heft #1.2026 — märz/A pril/m A i
Das Magazin des Österreichischen Alpenvereins seit 1875
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heft #1.2026 — märz/A pril/m A i
Das Magazin des Österreichischen Alpenvereins seit 1875

t hema
Ewig war gestern _ 12
Der Gletscherbericht 2024/25 legt offen:
Der dramatische Rückgang der einst mächtigen Eismassen hält ungebremst an.
UN te RW e GS Großes Erwachen.
Wie man eine Hütte aus dem Winterschlaf holt _ 32
R e SP e K t VOLL Mehr als Gipfel.
Junge Alpinisten blicken zurück _ 78
K ULt UR Der Bergsteigermaler.
Otto Barths „Der letzte Gang“ _ 103
ADVENTURE UNFOLDS WITH YOU.
Es ist das Gefühl, für alles bereit zu sein. Ein neuer Tag eröffnet neue Möglichkeiten. Während sich der Boden unter Dir mit jedem Schritt verändert, werden Wochenendpläne zu Abenteuern und ein Städtetrip zu einem einmaligen Erlebnis.


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Lisa Lechner,in ihrer Freizeit gern in den Bergen unterwegs, entwickelte für das Bergauf eine visuelle und akustische Interpretation von Gletscherdaten (S. 24). Die Verbindung von datenanalytischer Arbeit und künstlerischem Ausdruck bildet dabei den Kern ihrer Arbeit.

Marie Hofmann war Mitglied im zweiten Expeditionskader der Damen des DAV. Die studierte Atmosphärenwissenschafterin, freiberuflich für den Lawinenwarndienst Tirol tätig, hat für diese Bergauf-Ausgabe mit dem JungeAlpinisten-Team gesprochen. (S. 78).

Verena Stahl leitet das Projekt „Alpenkonvention leicht verständlich“ (S. 92) im Österreichischen Alpenverein. Ihr Schwerpunkt liegt auf nachhaltiger Entwicklung im Alpenraum und deren verständlicher Vermittlung. Als risk’n’fun-Trainerin ist sie regelmäßig draußen unterwegs (S. 40). Die Berge sind für sie Arbeitsraum und Leidenschaft zugleich.

Chefredakteurin Bergauf
wer in diesen Tagen einen Gletscher besucht, braucht keine dramatischen Worte. Ein Blick genügt. Der Gletscherbericht 2024/25 liefert die nüchternen Zahlen dazu – und sie bestätigen, was viele von uns bei Touren im Hochgebirge selbst beobachten: Das Eis wird weniger. Und mit ihm verändert sich die alpine Landschaft schneller, als uns lieb ist.
Resignation ist allerdings keine alpine Tugend. Der Alpenverein war immer dann am stärksten, wenn er Veränderungen nicht nur dokumentiert, sondern gestaltet hat. Genau davon erzählt auch diese Ausgabe.
Sie führt zu Menschen, die Verantwortung übernehmen – oft im Stillen. Wegewart:innen, die mit Fachkenntnis und Ausdauer dafür sorgen, dass Wege sicher bleiben, auch wenn Wetterextreme neue Herausforderungen bringen. Klimabeauftragte, deren freiwilliges Engagement mit dem Staatspreis gewürdigt wurde – ein ermutigendes Signal, dass Einsatz Wirkung zeigt. Und ein Hüttenprojekt vieler Ehrenamtlicher, das beispielhaft vor Augen führt, wie sich alpine Infrastruktur zeitgemäß und ressourcenschonend weiterentwickeln lässt – und das mit Teamgeist.
Die Alpen verändern sich. Wir verändern uns mit ihnen. Wie wir diesen Wandel gestalten, liegt zu einem guten Teil in unserer Hand – als Verein, als Bergsportler:innen, als Teil dieser Landschaft.
Ich wünsche Ihnen eine inspirierende Lektüre –und viele achtsame Stunden in den Bergen.
Aktuelle Informationen: www.alpenverein.at f facebook.com/alpenverein I instagram.com/alpenverein
märz/A pril/m A i

t H em A
10 Bildgewaltig
12 Gletscherbericht 2024/25
24 Der letzte Schrei Wie die Daten des Gletscherberichts tönen.
26 Lauscher zwischen Welten
28 Die Kunst bleibt, wenn das Eis geht Künstlerische Auseinandersetzungen mit der Gletscherschmelze.
UN terW e GS
32 Wie man eine Hütte aus dem Winterschlaf holt
40 Unterwegs mit risk’n’fun BIKE: „Weil wir wissen, wie stark wir sind!“
44 Mountainbiken in der Wachau
47 Fragenbaum: Klimaschutz im Bergsport
48 Tourentipp: Rax-Überschreitung
50 Funktionstipp: alpenvereinaktiv
52 Bremsassistenten
Das Titelbild ist ein Gemälde aus 1893 von Zeno Diemer und zeigt den Mittelbergferner.
56 G’sund am Berg: Der plötzliche Herztod Teil 1 einer neuen Bergauf-Serie zu Gesundheit und Bergsport.
60 Der Sommer lockt, der Winter lauert! Tücken beim Bergwandern im Frühjahr.
65 Ersatzbau: Reichenstein-Hütte
66 „Jetzt möchte ich etwas zurückgeben“ Gespräch mit Wegewart Kurt Faber.
70 140! Diese Nummer kann dein Leben retten
re S pe K t VO ll
76 Eine Sommerwoche voller Abenteuer: P.U.L.S.-Pressepraktikum
78 Rückblick: Junge Alpinisten
82 Ausbildung für Ehrenamtliche
84 Zeitgemäßes Bergsteigen Tagung der Bergsteigerdörfer im Gschnitztal.
88 Die Gamsgrube im Widerstreit Der Ausgang des Rechtsstreits um den Gamsgrubenweg.
92 Gespräch mit Alenka Smerkolj, Generalsekretärin der Alpenkonvention
94 Infografik: Wo steht die Alpenkonvention?
96 „Mir taugt Alpenverein“ Einblick ins Ehrenamt im Klimaschutz.
KU lt U r
102 Ausstellung „Hoch in den Alpen –Gletscher, Fauna, Wege“
103 Schaukasten: Otto Barth, „Der letzte Gang.“
104 Bildgeschichten: Historisches Skibild

Sicher am Berg Zwischen Frühlingsgefühlen und alpinen Gefahren: Welche Tücken das Frühjahr beim Wandern birgt.
Foto: G. Mössmer
Je mehr wir sind, desto mehr können wir bewegen. Begeistere deine Freunde von den Vorteilen der Alpenvereinsmitgliedschaft und hole dir dein persönliches Dankeschön!

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Nic OL e S LUP etz KY Alpenvereins-Vizepräsidentin

Die Gletscher schmelzen – und mit jedem neuen Bericht wächst die Dringlichkeit. Wie gehen wir als Berggemeinschaft mit dieser Realität um?
Ehrlich gesagt, weiß ich kaum noch, was ich schreiben soll. Jeder neue Gletscherbericht bestätigt mit unerbittlicher Präzision, was wir längst wissen und fühlen: Die Entwicklung setzt sich fort, die Zahlen werden nur noch erschreckender. Man schreibt, man appelliert – und das nächste Jahr bringt doch nur ein weiteres Kapitel des Abschmelzens.
Wenn man sich im Netz umsieht, ist das Thema Gletscherrückgang allgegenwärtig. Man sieht spektakuläre Drohnenvideos von Gletscherabbrüchen, virale Vorher-nachher-Bilder, die das Verschwinden ganzer Eismassen in wenigen Jahren dokumentieren, und Berichte über verzweifelte Versuche, Eisriesen


Es geht nicht mehr darum, ob wir die Gletscher in ihrer alten Form noch retten können; es geht darum, die Konsequenzen für uns selbst abzumildern.
mit Planen abzudecken. Diese Bilder lösen Betroffenheit aus, aber sie bleiben oft nur flüchtige Momente in der täglichen Nachrichtenflut.
Unser neuer Gletscherbericht liefert dazu die ernüchternde wissenschaftliche Grundlage: Der mittlere Rückzug von 20,3 Metern ist der achthöchste Wert in 135 Jahren. Der Bericht zeigt aber noch mehr als den reinen Längenverlust. Er beschreibt den inneren Kollaps: das Aushöhlen der Gletscherzungen, das plötzliche Einbrechen von Eisdecken und den Zerfall ehe-
mals zusammenhängender Eisströme. Wir erleben nicht nur ein Zurückweichen, wir beobachten den Todeskampf – das langsame Aufzehren „vererbter“ Eisreserven, ohne dass nennenswert neues Eis nachkommt. Mein besonderer Dank gilt den Gletschermesserinnen und Gletschermessern, die Jahr für Jahr mit großem Engagement und oft unter anspruchsvollen Bedingungen unsere heimischen Gletscher vermessen und damit die Grundlage für diesen Bericht schaffen. Angesichts dieser Flut an schlechten Nachrichten kann man leicht in eine Schockstarre verfallen, in die Resignation abgleiten und denken, es sei ohnehin alles zu spät. Doch genau das dürfen wir nicht zulassen. Diese Lähmung ist der größte Gefährte der Untätigkeit. Es geht nicht mehr darum, ob wir die Gletscher in ihrer alten Form noch retten können; es geht darum, die Konsequenzen für uns selbst abzumildern. Nutzen wir diese Daten, um auch selbstkritisch auf unser Verhalten zu schauen. Als Bergliebhaber sind wir die Ersten, die die Veränderungen spüren, die der Bericht so nüchtern dokumentiert. Das sollte uns dazu bringen, nicht nur Forderungen an die große Politik zu stellen, sondern auch unser eigenes Handeln zu hinterfragen. Es ist an der Zeit, uns ehrlich zu fragen, ob unser Freizeitverhalten noch in diese fragile Welt passt. Es geht nicht um einen Generalverzicht, der uns die Freude am Berg nimmt. Es geht um bewusste Entscheidungen: um die Wahl des Tourenziels, die Art der Anreise und die Frage, ob wir wirklich immer das Neueste und Weiteste brauchen. Jeder Schritt, den wir bewusster setzen, ist ein Beitrag zum Erhalt jener Welt, die uns so am Herzen liegt. Danke, dass Sie nicht wegschauen und diesen Weg mit uns gehen.

IDas Foto hat Antje Borbonus morgens oberhalb der Nördlinger Hütte im Karwendelgebirge gemacht: „Bilderbuchhaft ragt ein Edelweiß voller Stolz empor. Ein unvergesslicher Bergmoment!“, so Antje. Ihr Bildtitel: Morgenstimmung an der Nördlinger Hütte.
Das Bild wurde vor wenigen Wochen auf unserem Instagram-Kanal veröffentlicht. Wir haben einige Follower-Kommentare für euch: »Edel weiß sich das Bergland in der Morgensonne zu inszenieren.« I »Die Tiefe der Alpen.« I »Ikonen der Freiheit.« I »Im Edelweiß flüstert der alte Traum der Berge.« I »Da hat doch glatt jemand unser Logo geklaut!« I »Kleine Schönheit ganz oben.« I »Ach, wenn ich doch nur ein Steinbock wäre ...« I »Manche Bilder brauchen keine Worte.« I »Innehalten – ein perfekter Moment.« I »Edel, wer weiß, wo man Freiheit findet.« I »Wer höher aufsteigt, sieht weiter.« I »Ich sehe Edelberge!« I »Das Edelweiß – der Stern der Berge.« I »Angekommen.« I »Frei. Wild. Edelweiß.« I »In der Einfachheit liegt das Glück.« I
Bergsport im Wandel: eLearning


Tage draußen!
Die Plattform
Die Lärche ist Baum des Jahres 2026 alpenverein basecamp


Der eLearning-Kurs „Bergsport im Wandel“ richtet sich an Bergbegeisterte, die ihr Wissen vertiefen und Touren an die Folgen des Klimawandels anpassen möchten. Der 15–20-minütige Kurs bietet zudem eine Checkliste für klimabewusste Tourenplanung. Details unter: elearning. alpenvereinakademie.at
Die Plattform Tage draußen! der Alpenvereinsjugend ist ein Ort für alle, die junge Menschen begleiten: vom pädagogischen Kompass über Ausbildung bis zu einer Werkzeugkiste, die als Ideenpool für gemeinsame Aktivitäten fungiert. www.alpenvereinsjugend.at/ tagedraussen/
Die Europäische Lärche ist ein Baum mit Ausdauer: Während der letzten Eiszeit überlebte sie in klimatisch begünstigten Rückzugsräumen, ehe sie sich mit dem Rückzug der Gletscher erneut über Alpen und Karpaten ausbreitete. Heute prägt sie vor allem die inneralpinen Landschaften – von den französischen Alpen über Tirol bis in den Lungau.



Podcast #64 geht der Frage nach, warum nur 36 von knapp 1.400 Bergführer:innen in Österreich weiblich sind: Wo liegen die Hürden in der Ausbildung? Warum braucht es mehr weibliche Vorbilder? Führen Frauen anders als Männer? Das basecamp entsteht mit Unterstützung der Generali Versicherung. alpenverein.at/ basecamp
748.046

… Mitglieder zählt der Österreichische Alpenverein. Das bedeutet Höchststand bei der Mitgliederzahl: Allein im letzten Jahr sind dem Alpenverein 21.762 Mitglieder beigetreten! Mit Bergsport, Hütten, Wegen, Naturschutz und als Jugendorganisation deckt der Verein Themen ab, die immer mehr Menschen ansprechen. Die meisten Mitglieder gibt es übrigens in Wien, gefolgt von Tirol und Oberösterreich.
Weitere Zahlen und Fakten zum Mitgliederzuwachs im größten alpinen Verein Österreichs unter: www.alpenverein.at


¡ Seit 90 Jahren beim Alpenverein: Elfriede Fuchs aus Judenburg
Sie geht wöchentlich zur Turnstunde, managt ihren
Haushalt selbst und reiste noch mit 96 Jahren nach Australien zur Weltmeisterschaft im Kugelstoßen, um mit einer Goldmedaille heimzukehren: Die 105-jähige Elfriede Fuchs aus Judenburg (Stmk.) ist nicht nur begeisterte Leichtathletin, sondern auch das älteste Mitglied im Österreichischen Alpenverein. Geboren 1920 in Graz, trat sie schon mit 16 Jahren dem Verein bei und blieb ihm bis heute treu.
Elfriedes Rezept für ein langes, gesundes Leben: „Immer in Bewegung bleiben!“

cL eme NS m att Generalsekretär des Alpenvereins
748.046 Menschen sind Teil des Alpenvereins – ein neuer Höchststand. Dieses Wachstum freut uns, ist aber vor allem Auftrag. Je mehr Menschen es in die Berge zieht, desto größer wird unsere Verantwortung: für Sicherheit, für fundierte Ausbildung und für den Schutz der alpinen Natur. Das Lawinenunglück im Pongau führt uns schmerzlich vor Augen, wie ernst wir alpine Gefahren nehmen müssen. Mit Kursen, Ehrenamt, Infrastruktur und Initiativen wie SicherAmBerg wollen wir Orientierung geben – damit Begeisterung und Verantwortung Hand in Hand gehen. Der Alpenverein steht für ein Miteinander am Berg: umsichtig, solidarisch und nachhaltig. Daran wollen wir uns messen lassen. —

Ein Mensch im Bauch des Gletschers: Im Mittelbergferner (Ötztaler Alpen) scheint das Eis allgegenwärtig –und doch ist es in Bewegung. Rauschen, Tropfen, Knirschen begleiten einen Ort, der sich rasch verändert. Hier reinhören: www.alpenverein.at/derletzteschrei
Foto: Jörg Längerer


Eistunnel wie dieser am Wildgerloskees (Zillertaler Alpen) zeugen von fortschreitendem Eiszerfall. Foto: Sepp Nussbaumer, 2.10.2025
Sammelbericht über die Gletschermessungen des Österreichischen Alpenvereins im Jahr 2025. Die Gletscher Österreichs sind von 2024 auf 2025 im Mittel um 20,3 m kürzer geworden. Dies ist der achthöchste Wert in der 135-jährigen Geschichte des Gletschermessdienstes. Der Rückzug fiel damit zwar geringer als im Vorjahr aus, liegt aber dennoch über dem Mittel der letzten zehn Jahre (2015/16–2024/25) mit –19,5 m.
Die beiden Leiter des Gletschermessdienstes erhielten von 23 Gebietsverantwortlichen („Gletschermessern“) 20 Berichte aus 17 Teilgebieten in 12 Gebirgsgruppen. Nach genauer wissenschaftlicher Prüfung für jeden einzelnen Gletscher erstellten wir diesen Sammelbericht durch Kompilation, Ergänzung und Interpretation dieser Daten und Informationen. Die Einzelberichte mit zahlreichen Fotos wurden wie immer analog im Gletscherarchiv des Alpenvereins in Innsbruck und digital am Institut für Geographie und Raumforschung der Universität Graz archiviert.
Die durchwegs unfallfrei verlaufenden Messkampagnen fanden zwischen 22.8. und 18.10.2025 statt. Der gemeinsame Dank der Leitung des Messdienstes ergeht an alle Gebietsverantwortlichen und ihre insgesamt 51 Begleitpersonen sowie an Veronika Raich, deren unermüdliches und umsichtiges Wirken im Hintergrund den laufenden Betrieb des Gletschermessdienstes erst ermöglicht.
2025 gab es personelle Veränderungen, indem sich Reinhold Friedrich und Daniel Binder aus dem Team zurückgezogen sowie Roland Luzian und Josef Lang jeweils zum letzten Mal ihre Aufgabe als Gebietsverantwortliche wahrgenommen haben. Ihre Nachfolger werden wir im nächstjährigen Bericht zusammen mit dem Team, das heuer mit Messungen am Ködnitzkees (am Fuß des Großglockners) be-
gonnen hat, vorstellen. Den scheidenden Gletschermessern wird aufrichtig für ihre langjährige Tätigkeit gedankt!
Witterung 2024/25
Die Witterungsverhältnisse für das Gletscherhaushaltsjahr 2024/25 können unter Verwendung der Monatswitterungsübersichten der GeoSphere Austria (www.geosphere.at) wie folgt beschrieben werden: Auf das frühe Ende des vorangegangenen Haushaltsjahres am 12.9.2024 folgte ab Mitte Oktober milde und niederschlagsarme Witterung, die zumindest bis in die zweite Novemberhälfte andauerte. Danach gab es zwar immer wieder Schneefälle, doch blieben die Niederschlagsmengen während des gesamten Winters deutlich hinter den langjährigen Mittelwerten zurück.
Erst in der zweiten Hälfte des März 2025 und an der Monatswende zum April gab es zumindest an der Südabdachung des Alpenhauptkamms mehr Schneefall, doch überstieg die maximale Schneehöhe dieses Winters am Sonnblick im April 253 cm nicht und blieb somit um 42 % unter dem Mittel von 1991–2020. Im von Tiefdruck dominierten Mai gab es zwar wiederholt Schneefälle im Hochgebirge, doch überstiegen auch die Niederschlagsmengen dieses Monats kaum den Erwartungswert.
So bewirkte der extrem warme Juni –am Sonnblick der wärmste der Messge-
Das Gletscherhaushaltsjahr 2024/25 verlief wie seine Vorgängerjahre extrem gletscherungünstig. Von den 96 Gletschern, an denen die Änderungstendenz seit 2024 erhoben wurde, blieben nur zwei in ihrer Länge unverändert, alle anderen zogen sich zurück. Der mittlere Rückzugsbetrag der 79 sowohl 2024 als auch 2025 vermessenen Gletscher betrug –20,3 m, was den achthöchsten Wert der gesamten Messreihe darstellt. Obwohl der mittlere Rückzugswert geringer als in den Vorjahren war (2023/24: –24,1 m, 2022/23: –23,9 m, 2021/22: –28,7 m), setzt sich die Reihe äußerst gletscherungünstiger Jahre fort. Ursachen hierfür waren primär ein schneearmer Winter und ein heißer Frühsommer.
schichte und österreichweit der drittwärmste – ein rasches Abschmelzen der Winterschneedecke bis in große Höhen. Im trüben und feuchten Juli gab es zwar Schneefall im Hochgebirge, doch hielt die Schneedecke auf den Gletschern jeweils nur kurz. Der August und der Großteil des Septembers waren überdurchschnittlich warm und zu trocken, Niederschlagsepisoden brachten nur den höchsten Lagen kurzfristige Schneedecken. Ein Kaltlufteinbruch am 24./25.9. beendete das Gletscherhaushaltsjahr.
Die Abbildungen 1 und 2 zeigen die gemittelten Abweichungen der Monatswerte der Temperatur und der Niederschlagsmengen im Jahr 2024/25 von der Klimanormalperiode 1981–2010 an den 3 Hochgebirgs-Wetterstationen Sonnblick, Zugspitze und Säntis (Lage in Abbildung 4). Die Jahresmitteltemperatur lag um 2,0 °C über dem Mittel des genannten Zeitraumes (im Jahr zuvor 1,9 °C). Von den einzelnen Monaten waren nur der Mai und der Juli geringfügig zu kühl, alle übrigen
hingegen zu warm, wobei für die Gletscher insbesondere dem Juni mit einer positiven Abweichung von fast 5 °C große Bedeutung zukommt.
Ein deutliches Niederschlagsdefizit von 24,5 % ist ein weiteres Merkmal der Witterung im Gletscherhaushaltsjahr 2024/25, insbesondere in den Wintermonaten, in denen weniger als zwei Drittel des zu erwartenden Niederschlags fielen. Dies bedeutete eine nur geringmächtige Winterschneedecke, die auf großen Gletscherflächen schon im heißen Juni abschmolz. Der einzige Monat mit deutlich über dem langjährigen Mittel liegenden Niederschlägen war der Juli, die Monate Oktober 2024 und Mai 2025 waren nur etwas zu feucht.
Schneebedeckung, Massenbilanzen und Zwischenfazit
Für den Zeitraum 1.6.–31.10.2025 führte Christian Lieb eine statistische Auswertung von täglichen Bildern aus Webcam-
Veränderungen der Gletscher am Hauptkamm der Zillertaler Alpen (Bildmitte: Großer Möseler), gesehen in Richtung Südwesten vom Gipfel des Schwarzensteins (3.369 m). Der Bildvergleich veranschaulicht den massiven Gletscherschwund auch in den höchsten Lagen der Gebirge zwischen 1950 und 2025.
Archiven für ausgewählte Gletschergebiete (Mittelbergferner, Ötztaler Alpen; Pasterze, Glocknergruppe; Kleinfleißkees, Goldberggruppe; Hallstätter Gletscher, Dachstein; Lage in Abb. 4) durch. Hierfür sei ihm an dieser Stelle herzlich gedankt. Demnach waren tief gelegene Gletscherzungen wie jene der Pasterze bereits Anfang Juni schneefrei und spätestens an der Wende Juni/Juli war die Ausaperung weithin bis ins 3.000-m-Niveau fortgeschritten. Der Kaltluftvorstoß vom 8.7.2025 bedeckte beinahe alle österreichischen Gletscher auch in deren tiefen Lagen mit Schnee, der für einige Tage die Eisabschmelzung reduzierte.
Die weiteren, mit Kaltluftzufuhr verbundenen zyklonalen Phasen des Sommers brachten nur den Hochlagen regional kurzlebige Schneedecken, insbesondere jene um den 16./17.7. und um den 2.–4.8. Fast gesamtösterreichisch wirksam war ein Wettersturz am 4./5.9., doch hielt sich auch die dabei gebildete dünne Schneedecke auf den Gletschern kaum länger als 2–3 Tage. Danach blieben die wieder bis in etwa 3000 m Höhe aper gewordenen Gletscher ungehinderter Eisabschmelzung ausgesetzt, bis am 24./25.9. durch erneute Tiefdrucktätigkeit mit Kaltluftzufuhr alle österreichischen Gletscher eine Schneedecke erhielten. Da diese im Oktober nur mehr in den tiefstgelegenen Gletscherteilen abschmolz, darf dieses Datum als Ende des Haushaltjahres gelten.

Die an den österreichischen Gletschern gemessenen Massenbilanzen, also die jährlichen Massenumsätze (Einnahmen in Form von Schnee minus Verlust durch Abschmelzung), bestätigen die außerordentlich ungünstigen Witterungsbedingungen für die Gletscher: Alle 12 bei Redaktionsschluss verfügbaren Massenbilanzen von österreichischen Gletschern zeigten den beiden Vorjahren ähnliche, hochnegative Werte, deren arithmetisches Mittel bei –1720 mm Wasserwert lag. Was diese Angabe bedeutet, wird im Kurztext zum Seekarlesferner in Abbildung 4 erklärt. Der entscheidende Faktor für die erneut gletscherabträglichen Bedingungen waren zum einen die zu geringen winterlichen Niederschläge und zum anderen der zu warme Frühsommer. Diese beiden Faktoren setzten den Gletschern, die auch über keine Schneereserven aus den Vorjahren mehr verfügen, so stark zu, dass auch der gletschergünstige Juli und einige weitere sommerliche Schneefälle keine wirkliche „Erholung“ für die Gletscher mehr brachten.
Für das Gletscherhaushaltsjahr 2024/25 ist die Tendenz der Längenänderung von 96 Gletschern bekannt, das sind wegen der günstigen Messbedingungen im September sechs mehr als im Jahr zuvor. Konkrete Messwerte, beruhend auf sowohl 2024 als



auch 2025 durchgeführten Messungen, können für 79 Gletscher mitgeteilt werden (2023/24: 75, 2022/23: auch 79).
Bei einigen Gletschern, die aufgrund des frühen Wintereinbruchs 2024 nicht gemessen werden konnten, liegen nach der heurigen Messung Zweijahreswerte vor. Diese werden für die Berechnung der aktuellen, in diesem Bericht mitgeteilten Änderungsbeträge für 2024/25 ebenso wenig berücksichtigt wie Zweijahreswerte an einzelnen Messmarken. Sehr wohl aber werden Gletscher mit negativen Zweijahreswerten als im Rückzug befindlich gezählt.
An den 17 Gletschern, für die es keine Rückzugswerte gibt, wurde die Tendenz bei 10 aus Fotovergleichen, bei 6 aus Zweijahreswerten und beim Hintereisferner aus Messungen ermittelt, die keine reale Längenänderung repräsentieren, aber an der Tendenz keinen Zweifel lassen (Details in Tab. 1 und bei den Ergebnissen der Einzelberichte). 94 (97,9 %) der 96 Gletscher mit bekannter Änderungstendenz waren im Rückzug, zwei (2,1 %) veränderten ihre Länge um weniger als +/– 1 m und gelten daher als stationär: Sowohl am Kleineiser- (Glocknergruppe) als auch am Roter-Knopf-Kees (Schobergruppe) ist dies aber nicht auf Massenzuwächse, sondern auf lokale Be-
sonderheiten – etwa zufällig längeren Abschmelzschutz durch Lawinenschnee –zurückzuführen.
Der Berechnung der mittleren Längenänderung der 79 Gletscher, deren Veränderung von 2024 auf 2025 quantifizierbar ist, erfolgte auf der Grundlage von Einzelmessungen an 203 Messmarken, an 27 weiteren wurden Zweijahreswerte, die zur Berechnung nicht verwendet wurden, gemessen. Darüber hinaus mussten aufgrund der starken Rückgänge 49 neue Messmarken eingerichtet werden.
An 10 Gletschern werden schon seit Jahren statt der traditionellen Markenmessungen andere Methoden verwendet, erkennbar in der Tabelle 1 durch X anstelle der Zahl der Marken. Die Eisränder werden hier entweder durch exakte GNSSMessungen (Global Navigation Satellite System) vor Ort (an den 5 Gletschern im Rofental) oder fernerkundungsbasiert mittels von Drohnen aufgenommener Luftbilder (Pasterze und alle Gletscher der Goldberggruppe) lagegetreu erfasst. Durch Bestimmung der Distanz zwischen den Gletscherrändern zweier aufeinander folgender Jahre in genau definierten Richtungen werden die Längenänderungen so bestimmt, dass sie mit jenen der traditionellen Markennachmessungen uneingeschränkt vergleichbar sind.
Der Litzner Gletscher in der Silvrettagruppe (mit Großlitzner links und Gr. Seehorn rechts), gesehen von der Saarbrücker Hütte in südlicher Richtung – links am 30.8.1982, rechts am 19.9.2025. Der Gletscher hatte bei seinem letzten Vorstoß um 1980 eine Moräne aufgeschoben, die auf dem aktuellen Bild rechts vorne noch gut erkennbar ist. Foto: J. und G. Groß
Im Mittel verringerten die 79 Gletscher von 2024 auf 2025 ihre Länge um 20,3 m, was zwar deutlich weniger als im Vorjahr, aber doch der achthöchste Wert der gesamten Messreihe ist (hinter 2021/22 mit –28,7 m, 2016/17 mit –25,2 m, 2023/24 mit –24,1 m, 2022/23 mit –23,9 m, 2002/03 mit –22,9 m, 2014/15 mit –22,6 m und 2006/07 mit –22,2 m). Abbildung 3 ordnet diese Werte in die langjährige Reihe seit 1960 ein und macht die Häufung der höchsten Werte in den letzten eineinhalb Jahrzehnten deutlich.
Im Gegensatz zu den beiden Vorjahren fehlten 2024/25 extrem hohe Rückzugswerte jenseits der 200-m-Marke. Vielmehr lag der maximale Rückzugsbetrag bei „nur“ 114,3 m am Alpeiner Ferner (Stubaier Alpen), gefolgt von 103,9 m an der mittleren Zunge des Stubacher Sonnblickkeeses (Granatspitzgruppe) und 90,3 m am Krimmlerkees (Venedigergruppe).
Temperaturanomalie im Gletscherhaushaltsjahr 2024/25
Niederschlagsanomalie im Gletscherhaushaltsjahr 2024/25
Abbildung 1: Die Abweichung der monatlichen (Stäbe), saisonalen (schwarze Linien und Zahlen) und Jahrestemperaturen (grau punktierte Linie und Zahl) zwischen Oktober 2024 und September 2025 vom Mittel 1981–2010 an den 3 Gebirgswetterstationen Sonnblick (GeoSphere Austria), Zugspitze (Deutscher Wetterdienst) und Säntis (MeteoSwiss) (Lage siehe Abbildung 4).
Sonstige Beobachtungen
Der anhaltend hohe Längenverlust der Gletscher, der das Eisfreiwerden großer Flächen repräsentiert, ist mit dem regelrechten Zerfall der Eismassen verbunden. Typisch ist die Bildung großer Hohlräume unter dem Eis, die durch von Schmelzbächen mitgerissene Luft ausgeschmolzen werden. Das so entstandene Massendefizit wird nicht mehr durch nachrückendes Eis kompensiert, wie die selbst auf den größten Gletschern nur mehr wenige Meter pro Jahr betragenden Bewegungsraten (Tabelle 3) indirekt zeigen.
Wird das verbleibende Eis über den Hohlräumen zu dünn, beginnt die Eisdecke – häufig an kreisförmig konzentrisch angeordneten Spalten an der Oberfläche – einzubrechen und schließlich in sich zusammenzustürzen. Großflächig kann dies schon seit Jahren u. a. an der Zunge des noch größten Gletschers Österreichs, der Pasterze, beobachtet werden.
Neben dem geschilderten Einsturz von Hohlräumen und dem daraus resultieren-
Abbildung 2: Die Abweichung der monatlichen (Stäbe), saisonalen (schwarze Linien und Zahlen) und Jahres-Niederschlagssummen (grau punktierte Linie und Zahl) zwischen Oktober 2024 und September 2025 vom Mittel 1981–2010 an den 3 Gebirgswetterstationen Sonnblick (GeoSphere Austria), Zugspitze (Deutscher Wetterdienst) und Säntis (MeteoSwiss) (Lage siehe Abbildung 4).
den flächigen Zerfall der Gletscherzungen finden sich in den meisten Gletscherberichten weiterhin zahlreiche Hinweise auf das Eisfreiwerden großer Felsbereiche
20,3
Im Mittel verringerten die 79 Gletscher von 2024 auf 2025 ihre Länge um 20,3 m, was zwar deutlich weniger als im Vorjahr, aber doch der achthöchste Wert der gesamten Messreihe ist.
(„Felsinseln“) oder -stufen, dünner werdendes Eis, Einsinken der Oberflächen auch in den höchsten Lagen der Gletscher, also deren ehemaligen Nährgebieten, sowie die zunehmende Bedeckung der Eisoberflächen mit Schutt. Wie in den letzten Jahren gab es wieder Nachrichten von Felsstürzen auf Gletscher und erschwerte Begehbarkeit von Routen.
Die Abtrennung von Gletscherteilen durch das Eisfreiwerden von Felsbereichen bedeutet die Aufgliederung ehemals zusammenhängender Gletscher in mehrere Einzelgletscher. Die Gebietsverantwortlichen legen in solchen Fällen, wo es das Gelände erlaubt, neue Messmarken an, von denen aus die Längenänderungen der nunmehr eigenständigen Gletscher gemessen werden. Als in diesem Sinn „neue“ Gletscher erscheinen in Tabelle 1 erstmals der Westliche Jamtalferner (Silvretta) und der Nördliche Schweikertferner (Ötztaler Alpen).
Die in Tabelle 3 gezeigten Werte der Höhenänderungen an den Profillinien auf dem Hintereisferner, auf der Pasterze und am Kälberspitzkees bringen den
Mittlere Längenänderung in Meter (m)
Anteil
vorstoßender, stationärer & in Rückzug befindlicher Gletscher in Prozent (%)
Anzahl der Gletscher
fortschreitenden Mächtigkeitsverlust der Eismassen zum Ausdruck. Auch die gemessenen Horizontalbewegungen liegen nur mehr bei unter 5 m pro Jahr.
Der schon in den letzten Berichten festgestellte dramatische Gletscherschwund setzt sich – daran ändert auch das etwas geringere Gesamtmittel des Rückzugs nichts – ungebremst fort. Von den 96 in diesem Jahr beobachteten österreichischen Gletschern steht kein einziger mit den herrschenden Klimabedingungen auch nur annähernd im Gleichgewicht: Als Faustregel gilt, dass ein Gletscher im Gleichgewicht am Ende des Sommers noch zu zwei Drittel von Schnee bedeckt und daher nur auf einem Drittel Eisschmelze möglich ist. Die meisten Gletscher haben kein Nährgebiet mehr, was man daran erkennt, dass auf ihnen am Ende des Sommers –was längst der Normalfall ist – nahezu kein Schnee mehr liegt. Nur mehr an den in große Höhe reichenden Gletschern, ober-
Abbildung 3: Die mittlere Längenänderung (oben), die Anteile der vorstoßenden (hellblau), stationären (dunkelblau) und zurückschmelzenden (orange) beobachteten Gletscher (Mitte) sowie deren Anzahl (unten) zwischen 1960 und 2025.
halb von etwa 3.000–3.200 m Höhe, gibt es noch zusammenhängende Nährgebiete. Aber auch diese sind für die von hier ihren Ausgang nehmenden Gletscherzungen viel zu klein. Der die aktuelle Dynamik der Gletscher steuernde Prozess ist schlicht das langsame Abschmelzen der von früher „vererbten“ Eisreserven – ohne nennenswerte Neubildung von Eis. Für intakte Gletscher wäre diese jedoch unabdingbar. Unter den aktuellen und prognostizierten Klimabedingungen wird es in Österreich nur mehr wenige Jahrzehnte Gletscher geben. Aufgrund der weiter steigenden Temperaturen und verschiedener Verstärkungseffekte wird sich deren Schwund sogar noch beschleunigen!
Mag. Dr. Gerhard Karl Lieb ist a. o. Univ.-Prof. i. R. und MMag. Dr. Andreas Kellerer-Pirklbauer Senior Scientist am Institut für Geographie und Raumforschung, Universität Graz. Gemeinsam leiten sie seit 2017 den Alpenverein-Gletschermessdienst. Letzter Bericht: Bergauf #2.2025, Jg. 80 (150), S. 12–25.
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2025 rief die UNO das „International Year of Glaciers’ Preservation“ aus. Am 21. März wurde erstmals der „World Day of Glaciers“ begangen. Beide Initiativen unterstreichen die Bedeutung der Gletscher für Umwelt und Gesellschaft. Der Gletschermessdienst startete dazu den „Gletschermonitor“: www.alpenverein.at/ gletschermonitor. Der Österreichische Alpenverein setzt sich weiterhin für den konsequenten Schutz der Gletscher, ihrer Vorfelder und der noch intakten Natur ein. Klima- und Naturschutz müssen dabei Hand in Hand gehen.

