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Authentizität
Die Essenz des Erlebens

ITB-Ausgabe 2026 | Vol 34 No 3
Die Sprache der Klicks Namibia aus der Luft erleben Schwarze Nashörner im Damaraland aufspüren Wenn der Mobilfunkempfang endet


NAMIBIA ENTDECKEN
Wo Weite auf Wunder trifft und Sicherheit auf Abenteuer
Tauchen Sie ein in ein Land, das berührt, inspiriert und begeistert. Namibia ist mehr als eine Destination – es ist ein Gefühl. Ein Gefühl von Freiheit, von unendlichen Horizonten, von intensiven Naturmomenten und echten Begegnungen. Und vor allem: ein Gefühl von Sicherheit, das jede Reise begleitet.
Namibia zählt zu den spektakulärsten Reisezielen der Welt. Gewaltige Wüsten, faszinierende Tierwelten und lebendige Kulturen verschmelzen hier zu einem einzigartigen Erlebnis. Hinter dieser Vielfalt steht ein klares Versprechen: Jede Reise soll nicht nur außergewöhnlich, sondern auch rundum sorgenfrei sein.
In einer Zeit, in der Sicherheit eine zentrale Rolle bei der Reiseentscheidung spielt, setzt Namibia neue Standards. Das Wohl der Gäste hat höchste Priorität von der Ankunft bis zur Abreise. So entsteht die perfekte Grundlage, um das Land mit offenen Sinnen und voller Leichtigkeit zu entdecken: beim Erkunden endloser Landschaften, bei unvergesslichen Safaris oder im Austausch mit den Menschen vor Ort.
Der Tourismus ist ein zentraler Motor Namibias für Wirtschaft, Gemeinschaften und Naturschutz. Deshalb ist Sicherheit hier fest im Reiseerlebnis verankert. Sie ist kein Zusatz, sondern ein selbstverständlicher Bestandteil jeder Begegnung, jeder Route und jedes Abenteuers. Für Sie bedeutet das: mehr Freiheit, mehr Genuss, mehr unvergessliche Momente.
Getragen von dieser Vision arbeitet das Namibia Tourism Board gemeinsam mit starken Partnern daran, Namibia als eines der sichersten und einladendsten Reiseziele Afrikas zu positionieren.
Gerade für europäische Reisende überzeugt Namibia mit einem starken Dreiklang: Space. Safety. Stability.
Weite Landschaften, verlässliche Sicherheit und politische Stabilität vereinen sich zu einer Destination, die Vertrauen schafft und Abenteuer möglich macht. Seit über 20 Jahren stärkt das Frankfurter Büro des NTB die Verbindung zu Europa und positioniert Namibia erfolgreich als PremiumReiseziel für anspruchsvolle Entdecker.
Namibia steht für Authentizität, Nachhaltigkeit und transformative Reiseerlebnisse – kombiniert mit internationalem Komfort und hohen Qualitätsstandards. Das Ergebnis sind Reisen, die begeistern, berühren und lange nachwirken.
Namibia ist mehr als ein Reiseziel. Es ist ein Versprechen. Ein Versprechen von Freiheit, Sicherheit und Erlebnissen, die bleiben.
Reisen durch Weite und Natur. Erleben Sie das Abenteuerland Namibia.
Flora E. Quest Manager: Corporate Communication Email: flora.quest@namibiatourism.com.na


HERAUSGEBER Venture Media in Windhoek, Namibia www.travelnewsnamibia.com
Tel: +264 81 285 7450, Conradie Straße 5, Windhoek PO Box 21593, Windhoek, Namibia
CHEFREDAKTEURIN Elzanne McCulloch elzanne@venture.com.na
PRODUKTIONSLEITERIN Liza Lottering liza@venture.com.na
PUBLIC RELATIONS Elzanne McCulloch elzanne@venture.com.na
SEITENGESTALTUNG Richmond Ackah Jnr. design@venture.com.na
VERWALTUNG Bonn Nortjé bonn@venture.com.na
INHALT
Elzanne McCulloch, Madeleen Duvenhage, Ron Swilling, Suné van Wyk
FOTOS
Suné van Wyk, Elzanne McCulloch, Ron Swilling, Le Roux van Schalkwyk, Marcus Westberg
Fotos ohne Quellenangabe sind Archivbilder oder geliefert.
Travel Namibia erscheint vierteljährlich und wird weltweit über den digitalen Zeitungskiosk Zinio und im südlichen Afrika in gedruckter Form vertrieben. Der redaktionelle Inhalt von TN wird vom Venture Media Team, von freiberuflichen Autoren und Journalisten erstellt. Er ist das alleinige Eigentum des Herausgebers, und kein Teil der Zeitschrift darf ohne schriftliche Genehmigung des Herausgebers vervielfältigt werden.
Alle Informationen und Reisedaten sind bei Redaktionsschluss korrekt. Gegebenenfalls ändern sie sich nach dem Erscheinungsdatum. Bitte informieren Sie sich auf den Websites der einzelnen Unternehmen über den aktuellen Stand.




ITB-Ausgabe 2026

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DAS LAND IN FAKTEN
824,268 km²
UNABHÄNGIG SEIT:
21.März 1990
PRÄSIDENT:
Netumbo Nandi-Ndaitwah Mehrparteienparlament

Säkularer Staat
FLÄCHE: Windhoek HAUPTSTADT: 90%
Demokratische Verfassung Gewaltenteilung zwischen Exekutive, Legislative und Judikative Christen mit Religionsfreiheit
Presse- und Medienfreiheit
WIRTSCHAFT
HAUPTSEKTOREN: Bergbau, Fischerei, Tourismus & Landwirtschaft
GRÖSSTER ARBEITGEBER: Landwirtschaft
BERGBAU:
46%
GRÖSSTE WACHSTUMSBRANCHE: Informations- und Kommunikationsbranche
Diamanten, Uran, Kupfer, Blei, Zink, Magnesium, Cadmium, Arsen, Pyrit, Silber, Gold, lithiumhaltige Minerale, Nutzgesteine (Granit, Marmor, blauer Sodalit) und zahlreiche Halbedelsteine
WÄHRUNG:
Der Namibia Dollar (N$) ist an den Südafrikanischen Rand (ZAR) gekoppelt und hat den gleichen Wert. Der ZAR wird in Namibia als Zahlungsmittel akzeptiert. Die gängigen Kreditkarten sind Visa, Mastercard, American Express und Diners Club.
STEUERN UND ZÖLLE
Die Preise aller Waren und Dienstleistungen enthalten 15% Mehrwertsteuer (VAT). Touristen können die Rückerstattung von VAT beantragen.
NACHFRAGEN: Namibia Revenue Agency (NamRA) Tel (+264) 61 209 2259 in Windhoek
TRANSPORT
Viele Touristenziele in Namibia sind NICHT mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar. Private Busunternehmen pendeln zwischen Windhoek und Swakopmund sowie Kapstadt, Johannesburg und den Victoriafällen. Windhoek ist der Mittelpunkt eines ausgedehnten regionalen und internationalen Flugnetzes.
UMWELT
20%
NATURSCHUTZGEBIETE: der Gesamtfläche
HÖCHSTER BERG: Brandberg
ANDERE MARKANTE BERGE:
Spitzkoppe, Moltkeblick, Gamsberg
GANZJÄHRIGE FLÜSSE:
Oranje, Kunene, Okavango, Sambesi und Kwando/Linyanti/Chobe PERIODISCHE FLÜSSE: Fischfluss, Kuiseb, Swakop, Ugab und viele mehr
FLORA
14 400 680
Flechtenarten
LEBENDE FOSSILE PFLANZE: Welwitschia mirabilis
FAUNA
GROSSWILD:
Elefant, Löwe, Nashorn, Büffel, Gepard, Leopard, Giraffe
20 Antilopenarten
250 Säugetierarten (14 endemische) 256 699 50 Reptilienarten
ENDEMISCHE VÖGEL: Namibschnäpper, Damara-Felsenspringer, Damaraseeschwalbe, Monteirotoko und Dünenlerche Froscharten
Leitungswasser ist fast immer aufbereitet und kann bedenkenlos getrunken werden. Vorsicht ist in den ländlichen Gegenden angebracht.
TRINKWASSER ZEITZONEN
GMT + 2 Stunden
ELEKTRIZITÄT
STRASSEN:
HÄFEN: Walvis Bay, Lüderitz
GSM Verträge mit 150 Ländern / 80 Netzen 46 Flugfelder
FLUGHÄFEN: Hosea Kutako Internationaler Flughafen, Eros Flughafen
EISENBAHNNETZ:
2,382 km Schmalspurgleise
TELEKOMMUNIKATION: Direktwahl in 221 Länder
6.2 Telefonanschlüsse pro 100 Einwohner
MOBILFUNKSTANDARD:
0.4182 Arzt pro 1,000 Einwohner
Privatkrankenhäuser mit Intensivstation in Windhoek
Ärzteschaft entspricht Weltstandard Rettungsdienste rund um die Uhr 4
3.1 Millionen DICHTE: 3.8 pro km²
Vogelarten AUSLÄNDISCHE VERTRETUNGEN
220 Volt AC, 50hz, dreipolige Stecker mit runden Stiften Chartergesellschaften fliegen alle Inlandsziele an.
461 000
Einwohner in Windhoek (15% der Gesamtbevölkerung)
ALPHABETISIERUNGSGRAD: 1.8%
AMTSSPRACHE: 14 Regionen 13 Volksgruppen 16 Sprachen und Dialekte Englisch 92%
BEVÖLKERUNGSWACHSTUM:
BILDUNGSEINRICHTUNGEN: mehr als 1,900 Schulen, diverse Berufsschulen und tertiäre Einrichtungen
Mehr als 50 Länder unterhalten eine Botschaft oder ein Konsulat in Windhoek.

Namibias Weg der Erneuerung
Namibia ist mehr als nur ein Reiseziel. Es ist ein Erwachen. Hier scheint sich die Zeit auf den Rhythmus der Wüstenwinde zu verlangsamen, hier treffen die goldenen Dünen des Sossusvlei auf die unberührte Weite des Etosha-Nationalparks, und hier hallt der Herzschlag Afrikas in den Menschen, der Kultur und den Landschaften wider.
Wir vom Namibia Tourism Board (NTB) haben die Vision, das NTB zu einer erstklassigen Destinationsmanagementorganisation zu machen, die Namibias Stellung auf der Weltbühne anhebt. Geleitet von dieser Vision ist es unsere Mission, nachhaltigen Tourismus zu steuern, auszubauen und zu fördern – Tourismus, der das Leben bereichert, die Gemeinschaften stärkt und unser Naturerbe für künftige Generationen bewahrt.
Im Rahmen unseres integrierten strategischen Geschäftsplans (ISBP 2023–2029) gestalten wir ein mutiges neues Kapitel für den namibischen Tourismus. Es basiert auf Innovation, Inklusion und Partnerschaft. Mit wegweisenden Initiativen stärken wir die touristische Wertschöpfungskette, von digitalen Transformationsprojekten wie die Einführung eines nationalen Tourismusinformationsmanagementsystems (TIMS) und die Neugestaltung unserer NTB-Website mit Besucher-Chatbot, bis hin zum Aufbau regionaler Büros im ganzen Land, um unsere Dienstleistungen zu unseren Partnern und den ländlichen Gemeinschaften zu bringen.
Mit dem Welcome Host Namibia Programm, einer landesweiten Kundenservice-Initiative zur Verbesserung der Standards im Gastgewerbe aller Branchen, definieren wir exzellenten Service neu. Zudem positionieren unsere Strategien in den Bereichen MICE (Meetings, Incentives, Conferences and Exhibitions), Kreuzfahrttourismus sowie Kulinarik und Gastronomie Namibia als erstklassiges Reiseziel für geschäftliche Veranstaltungen im südlichen Afrika. Dadurch werden internationale Konferenzen und Messen angelockt, die einheimische Wirtschaftszweige stimulieren.
Nachhaltigkeit steht nach we vor im Mittelpunkt unserer Aktivitäten. Durch starke Partnerschaften mit dem Ministerium für Umwelt, Forstwirtschaft und Tourismus (MEFT), mit kommunalen Hegegebieten und örtlichen Unternehmern fördern wir weiterhin den gemeinschaftsbasierten Tourismus, unterstützen Innovationen junger Menschen im Reisebereich und sorgen
dafür, dass jedes Besuchererlebnis zu Naturschutz und inklusivem Wachstum beiträgt.
Namibias Charme kennt keine Grenzen. Im Rahmen der Marktentwicklungsbemühungen vertieft NTB seine Präsenz in wichtigen internationalen Quellmärkten wie Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien, Südafrika, den USA und China und erkundet gleichzeitig neue Märkte in Japan, Indien und Nahost. Durch die Teilnahme an globalen Messen wie der ITB Berlin, der IMEX America und der China International Fair for Investment and Trade (CIFIT) knüpft Namibia Partnerschaften, gewinnt Investoren und präsentiert der Welt sein einzigartiges touristisches Angebot.
Wir nutzen auch die Kraft des digitalen Geschichtenerzählens, Kooperationen mit Influencern und Content-Partnerschaften, um authentische Geschichten aus Namibia zu verbreiten, die moderne Reisende auf der Suche nach bedeutungsvollen und nachhaltigen Erlebnissen ansprechen.
Jede Reise nach Namibia ist mehr als Urlaub – sie ist eine Verbindung zu etwas Größerem. Sie verkörpert die Herzlichkeit eines Himba-Lächelns, die stille Würde der Wüstenelefanten, die lebhaften Kunsthandwerksmärkte im Norden und den Geschmack hausgemachter Abenteuer unter dem strahlendsten afrikanischen Himmel.
Auf unserem Weg zu globaler Exzellenz lade ich Sie ein, zu kommen und Namibia zu entdecken, in sein Potenzial zu investieren und seine Authentizität zu feiern. Hier inspiriert die Natur den Entdeckergeist, und jeder Reisende wird Teil eines bleibenden Erbes.

Sebulon C. Chicalu Hauptgeschäftsführer Namibia Tourism Board (NTB)

NAMIBIA DISCOVER


16. Sesriem Campsite
17. Naukluft Camp
18. Hardap Resort
19. Fish River Canyon & Hobas Camp
20. /Ai-/Ais Hotsprings Spa
21. Mile 72
22. Mile 108
23. Jakkalsputz
24. Boplaas Campsite
25. Von Bach Tungeni Resort
26. Dead Valley Lodge & Oshana Sesriem Campsite
Was ist ein authentisches Reiseerlebnis?
In Namibia kann man es nicht einfach auf seiner Liste abhaken. Es ist etwas, das einem ganz unmerklich widerfährt.
Hier beginnt ein authentisches Reiseerlebnis in dem Moment, in dem sich die Straße weiter streckt als erwartet und der Radioempfang schwindet. Wenn die Landschaft aufhört, sich in Szene zu setzen und einfach nur da ist. Wenn man erkennt, dass niemand versucht, einen zu beeindrucken – weder das Land, noch die Menschen, noch die Tierwelt. Sie sind einfach da.
Es ist das Erlebnis, in der Frische des frühen Morgens zu sehen, wie ein Guide mit dem Finger den Begebenheiten im Sand nachgeht – kein geprobtes Drehbuch, sondern Wissen, das seit Generationen weitergegeben wird. Eine Lektion im Lesen von Spuren, Gräsern und Wind. Mehr hinzuhören statt zu sprechen. Zu verstehen, dass Überleben, Schönheit und Respekt vor der Natur tief miteinander verflochten sind.
Es ist eine Tasse Kaffee an einem Rastplatz am Straßenrand, wo die Zeit ihren eigenen Regeln folgt. Wo sich Gespräche zwanglos ergeben und Fremde einen wie Nachbarn begrüßen. Wo die Tomate auf dem Teller noch vor einer Stunde an der Pflanze hing und der Staub an den Schuhen sich verdient anfühlt.
In Namibia zeigt sich Authentizität in den kleinen Momenten – den spontanen Umwegen, den Fahrten ohne viel reden, dem Anhalten, um zu beobachten wie es über der Bergkette hell wird. Sie besteht darin, einen Platz zu hören, anstatt ihn zu beschreiben. Sich auf die schönste Weise unbedeutend zu fühlen, daran erinnert zu werden, dass dieses Land schon lange vor uns da war und auch lange nach uns da sein wird.
Dieses Land drängt sich nicht auf, um sich zu erklären. Stattdessen lädt es zum Innehalten ein.
Eine authentische Namibia-Reise bedeutet nicht, mehr zu sehen – sondern anders zu sehen
Mit Demut. Mit Neugier. Mit Raum zum Durchatmen. Und wenn Sie abreisen, nehmen Sie weniger Gewissheit, aber viel mehr Verständnis mit.
Dies ist die Perspektive, aus der wir uns diesem Thema genähert haben. Authentisches Reisen stand für uns im Mittelpunkt. Wir haben Geschichten ausgesucht, die den Alltag entschleunigen, die Menschen im Hintergrund würdigen und die stillen, bedeutungsvollen Momente feiern, die eine echte Namibia-Reise ausmachen. Ich hoffe, diese Seiten führen Sie zu Ihren eigenen ganz authentischen Entdeckungen, und dass Sie – wohin Sie auch unterwegs sein mögen – Raum finden um zuzuhören, zu verweilen und Namibia so zu erleben, wie es wirklich ist.
Mit herzlichen Grüßen aus Namibia,

