Energiewahn in der Wachstumswirtschaft

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INSTITUT FÜR WIRTSCHAFTSFORSCHUNG UND GESELLSCHAFTSPOLITIK

Energiewahn in der Wachstumswirtschaft Die Lüge vom Atomausstieg – und wie er wirklich geht von Rico Albrecht

„Wir brauchen keine Atomkraft, denn der Strom kommt aus der Steckdose…“ ist ein gern gebrauchtes Schlagwort, wenn man sich über Atomkraftgegner lustig machen will. Und dann fragt man sie, wo der ganze Strom denn herkommen soll. Viel intelligenter wäre jedoch die Frage, wo er eigentlich hingeht… Ewiges Wirtschaftswachstum ist der heilige Gral, den alle Systempolitiker suchen, denn „Wachstum schafft Arbeit“ und „Sozial ist, was Arbeit schafft…“ Egal, wie unsinnig oder gar schädlich die jeweilige Arbeit auch sein mag – jeder beschwert sich, wenn man ihm seine Arbeit abnehmen will. Hinterfragt man diesen Umstand aber genauer, dann geht es den Menschen jedoch nicht um Arbeit sondern um Einkommen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) gilt als Indikator für unseren Wohlstand. Wächst das BIP, dann geht es uns angeblich gut, bleibt es einmal „nur“ gleich, dann soll dies eine große Krise sein. Dabei gibt das BIP jedoch nur den Wert aller Waren und Dienstleistungen an, die innerhalb eines Jahres verbraucht werden. Neben den notwendigen Dingen, die den Menschen dienen, wird das BIP also auch dadurch erhöht, dass z.B. Waffen und Munition verbraucht werden, immer mehr kranke Menschen Medizin verbrauchen, sich immer mehr Menschen gegenseitig betrügen und dann verklagen, gigantische Propaganda- und Verwaltungsapparate die Menschen drangsalieren, immer mehr Ressourcen zu Müll verarbeitet werden und bei alldem immer mehr Energie verbraucht wird. All das schafft zwar jede Menge Arbeit, aber ist das etwa sozial? Theoretisch gibt es auch Möglichkeiten, Einkommen zu generieren, das vom Wirtschaftswachstum und dem damit verbundenen Arbeitseinsatz und Energieverbrauch unabhängig ist. Man findet solche Lösungen jedoch leider nur jenseits des Tellerrandes unserer herrschenden Finanz- und Wirtschaftssysteme, weshalb sie bisher in Medien, Bildungswesen und Politik kaum diskutiert werden. Der Ausweg aus der Energieproblematik liegt in der Umstellung des Wirtschaftssystems, das auf ewiges Wachstum ausgelegt ist, auf eine Neuordnung, die einer ethisch einwandfreien Bedürfnisbefriedigung dient und Wohlstand auch ohne Wachstum ermöglicht. Solche Systeme gibt es in der Theorie schon lange – und sie würden auch praktisch funktionieren, wenn man sie nur zuließe. Doch bevor solche Ansätze von den Machthabern überhaupt diskutiert werden, schlittern wir von einer Umweltkatastrophe in die nächste, denn der ewige Wachstumswahn zwingt uns, immer größere Risiken bei der Energiegewinnung einzugehen. Kaum ist die bisher größte Ölkatastrophe aus unserer Wahrnehmung verschwunden, haben wir nun – auch wenn dies inzwischen ebenfalls kein öffentliches Thema mehr ist – den nuklearen Super-GAU in Japan. „Tsunami“ ist ein japanisches Wort. Das kommt daher, dass man solche Riesenwellen in Japan schon kannte. Trotzdem baute man Kernkraftwerke direkt … Wissen bedeutet Einfluss nehmen … An d r e a s P op p


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