Musiktheater / Schauspiel / Tanz / Junges Theater / Konzert

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Musiktheater / Schauspiel / Tanz / Junges Theater / Konzert

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IMPRESSUM
HERAUSGEBER Tiroler Landestheater & Orchester GmbH Innsbruck INTENDANTIN Mag.a Irene Girkinger, MAS KAUFMÄNNISCHER DIREKTOR Dr. Markus Lutz
CHEFREDAKTION Christine Frei CHEFIN VOM DIENST Stefanie Steiner GESTALTUNG Dada Weiss BILDNACHWEISE Titelbild Leon Arévalo WEITERE BILDNACHWEISE Leon Arévalo (S. 5, 7, 8, 22), Emanuel Kaser (S. 6, 9, 11, 12, 21, 23, 26), Raphael Gutleben (S. 8), Cécile Trémolières (S. 10), Sandra Leitner (S. 11), Agnieszka Kulowska (S. 12, 13), Amir Kaufmann (S. 14, 15), WE FEEL (S. 15), Nancy Horowitz (S. 15), Otmar Mosbacher (S. 16), Andrej Grilc (S. 17), Haruna Shinoyama (S. 17), Simon Rainer (S. 17), Victor Klein (S. 18, 19), Frol Poslednyi (S. 20, 21), Raphael Haider (S. 22), Konrad Fersterer (S. 24), Cordula Treml (S. 24), Studio LWZ (S. 25), Studio LWZ & Ricardo Leite (S. 25) DRUCK Alpina Druck GmbH, 6020 Innsbruck AGB Es gelten die aktuellen AGB der Tiroler Landestheater & Orchester GmbH Innsbruck.
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Tiroler Landestheater & Orchester GmbH Innsbruck - 40 % AUF KARTEN FÜR ALLE UNTER 27

4 INSIGHTS
Im Gespräch mit Uschi Oberleiter und Daniela Oberrauch
6 OREST
Oper von G. F. Händel in einer musikalischen Überschreibung von A.Ziepert
8 DER STURM ODER LA ISLA BONITA
Wo Ariel und Caliban Sonnencreme und Cocktails servieren
10 DON QUICHOTTE
Comédie-héroïque in fünf Akten von Jules Massenet
12 ANOTHER NIGHT AT THE MOVIES
Familienkonzert mit Filmmusik und szenischer Moderation
14 SAISONFINALE
Konzerte des Tiroler Symphonieorchesters Innsbruck
16 HAUS DER MUSIK INNSBRUCK
Mendelssohn, der Mozart der Romantik?
18 SPIELPLANPRÄSENTATION 26/27
Mit OPTIMISMUT durch die neue Saison
20 CODEBORN
Musiktheater von Zara Ali
22 UN BALLO IN MASCHERA
Melodramma in drei Akten von Giuseppe Verdi
24 WIEDERAUFNAHMEN
The Rocky Horror Show / Zarah 47 – Das totale Lied
25 HIGHLIGHTS IM HERBST
Maria Stuart / Bodies / Ball im Savoy / Das doppelte Lottchen
26 WOZU DAS THEATER?
Eine Antwort von Julia Spinola
Ein Spiel-Gespräch mit Co-Direktorin Uschi Oberleiter und Theaterpädagogin
Daniela Oberrauch
Mit der Sparte Junges Theater und dem Bereich Vermittlung und Theaterpädagogik bietet das TLT ein sehr umfassendes und reichhaltiges Programm für Kinder und junge Menschen. Doch wie nähert man sich einer Zielgruppe, der man altersmäßig eigentlich schon entwachsen ist?
Uschi, du bist Co-Direktorin des Jungen Theaters am TLT. Das Junge Theater ist seit dieser Intendanz eine eigene Sparte – warum?
Uschi Oberleiter: Weil es wichtig ist, Kinder und junge Menschen als eigenes Publikum zu sehen und ernst zu nehmen. Sie sind nicht das so genannte Theaterpublikum von morgen, sie haben ihre eigenen Bedürfnisse, ihr eigenes ästhetisches Empfinden. Und sie haben das Recht darauf, Kunst und Kultur genauso zu genießen wie Erwachsene.
Wie siehst du das als Theaterpädagogin, Daniela?
Daniela Oberrauch: Das gehe ich voll mit. Kinder und junge Menschen haben außerdem große Lust an und auf Kreativität. Als Theaterpädagogin möchte ich hier im TLT Orte und Angebote schaffen, wo sie sich im Spiel und abseits der sonst omnipräsenten Bewertungsscheren frei ausdrücken und aus sich selbst schöpfen können.
Uschi Oberleiter: Ja, darin liegt der feine Unterschied zwischen unseren Bereichen. Die Theaterpädagogik macht Theater mit Kindern und Jugendlichen, wir machen Theater für Kinder und Jugendliche. Es gibt sehr viele Kinder und Jugendliche, die aufgrund ihrer Herkunft überhaupt keinen Anschluss oder Bezug zum Theater auch im Sinne einer Bildungsanstalt haben. Da finde ich es wesentlich, dass sie über die Kindergärten und die Schulen die Möglichkeit erhalten, Theater kennenzulernen.
Mit euren mobilen Produktionen geht ihr beispielsweise direkt in die Klassenzimmer …
Uschi Oberleiter: Ja, es braucht hier betont niederschwellige Angebote – Produktionen auf Augenhöhe, die sich mit den Erfahrungshorizonten von Kindern und Jugendlichen beschäftigen. Etwa mit der Frage, wie es ist, wenn Eltern arbeitslos werden und man sich diese und jene Markenkleidung nicht mehr kaufen kann. Wie es sich anfühlt, in einer derart unsicheren Zeit erwachsen zu werden. In unserem Abendspielplan zeigen wir ja sehr viele Stücke, die zum so genannten Kanon gehören und in den Schulen als Lektüreempfehlung gelten. Das ist dann Lehrstoff, doch diese Stücke haben in der Regel recht wenig mit den Alltagserfahrungen von jungen Menschen zu tun. Gerade deshalb braucht es prononciertes junges Theater.
Daniela Oberrauch: Das Schöne und Wichtige am jungen Theater ist, dass Kinder und Jugendliche damit Facetten ihrer Welt widergespiegelt bekommen und daran Anteil nehmen können, ohne gleich in die Bewertung zu gehen. In der Phase des Sichtens und Miterlebens ist man erst mal wertfrei und genießt den Moment. Das ist für mich auch der große Unterschied zum erwachsenen Theater, wo dieses Bewerten- und Immer-gleich-Urteilen-Müssen eigentlich ständig mitschwingt.
Uschi Oberleiter: Es heißt ja immer, Kinder seien ein so kritisches Publikum. Das finde ich gar nicht. Die sind mit Euphorie und Motivation dabei und feiern das, was sie grad erleben – ähnlich übrigens wie das Musical-Publikum.
Deswegen habe ich Kinder- und Jugendstücke früher immer am liebsten rezensiert – weil Kinder sofort mitgehen und reagieren und man hinterher beseelt, beglückt und bereichert rausgeht. Das war immer meine ganz persönliche Herz- und Glückshaltestelle. Aber eines hätte mich jetzt schon noch interessiert: Wie alt oder jung muss man sein, um Kinderund Jugendtheater zu machen? Ist man irgendwann vielleicht zu alt dafür?
Uschi Oberleiter: Vielleicht irgendwann ja. Im Moment habe ich schon das Gefühl, noch nah genug dran zu sein an den jungen Menschen. Mir hat man immer gesagt, du machst sicher mal was mit Kindern, weil ich unglaublich gern mit ihnen gespielt habe. Und ich war natürlich der Meinung: sicher nicht. Doch es hat mich immer eingeholt – zum Glück. Ich finde es ganz toll, mit Kindern und Jugendlichen zu arbeiten – vor allem mit den pubertierenden Menschen. Das ist so eine superschwierige und komplizierte Zeit. Ich kann gut verstehen, was es mit ihnen macht und wie es ihnen geht. Und ich kann es gut nehmen, wenn sie mal nicht mögen und bei Führungen die Augen verdrehen.
Daniela Oberrauch: Die Frage, ob und wann ich zu alt für den Job bin, stelle ich mir relativ oft. Und ich versuche dem entgegenzuwirken, indem ich mir ständig Themen suche, wo ich selber noch etwas dazulernen kann. Alles andere wäre mir auch zu langweilig. Außerdem weiß ich gar nicht so viel mehr wie junge Menschen, ich habe vielleicht in einigen Dingen mehr Erfahrungen gesammelt, aber das war es dann auch schon. Wenn man mit Menschen auf Augenhöhe arbeitet, ist es egal, wo sie herkommen, wer sie sind, welches Alter sie haben.