Jetzt Daten interaktiv abrufen: www.alpenverein.at/ gletschermonitor


Gletscherbericht 2024/25









Abbildung 4: Lage der im Gletscherhaushaltsjahr 2024/25 gemessenen Gletscher mit Angaben zur Veränderung der Gletscherstirn. Im Text genannte Gebirgswetterstationen und Webcam-Standorte sind in der Karte verortet. Die Texte informieren exemplarisch über lokale Besonderheiten.

Legende

Säntis
+/– 1 m (stationär)
> 1 – 25 m (Rückzug)
> 25 – 50 m (Rückzug)
> 50 – 100 m (Rückzug)

> 100 – 200 m (Rückzug)
Rückzug unbestimmt

Webcam
Wetterstation






Zugspitze





Übeltalferner

















Dieser kleine Kargletscher am Fuß der Rofelewand im Kaunergrat (Ötztaler Alpen) ist einer der zahlreichen Gletscher, die sich durch ihren starken Rückgang, verbunden mit Eiszerfall, in zwei selbständige Gletscher aufgeteilt haben. Da der Gebietsverantwortliche an beiden Gletschern Messungen durchführt, werden erstmals in diesem Bericht die Rückzugswerte getrennt mitgeteilt. Diese waren mit –15,5 m am Haupt- („Mittlerer Schweikertferner“) und mit –10,4 m am Nebengletscher („Nördlicher Schweikertferner“) moderat.






Als einer von 13 Gletschern in Österreich ist der Seekarlesferner (Ötztaler Alpen) Schauplatz jährlicher Massenbilanzmessungen. Diese werden von Markus Strudl mit der glaziologischen Methode (direkte Messungen der Winter- und der Sommerbilanz vor Ort durch Schneeschächte und Pegel) durchgeführt. Die Jahresbilanz von –1.432 mm Wasseräquivalent gibt die 2024/25 geschmolzene Wassermenge an. Der Wert entspricht der Höhe, mit der diese Wassermenge, gleichmäßig verteilt, den Gletscher bedecken würde. Im Jahr zuvor lag dieser Wert sogar bei –1.662 mm.












An diesem, die Nordflanke der Dreiherrenspitze (Venedigergruppe) bedeckenden Gletscher wurde 2025 mit –90,3 m der dritthöchste Rückzugswert des Messnetzes registriert. Der Verantwortliche für diesen Gletscher und die nördliche Venedigergruppe war seit 2000 Roland Luzian, der diese Funktion heuer zurückgelegt hat. Am Krimmler Kees hat er in dieser Zeit einen Rückzug von –748,7 m messend begleitet. Die Leitung des Gletschermessdienstes bedankt sich herzlich bei ihm!














An diesem Gletscher ist der ermittelte Rückzugswert von –14,1 m zwar unauffällig, verschleiert aber, dass der Ostlappen des Gletschers endgültig vom Hauptlappen abgerissen ist und als Toteiskörper rasch abschmelzen wird. Der drastische Gletscherschwund und die Veränderungen im Permafrost haben die Felssturzaktivität aus den Wänden des Mitterspitzes so stark zunehmen lassen, dass der Normalweg von der Adamek-Hütte auf den Hohen Dachstein bereits im Vorjahr verlegt werden musste.








Die Gletscherzunge des Alpeiner Ferners ist einer der landschaftlichen Höhepunkte im Tourengebiet der Franz-SennHütte. In den letzten Jahren ist in der Mitte der Gletscherzunge eine große Felsstufe freigeschmolzen, die auch hier den Zerfall der nur mehr geringmächtigen Gletscherzunge sichtbar macht. Dies spiegelt der 2025 registrierte Rückzugswert von –114,3 m wider – er war bei Weitem der höchste in den Stubaier Alpen und auch der höchste in ganz Österreich.






Dieser kleine Kargletscher im Kärntner Teil der Schobergruppe darf nicht mit seinem großen Namensvetter in den Zillertaler Alpen verwechselt werden. Der aktuelle Rückzug von –23,7 m ist hier der zweithöchste seit Messbeginn 1981. Die baldige Zweiteilung des Gletschers zeichnet sich durch eisfreie Felsstellen ab und es ist fraglich, ob und wie die Messungen weitergeführt werden können. Die Schobergruppe ist nur mehr schwach vergletschert und wird in absehbarer Zeit gletscherfrei sein.


Tabelle 1: Längenänderungen der österreichischen Gletscher 2024/25 (in m) Mittelwert (n = 79) –20,3 m
DACHSTEIN
TR
SN
IL
IL
PI
PI
PI
FA
SILVRETTAGRUPPE
ÖTZTALER
Venter Tal OE
OE 107 Schalf F. –23,4 2 R 11.10.25
OE 108 Mutmal F.
OE 110 Marzell F. F R 18.10.25
OE 111b Niederjoch F. –18,6 1 R 21.09.25
OE 121 Hochjoch F. –7,1 X R 21.09.25
OE 125 Hintereis F.** (–13,5) X R 09.09.25
OE 129 Kesselwand F. –8,3 X R 06.09.25
OE 132 Guslar F. –16,1 X R 08.09.25
OE 133 Vernagt F. –25,6 X R 08.09.25
OE 136 Rofenkar F. –5,3 1 R 07.09.25 Gurgler Tal und Westseite des Ötztales
OE 60 Gaißberg F. –15,8 2 R 19.09.25
OE 63 Rotmoos F. F R 18.09.25
OE 72 Langtaler F. F R 18.09.25
OE 74 Gurgler F. –12,5 4 R 18.09.25
OE 150 Rettenbach F. –8,3 1 R 09.09.25
OE 163 Innerer Pirchlkar F. –9,1 1 R 07.09.25
Oe 164 Äußerer Pirchlkar F. –13,2 2 R 07.09.25
OE 167 Hauer F. –17,7 2 R 19.09.25
STUBAIER ALPEN
Sulz- und Windachtal (Ötztaler Seite)
OE 12 Bachfallen F. –26,6 4 R 03.09.25
OE 17 Schwarzenberg F. –15,3 2 R 31.08.25
OE 22 Sulztal F. –20,4 6 R 31.08.25
OE 39 Gaißkar F. –8,0 2 R 07.09.25
OE 40 Pfaffen F. –2,5 4 R 06.09.25
OE 41 Triebenkarlas F. –10,5 5 R 06.09.25 Oberberg- und Unterbergtal (Stubai)
SI 30 Grünau F. –9,5 2 R 03.09.25
SI 34 Fernau F. –18,5 3 R 03.09.25
SI 36b Daunkogel F. –28,6 2 R 03.09.25
SI 55 Alpeiner F. –114,3 3 R 20.09.25
SI 56 Verborgenberg F. –5,7 5 R 20.09.25
SI 58 Berglas F. –64,2 2 R 20.09.25
ZILLERTALER ALPEN
ZI 73 Schwarzenstein K.
ZI
SA 123 Untersulzbach K. –20,6 3
SA 129a Venediger K. (–59,4) 2 R 18.09.25
SA 129d Obersulzbach K. (Geigerzunge)
22.08.25 LI 22 Kleinelend K. –56,2 2 R
KARNISCHE ALPEN
1 Eiskar G. –1,6 1 R 14.09.25
Anmerkungen zu Tabelle 1: Die Gletschernamen werden in der Tabelle aus Gründen der Lesbarkeit und Einheitlichkeit getrennt geschrieben (z. B. Alpeiner Ferner, Horn Kees). Die Abkürzungen bedeuten: F. = Ferner, G. = Gletscher, K. = Kees. Angaben in Klammer sind Werte, die nicht bei der Mittelbildung berücksichtigt wurden (zumeist Zweijahreswerte).
ZM = Zahl der Marken, die zur Berechnung der Mittelwerte verwendet wurden. X = von der üblichen (Distanzmessung von Fixpunkten in definierter Richtung zum Eisrand) abweichende Bestimmungsmethode (deren Ergebnis jedoch mit den anderen vergleichbar ist); F = Bestimmung der Tendenz durch Fotovergleich oder andere Beobachtungen.
T = Tendenzen.
Diese ergeben sich aus den angegebenen Werten und bedeuten: R = Rückzug, S = stationäres Verhalten, V = Vorstoß (nicht vorhanden).
* = Neu 2024/2025
** = Wert nicht berücksichtigt, da kein realer Eisrand gemessen wurde
Tabelle 2: Anzahl und Tendenz der beobachteten Gletscherenden
a) Nach Gebirgsgruppe 2024/25
b) Alle Gletscher Österreichs in den letzten 15 Jahren
a) Höhenänderung der Gletscheroberfläche Datum Profillinie
09.09.25 Seelandlinie (3 Punkte) –4,2 –4,5 2135,3 09.09.25 Wasserfalllinie (10 Punkte) –9,4 –8,9
09.09.25 Burgstalllinie (7 Punkte) –5,8 –6,6
11.09.25 Linie am Hohen Burgstall (5 Punkte)
11.09.25 Firnprofil (7 Punkte) –3,0
Das Mittel des Einsinkens an allen 14 auf der Pasterzenzunge gemessenen Punkten (Seeland-, Wasserfall- und Burgstalllinie) betrug 7,3 m gegenüber ebenso 7,3 m von 2023 auf 2024 (gerechnet jedoch aus 15 Punkten).
b) Horizontalbewegung an der Gletscheroberfläche Datum Profillinie
09.09.25 Wasserfalllinie (8 Punkte)
09.09.25 Burgstalllinie (4 Punkte)
11.09.25 Linie am Hohen Burgstall (5 Punkte)
Tabelle 3.2: Profilmessungen 2024/25 am Hintereisferner (Ötztaler Alpen)
a) Höhenänderung der Gletscheroberfläche
b) Horizontalbewegung an der Gletscheroberfläche
Anmerkungen zu Tabelle 2:
n = Anzahl der beobachteten Gletscher
V = Anzahl der vorstoßenden Gletscher
S = Anzahl der stationären Gletscher
R = Anzahl der in Rückzug befindlichen Gletscher
Tabelle 3.3: Profilmessungen 2024/25 am Kälberspitzkees (Ankogel-Hochalmspitz-Gruppe)
a) Höhenänderung der Gletscheroberfläche
Eiszerfall in geneigtem Gelände an der Gletscherstirn des Berglasferners (Stubaier Alpen)
Foto: Martin Stocker-Waldhuber, 20.9.2025
Das Mittel des Einsinkens an den drei Profilen betrug 5,3 m im Jahr 2024/25 und war somit gleich dem Vorjahr.

Berichter: Mag. Klaus Reingruber, Attnang-Puchheim (seit 1997)
Gebietsmittel: –12,3 m, berechnet aus 3 Gletschern (2023/24: –37,2 m, berechnet aus 3 Gletschern)
Weil für den Schneelochgletscher nur ein ZweijahresRückzugswert vorliegt, fließt dieser nicht in die Berechnung des Gebietsmittels ein. Zum Gosaugletscher siehe den Kurztext in Abb. 4. Das endgültige Abschmelzen der Eisverbindung zwischen dem Schladminger und Hallstätter Gletscher am Gjaidsteinsattel hat im Sommer in den regionalen Medien für viel Aufsehen gesorgt.
Berichter: Mag. Günther Groß, Thüringerberg (seit 1973); Ing. Johannes Groß, Nüziders (seit 2022)
Gebietsmittel: –16,9 m, berechnet aus 7 Gletschern (2023/24: –15,3 m, berechnet aus 6 Gletschern) Wie schon im Vorjahr wurde am Mittleren Jamtalferner der größte Rückzugswert im österreichischen Teil der Silvrettagruppe registriert. Nach der 2024 erfolgten Verselbständigung des westli-

chen Gletscherteils waren dort 3 neue Marken angelegt worden, von denen nun der erste Rückzugswert (–15,1 m) vorliegt.
Gebietsmittel: –19,4 m, berechnet aus 24 Gletschern (2023/24: –41,6 m, berechnet aus 20 Gletschern)
Berichter: Mag. Bernd Noggler, Landeck (seit 1997); Markus Strudl MSc, Imst (seit 2011)
Gebietsmittel: –30,2 m, berechnet aus 7 Gletschern (2023/24: –115,0 m, berechnet aus 5 Gletschern)
Das im Vorjahr außerordentlich hohe Gebietsmittel hat sich stark reduziert, obwohl mit Sexegerten- und Seekarlesferner 2 Gletscher mit jeweils mehr als 50 m Rückzug in diesem Gebiet liegen. Zum Schweikert- und Seekarlesferner siehe die Kurztexte in Abb. 4. Vom Mittelbergferner kann nach Anlage von 3 Marken 2024 heuer erstmals nach 30 Jahren wieder ein Rückzugswert (–11,6 m) mitgeteilt werden.
Berichter: Matthias Plörer MSc, Sölden (seit 2020); Mag. Dr. Martin StockerWaldhuber, Innsbruck (seit 2018); Markus Strudl MSc, Imst (seit 2011) Gebietsmittel: –16,1 m, berechnet aus 11 Gletschern (2023/24: –19,3 m, berechnet aus 12 Gletschern)
Für den Hintereisferner wird auf das Kapitel Ergebnisse verwiesen. Der Mutmalferner konnte 2025 wegen Vereisung nicht aufgesucht und der Marzellferner nur beobachtet, hier jedoch eine neue Marke angelegt werden.
Berichter: Simon Ennemoser MSc, Oetz (seit 2024); MMag. Dr. Andrea Fischer, Innsbruck (seit 2019); Matthias Plörer MSc, Sölden (seit 2020)
Gebietsmittel: –12,8 m, berechnet aus 6 Gletschern (2023/24: –8,0 m, berechnet aus 3 Gletschern)
Mit Ausnahme des Rotmoosund des Langtaler Ferners, für die nur Beobachtungen vorliegen, konnten alle Gletscher dieses Gebietes regulär gemessen werden.
Gebietsmittel: –27,0 m, berechnet aus 12 Gletschern (2023/24: –18,5 m, berechnet aus 12 Gletschern)
Berichter: Florian Dünser, Bertram Janz, beide Thüringerberg (seit 2014)
Gebietsmittel: –13,9 m, berechnet aus 6 Gletschern (2023/24: –14,0 m, berechnet aus 6 Gletschern)
Das Gebietsmittel war mit dem des Vorjahres zufällig fast identisch.
Berichter: Mag. Dr. Martin StockerWaldhuber, Innsbruck (seit 2017)
Gebietsmittel: –40,1 m, berechnet aus 6 Gletschern (2023/24: –23,0 m, berechnet aus 6 Gletschern)
Das höchste aller Teilgebietsmittel Österreichs erwächst aus dem gesamtösterreichischen Maximalwert vom Alpeiner Ferner (–114,3 m; siehe Kurztext in Abb. 4).
Aber auch der nahe Berglasferner zog sich mit –64,2 m sehr stark zurück.
Berichter: DI Christoph Friedrich, Völs (seit 2018); Sepp Nussbaumer, Krimml (seit 2016)
Gebietsmittel: –6,8 m, berechnet aus 1 Gletscher (2023/24: –68,7 m, berechnet aus 1 Gletscher)
Die Geländebedingungen erlauben weiterhin nur am Wildgerloskees Messungen, weshalb das Gebietsmittel nicht aussagekräftig ist. Reinhold Friedrich, der seit 1979 die Messungen im Zemmgrund leitete, übertrug mit der aktuellen Saison die alleinige Verantwortung hierfür an Christoph Friedrich, beteiligte sich aber an den Geländearbeiten. Wir danken Reinhold Friedrich herzlich für viereinhalb Jahrzehnte Engagement im Gletschermessdienst!
Berichter: Mag. Josef Lang, Virgen-Obermauern (seit 2007); Mag. Roland Luzian, Innsbruck (seit 2000); Sepp Nussbaumer, Krimml (seit 2021)
Gebietsmittel: –35,7 m, berechnet aus 4 Gletschern (2023/24: –24,7 m, berechnet aus 4 Gletschern) In der Venedigergruppe wurden Messungen an 7 Gletschern durchgeführt, an 3 von ihnen jedoch erstmals wieder seit 2023, sodass deren Rückzugswerte nicht in die Berechnung des Gebietsmittels einflossen. Nur Fotovergleiche sind derzeit an der Geigerzunge des Obersulzbachkeeses und am Schlatenkees möglich. Am letzteren wurde der Durchmesser des in den letzten Jahren eisfrei gewordenen Seebeckens mit rund 440 m bestimmt. Im Kurztext zu Abb. 4 wird auf den österreichweit dritthöchsten Rückzugswert am
Krimmler Kees (–90,3 m) sowie auf Roland Luzian eingegangen, der heuer seine Funktion ebenso zurückgelegt hat wie Josef Lang, der seit 2007 für die südliche Venedigergruppe zuständig war. Wir danken beiden für ihre langjährige, engagierte Arbeit für den Gletschermessdienst.
Berichter: Mag. Gabriel Seitlinger, Zell am See (seit 2011)
Gebietsmittel: –29,7 m, berechnet aus 4 Gletschern (2023/24: –10,7 m, berechnet aus 4 Gletschern)
Die starke Zunahme des Gebietsmittels ist damit zu begründen, dass an der mittleren, 2024 selbständig gewordenen Zunge des Stubacher Sonnblickkeeses der mit –103,9 m zweithöchste Rückzugswert Österreichs registriert wurde. Er erklärt sich aus dem Rückzug des Gletschers über eine Felsstufe, wo 3 neue Marken angelegt wurden.
Gebietsmittel: –17,4 m, berechnet aus 12 Gletschern (2023/24: –19,2 m, berechnet aus 13 Gletschern)
Berichter: Mag. Gabriel Seitlinger, Zell am See (seit 2011); Mag. Dr. Bernhard Zagel, Salzburg (seit 2016)
Gebietsmittel: –14,3 m, berechnet aus 5 Gletschern (2023/24: –20,0 m, berechnet aus 6 Gletschern)
Der stärkste Rückzug in diesem Teilgebiet wurde 2025 am Unteren Rifflkees mit –29,8 m festgestellt. Dies ist erneut der höchste der heuer 65-jährigen Messreihe an diesem Gletscher. Das Totenkopfkees wurde 2024 aus dem Programm genommen.
Berichter: Mag. Gabriel Seitlinger, Zell am See (seit 2011)
Gebietsmittel: –16,8 m, berechnet aus 3 Gletschern (2023/24: –9,5 m, berechnet aus 3 Gletschern)
Am Schmiedingerkees wurden die Längenänderungen relativ zu 2023 gemessen und der Mittelwert daher nicht in die Berechnung einbezogen.
Berichter: MMag. Dr. Andreas Kellerer-Pirklbauer, Graz (seit 2017)
Gebietsmittel: –21,7 m, berechnet aus 4 Gletschern (2023/24: –25,3 m, berechnet aus 4 Gletschern)
Der mit –54,0 m erneut gegenüber dem Vorjahr ein wenig verringerte Rückzugsbetrag der Pasterze darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Gletscherzunge unvermindert weiter im Zerfall begriffen ist, auch wenn die Eisverbindung zum Riffelwinkel noch besteht. Am Ködnitzkees an der Südseite des Großglockners wurde durch ein Team, das wir im nächstjährigen Bericht vorstellen werden, eine neue Messreihe begonnen.
Berichter: Mag. Michael Krobath, Graz (seit 2003)
Gebietsmittel: –11,3 m, berechnet aus 3 Gletschern (2023/24: –5,3 m, berechnet aus 3 Gletschern)
Aus dieser Gebirgsgruppe, in der das Verschwinden der Gletscher schon weit fortgeschritten ist, wird exemplarisch das Hornkees in einem Kurztext zu Abb. 4 vorgestellt.
Berichter: Anton Neureiter MSc, Wien (seit 2022)
Gebietsmittel: –16,1 m, berechnet aus 4 Gletschern (2023/24: –7,1 m, berechnet aus 4 Gletschern)
Für die Gletscher der Goldberggruppe, an denen die Veränderungen auf der Basis von Drohnenfotos ermittelt werden, hat Anton Neureiter nunmehr allein die Verantwortung übernommen. Wir danken Daniel Binder für seine 15-jährige Gletschermessertätigkeit.
Berichter: DI Jörg Färber, Nesselwängle (seit 2017); DI Martin Rößler, Villach (seit 2024)
Gebietsmittel: –21,4 m, berechnet aus 4 Gletschern (2023/24: –11,6 m, berechnet aus 4 Gletschern)
Für das Winkelkees liegen keine Informationen vor, weil das Gletscherende beim Besuch des Fotopunktes noch unter Schnee lag. Das Westliche Trippkees konnte wieder vermessen werden, jedoch musste der Zweijahreswert unberücksichtigt bleiben.
Berichter: Mag. Gerhard Hohenwarter, Villach (seit 2011)
Gebietsmittel: –1,6 m, berechnet aus 1 Gletscher (2023/24: –0,8 m, berechnet aus 1 Gletscher)
Da es in den Karnischen Alpen nur den Eiskar-Gletscher gibt, sind Gebietsmittel und Einzelwert identisch. Lag der Gletscher im Vorjahr weithin unter Altschnee, konnten heuer zwar 7 Marken gemessen, aber nur an einer ein Rückzugswert ermittelt werden. Die Gletscherzunge hat sich vom Hauptgletscher getrennt und ist nun eine Toteismasse geworden.
Visualisierung und Klangübersetzung der Daten: Lisa Lechner
Gletscherdaten: Alpenverein Gletschermessdienst
Gletschertöne: Ludwig Berger
Veränderung der Gletscherlänge
Abweichung nach oben entspricht Zuwachs ↑
Abweichung nach unten entspricht Verkürzung ↓

In den 1970er Jahren war Rosa eine junge Erwachsene. Die Temperatur im Alpenraum lag rund 1 °C unter dem langjährigen Durchschnitt.
In diesen Jahren haben die österreichischen Gletscher sogar einen Zuwachs an Länge und Fläche erfahren.
Setzt sich die Gletscherschmelze im Tempo der letzten Jahre fort, werden viele Eisriesen noch zu unseren Lebzeiten ihren letzten Schrei ausstoßen.
Wer genau hinhört, nimmt ihn vielleicht schon wahr: im Tropfen, im Knirschen, im leisen Plätschern schmelzenden Eises. In dieser Arbeit werden die Gletschermessdaten des Alpenvereins hörbar gemacht. Gletscher werden jährlich vermessen. Erfasst wird vor allem ihre Längenänderung. Diese Darstellung zeigt, wie stark sich die Gletscher im Laufe der Jahre zurückgezogen haben. Gletscher reagieren je nach Form, Neigung und Mächtigkeit unterschiedlich auf den Klimawandel. Bemerkenswert – und alarmierend – ist jedoch: Alle gemessenen Gletscher weisen einen Rückgang auf.
2025 haben sich die 79 gemessenen österreichischen Gletscher im Schnitt um 20,3 Meter zurückgezogen – manche stärker, manche weniger. Ein Beispiel ist der Seekarlesferner in den Ötztaler Alpen: Das Eis, das er zwischen 2024 und 2025 verlor, ergäbe einen Würfel mit 110 Metern Kantenlänge. In diesen Eis block würde der Wiener Stephansdom vollstän dig hineinpassen, nur der Südturm ragt noch 26 Meter heraus –die Pummerin im Nordturm v erklingt.

Setzt sich diese Entwicklung fort, wird es bald still um unsere weißen Riesen.

2024 war ein Hitzerekord: Die Temperatur im österreichischen Al- penraum lag fast drei Grad über dem Durchschnitt der Jahre 1960 bis 1990. Die Gletscher zogen sich im Schnitt um 24 Meter zurück. In diesem Jahr feierte Rosa ihren 82. Geburtstag und ihre Enkeltochter Anna ihren 17. Für Rosa waren die Gletscher ein fester Bestandteil der Bergkulisse. Für Anna sind sie ein schwindender Teil der Landschaft.

Lisa Lechner ist Assistenzprofessorin an der Universität Innsbruck und arbeitet als Datenkünstlerin an der Schnittstelle von Wissenschaft, Kunst und Gesellschaft. Kontakt: lisa@dataviz.world


Wie klingt ein Gletscher im Moment seines Verschwindens? Der Klangkünstler Ludwig Berger macht hörbar, was sich dem bloßen Auge entzieht – und eröffnet mit seinen Aufnahmen einen neuen, eindringlichen Zugang zum Zustand der alpinen Eiswelten.
eV e L i N Sta RK
Feldaufnahmen am Morteratschgletscher (Berninagruppe, Graubünden, CH).
Foto: Lutz Stautner & Philipp Becker
Ludwig Berger ist ein zeitgenössischer Klangkünstler, Komponist und Forscher, der sich mit der akustischen Dimension von Landschaften und Lebewesen beschäftigt. In seiner Arbeit rückt er jene Prozesse in den Mittelpunkt, die unserer Wahrnehmung meist entgehen: das Flüstern von Pflanzen, das rhythmische Summen von Insekten oder das Zischen von schmelzendem Eis. Berger studierte elektroakustische Komposition, Musikwissenschaft, Kunstgeschichte und Literatur und arbeitete einige Jahre am Institut für Landschaftsarchitektur der ETH Zürich, wo er sich mit Feldaufnahmen, wissenschaftlicher Kooperation und spekulativen Höransätzen auseinandersetzte. Seine Arbeit vereint künstlerische Neugier mit wissenschaftlicher Sensibilität: Er nutzt Mikrofone und Hydrofone (spezielles Mikrofon für Unterwasseraufnahmen: Es nimmt Schallwellen im Wasser auf), um verborge-
Während eines Jahrzehnts sammelte Berger hydrophone Aufnahmen aus Spalten, Schmelzwasserkanälen und Rissen. Die entstandenen Klanglandschaften bestehen aus burzelnden Blasen, knarrenden Eismassen, gurgelnden Rinnsalen und geheimnisvollen Resonanzen – so vielfältig und expressiv, dass sie fast wie eine Sprache erscheinen.
ne Klanglandschaften erlebbar zu machen – sei es in urbanen Räumen, japanischen Gärten oder in den Eismassen alpiner Gletscher.
Ein herausragendes Beispiel ist sein langjähriges Projekt Crying Glacier mit dem Morteratschgletscher in den Schweizer Alpen. Während eines Jahrzehnts sammelte Berger hydrophone Aufnahmen aus Spalten, Schmelzwasserkanälen und Rissen. Die entstandenen Klanglandschaften bestehen aus burzelnden Blasen, knarrenden Eismassen, gurgelnden Rinnsalen und geheimnisvollen Resonanzen – so vielfältig und expressiv, dass sie fast wie eine Sprache erscheinen.
Berger versteht diese Klangwelten nicht nur als akustische Dokumente, sondern als mehrals-menschliche Stimmen. In seinen Arbeiten – die als Installationen, Alben und Filmtonspuren zu erleben sind – tritt die Natur als aktiver Akteur auf und fordert uns auf, die Beziehung zwischen Mensch und Umwelt neu zu denken.
In Projekten wie diesen wird Klang zu einem Medium der Aufmerksamkeit. Bergers Aufnahmen laden dazu ein, langsame, oft überhörte Veränderungen wahrzunehmen und sich auf eine andere Form des Zuhörens einzulassen. Seine Arbeit bewegt sich dabei an der Schnittstelle von Kunst, Wissenschaft und Umweltbeobachtung – nicht erklärend oder belehrend, sondern offen, sinnlich und eindringlich. So entstehen akustische Erfahrungsräume, die ökologische Prozesse erfahrbar machen und eine neue Nähe zu alpinen Landschaften schaffen. So auch in der grafischen Darstellung der Gletscherschmelze (siehe vorige Seite), die dank Bergers Tonmaterial akustisch erlebbar wird.

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Diese Arbeit „Glacier 4“ der Künstlerin
Jessie Pitt ist Teil der Serie „Connection Project“ und lässt sich als eine symbolische Geste lesen: ein Innehalten, ein Aufmerksam-Machen sowie eine Wertschätzung der Natur.
Die Wissenschaft misst die Zahlen der schmelzenden Gletscher, die Emotionen kann sie nicht einfangen. Kunst jedoch schon:
Die künstlerischen Auseinandersetzungen mit der Thematik
Gletscher, Eis und Vergänglichkeit von Jessie Pitt, Hannah
Philomena Scheiber, Karin Schmuck und Max Seibald zeigen, was das schmelzende Eis in uns auslösen kann.
Ni Na z ac K e
In den frühen Morgenstunden, wenn andere noch schlafen, herrscht am Gletscher Stille. Nur das Knirschen des Schnees ist zu hören, das die Schuhe bei jedem Schritt erzeugen. Der Blick über die Landschaft ist beeindruckend: Das klare Blau des Himmels, das Weiß und Hellblau der Bergspitzen, das durch feine Linien vom Grau durchbrochen wird. Aber der gesamte Anblick wirkt zerbrechlich. Weltweit schmelzen die Gletscher rasant dahin. In den letzten zwei Jahrzehnten ist österreichweit die Gesamtfläche der Gletscher um mehr als die Hälfte verschwunden. Während die Wissenschaft hierzu die Zahlen misst, bleibt bei uns anderen ein Gefühl zurück, das sich nicht in Zahlen fassen lässt: Neben Erhabenheit und Demut spürt man hier oben vor allem auch eine leise Unruhe, Empfindsamkeit und Trauer.
Hier öffnet sich der Raum für die Kunst: „Kunst kann dort ansetzen, wo naturwissenschaftliche Fakten und Analysen an ihre Grenzen stoßen“, erklärt die Kunsthistorikerin Sonja Fabian. „Über das Ausmaß des unaufhaltsamen Gletscherschwunds informiert zuverlässig der jährliche Gletschermessbericht des Österreichischen Alpenvereins. Doch was bedeuten diese Fakten für uns? Welche Emotionen, welche Formen des Umgangs lösen sie aus? Und was folgt auf die Ratlosigkeit ange-
sichts dieser Entwicklung?“, bringt Fabian die Gedanken, die man angesichts der schmelzenden Gletscher empfindet, auf den Punkt. Kunst erklärt nicht, sie berührt. In der künstlerischen Auseinandersetzung mit der Thematik Gletscher, Eis und Vergänglichkeit geht es weniger um Dokumentation als vielmehr um Resonanz. Es geht darum, was das schmelzende Eis in uns auslöst. Künstlerinnen und Künstler seien Seismografen unserer Gegenwart, meint die Kunstexpertin des AlpenvereinMuseums. Sie nehmen komplexe Aspekte unserer Gesellschaft und Umwelt wahr
»Was in meinen Bildern bleibt, ist eine Erinnerung an einen Zustand, der schneller verschwindet, als wir es noch vor wenigen Jahren für möglich gehalten hätten. «
und eröffnen mit ihrer Kunst neue Perspektiven, irritieren, werfen Fragen auf und regen zum Nachdenken über eigene Erfahrungen, Werte und Haltungen an. Die Arbeiten von Jessie Pitt, Hannah Philomena Scheiber, Karin Schmuck und Max Seibald zeigen, wie unterschiedlich solche künstlerischen Annäherungen aussehen können. Gemeinsam ist ihrer Kunst jedoch, dass sie allesamt ein Bild des Gletschers zeichnen, das nicht nur als Objekt des Verlusts und der Vergänglichkeit, sondern als Gegenüber, Erinnerung und Menschsein gelesen werden kann.
Jessie Pitt: Schmelzendes Eis als Erinnerung
Die künstlerische Praxis von Jessie Pitt ist stark in der Natur verwurzelt. Die in Melbourne geborene Landschaftskünstlerin lässt sich dabei von alpinen Räumen inspirieren: Berge, Wasser, Licht und Schatten, wechselnde Stimmungen, Wolken, Vögel und Gletscher. Ihre Kunst zeigt ihre individuelle Verbindung zu diesen Landschaften, die sie mit unterschiedlichen Medien, etwa Kohle, Graphit, Acryl oder Tusche, auf Papier und Leinwand bringt.
Die Auseinandersetzung mit Gletschern, Eis und Vergänglichkeit entspringt dabei ihrer künstlerischen Arbeit wie ihrem persönlichen Alltag. Neben der Tätigkeit
Jessie Pitt >

als Künstlerin arbeitet Pitt im Winter als Skiführerin in Sölden. Dabei kann die gebürtige Australierin das fortschreitende Abschmelzen der Gletscher aus nächster Nähe betrachten: Es wurde für sie von einer abstrakten Vorstellung zu einer sichtbaren sowie unmittelbar spürbaren Realität. „Ich begann Gletscher zu malen, um einen bestimmten Moment festzuhalten und einen Zustand einzufangen, der kurz darauf bereits wieder verschwunden sein könnte“, beschreibt die Landschaftskünstlerin ihre Arbeit.
Ihre Bilder sind eingefrorene Augenblicke, Gletschermomente, die bald nur noch in Erinnerungen existieren werden. „In diesem Sinne verstehe ich meine Arbeit auch als eine symbolische Geste: ein Innehalten, ein Aufmerksam-Machen auf unsere Erde, auf die Natur und darauf, was wir schützen und wertschätzen sollten“, sagt sie. Viele der in ihrer Kunst dargestellten Gletscher seien heute bereits verschwunden, erklärt Pitt: „Was in meinen Bildern bleibt, ist eine Erinnerung an einen Zustand, der schneller verschwindet, als wir es noch vor wenigen Jahren für möglich gehalten hätten.“
Hannah Philomena Scheiber: Fragile Alpenlandschaften in Ultramarinblau
Die künstlerische Auseinandersetzung mit Gletschern ist für die Hochschulprofessorin und Künstlerin Hannah Philomena
Gletscher als Sinnbild für fragile Schönheit und permanente Veränderung: Im Werk mit dem Titel „Why Like When You Can Love?“ aus dem Jahr 2024 der Künstlerin Hannah Philomena Scheiber trifft Ultramarinblau auf ein leuchtendes Gelb. Bild: Jobst/Leisure Communications
Scheiber tief in ihrer eigenen Biografie verankert. Aufgewachsen in Obergurgl, einem der höchstgelegenen und zugleich extremsten Lebensräume der Alpen, war der Gletscher von Beginn an ein selbstverständlicher Teil ihres Alltags. So hat das die Gletscher verändernde Klima ihren Blick auf die Welt nachhaltig beeinflusst: „Der Klimawandel hat mein Leben geprägt und ich wollte im Sinne der ‚Saligen Fräulein‘ mein Geschenk, die Kunst, dafür nutzen, um auf Missstände sowie Entwicklungen aufmerksam zu machen und zugleich Erinnerung zu bewahren“, erklärt Scheiber dazu.
Ihre Kunst versteht Gletscher als Sinnbild für fragile Schönheit und permanente Veränderung. Ein zentrales Thema ihrer künstlerischen Arbeit ist das Spannungsfeld zwischen Risiko und Chance, das den alpinen Raum prägt. Menschliche Eingriffe, Naturgewalten und der fortschreitende Klimawandel sind dort untrennbar miteinander verbunden. Diese Zusammenhänge fließen in ihre Werke ein und verleihen ihnen einerseits eine stille, andererseits durch die Farbwahl des Ultramarinblau in Verbindung mit leuchtend gelben Schriftzügen eine laute wie nachdrückliche Dringlichkeit.
Karin Schmuck: Gehen und Sehen als Akt der Erkenntnis
»Der Schmelzprozess des Eises wird hier zur Metapher für kulturellen Wandel und zur Erkenntnis, dass trotz aller Unterschiede eine gemeinsame, menschliche Wahrheit existiert. «
Max Seibald
Seit 2018 arbeitet die Künstlerin Karin Schmuck an dem langfristigen Projekt „World’s Ends“, in dem sie sich mit Orten beschäftigt, die in der griechisch-römischen Antike als Enden der Welt galten. Diese geografischen Ränder Europas bereist Schmuck allein und zu Fuß. Jede Etappe mündet in einen Werkzyklus, der Mythologie, Geschichte, persönliche Erfahrungen sowie aktuelle geopolitische Bedingungen miteinander verwebt.
Als 2020 Reisen nicht möglich war, entschied sich die mit Fotografie arbeitende Künstlerin, die Grenzen Südtirols zu erwandern und künstlerisch aufzuarbeiten. Innerhalb von fünf Jahren sind dazu für das Projekt „LIMITIS“ Fotoserien, Zeichnungen und Installationen entstanden. Dabei war es anfangs nicht von ihr initiiert, zum Thema Gletscher zu arbeiten: „Die Auseinandersetzung mit Gletschern war nicht geplant, allerdings wurde mir während der unzähligen Wanderungen im alpinen
Gelände klar, dass es unumgänglich war“, berichtet Schmuck.
Ihre fotografischen Arbeiten verbinden Gehen und Sehen zu einem Akt der Erkenntnis: So entstehen Bilder, die zwischen Realität und Symbolik schweben und Fragen nach Grenzen, Verlust und Neubeginn stellen. Vergänglichkeit ist dabei ein wiederkehrendes Thema in Schmucks Arbeit, nicht zuletzt aufgrund der engen Verbindung von Fotografie und Erinnerung. In ihrer künstlerischen Praxis reflektiert sie bewusst die Eigenschaften dieses Mediums.
Max Seibald: Eisige Installationen, die konfrontieren
Der in Heiligenblut in der Nähe des Großglockners aufgewachsene Bildhauer Max Seibald arbeitet in seiner Kunst mit Materialien wie Metall, Stein, Gips, Beton oder Holz. Für das „Ice Camp“ am Kitzsteinhorn widmet sich der Künstler den vergänglichen Werkstoffen Eis und Schnee. „Gipfeltreffen“, so der Titel des aktuellen Projekts am Kitzsteinhorn, ist ein runder Tisch auf Eis, der auf 3.000 Metern Seehöhe zum Ort der Begegnung und dadurch zu einem symbolischen Verhandlungsraum wird. Die runde Form steht dabei für Gleichberechtigung aller Anwesenden. Gleichzeitig konfrontiert das Material die Besuchenden mit der Vergänglichkeit: „Vereinbarungen und Gespräche, die hier


Für das Ice Camp am Kitzsteinhorn widmet sich der Bildhauer Max Seibald auch heuer im Rahmen seines künstlerischen Projekts den vergänglichen Werkstoffen Eis und Schnee (links „Gipfeltreffen“, rechts „Mondo Tondo“).
Bilder: Max Seibald
In der fotografischen Arbeit „imaginary landscapes“ stellt die Künstlerin Karin Schmuck Fragen nach Grenzen, Verlust, Neubeginn und Vergänglichkeit.
Bilder: Karin Schmuck

an diesem Tisch im „Ice Camp“ am Kitzsteinhorn verhandelt werden, sind den Elementen unterworfen, sie schmelzen und verändern sich mit den Temperaturschwankungen“, sagt Seibald dazu. Bereits seit 20 Jahren installiert der Bildhauer seine Werke im „Ice Camp“ im und aus Eis. In drei Iglus erzählt das diesjährige von Seibald erschaffene Kunstprojekt „Mondo Tondo“, vier transparente Eisscheiben mit je drei Metern Durchmesser, kulturelle Perspektivität. Jede Scheibe repräsentiert dabei eine große Kulturregion der Welt: Europa, Asien, Afrika und Amerika. Der Schmelzprozess des Eises wird hier zur Metapher für kulturellen Wandel und zur Erkenntnis, dass trotz aller Unterschiede eine gemeinsame, menschliche Wahrheit existiert.
Gletscher verschwinden. Schneller, als wir es wahrhaben wollen. Kunst kann diese Folgen des Klimawandels nicht aufhalten. Sie kann allerdings Formen des Erinnerns schaffen, die lebendig sind und versuchen, eine Beziehung zwischen Menschen, Landschaft und Zeit herzustellen. Gerade darin liegt ihre alpine Relevanz. In einer Zeit, in der das Eis schwindet, hilft Kunst, den Blick nicht abzuwenden, sondern dort hinzusehen, wo es unangenehm wird und schmerzt, und zu fühlen.


