-naiven Patienten aus, bei denen sich das Risiko für ein PFS-Event (Progress oder Tod) unter Pirtobrutinib um 76 % reduzierte (HR: 0,239; 95%-KI: 0,098 – 0,586). Beim OS konnten keine therapierelevanten Unterschiede festgestellt werden (HR: 0,961; 95%-KI 0,55 – 1,69) [8].

* Daten zum Zeitpunkt der Präsentation unreif.

Keine zusätzlichen Sicherheitssignale

Das Nebenwirkungsprofil von Pirtobrutinib in der BRUIN CLL314-Studie war konsistent mit den zuvor in der BRUIN CLL-321 und der Phase-I/II-BRUIN-Studie beobachteten Sicherheitssignalen [9, 10, 11]. Auch zwischen den einzelnen Subgruppen zeigten sich keine auffälligen Unterschiede. Verglichen mit Ibrutinib traten die meisten der beobachteten unerwünschten Ereignisse (UE) unter Pirtobrutinib seltener auf, einschließlich Vorhofflimmern (2,4 % vs. 12,6 %) und Bluthochdruck (10,6 % vs. 15,1 %). Zudem kam es unter Pirtobrutinib zu weniger UE-bedingten Dosisreduktionen (7,9 % vs. 18,2 %) und Therapieabbrüchen (9,4 % vs. 10,8 %) [8].

BRUIN CLL-313 zeigt deutliche Überlegenheit gegenüber der Chemo-Immuntherapie

Im Rahmen einer Late-breakingPräsentation wurden auch die Daten der prospektiven randomisierten Phase-III-Studie BRUIN CLL-313 vorgestellt. Diese untersuchte die Wirksamkeit von Pirtobrutinib im Vergleich zur Chemo-Immuntherapie (Benda-

mustin + Rituximab) bei Therapienaiven CLL-Patienten mit 17p-Deletion (n = 282) [11].

Pirtobrutinib erreichte den primären Studienendpunkt, das IRC-bewertete PFS: Nach einem medianen Follow-up von 28,1 Monaten zeigte sich unter Pirtobrutinib statistisch signifikant ein um 80 % reduziertes Risiko für Progress oder Tod (HR: 0,20; 95%-KI: 0,11 – 0,37) verglichen mit Bendamustin + Rituximab [11]. Das Nebenwirkungsprofil war konsistent mit den bisher beobachteten Ergebnissen aus anderen Studien.

Fazit

Die beim ASH 2025 vorgestellten Ergebnisse der beiden Studien BRUIN CLL-314 und BRUIN CLL-313 unterstreichen die Wirksamkeit der Pirtobrutinib-Therapie in der Behandlung der CLL bereits ab der ersten Therapielinie.

Brigitte Söllner, Erlangen

Literatur

1 Wendtner CM et al. Chronische Lymphatische Leukämie (CLL). Onkopedia Leitlinie, Stand: September 2025

2 Wen T et al. Inhibitors targeting Bruton’s tyrosine kinase in cancers: drug develop-

ment advances. Leukemia. 2021;35:312332

3 Aslan B et al. Pirtobrutinib inhibits wildtype and mutant Bruton’s tyrosine kinase-mediated signaling in chronic lymphocytic leukemia. Blood Cancer J. 2022; 12:80

4 Fachinformation Jaypirca®, aktueller Stand

5 Sharman JP et al. Phase III trial of pirtobrutinib versus idelalisib/rituximab or bendamustine/rituximab in covalent bruton tyrosine kinase inhibitor-pretreated chronic lymphocytic leukemia/small lymphocytic lymphoma (BRUIN CLL-321).

J Clin Oncol 2025;43:2538-2549

6 Mato AR et al. Pirtobrutinib in relapsed or refractory B-cell malignancies (BRUIN): a phase 1/2 study. Lancet 2021; 397:892-901

7 Gu D et al. Targeting bruton tyrosine kinase using non-covalent inhibitors in B cell malignancies. J Hematol Oncol 2021; 14:40

8 Wendtner CM et al. Chronische Lymphatische Leukämie (CLL). Onkopedia Leitlinie, Stand: September 2025

9 Woyach JA et al. Pirtobrutinib versus ibrutinib in treatment-naïve and relapsed/ refractory chronic lymphocytic leukemia/ small lymphocytic lymphoma JCO; December 7, 2025

10 Sharman JP et al. Phase III trial of pirtobrutinib versus idelalisib/rituximab or bendamustine/rituximab in covalent bruton tyrosine kinase inhibitor-pretreated chronic lymphocytic leukemia/small lymphocytic lymphoma (BRUIN CLL-321).

J Clin Oncol 2025;43:2538-2549

11 Mato AR et al. Pirtobrutinib in relapsed or refractory B-cell malignancies (BRUIN): a phase 1/2 study. Lancet 2021; 397:892-901

12 Jurczak W, et al. BRUIN CLL-313: Randomized phase III trial of pirtobrutinib versus bendamustine plus rituximab in untreated patients with chronic lymphocytic leukemia/small lymphocytic lymphoma. JCO; December 7, 2025

Für die Behandlung von Patienten mit Psoriasis-Arthritis (PsA) mit Biologika nach unzureichendem Ansprechen auf TNF-Inhibitoren fehlte bislang der direkte Vergleich der Therapieoptionen. Die AgAIN-Studie*, die erste Studie zum direkten Vergleich von Secukinumab (Cosentyx®; IL-17A-Hemmung) und Ustekinumab (Stelara®, IL-12/IL23-Hemmung) bei Patienten mit aktiver PsA nach TNF-InhibitorTherapie, schließt diese Lücke. Die Ergebnisse dieses Head-toHead-Vergleichs präsentierte Professor Frank Behrens, Frankfurt am Main, auf der American College of Rheumatology (ACR) Convergence 2025.

