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Triester Zeitung Nr. 1 – Frühling 2026

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Nr. 1

Ein Blick auf das Herz Mitteleuropas:

GAUMENFREUDEN

Buschenschank über dem Meer Die Osmize im Karst

Von Georges Desrues

Seite 2

Frühling 2026

Triest als Brücke zwischen den Kulturen

LITERATUR

ARCHITEKTUR

Vom Lesen und Schreiben in Triest

Brutal schön schön brutal Über den Brutalismus in Triest

Die Triestiner Literaten Von Cornelia Vospernik

Seite 4

von Erich Bernard

Seite 6

LEITARTIKEL

Ein neues Blatt mit historischem Namen Von Alexandros Delithanassis und Eugenia Fenzi

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Ankommen STADT DER KONTRASTE

Oder wie aus einem enttäuschenden Besuch ein Sehnsuchtsort wuchs Von Christian Klinger

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ch weiß nicht, ob man einen Artikel auf der Titelseite einer Zeitung, die Werbung für Triest sein soll, damit beginnen kann, dass mein erster Besuch eher eine Enttäuschung war. Es war wohl das, was Umberto Saba tre!end mit der spröden Schönheit (grazia scontrosa) beschreibt, aber ich war damals, ohne zu wissen, was mich erwarten würde, nicht darauf vorbereitet, dass ich anstelle einer italienischen Idylle ein bröckelndes Spiegelbild der ehemaligen k.u.k. Ministerien Wiens vorfinden würde. Und dazwischen die Hinterlassenschaften der faschistischen Architektur, wie die Questura (ehemals casa del fascio) und den Generalibau am Corso Italia (mit der Galleria Arrigo Protti, benannt nach einem italienischen Kriegsteilnehmer) oder die an eine Festung erinnernde Universität, die mit ihren beiden Seitentrakten aussieht wie ein Löwe in Lauerstellung. Die Beziehung zu Triest muss man sich erarbeiten, sofern man nicht auf die nun blank polierten Fliesen aus weißem Karstmarmor auf der Piazza Unità dell’Italia hereinfällt, denn erst hinter der Fassade der Touristenprospekte und Schönwetterfotos der Fremdenverkehrswirtschaft beginnt das wahre, das interessante Triest: jene Stadt, die in ihren Vierteln die Jahrhunderte des Aufstiegs und dann, nach dem zweiten Weltkrieg, auch die Epoche des An-den-Rand-gedrängtSeins aufgesogen hat, wie die Schwämme, die man in der Auslage der Drogheria Toso an der Piazza San Giovanni sehen kann. Nachdem es mit einem One-Night-Stand mit Triest nicht funktioniert hat, musste ich wiederkehren und an einer längeren, tieferen Beziehung arbeiten. Nach Triest kommen ist einfach, ankommen dann schon schwieriger. Für das Überwinden der Distanz von knapp 5 Stunden für die rund 500 Kilometer von Wien (beneidenswert kürzer die Anreise aus den südlichen Landeshauptstädten) eignet sich das Auto oder auch der Flixbus. Am Freitag kann der Stau bei Ljubljana auch schon mal zwei Stunden zusätzlich erfordern, da bleibt dann zur Not die Variante über Tarvis und Udine. Seit Dezember gibt es auch eine neue Verbindung mit dem Zug direkt aus Wien, der dank des neuen Koralmtunnels nun weit schneller unterwegs

ist (günstig nur bei frühzeitiger Buchung mit der Sparschiene). Dann hat man die Stadt zwischen Karst und Meer erreicht und freut sich als Wiener, dass man sich ein bissel wie in Wien vorkommt. Um sich aber zurechtzufinden (und hier geht es nicht nur um eine geografische Orientierung), braucht es einen Reiseführer, der einem auch ein wenig erklärt, wie Triest funktioniert, wie die Triestiner ticken. Meinen Lehrmeister in dieser Sparte fand ich in Mauro Covacich‘ Triest verkehrt, der im Kapitel über die Piazza Oberdan die Idee vertritt, dass die Statue von Marcello Mascherini („Das Hohelied“ – cantico dei cantici, ein Sinnbild der absoluten Liebe) einem ganz bestimmten Paar gewidmet sein könnte: Pino Robusti und seiner Verlobten Laura Mulli. Pino, ein 22jähriger Student der Architektur, wurde dort von der Gestapo (die deutsche Polizei hatte in einem ehemaligen Versicherungsgebäude aus den 1930ern ihren Sitz und noch heute erinnert eine Tafel an den Ort des Grauens, wo auch Boris Pahor die Folter ertragen musste) verhaftet und starb keinen Monat später in der Risiera di San Sabba. Vielleicht auch keine Werbung, die man auf der ersten Seite einer solchen Zeitung machen sollte, aber die Risiera war während der Besetzung Triests durch die Nazis im Jahr 1943 das einzige KZ auf italienischem Boden mit Verbrennungsofen. Das Know-How des massenhaften Tötens steuerten überwiegend Österreicher bei, etwa Odilo Globocnik, selbst in Triest geboren, als es Teil der österreichisch-ungarischen Monarchie war. Oder Josef Oberhauser, der dort Kommandant war. Was mich an dieser Geschichte berührte – es war eine von unzähligen aus dieser Zeit – war der von Pino an seine Verlobte hinterlassene Brief, den er aus seiner Zelle hatte schmuggeln können. Ich wollte mehr über sein Leben erfahren, besuchte die Risiera, ein Nationaldenkmal, fand dort weitere Indizien, aber niemanden, der Pinos Schicksal aufgearbeitet hatte. Nach einer längeren Suche nach weiteren Spuren und einer noch längeren Dauer der Recherche (und dies großteils auf Italienisch, ohne je die Sprache richtig erlernt zu haben), war die Idee gekommen, einen Roman über Pino Robusti und Laura zu schreiben, denn das

hatte o!enbar noch niemand getan. Trotz der Ausstellung in der Gedenkstätte gewann ich aus mehreren Gesprächen mit einem zufällig in einer Bar oder auf der Straße ausgesuchten Gegenüber das Gefühl, dass seine Geschichte vergessen würde, wenn es mir nicht gelänge, ihn literarisch zum Leben zu erwecken. Pino sollte ein Typ werden, mit dem man sich gerne auf ein Bier tre!en würde. Der Roman wurde 2020 in Österreich verö!entlicht, das Jahr, in dem die Welt wegen der Pandemie stehenblieb und ich über Monate nicht nach Triest fahren durfte. Aber immerhin gab es das Buch in der Libreria im Ca!è San Marco zu kaufen. Umso erfreulicher war die Nachricht, die ich zwei Jahre später erhielt, wonach der Roman auf Italienisch übersetzt und Anfang 2024 in Triest präsentiert würde, und zwar im Jänner. Pino und seine Geschichte waren zurückgekehrt, und zwar genau dorthin, wo sie hingehörten. Die Präsentation in der übervollen Buchhandlung Ubik lief wunderbar und ich konnte auch bei den Fragen aus dem Publikum die passenden Antworten finden. Bis jemand nach Laura fragte, und ich antwortete, über Laura wisse man nichts, worauf von ganz hinten ein Signore und eine Signora zu mir nach vorne auf die Bühne kamen und sagten: Laura war meine Tante, und danach der Mann, ich war zwischenzeitig auf die Hälfte geschrumpft und er überragte mich wie eine Riese um zwei Köpfe, Laura war meine Mutter. Nach dem Moment des Schocks über diese unerwartete Wendung und mangels eines sich auftuenden Lochs, in dem ich hätte verschwinden können, mussten wir uns einander stellen. Wir trafen wir uns danach und es entstand eine meiner schönsten Freundschaften, denn Pinos und Lauras Geschichte hat uns zusammengeführt. So war nicht nur mein Buch, sondern auch ich angekommen. Christian Klinger, österreichischer Autor, lebt zwischen Wien und Triest, der Stadt, in der viele seiner Bücher angesiedelt sind, darunter Die Liebenden von der Piazza Oberdan, Ein Giro in Triest und Die Geister von Triest.

ie Triester Zeitung war die wichtigste deutschsprachige Tageszeitung in Triest während der Habsburgerzeit. 1851 gegründet, schilderte sie das Leben des Hafens, den Handel und die Bevölkerungsgruppen, die die mitteleuropäische Stadt prägten, und gab dem kosmopolitischen, welto!enen Triest eine Stimme. Ihre letzte Ausgabe erschien am 2. November 1918, am Ende der langen habsburgischen Epoche. Seither blieb ihr Name als Erinnerung an eine Zeit bestehen, in der Triest tatsächlich ein Kreuzungspunkt von mehreren Sprachen und Kulturen war.

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Keine Nostalgie, sondern Aktualität: Österreich kehrt nach Triest zurück.

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Heute, mehr als ein Jahrhundert später, greifen wir diesen Namen wieder auf – nicht aus Nostalgie, sondern aus Aktualität. Denn Österreich – und mit ihm auch Deutschland – kehren nach Triest zurück: als Tourismusziel mit Tausenden von Besucher:innen jedes Jahr, und als Lebensort, da immer mehr Österreicher:innen und Deutsche hier eine Zweitwohnung haben oder sich dauerhaft niederlassen. Es ist eine Rückkehr, die nicht nur die Menschen betri!t, sondern auch den Geist der Stadt: die Erneuerung einer historischen Verbindung, die Triest erneut zu einem kulturellen und menschlichen Bezugspunkt für Mitteleuropa macht. Das bezeugen auch die deutschsprachigen Schriftsteller:innen, die heute in Triest leben und arbeiten und mit ihrer Stimme die literarische Tradition der Stadt bereichern. In Wien trägt die Triester Straße noch immer den Namen der adriatischen Stadt: eine lebendige Spur der Bedeutung, die Triest im österreichischen Bewusstsein hatte – und weiterhin hat. Zeugnis eines geteilten Schicksals, das seine Form ändert, aber nicht seinen Kern. Fortsetzung auf Seite 2


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LEITARTIKEL Fortsetzung von Seite 1