Elzanne McCulloch Chefredakteurin
AUF DER TITELSEITE

In den weiten, trockenen Landschaften im abgelegenen namibischen Nordwesten erscheinen Spitzmaulnashörner wie Schatten der Urzeit. Sie sind widerstandsfähig, selten und streng geschützt, und sie verkörpern die Empfindlichkeit ebenso wie die bleibende Stärke dieser ungezähmten Ecke des Landes.
Titelbild: Marcus Westberg, mit freundlicher genehmigung des Save The Rhino Trust
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Inhalt
08 NOOISHOF | Willkommen geheißen werden
16 DIE SPRACHE DER KLICKS | Zuhören statt Verstehen
20 WOLWEDANS | Wo die Wüste antwortet
27 SOSSUSVLEI | Die Ikone
28 WENN DER MOBILFUNKEMPFANG ENDET | Die Ruhe erleben
32 HANDGEFERTIGT IN NAMIBIA | Die Menschen hinter den Souvenirs
36 DIE SKELETTKÜSTE | Wo immer noch Knochen, wilde Tiere und Glaube herrschen
43 FLYNAMIBIA SAFARI | Warum Namibia am besten aus der Luft erlebt wird
44 KUISEB AUF RÄDERN | Die unendlichen Geheimnisse der Namib
51 VERHALTENSREGELN AUF SCHOTTERSTRASSEN | Ungeschriebene Regeln, stille Lektionen
52 IM STILLEN GÄNSEMARSCH | Auf den Spuren von Nashörnern im Damaraland
58 KREISE, DIE VERBINDEN | Die stille Kraft des Dazugehörens
64 DIE SEELE VON MUSHARA | Wo die Reise nach Etosha wie ein Nachhausekommen ist
68 BWABWATA | Auf Tuchfühlung im Nordosten
76 NKASA LINYANTI | Wo Wasser die Wildnis schreibt
80 DER LANGE ABSCHIED | Der Schmerz des Abschieds








Willkommen geheißen werden
ELZANNE MCCULLOCH
Wenn man lange und intensiv genug über etwas nachdenkt, kann es einen Moment geben, in dem einen die Sprache vorübergehend im Stich lässt. Man spürt dieses vertraute Kribbeln, derweil man tief im Gedächtnis nach einem Wort sucht. Ein Wort, das einen Ort, ein Erlebnis, ein Gefühl beschreibt, das sich einer einfachen Bezeichnung geschickt entzieht und erst einmal erfahren werden will.
Und dann begreift man, dass Aufrichtigkeit das gesuchte Wort ist.
Es ist das Wort, das zu Nooishof gehört.
An der prallen Tomate auf meinem Teller haftet noch der Morgentau. Der frische Lavendelzweig am Tellerrand wurde erst kurz zuvor im Garten geschnitten. Nichts hier hat einen langen Weg zurückgelegt. Nichts wirkt wie in Eile. Alles wirkt wohlüberlegt, aber nie aufdringlich.
Mariza und Marc freuen sich aufrichtig, uns hier willkommen zu heißen – in ihrem Zuhause, in dem von ihnen geschaffenen Farmhausleben, umgeben von Menschen, die sie lieben und respektieren und die diese Gefühle erwidern. Das spüren wir sofort. Sie lieben es, Gäste zu bewirten, zu kochen, Wein zu servieren und sich stundenlang mit uns zu unterhalten – über das Leben, die Familie und alles zwischendrin, vom Alltäglichen bis zum Außergewöhnlichen.

Gespräche fließen hier lockerer als anderswo. Vertraute Namen, Orte, Erlebnisse, Rezepte, Vorlieben und Abneigungen, Ärgernisse und stilles Staunen werden an einem robusten, antiken Farmtisch ausgetauscht. Perspektiven verschieben sich und werden neu geordnet, so sanft, dass man es oft nicht gleich bemerkt. Das Essen schmeckt besser. Der Wein ist vollmundiger. Der Kaffee ist wohltuender denn je.
Das Essen schmeckt besser. Der Wein ist vollmundiger. Der Kaffee ist wohltuender denn je.
Denn wahre Authentizität lässt sich nicht nachahmen.
Sie entspringt an einem Ort der Liebe und Wertschätzung, mit echten, bewusst erlebten Momenten und echten Menschen, denen alles und jeder um sie herum sehr am Herzen liegt.
Wie auf den meisten Farmen im südlichen Namibia wurden auf Nooishof einst Karakulschafe gezüchtet. Marc und Mariza kauften die Farm 2016 und bauten als erstes alle Zäune ab – sogar die zu ihren Nachbarn. Ohne Grenzen fühlt sich das Land anders an. Offener. Ehrlicher.
Das Paar war 26 Jahre lang Besitzer der Mushara Collection am Rande des Etosha-Nationalparks. Der Umzug in den Süden erfolgte 2023, zunächst mit dem Ziel, den Ruhestand auf der ehemaligen Farm zu verbringen. Doch Mariza fand den Ruhestand bald langweilig, und Marc gab schließlich nach. Im April 2024 wurde Nooishof als kleine, exklusive Gästefarm eröffnet – aber nicht als kalkuliertes Geschäftsprojekt, sondern als natürliche Erweiterung ihres Lebens hier.
Der Name birgt seine eigene Poesie in sich. Wenn Marc vor dem Umzug allein die Farm besuchte, fragte einer der Angestellten immer nach der Nooi – Afrikaans für Mädchen oder junge Frau. Marc hatte diese Stätte für Mariza aufgebaut. Sie nach der Nooi zu nennen schien daher folgerichtig.
Die Ankunft ist unprätentiös. Ein kleines Schild. Ein altes Farmtor, das man selbst öffnet. Das Anwesen liegt schlicht und geruhsam da, und man würde sich nie träumen lassen, was einen im Haus erwartet.
Jedes Element im Farmhaus hat seine Geschichte. Die Ziegel wurden während der Bauarbeiten direkt vor Ort gebrannt. Alte Telefonmasten auf dem Gelände wurden für den Gemüsegarten umfunktioniert. Die Einrichtung ist warm, vielschichtig und wohnlich. Zwar mag man sich zunächst fragen, was an einem Farmhaus wie diesem so besonders ist, aber die Frage wird bald von der Atmosphäre beantwortet.
Marizas Küche ist der Puls dieses Erlebens. Mariza hält sich genau an die Rezepte, fast buchstabengetreu, und doch wirkt alles intuitiv und natürlich – als ob das Gericht einfach zustande gekommen wäre, weil es so sein sollte. Man kann diesen rohen und lebendigen Kern des Lebens auf dem Teller sehen. Alles stammt aus dem Garten oder wurde aus der Umgebung bezogen. Das fühlt sich organisch und erdhaft an, in einer Weise, die immer seltener wird.
Das ist nicht einfach nur Essen. Diesen Salat gibt es nicht zwei Jahre lang jeden Dienstag. Hier ist das Essen herzhaft und vollwertig. Man spürt geradezu den hohen Nährwert. Dazu ist es äußerst gesund, obwohl Butter und Sahne ohne Umschweife verwendet werden. Verarbeitete Zutaten sind tabu, und diese Ehrlichkeit verleiht dem Erlebnis noch mehr Bedeutung.
Bei jeder Mahlzeit sitzen wir gemeinsam am Tisch. Mariza ist ständig in Bewegung – sie verschwindet in die Küche und taucht wieder auf, sie unterhält sich, sie kocht. Sie sprüht vor Energie und Lebensfreude. Das ist ansteckend. Marc hingegen hat eine ruhige, beständige Persönlichkeit, die unaufdringlich durch den Raum schwebt. Er ist Besitzer, Manager, Buchungsagent und Kellner in einem, er räumt ohne Zögern Teller ab, schenkt Wein ein und öffnet Flaschen.











Er begrüßt einen bei der Ankunft am Tor, und immer ist er irgendwie da, wenn man von einem Spaziergang oder einer Fahrt zurückkommt, als hätte er die ganze Zeit auf einen gewartet.
Man ertappt sich dabei, dass man sich immer wieder bedankt. Und jedes Dankeschön wird mit einem höflichen Bitte sehr erwidert. Gern geschehen. Oh, ich bin wirklich sehr gerne hier.
Von den Mitarbeitern geht dieselbe Leichtigkeit aus. Entspannt. Glücklich. Wie zu Hause. Mariza leitet sie an und ermutigt sie unentwegt, korrigiert sie sanft und bestärkt sie. Und das merkt man. Die Atmosphäre ist familiär, aber nicht erzwungen. Professionell, aber nicht steif.


Draußen geht das Leben gemächlich seinen Gang. Die Hühner – alle fünfzehn gemeinsam „die Henriettas“ genannt – laufen frei umher. Der Hahn heißt Alfonso. Wir taufen die Gänse „die Gizelas“, denn warum sollten sie nicht auch einen Namen haben? Die Wildesel der Farm streifen durch das Gelände und gehören so sehr dazu, dass sie sogar im Logo abgebildet sind: ein Esel mit einer Ente auf dem Rücken und einem Huhn obenauf.
Es gibt Hunde – Otis, Jack, Pablo und Frankie – sowie die Schildkröte Lilybelle, die seit über vierzig Jahren hier wohnt. Sie gehört quasi zum Inventar der Farm.
Das Nooishof umgebende Naturreservat Sinclair wurde nach dem einstigen Sinclair Guest House benannt, das sich




hier befand und zu den ersten Gästehäusern im südlichen Namibia zählte. Der Name ehrt die Vergangenheit und ermöglicht gleichzeitig Neues.
Ihren Aufenthalt gestalten Sie ganz nach Wunsch. E-BikeStrecken schlängeln sich durch das Gelände und sind für jeden zugänglich, unabhängig von der Erfahrung. Hier ist alles vom Wetter und von der Gemütslage abhängig – die Aktivitäten, das Essen, sogar die Gespräche.
Während wir mit unserem Guide Nakale und seinem neuen Lehrling Nelson die Landschaft bei Sonnenuntergang erkunden, tauchen Löffelhunde auf – vier Familien, fünf auf einmal, die wie Satzzeichen aus dem gelben Gras hochspringen. Diesen Satz möchte man gar nicht beenden. In der Ferne ziehen Gemsböcke ihres Weges. Das Licht wird weicher. Der Blick dehnt sich endlos aus.
Im Gemüsegarten kennt Petrus jede Pflanze. Er kümmert sich aufmerksam um jede einzelne, mit einer Sorgfalt, die man nicht vortäuschen kann. Das hier ist nicht einfach „von der Farm auf den Tisch“. Es ist „von dieser Farm auf diesen Tisch“ – direkt von der Küchentür auf Ihren Teller auf dem alten Holztisch, der vor Ihrer Geschichte schon so viele andere erlebt hat.
Wir sprachen über Bäume und die Erinnerungen, die die 200 Jahre alten Kameldornbäume auf der ganzen Farm haben mögen. Wir sprachen über das Miteinander an einem Tisch, über Energie – die Energie der Natur und die Energie der Menschen – und über die Demut, die mit dem ehrlichen Teilen von Raum einhergeht.


Geschichten kamen zum Vorschein auf, deren Wiedergabe nie beabsichtigt war. Geschichten, die man üblicherweise nur engen Freunden erzählt.
Die Stille der frühen Morgenstunden auf der Veranda vor dem Zimmer bleibt unvergesslich. Eine Stille, die uns daran erinnert, wie selten wir uns erlauben, einfach zur Ruhe zu kommen.
Nooishof bemüht sich nicht darum, authentisch zu sein. Es ist einfach authentisch.
Und in einer Welt, in der Authentizität so oft inszeniert, verpackt und verkauft wird, ist das vielleicht der seltenste Luxus überhaupt. Dieses Gefühl von Aufrichtigkeit. Dieses Gefühl stiller Geborgenheit.
Dieses Gefühl, das sich einstellt, wenn man zu Hause willkommen geheißen wird. TN







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Die Sprache der Klicks
„Sprachen verkörpern tausende natürliche Experimente: Arten des Sehens, Verstehens und Lebens, die Bestandteil jeder sinnvollen Auseinandersetzung mit dem Menschsein sein sollten“ – Ross Perlin, Co-Direktor der gemeinnützigen Endangered Language Alliance.
MADELEEN DUVENHAGE
Die Sprache ist lebendig, und wir müssen dafür sorgen, dass sie es bleibt!

Als Hans ‡Eichab, Linguist und Muttersprachler des Khoekhoegowab, an einer Konferenz über Sprachen im Nahen Osten teilnahm, war er überrascht, einem Mann aus Nubien (einer ethnischen Gruppe im Sudan und in Südägypten) zu begegnen, der dasselbe Wort für Wasser verwendete wie er. Über geografische und kulturelle Grenzen hinweg offenbaren sich faszinierende Gemeinsamkeiten von Sprachen, die auf den ersten Blick Welten voneinander entfernt scheinen. Erlebnisse wie dieses verdeutlichen die tief reichenden Verbindungen, die in Sprachen verwurzelt sind, und die fortwährende Präsenz von Sprachen wie Khoekhoegowab.
Khoekhoegowab, eine der ältesten Sprachen der Welt, wird von knapp 12 Prozent der namibischen Bevölkerung gesprochen und ist die zweitgrößte Sprachgruppe in Namibia. Als Teil der Khoisan-Sprachfamilie gehört Khoekhoegowab zu den wenigen afrikanischen Sprachen, in denen die für die Khoisan-Sprachen charakteristischen Klicklaute erhalten geblieben sind. Es ist die letzte überlebende Sprache des Khoekhoe-Zweigs innerhalb der größeren Khoe-Sprachfamilie.
Traditionell wird diese Sprache von drei ethnischen Gemeinschaften in Namibia, Südafrika und Botswana
gesprochen – den Hai||omkhoen, Namakhoen und ‡Nūkhoen (auch !Gunikhoen geschrieben, wobei das Ausrufezeichen einen Klicklaut darstellt). Ihr Name ist von khoe abgeleitet, was Person bedeutet.
Chief Hans Axasi ‡Eichab (sein Nachname bedeutet „Großfuß“, wie er lachend bemerkt und auf seine Schuhgröße 46 zeigt) ist neben seiner Tätigkeit als Linguist auch unabhängiger Forscher, Historiker, Dichter, Musiker und gelegentlich Botaniker. Er war Dozent an der Universität von Namibia (UNAM). Derzeit unterrichtet er am Institut für Offenes Lernen (IOL) in Windhoek.
Zuerst bin ich geneigt, sein Portfolio für etwas übertrieben zu halten. Doch dann legt er mit Bedacht seinen breitkrempigen Hut auf den Tisch und beginnt zu sprechen. Unser Gespräch reicht von der griechischen Mythologie bis zum allmählichen Verschwinden der ursprünglichen Ortsnamen in Namibia.
Kurz nachdem Namibia 1990 die Unabhängigkeit erlangte, wurde der oft vernachlässigte Begriff Khoekhoegowab offiziell wieder für die Sprache eingeführt. Gemeinhin wird sie als Nama oder Nama/Damara bezeichnet. ‡Eichab stellt jedoch umgehend klar: „Ich bin kein Damara, ich spreche den !Gunikhoen-Dialekt (ausgesprochen !Nguni). Der Name bedeutet ‚Waise‘.“
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VARIETY




