Madlen Ried holt 1. Platz bei Tyrol Skills «Peterle hilft» – auch im Tiroler Landestheater!
THEATER IST EINE HERZHALTESTELLE
Im Gespräch mit Irene Girkinger und Markus Lutz
Preisgruppen
Nach dem ersten Premierenreigen zu Saisonbeginn geht es nun mit viel Elan und einem vielfältig fokussierten Programm weiter. Wir haben die Intendantin Irene Girkinger und den kaufmännischen Direktor Markus Lutz daher um ein kurzes Zwischen-Resümee und einen Ausblick auf die kommenden Wochen gebeten.
Frau Intendantin, Soap & Skin, eine der bedeutendsten zeitgenössischen Musikerinnen Österreichs, gibt im TLT ihr einziges Tirolkonzert und bietet eine derart überwältigende Performance, dass man sich noch nach Jahren daran erinnern wird, bei der «Rocky Horror Show» im Großen Haus sehen wir das Publikum bei jeder Vorstellung ausgelassen mitsingen und mittanzen, für die Tanzproduktion «Verlockung» gab es rundum begeisterte Rezensionen, sowohl das 1. Symphoniekonzert wie auch die bisherigen Opernproduktionen «Ariadne auf Naxos» und «Die Ausflüge des Herrn Brouček» erhielten viel Lob für den programmatischen und künstlerischen Mut – der Start in die neue Saison hat ungemein dynamisch begonnen, wie geht es denn nun weiter?
Irene Girkinger Ja, es liegen sehr intensive Wochen hinter uns – und wenn ich bei der Rocky Horror Show miterlebe, wie sich das Publikum im Großen Haus von unserer fantastischen Band und unserem großartigen Ensemble rund um Frank'n'Furter Philipp Moschitz von der ersten Sekunde an zum Mitmachen verführen lässt, dann geht mir wirklich das Herz auf. Unsere Schauspiel-Co-Direktorin Bettina Bruinier meinte kürzlich in einer Sitzung mit gespielt todernster Miene: «Wir sind lustig». Ich denke, besser kann man diese Saison gar nicht beschreiben. Wir setzen uns ernsthaft mit den großen und wichtigen Themen unserer Gesellschaft auseinander, blicken kritisch zurück in jene Zeiten, die sich doch nie mehr wiederholen sollten, wie etwa im musikalischen Monolog Zarah 47 – Das totale Lied
mit Brigitte Jaufenthaler und Christian Wegscheider oder in Thomas Bernhards Meisterwerk Heldenplatz. Wir kontern dem Opportunismus und der politischen Gleichgültigkeit mit klugem und subversivem Humor wie im zeitlosen OperettenKlassiker Die Fledermaus oder mit Nick Whitbys großartiger Komödie Sein oder Nichtsein nach dem berühmten Film von Ernst Lubitsch. Und die Oper Idomeneo zeigt uns eindrucksvoll, dass es schon dem vermeintlich leichtfüßigen Genie Mozart ein großes Anliegen war, die generationenübergreifende Traumatisierung durch Kriege zu thematisieren.
Ein ganz schön dichtes Programm … Irene Girkinger Das gibt ja schon unser Jahresmotto vor: «Das ist doch nur was für alle» . Und dabei habe ich noch gar nicht alles aufgezählt, wie etwa unsere zwei großen Tanzproduktionen, die garantiert für viel Furore und Staunen sorgen werden. Zum einen die sprichwörtlich weltumspannende Tanzrecherche Von Heimat und Tänzen, für die wir Christof Dienz und Mitglieder der «Knödel» als Live-Band mit eigens komponierten Stücken gewinnen konnten. Und nicht zuletzt die Neuinterpretation von Schwanensee gemeinsam mit unserem Tiroler Symphonieorchester Innsbruck.
Herr Direktor, wie haben Sie als kaufmännischer Leiter den Start der neuen Saison erlebt?
Markus Lutz Es ist jedes Mal aufs Neue faszinierend mitzuerleben, wie hier am Haus 450 Menschen aus 48 Nationen in hundert unterschiedlichen Berufen mit vereinten Kräften daran arbeiten, innerhalb von wenigen Wochen neue Produktionen auf die Bühne zu bringen. Und es ist immer wieder ein kleines Mysterium, in welch kurzer Zeit das Haus mit all seinen Gewerken nach der Sommerpause an Fahrt aufnimmt, wie konsequent und diszipliniert die eng getakteten Zeitpläne eingehalten werden. Wir freuen uns sehr, dass wir zum Start der neuen Saison wieder einige künstlerische Erfolge feiern konnten und unsere Produktionen auf viel positives mediales Echo gestoßen sind. Es kommen mittler-
weile auch Menschen in unsere Häuser, die bislang nur schwer den Weg zu uns ins Theater gefunden haben.
Gleichzeitig machen sich ein schwieriges ökonomisches Umfeld und die anhaltend hohe Inflation natürlich auch im Publikum bemerkbar.
Markus Lutz Absolut. Es spricht für die Qualität des Hauses, dass sich auch bei diesen Rahmenbedingungen aktuell so viele Menschen Kultur leisten wollen und unser Theater besuchen. Es braucht allerdings ungleich größere Anstrengungen, um Menschen ins Theater zu locken. Gerade in herausfordernden Zeiten sind Beständigkeit und Vertrauen von unschätzbarem Wert. Daher erfüllt es uns natürlich mit großer Dankbarkeit und auch Freude, dass uns so viele Besucher:innen konstant die Treue halten – und wir nicht nur neue Besucher:innen, sondern auch Abonnent:innen dazugewinnen konnten. Aber auch wir müssen angesichts der öffentlichen Sparauflagen mit weniger Budget auskommen und mehr an Einnahmen erwirtschaften. Die Situation ist zweifelsohne herausfordernd, aber es ist auf der anderen Seite auch großartig zu sehen, wie alle Mitarbeiter:innen geeint zusammenstehen, weil das Theater für uns alle eine Herzensangelegenheit ist.
Irene Girkinger Ja, wir sind eine Herz Halte Stelle für alle.
DAS GESPRÄCH FÜHRTE Christine Frei
Intendantin Irene Girkinger und der kaufmännische Direktor Markus Lutz
DIE AUSFLÜGE DES HERRN BROUČEK
Von Leoš Janáček
Was passiert, wenn ein spießiger Wirtshausgänger plötzlich in einer Künstler:innenkolonie auf dem Mond oder in mittelalterlichen Kriegswirren landet?
Oper kann aus Musik und Geschichten Erkenntnis stiften; das zeigt Leoš Janáček wie kaum ein anderer. Seine Werke sind klingende Denkmodelle, in denen sich Sprache, Gesellschaft und Psychologie zu Poesie und Satire verdichten. So wird auch Die Ausflüge des Herrn Brouček zu einem Werk von zeitloser Brillanz, das gerade international eine triumphale Wiederentdeckung erfährt. Realität und Traum werden raffiniert verschlungen, zugleich hält Janaček einer engstirnigen und feigen Gesellschaft den Spiegel vor. Die Handlung ist aberwitzig: Der pedantische Hausbesitzer Brouček liebt Bier, Würstel und Gemütlichkeit. Eines Abends wünscht er sich im Rausch aus seiner Lieblingskneipe auf den Mond und findet sich in einer Traumwelt wieder, bevölkert von ätherischen Künstler:innen, die teilweise direkte Ähnlichkeit mit Personen aus seinem alltäglichen Leben aufweisen. Während die Mondgöttin Etherea ihn umwirbt, weckt sein allzu weltlicher Hunger Abscheu bei den Mondbewohner:innen. Im nächsten Rausch folgt ein weiterer traumhafter Ausflug: Diesmal wird er ins Prag des 15. Jahrhunderts versetzt, wo er seine Feigheit durch Lügen zu vertuschen versucht und für seinen Betrug fast verbrannt wird. Als er in der Kneipe erwacht, prahlt Brouček mit seinem erfundenen Heldentum. Gerade diese Unverbesserlichkeit macht die Figur so wirkmächtig: Brouček verändert sich nicht, sondern bleibt kleingeistig und feige – und zwingt das Publikum damit, über eigene Bequemlichkeit und Selbsttäuschung nachzudenken.
Dem Vergnügen mit Tiefgang hat sich das Team der Erfolgsproduktion Falstaff angenommen: Regisseur Tobias Ribitzki und Bühnen- und Kostümbildner Stefan Riekhoff erarbeiten gemeinsam mit dem Dirigenten Matthew Toogood Die Ausflüge des Herrn Brouček als musikalische Satire von kafkaeskem Witz. Highlight sind die zauberhaften Videos des britischen Animationskünstlers Paul Barritt, die die instrumentalen Zwischenmusiken Janáčeks mit traumhafter Magie und Augenzwinkern ergänzen.
TEXT Diana Merkel
Musikalische Leitung Matthew Toogood, Regie Tobias Ribitzki, Bühne & Kostüme Stefan Rieckhoff, Video Paul Barritt, Dramaturgie Diana Merkel, Mit Florian Stern, Alexey Sayapin, Marcel Brunner, Hazel Neighbour, Erwin Belakowitsch, Alec Avedissian, Anastasia Lerman, Abongile Fumba, William Blake, Junghwan Lee, Esewu Nobela, Michael Gann, Qi Wang
Die erste Tanzproduktion im Großen Haus verbindet Tradition mit Moderne und befasst sich mit unterschiedlichen Tanzstilen aus verschiedenen Welten. Die Mitglieder des internationalen Tanzensembles bringen eigene Geschichten und tänzerische Traditionen ihrer Heimat mit nach Innsbruck. Nun gilt es, diese Spezialitäten zu bündeln und auf die Bühne zu bringen.