In drei Tagen kommen die ersten Gäste. Bis dahin müssen auf der Innsbrucker Hütte hunderte Knödel geformt, Strom und Wasser angeschlossen und die Materialseilbahn in Gang gebracht werden. Eine Berghütte auf die kommende Saison vorzubereiten ist mehr als nur einmal den Schlüssel umzudrehen und das Licht anzumachen.
Welche Arbeit wirklich dahinter steht, das weiß man erst, wenn man einmal dabei war.
m iche L m eh L e Si S S i Richte R
Die Innsbrucker Hütte ist eine richtig typische Berghütte. Weiß verputzter Beton im Erdgeschoss. Darüber wettergegerbte Lärchenschindeln bis zum Dach. Eine ausladende Südterrasse mit hellem Holz. Von 2.369 Metern schweift der Blick über das Gschnitztal zum Pflerscher Tribulaun, Richtung Italien. Schon beim Gedanken wird mir warm ums Herz.
Als Fotografin Sissi und ich Mitte Juni heraufkommen, um mitzuhelfen, die Innsbrucker Hütte auszuwintern, sieht es hier
Eine Berghütte erwacht! Hüttenwart Walter Berger öffnet die Fensterläden der Innsbrucker Hütte. Nach einem langen Winterschlaf blinzelt sie einer neuen Sommersaison entgegen.
aber noch nach tiefstem Winterschlaf aus. Dichter Nebel liegt wie eine schwere Bettdecke über der Hütte. Keine neonfarbenen Wanderer, kein Besteckgeklapper, kein Duft nach herzhaften Kaspressknödeln. Die Innsbrucker Hütte ist zu. Zumindest noch für die vielen Gäste, die bald über den Stubaier Höhenweg, das Pinnistal oder Gschnitztal in Tirol hierherkommen.
Hüttenwirt Franz Egger und sein Jugendfreund Sepp Schlögl sind aber bereits da, als unsere kleine Gruppe vom Österreichischen Alpenverein zusammen mit Hüttenwart Walter Berger von der Sektion Touristenklub Innsbruck an diesem Junimorgen an der Tür klopft: „So, grias ench! Die ersten Gäste!“ Franz Egger, sprudlig, herzlich, ist eben schon ganz Hüttenwirt, als wir durch die Türe treten: „Gehts da eina in’d Kuchl.“ Mit Schuhen jetzt? „Ja natürlich! Siagst eh, wies ausschaut.“ >
Vor einer halben Stunde erst ist er heraufgekommen, um die Hütte zum ersten Mal in diesem Jahr aufzusperren. Sepp Schlögl hat ein kleines Feuer im dunkelgrünen Kachelofen in der Stube angefacht. Das knistert jetzt zaghaft gegen die Kälte an. Wir sind ganz allein hier oben, ohne Licht und ohne Telefon. Nicht einmal fließend Wasser gibt es. Bis es sich Gäste hier gemütlich machen können, ist es noch ein weiter Weg. Es gilt also keine Zeit zu verlieren!
„Wir müssen jetzt runter zum E-Werk!“, motiviert zippt Franz Egger den Reißverschluss seiner gelb-roten Christophorusjacke nach oben: „Das ist immer spannend. Geht der Regler? Steckt er? Alles schon vorgekommen!” Ob das kleine Wasserkraftwerk nach dem langen Winter noch anspringt? Wenn nicht, wäre das ein mittleres Drama für die Innsbrucker Hütte. Franz Egger lacht die Sorgen gleich weg: „Dann haben wir einen Strom. Dann wird die Materialseilbahn das Nächste sein.“
So weit der Plan. Zuerst gibt es aber eine kleine Jause, sonst wäre Franz Egger wahrscheinlich nicht Franz Egger. Aus einer Schublade, die wohl nichts von den Minusgraden im Winter gehört hat, zaubert er einige intakte Almdudlerflaschen. Zusammen mit Brot und Aufschnitt dekoriert er sie auf dem Esstisch des Hüttenteams: eine kleine Nische mit Holzvertäfelung und Bildern der Familie.
So wenig Schnee hat es noch nie gegeben
Die Innsbrucker Hütte wird seit drei Generationen von der Familie Hofer/Egger betrieben. Als junger Bursch lernt Franz die Pächterstochter Marlene Hofer auf einem Manfred-Mann-Konzert in Innsbruck kennen: There she was just-a walkin’ down the street, singin’ do wah diddy diddy dum diddy do! Franz verliebt sich über beide Ohren und kommt 1981 für seine erste Saison aufs Pinnisjoch.
Damals hat er die Stromleitung vom E-Werk hinauf zur Hütte gelegt. Keine besonders harte Arbeit: „Aber an so etwas erinnert man sich eben, wenn man hier so langgeht“, erzählt er am Weg zum Wasserkraftwerk. Seit dieser ersten Saison hat Franz keinen Sommer mehr im Tal erlebt:
„Aber das habe ich schon gewusst – wenn ich die Marlene nimm, muss ich hinauf!“ I’m hers, she’s mine. Wedding bells are gonna chime. Heute ist Franz 64 Jahre und es gibt keinen Zentimeter Boden auf der Innsbrucker Hütte, der nicht auch eine Erinnerung für ihn trägt. Und keinen, der heute nicht mit Arbeit verbunden ist.
„Ich sage immer: Als Hüttenwirt hat man 20 Berufe. Mindestens! Koch, Tischler, Psychiater, da musst du alles sein!“ Franz lacht. Gerade ist er aber Mechaniker. Als wir das Technikgebäude des Wasserkraftwerks betreten, klettert er mit einem großen Schraubenschlüssel in der Hand über das blaue Gussgehäuse des Stromgenerators. Zieht Keilriemen fest und Schrauben nach, kontrolliert Kontrollleuchten. Ein Wasserkraftwerk kann ein Geschenk für eine Berghütte sein. Wenn es einmal läuft, pro-
Durch den Klimawandel kämpfen derzeit immer mehr Schutzhütten in den Alpen mit Wassermangel. Auf der Innsbrucker Hütte soll in der kommenden Saison deswegen eine großflächige Photovoltaikanlage installiert werden, um den Strom zu garantieren. Wasser sparen wird man aber trotzdem müssen.


Drei Grad zeigt das Thermometer draußen an der Wand der Innsbrucker Hütte. Ein paar Holzscheite im Kachelofen sind der erste Schritt zur warmen Stube.


duziert es nachhaltig und kostengünstig Strom. Das Wasser kommt vom nahen Alfaier See, der die Hütte auch mit Trinkwasser versorgt.
Allerdings ist es mit Geschenken eben so, dass sie zu einem kommen und nicht eingefordert werden können: „Das Wasser ist heuer schon sehr wenig“, sagt Franz. „Wenn’s einmal Mitte Juli, Anfang August wird, dann habe ich statt 30 kW nur mehr ungefähr sechs bis acht kW. Da weißt, was du da an Leistung verlierst!“ Die Durchflussmenge, erzählt Franz, würde über die Jahre immer geringer. So wenig Schnee wie in diesem Jahr habe es überhaupt noch nie gegeben. Für die Stromversorgung der Innsbrucker Hütte ist das ein echtes Problem.
Durch den Klimawandel kämpfen derzeit immer mehr Schutzhütten in den Alpen mit Wassermangel. Auf der Innsbrucker Hütte soll in der kommenden Saison deswegen eine großflächige Photovoltaikanlage installiert werden, um den Strom zu garantieren. Wasser sparen wird man aber trotzdem müssen. Etwa mit Duschmarken, die die Duschzeit begrenzen. Dinge, an die wir uns im Klimawandel gewöhnen müssen. Heute, Mitte Juni, sprudelt das Wasser aber noch munter in die Turbine. Mit einem Summen beginnt sich das Laufrad zu drehen. Franz Egger klatscht in die Hände. Das Kontrolllicht schaltet auf Grün. Die Innsbrucker Hütte hat Strom.
‹ Rebellische Bergbewohner: Einige Schafe sind ihrer Herde entkommen und suchen das Abenteuer auf der Innsbrucker Hütte. Wer nichts zu tun hat, fegt ihre Bemmerl von der Terrasse.
› Stille Harmonie. Hüttenwirt Franz Egger und Hüttenwart Walter Berger bauen einen neuen Wasserfilter für die Innsbrucker Hütte ein.
Im Zuge dieser Reportage ist ein Podcast über die Auswinterung der Innsbrucker Hütte entstanden.
Einer der schwersten Murenabgänge in Tirol
„Määhhh!“ Wieder bei der Hütte, hat sich dort eine Schafherde aus dem Gschnitztal verlaufen. Große und kleine, schwarze und weiße, braune und fleckige Schafe. Etwa 50 von ihnen stehen jetzt im dichten Nebel auf dem superschmalen Bergpfad zwischen Innsbrucker Hütte und Alfaier See. Genau dort, wo Hüttenwart Walter Berger einen neuen Filter für die Wasserzufuhr einbauen will.
Die Herde blökt alarmiert, als er mit einem Verbindungsstück für die Leitung angeschlendert kommt. Aber Walter behält ganz die Ruhe. Er ist ein langgedienter Hütten- und Wegewart, da hat er einiges erlebt: „Ich bin so ein Allroundler, der alles macht und viel. Und ich hab etwas für die Pension gesucht, nit? Daheim umanandahockn, das kann ich nicht. Es muss immer etwas sein.“
Und das ist es auch. Zusammen mit Freiwilligen der Sektion Touristenklub Innsbruck betreut Walter die Innsbrucker Hütte und rund 40 Kilometer Wege, die aus allen Himmelsrichtungen sternförmig zu ihr laufen. Einen Teil vom Stubaier Höhenweg, die Serpentinen vom Pinnistal oder den steilen Jubiläumssteig zum Gschnitztal, der im Vorjahr von einem der schwersten Murenabgänge in Tirol zerstört wurde: „Da hatten wir teilweise ¡ nfo

Hier zu hören: alpenverein.at/basecamp >

Ein Wunder, was da alles Platz hat!
Die Materialseilbahn bringt kiloweise Mehl, Milch, Zucker und Bier, aber auch Telefone, Blumen oder Wanderstiefel. Nur Wanderer müssen selbst hochgehen.
Langsam erwacht sie aus ihrem Schönheitsschlaf, die Innsbrucker Hütte.
vier Meter große Löcher im Weg“, erzählt mir Walter später. Mit einem Kleinbagger, schwerem Werkzeug und hunderten Arbeitsstunden haben Freiwillige der Sektion Touristenklub Innsbruck den Weg wieder begehbar gemacht.
Seit 55 Jahren im Dienst der Innsbrucker Hütte
„Rrrrt.“ Ein Knopfdruck und die metallische Lore der Materialseilbahn hüpft mit einem Rattern nach vorne: „Der geht auch. Gott sei Dank! Gott sei Dank“, kommentiert Franz. Das Ärgste wäre damit geschafft. Strom, Wasser und Materialseilbahn. Alles geht. Eine Hütte aufsperren scheint mir schon nicht mehr so schwer: „Ja, heuer muss ich schon sagen“, entgegnet

Franz, „kein Schneeschöpfen! Stundenlang schöpfen wir Schnee normal.“
Besonders die Seite zum Habicht, zum 3.277 Meter hohen Aussichtsberg bei der Innsbrucker Hütte, liege normal unter einer meterhohen Schneeschicht. Dieses Jahr ist sie dagegen komplett frei. Aber es gibt auch so genug Arbeit. Die erste Fuhre der Materialseilbahn kommt an: Kiloweise Knödelbrot, Mehl, Milch, Bier, Zucker und Marsriegel wollen in den Lagerräumen der Hütte verstaut werden. Wir packen an.
Sepp, Franz und Walter arbeiten wie ein Uhrwerk. Greift der eine zum Holz, um den Herd der Küche einzuheizen, nimmt der andere schon den Bunsenbrenner und wärmt den Abzug vor, damit der Rauch besser abzieht. Das alles geschieht ohne Absprache. Kein Wunder: Walter arbei-
tet heuer seine 13., Franz seine 44. und Sepp Schlögl sogar seine 55. Saison auf der Innsbrucker Hütte.
„Mein Vater ist gestorben, da war ich acht Jahre alt“, erzählt mir Sepp: „Und dann ist man in den Schulferien auf die Alm oder die Hütte gegangen.“ Wie das für ihn war, mit acht Jahren bei Fremden zu arbeiten? „Das hat immer ganz gut funktioniert. Marlenes Vater hat mich eingekleidet von oben bis unten. Ein Geld hat man auch bekommen. Alles o. k. Sehr nett“, sagt er.
Weiter frage ich nicht. Brauche ich auch gar nicht. Seit 55 Jahren kommt Sepp jetzt jeden Sommer zum Auswintern und jeden Herbst zum Einwintern auf die Innsbrucker Hütte. Nur ein einziges Mal hat er gefehlt: „Militärdienst. Truppenübung. Da konnte ich nicht aus.“ Was die Hütte

Ein eingespieltes Team. Sepp, Franz und Walter halten die alpine Infrastruktur auf 2.369 Metern am Laufen. „Beim Franz ist es so, als würdest du seit Anfang an dazugehören“, sagt Walter Berger. So bleibt es dann auch. Jeden Sommer und jeden Herbst.

für Sepp bedeutet? Die Frage spare ich mir einfach. Sieht man doch.
Die Nachfolge ist in der Schwebe
Franz, Walter und Sepp schließen heute noch das Gas für die Küche an. Legen die Telefonkabel dort, wo sie verrutscht sind, zurück auf die Rollen der Materialseilbahn. Eine halsbrecherische Aktion im strömenden Regen, die ich hier einfach nicht näher beschreibe. Sie montieren den Schornstein am Dach und die Platten für den Notausgang im ersten Stock. Zwischendurch bringt die Materialseilbahn das Festnetztelefon.
Kaum angeschlossen, beginnt das auch schon zu klingeln. Brrring! Der erste Wanderer fragt nach den Bedingungen am Habicht: „Sommerlich“, gibt Franz Auskunft. „Aber wir waren noch nicht oben. Trittsicher und bergerfahren sollte man auf alle Fälle sein.“ Ab da tönt es im Minutentakt. Ob man noch etwas reservieren könne? Online sei die Hütte ja ausgebucht. „Leider“, gibt Franz geduldig zurück. Die wenigen freien Schlafplätze sind für Notfälle reserviert und können nicht gebucht werden.
Um 22:00 Uhr, wir sitzen bei Tisch, klingelt das Telefon zum letzten Mal. Koch Lorenz kündigt sich an, der morgen Knödel, Gulasch und Bolognese vorbereitet.
Sepp, Franz und Walter arbeiten wie ein Uhrwerk. Greift der eine zum Holz, um den Herd der Küche einzuheizen, nimmt der andere schon den Bunsenbrenner und wärmt den Abzug vor, damit der Rauch besser abzieht.
Das alles geschieht ohne Absprache. Kein Wunder: Walter arbeitet heuer seine 13., Franz seine 40. und Sepp Schlögl sogar seine 55. Saison auf der Innsbrucker Hütte.
Dann schweigt das Telefon. Wir auch erst einmal. Die ganze Hütte hätten wir jetzt für uns, aber wirklich gemütlich ist das urige Sitzeck des Hüttenteams mit den bestickten Vorhängen und den Fotos an der Wand. Schwarz-Weiß-Bilder der Großeltern, Kindheitsfotos von Marlene und Franz und von ihren Kindern, mittlerweile schon erwachsen. Wie lange will Franz denn noch Hüttenwirt sein? „Bis 65. Noch zwei Jahre“, sagt er. Übernimmt dann der Sohn? „Schauen wir einmal. Das ist alles ein bisschen in der Schwebe.“
Hüttenwirtsleute zu finden ist nicht leicht, vielleicht nicht einmal in der eigenen Familie. Keinen Sommer mehr im Tal zu erleben, dafür ständig verfügbar zu sein. Als Koch, Tourenführer, Gastwirt und Mechaniker. Jedes Jahr zu zittern, ob Strom und Wasser gehen. Sehr viel reduzierter zu leben. Franz und Marlene haben ein Vier-Sterne-Hotel in Neustift, den Stubaier Hof, den Sohn Daniel führt. Ob er den eintauschen will gegen eine Schutzhütte? Eine Entscheidung, die ein Leben bestimmt.
Der nächste Morgen zeigt sich schon wesentlich freundlicher. Die dichte Wolkendecke schiebt sich zur Seite. Dazwischen blinzelt immer wieder der blaue Himmel hervor. Es ist richtig warm. Und auch in
Kaum angeschlossen, beginnt das auch schon zu klingeln. Brrring! Der erste Wanderer fragt nach den Bedingungen am Habicht: „Sommerlich“, gibt Franz Auskunft. „Aber wir waren noch nicht oben. Trittsicher und bergerfahren sollte man auf alle Fälle sein.“ Ab da tönt es im Minutentakt.
der Hütte wird es lebendiger. Elektriker Toni aus Gschnitz bringt einen Aktivkohlefilter für die Wasseraufbereitung. Koch Lorenz stellt Suppen auf. Zweimal steht die Küche noch unter Wasser, weil beim Aufdrehen der Hauptleitung ein Hahn vergessen wurde. Wer hätte gedacht, dass der Wischmopp heute das wichtigste Werkzeug wird? Aber den können „wir Jüngeren“ zumindest bedienen.
Dann jagt uns Franz aus der Küche. Die ersten Wanderer stehen schon da und fragen nach einem Getränk. Ab jetzt muss hier jeder wissen, was zu tun ist. Für uns ist es Zeit zu gehen. Eine letzte Aufgabe bleibt uns aber noch, nämlich die Innsbrucker Hütte offiziell zu eröffnen. Am nahen Pinisjoch, dem Grat zwischen Pinnistal und Gschnitztal, heben wir die große, hellgrüne Fahne der Alpenvereinshütten in den Fahnenständer. Der Wind greift den Stoff und der flattert fotogen vor der sonnigen Innsbrucker Hütte. Ab jetzt wieder für vier Monate.
Michel Mehle, Autor dieses Beitrages, arbeitet als Journalist und Podcaster, unter anderem für den Alpenverein-basecamp-Podcast.
Sissi Richter, Fotografin dieser Reportage, kommt aus den bayerischen Voralpen und macht Brandfotografie, Reisefotografie und Fotografie für soziale Organisationen. www.sissirichter.de


^ Der Letzte macht das Licht aus. Wenn das Team um Franz Egger die Hütte verlässt, fällt sie zurück in den Winterschlaf.
‹ Das Herz der Innsbrucker Hütte. Das urige Sitzeck mit Bildern der Familie. Hier findet das Team nach einem langen Tag einen gemeinsamen Rückzugsort.
S tec KBR ief
Innsbrucker Hütte
Seehöhe: 2.369 m
Lage: Stubaier Alpen, Tirol
Schlafplätze: 88
Pächter: Marlene und Franz Egger
Alpenvereinssektion: TK Innsbruck
Saison 2026: 19. Juni 2026 bis
Anfang Oktober 2026 www.innsbrucker-huette.at

Ein Tag im Bikepark Sölden (Tirol), eine junge Frauengruppe begleitet von zwei Trainerinnen düst in flottem Tempo vorbei. Ein unüblicher Anblick, denn im Bikepark sind doch hauptsächlich Männergruppen anzutreffen. Oder? Bei der Gruppe handelt es sich um ein Camp der Alpenvereinsjugend, „risk’n’fun Young Guns Girls“ für 13- bis 16-jährige Mountainbikerinnen. Bei den „Young Guns“Camps sind motivierte Jugendliche vier Tage lang gemeinsam mit den risk’n’funTrainer:innen am Bike unterwegs.
Der Fokus liegt nicht nur am Biken mit all seinen technischen Facetten, auf Geschwindigkeit und schneller, höher und weiter. Es geht immer auch um die subtilen, vielschichtigen Prozesse, die in der Gruppe ablaufen. Risikobereitschaft und Entscheidungsfindungen sind zentrale Themen. Die Jugendlichen sind dabei die Expert:innen und die Trainer:innen ihre Begleiter, die – wenn nötig – unterstützen, aber auch Freiräume eröffnen. Dabei steigert sich das Tempo oft massiv und die Gruppe pusht sich immer mehr. Aufgabe der Trainer:innen ist es beispielsweise, dafür ein Bewusstsein zu schaffen und zu entschleunigen – aber auch zu ermutigen. Das kann mit einem motivierten jungen Haufen fordernd und intensiv sein.
Raum für
Aber warum ist dann an diesem sonnigen Tag eine Mädelstruppe unterwegs? Über die Jahre wurde deutlich, dass das „Young Guns“-Angebot vor allem von jungen Männern wahrgenommen wurde und kaum junge Frauen dabei waren. Im risk’n’funTeam hat das die Frage aufgeworfen, wie man das Angebot auch für Mountainbikerinnen attraktiver machen kann. So entwickelte sich die Idee, ein eigenes Camp nur für Mädels auszuschreiben. Einen Raum zu öffnen, in dem gleichgesinnte junge Frauen gemeinsam biken, Grenzen austesten, sich austauschen und Freundschaften knüpfen können. Das Ganze mit Trainerinnen, die sich in die jungen Frauen hineinversetzen können und einen Rahmen schaffen, wo alle Gefühle und Ängste Raum haben und persönliches Wachstum gefördert wird. Denn möglicherweise war es genau das ständige Pushen, das viele Mädels bei den gemischten Camps „abgeschreckt“ hat?

Weil wir wissen, wie stark wir sind!
Unterwegs mit risk’n’fun BIKE.
G R eta tOLL i NG e R-G R ei L

Let it roll – vier Tage ganz im Flow. Lachende Gesichter, neue Freundschaften und persönliche Bike-Highlights.
Gerade in der Pubertät kann es vor allem als Frau in einer männlich konnotierten Sportart schwierig sein, Anschluss zu finden. Und auch wenn das Biken vermeintlich ein von Männern dominierter Sport ist, gibt es viele motivierte und talentierte junge Frauen in dem Bereich, die nach einer Peergroup suchen. Aus eigener Erfahrung kann ich das bestätigen. Mit zwölf Jahren habe ich mit dem Mountainbiken begonnen und kannte zu diesem Zeitpunkt nur Jungs, die den Sport betrieben haben. Zu groß war dann oft die Angst, in der Gruppe nicht mithalten zu können oder zu langsam zu sein. Völliger Blödsinn, wie ich heute weiß! Damals bin ich oft allein oder mit meinem Papa losgezogen und habe viel gelernt.
» Mir macht es einfach Spaß, mit Mädchen zu biken. Vor zwei Jahren war ich in dem gemischten Camp für Jungs und Mädchen und stellte bereits damals fest, dass dort ein deutlich stärkerer Konkurrenzdruck herrschte, während der Zusammenhalt und das Miteinander unter Mädchen wesentlich harmonischer war. Die Tage beim YOUNG GUNS GIRLS Camp in Sölden fand ich so toll! Nach dem Camp war ich nicht nur um einiges schneller, sondern auch viel selbstbewusster, und ich hatte mehr Motivation, öfter biken zu gehen. Mein allergrößtes Highlight war, dass ich es endlich schaffte, mich mehr zu trauen. Und mutiger zu werden. Persönlich habe ich es toll gefunden, neue Freundinnen zu finden.«
Lela, 13 Jahre, Teilnehmerin vom Young Guns Girls Camp
» Für uns als Eltern ist es eine tolle Sache, dass eine Gruppe Mädels gebündelt wird, um mit ihnen ihre Grenzen auszuloten. Sich gegenseitig anzufeuern und Mut zu machen ist etwas ganz Besonderes. Im Moment leben die Teenager in so viel Sorge und erleben oft Hilflosigkeit. Da helfen diese vier aktiven Tage unglaublich, damit die Mädchen in ihre Stärke kommen, sich spüren und Vertrauen in sich haben. Wir sind Greta und Verena unglaublich dankbar, dass sie sich die Zeit nehmen, um auf die Mädels einzugehen, und ihnen vorurteilsfrei begegnen. Hier werden Grenzen erweitert und Mut gemacht.«
Sarah Dent, Mama von Lela


mal in
den
Mittlerweile ist das anders, aber die weiblichen Bikebuddies und Vorbilder haben lange Zeit gefehlt.
In einem Satz: Es war herrlich!
Das Camp wurde dann im Juli 2025 in Sölden umgesetzt. Mit einer motivierten Gruppe Mädels im Alter von zwölf bis 14 Jahren, Verena Stahl und mir als Trainerinnen. Und es war herrlich. Die Stimmung war von Anfang an freundschaftlich und ohne Druck, jemandem etwas beweisen oder die Schnellste sein zu müssen. Der Umgang miteinander war geprägt von Achtsamkeit und Respekt, wir haben uns gegenseitig motiviert, voneinander gelernt und viel gelacht. Ängste wurden offen angesprochen und Stärken wie Schwächen geschätzt.
An den vier Tagen sind wir immer mehr zusammengewachsen. Es hat sich weniger angefühlt wie ein Kurs, sondern viel mehr nach gemeinsamen Tagen mit Freundinnen am Bike. Die Mädels waren super motiviert und gemeinsam konnten wir voneinander lernen und auch mal über die eigenen Grenzen hinausgehen oder herausfinden, wo diese liegen.
Nachdem wir zu Beginn des Camps hauptsächlich auf gebauten Strecken un-
terwegs waren, wurden mit der Zeit auch kurze Single Trails mit technischen Passagen oder kleine Drops immer interessanter und fahrbarer. Die Abende wurden gemeinsam verbracht und gestaltet. Von einer Einführung ins Plattenreparieren und Rucksackpacken bis hin zum Basteln von Perlenketten für den Lenker oder gar Gesichtsmasken war hier alles dabei.
» Der Umgang miteinander war geprägt von Achtsamkeit und Respekt, wir haben uns gegenseitig motiviert, voneinander gelernt und viel gelacht. Ängste wurden offen angesprochen und Stärken wie Schwächen geschätzt. «
Der Traum vom Raum für alle
Manchmal bin ich selbst noch im Zwiespalt bezüglich „Girls* oder Women* only“Veranstaltungen. Mein Traum wäre es, wenn der Umgang, den ich bei diesem Camp erlebt habe, allgemein selbstverständlich wäre. In jeder Gruppe sollte Raum für alle sein. Ohne den Bedarf an geschlechterspezifischen Veranstaltungen. Aber vielleicht ist es genau der Austausch mit anderen (jungen) Frauen, den es in diesem Alter braucht, um an die eigenen Fähigkeiten zu glauben, Selbstbewusstsein zu entwickeln und sich als Frau in einer solchen Sportart zu positionieren. Das hat sich auch im Rahmen des Camps gezeigt, wo die jungen Frauen ihre Grenzen neu definieren konnten.
Mir persönlich hätte so ein Angebot in diesem Alter auch geholfen, um mich mit anderen Mädels in Verbindung zu setzen und auszutauschen. Je älter ich geworden bin, desto mehr inspirierende Frauen habe ich im Bikebereich kennengelernt. Und genau deshalb finde ich das „Young Guns Girls Camp“ ein so wertvolles Angebot, denn hier können sich Frauen schon im jungen Alter connecten und gemeinsam beim Biken wachsen, Spaß haben und auch viel fürs Leben lernen. Und zwar, dass sie genau so, wie sie sind, gut sind und keinen Gedanken darauf verschwenden müssen, ob sie bei der „Jungstruppe“ mithalten können. Weil sie wissen, wie stark sie sind.
Greta Tollinger-Greil ist Geographin, Bikeguide und Skilehrerin und auch in ihrer Freizeit am liebsten auf dem Bike oder den Skiern am Berg unterwegs. Sie ist Teil vom risk’n’fun-Bike-Team.
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… ist das Ausbildungsprogramm der Alpenvereinsjugend und bietet für alle interessierten und motivierten Mountainbiker:innen von 12–99 Jahren Camps zur persönlichen Weiterbildung am Mountainbike an. Alle Termine für den kommenden Sommer 2026 sind online und buchbar.

