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The Shining

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Spielzeit 2025/26

THE SHINING

„Danny, das ist nicht dein Vater, der da spricht. Das ist das Hotel.“
Wendy Torrance

THE SHINING

Oper von Paul Moravec

Libretto von Mark Campbell

Nach dem gleichnamigen Roman von Stephen King

in englischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Besetzung

Jack Torrance, Schriftsteller

Wendy Torrance, seine Frau

Danny Torrance, ihr Sohn

Mark Torrance, Jacks Vater

Dick Hallorann, Koch

Stuart Ullann, Manager / Lloyd, Bartender / Crooner, Sänger

Bill Watson, Monteur / Delbert Grady, Hausmeister

Mrs. Anna Mae Grady, Delberts Frau

Die Töchter der Gradys

Mrs. Enid Massey

Der Senator

Horace Derwent, Hotelbesitzer

Stimme des Rangers

Opernchor des Theaters Vorpommern

Kinderchor des Theaters Vorpommern

Philharmonisches Orchester Vorpommern

Maciej Kozłowski

Antje Bornemeier

Linda Hwa*

Thomas Rettensteiner

Jovan Koščica

Sotiris Charalampous

Semjon Bulinsky

Lisa Henningsohn

Sina Puffay, Helene Kerst

Kaho Yamashita*

Hanqi Jiao*

Alexandru Constantinescu

David Grant

* Mitglied des Opernchors des Theaters Vorpommern

Liebe Gäste, wir möchten Sie darauf aufmerksam machen, dass Ton- und/oder Bildaufnahmen unserer Aufführungen aus urheberrechtlichen Gründen untersagt sind. Vielen Dank.

Musikalische Leitung

Inszenierung

Bühne & Video

Kostüme

Licht

Chöre

Dramaturgie

Musikalische Assistenz

Regieassistenz & Abendspielleitung

Inspizienz

Übertitel & Übertitelinspizienz

Alexander Mayer

Aurelia Eggers

Marion Andrea Menziger

Ariane Salzbrunn

Marcus Kröner

Jörg Pitschmann

Katja Pfeifer

David Behnke, David Grant, Yoshihiro Horie

Frida Jasper

Saskia Becker

Katja Pfeifer, Jenna Engelhaupt

Premiere in Stralsund am 29. Mai 2026

Aufführungsdauer: ca. 2 ½ Stunden, Pause nach dem ersten Akt

Aufführungsrechte: Boosey & Hawkes, Bote & Bock GmbH, Berlin

Veröffentlicht und präsentiert mit Genehmigung der Subito Music Corporation

Ausstattungsleiterin Eva Humburg Technischer Direktor Christof Schaaf

Bühnentechnische Einrichtung Andreas Flemming Licht- & Videooperator Daniel Sander Toneinrichtung Samuel Zinnecker Leitung Bühnentechnik Michael Schmidt

Leitung Beleuchtung Kirsten Heitmann Leitung Ton Daniel Kelm Requisite Christian Porm (Leitung), Maximilian Roth, Carolin Süssner Bühne & Werkstätten: Produktionsleiterin Eva Humburg Tischlerei Stefan Schaldach, Bernd Dahlmann, Kristin Loleit Schlosserei Michael Treichel, Ingolf Burmeister Malsaal Anja Miranowitsch, Fernando Casas Garcia, Sven Greiner Dekoration Paul Gebler, Janet

Hellmuth Kostüm & Werkstätten: Leitung Angela Sulek Gewandmeisterinnen

Annegret Päßler, Carola Bartsch Modisterei Elke Kricheldorf Assistentinnen Finja Stagge, Maisa Franco Ankleiderinnen Ute Schröder, Petra Hardt Maske Tali Rabea Breuer, Jill Dahm, Philipp Gielow, Antje Kwiatkowski, Kateryna Maliarchuk, Bea Ortlieb

„Einige der schönsten Hotels der Welt liegen in Colorado, aber das Hotel dieses Buches hat nichts mit ihnen zu tun. Das Overlook und die Menschen, die mit ihm verbunden sind, existieren nur in der Vorstellung des Autors.“

The King of Horror

Stephen King und Jack Torrance wurden 1947 geboren. King in Portland, Maine; Jack Torrance – laut King – in Berlin, New Hampshire.

