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Rassismus beim Volksfest: Wenn Kerbreden kein Spaß mehr sind | www-Presse.Echo.de

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Rassismus beim Volksfest: Wenn Kerbreden kein Spaß mehr sind

Rassismus beim Volksfest: Wenn Kerbreden kein Spaß mehr sind echo-online.de/lokales/odenwaldkreis/odenwaldkreis/rassismus-beim-volksfest-wennkerbreden-kein-spass-mehr-sind_25722316 16. September 2022

Freitag, 16.09.2022 - 17:43 Wie leicht Kirchweih-Humor entgleisen kann, zeigt sich an zwei Beispielen im Odenwaldkreis. Sowohl in Bad König als auch in Brensbach trugen Beiträge ehrverletzende Züge. Von Sandra Breunig und Jörg Schwinn

Feucht-fröhlich darf und soll es hergehen bei der Kirchweih, wozu neben einer adäquaten Getränkeversorgung und einer gehörigen Portion Geselligkeit auch möglichst viel Humor gehört. Dass dies allerdings gerade bei den dafür gedachten Kerbreden auch leicht falsch interpretiert werden kann, zeigen zwei aktuelle Beispiele aus dem Odenwaldkreis. (Symbolfoto: Hubert Link/dpa)

ODENWALDKREIS / BAD KÖNIG / BRENSBACH - Sie schlägt hohe Wellen, die Kerbredd, die Marc Böhm zur diesjährigen Kirchweih in Bad König gehalten hat. Denn der als CDU-Stadtverordneter und TSGFörderer in der Öffentlichkeit stehende Mann widmete sich dem zunehmenden Migrantenanteil mit Formulierungen wie der von

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„Kopftuch-Geschwadern“ und weiteren indiskutablen Sprachbildern, die auf potenziell ehrverletzende Weise Pauschalierungen transportierten. Und auch in Brensbach hat sich zuletzt offenbart, wie leicht bei der Kirchweih die Grenzen vom Spaß zur Würdeverletzung oder Schlimmerem überschritten werden. Denn dort sieht sich ein Gemeindevertreter persönlicher Übergriffigkeit ausgesetzt, nachdem er bei einem früheren Fest rassistische Geschmacklosigkeiten kritisierte.

Sportverein distanziert sich von Rede „Das soll die Zukunft Bad König sein?“, hatte der Bad Königer Kerbredner seinen Verbalangriffen auf Kurstadt-Zuwanderer als rhetorische Frage hintangestellt. Während er all das noch als Stilmittel der Ironie betrachtete, hörte Matthias Hofmann vom Vorstand der TSG Bad König „nur noch fassungslos zu“, wie er sagt. Er ist es, der wenige Tage nach dem Vorfall Auszüge öffentlich gemacht und scharf kritisiert hat. Die gesamte Gemeinschaft des Sportvereins und er distanzierten sich deutlich von der Kerbredd, die der unter anderem mit Böhm besetzte Förderverein der TSG als Veranstalter der Bad Königer Kerb zu verantworten habe: „Wir verurteilen das aufs Schärfste, da sie für uns den Tatbestand des Rassismus erfüllt.“ Lesen Sie hier: Debatten um Ballermann-Schlager „Layla“ nehmen kein Ende

Verknüpfte Artikel Winnetou-Debatte: Was hätte Buffalo Child gesagt? Ballermann-Lied "Layla" zum Sommerhit 2022 gekürt Kommentar zu Rassismus: Tödlich Sexismus-Debatte um Krankenkassen-Clip mit Pornodarstellerin In jeder Sparte der TSG engagierten sich sehr viele Menschen mit Migrationshintergrund. „Der geschäftsführende Vorstand begrüßt dies ausdrücklich und sagt allen Sportlerinnen, Sportlern, Bürgerinnen und Bürgern, egal welcher Herkunft, dass in unserem Verein für solche ein Gedankengut keinen Platz ist.“ Niemand habe vom Inhalt der Rede vorab Kenntnis gehabt, sagt Hofmann.