Nama und Hai||om San gehören ebenfalls zur KhoekhoegowabSprachfamilie.
Zwar teilt ‡Eichabs Dialekt das Klicklautsystem mit Damara, aber es ist einer von mehreren einzelnen Dialekten innerhalb des Khoekhoegowab. Die gängige Behauptung, die ethnisch eigenständigen Damara hätten die NamaSprache übernommen, ist widerlegt. Wie ‡Eichab erläutert, bedeutet Nama wörtlich diejenigen, die einen anderen Dialekt sprechen. Das unterstreicht die Vielfalt und den abweichenden Ursprung der Sprache.
Während unseres Interviews demonstriert ‡Eichab die gleichzeitige Leichtigkeit und Ernsthaftigkeit seiner Sprache, indem er einige Redewendungen in Khoekhoegowab vorträgt. Zum Beispiel: Khoeba xu xawe a khoe xūb kom khoebao – Ein Mensch ist ein Mensch durch andere Menschen
Er ist ein geduldiger Lehrer. Ich bemühe mich nach Kräften, die glottalisierten Klicklaute über die Lippen zu bringen, doch meine Zunge benimmt sich unbeholfen, als ob sie für den komplexen, runden Klang der Sprache nicht geeignet wäre. Ich wünschte, ich könnte Ihnen, dem Leser, die Tiefe, die sich in jedem Klick verbirgt, perfekt vermitteln. Auf dem Papier sind die Wörter nur gedruckte Symbole. Flach, oberflächlich. Doch ausgesprochen werden die Konsonanten sofort spielerisch, vielschichtig. Dynamisch.
Manche tonale Melodien klingen hohl und rau, andere wie ein schallender Klatscher, der aus dem hinteren Mundraum kollert. Hingegen lässt mich ein leichtes und ganz sanftes, kaum hörbares Klicken im gleichen Satz an stetig fließendes Wasser denken.
‡Eichab betont, wie wichtig es ist, Plattformen zu schaffen, auf denen Khoekhoegowab nicht nur analysiert, sondern auch mit Freude zum Ausdruck gebracht werden kann, damit es nicht an den Rand des Aussterbens gerät. „Die Sprache ist lebendig, und wir müssen dafür sorgen, dass sie es bleibt!“
Er sieht sich als Hüter der mündlichen Überlieferung, die er in jahrzehntelanger unermüdlicher Forschung akribisch transkribiert und bewahrt hat. „Es wäre traurig, wenn alles das nach meinem Tod verloren ginge“, sagt er. Eine ernüchternde Mahnung, dass dieses Erbe es wert ist, geschützt und an die nächste Generation weitergegeben zu werden. Die jüngere Generation allerdings versteht die Nuancen der Sprache oft nicht, was zu Missverständnissen führt. Wie bei vielen jungen Menschen sind die grammatikalischen Regeln ihrer Muttersprache heutzutage verschwommen und unter dem Einfluss entlehnter englischer Syntax verbogen. Schmunzelnd bemerkt ‡Eichab, der überzeugte Sprachpurist: „Junge Khoekhoegowab-Sprecher stellen jetzt das Verb an den Satzanfang, statt ans Satzende.“
Und doch trägt ein starkes und wiedererwachtes Interesse zum Erhalt der Sprache bei. Sie wird an weiterführenden Schulen unterrichtet und auch an Hochschulen gelehrt. Derzeit ist sie eine von nur drei namibischen Sprachen, die als Hauptfach im Bachelorstudium angeboten werden. Die Bewahrungsbemühungen erstrecken sich auch auf die literarische und poetische Ebene, wie etwa Veranstaltungen zum gesprochenen Wort und gemeinschaftliche Erzählprojekte.
Dieses Bewusstsein geht über die Semantik hinaus. Sprache dient als Einiger und kraftvolle Stimme eines ganzen Volkes. Sie verbindet Gemeinschaften, in denen sich uralte Geschichte und hoffnungsvoll stimmendes Vermächtnis berühren. Sie schafft ein Gefühl von Heimatlichkeit, misst die Zeit und verleiht fast verlorenen Erzählungen Gestalt. Sie symbolisiert Zugehörigkeit.
Durch die Sprache wird das kollektive Gedächtnis bewahrt. Sprache verbindet Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu einem lebendigen Kontinuum. Jede Geschichte, immer wieder erzählt, birgt die Weisheit der Ältesten, um ein Feuer versammelt, und jeder Satz, gelernt und im Gedächtnis verankert, überbrückt die Kluft zwischen Tradition und Moderne. Indem sie Khoekhoegowab als Sprache erhalten, bewahren Chief ‡Eichab und seine Altersgenossen nicht nur Worte: sie bewahren das Bild eines Volkes von sich selbst, seiner Geschichte und das Versprechen kultureller Kontinuität. TN



Wüste
Wo die antwortet

Ich sitze auf der Veranda meiner Suite, ein Buch auf dem Schoß, als das Aufbltzen einer Bewegung meinen Blick auf sich zieht. Ein Hase huscht über den roten Sand, kaum zwei Meter vor mir, seine federnden Läufe tragen ihn mühelos über den Dünenhang. Er verschwindet in einem Flecken Gras und weiter in die Genzenlosigkeit. Es ist ein kurzer Augenblick. Und doch fühlt er sich wie eine Einladung an.
In der NamibRand Nature Reserve führt die Wüste keine Show auf. Sie fordert deine Aufmerksamkeit nicht ein und konkurriert nicht um sie. Stattdessen wartet sie – geduldig, uralt, sicher in dem Wissen, dass sie sich offenbart, wenn du nur dein Tempo genügend drosselst.
NamibRand ist eine der bemerkenswertesten Naturschutzleistungen in Namibia – eine riesige, privat geschützte Wildnis, in der das endlose rote Dünenmeer in Schotterebenen und felsige Steilhänge übergeht. Diese Wildnis ist ruhiger als das Sossusvlei, leerer, weniger fotografiert. Für Reisende, die bereit sind, sich über die bekannten Ikonen und inszenierten Aussichtspunkte hinauszuwagen, bietet NamibRand etwas Selteneres – Weite, Einsamkeit und spürbare Nähe zum Land. Menschenmengen lassen so etwas einfach nicht zu.
Wolwedans existiert wegen dieser Umgebung, aber auch wegen einer Philosophie. Das Naturreservat wurde von Albi Brückner gegründet und von seinem Sohn Stephan weiter geprägt. Wolwedans ist kein Lodge-Betrieb im herkömmlichen Sinne. Es ist ein langfristiges Experiment, wie Tourismus verantwortungsvoll, intelligent und auf schöne Weise in einer empfindlichen Landschaft funktionieren kann.
Hier wird nichts halbherzig gemacht. Alles ist wohldurchdacht.
Sie nennen es die fünf Cs – Conservation, Commerce, Community, Culture und Consciousness (Naturschutz, Geschäft, Gemeinschaft, Kultur und Bewusstheit) – doch bei Wolwedans sind es keine abstrakten Ideale. Es sind Praktiken, täglich umgesetzt und über Jahrzehnte erprobt.



VOM LAND LERNEN
Unsere Einführung in diese Philosophie begann zu Fuß. Mit Boetie, unserem San-Guide, spazierten wir gemächlich durch die Wüste. Was zunächst leer erscheint, offenbart sich unter seinem Blick als vielschichtig und lebendig. Er zeigt auf Gräser, an denen ich achtlos vorbeigegangen wäre – Straußengras, widerstandsfähig und zweckmäßig – und erklärt, wie es traditionell genutzt wurde. Er kniet nieder, um uns Heilpflanzen zu zeigen, auf die sich seine Vorfahren einst verließen, jede mit einer bestimmten Funktion, jede eine Antwort auf eine Notlage.
Er zeigt uns Spuren im Sand – klein, ausgeprägt, leicht zu übersehen – und plötzlich wird die Wüste zu einem Geschichtenbuch aus Fußabdrücken. Er erzählt von Überresten uralter Buschmann-Steinkreise, niedrig und sorgfältig angelegt. Das waren Jagdschirme, erklärt er. Die San waren kleine Menschen, sagt er mit einem leisen Lächeln, und sie nutzten das Land mit Klugheit. Antilopen wurden in Täler gelenkt, wo die Jäger unsichtbar in diesen Steinschirmen warteten und im genau richtigen Moment gifttige Pfeile abschossen.
In Boeties Worten liegt keine Nostalgie. Keine Verklärung. Nur Wissen, weitergegeben durch Beobachtung, Erfahrung und Überleben.
„Die Natur ist mein Zuhause“, sagt er. „Die Natur ist meine Schule. Die Natur ist mein Laden.“
In diesem Moment kristallisieren seine Worte alles heraus, was sich Wolwedans zu schützen bemüht – nicht nur Landschaften, sondern auch Arten des Wissens.


RAUM FÜR VERZAUBERUNG LASSEN
Zurück im Dune Camp, hoch oben auf intensiv roten Bergen aus Sand gelegen, entfaltet sich die Weite des NamibRand in alle Richtungen. Bei Sonnenauf- und -untergang leuchten die Dünen, ihre Kurven vom Licht gemildert, ihre Kämme von Schatten geschärft. Der Wind bewegt sich sanft, hebt Sandkörner an, kämmt die Oberfläche, singt ein Lied, das man weniger hört, sondern spürt. Seine Bedeutung setzt sich irgendwo tief in der Brust fest, instinktiv verstanden.
An jenem Abend steigen wir auf einen Dünenkamm und sitzen schweigend da, während die Sonne langsam untergeht. Wolken sammeln sich am Horizont, und als die Sonne schließlich hinter ihnen verschwindet, fließen goldene Strahlen über das Land und tauchen die Wüste in Feuer und Licht.
Wir sitzen da und sprechen über alles und nichts. Über die Wildnis, das Leben und die Evolution und darüber, wie jedes Element in der Natur eine Frage beantwortet. Eine Anpassung. Eine Überlebensstrategie. Eine Reaktion auf Druck, auf Zeit oder Knappheit. Als Menschen sind wir darauf programmiert, nach diesen Antworten zu suchen, die Mechanismen zu verstehen, das Wie und Warum zu erklären.
Monika, die auf unserer Reise immer wieder wissen wollte, welche Frage Naturphänomene beantworten, blickt auf die Aussicht vor uns und unterbricht sanft den Faden.
„Vielleicht brauchen wir nicht alle Antworten“, sagt sie, während sie weiter beobachtet, wie das Licht über die Dünen gleitet. „Vielleicht müssen wir nur etwas Platz für den Zauber lassen.“
Ein einzelner Regentropfen fällt auf meine Wange, unwahrscheinlich wie es ist. Er vermischt sich mit einer Träne, die bereits da ist, und wird zu einer Spur aus Staunen und Ehrfurcht. Niemand spricht. Was sollte man auch sagen?
In diesem Moment, auf einer roten Düne sitzend, die von innen zu leuchten scheint, spüre ich das ganze Universum. Unverkennbar ist etwas Göttliches gegenwärtig. Die Erde, Zeit, das Leben, Liebe und alles, was jemals von Bedeutung war, liegt vor mir ausgebreitet da.
Wolwedans kann solche Momente bewusst schaffen, nicht zufällig.
NAMIBRAND VS SOSSUSVLEI
Zwei Ikonen der Wüste – zwei sehr unterschiedliche Erlebnisse
Sossusvlei und NamibRand Nature Reserve bringen beide die Dramatik von Namibias Wüstenlandschaften zur Geltung – doch das Erleben vor Ort könnte unterschiedlicher kaum sein. Das zu verstehen ist bei der Planung einer Namibia-Reise entscheidend.




HEART & HOME
Das wird am nächsten Morgen auf der Heart & Home Tour noch deutlicher – sie führt in die operative Seele von Wolwedans. Geleitet wird sie von Cecilia, deren offizieller Titel Happiness Coordinator ist. Es könnte die passendste Berufsbezeichnung sein, der ich je begegnet bin.
Cecilia erläutert, dass es ihre Aufgabe ist, für Wohlbefinden zu sorgen – das Wohlbefinden von Mitarbeitenden, Gästen und der Umwelt gleichermaßen. Hier ist Glücklichsein kein Nebenprodukt. Es ist bewusst gewollt.
Die Tour führt uns durch das Wolwedans Village, den Maschinenraum hinter den Camps. Wasser wird nachhaltig bewirtschaftet und vor Ort in Glasflaschen – still und sprudelnd
– abgefüllt, so dass Plastik und Transportineffizienzen vermieden werden. Kaktusfeigensaft wird aus den Früchten einer nahegelegenen Farm hergestellt – eine bewusste Alternative zur Einfuhr von Orangensaft aus Südafrika. Die Zitronen für hausgemachte Limonade stammen aus Obstgärten gleich hinter den Gebäuden.
In den Werkstätten summt die Zweckmäßigkeit –Schreinerei, Metallverarbeitung, Segeltuchreparatur. Sie sorgen dafür, dass Bauen und Instandhaltung in einem geschlossenen Kreislaufsystem vor Ort erfolgen. Hühner liefern Eier. Schweine streifen in der Nähe umher. Gemüsegärten gedeihen erstaunlich gut in der Wüste, biologisch und produktiv.
Jedes System speist ein anderes. Abfall wird reduziert. Wiederverwendet. Fähigkeiten werden weitergegeben. Der Zweck ist greifbar. In einer von Knappheit geprägten Landschaft wird Fülle durch Umsicht geschaffen.
Das ist Wirtschaften, das erhält statt ausbeutet. Naturschutz, verwurzelt in langfristiger Verantwortung für eine empfindliche Wüstenlandschaft. Gemeinschaftlichkeit, die Würde bietet, nicht Abhängigkeit schafft. Eine Unternehmenskultur, die intern gepflegt wird und ein Arbeitsumfeld formt, das ebenso durchdacht ist wie das Gästeerlebnis. Und vor allem: Bewusstheit – zu wissen, dass jede Entscheidung Gewicht trägt und dass Nachhaltigkeit mit Absicht beginnt.





HINÜBER NACH BOULDERS
An einer fernen Seite des Reservats bietet das Wolwedans Boulders Camp ein völlig anderes Erleben der Wüste. Zwischen gewaltigen Granitformationen und endlosen Schotterebenen gelegen ist Boulders ein Ort tiefer Stille, wo Isolation zu einer Form der Meditation wird. Das Camp ist in den Fels selbst hineingewoben, umgeben von einer monumentalen Installation aus sorgfältig geschichteten Steinkreisen – ein bisschen wie die natürlichen Feenkreise, die über die Landschaft verstreut sind.
Jeder Kreis scheint wie eine Meditation an sich. Eine stille Einladung zum Innehalten und Nachdenken.
Hier wird Isolation zum Geschenk. Eine tiefe Stille breitet sich aus, erdend und uralt. Die Zeit dehnt sich und wird weich, der Alltagslärm löst sich auf in Wind, Licht und Schatten. Ein Aufenthalt in Boulders kommt einem weniger wie ein Besuch vor, sondern vielmehr wie ein Neustart – ein erdender, introspektiver Gegenpol zur Sanftheit der Dünen und eine kraftvolle Ermahnung, dass Abgeschiedenheit, wenn sie behutsam erfahren wird, eines der großzügigsten Luxusgüter überhaupt sein kann.
„Vielleicht brauchen wir nicht alle Antworten“, sagt sie, während sie weiter beobachtet, wie das Licht über die Dünen gleitet. „Vielleicht müssen wir nur etwas Platz für den Zauber lassen.“

Ruhe für die Seele
Eines der eindringlichsten Angebote von Wolwedans ist eine Aktivität, die schlicht Solitude (Abgeschiedenheit) heißt. Unser Guide setzt uns auf einer weiten Ebene ab – mehr als 30.000 Hektar offene Wüste – dazu zwei Stühle, weit voneinander entfernt, ein Getränk in die Hand, und dann verlässt er uns.
Bis zu eine Stunde lang ist man vollkommen allein.
Keine Stimmen. Keine Geräte. Nur Wind, Vögel und das ferne Bellen der Geckos, während die Sonne tiefer sinkt. Es ist ein Reset – für den Geist, das Nervensystem, die Seele. Zeit, einfach da zu sitzen und zu horchen. Zu fühlen. Zu überdenken, während du auf den Aufgang der ersten zehn Sterne wartest. Es sind die längsten Minuten deines Lebens.
Mir fällt ein Zitat ein, das ich irgendwo gelesen habe: Der Mensch verehrt einen unsichtbaren Gott, während er eine sichtbare Natur zerstört, ohne zu erkennen, dass die Natur, die er zerstört, der Gott ist, den er verehrt.
Nirgends hat sich das wahrer angefühlt.
Auf Wolwedans geht nicht darum, Checklisten abzuhaken oder Sehenswürdigkeiten hinterherzujagen. Es geht darum, wieder sehen zu lernen. Tiefgründiger zu denken. Langsamer zu gehen. Lange genug da zu sitzen, damit die Wüste antworten kann.
Und sich daran zu erinnern, dass sich die bedeutungsvollsten Reisen manchmal gar nicht um Antworten drehen – sondern darum, Platz für Verzauberung zu lassen. TN

SOSSUSVLEI
Die Ikone
Warum es Besucher anzieht: Die Dünen am Sossusvlei gehören zu den höchsten der Welt. Es ist eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten Namibias und ein ganz besonderes Erlebnis für Erstbesucher.
Am besten geeignet für: Erstbesucher Namibias, Fotografen auf der Jagd nach klassischen Motiven, begrenzte Reisepläne und Reisende, die ein weltberühmtes Wahrzeichen abhaken möchten.
Was man mitnimmt: Ein kraftvolles visuelles Erlebnis und ikonische Bilder – aber wenig Alleinsein und Vertiefen.
NAMIBRAND NATURE RESERVE
Erlebnis mit Tiefgang
Warum es Besucher anzieht: Eines der größten privaten Naturschutzgebiete im südlichen Afrika, mit ausgedehnter Wildnis, geringer Besucherdichte und tiefgehenden Wüstenerlebnissen.
Das Erlebnis: Weite, Stille und Freiheit. Keine Menschenmengen, keine Eile. Aktivitäten entfalten sich gemächlich und lassen Zeit zum Wandern, Alleinsein, zum Beobachten der Sterne und zum Besinnen. Am besten geeignet für: Wiederkehrende Namibia-Reisende, bewusst Reisende, Naturliebhaber, Fotografen auf der Suche nach Originalität und alle, die eine tiefere Verbindung mit dem Reiseziel wünschen.
Was man mitnimmt: Perspektive, Stille und ein Gefühl der Zugehörigkeit zur Landschaft – nicht nur des Durchreisens.
WARUM WOLWEDANS IM NAMIBRAND?
Wolwedans ermöglicht Zugang zum NamibRand durch ein bewusstes Tourismusmodell, das auf Naturschutz, Förderung der Gemeinschaft und langfristiger Nachhaltigkeit basiert. Mit fünf Camps in unterschiedlichen Landschaften – von roten Dünen bis zu schroffen Granitaufschlüssen – erleben Gäste die Wüste aus vielfältigen Perspektiven, ganz ohne Menschenmengen.
Profi-Tipp zur Reiseplanung: Kombinieren Sie NamibRand und Wolwedans vor oder nach dem Sossusvlei. Nehmen Sie sich die Zeit und die Freiheit, beides zu erleben. Zuerst Tiefgang und Stille, dann die Ikone – so entsteht eine Reise, die Bedeutung und Spektakel in Einklang bringt.
Sossusvlei bedeutet, die Wüste zu sehen. NamibRand bedeutet, sie zu fühlen
Für Reisende, die weiter, langsamer und inniger vorgehen möchten, ist NamibRand keine Alternative zum Sossusvlei – es ist die Evolution des namibischen Wüstenerlebnisses. TN