Die Idee, die Triester Zeitung neu zu beleben, entspringt also diesem Geflecht von Vergangenheit und Gegenwart und nimmt Gestalt an durch Freundschaften, Gespräche und Begegnungen mit Österreicher:innen und Deutschen, die in Triest leben und das Antico Ca!è San Marco besuchen, das wir, Alexandros Delithanassis und Eugenia Fenzi seit 2013 betreiben, in einer Stadt, in der das Meer auf das Land tri!t und Grenzen zu Brücken werden. Zwischen einem Ka!ee, einem guten Glas Wein, einem Buch und einem Gespräch entsteht jedes Mal aufs Neue jene Atmosphäre eines mitteleuropäischen Salons, die den Geist dieser Stadt ausmacht. Ein besonderer Dank gilt unserer Freundin Simone Weisskopf-Garibaldi und ihren TedEsco-Abenden im Ca!è, Momenten des Dialogs in deutscher Sprache, die das Gemeinschaftsgefühl gestärkt haben. Aus dieser Energie – und dem Wunsch nach grenzenlosem Austausch – entstand unser Entschluss, die Triester Zeitung wieder aufleben zu lassen. Unser Projekt ist keine Nostalgie, sondern kulturelle Kontinuität. Wir wollen eine lebendige Kultur bekräftigen – o!en für Austausch, Vielfalt und neue Perspektiven. Triest ist und bleibt eine Brücke zwischen Kulturen: Das bezeugen seine Menschen, seine Straßen, seine Palazzi, seine Cafés. In den letzten Jahren haben viele Österreicher:innen und Deutsche Triest zu ihrem Zuhause gemacht, angezogen von Lebensqualität, Schönheit, kulturellem Angebot und von der O!enheit – auch wenn sie manchmal verborgen ist – dieser Stadt. Genau wegen jener unübersetzbaren Weltanschauung, die uns auszeichnet: eine Sicht auf die Welt, die über Jahrhunderte aus Begegnungen – und auch aus Konflikten – von Sprachen, Kulturen und Religionen entstanden ist. Eine Perspektive, die o!en zum Horizont ist, sensibel für Nuancen, bereit, aufzunehmen, ohne sich selbst zu verlieren. Deshalb sind wir überzeugt, dass die Präsenz dieser „neuen“ Mitbürger:innen unser soziales Gefüge bereichert, Stimmen, Erfahrungen und neue Ansichten einbringt. Wesentlich ist auch die slowenische Komponente der Stadt, und nicht weniger bedeutend sind die serbische, griechische, kroatische, jüdische, armenische und weitere historisch hier verwurzelte Bevölkerungsgruppen sowie die neuen Einwanderergruppen. Gemeinsam machen sie Triest zu einem Mosaik von Identitäten, die sich berühren, begegnen und miteinander verweben. In dieser ersten Ausgabe präsentieren wir ein vielstimmiges Ensemble von Autor:innen, vereint durch ihre Liebe zu Triest und ihre Neugier auf seine Vergangenheit und Gegenwart: eine Reise von der Piazza Oberdan zu den Osmizen des Karsts, von Joyce und Svevo nach San Giacomo, vom städtischen Brutalismus zur neu gedachten Küste zweier Visionäre, von Görz zum multikulturellen Herzen der Stadt, bis zur Kunst von Leonor Fini, zur architektonischen Wucht von Monte Grisa und zu den kulturellen Veranstaltungen, die in die Zukunft weisen. Und vielleicht lehrt uns Triest, jenseits aller Daten, Orte und Geschichten, etwas Einfaches und zugleich Wesentliches: dass Städte nicht nur aus Häusern und Straßen bestehen, sondern aus einem nie endenden Gespräch zwischen Generationen und Kulturen. Die Triester Zeitung ist nicht nur eine wiedergeborene Zeitung: Sie ist eine geö!nete Seite, bereit, neue Geschichten aufzunehmen, die Teil des kollektiven Gedächtnisses werden. Diese Zeitung ist eine Einladung: an alle, die hier leben, die zurückkehren, die nur kurz verweilen oder Triest auch in der Ferne im Herzen tragen. Eine Einladung, mitzuwirken, zu schreiben und Gedanken auszutauschen. Die Triester Zeitung ist eine Agora, eine Brücke zwischen Sprachen und Kulturen, eine Werkstatt, ein immer o!ener Hafen.

Nr. 1 Frühling 2026 - Triester Zeitung

Nr. 1 Frühling 2026 - Triester Zeitung

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OSMIZE

DER PERSÖNLICHE TIPP

Buschenschank über dem Meer

Georges Desrues, geboren in Paris, aufgewachsen in Wien, lebt seit 20 Jahren als freier Journalist in Italien. Von Irene Schmidt

Von Lisa Krottenmüller

Meine Lieblingsosmiza

Über die Osmize im Karst Von Georges Desrues

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. Früher war die Suche ein Abenteuer – heute haben OsmizaForscher ein GPS.

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och über dem Golf von Triest ö!net Benjamin Zidarich die Glastür zu einer weitläufigen Terrasse. „Die haben wir für unsere Gäste gebaut, damit sie den Ausblick genießen können“, sagt der Winzer. Und der Ausblick ist wahrhaftig atemberaubend. Entlang der azurblauen Adria und den grauen Felsen des Karstgebirges schlängelt sich die Küstenstraße Strada Costiera bis nach Triest, währenddessen ziehen Fracht- und Kreuzfahrtschi!e hinter Schloss Duino ins o!ene Meer hinaus. Nur wenige, dafür umso steilere Kilometer sind es von der Küste bis hier herauf in den Ort Prepotto (slowenisch Praprot), wo Zidarichs Weingut liegt. Vor allem im Vergleich zu anderen Weinbaugebieten wirkt der Triester Karst verschlafen, mancherorts gar verlassen. Hier scheint die Zeit still zu stehen. Enge Straßen und Gassen winden sich durch die fallweise renovierungsbedürftigen Häuser und die karge und schro!e Landschaft des Karstplateaus. Winzer gibt es hier viele, seit Jahrhunderten pflanzen die Mitglieder der slowenischsprachigen Minderheit ihre Weinstöcke im felsigen Boden, auf ruppigem Gelände und abschüssigen Hängen. In der Vergangenheit meist nur in geringen Mengen, um der harschen Natur außer ein wenig Roggen, etwas Obst und Gemüse auch ein bisschen Wein für den Eigenverbrauch abzuringen. Zusammen mit seinem Vater war Zidarich einer der ersten im Karst, der den Weinbau als Hauptberuf betrieb. Und es bald darauf zu einem wahren Starwinzer brachte, berühmt in ganz Italien und weit über dessen Grenzen hinaus. Später grub er einen Weinkeller in den Felsen unter seinem Haus, das seit dem 18. Jahrhundert in Familienbesitz ist. Aus den Steinen baute er die Terrasse und einen Gastraum, in dem er seinen Buschenschank betreibt. „Ich bin mit dem Buschenschank aufgewachsen“, sagt Zidarich

und zapft einen halben Liter Malvasia vom Fass, „alle hier sind damit aufgewachsen, darum ist es so wichtig, die Tradition aufrechtzuerhalten“. Als der Habsburger Kaiser Josef II. im Jahr 1784 seine berühmte Zirkularverordnung erließ, die es den Weinbauern erlaubte, ihren Wein an bestimmten Tagen im Jahr direkt zu verkaufen und auszuschenken, waren Triest und der Karst bekanntlich noch Teil seines Reiches. Und so kommt es, dass eine lokale Variante dessen, was man in Österreich Heurigen oder Buschenschank nennt, in und um die inzwischen italienische Hafenstadt bis heute überlebt hat. Ihren Namen beziehen diese sogenannten Osmize (Slowenisch osmice, Einzahl: osmica, Italienisch osmiza) vom slowenischen Wort für „acht“, da sie ursprünglich nur acht Tage im Jahr geö!net sein durften. Dieser Teil der Verordnung wurde inzwischen geändert, dennoch bleibt die Gesetzeslage, die Osmize betre!end (wie in Italien nicht unüblich) eher undurchsichtig und variiert von Gemeinde zu Gemeinde. Und zwar nicht nur in Zusammenhang mit den Aussteck-Zeiten, sondern vor allem, was die Verabreichung von Speisen betri!t. Diese dürfen mancherorts ausschließlich aus hauseigener Produktion stammen, bisweilen mit Ausnahmen, etwa für den Käse, können anderenorts aber auch zugekauft werden. Warme Gerichte sind jedenfalls nicht erhältlich, es sei denn, es handelt sich bei dem Betrieb in Wahrheit um einen Agriturismo, der aber verwirrenderweise, und ganz genau wie eine Osmiza, einen Buschen (also einen günen Zweig) aussteckt. Doch wie dem auch sei: Die meisten Osmize sind wundervolle Orte, die von den Triestern geliebt werden und für Besucher unabdingbarer Teil eines jeden Triest-Aufenthalts sein sollten. Bis vor wenigen Jahren war es noch Teil der Osmiza-Erfahrung, einfach in den Karst

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Osmiza Stoka E.E., Località Contovello, 29 hinaufzufahren und an den Straßenkreuzungen den Buschen mit ihren Holzpfeilen zu folgen, die einen den Weg zu den ausgesteckten Betrieben wiesen. Inzwischen sind die Osmiza-Forscher freilich mit modernster 5G- und GPS-Technologie ausgestattet, was zwar Abenteuergeist raubt, zugleich aber Zeit spart. Eine App namens www.osmiza.it listet nicht nur die ausgesteckten Betriebe, sondern führt via Google-Maps auch gleich dorthin. Vor allem bei Schönwetter und an Wochenenden strömen die Triester in großen Mengen in den Karst, um Wein zu trinken, hartgekochte Eier, Prosciutto und sonstige Salumi zu essen. In den Osmize tre!en sich vormittags ältere Semester beim Kartenspiel, nachmittags die jüngeren zum Singen und Gitarre-Spielen. Gesprochen wird Slowenisch genauso wie Italienisch, und in manchen, schönen Momenten singen sogar alle gemeinsam. Der Wein der Osmize ist nur selten etwas für Connaisseurs, billig ist er dafür immer. Nennenswerte Ausnahmen gibt es freilich auch. Benjamin Zidarich ist nämlich nicht der einzige Winzer mit Starruhm, der einige Wochen im Jahr aussteckt, und dessen Betrieb in der Regel gestürmt wird. Dazu zählt unter anderen auch Ivan Gabrovec, dessen Weingut sich gleichfalls in Prepotto (Slowenisch Praprot), dem Hauptwein-Ort des Karsts, befindet. Glasweise verkaufen die Stars dann außer ihren hochpreisigen Bouteillen-Weinen auch viel preisgünstigere Fass-Ware. Neben kleinen Mengen internationaler Sorten wie Sauvignon Blanc und Chardonnay werden am Karst vor allem vier autochthone Traubensorten angebaut, darunter drei Weißweine und der dunkelrote Terrano. Die Weißweine sind die Istrianische Malvasia, die Vitovska und die Glera. Letztgenannte

stammt von hier und ist heute die Hauptsorte des weltweit erfolgreichen Sprudelweins Prosecco, der weiter westlich im Friaul und im Veneto angebaut wird. Sie alle gelten als durchaus repräsentativ für das außergewöhnliche Terroir und den groben Charme, den kargen und mineralsto!reichen Boden der Gegend. Weiter östlich, im Ort San Giuseppe della Chiusa, liegt die Osmiza Igor e Diego. Auch hier eine weitläufige Terrasse und ein atemberaubender, wenngleich weit weniger lieblicher Ausblick. Vor geö!netem Garagentor sitzt man an mit Plastiktischtüchern gedeckten Bier-Garnituren und wärmt sich in der diesigen Frühlingssonne. Was man von hier aus sieht, ist kein liebliches italienisches Küstenklischee mit azurblauem Wasser, kleinen Fischerbooten und pastellfarbenen Häusern: Es ist die Bucht von Muggia, im Golf von Triest – mit Hafenanlagen, Kränen und Tankerschi!en sowie den dazu gehörigen Öltanks und Raffinerien. Wer sich im östlichsten Winkel Italiens Postkartenansichten wie am Comer See oder in Portofino erwartet, wird wohl enttäuscht sein. Von hier sind es nur wenige Kilometer zur slowenischen Grenze. Interessanterweise wundern sich vor allem osmica-begeisterte Besucher aus Slowenien immer wieder darüber, dass diese Tradition des Buschenschanks trotz seines slowenischen Namens auf ihrer Seite der Grenze nicht überlebt hat. Dabei scheinen sie zu vergessen, dass in Jugoslawien und seinem sozialistischen Wirtschaftssystem naturgemäß kein Platz war für Direktverkauf und Ausschank von Wein ab Hof. Inzwischen wurde die Tradition allerdings wiederbelebt. Und so hängt heute auch auf slowenischen Karststraßen der eine oder andere Buschen.

