15.2.2019
Auf dem Sprung
SEITE 5 | FREITAG 15. FEBRUAR 2019
Von Amts wegen
Auf dem Sprung Von Amts wegen: Ute Marquardt tauscht Ritterhuder Rathaus gegen Verwaltung im Odenwald Ritterhude. Ute Marquardt sitzt auf gepackten Koffern. Am 14. März ist ihr letzter offizieller Arbeitstag bei der Gemeinde Ritterhude. Die Ratsmitglieder verabschiedeten sich schon jetzt mit großem Bedauern und ganz viel Lob von ihr. Die Leiterin des Sachgebietes für Bildung, Kultur und Freizeit, die gleichzeitig Stellvertreterin der Bürgermeisterin ist, startet nach knapp 35 Jahren in der Ritterhuder Verwaltung noch einmal neu durch. Ihr Ziel ist der Odenwald: „Am 15. März fange ich bei der Kreisstadt Erbach als Hauptamtsleiterin an“, sagt die heute 54-Jährige. "Ein leichter Entschluss war das UTE MARQUARDT VERLÄSST NACH 35 JAHREN DIE nicht", räumt sie ein. 1964 in RITTERHUDER VERWALTUNG. FOTO: CHRISTIAN KOSAK Oldenburg geboren, in Bremen groß geworden, mit zwölf Jahren nach Ritterhude gezogen und dort mit 20 die Ausbildung angetreten, ist sie tief in der Region verwurzelt. Der Grund, aus dem sie sich nun aus freien Stücken entwurzelt, hat einen Namen: Klaus Marquardt. Vor etwas mehr als drei Jahren haben sie geheiratet. Er stammt aus dem Odenwald, hat dort 2018 seine Wunsch-Anstellung gefunden. Seitdem wird gependelt. Das zehrt an den Kräften. Nun zieht ihm Ute Marquardt mit dem 15-jährigen Sohn Jakob und Familienhund hinterher. Um die Stelle in Erbach antreten zu können, muss Ute Marquardt ihren Beamtenstatus gegen den einer Angestellten tauschen. Der Rat hat den Antrag bewilligt. „Daran habe ich lange geknabbert“, räumt sie ein. Sie trage ja nicht nur für sich allein die Verantwortung. Da sei schließlich auch ihr Sohn. „Aber inzwischen empfinde ich diese Entscheidung sogar als eine Befreiung“ – aus dem warmen und bequemen, aber mitunter auch erstickenden Mäntelchen des Beamtentums. https://www.e-pages.dk/weserkurier/18247/article/855692/5/4/render/
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Dass sie das halbe Jahr Probezeit in Erbach nicht bestehen könnte, fürchte sie nicht, sagt sie mit gesundem Selbstbewusstsein. „Inhaltlich habe ich davor sowieso keine Angst; und was die Zusammenarbeit mit dem Bürgermeister betrifft – ich glaube, das passt.“ Ihr erstes Treffen mit ihm habe sie in geringeltem T-Shirt und Jeans auf einem Bauernmarkt gehabt. „Ich soll seine Verwaltung koordinieren“, berichtet Marquardt. Er sei erst kürzlich ins Amt gewählt worden, komme aus der Wirtschaft, bringe keine Verwaltungserfahrung mit. Daran, dass sie ihm bei dieser Aufgabe zur Seite stehen, ihm Tipps geben und ihn warnen wird, wenn sie als Diplom-Verwaltungsfachwirtin und langjährige Amtsleiterin vielleicht etwas anders angehen würde als er, lässt sie keinen Zweifel. In ihrer Zeit im Rathaus hat Ute Marquardt nicht nur drei Bürgermeister kommen und zwei gehen sehen. Sie hat auch eine Verwaltung im Wandel erlebt und mitgestaltet. "Nach Abschluss meiner dualen Ausbildung habe ich 1989 in der Personalabteilung angefangen." Damals habe Ingo Kurth mit ihr nach Wegen gesucht, die Verwaltung bürgernäher zu machen. Verwaltungsschreiben wurden verständlicher gestaltet. Es habe Bürgerbefragungen zum Thema Öffnungszeiten gegeben. Ein Bürgerbüro wurde eingerichtet. Eine sehr arbeitsintensive Zeit sei das gewesen, in der sie viel gelernt habe. Unter anderem, wie wichtig es sei, die Menschen einzubeziehen und mitzunehmen. Sie ernst zu nehmen, ihnen Verantwortung zu übertragen und ihnen diese zu lassen. Aber auch zu erkennen, wenn sie diese gar nicht tragen wollten. "Dafür braucht man Empathie, Fingerspitzengefühl und Intuition." Als kreativer Mensch mit vielen Ideen sei sie oft weit vorgeprescht. "Dann muss man anhalten können und gucken, wo die anderen stehen." Und noch etwas sei ihr stets wichtig – Augenhöhe. So habe sie mit den Mitarbeitern, den Führungskräften der Einrichtungen, den Eltern und Bürgern geredet. "Ich habe mich echt für die Menschen interessiert." Das ist eine Eigenschaft, von der sie hofft, dass die Ritterhuder sie in Erinnerung behalten. Die vergangenen neun Jahre hat Ute Marquardt schließlich das größte Ressort in der Ritterhuder Verwaltung geleitet: das Sachgebiet Bildung, Kultur, Freizeit. Ein sehr bürgernahes Fachgebiet. Nachdem sie vorher 26 Jahre die Personalabteilung geleitet, die Verwaltungsstrukturen organisiert und im Einwohnermeldeamt gewirkt hatte, bekam sie nun "den direkten Kontakt zu Bürgern". Das, wozu sie zuvor die Mitarbeiter angehalten hatte, konnte sie nun selbst anwenden. "Da konnte ich aus meiner Erfahrung schöpfen."
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Eins steht für sie unumstößlich fest: "Eine Führungskraft ist nichts ohne ihre Leute." Sie habe ein sehr gut aufgestelltes Team, mit dem sie auf Augenhöhe zusammengearbeitet habe. Eines, mit dem sie Projekte wie die Planung und Realisierung der Spielplätze auf den Weg gebracht, die Familiensprechstunde realisiert und das Notfallkonzept für die Kindertagesstätten entwickelt habe. "Der Rückenwind, den ich hier bekommen habe, hat mir die Arbeit leicht gemacht und mir Freude bereitet", bezieht Marquardt Bürgermeisterin Susanne Geils und den Rat in ihren Dank mit ein. "Mein Haus ist verkauft", wendet sie nun den Blick nach vorn. Sie freue sich auf den Odenwald, auf das Leben als Familie, auf den Erholungswert, den die Natur dort biete, und die Herausforderung des neuen Jobs. "Ich weiß, was ich kann, ich ruhe in mir", sagt sie. Und: "Das wird schon." „Eine Führungskraft ist nichts ohne ihre Leute.“ Ute Marquardt, Sachgebietsleiterin „Ich bin ein hochkreativer Typ; ich entwickle gern Dinge.“ Ute Marquardt, Sachgebietsleiterin
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