Die beiden Choreografen
Marcel Leemann und Simon Mayer arbeiten für diese Produktion zum ersten Mal zusammen. Das setzt Synergien frei, die durch die Kollaboration mit den Tänzer:innen sowie den Livemusiker:innen auf der Bühne zu einem Feuerwerk aus Tanz, Rhythmus und Klang verschmelzen. Mitten im Probenprozess beantworten die beiden Choreografen einige brennende Fragen:
VON HEIMAT UND TÄNZEN
Worauf kann sich das Publikum bei diesem Stück freuen?
Simon Mayer Da gibt es vieles: Auf das Tanzensemble des Landestheaters in einem zeitgenössischen Stück mit Transformationen aus Volkstanz und traditionellen Tänzen aus Tirol, dem alpinen Raum und aus aller Welt. Weiters gibt es fantastische Musik zu hören. Christof Dienz komponierte eigens für diesen Abend und begleitet mit drei weiteren Mitgliedern seiner Band «Die Knödel» live – und als besondere Gäste spielen Mitglieder der Musikkapelle Amras in wechselnden Formationen auf. Die Bühne wird zum Fantasiedorf, das sich durch einen Mix aus verschiedenen Kulturen und Backgrounds definiert, die miteinander tanzen und spielen.
Musikkapelle, Volkstanz, Traditionen: Ist da ein zeitgenössisches Tanzensemble die richtige Besetzung?
Marcel Leemann Wir kreieren ganz klar ein modernes Tanzstück, dessen Inspiration aus dem traditionellen Tanz stammt. Zeitgenössischer Tanz ist natürlich nach wie vor unser hauptsächliches Handwerk, auch für diesen Abend. Wir haben ein talentiertes, vielseitiges Ensemble hier im Theater, da nehmen wir alles mit, was die Tänzer:innen können. Sie sind individuelle Persönlichkeiten mit eigener Ausstrahlung, die aber auch als Gruppe wunderbar funktionieren und Dynamiken entwickeln, die kraftvoll und gleichzeitig sensibel und fein sind.
Simon Mayer Die Stärke dieser Produktion liegt gerade auch im Miteinander und der Koexistenz aller Beteiligten. Das ist nicht selbstverständlich, wenn man die heutigen Gesellschaftsstrukturen unter die Lupe nimmt.
Wie überträgt sich der Mix aus Tradition und Zeitgenossenschaft auf die musikalische Umsetzung?
Simon Mayer Die Spezialität von Christof Dienz und seinen Knödeln liegt darin, Brücken zu bauen aus Tradition und heutigen Musikstilen. Bei ihnen können Gegenstände zu Instrumenten werden, Schlagwerkzeug und Rhythmus spielen eine wichtige Rolle, da kommt eine ganze Palette an Klangkörpern zum Einsatz, von leise bis laut, von sanft bis wild.
Letzte Frage: Wem könnte dieses Stück besonders gefallen?
Marcel Leemann Allen – Jung und Alt, von hier und von überall! Einfach allen Menschen, die Tanz und Musik lieben. Das wird ein richtiges Familienstück!
Choreografie Marcel Leemann, Simon Mayer, Bühne Julia Neuhold, Kostüme Katia Bottegal, Komposition Christof Dienz, Dramaturgie Karoline Wibmer, Stefan Späti
Giorgia Doria, Letizia Pignard, Sarah Merler, Olivia Swintek
AB 12
JAHREN
AB 10 JAHREN
GESCHICHTEN VOM FRANZ
Von Christine Nöstlinger
In einer Bearbeitung von Michaela Senn und Uschi Oberleiter
In den Geschichten vom Franz hört man immer Christine Nöstlingers unvergleichliche Stimme: direkt, warm und ehrlich. Wie man es sich halt wünscht, wenn man Kind ist.
Er ist klein, höflich, blondgelockt – und mit seiner piepsigen Stimme längst Teil des literarischen Gedächtnisses vieler Generationen: der Franz Fröstl aus der Hasengasse. 1984 schrieb Christine Nöstlinger die ersten Geschichten vom Franz und zeichnete damit ein humorvolles wie fein beobachtetes Kinderporträt
TERMINE
GESCHICHTEN VOM FRANZ
TAG DATUM ZEIT PREIS
aus Wien. 18 weitere Bände folgten, in denen Franz Schulabenteuer, kindliche Krisen sowie Mutproben zu bewältigen hat. Im NöstlingerFiguren-Kabinett ist der Franz sicher einer der berühmtesten Protagonisten, dabei ist der Franz alles andere als ein großer Held. Er ist kein Draufgänger, hat weder Zauberkräfte noch magische Tiere in der Schultasche, er ist ein Kind, so wie es seine Leser:innen auch sind. Und wie bei ihnen sind auch Franz’ Probleme mal kleiner, mal größer, vom Mobbing bis zum BetreuungsEngpass in den Ferien. Christine Nöstlinger zeigt in diesen Alltagsgeschichten, was ihre Bücher immer auszeichnet – ein unnachahmliches Gespür für kindliche Denkweisen. Vielleicht bleiben diese kleinen Abenteuer deshalb heute so aktuell wie damals. Und manches wird vielleicht immer aktueller: In einer Welt, in der Erwachsene sich zunehmend optimieren, wir uns andauernd makellos in einer Social-MediaWelt präsentieren, ist es als Kind nicht mehr ganz so einfach zu akzeptieren, dass man Henkelohren hat und zwei Köpfe kleiner ist als alle anderen. Dass das aber voll okay ist, zeigt das Team mit einer bunten und rasanten Inszenierung, denn Humor hilft oft, beim Großwerden aber ganz bestimmt.
SO 30.11. 11.00 KD
SA 6.12. 11.00 KD
SO 7.12. 11.00 & 14.30 KD
SA 13.12. 11.00 & 14.30 KD
SO 14.12. 11.00 KD
SA 20.12. 11.00 & 14.30 KD
SO 21.12. 11.00 & 14.30 KD
FR 26.12. 14.30 KD
SO 28.12. 11.00 & 14.30 KD
SA 3.1. 14.30 KD
SO 4.1. 11.00 & 14.30 KD
MEINE GENIALE FREUNDIN TEIL 3
Von Elena Ferrante
TEXT Uschi Oberleiter
Regie Michaela Senn, Bühne & Kostüme Eleni Palles, Musik Juliana Haider, Dramaturgie Uschi Oberleiter, Mit Frederick Redavid, Laetitia Toursarkissian, Hans Danner, Raphael Kübler, Elena-Maria Knapp
Die TLT-Theaterserie nach dem Roman von Elena Ferrante, aus dem Italienischen von Karin Krieger
Die Geschichte von Lila und Lenù ist geprägt von zarter Verletzlichkeit und brutaler Realität –durchzogen von einer Sehnsucht, die unter die Haut geht.
Auf den Straßen des neapolitanischen Rione, wo Armut und die Machtspiele der reichsten Familien den Alltag beherrschen, suchen Lila und Lenù nach Wegen, die festzementierten sozialen Schranken zu überwinden. Doch im Versuch gesehen zu werden und nicht angesichts der an sie gestellten Ansprüche zu verblassen, gerät Lila immer tiefer in einen Strudel aus Kontrolle, familiären Pflichten und männlichen Besitzansprüchen. Lenù hingegen erlebt ein zaghaftes Aufblühen: Ihre schulischen Erfolge und damit die Zuwendung ihrer Lehrerinnen ermöglichen ihr einen ersten Blick auf eine Welt jenseits des Rione.
Wenngleich Lila und Lenù sich auch zeitweise aus den Augen verlieren oder geografisch getrennt sind, bleibt ihre Verbindung wie aus eisernem Guss. So begegnen sie sich mal zärtlich-tröstend, mal einnehmend, von leiser Eifersucht unterwandert und bei-
nahe zerstörerisch –doch immer im stummen Einverständnis, nicht ganz zu verschwinden, solange die andere hinsieht.
Daniela Bjelobradić und Julia Posch verleihen dieser Freundschaft eine Intensität, die lange nachhallt, und halten mit atemberaubender Stärke die Spannung zwischen Liebe, Gefahr und ambivalenter Nähe.
TEXT Johanna Wildling
Regie Edith Hamberger, Bühne & Kostüme Josef Grill Junior, Video Jennifer Lepschi, Dramaturgie Johanna Wildling, Mit Daniela Bjelobradić, Julia
Posch
AB 14 JAHREN
Juliana Haider und Michaela Senn bei der Konzeptionsprobe.
Julia Posch und Daniela Bjelobradić
AB 6 JAHREN
Elena-Maria Knapp, Raphael Kübler, Laetitia Toursarkissian (Erzähler:innen), Hans Danner (Eberhard), Frederick Redavid (Franz)
ZARAH 47 –DAS TOTALE LIED
Musikalischer Monolog von Peter Lund
Gut Lönö, Schweden, 1947: Hier herrscht Ruhe, nicht einmal das Meer rauscht.
