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Wie der "Grüne Baum" im Odenwald der Zeit trotzt
Wie der "Grüne Baum" im Odenwald der Zeit trotzt echo-online.de/lokales/odenwaldkreis/odenwaldkreis/wie-der-grune-baum-im-odenwald-der-zeit-trotzt_25550850 31. Mai 2022
Dienstag, 31.05.2022 - 07:00 Während immer mehr Traditions-Lokale schließen, steht dem „Grünen Baum“ in Michelstadt die Zukunft offen. Drei Frauen aus drei Generationen stecken hinter dem Erfolg.
Von Gerhard Grünewald Redaktionsleiter Odenwälder Echo
Das Gasthaus „Grüner Baum“ in Michelstadt mit frisch saniertem Giebel. (Foto: Ernst Schmerker)
MICHELSTADT - Zwar ist Michelstadt keine Ortschaft und das Hotel-Restaurant „Zum Grünen Baum“ mehr als eine Wirtschaft. Aber weil der Dominoeffekt fallender Dorfgasthäuser längst auch die Gastronomie der Kleinstädte erfasst hat, stehen selbst Ausgeh-Klassiker nicht mehr sicher – es sei denn, jemand gibt ihnen Halt. Genau darauf verstehen sich Mutter und Tochter Barbara (56) und Erika Bär (34) – und das im wörtlichen wie übertragenen Sinn. Denn ausgerechnet im Zeichen der Herausforderung Corona haben sie ihr historisches Lokal baulich saniert und inhaltlich neu aufgestellt – eine Leistung, die sich auch aus der anhaltenden Rückendeckung einer weiteren Generation erklärt: Großmutter Margarete Dingeldein (79) trägt mit ihrer Erfahrung und der Führung der zugehörigen Landwirtschaft weiter zum gastronomischen Gesamtkunstwerk bei. „Als im Sommer 2020 der erste Corona-Lockdown aufgehoben wurde, stürzte uns das zunächst erst richtig in die Verzweiflung“, verhehlt Barbara Bär nicht die Momente, in der ihre Tochter und sie schwach zu werden drohten. „Die Abstandsregeln schränkten unsere https://www.echo-online.de/lokales/odenwaldkreis/odenwaldkreis/wie-der-grune-baum-im-odenwald-der-zeit-trotzt_25550850
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Belegungsmöglichkeiten dermaßen ein, dass die erforderliche Wirtschaftlichkeit einfach nicht mehr zu erzielen war“, assistiert die mit einem Studium der Wirtschaftswissenschaft in den Betrieb der Mutter eingestiegene Tochter. Doch weil man fast 350 Jahre Familientradition und die Existenz von mehr als 20 fest angestellten Mitarbeitern nicht einfach hinschmeißt, sannen die Bärs nach einer Lösung – und stießen dabei auf den geräumigen Parkplatz direkt beim kleinen Biergarten des Betriebs. Aus dem machten sie mit viel Gefühl für Funktion und Ausstattung ein formidables FreiluftRestaurant. „Diese Alternative hat unser Publikum und sogar jene Stammgäste begeistert, denen der Autostellplatz direkt beim Haus immer besonders am Herzen lag“, schildert die Junior-Wirtin die Reaktion.
