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Für Gastronomen ist die Öffnungsstrategie keine Perspektive | www.Presse-Echo.de

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Für Gastronomen ist die Inzidenz-getriebene Öffnungsstrategie keine Perspektive

Für Gastronomen ist die Inzidenz-getriebene Öffnungsstrategie keine Perspektive main-echo.de/regional/stadt-kreis-aschaffenburg/vom-warten-der-wirte-art-7244442 10. März 2021

"Von der Realität so weit entfernt wie die Erde vom Mond" 10.03.2021 - 18:16 Uhr Die Gaststätte Zeughaus in Aschaffenburg. Ob der beliebte Biergarten bald öffnet, hängt auch von der Inzidenz in der Stadt ab. Foto: Petra Reith

Das Hofgut Hörstein in Alzenau. Ob die beliebte Terrasse bald öffnet, hängt auch von der Inzidenz im Landkreis ab. Foto: Petra Reith Foto: Petra Reith »Das ist von der Realität so weit entfernt wie die Erde vom Mond, kompletter Unsinn«, schimpft Enrico Link. Der Inhaber der Gastronomie im Park Schönbusch in Aschaffenburg und der Gaststätte Alte Post in Alzenau ärgert sich über die Öffnungsperspektive, die die Ministerpräsidentenkonferenz der Branche https://www.main-echo.de/regional/stadt-kreis-aschaffenburg/vom-warten-der-wirte-art-7244442

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am 3. März präsentiert hat. Link steht nicht alleine mit seiner Kritik an den neuesten Corona-Beschlüssen. Denen zufolge soll die Außengastronomie ab 22. März öffnen können. Erste Voraussetzung: eine örtliche Sieben-Tage-Inzidenz unter 100 an 14 aufeinanderfolgenden Tagen vor der geplanten Öffnung. Ohne Auflagen aufsperren dürfen allerdings nur Biergärten und Terrassen in Städten und Landkreisen, in denen die Inzidenz stabil unter 50 liegt. Liegt sie über 50 aber unter 100 müssen Gäste einen tagesaktuellen Schnell- oder Selbsttest vorlegen und vor dem Besuch Plätze reservieren. »Wie soll das alles funktionieren?«, fragt Enrico Link. Bevor er im Schönbusch öffnen könne, brauche er drei bis vier Tage Vorlauf. Zum Putzen, zum Wareneinkauf, zum Vorkochen und zur Einrichtung der Außenfläche. In diesen drei bis vier Tagen entstünden ihm allein 4000 bis 6000 Euro Personalkosten. Ohne dass auch nur ein einziger Cent verdient werde. Gut und schön. Doch was, so Link, wenn kurz nach oder am Tag der Öffnung die Inzidenz drei aufeinanderfolgende Tage lang auf über 100 steige? Dann müsse er den CoronaBeschlüssen entsprechend wieder schließen. Will heißen: Personal zurück in die Kurzarbeit, Vorgekochtes und eingekaufte Frischeprodukte in die Tonne. Enrico Link sagt: »Eine Öffnung ziehen wir nur dann in Betracht, wenn die Inzidenz stabil und deutlich unter 100 liegt. In der Stadt Aschaffenburg ist das gegenwärtig nicht der Fall. Sie schwankt seit einigen Tagen mal unter, mal über 100. Die Inzidenz-Regelung ist für Link nicht das einzige Ärgernis. Zum bereits im Vorjahr üblichen Registrieren der Gäste komme nun die Kontrolle der Schnell- oder Selbsttests hinzu sowie das Führen von Reservierungslisten. »Das ist ein irrsinniger Aufwand«, sagt Link. Und: Durch die vermehrten Tests würden mehr positiv getestet und die Inzidenz steige allein durch diesen Umstand. Noch mehr bringen Link die falsch-positiven Tests auf die Palme. Er rechnet vor. Wenn man binnen sieben Tagen 70.000 Aschaffenburger testet und nur ein Prozent der Tests falschpositiv ist, gelten 700 Getestete als falsch-positiv. Pro Tag demnach 100 pro 70.000 Einwohner. Auf 100.000 Einwohner hochgerechnet rund 143. Eine Sieben-Tage-Inzidenz von 143 nur durch falsch positiv Getestete. Er frage sich, ob die Politik solche Berechnungen nicht anstelle. So auch Michael Schwägerl, der Geschäftsführer des unterfränkischen Hotel- und Gaststättenverbands. »Mehr Schnelltests, mehr Infizierte« - das sei doch klar, sagt Schwägerl. Zudem fehlten bis dato jegliche Informationen zu den Schnelltests. »Wie soll die Gastronomie diese Teststrategie denn umsetzen?«, fragt Schwägerl. Und weiter: »Warum setzt die Politik nicht die Strategie des vergangenen Jahres fort?« Die überprüfbaren

