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The Gap 216

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Poptimismus für alle!

Autorin, Journalistin und Meme-Produzentin Verena Bogner im Porträt

Gestaltung: SIRENE Studio / © soju.studio

Editorial Rise Like a Phoenix

Wer mich auch nur flüchtig kennt, wird sich beim Studium des Inhaltsverzeichnisses wohl wundern. Denn trotz des nahenden Song Contests findet sich hierzu kein einziger Beitrag in dieser Ausgabe. Hauptgrund für diese Entscheidung waren die Pläne für eine eigene Sonderausgabe zum ESC, die wir dann leider recht kurzfristig absagen mussten. Stattdessen geben wir uns jetzt too cool for school und tun so, als wäre uns so ein seichtes Popspektakel keine fünf Anschläge wert.

Damit sind wir gefühlt in guter Gesellschaft, denn irgendwie scheinen sich einige gerade ein bisschen schwer zu tun mit dem Event. Zwischen der Debatte um die Teilnahme Israels, diversen Voting-Manipulationsvorwürfen, arbiträr wirkenden Ausschlüssen von Teilnehmer*innen und politischen Boykotts stellt sich für viele Eurovision-Fans derzeit die Frage: Was tun, wenn der Fave problematic ist?

Es ist eine Frage, mit der sich jeder mediena ine Mensch irgendwann einmal konfrontiert sieht. Doch egal ob Roman Polanski, Woody Allen, Kanye West, Christopher Seiler oder Christian Ulmen (huh, alles Männer): Wenn Vorwürfe laut werden, sich ö entliche Kritik regt und es in der Magengrube kribbelt, dann heißt es entweder Position beziehen oder den Kopf in den Sand stecken und so tun, als wäre nichts gewesen. Denn man wird sich ja wohl noch »Der Großstadtneurotiker« anschauen können, ohne gleich das ganze Privatleben des Regisseurs aufarbeiten zu müssen, oder? In dieser Ignoranz zeigt sich aber dasselbe Missverständnis, das es auch erlaubt, den Song Contest als unpolitischen Gesangswettbewerb zu sehen. Nämlich, dass wir Kunst von Künstler*in, Fiktion von Realität, Unterhaltung von ernstem Leben trennen könnten.

Also: Statt euch nur gemütlich mit Freund*innen und Popcorn zum großen Finale vor den Fernseher zu fläzen, schaut euch an, was gerade so abgeht. Informiert euch über die Kontroversen, bildet euch eine Meinung, bezieht Stellung und zieht daraus Konsequenzen. Für den ESC könnte das heißen, auf ein Stück Entertainment zu verzichten oder es aufgrund seiner politischen Komplexität erst recht zu feiern.

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Herausgeber

Manuel Fronhofer, Thomas Heher

Chefredaktion

Bernhard Frena

Leitender Redakteur

Manfred Gram

Gestaltung

Markus Ra etseder

Autor*innen dieser Ausgabe

Luise Aymar, Barbara Fohringer, Loma Gerner, Ania Gleich, Johanna T. Hellmich, Jannik Hiddeßen, Veronika Metzger, Martin Mühl, Tobias Natter, Petra Ortner, Dominik Oswald, Simon Pfeifer, Nico Rottenbücher Katharina Serles, Sarah Wetzlmayr, Merle Zurawski

Kolumnist*innen

Josef Jöchl, Toni Patzak, Christoph Prenner

Coverfoto

Carolina Frank

Lektorat

Jana Wachtmann

Anzeigenverkauf

Herwig Bauer, Manuel Fronhofer (Leitung), Thomas Heher, Martin Mühl

Distribution

Wolfgang Grob

Druck

Grafički Zavod Hrvatske d. o. o.

Mičevečka ulica 7, 10000 Zagreb, Kroatien

Geschäftsführung

Thomas Heher

Produktion & Medieninhaberin

Comrades GmbH, Hermanngasse 18/3, 1070 Wien

Kontakt

The Gap c/o Comrades GmbH

Hermanngasse 18/3, 1070 Wien o ice@thegap.at — www.thegap.at

Bankverbindung

Comrades GmbH, Erste Bank, IBAN: AT39 2011 1841 4485 6600, BIC: GIBAATWWXXX

Abonnement

6 Ausgaben; € 19,97 abo.thegap.at

Heftpreis

€ 0,—

Erscheinungsweise

6 Ausgaben pro Jahr; Erscheinungsort Wien; Verlagspostamt 8000 Graz

Offenlegung gemäß § 25 Mediengesetz www.thegap.at/impressum

Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben nicht unbedingt die Meinung der Herausgeber*innen wieder. Für den Inhalt von Inseraten haften ausschließlich die Inserierenden. Für unaufgefordert zugesandtes Bildund Textmaterial wird keine Haftung übernommen. Jegliche Reproduktion nur mit schriftlicher Genehmigung der Geschäftsführung.

Die Redaktion von The Gap ist dem Ehrenkodex des Österreichischen Presserates verpflichtet.

Magazin

012 Poptimismus für alle!

Autorin, Journalistin und Meme-Produzentin Verena Bogner im Porträt

020»Joseph Beuys war ein Sampler« Lenz Mosbacher widmet sich dem enigmatischen Künstler in Comicform

022»Musik von hier, nicht für hier« Hip-Hop made in Vienna: Osive

024Internet Killed the Video Star Stirbt das Musikvideo aus?

028The Sound of Disability Von Musik, Aktivismus und Agency

032Building a Band Würfel dich zum Erfolg!

Lenz Mosbacher, Molnar Molnarova, Jesaja Aljoscha Trummer/Rahel Kislinger, Carolina Frank, Constanze Metzger

Special

Being a Band Vom (Über-)Leben als Musiker*in und von allem, was dazugehört

Rubriken

003 Editorial/Impressum

006 Comics aus Österreich: Edda Strobl

018 Golden Frame

034 Lyrik: Paula Dorten

036 Gewinnen

037 Rezensionen

044 Termine

Kolumnen

010 Gender Gap: Toni Patzak

052 Screen Lights: Christoph Prenner

058 Sex and the Lugner City: Josef Jöchl

Carolina Frank

Als »grumpy, aber in Wahrheit freundlich« bezeichnet sich unsere aktuelle Coverfotografin selbst. Eine Person, die gerne eine ganze Packung saure Drachenzungen auf einen Sitz isst, bis der Mund brennt, kann man sich ja auch schwer als unfreundlich vorstellen. Und überhaupt würde sich Misanthropie wohl kaum mit ihrem liebsten Fotosujet vereinbaren lassen: Menschen und wo sie wohnen, arbeiten, wie sie ihren Hobbys nachgehen, geniale Ideen haben oder widerständig sind.