Studiendesign

Die randomisierte, doppelblinde, aktiv-kontrollierte Phase-IIIbStudie, die an 28 Studienzentren in Deutschland durchgeführt wurde, schloss 119 Patienten ein. Die Studienteilnehmer erfüllten eine PsA-Diagnose nach den CASPARKriterien (Classification Criteria for Psoriatic Arthritis), die mindestens 6 Monate vor Randomisierung bestand. Darüber hinaus hatten sie zu Studienbeginn eine aktive PsA, definiert als mindestens 3 druckschmerzhafte Gelenke von 68 Gelenken sowie mindestens 3 geschwollene Gelenke von 66. Weitere Einschlusskriterien waren ein unzureichendes Ansprechen oder eine Unverträglichkeit gegenüber

* Die Studie wurde nach einem vorzeitigen Rekrutierungsstopp erfolgreich abgeschlossen und es erfolgte eine deskriptive Analyse der vergleichenden Wirksamkeit und Sicherheit. Die Ergebnisse für den primären Endpunkt (HAQ-DI©) zeigten trotz kleinerer Stichprobe numerische Signifikanz. Damit liegt der beobachtete Unterschied über den ursprünglich kalkulierten Erwartungen.

AgAIN-Studie zeigt: Secukinumab ist nach TNFInhibitor-Versagen bei

Psoriasis-Arthritis besser wirksam als Ustekinumab

mindestens einem TNF-Inhibitor sowie die Diagnose einer aktiven Plaque-Psoriasis mit mindestens einer psoriatischen Plaque von ≥2 cm Durchmesser und/oder Nagelveränderungen und/oder eine dokumentierte Plaque-Psoriasis in der Vorgeschichte. Primärer Studienendpunkt war die Veränderung des Health Assessment Questionnaire – Disability Index (HAQ-DI©) nach 28 Wochen Behandlung mit Secukinumab bzw. Ustekinumab.

Doppelt so hohe Ansprechrate im HAQ-DI© unter Secukinumab

Die Analyse des primären Studienziels HAQ-DI© zeigte nach 28 Wochen einen numerisch signifikanten Unterschied zwischen den Gruppen: Unter Secukinumab erreichten 57,1 % der Patienten eine klinisch relevante Verbesserung (HAQ-DI© Response) und unter Ustekinumab 27,0 % (Odds Ratio: 3,647; 95%-KI: 1,601 – 8,311; p = 0,002). Das entspricht einem absoluten Unterschied von 30 Prozentpunkten – das heißt, 30 % mehr Patienten erreichten eine klinisch relevante Verbesserung ihrer Funktionalität und Lebensqualität.

Deutliche Vorteile bei Gelenk- und Hautbeteiligung

Die Wirksamkeit von Secukinumab zeigt sich durchgehend auch in den sekundären Endpunkten für muskoloskelettale und kutane Manifestationen:

• Gelenkbeteiligung: 48,2 % der mit Secukinumab behandelten Patienten erreichten eine ACR50-Response gegenüber 23,8 % unter Ustekinumab.

• Hautbeteiligung: Bei 37,5 % der Patienten unter Secukinumab heilten die Hautläsionen völlig ab (PASI 100) im Vergleich zu 27 % unter Ustekinumab.

Bessere Linderung von

Schmerzen

und Fatigue

Numerische Unterschiede zwischen Secukinumab und Ustekinumab ergaben sich auch bei Endpunkten, die den Alltag der Betroffenen unmittelbar beeinflussen: Eine klinisch relevante Schmerzreduktion (Verbesserung von ≥15 mm auf VAS) erreichten 69,6 % der mit Secukinumab behandelten Patienten gegenüber 44,4 % unter Ustekinumab. Und eine klinisch relevante Verbesserung der oft besonders belastenden

Secukinumab

Secukinumab (Cosentyx®) ist ein vollhumaner, monoklonaler Antikörper, der direkt gegen Interleukin (IL)-17A gerichtet ist. Das Zytokin IL-17A ist an Entzündungsprozessen und der Entstehung von Plaque-Psoriasis, Psoriasis-Arthritis (PsA), axialer Spondyloarthritis (axSpA) und Hidradenitis suppurativa (HS) beteiligt.

Secukinumab ist seit 10 Jahren für mittlerweile 8 Indikationen zugelassen und verfügt über umfangreiche klinische Evidenz in allen Indikationen: Dazu zählen die mittelschwere bis schwere PlaquePsoriasis, pädiatrische mittelschwere bis schwere Plaque-Psoriasis, mittelschwere bis schwere HS, PsA, nicht-röntgenologische axSpA (nr-axSpA), ankylosierende Spondylitis (AS, r-axSpA) sowie die Enthesitis-assoziierte Arthritis (EAA) und juvenile Psoriasis-Arthritis (JPsA), zwei Unterformen der juvenilen idiopathischen Arthritis (JIA).

Fatigue (FACIT-Fatigue Fragebogen) berichteten 71,4 % im Vergleich zu 50,8 %.

Deutlich höhere Therapietreue

Auch Die Therapietreue war unter Secukinumab numerisch höher: 96,4 % der Patienten schlossen die 28-wöchige Behandlung ab gegenüber 74,6 % unter Ustekinumab. Unter Ustekinumab war mangelnde Wirksamkeit bei 6 Patienten der Hauptgrund für einen Therapieabbruch, im Gegensatz dazu brach nur ein Patient aus diesem Grund die Therapie unter Secukinumab ab. Diese hohe Persistenz unterstreicht nicht nur die Wirksamkeit, sondern auch die Akzeptanz der Therapie durch die Patienten.

Etabliertes Sicherheitsprofil bestätigt

Die Sicherheitsanalyse entsprach den etablierten Sicherheitsprofilen beider Substanzen. Behandlungsbedingte unerwünschte Ereignisse

traten bei 76,8 % (Secukinumab) vs. 81,0 % (Ustekinumab) auf. Studienabbrüche aufgrund behandlungsbedingter unerwünschter Ereignisse waren unter Secukinumab bedeutend seltener (3,6 % vs. 12,7 %).

