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Der Odenwald: Ein deutsches Märchenland!

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huffingtonpost.de

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Der Odenwald: Ein deutsches Märchenland! Gregor Bergemann

Mitten in Deutschland liegt eine Region, die abgeschiedener kaum sein kann. Der Odenwald ist weder wirtschaftlich noch touristisch eine Größe, doch kaum eine Landschaft ist näher an den Sehnsuchtsbildern von uns Deutschen als das Mittelgebirge zwischen Rhein, Main und Neckar.

Herbst im Odenwald (Foto: Jreiners/WikiCommons CC BY­SA 3.0) Dichte Wälder, stolze Burgen, wilde Bäche ­ und mittendrin Ruinen der alten Römer und der Schauplatz des Kampfes Siegfrieds gegen den Drachen. Wo ist Deutschland mehr Deutschland? Der Odenwald, das Land der Niebelungensage und die Heimat von Grimms Märchen. Man fühlt sich, als könne jeden Moment Rotkäppchen oder der böse Wolf um die Ecke kommen. Gruseln auf dem Frankenstein! Tatsächlich erhebt sich als erste Erhebung aus der Rheinebene das Frankensteinmassiv. Darauf die Burgruine Frankenstein. Es halten sich hartnäckig Gerüchte, dass die amerikanische Autorin Mary Shelley ihr Frankensteinmonster nach dieser Burg benannt hat.


Burg Frankenstein (Foto: Frank Vincentz/GNU) Dort habe im Mittelalter ein Alchemist gelebt, dessen gruseliges Wirken die Schriftstellerin bei einer Deutschlandreise inspiriert haben soll. Auf jeden Fall hat man vom Frankensteinmassiv aus einen fantastischen Blick über das Rhein­Main­Gebiet, das Flach wie eine Flunder vor dem Odenwald liegt und dessen dicht besiedelte Städte nachts mit den Sternen um die Wette funkeln. Rauf auf den Melibokus! Neben dem Frankenstein erhebt sich der Melibokus, ein Berg ebenso faszinierend wie sein Name. An seinen niederen Hängen liegt ein Weinbaugebiet und es ist jener Ort, in dem es in Deutschland jedes Jahr aufs Neue als erstes Frühling wird. Ohnehin schon eine milde Gegend, besteht hier ein Mikroklima, das nicht nur dem Wein gut bekommt, sondern die Landschaft fast schon südländisch wirken lässt.


Die Starkenburg (Foto: Marco Mayer/GNU) Was versteckt sich im wilden, dunklen Wald? Sobald man jedoch die sanften Hänge der hessischen Bergstraße hinter sich gelassen hat und tiefer in den Odenwald hineinfährt, wird es dunkler, enger und stiller. Kleine Orte, Landwirtschaft und dichte Wälder wechseln sich ab. Es ist wie eine Fahrt in ein Setting von Grimms Märchen. Eigentlich müsste es nur eine Frage der Zeit sein, bis irgendwelche Location Scouts den Odenwald als Drehort für den einen oder anderen Hollywoodfilm entdecken.


Felsenmeer (Foto: Armin Kübelbeck/GNU) Der Odenwald ist zwar nicht Neuseeland, aber auch hier könnte man sich vorstellen, dass einem ein Hobbit vor's Auto springt. So manches Tal bekommt zur Wintersonnwende kein direktes Sonnenlicht und der Nebel hält sich zäh. Die Zeit scheint dann still zu stehen und irgendwie passt es da auch, dass Kompasse an so mancher Stelle des Odenwaldes nicht richtig funktionieren, weil das Gestein magnetisch ist. Es ist, als wolle der dunkle Wald einen nicht einfach so entlassen. In der Walpurgisnacht trifft man an so mancher Lichtung echte Hexen an ­ kein Scherz! Vom Felsenmeer in die Zeitmaschine! So wundert es den staunenden Besucher auch nicht, wenn er auf einen "Wasserfall" aus Steinen stößt: das Felsenmeer gleicht einer zu Stein geronnenen Flut, die einen mit offenem Mund dastehen lässt. Dass dort auch der eine oder andere römische Steinbruch so anzutreffen ist, als würden die Steinmetze gleich wieder aus der Pause kommen, wundert einen dann schon nicht mehr. Ganz tief im Odenwald gibt es sogar eine reale Zeitmaschine. Im Parkhotel 1970 ist seit 45 Jahre nichts, aber auch gar nichts verändert worden. Man kann direkt ins Jahr 1970 einchecken und sich bei einem Toast Hawaii ganz wie damals bei Oma fühlen. Eine Warnung! Ok, ganz ehrlich: wer nicht auf Natur steht und für wen Wandern und Radfahren fernab der Moderne nichts ist, der sollte den Odenwald auch weiterhin weiträumig umfahren. Auf den Autobahnen 3, 5, 6 und 81 geht das ganz fantastisch. Sie umrunden quasi den Odenwald wie ein riesiges Rechteck. Aber alle anderen sollten mal einen Abstecher in diese vergessene Landschaft machen. Es lohnt sich wirklich, gerade wenn man einen mythischen und mystischen Zugang zur Natur hat. Proviant nicht vergessen! Allerdings sollte man gerade bei Wanderungen und Radtouren genug Proviant mitnehmen. An vielen Stellen ist das nächste offene Gasthaus oder gar ein Supermarkt mehrere Stunden Wanderung entfernt. Und mit dem Handy mal eben um Hilfe rufen ist bei der dortigen Netzabdeckung nichts, worauf man sich allzu sehr verlassen sollte. Also ausreichend Wasser nicht vergessen, vor allem im Sommer. Und dann ab in ein ursprüngliches Stück Deutschland.


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