Mehr Infos: www.alpenverein.at/ risk-fun/bike
Anders als viele andere suche ich nicht gezielt nach einer Öffi-Tour, sondern erkunde anhand der App von alpenvereinaktiv die Karte mit dem Layer „Öffentlicher Verkehr“. Ich ermittle Bus- und Bahnhaltestellen, erst dann prüfe ich die Erreichbarkeit in der Früh und lege die Tour fest. Ich plane dann den Rückweg und suche die beste Haltestelle für die Heimfahrt. Fallweise drehe ich die Tour noch um, weil die Verbindung für den Hin- und Rückweg umgekehrt vielleicht besser passt.
Auf diese Weise habe ich vor Jahren den Semmering für mich entdeckt. Eine Highlight-Tour 2025 startete am Bahnhof Semmering. Wetterbedingt sind wir nur zu dritt übriggeblieben, denn der Vormittag drohte leicht regnerisch zu werden. Vom Bahnhof ging es zügig zur Talstation der Hirschkogelbahn, sogleich erfolgten einige Planänderungen: Es waren nämlich zwei „Gipfelchen“ in Sicht, die wir mitnehmen wollten. Sollte der große Regen kommen, konnten wir ja umkehren und zwei Gipfel sind schließlich viel besser als nichts.
Also – auf den Hirschkogel zur Millenniumswarte und über den Kamm zum Dürriegel (1.463 m) und zum Gipfelkreuz am Erzkogel (1.504 m). Auf dem Ulrichsteig ging es rüber zum Wanderweg 834, dem wir bis zum WW 740 folgten. Wir wanderten über die Poirhöhe und Fanklbauerhöhe bis zum Fröschnitzsattel, dann noch ein kleines Stück bis kurz vor dem Feistritzsattel – hier bogen-

EeR zäh L UNS dei N e Öffi-Ge S chichte!
Hast auch du eine Geschichte vom Unterwegssein mit Öffis? Vom spontanen Umweg, vom verpassten Anschluss oder vom perfekten Timing? Vom Skitag ohne Auto, von der Hüttenwanderung mit Bus und Bahn – oder einfach vom täglichen Drauflosfahren? Ob gescheitert oder geglückt, witzig, berührend oder lehrreich – Bergauf sucht deine Öffi-Story! Erzähl uns, wie du mit Bus oder Bahn unterwegs bist. Alleine, mit Familie oder in der Gruppe. Im Alltag oder im Abenteuer. Wir sind gespannt auf deine Geschichten!
Schick sie (gern mit Foto) an: redaktion@alpenverein.at
Ausgewählte Beiträge veröffentlichen wir in einer der nächsten Ausgaben.
wir scharf rechts ab und folgten dem Richtungsweiser Pfaffensattel. Dank der Aussichtspunktmarkierung in der App fanden wir das kleine Kreuz vor dem Gipfelkreuz des Harterkogels (1.523 m). Endlich kamen die Pfäffchen näher: Der Große Pfaff mit 1.556 m wird erstiegen, dann auch noch der Kleine Pfaff mit 1.541 m.
Wir erreichten den Pfaffensattel, wo wir über die weitere Route entschieden. Von den Höhenmetern her reichte es uns schon, also strichen wir das Stuhleck und wählten den direkten Weg übers Hocheck Richtung Norden hinunter nach Spital, wo wir noch eine Kleinigkeit aßen, bevor wir mit Bus und Bahn heimwärts fuhren. In ungefähr acht Stunden haben wir 27 Kilometer zurückgelegt und rund 1.100 Höhenmeter im Aufstieg bewältigt.
Mittlerweile bin ich so weit, dass ich mich im Mai trennen werde – von meinem Auto. Ich werde dann nur noch mit Fahrgemeinschaften ab Graz oder den Öffis unterwegs sein. —

z U R aU t OR i N Auf ihren Öffi-Touren hat Bergauf-Leserin Christa Mahler den Semmering für sich entdeckt. Sie ist auch Tourenführerin im Alpenverein und lässt sich auf ihren rund 100 Touren pro Jahr auch von Nieselwetter nicht bremsen.
Denkt man an die Wachau, tauchen vor dem geistigen Auge Bilder bunter Marillenblüten auf. Die blaue Donau schlängelt sich malerisch durch das UNESCOKulturerbe, vorbei an steilen Weinbergen, Trockenmauern und historischen Städten wie Krems und Melk. Mountainbiker:innen, ob streng gläubig oder ohne Bekenntnis, ist darüber hinaus wohl das Stift Göttweig gut bekannt. Hier befindet sich nämlich die Trailarea Göttweig, welche über Jahre in liebevoller Handarbeit vom Verein Trailwerk Wachau rund um das imposante Stift geschaffen wurde.
Mountainbiken liegt seit vielen Jahren im Trend und hat auch vor der Wachau nicht Halt gemacht. Legale Trails fand man allerdings kaum, gefahren wurde trotzdem, ungelenkt und überall. Das Benediktinerstift Göttweig wollte das ändern und hat daher 2017 zu einem runden Tisch mit der lokalen Bike-Community eingeladen. Anstatt mit Verbotstafeln zu glänzen, wie das in Österreich sonst gerne üblich ist, soll Mountainbiken in den Wäldern rund um das Stift gelenkt und auf attraktive, legale Angebote konzentriert werden. Rasch war klar, dass ein Trail dafür nicht ausreicht und man für alle Stufen des Könnens und Bedürfnisse etwas schaffen muss, um einen nachhaltigen Lenkungseffekt zu erzielen. Bereits im selben Jahr wurde der Verein „Trailwerk Wachau“ gegründet und der Bau der ersten Strecken begann. Hier ist nicht nur Gott zu danken, sondern vor allem seinen irdischen Vertreter:innen im Stift Göttweig, dem Trailwerk Wachau und all den fleißigen Helfer:innen, die an diesem Projekt beteiligt waren – und immer noch voller Tatendrang sind.
Trailwerk Wachau
Der Verein mit Obmann Martin Samek möchte Trails für alle Nutzergruppen in hoher Qualität schaffen. „Dass wir am Göttweiger Berg Mountainbiketrails bauen dürfen, ist schon ein großartiges Geschenk“, sagt Martin. Hier finden sich

nun Einsteiger:innen und Profis gleichermaßen wieder. Alle Strecken wurden in Handarbeit erschaffen und stets mit den Grundeigentümer:innen und den Bedürfnissen anderer Lebensraumpartner wie Jagd, Forstwirtschaft und Fußgänger:innen in Einklang gebracht. Koexistenz wird am Göttweiger Berg bis ins kleinste Detail gelebt. Damit wurde eine Möglichkeit zur Naherholung für die lokale Bevölkerung geschaffen. Es zeigt, dass in Zusammenarbeit auf Augenhöhe durchaus nachhaltige Lösungen zum Mountainbiken, auch auf kleinstem Raum, geschaffen werden können. Es ist Ziel des Vereins, junge Menschen für den Mountainbikesport zu begeistern,
ihnen eine „Spielwiese“ zu bieten, Eigenständigkeit zu lernen und dabei zu sehen, wie sich eine Gemeinschaft mit hohem Spaßfaktor und Verantwortung entwickelt.
Der Verein zählt mittlerweile über 600 Mitglieder. In der Trailarea selbst stecken über 24.000 Personenstunden Arbeit, unentgeltlich und freiwillig. Die Strecken werden immer wieder überarbeitet und weiterentwickelt. Ein Ausbau mit neuen Strecken ist derzeit nicht geplant. Der Berg ist in gutem Maße genutzt und das Angebot für alle ausreichend – und vor allem grandios.
Die seit 2017 gesammelten Erfahrungen und das Wissen werden auch an an-

dere Vereine und Regionen weitergegeben. Man muss das Rad nicht immer und überall neu erfinden, so das Motto von Martin Samek. Gemeinsam identifizieren sie Potenziale in der Region für weitere Trails, heben dabei auch die sozialen Aspekte ihrer partizipativen Arbeit hervor und hoffen, andere für weitere Projekte zu motivieren.
Alle guten Dinge sind 12
Aktuell gibt es am Göttweiger Berg 12 Trails mit insgesamt 18 Kilometern Länge in unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden. Darin inkludiert ist auch ein Uphill Trail, der „Stairway to Heaven“, mit zwei Kilometern Länge, der den Talort Furth mit allen Trailstarts verbindet. Die ersten Trails wurden 2018 eröffnet. 2023 wurden Anfang und Ende aller Trails auf jeweils drei Orte gebündelt – nicht zuletzt, um den ohnehin gut besuchten Platz vor dem Eingang zum Stift zu beruhigen und stärker von den Wanderwegen zu entflechten.
Das Trailwerk veranstaltet auch regelmäßige gemeinsame Ausfahrten, die sogenannten Community Rides. Hierfür haben sich Vereinsmitglieder zu Bike-Guides ausbilden lassen und führen durch die Trails am Berg. Auch Kinderkurse, Fahrtechnikkurse für Erwachsene und diverse Veranstaltungen finden regelmäßig statt und stärken die Verbindung innerhalb des Vereins. Gemeinsam hat man eine gute Zeit beim Fahren und Bauen.
„Ist man hier im Bikerhimmel?“, darf man sich nun gerne fragen. Fast, aber man kommt ihm am Uphill Trail immerhin ein kleines Stückchen näher. Etwas unterhalb des großen Parkplatzes beim Stift geht’s los und man tastet sich an die unterschiedlichen Trails ran. Es gibt keinen Lift, jeder Meter ist selbst zu erkurbeln und schnell wird klar, dass man sich auch auf so einem „kleinen“ Berg mehr als ausgiebig beschäftigen kann. Die zahlreichen Trails, die vom Himmel wieder bergab führen, enden nicht in der Hölle, sondern stets unweit regionaler Gasthäuser
Die malerische Wachau – schön hier! Foto: René Sendlhofer-Schag >

in Klein-Wien, Furth oder etwas entfernt beim Nikolaihof in Mautern oder auf der anderen Seite der Donau, in Krems. Und wie man weiß, ist die Wachau eine einzigartige Weinregion. Wir empfehlen Gelber Muskateller, aber bitte nicht mischen!
Die Trails sind sehr divers, so wie die Vegetation am Berg selbst. Föhrenwälder und trockener Untergrund wechseln mit sattgrünem Laubwald und erdigen Trails, wenn man von einer Seite auf die andere des Berges wechselt. Auch die Schwierigkeit der Strecken lässt keine Wünsche offen und man kann sich langsam steigern bzw. an fordernde Trails herantasten. Leicht und flowig am Trail namens Fitnessteller oder Ragazzi, steil und verblockt am Potschnweg oder Schickhnway mit naturbelassenen Wegen und immer wieder speziell geschaffenen Hindernissen.
Aktuell gibt es am Göttweiger Berg 12 Trails mit insgesamt 18 Kilometern Länge.
Foto: René Sendlhofer-Schag
Eine gute Mischung, welche hier aus der Revitalisierung alter Bestandswege und dem Neubau von Strecken erreicht wurde. Die Signalisation vor Ort ist ebenfalls übersichtlich und klar strukturiert – ankommen und auskennen. So findet man sich schnell zurecht. Doch selbst mit bester Beschilderung der Trails verliert man sich hin und wieder im Flow und breitem Grinsen und dadurch auch mal bei einer Abzweigung auf einen anderen Trail. Doch was soll’s, nochmal hoch und neuer Versuch! Hier in der Wachau hat man auch das ganze Jahr über Zeit, am Sattel zu sitzen. Eine Wintersperre, wie bei den meisten Mountainbikestrecken in Österreich üblich, findet man in der Trailarea nicht. Solange es witterungsbedingt mög-
lich ist, wird gefahren. Also keine Angst vor kalten Fingern und Zehen, dem inneren Schweinehund was pfeifen – und ab in den Sattel.
René Sendlhofer-Schag ist Mitarbeiter der Abteilung Bergsport im Österreichischen Alpenverein.
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Das Trailwerk Wachau plant, baut und pflegt Mountainbike-Trails.

Mehr Infos über den Verein und die Mountainbike-Strecken auf www.trailwerk.at
Klimaschutz klingt oft groß und abstrakt. Aber was bedeutet er ganz konkret für dein Bergerlebnis, deine Touren und deine Lebensqualität? Mach den kurzen Check und finde heraus, wo Klimaschutz dich ganz persönlich betrifft.
Action und Nervenkitzel
Was macht dein Abenteuer besonders?
Was bedeutet Bergsport für dich?
Erholung und Ausgleich zum Alltag
Was gibt dir der Bergsport?
Ruhe, Stille und Abstand vom Alltag Bewegung in außergewöhnlichen Landschaften. Grenzen spüren
Was ist dir dabei wichtig?

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Klimaschutz erhöht Sicherheit:

Schmelzende Gletscher, tauender Permafrost und Extremwetterereignisse verändern die Risiken am Berg und machen Touren schwerer planbar.
Absolute Stille
Was macht diese Momente aus?

Einzigartige Bergerlebnisse Eindrucksvolle Landschaften
Klimaschutz bewahrt Rückzugsräume: Wenn wir in den Bergen unterwegs sind, sind wir in einzigartigen Lebensräumen zu Gast. Sie bleiben nur erhalten, wenn wir Klima und Natur schützen.
Klimaschutz erhält Vielfalt: Nur gesunde Ökosysteme machen diese Landschaften so einzigartig. Durch den Klimawandel geraten viele Tier- und Pflanzenarten unter Druck. Der Klimaschutz sichert das Fortbestehen der Alpenflora und -fauna.

Süd-Nord-Überquerung des Raxplateaus ausgehend vom Preiner Gscheid auf den Dreimarkstein mit Abstieg durch den Großen Kesselgraben ins Höllental.
Alle passionierten Bergwander:innen des östlichen Alpenrandes haben die Rax schon mehrmals besucht. Schließlich stellt sie eine der traditionsreichsten Spielstätten der Wiener Bergsteigerei dar und ist auch die Wiege des österreichischen Bergrettungswesens. Die meist steilen, felsdurchsetzten Abstürze umrahmen eine weitläufige, mit Wegen und Hütten bestens erschlossene Plateaulandschaft, auf der es sich herrlich wandern und in die Ferne schauen lässt.
Öffi-taugliche Überschreitungen sind hier mannigfach möglich, diese hier ist nur eine davon, Aussicht vom Neusiedler See bis zum Dachstein inklusive.
Aber Vorsicht: Die Rax hat’s in sich. Wind und Nebel können hier schnell zum Spielverderber werden.
Direkt von der Bushaltestelle „Preiner Gscheid Passhöhe“ auf der Piste entlang der roten Markierung recht steil aufwärts. Dann in einer sanft ansteigenden Querung an der Gflötzhütte vorbei, hinaus zu den ausgedehnten Weideflächen des Siebenbrunnenkessels und rechts zum Waxriegelhaus. Weiter Richtung Waxriegel entlang der Grenze Niederösterreich–Steiermark in steilem Zickzack über Stock und Stein zu einer Felskanzel mit Aussichtsplattform.
Erst durch den Wald, dann durch die Latschen auf teils ausgewaschenem Steig auf einen markanten Absatz. Zunehmender aussichtsreich zum Ausläufer des Waxriegels empor und leicht rechts zum Langermanngraben und hinaus zum „Schiff aus Stein“. Den grünen Markierungen sanft ansteigend nach Norden folgen zur nahen nächsten Kreuzung. Gerade weiter auf den Dreimarkstein, 1.948 m. Die Markierung führt knapp rechts am höchsten Punkt vorbei. Kurzer Abstieg und aussichtsreicher beschaulicher Übergang zu einem unbenannten Zwischengipfel. Weiter über den Rücken auf die Scheibwaldhöhe, 1.943 m.
Abstieg an den Rand der Bärengrube, in einem weiten Rechtsbogen in die Latschenzone und hinab zu einer Wegkreuzung, 1.637 m. Links mit ab nun roter Markierung in Kürze zum Klobentörl und hinunter zur nahen Gloggnitzer Hütte. In einem stimmungsvollen Nadelwald zu einer Forststraße, 1.360 m. Auf einem Karrenweg im hier noch hellen Großen Kesselgraben weiter und nach einer Doppelkehre Übergang auf einen Steig, der zum sogenannten Gatterl, einer ersten schluchtartigen Felsenge, führt.
Dann links in einem Fichtenforst und über schmale Schneisen wieder in den Grabengrund. Aus diesem einmal rechts rausqueren, mit einer Rampe zurück und damit beginnt der schönste Grabenabschnitt. Auf 780 m bei der Einmündung des Klobengrabens ein deutlicher Linksknick und ein erster Blick zum Schneeberg. Über weitere Schwellen abwärts und schließlich über eine Lichtung zum Schranken bei der Einmündung ins Höllental, direkt zur Bushaltestelle „Höllental Großer Kesselgraben“.

Viele Wege führen auch von der Ybbstaler Hütte weg.
Anreise
Mit den Öffis
Mit der Bahn von Wien über Wr. Neustadt oder aus der Steiermark über den Semmering zum Bahnhof Payerbach-Reichenau, weiter mit Bus Nr. 342 zur Passhöhe Preiner Gscheid. Rückreise mit Bus Nr. 341 aus dem Höllental (Großer Kesselgraben) zum Bahnhof PayerbachReichenau.
Tourdaten
Strecke: 15 km
Aufstieg: 915 Hm
Abstieg: 1.425 Hm
Dauer Aufstieg: 6:30 h
Ausrüstung:
Standardausrüstung für Bergwanderungen
Autor: Csaba Szépfalusi, Alpenverein Edelweiss
Kartenausschnitt: Outdooractive Kartographie
Mehr Details zu dieser Tour auf alpenvereinaktiv: www.alpenvereinaktiv.com/s/ SbwUH
Tipp des Autors: Am schönsten ist die Tour im Frühling, wenn die Bergblumen blühen. Die beste Fernsicht gibt es natürlich im Herbst.

Uns bei der Orientierung im Gelände zu helfen ist eine der großen Stärken der alpenvereinaktiv-App. Welche Tricks es dabei gibt, erfahrt ihr hier.
Serie alpenvereinaktiv-Tipp, Teil 8.















Die App kann uns wunderbar bei der Orientierung unterstützen. Das kann niederschwellig mithilfe einer Karte und dem Standortsymbol passieren oder ganz direkt anhand der Sprachnavigation. Im Folgenden werden alle Orientierungshilfen vorgestellt.
Karte und Standortsymbol
Die einfachste Form der Orientierung erfolgt mithilfe der Karte und dem Standortsymbol. Tippt man einmal auf den Standortbutton (Bild 1 a ), wird die Karte auf den Standort zentriert – und schon weiß man, wo man ist. Diese simple Funktion kann sogar noch mehr:
1. Ein kleines Dreieck am runden Standortsymbol zeigt immer in die Richtung, in die das Handy „blickt“ (Bild 1 ).
2. Tippt man ein zweites Mal auf den Standortbutton, wird die Karte in Blickrichtung ausgerichtet (Bild 2 ). Durch ein erneutes Tippen auf den Standortbutton (Bild 2 a ) oder Tippen auf den Kompassbutton (Bild 2 b ) wird dieser Modus beendet und die Karte wird wieder nach Norden ausgerichtet.
3. Details zum eigenen Standort (aktuelle Höhe, GPS-Genauigkeit und Koordinaten zur eigenen Position) erhält man ebenfalls über den Kompassbutton (Bild 2 b ). Das ist sehr hilfreich, um bei einem Notfall die Koordinaten durchzugeben.
Wegenetz der Karte (Signaturen und Layer)
Je nach Aktivität und eigener Erfahrung kann man sich gut anhand der verschiedenen Kartengrundlagen und der dort eingezeichneten Informationen im Gelände orientieren. Dazu stehen eine Vielzahl unterschiedlicher Karten zur Verfügung (Bild 3 ), von den digitalen Vektorkarten OpenStreetMap und Outdooractive bis hin zu den klassischen topografischen Karten, wie den Alpenvereinskarten. Wanderwege oder Skitourenrouten sind je nach Kartengrundlage entweder fix als Signatur eingezeichnet (z. B. in den AV-Karten) oder lassen sich als „Aktivitätsnetz“ einblenden. Nur: Das Kartenlesen will gelernt sein!







Trackaufzeichnung
Durch das Aufzeichnen einer Tour wird der zurückgelegte Weg auf der Karte sichtbar und man erhält Infos zur zurückgelegten Strecke und Höhe (Bild 4 ). Gerade im weglosen Gelände ist das eine gute Orientierungshilfe. Eine Trackaufzeichnung ist immer unabhängig von einer vorhandenen Tour bzw. Planung möglich.
Die Linie auf der Karte
Will man entlang einer veröffentlichten oder selbst geplanten Tour unterwegs sein, hilft der Track der Route bei der Orientierung. Den Track kann man auf verschiedene Arten auf der Karte darstellen und nutzen:
Der Track einer Tour
Bei jeder Tour oder Planung lässt sich auf die Kartenansicht umschalten (Bild 5 a ). Die Route wird deutlich, mit Richtungspfeilen und Höhenprofil, auf der Karte angezeigt.
My Map
„My Map“ ist die geschicktere Lösung, um den Track einer Tour auf der Karte anzuzeigen. Alle veröffentlichten und privaten Inhalte (Touren, Hütten, Planungen etc.)


kann man „Merken“ und dort auf „My Map“ legen. Aktivieren lässt sich „My Map“ in der Karte unter den drei Punkten (Bild 6 a ). Nun erscheint das „My Map“Symbol (Bild 6 b ) und alle Touren und Inhalte von „My Map“ werden gleichzeitig und immer auf jeder Kartengrundlage angezeigt. Der roten Linie kann man nun folgen, auch bei einer Trackaufzeichnung. Tipp: Die Richtungspfeile werden nur angezeigt, wenn man einmal auf den Track tippt.
Beim Aufzeichnen auf der Karte anzeigen
Diese Funktion versteckt sich bei jeder Tour oder Planung und ermöglicht es, die gewünschte Route deutlicher auf der Karte anzuzeigen und gleichzeitig einen Track aufzuzeichnen (Bild 7 )
Wenn man sich richtig navigieren lassen will, bietet die App auch dafür eine Möglichkeit. Eine Navigation ist immer nur anhand einer Route möglich, also anhand einer veröffentlichten Tour oder einer eigenen Planung. Die Route wird auf der Karte deutlich angezeigt und es kommen Navigationsanweisungen hinzu, die man nicht nur visuell, sondern auch per Sprachausgabe erhalten kann (Bild 8 ).



Bremsassistenten helfen, Gewichtsunterschiede zwischen Kletternden und Sichernden auszugleichen. Je nach Bauart wirken sie unterschiedlich auf Dynamik, Seilzug und Sturzverlauf –und eignen sich daher nicht für jede Situation gleichermaßen.
m a RKUS Sch WaiG e R
Bremsassistenten haben den Klettersport verändert. Während früher Sandsäcke, Zusatzumlenkungen oder improvisierte Reibungstricks genutzt wurden, stehen heute spezialisierte Geräte zur Verfügung, die die Kräfte eines Sturzes gezielt beeinflussen. Die Wahl des richtigen Bremsassistenten ist dabei ebenso entscheidend wie die Sicherungstechnik selbst. Die Geräte unterscheiden sich deutlich in Funktion, Handling und Eignung für unterschiedliche Gewichtsunterschiede. Dieser Artikel richtet sich an Kletternde, die wissen wollen, welches Gerät zu ihren Bedürfnissen passt – ohne tief in technische Normen oder Mechanik einsteigen zu müssen.
Früher galt als Faustregel, erst ab etwa 30 Prozent Gewichtsunterschied Maßnahmen wie Z-Clip oder Bremsassistenten einzusetzen, wenn der oder die Kletternde schwerer war als die sichernde Person. Heute orientiert man sich am absoluten Gewichtsunterschied. Bereits ab rund 15 kg Differenz empfehlen wir eine geeignete Maßnahme, um das Sichern kontrollierbarer zu machen. Gute Technik kann Unterschiede teilweise kompensieren, physikalische Grenzen jedoch nicht aufheben.
Aber Achtung: Ist der Gewichtsunterschied zu gering oder viel Seilreibung im Spiel (etwa durch ungünstigen Routenverlauf), bringen Bremsassistenten kaum zusätzlichen Nutzen und können im Gegenteil harte Stürze provozieren.
Funktionsweisen
Grundsätzlich lassen sich drei Prinzipien unterscheiden: Reibungserhöhung über Umlenkung im Gerät, über Quetschung bzw. Pressung und über Hebelmechanik. Ziel ist stets, einen Teil der Sturzenergie im Gerät umzusetzen, sodass sie nicht vollständig bei der sichernden Person ankommt. Je nachdem, wie abrupt oder sanft dieser Effekt einsetzt, verändert sich das Sicherungsverhalten deutlich.
Umlenkung im Gerät
Geräte wie ZAED pro und lite (RAED) und die Espressi-Modelle (Bauer) erhöhen den Widerstand durch eine Umlenkung im Gerät. Das Seil läuft über unterschiedlich geformte Bremskörper; je stärker die Umschlingung, desto größer die Reibung. Die Bremswirkung baut sich
progressiv auf: Bei moderatem Zug läuft das Seil nahezu frei, bei stärkerem Impuls steigt der Widerstand spürbar. Das ermöglicht weiches, dynamisches Sichern. Innerhalb dieser Gruppe gibt es deutliche Unterschiede. Das Espressi Basic ist für größere Gewichtsunterschiede ausgelegt, das ZAED pro und das ZAED lite sprechen früher an und erzeugen weniger Grundwiderstand. Letzteres wirkt erst ab der zweiten Zwischensicherung richtig, da es beim Sturz direkt ins Gerät kaum Bremswirkung entwickelt – ein wichtiger Punkt bei unerfahrenen Partner:innen. Die beiden Zaed überzeugen durch geringen Seilzug beim Klettern. Sinnvoll wirken sie jedoch erst ab einem Mindestgewichtsunterschied; als „leichter Puffer“ bei kleinen Differenzen taugt es wenig. Zudem hängt die Bremswirkung stark vom Seilwinkel ab. Steht die sichernde Person zu nah an der Wand, kann sie deutlich reduziert sein.
Seilquetschung im Bremsschlitz
Das Ohm II (Edelrid) funktioniert, indem das Seil beim Sturz in einen Schlitz gedrückt wird. Die Reibung steigt sprung-
Edelrid OHM II
Technik & Wirkung
• Für 8,9–11-mm-Seile, ca. 450 g
• Zunächst kein Widerstand, dann sehr starke Bremswirkung > dynamisches Sichern anspruchsvoll
• Spürbarer Seilzug beim Klettern; bei schnellem Seilziehen („hektisches Clippen“) mögliches Blockieren, muss entlastet werden

RAED
ZAED (Pro und Lite)
Technik & Wirkung
• Für 8,9–10,5-mm-Seile, ca. 365 g
• Sehr geringer Seilzug > angenehmes Klettern
• Lite ohne Wirkung beim Sturz in die 1. Zwischensicherung, Pro wirkt ab der ersten Zwischensicherung
• Insgesamt moderater Widerstand > eher Puffer als starker Ausgleich
Einsatzbereich
• Sinnvoll ab ca. 20–25 kg Gewichtsunterschied
• Wirkt zuverlässig ab der 1. Zwischensicherung
• Keine Einstellmöglichkeiten
Besonderheiten
• Benötigt günstigen Seilwinkel; geringer Wandabstand kann die Wirkung reduzieren
• Verständliche Piktogramme, einfaches Einlegen, Einhängerichtung durch Drehwirbel egal
Espressi Basic Bauer Zorro
Technik & Wirkung
• Für 8,9–11-mm-Seile
• Progressiver Reibungsanstieg > weiches, dynamisches Sichern gut möglich
• Volle Bremswirkung erst ab der 2. Zwischensicherung; beim Sturz „ins Gerät“ nahezu keine Wirkung
Handling
• Anfangs nicht intuitiv, mit Übung problemlos
• Verarbeitung empfindlicher (Plastikhülle)
Einsatzbereich
• Geeignet bei moderaten Gewichtsunterschieden (bis ca. 20 kg)
• Zwei Stufen mit geringem Unterschied
• Deutlich winkelabhängig; Nähe zur Wand reduziert die Wirkung

Handling
• Seileinlegen trotz Piktogrammen fehleranfällig
• Abbauen bei gespanntem Seil schwierig
Besonderheiten
• Zwei Varianten, Basic für größere Gewichtsunterschiede; Lite spricht früher an
• Funktion unabhängig von der Sicherungsposition
• Unterschiedliche Modelle für verschiedene Gewichtsdifferenzen, keine Verstellung am Gerät

Edelrid OHMEGA und Mammut Assist
Technik & Wirkung
• OHMEGA für 8,6–10,5-mm-Seile, ca. 190 g; 8,7–11 mm, 220 g Assist
• Hebelmechanismus mit progressiver Reibung > sehr gutes körperdynamisches Sichern
• Ohmega drei Stufen (+10 / +20 / +30 kg Ausgleich); Assist zwei Stufen (+35 kg / +45 kg)
• Wirkt ab der 1. Zwischensicherung
Handling
• Kaum spürbarer Seilzug beim Clippen (OHMEGA)
• Verstellung der Stufen erklärungsbedürftig (OHMEGA)
• Sicherer Verschluss, Fehlbedienung unwahrscheinlich
Besonderheiten beim OHMEGA
• Auch für Mehrseillängen geeignet
• Einhändig aushängbar, als „Dummyrunner“ am Stand nutzbar

>
haft, der Impuls wird effektiv reduziert. Die Bremswirkung setzt abrupt ein, was dynamisches Sichern sehr anspruchsvoll macht und präzises Timing erfordert. Bei schnellem Seilziehen kann das Gerät kurzfristig blockieren; das lässt sich entlasten, verlangt aber Übung.
Quetschung mit Hebel
OHMEGA (Edelrid) und das Assist (Mammut) arbeiten mit Hebelmechanik. Die Sturzkraft bewegt einen Hebel, der das Seil gegen eine Rolle bzw. das Gehäuse presst. Je nach Einhängeposition lässt sich die Bremswirkung in Stufen anpassen.
OHMEGA bietet drei Einhängepositionen mit unterschiedlichen Bremskraftstufen, was etwas Übung erfordert, aber eine gute Dosierung ermöglicht. Das Mammut Assist hat zwei Positionen; je nachdem, wie er eingehängt wird (mit Karabiner oder mit Expresschlinge) ändert sich der Aktivierungszeitpunkt. Beide Geräte wirken zunächst sanft und steigern den Widerstand bei größerem Impuls. Der Seilzug beim Klettern ist gering, die Steuerbarkeit hoch. Beim OHMEGA ist die Seileinlage von außen nicht gekennzeichnet.
Fazit
Kein Gerät ist „das beste“ im absoluten Sinn. Jedes hat ein Profil, das zu bestimm-

Alle momentan am Markt erhältlichen Bremsassistenten im Überblick.
Foto: Markus Schwaiger
ten Situationen passt. Geräte mit progressiver Reibungszunahme eignen sich gut für dynamisches Sichern bei moderatem Gewichtsunterschied. Modelle mit abrupter Aktivierung stabilisieren große Differenzen stärker, machen weiches Sichern jedoch anspruchsvoller. Auch Seildurchmesser und Routenverlauf beeinflussen die Wirkung erheblich.
Die Bedienbarkeit spielt ebenfalls eine Rolle, etwa wenn das Gerät bereits in der ersten Schlinge hängt. Assist und Ohm lassen sich intuitiv einlegen, während Espressi, Zaed und OHMEGA etwas Übung erfordern. Fehlerhaftes Einlegen kann die Wirkung beeinträchtigen – ein sorgfältiger Partnercheck ist daher unerlässlich. Entscheidend bleibt die Fähigkeit der sichernden Person. Es empfiehlt sich, verschiedene Modelle auszuprobieren. Bremsassistenten verändern den ankommenden Seilzug deutlich; um Stürze weiterhin dynamisch zu sichern, ist ein vorsichtiges Herantasten wie beim Sturztraining notwendig.
Bremsassistenten sind Hilfsmittel, keine Garantien. Sie reduzieren physikalische Unterschiede, ersetzen aber keine saubere Sicherungstechnik. Richtig eingesetzt erhöhen sie das Sicherheitsniveau – und sorgen für mehr Ruhe im System.
Markus Schwaiger ist Mitarbeiter der Abteilung Bergsport im Österreichischen Alpenverein.

WOL f Ga NG Sch Na BL Alpenvereinspräsident
Wir sprechen gerne von Freiheit am Berg. Von Weite, Stille, Herausforderung.
Doch Freiheit ohne Verantwortung wird schnell zur Selbstüberschätzung.
Und die zeigt sich nicht nur am Grat, sondern im eigenen Körper.
Für viele vielleicht überraschend ist, dass die meisten alpinen Notfälle keine spektakulären Abstürze sind, sondern internistische Ereignisse, allen voran Herz-Kreislauf-Probleme. Das passt nicht zu unserem heroischen Bild vom Bergsteigen. Aber es ist Realität. Der Berg verlangt Leistungsfähigkeit. Wer sie nicht ehrlich prüft, gefährdet sich und andere.
„Wird schon gehen“ war noch nie eine gute Strategie: Höhe, Anstrengung, Hitze oder Kälte wirken wie ein Verstärker. Was im Alltag kompensiert wird, tritt am Berg offen zutage. Genau hier beginnt Verantwortung. Nicht erst im Notruf.
Der Österreichische Alpenverein hat früh erkannt, dass Sicherheit mehr ist als Seiltechnik. Unsere Arbeit nenne ich gerne „Präventivmedizin“. Von alpinmedizinischen Forschungsergebnissen über Ausbildung bis zu klaren Empfehlungen: Das ist kein Zusatzangebot, sondern Kernauftrag.
Eine zentrale Rolle spielt dabei unsere AlpenvereinAkademie, in der unsere Tourenführerinnen und Tourenführer fundiert ausgebildet und auch für gesundheitliche Risiken sensibilisiert werden. Und wir sagen auch unbequeme Wahrheiten: Kondition entsteht nicht durch Wunschdenken.
Prävention ist leise. Sie produziert keine Schlagzeilen. Aber sie verhindert sie. Wer regelmäßig trainiert, medizinische Vorsorge ernst nimmt und seine Touren vernünftig plant, handelt im besten Sinne bergsteigerisch. Dazu gehört auch, das Tourenangebot
unserer Alpenvereinssektionen zu nutzen: Geführt von qualifizierten, auch in solchen Fragen geschulten Tourenführern bieten sie einen verantwortungsvollen Rahmen, in dem Leistungsfähigkeit realistisch eingeschätzt und Überforderung vermieden wird. Das war immer so. Disziplin, Maß und Vorbereitung sind keine Modeerscheinungen, sondern bewährte Grundsätze.
»Prävention ist leise. Sie produziert keine Schlagzeilen. Aber sie verhindert sie. Wer regelmäßig trainiert, medizinische Vorsorge ernst nimmt und seine Touren vernünftig plant, handelt im besten Sinne bergsteigerisch. «
Gesund am Berg zu sein bedeutet nicht, Risiken auszublenden. Es heißt, sie zu kennen und verantwortungsvoll damit umzugehen. Der Gipfel ist ein Ziel. Gesund wieder ins Tal zu kommen, ist die eigentliche Leistung.
Praktische Tipps für wohlbehaltene Tage am Berg.
G’sund am Berg, Teil 1: Der plötzliche Herztod
Ge R ha R d mÖSS me R

Im Gegensatz zum „Risikomanagement Lawine“, wo wir sehr viel Energie, Zeit und auch Geld in Form von Ausrüstung in die Unfallprävention stecken, wird den weiteren typischen Unfallursachen abseits der Lawine wenig bis gar keine Aufmerksamkeit geschenkt, da sie schlichtweg unpopulär sind. Dabei sind die absoluten Zahlen, was die Bergtoten betrifft, insbesondere im Sommer bei weitem höher als im Winter. Mit der Serie „G’sund am Berg“ wollen wir entgegenwirken und Tipps geben, wie wir sowohl im Sommer als auch im Winter
wohlbehalten und voller positiver Eindrücke von unseren Touren wieder retour kommen.
Der plötzliche Herztod z. B. infolge eines Herzinfarkts ist die häufigste Todesursache beim Bergwandern und die zweithäufigste beim Skitourengehen. Das Risiko eines Herzinfarktes steigt mit zunehmendem Alter, und besonders ab ca. 40 Jahren, stark an. Dabei sind Männer deutlich stärker gefährdet als Frauen. Typische Risikofaktoren sind Bluthochdruck, überhöhte Blutzucker- und Blutfettwerte, Übergewicht und Rau-
chen sowie vorangegangene Herzinfarkte oder nicht auskurierte grippale Infekte. So kannst du dein Herzinfarkt-Risiko senken:
Einmal jährlich zur Vorsorgeuntersuchung ab 40 Jahren. Der erste Tipp ist zwar bei den meisten alles andere als beliebt, mag abgedroschen und altbacken erscheinen, macht aber viel Sinn: Männer ab ca. 40 und Frauen ab ca. 50 Jahren – insbesondere bei Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Rauchen oder familiärer Vorbelastung – sollten einmal
jährlich zur Vorsorgeuntersuchung beim Internisten antreten. Vorteil: Ein sportmedizinischer Belastungstest kann nicht nur verdeckte Herzprobleme aufdecken, sondern gibt auch wertvolle Hinweise zur richtigen Trainingsintensität. Wer unter Bluthochdruck leidet oder frühere kardiologisch bedenkliche Befunde hat, muss Reserven einplanen und mindestens eine halbe Leistungsklasse unter seinem persönlichen Maximum bleiben.
I frei mi schon wieder auf die ersten Bergtouren draußen in der frischen Luft!
Ja, i mi a! Mit unserm Training den ganzen Winter über weard des a Genuss! Aber anfangen tuan ma trotzdem gemütlich!