Allein und verlassen wartet Zarah Leander auf Anrufe, Gratulationen zu ihrem 40. Geburtstag. Währenddessen erinnert sie sich, wie sie als Schwedin zum UFA-Star der 30er und frühen 40er Jahre avancierte und in Berlin Erfolge feierte. Der Stadt, die nun in Trümmern liegt, nach einem Weltkrieg und einem Regime, das menschenverachtender nicht sein konnte. Inmitten der Ruine ihrer Karriere lässt Zarah alles aufleben, was sie damals hatte –Ruhm, Glanz und Verehrung. Nach dem Ende des «Dritten Reiches» und fehlenden Auftritten ist sie nach wie vor überzeugt: «Nach mir ist man süchtig!» Zarah 47 – Das totale Lied erzählt die Geschichte einer Frau zwischen Selbstinszenierung und Selbstverleugnung, zwischen Vergangenheitsbewältigung, moralischer Verantwortung und dem Drang, weiterzuleben. Mit feiner Ironie und emotionaler Wucht entsteht das Porträt einer Künstlerin, die sich der Frage stellen muss: Kann man die Stimme einer Diktatur sein und trotzdem unschuldig bleiben?
Mit der Musik ihrer größten Hits, geschrieben von Benatzky, Jary, Brühne und vielen mehr, entsteht eine
klangvolle, bittersüße Revue über Schuld, Erinnerung und den ungebrochenen Glauben an die Macht der Kunst. Die Tiroler Schauspielerin Brigitte Jaufenthaler kehrt mit diesem musikalischen Abend zurück ans Tiroler Landestheater und wird von dem renommierten Musiker Christian Wegscheider am Flügel begleitet.
TEXT Sonja Honold
29.11. 19.30 PK KG
12.12. 20.00 M1 KG
Musikalische Leitung Christian Wegscheider, Regie Susi Weber, Bühne & Kostüme Esther Frommann, Dramaturgie Sonja Honold, Mit Brigitte Jaufenthaler, Christian Wegscheider
SEIN ODER NICHTSEIN
Komödie von Nick Whitby
Nach dem Film von Ernst Lubitsch Drehbuch Edwin Justus Mayer und Melchior Lengyel
Warschau 1939, wenige Wochen vor dem Einmarsch der deutschen Herrenmenschen in Polen. Am Polskitheater wird auf Hochtouren für die nächste Premiere geprobt. Das Stück: eine handfeste Komödie über die Gestapo.
Das Bühnenbild: ein hyperrealistisch simuliertes Gestapo-Hauptquartier. Die Kostüme: verblüffend echt wirkende Gestapo-Uniformen. Heil Hitler! Heil Hitler! Das wird ein Spaß! Oder doch nicht. Noch bevor die Nazisatire ihre Premiere erlebt, wird sie von der polnischen Zensurbe-hörde abgesetzt. Ersatzweise kommt Hamlet auf den Spielplan –sehr zur Freude von Josef Tura, seines Zeichens Hauptdarsteller und Rampensau mit gewaltigem Bühnenego. Umso kränkender für Tura, dass in jeder Vorstellung der immergleiche Zuschauer –jung, attraktiv, Fliegeruniform – aufs Stichwort «Seinodernichtsein» den Saal verlässt. Wohin der fesche Flieger verschwindet, weiß nur Maria Tura, Josefs ebenfalls schauspielende Frau, nämlich in ihre Garderobe. SCHNITT. Warschau 1940. Das Polskitheater ist geschlossen, das Ensemble hofft auf echten Bohnenkaffee und bessere Zeiten. Da taucht der fesche Flieger wieder auf, diesmal nicht in amouröser Mission, sondern in politischer: Eine Todesliste mit Namen des antifaschistischen Undergrounds darf nicht in die Hände der Nazis gelangen. Um dies zu verhindern, spielt die Polski-Truppe, wofür sie vor dem Krieg geprobt hat. Im Bühnenbild des abgesetzten Stücks treffen echte Nazis auf falsche Nazis, falsche Nazis auf echte Spione, echte Spione auf halbfalsche Doppelagenten – eine bizarre Verwechslungskomödie mit
Josef und Maria Tura in den Glanzrollen. Aber anders als vor dem Krieg geht es diesmal wirklich um Sein oder Nichtsein, um Leben und Tod. Am Tiroler Landestheater spielen wir nicht um unser Leben. Gut so! Und damit es so bleibt, wollen wir über den Faschismus lachen, bis er endlich totgelacht ist.
TEXT Anita Augustin
Regie Bettina Bruinier, Bühne & Kostüme Elisabeth Vogetseder, Musik Hansjörg Sofka, Dramaturgie Anita Augustin, Video David Schuh, Mit Daniela Bjelobradić, Andrea De Majo, Pasquale di Filippo, Florian Granzner, Kristoffer Nowak, Marion Reiser, Stefan Riedl, Hansjörg Sofka, Laetitia Toursarkissian, Statisterie des Tiroler Landestheaters
AB 12 JAHREN
AB 14 JAHREN
Brigitte Jaufenthaler und Christian Wegscheider bei der gemeinsamen Probenarbeit
Mit Brigitte Jaufenthaler und Christian Wegscheider
DIE FLEDERMAUS
Vom sozialen Gefängnis des bürgerlichen Wohnzimmers geht es über die Wunscherfüllungshalluzinationen beim Prinzen Orlowsky mit sozialen Rollenwechseln und Verwechslungsspielen geradewegs ins reale Kerkerszenario. Hier regiert Gerichtsdiener Frosch auf höchst unterhaltsame Weise. Gespielt wird er bei uns von dem bekannten Tiroler Schauspieler Martin Leutgeb. Den brandaktuellen Text hat ihm der ebenfalls aus Tirol kommende junge Bühnenkünstler, Kabarettist und Entertainer Xaver Schumacher geschrieben.
Operette von Johann Strauss
Libretto von Richard Genée mit einem Frosch-Monolog von Xaver Schumacher In deutscher Sprache mit deutschen Übertiteln
TAG DATUM ZEIT ABO PREIS
SA 13.12. 19.00 P, Pplus M
SA 20.12.
Kein anderes Bühnenwerk von Johann Strauss konnte einen solchen Erfolg erzielen wie Die Fledermaus –die als Inbegriff der Wiener Operette, wenn nicht gar der Operette überhaupt gilt. Kompositorische Meisterschaft, überbordender Einfalls- und Anspielungsreichtum und eine dramaturgische Schlüssigkeit, die im rauschhaften Fest des Prinzen Orlowsky des zweiten Aktes ein magnetisches Zentrum schafft, erzeugen einen bis heute unwiderstehlichen Sog.
Die im Werk zelebrierten Themen einer champagnerseligen kollektiven Verdrängung und der Utopie einer symbiotischen Verbrüderung der Gesellschaft, durch die alle sozialen Zwänge und Differenzen aufgehoben wären, trafen schon im Jahr der Uraufführung, 1874, einen Nerv der Zeit. Damals hatte das bürgerliche Publikum nach Jahren eines scheinbar unaufhaltsamen Aufstiegs die ersten existenzbedrohenden Krisen erlebt.
Der Flop der Wiener Weltausstellung, von der man sich einen finanziellen Aufschwung erhofft hatte, der als «Gründerkrach» berüchtigte Börsenkrach von 1873 und die kurz darauf ausbrechende Cholera-Epidemie trugen mit bei zu einem Lebensgefühl, für das der Kulturphilosoph Hermann Broch den Ausdruck «fröhliche Apokalypse» geprägt hat.
Beides, die Krisenerfahrung und die Sehnsucht nach einer Überwindung des Alltags durch alkoholbefeuerte Rollenentfesselung, sind bis heute die Ingredienzien, die der Fledermaus ihren Erfolg sichern. Die bürgerlichen Moralzwänge werden durchbrochen, es wird in dieser Gesellschaft nach allen Regeln der Kunst gelogen, intrigiert und vorgetäuscht – und doch steckt in all der Maskerade etwas Echtes, denn die Musik spricht mit anarchischer Direktheit all die Wahrheiten aus, die die Figuren einander verheimlichen.
Es sind die Sehnsüchte und die großen Wünsche der Menschen, die in diesem Werk ernst genommen werden: die nie gelebten alternativen Selbstentwürfe, die Lust an der Verwandlung – und sie brechen sich mit der Zentrifugalkraft des Walzers Bahn. Das Theater feiert sich selbst: nicht als Moralanstalt, sondern als kollektiver Höhenrausch. Dass solche Exzesse immer auch nah am Abgrund lavieren, dass Verdrängung,
Regression und die Entfesselung des Individuums in der Masse auch in die Katastrophe führen können, stiftet den doppelten Boden dieser Meisteroperette.