„Ich hatte eine turbulente Kindheit, heute hier – morgen da. Während meiner ersten Lebensjahre zog meine alleinerziehende Mutter ständig um. Einmal brachte sie meinen Bruder und mich, glaube ich, für eine Weile bei einer ihrer Schwestern unter, weil sie finanziell oder psychisch nicht in der Lage war, mit uns zurechtzukommen. Vielleicht war sie auch nur auf der Suche nach unserem Vater, der einen Stapel verschiedenster Rechnungen anhäufte und sich dann aus dem Staub machte, als ich zwei und mein Bruder David vier Jahre alt war. Wenn ja, dann hatte sie keinen Erfolg damit.

Bäume auftauchen … diese Art von Bäumen, die aussehen, als wollten sie einen packen und fressen.

Für mich war ein kalter Herbsttag des Jahres 1959 oder 1960 auf dem Dachboden über der Garage meines Onkels der Augenblick, als die innere Wünschelrute sich plötzlich senkte, als sich die Kompassnadel mit Nachdruck zu einem magnetischen Nordpol des Geistes drehte. An jenem Tag fand ich eine Kiste mit Büchern meines Vaters …, Taschenbüchern aus den vierziger Jahren.

Meine Jugend ähnelt eher einer vernebelten Landschaft, in der gelegentlich Erinnerungen wie vereinzelte

Meine Mutter erzählte mir, es konnte vorkommen, dass er mit einem Western in der Tasche herumlief, aber sein wahres Interesse Science Fiction und Horrorgeschichten galt. Er versuchte sich sogar selbst an einigen und reichte sie den populären Herrenzeitschriften jener Zeit ein. Es gelang ihm letztlich nicht, etwas zu veröffentlichen.

Diese Bücherkiste war selbstverständlich nicht meine erste Begegnung mit Horror. Ich glaube, in Amerika müsste man blind und taub sein, wenn man im Alter von zwölf Jahren nicht mit dem einen oder anderen Schreckgespenst in Berührung gekommen ist. Aber es war meine erste Begegnung mit ernsthafter Horror-Fantasy-Literatur.“

Während seiner Schulzeit schreibt King Kurzgeschichten, die er auf dem Schulhof veräußert – so fängt alles an. Später wird er sich als Lehrer versuchen – und scheitern. Er scheitert öfter, verliert das Vertrauen in sich, greift zur Flasche.

1970 lernt Stephen King Tabitha Spruce kennen. Die beiden heiraten 1971. Auch Jack Torrance und Wendy, geben sich in diesem Jahr das Ja-Wort.

1974 erscheint Kings Debütroman „Carrie“. Im selben Jahr übernachten Stephen und Tabitha King im Stanley Hotel in Estes Park, Colorado. Sie sind die letzten Gäste vor der Winterschließung des Hotelkomplexes. Während des einsamen Abendessens im menschenleeren Speisesaal weht aus entfernten Lautsprechern Orchestermusik durch die Hallen. Das Ehepaar bewohnt Zimmer 217. Während

Tabitha schon auf das Zimmer geht, genehmigt sich Stephen noch einen Drink an der Hotelbar. Der Name des Bartenders, so erinnert sich King, lautete Grady. In der Nacht erwacht der Autor, nachdem er geträumt hat, sein damals dreijähriger Sohn Joe sei durch die leeren Korridore des Hotels gerannt und sei von einem auf dem Boden liegenden Feuerwehrschlauch verfolgt worden. Eine Beruhigungszigarette später nimmt die Idee für den Roman „The Shining“ Gestalt an.

1977 werden Jack Torrance, Wendy und der mittlerweile fünfjährige Sohn Danny den Winter über im OverlookHotel wohnen.

Zum gleichen Zeitpunkt sitzen Stephen King und der Verleger Bill Thompson in einem irischen Pub.

„Wir haben einiges zu feiern, darunter nichts Geringeres als die Fertigstellung meines dritten Buches ‚Shining‘ (Originaltitel: ‚The Shining‘). Das ist der Roman, der zufällig von einem alkoholkranken Schriftsteller und ehemaligen Lehrer handelt.