WENN DER
MOBILFUNKEMPFANG ENDET
Im vergangenen Dezember verbrachten wir eine Woche am Cape Cross an der Skelettküste in Namibia. Technisch gesehen gab es dort ein Mobilfunksignal – MTC Edge. Gerade genug, um Hoffnung aufkommen zu lassen. Genug Balken, um eine Verbindung anzudeuten. Aber nicht genug, um tatsächlich ins Internet zu gelangen.
Dieses Detail ist wichtig, denn es verändert die Psychologie des Ganzen.
Am ersten Tag griff ich ständig nach meinem Mobiltelefon. Nicht bewusst – instinktiv. Ein Reflex. Instagram. Mitteilungen. Emails. Jedes Mal dasselbe Ergebnis. Nichts lud. Kein Dopamin-Kick wartete auf mich, keine kurze Ablenkung, die ein wenig an der Ruhe und Entspannung gerüttelt hätte. Nur eine leichte kleine Irritation, die länger nachklang als erwartet.
Am zweiten Tag ließ das Greifen nach. Die Gewohnheit begann zu bröckeln. Ich schaute zwar noch nach, aber mit weniger Dringlichkeit, eher aus Neugier als aus Notwendigkeit. Am dritten Tag merkte ich, dass ich gar nicht mehr wusste, wo mein Mobiltelefon war. Es war nicht verloren gegangen, sondern einfach irrelevant.
Wenn es keine digitale Ablenkung mehr gibt, verändert sich etwas. Das Gehirn, so sehr an ständige Stimulation gewöhnt, beginnt sich neu zu kalibrieren. Die Zeit dehnt sich aus. Vormittage fühlen sich länger an. Nachmittage entfalten sich ohne Unterbrechung. Die Aufmerksamkeit richtet sich auf das, was man direkt vor sich hat. Dieses Kribbeln im Nacken, das Rauschen im Kopf – alles klare Anzeichen einer Sucht, die man weiterhin leugnen wird… Aber der Hintergrundlärm lässt nach.
Bei den Kindern war die Veränderung noch viel markanter. Zuhause bekamen sie jeden Tag vielleicht ein oder zwei Stunden Paw Patrol oder Bluey zu sehen. In Cape Cross gab es nichts dergleichen. Kein Internet. Kein Fernsehen. Kein YouTube. Kein Streaming. Keine Diskussionen. Und so taten sie, was Kinder schon immer tun, wenn es keine Bildschirme gibt, die sie magisch anziehen – sie wurden wieder Kinder.
Sie tobten den ganzen Tag draußen herum. Sie spielten am Strand, im Wüstensand, zwischen Felsen, Wind und Weite. Sie erfanden Spiele, stritten sich, klärten ihre Differenzen, verschwanden und tauchten wieder auf. Manchmal langweilten sie sich, nur kurz – und dann wurden sie kreativ. Vertieft. Ganz im Hier und Jetzt.
ELZANNE MCCULLOCH
Namibia bietet noch diese Art von zufälliger Abgeschiedenheit. Keine inszenierte digitale Auszeit, kein teures Versprechen von Achtsamkeitstraining – einfach Orte, an denen das Mobilfunksignal nicht ganz reicht und das Leben die Lücke behutsam füllt.
Ständige Erreichbarkeit bringt eine seltsame Unruhe mit sich. Die Vorstellung, dass wir immer verfügbar, immer ansprechbar, immer online sein müssen. Sie schwebt als unterschwelliges Summen über allem. Hier draußen verstummt das Summen. Und etwas Sanfteres tritt an seine Stelle.
Manchmal bedeutet Abschalten in Wirklichkeit, wieder Verbindung aufzunehmen – mit sich selbst, mit den Kindern, mit dem Rhythmus der Zeit, der sich in menschlichem Tempo bewegt.
Ich muss etwas gestehen. In einem Anflug von elterlicher Voraussicht – oder Schwäche – hatte ich einige Folgen Kinderunterhaltung auf mein iPad geladen. Ein geheimer Notfallvorrat, nur für alle Fälle. Wir haben ihn nie genutzt. Am dritten Tag fragten die Kinder gar nicht mehr danach. Soweit sie wussten, gab es einfach kein Fernsehen.
Was da war, war das Land.
Unendliche Weite. Eine sanfte Wüstenbrise streicht über Sand und Meer. Die Zeit wird nicht in Mitteilungen gemessen, sondern in Licht und Gezeiten. Die Welt hier draußen beugt sich nicht deinem Willen. Stattdessen passt du dich ihr an. Die Abgeschiedenheit ist kein Mangel – sie ist Präsenz. Eine Präsenz, die wenig verlangt und viel zurückgibt.
Dass das Mobiltelefon keinen Empfang mehr hatte, war nicht die eigentliche Geschichte. Es war einfach der Moment, in dem wir aufhörten, über uns hinauszureichen und uns ganz diesem Ort hingaben. Namibias abgelegene Orte bieten keine Ablenkung. Sie eröffnen neue Perspektiven.
Und wenn man diese Art von Stille einmal erlebt hat –jene Stille, die von Weite, Einsamkeit und offenem Land geprägt ist – trägt man sie in sich, noch lange nachdem der Mobilfunkempfang wiederhergestellt ist. TN










Bagatelle Kalahari Boutique Farmhouse www.bagatelle-lodge.com/farmhouse/

Bagatelle Kalahari Game Ranch www.bagatelle-lodge.com
Büllsport Lodge & Farm buellsport-naukluft.com

Cornerstone Guest House www.cornerstoneguesthouse.com

Corona Guest Farm www.coronaguestfarm.com

Etusis Lodge www.etusis.com




Frans Indongo Lodge www.indongolodge.com
Fiume Lodge www.fiume-lodge.com
Fort Sesfontein www.fortsesfontein.com












Guest Farm Kiripotib www.kiripotib.com
Gecko Ridge www.geckoridge.com.na
Goibib Mountain Lodge www.goibibmountainlodge.net
Huab Lodge www.huab.com
Jackalberry Tented Camp www.jbcamp.com
Kashana Namibia www.kashana-namibia.com
Namib’s Valley Lodge www.namibsvalley.com
Ndhovu Safari Lodge www.ndhovu.com











Nkasa Lupala Tented Camp www.nkasalupalalodge.com
Ongula Village Homestead Lodge www.ongula.com
Ohange Lodge www.ohange.com
Otjiwa Eagle’s Rest www.otjiwa.com.na
Otjiwa Thornbush Tented Camp www.otjiwa.com.na/thorn-bush-tented-camp
Otjiwa Savanna Luxury Villa www.otjiwa.com.na/savanna-luxury-villa
Otjiwa Mountain Lodge www.otjiwamountainlodge.com
Serondela Lodge www.serondelalodge.com
Ugab Terrace Lodge www.ugabterracelodge.com
Handgefertigt in Namibia

Die Menschen hinter den Souvenirs
MADELEEN DUVENHAGE
Die Made in Namibia Collection im Herzen von Swakopmund ist weit mehr als ein Souvenirladen. Sie ist ein dynamisches Schaufenster namibischer Kreativität: ein Ort, an dem Tradition, Können und Lebensgeschichten als handgefertigtes Design zusammenfließen.
Das Ehepaar Raymond und Marilyn Spall hat die Collection gegründet. Seit den bescheidenen Anfängen mit einer kleinen Auswahl von in Namibia hergestellten Geschenk-Artikeln hat sie sich zu einer landesweiten Plattform entwickelt, die einheimische Kunsthandwerker und Lieferanten fördert und vernetzt. Heute ist der Laden ein Beweis dafür, wie kunsthandwerkliches Schaffen durch sorgfältige Auswahl und die Unterstützung der Gemeinschaft zu nachhaltiger Selbstversorgung werden kann.
Die Vision der Spalls findet ihren wahren Ausdruck durch die Hände der Kunsthandwerker selbst. Unter ihnen ist Zelma Stefanus aus Osona bei Okahandja. Sie hat sich mit unverwechselbaren, originellen Ledertaschen und Rucksäcken einen Namen gemacht. Als sie vor mehr als fünf Jahren Kontakt zur Made in Namibia Collection aufnahm, konnte sie nicht ahnen, wieviel Begeisterung die kreativ orientierte Kundschaft ihren Arbeiten entgegenbringen würde.

„Meine Kreationen waren anfangs nicht aus echtem Leder. Zuerst habe ich mit Kunstleder gearbeitet und bin erst später zu echtem Leder übergegangen. Seit mehr als fünf Jahren fertige ich Taschen und Rucksäcke an. Durch meine Kreationen wollte ich meine eigene Geschichte erzählen. Leder habe ich wegen seines Wertes, seiner Langlebigkeit und seiner Einzigartigkeit gewählt – Eigenschaften, die ich auch für meine halte.“
Weiter sagt Zelma: „Erst als ernsthaftes Interesse an meiner Arbeit gezeigt wurde, fing ich an, mich für eine Kunstschaffende zu halten. Der unerwartete Zuspruch von Familie, Freunden und Fremden hat mir in dieser Anfangszeit die Motivation zum Weitermachen gegeben. Ich möchte jeden, ob jung oder alt, ermutigen, auf die innere Stimme zu hören, darüber zu beten, sich mit Gleichgesinnten zu umgeben und dort anzufangen, wo sie gerade sind, mit dem, was gerade zur Verfügung steht. Sie dürfen nur nicht aufgeben! Ihre Kreationen könnten eines Tages in die ganze Welt geschickt werden, so wie meine!“
Im erweiterten Sortiment der Collection taucht ein anderer bekannter Name auf: Morgan von Morgi Crafts. Morgans Spezialität sind verspielte Darstellungen der namibischen Tierwelt. Sie erzählt: „Ich male schon seit meiner Schulzeit, aber als ich vor 22 Jahren nach Walvis Bay umgezogen bin, habe ich mich von Stoff und Leinwand dem Kunsthandwerk zugewandt. Am meisten inspirieren mich Perlhühner. Es sind so drollige Vögel! Ihre scheinbare Richtungslosigkeit und die Tatsache, dass eine Gruppe von ihnen in Englisch als Wirrwarr (confusion) bezeichnet wird, geben mir beim Malen so viel kreativen Spielraum. Eidechsen beim Sonnenbad und majestätische Elefanten inspirieren mich ebenso sehr, und an diesen drei Tierarten erfreuen sich Touristen seit vielen Jahren. Was als Leidenschaft begann, ist zu meinem Beruf geworden. Ich bin jeden Tag damit beschäftigt, Holzgegenstände zuzuschneiden, zu bemalen, zu lackieren und vieles mehr.“
Nach seiner Pensionierung übernahm Ehemann Dave das Etikettieren und Verpacken – was Morgan ungeheuer viel Zeit spart. Seit die Made in Namibia Collection ihre Arbeiten bewirbt, erhält sie regelmäßig Bestellungen aus ganz Namibia. Für junge Menschen mit Ambitionen und einer








Liebe zur Kunst hat sie den Ratschlag: „Seid beharrlich, teilt eure Leidenschaft und habt vor allem Geduld. Es braucht seine Zeit, um wahrgenommen zu werden.“
Die Collection zeigt auch die Ergebnisse sehr persönlicher Lebenswege. Die Textilkünstlerin Luwisa Guriras, beispielsweise, verknüpft in ihrer Kreativität Heilung und Ausdruck.
„Ich hatte das große Glück, eine Ausbildung zur Massagetherapeutin zu machen. Anfangs mochte ich das gar nicht, es war sogar eine der härtesten Erfahrungen meines Lebens! Zum Spaß sage ich immer, mein Ausbilder hätte mich hypnotisiert, aber jetzt sehe ich diese Ausbildung als Geschenk. Es ist der beste Beruf, den ich mir hätte aussuchen können, denn wie eine Ärztin arbeite ich mit meinen Händen.“
Doch als Luwisas Nichte zum Studieren nach Russland abreiste, wurde das Leben schwierig. Luwisa erinnert sich:
„Ich spürte, dass ich zusätzlich etwas herstellen sollte, aber ich wusste noch nicht was. Ich fing mit Grußkarten an. Sie waren nicht perfekt, dennoch wurden sie gekauft. Mit der Zeit wurde ich besser. Dann kam COVID: keine Bewegungsfreiheit, keine Arbeit, keine Kunden. Also begann ich, inspiriert von meiner Fantasie, Wandbilder im Pop-ArtStil zu malen. Ich machte sie erschwinglich, damit mehr Menschen sich etwas Gutes tun und Schönheit in ihre Häuser holen konnten.“
Heute heile sie Menschen mit ihren Händen und Herzen mit ihrer Kunst, meint Luwisa. „Meine Porträts afrikanischer

Frauen vermitteln Hoffnung, Frieden und Stärke. Ich verkaufe meine Werke in verschiedenen Kunstläden und träume davon, meine Kunst über Namibia hinaus bekannt zu machen. Meine Lebensreise hat mich gelehrt, dass alles möglich ist, wenn man es wirklich will. Nicht aufgeben! Was du heute erschaffst, wird dir morgen nützen.“
Zusammen bilden diese drei Lebensgeschichten die Seele der Made in Namibia Collection: einem Ort, wo Souvenirs zu Geschichtenerzählern werden und wo Reisende ein Stück des kreativen und gemeinschaftlichen Geistes von Namibia mit nach Hause nehmen können. TN

Wo immer noch Knochen, wilde Tiere und Glaube herrschen
Die Skelettküste, ihre Wüstenlöwen und der Mann, der mit ihnen geht


Im äußersten Nordwesten Namibias – wo die Wüste ihren Griff lockert und der Atlantik den seinen verstärkt – liegt ein Landstrich, der sich jeder Vereinfachung entzieht. Die Skelettküste ist nicht nur abgelegen, sie ist von Urgewalt geprägt. Nebel zieht ohne Vorwarnung auf, Schiffswracks kommen mit den Gezeiten zum Vorschein und verschwinden wieder, und Leben existiert in Formen, die geradezu unmöglich erscheinen. Es ist eine Küste der Knochen und Mythen, deren Stille nur vom Wind, der Brandung und dem fernen Brüllen aus einer Robbenkolonie unterbrochen wird. Sie ist auch einer der letzten Gegenden unserer Erde, wo die Wildnis noch die Regeln diktiert.
Eine Fahrt durch den Skelettküsten-Nationalpark macht deutlich, wie klein wir sind. Diese riesige, geschützte Landschaft – Dünen, Kiesebenen, periodisch wasserführende Flussläufe und eisiges Meer – erstreckt sich vom Ugab nordwärts bis zum Kunene. Von moderner Infrastruktur ist sie weitgehend unberührt geblieben. Hier gibt es keine Städte, keine zufälligen Abstecher, keine als Komfort getarnte Annehmlichkeiten. Man kommt gut vorbereitet oder man kommt gar nicht.
Und doch gedeiht inmitten dieser scheinbaren Einöde das Leben.
EINE KÜSTE, DIE SCHIFFE VERSCHLUNGEN HAT
Der Name Skelettküste ist wohlverdient. Frühe Seefahrer nannten sie nicht umsonst das Tor zur Hölle. Dichter Nebel – bewirkt durch den Benguelastrom – nahm den Navigatoren jegliche Sicht. Unkartierte Riffe und die tobende Brandung rissen hölzerne Schiffsrümpfe auseinander. Es wird geschätzt, dass im Laufe der Jahrhunderte mehr als tausend Schiffe vor der namibischen Küste untergegangen sind. Teilweise liegen Überreste noch wie Rippen am Strand verstreut.
Die Wrackstücke sind selten so fotogen, wie man es sich gemeinhin vorstellt. Es gibt keine intakten, in der Zeit erstarrten Rümpfe, keine