ch lebe nun schon seit 19 Jahren hier im wunderschönen Triest, und meine ganze Familie und etliche meiner österreichischen Freund:innen kommen mich seitdem, teilweise gleich mehrmals im Jahr (das soll keine Beschwerde sein), besuchen. Der Touristenalltag hat sich natürlich verändert: Das imposante Schloss Miramare ist der charmanten Villa Sartorio gewichen, der Markteinkauf auf der Piazza Ponte Rosso hat sich auf den Grätzelmarkt nach San Giacomo verlegt usw. Aber eine Konstante bleibt immer gleich. Nach all den Jahren ist immer noch die erste Frage, sofort nach der Begrüßung… na, erraten? „Welche Osmiza hat grad o!en??“ Und hier baut sich dann der Spannungsmoment auf: Wir sind in Triest in der glücklichen Lage, aus dem Vollen schöpfen zu können. Die Auswahl an Osmizen ist groß, und eigentlich ist für jeden Geschmack etwas dabei. Von urig – um nicht zu sagen rudimentär – bis zu quasi elegant mit spektakulärem Ausblick lässt sich alles finden, aber nicht immer hat alles o!en. Der Glücksfaktor spielt also eine Hauptrolle! Meiner Meinung nach macht gerade dieses nicht wählen können den Osmiza-Besuch zu einem besonderen Erlebnis! Man spürt einen kleinen Schauer, weil man oft nicht weiß, was einen erwartet – ein Mikroabenteuer sozusagen. Triestiner:innen wie auch treue Tourist:innen haben natürlich ihre Strategien entwickelt und wissen ungefähr, wann ihre Lieblingsorte o!en haben, um ja kein Glaserl zu versäumen. Ich persönlich freue mich immer ganz besonders, wenn meine Lieblingsosmiza U Kutu in Prosecco o!en hat. Versteckt im alten Viertel rund um die Kirche liegt dieses kleine, steinerne KarstGehöft, von außen ganz unscheinbar. Wenn man dann durch die dunkelgrün gestrichene Holztür in die Stube tritt und weiter nach hinten geht, erreicht man den kleinen Terrassengarten mit den charakteristischen Holzbänken oder Tischen aus alten Weinfässern. Man sitzt in einem kleinen Weingarten mit Blick auf den alten Kirchturm, genießt das typische Osmiza-Essen bester Qualität wie Pancetta, Ossocollo und hausgemachte Salami von Lieferanten aus der Umgebung. Ein besonderes Highlight ist der traditionell hergestellte Prosekar, den es dort auch in Flaschen gibt, und wenn man Glück hat, auch herrliche selbstgemachte Nachspeisen wie Crème brûlée oder Sambuco-Sorbet. Ich empfehle allen, die das Glück haben, zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein zu können, mit dem Bus (Linie 44) zu kommen bzw. das Auto auf dem Gratisparkplatz Parcheggio centro di Prosecco stehen zu lassen, Richtung Kirche zu steuern und durch die von den typischen, antiken Steinhäusern gesäumten Gassen dieses italienisch-slowenischen Dörfchens bis zu meiner Lieblingsosmiza zu schlendern… In diesem Sinne: “Alla salute und Prošt!!”

U Kutu, Prosecco 82 Prosecco-Contovello

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it meiner Familie gehe ich gerne zu Pipan Klaric. Hier gibt es neben dem klassischen Osmiza-Essen auch besondere Leckereien – zum Beispiel den sogenannten strudel salato, das ist ein herzhafter Strudel, der warm serviert wird und unter anderem mit Käse und Sonnenblumenkernen gefüllt ist. Ich mag diesen Ort sehr, weil es drinnen sehr gemütlich ist und man vom Wintergarten aus auf einen weitläufigen Garten mit Olivenbäumen und die angrenzenden Weinreben blickt. In den wärmeren Monaten kann man hier auch sehr nett draußen sitzen. Auf der großen Wiese können die Kinder ungestört herumtollen, Ball spielen oder es sich auf Decken gemütlich machen. Außerdem gibt es ein Gehege mit Enten und Gänsen – das finden viele Kinder spannend. Meistens sind auch andere Familien mit Kindern dort, sodass schnell neue Bekanntschaften entstehen und die Kinder gemeinsam spielen. Für uns ist es immer ein entspannter und schöner Ausflug.

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Hier gibt es neben dem klassischen Osmiza-Essen auch besondere Leckereien.

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Osmiza Pipan Klaric Località Malchina, 58/h

SLO

Malchina

Sistiana

Prepotto

Aurisina

Gabrovizza

Miramare

Prosecco

Barcola

Irene Schmidt ist Lektorin für deutsche Sprache an der Universität von Udine, stammt ursprünglich aus Oberösterreich und lebt seit 19 in Triest Jahren glücklich in Triest.

Opicina

Lisa Krottenmüller unterrichtet Deutsch als Fremdsprache an der Universität Udine, sie kommt ursprünglich aus Essen und lebt seit vielen Jahren in Triest.


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Nr. 1 Frühling 2026 - Triester Zeitung

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LITERATUR

DER PERSÖNLICHE TIPP

ORF-Korrespondentin Cornelia Vospernik und die Triestiner Literaten Von Cornelia Vospernik

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eine erste Bekanntschaft mit dieser Stadt war die einer Teenagerin, die staunte wie ein kleines Kind: Ich habe gestaunt über das endlose Meer, das stählerne Blau, den Wind in meinem Haar. Ein Jahr später wurde ein Ort außerhalb dieser Stadt eine neue Heimat. Dort habe ich auch gestaunt aber noch mehr studiert. Ich war in Duino, sozusagen auf den Klippen über diesem Meer, mit einem Buch in der Hand von dem ich weiß, dass es damals niemand in den Deutschstunden erfasst hat. Da saßen wir also, Schülerinnen und Schüler an einem internationalen College und lasen Rilke. Wer wenn ich schriee hörte mich denn aus der Engel Ordnungen? Zu hoch für uns. Wir waren eine kleine Deutschklasse in dieser internationalen Schule, die Klassenzimmer in einem Gebäude, das einst die Grundschule dieses Dorfes gewesen ist. Neben uns konnten wir laut hören, wie sich die literaturbeflissene Argentinierin Susana in der Interpretation eines anderen Werkes erging. Wir haben großteils geschwiegen über Rilke. Und doch, wenn mein Mitschüler Marc eine Eingebung hatte, teilte er sie uns allen mit, so laut wie Susana in der Nebenklasse. In den Englischstunden legte man uns nebst Hemingway, natürlich, auch Joyce vor. Absence is the highest form of presence. Ein Satz aus seiner Erzählung The Dead, der sich mir eingebrannt hat. Doch was wusste ich damals schon über diesen Iren, der in Triest gelandet war? Heute ist er so etwas wie einer der pinup boys der Stadt. Sie haben ihm ein Denkmal gebaut am Kanal, dem Mann mit Hut. Und anderen Literaten begegnet man in der Stadt auch. Wenn ich im Cafè Stella Polare sitze, bin ich an einem Ort, an dem der mittellose Ire, der als Englischlehrer in die Stadt gekommen

James Joyce, Zeichnung von Alexandros Karavas (Il sogno di Joyce – Quaderni del San Marco, 2022)

An Joyce gescheitert dafür macht mir Svevo die Endzeitstimmung von heute erträglicher.

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war, mit einem anderen ganz Großen der Stadt saß, womöglich an einem Tisch vor genau dem Spiegel, den es in diesem Ka!eehaus immer noch gibt? Ich frage es mich jedes Mal, wenn ich an diesem Spiegel vorbeigehe. Wobei, ich muss gestehen, ich bin an Ulysses zweimal gescheitert. Ich scha!e es einfach nicht. Man müsse den Rhythmus dieses Buches erfassen, sich von diesem leiten lassen, es gehe da weniger um die Wörter, strenggenommen, hat mir ein Triestiner Joycologe verraten. Ulysses also weniger ein Roman als eine Art Gesang? Ich habe es versucht. Ich

Saba

Joyce

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Italo Svevo

Svevo

habe mir Ulysses selbst laut vorgelesen, denn das ist kein Problem für mich, im Gegenteil. Ich lese mir überhaupt gerne laut vor. Manchmal gehe ich dabei auch auf und ab und deklamiere. Am liebsten mit Büchern in Fremdsprachen. Selbst wenn ich stumm lese, denn es laut zu tun könnte verständlicherweise im Liegestuhl im Hochsommer im Triestiner Bad für Irritation sorgen, lese ich mir doch in meinem Kopf laut vor. Bei Ulysses hilft das alles nichts. Ich könnte sogar nebenbei mit der nicht das Buch haltenden Hand, also der freien, den Takt schlagen auf dem Tisch oder

dem Liegestuhl, von mir aus, es würde nichts ändern. Über einhundert Seiten komme ich nicht hinaus. Mein Ulysses, paperback und 30 Jahre alt, hat Meerwasser abbekommen, Fettflecken und Ka!ee und ist doch sozusagen unberührt von mir. Stattdessen aber habe ich den Englischschüler von Joyce verschlungen: Italo Svevo, der mit Zeno Cosini einen unfassbar modernen, weil gelangweilten Menschen beschrieben hat, der fortwährend seine letzte Zigarette raucht. Man fühlt mit ihm. Die Dekadenz, die damals so vortrefflich beschrie-

Von Regina Rauch-Krainer

ben wurde, macht mir die Endzeitstimmung von heute irgendwie erträglicher. Ich lese aus ihr aber auch heraus, dass Triest damals anders war als heute: eine Weltstadt nämlich, nicht eine kleine Stadt am Rand eines Landes, das sich diese Stadt zwar erkämpft hat, aber nicht so recht zu wissen scheint was mit ihr anzufangen, ist sie doch absolute Peripherie. Dass, von Süden kommend, in Venedig Schluss ist mit der schnellen Bahn, sagt alles. Ich frage mich manchmal wie sie wohl gewesen sein muss, die Zeit, in der im alten Hafen

noch alles mögliche umgeschlagen wurde, bevor er dem Verfall preisgegeben wurde und dann, so wie jetzt, zu einem Radweg geworden ist, an dem sich wohl Luxuswohnungen oder Hotels ansiedeln werden. Immerhin, endlich wird etwas aus diesem Hafengebiet. Und endlich ist diese Stadt wieder schön geworden. Ich erinnere mich an das Triest der 80er Jahre: grau und trist und in der Bahnhofsgegend voller Geschäfte, in denen an Samstagen halb Jugoslawien einzukaufen schien: von Ka!ee bis Kleidung, die es dann in stinkenden Bussen und nach langen Kontrollen über eine Grenze scha!ten, die heute keine mehr ist. Wie spannend muss es gewesen sein, als vom Passagierterminal noch richtige Passagierschi!e und Fähren abgelegt haben anstatt der Kreuzfahrtschi!e, die die umliegenden Häuser bei weitem überragen und denen man erlaubt, ausgerechnet am Molo Audace anzulegen anstatt sie in den Hafen zu verbannen, wenn sie schon unbedingt in Triest anlegen müssen. Und damit komme ich zu meinem absoluten Triestiner Lieblingsliteraten: Umberto Saba. Sein Roman Ernesto gibt einen Einblick in das Hafentreiben von damals. Man kann sogar Triestinisch lernen, wenn man ihn liest. Aber nicht nur das. Die Geschichte über die Sexualisierung eines Jugendlichen, erst seine homosexuelle, dann seine hete-

rosexuelle, muss so schockierend gewesen sein, dass sie erst posthum erschienen ist. Ernesto ist der einzige Roman von Umberto Saba. Auch er hat natürlich sein Denkmal in der Stadt. Saba schrieb, was im Literaturbetrieb am schwersten zu verkaufen ist: Lyrik. Diese hat mich so sehr gepackt, dass ich sogar etwas gemacht habe, was sonst nicht meine Art ist, weil ich nicht glaube, dass auf Friedhöfen irgendetwas von uns Menschen übrig bleibt, beziehungsweise zu finden ist. Ich habe einen Bus genommen, hinaus ins Industriegebiet mit Stopp beim Friedhof und habe mich auf die Suche nach Umberto Sabas Grab gemacht. Irgendwo neben den Urnen habe ich es gefunden, habe innegehalten und dabei verstanden, dass wir Friedhöfe wirklich für die Lebenden machen. Denn ich habe mich vor seinem Grabstein für diese Lyrik bedankt, also für das, was wirklich von ihm geblieben ist, allerdings nicht an diesem Grabstein. Triest hat eine große literarische Tradition, die, wie ich finde, zu wenig hervorgestrichen wird. Anstatt dieser ständigen Jahrmärkte und Verkaufsstände auf all den schönen Plätzen dieser Stadt würde ich mir ständiges Wettlesen wünschen. Wenn man die Piazza Hortis überquert, kann man gegenüber vom Park ein Museum sehen, das nicht so groß ist wie es hätte werden sollen. Das Triestiner

Libreria Antiquaria Drogheria 28 Balsam für meine Seele

D Bruno Chersicla Umberto Saba (1977)