Es traten keine Todesfälle auf und es wurden keine neuen Sicherheitssignale identifiziert.

Fazit

„Die Studienergebnisse zeigen, dass Secukinumab nicht nur objektive Parameter der Krankheitsaktivität bezüglich der Gelenk- und Hautbefunde verbessern kann, sondern auch Schmerzen, Fatigue und Einschränkungen in der Funktionalität, die die Patienten im Alltag wirklich belasten. Diese umfassende Wirksamkeit ist ein wichtiger Vorteil sowohl für die Krankheitskontrolle als auch für die Lebensqualität der Betroffenen“, fasste Professor Behrens zusammen.

Brigitte Söllner, Erlangen

Der gegen PD-1-gerichtete monoklonale Antikörper Retifanlimab (Zynyz®) wurde von der EMA für 2 Indikationen zugelassen:

• im Frühjahr 2026 in Kombination mit Carboplatin und Paclitaxel (platinbasierte Chemotherapie) zur Erstlinienbehandlung von erwachsenen Patienten mit metastasiertem oder inoperablem lokal rezidivierendem Plattenepithelkarzinom des Analkanals (SCAC) [1].

• im April 2024 in der EU als Monotherapie zur Erstbehandlung erwachsener Patienten mit metastasiertem oder rezidivierendem lokal fortgeschrittenem Merkelzellkarzinom (MCC), sofern eine kurative Operation oder Strahlentherapie nicht infrage kommt.

Im Frühjahr 2026 erfolgte die Markteinführung von Zynyz® in Deutschland.

Fortgeschrittenes Analkarzinom: Verlängerung des Gesamtüberlebens um nahezu 11 Monate

Weltweit ist das Plattenepithelkarzinom des Analkanals (SCAC) mit ca. 85 % die häufigste Analkrebserkrankung, wobei die Inzidenz an Neuerkrankungen stetig zunimmt – auch in Deutschland [2, 3]. Die geschätzte Prävalenz liegt bei etwa 1 – 2 Fällen pro 100.000 Einwohner [4].

Hauptrisikofaktor für eine SCACErkrankung ist die Infektion mit humanen Papillomaviren (HPV) [5]. Während frühe Stadien des SCAC primär mit einer Radiochemotherapie behandelt werden, steht in Europa bislang keine moderne Systemtherapie zur Behandlung des fortgeschrittenen Stadiums zur Verfügung. Da viele Patienten mit

Retifanlimab – die erste Immuntherapie beim fortgeschrittenen Anal- und Merkelzellkarzinom

SCAC ein Rezidiv erleiden, besteht für diese vulnerable Gruppe ein besonders hoher Therapiebedarf [2]. Mit der Zulassung von Retifanlimab (Zynyz®) ist nun die erste Immuntherapie-basierte Erstlinientherapie für das fortgeschrittene SCAC verfügbar [6].

Die Indikationserweiterung des PD1-Inhibitors Retifanlimab basiert auf den Ergebnissen der POD1UM-303-Studie, der ersten Phase-III-Studie zur Untersuchung einer Systemtherapie beim metastasierten oder rezidivierenden Analkarzinom [2]. Für die PhaseIII-Studie wurden 306 Patienten mit SCAC an 70 Zentren weltweit rekrutiert und 1:1 randomisiert, wobei die Kombination aus Retifanlimab plus Carboplatin-Paclitaxel (n = 154) mit Placebo plus Carboplatin-Paclitaxel (n = 152) hinsichtlich der Wirksamkeit und Verträglichkeit verglichen wurde [2].

Die Kombinationstherapie mit Retifanlimab plus Carboplatin-Paclitaxel konnte das Risiko für einen Progress oder Tod im Vergleich zu Placebo plus Carboplatin-Paclitaxel signifikant um 37 % reduzieren (HR: 0,63; 95%-KI: 0,47 – 0,84; einseitiger p-Wert = 0,0006). Auch beim Gesamtüberleben (OS) zeigte sich eine Verbesserung unter der Retifanlimab-basierten Therapie gegenüber der Kontrollbehandlung: Das mediane OS betrug 32,8 Monate im Retifanlimab-Arm

und 22,2 Monate im Placeboarm (HR: 0,75; 95%-KI: 0,55 – 1,01; p = 0,0305) [7].

Die Therapie mit Retifanlimab war generell gut verträglich, trotz einer höheren Rate an Grad ≥3 Nebenwirkungen mit 83 % im Verumarm gegenüber 75 % im Placeboarm [2]. Die Retifanlimab-Behandlung hatte keinen negativen Einfluss auf die Verabreichung von Carboplatin-Paclitaxel und verursachte vor allem typische PD1-Inhibitor-assoziierte Nebenwirkungen, die bereits bekannt und gut handhabbar waren [2].

Retifanlimab beim fortgeschrittenen Merkelzellkarzinom: hohe und langanhaltende Remissionen

Das Merkelzellkarzinom (MCC) ist eine seltene, aber sehr aggressive Krebserkrankung, deren Inzidenz – ähnlich wie beim SCAC – stetig zunimmt. Mit Retifanlimab (Zynyz®) steht die erste PD1-Immuntherapie und die erste immuntherapeutische Behandlung mit 4-wöchentlicher Gabe in einer Dosierung von 500 mg zur Erstbehandlung des metastasierten oder rezidivierenden, lokal fortgeschrittenen Merkelzellkarzinoms (MCC), das nicht für eine kurative Operation oder Strahlentherapie geeignet ist, auf dem europäischen Markt zur Verfügung.

Die Wirksamkeit des PD1-Inhibitors beim fortgeschrittenen MCC wurde in der einarmigen, multiregionalen POD1UM-201-Studie gezeigt [8]. Die Behandlung mit Retifanlimab als Monotherapie in einem Abstand von 4 Wochen für bis zu 2 Jahre erzielte bei den 101 Studienteilnehmern eine Gesamtansprechrate von 54,5 % (95%-KI: 44,2 – 64,4). Das mediane Gesamtüberleben wurde in der finalen Analyse nach einem medianen Follow-up von 35,7 Monaten nicht erreicht: Die 3-Jahre-Überlebensrate betrug 63 % [8].

