dradio.de http://www.dradio.de/dlf/sendungen/marktplatz/2208247/ MARKTPLATZ 08.08.2013 · 10:10 Uhr
Seit er Harzt IV bekommt, muss Hans-Joachim Linnecke auf viel verzichten. (Bild: AP)
Acht Jahre als Hartz-IV-Empfänger Porträt eines Langzeitarbeitslosen Von Jens Rosbach Hans-Joachim Linnecke gehört zu den ersten Arbeitslosen in Deutschland, die Hartz IV bekommen haben. Acht Jahre lang lebte er von der staatlichen Hilfe. Nun geht er in Rente und hat sich den ersten Urlaub seit 15 Jahren gegönnt. Wer einen Blick in den Kühlschrank von Hans-Joachim Linnecke wirft, stößt auf Lebensmittel mit knallig-orangenen Aufklebern: Sonderpreis! Sonderpreis! Sonderpreis! Zum Beispiel Heringshappen, 150 Gramm, reduziert von 1,99 Euro auf die Hälfte. "Wenn ick mir die Sachen zum normalen Preis kaufe, dann komme ich nicht den ganzen Monat mit dem Geld aus. Das ist also Fakt." Linnecke - graue Haare, grauer Bart - steht in Shorts und roten Badelatschen in seiner Küche. Der 65-Jährige zeigt auf das Verfallsdatum von Wurst und Joghurt - alles fast abgelaufen. "Also wir haben festgestellt, auch wenn das Datum erreicht wird, man kann die Sachen eine Weile später essen." Linnecke ist auf Hartz IV, seit acht Jahren schon. Der Berliner hat einst als Betonmischer und in einem Baustellenlager gearbeitet - bis er 1999 seinen Job verlor. Sein Arbeitslosengeld war nicht schlecht - doch mit Einführung von ALG II änderte sich alles. Plötzlich bekam Linnecke - zusammen mit seiner minijobbenden Frau - jeden Monat 1000 Euro weniger als zuvor: Als "Bedarfsgemeinschaft" erhielten beide jetzt nur noch 1200 Euro pro Monat. Ab sofort mussten Urlaub, Restaurantbesuche und Kino-Abende ausfallen. "Man hat natürlich nachts och mal ein bisschen schlechter geschlafen, weil man in… in den Gedanken war natürlich viele Sachen drin gewesen, wie geht das mit dem Geld weiter? Man hat sich auch schon Sorgen gemacht, det is klar." Hinzu kam der Papierkram: Jobcenter-Gesuche tippen, Versicherungsnachweise besorgen, bei Reisen einen "Ortsabwesenheitsantrag" stellen - und: Die eigenen Konten offenlegen. "Es ist für mich doch ein unheimlicher Einschnitt, dass man wirklich so gezwungen wird, sich eben fast auszuziehen, um so was zu beantragen." Das Jobcenter schickte eine Handvoll Arbeitsangebote. Zudem schrieb Linnecke selbst fast 60 Bewerbungen. Doch der ALG-II-Empfänger war bereits über 55 Jahre alt - als "altes Eisen" erhielt