KOMMENDE TERMINE FÜR JUNGES PUBLIKUM
KLANGSPIEL: IM GARTEN
Musikalische Performance
SA 27.6. / 10.30 UHR URAUFFÜHRUNG, [K2] – PREIS € 8 WIR STAPELN STÜHLE
Jugendclub TLT IM FALL DER FÄLLE Kidsclub TLT
SO 5.7. / 18.30 UHR KAMMERSPIELE – PREIS € 8
SO 5.7. / 15.00 UHR KAMMERSPIELE – PREIS € 8

Sonja Honold ist seit der Spielzeit 24/25 Dramaturgin am Tiroler Landestheater. Davor arbeitete sie an Theatern in Berlin, Hannover und Bamberg.
Libretto von Gianguelberto Barlocci
In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln
«Gewissensqualen, wie ihr mich peinigt», klagt Orest. Er wird von den Erinnyen verfolgt. Auf der Suche nach Erlösung ist er nach Tauris gekommen – bereits so sehr von den Rachegöttinnen in den Wahnsinn getrieben, dass er bereit ist, sich in die Fluten der Lethe zu stürzen, um dem Vergessen anheimzufallen. Doch es soll anders kommen. Denn was er nicht weiß –seine totgeglaubte Schwester Iphigenie ist auf Tauris Priesterin der Göttin Artemis und Hüterin eines grausamen Gesetzes: Alle Fremden umzubringen, die auf der Insel eintreffen. So hat es König Thoas befohlen. Die Familiengeschichte des Geschwisterpaars ist von einer grausamen Blutspur durchzogen. Jahre zuvor hatte Iphigenies Vater Agamemnon, um für seine Flotte Fahrtwind zur Abfahrt nach Troja zu bekommen, die eigene Tochter opfern wollen. Doch sie wurde heimlich von Artemis nach Tauris gerettet. Aus Rache für diese Opferung brachte Klytaimnestra allerdings ihren Mann Agamemnon nach seiner Rückkehr aus Troja um. Orest wiederum rächte den Mord an seinem Vater und tötete seine eigene Mutter – eine Tat, die ihm vom Gott Apollon anbefohlen worden war. So lautet ein Teil des Atridenmythos, eine der bedeutendsten Erzählungen der griechischen Mythologie. Er bildet die blutige Vorgeschichte zu Händels Werk und bestimmt gleichzeitig die ausweglose Lage, in der sich die Geschwister auf Tauris wiederfinden.
Das Libretto von Oreste stammt von Gianguelberto Barlocci und basiert auf Euripides’ Iphigenie bei den Taurern. Es birgt aber auch Anregungen aus den Tragödien von Aischylos und Sophokles. Weiterhin fügt es die Neuerung hinzu, dass auch Orests Frau Hermione (gemeinsam mit Pylades) nach Tauris kommt, was den Kampf von Iphigenie und Orest nicht vereinfacht. Auf dieser Grundlage stellte Händel ein Pasticcio – heute würde es «Best-of»
heißen – seiner bisherigen Erfolge zusammen. Das Werk sprüht vor musikalischer Dichte und bietet vielfältige darstellerische sowie stimmliche Gestaltungsmöglichkeiten für die Protagonist:innen, insbesondere in der heute oft mit Countertenören besetzten Titelpartie.
Händel stellte das Pasticcio in einer schwierigen Zeit zusammen. Sein langjähriger Gefährte John James Heidegger kündigte ihm im Sommer 1734 den fünfjährigen Pachtvertrag für das Theater am Haymarket und beendete damit die über 20 Jahre andauernde Zusammenarbeit. Schlimmer noch: Heidegger setzte nun auf Händels Konkurrenten der Opera of the Nobility (Adelsoper). Der Komponist musste mit seinem Ensemble ans Covent Garden Theatre ausweichen, wobei der Großteil seiner Sänger:innen zur Konkurrenz abwanderte. Am 18. Dezember 1734 feierte Händel dort die Uraufführung des Oreste. Nur zwei weitere Vorstellungen sind belegt; danach verschwand das Werk jahrhundertelang in der Versenkung. Erst 1988 wurde Oreste anlässlich der Händel-Festspiele in Halle wieder aufgeführt. Seither findet das Werk seinen Platz auf den Bühnen zurück und beweist, dass es weit mehr ist als eine bloße «Zusammenstückelung».
Diese beeindruckende Vorlage ernst nehmend, wird die Überschreibung durch den Musiker / Sounddesigner Albrecht Ziepert und die Regisseurin Mirella Weingarten zu einer eindrücklichen Abfolge intensiver Seelenzustände: Schmerz, Freundschaft, Opferbereitschaft und Hoffnung. Dabei konzentriert sich die Überschreibung auf die Konflikte des Geschwisterpaares und die darin eingearbeitete zeitlose Parabel über Trauma und Verantwortung – und Händels erstaunliche Modernität wird in neuer Schärfe erfahrbar.
TEXT Sonja Honold
Uraufführung Komposition Albrecht Ziepert, Musikalische Leitung Rafael Salas Chía, Regie, Bühne & Kostüme Mirella Weingarten, Dramaturgie Sonja Honold, Mit Georg A. Bochow, Anastasia Lerman, Johannes Maria Wimmer, Annina Wachter, Jason Lee, Robert Pockfuß Orchester Tiroler Ensemble für Neue Musik
TERMINE OREST
TAG DATUM ZEIT ABO
SA 30.5. 19.30
SA 6.6. 19.30 SA5
FR 12.6. 20.00 E2
SA 13.6. 19.30
SO 21.6. 19.30