Das Sicherheitsprofil von Retifanlimab reflektierte das fortgeschrittene Erkrankungsstadium der eingeschlossenen Patienten und war typisch für die Klasse der PD(L)1-Inhibitoren mit mehrheitlich Nebenwirkungen niedriger Grade.

Fabian Sandner, Nürnberg

Literatur

1 Incyte Announces the European Commission Approval of Zynyz® (retifanlimab) for the First-Line Treatment of Advanced Squamous Cell Carcinoma of the Anal Canal (SCAC), 06.03.2026. https://investor.incyte.com/news - releases/news - release - details/incyte - announces - european-commission-approval-zynyzr

2 Rao S et al. Lancet 2025;405:2144-2152

3 Krebs in Deutschland für 2021 –2023, 15. Ausgabe. Hrsg. Robert Koch-Institut und Deutsches Krebsregister e.V. Berlin, 2025

4 Islami F et al. Internationale Trends bei den Inzidenzraten von Analkrebs. Int J Epidemiol 2017;46:924-938

5 Morris V, Eng C. Stärkung des Immuntherapie-Paradigmas bei Analkrebs. https://c.peerview.com/live/programs/ 150210387 - 1/downloads/PVI_slides_ SCAC-SF25.pdf?ProjectNumber= 150210387_1

6 EMA-News – Zynyz, 30.01.2026; https:// www.ema.europa.eu/en/news/first-immunotherapy-based-treatment-recommended-advanced-anal-cancer

7 Rao S et al. ESMO Immuno-Oncology Congress 2025, Abstract 123MO

8 Grignani G et al. J Immunother Cancer 2025;13:e012478

9 Fachinformation Zynyz®, aktueller Stand

Bei zystischer Fibrose die CFTR-Funktion vollständig wiederherstellen!

„Das ultimative Behandlungsziel bei zystischer Fibrose (Mukoviszidose, CF) ist die vollständige Wiederherstellung der CFTR(Cystic Fibrosis Transmembrane Conductance Regulator)-Funktion, denn ansonsten verbleiben mukoobstruktive und inflammatorische Residualsymptome“, betonte Professor Marcus A. Mall, Berlin, auf einer von Vertex veranstalteten Pressekonferenz während der Jahrestagung der European Respiratory Society in Amsterdam und ergänzte: „Dagegen korreliert eine CFTR-Funktion, die sich dem Normalbereich für nicht erkrankte CFTräger annähert, gemessen an der Chloridkonzentration im Schweiß (SwCl) mit unter 30 mmol/L, mit weniger Lungenschäden und extrapulmonalen Manifestationen und damit mit einem insgesamt günstigeren klinischen Verlauf der CF“.

Mit Alyftrek® lässt sich das Outcome weiter optimieren

Schon die bisherige Standardtherapie mit CFTR-Modulatoren, die Tripletherapie Kaftrio® (Ivacaftor/Tezacaftor/Elexacaftor), verbesserte die CFTR-Funktion bei vielen CF-Patienten deutlich und anhaltend. Die neue hochwirksame CFTR-Modulatortherapie Alyftrek® (Deutivacaftor/Tezacaftor/Vanzacaftor) hat das Potenzial, die CFTR-Funktion und damit das klinischen Outcome weiter zu optimieren. Dies belegen, wie Univ.Professor Ernst Eber, Graz, ausführte, die Ergebnisse der beiden

KONGRESSE

Zystische Fibrose

Die zystische Fibrose ist eine seltene, lebensverkürzende Erbkrankheit, bei der sich zäher, dickflüssiger Schleim unter anderem in der Lunge und im Verdauungstrakt bildet. Betroffen davon sind weltweit rund 109.000 Menschen, etwa 56.000 davon in Europa. Ursache ist ein defektes oder fehlendes CFTR-Protein (Cystic Fibrosis Transmembrane Conductance Regulator) als Folge bestimmter Mutationen im CFTR-Gen. Um an CF zu erkranken, muss ein Kind zwei defekte CFTR-Gene – jeweils eines von beiden Elternteilen –geerbt haben. Diese Mutationen lassen sich durch einen Gentest bestimmen.

Das CFTR-Protein reguliert den Fluss von Chloridionen und Wasser in und aus Epithelzellen. Defekte CFTR-Proteine können die Zelloberfläche nicht erreichen, werden schneller wieder abgebaut oder funktionieren nicht richtig. Dadurch kommt es zu einem verminderten Ausströmen von Chloridionen aus den Zellen verschiedener Organe, was zu einem verminderten Wassernachstrom führt. Als Folge bildet sich dickflüssiger, zäher Schleim, der vor allem die Atemwege verstopft. Die Folge sind chronische Lungeninfektionen und eine fortschreitende Schädigung der Lunge, die schließlich zum Tod führen kann. Auch die Sekrete lebenswichtiger Drüsen wie z.B. der Bauchspeicheldrüse werden dickflüssig und zäh, was ihre Funktion beeinträchtigt. Zystische Fibrose ist nicht heilbar, das Fortschreiten der Erkrankung lässt sich aber durch eine CFTR-Modulatortherapie verlangsamen. Das mediane Sterbealter in Deutschland liegt derzeit bei 39 Jahren.

Phase-III-Zulassungsstudien SKYLINE 102 und SKYLINE 103, an denen CF-Patienten ab 12 Jahren teilnahmen. Bei der gepoolten Auswertung beider Studien zeigte sich, dass die Therapie mit Deutivacaftor/Tezacaftor/Vanzacaftor (Alyftrek®) der Behandlung mit Kaftrio® (Ivacaftor/Tezacaftor/Elexacaftor) plus Ivacaftor hinsichtlich der Verbesserung der Lungenfunktion nicht unterlegen war und im Vergleich zur Standardtherapie zu einer überlegenen Wiederherstellung der CFTR-Funktion gemessen am Schweißchlorid (SwCl), einem ein gängigen und zuverlässigen Surrogatmarker für die CFTR-Funktion, sogar überlegen war. „Mehr Patienten unter Deutivacaftor/Tezacaftor/ Vanzacaftor wiesen bedeutsame

SwCl-Werte unterhalb des diagnostischen Schwellenwertes von 60 mmol/l und im Normalbereich, also unter 30 mmol/l, auf“, berichtete Eber.