Literaturmuseum hätte der zentrale Bau für die UNESCO-Literaturstadt werden sollen. Auch italienische Kulturhauptstadt wollte man werden. Gescheitert an Bergamo. Ist deren Kulinarik etwa besser als unsere Literatur? Triest ist eine inspirierende Stadt, trotz ihrer Kleinheit, ja Provinzialität. Denn man kann ihr den Rücken zuwenden, behütet von der Unaufgeregtheit hinter einem und überall in die Weite blicken, in der alles greifbar und beschreibbar scheint. Es war ein Jugendtraum von mir, ein Bild, das ich bis heute in mir trage: das Haus im Karst über Triest, vor dem sich eine Terrasse mit diesen alten, abgewaschenen, von Wetter und Wind gezeichneten Fliesen erstreckt. In der Mitte der Terrasse ein Tisch. Auf ihm eine Schreibmaschine. Ich, den Blick zum Meer gerichtet, die Finger auf den Tasten, schreibend. Das habe ich immer gewollt. Lesen und schreiben in Triest. Ich habe als Jugendliche beschlossen, einmal in diese Stadt zurückzukehren und habe es gescha!t. Ja, es wurde nicht das Haus im Karst, aber vielleicht wird es das noch. Und ja, Schreibmaschinen verwendet keiner mehr. Aber wer weiß, vielleicht schreibe ich doch noch etwas, und zwar wie alle wirklich Schreibenden, nicht weil es gelesen werden soll, sondern weil es geschrieben werden muss.

ort, wo einst Heilkräuter über das Verkaufspult gereicht wurden, streicheln heute alte Bücher die nostalgische Seele. Allein die originale Einrichtung der ehemaligen Drogerie lässt uns eine kleine Zeitreise ins Triest des frühen 20. Jahrhunderts antreten. Und der Fundus in den für Putzmittel & Co. ausgedienten uralten Fächern und Schubladen entzückt nicht nur eingefleischte Kenner der reichen Literaturgeschichte der Stadt und jene, die der italienischen Sprache mächtig sind. Buchhändler Simone Volpato, ehemaliger Professor für Bibliographie, fokussierte sich, als er diesen Ort aus jahrzehntelangem Dornröschenschlaf holte, auf einzigartige Entdeckungen von Privatbibliotheken, wie zum Beispiel jener des großen Triestiner Literaten Italo Svevo. Er spürte und spürt aber auch immer wieder literarische und andere Druckwerke in deutscher Sprache auf, die bis in die Zeit der k.u.k. Monarchie reichen. Mag schon auch einmal ein Struwwelpeter unter den sorgfältig behüteten Kinderbüchern sein.

Foto Simone Volpato

Vom Lesen und Schreiben in Triest

Cornelia Vospernik geboren in Villach, ist eine österreichische Journalistin und leitet seit 2020 das ORF-Korrespondentenbüro in Rom. Sie hat einen Wohnsitz in Triest.

Als Archäologe des Buches, wie er sich versteht, erzählt er auch gerne die Geschichten hinter den Büchern, von deren Schreibern, Besitzern und Lesern. Nun auf den Geschmack gekommen, empfiehlt sich ein zusätzlicher Besuch ums Eck. Denn da befindet sich in guter Gesellschaft das neue Literaturmuseum von Triest – das Museo LETS (ein interaktives Literaturmuseum, das die reiche literarische Kultur der Stadt im 20. und 21. Jahrhundert feiert, uns seit September 2024 geö!net ist). Für ein klassisches Triestiner Postkartenmotiv sollte man noch die nahe Treppe der Via Ciamician hochsteigen. Der Ausblick auf den Golf von Triest bezaubert zusätzlich die Seele. Libreria Antiquaria Drogheria 28 Via Ciamician 6, Trieste www.libreriadrogheria28.it

Regina Rauch-Krainer,Kulturreise-Veranstalterin und Reisejournalistin mit Fokus auf den Alpe Adria Raum.


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ARKITEKTUR

DER PERSÖNLICHE TIPP

Erich Bernard, geboren 1965, lebt als Architekt und Autor in Wien und Triest.

Brutal schön –schön brutal .

Von Erich Bernard

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ie Osmize in Longera, dem kleinen langgestreckten Vorort von Triest, den man vor allem vom Vorbeifahren kennt, zählen zu den Ursprünglichsten ihrer Art. Keine Massen, die um Plätze kämpfen, vor allem Stammgäste und Habitués – Triest-Besucher von auswärts finden sich dort nur selten. Das mag daran liegen, dass Longera etwas versteckt in einer Mulde zwischen der Stadt und dem höheren Karstplateau liegt. Das mag aber auch daran liegen, dass der Ausblick von dem riesigen Wohnbau Rozzol Melara beherrscht wird, der auf dem gegenüberliegenden Hügel thront und den viele Triester als den hässlichsten Ort der Stadt bezeichnen: Der imposante Betonbau passt so gar nicht zum idyllischen, nostalgisch verklärten Bild des mediterranen Lebensstils, den man mit Triest verbindet. Doch gerade diese Gegensätze, das Nebeneinander von Rauem und Sanftem, Schönerem und Hässlichem, prägen den einzigartigen Charme der Stadt am Meer. Rozzol Melara ist dafür ein besonders eindrucksvolles Beispiel: eine monumentale Wohnanlage im Stil des Brutalismus, hoch über Triest und am Rand des Stadtparks Parco Farneto gelegen. Der Bau dieses Betonriesen erstreckte sich über 15 Jahre – von 1968 bis 1983 – und wurde nie ganz abgeschlossen. Heute leben hier etwa 2500 Menschen in 468 Wohnungen. Rund um die Anlage finden sich zahlreiche Einrichtungen des täglichen Bedarfs: Supermarkt, Apotheke, Gemeinschaftszentrum, Sozialstation sowie Post und Polizeiposten – eine Art Stadt in der Stadt. Zwei L-förmige, bis zu 50 Meter hohe Wohnblöcke bilden ein großes Quadrat von rund 200 mal 200 Metern, das an ein Fort erinnert und einen weitläufigen Innenhof umschließt. Die Anlage ist so groß, dass man selbst aus 10.000 m Höhe noch aus dem Flugzeug das Erkennungsmerkmal von Triest sehen kann. Eine Art ungeliebtes Wahrzeichen. Die achtgeschossigen Gebäude stehen auf Pfeilern, um die Natur darunter durchfließen zu lassen. Hoch oben verbindet ein breiter Innengang, der für Befugte auch mit Autos befahrbar ist, alle Treppenhäuser. Jeweils zwei Loggien gewähren jeder einzelnen Wohnung den Ausblick in zwei entgegengesetzte Himmelsrichtungen und zumindest einmal davon aufs Meer. Das Konzept aus den 1970er-Jahren stammt von den Architekten Carlo Celli, Luciano Celli und Dario Tognon und trennt den motorisierten Verkehr von den Fußgängerwegen auf verschiedenen Ebenen – ein moderner Versuch, Wohnqualität und Mobilität zu verbinden. Alles in allem ein klarer Bezug zu Le Corbusiers berühmter Unité d’Habitation, der so genannten Wohnmaschine aus den 1950erJahren, die das Prinzip der „gestapelten sozialen Stadt“ thematisierte. Wie viele Brutalismus-Bauten hat auch Rozzol Melara heute mit einem Imageproblem zu kämpfen. Die Gemeinschaftsräume bleiben oft leer, die Grünflächen im Innenhof sind

Die Gegensätze von Rauem und Sanftem, Schönem und Hässlichem, prägen den einzigartigen Charme der Stadt.

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vernachlässigt, und die Sichtbetonfassaden zeigen deutliche Spuren von Verschleiß. Das Problem liegt hier jedoch weniger im architektonischen Konzept, das damals mutig und sozial gedacht war, sondern vielmehr in der Verwaltung und Pflege des Gebäudes, die den Ansprüchen dieses besonderen Stadtteils nicht gerecht werden konnte. Zugleich zeigen sich im Quadrilatero von Rozzol immer öfter Besucher, die sich für diese Realität gewordene architektonisch-soziale Utopie interessieren. Und während einige noch einen Abriss erwägen, setzen sich andere bereits für Denkmalschutz und Sanierung

ein und suchen nach neuen Ideen, um das soziale Wohnexperiment der 1970er-Jahre doch noch zu einem erfolgreichen Kapitel der Stadtgeschichte zu machen. Tatsächlich beginnt in jüngerer Zeit ganz generell eine Neubewertung der BrutalismusArchitektur. Brutalismus ist dabei, zu einem Kult zu werden. Dazu hat auch der jüngst erschienene Film The Brutalist beigetragen, obgleich dessen krude Storyline und vage Bilder auch nicht gerade dabei geholfen haben den Begri! Brutalismus zu erklären. Anders als man zunächst vermuten würde, basiert die Stil-

bezeichnung Brutalismus nämlich auf dem französischen Begri! des béton brut- roher Beton - den der Architekt Le Corbusier, Großmeister und Vorbild aller Architekten, in den 1950er Jahren eingeführt hat. Roher sichtbarer Beton und authentische unverkleidete Materialien sind dann auch die zentralen Merkmale der brutalistischen Architektur, ebenso wie die Bereitschaft sich auf Experimente und Utopien einzulassen. Mit dem Abzug der alliierten Besatzungsmächte 1954 wurde der Zwergstaat des Freien Territoriums Triest in zwei Zonen aufgelöst, wobei nach langen Verhandlungen die Zone A, die Provinz Triest, Italien zugeschlagen wurde und die Zone B, Istrien, an Jugoslawien fiel. Der darauf folgende Exodus der italienischsprachigen Bevölkerung aus Istrien löste in den folgenden Jahren in Triest einen gewaltigen Bauboom aus - gerade als der Brutalismus seinen Höhepunkt erreichte. Locker bebaute Stadtviertel wurden nachverdichtet, mit dem Borgo San Sergio entstand nach den Plänen des namhaften Architekten Ernesto Nathan Rogers ein ganzes neues Stadtquartier. Gebaut wurde alles: Wohnungen und Infrastruktur, Schulen, Supermärkte und viele Kirchen. Auch wenn die neue nahe Grenze zum einst so eng verbundenen Istrien schmerzte, war man in Triest froh, nun Klarheit über eine Zukunft gemeinsam mit Italien zu haben. Die Motivation des Aufbruchs in eine neue Ära war groß und manifestierte sich auch in der beachtlich hohen architektonischen Qualität der neuen Bauten, wobei einige Projekte durchaus mit dem internationalen Spitzenfeld mithalten können.