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Bündnis „Odenwald gegen Rechts“ eingeschaltet Böhm bedauert das Gesagte auf telefonische Rückfrage dieser Redaktion. „Ich habe nicht gedacht, dass meine Rede solche Folgen hat.“ Seit 17 Jahren halte er die jährliche Kerbrede und greife immer wieder Themen auf, die die Menschen beschäftigten. Dabei sei er dieses Mal über das Ziel hinausgeschossen, wie ihm nun klar geworden sei. „In meiner Ausdrucksweise war das Gesagte falsch“, so Böhm. „Rassismus war nie meine Absicht.“ Auch andere Zuhörer fanden die Rede Böhms „extrem“, wie sich in den Kommentaren auf Facebook zum Post lesen lässt. „Ein weiterer Tiefpunkt im braunen Odenwald“, schreibt ein anderer User. Lesen Sie hier: Winnetou im Kreuzfeuer: Darf man Bücher zurückrufen? Inzwischen hat sich auch das Bündnis „Odenwald gegen Rechts – bunt statt braun“ eingeschaltet. Es seien mit „rassistischem Gedankengut Späße auf Kosten von Minderheiten“ gemacht worden, so das Bündnis. Der Verein wiederum beruft sich auf die Haltung der führenden Sportverbände. So habe sich der Deutsche Fußballbund (DFB) mit seiner Kampagne „No to Racism“ klar gegen jede Art von Rassismus positioniert. Das Bündnis lobt, dass sich in allen Sparten der TSG Menschen mit Migrationshintergrund engagieren und dass im Verein – wie es der Vorstand ausdrückt – für ein Gedankengut, wie es in der Kerbredd verbreitet wird, keinen Platz ist. Böhm hat per Mail am Freitagnachmittag mitgeteilt, dass er von all seinen Ämtern bei der TSG und als Stadtverordneter der CDU zurücktritt.

Diskussionen auch in Brensbach Mit dem Streit in Bad König gibt es im Odenwaldkreis nicht zum ersten Mal Diskussionen um Inhalte und Formulierungen von Kerbreden. In Brensbach haben Vorgänge um die Kerb 2022 sogar den Weg in die Gemeindevertretung gefunden, in der Dr. Frank Volz (CDU) am Donnerstag eine persönliche Erklärung abgab. Anlass: Die Brensbacher Kerbbobbe habe auf ihrem stoffumhüllten Oberkörper, dessen Aufschrift üblicherweise ironisierende Bezüge zum Dorfgeschehen https://www.echo-online.de/lokales/odenwaldkreis/odenwaldkreis/rassismus-beim-volksfest-wenn-kerbreden-kein-spass-mehr-sind_25722316

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habe, zunächst das Wort „Vollpfosten“ getragen. Bis zur Verbrennung der Puppe am Dienstag habe sich diese Aufschrift in „Volz-Pfosten“ verwandelt. Er nehme „diesen Angriff gegen mich nicht als gegen meine Person gerichtet wahr“, sagte Volz, sondern „als ausgestreckten Mittelfinger in Richtung all derer, die rassistische Äußerungen als das benennen, was sie sind“. Er erkennt in dem Geschehen eine Reaktion auf sein Handeln im vergangenen Jahr, als er „rassistische, konkret antiziganistische Sprechchöre“ angeprangert habe: Seinerzeit, so heißt es im Protokoll der Gemeindevertretersitzung vom September 2021, spielte Volz „eine Aufzeichnung der Rede zur Kerb 2021 vor, die im Internet veröffentlicht wurde. In dieser Aufzeichnung waren rassistische Zwischenrufe Dritter zu hören“. Und weiter: „Es erfolgte eine Beratung (…), wie die Gemeindevertretung damit umgeht“. In deren Auftrag habe unter anderem er selbst das Gespräch mit Vertretern des Kerbvereins gesucht und versichert bekommen, „dass solche Ausfälligkeiten“ sich nicht wiederholen würden. Auch interessant: Verfassungsschutz warnt: Immer mehr Extremisten in Hessen Er nehme die aktuellen Vorgänge dahingehend wahr, dass er für sein „Engagement gegen Rassismus“ und sein „Eintreten im Sinne unserer Gemeinde“ abgestraft werden soll. Und er werde als Gemeindevertreter nicht ruhen, „bis wir als Gemeinschaft (…) ein klares und deutliches Zeichen“ gegen solches Verhalten gesetzt haben. Böhm hat per Mail am Freitagnachmittag mitgeteilt, dass er von all seinen Ämtern bei der TSG und als Stadtverordneter der CDU zurücktritt.

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