Vielversprechende Ergebnisse auch bei Kindern

Mit RIDGELINE 105 gab es auch eine Phase-IIII-Studie, die Deutivacaftor/Tezacaftor/Vanzacaftor speziell bei Kindern im Alter von 6 – 11 Jahren untersuchte. Die Ergebnisse zeigen, dass die Verbesserung der Lungenfunktion bis Woche 24 erhalten blieb. Vor allem aber stieg der Anteil der Kinder und Jugendlichen mit SwCl-Konzentrationen unter 30 mmol/l unter der Behandlung mit Deutivacaftor/

KONGRESSE

Alyftrek®

Alyftrek® ist eine Kombination aus Deutivacaftor, Tezacaftor und Vanzacaftor. Die CFTR-Korrektoren Vanzacaftor und Tezacaftor helfen, die Menge an funktionierendem CFTR-Protein an der Zelloberfläche zu erhöhen, indem sie die Verarbeitung und den Transport des CFTR-Proteins erleichtern. Der CFTR-Potentiator Deutivacaftor hilft, die CFTR-Proteine länger offen zu halten, um den Durchtritt von Salz und Wasser durch die Zellmembran zu verbessern.

Die drei Wirkstoffe wirken zusammen, um die CFTR-Funktion zu verbessern – der zähe und klebrige Schleim in den Gängen der Atemwege und Organe wird wird flüssiger und kann leichter entfernt werden, sodass sich insbesondere die Lungenfunktion verbessert.

Tezacaftor/Vanzacaftor von 39,0 % bei Baseline auf 52,6 % bis Woche 24 an (95%-KI: 40,9 – 64,0), und fast 95 % der Kinder erreichten bis Woche 24 SwCl-Werte unter der diagnostischen Schwelle für CF (60 mmol/l). „Unter Deutivacaftor/Tezacaftor/Vanzacaftor konnte die CFTR-Funktion früh im Leben wiederhergestellt werden und wir hoffen, dass wir mit dieser Medikation zukünftig das Fortschreiten der Erkrankung noch nachhaltiger verhindern können“, betonte Eber. Zudem wurde Deutivacaftor/Tezacaftor/Vanzacaftor in den Studien im Allgemeinen gut vertragen, die meisten aufgetretenen unerwünschten Wirkungen waren typisch für eine CF-Population. Abschließend verwies Eber noch auf einen besonders praxisrelevanten Vorteil von Deutivacaftor/ Tezacaftor/Vanzacaftor: „Dank der langen Halbwertszeit des neuen CFTR-Potentiators Deutivacaftor ist Alyftrek® die erste CFTR-Modulatortherapie mit einmal täglicher Einnahme der Gesamtdosis. Wir erwarten daher, dass diese vereinfachte Einnahme die Therapietreue im klinischen Alltag erhöht.“

Aktuelle Daten zu Cetuximab im Behandlungspfad des RAS-Wildtyp-mCRC

Auf einem von Merck anlässlich des 37. Deutschen Krebskongresses in Berlin ausgerichteten Symposium präsentierten anerkannte Experten aktuelle klinische Daten zur Rolle von Cetuximab (Erbitux®) beim metastasierten Kolorektalkarzinom mit RAS-Wildtyp (RASwt mCRC), und beleuchteten, wie die anti-EGFR-Therapie mit Cetuximab den Behandlungspfad des RASwt mCRC prägt –von der leitliniengerechten Erstlinie bis zur gezielten Rechallenge in der Drittlinie.

Die anti-EGFR-basierte Therapie bleibt nach Biomarker-Testung der Leitlinienstandard

Professor Sebastian Stintzing (Charité Berlin) ordnete zunächst den Stellenwert der anti-EGFR-basierten Erstlinie ein. Voraussetzung für den gesamten Behandlungspfad ist die leitlinienkonforme Biomarker-Testung auf RAS-, BRAF- und MSI-Status vor Therapiebeginn. Für Patienten mit linksseitigem

MSS RASwt/BRAFwt mCRC empfehlen die S3-Leitlinie und die ESMO Clinical Practice Guideline die Kombination aus Chemotherapie-Doublette plus Cetuximab als Erstlinienstandard. Die Datenbasis für diese Empfehlung ist robust: Eine gepoolte Analyse aus 4 randomisierten Studien (n = 2.509) bestätigt für linksseitige RASwtTumoren einen signifikanten Vorteil im medianen Gesamtüberleben (HR: 0,77; 95%-KI: 0,68 – 0,88) sowie eine überlegene objektive Ansprechrate von 74 % unter antiEGFR- gegenüber 62 % unter antiVEGF-basierter Therapie (OR: 1,77; 95%-KI: 1,39 – 2,26).

Anti-EGFR-Rechallenge in der Drittlinie: Drei Studien belegen konsistente Wirksamkeit

Dr. Lena Weiss (LMU München) stellte aktuelle Daten zur Rechallenge vor. Das Konzept der antiEGFR-Rechallenge basiert auf der dynamischen klonalen Evolution des Tumors unter Therapie. Während der anti-EGFR-Behandlung können RAS-mutierte resistente Klone selektioniert werden. Nach Absetzen der Behandlung können diese Klone quantitativ zurückgehen, wodurch sich ein biologisches Fenster für eine erneute EGFR-Inhibition öffnet.