dramatischen Silhouetten ragen aus dem Meer. Stattdessen findet man Fragmente – korrodierte Stahlgestänge, halb im Sand vergrabene Balken oder einen Propeller, der erst zum Vorschein kommt, wenn Ebbe und Wind mitspielen. Solche Reste zu entdecken kommt einem weniger wie Sightseeing vor, sondern eher wie Archäologie. Man sucht ein Wrack nicht einfach auf: man stößt zufällig darauf.
Das Entdeckergefühl prägt das Erleben an der Skelettküste. Es ist nicht inszeniert. Es wird nichts vorgeführt. Es wartet.
EIN REFUGIUM IN DEN DÜNEN
Auf eine Düne gebaut, mit Blick auf das Meer und die Wüste, wirkt die Shipwreck Lodge als sei auch sie von den Elementen an Land gespült worden. Ihre kantigen „Kabinen“ erinnern an gestrandete Seefahrzeuge, bewusst in den Sand gesetzt, bewusst Wind und Licht ausgesetzt.
Vom Deck einer solchen Kabine wird die Weite der Umgebung deutlich. Nichts unterbricht den Horizont. Es gibt keine Straßen. Keine Stromleitungen. Keinerlei Anzeichen menschlicher Besiedlung außerhalb der Lodge. Frühmorgens zieht der Nebel lautlos landeinwärts und hüllt die Dünen in Silber. Bis zum Nachmittag hat die Sonne ihn vertrieben – Texturen und Farben kommen zum Vorschein, die sich stündlich verändern.
Die Shipwreck Lodge bietet Komfort, ohne jemals abzulenken. Sie schirmt ihre Gäste nicht von der Landschaft ab, sondern umrahmt sie. Drinnen knistert das Feuer, während draußen vor den Panoramascheiben der Atlantik tost. Die Mahlzeiten sind raffiniert, aber bodenständig und spiegeln die Philosophie der Lodge wider. Hier bedeutet Luxus: Weite, Stille und Perspektive.
An Orten wie diesem – behutsam an der Grenze zwischen Gastfreundschaft und Wildnis gelegen – offenbart die Skelettküste ihre tiefer reichenden Geschichten.
DIE LÖWEN, DIE UNBEDINGT BLEIBEN WOLLTEN
In den Trockenflusssystemen östlich der Küste hat eine Löwenpopulation etwas Außergewöhnliches geschafft. Als Dürre und Konflikte im ausgehenden 20. Jahrhundert die Beutetiere im Landesinneren dezimierten, verschwanden die Löwen nicht. Sie passten sich an.
Sie zogen sich in das unwirtlichste Terrain zurück, das man sich vorstellen kann – ein Meer aus Sand, Felsen und Nebel, fast ohne Oberflächenwasser. Über Generationen hinweg lernten sie dort zu überleben, wo man es Löwen nie zugetraut hätte. Namibias wüstenangepasste Löwen entwickelten die größten Streifgebiete aller Löwenpopulationen der Erde und durchstreiften auf der Suche nach Nahrung Tausende von Quadratkilometern. Sie lernten, ohne regelmäßige Wasseraufnahme und mit der Feuchtigkeit ihrer Beute auszukommen. Sie lernten Genügsamkeit.
Und schließlich fanden sie das Meer wieder.
Nach Jahrzehnten kehrten die Wüstenlöwen an den Atlantik zurück und begannen, Robben, Kormorane und andere Meerestiere zu jagen. Heute sind sie, soweit bekannt, die einzigen Löwen weltweit, die sich regelmäßig Beute aus dem Meer holen.
Diese außergewöhnliche Anpassung ist keine Folklore, sondern sie ist wissenschaftlich belegt. Und vieles davon verdanken wir einem einzigen Mann.
DER MANN, DER IM ALLEINGANG UNTERWEGS IST
Inmitten wechselnder Stakeholder, Finanzierungsdebatten und globaler Naturschutzdiskussionen geht Dr. Philip Stander – allgemein als Flip bekannt – ohne Aufsehen seiner Arbeit nach.
Flip ist kein von Vorstandssitzungen oder Konferenzen geprägter Naturschützer. Geprägt ist er von der Weite, dem Staub und der Zeit, die er zu Fuß hinter Löwen in der Wüste verbracht hat. In Namibia geboren, entwickelte er schon früh eine tiefe Verbundenheit mit der Wildnis, die sich nie gelöst
hat. Lange bevor ihm akademische Anerkennung zuteil wurde, lernte Flip durch Beobachtung – durch Tracking, durch das Leben in der Nähe von Wildtieren, durch Zuhören.
Er hat sich seinen Weg in die Wissenschaft hart erarbeitet. Ohne formale Hochschulbildung eignete er sich autodidaktisch die Methoden rigoroser Forschung an und legte schließlich Arbeiten von solch hohem Niveau vor, dass sie ihn an die Cornell University und nach Cambridge führten, wo er promovierte und mit dem T.H.-Huxley-Preis ausgezeichnet wurde. Titel folgten. Positionen folgten. Doch Prestige hat ihn nie in andere Bahnen gelenkt.
2004 verließ Flip den Staatsdienst, um sich als unabhängiger Forscher ganz den Wüstenlöwen zu widmen und gründete den späteren Desert Lion Trust. Sein Ziel war von Anfang an klar: Langzeitdaten zu sammeln, um den Konflikt zwischen Mensch und Löwe zu reduzieren und eine friedliche Koexistenz zu gewährleisten.
Seine Arbeit vor Ort grenzt an das Legendäre. Er trinkt aus denselben Wasserquellen wie die Löwen. Er schläft am Feuer auf einer dünnen Unterlage, während neue Ausrüstung


ein Polster für betäubte Großkatzen wird. Er liest Spuren im Sand, die andere Personen gar nicht wahrnehmen würden –und rekonstruiert Jagden der Löwen, Bewegungen und Interaktionen anhand eines einzigen Pfotenabdrucks. Er repariert Fahrzeuge, Elektronik und Forschungsgeräte, weil sonst niemand da ist, der es tun könnte.
GESCHICHTEN, DIE WEITER REICHEN ALS FUSSSPUREN
Flips Arbeit erreichte durch Dokumentarfilme ein weltweites Publikum – zunächst mit Wüstenkönige - Die Löwen der Namib (Vanishing Kings – Lions of the Namib), gefolgt von Vanishing Kings II und jetzt, am eindrucksvollsten, mit Geister der Wüste – Die Löwen der Skelettküste (Lions of the Skeleton Coast).
Der Film erzählt die bemerkenswerten Lebensgeschichten dreier verwaister junger Wüstenlöwen. Alpha, Bravo und Charly wurden 2015 geboren und wuchsen nach dem Tod ihrer Mutter unter unmöglichen Bedingungen auf. Es entfaltet sich nicht nur eine Geschichte des Überlebens, sondern auch eine Geschichte von Intelligenz, Anpassungsfähigkeit und der langfristigen Perspektive des Naturschutzes.

Der Dokumentarfilm wurde von den Tierfilmern Will und Lianne Steenkamp über acht Jahre hinweg gedreht. Er hat international große Anerkennung gefunden, darunter höchste Auszeichnungen beim Jackson Wild Festival in den USA und den Cannes Corporate Media & TV Awards, wo er den Grand Prix gewann.
Doch jenseits von Auszeichnungen hat der Film etwas Wichtigeres erreicht: Er hat die Wahrnehmung verändert. Er hat gezeigt, dass Namibias Wüstenlöwen keine Anomalien sind, die reguliert werden müssten, sondern Botschafter der Widerstandsfähigkeit – Symbole dafür, was möglich ist, wenn Wildtieren Raum und Zeit gewährt werden und wenn ihnen Respekt entgegengebracht wird.
WARUM DIESE GEGEND WICHTIG IST
Die Skelettküste ist kein Reiseziel für jedermann – und genau darauf kommt es an.
Dem Reisenden wird etwas abverlangt: Geduld, Demut und Achtsamkeit. Auf einer Düne zu stehen und zu wissen, dass Stunden später genau hier ein Löwe vorbeikommen könnte, ist ein ernüchterndes Privileg. Wenn man beobachtet, wie Nebel Flechten tränkt, die Insekten ernähren, die ihrerseits Vögel ernähren, beginnt man zu verstehen, wie fein abgestimmt das Überleben sein kann.
Naturschutz ist hier nicht abstrakt. Er wird täglich gelebt – von Forschern, von Mitgliedern der Naturschutzorganisationen, von Guides, deren Lebensunterhalt von der Bewahrung der Wildnis abhängt. Durchdacht gestalteter Tourismus wird Teil dieses Systems. Nicht als Eindringen, sondern als Stärkung.
Wenn Wüstenlöwen wieder an den Stränden der Skelettküste entlangstreifen und dort jagen, wo einst schiffbrüchige Seeleute verzweifelten, lässt sich die Symbolik schwerlich ignorieren. Die Natur erobert sich ihre Geschichten zurück, wenn man ihr Raum gibt.
DIE OFFENE FRAGE
Bei Sonnenuntergang kommt ein Löwe die sonnenbeschienene Seite einer Düne hinunter, ohne etwas von den Debatten, Finanzierungskämpfen und ethischen Fragen zu ahnen, die sich jenseits des Horizonts abspielen. Er nimmt seinen Platz in der Wüste ganz selbstverständlich ein. Sein Überleben hängt nun nicht mehr allein von seinem Instinkt ab, sondern von unseren gemeinsamen Entscheidungen.
Die Skelettküste verlangt keine Bewunderung. Sie verlangt Verantwortung.
Und in einer Welt, in der wahre Wildnis knapp wird, ist das vielleicht das Seltenste von allem. TN



Namibia ist ein Land weiter Distanzen und unvergesslicher Kontraste – von hoch aufragenden roten Dünen und uralten Felsformationen bis hin zu wildreichen Savannen und der kühlen Atlantikküste. FlyNamibia Safari wurde geschaffen, um Reisenden zu ermöglichen, mehr von diesem außergewöhnlichen Land nahtlos und komfortabel zu erleben – auf eine Weise, die sich besonders für Fernreisen eignet.
www.flynamibiasafari.com.na

Warum Namibia am besten aus der Luft erlebt wird
Namibia ist kein Reiseziel, das man im Eiltempo erkundet. Es ist ein Land, das sich allmählich offenbart – durch wechselndes Licht, sich weitende Horizonte und Landschaften von solchen Ausmaßen, dass sie das eigene Raumgefühl neu justieren. FlyNamibia Safari wurde genau für ein solches Land geschaffen: ein Hop-onHop-off-Shuttleflug-Erlebnis, das es Reisenden ermöglicht, mit Leichtigkeit, Bedacht und Perspektive im Land herumzukommen.
FlyNamibia Safari verbindet Namibias eindrucksvollste Regionen im Uhrzeigersinn von Windhoek aus in einem natürlichen, intuitiven Ablauf. Von der Hauptstadt geht es nach Südwesten zum Sossusvlei, wo sich das endlose Dünenmeer bis zum Horizont erstreckt. Dann weiter zur charmanten Küstenstadt Swakopmund, bevor landeinwärts die zerklüfteten geologischen Formationen und uralten Landschaften von Twyfelfontein angesteuert werden. Anschließend führt die Route nach Norden, nach Etosha Süd und hinüber nach Etosha Ost, und ermöglicht aus zahllosen Blickwinkeln Zugang zu einer der berühmtesten Wildtierregionen Afrikas.
Wer sich für das Fliegen entscheidet, tauscht lange monotone Autofahrten gegen Zeit ein, wo sie am wertvollsten ist – auf Safari, in der Lodge oder einfach beim in sich Aufnehmen der Stille des Landes. Jeder Flug wird Teil des Erlebnisses und offenbart Namibias Kontraste von oben: Wüste, die in Schotterebenen übergeht, trockene Flussbetten, die Linien in den Boden gegraben haben, und Wildkorridore, die sich weit über die Straßen hinaus erstrecken.
Die Hop-on-Hop-off-Struktur bietet Flexibilität ohne Komplikationen. Gäste können an Orten, die sie besonders ansprechen, verweilen oder ohne Formalitäten weiterreisen. Die Rund-Route ist als komplette Reise konzipiert, aber sie passt sich problemlos individuellen Reisestilen an – sei es als kompakte Höhepunktetour oder eine langsamere, intensivere Safari.
Besonders überzeugend ist die nahtlose Integration mit Westair Charters. Während die Shuttleflüge die Hauptpunkte der Route verbinden, können zusätzliche Charterstrecken eingebunden werden, um einzelne Lodges, private Landepisten und abgelegene Konzessionen in ganz Namibia zu erreichen. So sind Reisende nicht an feste Stopps gebunden – selbst die exklusivsten oder abgelegensten Unterkünfte lassen sich mühelos integrieren und verwandeln die Reise in eine maßgeschneiderte Safari, ohne die Komplexität, private Charterflüge unabhängig voneinander organisieren zu müssen.
Zudem ist die Rund-Route intelligent mit dem Linienflugnetz von FlyNamibia verknüpft. Reisende können FlyNamibia Safari problemlos mit Anschlussflügen nach Katima Mulilo via Maun kombinieren oder ihr Abenteuer auf der Windhoek–Victoria-Falls-Route von FlyNamibia verlängern. Dadurch lassen sich Namibias klassische Safari-Regionen mit benachbarten Höhepunkten verbinden. So wird eine umfassendere Reiseroute durch das südliche Afrika gestaltet, mit reibungsloser und kohärenter Logistik.
Gestützt auf die langjährige operative Kompetenz von Westair Aviation bietet FlyNamibia Safari ein Maß an Sicherheit, Zuverlässigkeit und lokaler Expertise, das unverzichtbar ist in einem Land, in dem der Flugverkehr eine zentrale Rolle für Tourismus und Anbindung spielt.
FlyNamibia Safari ist nicht einfach nur eine Möglichkeit, von einem Reiseziel zum nächsten zu kommen. Es ist eine bewusste Art zu reisen – eine, die Namibias Dimensionen respektiert, die Reise als solche aufwertet und es Reisenden erlaubt, das Land als zusammenhängendes Ganzes zu erleben. Für alle, die mehr sehen, weniger fahren und das Land unter sich wirklich verstehen möchten, ist der bestmögliche Blickwinkel auf Namibia... aus der Luft. TN




Kuiseb auf Rädern

Uralte Abfallhaufen, versteinerte Elefantenspuren und das Wüstenleben im Kuiseb-Delta entecken…
RON SWILLING

Es sind die Fortbewegungsmittel, die mir Sorge bereiten. Eine Vielzahl beklemmender Gedanken wirbelt mir durch den Kopf, begleitet von einem Schauer der Vorfreude, während ich die 30 Kilometer zwischen Wüste und Meer von Swakopmund nach Walvis Bay fahre, um an einem Kuiseb-Delta-Abenteuer teilzunehmen, das Fanie du Preez veranstaltet. Sein Angebot gilt als eines der besten Bildungsabenteuer in der Wüste Namib. Und es wird per Quad durchgeführt. Zwar hat mir Fanie versichert, dass keine Vorkenntnisse erforderlich sind, aber insgeheim bete ich, dass ich den Vormittag unversehrt überstehe.
Ich komme gerade rechtzeitig, um Fanies Ausführungen über den periodisch fließenden Kuiseb zu hören. Das Flussbett schlängelt sich durch die Wüste bis zur Küste und bildet eine markante Grenze zwischen der Namib-Ebene und dem Dünenmeer. Obwohl der Kuiseb die meiste Zeit des Jahres trocken zu sein scheint, ist im unterirdischen Grundwasserleiter stets Wasser vorhanden. Seit Äonen ermöglicht es Leben entlang des Flussbetts. „Das Dünenmeer ist sechs Millionen Jahre alt“, erklärt Fanie. „Der Sand wird vom Oranje in den Atlantik gespült, von der Benguelaströmung die Küste entlang transportiert und von den starken Winden an Land geweht.“
Er weist darauf hin, dass sich das Delta und die Mündung des Kuiseb im Laufe der Jahrhunderte allmählich nach Norden verlagert haben. Und das ist ein Glück. Als Walvis Bay 1870 gegründet wurde, mussten die ersten Gebäude auf Stelzen errichtet werden. Als 1934 die ganze Stadt überschwemmt wurde, ruderten die Menschen – wie berichtet wird –in kleinen Booten zwischen den Häusern umher. Die Stadt musste für sieben Monate evakuiert werden. Später bauten die Einwohner eine Barriere an der Stelle, wo der Flusslauf auf die Dünen trifft, um zu verhindern, dass er weiter nach Norden in die Stadt fließen würde. Doch die Natur folgt ihrem eigenen Lauf, und nach den starken Regenfällen von 2011 durchbrach der Kuiseb die Barriere, riss die Straße mit und ergoss sich in die Salinen.
Nach der Einführung lockt uns die Flotte robuster, glänzender, vollautomatischer Quads, die hinter uns in einer Reihe geparkt sind. Fanie gibt uns eine kurze Einweisung und meint dann beiläufig: „Selbst Zwölfjährige können Quads fahren.“ Ich finde diese Bemerkung nicht gerade beruhigend. Doch bevor ich weiter darüber nachdenken kann, sausen wir bereits die Straße entlang und in den öffentlichen Bereich der Wüste, der an die geschützten Teile des 107.540 km² großen Dorob-Nationalparks grenzt. Hier haben wir die Möglichkeit zu üben, bevor wir in den

