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Neue-Energien - think ING. kompakt 02/03 | 2026

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Dein Einblick in die Welt der

NEUE

Power für die Zukunft

Arbeit am Netz der Zukunft

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Neue Energien rund um die Welt

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Ohne Strom läuft nichts in unserem modernen Leben. Doch wie funktioniert eigentlich die Infrastruktur dahinter? Justin Dean, Portfolio Manager beim Übertragungsnetzbetreiber Amprion, erklärt es uns. Außerdem schauen wir uns an, welche Alternativen andere Länder für den Einsatz fossiler Brennstoffe gefunden haben und erfahren von Louisa Kreft, wie das Niedersachsen Technikum sie zu ihrem Traumstudium Nachhaltige Ingenieurswissenschaften brachte.

Arbeiten am Netz der Zukunft

Hochspannend ist die Arbeit von Ingenieur Justin Dean bei Amprion in mehrfacher Hinsicht – und wichtig für das Thema neue Energien.

Ganz viel Management und Verantwortung für ein stabiles Stromnetz: so sieht Justins Arbeit bei Amprion aus

Amprion ist einer von vier Übertragungsnetzbetreibern in Deutschland. Das Unternehmen transportiert Strom von der Nordsee bis zu den Alpen. Das Höchstspannungsnetz ist über 11.000 Kilometer lang und sichert die Lebensqualität und die Arbeitsplätze von 29 Millionen Menschen. Einer davon ist Justin Dean, der sich im Portfolio Management mit dem hochkomplexen Thema Stromtransport auseinandersetzt. Die Energiewende hat zur Folge, dass der Großteil der erneuerbaren Energien zwar im windreichen Norden Deutschlands entsteht, dann aber zu den Verbrauchszentren weiter südlich und westlich transportiert werden muss. Für Justin und seine Kolleg*innen heißt das: Sie wirken ganz konkret daran mit, dass Strom nachhaltiger wird.

STROMAUFWÄRTS ZUR TECH-KARRIERE

Zahlen und Naturwissenschaften lagen Justin schon immer. Nach dem Abitur entschied er sich für ein Studium des Wirtschaftsingenieurwesens – eine solide Basis für die Verbindung von Technik und Management. Erst im Studium entwickelte sich seine Begeisterung für Energietechnik, im Master hat Justin sich darauf spezialisiert. Bereits während des Studiums sammelte er Praxiserfahrung und wollte auch nach dem Abschluss noch weitere Einblicke gewinnen. Da kam das Trainee-Programm von Amprion genau richtig. „Ich konnte 18 Monate lang in verschiedenen Teams für je drei Monate arbeiten“, sagt Justin. Dabei reichte das Spektrum von der Systemplanung über das Projektgeschäft bis hin zur Netzwirtschaft. „Diese Rotation hat mir einen systemweiten Überblick gegeben und gezeigt, wie die Schnittstellen zusammenwirken“, erinnert er sich.

ENERGIEGELADEN: STROM UND NACHHALTIGKEIT

Justin Dean arbeitet im Portfolio Management bei Amprion. „Wir machen das Netz fit für die Energiewende und holen immer mehr erneuerbaren Strom sicher ins System“, erklärt der 27-Jährige. Als Portfoliomanager verbindet Justin das Asset-Management, das heißt die Instandhaltung und Modernisierung der bestehenden Netzinfrastruktur, mit den Netzausbauprojekten. „Dabei stimme ich beides so aufeinander ab, dass die richtigen Vorhaben zur richtigen Zeit starten.“ Justin verfolgt den Fortschritt der Projekte, erkennt, wo nachgesteuert werden kann, leitet daraus Entscheidungen ab und übergibt klare Aufträge an die Planungsund Projektteams. Er optimiert das

Gesamtportfolio – unter anderem mit Blick auf Budget, verfügbare Ressourcen und technische Gegebenheiten. Erneuerbare Energien sind dabei zentral. Als Portfoliomanager sorgt er bei Amprion mit dafür, dass das Netz die wachsenden Einspeisungen aus Wind und Photovoltaik zuverlässig integriert. „Die klimaneutrale Stromversorgung mitzugestalten – das motiviert mich“, sagt Justin.