AB 14 JAHREN
MI 24.6. 20.00 C2
FR 26.6. 20.00 M2
SO 28.6. 19.30
SA 4.7. 19.30
DO 9.7. 20.00 D1
PREIS € 30
Der Muttermörder Orest (Georg A. Bochow) trifft auf Tauris seine totgeglaubte Schwester Iphigenie (Anastasia Lerman).

TERMINE
DER STURM ODER LA ISLA BONITA
TAG DATUM ZEIT ABO
FR 19.6. 20.00 PK
DO 25.6. 20.00 L1
SA 27.6. 19.30
DO 2.7. 20.00
FR 3.7. 20.00 E1
Wenn sich Strandliegen an Strandliegen reihen, einem frühmorgens Handtücher um die Ohren fliegen, noch lange bevor der Animateur zu Morgengymnastik einlädt, denken manche vielleicht an den nächsten Cluburlaub; Calixto María Schmutter denkt an Shakespeares Der Sturm.
MI 8.7. 20.00 HAM
FR 10.7. 20.00 M1
SO 12.7. 19.30
PREIS € 30
WIEDERAUFNAHME 17.10.26

Nach William Shakespeare, Deutsch
Magic Moments! Die verspricht Shakespeares Der Sturm, oder war das die Reklame des spanischen Urlaubsresorts? Gewisse Parallelen sind für Calixto María Schmutter auf alle Fälle augenscheinlich.
Worum geht es kurz und knapp in Shakespeares
Inselstück: Der Fürst Prospero wird von seinem Bruder Antonio gestürzt und mit seiner Tochter auf einem Boot ausgesetzt.
Die beiden stranden auf einer Insel irgendwo im Mittelmeer, deren Bewohner:innen sich Prospero mithilfe seiner Zauberkräfte bald untertan macht. Als ein Schiff mit seinen Feinden an Bord sich der Insel (die nun also Prosperos Insel ist) nähert, befiehlt er dem Luftgeist Ariel einen Sturm zu entfachen, der das Schiff kentern lässt und ihm seine Feinde vor die Füße spült: Endlich kann Prospero Rache üben … Mehr als vier Jahrhunderte nach seiner Uraufführung 1611 ist Der Sturm unzählige Male auf die Bühne gebracht worden und zählt bis heute zu Shakespeares meistgespielten Stücken – und Shakespeare natürlich unangefochten zu den meistgespielten Dramatiker:innen.
Ca. 15 wissenschaftliche Studien zum Werk von William Shakespeare erscheinen täglich weltweit. Sein Erfolg ist ungebrochen, allein am Tiroler Landestheater gab es seit 1946 bereits 53 Shakespeare-Inszenierungen, Wiederaufnahmen nicht mitgezählt! Immer wieder neu sehen sich Regieteams also mit der Frage konfrontiert: Was hat dieser Stoff mit uns heute zu tun? Die existenziellen Fragen, die Shakespeare auf der Bühne verhandelt, Liebe, Macht, Eifersucht, Verrat und Verlust machen das zugegeben einfacher. Und doch wollte Schmutter sich nicht damit zufriedengeben, dem Sturm etwas überzustülpen, was er trotz seiner universellen Themen nicht ist: ein zeitgenössisches Stück. Das wird Der Sturm auch nicht mit hippen Kostümen, Synthesizer-Sounds und avantgardistischem Bühnenbild. Verrat und Machtspiele bleiben uns meist verborgen und unbekannte Zauberinseln bleiben uns keine zu entdecken – aber: Sehnsuchtsorte! Exotische Sehnsuchtsorte! Ferne Inseln im türkis schillernden Meer, mit weißem Sandstrand und Palmenalleen. Sind es also doch Zauberinseln? Die nun erschlossen, vermarktet und konsumiert werden – am besten in Kombination mit einem Billigflug. Und siehe da – tatsächlich tun sich recht offensichtliche Parallelen auf: Nehmen, ohne zu fragen, genießen, ohne zu verstehen. Davon lebt unser Massentourismus, davon lebt Prospero im Sturm, und zu Shakespeares Zeiten lebte davon der Kolonialismus. Der Übertourismus verdrängt die einheimische Bevölkerung aus pittoresken Altstadtvierteln, von strandnahen Dörfern, überschwemmt den Markt mit Billigsouvenirs und kurzlebigen Stores großer Handelsketten. Touristiker werden zu den alles bestimmenden Arbeitgebern. Literarische Texte, die sich mit den Schattenseiten des Tourismus heute beschäftigen, gibt es zuhauf. So erscheint es nur schlüssig, dass Schmutter hier ansetzt, um den Sturm in unsere Gegenwart zu transferieren: Die Handlung wird in ein Urlaubsresort versetzt und Prospero wird zum schrulligen Stammgast, der sich von den einheimischen Angestellten Ariel und Caliban aus dem Sturm vorlesen lässt. Shakespeares Sprache mischt Schmutter mit neuen, selbst verfassten Dialogen ebenso wie mit Texten zweier junger Autor:innen, Jonas Eika und Andrea Abreu, und mit diesem Kniff entsteht ein vielstimmiger Text, der zwischen Poesie, Wut und trockenem Humor pendelt. Shakespeare reloaded.