Veronika Metzger

Stammtische sind eigentlich eine recht coole Sache, um niederschwellig mit Gleichgesinnten ins Gespräch zu kommen. Immerhin haben wir bei einem solchen auch unsere Autorin Veronika kennengelernt. Mittlerweile kümmert sie sich bei uns versiert um alles, was das Ressort Kunst angeht – von Terminen bis »Golden Frame«. Neben diesem Kernthema interessieren sie auch Fragen zu Feminismus, Politik sowie Queerness – und die Schnittstellen sind da ja vielfältig, wie sie selbst regelmäßig aufzeigt.

The

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Ihr mögt uns und das, was wir schreiben?

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Bands und Banditinnen

Auf unserer Seite 6 zeigen Comickünstler*innen aus Österreich, was sie können. Diesmal verarbeitet Edda Strobl ihre Banderfahrungen. ———— Die Grenze zwischen Comics und (anderen) bildenden Künsten wie Grafik oder Malerei ist oft schwer zu ziehen. Sicher, distinktionsfreudige Snobs gibt es auf beiden Seiten. Da ist etwas sofort kein Comic mehr, sobald der Text neben statt in den Panels steht oder die Bildfolge nicht narrativ genug ist. Und umgekehrt wird der künstlerische Wert mitunter schon in Abrede gestellt, sobald die erste Sprechblase auftaucht. In der Realität ist der Graubereich allerdings ein großer und die gegenseitige Beeinflussung seit Jahrzehnten stark. Kein Wunder, denn nicht selten haben jene Menschen, die Comics – insbesondere solche »mit Anspruch« – zeichnen, mangels spezialisierter Lehrgänge im deutschsprachigen Raum eigentlich Grafik oder Malerei studiert.

Comicavantgarde

Dies merkt man vielfach auch ihrem Output an. So sind zahlreiche der nischigen, selbstpublizierten Heftchen hierzulande erstaunlich avantgardistisch. Auch Edda Strobl bezeichnet ihre aktuellen Arbeiten eher als »assoziative Bildfolgen« denn als »›echte‹ Comics«. So stehen in »Die Banditinnen« viele der Panels scheinbar für sich allein, die vielbeschworene »Closure« zwischen ihnen ergibt sich nicht so nahtlos wie gewohnt und auch stilistisch muss man sich mehrmals neu orientieren. Aber dennoch ist das kein Kunstexperiment, das das Medium Comic nur als ästhetische Hülle heranzieht. Es ist die Arbeit einer Comiczeichnerin, die weiß, wie man serielle Narrative baut. Nur dass die Bildfolge hier statt einer konkreten Handlung eben kondensierte Erfahrung erzählt.

Edda Strobl ist eine in Graz lebende bildende Künstlerin. Sie ist Mitgründerin des Kollektivs Tonto, das unter anderem für seine Arbeit in der Indiecomicszene bekannt ist. Darüber hinaus ist sie seit mehr als zwei Jahrzehnten musikalisch tätig, etwa in Projekten wie Stroblak oder Extofita.

Die Rubrik »Comics aus Österreich« entsteht in Kooperation mit der Österreichischen Gesellschaft für Comics. www.oegec.com

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Charts Janne Marie Dauer

TOP 10

Top 10 weibliche Figuren aus Indiecomics

01 Enid Coleslaw aus »Ghost World« von Daniel Clowes

02 Maggie Chascarrillo aus »Love and Rockets« von Jaime Hernandez

03 Ich aus »Sommer. In einem Dorf« von Jasmin Rehrmbacher

04 Maki-Maus aus »Über Leben« von Maki Shimizu

05 Aya aus »Aya« von Clément Oubrerie und Marguerite Abouet

06 Mariel Imari aus »Forget-me-not« von Kenji Tsuruta

07 Emily the Strange

08 Die Kassiererin aus »Saloon« von Mia Oberländer

09 Die Therapeutin aus »Work-Life-Balance« von Aisha Franz

10 Ulla, die Riesin, aus »Hort« von Marjipol

TOP 03

Top 3 Social-Media-Accounts, die Dinge austesten

01 @sodazitrons bewertet Soda Zitron in Österreich mit bis zu 5 Zitronen

02 @deropawerner trinkt »Matsche Latsche«, bis ihm einer schmeckt

03 @leafeveryday tritt auf Blätter und bewertet den Sound von 1 bis 10

Auch nicht schlecht:

Gesprächsfetzen von fremden Leuten in den Öffis aufschnappen und sich eine Geschichte dazu ausdenken

Janne Marie Dauer lebt und arbeitet als Comiczeichnerin sowie Malerin in Wien.

Vor Kurzem hat sie die dritte Ausgabe des Spross-Magazins herausgegeben, das Beiträge von über dreißig Indiecomickünstler*innen enthält.

Charts Fabian Knierim

TOP 10

Top 10 Filme mit Haien

01 »Jaws« (1975) – »You’re gonna need a bigger boat«

02 »Sharknado« Teil 1 bis Teil 6 (2013 bis 2018) – ein Universum

03 »Deep Blue Sea« (1999) – Samuel L. Jackson auf dem Weg zu »Snakes on a Plane«

04 »Sous la Seine« (2024) – mon dieu!

05 »Haie der Großstadt« (1961) – selbst in Schwarz-Weiß sind Paul Newmans Augen blau

06 »Kleine Haie« (1992) – kein deutsches Kino der Neunziger ohne diese Haie

07 »Baby Shark«-Musikvideo (2016) – kein Film, technisch gesehen, aber kein Hai hat mehr Opfer gefordert als dieser Ohrwurm

08 »Open Water 2« (2006) – vergiss niemals, die Leiter rauszuhängen

09 »No Way Up« (2024) – Sharks on a Plane

10 Jaws: The Revenge« (1987) – Michael Caine vs. Shark

TOP 03

Top 3 Meerestiere, die aufgrund ihres Gesichtsausdrucks mit Imageproblemen zu kämpfen haben

01 Muräne

02 Anglerfisch

03 Seegurke

Auch nicht schlecht: Algencracker zum Frühstück

Fabian Knierim, ist Kurator beim Foto- und Kameramuseum Westlicht, das heuer 25-jähriges Jubiläum feiert. Für die Ausstellung »Unter Wasser« (noch bis 17. Mai) hat er sich zuletzt mit submariner Fotografie auseinandergesetzt.

Toni Patzak

hakt dort nach, wo es wehtut

Gender Gap

Queer oder doch nur gay?