Zwischen Alltag und Zauber San Giacomo Mein Lieblingsviertel

Foto Erich Bernard

Über den Brutalismo und die Architektur der Nachkriegszeit in Triest

Von Magdalena Mayr

Dass Triest neben Rozzol Melara noch einige weitere herausragende Brutalismus-Bauten zu bieten hat, kann man als Besucher mit nostalgisch verklärtem Blick leicht übersehen: unübersehbar ist aber zumindest die Wallfahrtskirche Monte Grisa (siehe auch S. 11) von Antonio Guacci, ein prismatisches Wahrzeichen hoch über Triest auf dem Karstplateau. Ein Ausflug dorthin lohnt sich nicht nur wegen des einzigartigen Blickes auf Triest und den Golf, sondern auch wegen des atemberaubenden Kirchenraumes - einer mehrgeschossigen begehbaren geometrischen Betonstruktur, die auf dem Ordnungsprinzip des Dreieckes aufbaut. Weiter hinten im Karst, in den Ausläufern Opicinas, versteckt sich zwischen Einfamilienhäusern das Kinderdorf Villaggio del Fanciullo mit seiner futuristisch wirkenden polygonalen Bibliothek des bedeutenden Architekten Marcello D’Olivo. Ein weiteres bemerkenswertes Bauwerk von Marcello D’Olivo, die hexagonalen Betonstrukturen der ehemaligen Mensagebäude der CRDA-Werften im Stadtteil Sant’Andrea, stehen zwar unter Denkmalschutz, sind aber dem Verfall preisgegeben und bleiben damit wohl der lokalen Urbex-Szene triesteabbandonata vorbehalten. Ein weiterer Protagonist der brutalistischen Ära in Triest ist Dino Tamburini, der im vergangenen Jahr immerhin in einer kleinen,

aber sehr sorgfältig gestalteten Ausstellung und mit einem Buch gewürdigt wurde. Tamburini hat einige besonders reizvolle architektonische Schmuckstücke hinterlassen, darunter die Kirche San Luigi Gonzaga im gleichnamigen Stadtteil. Ein Aufstieg dorthin lohnt sich insbesondere in den Abendstunden, wenn die Sonne kurz vor Untergang ihre Strahlen durch die farbigen Glasfenster wirft und an den parabolischen Betonschalen schleifen lässt. Von Tamburini stammen auch das an Le Corbusiers Kloster La Tourette erinnernde, nahe Aurisina eindrucksvoll über dem Golf thronende Ex-Hotel Europa – heute eine strahlend weiß gestrichene Apartmentanlage – sowie das Liceo Umberto Nordio, ein KunstGymnasium im Stadtteil San Vito. Auch dort, auf dem zentrumsnahen Hügel von San Vito, sind die großen Gärten der alten Villen parzelliert worden, um Platz für neue Bauten zu scha!en - darunter einige hervorragende Wohnbauten von Celli und Tognon, den Architekten der Quadrilatero Rozzol. Aus demselben Büro stammt auch ein interessanter Entwurf für den Pam im nahen Stadtteil Sant’Andrea, einen Supermarkt mit Garage, dessen Sichtbetonfassade erst unlängst in graubrauner Farbe übermalt wurde. Die Tatsache, dass sich die Mehrzahl der herausragenden und durchaus großstädtischen Beispiele des Brutalismus, so wie die meisten

Bauten aus der Nachkriegszeit, in den Stadtteilen abseits der üblichen Besucherwege befindet, verdrängt die Peripherie und lässt Triest viel größer erscheinen als es ist. Bis hinauf nach Montebello, wo die Messegebäude von Tamburini im Gelände der Fiera noch auf eine Wiederbelebung ho!en und gegenüber das Ippodromo mit schwindenden Besucherzahlen kämpft. Romano Boico, der Architekt der beiden markanten Hochhäuser im Zentrum, hat dort eine Tribünenanlage entworfen, die in ihrer Gestik an die berühmten Stahlbetonkonstruktionen für Stadien und Sportpalastbauten des genialen Ingenieurarchitekten Pier Luigi Nervi erinnern. Die Trabrennanlage steht heute noch in Betrieb, wodurch sich ein Besuch des Ippodromo in zweifacher Hinsicht lohnt. In Triest steckt also eine ganze Menge Brutalismus. So viel und so qualitätvoll, dass Triest allein dafür berühmt sein könnte. Aber dazu muss der Wert des Brutalismus erst entdeckt werden! Wenn man nicht zum Flughafen eilen muss, wo einen das brutalistische Empfangsgebäude des Aeroporto Ronchi dei Legionari aus der Feder von Dino Tamburini erwartet, sollte man sich noch die Zeit nehmen, darüber nachzudenken: Am besten in einer Osmiza im idyllischen Longera – bei einem Glas Wein und mit Blick auf den Betonriesen von Rozzol Melara.

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an Giacomo ist eines dieser Viertel, das sich nicht in den Vordergrund drängt – und genau darin liegt sein Zauber. Es ist Teil der Stadt, aber mit eigenem Takt und eigener Stimme. Hier gibt es alles, was man braucht: eine Kirche, eine belebte Piazza, eine Eisdiele, Cafés, Bars und kleine Geschäfte. Der tägliche Einkauf wird zur Begegnung, der Spaziergang zur Entdeckung. Ob frischer Fisch, Gemüse vom Markt oder ein Aperitivo mit Freunden – alles ist nah, vertraut, lebendig. Die Läden sind überschaubar, persönlich, oft familiengeführt. Der Wochenmarkt zieht lokale Anbieter und Einkäufer aus der Umgebung an. Man tri!t sich, spricht, tauscht sich aus – ohne Eile, ohne Kulisse. Von San Giacomo aus ist man schnell im Zentrum – oder draußen im Grünen. Die berühmte Ciclabile (der Radweg) startet hier und führt hinauf in den Karst. Und wer die Häuser betrachtet, erkennt die Spuren der Zeit: Gründerzeitbauten, Fassaden mit Charakter, Geschichten in Stein und Farbe. San Giacomo inspiriert – durch seine Mischung aus Nähe, Vielfalt und Alltäglichkeit. Es ist kein Geheimnis, kein Trendviertel, sondern ein verlässlicher Ort. Einer, den man nicht plant, sondern erlebt.

Magdalena Mayr ist in Salzburg aufgewachsen und hat Architektur auf der TU in Wien studiert. Seit acht Jahren lebt und arbeitet sie in Triest. Ihr Schwerpunkt liegt auf Bauen im Bestand. Dabei legt sie großen Wert auf das Bewahren historischer Details und die Wertschätzung der Architektur vergangener Zeiten.


Nr. 1 Frühling 2026 - Triester Zeitung

La Costa Triestina DER ZUKUNT

Nr. 1 Frühling 2026 - Triester Zeitung

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IN DIE REGION Peter Lorenz hat 1980 in Innsbruck Lorenzateliers gegründet, seit 1990 mit Büro in Wien, Seit 2018 auch in Triest. Seit 2014 ist Giulia Decorti Mitgesellschafterin – sie stammt wie die Mutter von Peter Lorenz aus Triest. www.lorenzateliers.at

KULTUR-TIPPS

Triestiner Stadtflucht

Josef Wallner lebt in Wien und schreibt literarische Reiseführer über die Regionen Altösterreichs, darunter Unterwegs in Altösterreich. Kakanische Reisen von Siebenbürgen bis Triest und zuletzt Hinter Triest ein Zauberland: Unterwegs zwischen Triglav und Grado, Collio, Görz und Karst

Eine Vision der Architekten Peter Lorenz und Giulia Decorti

Was viele nicht zu ho!en wagten: GO!2025 hat Görz neues Leben eingehaucht

Von Peter Lorenz und Giulia Decorti

Von Josef Wallner

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a Costa Triestina ist der Name einer großen Vision: eine sieben Kilometer lange Küstenlinie von Lanterna bis Miramare als durchgehender, lebenswerter Stadtraum. Die Vision stammt von Lorenzateliers und wurde erstmals 2018 in einer viel beachteten ö!entlichen Veranstaltung vorgestellt. Heute, acht Jahre später, ist es Zeit, dieser Idee neues Leben einzuhauchen. Vielleicht ist genau jetzt der richtige Moment für die Triestinerinnen und Triestiner, ihre Stadt neu zu entdecken und aktiv an ihrer Zukunft mitzuwirken. VORDENKER EINER REGION: MAX FABIANI Schon in den 1950er-Jahren entwarf Max Fabiani eine kühne Vision: eine grenzüberschreitende Metropolregion vom Isonzo bis Piran mit rund 600 000 Einwohnern. Er dachte an Metroverbindungen, Seilbahnen und wirtschaftliche Sonderzonen für Österreich, Ungarn und Jugoslawien. Auch wenn diese Utopie nie verwirklicht wurde, inspirierte sie unseren Zugang zur Costa Triestina: eine realistische, aber mutige Entwicklung der Küstenlinie. Anders als das 20 km-Luftlinie-Fabiani-Projekt glauben wir: Diese Vision ist machbar. OHNE VISION KEIN FORTSCHRITT Triest war einmal das Tor der Habsburger zur Welt, eine vitale, welto!ene Stadt mit 300 000 Einwohnern. Heute leben nurmehr 200 000 Menschen hier. Doch andere Städte haben vorgemacht, dass Schrumpfung kein Schicksal sein muss: Wien zum Beispiel verlor zwischen 1918 und 1980 ein Drittel seiner Bevölkerung, hat aber heute wieder 2,0 Millionen Einwohner. Auch Triest kann einen ähnlichen Weg gehen. Was es braucht: Begeisterung, Haltung und Gestaltungswille. VERANTWORTUNG FÜR EINE BESONDERE KÜSTE Die Lage am Golf von Triest ist ein Geschenk. Doch dieser historische Ort verliert seine Strahlkraft, auch wenn er von Touristen überflutet wird: • Die Waterfront ist zu wertvoll,um sie durch 1250 Parkplätze zu blockieren. Diese Rive stehen für urbane Vitalität • Die Lanterna-Halbinsel mit ihrem Leuchtturm und dem historischen Bad Pedocin verfällt • Porto Vecchio (der alte Hafen), ein Juwel, leidet an suboptimalen Verfahren • Barcola ist belebt, aber überlaufen, unterversorgt, überfordert • Zu viele Junge verlassen die Stadt • Die Vision La Costa Triestina will gegensteuern: mit Ideen, die Qualität, Nachhaltigkeit und Lebensfreude verbinden. EIN NEUES KÜSTENQUARTIER Sieben Kilometer Stadtraum mit riesigem Potenzial. Was könnte entstehen? Die Küstenlinie ist ein Schlüsselfaktor für die nachhaltige und lebenswerte Stadtentwicklung, für ö!entliche Räume, Wohnen, Freizeit, Kultur und Natur • Die Rive sind ein attraktiver Standort für Freizeit, Gastronomie, Kreativwirtschaft, Start-ups, siehe Kopenhagens Nordhavn, Oslos Fjord City • Durch die Verlängerung der beliebten, dem pinienwäldchen

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von Barcola könnte sich der schattige Naherholungsraum noch weiter Richtung Schloss Miramare ziehen Straßenbahn entlang der Küste statt Parkplätzen Durchgehende, attraktive Radund Fußwege Parkanlagen und Grünzonen Architektonische Highlights, Kultur direkt am Wasser Wohnungen aller Kategorien 15-Minuten-Stadt als Leitbild Interdisziplinäre Stadtplanung und ganzheitliche Masterpläne mit Architekt:innen, Verkehrsplaner:innen, Soziolog:innen, Umweltexpert:innen Qualifizierte Verfahren zur Sicherung architektonischer Qualität

PORTO VIVO – DYNAMISCH, ABER EINE VERTANE CHANCE? Der historische Hafen Porto Vecchio wurde 1867 als Prestigeprojekt der Habsburger errichtet. Heute entsteht daraus Porto Vivo. Der Vorschlag des Entwicklers Costim wurde 2024 von der Stadt genehmigt. Vorgesehen sind Wohnungen, Hotels, Marina, Freizeitangebote, Park und Strand. Aber: Die Prüfung erfolgte nur stadtintern, ohne unabhängige Fachjury, ohne Wettbewerb, ohne Transparenz, ohne ö!entliche Beteiligung. Andere Bewerber können sich zwar noch melden, sind aber an die Costim-Pläne gebunden und erhalten zu wenig Zeit. Das italienische Vergaberecht erlaubt solche Verfahren, doch sie gelten in Europa als wenig transparent sowie als qualitäts- und innovationsfeindlich. WAS EUROPA ANDERS MACHT • In der Hafencity Hamburg entsteht seit

La Costa Triestina: Terrapieno im Vordergrund und architektonische Highlights im Porto Vecchio (Lorenzateliers 2018)

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2000 ein neuer Stadtteil, das Ergebnis eines klaren, internationalen Wettbewerbs. In Barcelona wurde die nacholympische Transformation der Küste weltweit zumVorbild. In Ørestad, Kopenhagen, liegt der Fokus auf Bildung, Architektur und grüne Mobilität Die Seestadt Aspern in Wien ist ein Modell für nachhaltige Stadtentwicklung