In nur 42 Tagen soll Johann Strauss seinen Wurf komponiert haben – doch die oft erzählte Legende hält einer Prüfung kaum stand. Teile der Musik hatte Strauss bereits in der Schublade liegen, und das Libretto hat eine lange Vorgeschichte. Der zugrunde liegende Plot – ein Liebhaber muss für den Ehemann seiner Geliebten ins Gefängnis – reicht fast ein Vierteljahrhundert zurück. Erfunden hat ihn der heute vergessene Roderich Julius Benedix, ein sächsischer Erfolgsautor, der über hundert Lustspiele schrieb. Sein 1851 uraufgeführtes Stück Das Gefängnis stand schon im selben Jahr in Wien auf dem Spielplan, krankt aber an einer biederen Moralität. 1872 griff das spätere ErfolgsAutorenduo der Carmen, Henri Meilhac und Ludovic Halévy, die Idee auf für ein Vaudeville mit dem Titel Le Réveillon, das in Paris großen Erfolg hatte. Der Wiener Theaterdirektor Max Steiner ließ es übersetzen – doch weder das weihnachtliche Festmilieu noch die schwache Dramaturgie überzeugten ihn. Erst die grundlegende Überarbeitung des Stoffes durch den multitalentierten Autor Richard Genée führte das Potenzial der Geschichte zum Erfolg. Die Komposition entstand in engster Zusammenarbeit zwischen Strauss und Genée und schon die Uraufführung am 5. April 1874 am Theater an der Wien war ein beispielloser Triumph.
Julia Spinola ist seit Beginn dieser Spielzeit Co-Direktorin und leitende Dramaturgin der Sparte Musiktheater. Bevor sie als Dramaturgin an den Opernhäusern in München, Bremen und Cottbus arbeitete, war sie Musikredakteurin der F.A.Z. und freiberufliche Autorin.
Musikalische Leitung Ingmar Beck, Matthew Toogood, Regie Jasmina Hadžiahmetović, Bühne Paul Zoller, Kostüme Mechthild Feuerstein, Lichtdesign Franck Evin, Choreografie Andrea De Majo, Mitarbeit Regie Josefine Schlaak, Dramaturgie Julia Spinola, Textfassung Bettina Auer, Frosch-Monolog Xaver Schumacher, Mit Florian Stern, Susanne Langbein, Benjamin Chamandy, Bernarda Klinar, Jason Lee, Jacob Phillips, Jakob Nistler, Annina Wachter, Bernadette Müller, Martin Leutgeb, Tänzerinnen Viktoriia Cherkasova, Anna Feichtinger, Sonja Golubkowa, Brígida Pereira Neves, Paula Prandstetter, Jana Stöckler-Spazier, Mona Theiner
TEXT Julia Spinola
JULIA SPINOLA
Susanne Langbein als Rosalinde und Martin Leutgeb als Frosch – mit einem Monolog von Xaver Schumacher –in Johann Strauss’ Operette Die Fledermaus
AB 12 JAHREN
HELDENPLATZ
Schauspiel von Thomas Bernhard
Aus Wien 1938 ins englische Exil geflüchtet, kehrte die jüdische Familie Schuster wieder zurück in ihre ehemalige Heimat.
TERMINE
HELDENPLATZ
TAG DATUM ZEIT ABO PREIS
SA 24.1. 19.00 P, Pplus I
SO 8.2. 19.00 LA3 F
DO 12.2. 19.30 L E
DO 19.2. 19.30 D E
FR 20.2. 19.30 M F
DO 26.2. 19.30 E
FR 6.3. 19.30 F
DO 19.3. 19.30 FAM E
SA 21.3. 19.00 SAA F
FR 27.3. 19.30 E F
Doch die ist nicht mehr, was sie mal war. Die Zustände der Gesellschaft nicht mehr ertragend, beschließt Professor Josef Schuster 1988, sich das Leben zu nehmen: Er stürzt sich aus dem Fenster seiner Wohnung, mit Blick auf den Heldenplatz – eben jenen Ort, an dem Adolf Hitler den Anschluss Österreichs an Nazideutschland verkündete. Doch mit dem Einsetzen der Zweiten Republik sind die Gespenster des Nationalsozialismus nicht verschwunden. Antisemitismus und die entstandenen Traumata geistern fort: «In Österreich mußt du entweder katholisch / oder nationalsozialistisch sein / alles andere wird nicht geduldet / alles andere wird vernichtet», beschreibt Robert Schuster, der Bruder des Verstorbenen, die Situation. Anlässlich des Begräbnisses des Verstorbenen kommen die Hinterbliebenen zusammen, und in den Gesprächen verdichten sich ihre Eskapaden zu einem musikalischen, fast atemlosen Strom aus Wut, Verzweiflung und bissigem Humor, in dem sich die traumatischen
MI 8.4. 19.30 C, HAM E
SA 11.4. 19.00 SAB F
AB 14 JAHREN
Ereignisse des Anschlusses in die Gegenwart der Trauernden fortsetzen.
SONJA HONOLD
Sonja Honold ist seit der Spielzeit 24/25 Dramaturgin am Tiroler Landestheater. Davor arbeitete sie an Theatern in Berlin, Hannover und Bamberg.
Der Übertreibungskünstler Thomas Bernhard hat 1988 ein Stück geschrieben, das keine Gnade kennt – eine bedingungslose Abrechnung mit der Verlogenheit, dem Antisemitismus und der selbstzufriedenen Gedächtnislücke der Zweiten Republik. Aus Protest gegen die Uraufführung des Stückes wurden am Tag der Premiere gar «Rossknödel» vor dem Theater am gleichnamigen Platz abgeladen. Schon Wochen vor der Premiere waren Textteile des Stückes in Zeitungen publiziert worden, und Österreich erlebte einen Theaterskandal sondergleichen. Bernhard, der sich in seinen Werken mit dem Erbe der österreichischen Geschichte auseinandersetzte, zunächst aus der Sicht der Täter:innen und später der Opfer, schreibt mit Heldenplatz eine Warnung vor dem bequemen Vergessen und reizt die Spannkraft zwischen Komödie und Tragödie aus. Mit Anspielungen auf Aussagen und Kontroversen politischer Protagonisten in den 1980er Jahren verhandelt der Text aktuelle Fragestellungen, die sich aus dem Herzen Wiens auf die ganze Republik beziehen: Wie gehen wir mit unserer Geschichte um? Welche Formen von Verdrängung und Gleichgültigkeit haben überlebt und was passiert, wenn die Stimmen, die erinnern, verstummen? Die Regisseurin Jessica Glause erweitert in ihrer zweiten Inszenierung am Tiroler Landestheater den modernen Theaterklassiker um einen Bürger:innenchor, der die scharfe Bernhardsche Gegenwartsanalyse von damals mit aktuellen Bezügen ins Heute transportiert. Denn Heldenplatz ist mehr als eine historische Kritik: Es klingt wie ein Widerhall gegenwärtiger Spannungen. Die Berichte der Familie Schuster zeigen die Entwurzelung, die Leerstelle, die eine verlorene Heimat und erfahrene Traumata hinterlassen, und zwingen uns hinzuschauen. In einer Zeit, in der wieder nationale Töne lauter werden, wirkt Heldenplatz wie ein Weckruf. Und darin liegt vielleicht die größte Provokation: Denn die Wut klingt heute genauso notwendig wie damals.
TEXT Sonja Honold
Regie Jessica Glause, Bühne & Video Nicole Marianna Wytyczak, Kostüm Florian Buder, Musik Mira Lu Kovacs, Dramaturgie Sonja Honold, Ergänzende Texte Elias Hirschl Mit Christoph Kail, Sara Nunius, Julia Posch, Ulrike Lasta, Patrick Ljuboja, Marie-Therese Futterknecht, Philipp Rudig, Tommy Fischnaller-Wachtler
Bühnenbild-Detail aus Heldenplatz
IDOMENEO
Oper in drei Akten von Wolfgang Amadeus Mozart
Libretto von Giambattista Varesco In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln
Mozart ist gerade einmal 24 Jahre alt, als er aus München den Kompositionsauftrag für Idomeneo erhält. Das Werk wird ein Meilenstein, in dem der Komponist erstmals seine reife Opernsprache formuliert und die formelhafte barocke Tradition sprengt: Seine Arien sind psychologisch komplex gezeichnet, die Chöre erschüttern durch ihre monumentale Wucht und die Orchesterfarben sind so reich, dass man das Meer tosen, die Stürme brausen hört und die inneren Kämpfe der Figuren unmittelbar spürt.
Nach zehnjährigem Krieg und dem Fall Trojas kehrt König Idomeneo nach Kreta zurück, doch unterwegs wird sein Schiff von einem gewaltigen Sturm bedroht. In seiner Not schwört er dem Meeresgott Neptun, das erste Lebewesen, dem er an Land begegnet, zu opfern – wenn er und seine Mannschaft überleben.
Doch das Schicksal ist besonders grausam: Kaum an Land, trifft Idomeneo ausgerechnet auf seinen Sohn Idamante. Dieser liebt die trojanische Prinzessin Ilia, eine Kriegsgefangene, zerrissen zwischen aufrichtiger Liebe und schmerzhafter Demütigung. Gleichzeitig begehrt Elettra, Tochter Agamemnons und Schwester Orests, den kretischen Prinzen.