Manchmal finde ich mich in Räumen und zwischenmenschlichen Beziehungen wieder, in denen ich mich ertappe, sehr verwundert zu sein, wieso die Person schwul, bi oder lesbisch und trotzdem irgendwie ein Arschloch ist. Nicht, dass ich mir jetzt erwarte, dass alle meine fellow non-straight people automatisch bessere Menschen wären, nur weil sie eben nicht hetero sind. Zugleich rechne ich aber doch zumindest mit einem erhöhten Bewusstsein für Gemeinschaft.

Als ich einem Freund kürzlich von genau so einem Moment der Verwunderung erzählte, meinte er schlicht: »Naja, aber ist die Person queer oder einfach nur gay?« Eine einfache Frage, die aber extrem viel aufmacht. Viel zu viel, um es in einer Kolumne umfassend besprechen zu können. Für all diejenigen, die also mehr wissen wollen und andere, viel gescheitere Personen zitieren möchten, empfehle ich die Dissertation »Queer as a Political Concept« von Jacek Kornak.

Auch wenn der Begriff »queer« ursprünglich nur »seltsam« oder »exzentrisch« bedeutete, fand er ab dem späten 19. Jahrhundert Verwendung als Schimpfwort für Menschen mit marginalisierter Sexualität und/oder marginalisiertem Geschlecht. Ab den Achtzigern begannen diese den Begriff jedoch für sich selbst zu reclaimen und zunehmend zu politisieren. Seit der damaligen Aidskrise steht queer für mehr als nur sexuelle Orientierung, sondern für eine politische Auseinandersetzung mit Marginalisierung innerhalb der Community sowie mit intersektionalen Problematiken entlang von Race-, Class- und Genderfragen.

Auf der anderen Seite erlangte die Bezeichnung »gay« im anglofonen Raum in den Achtzigern eine repräsentative Macht, von der letztlich nur der weiße, urbane schwule Mann aus der Mittelschicht profitierte. Wer gay war, konnte

arbeiten, für sich lobbyieren und war in HumanRights-Fragen repräsentiert. Man war zwar immer noch Teil einer Minderheit, aber Teil der Mainstream-Minderheit in Bezug auf Sexualität. Die radikale Post-Stonewall-Queer-Community war hingegen nie Mainstream. So wurde auch das Queer-Sein von jenen, die multiple intersektionale Diskriminierungserfahrungen erlebten, als oppositioneller Lifestyle zum Gay-Sein angesehen. Queer waren etwa Schwarze trans Frauen, die für Rechte auch außerhalb ihrer eigenen erlebten Realität demonstrierten. Queer beschreibt Lebensformen von Menschen, die selbst in der Gay-Community als Minderheit angesehen wurden und die sich daher ein anderes Netzwerk suchen mussten.

Nicht queer geboren

Aus meiner Sicht kann man also schwul, lesbisch oder bi geboren werden, Queerness muss man sich aber erarbeiten. Der radikale Samen des Selbst- und Communityschutzes der Achtziger trägt heute auch in kleinen queeren Grassroots-Bewegungen Früchte: Es gibt ein Bestreben, auf selbstgebauten Basisstrukturen ein System aufzubauen, um die eigene Gemeinschaft zu schützen. Sowie ein Verständnis dafür, dass Ressourcen ungleich verteilt sind und ihre Umverteilung notwendig ist. Aber auch ein Bewusstsein, dass diese Ressourcen nicht nur finanzieller oder physischer Natur sind, sondern mentale Kapazitäten und die Belastungen einschließen, die man so mit sich trägt. Queer ist also tatsächlich ein Lifestyle, zumindest in meinen Augen. Recht plakativ sieht man den Unterschied zwischen queer und gay im Nachtleben. Wo eine queere Party häufig Sicherheit und ein Bewusstsein für Safer Spaces in den Fokus stellt, fehlt es bei Gay-Partys öfters an Sicherheitskonzepten, die über den Türsteher hinausgehen. Natürlich lässt sich das

– wie eh meistens – nicht verallgemeinern. Es gibt genauso problematische, toxische QueerEvents wie angenehme, freundliche und aufmerksame Gay-Spaces. Der Anspruch, dass in queeren Räumen mehr als nur die sexuelle Ausrichtung mitgedacht werden sollte, scheint mir jedoch ausschlaggebend dafür, dass sich Menschen mit verschiedensten Formen von Marginalisierung an diesen Orten häufig wohler fühlen.

Nouveau Gays

Bis heute stehen sich gay und queer gegenüber. Selbst dort, wo beide Terminologien historisch nebeneinander gekämpft haben, sieht man mittlerweile politische Oppositionen. Der weiße Middle-Class-Gay-Typ ist heutzutage gerne mal in Parteien wie der CDU oder der ÖVP vertreten, reflektiert sein Frauenbild nicht und verwendet seinen Status als Minderheit mitunter als Ausrede, wenn er andere diskriminiert. Diese Nouveau Gays könnten kaum weniger mit queeren Menschen gemeinsam haben, finden sich aber entgegen beiderseitigem Willen oftmals im gleichen Topf wieder. Eigenartigerweise habe ich andersrum schon einige Menschen getroffen, die zwar hetero, aber ein so wichtiger Bestandteil einer oder mehrerer queerer Communitys sind, dass sie mir fast queer through association vorkommen. Alles – von ihren Partner*innen über ihre WG-Kolleg*innen bis hin zu ihrem Lebensstil –passt eigentlich zu einer queeren Person, nur dass sie halt hetero sind. Entsprechend verstehe ich queer als so viel mehr als nur eine sexuelle Präferenz. Es ist ein politisches Konzept und eine ökonomische Denkweise. Also: Nicht jede Person, die gay ist, ist auch queer. Aber jede queere Politik beginnt damit, kein Arschloch sein zu wollen.

patzak@thegap.at @tonilolasmile

Michael Schulte

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Poptimismus für alle!

Autorin, Journalistin und Meme-Produzentin

Bogner im Porträt

Carolina
Frank

Eine Kolumne bei FM4, unzählige Artikel zum Thema Popkultur, ein Sachbuch über Feminismus und die Arbeitswelt, Memes für »Galerie Arschgeweih«: Verena Bogner ist vielbeschäftigt. Nun erscheint auch noch ihr erster Roman »I Am Cringe, but I Am Free«. ———— Am 19. April 2024 beantworten zwei Expertinnen, zwei junge Frauen, in der »Zeit im Bild 3« Fragen zu Taylor Swift. Abendliche Nachrichtenprogramme sind meist mehr Peter Filzmaier als Popkultur, aber an diesem Tag veröffentlicht die größte Popmusikerin unserer Zeit ihr elftes Album. Das kann auch der ORF nicht ignorieren – und lässt Verena Bogner und Melanie Schönberger das Phänomen Taylor Swift analysieren. Später wird Bogner »ZIB« auf einen Zettel schreiben, der an ihrem Kühlschrank haftet. Dort sammelt sie Erinnerungen an jene Momente ihrer Karriere, auf die sie besonders stolz ist. Ihr Interview mit den No Angels letztes Jahr ist eine weitere Erfahrung, die es auf ihren Kühlschrank geschafft hat, verrät sie im Interview mit The Gap.