Wir beginnen mit einigen Drinks an der Theke, und ich lese die Aufkleber an den Spiegeln: TRINK EINEN MANHATTAN IN MANHATTAN!, steht auf einem. DIENSTAGS ALLES FÜR DIE HÄLFTE, steht auf einem anderen Auf-

kleber. ARBEIT IST DER FLUCH DER TRINKENDEN KLASSE, besagt ein dritter. Und genau vor mir ist einer, auf dem steht: SPEZIELL FÜR FRÜHAUFSTEHER: SCREWDRIVERS MONTAGS BIS FREITAGS 8-10 UHR NUR EINEN

DOLLAR! Ich winke dem Barkeeper. Er kommt herüber. Er ist kahl und trägt ein graues Jackett. Er könnte der Typ sein, der mir 1966 die erste Flasche verkaufte. Ist er wahrscheinlich auch. Ich weise auf den Aufkleber für Frühaufsteher und frage: ‚Wer kommt denn morgens um Viertel nach acht schon in die Bar und bestellt einen Screwdriver?‘ Ich lächele, aber er erwidert mein Lächeln nicht. ‚Collegejungs‘, antwortet er. ‚So wie Sie.‘

einzige Weise um Hilfe, die er kannte: durch meine Geschichten und meine Monster.“

Die in diesem Text zitierten Äußerungen von Stephen King entstammen den Werken „Das Leben und das Schreiben“ (2000) sowie „Danse macabre“ (1981).

Du meine Scheiße, ich bin Alkoholiker, dachte ich, und es erhob sich kein Widerspruch in meinem Kopf – immerhin war ich der Typ, der Shining geschrieben hatte, ohne zu merken, dass ich von mir selbst erzählte (wenigstens bis zu diesem Abend).

Doch der Teil von mir, der Geschichten schreibt, der Teil tief im Inneren, der bereits 1975, als ich Shining schrieb, wusste, dass ich Alkoholiker war, dieser Teil wollte das nicht einsehen. Dabei ging es diesem Teil gar nicht ums Schweigen. Er rief auf die

„Mister Torrance, die Winter hier sind hart. Die Einsamkeit fordert ihren Preis.“

Willkommen im Overlook!

Lesen Sie eigentlich auch immer zuerst die letzte Seite, wenn Sie einen Thriller vor sich haben, um sich damit zu beruhigen, dass Sie wissen, wie es ausgeht?

Schauen Sie ruhig auch in diesem Heft nach. Ja, da steht „Alles wird gut“ – aber es lächelt böse, dieses „gut“ und bleckt dabei die Zähne. Vertrauen Sie besser nicht auf die letzte Seite.

Lassen Sie mich Ihnen lieber eine Geschichte erzählen. Vielleicht vermag sie ebenso wenig, Sie zu beruhigen, aber Sie werden nach der Lektüre zumindest besser informiert sein.

Irgendwo in den Bergen Colorados steht ein Hotel – das Overlook. Man sollte meinen, der Name wirbt für die

traumhafte Aussicht, die man von hier oben genießt. Aber vielleicht versteckt sich noch eine zweite Bedeutung hinter dem Offensichtlichen. Nehmen wir an, das Hotel selbst blickt sich um, hält Ausschau nach einem Hausmeister, der während der Winterschließungszeit das Gebäude instand hält und die Zimmer heizt. Das klingt nach einer überschaubaren Aufgabe – und doch ist das nicht für jeden etwas. Vor ein paar Jahren hütete Delbert Grady hier ein. Seine Frau, die beiden Töchter und er bezogen im Oktober ihr Quartier. Dann kam der Winter mit seinen Schneemassen und schnitt das Hotel von der Außenwelt ab. Was dann geschah, kann man nur erahnen. Doch es scheint, als habe keine der vier Personen das Hotel seitdem wirklich verlassen.

In den Sommermonaten präsentiert sich das Hotel übrigens sehr herrschaftlich und einladend. Man sollte nicht glauben, dass sich in seinen Mauern schon so manche menschliche Tragödie abgespielt hat. In Zimmer 217 beispielsweise wohnte Mrs. Enid Massey – eine ältere Dame, die sich hier mit einem sehr jungen Mann vergnügen wollte. Als dieser sie zurückwies, ging sie baden …

In den 1960er Jahren mieteten sich mehrere hochrangige Vertreter der organisierten Kriminalität im Overlook ein. Leider hatte man bei der Buchung nicht beachtet, dass die Herrschaften zwei unterschiedlichen

Organisationen angehörten. So kam es zu einem unschönen Schusswechsel in der Präsidentensuite.

