9.12.2020
Protest bei der Awo: „Das ist eine echte Sauerei“
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Dienstag, 08.12.2020 - 00:00 Beschäftigte des Bezirks Hessen Süd demonstrieren in Bad König gegen drohende Tarifabsenkungen und vermutete Selbstbereicherung früherer Manager.
Von Daniel Baczyk Redaktion Südhessen
Awo-Mitarbeiter, die einer Tarifabsenkung zustimmen sollen, haben am Montag vor dem Büro von Torsten Hammann in Bad König ihrer Empörung Luft gemacht. (Foto: Joaquim Ferreira)
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Protest bei der Awo: „Das ist eine echte Sauerei“
BAD KÖNIG/SÜDHESSEN - „Ich will meinen Lohn nicht hergeben, wenn sich der Herr Generalbevollmächtigte die Taschen vollgemacht hat“: Silke Holzschuh brachte auf den Punkt, warum Beschäftigte der Arbeiterwohlfahrt am Montagnachmittag in Bad König auf die Straße gingen. Die Bildungsbegleiterin in einer Awo-Behinderteneinrichtung in Erbach protestierte mit rund 60 Kolleginnen und Kollegen lautstark gegen mutmaßliche Selbstbereicherung früherer Manager des AwoBezirks Hessen Süd sowie drohende Tarifkürzungen für die Beschäftigten. „Wir wollen unserer Wut und Empörung Ausdruck verleihen“, sagte Felicitas Traudes, Konzernbetriebsratsvorsitzende bei der Awo Hessen Süd. Vor einem Steuerberaterbüro des früheren Generalbevollmächtigten Torsten Hammann, der in dem Haus in Bad König auch wohnt, versammelten sich die Demonstranten zu einer Kundgebung. Unter Verweis auf den Bericht einer Task Force warf Traudes Hammann vor, er habe „5,5 Millionen Euro in die eigene Tasche gewirtschaftet – Geld, das dem Verband jetzt fehlt“. Zudem habe der Ex-Manager Kredite an den von ihm geleiteten Bezirksverband vergeben, die er sich mit über sechs Prozent stattlich verzinsen ließ. „Moralisch ist dieses Gebaren mehr als verwerflich“, erklärte Traudes unter großem Beifall der Kundgebungsteilnehmer. „Seinen Wohlstand hat Torsten Hammann auf unsere Kosten erworben. Und die Beschäftigten sollen jetzt die Zeche zahlen.“ In Sprechchören riefen die Demonstranten: „Wir sind wütend, wir sind laut, weil Hammann unsere Kohle klaut.“ Hammann war jahrelang Generalbevollmächtigter, später Berater des Awo-Bezirksverbands. Im September kündigte der neue Geschäftsführer Ulrich Bauch den Beratervertrag fristlos. Der Bericht
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Protest bei der Awo: „Das ist eine echte Sauerei“
der Task-Force kritisiert Immobiliengeschäfte unter Hammanns Verantwortung, die nicht zum Wohl der Awo getätigt worden seien. Zudem habe er unangemessen hohe Bezüge erhalten. Derzeit laufen Gespräche von Arbeitnehmervertretern mit der neuen Geschäftsführung des Awo-Bezirks. Diese strebt wegen akuter Finanzknappheit und Insolvenzgefahr eine Tarifabsenkung für alle Beschäftigten an. Verdi-Gewerkschaftssekretär Armin Loew erinnerte die Demonstrationsteilnehmer daran, dass in Teilbereichen der Awo Hessen-Süd schon seit 16 Jahren unter Tarif bezahlt werde. Die schwierige Situation hätten nicht die Arbeitnehmer verschuldet, betonte er. Gleichwohl werde eine Tarifabsenkung zur Rettung der Arbeitsplätze wohl unvermeidlich sein. „So eine Ungerechtigkeit, das ist eine echte Sauerei“, empörte sich Sabine Wagner, Fachkraft in einer Awo-Einrichtung für psychisch Kranke in Höchst. Sie rechne mit Einbußen um 100 Euro monatlich, zudem Wegfall aller Sonderzahlungen. Informationen über die Lage der Awo erhält Wagner über den Betriebsrat und Rundmails, doch den Task-Force-Bericht hätten die Beschäftigten nicht zu sehen bekommen. „Diese Transparenz, die immer so hochgehalten wird“, sagt die Breubergerin, „die sehe ich nicht.“ Am Rand der Kundgebung wurde bekannt, dass für ein noch zu Hammanns Zeiten begonnenes Bauprojekt für Behinderte in Bad König ein Baustopp verhängt wurde. Grund seien Planungsfehler. Unterdessen warf Hammanns Rechtsanwalt Ingo Endrick Lankau der Gewerkschaft Verdi vor, eine „Pogromstimmung“ gegen Hammann zu erzeugen. Die Awo-Mitarbeiter würden durch „fehlgesteuerte Informationen“ aufgewiegelt.
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