Alltag im Ausnahmezustand

In Zusammenhang mit solchen Erlebnissen spricht sie von full circle moments. Sie hat es vom Fan zur Expertin geschafft – oder vielleicht besser: als Fan zur Expertin: »Es gibt viele middle aged men, die sagen, sie seien Experte für dieses oder jenes Thema, und dann sind sie das einfach. Ich habe mir eines Tages gedacht: Ab jetzt bin ich Expertin für Popkultur.« Und genau als solche hat sie sich etabliert. Sie schreibt Texte über Musik, Feminismus sowie die Arbeits- und Datingerfahrungen junger Frauen; unter anderem für FM4, Rolling Stone, Glamour und Vogue, aber auch für Falter, Der Standard und Wiener Zeitung. Sie erklärt popkulturelle Phänomene wie den Hype um Taylor Swift oder den »Brat Summer« im ORF. Zudem ist sie Teil der Instagram-Meme-Seite »Galerie Arschgeweih«. Ende April veröffentlicht sie nun ihr zweites Buch, ihren ersten Roman »I Am Cringe, but I Am Free«.

Bereits als Schülerin war Verena Bogners Traumberuf Bravo-Chefredakteurin.

Verena Bogner wird 1992 geboren und wächst in Oberösterreich auf. »Schreiben war bereits in der Kindheit mein liebstes Hobby«, erinnert sie sich. Schreiben – und die Liebe zur Popkultur. Es sind die Nullerjahre, die Medienlandschaft befindet sich im Wandel: Während die No Angels im Radio »Daylight in Your Eyes« singen und nachmittägliche Talkshows Privatpersonen über ihr Leben sinnieren lassen, schaffen die ersten RealityTV-Formate wie »Big Brother«, »Popstars« und »Der Bachelor« den Sprung in unsere Breitengrade. Immer mehr zeigt sich die Lust, den Alltag als Spektakel zu inszenieren. Reality-TV sei »Alltag im Ausnahmezustand«, schreibt etwa der Kommunikationswissenschaftler Jürgen Grimm 1995.

Der popkulturelle Alltag wird Anfang des neuen Jahrtausends bunter. Dessen Protagonist*innen sind dabei oft »normale« Menschen. Von der Castingshow auf die ganz große Bühne sozusagen. Sozialer Aufstieg durch mediale Sichtbarkeit – und das, bevor Social Media unser Leben beeinflussen wird. Das Publikum für diese Popkultur ist vorrangig weiblich und/oder queer. Auch Verena Bogner ist Fan und bekommt die Infos über ihre liebsten Stars damals aus Zeitschriften wie Bravo. Das wirkt sich auch auf ihren Berufswunsch aus: »Letztens sortierte ich mit meiner Mama alte Schulhefte aus. Darin fand ich einen von mir selbst geschriebenen Nachruf, in dem stand: ›Verena Bogner war Moderatorin bei MTV und Chefredakteurin von Bravo.‹«

Cool und crazy?

Mit absolvierter Matura zieht sie nach Wien, um Publizistik- und Kommunikationswissenschaft zu studieren. »Ein Klassiker«, wie sie selbst sagt. Bereits während ihres Studiums macht sie journalistische Praktika – unter anderem bei Vice. Das ursprünglich aus den USA stammende Medium gibt es damals recht frisch auch im deutschsprachigen Raum, mit eigener Redaktion in Wien. Es ist in den

»Vice war cool und crazy. Die nehmen mich sicher nicht, war ich überzeugt, denn ich war weder cool noch crazy.«
— Verena Bogner

2010er-Jahren – wie Buzzfeed und diverse persönliche Blogs – nicht nur für einen Ichzentrierten Zugang bekannt, sondern auch für den lockeren Stil und die Clickbait-Headlines. Und Vice spaltet die Gemüter: Manche sind dem Grenzen auslotenden Medium gegenüber skeptisch, belächeln es sogar, andere wiederum feiern diese Arbeitsweise und sehen in solchen Projekten die Gelegenheit, jüngere Menschen für journalistische Inhalte zu begeistern beziehungsweise diesen einen Berufseinstieg zu ermöglichen.

Coolnessketten

Die Wiener Redaktion von Vice erarbeitet sich Respekt – Kritik an der österreichischen Politik und am Boulevard wird jugendgerecht verpackt, auch soziale Themen stehen im Fokus. Dass Verena Bogner dort landet, hätte sie anfangs selbst nicht gedacht: »Vice war cool und crazy. Die nehmen mich sicher nicht, war ich überzeugt, denn ich war weder cool noch crazy. Aber ich war halt 21 Jahre jung, ein unbeschriebenes Blatt und blauäugig – im besten Sinne. Ich dachte mir: Was kann schon schiefgehen?«

Vice ist der Anfang ihrer journalistischen Karriere: Sie schreibt ihre ersten Texte, wird Managing Editor und leitet dort später die von ihr mitaufgebaute feministische Plattform Broadly – bis zum Sommer 2018, als Verena Bogner und viele ihrer damaligen Kolleg*innen kündigen. Der Grund: Durch interne Umstrukturierungen bekam Vice Deutschland mehr Einfluss auf die redaktionelle Arbeit der Wiener Kolleg*innen. Für diese ist das ein No-Go, für Verena Bogner das Ende ihrer ersten beruflichen Ära.

Sie wechselt ins Kurier Medienhaus –»ganz am anderen Ende des Spektrums«, meint sie heute. Auch dort hat man die Notwendigkeit erkannt, Journalismus für ein jüngeres Publikum zu machen. Bogner nennt Buzzfeed als Vorbild für ihre damalige Arbeit: »Das war viel Lifestyle, viel Entertainment, bissi Clickbait.« Gemeinsam mit Karina Mettendorff ist sie Redaktionsleiterin für k.at, film.at und events.at.