Nach dem Germanistikstudium war Uschi Oberleiter mehrere Jahre als Lektorin bzw. Redakteurin selbständig und unterrichtete an der Universität Innsbruck. Seit 2012 widmet sie sich am Tiroler Landestheater als Dramaturgin dem Schauspiel und ist seit 23/24 Co-Leitung für das Junge Theater.
Regie Calixto María Schmutter, Bühne & Kostüme Valentina Vorwahlner, Komposition & Sound Calixto María Schmutter, Dramaturgie Uschi Oberleiter, Mit Tommy Fischnaller-Wachtler, Marie-Therese Futterknecht, Patrick Ljuboja, Kristoffer Nowak, Sara Nunius, Petra Alexandra Pippan, Laetitia Toursarkissian


Die Storyboard-Bilder sind ein Arbeitsschritt der konzeptuellen Vorbereitung von Regisseurin Julia Burbach und Bühnenbildnerin Cécile Trémolierès.

In Kooperation mit der Bauernkiste und dem «digitalen Hofladele» lädt das TLT zu einem besonderen KulturGenuss nach Lans. Am 30. Juni ab 19 Uhr wird das Lavendelfeld von Bio-Bäuerin Sandra Leitner zur Bühne, wenn Dulcinée aus Don Quichotte, dargeboten von Camilla Lehmeier, zart durch diese besondere Kulisse schwebt und Benjamin Chamandy die Arie des Sancho Panza zum Besten gibt. Infos und Anmeldung:

Ein Mann auf einem klapprigen Pferd, ein treuer Gefährte an seiner Seite und am Horizont die Windmühlen von La Mancha: Don Quichotte gehört zu den großen Archetypen der Weltliteratur.
Für die einen ist der traurige Ritter ein weltfremder Fantast, für die anderen ein unbeirrbarer Idealist. Jules Massenet widmete der Titelfigur aus dem epischen Roman von Miguel de Cervantes 1910 eine seiner poetischsten Opern: ein Werk voller Humor und berührender Menschlichkeit, das die Abenteuer des berühmten Ritters mit zarter Ironie und tiefem Mitgefühl erzählt. Jules Massenet verwandelt diese Geschichte in ein Musiktheater, das Abenteuer, Poesie und leise Melancholie miteinander verbindet.
Im Mittelpunkt steht Don Quichotte, ein verarmter Landedelmann, der als selbsternannter Ritter im Namen der schönen Dulcinée zu großen Abenteuern aufbricht; angetrieben von dem unerschütterlichen Glauben an eine Welt der Ehre, der Ideale und der großen Gefühle. Begleitet wird er von seinem treuen Diener Sancho, dessen bodenständiger Blick auf die Welt immer wieder mit den hochfliegenden Idealen seines Herrn kollidiert. Als Dulcinée ihn bittet, eine gestohlene Halskette zurückzubringen, macht sich Don Quichotte auf eine Reise voller Prüfungen: von der Begegnung mit gefürchteten Räubern bis zu seinem legendären Kampf gegen die Windmühlen. Hinter all den Abenteuern liegt eine tiefe Bedeutungsebene: die Suche nach Sinn, Würde und dem Versuch, seinen eigenen Idealen gerecht zu werden.
Massenets Musik zeichnet den Protagonisten und seine Erlebnisse mit großer Wärme. Zwischen volkstümlichen Farben, lyrischen Melodien und stiller Nachdenklichkeit entsteht ein Klangraum, der Komik und Tragik eng miteinander verbindet. Don Quichotte erscheint darin nicht nur als komischer Ritter, sondern als Mensch, dessen unbeirrbare Sehnsucht nach einer besseren Welt und einem erfüllteren Leben eine berührende Größe besitzt.
Die international erfolgreiche Regisseurin Julia Burbach nähert sich diesem Stoff mit einer poetischen und bildstarken Inszenierung, die die Beziehungsdimension der Geschichte in den Mittelpunkt rückt. Ihr Blick richtet sich dabei besonders auf die Rollenbilder von Männern und Frauen, die in der Figur des Don Quichotte ebenso sichtbar werden wie in der selbstbewussten Dulcinée. Ausgehend von Cervantes’ Roman entsteht so eine moderne Lesart der Geschichte: eine Heldenreise, an deren Ende der Protagonist über sich selbst hinauswächst.
In der spartenübergreifenden Produktion wirkt neben Solist:innen, Chor und Orchester auch das Tanzensemble des Tiroler Landestheaters mit und erweitert die Erzählung um eine körperliche, visuelle Ebene. Bewegung und Musik treten in einen Dialog, der die Traumwelten und inneren Bilder des Ritters lebendig werden lässt. So entsteht ein atmosphärischer Bühnenraum, in dem Fantasie und Realität, Komik und Poesie ineinanderfließen.
TEXT Diana Merkel

Diana Merkel studierte Regie und Kulturmanagement. Nach Stationen an der Bayerischen Staatsoper und bei den Salzburger Festspielen ist sie seit 22/23 Dramaturgin mit Schwerpunkt Musiktheater am TLT.
Musikalische Leitung Matthew Toogood, Regie Julia Burbach, Bühne Cécile Trémolières, Kostüme Andrea Kuprian, Choreografie Cameron McMillan, Dramaturgie Diana Merkel, Mit Camilla Lehmeier, Oliver Sailer, Benjamin Chamandy, Hazel Neighbour, Qiong Wu, Julien Horbatuk, Jakob Nistler, Il Young Yoon

Was passiert, wenn man die große Bühne leidenschaftlichen Film-Liebhaber:innen überlässt, die mit unbändiger Spielfreude großartige Filmmusik feiern?
Man bekommt ein wahres Feuerwerk: ein Konzert voller epischer Filmmusik aus den größten Kinofilmen, mit den ikonischsten Szenen aus unseren Lieblingsfilmen. Mit dabei sind Juliana «practically perfect» Haider, sie sorgt mit Mary Poppins für ein gewisses Maß an Ordnung und Disziplin. Florian «savvy» Granzner stolpert charmant durch die Abenteuer eines Piraten. Kristoffer «the one and only» Nowak probiert’s am liebsten mit Gemütlichkeit und Wolfi «may the force be with you» Rainer überträgt mit jedem Schlag die Macht auf das Orchester. Am Pult steht Hansjörg «CAPTAIN Jack» Sofka, der das filmreife Tiroler Symphonieorchester Innsbruck sicher durch Abenteuer, Zeitreisen und Sternenkriege steuert.
TEXT Martina Natter
Szenische Moderation & Gesang Juliana Haider, Florian Granzner, Kristoffer Nowak, Special Guest & Schlagwerk Wolfi Rainer, Kinderchor des TLT, Leitung Janelle Groos, Tiroler Symphonieorchester Innsbruck, Musikalische Leitung Hansjörg Sofka / Matthew Toogood, Kostüme Andrea Kuprian, Iris Jäger, Leitung & Dramaturgie Martina Natter

Schweres Atmen, großer Auftritt: Darth Vader braucht keine Bühne – die Bühne gehört ihm.