Das historische Ambiente macht das Michelstädter Gasthaus „Zum Grünen Baum“ ebenso zum Erlebnis wie die Führung des Lokals durch Barbara (links) und Erika Bär (Zweite von rechts), hier mit den Gästen Vera Knöll (rechts), und Dörte Peterson. Letztere ist Architektin des gerade abgeschlossenen Sanierungsprojekts. (Foto: Ernst Schmerker)
Womit bald klar war, dass niemand diese einzigartige Einkehr mehr missen mochte – selbst für den Fall nicht, dass Corona irgendwann kein Thema mehr sein sollte. „Dank der Veränderung verfügen wir heute nicht nur über ein zusätzliches Alleinstellungsmerkmal“, sagt Erika Bär. „Wir konnten auch unser Veranstaltungssegment neu aufstellen, das nun Gesellschaften mit mehr als 200 Personen einschließt.“ Der von den besonderen Umständen erzwungene Mut hat sich also gelohnt. Was es erleichterte, gleich noch einmal Courage zu zeigen: „Dass unser 1685 gekauftes und damit sicher noch ein paar Jahrzehnte älteres Fachwerkhaus inzwischen mehr brauchte als die üblichen Schönheitsreparaturen, wussten wir schon seit ein paar Jahren. Und die erforderlichen Untersuchungen und denkmalpflegerischen Abstimmungen hatten wir auch bereits absolviert“, blickt Erika Bär zurück. „Also machten wir uns beim nächsten Zeichen der Hoffnung in der Pandemie Mitte 2021 an die Vorbereitung des Sanierungsprojekts.“ Dessen Ausführung forderte nach den beiden Lockdowns zwar eine weitere Schließung, doch erwies sich das Winter-Quartal dieses Jahres dafür insofern als der geeignete Zeitpunkt, als angesichts der Corona-Lage ohnehin ein Verlustgeschäft gedroht hätte.
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„Allerdings mussten wir zur stark gefragten Ostersaison schon mit Blick auf unsere Stammgäste auch wieder an den Start gehen können“, beschreibt Erika Bär die Ausgangslage – eine Herausforderung sportlichen Zuschnitts. Denn zu erneuern war praktisch die gesamte Nordseite des historischen Anwesens, das hier mit seinen Nachbarbauten das eindrucksvolle Ensemble der Großen Gasse bildet. „Weil der nachträglich aufgesetzte Giebel von 1807 nicht als Sichtfachwerk gebaut war, dem Trend der Zeit entsprechend aber in den Siebzigern genau daraufhin renoviert wurde, setzte die Witterung erst dem Dachgebälk und von dort aus dem gesamten Fachwerk der Nordwand zu“, erläutert dazu die Bauleiterin der Sanierung, Architektin Dörte Peterson. „Damit standen wir vor einem Investitionsbedarf weit im sechsstelligen Eurobedarf“, fügt Erika Bär hinzu. Zu schultern war der weitgehend aus der Betriebssubstanz, wenn auch Fördermittel aus dem aktuellen Gaststätten-Sonderprogramm des Landes Hessen willkommene Hilfe leisteten. Da hieß es, mit begrenzten Mitteln das bestmögliche Ergebnis zu erzielen. „Ein Glück, dass wir schon in der Erkundungsphase zwei Kapazitäten für solche Fälle einbezogen hatten“, kommentiert Erika Bär im Rückblick: Der inzwischen zum Ersten Stadtrat avancierte Zimmermeister Roger Tietz mit dem von ihm gegründeten Fachunternehmen „Baulust“ und Architektin Peterson legten frühzeitig Kopf und Hand an, um das Projekt in Gang und gemeinsam mit weiteren Handwerkern zu einem guten Ende zu bringen. „Ein Abenteuer haben wir dennoch bestritten“, fügt die Juniorchefin für die Bärs und ihre Mitarbeiterin zusammen, „beispielsweise, als wir zur Vorbereitung der Fachwerksanierung die gesamte Nordwand von allen Lehmziegeln geräumt haben und unsere Gasträume und Säle nach außen bloß lagen, bis wir die Steine wieder einbauen konnten.“ Das Wichtigste aber: Alles hat im gesetzten Zeitrahmen geklappt, sodass die Bärs vor und zu Ostern wieder in ihrem historischen Gasthaus auftischen konnten – unter einem Dachgiebel, der zur Abwendung künftigen Unheils wieder geschindelt ist. Zu tun geben allerdings wird es auch so immer etwas: „Nächstes Jahr machen wir uns an die Herrichtung unserer klassischen Innenräume“, kündigt Erika Bär an. Dieser Artikel wurde ursprünglich am 31.05.2022 um 03:00 Uhr publiziert. 0 / 1700 Zeichen
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