Nationalpark fahren, wo wir alten Spuren folgen und hintereinander fahren müssen, um die Umwelt so wenig wie möglich zu belasten. Gerade als ich meine, ich würde den Vormittag unbeschadet überstehen können, sagt Fanie: „Jetzt zeige ich euch, wie man ein Quad in den Dünen fährt.“ Und ich begreife, dass es nicht reicht, auf ebener Strecke fahren zu können. Wir müssen lernen, unser Gewicht auf die Seite zu verlagern und am Hang Gas zu geben, um das Quad stabil zu halten. Wir müssen auch lernen, Dünen hinunterzufahren. Dazu parken wir in einer Reihe oben an der Leeseite einer kleinen, steilen Düne mit einem Böschungswinkel von 33 Grad. Abwechselnd fahren wir langsam bis zum Rand vor. Dann geht es im losen Sand hinunter mit einer Kombination aus Bremsen und Rutschen. Danach bin ich unheimlich erleichtert und stolz auf meine Leistung. Bis Fanie lacht und sagt: „Okay, macht das noch zehnmal.“
Schließlich ruft er: „Jetzt könnt ihr Quad fahren! Los gehts!“ Und ehe ich mich versehe, ist die Gruppe unterwegs. Ich werde von der Dynamik mitgetragen und versuche, durch die glatt geschliffenen Dünen mitzuhalten. Seltsamerweise – und zu meinem Erstaunen – geht es nicht um Ausdauer und Überleben, sondern in mir geht etwas vor und ich fange an, die Fahrt zu genießen. Gerade noch rechtzeitig. Denn jetzt beginnt der interessante Teil.
Den ganzen Vormittag fahren wir durch die Wüstenlandschaft. Der Küstennebel lichtet sich und ein klarer blauer Himmel kommt zum Vorschein. Immer wieder halten wir an, steigen ab und erkunden die faszinierenden Elemente des Kuiseb-Deltas.
Bei einem unserer ersten Stopps lernen wir einige der 334 Arten von Schwarzkäfern (Tenebrionidae) kennen, die in der Namib heimisch sind. Außerdem zeigt uns Fanie ein altes Grab, das erst kürzlich vom Wind freigelegt wurde. Er deutet auf einen Schädel und auf zwischen Tonscherben verstreute Knochen, und sagt, dass diese Grabstelle vor drei Jahren nicht erkennbar war. „Die Khoi glaubten an ein Leben nach dem Tod und bestatteten die Verstorbenen mit einem Topf voll Essen“, erklärt er zu den Tonscherben, die den Wüstenboden bedecken. Anders als einige der anderen Stätten, die wir später sehen – weniger gut erhalten und von Archäologen auf ein Alter von etwa 2000 Jahren datiert – ist dieses Grab wahrscheinlich erst rund 500 Jahre alt. Das sei am Holz des Sarges erkennbar, das von europäischen Schiffen stammte, die Ende des 15. Jahrhunderts die Küste erkundeten, erläutert Fanie. Wir stellen fest, dass nicht nur Gräber freigelegt sind,










sondern dass in den verhärteten Flusssedimenten aus feuchteren Perioden unserer Erdgeschichte versteinerte menschliche Fußabdrücke und verschiedene Spuren längst verschwundener Tierarten verewigt sind. Fanie zeigt uns Spuren von Giraffen, Büffeln und Elefanten und erzählt dabei amüsante Anekdoten, bis er schließlich ruft: „Okay, es geht weiter!“. Wir steigen auf unsere Quads und setzen unsere Fahrt in das sandige Reich der Wüste fort.
Auf dem Kamm einer Düne halten wir inne, um die Pracht der Wüste um uns herum zu bewundern. In der Ferne knabbern Springböcke an !nara-Pflanzen, und vor uns im Sand haben Mäuse, Ameisen und Elefantenspitzmäuse ihre Spuren hinterlassen. Als wir zwischen grünen Flecken Wüstenvegetation anhalten, zeigt uns Fanie die dornigen Dickichte der wüstenangepassten !nara (Acanhosicyos horridus), die den Tieren in der Wüste Nahrung bietet und ebenso den Topnaar, einem Nama-Volk, das weiter landeinwärts am Flussbett im angrenzenden NamibNaukluft-Nationalpark lebt. Die Topnaar ernten !naraMelonen, trocknen die nahrhaften Kerne und kochen das Fruchtfleisch, das sie anschließend zu einem fruchtigen Leder trocknen lassen.
An einer anderen Stelle etwas weiter entfernt haben wir die Möglichkeit, reife Melonen zu öffnen und die ungewöhnliche, fast geschmacklose Wüstenfrucht zu kosten. Appetitlicher sind die Namib-Kapern (Capparis hereroensis), die den Boden bedecken und überraschenderweise an tropische Früchte erinnern.





Die Wüste gleicht einem unruhigen Sandmeer, und wir fahren Dünen hinauf und wieder hinunter, beschleunigen auf weichem Sand und wenn es aufwärts geht, und verlagern unser Gewicht hin und her, um die Dünenneigung auszugleichen. Irgendwann erreichen wir eine uralte Abfallgrube. Fischgräten und Muschelschalen liegen verstreut im Sand, dazwischen kleine Perlen aus Straußeneierschalen, Tonscherben, Napfschneckenschalen, geschärfte Basaltsplitter und zu Messern geformte Knochenstücke. „Die Khoi bohrten Löcher in die Knochen und trugen sie an einer Schnur um den Hals“, erläutert Fanie, während wir umherwandern und sorgfältig darauf achten, wo wir hintreten.
An einigen Stellen sind die Überreste älterer Gräber sichtbar. Die Knochen, im Laufe der Zeit vom Sand abgestrahlt, liegen achtlos auf dem Wüstenboden verstreut, stets zwischen Tonscherben und sogar der Henkel eines Tontopfes ist dabei. An einer Stelle zeigt uns Fanie Schätze der Wüste, die bewundert aber nicht entfernt werden dürfen. Unter den Kostbarkeiten sind Stücke von Delfter Keramik, Glasperlen, ein Heiliger Christophorus und eine Münze der VOC – Zeugnisse von Schiffbrüchen und des Handels mit Europäern, die an dieser Küste landeten. Wir finden auch weitere menschliche Fußabdrücke und Tierspuren in den verhärteten Schlammflächen zwischen den Dünen, wo einst der Kuiseb floss. Wir lesen uralte Geschichte auf den ständig wechselnden Seiten des Wüstensandes.
Als sich langsam die Mittagswärme bemerkbar zu machen beginnt, lässt uns Fanie an seinem umfangreichen Wissen über die Wunder der Wüste teilhaben. Wir schauen gebannt zu, wie er auf dem Sand kniend gräbt, bis der Boden feucht wird. Dann schöpft er das gut gefilterte Wasser mit der Schale einer Napfschnecke und reicht es herum. Erstaunt haben wir mitverfolgt, dass man in der Wüste tatsächlich Wasser finden kann, wenn man nur weiß, wo man suchen muss.
Auf dem Rückweg in die Zivilisation bin ich dankbar, dass Fanie uns führt, denn in der Weite der Wüste wären wir ohne ihn völlig verloren. Fanie hat die Namib in den letzten dreieinhalb Jahrzehnten intensiv kennengelernt, und sie ist wie ein zweites Zuhause für ihn.
Nach einem der ungewöhnlichsten Vormittage, die ich je in der Wüste erlebt habe, erreichen wir wieder die gut geordneten Straßen von Walvis Bay – und glücklicherweise bin ich noch im Besitz aller meiner Gliedmaßen. Wir sind zurück mit dem Wissen, dass die uralte Wüste Namib jenseits der Stadt zahllose Geheimnisse und unermessliche Schätze der Natur birgt, die es auf einem fahrbaren Untersatz zu entdecken gilt – bei passenden Gelegenheiten wie dieser. TN
www.kuisebonline.com +264 (0)81 1282 580





Verhaltensregeln auf Schotterstraßen
Auf den Schotterstraßen in Namibia gelten Regeln, die man kennen muss, auch wenn sie einem nie erläutert worden sind. Sie stehen nirgends geschrieben, aber man spürt sie, sobald man den Asphalt verlässt.
Beim Reifendruck fängt es an. Man senkt ihn nicht nur für den eigenen Komfort, sondern auch aus Rücksicht. Ist er zu hoch, rüttelt er die Straße, die Unebenheiten werden tiefer, und damit macht man es für den nächsten Fahrer schwieriger. Angepasster Reifendruck ist ein kleiner Akt des Respekts –gegenüber der Straße und gegenüber Fremden, denen man nie begegnen wird.
Dann das Winken. Eine Hand hebt sich vom Lenkrad, die Finger bewegen sich kaum. Man kennt sich nicht, grüßt sich aber trotzdem. Hier draußen in der Wildnis zählt das.
Hat jemand einen Platten, hält man an. Wirkt jemand verloren, verlangsamt man sein Tempo. Man hilft, ist aber nicht naiv. Lange, ausschweifende Geschichten werden mit höflicher Vorsicht aufgenommen. Freundlichkeit, ja – aber immer mit gesundem Menschenverstand.
Mit Wasser verhält es sich anders. Wenn man etwas übrig hat, gibt man es einfach jemandem am Straßenrand. Ohne Fragen. Ohne lange Reden. Einfach nur Wasser.
Die Verkaufsstände am Straßenrand sind für mich das Beste an jeder Fahrt über Schotterwege. Winzig, handgemacht, tauchen sie auf wie aus dem Nichts. In Küstennähe mag es rosa Salzsteine geben, im Inland geschnitzte Tiere oder Perlenarmbänder. Manchmal ist nirgends ein Verkäufer zu sehen – nur ein Glas für das Geld, ein in Holz geritzter Preis und eine stillschweigende Übereinkunft. Man lässt das Geld da. Man nimmt die Ware. Vertrauen funktioniert hier noch.
Schotterwege treiben nicht zur Eile an. Sie lehren Geduld, Zurückhaltung und dezenten Anstand. Wenn man genau hinhört, zeigen sie einem, wie man sich benehmen soll. TN

Im stillen Gänsemarsch
auf den Spuren von Nashörnern im Damaraland
Es ist noch dunkel und die Sterne leuchten am Himmel, als ich aus meinem Zimmer im Wilderness Desert Rhino Camp trete. Ein kurzer Stopp im Hauptbereich der Lodge für einen dringend benötigten Kaffee. Dann ziehe ich einen Poncho über und spüre die beißende frische Morgenluft im Gesicht, als ich auf die Ladefläche des stattlichen Land Cruisers steige. Er ist der Inbegriff eines Safari-Fahrzeugs. Mein Guide setzt sich ans Steuer. Zwei Fährtenleser des Save the Rhino Trust nehmen mit ruhiger Konzentration ihre Plätze ein. Wir rollen in die Dunkelheit hinaus.
Während der Motor vor sich hin summt, weicht langsam die Nacht. Ein zarter Farbschleier breitet sich am östlichen Horizont aus und offenbart die zerklüftete, felsige rote Landschaft des Damaralandes. Es ist keine sanfte Landschaft. Sie ist kantig und uralt, geformt von der Zeit und von Kargheit. Doleritrücken ragen auf wie die Wirbelsäule eines schlafenden Tieres. Ausgetrocknete Flussläufe ziehen sich wie blasse Narben durch das Land. Und überall das Gefühl, Gast an einem Ort zu sein, der einem nichts schuldet.
Wir halten an einer Quelle, einer flachen Senke, in der sich die Feuchtigkeit länger hält, als sie sollte. Die Fährtenleser suchen den feuchten Boden mit einer geradezu ehrfürchtigen Intensität ab. Sie kauern sich hin, ihre Finger schweben knapp über dem Sand. Fußabdrücke. Spuren. Die Begebenheiten der Nacht sind deutlich geschrieben für diejenigen, die sie zu lesen wissen. Ein Spitzmaulnashorn ist in den frühen Morgenstunden hier vorbeigekommen.
Ohne Umschweife drehen wir uns um und folgen der Spur. Wir fahren stundenlang, schlängeln uns durch Täler und

über felsige Riffe, die Sonne steigt stetig höher, die Hitze beginnt uns auf den Rücken zu sengen. Die Fährtenleser sprechen kaum, geben nur mit dezenten Gesten Anweisungen. Links. Langsamer. Anhalten. Das hier ist ihre Landschaft, ihre Sprache. Schließlich, nachdem die Landschaft scheinbar ewig an uns vorbeigezogen ist, deutet einer von ihnen in eine Richtung.
Dort! Eine graue Silhouette vor einem fast ebenso graugrünen Milchbusch. Zuerst kaum wahrnehmbar. Dann nimmt sie Gestalt an. Eine Schulter. Ein Horn. Ein schwarzes Nashorn. Vollkommen still steht es da, als wäre es aus dem Land selbst gemeißelt worden.
Jetzt heißt es aussteigen und zu Fuß weiter.
Wir gehen im Gänsemarsch und setzen unsere Füße bewusst in die Fußabdrücke vor uns. Es gilt eine einfache, aber unumstößliche Regel: Immer im Windschatten bleiben. Spitzmaulnashörner sehen und hören nicht besonders gut, aber ihr Geruchssinn ist außergewöhnlich. Ausschlaggebend für eine erfolgreiche Annäherung an ein Nashorn ist, wie mir gesagt wird, dass ihm deine Anwesenheit völlig verborgen bleibt. Es soll wertvolle Energie nicht zur Flucht verschwenden. Angst darf bei dieser Begegnung keine Rolle spielen.
Das ist Tracking in der reinsten Form. Keine Abkürzungen. Keine Motoren. Nur Geduld, Aufmerksamkeit und Vertrauen in die Leute, die dich führen.
Je näher wir kommen, desto geschärfter werden unsere Sinne. Das Knirschen des Schotters unter unseren Füßen klingt unmöglich laut. Der Windhauch im Nacken wird etwas, das ich beobachten, mit dem ich umgehen muss.





Die Unterstützung von Save the Rhino Trust Namibia bedeutet direkte Zuwendungen an diejenigen vor Ort, die die weltweit größte freilebende Population von Spitzmaulnashörnern schützen. Mit den Rhino Guardianship Certificates können Privatpersonen und Unternehmen verifizierte Naturschutzarbeit fördern – ob Rangerpatrouillen, Nashornmonitoring oder gemeinschaftsbasiertes Engagement. Da 90 Prozent eines jeden Zertifikats in Einsätze in der Natur fließen, bietet diese Initiative eine transparente und sinnvolle Möglichkeit, Unterstützung in konkreten Naturschutz mit Wirkung umzusetzen.



Das hier ist nicht Naturschutz auf Distanz. Er ist eine Herzensangelegenheit. Er ist namibisch. Und er ist zutiefst menschlich.

Und dann, plötzlich, unglaublicherweise, sind wir nah genug, dass wir die Falten in der Haut des Nashorns sehen können, den langsamen Rhythmus seines Atmens, den Staub an seinen Flanken.
Hier gibt es kein Gedränge von Menschen. Keine Hubschrauber. Keine Flugtaxis, die einen zum Fotografieren bequem neben einem Tier absetzen. Hier muss man sich das Erlebnis erarbeiten. Man verdient es sich Schritt für Schritt, Stunde für Stunde – in einer Landschaft, die Demut verlangt. Billige Abenteuer sind überall zu haben. Wahre Abenteuer, die Spuren hinterlassen, ergeben sich selten ohne eigenes Bemühen.
Als ich dort stand und beobachtete, wie sich dieses urige Tier in seiner Welt bewegte, traf es mich, wie richtig sich das anfühlte. Wie ehrlich. Das Damaraland ist einer der letzten wirklich wilden Orte, und so sollte es erlebt werden.
Das Wilderness Desert Rhino Camp verkörpert diese Philosophie. In enger Zusammenarbeit mit örtlichen Gemeinschaften und kommunalen Hegegebieten sorgt es dafür, dass Naturschutz keine abstrakte Idee ist, sondern gelebte Realität mit spürbaren Vorteilen. Die Anwesenheit von Fährtenlesern des Save the Rhino Trust ist keine Marketing-Geste, sondern ein Bekenntnis. Und es ist eine Einladung an Namibia-Besucher, direkt mit den Menschen in Kontakt zu treten, die ihr Leben dem Schutz der an die Wüste angepassten Spitzmaulnashörner widmen.
Diese Nashörner sind einzigartig. Geprägt von Spärlichkeit und Widerstandsfähigkeit trotzen sie einer rauen Umwelt, die sie über Generationen hinweg geformt hat. Ihr Überleben ist nicht gesichert. Sie müssen es sich täglich durch Wachsamkeit, Anpassung und einen unerschütterlichen Selbsterhaltungstrieb erkämpfen.
Dieses Erlebnis berührt mich besonders tief. Meine Freundschaft mit Simson Uri-Khob, dem Geschäftsführer des Save the Rhino Trust, besteht seit über zehn Jahren. Unsere Initiative Ride for Rhinos führt uns dieses Jahr zum zwölften Mal durch diesen nordwestlichen Teil von Namibia. Sie dient dazu, auf die Arbeit vor Ort aufmerksam zu machen und sie zu unterstützen. Durch Ride for Rhinos habe ich viele dieser Fährtenleser kennengelernt, ihre Geschichten gehört und mir hautnah ein Bild von der großen Verantwortung gemacht, die sie tragen.
Das hier ist nicht Naturschutz auf Distanz. Er ist eine Herzensangelegenheit. Er ist namibisch. Und er ist zutiefst menschlich.
Ich besuche das Desert Rhino Camp mindestens zweimal im Jahr. Nicht weil es sich anbietet, sondern weil es mich daran erinnert, worauf es wirklich ankommt – wie einzigartig und empfindlich dieses Land ist. Wie untrennbar beim Reisen Privileg und Verantwortung miteinander verbunden sind. Spitzmaulnashörner im Damaraland aufzuspüren bedeutet nicht, eine Liste abzuhaken oder eine weitere Sichtung zu sammeln. Es verlangt Anstrengung. Es geht um Respekt. Um das Begreifen, dass die bedeutsamsten Erlebnisse oft diejenigen sind, die einem am meisten abverlangen.
Und als ich mich endlich abwende und das Nashorn ungestört, ahnungslos und genau dort zurücklasse, wo es hingehört, trage ich eine stille Gewissheit in mir. Deshalb ist Namibia so wichtig. Deshalb schützen wir es. Und deshalb gehen einem manche Orte noch lange durch den Kopf, nachdem der Staub längst von den Stiefeln abgefallen ist. TN
Mehr über den Schutz der Spitzmaulnashörner in Namibia auf www.savetherhinotrust.org





































































KREISE, DIE VERBINDEN
Eine tiefgründige Betrachtung von Empathie und Zugehörigkeit durch Kulturtourismus in Namibia