Die Phase-III-Studie FIRE-4 liefert den bisher umfangreichsten klinischen Beleg für dieses Konzept: Patienten mit MSS RASwt mCRC, die in der Drittlinie eine Cetuximab-basierte Rechallenge erhielten, erzielten ein – bislang längstes dokumentiertes – medianes Gesamtüberleben von 17,6 Monaten gegenüber 15,1 Monaten im Kontrollarm (HR: 0,86; 95%-KI: 0,54 – 1,39; p = 0,54). Der primäre

Cetuximab

Cetuximab (Erbitux®) ist ein chimärer monoklonaler Antikörper vom Typ IgG1, der gezielt den epidermalen Wachstumsfaktorrezeptor (EGFR) blockiert. Durch die Bindung an den EGFR wird die Aktivierung des Rezeptors und der nachgeschaltete Signaltransduktionsweg gehemmt, wodurch sowohl die Invasion der Tumorzellen in gesundes Gewebe als auch die Ausbreitung in neue Körperregionen (Metastasierung) vermindert werden.

Cetuximab ist seit Dezember 2024 sowohl für die wöchentliche als auch für die zweiwöchentliche Verabreichung bei mCRC und R/M SCCHN zugelassen – und damit die einzige anti-EGFR-Therapie, die in beiden Verabreichungsschemata eingesetzt werden kann.

Endpunkt einer formalen Signifikanz im Gesamtüberleben wurde nicht erreicht – bei einer unerwartet intensiven Drittlinientherapie im Kontrollarm: 76,2 % FOLFIRI oder FOLFOX, größtenteils mit anti-VEGF(R)-Antikörpern, dazu 19,0 % TAS-102 und 4,8 % Regorafenib. Die objektive Ansprechrate unter Rechallenge betrug 26,7 % gegenüber 11,9 % im Kontrollarm (OR: 0,37; 95%-KI: 0,12 – 1,17; p = 0,08).

Zwei weitere prospektive Studien untermauern das Wirksamkeitssignal der anti-EGFR-Rechallenge: In der Phase-II- Studie CITRIC (zirkulierende Tumor-DNA [ctDNA]selektiert) erzielte Irinotecan plus Cetuximab gegenüber einer Therapie nach Wahl der Prüfärzte eine Krankheitskontrollrate von 77,7 % gegenüber 44,4 % (p = 0,01). Und die PARERE-Sequenzstudie zeigte bei der Erst-Progression eine objektive Ansprechrate von 16,0 % unter Panitumumab gegenüber 2,0 % unter Regorafenib (p = 0,003).

Für die Identifikation geeigneter Patienten steht die Liquid Biopsy als wertvolles Instrument zur Bestimmung des RASwt-Status vor Rechallenge zur Verfügung; die Gewebebiopsie bleibt als diagnostische Alternative bestehen.

Auch wenn formal die primären Endpunkte der 3 Studien nicht erreicht wurden, deuten die konsistenten Ergebnisse auf ein klares Signal für die klinische Wirksamkeit der anti-EGFR-Rechallenge bei RASwt mCRC hin. Cetuximab kann damit eine valide zusätzliche Behandlungsoption ab der Drittlinie darstellen – für Patienten mit gutem initialem Ansprechen in der Erstlinie, einem ausreichenden anti-EGFR-freien Intervall und erneutem RASwt-Status zum Zeitpunkt der Rechallenge.

Ausblick auf die zukünftige Therapie des RASwt mCRC

PD Dr. Arndt Stahler (Charité Campus Virchow-Klinikum Berlin) gab einen Ausblick auf laufende Ansätze zur weiteren Individualisierung der Cetuximabbasierten Therapie. Die geplante FIRE-11-Studie (AIO-KRK-0524) evaluiert, ob ctDNA als Biomarker therapeutische Pausen unter FOLFIRI plus Cetuximab bei RASwt/BRAFwt mCRC steuern kann. Unabhängig davon werden neue Substanzklassen wie KRASInhibitoren und Antikörper-Wirkstoff-Konjugate (ADCs) in der Behandlung des mCRC klinisch

untersucht – derzeit noch ohne Zulassung für diese Indikation.

Fazit

Cetuximab bleibt die therapeutische Konstante im Behandlungspfad des RASwt mCRC – vom Leitlinienstandard in der Erstlinie bis zur gezielt eingesetzten Rechallenge in der Drittlinie. Die auf dem DKK 2026 diskutierten Daten stützen diesen Stellenwert: Mit einem mOS von 17,6 Monaten liefert FIRE-4 das bislang längste dokumentierte Überleben bei MSS RASwt mCRC in der Drittlinie. Zusammen mit dem konsistenten Signal aus zwei weiteren randomisierten Studien deuten die Ergebnisse – trotz jeweils nicht erreichter formaler Signifikanz im primären Endpunkt – auf eine klare klinische Wirksamkeit hin. Cetuximab steht damit exemplarisch für einen „Precision Re-Use“ bestehender Wirkprinzipien in der evidenzbasierten Onkologie.

Elisabeth Wilhelmi, München

Aktuelle Daten aus dem Behandlungsalltag untermauern den Einsatz von Ofatumumab als Erstlinientherapie bei aktiver RMS

Anlässlich des Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) vom 12. bis 15. November 2025 in Berlin stellte Novartis aktuelle Daten der AIOLOS-Studie zum frühen Einsatz von Ofatumumab (Kesimpta®) bei therapienaiven Patienten mit aktiver schubförmig verlaufender Multipler Sklerose (Relapsing

Multiple Sclerosis; RMS) im deutschen Behandlungsalltag vor. Die Daten stützen die positiven Ergebnisse der Zulassungsstudien ASCLEPIOS I und II sowie der offenen Verlängerungsstudie ALITHIOS und sprechen für den Einsatz von Ofatumumab als Erstlinientherapie.

Die nicht-interventionelle RealWorld-Studie AIOLOS untersucht Ofatumumab als Erstlinientherapie bei RMS-Patienten ohne Merkmale für einen hochaktiven Krankheitsverlauf* im Vergleich zur Erstlinientherapie mit Interferon β/Glatirameracetat (IFNβ/ GA) in der klinischen Routine in Deutschland.