Martina Natter leitet die ZUGABE, so nennt sich das Musikvermittlungsprogramm des TSOI. Ihre Leidenschaft ist es, Konzertformate für alle Altersstufen neu zu erfinden, Genregrenzen zu überwinden und Menschen zusammenzubringen.
Barbie stellt sich die alles entscheidende Frage «What was I made for?». Eine Frage, die auch Alice im Wunderland nicht loslässt.


Für den Kinderchor des Tiroler Landestheaters ist Drachenzähmen leicht gemacht.

Frosch «It’s not easy being green» Kermit ist der heimliche Star des Abends und als Frosch mittendrin im Konzertgeschehen!
«Mein Schatz!» –Gollum weiß genau, was ihm wichtig ist. Teilen? Eher nicht.
Mit diesem Signal ist Rettung in Sicht, ob Gotham City oder Innsbruck spielt dabei keine Rolle.


«Doc» Brown kommt zurück aus der Zukunft und weiß: Wo auch immer er hinfährt, braucht es keine Straßen!


Feinste Kammermusik, berauschende Symphonik und ein Sommernachtstraum unter freiem Himmel

In der letzten Sonntagsmatinee der Saison erwartet das Publikum ein besonders reizvolles Programm: Den Auftakt bildet Gustav Mahlers selten gespieltes Klavierquartett in a-Moll, gefolgt von Franz Schuberts Variationen über «Trockne Blumen», in denen sich Liedkunst mit virtuoser Kammermusik verbindet. Den Schlusspunkt setzt das einzige Streichquartett von Giuseppe Verdi – eine absolute Rarität im Schaffen des erfolgreichen Opernkomponisten.
28.6.26 / 11.00 UHR
HAUS DER MUSIK INNSBRUCK, GROSSER SAAL – PREIS € 8
Gustav Mahler Klavierquartett a-Moll
Franz Schubert
Introduktion und Variationen über « Trockne Blumen» e-Moll D 802
Giuseppe Verdi Streichquartett e-Moll
Berauschende Klänge
Im 8. Symphoniekonzert stürzt sich das TSOI in einen wahren Rausch von Klängen und Emotionen. Alexander Skrjabin entfaltet in Le Poème de l’Extase eine visionäre Klangwelt zwischen Rausch, Ekstase, Liebe und Freiheit. Sergej Rachmaninows berühmtes
2. Klavierkonzert vereint Sehnsucht und Virtuosität mit Tzimon Barto als Solist, und in György Ligetis Orchesterkonzert Concert Românesc offenbart sich dessen tiefe Liebe zur rumänischen Volksmusik.
11. & 12.6.26 / 20.00 UHR
CONGRESS INNSBRUCK, SAAL TIROL – PREIS ab € 30
Sergej Rachmaninow Klavierkonzert Nr. 2 c-Moll op. 18
György Ligeti Concert Românesc für Orchester
Alexander Skrjabin Le Poème de l'Extase für großes Orchester op. 54
Klavier Tzimon Barto Dirigent Ainārs Rubiķis
INNSBRUCKER PROMENADENKONZERT
Open Air im Innenhof der Hofburg
Zum traditionellen Ausklang der Konzertsaison des Tiroler Symphonieorchesters Innsbruck im Rahmen der Innsbrucker Promenadenkonzerte ist für ein besonderes Highlight gesorgt: Der englische Dirigent Howard Arman, der in der letzten Saison zwei erfolgreiche Konzerte des TSOI geleitet hat, dirigiert
Felix Mendelssohn Bartholdys Sommernachtstraum unter freiem Himmel vor traumhafter Kulisse im Innenhof der Kaiserlichen Hofburg Innsbruck.

11.7.26 / 19.30 UHR INNENHOF DER HOFBURG INNSBRUCK – PREIS ab € 9
Die Besetzung finden Sie in Kürze auf www.tsoi.at Tzimon Barto

Felix Mendelssohn Bartholdy Ein Sommernachtstraum op. 61 (Auszüge aus der Schauspielmusik für Soli, Frauenchor und Orchester)
Ralph Vaughan Williams English Folk Song Suite (orchestriert von Gordon Jacob)
Eric Coates From the Countryside
Sopran Yejin Kang Mezzosopran Agnes Hyunjin Kim Damenchor des Tiroler Landestheaters und des Extrachores Tiroler Symphonieorchester Innsbruck Dirigent Howard Arman
TEXTE Johanna Muschong

«Er ist der Mozart des 19. Jahrhunderts, der hellste Musiker, der die Widersprüche der Zeit am klarsten durchschaut und zuerst versöhnt» schrieb Mendelssohns Freund Robert Schumann. «Es wird soviel über Musik gesprochen, und so wenig gesagt», meinte der Gepriesene.
Im Juni sind zwei Konzerte mit seiner Kammermusik am Programm. Dabei sind prominente Interpretinnen und Interpreten zu erleben. Am 10. Juni spielen der italienische Cellist Giovanni Gnocchi und der japanische Pianist Yu Nitahara, beide Lehrende an der Universität Mozarteum, die beiden wundersamen Cellosonaten, ergänzt durch Clara Schumanns Romanzen und ein spannendes Stück des Tiroler Zeitgenossen Johannes Maria Staud. Das Cedag Quartett gestaltet das Konzert am 21. Juni mit drei Streichquartetten. Der Bogen spannt sich von frühvollendeten Werken des Jugendlichen bis hin zum tief berührenden, nach dem Tod der Schwester entstandenen op. 80. Musik des Mozarts der Romantik? Ja, auch er war ein «Wunderkind», ja, er hat die Formen der Wiener Klassik mit neuem Glanz erfüllt. Aber seine musikalische Ästhetik in ihrer Mischung aus Klassizität und romantischer Gefühlswelt ist unverwechselbar. Friedrich Nietzsche nannte ihn den «schönen Zwischenfall in der deutschen Musik» und Max Reger empfahl seinen Kollegen anno 1909 ein «Stahlbad in Mendelssohn».
Felix, der Enkel des Aufklärungsphilosophen aus dem Ghetto, Moses Mendelssohn, empfand als konvertierter Protestant Juden- und Christentum als eine natür-