ELZANNE MCCULLOCH
In Namibias hohem Norden ist die Stille nicht leer. Sie hat Gewicht. Sie drückt sich sanft gegen dich, summt dir leise im Ohr, als ob das Land selbst atmet. Hier ist alles auf seine reinste Form reduziert – Fels und Sand, Wind und Himmel und ein Fluss, der sich wie ein stilles Versprechen des Lebens durch die Wüste schlängelt.
Ich bin am Kunene angekommen, bei der Wilderness Serra Cafema Lodge, die sich nicht so sehr wie ein Reiseziel sondern vielmehr wie ein Außenposten anfühlt – ein Außenposten des Landes, des Komforts, der Gewissheit. Auf der gegenüberliegenden Seite des Flusses beginnt Angola. Der Rest der Welt erscheint unmöglich fern.
Die Anreise ist Teil dieser Geschichte. Von oben aus der kleinen Wilderness Air Cessna betrachtet, entfaltet sich die Landschaft in endlosen Schichten – Gold verblasst zu Bronze, Bronze verdichtet sich zu Ocker. Dünen wellen sich wie Stoffbahnen. Ausgetrocknete Flussläufe sehen aus wie Narben auf der Erde. Das Terrain wirkt uralt, geduldig, unberührt von der Zeit. Es ist Jahre her, seit ich das letzte Mal so weit in den Norden gereist bin, und während die Wüste unter uns vorbeizieht, überkommt mich erneut Ehrfurcht. Hier leben Menschen. Sie haben schon immer hier gelebt.
Dann fallen mir die Kreise auf.
Von oben wirken sie wie dunkle Ringe im hellen Sand. Es sind Kraals, Tierpferche errichtet von nomadischen Himba-Familien. Jeder einzelne zeugt von Anwesenheit,

Zugehörigkeit und Kontinuität. In einer Gegend, die sich brutal leer anfühlen kann, erzählen diese Kreise leise, aber nachdrücklich von menschlichem Leben.
Nach der Landung hüllt mich die Hitze ein. Es gibt kein langsames Akklimatisieren. Vom Flugfeld fahre ich direkt zu einem Kulturbesuch in ein Himba-Dorf, begleitet von Stephanus, der mir nicht nur die Sprache, sondern auch ihre Nuancen vermitteln wird.
Das hier ist kein Theater. Hier ist nichts inszeniert. Das Leben spielt sich offen ab: unvollkommen, warmherzig, kompliziert. Menschen werden hier geboren, arbeiten hier, ziehen Kinder groß, bestatten ihre Lieben. Das komplette Leben wird hier gelebt – vor der Kulisse der ockerfarbenen Berge des Hartmanntals, einer Gegend von so ergreifender Schönheit, dass es mir fast weh tut. Einen Moment lang frage ich mich, warum ich eigentlich nicht auch hier lebe.
Dann fällt mir ein, weshalb ich gekommen bin – nicht um zu romantisieren, sondern um zu verstehen. Um dazusitzen, zuzuhören und zu lernen, was Kulturtourismus sinnvoll und nicht ausbeuterisch macht. Menschlich statt hohl.
Wir sitzen in einem großen Kreis zusammen. Ich frage durch Stephanus, ob sie es mögen, wenn Besucher kommen. Die prompte Antwort wird von Lachen und begeisterter Zustimmung begleitet. Sie treffen gerne Menschen von weit her. Am liebsten sind ihnen diejenigen, die am meisten mit ihnen lachen.




Ich frage die Frauen, warum sie hier bleiben, an einem so rauen und abgelegenen Ort. Die Antwort ist einfach. Hier sind sie zu Hause. Das Gras sei einmal besser gewesen, sagen sie. Das Leben sei jetzt härter. Dennoch, hier sind sie zu Hause.
Ich stelle mich vor. Mein Name wird vorsichtig und neugierig wiederholt, mit einem Lächeln laut ausgesprochen geprüft. Dann geht es andersherum. Ich soll mir neun Namen merken und wiederholen. Ich stolpere. Sie klatschen. Die Kinder lachen. Es hilft, Namibierin zu sein – der Rhythmus der Sprache ist mir vertraut, die Herzlichkeit ist instinktiv.
Kinder tollen um uns herum, sandig und neugierig, und tragen mit verblüffender Leichtigkeit Babys auf dem Rücken. Sie raufen, erfinden Spiele, verschwinden und tauchen wieder auf. Hier ist Es braucht ein ganzes Dorf kein Sprichwort – es ist tägliche Realität.
Später bildet sich erneut ein Kreis. Diesmal zum Singen und Tanzen. Niemand kündigt es an. Niemand führt etwas vor. Es ergibt sich einfach. Hände klatschen. Stimmen erheben sich im Gesang. Füße bewegen sich im Rhythmus. Lachen erfüllt die Luft. Der Klang dringt tief in mich ein, irgendwo jenseits des Denkens. Das ist Freude – unkompliziert, und sie wird geteilt.
Sie erzählen mir, dass sie nur eines betrübt: wenn Besucher unglücklich wirken. „Wir freuen uns, wenn Leute kommen“, übersetzt Stephanus. „Wir möchten, dass sie mit uns lachen und sich nicht unbehaglich fühlen.“
Und damit offenbart sich einfach so das Wesen des Kulturtourismus: Nicht Spektakel, sondern Austausch. Nicht Beobachtung, sondern Beteiligung. Begegnung, im wahrsten Sinne des Wortes, in der Mitte.
Die Frauen strahlen mit ihrer ockerfarbenen Haut und üppigem Zierrat – Perlen, Kopfschmuck aus gegerbtem Leder. Ihre Röcke werden jetzt oft aus farbenfroh gemusterten Shweshwe-Stoffen hergestellt, die in Opuwo gekauft werden. Ein harmonisches Verschmelzen von Tradition und Moderne. Ich sage den Frauen, dass sie wunderschön sind. Sie lachen und erwidern, dass ich schön bin. Wir alle lachen. Die Unterschiede faszinieren uns. Das Vertraute verbindet uns.
Sie lassen sich bereitwillig fotografieren. Ihre Freude gipfelt, als sie die Bilder auf meiner Kamera sehen. Sie drängen sich um mich, deuten mit den Fingern, lachen, rufen andere herbei. In diesem Moment weiß ich, dass ich diese Fotos ausdrucken, in ein kleines Album binden und mit dem nächsten Flug nach Serra Cafema schicken werde. Eine kleine Geste. Ein Kreis schließt sich.
Kreise sind hier allgegenwärtig. Die Hütten sind rund. Die Kraals sind rund. Gespräche finden im Kreis statt. Ein Kreis ist die inklusivste Form – ohne Anfang, ohne Ende.
In einer der Hütten wird mir ein traditionelles Parfümierungsritual gezeigt. Getrocknete Kräuter, darunter Commiphora wildii, glimmen sacht vor sich hin und verströmen einen duftenden Rauch, der sich auf Haut und Stoff festsetzt.







Es ist ein erdendes, intimes Erlebnis – ein Identitätsritual, das seit Generationen weitergegeben wird.
Die Neugier der Kinder hört nicht auf. Sie zupfen an meiner Kleidung, spähen unter mein Shirt, quietschen und stieben auseinander. Es ist ungefilterte Neugier. Menschlich, universell.
Ich frage die Frauen, warum sie hier bleiben, an einem so rauen und abgelegenen Ort. Die Antwort ist einfach. Hier sind sie zu Hause. Das Gras sei einmal besser gewesen, sagen sie. Das Leben sei jetzt härter. Dennoch, hier sind sie zu Hause.
Stephanus erzählt mir von einem Mann, der nach Opuwo fuhr und gleich am ersten Tag ausgeraubt wurde. „So kann man nicht leben“, hatte er bei seiner Rückkehr leise gesagt.
Unten am Fluss klammern sich kleine Gemüsegärten ans Leben. Kinder wachsen unter freiem Himmel auf und lernen den Rhythmus von Erde und Wasser kennen, noch bevor sie laufen können. Das Leben geht weiter wie eh und je, reduziert auf das Wesentliche –Familie, Schutz, Zugehörigkeit.
Viele Männer aus dieser Gemeinschaft arbeiten bei Serra Cafema. Die Lodge bietet Zugang zu Wasser, Einkommen und Unterstützung. Es ist mit Sorgfalt ausgeführter Kulturtourismus – partnerschaftlich, respektvoll und sich gegenseitig tragend.
Wenn Tourismus richtig umgesetzt wird, verwässert er die Kultur nicht, sondern stärkt sie. Er verleiht Würde, wo sonst Verletzlichkeit herrschen könnte. Er schlägt Brücken zwischen Menschen, die sich sonst nie begegnen würden, und erinnert uns daran, dass Werte weit über Fotos und Checklisten hinausgehen.
Im besten Fall ist Kulturtourismus eine Art Rückkehr. Für die Besuchenden ist es die Wiederentdeckung von Sinn und Bedeutung. Für die Einheimischen ist es, eine Kultur neu zu sehen und durch neugierige Augen zu reflektieren.
Ich sitze im Schneidersitz im Sand und klatsche in einem Rhythmus, der seit Generationen durch dieses Tal hallt. Etwas Altes regt sich in mir. Etwas Beständiges. Etwas Menschliches.
Wir sind soziale Wesen. Wir lernen durch Kontakt. Wir entwickeln uns durch Austausch. Und hier, unter dem endlosen Himmel und zwischen den uralten Hügeln, drehen sich die Kreise weiter – ungebrochen, erdend, uns leise daran erinnernd, wer wir sind.
In diesen gemeinsamen Momenten werden wir sanfter. Wir hören zu. Wir lachen. Und vielleicht, wenn sich der Kreis schließt, erinnern wir uns wieder, was es bedeutet, dazuzugehören – zu einem Ort, zu einer Geschichte, zueinander. TN
Die Seele
Mushara
Es gibt Orte, die beeindrucken. Und dann gibt es Orte, die einen so herzlich willkommen heißen, dass man das Gefühl hat, dort hinzugehören. Zu letzteren zählt eindeutig die Mushara Collection, nur acht Kilometer vom Von-Lindequist-Tor an der Ostseite des Etosha-Nationalparks entfernt.
Wo die Reise nach Etosha wie ein Nachhausekommen ist

In Mushara anzukommen ist wie ein sanftes Ausatmen. Die Aufregung der Reise klingt ab, sobald man die schattigen Wege der Mushara Lodge betritt – die Lodge ist das ursprüngliche, elegante Herzstück der Collection. Sie ist vornehm, aber zwanglos, sie ist stilvoll, ohne gestellt zu wirken. Licht dringt durch das Rieddach und beleuchtet warme Hölzer, sanfte Textilien und sorgfältig ausgewählte Kunstgegenstände. Luxus wird nicht durch Überfluss definiert, sondern durch Leichtigkeit. Durch Komfort. Durch den Eindruck, dass alles sorgfältig und in Ruhe bedacht wurde.



Von hier an entfaltet sich die Collection wie eine gut erzählte Geschichte, wobei jedes Kapitel seine eigene Stimmung vermittelt, jedoch dieselbe Seele hat. Die Mushara Lodge ist die anmutige Gastgeberin – ideal für entspannte Nachmittage zwischen Pirschfahrten und gemütlichen Abenden am Lagerfeuer. Das Mushara Bush Camp hingegen bietet ein bodenständigeres Zelt-Erlebnis, perfekt für Familien und Individualreisende, die den Rhythmus des Busches spüren möchten, ohne auf Komfort zu verzichten.
Der Mushara Outpost wiederum schafft eine gelungene Ausgewogenheit zwischen Privatsphäre und Eleganz, angelehnt an die einladende Gepflegtheit eines afrikanischen Farmhauses und konzipiert für Reisende, die sowohl Weite als auch Abgeschiedenheit schätzen.
Und dann sind da noch die privaten Villen.
Villa Mushara ist ein Refugium im Refugium – es sind zwei exklusive Villen, geschaffen für alle, die sich nach Abgeschiedenheit und Ruhe sehnen. In ihnen scheint sich die Welt zu entschleunigen. Offene Räumlichkeiten gehen fließend ineinander über, natürliche Texturen und erdige Töne geben den Ton an. Eine freistehende Badewanne mit Zebrafellbezug ist der Blickfang im Schlafzimmer, während weiche Polstermöbel und zarte Moskitonetze dem Raum eine romantische, fast zeitlose Atmosphäre verleihen. Schiebetüren öffnen sich auf eine private Veranda, wo Vogelgezwitscher und das Raunen der Blätter jeden Bedarf für Hintergrundmusik ersetzen. Das ist Safari-Leben in seiner traulichsten Form – genussvoll, aber zutiefst regenerierend.
Es ist jedoch nicht nur die Ästhetik oder die beneidenswerte Lage, durch die sich Mushara wirklich abhebt, sondern es sind vor allem die Menschen. Die Seele von Mushara ist keine leere Marketingfloskel – sie wird täglich von einem Team verwirklicht, dessen Herzlichkeit und Loyalität außergewöhnlich sind. Einige Mitarbeiter gehören seit mehr als zwei Jahrzehnten zur Mushara-Familie. Das ist eine Seltenheit im Gastgewerbe und ein Beweis für die Unternehmenskultur, die vor 25 Jahren ihren Anfang nahm.


Unter der Führung des Managementteams Johan und Jennifer Fourie und des Geschäftsführers Mika Shapwanale wird der Geist echter Fürsorge zu einem Service, der sich intuitiv, persönlich und zutiefst menschlich anfühlt.
In Mushara verlaufen die Tage in gemächlichen Bahnen. Nach einem entspannten Frühstück geht es am frühen Morgen auf Pirschfahrt. Die Wasserstellen und die Tierwelt des EtoshaNationalparks sind nur wenige Minuten entfernt. Elefanten, Giraffen, Zebras und Antilopen ziehen über die weiten Ebenen, während Löwen geduldig nahe am Wasser warten. Und wenn die Hitze des Tages Sie zurückruft, heißt Mushara Sie wieder herzlich willkommen.
Mit der Eröffnung des Mushara Spa in der Mushara Lodge ist dieser Empfang seit 2025 noch nobler geworden. Das Spa wird in Zusammenarbeit mit Charlotte Rhys betrieben. Es verwendet afrikanische Öle wie Baobab, Marula und Kalahari-Melone und bietet tiefenwirksame, regenerierende Behandlungen, die perfekt auf die Umgebung abgestimmt sind. Hier ist eine Massage kein Zusatz – sie gehört zum Rhythmus der Entschleunigung.
Wenn es Abend wird beginnen Laternen zu leuchten, Gespräche werden leiser und die Natur übernimmt die Regie. Ob Sie unter dem Sternenhimmel in einem der wunderschön ausgestatteten Essbereiche der jeweiligen LodgeUnterkünfte speisen oder sich mit einem Drink in der Hand in den privaten Garten Ihrer Villa zurückziehen – Mushara lässt Ihnen Raum für Stille, für Besinnung und einfach nur zum Sein.
Mushara ist nicht nur ein Ausgangspunkt, um Etosha zu erkunden. Es ist ein Reiseziel für sich, das Sie noch lange nach Ihrer Abreise begleiten wird. Ein Ort, den Sie nicht nur ein Mal besuchen, sondern zu dem Sie immer wieder zurückkehren –zumindest in Ihren Erinnerungen. TN
www.mushara-lodge.com
Windhoek
Wo Möglichkeiten, Kultur und Exzellenz aufeinandertreffen

Erlebnistouren



Ich liebe Windhoek, weil es eine Stadt voller Möglichkeiten ist, wo Tradition und Innovation zusammenkommen und jede Straße eine Geschichte erzählt, an der ich gerne die ganze Welt teilhaben lasse.
Ob Sie nur einen Tag oder länger hier sind – Sie werden etwas finden, das Sie berührt: Kunst, Kultur, Kulinarik, Mode oder einfach einen Moment der Ruhe inmitten dieser pulsierenden Stadt.
Fotografieren. Teilen. Es laut aussprechen: #ILoveWindhoek – und die Welt wissen lassen, dass Sie etwas Besonderes gefunden haben.
Department of Economic Development & Community Services Fremdenverkehrsamt: Tel: +264 61 290 2596 • E-mail: tourism@windhoekcc.org.na www.cityofwindhoek.org.na
ai164327175917_ROAN Magazine.pdf 2 27/01/2022 10:22:41
Vision: “Bis 2027 eine nachhaltige und fürsorgliche Stadt zu werden”
Scheduled Guided Tours / Fly-in Safaris: A scheduled approach, without compromising on a uniquely personal experience
Private Guided Tours: An expertly planned itinerary to explore our country
Special Interest: For travellers looking for a more focused itinerary centered around a unique passion or interest
Mobile Camping: A comfortable tented camp set up with a touch of adventure, where guests spend their evenings around a camp re under the stars
Sense of Africa
Adventure Travel: A Namibian experience off the beaten track, offering guests insight into little known tour and safari highlights
Our Fleet: We own and operate our eet of vehicles designed and custom-built to suit the Namibian road conditions
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Bwabwata
Auf Tuchfühlung im Nordosten