Die Ergebnisse der Interimsanalyse (n = 514) bestätigen das bekannte positive Nutzen-RisikoProfil von Ofatumumab. Patienten mit einer Ofatumumab-Erstlinientherapie hatten im Vergleich mit IFNβ/GA über den gesamten Beobachtungszeitraum von 24 Monaten eine niedrigere jährliche Schubrate (0,14 vs. 0,20).

Auch hinsichtlich der Therapietreue zeigte sich für Ofatumumab ein anhaltender Vorteil: Sowohl nach 12 Monaten als auch nach 24 Monaten lag unter einer Therapie mit Ofatumumab die Therapietreue mit 96 % deutlich höher als unter einer Therapie mit IFNβ/GA (75 % bzw. 65 %).

Zudem berichtete in der Ofatumumab-Gruppe ein geringerer

* In der AIOLOS-Studie ist ein nicht hochaktiver Krankheitsverlauf bei den eingeschlossenen 514 therapienaiven Patienten definiert als:

– Expanded Disability Status Scale [EDSS] ≤2,5

– maximal 1 Schub im vergangenen Jahr und maximal 2 Schübe in den vergangenen 2 Jahren

– nicht mehr als 5 Jahre seit den ersten Symptomen, die zur MS-Diagnose führten.

Ofatumumab

Ofatumumab (Kesimpta®) ist ein vollhumaner Anti-CD20-Antikörper, der durch eine monatliche (ab Woche 4) subkutane Applikation via Fertigpen vom Patienten selbst verabreicht werden kann. Der Antikörper bindet zielgerichtet an das CD20-Molekül auf der Oberfläche von B-Zellen, wobei er auf einem anderen Epitop andockt als andere Anti-CD20-Antikörper und dadurch eine B-Zell-Lyse und Depletion induziert. Der selektive Wirkmechanismus und die subkutane Verabreichung ermöglichen eine spezifische Wirkung auf die B-Zellen in den Lymphknoten, die in der MS-Pathologie eine entscheidende Rolle spielen.

Ofatumumab zeigte ein mit der Erstlinientherapie mit Teriflunomid vergleichbares Sicherheits- und Verträglichkeitsprofil. Es ist zugelassen zur Behandlung erwachsener Patienten mit aktiver schubförmig verlaufender Multipler Sklerose (RMS), definiert durch den klinischen Befund oder die Bildgebung.

Anteil von Patienten schwere Nebenwirkungen (4 % vs. 6,5 %) oder Nebenwirkungen, die zum Therapieabbruch führten (1,5 % vs. 12,9 %), als in der IFNβ/GAGruppe. Die Immunglobulin G (IgG)-Spiegel blieben bei den Patienten, die eine Erstlinientherapie mit Ofatumumab erhielten, über den gesamten Zeitraum von 24 Monaten stabil im Normbereich.

Biomarker sNfL zur Überwachung des Therapieansprechens

Die Echtzeitüberwachung klinischer und subklinischer Krankheitsaktivität bei MS gewinnt zunehmend an Bedeutung, wobei der blutbasierte Biomarker Serum - Neurofilament - Leichtketten (sNfL) eine zentrale Rolle spielt. Die prospektive Datensammlung NeofiLos untersucht den Nutzen von sNfL im niedergelassenen neurologischen Bereich bei der Versorgung von RMS-Patienten in Deutschland. Über einen Zeitraum von 12 Monaten zeigten die vierteljährlichen sNfL-Messungen,

die im Rahmen der NeofiLosDatenerhebung durchgeführt wurden, deutliche Unterschiede in den sNfL-Werten, je nach Therapiesituation zu Beginn des Projekts. So waren die sNfL-Werte bei unbehandelten Patienten höher als bei jenen, die bereits eine Therapie mit Ofatumumab erhielten. Darüber hinaus sanken erhöhte (Z-Score = 1,5 – 3) und stark erhöhte (Z-Score >3) sNfL-Werte nach Beginn einer Therapie mit Ofatumumab und erreichten Werte, die vergleichbar waren mit denen von bereits mit Ofatumumab behandelten Patienten.

Die Auswertungen aus NeofiLos verdeutlichen die hohe Relevanz von sNfL als zusätzlichem Parameter zur Überwachung von Krankheitsaktivität und Therapieansprechen in der klinischen Praxis.

Fabian Sandner, Nürnberg

CDI bei CED:

S3-Leitlinie Colitis ulcerosa empfiehlt Fidaxomicin

Patienten mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED) haben wegen der Grunderkrankung selbst oder durch CED-Therapien in der Regel eine Dysbiose mit reduzierter Diversität der Darm-Mikrobiota. Ihr Risiko für eine Clostridioides difficile-Infektion (CDI) ist rund 5  höher als bei Patienten ohne CED – und diese ist mit einem deutlich erhöhten Morbiditätsund Mortalitätsrisiko verbunden. Die aktuellen europäischen und deutschen Leitlinien geben spezifische Empfehlungen zu CDIDiagnose und Therapie.

Zweistufige Diagnose

Eine CDI kann CED-Schübe imitieren oder verstärken, den Behandlungserfolg gefährden und ist mit einem erhöhten Risiko für Hospitalisierung sowie erhöhter Mortalität assoziiert. Um das individuelle Risiko zu reduzieren, sollte bei CED-Patienten mit akut verschlechterten Symptomen frühzeitig auch eine Infektion mit C. difficile in Betracht gezogen und abgeklärt werden, so die aktuellen Empfehlungen der ECCO und DGVS. Dies gilt insbesondere nach einer Behandlung mit Antibiotika, Biologika, systemischen Kortikosteroiden oder Immunsuppressiva sowie nach Krankenhausaufenthalten.