KLARE PROZESSE – VORAUSSETZUNG FÜR EINE SICHERE STROMVERSORGUNG

sein. Wir berücksichtigen, wo Leitungen an ihre Grenzen kommen und wo noch Potenzial liegt“, erklärt er. Netzschaltungen erfolgen in Echtzeit – entsprechend arbeite Amprion daran mit höchster Sorgfalt und klaren Prozessen.

EIN JOB MIT ENERGIE

Bei der Themenvielfalt ist jeder Tag anders. „Stromleitungen sind wie Lebensadern – ich möchte dazu beitragen, dass der Strom effizient, zuverlässig und klimaneutral verfügbar ist“, beschreibt Justin seine Motivation. Für alle Interessierten, die einen ähnlichen Karriereweg einschlagen wollen, hat er den Rat, mit Leuten ins Gespräch zu gehen, die schon Erfahrung in dieser Branche gesammelt haben. Das Thema ist so vielseitig und komplex, dass Informationen das A und O sind. Praktika helfen dabei, zu erkunden, ob ein Job wirklich zu einem passt. „Seid mutig! Ich rate jedem und jeder, auch mal Sachen einzufordern. Fragt nach Aufgaben, an denen ihr wachsen könnt!“, rät er anderen jungen Leuten, die sich für einen Job mit Energie interessieren.

Justin erläutert, dass sich die Arbeit von Amprion in vier Kernprozesse gliedert: System planen, System bauen, System instandhalten und System führen. System planen heißt: Hier werden die Anforderungen an das Stromsystem der Zukunft definiert. „Daraus leiten wir konkrete Handlungsbedarfe ab“, sagt Justin. „Was im Modell funktioniert, muss sich in der Realität bewähren – technisch, wirtschaftlich und genehmigungsrechtlich.“ System bauen bedeutet: Hier setzt Amprion die Baumaßnahmen um. Die Betriebsmittel prägen das Netz über Jahrzehnte. „Weil Teile des Netzes bereits vor mehr als 50 Jahren errichtet wurden, sind Instandhaltung und Modernisierung essenziell.“ Oberstes Ziel in System führen: ein sicherer, zuverlässiger Netzbetrieb. „Es muss alles exakt getaktet Zukunftsthema

Weitere Infos zu Neuen Energien hier

Bei seiner Arbeit verbindet Justin erneuerbare Energien mit einem sicheren Netz

Neue Energien rund um die Welt

Wenn es um den Ausbau neuer Energien geht, blicken wir vor allem auf den Fortschritt in Deutschland. Über 44 % der heimischen Stromproduktion stammen mittlerweile aus Windenergie. Doch der Klimawandel ist ein weltweites Problem. Wie wird also global mit dem Thema umgegangen? Wir zeigen euch sechs Länder und ihre Lösungen für saubere Energie.

Island

Island liegt auf zwei riesigen tektonischen Platten. Vulkane, heiße Quellen und Geysire prägen die Landschaft. Die Isländer*innen nutzen diese geologischen Besonderheiten: In Geothermalkraftwerken wird heißes Wasser oder Dampf aus der Tiefe an die Oberfläche gepumpt, treibt dort Turbinen an und erzeugt so Strom. Praktisch die gesamte Elektrizität des Landes stammt aus Geothermal- oder Wasserkraftwerken. Außerdem sind etwa 90 % der isländischen Haushalte direkt an ein geothermisches Fernwärmenetz angeschlossen – eine Infrastrukturleistung, die Jahrzehnte Planung erforderte.