Triest hat Geschichte, Lage und ein groß-

artiges Potential. Noch fehlt der Wille, es zu nutzen. Die Costa Triestina ist keine Utopie, sondern ein visionärer Startschuss für engagierte Bürger:innen und qualifizierte Planungsprozesse. Eine enorme Chance. Wer sie umsetzt, gestaltet die Zukunft der Stadt. Und viele Menschen aus Österreich, die sich in Triest niederlassen, könnten dazu beitragen, Triest wieder zu dem zu machen, was es war: lebendig, welto!en, europäisch.

ag zum Abschied leise Servus… Das denk ich mir immer öfters, wenn ich durch die Gassen Triests spaziere. Meine Liebe zu dieser Stadt ist ein wenig erkaltet, vielleicht weil ich sie seit einigen Jahren mit so Vielen aus Nah und Fern teilen muss. Und so bin ich reumütig zurückgekehrt, zu meiner ersten großen Liebe im Küstenland, dem Görzer Land. Ach Görz, werden Sie vielleicht denken, was bietet es schon? Ist es nicht ein wenig beklemmend, durch diese stille Stadt zu gehen, hinauf zur Burg, um dann vor verschlossenen Toren zu stehen? Sie irren sich, und zwar gründlich. Das alte österreichische Nizza und sein slowenisches und italienisch-friulanisches Umland erleben eine Renaissance, zwar leiser als jene Triests, aber angemessen der Hauptstadt des ehemaligen Kronlandes Görz und Gradisca. Laut war es in Görz nie, aber stets war es ein Ort für Liebhaber schöner Landschaft, guten Essens und Trinkens, von Geschichte und sprachlicher Vielfalt. Es ist keine Überraschung, dass Carl Freiherr von Czoernig-Czernhausen aus Böhmen, oberster Statistiker, Ethnograf und Denkmalschützer der Monarchie hier und nicht im lauten Triest seinen Ruhestand verbringen wollte. Viele folgten. „Görz – die durch ihre wunderschöne Lage und Umgebung, durch ihr mildes Klima, durch ihre üppige Vegetation ausgezeichnete“ Stadt verdiente es wahrhaftig, Österreichs Nizza und, vielleicht ein bisschen weniger schmeichelhaft, das südliche Pensionopolis des Habsburgerreiches genannt zu werden. Man kann es auch übertreiben mit Ruhe und Stille – und vielleicht hat das Görz in den letzten Jahren auch getan. „Kennen Sie den Unterschied zwischen Görz und Nova Gorica? Görz ist tot und Nova Gorica stirbt gerade“, heißt es in einem populären Witz. Und wer gegen Ende der Coronazeit durch beide Städte schlenderte, dem ist das Lachen rasch vergangen, vor allem montags oder dienstags, wenn man im alten Görz ein geö!netes Wirtshaus suchte (Gott erhalte uns das Ca' Di Pieri in der Via Codelli). GO!2025 – the borderless European Capital of Culture 2025 hat Stara und Nova Gorica im vergangenen Jahr neues Leben eingehaucht. Das überrascht Sie nicht, weil eine Kulturhauptstadt immer viele mehr oder weniger gelungene Produktionen, moderne Architektur, restauriertes Altes und Skandälchen mit sich bringt? Ja, Sie haben recht. Aber in Görz ist etwas vollkommen Unerwartetes passiert: Die Görzerinnen und Görzer haben auf einmal positive vibes entwickelt! Unfassbar. Sogar mein alter Buchhändler, den noch ein Hauch von Kakanien umweht, berichtet mir bei jedem Besuch erfreuliche Neuigkeiten und das, nachdem wir zwei Jahrzehnte über Gorizia maledetta gejammert haben. Der Fluch, falls es einen solchen je gegeben hat, ist von ihr genommen, der Stadt am Isonzo.

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„ Das Görzer Land muss ich mir nicht mit so vielen Leuten teilen wie Triest.“

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Und jetzt sollte ich Ihnen von den Highlights der Kulturhauptstadt berichten. Ehrlich gesagt, das ist mir zu fad. Und außerdem sind Geschmäcker bekanntlich verschieden und ich könnte Sie alle ohnehin nicht glücklich machen mit meiner Auswahl. Sie finden auf der Seite www.go2025.eu auch für das Jahr 2026 noch ein reiches Kulturprogramm. Besser Sie speichern sich die Website app.go2025.eu auf Ihr Handy, denn die Website ist betre!end Übersichtlichkeit mehr ein Kunstprojekt als brauchbare Entscheidungshilfe. Stattdessen möchte ich Ihr Herz für das Umland von Görz erwärmen und Ihnen meinen aktuellen Görzer Lieblingsplatz verraten. Im Görzer Land, heute geteilt zwischen Slowenien und Italien, ballen sich auf ein paar Tausend Quadratkilometern die Klimazonen Europas zusammen. Das Görzische reicht vom Predilpass bei Tarvis und dem Triglav bis an die Lagunen von Grado. Einen Großteil dieses Landes können Sie auf ganz besondere Weise erkunden: mit einer Fahrt auf der Wocheinerbahn. Diese Bahnlinie war Teil des letzten großen Infrastrukturprojektes der Monarchie, die zweite Eisenbahnverbindung aus dem Norden des Reiches nach Triest. Sie zählt mit Sicherheit zu den schönsten Bahnstrecken Europas und die alten Dieselloks sorgen für nostalgisches Flair (Die beliebten Ausflugsfahrten mit Dampfloks fallen derzeit aus, weil Ersatzteile für die Loks und vor allem qualifizierte Reparateure in Laibach aktuell schwer zu finden sind). Nach einem erfrischenden Morgenbad im See von Bled (Veldes) können Sie zu Mittag einen ausgezeichneten Lunch, zum Beispiel im Bu!et Alla Valletta in Görz nehmen, das südliche Flair genießen, die gut gemachte Ausstellung zur Görzer Geschichte in der Fondazione Cassa di Risparmio di Gorizia besuchen und am Abend

zurück in der Wochein eine Forelle auf Triestiner Art im traditionsreichen Gasthaus Batišt in Bohinjska Bela (Wocheiner Vellach) verspeisen. Ist Ihnen die Forelle zu wenig an Triest-Feeling, dann können Sie mit der Wocheinerbahn leider nicht mehr direkt nach Triest fahren, weil in Se&ana Schluss ist, aber Sie können ja immer noch den Zug von Gorizia Centrale nehmen… Wobei, die Fahrt weiter mit der Wocheinerbahn ist schon manche Strapaz wert. Sie führt durch das Branicatal mit der Pfirsichhauptstadt Sloweniens, nirgendwo habe ich bessere Pfirsiche gegessen als dort in Prvačina, vorbei an der schönsten Burg des Küstenlandes Reifenberg hinauf in den Karst nach (tanjel. Der Ort mit seiner orientalisch anmutenden Kirchturmhaube ist untrennbar mit Max Fabiani, dem großen Architekten des Küstenlandes verbunden, von dessen Genialität die Ferrarigärten beredtes Zeugnis ablegen. Mir persönlich ist die Forelle Triestiner Art zu knoblauchig und auch nach rauem Karst gelüstet es mich heute auch nicht, und so wird es wieder das Wippachtal, denn der Collio oder viel mehr sein slowenisches Pendant, die Brda, die sich anschickt, teure Kopie des ersteren zu werden, macht es mir derzeit ein bisserl schwer. Das Wippachtal liefert Qualität, am Teller und im Glas, und man fühlt sich geschätzt als Gast. Daher wird es heute wohl ein Besuch beim Žorž in Slap. Erfreulicherweise hat er auch Gästezimmer… Am nächsten Morgen kann es dann ausgeruht wieder zurückgehen in die Stadt am Isonzo, der schon so viele Bücher gewidmet wurden. Glauben Sie, dass jemals so viele Bücher über das vergleichbar große Wiener Neustadt geschrieben werden? Also irgendwas ist dran an diesem Görz. „Görz ist eine Grenzstadt, und wer dort den Himmel, den Boden, die Bräuche aus der Nähe kennt […], wird aus tiefster Überzeugung sagen, daß dort weder der Himmel von Neapel oder Wien, weder der Boden der Lombardei oder der Steiermark, noch die Bräuche von Venedig oder Laibach sind, sondern daß hier der langsame Übergang der natürlichen Annäherung der Völker erfolgt.“ (G. Persa) Vielleicht ist es das? Es lohnt sich darüber zu sinnieren, am besten auf meinem Görzer Lieblingsspaziergang. Er beginnt in der Via della Cappella mit dem schönen k.u.k. Schulgebäude und führt hinauf nach Kostanjevica, dem ehrwürdigen Franziskanerkloster. Nicht die Särge der exilierten Bourbonen ziehen mich hier herauf, sondern die görzerische Aussicht: der Bahnhof der Wocheinerbahn mit der Piazza Transalpina, dem zwischen Italien und Slowenien geteilten Platz, der besonders im milden Abendlicht einen Besuch wert ist, dahinter der Heilige Berg, die sveta gora, von ihm durch den Isonzo getrennt der Sabotin, blutiges Schlachtfeld des 1. Weltkriegs, auf der anderen Seite, ein wenig verdeckt durch einen Olivenhain, die Görzer Burg, dahinter das friulanische Tiefland, im Süden der dunkle Karst und im Norden das Weinland des Collio, Görz und Nova Gorica zu Füßen von Schlossberg und dem Konstanjevica-Hügel… was für ein bezaubernder Blick! Ein kurzer Abstecher in den Rosengarten des Klosters und dann schlüpf ich hinein durch das Hintertürl in den herrlichen Park der Villa Lasciak, gescha!en vom Görzer Architekten Anton Laščak oder Antonio Lasciak, der am Wiener Polytechnikum studierte und es in der Levante zu Ansehen und Ehre brachte. In der Mitte des Parks erhebt sich seine orientalische Villa, die gerade dabei ist, aus dem Dornröschenschlaf zu erwachen. So viele Görzer Geschichten kommen mir hier in den Sinn, aber mehr darüber ein anderes Mal…

Von Darius Bork

Verborgene Kleinode Hangar Teatri und Trieste Contemporanea

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ein Triest, diese charmante Hafenstadt an der Adria, ist nicht nur historisch bedeutsam, sondern auch kulturell lebendig. Zwei Institutionen möchte ich im folgenden besonders hervorheben, da sie bisher vor allem Insidern bekannt sind: Hangar Teatri und Trieste Contemporanea.

Hangar Teatri, oberhalb des Stadtparks Giardino Pubblico, ist ein kreativer Raum für darstellende Künste, die weit über klassische Theaterformate hinausgehen. Hier tre!en experimentelles Theater, Tanz und Performance aufeinander und scha!en eine Bühne für junge Künstler:innen und alternative Ausdrucksformen. Mit Workshops, Festivals und interdisziplinären Projekten fördert Hangar Teatri die kulturelle Vielfalt der Stadt. www.hangarteatri.com

Foto Agnese Divo (courtesy Trieste Contemporanea)

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Trieste Contemporanea hingegen widmet sich der zeitgenössischen Kunst mit einem besonderen Fokus auf Mittel- und Osteuropa. Die Galerie, auf halbem Weg zwischen Piazza della Borsa und Piazza Goldoni gegenüber dem Jüdischen Museum, organisiert Ausstellungen, Symposien und internationale Projekte, die den Dialog zwischen Künstler:innen und Kulturen fördern. Ihr Programm ist mutig, innovativ und spiegelt die welto!ene Identität Triests wider. www.triestecontemporanea.it Beide Institutionen tragen maßgeblich dazu bei, Triest als pulsierendes Zentrum moderner Kultur im internationalen Kontext zu positionieren. Sie verbinden Tradition mit Avantgarde und machen die Stadt zu einem spannenden Tre!punkt für Kunst- und Kulturliebhaber*innen.

Darius Bork lebt und arbeitet seit 10 Jahren in Triest als freier Ausstellungskurator und Repräsentant des Finnischen Theaterkollektivs sadsongskomplex:fi, nachdem er zuvor 15 Jahre in Berlin erst die Kunststiftung Starke und später das Freie Museum Berlin als künstlerischer Leiter begleitet hat.


