5.8.2020
Schwere Kritik an Klinik des GZO in Erbach
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Der 91 Jahre alte Ernst Hofmann fühlte sich im Kreiskrankenhaus so schlecht behandelt, dass er die Klinik vorzeitig verließ. Was passiert ist und wie der Geschäftsführer reagierte.
Von Birgit Reuther Lokalredakteurin Odenwälder Echo
In der Notaufnahme des Erbacher Kreiskrankenhauses musste ein Bad Königer fast fünf Stunden warten. Foto: Dirk Zengel
BAD KÖNIG/ERBACH - Der 91-Jährige fühlte sich vielfach schlecht behandelt, sagt: "Sowas hab' ich noch nicht erlebt." Seine Frau, ebenfalls betagt, aber gleichfalls klar im Kopf, meint, ihr Mann sei eben verzweifelt gewesen, "weil er starke Schmerzen hatte, ihm offenbar aber keiner richtig helfen konnte".
Aneinanderreihung von Vorfällen https://www.echo-online.de/lokales/odenwaldkreis/bad-koenig/schwere-kritik-an-klinik-des-gzo-in-erbach_22029676
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Schwere Kritik an Klinik des GZO in Erbach
Was Ernst Hofmann, gestandener Bad Königer, an einem Wochenende Mitte Juli erst in der Notaufnahme und dann auf Station 3b des Kreiskrankenhauses in Erbach erlebt hat, hört sich nicht gut an: Fast fünf Stunden Wartezeit in der Notaufnahme, bei starken Bauchschmerzen infolge großer Verdauungsprobleme, bis es gegen 20 Uhr endlich auf Station ging. In den Tagen darauf blutende Hautverletzungen, die entstanden, als ihn eine Pflegekraft mit langen Fingernägeln aus dem Klinik-Rollstuhl hob und zum Röntgen brachte. Das zusätzlich quälende Prozedere bei den Aufnahmen dort. Eine Infusion, die zuerst nicht richtig gesetzt war. Offenbar zu stark gewickelte Beine, "die blau anliefen und noch jetzt, nach mehr als 14 Tagen, dick sind". Die Fußstütze am Rollstuhl, die ihm mehrmals auf die Füße fiel. Bei all dem fühlte sich der betagte Odenwälder ziemlich alleingelassen wegen der Corona-Pandemie-Auflagen durfte seine Frau nicht mit in die Notaufnahme und später auch nicht auf Station. Hofmann war Freitagnachmittag, "nach schwerem Malheur mit dem Stuhlgang", auf Initiative seines Hausarztes per Krankentransport in die Notaufnahme des Gesundheitszentrums gefahren worden. Wegen zunehmender Luftnot und Schwäche und akuten Beschwerden im MagenDarm-Trakt, wie die Familie gegenüber dieser Zeitung mitteilte. "Er sollte wohl auch Blutkonserven erhalten", so Hofmanns Sohn. Zu einer Abklärung der Ursachen kam es jedoch nicht: Schon am Montag hatte der 91-Jährige angesichts besagter Erlebnisse die Nase voll, packte trotz seines weiterhin schlechten Zustands seine Sachen, ging in die Klinik-Caféteria und ließ sich dort vom Sohn abholen.
ANSPRECHPARTNER Das Gesundheitszentrum gibt Patienten mehrere reguläre Möglichkeiten, Kritik anzubringen. Als bewährte Ansprechpartner gelten etwa die beiden PatientenfürsprecherinnenAllgemein sagt GZO-Geschäftsführer Andreas Schwab: "Es kommen immer wieder mal Beschwerden. Dann wird das abgeklärt, wird darüber gesprochen. Meist sind die Patienten dann zufrieden, sehen sich ernstgenommen." (big)
Geschäftsführer reagiert auf Kritik
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"Der Patient wurde auf eigenen Wunsch entlassen, eine genaue medizinische Abklärung hat er abgelehnt", bestätigt dies Andreas Schwab, Geschäftsführer der Gesundheitszentrum Odenwaldkreis (GZO) GmbH, unter deren Dach auch das Kreiskrankenhaus firmiert. Von dieser Zeitung auf Hofmanns Vorwürfe angesprochen, klärte Schwab diese Schilderungen mit den betreffenden Abteilungen ab. Ergebnis: Für die lange Wartezeit in der Notaufnahme werde man sich bei dem Bad Königer gern entschuldigen. Die anderen "Störungen im Behandlungsablauf" seien zwar bedauerlich, im Klinikalltag aber leider nicht immer zu verhindern. "Wir werden mit Herrn Hofmann in Kontakt treten, ihn um Verständnis bitten", so der Chef. Bei starken Schmerzen fast fünf Stunden in der Notaufnahme warten zu müssen, sei für einen betagten Menschen schon arg, räumt Schwab ein. "Doch müssen unsere Mitarbeiter dort streng nach Dringlichkeit vorgehen. Da geht es oft um gefährliche Situationen". Dass eine Infusion nicht gleich richtig sitze, sei sicher unschön, "aber nicht so selten bei älteren Menschen, deren Venen nicht mehr so gut sind". Zudem sei dieser Fehler" ja schnell behoben worden, so Schwab. Die Hautverletzungen durch offenbar zu lange Fingernägel einer Pflegekraft bedauere man ebenfalls. Das dürfe nicht sein, betont der GZO-Geschäftsführer: "Unsere Mitarbeiter müssen zwar auch mal fest anpacken dürfen, ihre Fingernägel müssen sie aber grundsätzlich kurz halten." Und zum von Hofmann als quälend lang empfundenen Prozedere beim Röntgen: "Das kann generell schon mal dauern." Schade sei, so Schwab, dass sich der geistig wache 91-Jährige mit seiner Kritik nicht direkt an die Mitarbeiter gewandt habe: "Die Pflegekräfte haben nach ihm geschaut, alles dokumentiert. Herr Hofmann hat mit keinem Ton gesagt, dass er unzufrieden ist." Was jener so nicht stehen lassen mag: "Wenn meine Schmerzen es zugelassen haben, hab' ich mich sehr wohl gemeldet", sagt Hofmann.
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