201 Kateryna Lysovenko, The Big End, 2022 Seit Beginn des Angriffskriegs Russlands gegen die Ukraine dokumentiert die ukrainische Künstlerin Kateryna Lysovenko Gewalt und Leid. Der Krieg zerstört nicht nur Lebewesen, sondern auch die Landschaft. Und verwundete Landschaft, so Lysovenko, schafft neue Verletzte. Die Menschen in diesem Bild sind jedoch Teil einer erträumten Wirklichkeit, in der sie untereinander und mit der Natur im Einklang leben. Ein Traum, in dem weder Propaganda noch Unterdrückung oder Zerstörung existieren. Lysovenko beschäftigt sich schon lange mit dem sogenannten „Landschaftstrauma“. Die Natur ist enormen Belastungen ausgesetzt und wird nur allzu oft achtlos zerstört. Auch andere Bilder hier zeigen verschiedene Formen menschlicher Inbesitznahme der Natur. Lysovenko meint, dass der Krieg dieses bereits vorhandene Landschaftstrauma intensiviert. Er verwandelt die Landschaft in eine Grabstätte.
202 Johann Nepomuk Schödlberger, Arkadische Landschaft im Abendlicht, ca. um 1812 Idyllisch, friedlich, unberührt, so schaut diese Landschaft aus. Die Bezeichnung „arkadische Landschaft“ bezieht sich auf die griechische Provinz Arkadien, die als Hirtenidylle verklärt wurde. Es scheint so, als würden die Arkader als zufriedene und glückliche Hirten zusammenleben, ohne schwere Arbeit oder gesellschaftliche Probleme, in völliger Harmonie mit der Natur. Darstellungen wie diese wurden zum Sinnbild für die Flucht aus der Realität – die Flucht an einen imaginären Ort, an dem die Sorgen der Welt fern sind. Stattdessen bestimmen dort Frieden und Einfachheit das Leben. Hier finden sich noch viele weitere Landschaftsdarstellungen. Heute weiß man, dass es in der Kunst nie eine rein lineare Stilentwicklung gegeben hat. Innerhalb einer tendenziellen Entwicklung gab es immer wieder beides: idealistische und realistische Annäherung an die Landschaft. Die eine schließt dabei die andere nicht zwangsläufig aus. Sie wechseln sich ab, überlappen sich häufig und entwickeln verschiedene Ausprägungen und Typen. Diese existierten oft innerhalb desselben Zeitraums oder sogar innerhalb des Schaffens von nur einem Künstler oder einer Künstlerin.
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