Das zog den Ruf des gesamten Hotels in Mitleidenschaft, sodass der damalige Besitzer, Horace Derwent, das Gebäude veräußern musste. Schade, hatte er doch in den goldenen Zeiten des Overlook – in den 1940er Jahren – große Festivitäten im hauseigenen Ballsaal veranstaltet: glanzvolle Maskenbälle mit vielen Gästen, Tanz und ausgesuchten Getränken.

Doch Ende der 1960er Jahre war diese Ära vorbei. Zeitweise wurden die Zimmer des Overlook sogar nur stun-

denweise vermietet. Bis es auch hier zu einem denkwürdigen Zwischenfall kam. Als ein namhafter US-Senator überraschend in den Räumlichkeiten des Overlook an einem Herzinfarkt verstarb – bekleidet nur mit einem Strumpfgürtel, schwarzen Nylonstrümpfen und hochhackigen Lacklederpumps – schloss das Hotel erneut.

Doch das gehört alles der Vergangenheit an. In diesem Jahr zieht eine kleine Familie über den Winter ins Overlook ein, die mit ihrem Aufenthalt alles auf eine Karte setzt. Jack Torrance kämpft sich gerade wieder in ein erfolgreiches Leben zurück. Seit seiner traumatischen Kindheit, die maßgeblich durch den prügelnden Vater, einen ehemaligen Krankenpfleger, bestimmt wurde, leidet Jack unter der ständigen Angst, nicht genügen zu können und tatsächlich ist ihm in seinem Leben bereits einiges entglitten. Sein Ruf als Alkoholiker und erfolgloser Schriftsteller mit Hang zum gewalttätigen Kontrollverlust eilt ihm voraus, als er sich um den Posten bewirbt.

Doch genau das scheint ihn zu qualifizieren für diesen Job – aus Sicht des Overlook. (Hotelmanager Ullman ist da anderer Ansicht, aber seine Meinung ist nur bedingt gefragt.) Menschen, deren labile Psyche sich gewissen Einflüsterungen bereitwillig

öffnet, sind genau das, was dieses Hotel jetzt braucht.

Jack Torrance zieht also im Herbst mit seiner Frau Wendy und dem fünfjährigen Danny ins Overlook ein. Auch Wendy sieht in dem Winteraufenthalt zunächst nur Chancen: Eine Möglichkeit, sich als Mutter ganz ihrem Kind zu widmen, dem kleinen Danny das Lesen beizubringen und vor allem auch ihre Ehe mit Jack zu retten.

Danny allerdings könnte zu einem Problem werden. Er nimmt mehr wahr als alle anderen, scheint den Ort zu durchschauen. Darin ähnelt er dem Koch Hallorann, der die dunkle Energie des Hotels längst mit seinem hellen Geist erspürt hat – er nennt diese Gabe „Shining“. Wohlweislich begibt er sich über die Wintermonate weit weg, dorthin, wo die Sonne immer scheint. Am liebsten würde er den kleinen Danny mitnehmen, um ihn zu schützen, aber noch wissen ja nur er und der kleine Junge, was in diesem Hotel alles hinter der glänzenden Fassade lauert. Und wer glaubt schon einem Kind, das sagt, es sehe Dinge …

Also öffnet das Overlook lächelnd seine Zimmer für Familie Torrance, hält für Jack auch ein wenig Lesestoff bereit und bedankt sich für die täg-

liche hausmeisterliche Heizkesselkontrolle mit ausgesuchten Visionen, einem Maskenball und dem einen oder anderen Drink aufs Haus.

Es verspricht, ein traumhafter Winter zu werden. Alles wird gut!

„Alles hier in der ‚großartigen und ehrenvollen Vergangenheit‘ des Overlook schreit danach, lebendig zu werden.“
Jack Torrance

In Wort und Ton –

Horror auf der Opernbühne

Nach dem Welterfolg von „The Shining“ als Roman 1977 folgte 1980 die filmische Adaption durch Regisseur Stanley Kubrick. Über diese Verfilmung entbrannte ein dauerhafter Streit zwischen Autor und Regisseur. Schon allein durch die Wahl von Jack Nicholson als Hauptdarsteller für seine Verfilmung legte Kubrick einen Charakter an, der sich in wesentlichen Teilen vom Protagonisten des Romans unterschied. Kubrick schrieb nicht zuletzt aufgrund seiner bestechenden Bildsprache (Horror)-Filmgeschichte. Und doch war es nicht die Geschichte von Stephen Kings Jack Torrance, die da erzählt wurde.