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Nr. 1 Frühling 2026 - Triester Zeitung

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DER PERSÖNLICHE TIPP

GESELLSCHAFT

Amalgam und Archipel Gedanken zum multiethnischen, multireligiösen und multikulturellen Triest Von Birgit Kofler und Roland Bettschart

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ielfalt in der Einheit, das war in Triest ein städteplanerisches Motto der Habsburger während und nach der Regentschaft der österreichischen Kaiserin Maria Theresia: Gotteshäuser der unterschiedlichen Religionen und Konfessionen auf recht kleinem Raum als Ausdruck eines gedeihlichen Miteinanders der diversen Glaubensgemeinschaften und der jeweils dazugehörigen ethnischen Gruppen. Und alles zusammengehalten durch die Klammer des Habsburgerreiches. Das kann man sich heute bei einem Stadtbummel recht schnell und einfach erschließen. Wer sich vom Molo Audace, der großen, zentralen Mole mit dem einmaligen Blick auf die Stadt und ihre Umgebung, in Richtung des Canal Grande und der Piazza Sant’Antonio begibt, stößt zunächst an der Uferpromenade auf die griechisch-orthodoxe Kirche San Nicolò dei Greci. Sie ist seit Mitte des 18. Jahrhunderts Tre!punkt und Kultstätte der damals stark wachsenden griechischen Einwanderung. Einige Schritte weiter, im Largo O. Panfili, steht das aus den 1870er Jahren stammende neugotische Gotteshaus der deutschsprachigen lutherischen Gemeinde. Direkt am Kanal, beim Ponte Rosso, thront die beeindruckende serbisch-orthodoxe Kirche Santissima Trinità e San Spiridione mit ihren blauen Kuppeln. Sie zeugt vom zunehmenden Zuzug von Migranten aus Serbien nach Triest im 18. Jahrhundert. Und schließlich dominiert die katholische, von der Architektur griechischer Tempel inspirierte Kirche Sant‘Antonio Nuovo den gleichnamigen Platz. Überquert man ein Stück weiter stadtauswärts die Verkehrsader Via Carducci, stößt man in der Via San Francesco auf die Tries-

Sant‘Antonio Nuovo

Roland Bettschart ist in Triest geborener Schweizer und Nachfahre eines Habsburger Vizestatthalters in Triest sowie eines auf Hafenanlagen spezialisierten Schweizer Bauunternehmers. Er studierte in Wien und Bologna mit Abschluss in Soziologie, war früher Reiseleiter, dann Journalist und später Kommunikations- und Strategieberater.

Das Monster auf dem Berg Felix Kuchers Blick auf die Kirche Monte Grisa

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Beide leben und schreiben in Wien und in Grignano nahe dem Schloss Miramare in Triest. Ihr Stadtführer „City Trip Triest“ ist derzeit in der 5. Auflage im Reise Know-How Verlag erhältlich. Von Birgit Kofler erschien zuletzt „Ich habe getötet, aber ein Mörder bin ich nicht“ über den Genozid an den osmanischen Armeniern.

Gelungene Multikulturalität oder eher ein Nebeneinander mit wenig Berührungspunkten?

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Von Felix Kucher

Birgit Kofler, in Tirol geborene Juristin, arbeitete bei der UNESCO in Paris und als Diplomatin unter anderem in Wien und New York und während des Kriegs im ehemaligen Jugoslawien. Anschließend war sie Kabinettschefin im Gesundheitsministerium in Wien, bevor sie sich als Journalistin, Beraterin und Verlegerin selbständig machte.

. San Spiridione

tiner Synagoge, bei ihrer Einweihung 1912 eines der größten jüdischen Bethäuser Europas. Der Spaziergang auf den Spuren von Religionen und Volksgruppen ließe sich lange fortsetzen. Zum Beispiel nach San Giusto und San Vito, wo die Anglikanische Gemeinde, die Helvetisch-reformierten Christen und die Waldenser oder die Armenische Gemeinde ihre Kirchen hatten oder noch haben. Alles in allem gut sichtbare architektonische Belege einer ethnischen, kulturellen und religiösen Vielfalt, wie sie für eine Handels- und Hafenstadt typisch ist. Ausdruck auch der enormen Anziehungskraft, die der Freihafen Triest auf Zuwanderer unterschiedlich Ethnien und Glaubensbekenntnisse hatte – und auch des Bemühens, unter der Marke Habsburg Akzeptanz für Minderheiten und Einheit zu demonstrieren. Auch wer bei einem Stadtspaziergang die Namen auf Geschäften, Straßenschildern oder Klingelbrettern studiert, findet in Triest nicht, wie sonst in Italien, bloß Namen wie Rossi, Bianchi oder Ferrari, sondern auch Rittmeister, Tripcovich oder Economo. Und wer in einem der für die Stadt typischen Bu!ets oder Traditionsgasthäuser echte Triestiner Küche genießen will, begegnet dort unter anderem einer Fischküche mit venezianischen, istrianischen und dalmatinischen Ursprüngen, der Fleischund Mehlspeisenküche Österreichs, Ungarns und Böhmens, sowie anderen Spezialitäten, von der schlichten slowenischen Karstküche bis hin zu Riso Greco. Die ehemalige Handels- und Hafenmetropole, die bis zum Ersten Weltkrieg der wichtigste Zugang der 50-Millionen-Habsburgermonarchie zur Adria war, war – und ist bis heute – ein höchst vielfältiges ethnisches, kulturelles und religiöses Biotop. Kaum eine Beschrei-

Molo Audace

bung der Stadt kommt ohne Zuschreibungen wie „Schnittstelle der Kulturen“ oder „Zusammentre!en von Religionen und Nationen“ aus. Das suggeriert auch das Bild des intensiven Austausches zwischen Minderheiten oder der ethnischen und kulturellen Integration. Ob allerdings Triest als Referenzprojekt für gelungene Multikulturalität taugt und ob es tatsächlich zum gerne zitierten Schmelztiegel wurde, oder ob hier vielmehr ein Nebeneinander von Bevölkerungsgruppen ohne allzu intensive Berührungspunkte zu diagnostizieren ist, das ist immer wieder Gegenstand engagiert geführter Diskussionen. „Triest war gleichzeitig ein Amalgam verschiedener ethnischer Gruppen… und ein Archipel, in dem diese Gruppen isoliert nebeneinander existierten“, schreiben dazu der bekannte Triestiner Literaturexperte Claudio Magris und der Historiker Angelo Ara in ihrem Buch Triest – Eine literarische Hauptstadt in Mitteleuropa. „Neben der gegenseitigen Durchdringung im kleinen und dem alltäglichen Miteinander lebten die verschiedenen Gruppen auch in gegenseitiger misstrauischer Ignorierung.“ Ein Zitat, das sich wohl in erster Linie auf das Triest des späteren 19. und früheren 20. Jahrhunderts bezieht: ein Triest, in dem Platz für all diese religiösen und ethnischen Gruppen war, ohne dass sie allzu sehr zusammenwuchsen. Ein sehr eindeutiger Befund, der auch für die Zeit danach Gültigkeit hat. In den vergangenen rund 150 Jahren ist in Triest sehr viel passiert, darunter Dramatisches und Traumatisierendes, das ein gedeihliches Miteinander oder sogar Aufeinander-Zugehen der verschiedenen Bevölkerungsgruppen auf gleich mehrere schwere Proben stellte. Da waren zunächst einmal die sogenannten Irredentis-

ten: Nachdem Triest nicht am Risorgimento, der nationalistischen Wiedererstehung im 19. Jahrhundert teilgenommen hatte und somit nicht Teil Italiens wurde, wollten die Irredentisten ab den 1880er Jahren die angeblich unerlösten Gebiete, also auch Triest, dem vereinten Italien einverleiben. Ein Ansinnen mit hohem Spaltungspotenzial in der ethnisch vielfältigen Triestiner Gesellschaft, die sich über weiteste Strecken in der Habsburger Donaumonarchie gut aufgehoben fühlte. Viele, vor allem ältere Triestiner hegen heute noch einen tiefen Groll gegen diese Spielart des Nationalismus. Dann die disruptive Veränderung nach dem vom Habsburgerreich verlorenen Ersten Weltkrieg: Triest wird Italien zugeschlagen und der nachfolgende Bedeutungsverlust als Hafen- und Handelsstadt führt zu erheblichen Problemen und Spannungen. 1922 übernehmen die Faschisten unter Benito Mussolini in Italien die Macht. In Triest kommt es zu Repressalien gegen die slowenische Bevölkerung, slowenische und deutsche Familien- und Ortsnamen werden italianisiert, slowenische Kultureinrichtungen geschlossen, slowenische Intellektuelle verfolgt. Und Mussolini wählt ausgerechnet Triest, die Stadt mit einer der größten jüdischen Gemeinden Italiens, um 1938 auf der Piazza dell’Unita d’Italia die Rassengesetze zu verkünden. Sie gehören zu diesem Zeitpunkt zu den rabiatesten antisemitischen Regelungen außerhalb von Deutschland. Ein monoethnisches, monokulturelles Italien ist das Ziel. 1943 annektiert das nationalsozialistische Deutschland de facto Triest als Operationszone Adriatisches Küstenland. Das Anhalte-, Konzentrations- und Vernichtungslager Risiera San Sabba unweit des Stadtzentrums ist ein erschütterndes Mahnmal für die Verfolgung, Verschleppung und Ermordung von politischen Gegnern, Partisanen, Juden und anderen, die nicht in die arischen Allmachtsphantasien passen. Am 1. Mai 1945 marschieren die jugoslawischen Partisanen in Triest ein und kontrollieren die Stadt 40 Tage lang. Harte Vergeltungsmaßnahmen gegen tatsächliche und vermeintliche NS-Kollaborateure verbreiten Angst und Schrecken. Das alles hat einmal mehr eine ethnische Komponente: Italiener gegen „Slawen“. Racheaktionen bestanden auch darin, Widersacher tot oder lebendig in den tiefen Felsspalten des Karstes, den Foibe, zum Verschwinden zu bringen. Davor waren schon vor allem im Zuge deutscher Besatzungsverbrechen Menschen in den Foibe „beseitigt“ worden. Lange bleibt der Status von Triest ungeklärt, ist nicht klar, ob es Teil Jugoslawiens oder Italiens werden soll. All das sind Narben einer komplizierten und belastenden jüngeren Geschichte, von der sich Triest zum Teil bis heute nicht restlos erholt hat. Traumatisierungen, die wohl den Weg der ethnischen Minderheiten zueinander eher blockierten als förderten, und zu sich verhärtenden Ressentiments beigetragen haben.

. Narben der jüngeren Geschichte sind noch lange nicht verheilt.

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Synagoge von Triest

Natürlich verblassen derartige Vorkommnisse zunehmend im Bewusstsein der jüngeren Generationen, und an die historischen Verwerfungen erinnern heute in erster Linie Mahnmale und Museen. Die „Perle an der Adria“ verdient diesen Ehrentitel seit einigen Jahren mehr denn je, auch weil Triest bunter, jünger und – nach vielen Jahrzehnten der Vernachlässigung – touristisch immer besser erschlossen wird. Triest ist heute wieder eine Stadt, für die Zuwanderung eine wichtige Rolle spielt – auch wenn die aktuelle Stadtverwaltung gerne die ausländerfeindliche Karte spielt. Mehr als zehn Prozent der Bevölkerung sind Migranten, wobei die größten Gruppen Serben und Rumänen ausmachen. Zu den Sakralbauten aus der Zeit der k.u.k. Monarchie kommen heute muslimische Gebetsräume, ein buddhistisches oder ein hinduistisches Zentrum. Internationalisierung erlebt die Stadt auch über die verschiedenen großen Forschungseinrichtungen – und nicht zuletzt über die wachsende Zahl von österreichischen oder deutschen Neo-Triestinern, die sich Immobilien anscha!en, um hauptsächlich oder zumindest einen Teil ihrer Zeit in der Adriametropole zu leben. Triest hat im Wesentlichen zu einer konfliktfreien Normalität zwischen den Minderheiten zurückgefunden. Das ist ein sehr positiver Befund. Aber wer einen Schmelztiegel mit viel Multikulturalität sucht, tut das wohl vergeblich.

