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Wie Odenwälder Bauern „ein Stück Welt retten“ möchten

Wie Odenwälder Bauern „ein Stück Welt retten“ möchten echo-online.de/lokales/odenwaldkreis/odenwaldkreis/wie-odenwalder-bauern-ein-stuck-welt-rettenmochten_25502066 3. Mai 2022

Von Birgit Reuther Lokalredakteurin Odenwälder Echo Der Vater mästete Schweine und gab auf, die Tochter baut Gemüse in Permakultur und im Sinne der Solidarischen Landwirtschaft an: Eine Erbacher Landwirtsfamilie erfindet sich neu.

Die Zuckererbsen sehen schon recht gut aus: Martin und Lola Allmenröder im Gemüsegarten der Jung-Landwirtin vom Rossbacher Hof bei Erbach/Odenwald. (Foto: Joaquim Ferreira)

ERBACH - Die Radieschen sehen schon recht gut aus, strecken ihre noch kleinen Blätter in die Frühjahrs-Sonne. Auch die Zuckererbsen sind schön angewachsen, doch macht ihnen der Blattrandkäfer zu schaffen. Mehrere Salatsorten sind bereits weiter, und an vielen Stellen kommt die Wintergerste durch, die hier über Jahre ihren Platz hatte. 40 mal 50 Meter groß ist die Fläche, auf der die studierte Landwirtin Lola Allmenröder seit Anfang 2022 Gemüsebau betreibt. Bewirtschaftet wird nach den Prinzipien von Permakultur und Solidarischer Landwirtschaft. Pestizide und Kunstdünger sind tabu, auch auf Maschineneinsatz verzichtet die 25-Jährige weitgehend.

Landwirtschaft der Zukunft Es ist ein dicker Pflock in Richtung Landwirtschaft der Zukunft, den die Studentin mit einem Bachelor of Science in Pflanzenwissenschaften mit ihrem Betriebszweig

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Wie Odenwälder Bauern „ein Stück Welt retten“ möchten

„Odenwälder Gartengemüse“ ins Erdreich oberhalb des Rossbacher Hofs getrieben hat: War der elterliche Bauernhof im gleichnamigen Erbacher Weiler doch seit Jahrzehnten vor allem als konventionell wirtschaftender Schweinemastbetrieb bekannt, orientiert sich die Familie nun um – und hat Freude daran. 1800 Tiere hielten Lolas Eltern, Martin und Sabine Allmenröder, bevor sie 2021 beschlossen, die Schweine abzugeben.

Hat schon als Kind gern gegärtnert: Lola Allmenröder vom Rossbacher Hof bei Erbach in ihrem Gemüsegarten – hier am Radieschen-Beet. Die JungLandwirtin möchte den elterlichen Hof, der Jahrzehnte vor allem als Schweinemastbetrieb bekannt war, gemeinsam mit ihrem Vater neu aufstellen und strebt auch allgemein eine andere Landwirtschaft an. (Foto: Joaquim Ferreira)

Die Gründe für diesen Schritt machen vielen Schweinehaltern schon länger zu schaffen: der zunehmende Preisdruck am Weltmarkt für Schweinefleisch, das Wegbrechen von China als Absatzmarkt, nachdem 2020 in Deutschland die Afrikanische Schweinepest nachgewiesen wurde, die Corona-Lockdowns und ihre Folgen, gestiegene Futter- und Energiekosten, verschärfte gesetzliche Bestimmungen.

Infokasten: Das Konzept SoLaWI und die Uni Ähnlich wie bei anderen Projekten der Solidarischen Landwirtschaft (SoLaWi) funktioniert es auch bei Lola Allmenröder: Die Abonnenten der Gemüsekiste zahlen einen Jahresbeitrag, mit dem die Löhne der Gärtnerinnen und die Ausgaben der Gärtnerei finanziert werden. Dafür gibt es die Erntesaison hindurch pro Woche eine Kiste voller Gemüse, Salat und Kräutern. Allmenröder studiert an der Universität Wageningen (Niederlande), die sich weltweit engagiert für gesunde Ernährung und Umwelt. Die Odenwälderin baute die dortige Studentenfarm mit auf, auch Auslandsaufenthalte, Seminare, Praktika bestärkten sie in ihrem Denken und Tun. Ihre Beete beackert die 25-Jährige gemeinsam mit Dana Krämer, die als Gartenhilfe angestellt ist. Kontakt: 0160-160 9361, E-Mail: lola.allmenroder@gmail.com.

