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Met Rubens door Antwerpen

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RUBENSSTADTFÜHRER Irene Smets

ANTWERPEN


So finden Sie sich in diesem Führer zurecht Der Rubens-Stadtführer Antwerpen ist ein idealer Begleiter, um den Maler in seiner geliebten Stadt zu entdecken. Außer einem praktischen Stadtführer, der Sie sicher zu den vielen Meisterwerken von Rubens in Antwerpen geleitet, macht Sie dieses Buch auch mit dem Menschen Rubens und der faszinierenden Zeit des Barock bekannt.

Kurzbiografie mit den wichtigsten Daten aus dem Leben von Rubens

Lernen Sie das Leben und das vielseitige Werk des genialen Barock-Meisters kennen

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So finden Sie sich in diesem Führer zurecht


Der Rundgang bringt Sie zu den verschieden Orten in Antwerpen, an denen Werke von Rubens zu sehen sind — Informationen über die RubensSehenswürdigkeiten

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Mit speziellem Stadtrundgang entlang der RubensSehenswürdigkeiten auf einer praktischen, herausnehmbaren Karte

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Besprechung der Werke von Rubens, die es in Antwerpen zu bewundern gibt

GODEFRIDUSKAAI

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Inhalt

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Mit Rubens durch Antwerpen

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Kurzbiografie Peter Paul Rubens

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Rubens und seine Zeit

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Jugendjahre Künstlerische Ausbildung und Aufenthalt in Italien Eine Zukunft in Antwerpen Die Entfaltung eines großen Talents Protagonist des Barock Spektakuläre Produktivität mithilfe der Werkstatt Umfangreiche Aufträge und internationaler Ruhm Nebentätigkeiten in der europäischen Politik Die lyrische Periode

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Rubens in Antwerpen entdecken

75 89 91 97 110 113 119 123 125 127 135 137 141

Königliches Museum für Schöne Künste Antwerpen Groenplaats Museum Plantin-Moretus Liebfrauenkathedrale Großer Markt Kirche Sankt Karl Borromäus Snijders- & Rockoxhaus Kaiserkapelle Kirche Sankt Willibrord Kirche Sankt Paulus Kirche Sankt Antonius von Padua Kirche Sankt Jakobus Rubenshaus Inhalt

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8

Mit Rubens durch Antwerpen


Mit Rubens durch Antwerpen Peter Paul Rubens war nicht nur einer der maßgeblichsten Vertreter der Kunst seiner Zeit, des Barock, sondern zugleich einer der produktivsten und genialsten Künstler, die je gelebt haben. Er war außergewöhnlich vielseitig: Neben vielen religiösen und mythologischen Szenen malte er auch Porträts und Landschaften; hinzu kamen Entwürfe für Buchillustrationen und Wandteppiche ebenso wie für Architektur und Bildhauerei. Er war ein waschechter „Kolorist“, für den der virtuose Einsatz einer sehr nuancierten Farbpalette ein wichtiges Ausdrucksmittel war. Rubens war auch ein begeisterter und erfindungsreicher Darsteller dramatischer Szenen. In diesem Zusammenhang wurde er von dem französischen romantischen Maler Eugène Delacroix als der „Homer der Malerei“ bezeichnet. Dabei gelang es ihm, seine ungezügelte Vorstellungskraft mit seinem Streben nach einer ausgewogenen Komposition in ein harmonisches Gleichgewicht zu bringen. Werke von ihm findet man in großer Zahl in allen bedeutenden Museen; es gibt jedoch nur eine Stadt, die man als sein wahres „Biotop“ bezeichnen könnte: Antwerpen, wo sein Haus und seine Werkstatt besucht werden können, in denen nahezu alle diese Meisterwerke konzipiert und gemalt wurden; wo man die Häuser seiner Freunde Balthasar Moretus und Nicolaas Rockox vorfindet und Meisterwerke in den historischen Kirchen betrachten kann – in den Räumen und an den Orten also, für die sie gemalt wurden. Von dieser Präsenz Rubens’ in Antwerpen handelt das vorliegende Buch. Es beleuchtet die Lebensgeschichte des Meisters und die Entwicklung seiner Kunst und geht tiefer auf die bedeutenden Werke ein, die in der Scheldestadt angeschaut werden können. So präsentiert sich das Buch als Leitfaden, den großen Meister in seiner eigenen Umgebung kennenzulernen. Irene Smets

Mit Rubens durch Antwerpen

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Kurzbiografie Peter Paul Rubens Pieter Paul Rubens 1577 — 1640

