5.8.2021
Franks drei Minuten: Zum Tod von Rüdeger von Lutzau
Franks drei Minuten: Zum Tod von Rüdeger von Lutzau mittelhessen.de/lokales/wetzlar/wetzlar/franks-drei-minuten-zum-tod-von-rudegervon-lutzau_24241224 5. August 2021
Unser Kolumnist erinnert an den Piloten, der im Herbst 1977 die Maschine mit Hans-Jürgen Wischnewski an Bord nach Mogadischu flog - und Anfang des Monats verstorben ist. Von Frank Mignon
Unser Kolumnist Frank Mignon. Foto/Montage: Steinhaus
WETZLAR - Die Entführung der Lufthansa-Maschine "Landshut" im Herbst 1977 bleibt für viele Menschen ein bedrückendes Ereignis, ganz besonders für jene, die unmittelbar beteiligt waren. Flugkapitän Jürgen Schumann wurde von den palästinensischen Terroristen an Bord ermordet und eine Stewardess wurde zum "Engel von Mogadischu": Gabriele Dillmann, heute Gabriele von Lutzau, kümmerte sich nicht nur um die Passagiere, sondern setzte auch den bewegenden letzten Funkspruch auf dem Flugfeld in Mogadischu ab, in dem Bundeskanzler Helmut Schmidt zum Handeln aufgefordert wurde.
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Franks drei Minuten: Zum Tod von Rüdeger von Lutzau
Was die damals 22-Jährige nicht wissen konnte: Ihr Verlobter, der Lufthansa-Pilot Rüdeger von Lutzau, saß nicht weit entfernt im Cockpit einer Boeing 707 auf dem gleichen Flughafen, hatte er doch mit seiner Crew den als gewieften und zuverlässigen Verhandler geschätzten Staatsminister Hans-Jürgen Wischnewski samt einer Delegation an den Ort des Geschehens gebracht. Er konnte alle Funksprüche mithören und erlebte auf erschütternde Art und Weise mit, wie der Lebensmut seiner Verlobten und deren Passagiere immer weiter sank, als die barbarischen Terroristen begannen, die Insassen der "Landshut" mit Alkohol zu übergießen, damit diese "besser brennen", wenn die Sprengstoffladungen detonieren. Rüdeger von Lutzau erlebte die schier endlosen Wartezeiten voller Unsicherheit ebenso mit wie letztendlich Stürmung der "Landshut", in der die noch relativ junge Eingreiftruppe GSG 9 ihr Meisterstück vollbrachte. Gabriele von Lutzau schilderte in vielen Interviews den Moment, als nach einer kurzen Detonation deutsche Stimmen "Köpfe runter, wo sind die Schweine?" riefen. Dann wurde geschossen, drei der vier Terroristen starben im Kugelhagel, eine palästinensische Terroristin überlebte und kam durch das höhnische Victory-Zeichen, das sie noch auf der Trage liegend in die Höhe zeigte, noch zu zweifelhaftem Weltruhm. Trotz dieser schrecklichen Vorfälle war die Geschichte der "Landshut" letztendlich auch eine Geschichte des Gelingens, des Mutes und der Zuversicht. Denn so unwahrscheinlich es auch im Vorfeld der Befreiungsaktion schien: Es kam kein Passagier zu schaden, alle wurden befreit und sowohl das Können der GSG 9 unter der Leitung von Oberst Wegener als auch das großartige diplomatische Geschick des als "Ben Wisch" bekannten Staatministers Wischnewski führten zu einem glücklichen Ende. Wobei ein besonderer Moment auch jener gewesen sein dürfte, in dem die völlig verdutzte Gabriele Dillmann mitten im Durcheinander am Flughafen Mogadischu ihrem Verlobten und
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späteren Ehemann Rüdeger gegenüberstand, denn sie hatte keine Ahnung, dass er ihr in Erfüllung seines Dienstes die ganze Zeit hinterher geflogen war. Am Montag dieser Woche ist Rüdeger von Lutzau gestorben und ich bin froh, noch im letzten Jahr ausgiebig mit ihm telefoniert zu haben, denn obwohl ich eigentlich nur seine Gattin zur Vorbereitung eines Skype-Interviews sprechen wollte, verloren wir uns sofort in einem launigen und freundlichen Gespräch über die Welt, die Ereignisse vom Herbst 1977 und sein Leben als Pilot, der später noch als Kapitän den "Jumbo-Jet" samt tausenden Passagieren sicher zu ihren Zielen brachte. Voller Hochachtung sprach von Lutzau über das Engagement seiner Ehefrau zum Erhalt der "Landshut" samt Ausstellung an einem angemessenen Ort, ein Anliegen, dass Gabriele seit dem Auffinden der ausgemusterten Maschine in Brasilien energisch und mit großem Einsatz verfolgt. Beide verbindet wohl der unbequeme, unabhängige und freie Geist der Tatkräftigen, denn auch Rüdeger blieb nicht zu Hause auf dem Sofa, sondern wurde nach seiner Pensionierung Ortsvorsteher und engagierte sich in einer unabhängigen Wählerliste. Immer wieder schreibt das Leben Geschichten, die es wert sind, erzählt zu werden. So wie die Geschichte von Gabriele und Rüdeger von Lutzau. Für Rüdeger von Lutzau, geboren 22.05.1951, verstorben 02.08.2021
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