Die Zurückweisung Idamantes treibt sie in eine rasende Eifersucht. Und auch Neptuns Rache für das von dem verzweifelten König hinausgezögerte Opfer lässt nicht auf sich warten: Ein Seeungeheuer verwüstet die Insel. Idomeneo gesteht sein Gelübde und Idamante ist bereit, die Bevölkerung der Insel durch seine Selbstopferung zu retten, nachdem er das Monster selbst erschlägt. Doch Ilia bietet ihr Leben im Tausch für die Verschonung Idamantes an. Im entscheidenden Moment erklingt die Stimme Neptuns: Idomeneo muss zugunsten seines Sohnes abdanken und Idamante mit Ilia herrschen lassen. Sie stehen für eine neue Generation, die den Kreislauf von Krieg und Gewalt durchbrechen kann.
Ein antiker Mythos von brennender Aktualität
Idomeneo ist eines der heute relevantesten Werke innerhalb des Opernrepertoires: Der Kampf des Menschen mit der Natur, die Suche nach der Möglichkeit, Gewaltspiralen zu durchbrechen, die Herausforderung, die psychischen und gesellschaftlichen Folgen eines Krieges zu heilen sowie ein großer Generationenkonflikt machen die Oper hochaktuell. Dabei sind Mozarts humanistischer Gestus und sein Glaube
an die Handlungsfähigkeit des Menschen gerade im Kontext der komplexen Konflikte zu spüren. Wenn am Ende der Oper eine göttliche Stimme mit «Ha vinto amor» («Die Liebe hat gesiegt») den Machtwechsel und den Anbruch einer neuen, friedlicheren Gesellschaftsordnung verkündet, eröffnet sich innerhalb des Kunstwerkes ein Möglichkeitsraum, der durch die Kraft von Mozarts Musik tief nachwirkt und den antiken Mythos direkt in unsere Gegenwart führt.
Zwischen Gesellschaftspolitik, Psychologie und Spiritualität
Das Werk ist mythologisches Welttheater, Gesellschaftskritik und zutiefst emotionale Musik zugleich. Dieser Komplexität geht der erfolgreiche britisch-österreichische Regisseur Henry Mason nach, der sich mit seiner bildstarken und atmosphärischen Inszenierung erstmals dem Tiroler Publikum vorstellt. Die Titelrolle übernimmt mit Dovlet Nurgeldiyev ein Gast, der die großen Mozart-Tenorpartien auch an Häusern wie der Bayerischen Staatsoper in München singt. Idamante und Ilia verkörpern die Ensemblemitglieder Camilla Lehmeier und Anastasia Lerman, die zuletzt beide in La Clemenza di Tito in einer Mozart-Oper brillierten. In der hochemotionalen Partie der Elettra wird Susanne Langbein zu erleben sein. Eine Partie, die ihr am Herzen liegt: «Mozart ist für mich immer wie Balsam für die Stimme. Ganz besonders ist bei Idomeneo für mich, dass eine
Weiterentwicklung stattfinden darf. Vor einigen Jahren habe ich die Partie der Ilia gesungen und nun darf ich in die Partie der Elettra eintauchen. Das Großartige an dieser Partie ist die Vielschichtigkeit. Elettra ist eine Rolle, die musikalisch, aber auch psychologisch spannend ist.»
und Kulturmanagement.
Über seine Figuren und ihre Konflikte vermittelt Mozart eine deutliche Botschaft, indem er nicht das blinde Opfer, sondern Menschlichkeit und eine positive Gesellschaftsvision ans Ende der Oper setzt: Die Zukunft gehört nicht der Gewalt, sondern der Vernunft und der Versöhnung.
Musikalische Leitung Gerrit Prießnitz, Regie Henry Mason, Bühne & Kostüme Jan Meier, Video Sven Stratmann, Dramaturgie Diana Merkel, Mit Dovlet Nurgeldiyev, Dmitry Ivanchey, Camilla Lehmeier, Anastasia Lerman, Susanne Langbein, Jason Lee, Oliver Sailer
Regisseur Henry Mason
Elettra Susanne Langbein
DIANA MERKEL
Diana Merkel studierte Regie
Nach Stationen an der Bayerischen Staatsoper und bei den Salzburger Festspielen ist sie seit 22/23 Dramaturgin mit Schwerpunkt Musiktheater am TLT.
AB 14 JAHREN
Tanzstück mit Musik von Pjotr I. Tschaikowski SCHWANENSEE
Das Märchen hinter dem Ballett Schwanensee steht für die bedingungslose Liebe, Herzschmerz, dunkle Magie und Unterdrückung. Am Ende siegt die Liebe, auch wenn der Ausgang ungewiss ist – zumindest gibt es da verschiedene Interpretationen und Möglichkeiten.
Nach der letztjährigen Tanzproduktion Romeo und Julia kommt es erneut zur Zusammenarbeit zwischen der Tanzsparte unter Choreograf Marcel Leemann und dem Tiroler Symphonieorchester Innsbruck. Die musikalische Leitung für den Schwanensee übernimmt Chefdirigent Gerrit Prießnitz. Die Bühne sowie die Videokreationen stammen wiederum von Ayşe Gülsüm Özel, die prunk- und fantasievollen Kostüme zwischen Tradition und Fashion stammen von der Berner Kostümdesignerin Catherine Voeffray.
Ikonisches Märchenballett
Kostümskizze «Rotbart» von Catherine Voeffray
TERMINE
SCHWANENSEE
TAG DATUM ZEIT ABO PREIS
SA 7.3. 19.00 P, Pplus M
DO 12.3. 19.30 D I
FR 13.3. 19.30 M J
SO 22.3. 19.00 UL J
SO 29.3. 19.00 J
SO 26.4. 19.00 LA3 J
SA 2.5. 19.00 SAB J
SO 10.5. 19.00 J
SA 16.5. 19.00 FAM J
MI 20.5. 19.30 I
DO 28.5. 19.30 I
MI 3.6. 19.30 I
SA 27.6. 19.00 SAA J
DO 2.7. 19.30 L I
Kostümskizze «Königin» von
Auch der Schwanensee war, wie viele heute populäre Werke, nicht von Anfang an ein Hit. Pjotr I. Tschaikowskis allererste Ballettkomposition aus dem Jahr 1876 war eine schwere Geburt – erste Versionen floppten und mussten immer wieder überarbeitet werden, bis der Stoff rund 20 Jahre später so richtig einschlug. Heute ist das Werk aus der Theaterlandschaft nicht mehr wegzudenken, eine wahrlich ikonische Komposition für Tanz und wohl das bekannteste Handlungsballett überhaupt. Während für viele Menschen beim Titel Schwanensee zuallererst Bilder von weißen Tutus, Spitzenschuhen, anmutigen Tänzer:innenformationen und technisch herausfordernden Variationen aufscheinen, wurden weltweit zahlreiche Interpretationen und Varianten des Stoffes aufgeführt –oft auch in abweichender Form und Erzählweise. Die Innsbrucker Version in der Choreografie von Marcel Leemann bewegt sich nah am ursprünglichen Libretto und taucht in eine romantisch-tragische Märchenwelt ein – jedoch mit einigen dazu entwickelten Charakteren.
Der Inhalt der Innsbrucker Version
Der junge Prinz Siegfried ist volljährig und soll heiraten. Nicht der Liebe willen, sondern um den Fortbestand des Hofes sowie die Erbfolge zu sichern und den Status der royalen (Märchen-)Familie zu legitimieren. Dafür sorgt seine Mutter, die Königin, stets bestärkt von ihrem Task-Force-Team: einer Finanzberaterin und einem politischen Berater. Prinz Siegfried ist not amused. Er will nicht heiraten und die ihm vom Schicksal verliehene Rolle als Thronfolger ist ihm zuwider. Inmitten der Vorbereitungen für einen großen Ball, in dessen
Verlauf er seine zukünftige Braut wählen soll, schleicht er sich aus dem Palast und flüchtet sich in die nächtliche Natur. An einem See fällt seine Aufmerksamkeit auf einen Schwarm Schwäne auf dem Wasser. Plötzlich verwandelt sich einer der weißen Vögel vor seinen Augen in eine junge Frau, Odette, die Siegried sofort in ihren Bann zieht. Der Zauberer Rotbart (in der Innsbrucker Version als der doppelte Rotbart von zwei Tänzern verkörpert), hat einen Bann über die Prinzessin Odette gelegt, der sie bei Tag zum Dasein als Schwan verdammt und nur nachts einige Stunden Menschengestalt annehmen lässt. Ihre einzige Rettung ist die bedingungslose Liebe und Treue eines jungen Prinzen – so will es der Fluch. Siegfried ist hingerissen und fest entschlossen, Odette zu retten, doch da bricht der Morgen an und sie wird wieder zum Schwan. Er kehrt zum Palast zurück – nicht gewahr, dass Rotbart die beiden Liebenden beobachtet hat und heimtückische Pläne schmiedet. Am nächsten Tag findet der Ball statt und die Gäste treffen ein. Unter ihnen vier Prinzessinnen aus aller Welt, in welche die Königin besondere Hoffnung als Hochzeitskandidatinnen für ihren Sohn setzt. Siegfried hat jedoch nur seine Odette im Kopf und gibt sich halbherzig den Zeremonien hin – bis Rotbart im Ballsaal erscheint. Im Schlepptau hat er Odile, ganz in schwarz gekleidet, eine vom Zauberer geschaffene Kreatur, die für Odette gehalten werden soll. Seine trügerische Illusion geht auf, und Siegfried ist fest davon überzeugt, die weiße Schwanenprinzessin vom See und damit seine große Liebe vor sich zu haben. Er macht Odile einen Heiratsantrag und schwört ihr ewige Treue. Zufrieden verlässt Rotbart mit seiner Schöpfung den Ball. In dem Moment erscheint Siegfried die verzweifelte echte Odette, er durchschaut den Schwindel und hastet zum See. Es kommt zum Kampf gegen Rotbart, dessen Ausgang an dieser Stelle noch nicht verraten wird. Auch einige weitere Charaktere, die den Erzählbogen im Großen Haus des TLT bereichern, sollen hier noch nicht explizit genannt werden.