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28. Juni 1577

Am Namenstag der Apostel Petrus und Paulus wird P. P. Rubens im westfälischen Siegen geboren. Seine Eltern, der Antwerpener Jurist Jan Rubens und Maria Pypelinckx, waren wegen der Kriegsgewalt aus den Niederlanden geflohen

1578

Die Familie lässt sich in Köln nieder

1589

Nach dem Tod ihres Mannes kehrt Maria Pypelinckx mit ihren Kindern nach Antwerpen zurück

um

Peter Paul ist nacheinander Schüler bei Tobias Verhaecht, Adam van Noort und Otto van Veen

1591–1598

1598

Aufnahme als Meister-Maler in die Sankt Lukasgilde

1600–1608

Aufenthalt in Italien als Hofmaler des Herzogs Vincenzo Gonzaga; Kontakt mit der italienischen Renaissance; im Jahr 1603 Teilnahme an einer diplomatischen Mission am Hof von Spanien

1608

Rückkehr nach Antwerpen

1609

Hofmaler der Erzherzöge Albrecht und Isabella, mit der Erlaubnis, in der Scheldestadt zu wohnen und dort auf eigene Rechnung zu arbeiten; Hochzeit mit Isabella Brant

seit

Bedeutende Aufträge, darunter viel religiöse Kunst zur Neuausstattung der Kirchen nach dem Konfessionskrieg; Bestätigung seiner künstlerischen Vision als Barockkünstler

1609

Kurzbiografie Peter Paul Rubens


um

1615

1617–1620

ab

1621

Bau einer prachtvollen Stadtresidenz am Wapper, mit einer großen Werkstatt Zusammenarbeit mit Anthonis van Dyck, u. a. bei der Ausschmückung der Antwerpener Jesuitenkirche Wird nach dem Tod des Erzherzogs Albrecht politischer Ratgeber der Infantin Isabella, bis zu ihrem Tod im Jahr 1633; erhält als Diplomat wie als Künstler im In- und Ausland Ehrungen und Auszeichnungen des Adels

1622–1625

Auftrag von Maria de Medici: Ausschmückung zweier Galerien im Palais du Luxembourg in Paris

1626

Tod von Isabella Brant

1628–1630

Diplomatische Reisen nach Spanien und London

1629–1635

Auftrag von Karl I. von England: Deckengestaltung für Whitehall in London

1630

Hochzeit mit Helene Fourment

1633

Wird Dekan der Sankt Lukasgilde

1635

Erwerb des Landgutes Het Steen unweit von Elewijt, wo er mehrere Sommer verbringen wird

1636–1638

Auftrag von Philipp IV. von Spanien: Ausschmückung des Jagdschlosses Torre de la Parada

30. Mai 1640

P. P. Rubens stirbt in Antwerpen

Kurzbiografie Peter Paul Rubens

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RUBENS

UND SEINE ZEIT


Jugendjahre

Ich habe Ihren Bruder gekannt in seinen Kinderjahren, in der Schule, und ich liebte diesen Jungen mit seinem gütigsten und vollkommensten Charakter. Balthasar I. Moretus an Philipp Rubens, November 1600

Jacob Claesz. van Utrecht, Bartholomäus Rubens und Barbara Arents, genannt Spierinck, 1529–1530. Holz, jeweils 56 x 36,5 cm. Antwerpen, Rubenshuis — Die Pendantbildnisse stellen Rubens’ Großeltern väterlicherseits um 1529 dar, dem Jahr ihrer Hochzeit. Bartholomäus war Gewürzhändler und Apotheker in Antwerpen. Barbara stammte aus einer Familie des niederen Adels. Ihr Sohn Jan, der Vater von Peter Paul, wurde 1530 geboren.

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Sohn politischer Flüchtlinge Peter Paul Rubens wurde am Namenstag der Apostel Petrus und Paulus, dem 28. Juni des Jahres 1577, in der westfälischen Kleinstadt Siegen geboren. Seine Eltern, der Antwerpener Jurist Jan Rubens und dessen Frau Maria Pypelinckx, waren 1568 aus der Stadt an der Schelde geflüchtet. Jan Rubens, der Schöffe in Antwerpen gewesen war, wurde nämlich zu einem Zeitpunkt, als in den Niederlanden ein blutiger Glaubenskrieg zwischen den Protestanten und den spanischen Herrschern wütete, protestantischer Sympathien verdächtigt. Die Familie floh nach Köln, wo Jan Rubens juristischer Berater der Anna von Sachsen wurde. Sie war

