19.9.2020
„In irgendeiner Form geht es weiter“
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Samstag, 19.09.2020 - 03:00 Michelstädter Hüttenwerk-Chef Achim Tischer ist zuversichtlich, dass auf der Kulturbühne auch weiterhin Konzerte stattfinden. Von Thomas Wilken
Achim und Michi Tischler blicken optimistisch in die Zunkunft. (Foto: Thomas Wilken)
MICHELSTADT - „In irgendeiner Form geht es weiter“, ist Hüttenwerk-Macher Achim Tischler zuversichtlich. Wie, steht allerdings noch in den Sternen. Nachdem die Open-Air-Saison auf der Kulturbühne, mit der die geltenden Hygiene- und Abstandsregeln gut einzuhalten waren, vorbei ist, stehen die Kulturschaffenden nun vor dem Problem, das Ganze auf eine Veranstaltungshalle runterzubrechen. Aber so, dass dabei auch was hängen bleibt. „Zur Not machen wir eben unsere Mini-Konzerte weiter“, berichtet der Chef der gleichnamigen Veranstaltungstechnik-Firma. Das Problem: Dann darf er aufgrund der immer noch geltenden https://www.echo-online.de/lokales/odenwaldkreis/michelstadt/in-irgendeiner-form-geht-es-weiter_22281161
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Vorschriften nur 70 Personen in den Saal lassen. Für Tischler ein Draufleg-Geschäft, bei dem es nur darum gehen kann, den Künstlern ein Forum und dem Hüttenwerk einen Zweck zu geben. „Solange so wenig reindürfen, ist ein wirtschaftliches Arbeiten nicht möglich“, beklagt er. Tischler fehlen außerdem die klaren Vorgaben, wann wieder was möglich sein wird. Eine Crux sind die Abstandsregelungen. Er dürfte zwar zehn Fremde zusammen an einen Tisch setzen, „aber da gibt es gewisse Vorbehalte der Gäste“ – die er auch nachvollziehen kann. Er würde gern mehr bestuhlen, damit er nicht so viele an einen Tisch packen muss, darf das aber nicht, weil 1,5 Meter Abstand eingehalten werden müssen. Um diesem Dilemma aus dem Weg zu gehen, laufen derzeit Gespräche, um die Konzerte in einer größeren Hallen-Location fortzuführen, erläutert der Veranstalter. Aber egal wie groß: Mehr als 250 Zuschauer darf er derzeit nicht reinlassen. In Hessen. Und da kommt Tischler wieder auf den Föderalismus-Unsinn zu sprechen, dass Organisatoren in anderen Bundesländern mit mehr Besuchern planen können. Womit er sein Geld und damit seinen Lebensunterhalt in den kommenden Monaten verdient? Achim Tischler zuckt nur die Schultern. Über den Winter wird er wie schon im Frühjahr schauen, sich mit Nebentätigkeiten über Wasser zu halten. Am meisten fehlen ihm die Großveranstaltungen, die seine Firma als Dienstleister betreut: Wiesen- und Bienenmarkt oder Finkenbach-Festival. Die Hoffnung aus dem Frühsommer, dass Richtung Herbst wieder ein einigermaßen normales Arbeiten stattfinden könnte, „hat sich leider nicht erfüllt“, beklagt der Michelstädter. Aktuell „geht rein ums wirtschaftliche Überleben“, schildert er die Situation. Die Sommer-Saisonkräfte wurden nach Ende der Freiluftsaison wieder abgemeldet, die Angestellten sind in Kurzarbeit. „Wir müssen uns personell kleinmachen“, lautet die Devise.
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Tischler hadert vor allem mit der gefühlten Ungleichbehandlung je nach Branche. „Warum gelten hier Abstandsregeln, aber nicht auf der Frankfurter Zeil“, meint er mit Blick auf die volle Einkaufsmeile, wo auch keine Mindestabstände eingehalten werden können. Oder gut besuchte Freizeitparks, wo sich die Menschen auf den Laufwegen dicht an dicht drängen. Nicht dass er die Vorsichtsmaßnahmen kleinreden will – aber ihm fehlt die einheitliche, klare Linie. Es lässt ihn einigermaßen fassungslos zurück, dass die Fußball-Bundesliga zumindest teilweise mit Zuschauern starten darf, aber andererseits die Kultur überhaupt keine Perspektive hat. Etliche Musiker, die etatmäßig im Hüttenwerk auftreten, haben nebenher noch einen festen Job, weiß er von Unterhaltungen. Andererseits gibt es wiederum auch sehr viele, „die nur Musik machen“ und dringend darauf angewiesen sind, dass sie wieder auftreten dürfen. Das war zwar jetzt in kleinem Rahmen möglich, aber diente mehr der Schadensbegrenzung. Denn augenscheinlich, zeigte auch der Besuch der KulturbühnenVeranstaltungen, gibt es weiter Vorbehalte bei den Besuchern, sich selbst auf eine großflächige Open-Air-Veranstaltung zu wagen. Die Lesung von Sebastian Fitzek war ausverkauft, aber das war’s dann auch. Selbst eine Bank wie die Hausband „Another Livetime“, bei der im Saal sonst dichtes Gedränge herrscht, schaffte es nicht an dieses Prädikat – von kleineren Acts ganz zu schweigen.
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