Seit 23/24 leitet Stefan Späti gemeinsam mit Marcel Leemann die Tanzsparte am Tiroler Landestheater und bekleidet die Position als Leitender Dramaturg Tanz.
TEXT Stefan Späti
Musikalische Leitung Gerrit Prießnitz, Matthew Toogood, Choreografie Marcel Leemann, Bühne & Video Ayşe Gülsüm Özel, Kostüme Catherine Voeffray, Dramaturgie Stefan Späti
Tutu-Anprobe mit Catherine Voeffray und Tänzerin Giorgia Doria
Catherine Voeffray
STEFAN SPÄTI
AB 8 JAHREN
KLANGVOLLE AUSSICHTEN
Für Konzertfreund:innen
Zwischen festlicher Stimmung und filmreifem Gefühl
Unser Weihnachtskonzert « O du fröhliche!» verspricht funkelnde Weihnachtsatmosphäre: Klassiker der Weihnachtsliteratur, ein festlich gestimmtes Orchester und der zauberhafte Kinderchor des TLT lassen die Vorfreude auf Weihnachten steigen. Und spätestens, wenn der « Abendsegen » aus Humperdincks Hänsel und Gretel erklingt, lassen wir den vorweihnachtlichen Trubel hinter uns und freuen uns gemeinsam auf das große Fest – für mich die schönste Einstimmung, die ich mir vorstellen kann.
MARTINA NATTER
Martina Natter leitet die ZUGABE, so nennt sich das Musikvermittlungsprogramm des TSOI. Ihre Leidenschaft ist es, Konzertformate für alle Altersstufen neu zu erfinden, Genregrenzen zu überwinden und Menschen zusammenzubringen.
ES WAR EINMAL
Eine Reise in zauberhafte Märchenwelten
Werke von Rimski-Korsakow, Rossini, J. Strauss, Lehár u. a.
Zu Beginn des neuen Jahres lade ich Sie zu einem musikalischen FEIERabend im Kulturbogen55 ein: Musiker:innen des TSOI zeigen dort immer wieder, wie groß Klang auch im kleinen Rahmen sein kann. Zum Beispiel am 27. 1., wenn die seltene Kombination von Handpan und Klarinette ein klangliches Vergnügen verspricht.
Und last but not least: die Movie Night kommt wieder, am 7. Februar (Folgetermine am 30. Mai und am 2. Juli). Wir sind noch immer Feuer und Flamme und freuen uns riesig auf ein Konzert, das pure Spielfreude mit großen Emotionen
verbindet. Und was wäre ein Filmmusikkonzert ohne die hinreißende szenische Moderation von Kristoffer « the one and only » Nowak, Juliana « practically perfect » Haider und neu mit dabei: Florian « wand & wonder » Granzner!
TERMINE
WEIHNACHTSKONZERT «O DU FRÖHLICHE!» IM HAUS DER MUSIK INNSBRUCK, GROSSER SAAL
TERMINE
NEUJAHRSKONZERT 2026
MUSIKALISCHER FEIERABEND IM KULTURBOGEN55
Hansjörg «CAPTAIN Jack» Sofka übernimmt wie gewohnt das musikalische Steuer und Wolfi «may the force be with you » Rainer kehrt ebenfalls zurück! Unter die bereits bekannten Figuren mischen sich diesmal auch neue Gesichter: Alice im Wunderland, Indiana Jones, Barbie u. a. treffen auf Will Turner, Mary Poppins, Batman, E.T., Harry Potter und Balu. Ganz großes Kino für die Ohren und ein Vergnügen für die ganze Familie.
ANOTHER NIGHT AT THE MOVIES IM GROSSEN HAUS
TEXT Martina Natter
TAG DATUM ZEIT ORT PREIS
MI 31.12. 10.00 Congress, Innsbruck, Saal Tirol SA
DO 1.1. 17.00 Congress, Innsbruck, Saal Tirol SC
FR 2.1. 20.00 Reutte
SA 3.1. 19.30 Kufstein
Begeben Sie sich mit dem Tiroler Symphonieorchester Innsbruck und Ainārs Rubiķis, der mit dem Neujahrskonzert 2026 nicht nur den Jahreswechsel, sondern auch seinen Einstand als Chefdirigent des TSOI feiert, in eine Welt voller Magie und Klangzauber und beginnen Sie das neue Jahr mit märchenhaften musikalischen Momenten.
Tauchen Sie ein in fantasievolle Hörabenteuer, die verwunschene Märchenbilder zeichnen. Darunter Nikolai Rimski-Korsakows mystisch-romantisches Skazka (Märchen), das eine Art geheimnisvollen Zauberwald imaginiert, in dem sich Hänsel und Gretel, Rotkäppchen und der böse Wolf gleichzeitig tummeln könnten. Außerdem geht die Reise in die verträumte Welt vom Aschen-
puttel, dessen Geschichte Gioachino Rossini in seiner Ouvertüre La Cenerentola mit viel musikalischem Charme lebendig werden lässt. Passend dazu beschwört auch Pjotr I. Tschaikowskis berühmter Blumenwalzer aus dem Nussknacker die glanzvolle Stimmung eines opulenten Balls herauf. Und wenn sie nicht gestorben sind, ertönen sie noch heute: Die bezaubernd-schillernden Klänge des «Walzerkönigs» Johann Strauss (Sohn) oder des «letzten Operettenkönigs» Franz Lehár dürfen bei einem Neujahrskonzert selbstverständlich nicht fehlen.
Johanna Muschong ist seit der Saison 18/19 Konzertdramaturgin am TLT. Zuvor sammelte sie Theatererfahrung in Hildesheim und Berlin und arbeitete als Konzertdramaturgin der Thüringer Symphoniker.
Juliana Haider, die durch zahlreiche Projekte bestens mit dem TSOI vertraut ist, und Andrea De Majo, Mitglied im Musiktheater-Ensemble des TLT, werden als Moderations-Duo durch das Konzertprogramm führen.
TEXT Johanna Muschong
Dirigent Ainārs Rubiķis, Moderation Juliana Haider & Andrea De Majo
JOHANNA MUSCHONG
2.
SONNTAGSMATINEE
Ein Familienfest
18.1.26 / 11.00 UHR
HAUS DER MUSIK INNSBRUCK, GROSSER SAAL – PREIS KA
Allan Stephenson
Divertimento für Fagottquartett
Fagotte Alejandro Fela, Kerstin Siepmann, Robert Gonzalez & Inès Pyziak
Marc Mellits
Splinter für Reed Quintett
Oboe Florian Oberhofer, Klarinette Magdalena Wetscher, Saxophon Alex Designori, Fagott Kerstin Siepmann, Bassklarinette Werner Hangl
Rolf Kühn
Clarinet Connection
Klarinetten Gabi Amon, Lila Scharang, Magdalena Wetscher, Christian Hopfgartner & Werner Hangl
Drei Werke, eine Instrumentenfamilie, ein Fest der Holzblasinstrumente: Allan Stephensons launiges Divertimento für drei Fagotte und Kontrafagott zeigt kammermusikalische Virtuosität mit britischem Witz. Marc Mellits Splinter für Reed Quintett widmet sich verschiedenen Baumarten und vereint dabei raffiniert pulsierende Grooves mit lyrischem Geist. Mit dem eindrucksvollen Blick vom großen Saal des Hauses der Musik auf die denkmalgeschützte Laubeiche bietet dieses Stück einen Hörgenuss der besonderen Art. Zum Abschluss swingt Rolf Kühns Clarinet Connection für Klarinettenchor mit Bassklarinette als jazzige Suite, die als Auftragswerk der Ausnahme-Klarinettistin Sabine Meyer entstand.
3.
SONNTAGSMATINEE
Im Schatten Dvořáks
Der Komponist Zdenek Fibich ist heute nur wenigen ein Begriff, ganz anders im 19. Jahrhundert, als er sich im Feld der großen tschechischen Komponisten bewegte, wenn auch im Schatten seines berühmten Kollegen Antonín Dvořák. In der Sonntagsmatinee erklingt Fibichs außergewöhnlich besetztes Klavierquintett D-Dur op. 42, dessen spätromantischer Charakter den Einfluss Dvořáks nicht verleugnet.
Eine durch und durch tschechische Handschrift trägt auch Bohuslav Martinůs Nonett. Kurz vor seinem Tod vollendet, spiegelt das Werk die tiefe Sehnsucht nach seiner Heimat wider. In diese konnte der tschechisch-jüdische Komponist seit seiner Flucht nach Südfrankreich vor den Nazis im Jahr 1940 bis zu seinem Tod 1959 – dem Jahr, aus dem auch das Nonett stammt – nicht mehr zurückkehren.