Rubens und seine Zeit

Jugendjahre


die Gemahlin des Prinzen Wilhelm von Oranien, genannt der Schweiger und einer der Anführer des Widerstandes gegen Spanien. Nach vielen Schwierigkeiten, die Jan sogar für einige Jahre ins Gefängnis brachten, ließ sich die Familie in Siegen nieder, aber kurz nach der Geburt Peter Pauls konnten sie nach Köln zurückkehren. Hier

verbrachte Rubens seine früheste Jugend bis kurz vor seinem zwölften Lebensjahr. Die Familie zählte mehrere Kinder. Peter Paul hing sehr an seinem drei Jahre älteren Bruder Philipp. Rückkehr nach Antwerpen Im Jahr 1587 starb Jan Rubens und nicht viel später zog Maria Pypelinckx mit ihren Kindern nach Antwerpen. Die politische Lage dort hatte sich mittlerweile geändert, denn der Feldherr und Diplomat Alexander Jugendjahre

Abel Grimmer und Hendrik van Balen, Antwerpen mit einem Teil des Forts Vlaams Hoofd, 1600. Holz, 37 x 44 cm. Antwerpen, Koninklijk Museum voor Schone Kunsten

Farnese hatte Antwerpen 1585 für die spanische Krone und den katholischen Glauben zurückgewonnen. Gleichzeitig war die Trennung der Niederlande in Nord und Süd zur unumkehrbaren Tatsache geworden. Der Norden organisierte sich als die „Republik der Vereinigten Provinzen“ mit einem Staatsrat und einem „Statthalter“ an der Spitze. Der Süden blieb unter spanischer Herrschaft mit einem Statthalter als Regenten. Mutter Rubens konnte sich also unter der Voraussetzung Rubens und seine Zeit

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Stadtplan von Antwerpen in dem Gedenkbuch Pompa Introitus Ferdinandi, herausgegeben von Theodoor van Thulden bei Jan van Meurs in Antwerpen, 1642. Antwerpen, Museum Plantin-Moretus

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in Antwerpen niederlassen, dass sie sich zum katholischen Glauben bekannte. Die Spaltung in Nord und Süd brachte jedoch keinen Frieden: Beide Parteien bekämpften sich auch weiter grimmig. Rubens’ Jugend – wie übrigens sein gesamtes weiteres Leben – spielte sich vor einem Hintergrund aus Krieg und politischer wie religiöser Zerrissenheit ab. Darüber hinaus mischte sich Frankreich mit der Absicht in den Konflikt, sich zum passenden Zeitpunkt die Südlichen Niederlande einzuverleiben. Es waren verschiedene Phasen dessen, was in der Geschichte als der Achtzigjährige Krieg (1568–1648) verzeichnet steht; ein Krieg, an dem sich zuletzt ganz Europa beteiligte. Peter Paul besuchte in Antwerpen die Lateinschule im Papenstraatje bei der Liebfrauenkathedrale. Hier lernte er Latein und Griechisch. Später sollte er durch Selbststudium sein Wissen um die Kultur der klassischen Antike vertiefen. Mit dreizehn oder vierzehn Jahren verließ er die Schule, um Page bei Marguerite de Ligne zu werden, der Witwe des Grafen de Lalaing, die in der Gegend um Oudenaarde wohnte; aber schon nach wenigen Monaten kehrte Peter Paul nach Antwerpen zurück, wo er eine Ausbildung zum Maler begann.

Rubens und seine Zeit

Jugendjahre


Künstlerische Ausbildung und Aufenthalt in Italien

Zuletzt, nachdem er [Otto van Veen] ihm in kurzer Zeit viel beigebracht hatte und der Name des berühmten Schülers so groß geworden war, dass man zweifelte, wer von beiden der Kundigere sei, er oder sein Meister, beschloss Rubens, nach Italien zu reisen. Roger de Piles, Conversations sur la Connaissance de la Peinture…, Paris, 1677

Erste Ausbildung in Antwerpen Rubens ging nacheinander bei dem Landschaftsmaler Tobias Verhaecht und dem Maler recht schwungloser religiöser Darstellungen Adam van Noort in die Lehre, doch der Einfluss dieser beiden Meister ist nicht nachhaltig gewesen. Wichtiger für seine

Zukunft war die dreijährige Ausbildung in der Werkstatt Otto van Veens, eines Malers von unter anderem robusten Altarbildern und Allegorien mit mythologischen Figuren in einem etwas kühlen und unbewegten klassizistischen Stil. Interessante Beispiele von dessen Werk sind in der Liebfrauenkathedrale (Das Letzte Abendmahl, 1592) und der Sankt Andreaskirche in Antwerpen zu sehen (Die Kreuzigung des Heiligen Andreas, 1599). Eines der seltenen erhaltenen „Jugendwerke“ von Rubens ist das Gemälde Der Sündenfall (oder Adam und Eva) [S. 143]: Es weist eine starke stilistische Verwandtschaft mit dem Werk van Veens auf, ist allerdings kraftvoller und plastischer.