Knapp 30 Jahre später, 2009, beauftragte der Generalintendant der Minnesota Opera, Dale Johnson, den Komponisten Paul Moravec damit, eine Oper für sein Haus zu schreiben. Schon bald fasste man den Stoff von „The Shining“ ins Auge. Moravec schrieb eine E-Mail an Stephen King, in der er ihm die Idee darlegte. Zwanzig Minuten später kam die Antwortmail mit Kings Erlaubnis. Als Librettisten schlug Johnson den erfahrenen Theaterautor Mark Campbell vor. Zwar hatten Moravec und Campbell noch nie zusammengearbeitet, aber

man kannte sich, „denn New York ist ein Dorf“ – wie Moravec so treffend bemerkt.

Und so kam 2016 mit „The Shining“ eine Oper auf die Bühne, die explizit auf Stephen Kings Roman basiert. Sie hält also für passionierte Kinogänger einige Überraschungen bereit und bietet Romanlesern ein packendes zweieinhalbstündiges musiktheatrales Konzentrat des ca. 600seitigen Thrillers von Stephen King.

Im Vorfeld der Produktion am Theater Vorpommern kam die Musikdramaturgin Katja Pfeifer mit dem Librettisten Mark Campbell und dem Komponisten Paul Moravec über die Oper ins Gespräch.

Mark Campbell

Der namhafte amerikanische Theaterautor hat weit über 40 Libretti verfasst. Bekannt machten ihn Werke wie „Stille Nacht“ und „The Shining“ sowie „Die (R)evolution des Steve Jobs“. Seine Werke wurden sowohl mit dem Pulitzer-Preis als auch mit einem Grammy Award ausgezeichnet. 2020 rief er den Campbell-Opernlibretto-Preis ins Leben. 2024 erhielt er den Lifetime Achievement Award der National Opera Association und wurde 2026 in die Hall of Fame der OPERA America aufgenommen.

Herr Campbell, ein Opernlibretto folgt anderen Regeln als ein Roman. Es ist straffer und dialogischer angelegt. In Stephen Kings Roman wechseln sich lange deskriptive Phasen mit schnellen, actionreichen ab. Wie kreieren Sie ein Thriller-Opernlibretto – nur mit Worten oder auch durch den bewussten Einsatz von Sprachlosigkeit?

MC: Ein Libretto MUSS kurz und auf den Punkt sein, um der Musik genügend Raum zu lassen. Schon beim Verfassen des Librettos habe ich die rein instrumentalen Zwischenspiele mitgedacht, nicht zuletzt, weil ich dem Publikum eine Erholung von den Gesangspassagen gönnen wollte. Und da ich wusste, dass Paul ein Meister der Orchestrierung ist, wuss-

te ich, dass er die Zwischenspiele für die dramatische Wirkung nutzen würde – was er auch tat.

Betrachtet man die zeitliche Abfolge der Ereignisse, stellt man fest, dass die Zeit in der Oper nicht gleichmäßig vergeht, sondern zunehmend das Tempo angezogen wird. Die Szenen werden kürzer, die Ereignisse scheinen sich zu überschlagen und auf den Höhepunkt hinzusteuern, so als verschlinge das Hotel nicht nur Menschen, sondern als sauge es auch die Zeit ein wie ein schwarzes Loch.

MC: Ich habe ganz bewusst die Entscheidung getroffen, den Zeitverlauf in der Oper zu straffen. Der Hauptteil des Romans spielt über 4 bis 5 Monate. Die Oper umfasst 4 oder 5 Wochen. Den zweiten Akt habe ich auf einen Zeitraum von 24 Stunden gestrafft – den Epilog ausgenommen. So kann die Geschichte noch knapper gestaltet werden.

Kings Roman steckt voller Ereignisse und Situationen, die man unmöglich alle an einem Opernabend auf die Bühne bringen kann. Sie mussten sich also entscheiden, auf welche Handlungsstränge Sie sich konzentrieren, welche Personen Sie ins Zentrum stellen und welche Sie weglassen.

