4.11.2020
Lockdown-Light im Odenwald: „Es sieht schlecht aus“
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Mittwoch, 04.11.2020 - 14:31 Die Gastronomie ist seit Anfang November geschlossen, die Innenstädte leerer. Gewerbetreibenden in Michelstadt und Erbach setzen auf Kundenbindung.
Von Katja Hink Lokalredakteurin Odenwälder Echo
Wie ausgestorben wirkt die Michelstädter Innenstadt zeitweise am Beginn des November-Lockdowns. (Foto: Dirk Zengel) https://www.echo-online.de/lokales/odenwaldkreis/odenwaldkreis/lockdown-light-im-odenwald-es-sieht-schlecht-aus_22543044
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Lockdown-Light im Odenwald: „Es sieht schlecht aus“
Michelstadt/Erbach - Ein früher Nachmittag Anfang November in Erbach: Der Marktplatz und die Obere Hauptstraße sind leerer als sonst. Alle Gastronomiebetriebe sind geschlossen, es gibt keinen Kaffee und kein Eis mehr. Vereinzelt schlendern Passanten über den Marktplatz. Ähnlich sieht es in Michelstadt aus. „Die Stadt ist wie ausgestorben“, sagt Christiane Adler, Vorsitzende des Gewerbevereins und Geschäftsleiterin von Henschel am Telefon. „Es sieht schlecht aus“, fasst sie die Situation in diesem wenige Tage alten „Lockdown Light“ zusammen. 180 Kunden dürften sich beispielsweise gleichzeitig bei Henschel aufhalten. „Wir würden uns freuen, wenn wir diese Grenze erreichen würden“, sagt die Geschäftsleiterin. In einer Fachzeitschrift habe sie jüngst einen Titel gelesen „die Angst ist Lockdown genug.“ Diese Überschrift empfinde sie als sehr treffend. „Jeder beglückwünscht uns, dass wir nicht zumachen müssen, aber es bringt uns überhaupt nichts, wenn rundrum alles zu macht“, schildert sie. Denn zum Einkaufen gehöre auch das Erlebnis: Durch die Stadt spazieren, einen Kaffee trinken. „Was spricht gegen einen Kaffee im Freien?“ fragt sich Adler. Das tue der Seele gut und könne für den Körper nicht schlecht sein.
Viel Geld in Hygienekonzepte investiert Sie nehme die Pandemie-Situation ernst, betont die Gewerbevereinsvorsitzende, aber manches könne sie nicht mehr nachvollziehen. Vor allem die Gastronomie habe sich so sehr bemüht, viel Geld in die Hand genommen, https://www.echo-online.de/lokales/odenwaldkreis/odenwaldkreis/lockdown-light-im-odenwald-es-sieht-schlecht-aus_22543044
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Hygienekonzepte aufgestellt. Mancher habe auch in Heizpilze investiert, schildert sie. Gastronomen in Michelstadt haben sich jetzt zusammengetan und bieten täglich abwechselnd eine Mittagsmahlzeit zum Mitnehmen an. „Das ist ein Schritt in die richtige Richtung“, sagt Adler. Und es stehe die Frage im Raum, wie es im Dezember weitergehe, zumal ja der Weihnachtsmarkt in Michelstadt bereits abgesagt ist. Es hatte ja die Hoffnung bestanden, dass die Gastronomen auf ihren Grundstücken ein bisschen Weihnachtsstimmung aufkommen lassen dürften, schildert die Vorsitzende. Auch beim Weihnachtsgeschäft rechnen Gewerbetreibende für dieses Jahr mit Einbußen, berichtet Christiane Adler. „Das wird kein Weihnachtsgeschäft, wie wir das gewohnt sind.“ 20 bis 30 Prozent Minus werden derzeit erwartet. Dabei sei der Dezember für viele Einzelhändler der wichtigste Monat im Jahr. Doch sie spürt die Zurückhaltung der Kunden. „Die Leute sind verunsichert.“ Die Stimmung sei nicht gut, „die Leute werden langsam sauer und wollen sich nicht mehr einsperren lassen“, berichtet sie. Auf den Zusammenhalt mit den Kunden setzt der zweite Vorsitzende des Erbacher Gewerbevereins, Matthias Brand, Inhaber von „Brand schöner Leben“, landläufig „Haushaltswaren Brand“. Er möchte kein düsteres Bild gezeichnet wissen, sondern möchte diese Zeit mit Optimismus bewältigen. Aber auch er hofft, dass die Situation bald wieder normal wird. „Und wir wünschen uns alle, dass die Gastronomie daran bald wieder aktiv teilnehmen kann.“ https://www.echo-online.de/lokales/odenwaldkreis/odenwaldkreis/lockdown-light-im-odenwald-es-sieht-schlecht-aus_22543044
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Kurze Wege in kleiner Kommune Für ihn sei es wichtig, das Vertrauen der Kunden zu behalten, denn diese haben in den vergangenen Monaten dem Erbacher Einzelhandel die Treue gehalten, wie er betont. „Wir haben ein großes Kundenvertrauen und daran arbeiten wir weiter.“ Dazu gehören auch die Hygienemaßnahmen, die die Gewerbetreibenden über Monate eingeübt haben, und die schon selbstverständlich seien. Als kleine Kommune habe es der Einzelhandel in Erbach mit seinen kurzen Wegen wahrscheinlich sogar leichter als die großen Zentren, schätzt Brand. „Wir sind in Erbach, Michelstadt noch in einer vergleichsweise chancenreichen Ausgangslage.“ Zudem weist Brand auch auf die in Erbach derzeit laufende Aktion „Heimatshoppen“ hin, die noch bis Dezember andauert und mit der Impulse gegeben werden sollen, lokal einzukaufen. Da stehen noch einige Aktionen an, die Corona-konform durchgeführt werden sollen. Beispielsweise werde noch die „Heimatshoppen-Familie gesucht.“ Insgesamt sei es derzeit sehr schwer, Prognosen zu stellen. „Wir fahren alle ein bisschen auf Sicht und gucken, welche Möglichkeiten es gibt, versuchen, das Beste aus dieser Situation zu machen.“
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