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Bei Allmenröders kam im August 2020 ein übler Schicksalsschlag hinzu: Beim Arbeiten in einem Güllefass erlitt Lolas Vater eine Schwefel-Wasserstoff-Vergiftung, worauf er zweimal für jeweils wenige Tage ins künstliche Koma gelegt werden musste. Noch heute leidet der 59-Jährige unter neurologischen und motorischen Einschränkungen. „Das hat uns schwer getroffen“, blickt die Tochter zurück. Der Einschlag hatte aber auch positive Folgen: Lola beschloss, in den Betrieb einzusteigen. Und ihr Ding ganz anders zu machen. Ihr Vater, für neue Ideen schon länger empfänglich, erkannte: „Wir müssen uns ändern in der Landwirtschaft, Natur- und Tierschutz viel mehr mitdenken.“

Marktgarten- oder Permakultur-Bewegung Nun sitzen Vater und Tochter zusammen am Esszimmertisch, erläutern Lolas Projekt Gemüsegarten – und sprühen vor Ideen, wie auch ganz generell eine Landwirtschaft der Zukunft aussehen müsste. Da wird schnell klar: Es geht voran, und es tut sich viel in der Branche. „Hoch spannend“ sei, was da in der Marktgarten- oder in der PermakulturBewegung sowie an den Universitäten diskutiert, probiert und erforscht werde, sagen beide. Er erwarte eine „Revolution in der Landwirtschaft in den nächsten 20 Jahren“, so Martin Allmenröder, der sich wegen seiner Erkrankung nun auf die Leitung des weiterhin im Ackerbau aktiven Hofes beschränkt. Hier finden Sie unser Dossier mit Allem zum Thema Klima. Mit dem Einsatz von Robotern auf den Feldern etwa sowie starken Einflüssen aus der Solidarischen Landwirtschaft, dem Öko-Landbau, aber auch aus konventionell arbeitenden Betrieben. „Da wollen wir mitmachen, selbst Erfahrungen sammeln“, ergänzt Lola Allmenröder. Der Vater also mehr aus der konventionell-technischen Seite, die einst lernte, dass es ohne Kunstdünger und Pestizide nicht geht – und die nun umzudenken beginnt. Die Tochter aus einer Art neuer Graswurzel-Bewegung, die eine ökologische, sozial und tier-gerechte Landwirtschaft will.

Schon bald werden die ersten Radieschen in Lola Allmenröders GemüseAbokiste kommen. (Foto: Joaquim Fereira)

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Beide wissen: Viel Wissen ist verloren gegangen, doch vieles kommt wieder. Heißt im Fall von Lolas „Odenwälder Gartengemüse“: Pflanzengemeinschaften bilden, die sich gegenseitig vor Schädlingen schützen; kleine Flächen effektiv bewirtschaften (Marktgarten-Bewegung); Einsatz natürlicher Düngemittel.

Mehr als 20 Gemüse- und Salatsorten sowie Kräuter Die 40 Beete in Rossbach umfassen ohne Wegflächen etwa 870 Quadratmeter. Klappt alles, gedeihen darauf mehr als 20 Gemüse- und Salatsorten sowie Kräuter – von Asiasalaten über Möhren, Fenchel oder Kohlrabi bis hin zu Stangenbohnen, Tomaten, Mangold und Zuckererbsen. „Im ersten Jahr will ich auf Nummer sicher gehen, erst mal sehen, wie es läuft. Es wird sicher viel zu Lernen geben“, gibt sich die junge Frau vorsichtig-optimistisch.

Zartes Fenchelgrün sprießt aus dem Boden. (Foto: Joaquim Ferreira)

Wissen teilen, zum Anlegen von Nutzgärten motivieren, gesunde Ernährung fördern – auch darum geht es der Netzwerkerin. Dass bei aller Arbeit stets auch die Freude am Tun aufblitzt, zeigt ihre wöchentlich per E-Mail versandte „Gartenpost“. Die gibt den Kunden (und weiteren Interessierten) erfrischende und erhellende Einblicke in eine buchstäblich erdende Arbeit. Dieser Artikel wurde ursprünglich am 03.05.2022 um 05:00 Uhr publiziert.

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