Otto van Veen, Das Letzte Abendmahl, 1592. Leinwand, 350 x 247 cm. Altarbild der Bruderschaft vom Allerheiligsten Sakrament. Antwerpen, Liebfrauenkathedrale — Das Gemälde wurde von Zeitgenossen als ein Höhepunkt im Œuvre Van Veens betrachtet.

Künstlerische Ausbildung und Aufenthalt in Italien

Rubens und seine Zeit

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Ein wichtiger Lehrmeister Otto van Veen oder latinisiert Otto Vaenius wurde 1556 in Leiden geboren. Dort genoss er seine erste Ausbildung zum Maler. Aus Treue gegenüber dem König von Spanien und aufgrund seiner katholischen Überzeugung floh Vater van Veen, der Bürgermeister von Leiden gewesen war, 1572 mit seiner Familie nach Antwerpen. Aber weil auch diese Stadt schon bald von den Reformierten dominiert wurde, emigrierte die Otto van Veen, Der Maler Familie nach Lüttich, wo der junge Otto zu dem Maler und im Kreis seiner Familie, feinsinnigen Humanisten Dominicus Lampsonius in die Lehre Detail, 1584. Leinwand, ging. Anschließend qualifizierte sich Vaenius noch fünf Jahre 176 x 250 cm. Paris, Louvre in Rom. Danach arbeitete er im Dienst des Fürstbischofs von Lüttich sowie des Statthalters Alexander Farnese. Um 1590 war er wieder in Antwerpen, wo er 1594 als Meister in die Sankt Lukasgilde aufgenommen wurde. Im Jahr 1594 oder 1595 landete der damals etwa siebzehnjährige Rubens als Lehrling in seiner Werkstatt. „Das von beiden geteilte Interesse an der Literatur machte sie zu Freunden, und der Lehrmeister gab sein gesamtes Wissen an seinen Schüler weiter; er ließ ihn frei mit allen Geheimnissen seiner Kunst Bekanntschaft machen und lehrte ihn vor allem, die Figuren zu platzieren und den Lichteinfall günstig zu verteilen“, schrieb der Rubensbiograf Roger de Piles im Jahr 1677. Vaenius zog später nach Brüssel und starb dort im Jahr 1629.

Peter Paul Rubens, Kopfstudie eines alten Mannes, 1600–1608. Rote Kreide auf Papier, 23,3 x 15,5 cm. Antwerpen, Rubenshuis

Nach Italien, dem Mekka der Künstler 1598/99, kurz nach der Beendigung seiner Ausbildung bei Vaenius, wurde Rubens als Meister in die Antwerpener Sankt Lukasgilde eingeschrieben, und bereits im Jahr 1600 reiste er nach Italien, um dort seine künstlerische Ausbildung zu vervollkommnen. Schon bald fand er eine Anstellung am Hof des Herzogs von Mantua, Vincenzo I. Gonzaga. In dessen schönen Renaissancepalais konnte er Bilder großer „moderner“ Meister bewundern. Viel Zeit verbrachte er dort jedoch nicht. Der Herzog – der ihm sein Gehalt regelmäßig mit Verspätung auszahlte – gewährte ihm eine gewisse Freiheit, sodass er nach Herzenslust 18

Rubens und seine Zeit

Künstlerische Ausbildung und Aufenthalt in Italien


reisen und lernen konnte. Wichtig waren seine Aufenthalte in Florenz, Genua und insbesondere Rom. Rubens studierte begierig die griechisch-römische Bildhauerei, die Kunst der italienischen Hochrenaissance und die Architektur. In Rom fertigte er zahlreiche Kopien und Studienzeichnungen antiker Skulpturen wie dem Torso Belvedere und dem Laokoon an, weiter von Gemmen (geschnittenen Edelsteinen) und Gemälden von Renaissancekünstlern wie Mantegna, Leonardo da Vinci, Raffael,

