13.7.2020
Aus Erbach-Michelstadt soll doch noch etwas werden
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Montag, 13.07.2020 - 03:00 Der Erbach wie Michelstadt gleichermaßen verbundene Unternehmer Stephan Koziol fordert eine Neuaufnahme des Fusionsprozesses beider Städte.
Von Gerhard Grünewald Redaktionsleiter Odenwälder Echo
Zusammen gehören für den im Zentrum des Odenwaldkreises ansässigen Unternehmer Stephan Koziol die beiden Nachbarn Michelstadt und Erbach (hier die historischen Rathäuser beider Städte, links das Michelstädter). Er ruft deshalb zur Neuaufnahme des Fusionsprozesses auf. (Fotos: Leona Nieswandt (Archiv)/ Dirk Zengel)
ERBACH/MICHELSTADT - Wo Fliehkräfte wirken, hilft es am Besten, bis zur Bildung einer Einheit zusammenzurücken. Aus dieser Erkenntnis heraus lässt die Absicht des Landesentwicklungsplans, das Einzugsgebiet von Erbach und Michelstadt zu teilen und auf Restgrößen zu verkleinern, für den https://www.echo-online.de/lokales/odenwaldkreis/michelstadt/aus-erbach-michelstadt-soll-doch-noch-etwas-werden_21941328
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in beiden Städten heimischen Unternehmer und engagierten Bürger Stephan Koziol (68) nur eine Schlussfolgerung zu: Erbach und Michelstadt müssen zu einer einzigen Stadt verschmelzen. In diesem Sinne plädiert Koziol für die Neuaufnahme des 2007 durch einen Bürgerentscheid gestoppten Fusionsprozesses beider Kommunen. „Das damalige Ende der Vereinigungs-Ambitionen und die Folgen für zumindest einen der Protagonisten haben das Thema für die Politik offenbar zu einem so heißen Eisen gemacht, dass sich niemand mehr traut, es anzufassen“, bedauert der welterfahrene Fabrikant. „Das finde ich umso ärgerlicher, als wesentlicher Persönlichkeit unter der Hand ihr Wissen um den Sinn, ja die Notwendigkeit dieses Schrittes erkennen lassen.“ Diese Angststarre will Koziol nun lösen, indem er aus seiner unabhängigen Position heraus zu einer entsprechenden politischen Initiative ermutigt. „Ich bin sicher, dass es ein großes Potenzial an Bürgern gibt, die sich meinem Anliegen anschließen und mit entsprechenden Signalen an Bürgermeister, Stadträte und Stadtverordnete dazu beitragen, dass wieder Bewegung in die Sache kommt“, erklärt Koziol. Wie der Unternehmer betont, ist der Eingriff der Landesentwicklungsplanung nur der konkrete Anlass, der eine entsprechende Reaktion provoziert. Gründe genug habe schon lange vor dem Trennungsvorstoß des hessischen Wirtschaftsministeriums das alltägliche Leben und Wirtschaften gegeben – und werde das in Zukunft immer intensiver tun. Fotos
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Neben den Digitalisierungs- und Globalisierungs-Trends sind es nach Überzeugung des Unternehmers auch die Corona-Folgen, die Erbach und Michelstadt als einzelne Städte zu erodieren drohen. „Wir werden in der Bundesrepublik und Hessen in den nächsten Monaten und Jahren mit einer Wirtschafts- und Finanzkraft zurechtkommen müssen, die um zehn bis 30 https://www.echo-online.de/lokales/odenwaldkreis/michelstadt/aus-erbach-michelstadt-soll-doch-noch-etwas-werden_21941328
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Prozent unter dem vor Corona Erwarteten liegt“, fasst Koziol seine Lageeinschätzung zusammen. Daraus folgt für ihn zwangsläufig das Einsetzen eines Verteilungskampfs um öffentliche Mittel und Privatinvestitionen, in der die Bevölkerungsstärke zu einem wichtigen Instrument werde. Zudem müsse Verwaltungskraft gehoben werden, um sich in Außendarstellung, Wirtschaftsförderung und ähnlichen Aufgaben optimal aufzustellen: „Wenn beide Rathaus-Teams zusammengelegt werden, muss das nicht zwangsläufig Personalstreichungen oder Jobverluste bedeuten“, sagt Koziol und formuliert selbst gegenteilige Vorstellungen: „Was durch die Beseitigung von Doppelstrukturen an Arbeitskraft frei wird, kann in zusätzliche Angebote, Initiativen und Programme gesteckt werden.“
DER ERSTE VERSUCH Die Fusionsbemühungen des Jahres 2007 mündeten in einem Bürgerentscheid in beiden Städten. Dabei stimmten in Erbach 52,2, in Michelstadt 54,9 Prozent der Wähler gegen eine Vereinigung. (gg) Damit könne eine gemeinsame Stadt Erbach-Michelstadt für ihre Bürger hilfreicher, die allgemeine Öffentlichkeit interessanter und für die Politik unumgänglicher sein. „Hier sehe ich aber vor allem die fast 40 000 Einwohner als Pfund, mit denen wir in Darmstadt und Wiesbaden ganz anders auftreten können als bisher“, sagt der Mann, der in Erbach aufgewachsen ist und in Michelstadt lebt, in der Kreisstadt sein weltbekanntes Unternehmen für Alltags- und Haushalts-Designartikel und in Michelstadt einen Gewerbepark führt. Wie wenig Erbach und Michelstadt als Einzelstädte der Landespolitik wert seien und wie sehr das auch dem Odenwaldkreis zusetze, habe sich in Gegenwart und jüngerer Vergangenheit nicht erst beim Landesentwicklungsplan gezeigt. Hier aber komme die Haltung der auf den Ballungsraum und große Einheiten fixierten Entscheidungsträger besonders gut zum Ausdruck.
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