KLAVIER & C0: MENDELSSOHN CELLOSONATEN
Giovanni Gnocchi und Yu Nitahara
10.6.26 / 19.30 UHR
HAUS DER MUSIK INNSBRUCK, GROSSER SAAL – PREIS ab € 20
liche Einheit. Jeglicher Fundamentalismus war ihm fremd. Als künstlerisches Fundament empfand er das Werk Johann Sebastian Bachs, Mozarts, Beethovens und Schuberts. In seinen Stücken sind durchaus harmonische Experimente und klangliche Visionen der Zukunft zu entdecken. Von seiner Italienreise schrieb er, die deutschen «Buchen, Linden, Eichen und Tannen» seien «zehnmal schöner und malerischer als alle Zypressen, Myrthen und Lorbeerzweige». Dass er sich, ohne in Chauvinismus zu verfallen, als Deutscher begriff, nützte ihm postum nichts. Ein guter Teil seines Oeuvres wurde in Zeiten des zunehmenden Antisemitismus fast vergessen. Im Nazireich waren öffentliche Aufführungen seiner Werke verboten. Dazu kamen manche Avantgardisten, die ihn zu einem liebenswürdigen Salonkomponisten verkleinerten, obwohl, und dies eint ihn mit Mozart, unter der schönen Oberfläche seiner Musik oft Abgründe zu entdecken sind. Doch nach dem 2. Weltkrieg kam es zu einer internationalen Mendelssohn-Renaissance, und heute zählt er zweifellos zu den «großen Meistern» der Vergangenheit, welche die Sphäre der Zeitlosigkeit erreicht haben. Die beiden Juni-Konzerte im Haus der Musik Innsbruck bieten eine gute Gelegenheit, sich mit Felix Mendelssohns musikalischer Sprache zu beschäftigen –und man kann diesen Klangkosmos in seiner souveränen Mischung aus perfekter Form und innerem Feuer, aus Eleganz und Emotion auch einfach genießen.
TEXT Gottfried Franz Kasparek

HDM IN CONCERT: MENDELSSOHN STREICHQUARTETTE II
Cedag Quartett
21.6.26 / 19.30 UHR
HAUS DER MUSIK INNSBRUCK, GROSSER SAAL – PREIS ab € 20






Neu befragte Klassiker und brandaktuelle Werke stehen im Zentrum der vierten Spielzeit von Intendantin Irene Girkinger und ihrem künstlerischen Team.
39 Produktionen machen sichtbar, warum Theater unverzichtbar ist: Weil Menschen einander brauchen – im Austausch, beim Diskutieren, im gemeinsamen Staunen und Lachen. Inhaltliche Schwerpunkte wie österreichische Literatur, slawisches Musikrepertoire, zeitgeschichtliche Themen, innovative Theaterformen und spartenübergreifende Produktionen sowie die Förderung junger Talente werden auch in der Saison 26/27 fortgeführt. Ausführlicher Blog-Artikel online:



Über Zara Alis Musiktheater
Codeborn und das Aushalten
Die Maschinen unserer Zeit schreiben Geschichten und Musik, malen Bilder, helfen im Alltag, greifen in politische Prozesse ein, lenken Meinungen, beraten uns in großen wie in kleinen Fragen, spenden Nähe und Vertrauen.
Als künstliche Intelligenz sind sie längst Teil unserer vertrauten Wirklichkeit geworden, erzeugen Faszination und Optimismus angesichts neuer Lösungsansätze und schüren zugleich Angst vor zunehmendem Kontrollverlust.
In diesem Spannungsfeld setzt Zara Alis Musiktheater an: Die Welt in Codeborn befindet sich in einem Zwischenzustand.
Auf der einen Seite tosende Allmachtsfantasien einer Regierung, die sich in losen Silben, Tönen und Geräuschen zu behaupten versucht, um mittels künstlicher Intelligenz über die Menschheit verfügen zu können. Auf der anderen Seite eröffnen sich ungeahnte Möglichkeiten neuer Zärtlichkeit und Weltflucht. NUR, eine virtuelle Erscheinung, wird für den begabten Informatiker GUY zu einem solchen Rückzugsort. Wenn die beiden aufeinandertreffen, scheint die Zeit still zu stehen, und Klang beginnt sich zu entfalten. Doch GUY ist längst im Visier der Machthaber. Noch bevor die Konsequenzen seines Widerstands zu eskalieren drohen, gerät die Welt wie von selbst in Bewegung und transformiert sich in eine Zukunft jenseits des Vorstellbaren. Eine Zukunft, die die Grenzen zwischen Mensch und Materie auflöst. Die Komponistin und Multimedia-Künstlerin Zara Ali hat sich in ihrer Arbeit nicht nur dem Fantastischen und den großen Erzählungen verschrieben, sondern recherchiert akribisch und durchdringt technologische Prozesse bis ins Detail. Eine für sie zentrale Figur im Kompositionsprozess zu Codeborn ist der Kognitionswissenschaftler und Informatiker Joscha Bach, der sich
weder dem Lager der Technikeuphorie noch jenem des Kulturpessimismus zuordnen lässt. Er versteht die durch künstliche Intelligenz ausgelösten Veränderungen als Teil eines evolutionären Prozesses. Leben, so Bach, erweitert sich kontinuierlich, und wir sind gezwungen, uns an eine Umwelt anzupassen, die sich – auch jenseits künstlicher Intelligenz – durch menschliche Einflüsse radikal verändert. In diesem Anpassungsprozess könnte künstliche Intelligenz eine wesentliche Rolle spielen. Auch Zara Ali möchte mit Codeborn Technologie nicht verklären und, den realen Bedrohungen zum Trotz, keine Endzeitstimmung verbreiten. Stattdessen entwirft sie ungeahnte Zukunftsszenarien und versetzt ihr Publikum in einen Zustand produktiver Ambivalenz. Dieser wird in ihrer atemlosen, soghaften und flirrenden Musik unmittelbar erfahrbar. Die Erfahrungswelt von
Codeborn vergleicht Zara Ali selbst mit den Weiten der Tiefsee und den dort lebenden Kreaturen: fremd, unheimlich und zugleich unendlich faszinierend.
TEXT Marlene Schleicher
Österreichische Erstaufführung
Komposition, Konzept & Text Zara Ali, Bühnenfassung & Konzept Hannah Dubgen, Musikalische Leitung Hansjörg Sofka, Regie Florentine Klepper, Co-Regie & Choreografie Deva Schubert, Bühne & Kostüme Wolfgang Menardi, Dramaturgie Marlene Schleicher & Diana Merkel, Mit Lucy Altus, Thomas Lichtenecker, Julien Horbatuk, Paul Schweinester, PHACE - Ensemble für neue Musik


Die künstliche Intelligenz –rechts im Bild Paul Schweinester (Council Member) und Thomas Lichtenecker (DOLL) –überwacht GUY und sein Apartment.