OS Brutalism – rettet die Betonmonster! So lautet der vielsagende Name einer 2015 gestarteten Initiative der Wüstenrot-Gruppe zur Rettung der brutalistischen Architektur. Brutalismus, von frz. brut, roh (siehe auch Seite 6 und 7). Das sind die in den 1960ern und 1970ern errichteten Monumentalbauten in Sichtbeton. Nun, auch in der Umgebung von Triest findet sich ein solches Monster. Der Tempio nazionale a Maria Madre e Regina – eine Kirche, die sich auf dem Rücken des Monte Grisa sich wie ein riesiges abgeschnittenes Parmesan-Eck aus Beton aufrichtet und daher auch formaggino genannt wird. Verantwortlich für den Bau ist der Triestiner Erzbischof Antonio Santin, der 1945 angesichts der deutschen Besatzung der Stadt das Gelübde ablegte, dass er bei der Verschonung der Stadt eine Kirche stiften würde. Aber nach 1945 hatte er bzw. Triest andere Sorgen: Die Zukunft der Stadt und des Umlandes war ungeklärt, Triest stöhnte unter wirtschaftlichen Problemen und Massenimmigration der aus Istrien und Dalmatien vertriebenen Italiener. 250.000 zogen aus dem kommunistischen Jugoslawien weg, ein Viertel davon wurde in Triest und im Umland sesshaft. Der eiserne Vorhang senkte sich. Erst 1959 wurde die Idee des Kirchenbaus

wieder aufgenommen. In diesem Jahr lieh sich Santin eine Madonnenstatue aus Fatima, die einige Wochen durch sämtliche Pfarreien reiste (und Werbung für den Kirchenbau machte). Am 17. November endete die Tour, zwei Tage später legte Santin den Grundstein für die Kirche, deren Bau von den benachbarten slowenischen Bauern von Anfang an skeptisch betrachtet wurde: Da pflanzt man uns ein italienisches Betonmonster mitten ins slowenischsprachige Gebiet. Wie auch immer: Ein Jahr später kam eine in Fatima bestellte Marienstatue an der Stazione Marittima an, die in einer stundenlangen Prozession unter großem Volksaufgebot bis zur Kirchenbaustelle gebracht wurde. Der Bau wurde 1966 eingeweiht und sollte ein völkerverbindendes Symbol sein Die benachbarten Bauern sahen das Monster indes als Eindringling. Jedenfalls konnte Santin zufrieden sein, dass die nachts gut beleuchtete Kirche weit über die Grenze in das kommunistische Nachbarland hinüberstrahlte. Der monumentale Bau besteht aus einer riesigen Ober- und Unterkirche, das Motiv des Dreiecks zieht sich streng geometrisch durch die gesamte Struktur. Ohne Kitsch geht’s aber doch nicht: Auf traditionelle Marienstatuen und gegenständliche neoromantische Bildchen wird nicht verzichtet. Warum sich der Abstecher nicht nur für Architekturfreaks lohnt: Einer der schönsten Panoramen über den Golf von Triest bietet sich von der Terrasse vor der Kirche: Von Lignano bis Piran schweift der Blick. Geheimtipp: Das Bänklein links unterhalb der Kirche – da vergisst man das Monster im Rücken. Felix Kucher ist ein österreichischer Schriftsteller. Er lebt und arbeitet in Klagenfurt und Wien.


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Nr. 1 Frühling 2026 - Triester Zeitung

BONCHINOS BLICK

KULTUR

Gorillaz auf der Piazza Unità in Triest

Von Alberto Bonchino

Virtuelle Giganten real: Die Gorillaz kommen am 25. Juli 2026 nach Triest und verwandeln die Piazza Unità in eine gigantische OpenAir-Bühne vor der Kulisse des Golfs von Triest. Die berühmteste virtuelle Band der Welt bringen ihre The Mountain Tour direkt ans Meer - ein Mix aus Musik, Visual Art und digitalem Storytelling, wo Hits wie Feel Good Inc. auf brandneue Tracks des kommenden Albums tre!en.

Leonor Finis Tergeste Der Philosoph Alberto Bonchino ist von Dresdennach Triest gezogen

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m 3. Juli 1965, als ihm seine römische Wohnung gekündigt wurde, schrieb Roberto Bazlen (jener Intellektuelle aus Triest, der für alles stand, was der damaligen italienischen Kultur fremd war: Avantgarde, außereuropäisches Denken, Jungs Tiefenpsychologie, Mystik und das Okkulte) einen Brief an seinen Freund Giorgio Voghera. „Was würdest du sagen, wenn ich wieder in Triest Wurzeln schlüge?“ Die Antwort kam zögerlich. Triest sei laut, schmutzig, überfüllt, stinkend – wie Rom, vielleicht schlimmer. Und doch: Vielleicht wäre es anders, wenn man ein Haus oben am Hang fände, mit Blick aufs Meer... Vielleicht. Eine Beschreibung, die auch heute nicht ganz falsch klingt: Triest, diese Stadt zwischen Adria und Balkan, ist ein Ort der Gegensätze. Belebt von Hafenarbeitern, osteuropäischen Baukräften, Studierenden – und von jenen alten Damen, die aussehen, als hätten sie einst den Ton in kaiserlichen Salons angegeben. Doch es gab eine Zeit, da verkörperte Triest den Mythos der italienischen Belle Époque. Unter dem Einfluss Wiens erwachte die Stadt aus ihrer Provinzialität, wurde zu einem kulturellen Labor, in dem Italienisch und Deutsch gleichberechtigt gesprochen wurden. Um 1900 war Triest, wie Bazlen sagte, ein Resonanzraum – ein Ort, an dem sich die Stimmen von Joyce, Svevo und Saba mit jenen

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In diesem Klima genossen die Frauen Triests eine Freiheit, die andernorts in Italien unvorstellbar war.

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von Ka)a, Musil, Kraus und Freud mischten. Verehrt wurden auch Wagner, Novalis, Goethe – und mit ihnen jene romantische Idee, in der das Verhältnis der Geschlechter zur symbolischen Kraft wurde: obsessiv, vielschichtig, machtvoll. In diesem Klima genossen die Frauen Triests eine Freiheit, die andernorts in Italien kaum vorstellbar war. Auf diesem Boden wuchsen Künstlerinnen heran – gebildet, eigensinnig, oft vergessen. Nur eine von ihnen gelangte zu internationalem Ruhm: Leonor Fini, geboren 1918, Tochter einer Triesterin mit slowenisch-deutschen Wurzeln und eines argentinisch-italienischen Vaters. Nach ihrem Umzug nach Paris feierte sie Erfolge als Malerin, Bühnenbildnerin und Illustratorin – ihrer Zeit voraus, und doch tief verwurzelt in Herkunft und Mythos. Sie bewegte sich, wie sie selbst einmal sagte, in der Welt der Blumen des Bösen Baudelaires. Doch ihre Kunst blühte anders: nicht leidend, sondern geheimnisvoll, durchwirkt von esoterischer Magie und alchemistischem Traum. Finis – der Titel ist Programm: ein Ende, das zugleich Anfang ist. Ihr Werk atmet eine doppelte Bewegung zwischen Sto! und Geist, Maskerade und O!enbarung. Immer wieder erscheint das Androgyne – nicht nur als Figur, sondern als Chi!re für eine mythische Einheit jenseits der Gegensätze. Männlich und weiblich als Ursprung einer Ganzheit. Diese Idee zieht

Mare e Vitovska in Duino Die besten Weine aus dem Karst Die berühmtesten Rebsorten des Triestiner, Gorizianer und slowenischen Karsts, vereint vor malerischer Kulisse: Die alljährlich Veranstaltung Mare e Vitovska, organisiert vom Winzerverband Carso-Kras in Zusammenarbeit mit den Restaurants der Region, findet am Wochenende 27./ 28. Juni im Schloss Duino statt. Hier lassen sich über 40 VitovskaWeine von rund 30 Winzern aus dem italienischen und slowenischen Karst verkosten, begleitet von kulinarischen Spezialitäten lokaler Restaurants.

Tickets online unter Ticketmaster.it, Ticketone.it, Eilo.it, Vivaticket.it

Duran Duran live in Codroipo Villa Manin

Infos und Reservierung www.mareevitovska.eu

Achtziger-Kult tri!t auf barocke Eleganz: Duran Duran gastieren im Rahmen ihrer Italien-Tour am Freitag, 11. Juli 2026, auf der beeindruckenden Piazza Tonda der Villa Manin. Von The Reflex bis Come Undone beweist die Band, warum sie mit über 100 Millionen verkauften Platten Musikgeschichte geschrieben hat - in einer der schönsten Locations der Region. Leonor Fini

sich durch alte Überlieferungen: die Kabbala, die Renaissance-Mystik, das Denken von Böhme, Baader und Balzac. Ein erotisch-spirituelles Wissen, das über Körperlichkeit hinausweist – hin zu einem Sein, das erneuert, gereinigt, ganz ist. Kein Wunder, dass Jung darin ein archetypisches Symbol des kollektiven Unbewussten erkannte. Denn bei Fini geht es nicht um Erotik als Pose, sondern um das Verlangen nach Vollkommenheit – nach jener Zeitlosigkeit, in der das Rätselhafte wohnt. Max Ernst hat es einmal so gesagt: „In ihr ist alles Gefährliche gereinigt.“ Und vielleicht ist es gerade das, was Finis magische Kunst so kostbar macht: In einer Welt voller Grausamkeit und Vulgarität erinnert sie daran, dass es noch etwas anderes gibt – das Verborgene, das Schöne, das Geheimnisvolle.

Tickets online unter Eilo.it, Ticketone.it sowie über das internationale EventimNetzwerk

Maximilian von Habsburgs ägyptische Sammlung in Triest Die*ägyptische Sammlung*von*Maximilian von Habsburg*kehrt nach 143 Jahren nach*Triest*zurück. Vom 2. April bis 1. November 2026 wird in den*Reitställen (Scuderie) des Schlosses Miramare die Ausstellung*Una sfinge l’attrae. Maximilian von Habsburg und die ägyptischen Sammlungen zwischen Triest und Wien zu sehen sein. Die Ausstellung beleuchtet den Traum von Ägypten, den Maximilian auf Schloss Miramare pflegte, und ist das Ergebnis einer Zusammenarbeit zwischen dem Historischen Museum und Park des Schlosses Miramare und dem Kunsthistorischen Museum in Wien. Kuratiert wird das Projekt von*Massimo Osanna, Generaldirektor der staatlichen Museen Italiens,*Christian Greco, Direktor des Ägyptischen Museums in Turin,*Cäcilia Bischo!, Kunsthistorikerin am Kunsthistorischen Museum, und*Michaela Hüttner, Kuratorin der Ägyptisch-Orientalischen Sammlung am Wiener Museum. miramare.cultura.gov.it/de/whats-on/ausstellung/

IMPRESSUM

Alberto Bonchino beschäftigt sich mit dem europäischen Denken vom 18. bis zum 20. Jahrhundert, besonders mit der klassischen deutschen Philosophie. Er ist Herausgeber der Kritischen Edition ausgewählter Texte Franz von Baaders und lehrt Geschichte der Philosophie an der Universität Triest.

Triester Zeitung Nr. 1, Frühling 2026

Herausgeber Alexandros Delithanassis anzeigen@triesterzeitung.com

Chefredaktion Simone Weißkopf– Garibaldi redaktion@triesterzeitung.com

Servizi editoriali s.r.l. via Donizetti 3a 34133 Triest (Italien) p.iva: 01084190329

Gestaltung Matteo Bartoli, Elisa Dudine Basiq s.r.l.

ISBN: 9-788893-133302

PIOLO & MAX. Kräuter, Kreativität & Spirituosen PIOLO & MAX,

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