Regelmäßiges Grundlagentraining ist das A und O. Bergsport ist selten kurz und intensiv, sondern meist stundenlang gleichförmig belastend. Das Herzinfarktrisiko steigt besonders bei Personen, die nur sporadisch unterwegs sind und dann plötzlich weite Touren mit vielen Höhenmetern absolvieren wollen. Wer im Training nie länger als eine Stunde unterwegs ist, sollte im Gebirge nicht ohne Vorbereitung fünf- oder sechsstündige Unternehmungen planen. Um die Ausdauer zu trainieren, gibt es eine Vielzahl an Möglichkeiten: Spazierengehen, Wandern, Nordic Walking, Laufsport, Radfahren, Mountain-
biken, Cardio-Training im Fitnessstudio, Skilanglauf, Skitouren und vieles mehr. Entscheidend für einen Trainingseffekt sind die Regelmäßigkeit und richtige Intensität. Für die Regelmäßigkeit kannst du Alltagserledigungen mit Aktivität verbinden: Treppe statt Fahrstuhl, Fahrrad statt PKW. „Geschenkte“ Trainingszeiten sind die zurückgelegten Wege zum Arbeitsplatz oder zum öffentlichen Verkehrsmittel: Täglich jeweils 20 Minuten zügig zur Arbeit und wieder nach Hause bedeuten eine 40-minütige Herz-Kreislauf-Belastung ohne großen Aufwand. Ein alpinspezifisch sinnvolles Training setzt auf regelmäßige, ruhige Ausdauereinheiten über 60 bis 120 Minuten, idealerweise im hügeligen Gelände. Wenn du dich während des Trainings noch unterhalten kannst, ist die Intensität richtig ge-
wählt. Wer mit Pulsmesser (Brustgurt oder Smartwatch) trainiert, kann die Intensität noch besser steuern und bleibt idealerweise im aeroben Bereich – also zwischen 60 und 75 Prozent seiner maximalen Herzfrequenz1. Belaste dich so, dass du am Ende des Trainings zwar müde, aber keinesfalls erschöpft bist und du noch über Reserven verfügst.
Tourenwahl nach Leistungsfähigkeit und nicht nach Gipfelziel.
Klassische Risikosituationen entstehen auf zu langen Anstiegen mit zu großem Höhengewinn. Deshalb kommt – wie so oft –der Tourenplanung besondere Bedeutung zu. Entscheidend ist nicht, was wir gerne wollen, sondern was das Herz-Kreislauf-System aktuell leisten kann. Frei nach
Typische Unfallursachen mit Todesfolge
Tote Bergwanderer nach Unfallursache (Auszug) im 10-Jahre-Mittel. Österreich, vom 1.11.2014 bis 31.10.2024.
Tote Skitourengeher nach Unfallursache (Auszug) im 10-Jahre-Mittel. Österreich, vom 1.11.2014 bis 31.10.2023.
Quelle: analyse:berg Winter 2024/25, ÖKAS, Alpinpolizei
Paul Preuß: Das Können ist des Dürfens Maß. Besonders bei mehrtägigen Bergwanderungen, Hoch- oder Skitouren sollten wir die längste und schwierigste Etappe nicht am ersten Tag einplanen. Zudem achten wir auf einen moderat gepackten Rucksack, denn überflüssiges Gewicht ist ein zusätzlicher Belastungsverstärker. Im alpinen Gelände steigt die Herzbelastung nicht linear, sondern sprunghaft, wie etwa bei steilen Passagen, im Blockgelände oder im Gipfelhang. Aber gerade dort wird dann häufig „durchgedrückt“ und der rasante Anstieg des Pulses ignoriert. So passieren viele kardiale Notfälle nicht am technischen Limit, sondern am körperlichen Belastungslimit. Eine einfache Regel für den Bergsport lautet: Während des Aufstiegs sollten wir uns noch unterhalten können! Besonders wichtig für eine erfolgreiche Tour ist der Start: Wir wählen bewusst ein niedriges, gleichmäßiges Tempo, um uns an die Belastung zu gewöhnen. Während der Tour sollten wir nicht außer Atem kommen und lieber zu früh als zu spät Tempo herausnehmen: Der Berg gibt das Tempo vor, nicht der Ehrgeiz!

Aktueller denn je: Das leidige Problem mit der Selbsteinschätzung!
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Kälte, Hitze und Höhe verstärken die Belastung. Winterliche Temperaturen und große Höhen treiben die Herzarbeit massiv an, auch in scheinbar moderatem Gelände. Kalte Luft führt zu Gefäßverengung, Höhe zu geringerer Sauerstoffverfügbarkeit –eine Kombination, die Herzinfarkte begünstigen kann. Auch Hitze kann unser Herz-Kreislauf-System belasten. Deshalb sind im Hochsommer ein guter Zeitplan und Wahl der richtigen Exposition wichtig:

Beim Hochtourengehen belasten Höhe, Hitze und trockene Luft das Herz-Kreislaufsystem zusätzlich.
Literaturt ¡pp Wir starten früh und meiden lange, südseitige Anstiege in der heißen Mittagssonne! In größeren Höhen sind wir bewusst langsamer unterwegs, selbst wenn das Gelände technisch einfach erscheint.

W. Kandolf/M. Mayrhofer Trainingslehre Bergsport Eigenverlag VAVÖ
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W. Kandolf/M. Mayrhofer: ISBN 978-3-9505488-0-8, Eigenverlag VAVÖ, 2024, 304 Seiten, EUR 29,90 (plus Versandspesen). Bestellung unter: vavoe.at/service/bucher/
5Warnsignale ernst nehmen. Am Berg werden körperliche Warnsignale oft als „schlechter Tag“ oder „die Höhe“ abgetan. Gerade das kann riskant sein. Ungewohnter Leistungsabfall, Atemnot, Druck oder Brennen hinter dem Brustbein, kalter Schweiß oder plötzliche Übelkeit sind sehr klare Alarmsignale, die wir unbedingt ernst nehmen müssen. In diesen Fällen gilt es, frühzeitig umzukehren und im Zweifel den Notruf absetzen.
Gerhard Mössmer ist Mitarbeiter der Abteilung Bergsport im Österreichischen Alpenverein.
1 Überschlagsmäßige Berechnung der max. Herzfrequenz: 220 minus Lebensalter. Beispiel: 45 Jahre, max. Herzfrequenz: 220 – 45 = 175. Der aerobe Bereich liegt zwischen 60 % (= 105) und 80 % (= 131) Herzschläge pro Min.
Mit dem Verschwinden der Gletscher bleiben nicht nur karge Böden zurück – es entsteht auch Raum für neues Leben. Auf frisch freigelegtem Boden beginnt die Natur leise und beharrlich von vorne.
de N iz B R a NK e
Seit rund 150 Jahren ziehen sich die Gletscher als Folge des Klimawandels kontinuierlich zurück. Zurück bleibt eine karge, vegetationslose Fläche, die Gletschervorfelder. Doch mit dem schmelzenden Eis entsteht auch neues Leben. Genau hier beginnt der faszinierende Prozess der Primärsukzession, die Erstbesiedelung jener Böden, die Jahrtausende unter dem Eis verborgen lagen.
Auf frisch eisfrei gewordenen Moränen können nur echte Pionierpflanzen überleben. Die von der harten Sorte, die mit Kälte, Nährstoffarmut und stark bewegtem Untergrund zurechtkommen. Diese Standortspezialisten schaffen es in Höhenlagen bis über 3.000 Meter und sind wahre Überlebenskünstler. In den ersten Jahren nach dem Abschmelzen sind die Flächen oft noch weitgehend vegetationsfrei, doch langsam, fast unmerklich, kehrt das Leben zurück.
Besonders erfolgreich in diesen frühen Pioniergesellschaften sind verschiedene Steinbrecharten (Saxifraga). Sie wachsen bodennah in dichten Rosetten, die Polstern ähneln (aber keine „echten“ Polsterpflanzen sind), was sie optimal vor Wind, Kälte und Austrocknung schützt.
Der Bach-Steinbrech (Saxifraga aizoides) ist einer dieser Erstbesiedler. Er bevorzugt, wie sein Name verrät, feuchte Stellen, wie Rinnsale, Tümpel, seichte Bachläufe oder von Wasser durchfeuchtete Felswände. Seine fleischigen Blätter speichern das Wasser, um trockene Phasen zu überstehen.

Perfekt also, um die gerade eisfreien Gletschermoränen zu besiedeln.
Bereits wenige Jahre nach dem Gletscherrückzug tauchen erste Individuen des Bach-Steinbrechs auf. Die leichten Samen werden vom Wind verteilt und finden in der konkurrenzarmen Umgebung ideale Bedingungen vor. Anfangs wachsen nur wenige Individuen pro Quadratmeter, doch mit zunehmender Entfernung vom Eis nimmt sowohl die Artenvielfalt als auch die Vegetationsdichte stetig zu.
Der Rückzug der Gletscher ist zweifellos ein Verlust, sowohl ökologisch und hydrologisch als auch landschaftlich. Gleichzeitig ermöglicht er einen einzigartigen Blick auf die Dynamik der Natur. Auf Böden, die seit Jahrtausenden unter Eis verborgen waren, beginnt ein neues Kapitel des Lebens.
Deniz Branke ist Biologin und im Österreichischen Alpenverein für die Klimastrategie verantwortlich.
Zwischen Frühlingsgefühlen und alpinen Gefahren: Über die Tücken beim Bergwandern im Frühjahr.
Das Frühjahr übt auf Bergwandernde eine besondere Anziehungskraft aus: Im Tal blüht die Natur, die Tage werden länger, und nach einem langen Winter wächst die Sehnsucht nach Bewegung in den Bergen. Gleichzeitig ist das Frühjahr aber eine der anspruchsvollsten und risikoreichsten Jahreszeiten für das Bergwandern. Der Gegensatz zwischen sommerlichen Bedingungen im Tal und zum Teil noch winterlichen Verhältnissen im (Hoch-)Gebirge führt immer wieder zu Fehleinschätzungen mit teils ernsten Konsequenzen. Deshalb verlangt Bergwandern um diese Jahreszeit ein hohes Maß an Umsicht, alpinem Wissen und Flexibilität.
Jährlich grüßt das Murmeltier: Vorsicht vor Altschnee!
Der Frühling ist im alpinen Raum die klassische Übergangsphase zwischen Winter

und Sommer. Während südseitige Hänge bereits schneefrei sind, liegen in schattigen Rinnen und Mulden sowie in höhergelegenen Nordhängen oft noch große Altschneefelder. Nicht nur für die aus dem Winterschlaf erwachenden Murmeltiere stellt der Altschnee beim Freischaufeln ihres Baues eine Herausforderung dar. Altschneefelder sind auch für uns Wanderer besonders tückisch und vor allem frühmorgens mit großer Vorsicht zu genießen, da sie dann noch pickelhart gefroren sind und selbst bei geringerer Steilheit zu gefährlichen Ausrutschern führen können. Im schlimmsten Fall folgt dem Ausrutscher ein Absturz über felsdurchsetztes Gelände mit Todesfolge.
Querend und absteigend sind harte Schneefelder schwieriger zu begehen. Deshalb ist es für den Aufstieg oft besser, wenn wir vor dem Schneefeld etwas absteigen und dieses dann schräg aufwärts statt horizontal traversieren. Unterstützend für unser Gleichgewicht sind Wanderstöcke hilfreich, bei einem Ausrutscher nützen sie uns allerdings nichts. Im Zweifelsfall, wenn das Schneefeld noch pickelhart gefroren ist oder wir mit ungenügender Ausrüstung bzw. unpassenden Schuhen unterwegs sind, kehren wir um.
Im Fall des Falles ist es wichtig, dass wir mit allen Mitteln versuchen, den Sturz so schnell als möglich zu bremsen bzw. abzufangen. Am besten gelingt uns das, indem wir uns sofort in Bauchlage drehen und eine Liegestützstellung einnehmen. Dann drücken wir die Schuhspitzen mit aller Kraft in den Schnee und stützen uns mit den Händen dabei ab. Wer in Rückenlage verharrt, hat keine Chance mehr, den Sturz abzufangen!
Sind die Schneefelder im Tagesverlauf durch Temperatur und Sonneneinstrahlung bereits aufgeweicht, können wir sie mit Vorsicht begehen. Dazu schlagen wir mit unseren Schuhen – eine feste Sohle vorausgesetzt – mittels sichelförmiger Bewegung Tritte in den Schnee. Die Tritte bieten dann dem ganzen Fuß Platz und sind leicht nach innen geneigt. Durch das Aufweichen des Schnees verliert dieser aber auch an Tragfähigkeit. Das kann an den Übergängen zu Felsen und Steinen, oder wenn sich – typisch fürs Frühjahr – unterhalb der Schneefelder in Hohlräumen viel Wasser sammelt, problematisch sein,
Der Gegensatz zwischen sommerlichen Bedingungen im Tal und zum Teil noch winterlichen Verhältnissen im (Hoch-)Gebirge führt immer wieder zu Fehleinschätzungen mit teils ernsten Konsequenzen.
da beim Ein- bzw. Durchbrechen durch die Schneedecke das Kniegelenk nur allzu schnell verdreht und ein Band gerissen ist. Ein weiteres, durch Altschneereste oder Lawinenreste verursachtes Problem sind die noch unter dem Schnee begrabenen, nicht sichtbaren Markierungen. Im weitläufigen Gelände kann dies schnell dazu führen, dass man vom Steig abkommt und in unwegsames Gelände gerät. Ist noch dazu die Sicht schlecht, kann es im schlimmsten Fall zum kompletten Orientierungsverlust kommen.
Außerdem sind viele Wege noch nicht begangen oder gewartet. Das bedeutet,
1% Blitzschlag 1% Steinschlag
Sonstiges
Erkrankung
Lawine
Absturz
1% Verirren/Versteigen 1% Wettersturz (Wetter) 1% k.A./unbekannt
Tote 2023/24 n=126
Steinschlag
Sonstiges Verirren/Versteigen k.A./unbekannt
Erkrankung
dass ganze Wegabschnitte, vor allem wenn diese von Lawinenabgängen betroffen waren, schlichtweg unpassierbar sind. Seilversicherte Wegabschnitte können ebenfalls durch Lawinen oder Steinschlagereignisse beschädigt sein, was wiederum das Sturzbzw. Absturzrisiko erhöht. Apropos: Sturz, Stolpern und Ausgleiten ist mit Abstand die häufigste Unfallursache beim Bergwandern und neben der „klassischen“ HerzKreislauf-Störung (42 Tote im 10-JahresMittel) die zweithäufigste Todesursache (32 Tote im 10-Jahre-Mittel).
Nassschnee und Kälteeinbruch: Vorsicht vor Lawinen!
Sonstiges
Erkrankung
Lawine
1% Blitzschlag 1% Steinschlag 1% Verirren/Versteigen 1% Wettersturz (Wetter) 1% k.A./unbekannt
Auch wenn die klassische Skitourensaison vorbei ist und der amtliche Lawinenlagebericht vom Lawinenwarndienst bereits eingestellt wurde, kann die Lawinengefahr im späten Frühjahr bzw. Frühsommer wie auch im Herbst für Bergwanderinnen und Bergwanderer ein Thema sein. Gerade wenn im Tal die ersten Freibäder öffnen, haben wir Lawinen nicht mehr wirklich am Radar, aber bevorzugt in den warmen Mittags- und Nachmittagsstunden können – besonders an steilen Grashängen, unter Felsabbrüchen und in Rinnen – noch Nassschneelawinen abgehen. >
Sturz/Stolpern/ Ausgleiten
Tote 2023/24 n=126
Steinschlag
Sonstiges Verirren/Versteigen k.A./unbekannt
Erkrankung
Lawine
Absturz
Tote 10 Jahre n =110
Absturz HerzKreislaufStörung
Sturz/Stolpern/ Ausgleiten
Unfallursachen der Toten in Prozent im Betrachtungszeitraum und im 10-Jahres-Mittel.
Quelle: ÖKAS (2025): Statistik Wandern/Bergsteigen in:
KreislaufStörung
Die tödlichen Unfälle am Bärenkopf (Achenseeregion) oder der Binsalm (Karwendel), wo jeweils Wanderer ums Leben kamen, zeugen von dieser zwar seltenen, aber ernstzunehmenden Gefahr. Als Wanderer ist man in der Regel nicht gefasst auf Lawinen und nimmt die Situation weder wahr noch ist man dafür ausgerüstet. Der Unfallhergang ist beim Bergwandern häufig ähnlich: Wanderwege queren Rinnen oder Einzugsgebiete von Lawinen, die sich weiter oben spontan lösen und in der Regel als Nassschnee- oder Gleitschneelawine abgehen. Die Lawinen sind verhältnismäßig langsam, haben durch die hohe Masse aber sehr viel Kraft. Das große Problem ist, dass wir als Wanderer nur selten den Überblick über die Gefahr haben, da die einsehbare unmittelbare Sturzbahn schneefrei sein kann und wir die Schneemaßen über uns nicht wahrnehmen. Beim Unfall in der Nähe der Binsalm im Karwendel wurden Wanderer beim Abstieg überrascht. Der Neuschnee, der in der Nacht zuvor fiel, kam auf dem warmen Boden zu liegen und löste sich in Folge als Gleitschneelawine. Die Rettung zog sich über mehrere Tage hin, da eine Bergung aus der Gefahrenzone aufgrund der hohen Lawinenaktivität sehr heikel war. Neuschneefälle im Frühjahr und Herbst sind für uns Bergwanderer durchaus kri-
tisch zu beurteilen und sollten keinesfalls unterschätzt werden. Ein defensives Verhalten, frühzeitige Umkehr und das Meiden bzw. schnelle Queren gefährdeter Bereiche sind entscheidend.
Zudem kann es – nomen est omen –bevorzugt zu den „Eisheiligen“ Mitte Mai immer wieder zu Wintereinbrüchen im Gebirge kommen. Im Zuge derer steigt dann, wenn auch nur kurzfristig, aber dennoch ernstzunehmend, die Lawinengefahr an. In solchen besonderen Fällen helfen die Blogs der Lawinenwarndienste, die uns über diese Problematik gut und ausreichend informieren.
Natürlich ist eine gute Tourenplanung immer wichtig, aber besonders im Frühjahr, wo die Verhältnisse in Abhängigkeit von Höhenlage und Exposition unterschiedlicher nicht sein können, ist sie der Schlüssel zum Erfolg.

Höhenlage und Exposition: Der Schlüssel zum Erfolg!
Natürlich ist eine gute Tourenplanung immer wichtig, aber besonders im Frühjahr, wo die Verhältnisse in Abhängigkeit von Höhenlage und Exposition unterschiedlicher nicht sein können, ist sie der Schlüssel zum Erfolg. Während südseitig in mittleren Lagen zwischen 1.500 m und 2.000 m schon ideale Bedingungen zum Bergwandern herrschen, können höhergelegene und vor allem nordseitige Routen noch vereist und schwierig zu begehen sein. Sehr gute Informationen über die aktuellen Verhältnisse erhalten wir über Webcams und einschlägige Tourenportale wie alpenvereinaktiv.com. Die Informationsquelle über die Hüttenwirte fällt leider weg, da die meisten Hütten um diese Jahreszeit noch geschlossen haben.
Zudem gilt es in der Tourenplanung zu berücksichtigen, dass unsere Leistungsfähigkeit nach der Winterpause – vorausgesetzt, wir waren nicht permanent auf Skitour unterwegs – oft noch eingeschränkt ist. Dass viele diese Problematik unterschätzen, spiegelt auch die Statistik wider, denn immerhin ist HerzKreislauf-Versagen die häufigste Todesursache beim Bergwandern. Eine ehrliche Selbsteinschätzung, defensive Routen-

^ Für das sichere Begehen von steilen Altschneefeldern sind sogenannte „Spikes“ – schnell und einfach auf jeden Schuh montiert – ein ideales Mittel.
Illustration: G. Sojer
‹ Im Frühsommer können in den Morgenstunden noch Minusgrade herrschen und besonders nordseitig gelegene Steige in höheren Lagen noch vereist bzw. mit Altschnee bedeckt sein. Foto: G. Mössmer
Einen Sturz auf einem Altschneefeld können wir nur dann am ehesten bremsen, indem wir uns sofort in Bauchlage drehen und eine Liegestützstellung einnehmen. Illustration: G. Sojer

wahl und die Bereitschaft zur Umkehr sind zentrale Elemente verantwortungsvollen Bergwanderns. Besonders für den Wiedereinstieg in die Saison bieten sich deshalb kürzere, talnahe und technisch einfache Wanderungen an.
Flexibel und angepasst: Die richtige Ausrüstung!
Vielseitig wie das Frühjahr selbst ist auch die Ausrüstung, die wir um diese Jahreszeit mitnehmen müssen. Neben klassischer Wanderbekleidung gehören unbedingt auch noch warme Reserveschichten, eine Mütze, Handschuhe sowie eine leichte Daunenjacke in den Rucksack, denn immerhin können die Temperaturen am Morgen oder schattseitig in höheren Lagen noch nahe am Gefrierpunkt sein. Dass wir standardmäßig ein Erste-Hilfe-Paket mit Alu-Rettungsdecke sowie einen leichten Biwaksack mit dabeihaben, erklärt sich von selbst, ist aber aus oben genannten Gründen im Frühjahr umso wichtiger, da Auskühlen in Folge eines Unfalls noch schneller vonstatten geht. Im Frühsommer sind feste, knöchelhohe Bergschuhe mit gutem Profil unerlässlich, da wir immer wieder Schneefelder queren oder evtl. auch vereiste Passagen meistern müssen. Je nach Tour
können zudem – wie bereits erwähnt –Spikes oder sogar Steigeisen und ein leichter Pickel dafür notwendig sein. Zusätzliche Stabilität bieten Teleskopstöcke, ersetzen aber keine alpine Trittsicherheit.
Last, but not least: RespektAmBerg!
Das Frühjahr ist für viele Wildtiere eine sensible Zeit. Wildtiere sind nach dem Winter geschwächt, Jungtiere werden geboren, und Störungen können lebensbedrohliche Folgen haben. Deshalb sollten wir gerade um diese Jahreszeit markierte Wege nicht verlassen und Ruhezonen respektieren.
Gerhard Mössmer ist Mitarbeiter der Abteilung Bergsport im Österreichischen Alpenverein.
¡ nfo

Hilfreiche Infos im Video-Tutorial SicherAmBerg: „Begehen von Altschneefeldern“
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Auch abseits der Sommersaison haben Hüttenwirtsleute einiges zu tun. Im Winter beginnt bereits die Planung für die kommende Saison: von der Reservierungsverwaltung über die Personalsuche bis hin zur Planung der Versorgung. Auch Fortbildungen wie das „Seminar für Hüttenwirtsleute“ zu Betriebs- und Marketingthemen sowie das „Technikseminar für Hüttenwart:innen
und Wirtsleute“ bereiten auf die kommende Saison vor. Daneben gehen viele Hüttenwirtsleute im Winter ganz „normalen“ Jobs in Skigebieten, Gastronomie oder im Rettungsdienst nach. Und ein komplettes Fernbleiben von der Hütte gelingt den wenigsten: Ab und zu wird auf der Hütte und im Winterraum auch während des Winters nach dem Rechten geschaut.
Auf unseren Alpenvereinshütten sind wir immer auf der Suche nach fleißigen Mitarbeitenden in der Küche, im Service und als Allroundkräfte.
Du möchtest mehr über den Hüttenjob erfahren und dich mit Wirtsleuten austauschen? Dann komm am Stand der Alpenvereinshütten auf der career & competence Messe am 29. April 2026 im Congress in Innsbruck vorbei oder wirf einen Blick auf unsere Jobausschreibungen:
www.alpenverein.at/huettenjob
Umfragewerte zeigen, dass der „Naturerfahrung“ als Hauptmotiv beim Wandern ein noch höherer Stellenwert beigemessen wird als rein sportliche oder gesundheitliche Aspekte. Naturschutzgebiete als Teil unserer Naturlandschaften haben sich zu touristisch attraktiven und
nachgefragten Zielen entwickelt. Eine Voraussetzung dafür ist ein intaktes Wegenetz. Mehr als die Hälfte der Weglänge unserer Alpenvereinswege liegt in Naturschutzgebieten. Ungefähr fünf Prozent befinden sich in Nationalparks. Hier hat die Natur absoluten Vorrang!
Mehr als fünfmal in die Hände genommen …
… wird jedes Produkt, bis es in der Hüttenküche verarbeitet wird. Vom Handel hinein ins Auto, gegebenenfalls in ein Zwischenlager und von dort zum Beispiel zur Materialseilbahn, womit die Ware auf die Hütte gebracht wird – die Lebensmittel und Getränke haben einen langen und wenig komfortablen Weg hinter sich, bis sie auf der Hütte ankommen und verräumt werden können. Für die Versorgung einer Hütte müssen die Personalund Zeitressourcen sowie die Mengen gut geplant werden. Hinzu kommen noch weitere Herausforderungen, wie das Einhalten der Kühlkette oder die Zerbrechlichkeit mancher Produkte. Mit diesem Hintergrundwissen schmeckt der Kaiserschmarrn gleich noch ein wenig besser!

Sie war vieles zugleich: alpiner Stützpunkt am Nord-Süd-Weitwanderweg 05, Schutzraum und auch Bühne für viele der wohl schönsten Sonnenauf- und -untergänge Ostösterreichs. Auf 2.128 Metern Seehöhe, knapp unter dem Gipfel des Eisenerzer Reichensteins, thront die Reichenstein-Hütte über den Eisenerzer Alpen – eine echte Grand Dame unter den Schutzhütten. Nun nimmt sie Abschied.
Das Team aus Ehrenamtlichen des Alpenvereins Leoben räumt im Rahmen mehrerer Einsätze die alte Hütte aus, zer-
Der Alpenverein Leoben informiert auf seiner Website über alle Neuigkeiten zum Ersatzbau der Reichenstein-Hütte, über die Planung durch das Architekturbüro dreiplus sowie über Möglichkeiten zur Unterstützung des Projekts.

Mehr Infos: www.alpenverein.at/ reichensteinhuette/ ersatzbau


Ehrenamtlicher Einsatz auf der Reichenstein-Hütte (2.128 m).

kleinert und sortiert Materialien und entkernt die Räume, die einst unzähligen Menschen am Berg Unterkunft geboten haben. Damit einher geht ein Neubeginn: Im Laufe der kommenden Monate soll die Hütte, aufgrund bereits fortgeschrittener Schäden an der Bausubstanz, einem zeitgemäßen Ersatzbau weichen. „Dieser ehrenamtliche Einsatz auf der Reichenstein-Hütte ist für unsere Sektion von unschätzbarem Wert: Er schont Kosten und Ressourcen und stärkt die Verbundenheit unseres Teams und unserer Mitglieder mit der Hütte und
dem Bauprojekt. Trotz des alpinen Aufstiegs von rund 2,5 Stunden macht die Arbeit im Team immer Spaß – gemeinsam arbeiten, kochen, den gigantischen Sonnenuntergang zu erleben und auf der Hütte übernachten schweißen eben zusammen“, erzählt Claudia Schagerl, erste Vorsitzende im Alpenverein Leoben. Wenn dann die neue Reichen stein-Hütte ihre Pforten öffnet, knüpft sie an die Funktion der alten an: als Ort der Einkehr, des Schutzes vor Wind und Wetter – und der gelebten Gemeinschaft im Alpenverein.

Kurt Faber ist Chemiker, Universitätsprofessor im Ruhestand –und leidenschaftlicher Wegewart. Seit seiner Pensionierung engagiert er sich beim Alpenverein Salzburg ehrenamtlich für die Erhaltung alpiner Wege. Im Interview erzählt Kurt, warum ihn diese Aufgabe erfüllt, wie sich der Klimawandel auf die Wegearbeit auswirkt und warum Eigenverantwortung am Berg wichtiger denn je ist.
Ein Interview von eV e L i N Sta RK
Bergauf: Seit wann engagierst du dich als Wegewart, und wie kam es dazu?
Kurt Faber: Seit 2020 bin ich bei den Wegebetreuern dabei. Das war eigentlich Zufall: Ich habe eine Hütte im Pinzgau und mache dort oft meine Standardtouren. Dabei ist mir aufgefallen, dass umgefallene Bäume manchmal tagelang niemanden stören. Also habe ich irgendwann selbst zur Säge gegriffen. Als ich dann in Pension ging, wollte ich mich auch in Salzburg engagieren. Der damalige Vorsitzende der Sektion ist ein Jugendfreund von mir – so hat sich das alles gefügt.
Du bist also beruflich ganz woanders unterwegs gewesen?
Ja, ich bin aus Salzburg, habe in Graz Chemie studiert und war dann beruflich in aller Welt unterwegs: Kanada, Norwegen, Japan, Schweden, England, USA … Ich war mein Leben lang an Universitäten tätig. Die Liebe zur Natur und zu den Bergen war aber immer da. Ich habe früh gelernt, mich im Gebirge zu bewegen, und war durch Kontakte an der Uni Graz bei Vermessungsarbeiten des Gletschermessdienstes auf der Pasterze dabei. Das hat mein Bewusstsein für den Wandel in den Alpen stark geprägt.
Was umfasst deine aktuelle
Wegewart-Tätigkeit?
Unsere Sektion betreut rund 449 Kilometer Wege. Das reicht von einfachen Wanderwegen bis zu alpinen Steigen mit erhöhtem Wartungsaufwand, etwa am Untersberg. Ich bin aktuell als Springer im Einsatz – das heißt, ich helfe dort, wo Bedarf ist. Das ist sehr abwechslungsreich: Mal geht es darum, nach einem Sturm Bäume zu entfernen, mal um die Reparatur von Stufen oder das Nachspannen von Seilen. Besonders intensiv sind Wege wie der Dopplersteig oder der Reitsteig, die von sehr vielen Menschen begangen werden und dadurch schneller verschleißen.
Wie sieht ein typischer Einsatztag aus? Meistens startet unser Tag früh am Morgen. Wir besprechen in der Gruppe, was zu tun ist, laden das Werkzeug – Motorsägen, Akkuschrauber, Seile, Wegmacherhaue – ein und fahren zum Ausgangspunkt. Oft müssen wir Material über mehrere hundert Höhenmeter tragen. Wenn wir ein Steigseil erneuern, braucht es Koordination: Eine Person bohrt, eine andere befestigt das Seil, alle sind gesichert. Manchmal helfen auch spontan Wanderer mit – das sind schöne Momente.
Wie organisiert ihr eure Einsätze?
Wir sind knapp 40 Wegebetreuende in der Sektion Salzburg, wobei der harte Kern aus etwa einem Dutzend besonders aktiven Leuten besteht. Jeder Weg hat mindestens eine betreuende Person. Zwei Begehungen pro Jahr sind Pflicht, dazu kommen Ad-hoc-Einsätze nach Stürmen oder Schadensmeldungen. Unsere WhatsApp-Gruppe funktioniert hervorragend. Sobald jemand Hilfe braucht, melden sich schnell ein paar Leute mit Motorsäge, Tragehilfe oder Werkzeug. Das Team funktioniert auf Augenhöhe, ohne starre Hierarchien. Wer mehr Erfahrung hat, bringt sich beratend ein, aber Entscheidungen treffen wir gemeinsam. Die Zusammenarbeit mit der Sektion Salzburg ist sehr gut: Wir bekommen die Unterstützung, die wir brauchen – finanziell, logistisch und menschlich.
Welche Herausforderungen begegnen euch?
Die Belastung der Wege hat deutlich zugenommen. Ob durch den Klimawandel, durch extreme Wetterereignisse oder durch die steigende Zahl an Besuchern – die Auswirkungen sind spürbar. Besonders auf Kalkboden, wie wir ihn rund um Salzburg haben,
kommt es schnell zu Erosionsschäden. Es ist ein Dilemma: Greifen wir baulich ein, schaffen wir Verantwortung und müssen langfristig mehr erhalten. Lassen wir es, bleibt es „natürlich“, aber schwieriger begehbar. Ich halte den Gedanken des „kontrollierten Rückbaus“ für wichtig – nicht alles muss ausgebaut und gesichert werden. Bergsport braucht Eigenverantwortung.
Wie siehst du diese Eigenverantwortung im Bergsport heute?
Leider schwindet sie. Viele verlassen sich zu sehr auf Technik, GPS, Mobiltelefon. Früher musste man sich selbst gut vorbereiten. Heute reicht oft ein Klick auf eine Tourenplattform – und nicht alle davon sind vertrauenswürdig. Oft kursieren absurde Angaben, die leichtsinnig weiterverbreitet werden. Das kann gefährlich sein. Der Alpenverein sollte sich stärker für qualitativ hochwertige Informationsquellen einsetzen und zugleich mehr Bewusstsein für Eigenverantwortung schaffen. „Das Können ist des Dürfens Maß“, hat Paul Preuss gesagt. Das gilt heute mehr denn je.
Ein großes Thema ist auch das Mountainbiken … Mountainbiken ist gekommen, um zu bleiben. Die Infrastruktur hinkt aber hinterher. Ich wäre für ein Rahmengesetz wie in der Schweiz: Dort verpflichtet das Veloweggesetz die Kantone, Konzepte für Rad- und Mountainbikestrecken zu entwickeln. Bei uns braucht es Ähnliches – sonst entstehen nur Konflikte. Gerade weil der Sommertourismus immer wichtiger wird, sollten Wege für alle Gruppen sinnvoll geplant werden. Viele Forststraßen wurden mit öffentlichen Geldern errichtet. Es ist aus meiner Sicht legitim, darüber nachzudenken, wie man sie auch für Erholungsuchende nutzbar machen kann.
Wie ist das Verhältnis zu den Grundbesitzern?
Im Großen und Ganzen gut. Es gibt einzelne Problemfälle, aber viele sind kooperativ, weil sie sehen, dass die Wege auch für ihren Tourismus wich-

Erneuern von Trittstufen am viel begangenen Dopplersteig auf den Untersberg.
Foto: Wegeteam Alpenverein Salzburg
»Es ist eine sinnstiftende Aufgabe. Ich habe beim Arbeiten am Berg immer wieder spannende Begegnungen: (…) Diese Vielfalt ist bereichernd.«
tig sind. Wichtig ist, dass man miteinander spricht. In Salzburg gelingt das oft besser als in anderen Bundesländern. Dort, wo viele Großgrundbesitzer sitzen, ist die Situation oft schwieriger. Ich wünsche mir einen sachlichen Dialog und klare gesetzliche Rahmenbedingungen.
Wie steht es um das Ehrenamt? Das Ehrenamt ist das Rückgrat der alpinen Infrastruktur. Ohne uns wären viele Wanderwege in kürzester Zeit verwildert oder unpassierbar. Aber der Nachwuchs fehlt. Viele von uns sind in Pension, haben Zeit und Erfahrung. Jüngere Menschen haben oft wenig zeitliche Spielräume – das verstehe ich. Aber wir brauchen sie. Das Ehrenamt bietet Sinn, Gemeinschaft und Wertschätzung. Ich bekomme auf meinen Einsätzen unglaublich viele positive Rückmeldungen. Das gibt Kraft. Und für mich persönlich ist es auch ein Beitrag zur Fairness: Ich habe jahrzehntelang von der Infrastruktur profitiert – jetzt möchte ich etwas zurückgeben. Gleichzeitig fühle ich mich durch das Ehrenamt mit Menschen verbunden, die ich sonst vielleicht nie kennengelernt hätte. In unserem Team sind Leute mit unterschiedlichen Hintergründen, politischen Meinungen und Lebensentwürfen. Aber wenn wir gemeinsam an einem Weg arbeiten, zählt nur das Ziel. Diese Erfahrung ist unbezahlbar. Und sie zeigt mir, dass gemeinsames Tun unsere Gesellschaft zusammenhält.
Was ist deine Motivation?
Warum machst du diese Arbeit? Es ist ganz einfach: Ich liebe die Berge, und ich bin dankbar dafür, dass ich mein Leben lang von den Wegen, Hütten und Karten profitiert habe. Jetzt, wo ich Zeit habe und es mir gesundheitlich gut geht, kann ich etwas zurückgeben. Es ist eine sinnstiftende Aufgabe. Ich habe beim Arbeiten am Berg immer wieder spannende Begegnungen: mit Wanderern, mit jungen Menschen, die spontan mithelfen, mit Geflüchteten, die sich im Team engagieren. Diese Vielfalt ist bereichernd. Und es macht

von
am
einfach Freude, wenn man am Ende des Tages sieht, was man geschafft hat. Besonders eindrücklich war für mich ein Projekt am Zustieg zur Kürsinger Hütte. Wir mussten dort neue Seile montieren und ausgerissene Anker ersetzen. Das war körperlich anspruchs-
voll, die Zeit war knapp. Und trotzdem: Alle im Team waren mit vollem Einsatz dabei. Wanderer haben uns beim Materialtragen geholfen, es gab viele Dankesworte. Diese Begegnungen bleiben im Kopf und im Herzen.
Was wünschst du dir für die Zukunft?
Dass der Alpenverein sich seines Potenzials noch mehr bewusst wird. Die 26.000 Kilometer Wege sind eine gewaltige Infrastruktur. Damit kann man politisch etwas bewegen – sei es beim Thema Tourismus, Umweltschutz oder Freizeitnutzung. Ich wünsche mir, dass das Ehrenamt weiterhin wertgeschätzt wird. Es braucht Unterstützung, gute Rahmenbedingungen und vor allem Nachwuchs. Ich sehe auch, dass der Druck auf die Berge wächst. Wenn das Klima sich weiter erwärmt, werden die Sommer im Flachland kaum noch erträglich sein. Die Alpen werden dann noch wichtiger als Erholungsraum. Umso mehr braucht es klare Konzepte für nachhaltige Nutzung, Besucherlenkung und Schutz sensibler Gebiete. Der Alpenverein kann hier eine zentrale Rolle spielen – wenn er mutig ist und sich klar positioniert.
Wir danken für das Gespräch!