Masken, Macht und Mord: im Gespräch mit Bühnenbildner Jan Freese


TAG DATUM ZEIT ABO
SA 26.9. 19.00 P & P+
MI 30.9. 19.30 C
FR 2.10. 19.30 E
SO 4.10. 19.00 UL
DO 8.10. 19.30 D
SA 10.10. 19.00 SAA
SO 18.10. 19.00 LA3
DO 22.10. 19.30 L
SA 24.10. 19.00 SAB
FR 20.11. 19.30 M
SO 6.12. 18.00
SA 9.1. 19.00

Die Erzählung in «Un ballo in maschera» basiert auf einem realen, historischen Ereignis: dem Attentat des Adligen Jacob Johan Anckarström auf den schwedischen König Gustav III. im Jahr 1792 … Jan Freese: Diese herrlich dramatische Szene stand natürlich am Beginn unserer Recherche: Ein Abend in der Stockholmer Oper, ein Ballsaal voller Gäste, eine Gruppe maskierter Verschwörer. Sie umringen den Monarchen. Es löst sich ein Schuss, und Gustav bricht an dem Ort, den er selbst gegründet hat, zusammen.
Uns interessieren vor allem die Hintergründe dieser Tat, die innenpolitischen Zwänge, in denen Gustav, der als aufgeklärter Monarch galt, agieren musste, und natürlich die Motive seiner Gegner, im Schatten der Französischen Revolution. Auch Verdi als sehr politisch denkender Künstler interessierte sich beim Schreiben der Oper nicht nur für die Dramatik der Geschehnisse, sondern auch für das Geflecht der beteiligten Figuren, was ihm bekanntlich einigen Ärger einbrachte.
Theater ist aber kein Seminar in Geschichte. Wir interpretieren aus heutiger Sicht und haben das Privileg, das Handeln der Figuren aus unserer Perspektive zu erzählen.
Was war dein erster gedanklicher oder visueller Impuls?
Gab es ein Bild, ein Kunstwerk oder ein Detail im Stück, das dich im Herstellen deiner Entwürfe besonders inspiriert hat?
Gustav III. ist ein sehr kultivierter und kunstinteressierter Mann. Er genießt die Freiheit, sich seinen Interessen und Lüsten ausgiebi g hinzugeben. Auch diesen Aspekt wollen wir sichtbar machen. Auch gilt er als verborgen homosexuell. Im Bühnenbild werden wir einen sehr lasziven plastischen Männerakt sehen, quasi als Teil einer Figurengalerie.
Maskierung und Identitätsverschiebung sind zentrale Motive der Oper. Wie spiegelt sich dieses Spiel mit Verbergen und Enthüllen im Raumkonzept wider?
Wir haben uns für ein Drehbühnenprinzip entschieden. D as ermöglicht uns sinnbildlich, auch die Rückseite des Palastes zu sehen und die dunklen Ecken der Macht zu beleuchten. Die Räume verändern sich offen vor unseren Augen. Die räumlichen Veränderungen spiegeln diese inhaltlichen Verschiebungen.

JOHANNA WILDLING
Was wünschst du dir, dass das Publikum empfindet, wenn sich der Vorhang hebt?
D as Publikum ist sozusagen der vierte Mitspieler. Jeder h at seine ei g enen Bilder im Kopf, bevor sich der Vorha ng hebt. Und natürlich besteht so ein Abend aus vielen bewusst getroffenen Entscheidun gen. Als Bühnenbildner treffe ich diese lange vor Probenbeginn. D abei hoffe ich sehr, dass unser Bilderrei gen dazu beiträgt, eine spannende, dichte und höchst tragische Geschichte zu erzählen.
Johanna Wildling ist seit 2024 Dramaturgieassistentin am Tiroler Landestheater. Zuvor arbeitete sie u. a. als Regieassistentin und Inspizientin sowie in den Bereichen Dramaturgie, Casting und Produktion in Wien, Niederösterreich und der Schweiz.
Welche Materialien verwendest du in deinem Bühnenbild, wie arbeitest du mit ihnen und welche Funktionen haben sie?
Ich achte sehr darauf, dass Wandoberflächen und Materialien nicht nur illusionistisch für den Blick aus dem Saal funktionieren, sondern in erster Linie für die Darsteller:innen auf der Bühne. Eine Wand, ein Tisch oder ein Stuhl muss auch im Arbeitslicht auf der Bühne gut aussehen und eine bestimmte Funktion erfüllen. Das Bühnenbild dient zunächst einmal dem Spiel. Ich benutze oft Stahl und Holz als das, was sie sind, als «echte Materialien» in ihrer rohen Schönheit.
Wir hatten kürzlich Bauprobe … Bauproben machen unglaublich Spaß, da man zum ersten Mal die Dimension des Entwurfes vom kleinen Modell 1:1 auf die Bühne übertragen kann. Die Kolleg:innen der Technik haben das sehr eindrücklich aus allerhand bereits vorhandenen Materialien gebaut, und so können wir danach viel detailreicher in der Werkstatt weiterarbeiten.
DIE FRAGEN STELLTE Johanna Wildling
Musikalische Leitung Stephan Zilias, Regie Jasmina Hadžiahmetović, Bühne Jan Freese, Kostüme Aleksandra Kica, Dramaturgie Diana Merkel & Johanna Wildling
Musical von Richard O’Brien
Schillernd, verführerisch, unverschämt
charismatisch:
Philipp Moschitz ist ab Herbst als Frank’n‘Furter in der Inszenierung von Paul Spittler erneut Garant für kollektive Ekstase.
Aufgrund des großen Erfolgs und der außergewöhnlichen Publikumsresonanz wird das Kultmusical schlechthin in der kommenden Spielzeit wieder aufgenommen – und verspricht sündhaft gute Unterhaltung: Wir tauchen ein in die schräge, wundersame Welt der Rocky Horror Show. Wer hätte gedacht, wohin ein kleiner «jump to the left» führt? Nach einer Reifenpanne landen Janet und Brad an einem Schloss – und mitten in einer außerirdisch-queeren Parallelwelt. Ihr Gastgeber: Frank’n‘Furter, narzisstischer Alleinherrscher, exzentrischer Wissenschaftler – und mit mehr als nur einem Hauch Sex-Appeal.
Wiederaufnahme Musikalische Leitung Hansjorg Sofka, Regie Paul Spittler, Bühne & Video Nicole Marianna Wytyczak, Kostüme Tom Unthan, Choreografie Jasmin Avissar, Dramaturgie Sascha Kölzow
TAG DATUM ZEIT
FR 25.9. 20.00
SO 11.10. 18.30
SO 18.10. 19.30
DO 22.10. 20.00
SO 8.11. 19.30
PREIS € 32