Die Diagnose erfolgt zweistufig: Bei positivem Nachweis von Glutamat-Dehydrogenase (GDH) in der Stuhlprobe erfolgt die Bestäti-

gung mit einem spezifischen Test auf das Clostridioides-difficileToxin mithilfe eines Enzymimmunoassays (EIA). Zum Ausschluss einer CDI bei CED-Patienten ist die Testung von 3 Stuhlproben sinnvoll, da bei diesen Patienten niedrigere Toxinmengen, die einer Diagnostik entgehen können, ausreichen, um eine symptomatische CDI zu verursachen.

Selektiv bakterizide Wirkung

Das Risiko für Rezidive einer CDI ist bei CED-Patienten deutlich erhöht (13 % vs. 7 % bei Patienten ohne CED). In Anlehnung an die Leitlinie Gastrointestinale Infektionen empfiehlt die im November aktualisierte S3-Leitlinie Colitis ulcerosa daher, Fidaxomicin (2 200 mg täglich p.o. über 10 Tage) als primäre Therapie einzusetzen. Eine Option ist auch das EXTEND-Schema (Tag 1 – 5: 200 mg 2täglich, Tag 7 – 25: 200 mg 1  alle 2 Tage), bei dem besonders niedrige Rezidivraten beobachtet wurden.

Fidaxomicin (Dificlir®) wirkt selektiv bakterizid gegen C. difficile. Die restliche Darm-Mikrobiota wird hierdurch geschont und die Kolonisationsresistenz bleibt erhalten. Entsprechend war die Rate an Rezidiven – diese sind einer der größten Treiber von Morbidität und Mortalität bei CDI – nach einer Fidaxomicin-Therapie im direkten Vergleich mit Vancomycin um rund 45 % niedriger. Auch die Toxin- und Sporenbildung von C. difficile wird durch das selektive Antibiotikum gehemmt.

F. S.

CAR-T-Zelltherapie

Lisocabtagen maraleucel jetzt auch für das rezidivierte oder refraktäre Mantelzell-Lymphom zugelassen

Im November 2025 hat die Europäische Kommission die Zulassung von Lisocabtagen maraleucel (Liso-Cel, Breyanzi®) auf die Behandlung von erwachsenen Patienten mit rezidiviertem oder refraktärem Mantelzell-Lymphom (MCL) erweitert, die mindestens 2 Linien einer systemischen Therapie, einschließlich eines BrutonTyrosinkinase (BTK)-Inhibitors, erhalten haben. Liso-Cel ist eine gegen das Antigen CD19 (Cluster of Differentiation 19) gerichtete CAR (chimeric antigen receptor)T-Zelltherapie [1].

Die Zulassung basiert auf den Ergebnissen der MCL-Kohorte der TRANSCEND - NHL - 001 - Studie, in die erwachsene Patienten mit rezidiviertem oder refraktärem Mantelzell-Lymphom nach mindestens 2 vorangegangenen Therapielinien, einschließlich eines BTK-Inhibitors, eingeschlossen waren [1, 2]. Bei Patienten ab der dritten Therapielinie zeigte sich unter LisoCel eine hohe Gesamtansprechrate (ORR) von 82,7 % (95%-KI: 72,7–90,2), womit der primäre Endpunkt der Studie erreicht wurde. Die Rate für das komplette Ansprechen (CR), dem wichtigsten sekundären Endpunkt der Studie, betrug 71,6 % (95%-KI: 60,5–81,1) [3]. Das Ansprechen erfolgte rasch und anhaltend: Die mediane Zeit bis zum ersten Ansprechen (CR oder partielles Ansprechen [PR]) betrug 0,95 Monate (Spanne: 0,7–3,0 Monate) und 41,2 % (95%-KI: 29,2–52,9) der Patienten sprachen auch nach 24 Monaten weiterhin auf die Behandlung an [3].

Die Sicherheitsergebnisse entsprachen dem bekannten Sicherheitsprofil von Liso-Cel, das bisher in klinischen Studien und bei den zugelassenen Indikationen festgestellt wurde [2, 3]. Auch bei MCL wurde ein frühes Abklingen von Nebenwirkungen beobachtet. Zytokin - Freisetzungssyndrome (cytokine release syndrome, CRS) und neurologische Toxizität traten meist in den ersten 14 Tagen nach der Infusion auf, was die

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Prof. Dr. med. Karl-Ludwig Resch, Deutsches Institut für Gesundheitsforschung gGmbH, Ossecker Str. 172, 95030 Hof

Univ.-Prof. Dr. med. Hermann Eichstädt, Leiter Bereich Kardiologie RZP Potsdam und Geschäftsführer BBGK e.V. Berlin Konstanzer Straße 61 10707 Berlin

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jüngst erfolgte Verkürzung der Sicherheitsmaßnahmen nach der Liso-Cel-Infusion bestätigt. In der TRANSCEND - NHL - 001 - Studie trat ein CRS bei 61 % der Patienten auf, die Liso-Cel zur Behandlung von MCL erhielten. Ein CRS vom Schweregrad 3 oder 4 wurde lediglich bei 1 % der Patienten beobachtet. Die mediane Zeit bis zum Auftreten eines CRS lag bei 4 Tagen (Spanne: 1–10 Tage). Neurologische Toxizität jeglichen

Schweregrads trat bei 31 % der Patienten auf, darunter solche von Schweregrad 3 oder 4 bei 9 % der Patienten. Die mediane Zeit bis zum Auftreten des ersten Ereignisses betrug 8 Tage (Spanne: 1–25 Tage) [2, 3].

Quellen

1 Fachinformation Breyanzi®

2 Wang M et al. J Clin Oncol. 2024;42: 1146-1157

3 Wang M et al. Transplant Cell Ther 2025; 31:Suppl:S207

Titelbild: T-Zellen greifen eine Tumorzelle an (Quelle: iStock,Peddalanka Ramesh Babu).

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1. Robert Koch-Insti tut (RKI), Epi Bull 32/2024 und 15/2025; 2. AREXVY Fachinformati on, aktueller Stand.

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Journal Jahrgang 2026, Ausgabe 02 by Sibylle Michna - Issuu