¡ nfo
Fast 15.000 Ehrenamtliche engagieren sich in ihrer Freizeit für den Alpenverein. Dazu kommen noch mehr als 10.000 freiwillige Helfer:innen, die bei Veranstaltungen und einzelnen Projekten unterstützen. Jeder und jede kann sich im Alpenverein einbringen und mitgestalten: Melde dich am besten direkt bei deiner Alpenvereinssektion oder schreib uns an ehrenamt@alpenverein.at!

Mehr Infos: www.alpenverein.at/ ehrenamt

Nachhaltigkeit und ökologisches Engagement betrifft uns alle. Die Österreichische Post nimmt diese Verantwortung ernst und startet passend zum „Welttag der Gletscher“ am 21. März 2026 die neue Sonderbriefmarkenserie „Nachhaltigkeit“ mit einem ganz besonderen Motiv – der Pasterze, Österreichs größtem Gletscher im Wandel der Zeit. Dieses Sammelstück österreichischer Naturgeschichte ist ab sofort in deiner Postfiliale oder auf post.at/onlineshop erhältlich.

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Ein ebenso eindrucks- wie sinnvolles Zahlengebilde ragt neben der Bergstation der Rax-Seilbahn (NÖ) auf und erinnert daran, dass hier vor 130 Jahren die Österreichische Bergrettung gegründet wurde. Wer in den Bergen unterwegs ist, sollte sich die „140“ gut merken: Im Notfall verbindet sie das Mobiltelefon schnellstmöglich mit einer Bergrettungsstelle.
Ge R ha R d StadL e R
Ende des 19. Jahrhunderts brachten die neuen Alpenbahnen den ersten Zustrom von Bergsteigern ins Hochgebirge, alpine Vereine wurden gegründet, Steige angelegt, Hütten gebaut. Am 8. März 1896 kamen drei Bergsteiger aus Wien auf dem Reißtalersteig in der Rax unter eine Lawine. Eine von der Alpenvereinssektion Reichenau eingeleitete Suche, in der nur mehr die Toten geborgen werden konnten, führte zur Initiative, für Rettungsaktionen nach Alpinunfällen Vorkehrungen zu treffen, sich zu organisieren. Schon im Mai 1896 wurde ein „Alpiner Rettungsausschuss Wien“ gegründet. Im Rahmen der alpinen Vereine entstand bald ein Österreich deckender, sich zur Gänze aus Freiwilligen rekrutierender „Bergrettungsdienst“, der Ausbildung und die notwendigen Geräte vereinheitlichte und die Zusammenarbeit sicherte – Vorbild auch für solche Aktivitäten in anderen Alpenstaaten.
Die Rettungseinsätze wurden zahlreich und oft erfolgreich. Einer der erfolglosen war in den Pfingsttagen 1936, als einer

der routiniertesten Bergsteiger und bereits mit dem Bergretter-Ehrenzeichen Grünes Kreuz ausgezeichneter Alpinist, Wolf Stadler von Wolfersgrün, bei einer schwierigen Klettertour auf die Roßkuppe im Gesäuse mit Begleitern in einen Wettersturz geriet. Das schon damals übliche alpine Notzeichen (optisches oder akustisches Signal 6×/Minute, wiederholt) wurde auf der Haindlkarhütte zwar wahrgenommen, doch die Rettungskräfte, für die sogar ein Sonderzug organisiert worden war, kamen zu spät. Erfroren, Grab am Friedhof von Johnsbach.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Bergrettungen verselbstständigt und sind nun bundesländerweise organisiert. Da sie von der Bundesverfassung her ebenso wie die Rettungs-Leitstellen in die Zuständigkeit der Gesetzgebung und Vollziehung der Länder fallen, gibt es dabei erhebliche Unterschiede1. Für ihre Aktivierung im Notfall und die Einsätze spielen diese Unterschiede aber keine wesentliche Rolle.
Für die Pistenrettung gilt österreichweit nach den Betriebsordnungen für Seilbahnen, dass deren Betreiber dafür zu sorgen hat, mit dieser aber einen anderen zuverlässigen Rechtsträger beauftragen kann (z. B. eine Bergrettung oder, wie in Kitzbühel, einen eigenen Verein; im Salzburger Skigebiet Snow Space das Rote Kreuz). Veröffentlichte Zahlen nennen Tarife von ca. 250 Euro je Einsatz, ohne Hubschrauberrettung.
Es gibt Landesverbände der Bergrettungen. Der Österreichische Bergrettungsverband (ÖBRD) mit Sitz in Wien ist eine koordinierende, unterstützende Dachorganisation für die ca. 13.000 freiwilligen, ehrenamtlichen Mitarbeiter.
Bergrettung heute
Die Rekrutierung neuer Einsatzkräfte der Bergrettung ist trotz der ehrenamtlichen Tätigkeit ein geringeres Problem. Schwieriger ist schon deren Aus- und Weiterbildung auch mit neuem Gerät (z. B. Quad, Drohnen, Windenbergung von Hubschraubern), die fortdauernde gesundheitliche Tauglichkeit, die Übernahme
von Führungsverantwortung (Einsatzleiter) und die Bereitschaft zu einem de facto 24-Stunden- und Wochenenddienst, da jederzeitige Abrufmöglichkeit besteht.
Die Anforderungen an die Bergrettung sind in den letzten Jahren wesentlich gestiegen, die Charakteristik der Einsätze hat sich verändert. Zwar sind die technischen Hilfsmittel stetig und grundlegend verbessert worden (z. B. weniger Funklöcher, Drohnen zur Suche Vermisster), doch die Umweltbedingungen im Hochgebirge verschlechtern sich: Rückgang der Gletscher, weniger Schnee, heiße und trockene Sommer mit mehr, rascheren und stärkeren Schlechtwettereinbrüchen, stationäre Gewitter mit Starkregen, Aufbrüche von Permafrost und Steinschlag führen zu Problemen der Wegeerhaltung und -ausbesserung. All dies kann zu Bergunfällen führen.
Die seit Jahren sinkende Schneelage führt zu mehr Vereisungen, einer Verengung der Pisten und Konzentration von Skifahrern und Snowboardern auf engerem Raum. Folge ist die Vervielfachung der Zusammenstöße – und die hohe Zahl von (Ski-)Fahrerflucht und Erhebungen zwecks Einleitung von Strafverfahren wegen fahrlässiger Körperverletzung bzw. Unterlassung erforderlicher Hilfeleistung (§§ 229, 95 des Strafgesetzbuches).
Die letzten Monate des Jahres 2025 waren zudem durch warmes Wetter und wenig Niederschlag gekennzeichnet, mit wochenlangem Sonnenschein in den höheren Lagen. Verlockung für viele, noch ins Hochgebirge aufzubrechen, die Kürze des Tageslichts und Vereisungen in der Höhe wenig beachtend. Oft sollte sich dies mehr als wagemutig erweisen, rasch geriet man in Bergnot: am 1. November vom Nachmittagsaufstieg auf die Vertainspitze (3.545 m) in der Ortlergruppe, am Nachmittag des 8. Dezember vom Kopftörlgrat (E 2+) am Wilden Kaiser2. Besonders drastisch war ein Bergunfall, über den am 1. Jänner 2026 berichtet wurde: hochprozentige Silvesterfeier auf einem 1.720 m hohen Gipfel in der Steiermark. Beim Abstieg verloren die Beteiligten die Trittsicherheit, verirrten sich, stürzten, verletzten sich. Nur ein bruchstückhaf-

Seit über 100 Jahren ehrt der Österreichische Alpenverein herausragende Bergretter mit dem „Grünen Kreuz“. Die Auszeichnung, erstmals im Jahr 1923 vergeben, gilt als höchste und renommierteste Ehrung im Bergrettungsdienst. 521 Personen tragen das Ehrenzeichen seither. Im Zuge der Hauptversammlung des Österreichischen Alpenvereins am 18. Oktober 2025 in Graz wurde das „Grüne Kreuz“ an die Tiroler Bergretter Josef Hofer und Alois Höflinger verliehen.
tes Telefonat mit der Bergrettungsstelle war möglich. Die Bergrettung suchte mit Notarzthubschrauber, fand, barg, Erstversorgung, Krankenhaus.
Die Zahl der Bergsteiger und -wanderer steigt und damit auch das Potential für mehr Unfälle mit folgenden Bergrettungseinsätzen. Verglichen mit 2023 hat sich deren Zahl für 2024 um 4 % auf 10.097 mit 7.560 Verletzten und 303 Toten erhöht. 2025 gab es erneut eine Steigerung von 8 % auf 10.912 der Einsatzzahlen mit 8.518 Verletzten und 234 Toten. Trotz Förderungen und Abgaben seitens der Gebietskörperschaften wird auch die finanzielle Grundlage der Bergrettung knapper. Zumal die für die Raschheit und Präzision der Einsätze notwendige technische Ausrüstung ständig auf dem neuesten Stand zu halten ist. Die Mitgliedschaft bei einem alpinen Verein oder einem Bergrettungsverein beinhaltet eine Bergekostenversicherung und hilft hier ebenso wie steuerbegünstigte Spenden an einen nach § 4a EStG zugelassenen Bergrettungsverband.
Eigener Rettungstrupp?
Spezialgruppen: Canyoning, Liftbergung, Lawinensuche …?
Drohnen?
Suchhunde?
Selbstgefährdung der Bergrettereinsatzgruppe?
Örtlich relevante Rettungsstelle der Bergrettung, 24/7
Feststellung des Such-/Einsatzortes
Entscheidung über Einsatz
Beginn des Einsatzes
Information an den Melder des Notfalls / Verhaltensmaßnahmen / aktuelle Wetter verhältnisse
Jährliche Tätigkeitsberichte des Österreichischen Bergrettungsverbandes (ÖBRD) und regionaler Bergrettungen über das Unfall- und Rettungsgeschehen
G. Leitner, „Es gibt keine Tabus mehr. Der Bergsport boomt, die Szene wechselt sich – mit herausfordernden Konsequenzen für die Bergretter“, in: Berg 2019 (Jahrbuch), 204–219
Aus der Reihe „SicherAmBerg“ des ÖAV die umfangreichen Publikationen „Bergwandern“ und „Hochtouren“ sowie „Skitouren“, „Mountainbike“ und „Klettern“
Ankunft am Unfallort
Notfall-Ersthilfe
Rettung / Transport ins Krankenhaus (Bergeversicherung?)
Rechnungslegung: Bergrettung / Hubschrauberunternehmen
112
Polizei, BMI: Leitstelle eines Bundeslandes, Internationaler Notruf
Alpinpolizei?
Hubschrauber?
Notarzt(hubschrauber)?
#1 Notruf rasch aktivieren
Kurzinfo geben: Was ist passiert? Wie viele Personen sind betroffen? Welche Verletzungen? Wie ist das Wetter?
• Entscheidend: der genaue Standort!
• Koordinaten nach WGS84 (Grad, Minuten, Komma-Minuten) – auf Smartphones meist Standard. Abruf vorab üben!
• SOS-EU-App (Tirol, Salzburg, Bayern): Notruf per Knopfdruck mit automatischer GPS-Ortung. Vor der Tour kostenlos installieren.
• Satellitenkommunikation (siehe Nebenspalte „Standortbestimmung im Notfall“): Notruf und Standortübermittlung auch ohne Mobilfunk möglich (kostenpflichtig).
#2 Wenn 140 nicht erreichbar ist
Kein Netz oder im Ausland? 112 wählen. Gegebenenfalls Smartphone neu starten (ohne PIN), damit sich das Gerät in ein verfügbares Netz einbuchen kann. Die Notrufzentrale stellt bei Bedarf die Verbindung zur Bergrettung (140) her.
#3 Während des Notrufs
• Fragen der Leitstelle kurz und präzise beantworten.
• Nicht selbst auflegen – Gesprächsende durch die Leitstelle abwarten.
• Für einen möglichen Rückruf erreichbar bleiben.
• Akku sparen: andere Geräte ausschalten.
#4 Einschränkungen beachten
• Die von der Bergrettung eingesetzten Hubschrauber (Polizei, ÖAMTC, Bundesheer, private Betreiber) sind grundsätzlich nachteinsatztauglich.
• Ein Notarzt bzw. eine Notärztin ist nicht immer sofort verfügbar.
#5 Einbindung der Alpinpolizei Die Alpinpolizei wird bei Verletzungen grundsätzlich beigezogen sowie bei Verdacht auf eine Straftat (z. B. Fahrerflucht auf der Skipiste).
#6 Entscheidungsfaktor Wetter Eine Rettung kann eingeschränkt oder verschoben werden, wenn die Wetterprognose eine Selbstgefährdung des Rettungsteams wahrscheinlich macht.
#7 Ehrenamt & Kosten
• Die Bergrettung arbeitet ehrenamtlich.
• Zur Deckung der Organisationskosten (Ausrüstung, Ausbildung, Technik) werden Rechnungen gestellt.
• Hubschraubereinsätze werden in der Regel pro Einsatzminute verrechnet.
• Wer nicht versichert ist (z. B. über ÖAVMitgliedschaft oder Bergrettungsversicherung), muss die Bergekosten selbst tragen.
Prävention vor der Tour
Unfallberichte zeigen, dass Prävention durch Bergsteiger selbst ein entscheidendes Element wäre. Tourvorbereitungen sind oft nicht ausreichend genug: Die vom Internet abgerufenen Toureninformationen und Kurzfassungen sind subjektiv und bieten durch Fotos gutes Anschauungsmaterial, sollten jedoch für Hochgebirgstouren mit Studium einer topographischen Karte und von Führerliteratur ergänzt werden.
Vor jeder Hochgebirgstour und längeren Wanderungen wird daher ganzjährig dringend empfohlen, sich zeitnah vor Tourenbeginn über die aktuellen Wegezustands- und Wetterverhältnisse entlang des Tourenplanes zu informieren (unter alpenvereinaktiv.com).
Standortbestimmung im Notfall
Je präziser und schneller der Vorfallsort festgestellt und je rascher der Einsatz erfolgen kann, desto besser sind die Erfolgschancen. Das Wichtigste vor und für den Beginn des Einsatzes ist die genaue Standortbestimmung, wofür es heute bereits eine Mehrzahl von Möglichkeiten gibt: In den meisten Smartphones ist die Standortbestimmung nach dem WGS84-Koordinatensystem (Angabe von Grad, Minuten, Komma-Minuten für Breite und Länge) bereits Standard. Der Abruf sollte geübt worden sein.
Darüber hinaus gibt es heute eine Mehrzahl spezifischer Apps, die Notfallfunktionen enthalten, z. T. aber kostenpflichtig sind oder ein Abonnement voraussetzen. Sie werden ständig weiterentwickelt, Beispiele sind: die App SOS-EU-Alp (in Tirol, Salzburg und Bayern), rettungsnotruf. online (österreichweit und in einigen anderen Staaten), App BergMate (Kontaktübermittlung über zuvor definierte Personen, integrierte Sturzerkennung), App SummitLynx (ermöglicht u. a. ein digitales Tourenbuch), Garmin-Uhren (z. B. Fēnix 8 Pro) inkl. Satellitenkommunikation.
Aufgrund der vom jeweiligen Ortungszeitpunkt abhängigen Satellitenkonstellationen ist nicht auszuschließen, dass es zu Ungenauigkeiten kommt. Wenn Zweifel
an der Ortsangabe bestehen (z. B. nach Blick auf die Karte), empfiehlt sich nach wenigen Minuten eine zweite Ortung.
Gerhard Stadler ist Mitglied im Alpenverein Mödling. In Bergauf #2.2024 erschien ein Bericht über seine eigene „Rettung aus Bergnot“.
1 Weiteres dazu z. B. im § 2 (1) Z. 9 des Tiroler Rettungsgesetzes 2009, der Verordnung der Salzburger Landesregierung 2013 über den Rettungsdienst im alpinen Gebiet oder den § 5–7 des Steiermärkischen Landesrettungsgesetzes 1989.
2 Auf die Probleme solcher Besteigungen weisen neuere Führer eindrücklich hin.
Wo melde ich einen Schaden? Für Alpenvereinsmitglieder erfolgt die Schadenmeldung online unter: alpenverein.sichermitknox.com/ schadenmelden
Ich habe eine Rechnung zu Bergungskosten erhalten. Bei Bergungskostenrechnungen ist auch immer das Einsatzprotokoll hochzuladen. Dieses erhält man vom Rechnungsleger. Ich habe eine Rechnung zu Behandlungskosten im Ausland erhalten. Neben der Rechnung muss das Vergütungsschreiben der Sozialversicherung des Heimatlandes eingereicht werden. Muss ich die Rechnungen im Vorhinein bezahlen? Rechnungen von Bergungskosten müssen nicht im Vorhinein bezahlt werden. Bei der Online-Schadenmeldung kann die IBAN angeben, wenn eine Rechnung bereits bezahlt wurde.
Mehr Antworten auf: alpenverein.sichermitknox.com/bergauf-faq
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Bestellungen und weitere Artikel online, per Mail oder telefonisch: www.alpenverein.shop shop@alpenverein.at +43/512/59547-18
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Das neue SkiMo Repair Kit beinhaltet viele nützliche Tools für kleine Reparaturen auf Skitour. Gebrochene Stöcke, Felle, die nicht mehr kleben, oder Einstellungen an der Bindung können schnell erledigt werden. Optional gibt es das Set auch mit LeathermanTool für noch mehr Möglichkeiten. Das Repair Kit kommt im wasserdichten, verkleinerbaren Drybag und hat bei mir einen fixen Platz im Rucksack. Ich finde es deshalb so gut, weil ich damit fast immer etwas basteln kann, wenn es auf Tour mal fuchst!
Inhalt:
• SkiMo-Kit-Sackerl, kompakte und robuste Aufbewahrung
• Ski Strap, 35 cm, mit Strapkeeper (Schnalle)
• 4 Velcro-Straps, 30 cm lang, 2 cm breit
• NZero-Organic-Wachsstück, zur Pflege und Notfallbehandlung der Skifelle
• Schleifstein zum Nachschärfen von Kanten oder Werkzeugen
• Mini-Ratsche
• 6 Bit-Einsätze: PH1 · PH2 · PH3 · T20 · T25 · T30
• Tape, platzsparend auf Holzstab aufgewickelt
• ca. 8 m Stahldraht, vielseitig einsetzbar für Fixierungen
• 2 Repair-Patches, für Bekleidung und Rucksack
• Optional: Leatherman Micra-Jet Multitool
ohne Leatherman 36,90 €
mit Leatherman 82,90 €

Thomas Wanner war Mitarbeiter in der Abteilung Bergsport im Österreichischen Alpenverein und für Ausbildungen und Sicherheitsfragen zuständig.
Foto: privat

Unterwegs als P.U.L.S.-Praktikantin bei der Umweltbaustelle „Bergwiesn heign“ in Molln (OÖ).
Molln, Oberösterreich. Die Sonne brennt auf die steilen Bergwiesen, ein kühler Wind streicht durch das trockene Gras. Acht junge Menschen arbeiten schweigend nebeneinander. Zu hören ist nur das metallische Schaben der Heugabeln und das Rascheln des Heus. So fühlt sich ein Tag beim Umweltprojekt „Bergwiesn heign“ an. Mit diesen Worten startete die Pressemitteilung, die ich im Zuge des P.U.L.S.Pressepraktikums des Österreichischen Alpenvereins geschrieben habe. P.U.L.S. steht in diesem Fall für „Praxis, Umwelt, Leben, Sommer“. Das Praktikum gibt einen Einblick in die Welt der Öffentlichkeits- und Pressearbeit anhand eines konkreten Umweltprojekts in den Sommermonaten. Jede:r Praktikant:in arbeitet selbst bei einem Projekt mit und übernimmt gleichzeitig die Berichterstattung darüber. Dazu gehört es, ein Pressegespräch vor Ort zu organisieren und im Anschluss eine offizielle Pressemitteilung an regionale und nationale Medien zu versenden. Für ein kurzes Praktikum ist das erstaunlich viel Praxisbezug. Auf das P.U.L.S.-Praktikum aufmerksam geworden bin ich durch eine Bekannte.

‹ Ein Gruppenfoto mit den Expert:innen des Pressegesprächs und den Teilnehmer:innen der Umweltbaustelle.
‹ Action bei der Arbeit: Trockenes Heu wird mithilfe von Heugabeln zu großen Haufen aufgetürmt und von der Wiese gebracht.
› Sonnenuntergang auf dem Gipfel am Ende einer schönen gemeinsamen Woche.

Da es perfekt zu meinen Studienfächern –Sozial- und Gesundheitsmanagement sowie Journalismus – passt, habe ich mich sofort angemeldet und mich sehr über die Zusage gefreut. Bei einem zweitägigen StarterWorkshop im April erhielt ich gemeinsam mit den anderen Praktikant:innen Input zu kreativem und professionellem Schreiben, Medienarbeit auf verschiedenen Plattformen und Fotografie. Bis zu meinem Umweltprojekt im August blieb noch Zeit zur Vorbereitung. Der Projektleiter in Oberösterreich nahm sich viel Zeit, um mich über Ziel, Ablauf und Hintergründe des Projekts zu informieren – das erleichterte mir die spätere Berichterstattung sehr. Nach einer etwas längeren Anreise von Tirol nach Molln lernte ich die anderen sieben Projektteilnehmenden kennen. Eine bunt gemischte Gruppe mit unterschiedlichen Hintergründen – und doch verstanden wir uns von Anfang an gut. Eine Woche im Matratzenlager schweißt schnell zusammen.
Tagsüber arbeiteten wir auf steilen Bergwiesen und holten bereits gemähtes und getrocknetes Heu ein. Insgesamt bearbei-
teten wir im Laufe der Woche über vier Hektar Fläche. Die Pflege dieser Wiesen ist wichtig, um ihre Artenvielfalt zu erhalten. Ohne regelmäßige Mahd würden sie verbuschen und langfristig ihren ökologischen Wert verlieren. Für die meisten von uns war diese körperliche Arbeit neu. Sie war anstrengend, aber zugleich sehr erfüllend – besonders abends, wenn sichtbar wurde, was wir gemeinsam geschafft hatten.
Für meine Aufgabe in der Öffentlichkeitsarbeit brauchte ich zusätzlich Fotos. Immer wieder legte ich daher die Heugabel beiseite, wenn sich ein gutes Motiv ergab, und griff zur Kamera. Die anderen Teilnehmenden waren zum Glück geduldig, sodass einige sehr schöne Bilder entstanden. Das Sichten und Bearbeiten des Materials am Abend nahm mehr Zeit in Anspruch als erwartet. Zusätzlich schrieb ich an der Pressemitteilung, weshalb ich die ersten beiden Abende etwas zurückgezogen verbrachte.
Das Pressegespräch am Mittwoch verlief erfolgreich. Danach konnte ich mich wieder stärker auf die Arbeit am Hang und
¡ nfo
Du möchtest erste Erfahrungen in der Pressearbeit sammeln und dabei noch einen sinnvollen Beitrag zum Naturschutz leisten?
Dann ist das P.U.L.S.-Pressepraktikum genau das Richtige für dich. Die Starter-Workshops der Alpenvereinsjugend bilden die Basis für das P.U.L.S.-Pressepraktikum.
Die nächsten Termine sind: 11.–12. April (Innsbruck), 2.–3. Mai (Salzburg) und 30.–31. Mai (St. Pölten)

Alle Infos: alpenvereinsjugend.at/ angebote/ puls-pressepraktikum
das Miteinander in der Gruppe konzentrieren. Natürlich entstanden auch in den folgenden Tagen noch zahlreiche Fotos –nicht zuletzt bot das Fotografieren eine willkommene kurze Verschnaufpause. Was nehme ich aus dieser Woche mit? Ich habe gelernt, wie man Medienkontakte aufbaut, professionelle Pressetexte verfasst und ein Pressegespräch organisiert. Gleichzeitig habe ich eine Form von Teamarbeit erlebt, die weit über Gruppenarbeiten im Studium hinausgeht. Ich habe eine neue Region Österreichs kennengelernt und sieben inspirierende Menschen getroffen, die meinen Blick auf viele Dinge erweitert haben.
Vor allem aber habe ich erfahren, wie viel Engagement hinter dem Erhalt unserer Bergwiesen steckt. Naturschutz bedeutet hier ganz konkret: anpacken, zusammenarbeiten und Verantwortung übernehmen. Eine Sommerwoche, die in vielerlei Hinsicht nachwirkt.
Ein TEAM blickt zurück: auf zwei Jahre des Unterwegsseins, auf viele prägende Momente des Lernens, Chancen und auch auf so manche Herausforderung.

Das Junge Alpinisten TEAM blickt auf zwei gemeinsame Jahre zurück.
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Ein glatt gebügeltes, weißes Hemd –dazu schwarze Hosenträger. Daneben ein bodenlanges Samtkleid; eine gelbe Fliege, die sich markant vom tiefen Schwarz des Hemds absetzt. Nein –das ist keine Galaveranstaltung. Es ist der Abschlussabend des TEAMs der Jungen Alpinisten und beim Vortrag scheint es oben auf der Bühne einen klaren Dresscode zu geben: Chic statt sportlich.
Als Programm der österreichischen Alpenvereinsjugend ermöglicht das Junge Alpinisten TEAM jungen Bergsteiger:innen zwischen 18 und 22 Jahren gemeinsame Abenteuer und ein Lernen auf Augenhöhe. Alle drei Jahre wird ein neues TEAM gebildet.
Dabei ist das aktuelle bunt gemischt: auf der Bühne sitzen, lässig und im Kontrast zu ihren Outfits auf Crashpads rechts und links der Leinwand, drei junge Frauen und vier junge Männer. Begleitet wurden sie in den vergangenen zwei Jahren von erfahrenen Mentoren. Einige davon sind heute auch im Publikum. Der Veranstaltungsort ist gut gefüllt, die Stimmung lebendig. Das TEAM hat Eltern und Freund:innen eingeladen zu diesem Abend, der zwei Jahre gemeinsame Zeit am Berg beschließt. In diesen zwei Jahren stand einiges auf dem Programm der Teilnehmer:innen: Angefangen bei einem Kurs zum Thema Alpinklettern in Lofer, einigen Skitourentagen in der Innsbrucker Umgebung und einem Eiskletter-Update in Osttirol übte sich das TEAM später auch im Bereich Winterbergsteigen und Hochtouren, mitunter in den Julischen Alpen. Immer in Be-
gleitung von zwei bis vier Mentoren konnte das TEAM Erfahrungen in sämtlichen Disziplinen sammeln. Neben einem Rückblick auf die Erlebnisse und Erinnerungen an diese zahlreichen Bildungstage in den Alpen geht es am heutigen Abschlussabend auch um ihr letztes Abenteuer: die Abschlussexpedition nach Peru.
Vier Wochen Winter in den Anden
Anfang Juli bricht das TEAM mit den drei Mentoren Alex, Much und Motz nach Cusco auf – eine auf knapp 3.500 Metern gelegene Stadt im Süden Perus. Vom europäischen Hochsommer geht es für vier Wochen in den südamerikanischen Winter.
In Peru ist Trockenzeit. „Wir hatten nur einen einzigen Schlechtwettertag“, erzählt TEAM-Mitglied Eva. Trotzdem verlangt der Ortswechsel Anpassung – an Minusgrade in der Nacht, an dünne Luft auf 3.500 Metern. Nach ein paar Tagen in Cusco fährt die Gruppe weiter nach Pitumarca, einem kleinen Dorf rund zwei Stunden südöstlich. Auf rund 4.000 Metern Seehöhe liegt hier eines der bekanntesten Klettergebiete des Landes.
„Man kommt dort oben an und außer ein paar Felsen und dem kleinen Dorf gibt es nichts. Es ist eine karge Umgebung“, erzählt Manu, ebenfalls TEAM-Mitglied. Dass hier dennoch ein Klettergebiet entstehen konnte, ist mitunter einem Local zu verdanken: Cocor. Er baute mit viel Eigeninitiative, Leidenschaft und der Hilfe anderer ein kleines Kletterparadies auf –auf Privatgrund und im Dialog mit der lokalen Bevölkerung. Und Cocor lässt nicht nur Erwachsene teilhaben an seinem Projekt, sondern auch die Kinder des Dorfes. In seinem Haus hat er eine kleine Boulderwand eingerichtet; zwei- bis dreimal pro Woche kommen die Kinder zum Klettern vorbei. Das TEAM und die Mentoren sind bei einem dieser Abende dabei. Nach einigen Sportklettertagen teilt sich die Gruppe auf – Elias, Leonie und Mentor Much wollen sich eine Felswand am Kuntur Sayana, einem 4.800 Meter hohen Gipfel in einem Seitental Pitumarcas, näher anschauen. Der Rest der Gruppe nimmt sich den 5.482 Meter hohen Little Mariposa als Akklimatisationstour für weitere Ziele vor.
Auf dem Weg zum Gipfel übernachtet die Gruppe zum ersten Mal auf über 5.000 Metern. „Die Kulisse war beeindruckend“, erinnert sich Manu. „Weiße Gipfel rundherum, daneben ein See, der das letzte Licht reflektiert.“ Auch für Eva ist dieser Moment prägend. Die Umgebung, aber auch die Gemeinschaft, die sie dort, so weit weg von allem anderen, spürt.
Eine neue Linie
Als Programm der österreichischen Alpenvereinsjugend ermöglicht das Junge Alpinisten TEAM jungen Bergsteiger:innen zwischen 18 und 22 Jahren gemeinsame Abenteuer und ein Lernen auf Augenhöhe. >
Zeitgleich kundschaftet die andere Hälfte des Teams die Wand des Kuntur Sayana aus – die logische Linie im zentralen Teil der Wand ist zu ihrer Verwunderung noch frei. Das Ziel ist klar: eine Erschließung von unten, mit möglichst wenigen fixen


Zwischensicherungen und der Vision einer freien Begehung. Drei Tage verbringen Leonie, Elias und Much in der Wand und arbeiten sich langsam, aber kontinuierlich, nach oben. „Der Einstieg ging mitten durchs Gemüse“, erzählt Leonie. „Den sind wir nur einmal geklettert.“ Danach wird die Linie zu einem „Traum“ – acht Seillängen, die am Ende auch frei geklettert werden können. „Das war besonders“, erinnert sich Much. „Am Gipfel zu stehen –und mitzuerleben, wie genau das, was sich die beiden gewünscht hatten, hier gerade in Erfüllung gegangen ist.“
Sie nennen ihre Route ‚El Hombre de la Mermelada‘. Der Name entsteht in Gedenken an TEAM-Mitglied und Freund Philipp. „Er hat nie etwas anderes gegessen als die mitgebrachte Marmelade von seiner Mama“, erzählt Leonie. „Für uns im Team ist er der Marmeladenmann.“ Der 20-jährige Tiroler verunglückte im Juni 2024 bei einer privaten Klettertour tödlich. Im TEAM war er dennoch bis zum Schluss mit dabei. Das merkt man nicht nur am Routennamen der Erstbegehung, sondern auch am heutigen Abschlussabend. Es werden Geschichten erzählt – von gemeinsamen Erlebnissen und Momenten, die in Erinnerung bleiben. „Jeder und jede aus dem TEAM hat Philipps Tod auf seine eigene Art verarbeitet und gelernt, damit umzugehen“, sagt Joanna. Sie betreut das TEAM von Seiten des Alpenvereins. „Und dieses Ereignis hat das TEAM sicher auch maßgeblich geprägt“, ergänzt sie.
‹ Auf der Suche nach ursprünglichem Alpinklettern entschied sich das TEAM für die Pale di San Martino – eine abgelegene Dolomitenlandschaft mit eindrucksvollen Linien.
› Durchwachsene Verhältnisse begleiteten das Eisklettern-Update in Osttirol. Foto: Ramona Waldner
Chancen und Herausforderungen eines Teams
In Peru steht für die andere Hälfte des TEAMs eine richtungsweisende Entscheidung an. Es kristallisieren sich zwei mögliche Ziele heraus: Der Ausangate – mit 6.384 Metern der höchste Gipfel der Region – erscheint als prominentes, kaum zu übersehendes Ziel. Weiter hinten im Tal bieten sich jedoch auch Möglichkeiten für Erstbegehungen in technischerem Gelände. Die Meinungen gehen auseinander. Einige fühlen sich mit dem Ausangate wohler. Andere sehen gerade in möglichen Neuerschließungen eine Chance. Am Ende bleibt es bei einem Mehrheitsentscheid – und die Wahl fällt auf den Ausangate. Neben dem Potenzial, das in einer Gruppe steckt, werden dem TEAM immer wieder auch damit verbundene Herausforderungen bewusst. Während manche das TEAM als Sprungbrett sehen, um in der Szene Fuß zu fassen, suchen andere
vor allem langfristige Seilpartnerschaften oder schlicht die Freude am gemeinsamen Unterwegssein. Ambition und Genuss, Risikobereitschaft und Vorsicht, Karrieregedanke und Gemeinschaftsorientierung –all diese Motivlagen existieren parallel und prägen die Gruppendynamik. Gerade darin liegt jedoch auch eine Lernmöglichkeit. „Wenn unterschiedliche Vorstellungen aufeinandertreffen, muss sich jede:r Einzelne zurücknehmen und kompromissbereit sein“, sagt Manu. Auch Mentor Much sieht die Chancen: „Ich denke, alle im TEAM haben viel darüber gelernt, mit unterschiedlichen – und auch mit enttäuschten – Erwartungen umzugehen.“ „Dabei darf man den Spaß am Berg nicht aus den Augen verlieren und sich selbst nicht immer allzu ernst nehmen“, ergänzt Eva.
Nach einer ersten Nacht im Basislager des Ausangate steigt die Gruppe weiter auf und errichtet auf 5.600 Metern ihr zweites Lager. Von dort gelangen sie frühmorgens am nächsten Tag über einen Grat auf einen Gletscher. Die Schneeverhältnisse sind anstrengend – immer wieder bricht man bis zur Hüfte ein. Dabei werden die Füße, die ständig in Kontakt mit dem eiskalten Schnee sind, immer kälter. Rund 200 Höhenmeter unter dem Gipfel entscheidet die Gruppe, umzukehren – die von Erfrierungen ausgehende Gefahr erscheint ihnen unakzeptabel.
Diesen „Fast-Gipfel“ beschreibt Eva nicht als Niederlage, sondern als wert-

volle Erfahrung. „Er hat uns gezeigt, dass die Stärke eines Teams nicht nur an erreichten Zielen gemessen wird“, sagt sie. „Sondern auch daran, wie man gemeinsam Entscheidungen trifft und trägt.“
Das WIR als Prozess
Die gemeinsamen Abenteuer zeigen eindrücklich, welche Chancen ein solches Team eröffnet – und auch, welche Herausforderungen damit einhergehen. Auf die Frage, was sie aus der gemeinsamen Zeit mitnehmen, antworten Manu und Eva einhellig. Beide betonen, wie viel sie alpinistisch dazugelernt hätten: von neuen
Winter-Update im Ortlergebiet –genau hier, auf der Pizzinihütte, erhielt Philipp vom Hüttenwirt seinen Spitznamen „Marmelatta Man“.
Disziplinen, die sich ihnen für ihr eigenständiges Bergsteigen erschlossen haben, bis hin zu kleinen, aber sicherheitsrelevanten Details. Gleichzeitig machen sie deutlich, dass die Heterogenität einer Gruppe zwar Lernprozesse fördern kann – nicht immer aber die Harmonie. Dass Gruppen Druck erzeugen können und dabei manchmal Erwartungen aufeinanderprallen, die sich nicht immer widerspruchsfrei ver-
einen lassen. „Vielleicht ist das die wichtigste Erkenntnis aus zwei Jahren im Jungen Alpinisten TEAM“, sagt Eva: Dass das WIR am Berg keine Selbstverständlichkeit ist, sondern ein Prozess.
Marie Hofmann war Mitglied im zweiten Expeditionskader der Damen beim Deutschen Alpenverein und arbeitet freiberuflich für den Lawinenwarndienst Tirol. Sie schreibt schon immer gerne – vor allem über Berg- und Umweltthemen.
Das Projekt Junge Alpinisten fördert junge Nachwuchs-Bergsteiger:innen des Österreichischen Alpenvereins. Das Projekt Junge Alpinisten TEAM wird unterstützt von Salewa, Edelrid, La Sportiva und Knox Versicherungsmanagement. Weitere Unterstützer der Expedition sind Silva, Camp, Rab, MSR, Wild Country, Primus und Moonvalley.