MC: Ich wähle die Ereignisse für eine Adaption danach aus, ob sie die Handlung vorantreiben, zur Charakterisierung beitragen – und ob sie bühnentauglich sind. Für „The Shining“ hatte ich mich frühzeitig dazu entschlossen, eine klaustrophobische Atmosphäre zu wahren und den Großteil der Handlung auf das Innere des Overlook zu beschränken, also die Orte außerhalb des Hotels weitgehend wegzulassen. Die wichtigste Entscheidung, die ich getroffen habe, war die Einbeziehung von Jacks Vater Mark – und sogar die Ausweitung seiner Rolle. Ich wollte Jack noch menschlicher erscheinen lassen; der beste Weg hierfür bestand darin zu zeigen, dass auch er als Kind Misshandlungen durch einen Erwachsenen erleiden musste. Das macht sein Verhalten nachvollziehbarer.

Obwohl Jack Torrance im Zentrum der Ereignisse steht, trägt der Roman – und somit auch die Oper – den Titel „The Shining“ und meint damit eine Gabe, die Danny und Hallorann auszeichnet, in einer abgeschwächten Form vielleicht auch Wendy. Bezieht sich der Titel auch auf Jack?

MC: Ich denke, jeder hat einen Zugang zur Intuition (was im Grunde das „Shining“ ist). Aber nicht jeder ist offen genug dafür, dieser Intui-

tion zu trauen, so wie Danny es tut –auch mithilfe eines guten Lehrers wie Hallorann. Jack hat keinen Zugang zu dieser Seite seiner Seele, er ist zu beschäftigt damit, sein Leben nach patriarchalen Gesichtspunkten auszurichten. Wendy lernt gerade, ihren Gefühlen zu vertrauen. Aber der Titel bezieht sich tatsächlich auf Danny und Hallorann sowie das, was die beiden verbindet.

Jack Torrance kommt im Verlauf der Oper mehr und mehr zu der Überzeugung, dass das Hotel Besitz von ihm ergreifen will. Inwiefern hängen Jack, das Hotel und seine Bewohner zusammen?

MC: Als ich über die „Erscheinungen“ im Hotel nachdachte, wurde mir klar, dass sie alle Jacks Gedanken entspringen. Das Hotel ist nicht verflucht. Jack ist es. Und er erlaubt diesen Visionen in seinem Gehirn, die Oberhand zu gewinnen – so endet der erste Akt. Diese Figuren können nichts bewegen, keine Gegenstände verschieben. Wenn sie könnten, würden sie die Hebel am Heizkessel selbst bedienen, um das Hotel zu retten. Das beste Beispiel für ihre Ohnmacht ist Grady, der den Riegel im Kühlraum nicht öffnet, weil er dazu nicht in der Lage ist. Aber er gibt Jack den entscheidenden Hinweis, sodass dieser sich selbst befreien kann.

Paul Moravec

Der 1957 in Buffalo, New York, geborene Komponist studierte Musik am Harvard College und der Columbia Universität. 2004 wurde er für seine Orchesterfantasie „Tempest“ mit dem Pulitzer-Preis für Musik ausgezeichnet. Zur Zeit ist er Musikprofessor an der Adelphi Universität und lehrt Komposition an der Mannes School of Music. Seine Werke wurden vielfach ausgezeichnet. Moravec erhielt den renommierten Rom-Preis und ein Guggenheim-Stipendium. „The Shining“ (2016) ist seine zweite Oper nach „Der Brief“ (2009) und seine erste Zusammenarbeit mit Marc Campbell.

anderen Motiven kontrastieren oder miteinander verschmelzen. Jack Torrances Motiv erklingt direkt zu Beginn der Oper und wird zum zentralen musikalischen Gedanken, dem das viertönige „Shining“-Motiv, das von Dick Hallorann in der zweiten Szene eingeführt wird, gegenübersteht.

Im Overlook prallen Welten aufeinander: Liebe und Gewalt, Vergangenheit und Gegenwart, Väter und Söhne, reale Personen und „Erscheinungen“. Im Verlauf der Oper wird immer unklarer, was real und was imaginiert ist. Inwiefern beeinflusst das die Musik?

Der Horror in „The Shining“ ist ein psychologischer. Es ist die Studie eines Mannes, der die Kontrolle über sich selbst, über seine Gedanken verliert. Alle Schrecken entspringen dem gequälten Hirn von Jack Torrance. Hier vermischen sich traumatische Kindheitserinnerungen mit den Hotelgeschichten, die Jack in dem vergessenen Sammelalbum liest und mittels seiner Fantasie zum Leben erweckt. Er ist gewissermaßen der Ursprung der Geschehnisse. Herr Moravec, spiegelt sich das auf eine Weise auch in der Musik wider?