Island ist weltweit führend in der Nutzung von Geothermie

Albanien

Das Wasserkraftwerk in Fierza zählt zu den wichtigsten Stromproduzenten Albaniens

Dänemark

Albanien ist neben Island das einzige europäische Land, das seinen Strom nahezu vollständig aus erneuerbaren Quellen gewinnt. Rund 70 % der Landesfläche bestehen aus Gebirgen, die von Flüssen durchzogen sind. So bezieht das Land 99 % seiner Energie aus Wasserkraft. Dieser umweltfreundliche Ansatz zeigt in Zeiten von Dürren und Extremwetter jedoch auch, wie wichtig Diversifikation in der Energieversorgung ist. Deshalb erweitert Albanien seine Energieversorgung mittlerweile gezielt um Solarenergie.

Dänemark ist Weltmeister in Sachen Windenergie: Fast 60 % des Stroms kommen aus Windkraftanlagen, viele davon Offshore. Auf dem Meer müssen die Anlagen Salzwasser, Stürmen und enormen Belastungen standhalten – und das bei minimalem Wartungsaufwand, denn jede Reparatur auf hoher See ist teuer. Dänemark hat diese Technologie perfektioniert und exportiert sie mittlerweile weltweit.

Offshore-Windenergie: Dänemark investiert massiv in Stromproduktion auf See

China setzt auf Sonnenenergie und baut riesige Solarkraftwerke

China

China hat weltweit den größten CO₂-Fußabdruck, investiert gleichzeitig aber auch am meisten in erneuerbare Energien. Ein Widerspruch? Ja und nein. China baut einerseits immer noch Kohlekraftwerke, weil die riesige Bevölkerung und die wachsende Wirtschaft enorme Energiemengen brauchen. Andererseits schreitet der Ausbau von Solarenergie rasant voran. So wird beispielsweise in der Kubuqi-Wüste gerade das größte Solarkraftwerk der Welt gebaut – 400 km lang und durchschnittlich 5 km breit.

Parabolrinnenspiegel auf dem Solarfeld NOOR I des Solarkraftwerks Ouarzazate

Brasilien

Marokko verfolgt das Ziel der Energieunabhängigkeit und setzt dabei neben Windenergie und Photovoltaik auch auf eine besondere Technologie: die Solarthermie. In Ouarzazate, mitten in der Wüste, befindet sich eines der größten Sonnenwärmekraftwerke der Welt. Riesige Spiegelfelder, die dem Lauf der Sonne automatisch folgen, bündeln das Sonnenlicht auf ein Rohr, in dem ein spezielles Öloder Salzgemisch fließt und sich auf mehrere hundert Grad erhitzt. Diese Wärme wird genutzt, um Wasser in Dampf zu verwandeln, der eine Turbine antreibt und so Strom erzeugt. Das Kraftwerk kann die heiße Flüssigkeit außerdem in großen Tanks speichern. Deshalb liefert es auch noch Strom, wenn die Sonne längst untergegangen ist.

Brasilien ist Weltmarktführer bei Bioethanol aus Zuckerrohr. Fast 90 % der Neuwagen sind Flex-Fuel-Fahrzeuge, diese können wahlweise mit Benzin, Bioethanol oder einer beliebigen Mischung aus beidem fahren. Zudem ist das Land ein Energieriese mit über 80 % erneuerbarem Strom, vor allem aus Wasserkraft. Der Itaipu-Staudamm an der Grenze zu Paraguay zählt zu den größten der Welt und deckt rund 20 % des brasilianischen sowie den gesamten paraguayischen Strombedarf. Wegen massiver Eingriffe in Natur und der Umsiedlung von etwa 40.000 Menschen ist das Projekt jedoch nicht unumstritten. Das zeigt, dass Projekte dieser Art auch erhebliche soziale und ökologische Kosten verursachen können und sorgfältig abgewogen werden sollten.