Doch nicht nur journalistisch widmet sich Verena Bogner in dieser Zeit vermehrt der Popkultur, sie wird Mitte 2019 auch Teil der »Galerie Arschgeweih«, die popkulturelle Momente der Nuller- und 2010er-Jahre feiert. Deren Betreiber*innen sind neben Bogner noch Daniel Wiegärtner sowie Franz Lichtenegger. Letzterer gründete die Meme-Seite 2018 und kennt Bogner von der gemeinsamen Zeit bei Vice: »Damals waren wir beide noch in diesem Mindset, in dem dir eingebläut wurde, Pop sei peinlich

und uncool.« Irgendwann seien die beiden aber doch noch ins Gespräch über die Band No Angels gekommen. »Verena gestand mir dann quasi, dass sie als Kind eine eigene Mappe gehabt hatte, in der sie akribisch alle Zeitungsschnipsel und Poster gesammelt hatte – wie eine kleine Archivarin«, erinnert sich Lichtenegger. Und Bogner habe auch zugegeben, dass sie die Band immer noch gut finde, aber halt nur heimlich. »Das ließ mein Herz hüpfen, weil ich wusste, dass wir uns ja jetzt gefunden hatten und wir uns gemeinsam von diesen Coolnessketten befreien konnten«, erzählt der »Galerie Arschgeweih«Gründer.

Vielleicht sind es solche Nebengleise zum Hauptberuf im Kurier Medienhaus, die Bogner dann 2022 Lust auf Veränderung machen. Sie kündigt, ohne eine neue Stelle in Aussicht zu haben. Eigentlich untypisch für sie: »Ohne Job und ohne Plan – das ist gar nicht meine Art, denn ich bin sehr sicherheitsbedürftig. Nach meiner Kündigung wusste ich nicht, was ich machen soll, aber ich dachte mir, in irgendein Großraumbüro kann ich immer noch zurückgehen.«

Girlboss?

Anstatt sich jedoch eine neue Anstellung zu suchen, beginnt Bogner für ihr erstes Buch zu recherchieren. Das Thema: Feminismus und Arbeitswelt. Kurz zuvor, in den 2010er-Jahren, erlebte nämlich der Girlboss-Feminismus seinen Höhepunkt. Während Feminismus im Mainstream lange negativ behaftet war, begann sich damals das Blatt zu wenden: 2014 veröffentlichte Sophia Amoruso, die Gründerin des Modeunternehmens Nasty Gal, ihre Memoiren. Der Titel: »#Girlboss«. Beyoncé nutzte – ebenfalls 2014 – in ihrem Song »Flawless« eine Stelle aus Chimamanda Ngozi Adichies bekanntem TEDx-Talk »We Should All Be Feminists«. Und ungefähr zwei Jahre später stellte Dior ein T-Shirt mit demselben Slogan vor. Auch Taylor Swift, deren Karriere im nicht gerade progressiven Genre Country begonnen hatte, schien nach ihrer Hinwendung zum Pop zu realisieren, dass sich Frauen gegenseitig supporten sollten – und umgab sich ab da bei Auftritten mit ihrem girl squad – darunter etwa Blake Lively, Cara Delevingne oder Karlie Kloss.

Natürlich bemerkten in der Folge auch Unternehmen, dass Feminismus nicht mehr uncool war – und nutzten mehr oder weniger feministische Positionen, um daraus Profit zu schlagen. Was hier propagiert wurde: Fe-

»Ich begann, den Redaktionen diverser Medien, die ich toll fand, Pitches zu schicken. So nach dem Motto: Der deutschsprachige Popkulturdiskurs ist immer um ein halbes Jahr zu spät dran –let’s change that.« — Verena Bogner
Franz Lichtenegger, Gründer »Galerie Arschgeweih«

minismus, das sei nicht mehr ein Slogan auf einer Demo, sondern das seien (junge) Frauen, die im Großraumbüro Karriere machen und dabei ihren Kaffee aus einem Häferl mit der Aufschrift »Girlboss« trinken. Anfang der 2020er-Jahre möchte Verena Bogner über diese Gemengelage ein Buch schreiben. Es ist der Beginn ihrer Selbstständigkeit.

»Not Your Business, Babe!« wird 2024 veröffentlicht. Parallel dazu setzt sie alles daran, als freie Journalistin über Popkultur zu schreiben. »Ich begann, den Redaktionen diverser Medien, die ich toll fand, Pitches zu schicken. So nach dem Motto: Der deutschsprachige Popkulturdiskurs ist immer um ein halbes Jahr zu spät dran – let’s change that.«

Kein Hater sein

In der Brockhaus Enzyklopädie findet sich folgende Definition: »Popkultur, auch ›populäre Kultur‹ genannt, bezieht sich auf die Aspekte des Alltagslebens, die von einer breiten Masse konsumiert und geteilt werden.« Der Aspekt der breiten Masse scheint jener zu sein, der bei manchen auf Ablehnung stößt; denn was viele mögen, kann ja nichts Besonderes sein –so wohl die verquere Logik, die sich weiterhin hält. Verena Bogner: »Im deutschsprachigen Raum ist die Auseinandersetzung mit Popkultur steckengeblieben. Den ›Poptimismus‹, den es im englischsprachigen Raum schon seit Jahren gibt und der besagt, dass man Pop nicht automatisch ablehnen muss, ist bei uns noch nicht angekommen. Hierzulande kommentieren in den Medien meistens Männer, die betonen, wie scheiße sie Taylor Swift finden – und die dann ihr neues Album analysieren. Man kann ein Hater sein – feel free –, aber ich bin es nicht und ich finde, man kann diese Inhalte anders besprechen.«

Popkultur und Fandom seien identitätsstiftend, so Bogner: »Bei den abgesagten Konzerten von Taylor Swift in Wien, war zu sehen, was Fandom bedeuten kann. Es bringt Leute zusammen, die sich sonst nie getroffen hätten. Man tröstete sich damals gegenseitig und stellte etwas auf die Beine. Das kann man lächerlich finden, aber wenn man zu einem Harry-StylesKonzert geht und dort Gruppen von Mädels mit ihren Mamas und ihre tollen Outfits sieht – das ist einfach unhatebar.« Ihrer Ansicht nach gebe es nichts, das Menschen mehr verbindet, als gemeinsam Popkultur zu genießen.

The Girls and the Gays

Auch Theresa Ziegler zählt zu jenen, die dem Pop optimistisch gegenüberstehen. Sie ist ehemalige The-Gap-Chefredakteurin, Unternehmerin mit ihrer Bewegtbildschmiede Supercute Productions und online als @raverresi unterwegs. Außerdem ist sie schon lange mit Verena Bogner befreundet und findet,

dass der Popkulturjournalismus in Österreich nach wie vor viel zu sehr von der Nische getrieben sei: »Es herrscht noch immer die Grundansicht vor, dass etwas, das als hochwertig erachtet werden soll, nicht im Mainstream oder – Gott bewahre! – auf Tiktok stattfinden darf, und andersrum. Dass dieses Sentiment super veraltet und in internationalen Märkten längst nicht mehr tonangebend ist, scheint hierzulande noch nicht angekommen zu sein, weil noch immer zu viele mittlerweile mittelalte Männer versuchen, den Diskurs zu beherrschen.«

Gerade in diesem Klima sei es laut Ziegler wichtig, dass Verena Bogner hier eine andere Perspektive, jene von mainstream-affinen Kulturkonsument*innen, »den Girls und Gays, den Mäusen, die von Kultur in erster Linie unterhalten werden wollen«, hineinbringe – allesamt Zielgruppen, die in Österreich »kriminell underrated« seien. »Das macht Verena zu einer der wichtigsten Stimmen im deutschsprachigen Kulturdiskurs«, meint Ziegler.