PM: Die Musik basiert auf Leitmotiven, die sich in der Partitur entwickeln, mit

PM: Ich habe die Oper so komponiert und orchestriert, dass zwei kontrastierende Klangwelten entstehen: die Realität der Familie Torrance und das imaginäre Universum der Erscheinungen – das mag eine Projektion von Jacks zunehmend verwirrtem Geist sein. Zunächst sind die Welten noch voneinander getrennt, beginnen dann jedoch allmählich zu verschmelzen, um ein drittes, beängstigend zweideutiges Amalgam zu bilden.

Es scheint einem Drahtseilakt gleichzukommen, all diese Ebenen zusammenzuführen oder zu „amalgamieren“, also ein Zusammenwirken von Kräften zu erreichen, die auf Gegensätzen beruhen und sich im Grunde abstoßen. Sind wir da an einem

Punkt, an dem man den Pfad der Logik verlassen muss, um den Gesetzmäßigkeiten der Oper zu vertrauen?

PM: Die Kraft der Opernmusik wirkt unmittelbar auf das zentrale Nervensystem den Zuschauenden – auf das Unterbewusstsein des Geistes. So eignet sich das Medium der Oper ganz natürlich für die Verschmelzung des Rationalen mit dem Irrationalen, des Realen mit dem Surrealen, des Normalen mit dem Paranormalen. Für mich liegt die wohl furchterregendste menschliche Erfahrung in der unauflöslichen Ambivalenz dieser „Twilight Zone“.

Neben den zunehmenden Ungewissheiten und optischen wie gedanklichen Täuschungen gibt es immer wieder auch harmonische Momente der Gewissheit, vielleicht der gedanklichen Sicherheit, dominiert von Liebe und Zuversicht. Gibt es ein musikalisches Äquivalent zu diesen sicherheitsversprechenden Momenten?

PM: Neben der komplexen Leitmotiv-Struktur der musikalischen Welt lassen sich die emotionalen Zustände der Figuren im Allgemeinen in zwei Kategorien unterteilen: eine tonal-harmonische für das psychische Gleichgewicht sowie eine nicht-tonale Struktur für psychische Ausnah-

mezustände und schließlich für den völligen Wahnsinn. Nach dem tragischen Höhepunkt der Handlung stellt Hallorann mit seiner abschließenden, tonalen Arie das harmonische, psychische Gleichgewicht im Universum wieder her.

Ist es nicht zuvor schon Dannys bedingungslose Liebe zu seinem Vater, den er nicht aufgeben will und an den er nun erstmals alleine singend appelliert?

PM: Ja, absolut! Danny rettet die Familie – zumindest für den Augenblick –, indem er die Kraft des „Shining“ kanalisiert; eine Kraft, die in diesem speziellen Fall der strahlenden Macht der Liebe entspricht.

„Mut ist nicht die Abwesenheit von Angst, sondern die Anwesenheit von Liebe inmitten der Angst.“

Joseph Nguyen

Impressum

Herausgeber: Theater Vorpommern GmbH

Stralsund – Greifswald – Putbus

Spielzeit 2025/26

Geschäftsführung: André Kretzschmar

Künstlerischer Leiter: Rolf C. Hemke

Redaktion: Katja Pfeifer / Musikdramaturgie

Gestaltung: Marie-Louise Bartels / Öffentlichkeitsarbeit

1. Auflage: 500

Druck: Flyeralarm www.theater-vorpommern.de

Textnachweise: Sofern nicht anders vermerkt, handelt es sich bei den Texten um Originalbeiträge von Katja Pfeifer für dieses Heft unter Zuhilfenahme folgender Werke: Stephen King: The Shining. New York 1977; Stephen King: Das Leben und das Schreiben. München 2011; Stephen King: Danse Macabre. Die Welt des Horrors in Literatur und Film. München 1988.

Das Interview mit Paul Moravec und Mark Campbell führte Katja Pfeifer im Vorfeld der Produktion. Die im Heft abgedruckten Antworten wurden leicht gekürzt und aus dem Amerikanischen übersetzt.

Bildnachweise: Alle Fotos stammen von Peter van Heesen. Die Szenenfotos entstanden auf der Klavierhauptprobe am 18.05.2026.

Theater Vorpommern wird getragen durch die Hansestadt Stralsund, die Universitäts- und Hansestadt Greifswald und den Landkreis Vorpommern-Rügen

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