12.2.2021
Covid-Tod: Odenwald trauert um Kinderarzt Trumpfheller
Covid-Tod: Odenwald trauert um Kinderarzt Trumpfheller echo-online.de/lokales/odenwaldkreis/odenwaldkreis/covid-tod-odenwald-trauert-um-kinderarzttrumpfheller_23140346 12. Februar 2021
Freitag, 12.02.2021 - 16:00 Selten hat die Menschen in Erbach, Michelstadt und Umgebung etwas so bewegt wie der Tod von Rainer Trumpfheller. Er starb im Alter von 62 Jahren am Coronavirus. Ein Nachruf.
Von Gerhard Grünewald Redaktionsleiter Odenwälder Echo
Rainer Trumpfheller (Archivfoto: Hans-Dieter Schmidt)
ERBACH/MICHELSTADT - Wenn sogar die Patienten einer Arztpraxis in Bad König in diesen Tagen vor dem Kondolenzfoto eines Erbacher Mediziners innehalten, spricht das Bände: Selten hat im Odenwaldkreis ein Sterbefall die
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Covid-Tod: Odenwald trauert um Kinderarzt Trumpfheller
Menschen so bewegt wie der Tod des promovierten Kinderarztes Rainer Trumpfheller. Und daran muss zur Anteilnahme fähige Menschen tatsächlich vieles anfassen: dass Trumpfheller in Beruf, Ehrenämtern und Hobbys ungewöhnlich vielen Menschen mit seltener Ausdauer geholfen oder Freude bereitet hat, dass er mitten aus diesem aktiven Leben gerufen wurde – und dass er der zurzeit alles bedrängenden Krankheit zum Opfer gefallen ist. Rainer Trumpfheller ist am vorigen Sonntag im Alter von 62 Jahren an den Folgen einer Corona-Infektion gestorben. „Damit ist uns in der Ärzteschaft ein toller Kollege und der Odenwälder Gesellschaft ein Pfundskerl genommen worden“, bringt es der Erbacher Allgemeinmediziner Joachim Füßmann auf den Punkt, der eng mit Trumpfheller befreundet war und im Lauf der Woche auf ausdrücklichen Wunsch der Familie die öffentliche Erinnerung an Persönlichkeit, Leistungen und Eigenschaften seines Kollegen ermöglicht hat.
Passionierter Reiter und begeisterter Musiker Dabei ist es für weite Teile der Kreisbevölkerung ohnehin unmöglich, sich nicht Rainer Trumpfhellers zu entsinnen. Denn als Odenwälder lernte man ihn in irgendeiner Mission früher oder später zwangsläufig kennen. Schließlich war der im Stadtteil Dorf-Erbach beheimatete und in Michelstadt praktizierende Arzt nicht nur ein weit über den eigenen Patientenkreis hinaus wirkender Mediziner, sondern auch eine Kapazität des Reitsports in der Region, dazu ein aktiver Freund des Odenwälder Brauchtums und begeisterter Musiker. Und bei all dem ließ er doch nichts an die Familie als Lebensmittelpunkt herankommen, wo ihn der frühe Tod seiner Frau Karin vor zwei Jahren als harter Schicksalsschlag traf. Dabei hat Trumpfheller selbst ungezählte Menschen vor Leid bewahrt – und das in einer unnachahmlichen Art, wie Kollege Füßmann in Erinnerung ruft: „Die Kinder haben ihm vertraut, sie haben ihn gemocht – und das bei diesem Bart“, spielt der Wegbegleiter auf das äußere Kennzeichen Trumpfhellers an. Offenbar spürten die Kinder auf Anhieb das, was mancher Erwachsener erst in einem näheren Kennenlernen ergründen musste: Hinter dem manchmal knorrig wirkenden Auftreten Trumpfhellers verbarg sich ein ausgesprochenes offenes, mit besonderem Witz ausgestattetes Wesen: „Mit Rainer konnte man herrliche Stunden verbringen“, sagt Füßmann. Vor allem aber konnte man mit ihm auch viel anfangen – nicht nur, aber eben auch in seiner Arbeitswelt.
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Trumpfheller reformierte Gesundheits-Organisationen im Kreis Bleibende Verdienste erworben hat sich der Kinderarzt als Pionier gleich zweier übergreifender Gesundheits-Organisationen im Kreis: der ärztlichen Notdienstzentrale, heute Hausärztlicher Bereitschaftsdienst, und der Odenwälder Ärztegenossenschaft, die erstmals für eine Vernetzung und gemeinsame Vertretung der Odenwälder Mediziner sorgte. „Die Sicherstellung eines Rundum-Notdienstes lag Rainer dabei vor allem im Blick auf die jüngsten Patienten am Herzen, weil es anfangs ja weit und breit keine entsprechend aufgestellte Kinderklinik gab“, sagt Füßmann zu den Motiven. Folgerichtig engagierte sich der Dorf-Erbacher in weiteren Spartenvereinigungen wie der Kooperation der südhessischen Kinder- und Jugendärzte oder dem Verein für krebskranke Kinder. Und der gesundheitliche Aspekt stand auch bei seiner Tätigkeit fürs Erbacher Rote Kreuz und als Leiter des Frühsports beim breitensportlich aufgestellten TV Michelstadt im Vordergrund.
Auf den heimischen Reitanlagen glücklich und zuhause Trumpfhellers eigentlicher Sport aber war das Reiten, das er beim Odenwälder Reiterverein (ORV) in Erbach ausübte und als Vorsitzender dieses Klubs maßgeblich förderte. In der Nachbarschaft des Reiterstadions zu Hause, war der Arzt auf diesen Anlagen präsent, wann immer es ihm sein Terminkalender und Tagesplan erlaubte. Besonders am Herzen lagen ihm hier unter anderem die Turniere zum Wiesenmarkt, dem ebenfalls seine Liebe gehörte. „Rainer fühlte sich bei allem wohl, was er als authentisch empfand“, sagt dazu sein Wegbegleiter – und erklärt damit auch die Freude des Verstorbenen am Mitwirken in der Trachtengruppe Hans von der Au und bei der Odenwälder Band „Rockzibbl“, denen sein Können an Keyboard und Akkordeon zugutekam. Rainer Trumpfheller hinterlässt seine betagte Mutter, drei erwachsene Töchter, ein Enkelkind – und einen beträchtlichen Freundeskreis.
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