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Kelbert gelingt ein Abgang ganz wie seine Amtsführung
Kelbert gelingt ein Abgang ganz wie seine Amtsführung echo-online.de/lokales/odenwaldkreis/michelstadt/kelbert-gelingt-ein-abgangganz-wie-seine-amtsfuhrung_24495710 17. September 2021
Freitag, 17.09.2021 - 15:00 Mit einem locker-unkonventionellen Bürgerfest haben Michelstadt und sein seitheriger Rathauschef Stephan Kelbert voneinander Abschied genommen.
Von Gerhard Grünewald Redaktionsleiter Odenwälder Echo
In Bürgerfest-Atmosphäre hat sich Michelstadts früherer Bürgermeister Stephan Kelbert am Donnerstagabend im Hof des Stadthauses aus dem Amt verabschiedet. Mit dabei war auch Darmstadts Oberbürgermeister Jochen Partsch für die ehemaligen Amtskollegen, eine Goldene Mülltonne erhielt er als Symbol für seine künftige Arbeit an der Spitze des Müllabfuhr-Zweckverbands. Foto: Ernst Schmerker
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Kelbert gelingt ein Abgang ganz wie seine Amtsführung
MICHELSTADT - Lange mutete es am Donnerstagabend im Hof des Michelstädter Stadthauses so an, als hätten sich die dort Versammelten ausschließlich der Anteilnahme am Brutzeln garender Bratwürste verschrieben. Dann aber bekam das Grillgeräusch doch noch Konkurrenz von Lautsprechertönen, die das eigentliche Anliegen der Gesellschaft transportierten: das Schnüren eines Schleifchens um die Bürgermeisterschaft von Stephan Kelbert. Und es war der scheidende Rathauschef selbst, der diesem Knoten eine unverwechselbare Form gab. Hier der ziemlich unvermittelt erfolgreiche Griff eines parteilosen und vergleichsweise jungen Umwelttechnikers nach der Bürgermeisterstelle, dort deren ebenso unorthodoxe Preisgabe nach zwei Regierungszeiten im Alter von gerade mal 55 Jahren, dazwischen ein erfüllendes, aber eben manchmal auch erschöpfendes Wirken - nichts hätte Kelberts Interaktion mit der Führung der größten Stadt des Kreises besser charakterisieren können als seine eigene Rede am Abschiedsabend. Die wiederum hielt er nach eigenem Bekunden im Gefühl eines "Wechsels in voller Fahrt": Mit der Amtseinführung von Nachfolger Tobias Robischon (57) vom Freitagabend steht das Stadtleben bereits unter neuen personellen Vorzeichen. So unkonventionell die Michelstädter und Kelbert ihre Verbindung angebahnt, wieder beendetet und zumindest zum Teil auch ausgestaltet hatten, so unorthodox legte der aus Erbach stammende Lehrersohn seine letzte Rede als Bürgermeister an: Eine Minute für einen Gedanken pro Amtsjahr hatte sich Kelbert mit dem Wunsch nach einem Abend der ungezwungenen Begegnung und des direkten Gesprächs selbst als Maß vorgegeben, um dieses nicht nur zeitlich einzuhalten, sondern auch mit einem Optimum an geistiger und emotionaler Intensität zu füllen. https://www.echo-online.de/lokales/odenwaldkreis/michelstadt/kelbert-gelingt-ein-abgang-ganz-wie-seine-amtsfuhrung_24495710
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So machte Kelbert keinen Hehl daraus, dass ihm sein vermeintlich souveräner Abgang am Schluss doch noch zu schaffen machte, weil es sicher eine Gunst gewesen sei, an der Spitze "dieser verdammt schönen Stadt" zu stehen. Und er offenbarte auch die Unsicherheit gegenüber dem "Abfall in eine relative Bedeutungslosigkeit", die ihm nun drohe. Letztlich aber bekräftigte er das Mehrgewicht des Bedürfnisses nach Wiedereintritt in ein Leben zeitlicher und inhaltlicher Selbstbestimmtheit gegenüber der Ambition zur Stadtführung. Die im Amt angelegte Herausforderung beschrieb Kelbert mit einem Zitat, wonach die Bürgermeisterschaft eigentlich drei Berufsbilder umfasst: das des Politikers, das des Managers und das des Pfarrers. Für alle drei versuchte sich der Umwelttechniker an einer Selbstbewertung nach dem System des European Song Contest - und kam hier auf die Fußangeln jeglicher Stadtführung zurück: der Erfolg hänge hier so stark vom Wollen der Parteien ab, dass die von ihm propagierte völlige Unabhängigkeit sich vor allem als ein Zeichen der Naivität herausgestellt habe. Auch wenn dies laut Kelbert bis in die Verwaltungsführung wirkte, sah er sich in diesem Genre unbeeindruckter und erfolgreicher positioniert. Als eigentliche Stärke aber machte er die Interaktion mit den Menschen aus: "Politiker drei Punkte, Manager sechs, Pfarrer zwölf", resümierte der Bürgermeister in der ironischen Gelassenheit, mit der sich auch Tiefgründiges schadlos ans Ziel bringen lässt. Dementsprechend kam das Fazit daher: "Wir haben nicht viel Beton angerührt und dennoch viel geschafft." Auf die Unverwechselbarkeit Kelberts, die maßgeblich zur Festigung der Alleinstellungsmerkmale Michelstadts beigetragen habe, hob denn auch die Einordnung ab, die Stadtverordnetenvorsteher Andreas Klar mit seiner Laudatio https://www.echo-online.de/lokales/odenwaldkreis/michelstadt/kelbert-gelingt-ein-abgang-ganz-wie-seine-amtsfuhrung_24495710
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traf: Unabhängig von der zeitlichen Spanne seiner Arbeit als Bürgermeister habe Stephan Kelbert in Michelstadt eine Epoche geprägt. Als Bürgermeister Jan-Frans Mulder (Hulst) im Namen der Partnerstädte für das europäische Element dieser Ära das Wort ergriff, erwies sich dies allerdings als Türöffner für den Drang fraktioneller, institutioneller und persönlicher Kenner, auch ihre jeweilige Detailsicht auf Amtsführung und Eigenschaften Kelberts noch unter die Leute zu bringen. Dem Bürgerfest-Charakter des Abends freilich konnte auch das nichts anhaben, weil abseits einiger amüsanter Anekdoten wie etwa der von der fußballerischen Vorliebe des Bürgermeisters für Kickers Offenbach ein konkurrierender Sinneseindruck immer vernehmlicher Comeback feierte: das Brutzeln der Bratwürste, mit deren Tonalität erst wieder das Rauschen aus den Zapfhähnen und die Melodien der als Festmusik aufspielenden Duo-Fassung der Band Øl mithalten konnten.
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