15.3.26 / 11.00 UHR
HAUS DER MUSIK INNSBRUCK, GROSSER SAAL – PREIS KA
Bohuslav Martinů Nonett Nr. 2 für Flöte, Oboe, Klarinette, Horn, Fagott, Violine, Viola, Violoncello und Kontrabass
Zdenek Fibich
Klavierquintett D-Dur für Violine, Klarinette, Horn, Violoncello und Klavier op. 42
Die Besetzungen finden Sie demnächst auf www.tsoi.at
3.
SYMPHONIEKONZERT
Fernes Licht
Der neue Chefdirigent des TSOI, Ainārs Rubiķis, richtet ergänzend zur TLT-Oper missing in cantu in zwei Symphoniekonzerten einen besonderen Fokus auf einen der bedeutendsten Komponisten der Gegenwart: den Tiroler Johannes Maria Staud. Dessen Werk Scattered Light wurde gemeinsam vom Festival Wien Modern, dem Konzerthaus Berlin und dem TSOI in Auftrag gegeben und erklingt nach den Aufführungen in Wien und Berlin nun erstmals in Innsbruck.
Außerdem bringt der aus Lettland stammende Dirigent ein Violinkonzert seines Landsmannes Pēteris Vasks mit. Distant Light, im Jahr 1997 für dessen Freund, den Geiger Gidon Kremer geschrieben, mutet wie eine Reise durch verschiedene Klangwelten und Lichtstimmungen an. Dabei entfalten sich sowohl zauberhaft-verträumte Gesänge der Solovioline als auch hellste Flageolett-Töne und akrobatische Läufe, die wie Irrlichter aufflackern. In die facettenreichen Klänge des fernen Lichts taucht die lettische Violinistin Kristīne Balanas ein, die für ihre außergewöhnliche Bühnenpräsenz bekannt ist. Die vielseitige junge Solistin begann ihren musikalischen Weg als Straßenmusikerin und Rocksängerin in ihrer Heimat, ehe sie eine klassische Laufbahn einschlug. Im zweiten Konzertteil erklingt eine der wohl populärsten Sinfonien überhaupt, Beethovens «Fünfte», die «Schicksalssinfonie». Das Werk, in dessen Anfangstakten bereits das Schicksal an die Pforte klopft, führt von der Dunkelheit hin zu einer «Durch-die-Nacht-zum- Licht»-Apotheose und fasziniert durch eine unvergleichliche Intensität.
22. & 23.1.26
CONGRESS, SAAL TIROL – PREIS SB
Johannes Maria Staud
Scattered Light für unbalanciertes und undirigiertes Orchester
Pēteris Vasks
Violinkonzert Distant Light
Ludwig van Beethoven
Sinfonie Nr. 5 c-Moll op. 67
Violine Kristīne Balanas, Dirigent Ainārs Rubiķis
4. SYMPHONIEKONZERT
Waldweben
TLT-Chefdirigent Gerrit Prießnitz mischt mit Ausschnitten aus Richard Wagners Ring des Nibelungen eine Prise Musiktheater in sein zweites Symphoniekonzertprogramm und begibt sich mit dem TSOI auf einen Streifzug durch Wagners berühmte Tetralogie. In seinen fortschrittlichen Musikdramen integrierte er sogenannte Leitmotive als zusätzliche psychologische Ebene in die Musik, die auch im Konzertsaal ihre monumentale Wirkung nicht verfehlt.
Johannes Brahms, der als Traditionalist seinerzeit zum Antipoden Wagners ausgerufen wurde, vermeldete gut zwei Jahrzehnte nach seinem ersten Klavierkonzert mit einem Augenzwinkern, dass er «ein ganz ein kleines Klavierkonzert» geschrieben
habe «mit einem ganz einem kleinen zarten Scherzo». Das «kleine» zweite Klavierkonzert, das ein Scherzo enthält und aus vier statt drei Sätzen besteht, ähnelt dabei eher einer großen Sinfonie. Als Solist begrüßen wir den aus Süd-Korea stammenden Pianisten Jaehong Park in Innsbruck, der das romantische, zwischen Heiterkeit und Melancholie changierende Werk zum Klingen bringen wird.
19. & 20.2.26
CONGRESS, SAAL TIROL – PREIS SB
Richard Wagner
Orchesterstücke aus Der Ring des Nibelungen Einzug der Götter in Walhall (Das Rheingold) Waldweben (Siegfried)
Morgendämmerung und Siegfrieds Rheinfahrt (Götterdämmerung)
Johannes Brahms
Klavierkonzert Nr. 2 B-Dur op. 83
Klavier Jaehong Park, Dirigent Gerrit Prießnitz
FREUNDESKREIS
DES TIROLER LANDESTHEATERS
Wenn es ihn nicht schon gäbe, müsste man ihn auf der Stelle erfinden: Die Rede ist vom Freundeskreis des Tiroler Landestheaters mit seinem engagierten Obmann Erich Maierhofer an der Spitze. Seine Mitglieder sind zentrale Botschafter:innen unseres Hauses, für deren Offenheit und Loyalität wir uns an dieser Stelle auch mal von ganzem Herzen bedanken möchten.
OBMANN UND GUTER PREMIERENGEIST
«Kunst braucht Engagement»–unter diesem Leitmotiv veranstaltet der Freundeskreis des Tiroler Landestheaters seit nunmehr 30 Jahren zahlreiche Aktivitäten, um den Theaterbetrieb in all seinen Facetten und aus unterschiedlichen Blickwinkeln erleben zu können. Eine breit angelegte Palette von Veranstaltungen bietet die Möglichkeit, näher am Theatergeschehen teilhaben zu können. Dazu gehören unter anderem gemeinsame Generalproben- sowie Vorstellungsbesuche mit anschließenden Künstler:innengesprächen, eine exklusive Spielplanpräsentation, ein Blick hinter die Kulissen oder die Gestaltung von Premierenfeiern. Mit der Verleihung des Förderpreises an ein junges Ensemblemitglied würdigt der Freundeskreis zudem die künstlerische Nachwuchsarbeit und unterstützt darüber hinaus die erfolgreiche Arbeit des Kinder- und Jugendtheaters. Er hält aber auch Kontakt zu anderen Theatern, sodass Besuche ins Kellertheater und zur Steudltenn in Uderns bereits zum Standardprogramm gehören. Theaterfahrten nach Salzburg oder München runden das Angebot ab. Bei Interesse schreiben Sie einfach eine Mail an freundeskreis-tlt@gmx.at oder melden Sie sich telefonisch unter 0650/680 99 66. Weitere Informationen finden Sie auf der Homepage www.freundeskreis-tlt.at
Hofrat Erich Maierhofer war 1994 nicht nur Gründungsmitglied des Freundeskreises, sondern ist mittlerweile seit drei Jahrzehnten dessen Obmann.
Der vormalige leitende Beamte der Buchhaltungsagentur des Bundes, der Ende September in den wohlverdienten Unruhestand trat, wurde nach eigener Erzählung 1981 bei einer Aufführung von Tristan und Isolde im Großen Haus mit dem Theatervirus infiziert. Seit der La Wally-Premiere im Herbst 2012, mit der Johannes Reitmeier seine Intendanz begründete, hat Erich neben seiner Obmannschaft für den Freundeskreis eine weitere, für den Theaterbetrieb vermutlich fast noch wichtigere Funktion inne. Seit damals verfolgt er sämtliche Premieren stehend am äußersten Rand der rechten Galerie – und wurde so Stück für Stück zum leibhaftigen guten Premierengeist. Erichs Begeisterung fürs Theater und insbesondere für ‚sein‘ Tiroler Landestheater ist jedenfalls ungebrochen. Seine persönlichen Empfehlungen für die nächste Zeit: Janáčeks selten gespielte, heiter-ironische Oper Die Ausflüge des Herrn Brouček , der Operettenklassiker Die Fledermaus und das Schauspiel Heldenplatz , ein Stück großer österreichischer Theatergeschichte.
MADLEN RIED HOLT 1. PLATZ BEI TYROL SKILLS
Der Landessieg beim Tyrol Skills Lehrlingswettbewerb war für Madlen Ried, Lehrling der Damenschneiderei am Tiroler Landestheater, etwas ganz Besonderes. Die 22-Jährige aus Mieming überzeugte mit einem selbst entworfenen Rock aus einer Wollstoffmischung mit Seide, verstecktem Schlitz und handgearbeitetem Knopfloch. Über ihre Ausbildung sagt sie: «Am Vierspartenhaus bekomme ich vielseitige Einblicke. Besonders schätze ich, dass sich meine Ausbilderin Gabriele Lafenthaler Zeit nimmt und ich die Arbeitsschritte in Ruhe lernen kann.»
Kuprian und Direktor Markus Lutz.
«PETERLE HILFT» –AUCH IM TIROLER LANDESTHEATER!
«Hinschauen statt Wegschauen» – unter diesem Motto steht die Initiative «Peterle hilft» der Stadt Innsbruck, die seit 2006 ein starkes Netzwerk für Kinder bildet.
Auch das TLT freut sich, Teil davon zu sein! Der «Peterle hilft»-Aufkleber an unserer Eingangstüre signalisiert Kindern: Hier findest du Menschen, die dir mit Rat und Tat zur Seite stehen!