Im April veröffentlicht Verena Bogner nun ihr zweites Buch. Und diesmal ist es ein Roman. In »I Am Cringe, but I Am Free« hat die Hauptfigur Angst, nicht cool wie ihr Boyfriend und ihre Kolleg*innen zu sein, sondern eben cringe. Bogner: »Cringe ist die Peinlichkeit des Seins, wenn man sich zu viel durch die Brille anderer Menschen sieht.« Vermutlich fühlen sich mehr Frauen als Männer cringe, schließlich beinhaltet die weibliche Sozialisation, es allen recht machen zu wollen: »Frauen denken immer, sich optimieren zu müssen – likeable zu sein, nicht penetrant zu sein, nicht negativ aufzufallen«, so die Autorin. Unterstützung dabei, Cringe zu überwinden oder zumindest damit leben zu können, würden häufig Freund*innen bieten, erklärt Bogner: »Für Frauen und queere Menschen spielen Freund*innenschaften eine zentrale Rolle. Romantische Liebe wird immer mehr infrage gestellt. Ich denke mir mittlerweile: Eigentlich sind meine besten Freund*innen meine großen Lieben.«

Während die Hauptfigur des Romans ihren Weg also noch sucht, scheint Verena Bogner selbst diesen schon gefunden zu haben, gerade auch beruflich: »Ich mache zu 99 Prozent nur mehr Arbeit, die ich machen will, bin viel entspannter und denke mir: Wer soll mich stoppen? Wenn es also so weitergeht, bin ich happy. So schnell wird man mich jedenfalls nicht mehr los.« Barbara Fohringer

Der Roman »I Am Cringe, but I Am Free« von Verena Bogner erscheint am 30. April bei Park x Ullstein.

»Cringe ist die Peinlichkeit des Seins, wenn man sich zu viel durch die Brille anderer Menschen sieht. Frauen denken im-

mer, sich

optimieren

zu

müssen – likeable zu sein, nicht penetrant zu sein, nicht negativ aufzufallen.«
— Verena Bogner
Theresa Ziegler, Content-Creatorin

Golden Frame

Zeitgenössische Kunst im angemessenen Rahmen

Mannöverkritik

Birgit Jürgenssen »HausfrauenKüchenschürze«

Gegen schreiende Ungerechtigkeit ist leise Ironie oft am wirksamsten. Birgit Jürgenssen inszenierte sich in einer »Hausfrauen-Küchenschürze«, starr in die Kamera blickend, als Ideal dessen, was der heutige Internetslang Tradwife nennt. Und war mit ihrer subtilen Kritik wohl nicht nur im Jahr 1975 der Zeit voraus. ———— Wie herrlich weiblich: Erst schnallte sich Valie Export das »Tapp- und Tastkino« vor die Brüste und ein paar Jahre später Brigit Jürgensen den Herd vor den Bauch – damit wären dann auch die wichtigsten (und einzigen) Rollen der Frau geklärt. Dasselbe traditionelle Frauenbild, das von den beiden vor einem halben Jahrhundert ironisch kritisiert wurde, scheint im heutigen politischen Klima wieder angesagt und wird in den sozialen Medien unironisch verkörpert. Tradwives machen Sauerteigbrot, Mozzarella, Apple Pie from scratch, von der Pike auf, selbst. Da ist es doch nur praktisch, Herd und Ofen immer vor sich her zu tragen, denn was sollte eine Frau sonst noch zu tun haben? Was kann erfüllender sein, als geschürzt dem Gatten alles von den geschürzten Lippen abzulesen?

Das ist nämlich das nächste Problem, das Birgit Jürgenssen implizit anspricht, damals gab es nur noch keinen eigenen Begriff dafür: Es gilt zwar schon lange als selbstverständlich, dass die Hausfrauenrolle einiges an physischer Arbeit beinhaltet. Dass dafür allerdings auch eine Menge an mentaler Vorleistung erbracht werden muss, wird im feministischen Diskurs erst seit Kurzem hervorgehoben. Dieser Planungsaufwand nennt sich dort »Mental Load«. Selbst in Beziehungen, die Kochen, Waschen und Einkaufen relativ ausgeglichen verteilen, bleibt die Organisation von Kochen, Waschen und Einkaufen zum überwiegenden Teil an der Frau hängen. Sie trägt das vor sich her, aber nicht so offensichtlich wie Birgit Jürgenssen ihren Ofen. Die mentale Vorleistung bleibt unsichtbar und dennoch ein großer Teil der Arbeit.

Das Werk »Hausfrauen-Küchenschürze« ist aktueller denn je, auch weil es in diskreter Überspitzung diesen sonst verborgenen Aspekt zur Deutlichkeit bringt. Fast wünscht man sich, die eigene Mental Load selbst so demonstrativ vor sich her tragen zu können. Denn sonst fällt diese Belastung ja nur auf, sollte sie einmal nicht übernommen werden. Generell kann man sich nicht sicher sein, dass Birgit Jürgenssens Werk in all seiner wunderschönen Ironie bei all jenen ankommt, die es am nötigsten verstehen sollten. Ebendiese können aber gewiss auch nicht der Maßstab sein – immerhin wollen wir ihre mentale Tragfähigkeit ja nicht überstrapazieren.

Veronika Metzger

»Hausfrauen-Küchenschürze« und weitere Werke zum Thema Care-Arbeit sind noch bis 28. Juni in der Ausstellung »Care Matters« in der Albertina in Wien zu sehen.

»Joseph Beuys war ein Sampler« Lenz Mosbacher widmet sich dem enigmatischen Künstler in Comicform

Comiczeichner Lenz Mosbacher im Interview über Romantik, kulturelles Sampling und seinen Versuch, Joseph Beuys nicht zu erklären, sondern ihn in eine vielstimmige Erzählwelt zu übersetzen. ———— Joseph Beuys gehört zu den einflussreichsten und zugleich rätselhaftesten Künstler*innenfiguren des 20. Jahrhunderts. Wer sich mit ihm beschäftigt, stößt schnell auf geschichtsrevisionistische Mythen, narzisstische Selbstinszenierungen und völkisch-rechte Esoterik. Im neuen Comic »Beuys. Die Erfindung der Wahrheit« nähert sich der Zeichner und Autor Lenz Mosbacher dieser Figur nicht über eine klassische Biografie, sondern über ein dichtes Ge-

flecht aus Dialogen, Referenzen und fiktiven Begegnungen. Beuys trifft darin auf Figuren wie Susan Sontag oder Ulrike Meinhof, wobei sich historische Fakten mit spekulativen Szenen verschränken.