Marokko
Wasserkraftwerk Itaipu am Paraná-Fluss zwischen Brasilien und Paraguay

INSPIRATIONSQUELLE

Wie Louisa ihren Weg ins Ingenieurstudium fand

Was tun nach dem Abi? Für Louisa war klar: Irgendetwas mit Naturwissenschaften. Dass es Nachhaltige Ingenieurwissenschaften wurde, hat sie einem sechsmonatigen Orientierungsprogramm, dem Niedersachsen-Technikum zu verdanken. Louisa erzählt, wie sie ihr passendes Studium fand.

„Es ist so schade, dass viele das Technikum nicht kennen!“

ENGAGIERTE AUSZEIT

„Ich war mir schon während des Abis ziemlich sicher, dass ich Chemie studieren möchte“, erzählt Louisa. Um sicherzugehen, erwog sie, ein Praktikum zu machen. Ein weiterer Grund kam dazu: Nach der Schule wollte sie sich eine Auszeit vom Lernen gönnen. Aber motiviert und engagiert wie sie ist, wollte sie etwas machen, was sie weiterbringt. Bei der Berufsberatung in der Schule erfuhr sie vom Niedersachsen-Technikum und sagt heute: „Es ist so schade, dass viele das Technikum nicht kennen! Es sollte viel bekannter sein. Ich hoffe, ich kann mit diesem Interview dazu beitragen.“

EINE NEUE TECHNIKWELT

Für die 21-jährige war die Teilnahme am Niedersachsen-Technikum die beste Entscheidung. Sie landete beim Unternehmen Continental in der Abteilung Forschung und Entwicklung. Dort arbeitete Louisa im Labor an biobasierten Additiven, also an Materialien aus nachwachsenden Rohstoffen. Das passte super zu ihren Interessen Umweltschutz und Naturwissenschaften. „Die Arbeit im Labor war spannend, aber in Gesprächen mit Kolleg*innen wurde mir bewusst, wie viele Chemiker*innen promovieren, um Karriere zu machen. Ich möchte Karriere machen, aber nicht unbedingt durch einen Doktortitel.“ Neben dem Praktikum bietet das Technikum auch ein Schnupperstudium. „Ich habe damals an der Leibniz Universität Hannover den Kurs Konstruktionsgrundlagen besucht. Das hat mir eine komplett neue Welt eröffnet. Plötzlich war Technik und Ingenieurwesen total greifbar und interessant für mich“, erzählt sie.

UNI, PRAKTIKUM UND BELOHNUNGEN

Montags Uni-Kurse und verschiedene Exkursionen zu Firmen und Instituten, dienstags bis freitags Praktikum im Unternehmen. „Ich finde, man kann seine Berufsorientierung kaum besser angehen als mit einem Praktikum und im Technikum hat man gleich ein halbes Jahr Zeit.“ Praktisch war auch: Einige Uni-Kurse konnte sie sich fürs spätere Studium anrechnen lassen. Nach dem Technikum belohnte sie sich selbst: „Ich habe das Technikum gemacht, das Geld gespart, danach noch etwas gearbeitet und konnte mir damit drei Monate Südostasien leisten.“

WERTVOLLE LEARNINGS

Heute möchte sie allen Abiturientinnen raten: „Wenn du auch nur ein bisschen Interesse an Naturwissenschaften oder Technik hast – mach das. Ich habe durch das Technikum eine Richtung gefunden, die mich inspiriert und gemerkt, was ich nicht will. Das ist mindestens genauso wertvoll.“

Mehr

erzählt Louisa hier

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Herausgeber GESAMTMETALL

Gesamtverband der Arbeitgeberverbände der Metall- und Elektro-Industrie e. V. Voßstraße 16 – 10117 Berlin

Verantwortliche Leitung Indra Hadeler

Redaktion und Gestaltung concedra GmbH, Bochum

Druck

color-offset-wälter GmbH & Co. KG, Dortmund

Alle in dieser kompakt enthaltenen Inhalte und Informationen wurden sorgfältig auf Richtigkeit überprüft. Dennoch kann keine Garantie für die Angaben übernommen werden.

Das Niedersachsen Technikum war für Louisa eine gute Orientierungshilfe

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