Michelangelo, Tizian, Tintoretto, Correggio und anderen. Gleichzeitig zeigte er sich offen gegenüber der neuen Strömung in der Kunst, dem Barock, das sich zu dieser Zeit in Rom im Œuvre Carraccis und Caravaggios manifestierte. In Genua sammelte er Architekturpläne und Fassadenzeichnungen von Palazzi, die er später in Antwerpen stechen ließ und 1622 als Bildband (Palazzi di Genova) veröffentlichte. Im März 1603 wurde Rubens vom Herzog als Begleiter eines Konvois mit Geschenken für König Philipp III. und einigen höfischen

Peter Paul Rubens, Reiterbildnis des Herzogs von Lerma, 1603, Leinwand, 290,5 x 207,5 cm, Madrid, Museo del Prado

Künstlerische Ausbildung und Aufenthalt in Italien

Rubens und seine Zeit

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Peter Paul Rubens, Die Taufe Christi, 1604–1605. Leinwand, 411 x 675 cm. Antwerpen, Koninklijk Museum voor Schone Kunsten

Würdenträgern, darunter den mächtigen Herzog von Lerma, nach Spanien entsandt. Bei dieser Gelegenheit konnte er in der spanischen königlichen Sammlung Meisterwerke von Renaissancemalern wie Tizian entdecken. In Valladolid malte er das imposante Reiterbildnis des Herzogs von Lerma, das mit seiner schwungvollen Ausführung einen Wendepunkt in der Entwicklung seiner Kunst bedeutete. Nach seiner Rückkehr aus Spanien erhielt er endlich einen wirklich großen Auftrag von Vincenzo Gonzaga, der ihm bis dahin durchweg nur untergeordneten Arbeiten wie Kopien und dergleichen anvertraut hatte. Er malte drei riesige Bilder für die Jesuitenkirche in Mantua: Vincenzo Gonzaga und dessen Familie in Anbetung vor der Heiligen Dreifaltigkeit (Mantua, Palazzo Ducale), Die Taufe Christi 20

Rubens und seine Zeit

und Die Verklärung Christi (Nancy, Musée des Beaux-Arts). Bei Aufenthalten in Genua malte er unter anderem Bildnisse von Adeligen. Ab 1605 wohnte er meistens in Rom bei seinem Bruder Philipp, der als Sekretär und Bibliothekar im Dienst eines Kardinals stand. In Rom verwirklichte er unter anderem ein Werk für den Hochaltar der Kirche der Oratorianer. Als das Gemälde seinen Platz auf dem Altar erhielt, zeigte sich jedoch, dass es einen sehr störenden Widerschein hatte. Sogleich machte sich der junge Künstler an eine andere Version, gemalt auf drei Schiefertafeln, einem weniger reflektierenden Material. Eine lebenslange Inspirationsquelle Im Oktober 1608 reiste Rubens in aller Eile aus Rom ab, nachdem er vernommen Künstlerische Ausbildung und Aufenthalt in Italien


Peter Paul Rubens, Torso Belvedere, vor 1608. Bleistift und schwarze Kreide auf Papier, 37,5 x 26,9 cm. Antwerpen, Rubenshuis

hatte, dass seine Mutter im Sterben lag. Als er Antwerpen erreichte, war sie bereits verschieden. Acht Jahre hatte er in Italien verbracht; er kehrte später nie mehr dorthin zurück. Die Werke, die er in Italien schuf, trugen anfangs noch die Spuren seiner Ausbildung bei Otto van Veen, aber schon bald mischten sich allerlei neue Eindrücke darunter: die antike Kunst, das warme, silbrige venezianische Kolorit, Einflüsse von Michelangelo, Raffael, Tintoretto, Tizian und anderen. Die Formgebung wurde freier, die Farbe vibrierend und nuancenreich und unter dem Einfluss der antiken Skulptur Künstlerische Ausbildung und Aufenthalt in Italien

gewannen die Kompositionen eine heroische Monumentalität. In den Skizzenbüchern und Mappen mit Zeichnungen und Studien nach antiken Skulpturen und Renaissancekunstwerken, die er aus Italien mitbrachte, fand Rubens später Inspiration für mythologische und religiöse Figuren. Zusammen mit seinen Zeichnungen nach dem lebenden Modell benutzte er dieses Material seine gesamte weitere Laufbahn hindurch als eine Art Modellrepertoire, aus dem er nach Belieben schöpfen konnte, doch integrierte er diese Elemente immer auf lebendige und originäre Weise in sein Werk. Rubens und seine Zeit

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