Du schreibst im Comic, du möchtest zur komplexen und rätselhaften Persönlichkeit Beuys vordringen. Kann das gelingen?

LENZMOSBACHER: Mein Konzept war das Fragment: Über Unvollständigkeit lässt sich Unendlichkeit oder Größe besser begreifen, als wenn man künstliche Grenzen zieht. Ich wollte einen Gedankenraum- oder Persönlichkeitsraum-Beuys anlegen, keinen »Beuys für

Dummies« mit H wie Hase und F wie Filz. Für mich heißt Vordringen vielleicht auch, sich in Beuys zu verfilzen, sich zu verirren.

Beuys’ Kunst ist stark haptisch, du stellst dem einen digital produzierten Comic gegenüber. Ist das ein bewusster Kontrast? Dass ich digital zeichne, hat gesundheitliche Gründe. Aber das Zeichnen an sich – egal ob am I-Pad oder mit Stift und Papier – ist performativ und körperlich anstrengend. Ich muss mich in die Zeichnung hineinversetzen, bei jedem Strich präsent sein. Ich sehe Zeichnen als Performance, bei der niemand zuschaut und man nur die Überreste sieht. Mit welchen Mit-

In »Beuys« trifft der Künstler auf Zeitgenoss*innen wie Ulrike Meinhof – mitunter in fiktiven Situationen.

Lenz Mosbacher versteht Zeichnen als Performance, bei der man nur die Überreste sieht.

tius von Loyola, von Rudolf Steiner, Karl May, Neo-Schamanismus und New Age. Er hat Dinge in den Raum gestellt; die Leute sollten die Bezüge selbst herstellen – oder eben nicht.

Das klingt jedenfalls nach einer riesigen Recherche. Wie lange beschäftigst du dich bereits damit und wie tief bist du reingegangen?

ist es ein Mittelpunkt von Beuys’ Biografie: dieser psychische Crash in den 1950er-Jahren, während dem er sagte – und das ist sein Zitat: »Wie bei vielen Dingen: Schuld war eine Frau.« Andererseits bleibt die Person aber anonym. Und so haben sich diese Figuren in der Arbeit relativ simultan aufgedrängt.

teln ich das umsetze, macht in diesem Sinn keinen großen Unterschied. Am Ende kommt bei den Leuten ein physisches Produkt an: gedruckt, Tinte auf Papier. Das Original ist das Buch.

Sich einem Aktionskünstler über das Medium Comic anzunähern, scheint also ziemlich stimmig, oder?

Absolut. Das hat mich an Beuys auch so interessiert: Er hat Aktionen in einem Moment künstlerischer Energie gemacht, und übrig geblieben sind Dinge, die dann im Museum stehen. Das Fett wird ranzig, staubig, Dinge verfallen – ist das dann noch Beuys? Ich habe mich gar nicht primär mit der Kunst von Beuys beschäftigt, sondern mit seinem Denken – und das ist nicht im Originalcharakter verhaftet.

Wie viel muss man von Beuys und seinen Arbeiten wissen, um an deinem Projekt Gefallen zu finden?

Ich erzähle nicht nach, was bekannt ist. Stattdessen habe ich mich an die blinden Flecken in seiner Biografie und in meinem Wissen geheftet, weil sie mich interessieren – und weil ich sie dann mit Fiktion ausfüllen kann. Was Beuys mit dem Kojoten (mit dem er sich im Rahmen einer Performance mehrere Tage in einer New Yorker Galerie einsperrte; Anm.) redete, weiß niemand. Am Anfang dachte ich auch ausgiebig darüber nach, wie viele von diesen ikonischen Bildern, die Beuys produziert hatte, ich nutzen sollte. Letztlich streute ich sie strategisch und rar. Ich wollte mir den Raum lassen, ausgehend von wenigen Impulsen eigene Bilder zu entwickeln.

Trotzdem strotzt dein Comic nur so vor Bild- und Textreferenzen.

Die Frage bei diesen Zitaten ist: Wie wichtig ist das für die Leser*innen? Ich habe nicht den Anspruch, dass das Buch zur Rätselsuche wird. Der Zugang entspricht aber auch meinem Gegenstand: Beuys war ein Sampler. Er hat sich ständig beeinflussen lassen – von Zeitströmungen und obskuren Dingen, vom Heiligen Igna-

Seit 2015 arbeite ich mit und um Joseph Beuys. Ich mäandere meistens zwischen Themen. Das Verknüpfen ist dann meine Arbeitsweise. Mein Ziel ist es, eine große Erzählwelt zu schaffen, in Büchern oder Geschichten zu flanieren. Vieles davon ist auch erfunden, weil ich es spannend fand. Beuys und Susan Sontag kannten sich nicht persönlich. Ulrike Meinhof und Beuys auch nicht. Aber während des Schreibens flocht sich das organisch ein, weil ich so viel im Kopf hatte.

Wie hast du den Comic aufgebaut?

Ich habe das Buch sehr rhythmisch geplant und mich für ein Dreier-Grid entschieden, weil es den Einstieg und Lesefluss erleichtert. Auf einer Seite funktioniert das fast wie eine kleine Dreiaktstruktur. Wenn es detaillierter wurde, nahm ich oft Text raus –damit eine Stille entsteht, eine Art Ehrfurcht, damit der Moment wirken kann. Zum Beispiel am Anfang: Ich wollte nicht mit Theorie starten, wie das oft bei Beuys passiert. Stattdessen wollte ich ihn zuerst als Bildhauer zeigen, als

Bist du selbst die sechste, unsichtbare Figur, die die Fäden zusammenhält?

Man kann immer sagen: Der Autor ist alle seine Figuren. Wie im Traum – jede Traumfigur ist man selbst. Im letzten Kapitel – das ist kein Nachwort – schreibe ich dann über meinen Zugang. Aber mir war wichtig, nicht dieses »Hier bin ich, das ist die Wahrheit, das ist die Weisheit« zu reproduzieren, das mich an Beuys selbst stört. Ein sokratischer Dialog, der in Aporie endet, ist oft am interessantesten zu lesen.

Wenn du politisch brisante Figuren wie Ulrike Meinhof in fiktive Dialoge bringst, hast du dann eine Verantwortung dafür, was du ihnen in den Mund legst, wie du sie zeigst?

