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http://www.mallorcazeitung.es/lokales/2015/07/30/nachbarurlauber/37774.html
Exzesse an der Playa de Palma: Mein Nachbar, der Urlauber Frank Feldmeier
Dídac Martorell spricht kein Deutsch, „Scheiß drauf" kommt aber trotzdem akzentfrei über seine Lippen. Die Gröhlhits von der Playa de Palma bekommt der 22jährige Anwohner täglich zu hören, „egal ob morgens oder abends, egal ob die Leute betrunken sind oder nicht". Und wenn er die Gruppen junger Männer anspreche („Shut up, I live here"), werde er nur ausgelacht. Die Urlauber könnten sich offenbar nicht vorstellen, dass hier auch jemand wohne. Der Mallorquiner, der sich in der Bürgerinitiative Collectiu Es Tallant für die Geschichte und Kultur in Arenal einsetzt, ist einer von mehr als 30.000 Anwohnern, die sich die Playa de Palma in Spitzenzeiten mit ebenso vielen Urlaubern in insgesamt 116 Hotels teilen – und alle Exzesse hautnah miter leben. Diese sind nicht nur ein Ärgernis für alle Residenten, die nachts schlafen wollen, statt zu feiern. Die sich verschärfenden Konflikte zeigen auch, worum es bei der jetzt wieder aufgekommenen Debatte über die Grenzen des Massentourismus auf Mallorca geht. Martorell wohnt im Viertel Les Maravilles, einer einstigen Urbanisation für Sommerfrischler aus Palma. Ab den 70er Jahren wurden hier Hotels hochgezogen. Die touristische Infrastruktur hat nach und nach alles vereinnahmt. Statt Supermärkten gibt es hier nur Souvenir läden mit Erfrischungsgetränken, die Strandtücher mit nackten Frauen vor die Tür hängen, und statt Eckkneipen nur Touristencafés, deren Wirte kein oder wenig Spanisch sprechen, geschweige denn Mallorquinisch. Und auf den Balkons nebenan sieht man keine Landsleute Siesta halten, sondern auch mal nackte Deutsche, die mit einem Griff in den Schritt Passantinnen imponieren wollen. Mal fallen Handtücher auf den Stromleitungen ins Auge, mal Klopapier auf dem Gehsteig, nicht zu reden von den täglich auf den Mauern abgestellten Bierdosen. Es ist ein Albtraum", sagt Joana Femenías. Die 77Jährige ist Vorsitzende der Anwohnervereinigung in Les Maravilles und hat den Sittenverfall in der Gegend über Jahrzehnte beobachtet. „Früher war das hier wie Es Trenc, nur 20mal schöner", sagt sie. Heute muss sie hin und wieder Betrunkene wecken, die sich auf ihre Terrasse verirrt haben. Dass sich die Zustände eines Tages bessern, daran mag sie nach den vielen vollmundigen Versprechen der wechselnden Politiker über mehr Kontrollen und die Modernisierung der Urlauberhochburg nicht mehr glauben. Im Kampf gegen die Exzesse stehe man oft alleine da, meint Martorell – viele Anwohner oder deren Freunde und Bekannte arbeiteten schließlich selbst in der Tourismusbranche und scheuten die Konfrontation mit den Hoteliers. Andere Anwohner dagegen nahmen die Sache auch schon mal selbst in die Hand: So wurden im Juni zwei deutsche Urlauber mit dem Luftgewehr angegriffen, als sie offenbar gerade an eine Hauswand pinkelten. Auch die 2014 von der konservativen Vorgängerregierung beschlossene Verordnung für ziviles Miteinander mit ihren viel diskutierten Benimmregeln für die Urlauber hat nach Ansicht vieler Anwohner nichts gebracht. Jetzt steht das Regelwerk ohnehin wieder auf dem Prüfstand. Einerseits soll die umstrittene Verordnung für ziviles Miteinander Ende des Jahres abgeschafft werden – der neuen Linksregierung gilt das Regelwerk als Bevormundung der Bürger, beispielsweise Straßenkünstlern werde das Leben schwer gemacht. Anderer seits sollen aber die Benimmregeln für Urlauber weiterhin gelten. Ob das mit einem neuen Regelwerk oder bestehenden Verordnungen passiert, ist unklar. Auf jeden Fall müssen mehr Polizisten her. Um der Lage Herr zu werden, sollten Beamte paarweise und zu Fuß kontrollieren, erklärt Llorenç Carrió, für den Bezirk der Playa de Palma zuständiger Stadtrat. Man wolle informieren und abschrecken – und erst dann Knöllchen verteilen, wenn sonst nichts helfe. Angesichts der