Wir verließen Windhoek mit diesem vertrauten Gefühl der Erleichterung, jenem Gefühl, das sich nur nach einem langen Arbeitsjahr einstellt, wenn der vor uns liegende Weg mit jedem Kilometer leichter zu werden scheint. Richtung Norden, vorbei an Tsumeb, begann die Landschaft sanfter zu werden und sich zu wandeln. Grün schlich sich erst langsam ein, dann selbstbewusst. Als wir die Popa-Fälle erreichten, fühlte sich die Luft anders an. Schwerer. Feuchter. Lebendig.
Es war Neuland für mich. Ich war noch nie so weit im Nordosten. Für mich war Etosha immer der Inbegriff des wilden Namibias. Aber die Kavango- und Zambezi-Region ist eine ganz andere Welt. Für meinen Reisepartner fühlt sich der Norden wie Heimat an. Diese Vertrautheit prägte unsere Reise auf subtile Weise und gab uns Halt, als wir in einen Teil des Landes vordrangen, der von Wasser, Bewegung und Fortbestehen gekennzeichnet ist.
Wir checkten in der Nähe der Popa-Fälle ein und blieben ein Weilchen, um nach der Fahrt das Rauschen des Wassers auf uns wirken zu lassen. Dann ging es direkt weiter in den Bwabwata-Nationalpark, angefangen beim BuffaloKerngebiet. Schon bevor Tiere auftauchten, erzählte der Park seine Geschichte. Alte Militärgebäude standen verlassen und verwittert da und wurden langsam vom Busch und von den Tieren zurückerobert. Hier verschwindet die Geschichte nicht. Sie wird absorbiert.
Kurz vor dem Einfahrtstor setzte der Regen ein. Der Wind fuhr durch das offene Fahrzeug, und wir kauerten uns, halb durchnässt, halb lachend, hinter der Plane zusammen und sahen zu, wie die Buschlandschaft im Grau verschwamm. Der Schauer war rasch vorbei, wie es hier so üblich ist, und

fast unmittelbar bot die Savanne einen ersten Moment von Stille und Ernsthaftigkeit.
Ein Impala-Junges stand allein, nass und regungslos da. Irgendetwas stimmte nicht. Als wir näher kamen, sahen wir, dass ein Vorderlauf abrupt endete. Der Knochen hob sich blass vom dunklen, heilenden Fleisch ab. Keine Vorgeschichte. Keine Erklärung. Eine unbekannte Begebenheit, die jedoch sehr deutlich spricht und einen bleibenden Eindruck hinterlässt. Es war eine lautlose Einführung in eine Gegend, die sich nicht entschuldigt.
Als wir uns dem Fluss näherten, öffnete sich der Blick. Antilopen waren über das frische Gras verstreut, Affen turnten durch die Bäume, Warzenschweine verschwanden im Unterholz. An den Baumstämmen waren von Elefanten angerichtete Schäden zu sehen, die Rinde mit lässiger Kraft abgerissen. Bunte Vögel füllten die Luft mit leuchtenden Blau-, Gelb- und Rosttönen.
DANN DER FLUSS
Flusspferde dösten und spielten, tauchten unter und kamen mit tiefen, widerhallenden Rufen wieder hervor. Es war viele Jahre her, seit ich zuletzt ein Flusspferd in freier Wildbahn gesehen hatte, und sie zu hören, war etwas ganz anderes. Dieser tiefe Ton dringt nicht nur in die Ohren, er dringt tief in die Brust. Als ich dort stand und sie ihre massigen Körper aus dem Wasser erheben sah, fühlte ich mich klein. Verletzlich. Demütig angesichts ihrer Größe und Kraft.
Wir beschlossen, die Fahrt fortzusetzen. Es gab noch so viel mehr zu erkunden. Kaum zehn Meter vom Fluss entfernt deutete der Guide beiläufig in den Busch neben uns. Zuerst begriff ich nicht, was ich da sah. Dann passten sich meine Augen an.



EIN FLUSSPFERD
Vier Meter entfernt. Halb verborgen. Im gefilterten Licht glänzend. Wir starrten uns in absoluter Stille an, während ich langsam meine Kamera hob und mir dabei jedes Atemzugs bewusst war. Nach einigen langen Sekunden drehte es sich um und ging zurück zum Fluss. Ein weißer Vogel landete auf seinem Rücken und ließ sich tragen. Ich erinnere mich, dass ich den Vogel warnen wollte, sich die Kraft unter ihm klar zu machen.
Am Nachmittag sahen wir mehr Wild, verlassene Gebäude und Zeugnisse einer vielschichtigen Vergangenheit. Wir erspähten eine Schwarzmanguste, für mich war es die erste. Große Antilopenherden grasten dicht beieinander – bis sie plötzlich davonstoben. Erst später verstanden wir, warum.
LÖWEN
Das Brüllen erreichte uns zuerst. Es vibrierte durch den ganzen Körper und ließ keinen Zweifel aufkommen. Aufregung verdrängte unseren Instinkt. Der Guide folgte frischen Spuren, und plötzlich befanden wir uns nicht mehr auf einer entspannten Wildbeobachtungsfahrt. Wir suchten. Lauschten. Schauten auf jeden Zentimeter des Bodens, während die Sonne tiefer sank und ein ferner Regenschauer einen grauen Streifen am Horizont zog, wie der Schleier einer Braut, der sich langsam über das Land legte.
Auf einer offenen, sumpfigen Ebene sah ich sie. Eine Löwin, die neben einem Ameisenbau ruhte und die Landschaft überschaute. Wir näherten uns vorsichtig auf dem vom Regen aufgeweichten Boden. Das Fahrzeug verlangsamte sich. Schlamm spritzte. Dann stand es.
WIR SASSEN FEST
Fünfzig Meter entfernt verstärkte sich die Löwen-Präsenz. Zwei große Männchen tauchten auf, beobachtend. Abwartend. Das offene Fahrzeug, das sich so befreiend angefühlt hatte, wirkte nun gefährlich exponiert. Regen setzte ein. Dunkelheit folgte. Panik kam auf als der Guide ausstieg, um zu graben und Bodenhaftung zu finden, während uns die Löwen unverwandt im Blick behielten.
Die Zeit zog sich hin und kollabierte gleichzeitig. Drei Stunden lang saßen wir da. Nass. Kalt. Die Sinne geschärft. Wir spielten Szenarien durch, die niemand jemals durchspielen möchte. Irgendwann kam eines der Männchen näher, den Kopf gesenkt, entschlossen. Ich schrie, gab die Höflichkeit zugunsten des Überlebens auf.
Schließlich wurde Hilfe herbeigerufen. Wir ließen die Zeltplanen herunter und warteten, während der Regen niederströmte. Wir horchten auf jedes Geräusch und versuchten, in der Dunkelheit etwas durch den Bildschirm der Kamera zu erkennen. Als endlich Scheinwerfer die Nacht durchbrachen, zitterten die Hände vor Erleichterung.


WIR MUSSTEN HINÜBERGEHEN
Barfuß durch den kalten Schlamm. Wertsachen hoch halten. In einer Reihe gehen, nicht stehen bleiben. Kaum stiegen wir aus, hallten erneut tiefe Grunzlaute herüber, beunruhigend nah. Flusspferde irgendwo in der Nähe. Früher am Tag hatten wir Krokodile ins Wasser gleiten gesehen. Doch es gab keine Wahl. Wir gingen los.
Noch nie in meinem Leben hatte ich solche Angst. Das Abendessen schmeckte nach Überleben. Der Schlaf kam schwer und heftig. Der nächste Morgen fühlte sich unwirklich an. Als hätte der Busch ausgeatmet und sich neu eingestellt.
Flusspferdspuren kreuzten den Weg vor unserem Zimmer. Wir versuchten unser Anglerglück an den Wasserfällen. Kleine Tigerfische blitzten unter der Oberfläche. Während einer von uns angelte, beobachtete der andere Vögel, Otter und ein Krokodil in der Ferne. Wir labten uns an der wohlverdienten Beschaulichkeit.









Wir verließen das Buffalo-Kerngebiet mit vollen Herzen und fuhren Richtung Osten zum Kwando-Kerngebiet. Zehn Minuten später stand ein Elefant geruhsam und massig am Straßenrand, als wollte er uns verabschieden.
Dörfer zogen vorbei. Kinder spielten. Das Leben wirkte hart und einfach zugleich. Ich versuchte zu arbeiten, hatte den Laptop aufgeklappt, konnte aber den Blick nach draußen nicht abwenden. Ich war mir nicht sicher, ob ich diese Einfachheit beneidete, wohl wissend, dass mein eigenes Leben in vielerlei Hinsicht leichter, aber gleichzeitig weitaus komplizierter ist.
Kwando empfing uns mit Sonnenschein. Ein schlichter Wasserlauf markierte die Grenze zwischen Namibia und Botswana und trennte ohne Aufsehen zwei Länder. Hier war der Fluss voller Bewegung und Leben. Flusspferde. Krokodile. In den Bäumen nisteten Vögel. Auf dem Wasser tauchten Flusspferdfamilien nahe am Boot auf. Ohren, Augen und Nüstern durchbrachen die Oberfläche, Wasser spritzte mit scharfen Zischlauten aus ihren Nasenlöchern, gefolgt von diesem unverwechselbaren he-hehe, das einem unter die Haut geht und einen nicht mehr loslässt. Kraftvoll. Beunruhigend. Unwiderstehlich.
Nachts wanderten Flusspferde durch das Gelände der Lodge. Jeden Morgen fanden wir ihre Spuren. Buschbabys huschten durch die Bäume. Katfische glitten auf der Jagd nach Insekten an den sumpfigen Gebieten entlang. Moorantilopen grasten in der Nähe unserer Zimmer. Mit der Zeit schlief ich leichter ein, doch der Respekt ließ nie nach.
Wir machten Rundfahrten und unternahmen Bootstouren, mal mit Guide, mal ohne. Wir kamen dem größten Krokodil, das ich je gesehen habe, bis auf wenige Zentimeter nahe. Es war locker fünf Meter lang, ließ sich lautlos neben dem Boot treiben, emotionsfrei und uralt. Wir beobachteten Elefanten in der Ferne, Antilopen überall, Warzenschweine und Zebras vor der Kulisse der grünsten Landschaften, die ich je in Namibia erlebt habe.
Am letzten Abend saßen wir mit Drinks zum Sonnenuntergang am Nilpferdteich. Kein Zaun. Kein Fahrzeug. Nur wir und eine Nilpferdfamilie von etwa 43 Tieren. Ich hätte tagelang dort bleiben können.
Bevor die Sonne unterging versuchten wir ein letztes Mal unser Anglerglück. Katfische bissen an. Ein Nilpferd in der Nähe riss sein Maul weit auf und machte klar, in wessen Revier wir uns aufhielten.
Viel zu rasch kam die Abreise. Dieses Land ist weder sanft noch nachsichtig. Es ist rau, ursprünglich und unverfälscht. Es macht keine Ausreden. Es fordert Respekt. Hautnahe Begegnungen sind hier nicht inszeniert. Sie sind echt. Flusspferde im Busch. Löwen im Regen. Krokodile neben dem Boot.
Wir fuhren mit erfüllten Herzen nach Hause. Erfüllt von Regen, Angst und Dankbarkeit. Erfüllt von Menschen, Tieren und Geschichten, die tief in der Erde verwurzelt sind. Bwabwata und die Kavango- und ZambeziRegion haben Spuren hinterlassen. Und wir wissen ganz sicher, dass wir zurückkommen werden. TN







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WO WASSER DIE WILDNIS SCHREIBT
Mittendrin: Nkasa Linyanti von Natural Selection
Es gibt Orte in Afrika, wo die Wildnis noch ihren eigenen Regeln folgt. Wo Straßen verschwinden, wo die Jahreszeiten den Zugang bestimmen und Wasser über alles entscheidet. Ein solcher Ort ist der Nkasa-Rupara-Nationalpark im äußersten östlichen Teil von Namibias Zambezi-Region. Es ist eine weite, sich wandelnde Wildnis aus Feuchtgebieten, die oft als Namibias Antwort auf das Okavango-Delta bezeichnet wird – nur ruhiger, ungezähmter und weit weniger bekannt.
Nkasa Rupara, eingebettet zwischen den Flüssen Kwando und Linyanti, ist Namibias größtes geschütztes Feuchtgebietssystem. Es ist eine Landschaft, die von Wasser geformt wird, das langsam aus dem angolanischen Hochland heranfließt und Monate nach den flussaufwärts gefallenen Regenfällen die Ebenen überflutet. In manchen Jahren stehen bis zu 80% des Nationalparks unter Wasser. Dann verwandeln sich die Grasflächen in ein schimmerndes Mosaik aus schilfgesäumten Kanälen, von Seerosen bedeckten Lagunen, Altwasserseen und schwimmenden Papyrusinseln. In anderen Jahren weichen die Überschwemmungen zurück und das Land öffnet sich wieder. Uralte Wildwechsel, Termitenhügel und weite, goldene Ebenen kommen zum Vorschein.
Diese ständige Verwandlung macht Nkasa Rupara zu etwas Außergewöhnlichem. Keine zwei Jahreszeiten gleichen einander. Flusspferde bahnen Kanäle durch die Schilfgürtel, Elefanten formen durch ihre Wanderrouten Inseln, und selbst Termitenhügel können während der Hochwasserzyklen den Wasserfluss umdirigieren. Es ist ein lebendiges, atmendes Ökosystem – dynamisch, unvorhersehbar und voller Leben.




Die Tierwelt gedeiht hier in bemerkenswerter Dichte. Nkasa Rupara beherbergt Namibias größte Büffelpopulation, riesige Elefantenherden, Rote Moorantilopen, die in den seichten Gewässern grasen, und die scheuen Sitatunga, verborgen in den Papyrusbeständen. Löwen patrouillieren die Inseln, Leoparden bewegen sich lautlos an den Waldrändern, und Krokodile und Flusspferde beherrschen die Wasserwege. Mit mehr als 430 nachgewiesenen Vogelarten ist dieser Nationalpark zudem eines der lohnendsten Vogelbeobachtungsgebiete im südlichen Afrika – ein Paradies für Kronenkraniche, Braunkehlreiher und Sattelstörche.
Trotz seines Reichtums ist Nkasa Rupara immer noch eher ein Geheimtipp. Der Zugang ist begrenzt, man ist gemächlich unterwegs, und das Gefühl der Abgeschiedenheit ist vollkommen. Gerade diese Abgeschiedenheit hat die Integrität des Parks bewahrt – und bereitet nun die Bühne für ein neues Kapitel im sanften Safaritourismus.
Natural Selection hat Anfang 2026 Nkasa Linyanti eröffnet, das einzige permanente Camp auf der Insel Nkasa. Es besteht aus sechs Zelt-Suiten und liegt in einer privaten Konzession, inmitten von schilfgesäumten Kanälen und weiten Überschwemmungsebenen. Die Anlage ist so konzipiert, dass sie mit ihrer Umgebung verschmilzt, statt sie zu dominieren. Die Zeltwände öffnen sich zur Wildnis, Außenduschen verbinden die Gäste mit den Elementen, und jedes Detail widerspiegelt eine Philosophie von zurückhaltendem Luxus, die in Ort und Zweck verwurzelt ist.
Von hier aus erkunden Gäste die Umgebung je nach Jahreszeit per Geländewagen, auf geführten Wanderungen, im Mokoro oder per Boot. Überschwemmungen ermöglichen Safaris auf dem Wasser, die an das Okavango-Delta erinnern. In trockeneren Monaten konzentriert sich das Wild in spektakulärer Zahl auf den Inseln. Durch seinen Aufenthalt unterstützt jeder Gast direkt den Naturschutz in diesem offenen, grenzüberschreitenden Ökosystem, das Teil des ausgedehnten Kavango–Zambezi-Naturschutzgebietes (KAZA) ist.
Nkasa Rupara ist nicht geeignet, um Reiseziele auf Listen abzuhaken. Dieser Nationalpark ist für Besucher, die sich von rauen Landschaften, stiller Dramatik und einer sich wandelnden Natur angezogen fühlen. Mit der Eröffnung von Nkasa Linyanti heißt eines der letzten echten Wildnisgebiete Namibias seine Gäste auf eine Weise willkommen, die seine Rhythmen respektiert – und aus erster Reihe Zugang zu einer Welt von Feuchtgebieten gewährt, die immer noch das wunderbare Gefühl von trotziger Ungezähmtheit vermittelt. TN
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Der lange Abschied

Ein Reiseziel in Namibia verlässt man nicht so schnell.
Immer ist da noch ein letzter Kaffee. Ein letztes Foto. Eine letzte Pause, die vorgibt, gar keine Pause zu sein. Man redet sich ein, startklar zu sein, aber im Stillen dehnt man den Augenblick aus.
Schließlich steigt man ins Auto. Man fährt los. Man blickt in den Rückspiegel.
Und dann trifft es einen. Man sieht einen Ort verschwinden und weiß, dass man ihn bereits vermisst, obwohl man ihn noch sehen kann. Die Sehnsucht stellt sich früh ein, ungebeten.
Namibia fordert Ihre Aufmerksamkeit nicht immer lautstark. Manchmal dringt es unbemerkt unter die Haut. Und wenn es einmal da ist, bleibt es.
Die Beziehung zu manchen Orten endet nicht mit der Abreise. Sie reisen mit – im Rückspiegel, in der Erinnerung. In diesem sanften Schmerz, der noch nachklingt, wenn sich die Straße längst wieder als gerade Linie nach vorn ausdehnt. TN







By putting nature first at Ongava, we set the scene for a renewed understanding and appreciation of the importance of wildlife conservation.



