5.4.2020
Ohne Sommersaison wird es für das Michelstädter Hüttenwerk eng
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Samstag, 04.04.2020 - 03:00 „Seit 14. März läuft bei uns gar nichts mehr“, erzählt Hüttenwerk-Betreiber Achim Tischler. Eine gewisse Zeit kann sich der 59-Jährige noch über Wasser halten, aber dann wird es eng. Von Thomas Wilken
Steht wie vieles andere auf der Kippe: Das Hoffest zu Himmelfahrt im Michelstädter Hüttenwerk. (Archivfoto: Thomas Wilken)
MICHELSTADT - Es ist einfach alles weggebrochen: die Veranstaltungen, die Gastronomie, die Vermietungen im Michelstädter Hüttenwerk. Dazu die Volksfeste, Kerwen und Open-Air-Events, deren Ausstattung mit Licht- und Tontechnik Achim Tischlers Firma sonst vielerorts übernimmt. Und darüber hinaus die musikalischen Engagements von Michi Tischler, unter anderem bei Hochzeiten. „Seit 14. März läuft bei uns gar nichts mehr“, erzählt der Hüttenwerk-Betreiber. Er ist froh, bisher gut gewirtschaftet zu haben, sodass er nicht sofort vor dem Nichts steht. Zwei Konzerte in der Woche, private Feste, Firmenfeiern, oder Bank-Motivationsveranstaltungen: Der Saal war bis in den Sommer gut gebucht. Jetzt hat Achim Tischler genau noch einen Auftrag abzuarbeiten, und das war’s dann: In Mörlenbach-Weiher montiert er in der Sporthalle eine Traverse, damit die örtliche Theatergruppe dort einen Scheinwerfer aufhängen lassen kann. Eine gewisse Zeit kann sich der 59-Jährige noch über Wasser halten. „Zum Glück habe ich nicht so hohe Verbindlichkeiten, dass mir alles um die Ohren fliegt“, sagt er. Aber es ist für ihn klar, dass er staatliche Zuschüsse beantragen wird. „Geld ist das einzige, was hilft“, sieht er keine Alternative. Und das am besten nicht zurückzahlbar. „Um ein Darlehen aufzunehmen, brauche ich den Staat nicht“, bringt er es auf den Punkt.
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Ohne Sommersaison wird es für das Michelstädter Hüttenwerk eng
Die Betreiber des Michelstädter Hüttenwerks: Achim und Michaela Tischler. Foto: Thomas Wilken
Steht wie vieles andere auf der Kippe: Das Hoffest zu Himmelfahrt im Michelstädter Hüttenwerk. Archivfoto: Thomas Wilken Tischler sieht im Shutdown nicht nur eine wirtschaftliche Katastrophe für die Kulturmacher, sondern auch eine gesellschaftliche Herausforderung. „Es fällt das weg, was wir gerne machen“, erzählt er. Denn der Hüttenwerk-Betreiber, selbst Hobby-Musiker, vermisst Gäste und Personal. „Mein Herz hängt an dem Laden“, betont er. Für seine festangestellten Mitarbeiter hat Achim Tischler bereits Kurzarbeit beantragt. Freitags fand Mitte März im Hüttenwerk noch ein Clubkonzert statt, der Samstag wurde bereits abgesagt.
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Michaela Tischler trat dienstags bei einer Tagung auf, der folgende Termin wurde gecancelt. „Das kam von jetzt auf nachher“, berichtet Achim Tischler. Er hatte bereits etliche Jobs für Ton- und Lichttechnik bei Veranstaltungen in den kommenden Wochen. Während die 47-Jährige nun als Produktionshelferin bei einem Industriedienstleister arbeitet, kümmert ihr Mann sich ums große Gelände. „Wir machen Lagerarbeiten und räumen auf“, berichtet er. „Da ist immer was zu tun.“ Die Tischlers sind da gleich gestrickt, schmunzelt er: Wenn eine Sache nicht läuft, wird was anderes gesucht: „Wir müssen ja essen.“ Es helfe nichts, den Kopf in den Sand zu stecken. „Wir müssen da halt durch, damit es weitergeht“, hebt er hervor. Sollte allerdings die Sommersaison inklusive Bienen- und Wiesenmarkt wegfallen, „dann wird es ganz eng“, weiß Achim Tischler. Denn sowohl in Erbach als auch in Michelstadt ist er gleich an mehreren Stellen eingebunden. Dazu noch die Freilichtbühne Bad König, das Finkenbach-Festival, ganz zu schweigen vom eigenen Hoffest an Christi Himmelfahrt, „das noch in den Sternen steht“ – seine Sorgenfalten werden tiefer. Der Hüttenwerker hofft darauf, dass ab dem 20. April das öffentliche Leben wieder hochgefahren wird – quasi in ähnlicher Form, wie es runtergefahren wurde, nur rückwärts. Wenn kleinere Veranstaltungen dann wieder möglich wären, könnte man peu à peu freitags wieder starten, spekuliert er. Denn die Kosten auf den 1000 Quadratmetern des Komplexes laufen natürlich weiter. Etliche Musiker, die im Hüttenwerk auftreten, haben nebenher noch einen festen Job, weiß er von Unterhaltungen. Andererseits gibt es auch viele, „die nur Musik machen“ und dringend darauf angewiesen sind, dass sie wieder auftreten dürfen. Nicht mal mehr Musikunterricht ist möglich – damit fällt ein weiteres Standbein einiger Künstler weg.
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