WIRTSCHAFT SÜDHESSEN
24. März 2015 | Von dpa/hit |
Chinesen übernehmen Steuer bei Pirelli Beteiligungen – Staatskonzern hält bereits mehr als ein Viertel der Anteile – Synergien bei Nutzfahrzeugreifen
Im Rennsport sind Reifen von Pirelli eine feste Größe. Foto: dpa
Es könnte eine der größten chinesischen Übernahmen im Ausland werden. Chem China will Italiens Reifenhersteller Pirelli kaufen. Hat der Milliardendeal Auswirkungen auf das Reifenwerk im Odenwald? MAILAND/BREUBERG. Der staatliche chinesische Chemiekonzern Chem China greift nach dem italienischen Reifenhersteller Pirelli. In einem ersten Schritt hat sich die China National Chemical Corporation (Chem China) 26,2 Prozent der Anteile für knapp 1,9 Milliarden Euro gesichert, wie das Unternehmen am Montag in Peking mitteilte. Das Paket sei dem Mehrheitseigner Camfin abgekauft worden. Der Preis je Aktie habe 15 Euro betragen, was jetzt auch allen anderen PirelliAnteilseignern angeboten werde. Pirelli hat eine komplizierte Kontrollstruktur. An der Holding Camfin ist der PirelliVorstandsvorsitzende Marco Tronchetti Provera beteiligt. Vor einem Jahr hatte sich zudem der russische Ölkonzern Rosneft zu 50 Prozent an Camfin beteiligt. Dem Vernehmen nach will Rosneft nun teilweise Kasse machen, weil der Konzern unter dem niedrigen Ölpreis und den gegen Russland verhängten Sanktionen leidet. Gesamtwert: Mehr als sieben Milliarden Euro Sollte Chem China mit dem Gebot über seine hundertprozentige Tochter China National Tire and Rubber Company erfolgreich sein, würde der fünftgrößte Reifenhersteller der Welt bei der Transaktion insgesamt mit 7,1 Milliarden Euro bewertet. Am Ende soll Chem China 65 Prozent der Aktien halten, die italienischen Aktionäre um Tronchetti Provera und die Banken Intesa und Unicredit 22,6 Prozent sowie Rosneft 12,4 Prozent. Die Italiener erhoffen sich von dem neuen Großaktionär einen besseren Zugang zum asiatischen Markt. So soll das Geschäft mit LastwagenReifen mit Teilen von Chem China zusammengelegt und so das Volumen in dem Bereich von sechs auf zwölf Millionen Reifen verdoppelt werden. Weiteres Ziel der Transaktion: Pirelli von der Börse zu nehmen, um in Ruhe den Traditionskonzern umbauen zu können. Zu möglichen Auswirkungen der Transaktion auf die Pirelli Deutschland GmbH und den Standort Breuberg gab es gestern keine offizielle Mitteilung. Dafür sei es zu früh, sagte ein PirelliSprecher in München auf Anfrage. Aus dem Umfeld des Unternehmens kam die Einschätzung, dass Chem China sicherlich kein passiver Investor ist, sondern das Steuer übernehmen und Synergiepotenziale heben werde. Für Breuberg bestehe aber wohl keine Gefahr – der Standort sei profitabel und arbeite sehr eng mit den Premiumkunden der Autoindustrie zusammen. Solche wertvollen Strukturen werde Chem China nicht aufs Spiel setzen, heißt es. PirelliAnteile hatten sich wegen der Spekulation über eine mögliche Offerte in den vergangenen Wochen bereits deutlich verteuert. Sie erreichten den höchsten Stand seit Anfang 2002. Am Freitag beendete die PirelliAktie den Handel bei 15,23 Euro und damit leicht über dem Angebotspreis der Chinesen. Pirelli war es zuletzt gelungen, trotz sinkender Autoverkäufe in Europa seine Marge zu stärken. Im abgelaufenen Jahr war der Betriebsgewinn um fast sieben Prozent auf 838 Millionen Euro gestiegen. Chem China ist ein Industriekonzern mit Exporten in 140 Länder und rund 36 Milliarden Euro Umsatz. Während Pirelli mehr Zugang auf dem größten Automarkt der Welt in China gewinnt, könnte die Kooperation Chem China neue Chancen auf dem europäischen Markt eröffnen. Sein Vorsitzender Ren Jianxin sagte, man wolle einen weltweiten