Machtkampf, politische Rivalität und das Ringen um die Gunst in der Öffentlichkeit verdichten sich zu einem Finale, bei dem es keine Siegerinnen gibt. Regie führt Co-Direktorin Bettina Bruinier, die sich mit einem starken weiblichen Team einem ihrer Lieblingsklassiker widmet.

Was ist im Tanz naheliegender als eine Auseinandersetzung mit dem Körper? Die beiden renommierten Choreograf:innen Caroline Finn und Marcel Leemann bringen bei diesem Doppeltanzabend eine bildstarke, dynamische und tänzerisch zeitgenössische Reise auf die Bühne.


Musikalischer Monolog von Peter Lund, mit Brigitte Jaufenthaler und Christian Wegscheider
TERMINE
THE ROCKY HORROR SHOW
TAG DATUM ZEIT
FR 25.9. 19.30
FR 9.10. 19.30
SO 11.10. 18.00
DO 10.12. 19.30
SO 13.12. 19.00
MI 30.12. 19.30
SO 3.1. 18.00
MI 10.2. 19.30
FR 19.2. 19.30
PREIS ab € 22
Ein Abend, der nachhallt, kehrt zurück: Brigitte Jaufenthaler brilliert wieder als Zarah Leander in den Innsbrucker Kammerspielen.
Zarah 47 – Das totale Lied ist ein musikalischer Monolog über eine Frau zwischen Selbstinszenierung und Selbstverleugnung im Spannungsfeld von Vergangenheitsbewältigung und moralischer Verantwortung. Mit feiner Ironie und emotionaler Wucht entsteht das Bild einer Künstlerin, die sich der Frage stellen muss, ob man Stimme einer Diktatur sein und dennoch unschuldig bleiben kann. Begleitet von Christian Wegscheider am Klavier verleiht Brigitte Jaufenthaler der Rolle besondere Tiefe.
Wiederaufnahme Musikalische Leitung
Christian Wegscheider, Regie Susi Weber, Bühne & Kostüme Esther Frommann, Dramaturgie Sonja Honold

PREMIERE 10.10.26 BIS 20.12.26
17.10.26

Ein Ball, ein Versprechen und ein verlockender Abend bringen bürgerliche Gewissheiten durcheinander. Paul Abrahams mitreißende Revueoperette wird zum kosmopolitischen Bühnenrausch. Erstmals am TLT inszeniert der fünffache Preisträger des BR-Operettenfroschs Christian von Götz.
Die rasante Verwechslungskomödie von Erich Kästner, in deren Mittelpunkt zwei starke Mädchen stehen, begeistert seit Jahrzehnten Groß und Klein. Regie führt die gebürtige Wienerin Elke Hartmann, die sich in der Innsbrucker Theaterszene längst einen Namen gemacht hat.
Ein Theater ist eine Stadt in der Stadt, in der es alles gibt: Handwerkergilden, Künstler:innen, Verwaltung und Finanzbehörde. Und
Das ist eine Frage, die wir (uns) immer wieder neu stellen wollen –laut, öffentlich, ohne Netz. der ganze Apparat mit seinen hunderten von Angestellten hat überhaupt nur eine Aufgabe: die, eine erfundene Wirklichkeit zu erschaffen. Theater sind Tempel des schönen Scheins und des Außeralltäglichen, hoch subventionierte Schutzräume, herausgehoben aus den unmittelbaren Handlungszwängen des Alltags.
UND GENAU DARIN LIEGT

Seit Beginn der Spielzeit 25/26 ist Julia Spinola Co-Direktorin und leitende Dramaturgin der Sparte Musiktheater.
Theater ist Labor. Es forscht, zeigt, kommentiert — wie Menschen miteinander leben, woran sie scheitern, was daraus entsteht. Und wie im Traum, der persönlichen, inneren Bühne jeder und jedes Einzelnen, darf, ja muss hier alles ins Rampenlicht der Diskussion gestellt werden: zugänglich für alle, um sich daran zu reiben. Der nächtliche Traum ist kein Luxus – er ist psychische Notwendigkeit. Das Theater ist sein gesellschaftliches Äquivalent: Es bringt auf die Bühne, was im Alltag keinen Ort hat – Ängste, Wünsche, Sehnsüchte, Tabus. In einer sinnlichen, körpernahen, unzensierten Sprache, die sich am Ideal maximaler Wahrhaftigkeit orientiert, statt zu dozieren, zu belehren oder zu manipulieren. Theater erprobt Gegenentwürfe zur Konditionierung unserer seelischen Innenwelten.
L A
Das Fest am Platz lädt ein! Erleben Sie die Vielfalt der Künste mit offenen Türen, verborgenen Ecken und einem bunten Programm im Tiroler Landestheater, dem Haus der Musik Innsbruck und am Theater-Vorplatz.
Für Groß und Klein – wir freuen uns auf Sie und euch!
In einer Zeit, in der wir uns zunehmend in hermetisch abgedichtete, digitale Meinungsblasen zurückziehen, feiert das Theater das gemeinsame Erlebnis, ist Fest, Ritual, Gleichzeitigkeit: sicher im Ungewissen, zusammengehalten durch Dissens. Theater ist Leben. Ohne Theater ist alles nichts.
Festkonzert im Großen Haus 19.00 Uhr

Willkommen im Hotel
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TIROLER LANDESTHEATER & ORCHESTER GMBH INNSBRUCK Rennweg 2 / 6020 Innsbruck
T +43 512 52074 / F +43 512 52074-333 tiroler@landestheater.at / orchester@landestheater.at
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www.haus-der-musik-innsbruck.at
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