Über 300 Partner:innen in Innsbruck helfen rasch bei Sorgen, kleinen Problemen und Nöten – mit einem tröstenden Wort, einem Anruf nach Hause oder einem Schluck Wasser. Mit dem Aufkleber zeigen auch wir: Kinder sind bei uns willkommen!
Willkommen im Hotel Central.
Co-Direktorin Junges Theater Uschi Oberleiter, Direktor Markus Lutz, Intendantin Irene Girkinger & Leiterin ZUGABE Martina Natter (v.l.)
Madlen Ried (3.v.l.) freute sich über Glückwünsche von Intendantin Irene Girkinger, Personalentwicklerin Hannah Greiser, Ausbildnerin Gabriele Lafenthaler, Leiterin der Kostümwerkstätten Andrea
GENUSS AUF ALLEN LINIEN
Der Mensch ist bekanntermaßen, was er isst. Nun unterscheidet sich aber das, was die Menschen früher gegessen haben, deutlich von dem, was die meisten heutzutage zu sich nehmen.
In einem ungewöhnlichen Projekt widmen wir uns dem großen Literaten und Gourmet Alexandre Dumas und führen die Grande Cuisine, Literatur und Musik zusammen. Wir entführen Sie in eine Welt, in der die Menschen noch kein schlechtes Sushi und industriell gefertigte Lebensmittel zu sich nahmen. Und wer könnte die Esskultur seiner Zeit besser beschreiben als Dumas? Die Schauspielerin Julia Stemberger wird seine wahrhaft köstlichen Texte aus dem Großen Wörterbuch der Kochkunst rezitieren und dazu hören Sie kulinarische Barockmusik, serviert von den Barocksolisten München unter der Leitung von Dorothea Seel.
WORT & MUSIK
Tafelmusik – Köstliches Barock
1.2.26 / 19.30 / Großer Saal – PREIS GG
Über Felix Mendelssohn Bartholdys Essgewohnheiten ist leider nichts bekannt. Allerdings wissen wir, dass er schon als junger Mensch viel und großartig komponierte. Seine Streichersinfonien und sein frühes d-Moll Violinkonzert sind Jugendwerke, die eine große Meisterschaft zeigen. Mozart lässt grüßen, obwohl sich der junge Felix in dieser Zeit wohl eher mit Bach beschäftigte. Wenn sich der Barockgeiger Fabio Biondi dieser Stücke annimmt, können Sie Gift darauf nehmen (bitte nicht!), dass barocke Transparenz und romantischer Impetus auf perfekte Weise zusammenfließen.
Das Tiroler Symphonieorchester Innsbruck ist der perfekte Klangkörper für dieses Zusammentreffen.
ACADEMIE KONZERT
Mendelssohn – Orchestermusik
10.1.26 / 19.30 / Großer Saal – PREIS GG
Mendelssohn war nicht nur hochbegabter Komponist, sondern auch ein großartiger Pianist. Manche seiner Themen und Melodien sind so bekannt, dass sie auch Menschen kennen, die von ihrem Urheber noch nie gehört haben. In einem besonderen Konzert mit Studierenden des Tiroler Landeskonservatoriums widmen wir uns Mendelssohns fantastischem Klavierwerk.
Sie hören u. a. einen nicht ganz unbekannten Marsch auf zwei Klavieren zu acht Händen, von dem wir natürlich hoffen, dass er den Verheirateten unter Ihnen einst Glück gebracht hat. Mehr verraten wir aber nicht.
KLAVIER & CO
Mendelssohn – Klaviermusik
5.12.25 / 19.30 / Großer Saal – PREIS GC
WOLFGANG LAUBICHLER
Wolfgang Laubichler ist seit 2017 Direktor des HDM. Er ist bekennender Liebhaber von Musik aller Zeiten und Genres, guter Filme von Alfred Hitchcock, von Wildgeflügel, Camembert und Topfenstrudel.
Mit Mendelssohn geht es mir so wie mit Thymianhonig: ich kann nie genug davon kriegen, und deshalb geht es auch weiter in unserem Mendelssohnreigen. Das junge Streichquartett Quartissimo und das Ensemble Konstellation verführen Sie mit unglaublich schöner Streicherkammermusik – darunter das Streichoktett, für das ich sogar Thymianhonig stehen ließe.
HDM IN CONCERT
Ensemble Konstellation
26.2.26 / 19.30 / Großer Saal – PREIS GF
Üblicherweise setze ich keine Klassikhits auf unser Programm. Wenn aber das großartige Klavierduo Maki Namekawa und Dennis Russell Davies die Moldau in einer originalen vierhändigen Version Smetanas spielen möchte, dann kann selbst ich nicht widerstehen – zumal noch faszinierende Live-Visualisierungen dazu kommen. Lassen Sie sich durch Musik und Bilder berauschen!
SCREEN & SCORE
Smetana – Mein Vaterland
5.3.26 / 19.30 / Großer Saal – PREIS GF
In dieser Saison starten wir mit einem neuen Format, nämlich dem HDM Salon. Er hat definitiv nichts mit Mendelssohn oder gutem Essen zu tun, obwohl wir selbst nicht genau wissen, worüber Markus Koschuh und Corinna Milborn sprechen werden. Vielleicht eben doch?
WORT & MUSIK
Der HDM Salon – Zum guten Ton 11.12.25 / 19.30 / Großer Saal – PREIS GG
TEXT Wolfgang Laubichler
PREISGRUPPEN & EINTRITTSPREISE
Gültig für die Spielzeit 25/26 sowie für das Neujahrskonzert und die dazugehörige Generalprobe 2026.
– 40 %
AUF KARTEN FÜR ALLE UNTER 27 .
KARTEN, KONTAKT & IMPRESSUM
KASSA & ABOSERVICE
Haus der Musik Innsbruck, Universitätsstraße 1
(Haupteingang Rennweg)
6020 Innsbruck
T +43 512 52074-4
Mit unseren Preisgruppen finden Sie alle Eintrittspreise – auch für Sondervorstellungen – komplett aufgelistet. Die Zuordnung der Preisgruppen ist auf den jeweiligen Produktionsseiten oder immer aktuell auf www.landestheater.at im Online-Spielplan ersichtlich. Alle Preise sind inklusive der gesetzlich gültigen Umsatzsteuer angeführt. Es gelten die AGB der Tiroler Landestheater & Orchester GmbH Innsbruck. Die detaillierten AGB finden Sie auf unserer Website www.landestheater.at/agb sowie im Aushang in unserem Kassa & Aboservice.
TIROLER LANDESTHEATER / GROSSES HAUS
PREISGRUPPE KAT ❶ KAT ❷ KAT ❸ KAT ❹ KAT ❺ KAT ❻ KAT ❼ KAT ❽*
Buchen Sie Ihre Karten direkt im Saalplan unter www.landestheater.at www.tsoi.at www.haus-der-musik-innsbruck.at www.ticketgretchen.com (Kostenlose App)
In der App gelten die AGB der Ticket Gretchen GmbH. Bei Veranstaltungen Dritter gelten die AGB des jeweiligen Veranstalters.
ABENDKASSEN
Die Abendkassen befinden sich am jeweiligen Veranstaltungsort. Im Großen Haus und im Haus der Musik Innsbruck öffnet die Abendkassa 30 Min. vor Vorstellungsbeginn. In den Kammerspielen und im [K2] öffnet sie 20 Min. vor Vorstellungsbeginn und bleibt bei ausverkauften Vorstellungen geschlossen. Im Congress öffnet die Abendkassa bereits eine Stunde vor Konzertbeginn.
Wir weisen darauf hin, dass während der Abendkassa ausschließlich Geschäftsfälle der in Kürze beginnenden Vorstellung durchgeführt werden können. Den Vorstellungsbeginn entnehmen Sie bitte jeweils unserer Website oder den aktuellen Publikationen.
HERAUSGEBER Tiroler Landestheater & Orchester GmbH Innsbruck INTENDANTIN Mag.a Irene Girkinger, MAS KAUFMÄNNISCHER DIREKTOR Dr. Markus Lutz CHEFREDAKTION Christine Frei CHEFIN VOM DIENST Stefanie Steiner GESTALTUNG Dada Weiss BILDNACHWEISE Titelbild Raphael Gutleben WEITERE BILDNACHWEISE Raphael Gutleben (S. 3/5/6/7/8/10/13/15/22/23), Nurith Wagner-Strauss (S. 4), Elisabeth Vogetseder (S. 9), Fritz Luckhardt (S. 10), Emanuel Kaser (S. 11/13/15/18/19/ 21/25), Monozigote https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/ (S. 12), Stefan Späti (S. 16), Victor Klein (S. 17), WE FEEL (S. 18/19), Birgit Gufler (S. 19/22), Kerstin Siepmann (S. 20), Janis Porietis (S. 21), Aiga Vitola (S. 21), Rohsh (S. 21), Günther Egger (S. 24) DRUCK Alpina Druck GmbH, 6020 Innsbruck AGB Es gelten die aktuellen AGB der Tiroler Landestheater & Orchester GmbH Innsbruck. Diese sind unter www.landes-theater.at/agb und im Kassa & Aboservice einsehbar. REDAKTIONSSCHLUSS 11.11.25 ÄNDERUNGEN UND IRRTÜMER VORBEHALTEN.
Don‘t dream it – live it!
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