Erinnert sich noch jemand an die erste Lockdown-Phase, in der Theater vorzugsweise als krisseliger Probenmitschnitt auf den heimischen Computerbildschirm kam? Kaum zu glauben, wenn man heute, genau ein Pandemie-Jahr später, durch virtuelle dramatische Landschaften surft – mit VR-Brillen, die einem von den Bühnen direkt nach Hause geschickt werden!
Aber: Hat sich das Medium wirklich grundlegend verändert – oder handelt es sich letztlich doch nur um alten Theaterwein in neuen Bühnenschläuchen? Darüber denkt der Schriftsteller und Dramatiker Clemens J. Setz in unserem Schwerpunkt „Elektro-Theater – Der virtuelle Raum“ nach. Er finde es zumindest „erstaunlich“, schreibt Setz in einem exklusiven Essay über VR-Theater, „wie oft gewisse neue Medien sehr alten metaphysischen Vorstellungen gleichen“.