Mehr Infos: www.alpenverein.at/ jungealpinisten

Im Mittelpunkt aller Aktivitäten der Alpenverein-Akademie steht gelungenes Lernen.
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Ehrenamtliche – durch sie lebt der Österreichische Alpenverein. Die Aufgabe der Alpenverein-Akademie ist es, Ausbildung für sie zu ermöglichen, zu gestalten, sie dadurch für die vereinsspezifischen Aufgaben fit zu machen. Bildlich gesprochen spannt sich das vom Aufwärmen bis zum Gipfel.
Um diesem breiten Aufgabenfeld gerecht zu werden, bündelt die AlpenvereinAkademie ihr Wissen in sechs Bildungsbereichen: Basis und Training, Führen und Leiten (das umfangreichste Bildungssegment für Alpin- und Jugendteams, die größte Gruppe an Funktionär:innen), Camps und Schule, Volunteer und Praktika, Verein und Funktion sowie eLearning, die jüngste Sparte für digitales, selbstbestimmtes Lernen. „Die Breite des Angebotes, das ist das Einzigartige und Besondere bei diesem Bildungsprojekt!“, weiß Jürgen Einwanger, Leiter der Alpenverein-Akademie. Dieses vielfältige Angebot wiederum führe zum Ziel, dass gut ausgebildete Leute am Berg und in der Natur unterwegs sind.
Ehrenamtliche erhalten qualitativ hochwertige Ausbildungen, die am Markt ihresgleichen suchen, weil sie spezifisch und preislich attraktiv sind. Der Direktnutzen ist in vorderster Linie für sich selbst, dann fürs Umfeld, die Gesellschaft, konkret für die Alpenvereinssektion und deren Mitglieder. Der Zusatznutzen bringt was für die eigene Biografie und Entwicklung, ist also nachhaltig. Die Erkenntnis „Hier kann ich tolle Weiterbildungen machen und hole mir genau das, was für mich wichtig ist“, ist goldrichtig. Mitmachen dürfen, ja sollen, alle, die Interesse verspüren.
Als „Mini-Ehrenamt“ sind die Freiwilligenprojekte anzusehen: Eine Woche im Sommer in den Dienst der Naturerhaltung und -pflege stellen, sei es bei den Bergwaldprojekten für Erwachsene oder den Umweltbaustellen der Alpenvereinsjugend für 16- bis 30-Jährige. Handeln lautet das Motto: Wege befestigen, Bäume pflanzen, Erosionsstellen begrünen oder Bergbauern helfen. Und durch diesen konstruktiven Beitrag (unter-)bewusst zur wichtigen Stimme im Freundeskreis und sozialen Umfeld werden.
Hineinschnuppern, dabei was mitnehmen und sehen, ob einem/einer selbst das Gewählte taugt, auch dafür bietet die Alpenverein-Akademie eine Vielzahl an offe-
» Ich glaube, dass unsere Arbeit eine Stütze in dem Trubel des Älterwerdens sein kann. Wir können den Kindern eine Auszeit geben, in der sie sie selbst sein dürfen. Das, finde ich, ist enorm wichtig. Mir hat es auf jeden Fall durch die Schulzeit und auch durch die Coronazeit geholfen. «
Chiara Ostendorf, Übungsleiter:in Sportklettern Kinderkletterkurse im Alpenverein Graz, Sommercamp, Landesjugendbeirat Steiermark, in Ausbildung zur Jugendleiterin
»Der Alpenverein bietet in seinen Lehrgängen grundsätzlich auch für Leute ohne spezielles Vorwissen die Möglichkeit, sich profundes Wissen anzueignen. Ich finde es besonders gut, wie praxisorientiert und gleichzeitig tiefgehend etwa die Naturschutzausbildung ist. Sie verbindet theoretisches Wissen mit konkreten Handlungsmöglichkeiten, die direkt im Ehrenamt umgesetzt werden können.«
Sonja Kucher, Naturschutzreferentin des Alpenvereins Hermagor, Tourenführerin und Jugendmitarbeiterin
nen Kursen. Die gute Qualität einer Veranstaltung ist immer Prämisse. Dazu gehört unter anderem, die Teilnehmendenzahl pro Kurs kleinzuhalten, sodass Kursleitende auf alle in der Gruppe eingehen können. Arbeit in Kleingruppen als Qualitätsgarantie!
Die Qualität trägt Früchte: Durch Zertifizierungen wie Ö-Cert oder aufZAQ bekommen das Engagement in der Erwachsenenbildung und die Jugendarbeit einen Stellenwert. Die Lehrgänge der Alpenvereinsjugend sind im Nationalen Qualifikationsrahmen (NQR) gereiht, was in der nonformalen Erwachsenenbildung in
Österreich und Europa ausschlaggebend ist. So können absolvierte Fortbildungen verglichen werden, etwa mit einer Lehre oder einem Studiengang. Und dadurch, dass diese Qualitätsmerkmale regelmäßig mit Zielen versehen, eingereicht und erneuert werden müssen, gibt es allemal keinen Stillstand!

QR-Code scannen für mehr Infos zur Alpenverein-Akademie
Im Gschnitztal wurde bei der Tagung der Bergsteigerdörfer das Bergsteigen in unserer Zeit reflektiert.
aNNa Pich L e R Alpenverein Südtirol
Im Gschitztal, einem Seitental des Tiroler Wipptals, fand die Jahrestagung 2025 der Bergsteigerdörfer statt. Das Thema „Zeitgemäßes Bergsteigen“ begleitet die Alpenvereine in ihrer täglichen Arbeit, so Markus Welzl, Vizepräsident des Österreichischen Alpenvereins, in seinen Grußworten. Zudem sei die hohe Lebensqualität für die langfristige Entwicklung einer Region ausschlaggebend. Die Mitgestaltung der eigenen Umgebung sei zwar manchmal mühsam, aber sinnstiftend –davon können die ehrenamtlichen Arbeitsgruppen in den Bergsteigerdörfern oder Alpenvereinssektionen ein Lied singen. Ohne sie wären viele der in den Bergsteigerdörfern gesetzten Maßnahmen schlicht und einfach nicht finanzierbar.
Im Rahmen der Tagung wurden vielfältige Aspekte des modernen Alpinismus beleuchtet – vom sicheren und eigenverantwortlichen Unterwegssein über Klima-

wandelanpassung bis hin zu Fragen der Besucherlenkung und des Naturschutzes. „Zeitgemäßes Bergsteigen“ ist weit mehr als sportliche Leistung: Es geht um Achtsamkeit, Wissen und Verantwortung in einer sich wandelnden Bergwelt; und für Bergsteigerdörfer auch um naturnahes Bergerlebnis, gelebte Nachhaltigkeit und regionale Identität.
Zauberwort: Anpassung
Gerhard Mössmer, Mitarbeiter in der Abteilung Bergsport des Alpenvereins, zeichnete ein klares Bild darüber, wie die durch den Klimawandel bedingten Veränderungen am Berg das Bergsteigen beeinflussen. So seien manche Routen nicht mehr machbar: erhöhtes Steinschlagrisiko, Auflösung von Permafrost sowie längere und schwierigere Zustiege. Bäche, die früher gefroren waren, führen plötzlich Wasser. Wo früher Eis lag, liegt nun Schutt und macht gewisse Hochtouren unattraktiv. Übergänge sind ausgeapert und der Niveauunterschied erschwert das Überschreiten. Starkniederschläge zerstören Infrastrukturen wie Brücken oder Wege. Dies stellt höhere Anforderungen an das technische Können der Bergsteiger:innen. Es erfordert anderes Verhalten, wie die konsequente Seilverwendung auf Hochtouren wegen erhöhter Spaltengefahr. Und es setzt Eigenverantwortung voraus, gerade in puncto Risikoverhalten.
Für Mössmer ist klar: „Ja, wir werden weiterhin Bergsteigen gehen können, aber wir müssen uns anpassen.“ Anpassungsstrategien können sein: andere Ausrüstung (z. B. Helm und Klettersteigset auch auf Hochtouren), aktuelle Informationen zu Touren und Verhältnissen einholen, Alternativen suchen, Steinschlagzonen meiden. Ausbildungskurse für Hochtouren verlegt der Alpenverein bereits nach vorne; auf den Großglockner führen österreichische Bergführer:innen nun zwei Personen anstelle von vier.
Peter Mani aus der Hüttenkommission des Schweizer Alpen-Clubs (SAC) fasste die Ergebnisse der Studie „SACHütten 2050“ zusammen. Tauender Permafrost, steigende Naturgefahren und veränderte Landschaftsbilder verlangen innovative Anpassungen im Hüttenbau,

Das Gschnitztal wurde bei der vergangenen Tagung der Bergsteigerdörfer ein Ort , wo man das Bergsteigen der Gegenwart reflektierte. Foto: Bergsteigerdörfer/ÖAV
auch mit der Konsequenz, dass sich alpine Vereine überlegen müssen, manche Hütten aufzugeben.
Auch im touristischen Angebot braucht es Anpassung und Weitblick: Statt im Hochgebirge unterwegs zu sein, könnten Bergsportler:innen vermehrt auf Bergwandern oder Sportklettern umsteigen. Trends wie Trailrunning könnten neben den Weitwanderungen und Hüttentouren an Popularität zunehmen. Gerade im Winter gäbe es enormes Potential, so Thomas Senfter, Bergführer aus der Region. In einem umfangreichen Konzept zeigte er Möglichkeiten für das Wipptal auf, auch in schneearmen Wintern ein attraktives Bergsportangebot aufzubauen. Dazu gehört etwa, Tourenbeschreibungen vorzubereiten, die spontan online gestellt werden können, oder Sommertouren in den Winter zu transferieren – mit dem Hinweis auf andere Ansprüche an die Ausrüstung. Für die Verantwortlichen vor Ort ist das mit weiteren Herausforderungen ver-
bunden: Infrastruktur und Markierungen müssen sinnvoll eingesetzt, Gefahrenstellen identifiziert und gesichert und Sperren kommuniziert und akzeptiert werden – dies skizzierte Stefan Ortner (Lo.La Peak Solutions) anhand zahlreicher Beispiele aus seinem Heimat-Bergsteigerdorf Gschnitztal.
Gegensteuern geht noch
Der renommierte Klimaforscher Georg Kaser ordnete all diese Entwicklungen in einem größeren Maßstab ein. Anhand der Gletscherschmelze sei der Klimawandel in den Alpen am deutlichsten sichtbar. Er verwies auf die Ergebnisse am Hintereisferner, einer der längsten Messreihen weltweit (seit 1952). Für 2025 wurde der Wasserverlust dort auf ca. 1,5 m geschätzt, wobei der viele Regen auf die Eisschmelze ebenso Auswirkungen hatte wie die hohen Temperaturen. Ernüchternd auch diese Aussage: Mit dem Rückgang der >
Schneedeckendauer sinkt auch die Wasserverfügbarkeit und stellt Landwirtschaft und Tourismus vor Herausforderungen. Ebenso nimmt die Häufigkeit an Extremereignissen zu, vor allem Hitze- und Dürreereignisse. Das Pariser Klimaziel einer Erwärmung von unter 1,5 °C wird gerade durchstoßen. Das Jahr 2040 war die Prognose der Wissenschaft. Für Kaser ist klar: „Zur Reduktion von CO2 haben wir großen Handlungsspielraum, nur nutzen wir ihn nicht. Je länger wir warten, umso mehr sinkt die Spanne der Handlungsoptionen. Es wird mit jedem Tag später mehr Kollateralschäden geben. Gegensteuern geht noch!“
Mit welchen Herausforderungen hinsichtlich Naturgefahren die Bergsteigerdörfer zu kämpfen haben, ließ sich im hinteren Gschnitztal besichtigen. Ende Juni 2025 zerstörte ein kräftiges Gewitter in Gschnitz das Mühlendorf fast vollständig. Glücklicherweise ist kein Mensch zu Schaden gekommen. Die Aufräumarbeiten und Arbeiten zur Wiederherstellung, z. B. der Wiesen, sind im Gange.
Landschaft schützen und pflegen
Das Gschnitztal liegt zwischen den zwei Landschaftsschutzgebieten SerlesHabicht-Zuckerhütl (Gesamtfläche 180 km²) und Nösslachjoch-Tribulaune (Gesamtfläche 92 km2). Darin sind auch Natura-2000-Flächen und besonders schützenswerte Landschaftsteile ausgewiesen. Durch das Aufeinandertreffen von Urgestein und Kalkgestein hat sich ein wahres Blumenparadies mit einer beeindruckend großen Artenvielfalt entwickelt. Bei Vorträgen, Exkursionen und Workshops erfuhren die Tagungsteilnehmer:innen so manches über die naturkundlichen Besonderheiten des Tals, wie z. B. den Trinser Moränenwall, den Blaser, den blumenreichsten Berg Tirols, oder die Gschnitzer Trockentanne, welche aufgrund genetischer Anpassung an trockene Standorte helfen kann, einen klimafitten Wald zu gestalten. Besonders ansehnlich waren die Beispiele zur Pflege (Entfernen von Schilf) und Wiedervernässung (durch Einziehen von Spundwänden) eines Moores und die Renaturierung des Gschnitzbaches

Besonders im touristischen Angebot für Bergsportler:innen braucht es Anpassung und Weitblick. Foto: Mike Mair
durch Aufweitung und Strukturierung sowie Schaffung von Retentionsraum. Ein besonderer Dank gilt den Gemeinden Trins und Gschnitz sowie dem Tourismusverband Wipptal für die Ausrichtung dieser Tagung, die den Teilnehmer:innen aus Österreich, Südtirol, Italien, Slowenien, der Schweiz und Deutschland viele Einblicke in die Region und das Tagungsthema gewährt haben.
Anna Pichler arbeitet im Referat Natur & Umwelt im Alpenverein Südtirol und ist Projektkoordinatorin der Südtiroler Bergsteigerdörfer. (Bearbeitung ihrer Zusammenfassung durch das Projektteam der Bergsteigerdörfer)
¡ nfo Bergsteigerdörfer

Mehr Infos über die Jahrestagung der Bergsteigerdörfer unter t1p.de/1j0b1
Der Österreichische Alpenverein und Protect Our Winters haben ein außergewöhnliches Memo-Spiel entwickelt. „Memoreis“ fordert das Gedächtnis gleich doppelt: Einerseits gilt es, sich möglichst viele Bildpaare aus historischen und aktuellen Aufnahmen von 24 Alpengletschern einzuprägen. Andererseits regt das Spiel dazu an, das kollektive Erinnern an die Gletscher der Alpen wachzuhalten.


Der Österreichische Alpenverein hat die seit zwanzig Jahren bestehende Vereinbarung zur Abtretung der Jagdrechte auf seinen Tiroler Flächen in der Kernzone des Nationalparks Hohe Tauern um weitere zehn Jahre verlängert. Die Vereinbarung war damals Voraussetzung für die internationale Anerkennung des Nationalparks durch die Weltnaturschutzorganisation IUCN. Mit der erneuten Unterzeichnung nehmen sowohl der Österreichische Alpenverein als auch die Verwaltung des Nationalparks Hohe Tauern ihre gemeinsame Verantwortung für den Naturschutz wahr.
Naturschutzreferent:innenSeminar 2026
Das diesjährige Vernetzungs- und Weiterbildungstreffen der Naturschutzreferent:innen des Österreichischen Alpenvereins findet von 16. bis 19. Juli 2026 im Bergsteigerdorf Villgratental statt. Die Teilnehmer:innen erwartet ein abwechslungsreiches Programm aus Vorträgen und Exkursionen zum Themenkomplex Wald. Anmeldung über die Alpenverein-Akademie: www. alpenverein-akademie.at

Das beiliegende Booklet ergänzt das Spiel mit Steckbriefen zu den einzelnen Gletschern, glaziologischen Hintergrundinformationen sowie Berechnungen zur Zukunft der Gletscher. Manche sind bereits verloren, andere könnten noch gerettet werden. —
Das Gletscher- GedächtnisSpiel kann im Alpenvereinsshop bestellt werden: t1p.de/a6x3a

NEU: Science goes Alpenverein!

In dieser Online-Vorlesungsreihe vermitteln führende Expert:innen und Hochschullehrende auf verständliche Weise Einblicke in zentrale Forschungserkenntnisse ihrer Fachgebiete. Dazu gehören etwa der Klimawandel, Wildbiologie, Limnologie und vieles mehr. Kompakt, informativ und für alle Naturschutz-Interessierten ohne Vorkenntnisse geeignet! — Nähere Informationen und Anmeldung über die Website der Alpenverein-Akademie: t1p.de/se23i


Ende 2025 erging der letzte Beschluss in dieser Sache – die Klage des Alpenvereins gegen die Großglockner-Hochalpenstraßen-Aktiengesellschaft (GROHAG) wurde zum größten Teil abgewiesen. Nach knapp vierjährigem Verfahren steht fest: Der Alpenverein hat, ohne davon zu wissen, weiteren Grundbesitz an die GROHAG verloren. Doch wie kam es dazu?
Teil 3: Der Ausgang des Rechtsstreits um den Gamsgrubenweg
m a Rti N ach R ai N e R Historisches Archiv des Alpenvereins
Blick von der Adlersruhe auf die Gamsgrube.
Bergauf berichtete in den Ausgaben #5.2023 und #1.2024* ausführlich: 2021 stieß der Alpenverein erstmals auf die Tatsache, dass die Fläche jener Grundparzelle der GROHAG, auf der sich der Gamsgrubenweg befindet, für den der Alpenverein enteignet worden war, ein ungeahntes Ausmaß hatte. Denn bei der Enteignung im Jahr 1936 wurde eine Wegbreite von maximal 2,5 m vorgeschrieben und eine Fläche von 6.620 m² angenommen. Das genaue Ausmaß sollte nach Fertigstellung des Weges vermessen werden, das geschah 1938. 1941 vereinbarten Alpenverein und GROHAG auf dieser Basis die Besitzübertragung von 11.535 m², 1942 erfolgten die Zu- und Abschreibungen im Grundbuch und die Bildung der Wegparzelle. Um 1953 stellte sich heraus, dass diese Parzelle der GROHAG im Kataster nicht aufschien und die Vermessung von 1938 mangelhaft war. Im Oktober 1955 vermaß das Vermessungsamt anhand vorhandener Grenzsteine eine Fläche von 36.207 m².
Das sind die Eckdaten. Die letzte Vermessung war im Alpenverein nicht bekannt, denn er wurde weder von der Setzung von Grenzsteinen noch von der Vermessung informiert. Es konnte bei der Recherche in Archiven weder ein Hinweis auf eine reguläre Besitzübertragung, eine Vereinbarung oder auch nur irgendeine Informierung des Alpenvereins gefunden werden noch legte die GROHAG eine solche vor. Genauso wenig konnte ein gesetzmäßiges Grenzberichtigungsverfahren festgestellt werden, ja nicht einmal ein Gerichtsbeschluss über weitere Zu- und Abschreibungen oder Löschungen im Grundbuch. Das neue Vermessungsergebnis wurde in die Katastermappe beim Vermessungsamt eingearbeitet, dem Bezirksgericht Winklern aber nur ein (rechtswidriger) „Anmeldungsbogen“ ohne Antrag, zur Ablage in die Urkundensammlung, zugestellt.
Das Urteil
Das Urteil der zuständigen Einzelrichterin am Landesgericht Klagenfurt erging am 24. Februar 2025, nachdem in drei Jahren mehrere Verhandlungen durchgeführt, ein Lokalaugenschein vorgenommen sowie ein Sachverständigengutachten
erstellt und erörtert worden waren. Die Klage des Alpenvereins wurde großteils abgewiesen. Der Alpenverein konnte, so die zentrale Aussage im Urteil, seine Behauptungen „nicht mit der erforderlichen hohen Wahrscheinlichkeit“ belegen. Daher wurde keine Absicht der GROHAG zur Verheimlichung der Vorgänge angenommen. Deshalb habe die GROHAG das Eigentum an der Fläche durch Ersitzung erworben – mit Ausnahme des letzten Wegstückes, an dem keine Arbeiten außerhalb des Weges vorgenommen werden mussten. Die „Besitzausübungshandlungen“ für die Sicherung, Wartung und Instandsetzung des Weges allein hätten –wie die Wegewartinnen und Wegewarte des Alpenvereins wissen – dafür nicht ausgereicht. Erst in Zusammenschau mit dem „Besitzwillen“, ausgedrückt durch die gesetzten Grenzsteine, wurde die Ersitzung gültig. Für das Gesetz genügt die Tatsache, dass Alpenvereins-Funktionäre Handlungen und Grenzsteine hätten erkennen können.
So weit das Wesentliche des Urteils. Naturgemäß sah der Alpenverein die von ihm vorgebrachten Beweise nicht ausreichend behandelt und gewürdigt. Vor allem wollte er die Redlichkeit (als gesetzmäßige Voraus-
Immer öfter musste der offene Teil des Gamsgrubenwegs gesperrt werden.
Foto: Richard Goldeband, 2017
»Der Alpenverein respektiert selbstverständlich die letztinstanzliche Entscheidung. Zugleich halte ich ausdrücklich fest: Der Alpenverein wird auch weiterhin mit Konsequenz und Verantwortung für dieses besonders wertvolle ökologische Kleinod eintreten. «
setzung der Ersitzung) der „Machthaber“, also der Leitungsorgane der GROHAG, zu dem Zeitpunkt, als die Grenzsteine gesetzt wurden, vom Oberlandesgericht Graz als Berufungsgericht prüfen lassen. Denn Hofrat Dipl.-Ing. Dr. Franz Wallack, Zivilgeometer, Planer und Geschäftsführer bzw. Vorstand und unbestreitbar „Machthaber“ der GROHAG, war jederzeit vom Ausmaß der enteigneten Fläche informiert: von der Enteignung 1936, der Vermessung 1938
Alpenvereinspräsident Wolfgang Schnabl >


und Einigung mit dem Alpenverein 1941 bis zur Eintragung ins Grundbuch 1942, und eben auch, als nur rund 14 Jahre später die Grenzsteine gesetzt und vermessen wurden. Es erscheine daher nicht glaubwürdig, dass die Grenzsteine fernab der 1941 vereinbarten Grenze redlich und gutgläubig gesetzt wurden, wodurch die Fläche verdreifacht wurde.
Doch auch das OLG Graz folgte der Argumentation des Alpenvereins nicht. Und der Oberste Gerichtshof, an den der Alpenverein eine außerordentliche Revision richtete, konnte keine „erheblichen Rechtsfragen“ feststellen, was Voraussetzung für eine nähere Überprüfung der Urteile erster und zweiter Instanz gewesen wäre. Der Instanzenweg ist damit abgeschlossen und die Urteile mit der Zustellung am 29. Dezember 2025 rechtskräftig.
Verantwortung als Naturschutzorganisation
Der Alpenverein musste dieses Verfahren schon deshalb führen, um die Rechtmäßigkeit des Eigentums klären zu lassen, vor allem aber in seiner Verantwortung als Naturschutzorganisation: „Wir waren es nicht nur Ing. Albert Wirth schuldig, dem großherzigen Spender des Kaufpreises für den Erwerb des Glockner- und Pasterzen-Gebietes, diesen Prozess zu führen, sondern auch all jenen, die sich seither für den Erhalt der Gamsgrube eingesetzt haben, wie vor allem Rechtsanwalt Dr. Max Abuja“, stellt der ehemalige Kärntner Landesverbandsvorsitzende Dr. Werner Radl fest.
Blick auf den ersten Teil des Gamsgrubenweges.
Foto:
A. Durstmüller (1978)/ÖAV
» Es gibt ein Recht –und darüber hinaus auch noch einen Anstand! «
Albert Wirth, 1918**
Der Alpenverein sieht in erster Linie die Gefahr der weiteren Kommerzialisierung des Gebietes, das ihm zum Schutz genau davor übertragen wurde: „Denn Kapitalunternehmen werden Naturschutzbestrebungen zu irgendeinem Zeitpunkt dem Ruf nach ‚mehr‘ unterordnen“, sagt Liliana Dagostin, Leiterin der Abteilung Raumplanung und Naturschutz im Alpenverein, mit dem Blick auf landesweite Entwicklungen. Für den Bereich der Gamsgrube hatte der damalige Sonderbeauftragte des Alpenvereins für Naturschutz Paul Dinkelacker schon, als das Seilbahnprojekt
Fuscherkarkopf (vorübergehend) gestoppt wurde, befürchtet: „Solange die GROHAG Grundstückseigentümerin in der Gamsgrube bleibt, bleibt auch die Möglichkeit und die Gefahr, dass sie in der Gamsgrube etwas unternehmen wird.“
Erst in der Zeit nach Wallack entspannte sich das Verhältnis des Alpenvereins zur GROHAG. Vor allem seit der Etablierung des Nationalparks Hohe Tauern haben sich viele Gelegenheiten zur konstruktiven Zusammenarbeit ergeben. Im Alpenverein blieb dabei jedoch stets das Bewusstsein dafür erhalten, dass es eine Enteignung war, mit der die GROHAG in die Gamsgrube vordrang und das hochalpine Gelände mit einem Promenadenweg für Spaziergänger:innen öffnete. Dennoch leistete der Alpenverein einen Kostenbeitrag für Tunnels und Galerien, als sich Abrutschungen und Steinschlaggefahr häuften.
Mit dem Abbruch der Hofmanns-hütte und der Renaturierung der Baufläche hat der Alpenverein für sich selbst und nach außen hin ein Signal gesetzt – trotz starker interner Meinungsverschiedenheiten, trotz Interventionen (u. a. von Landeshauptleuten) und trotz der Zusage eines finanziellen Beitrages der GROHAG für den Weiterbestand oder Neubau.
Die traditionsreiche Hütte wurde aufgegeben, weil sie den alpinistischen Zweck einer Schutzhütte nicht mehr erfüllte.
Die Wahrung des Naturzustandes des Glocknergebietes und besonders der Gamsgrube mit ihrer einzigartigen Pflanzengesellschaft ist eine Aufgabe, die dem Alpenverein anvertraut wurde und die er, auch seinen Satzungen entsprechend, erfüllt. —
* Bergauf #5.2023 und #1.2024
** Bergauf #2.2018
nfo
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• www.alpe nverein-akade m i e ta.
Österreichischer Alpenverein
Alpenverein-Akademie
Olympiastraße 37
6020 Innsbruck
T +43 / 512 / 59 547-45
M akademie@alpenverein.at
W alpenverein-akademie.at
Freiwillige Einsätze auf Umweltbaustellen und bei Bergwaldprojekten punkten im Bildungsprogramm der Alpenverein-Akademie ebenso wie Seminare zu Naturwissen, Workshops im Klimaschutz, der Lehrgang Naturschutz oder das Vernetzungstreffen Klima bewegt. Immer mit dabei: hohe Qualität und nachhaltige Freude in, an und mit der Natur.
Gletscherschwund, Artenverlust, Extremereignisse: Die Herausforderungen im Alpenraum sind gewaltig. Und doch sieht Alenka Smerkolj, Generalsekretärin der Alpenkonvention, Grund zur Hoffnung. Ein Gespräch über Visionen, Verantwortung und den Mut zur Zusammenarbeit.
Ein Interview von Ve R e Na S tah L
Bergauf: Wie hat sich das Verständnis von Alpenschutz in den letzten 30 Jahren verändert – und was bedeutet zeitgemäßer Schutz heute?
Alenka Smerkolj: Im Wesentlichen hat es sich nicht geändert – das Ziel, die wertvolle Natur der Alpen zu schützen und gleichzeitig Wege zu finden, ihre Nutzung nachhaltig zu gestalten, bleibt dasselbe. Die Art und Weise, wie wir dies angehen, hat sich jedoch verändert. Das ist insbesondere auf moderne Technologie zurückzuführen, die zwar hilfreich ist, aber gleichzeitig neue Herausforderungen mit sich bringt – etwa digitale Hilfsmittel, die es uns ermöglichen, Daten viel präziser zu erfassen und zu analysieren, die aber auch das Besuchermanagement deutlich komplexer machen. Zur Alpenkonvention gehören neun Vertragsparteien, Beobachterorganisationen wie das Netzwerk der Schutzgebiete (ALPARC) oder der Club Arc Alpin (CAA), weitere Partner sowie das Ständige Sekretariat. Wir haben mittlerweile über 30 Jahre Erfahrung damit, was funktioniert und
Generalsekretärin Alenka Smerkolj verbringt gerne Zeit in den Bergen, für deren Schutz sie sich täglich einsetzt – hier am Obernberger See.
Foto: Urban Smerkolj
was nicht. Was sich nicht geändert hat, ist die Bedeutung der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit – sei es auf nationaler, territorialer Ebene oder in unseren Köpfen –, um bestehende und neue Herausforderungen anzugehen.
Wie gelingt es Ihnen, bei all den Veränderungen in den Alpen – Gletscherschwund, Artenverlust, Extremereignisse – nicht nur Sorge, sondern auch Zuversicht zu behalten?
Es stimmt, dass die Alpen von allen Seiten unter zunehmendem Druck stehen und es manchmal schwierig sein kann, optimistisch zu bleiben. Hoffnung gibt mir das Engagement der Menschen. Der Alpenverein ist ein Beispiel dafür – Sie haben so viele Freiwillige und engagierte Menschen in Ihrer Organisation, die sich ebenfalls

für eine nachhaltige Zukunft der Alpen einsetzen, Ideen haben und bereit sind, aktiv daran zu arbeiten. Über den CAA als Beobachterorganisation in der Alpenkonvention haben die Alpenvereine übrigens einen direkten Draht zu den Gremien der Konvention. Und schließlich geben mir die jüngeren Generationen Hoffnung, und ich habe größtes Vertrauen in sie. In den letzten Jahren haben wir mutige Aktionen und starke Botschaften von ihnen gesehen. Sie erkennen – oft besser als wir –, wie dringend Maßnahmen gegen den Klimawandel und andere Bedrohungen für die Alpen notwendig sind.
Wie kann die Alpenkonvention sicherstellen, dass der notwendige Ausbau erneuerbarer Energien nicht zulasten der wertvollsten alpinen Naturräume geht? Die Alpenkonvention hat seit jeher einen doppelten Zweck: Sie setzt sich sowohl für den Schutz der Natur und Umwelt in den Alpen als auch für deren nachhaltige Entwicklung ein. Das bedeutet, dass wir Strategien finden müssen, die die empfindlichen Ökosysteme und Landschaften möglichst wenig beeinträchtigen. Gleichzeitig müssen wir Wege finden, unsere Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu verringern und die Nutzung erneuerbarer Energien auszubauen. Wichtig ist dabei, dass die Förderung erneuerbarer Energien nicht auf Kosten der sensiblen alpinen Umwelt geht. Dafür stellt die Alpenkonvention – insbesondere mit dem Energieprotokoll – ein bedeutendes rechtliches Instrument dar. Dieses ist auch bei der Umsetzung der EU-Richtlinie für erneuerbare Energien zu berücksichtigen, wie der Überprüfungsausschuss der Alpenkonvention kürzlich feststellte. Der vorläufig veröffentlichte umfassende Bericht des Ausschusses ist online verfügbar.
Was brauchen wir Ihrer Meinung nach am dringendsten, um den Alpenraum langfristig resilient und lebenswert zu halten?
Was wir am dringendsten brauchen, ist der Wille zu einer wirklich nachhaltigen Entwicklung – sowohl vonseiten unserer Entscheidungstragenden
Du willst mehr über die Alpenkonvention wissen? Der Österreichische Alpenverein hat das Projekt „Alpenkonvention leicht verständlich“ gestartet. Auf der ProjektWebsite findest du Infos rund um die Alpenkonvention so aufbereitet, dass du keine juristischen Vorkenntnisse brauchst. www.alpenkonvention-alpenverein.at
Neugierig geworden?
Dann scanne den QR-Code.
als auch der Bevölkerung. Es braucht politische Maßnahmen, die die besonderen Gegebenheiten der Alpenregionen und -gemeinden berücksichtigen und die Bedürfnisse der Menschen in den Mittelpunkt stellen. Gleichzeitig braucht es ambitionierte Maßnahmen zum Schutz der einzigartigen alpinen Natur. Und vor allem dürfen wir nicht vergessen: Probleme lassen sich am besten lösen, wenn wir unsere Köpfe zusammenstecken!
Zum Abschluss noch eine persönliche Frage: Welche Vision leitet Sie für den Alpenraum der Zukunft, und was möchten Sie in Ihrer neuen Amtsperiode unbedingt erreichen?
Die Vision, die mich seit jeher leitet, ist, dass die Alpenkonvention – als erster internationaler Vertrag, der auf
die nachhaltige Entwicklung und den Schutz eines gesamten Gebirges abzielt – wegweisend für ein nachhaltiges Leben in den Alpen ist. Sie ermöglicht es uns, unsere Ziele durch Zusammenarbeit zu erreichen – zwischen Ländern, zwischen Disziplinen und zwischen verschiedenen Berggebieten. Dies prägt alle Aspekte meiner Arbeit als Generalsekretärin der Alpenkonvention. Wir bringen Menschen zusammen und ermutigen sie, miteinander zu sprechen. Oft zeigt sich: Kompromisse sind möglich, der Austausch von Wissen führt zu funktionierenden Lösungen. Ein erster Schritt dazu ist das Verständnis, dass alles, was wir tun, miteinander verbunden ist. Die Alpen sind ein einzigartiges Ökosystem, das sich über mehrere Grenzen erstreckt und nur als Ganzes geschützt werden kann – unter Berücksichtigung der Besonderheiten jedes einzelnen Ortes. Diese Ideale zu wahren und die Länder sowie ihre Ministerien für unsere gemeinsamen Ziele zu mobilisieren, bleibt auch in meiner aktuellen Amtszeit der Schwerpunkt meiner Arbeit.
Wir danken für das Gespräch!
Ein Teil der Familie der Alpenkonvention bei einer Sitzung des Ständigen Ausschusses in Brdo (Slowenien).
Foto: Ständiges Sekretariat der Alpenkonvention