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Hygienekonzepte hätten mit Bestätigung des Robert-Koch-Instituts funktioniert. Und die Öffnung sei mit einem »klaren Plan« schrittweise vollzogen worden. Derart konkrete Öffnungsperspektiven, so Schwägerl, gebe es in diesem Jahr nicht. So spiegeln Ungewissheit und Unentschlossenheit die gegenwärtige Gemütslage in der Branche. Er sei hin- und hergerissen, sagt Ottel Schön. Zwar bereite er so gut es geht die Öffnung seines Biergartens in Aschaffenburg vor. Aber das Risiko durch die Inzidenz sei ihm natürlich bewusst. In Ottels Biergarten werde deshalb zunächst auf kleiner Flamme gekocht. Er denke an Bratwurst, Hähnchen, Salate. Man wisse ja nicht, ob man nicht eingekaufte Waren bald wieder wegschmeißen müsse. Schön befürchtet auch Personalprobleme: Nach siebenmonatiger Schließung sei ja überhaupt nicht sicher, ob die Servicekräfte sich nicht längst andere Jobs gesucht hätten. Von überschaubarem Wareneinsatz spricht auch Arno Wagner, Geschäftsführer der Aschaffenburger Hofgarten-Gaststätte. Zu Ostern, meint er, wolle man im Biergarten startklar sein. Glücklich über die Vorgaben sei er nicht. »Wir müssen aber ein Signal geben«, ist er überzeugt. »Ich stelle mich für Ostern auf To-Go-Geschäft ein«, sagt Edda Hein-Barnetzki, Patronne im Hofgut Hörstein in Alzenau. Sie wisse einfach nicht, ob die Rechnung mit der Inzidenz aufgehe. »Kaufen wir neues Bier und schütten es dann wieder weg?« - das seien Fragen, die sie umtrieben. To-Go sei einfach sicherer. Fabian Roth, Juniorchef im Weibersbrunner Jägerhof: »Wir wissen noch nicht, ob wir zum 22. März öffnen.« Zwar könne man nicht bis zum Sankt Nimmerleinstag geschlossen halten, aber angesichts des noch kalten Wetters und der Inzidenz-Problematik mache es eigentlich keinen Sinn, so frühzeitig zu öffnen. Roth ärgert sich, dass es für seine Branche keine Perspektive gibt. »Wir können nach Mallorca fliegen, aber wir können keinen Urlaub im Spessart machen«, sagt er. Philipp Stürmer, Inhaber von Scampi und Zeughaus in Aschaffenburg, beklagt, dass es keine Perspektive für die Öffnung der Innengastronomie gebe. Es sei eben schwierig, wenn man nur auf das Wetter angewiesen sei. Er sei sich deshalb noch unschlüssig, wann er öffne. Vermutlich werde er darüber auch sehr kurzfristig entscheiden. Auch Benjamin Döll will abwarten, so lange es geht. Er glaubt aber nicht, dass sein Baaila in Alzenau am 22. März an den Start geht. Es sei schwierig, die Vorgaben umzusetzen. Aber: »Meine Leute wollen wieder arbeiten, sie stehen in den Startlöchern.« Döll sieht das Wetter als großes Problem an, da die Gäste bei Regen ja nicht in die Gaststätte ausweichen können. Immerhin versucht er, in Zukunft Poseidon ein Schnippchen zu schlagen: mittels einer überdachenden Zeltkonstruktion. Jürgen Overhoff

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Ohne Fokus auf Inzidenzen öffnen Die Corona-Beschlüsse zur möglichen Öffnung der Außengastronomie ab frühestens 22. März zeugen von bemerkenswerter Ahnungslosigkeit derjenigen, die sie am 3. März verabschiedet haben. Und von deren Gleichgültigkeit der Branche gegenüber. Denn man fragt sich schon, warum die Ministerpräsidenten-Runde offensichtlich keinen GastronomieExperten zurate zog, bevor sie einen kruden Wirrwarr aus Inzidenzen, Schnell- und Selbsttests sowie Terminbuchungen auf den Weg brachte. Ein solcher Experte oder eine solche Expertin hätte den Herrschaften eindringlich klar machen können, dass Gastronomie in hohem Maße auf Planbarkeit angewiesen ist und deren Öffnung darum nicht an Inzidenzwerten festgemacht werden kann. Denn die aus welchen Gründen auch immer in der Krisenbewältigung zum Hauptentscheidungskriterium geratene Inzidenz steht für Unwägbarkeit. Sie kann stabil sein, sie kann aber genauso gut starken Schwankungen ausgesetzt sein. Die Stadt Aschaffenburg liefert gegenwärtig ein gutes Beispiel dafür: Seit Tagen bewegt sie sich mal knapp über, mal knapp unter 100.Gesetzt den Fall, daran ändert sich in den nächsten 14 Tagen nichts, können die Wirte in der Stadt sowieso nicht öffnen. Bleibt sie zwar knapp, aber doch konstant unter 100, ginge das schon. Theoretisch. Praktisch ist eine Öffnung unter diesen Bedingungen aber in hohem Maße riskant. Denn gerät die Inzidenz drei Tage lang aus den 100er-Fugen, ist die Öffnung hinfällig. Und das viele Geld, das sie die Wirte kostet, geht den Bach hinunter. Fährt sich eine Gaststätte doch nicht in wenigen Stunden von alleine hoch. Es braucht dazu Personal: Putzen, Waren einkaufen, vorkochen, Getränke einkühlen und so weiter. Nur wer eine gewisse Planungssicherheit hat, investiert deshalb in die Öffnung. Inzidenz steht indes für Planungsunsicherheit. Dies gilt besonders vor dem Hintergrund der massenhaft geplanten Schnelltests: Mehr Tests sind gleichbedeutend mit mehr Infizierten und mit steigender Inzidenz. Deshalb sollte die Politik schnellstmöglich von der Praxis abrücken, Öffnungen von Inzidenzen abhängig zu machen.Im vergangenen Sommer und Herbst haben die Gastronomen mit überzeugenden Hygienekonzepten bewiesen, dass ihre Betriebe keine Pandemietreiber sind. Mehr noch: Vielleicht waren sie sogar Partner bei der Pandemiebekämpfung. Denn wer sich unter strengen und kontrollierbaren Auflagen in Gaststätten versammelt, trifft sich schon mal nicht in privater Runde ohne kontrollierbare Auflagen.Es wird höchste Zeit, dass die Politik sich darauf besinnt und eine Öffnung von Außen- aber auch Innengastronomie zeitnah ermöglicht. Nach fast siebenmonatiger Schließung stünde andernfalls zu befürchten, dass die so wunderbare Gaststätten-Kultur im Lande Geschichte wird. Über den Autor

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