Karin Dullnig engagiert sich als Klimaschutzreferentin im Alpenverein Graz. Sie organisiert Veranstaltungen oder befasst sich mit der Bilanzierung der Treibhausgase. Zu den Klima-Meilensteinen im Verein gehören etwa Klimatickets, die Mitglieder ausleihen können, oder die Jahreshauptversammlung im vergangenen Jahr, die als Green Meeting ausgerichtet war. Karin ist mittlerweile in Pension, ihr Knowhow als Botanikerin und Umwelttechnikerin fließt ideal in ihr Ehrenamt ein. Sie ist auch Tourenführerin, weshalb es ihr besonders am Herzen liegt, Menschen klimafreundlich in die Berge zu bringen. „Ich versuche, Möglichkeiten zu bieten, um die klimafreundliche Mobilität zu erleichtern.“ Was bei ihr sonst noch gerade auf dem Programm steht? „Wir organisieren regelmäßig Klimaschutzabende. Der nächste wird in Form eines RepairCafés stattfinden und steckt mitten in den Vorbereitungen“, erzählt sie. „Reparieren statt wegwerfen – darum geht’s. Und zwar im Bereich Outdoorkleidung und Schi.“ Anpacken für „die Sache“ – dem hat sich auch Florian Kulmer vom Alpenverein Anger verschrieben. Er ist hier erster Vorsitzender und treibt gemeinsam mit dem Vereinsteam vor allem die klimafreundliche Mobilität voran, etwa durch die finanzielle Förderung von Öffitickets auf Vereinstouren. Wie man Menschen dazu inspiriert, ihre Lebensgewohnheiten auf vier Rädern zu verändern? „Es geht darum, starre Strukturen aufzubrechen und Angebote zu schaffen“, sagt Florian und erklärt: „Wir bieten zum Beispiel Unternehmungen wie ‚Bike and Climb‘ an. Damit möchten wir zeigen, dass man auch mit dem Rad nahegelegene Klettermöglichkeiten erreicht. Es muss aber erst einmal in die Köpfe, dass es überhaupt die Option gibt, ohne Auto unterwegs zu sein.“ Eine Aufgabe, die durchaus knifflig sein kann. Und ja, oft hätte man gerne noch mehr umgesetzt. Die Bemühungen lohnen sich dennoch: Für sein Engagement
Ehrenamtlich anpacken im Klimaschutz: Immer mehr Menschen begeistern sich im Alpenverein für die Einsparung von Emissionen.
Foto: Alpenverein/Peter Neuner-Knabl
Immer mehr Ehrenamtliche des Alpenvereins möchten Verantwortung im Klimaschutz übernehmen. Sie analysieren den Klima-Fußabdruck im Verein und setzen Maßnahmen zur Einsparung von Emissionen um. Ein Einblick in das Ehrenamt für den Klimaschutz.
aNNa P R axma R e R


» Klimaschutz bedeutet für mich, sich für etwas Sinnvolles und Notwendiges zu engagieren. «
Karin Dullnig, Alpenverein Graz

wurde der Alpenverein Anger gleich zweimal im Rahmen der Auszeichnung der „Klimafreundlichsten Sektion“ im Alpenverein prämiert.
Plaudert man mit Stephanie Quant, Klimakoordinatorin im Alpenverein Teufelstein-Perchtoldsdorf, merkt man schnell: Es sprudelt nur so von Ideen und Tatendrang. Besonders die Bildungsarbeit liegt der Chemikerin am Herzen. „Kinder sind der Schlüssel, über den wir die Welt verändern können“, sagt sie. „Gerade arbeite ich an der Idee, unsere Alpenvereinshütte für die Volksschule in unserem Ort zum grünen Klassenzimmer zu machen. Geplant wäre eine Wanderung zur Hütte, wo dann Klima- und Naturschutzthemen erarbeitet werden.“ Apropos Hütte – die besagte Teufelstein-Hütte im Wienerwald hat sich dank des ehrenamtlichen Engagements verändert: Sie wird mittlerweile mit Ökostrom betrieben, gekocht wird möglichst klimafreundlich. Stephanie, die noch dazu Tourenführerin ist, erzählt weiter: „Meine Touren plane ich ausschließlich mit öffentlicher Anreise – ideal bei Überschreitungen, weil man zu keinem Auto zurückkehren muss. Ich unterstütze andere Menschen auch oft bei der Suche nach dem richtigen Ticket, denn das fällt nicht allen leicht.“
Im Rahmen seiner Klimastrategie hat sich der Alpenverein das Ziel gesetzt, bis 2033 klimaneutral zu werden. Ein Blick

» Ich bin Ehrenamtliche, weil ich dazu beitragen will, dass die Welt ein Stückchen schöner wird. «
Stephanie Quant, Alpenverein TeufelsteinPerchtoldsdorf
auf die verschiedenen Projekte und Ideen zeigt, wie dieser Weg konkret aussehen kann – und dass er vom ehrenamtlichen Einsatz lebt.

» Jeder kann im Ehrenamt das machen, worin seine Stärken liegen. «
Florian Kulmer, Alpenverein Anger

Mit seiner Klimabilanz durch die Pilotsektionen hat der Alpenverein den Staatspreis für freiwilliges und ehrenamtliches Engagement in der Kategorie „Innovation“ erhalten. Verliehen wurde der Preis von Bundeskanzleramt und Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz.
Du möchtest dich ehrenamtlich im Alpenverein einbringen? Dann informiere dich am besten unter: www.alpenverein.at/ehrenamt
Jetzt anmelden:
Klima bewegt! Und vernetzt.
Das „Klima bewegt! Vernetzungstreffen“ bringt engagierte Menschen zusammen, die Klimaschutz im Alpenverein und in der Alpenvereinsjugend aktiv gestalten – oder damit beginnen möchten. Neben dem Austausch erhalten die Teilnehmenden praxisnahen Input, um eigene Aktionen in der Sektion wirkungsvoll anzustoßen. Gemeinsam werden neue Ideen entwickelt, Motivation gestärkt und so die Handlungsmöglichkeiten im Verein erweitert. Klimaschutz darf motivieren, inspirieren – und auch Freude machen. Das Vernetzungstreffen bietet Raum für Austausch, neue Impulse und starke Vernetzung über Sektionsgrenzen hinweg. Das Vernetzungstreffen ist eine wertvolle Gelegenheit, Motivation zu tanken, Kontakte zu knüpfen und die Klimaarbeit im eigenen Wirkungsbereich auf ein neues Fundament zu stellen. Wer Klimaschutz im Alpenverein aktiv mitgestalten möchte, ist hier genau richtig.
Wann? 10.-12.04.2026. Wo? Wien. Jetzt anmelden und gemeinsam etwas bewegen: t1p.de/klimabewegt_treffen


Das Lawinenunglück im Großarltal am 17. Jänner 2026 hat den Österreichischen Alpenverein tief erschüttert. Vier engagierte Funktionär:innen haben dabei ihr Leben verloren. Ihr Tod hinterlässt eine Lücke – in ihren Familien, ihren Sektionen, in ihren Gemeinschaften und weit darüber hinaus. Wir trauern um:
Leo Heim (AV Waidring) Naturschutzreferent und Tourenführer
Norbert Schwaiger (AV Waidring) 1. Vorsitzender und Tourenführer, Margit Riedl (AV Mixnitz) Alpinreferentin und Tourenführerin
Jürgen Possart (TK Windischgarsten) Tourenführer
Alle vier waren weit mehr als begeisterte Bergsportler:innen. Sie übernahmen Verantwortung –für ihre Sektionen, für ihre Gruppen und für einen achtsamen Umgang mit der alpinen Natur. Als Funktionär:innen prägten sie das Vereinsleben maßgeblich. Sie vermittelten Wissen, förderten Gemeinschaft und standen für jene Werte, die den Alpenverein ausmachen: Kompetenz, Engagement und Respekt vor dem Gebirge.
Ihr Einsatz für Ausbildung, Sicherheit und Naturschutz war Ausdruck einer tiefen Verbundenheit mit den Bergen. Sie haben Menschen inspiriert, begleitet und ermutigt. Viele Mitglieder verdanken ihnen unvergessliche Touren, wertvolle Erfahrungen und persönliche Entwicklung.
Unser Mitgefühl gilt ihren Familien, Freund:innen und Weggefährt:innen. In dieser schweren Zeit sind unsere Gedanken bei ihnen – und bei den Sektionen AV Waidring, AV Mixnitz und TK Windischgarsten. Wir werden ihnen ein ehrendes Andenken bewahren.
Das Bergauf-Magazin gibt es nicht nur in gedruckter Form, sondern auch als komfortables Onlinemagazin. Wer das Magazin lieber online liest, statt es in gedruckter Form aus dem Briefkasten zu holen, kann dies ganz einfach selbst festlegen: Unter mein.alpenverein.at > „Meine Services“ lässt sich einstellen, ob die Printausgabe weiterhin zugesendet werden soll oder ob künftig die digitale Version bevorzugt wird.

Der Alpenverein verbindet –am Seil, auf Tour und manchmal auch fürs Leben. Wir suchen Menschen, die sich über oder im Alpenverein kennengelernt haben – vielleicht bei einer Ausbildung, auf einer Hütte, in der Jugendgruppe oder bei einer gemeinsamen Bergtour – und deren Begegnung mehr wurde als nur eine Seilschaft. Habt ihr euch im Alpenverein gefunden und möchtet eure Geschichte mit uns teilen? Dann freuen wir uns über eure Nachricht. Erzählt uns, wo sich eure Wege gekreuzt haben, was euch verbindet und welche Rolle die Berge in eurer Beziehung spielen. Schreibt uns: redaktion@alpenverein.at

Leichte Grödel für Wander:innen, die im Frühjahr Schneefelder sicher queren möchten. 13 gehärtete Edelstahlspitzen (7 mm und 17 mm) bieten Halt auf hartem Altschnee und vereisten Wegpassagen. Das elastische SilikonElastomer sorgt gemeinsam mit dem Klettband am Rist für einen stabilen, rasch anpassbaren Sitz. Die Alp 2.0 sind als PSA (Persönliche Schutzausrüstung) zertifiziert, tragen das CE-Zeichen und werden in Italien gefertigt („Made in Italy“). Bei sicherheitsrelevanter Ausrüstung ist geprüfte Qualität wesentlich. Mit rund 430–480 g pro Paar bleiben sie rucksacktauglich und erhöhen die Trittsicherheit auf moderaten Schneefeldern und eisigen Übergängen deutlich. www.nortecsport.com
49 €

Gelungene Weiterentwicklung des vielseitigen Trailrunning-Modells für ambitionierte Läufer:innen. Der Prodigio 2 bietet mehr Komfort im Knöchel- und Zehenbereich, eine stabilere Vorfußkonstruktion unterstützt bei dynamischen Richtungswechseln auf technischen Trails. Dämpfung, Passform und Laufgefühl bleiben ausgewogen und direkt. Das atmungsaktive 3D-Mesh-Obermaterial trocknet rasch, das Innenfutter besteht aus recycelten Materialien. Die FriXion®-Red-Sohle sorgt für verlässlichen Grip auf wechselndem Untergrund, der XFlow™-Schaum bietet bei 6 mm Drop eine reaktive, dennoch kontrollierte Dämpfung. Mit 225 g (Women) bzw. 265 g (Men) pro Schuh bleibt das Modell auch auf längeren Distanzen effizient. www.lasportiva.com
160 €

Leichter Halbschuh für schnelle Wanderungen und lange Tagesetappen auf einfachem Untergrund. Die GORE-TEX-Membran hält Nässe ab –ein Vorteil bei taufeuchten Wiesen, aufgeweichten Wegen und kurzen Regenschauern. Das Textil-Obermaterial trocknet zügig und bleibt auch bei wechselnden Bedingungen formstabil. Die LOWA® FAST-HIKING-Sohle bietet guten Grip auf nassem Waldboden und Schotter, die Dämpfung ist straff genug für zügiges Gehen, ohne an Präzision zu verlieren. Durch die flexible Konstruktion eignet sich der Schuh vor allem für Mittelgebirge und gut ausgebaute Bergwege. Made in Europe. www.lowa.at
Die „Refreshful SilkWool Jacket“ ist eine leichte, stilvolle Bergjacke mit Isolation aus nachhaltiger Seide und Wolle. Damit reguliert sie das Körperklima ganz natürlich bei wechselnden Bedingungen: Es bleibt angenehm warm und winddicht, atmungsaktiv, trocken und geruchsneutral. Für maximalen Tragekomfort am Berg und im Alltag. www.gz-bag.de ab 280 €


40-Liter-Rucksack für ein- bis mehrtägige Touren im Frühjahr. Das belüftete Rückensystem mit gespanntem Netzrücken sorgt auch bei feuchten Bedingungen für Luftzirkulation und reduziert Hitzestau am Rücken. Hüft- und Brustgurt sowie Lastkontrollriemen ermöglichen eine stabile Lastübertragung auf längeren Anstiegen. Das Hauptfach ist übersichtlich aufgebaut, ergänzt durch Deckel-, Front- und Seitentaschen sowie eine Vorbereitung für ein Trinksystem. Das robuste, wasserabweisende Material schützt den Inhalt bei wechselhaftem Wetter. Mit rund 1,1 kg ist der AEROTREK 40 angenehm leicht. www.salomon.com
170 €

Alex Lamprecht, Manuel Maringgele und Ivan Stecher Karl Felderer.
Es ist immer herausfordernd, die Biografie prägender Persönlichkeiten nachzuzeichnen, wenn sich darin dunkle Flecken befinden. Die des Südtiroler Bergsteigers Karl Felderer (1895–1989) ist so eine. Denn der Schriftsteller, Fotograf, Alpenvereinsfunktionär und spätere Umwelt- und Naturschutzaktivist war in der düstersten Zeit des 20. Jahrhunderts überzeugter Nationalsozialist. Die Historiker Alex Lamprecht, Manuel Maringgele und Ivan Stecher haben sich an die Aufarbeitung seiner Lebensgeschichte gemacht. „Eine Gratwanderung“, wie der Untertitel des Buches „Karl Felderer“ lautet, war so nicht nur Leben und Wirken des Südtiroler Bergsteigers, sondern auch die intensive Befassung mit den abwegigen Facetten dieser Persönlichkeit. Eine Einordnung war notwendig. Zum einen wurde Felderer dank seiner Verdienste um die Sektion Bozen des Alpenvereins Südtirol in den 1970er Jahren zum Ehrenmitglied ernannt und erhielt die Verdienstmedaille des Landes Tirol. Zum anderen gehört sein Bozner Bergsteigerlied „Wohl ist die Welt so groß und weit …“ aus dem Jahr 1926 zu den bekanntesten Südtiroler Heimatliedern und wird gern als „heimliche“ Südtirol-Hymne bezeichnet. Aus Felderers Feder stammt allerdings auch das Gedicht „Aufbruch“ (1940), das ihn als überzeugten Heim-ins-Reich-Verfechter auswies.
Die Autoren widmen dieser Seite Felderers einen intensiven und klaren Blick, zumal sich in dessen Biografie Südtiroler Zeitgeschichte spiegelt: Faschismus und Italianisierung, Hinwendung zum Nationalsozialismus in Südtirol, Jahrzehnte nachhallende Entzweiung zwischen den Dableibern und Optanten und Verdrängung der NS-Verstrickungen Südtirols in der Nachkriegszeit.
Nicht zuletzt erweist sich Felderers Biografie als spannend, weil dieser die Schattenseiten des Tourismus anprangerte und sich für Natur- und Umweltschutz einsetzte. So stand der „konservative Umweltschützer“ noch im hohen Alter mit dem historisch nicht minder umstrittenen Luis Trenker 1985 Seite an Seite bei der Kundgebung gegen die Erschließung der Confinböden, die am Fuß des Langkofels in Gröden liegen.
„Karl Felderer. Eine Gratwanderung“ ist die Biografie eines Mannes, der sich in die Südtiroler Geschichte und die des Südtiroler Alpenvereins eingeschrieben hat. Zahlreiche Fotografien aus dem Nachlass ergänzen die lesenswerte und eingängig geschriebene Biografie. Auch wenn an einigen Stellen etwas zu detailversessen, ist es eine profunde Aufarbeitung und Einordnung dieser Lebensgeschichte. Herausgegeben vom Alpenverein Südtirol.

Peter Adey Luft.
Eine Kultur- und Naturgeschichte
Schon die Einleitung von „Luft. Eine Kultur- und Naturgeschichte“ unterstreicht die Fähigkeit von Peter Adey, komplexe natürliche Phänomene in eingängige Häppchen zu packen, sodass die Lektüre eine leichte wird. Der in London lehrende Professor für Humangeografie ist Autor zahlreicher Sachbücher zu Themen der Mobilität, der Luftfahrt und, klarerweise, der Kulturgeografie. Mit „Luft. Eine Kultur- und Naturgeschichte“ liegt nun ein überaus interessantes, von Susanne Schmidt-Wussow ins Deutsche übersetztes Werk vor. Erschienen ist es im Haupt Verlag, in dessen Reihe „Naturphänomene“ bereits die Titel „Wind“ und „Wasser“ erschienen sind. Peter Adey behandelt das Lebenselixier Luft, das wir ganz selbstverständlich ein- und ausatmen, bei dem wir davon ausgehen, dass es immer da ist, bis … die Luft knapp, dünn oder zum Schneiden wird oder uns gar ausgeht. Er beschreibt Luft als einen Ozean, der uns umspült, einmal heftiger, einmal milder, einmal kaum spürbar. Dabei wandert der Autor durch die Jahrhunderte, die Jahrtausende, einem Phänomen auf der Spur, das die Menschen seit jeher begeistert und irritiert, das sie mit Geschichten aufluden und mit Legenden. Adey nimmt die Wirkung der Luft in den Künsten in den Blick, in den Natur- und Kulturwissenschaften. Er beschreibt, wie die Zusammensetzung der Luft sich von der Urzeit bis heute veränderte, zeigt, dass es ohne Luft kein Fortkommen gegeben hätte, keine Schiffe, keine Weltumsegelung, keine Entdeckung anderer Kontinente. Er feiert die Luft als Motor für gesellschaftliche und industrielle Entwicklungen sowie technologische Neuerungen.
In sechs Kapiteln nimmt der erfolgreiche Sachbuchautor uns Lesende mit auf seine Reise durch die Kultur- und Naturgeschichte der Luft – von „Auf dem Luftweg“ über „Ein Überschuss an Luft“ bis hin zu „Spiegelungen“ und „Staub zu Staub“. Wir können uns anhauchen lassen von den vielen Facetten eines Elements, das meist erst bewusster wahrgenommen wird, wenn etwas mit ihm nicht stimmt, wenn Abgase, Smog, Giftstoffe und dergleichen in Nase, Augen und in die Poren dringen.
Am Ende des Buchs finden sich unter anderem eine Zeittafel, Buchtipps und Links, kurzum: weiterführende Informationen für alle, die das Thema gepackt hat. „Luft. Eine Kultur- und Naturgeschichte“ ist ein wirklich feines Kompendium, toll zu lesen, informativ und überraschend, tiefgründig und vielschichtig diesem Gemisch zugewandt. Einatmen, ausatmen, umblättern und weitertauchen!

Franz Schörkhuber Gedanken & Fakten zu Bruder Baum. Die 30 schönsten Wanderungen in und um Wien
Es gibt Bücher über Bäume, die erklären. Und es gibt Bücher, die erzählen. Gedanken und Fakten zu Bruder Baum von Franz Schörkhuber schafft beides – auf leise, poetische und zugleich handfeste Weise. Der Autor porträtiert rund 80 heimische Bäume und Sträucher und beschreibt 30 Holzarten aus der Perspektive eines Praktikers. Schörkhuber ist Tischler alter Schule, aufgewachsen in einer steilen kleinbäuerlichen Land- und Forstwirtschaft in Oberösterreich – in einem Haus, das bis 1960 ohne Strom und Wasser auskommen musste. Holz war Werkstoff, Wärmespender, Lebensgrundlage.
Es war und ist aber auch ein romantisches Naturmotiv, dem man achtsam begegnet. Schörkhuber schreibt Bäumen Charakter zu – nicht im esoterischen Sinn, sondern aus genauer Beobachtung. Jede Art besitzt für ihn eine eigene „Persönlichkeit“, ein spezifisches Charisma, eine unverwechselbare Ausstrahlung. Seine von lyrischen Texten begleiteten Porträts verbinden botanische Fakten mit Handwerkswissen, kulturgeschichtlichen Bezügen und mythischen Überlieferungen. Alte Nutzungsformen stehen gleichberechtigt neben heutigen Anwendungen. So entsteht ein vielschichtiges Bild zwischen Naturkunde, Kulturgeschichte und persönlicher Erfahrung.

Bergsport und Gesundheit (Hg. Martin Kopp & Johannes Burtscher) widmet sich fundiert der Frage, wie sich Bewegung im alpinen Raum unmittelbar und langfristig auf Körper und Psyche auswirkt. Das Werk beleuchtet die Grundlagen des Bergsports in der Gesundheitsförderung ebenso wie Umgebungsfaktoren – von klimatischen Bedingungen bis zur Hypoxie – und deren molekulare sowie systemische Anpassungsprozesse. Eine eigene Sektion behandelt die therapeutischen Möglichkeiten bei Gesundheitsstörungen und in der Rehabilitation. Darüber hinaus analysieren die Autorinnen differenziert das Gesundheits- und Risikopotenzial einzelner Disziplinen wie Klettern, Bergwandern, Skifahren, Mountainbiken oder Höhenbergsteigen.
Abgerundet wird der Band durch gesellschaftliche Perspektiven: Bergsport als Faktor für Lebensqualität, Tourismus, demografische Entwicklung und nicht zuletzt im Kontext des Klimawandels.
Gletscher, Fauna, Wege.
Eine Sonderschau des Alpenvereins Klagenfurt im kärnten.museum vom 24.04. bis 05.07.2026.








In den Hochalpen prägen Eis, Fels und extreme Bedingungen das Leben. Hier begegnen sich Natur und Mensch seit Jahrtausenden. Gletscher, Wildtiere, alte Handelsrouten und Hütten erzählen von Erkundung, Erschließung und Verantwortung. Die Ausstellung „Hoch in den Alpen –Gletscher, Fauna, Wege“ eröffnet einen vielschichtigen Blick auf Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft dieses hochalpinen Naturraums.
Die Natur zeigt sich hier in geologischen Phänomenen wie Gletschern – Überreste der letzten Eiszeit. Gämse, Steinadler und Murmeltiere haben sich den klimatischen Bedingungen der Höhe angepasst. Mit dem Ende der letzten Kaltzeit und dem Abschmelzen der Eisdecke vor etwa 11.000 Jahren begann die kontinuierliche Nutzung des Hochgebirges durch den Menschen – zur Jagd, als Lebensraum und später auch für den Handel über die Alpen. Erste Routen bildeten die Grundlage für das Wegenetz, das wir heute kennen.
















Heute gibt es allein in Österreich ein vom Österreichischen Alpenverein errichtetes und betreutes Wegenetz von 26.000 Kilometern und 225 Hütten, die Schutz, Unterkunft und Verpflegung bieten. 193 Sektionen und 25.000 Ehrenamtliche sichern die Arbeit des Vereins. Viele Hüttennamen, etwa die „Klagenfurter Hütte“, zeigen bis heute, welche Sektion hinter Bau und Betreuung steht. Das Glocknerhaus, ebenfalls im Besitz des Alpenvereins Klagenfurt, mit seiner markanten Fassade und ehemals Blick auf die Pasterze feiert heuer bereits sein 150-jähriges Bestehen. Die Ausstellung „Hoch in den Alpen – Gletscher, Fauna, Wege“ im kärnten.museum beschäftigt sich mit diesen vielfältigen Facetten der Natur und des Menschen im hochalpinen Bereich. Wie entwickelt sich die Pasterze als (noch) größter Gletscher der österreichischen Alpen bei fortschreitender Klimaerwärmung? Was bedeutet dies für Fauna und Mensch? Und wie beeinflusst die Veränderung die Sicherheit im Gebirge und die Arbeit des Alpenvereins? Im Zentrum der Ausstellung steht das Glocknerhaus – Symbol für die lange Geschichte des Menschen im Hochgebirge. Mitglieder des Alpenvereins haben während der Sonderschau freien Eintritt in die gesamte Ausstellung des kärnten.museums in der Museumgasse 2 in 9020 Klagenfurt.
landesmuseum.ktn.gv.at


Otto Barth, Der letzte Gang, 1912, Öl auf Leinwand, Maße: 192 × 200 cm m. R. Foto: ÖAV-Museum, FotoWest
Vom Akt des Gebens und der Erfüllung von Wünschen Im Schaukasten, Teil 50
Ve RON i K a Raich Alpvenverein-Museum
Der letzte Gang“ (1912) gehört zu den reifsten und eindrucksvollsten Gemälden des Wiener Bergsteigermalers Otto Barth (1876–1916). Das Bild erzählt von Gemeinschaft, Abschied und Zusammenhalt im Gebirge: Eine Gruppe von Menschen begleitet eines ihrer Mitglieder auf seinem letzten Weg und erweist ihm in stillem Gedenken die letzte Ehre. Die harmonischen malerischen Kontraste zwischen der in leuchtendes Abendrot getauchten Kirche und dem bleichen Weiß der Schneelandschaft unter dem satt mattblau gefärbten Himmel des späten Nachmittags spiegeln sich in den Gesichtern der Trauernden wider. Unsere letzte Ehre gilt dem großzügigen Spender dieses außergewöhnlichen Gemäldes, Dr. Alfred Lechner aus Wien. Sein Herzenswunsch bei der Übergabe war
es, den Rahmen des Barth’schen Meisterwerkes beizeiten restaurieren zu lassen. Diesem Wunsch konnte nun in einem aufwändigen Restaurierungsprozess entsprochen werden. Der Leidenschaft von Franz und Ilona Hofinger für Bilderrahmen und Restaurierungsarbeiten sowie der jahrzehntelangen Erfahrung der beiden im Wiederherstellen desolater Objekte ist es zu verdanken, dass der Rahmen heute wieder originalgetreu in seinem ursprünglichen Glanz erstrahlt.
Damit schließt sich ein weiterer Kreis und der letzte Wunsch des Schenkers hat seine Erfüllung gefunden. Was uns nun noch besonders beschäftigt, ist die Frage: Wo steht diese Kirche? Wir freuen uns sehr über Hinweise, Gedanken und Perspektiven dazu. museum@alpenverein.at

A. [Blasin?]: Gruppe von Skifahrerinnen und Skifahrern im Reintal bei GarmischPartenkirchen, Ende April 1924. Foto: OeAV FOT 101.19.2
Was ein historisches Skibild erzählt. Aus der Sammlung des Alpenverein-Museums, Teil 58
aN t ON hOL ze R
Zwölf junge Skifahrerinnen und Skifahrer, aufgefädelt wie auf einer Perlenschnur, damit der Fotograf ja alle im Bildausschnitt unterbringt. Die meisten von ihnen haben die Skier geschultert, die Stöcke halten sie in der Hand. Fast alle blicken in die Kamera. Da ein zaghaftes Lächeln, dort ein gespannter Blick. Gleich geht es los. Der Aufstieg kann beginnen. Doch halt! Wo ist der Schnee? Alle zwölf stehen auf der grünen Wiese, am Boden ist nirgends eine Spur der weißen Unterlage zu sehen, nur die Berge im Hintergrund sind leicht angezuckert. Auch Handschuhe kann ich im Bild keine erkennen.
Skifahren anno dazumal
Bevor wir der Frage des fehlenden Schnees nachgehen, werfen wir zunächst einen Blick auf die Ausrüstung der Skifahrer. Die Skier, die die jungen Alpinistinnen und Alpinisten auf ihren Schultern tragen, haben mit heutigen Skiern fast nur den Namen gemeinsam. Welch ein Unterschied! Die Sportgeräte im Bild sind lange, an der Spitze aufgebogene Holzbretter, ohne den heute üblichen Kunststoffbelag und noch ohne Metallkanten.
Und auch die Skibindung ist nicht mit heutigen Hightech-Lösungen zu vergleichen. Die Spitze des Schuhs (in der Regel war das damals ein normaler Lederbergschuh) wurde mit einem Lederriemen und später mittels einer metallenen Fixierung festgeklemmt. Beim Aufstieg sollte die Ferse beweglich bleiben, erst vor der Abfahrt wurde der Schuh – oft mit Hilfe eines Fersenriemens, der am Ski fixiert wurde – stabilisiert.
Auch die Skistöcke sind Welten von unseren heutigen, häufig in der Länge verschiebbaren und ultraleichten, aus Kunststoff oder Leichtmetall gefertigten Stöcken entfernt. Damals musste ein einfacher Bambusstock mit einer Schlaufe genügen, am unteren Ende war ein großer Teller eingehängt, der das Einsinken des Stocks im Tiefschnee verhinderte.
Wo ist der Schnee?
Warum sind die Skifahrerinnen und Skifahrer so leicht bekleidet? Viele der jungen Männer tragen halblange Hosen, die
Viele der jungen Männer tragen halblange Hosen, die Waden zwischen Hose und Stutzen sind frei. Nur die Frauen haben lange Hosen. Unter den Jacken einiger Männer sind dünne Hemden und etliche lederne
Hosenträger zu erkennen.
Waden zwischen Hose und Stutzen sind frei. Nur die Frauen haben lange Hosen. Unter den Jacken einiger Männer sind dünne Hemden und etliche lederne Hosenträger zu erkennen. Die Köpfe aber haben ausnahmsweise alle mit Kappen und Mützen bedeckt, wohl der Sonne wegen. Wenn wir das Foto wenden, wird klar, warum unsere alpine Gesellschaft so locker gekleidet ist. Die Aufnahme entstand, so ist zu lesen, zu Ostern 1924. Ich schlage in einem historischen Kalender nach, der Ostersonntag war damals der 20. April. Kein Wunder, wenn sich zu dieser Zeit am Ausgangspunkt der Skitour der Schnee bereits auf die Berge zurückgezogen hatte und im Tal schon das Gras zum Vorschein kam. Doch wo genau wurde das Foto aufgenommen? Auch darauf gibt die Rückseite eine präzise Antwort: Reintal Hospiz, Zugspitze, ist da zu lesen.
Es handelt sich dabei um den auf 1.000 Meter Höhe gelegenen Reintaler Hof –vormals ein Hospiz –, der nördlich von Garmisch-Partenkirchen im Reintal liegt und der als guter Ausgangspunkt für Touren auf die Zugspitze gilt. Nach einer langen und wechselvollen Geschichte dieser Unterkunft, die bis ins 17. Jahrhundert zurückreicht, wurde das Haus 1982 geschlossen.
Auf die Zugspitze?
Wohin führte die Skitour die zwölf jungen Frauen und Männer wohl? Vermutlich durch das Reintal in Richtung Zugspitze. Ganz hinauf werden sie es der langen Gehzeit wegen wohl nicht an einem Tag geschafft haben, vielleicht haben sie in der höher gelegen Reintalangerhütte eine weitere Pause eingelegt und vielleicht auch übernachtet.
Und noch eine letzte Frage, deren Antwort freilich offenbleiben muss: Wer genau hat das Foto aufgenommen? Auf der Rückseite lesen wir den abgekürzten Vornamen A. und dahinter – schwer zu entziffern – den Nachnamen: Blasin (?). Ein Fotograf dieses Namens ist mir nicht bekannt, was wenig zu bedeuten hat. Denn vermutlich wurde das Foto von einem Amateurfotografen aufgenommen, vielleicht war es ein Freund der Skitourengruppe, der keine Spuren in den Annalen der Fotogeschichte hinterlassen hat.
Risse im Bild
Wenn dem so ist, hätte die Gruppe seinerzeit aus 13 Mitgliedern bestanden. Auf eine Amateuraufnahme weist nicht zuletzt auch die etwas mangelhafte Qualität des Bildes hin. Die Lichtverhältnisse dürften zudem recht ungünstig gewesen sein, die Konturen der Porträtierten sind etwas unscharf geraten, vor allem die Gesichter der an den Rändern Stehenden sind schwer zu erkennen. Das Wetter dürfte zu Ostern 1924 in GarmischPartenkirchen trüb gewesen sein, denn auch der Blick auf die Berge im Hintergrund ist verhangen.
Und noch etwas fällt auf: Das Glasplattennegativ, auf dem das Bild entstand, weist mehrere Risse auf, die ihre Spuren auch im vor uns liegenden Abzug hinterlassen haben. Einem geübten professionellen Fotografen wäre dieses Missgeschick wohl kaum passiert. Vielleicht ist die Platte bereits im Rucksack gesprungen – womöglich während eines Sturzes bei der Abfahrt, wer weiß.
Dr. Anton Holzer ist Fotohistoriker, Ausstellungskurator und Herausgeber der Zeitschrift „Fotogeschichte“, er lebt in Wien. www.anton-holzer.at
J UN i/J U li/AUGUS t
Bergauf widmet sich in dieser Ausgabe einem zentralen Thema des Alpenvereins: unseren Hütten. Zwischen Architekturwettbewerben, sensiblen Ersatz- und Umbauten und Denkmalschutz auf Alpenvereinshütten beleuchten wir, wie sich alpine Baukultur weiterentwickelt. Bergsportexperte JÖRG RaNdL formuliert einen zeitgemäßen Bergsteigerknigge, während SicherAmBergSpezialist GeRhaRd mÖSSmeR erklärt, was Sommerhitze für Bergsportler:innen bedeutet – und wie man klug damit umgeht. Kartographie-Professor GeORG GaRtNeR wirft einen Blick in die Zukunft der Kartenwelt, Journalist micheL mehLe besucht den Alpenverein Britannia in England und Naturschutzexpertin LiLiaNa daGOStiN analysiert den geplanten Windpark am Windsfeld. Bergauf #2.2026 erscheint Anfang Juni 2026.
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Bergauf. Mitgliedermagazin des Österreichischen Alpenvereins #1.2026, Jg. 81 (151)
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Redaktion: Anna Praxmarer, Evelin Stark, redaktion@alpenverein.at
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Anzeigenannahme: Werbeagentur David Schäffler, office@agentur-ds.at Tarife: www.bergauf.biz
Die grundlegende Richtung des ÖAV-Mitgliedermagazins wird durch die Satzung des Österreichischen Alpenvereins bestimmt. Abgedruckte Beiträge geben die Meinung der Verfasser:innen wieder. Für unverlangte Sendungen wird keine Haftung übernommen. Retournierung nur gegen beiliegendes Rückporto. Bezugspreis ist im Mitgliedsbeitrag enthalten. Adressänderungen bitte bei deiner Sektion bekanntgeben bzw. direkt unter mein.alpenverein.at ändern. Beiträge in Bergauf sollen nach Möglichkeit geschlechterneutral formuliert oder die Schreibweise mit dem „Gender-Doppelpunkt“ (Autor:in) verwendet werden. Bei Texten, deren Urheberschaft klar gekennzeichnet ist, liegt es in der Freiheit der Autor:innen, zu gendern oder nicht.
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