Ja, darüber habe ich viel nachgedacht. Mir war ein gewisser Respekt wichtig. Ich will ehrlich und kritisch sein, aber nicht unter die Gürtellinie gehen. Gerade bei Ulrike Meinhof war es mir wichtig, ihre Verbrechen weder zu verharmlosen noch falsch wiederzugeben. Aber: Meinhof ist in meinem Buch eine fiktionalisierte Romanfigur, kein historisches Porträt.

»Mein Ziel ist es, eine große Erzählwelt zu schaffen, in Büchern oder Geschichten zu flanieren.«
— Lenz Mosbacher

Materialkünstler. Darum war es mir wichtig, die verschiedenen sinnlichen Materialien erst einmal nur zu zeigen. Die ersten sechs Seiten wird kein Wort gesprochen – und erst danach beginnt das Gespräch.

Wie kam es zu den fünf Antagonistinnen, denen Beuys in fünf Kapiteln begegnet?

2020 entstand im ersten Corona-Lockdown ein fiktiver Briefwechsel zwischen Susan Sontag und Joseph Beuys. Damals war ich begeistert von der Idee, historische Persönlichkeiten miteinander zu verknüpfen. 2024 schrieb und zeichnete ich dann eine Ulrike-MeinhofEpisode und hatte dabei das ganze Leben von Beuys schon im Kopf. Und: Mich interessiert, was der Kojote sagte. Mich interessiert, wer diese mysteriöse Verlobte war, die nie wieder erwähnt wurde. Das lag mir im Magen, weil es so ein großes Fragezeichen ist. Einerseits

Könnte man dir vorwerfen, du spielst mit einer Entkopplung von Wahrheit und Erzählung, die du selbst im letzten Kapitel als »alternative Fakten« kritisierst?

Ich will einen Diskurs in Gang bringen, das ist durchaus provokant. Am Schluss gibt es ja auch ein Glossar, in dem ich Dinge – vermeintlich – richtigstelle.

Für wen hast du den Comic gemacht?

Was ich mir wünsche, sind Leser*innen, die sich Zeit nehmen. Ich fände es schön, wenn jemand beim Lesen irgendwann mitten im Buch innehält, es kurz zuschlägt und einfach aus dem Fenster schaut.

Serles

Der Band »Beuys. Die Erfindung der Wahrheit« von Lenz Mosbacher erscheint am 16. April im Avant-Verlag.

»Musik von hier, nicht für hier« Hip-Hop made in Vienna: Osive

Nachwuchspreis

Hot Take: Die spannendsten deutschsprachigen Hip-Hop-Acts finden sich in der österreichischen Hauptstadt. Was die Wiener Szene so besonders macht, besprechen wir in dieser fünfteiligen Serie mit jenen Produzent*innen, die den Sound der Stadt aktuell prägen. Diesmal: Osive. ———— Osive, 40, Produzent und DJ aus Wien hat eine Vision: »Ich möchte eine Asientour spielen.« Club-Edits und eigene elektronische Produktionen kombiniert in packenden DJ-Sets, die sich nicht um Genregrenzen scheren – das wäre der Plan. Wann es losgeht, weiß er nicht. Vieles sei noch zu klären. »So eine Tour zahlt sich erst ab einem Monat wirklich aus«, erläutert Osive. »Ich bin auch Familienvater, der Kleine ist sechs.« Er könne deshalb keinen ganzen Monat von der Bildfläche verschwinden. Und die Familie mitzunehmen, wäre zu teuer.

Auch wenn Osive noch nicht selbst um die Welt reist, seine Musik tut es längst. Im vergangenen Jahr veröffentlichte er gemeinsam mit dem Wiener DJ Thnk Pnk einen Edit des System-of-a-Down-Klassikers »Chop Suey!«. Auf Soundcloud wurde der Remix, der zwischen Garage und UK Drill rangiert, über 200.000mal gehört. Bekannte DJs wie Alison Wonderland spielten ihn in den USA und Japan.

Von der Kirche in die Clubs

Osive, der eigentlich Oliver Cortez heißt, wuchs in Wien-Donaustadt auf. Seine Mutter sei, wie viele philippinische Einwanderer*innen, Ende der Achtziger

nach Österreich gekommen. Die Stadt Wien warb damals gezielt Pflegekräfte aus dem Inselstaat im Westpazifik an. Über die philippinische Community fand Osive auch zur Musik. In der Kirche seien häufig Songs gesungen worden, und um mitspielen zu können, habe er sich gemeinsam mit Freunden Gitarre beigebracht.

Als Jugendlicher wollte er dann raus aus seiner Bubble. »Ich hatte das Gefühl, es gibt doch noch mehr als das«, erinnert sich Osive. Er lernte die Sängerin Sheyla J. kennen und kam über sie in Kontakt mit der Wiener HipHop-Szene. Dort habe er erlebt, dass sich

diese Schickimicki-Welt sei nicht die seine gewesen. »Das waren Hip-Hop-Partys, aber du durftest nicht mit Hip-Hop-Klamotten rein«, erzählt er und lacht. Dennoch prägte diese Zeit seinen Weg. Er kam in Kontakt mit DJs und beschloss, selbst aufzulegen. Von einem Freund habe er sich zwei Turntables und fünf Platten geliehen und damit geübt. Haufenweise Beats

Die ersten Produktionen von Osive waren entsprechend stark von der Clubszene inspiriert. Nach dem Vorbild des amerikanischen Kollektivs Crooklyn Clan baute er Mash-ups

»Als Wiener kannst du jetzt natürlich raunzen oder du packst an und machst was.« — Osive

Musik auch ohne ein professionelles Studio produzieren lässt. »Das war für mich ein Kulturflash vom Feinsten«, so der Producer. »Ich hatte mir das alles viel größer vorgestellt. Es war schön, dass das so greifbar war.«

Später begann Osive, feiern zu gehen, er fremdelte aber mit der Wiener Clubszene. Wodkaflaschen mit Sprühkerzen im VIP –

aus bekannten Instrumentals und Schnipseln von gehypten Rapsong. Wenig später sei er auf die L.A.-Beat-Szene um Produzent*innen wie Flying Lotus gestoßen: »In dieser stehen Beats für sich, für Rap ist gar kein Platz.« Vorübergehend schloss er sich dem Kollektiv Dusty Crates an, das von den Produzenten Melik und Simp gegründet worden war.

Osive

Alter: 40

Bezirk: 1140

Dein Sound in einem Wort: Vibe OG-Hip-Hop-Track aus Wien: Osive »Wienter«

No.-1-Newcomer*in: Chovo

Obwohl ihm das instrumentale Arbeiten gefiel, wollte er irgendwann auch VocalProduktionen ausprobieren. Osive: »Ich hatte großen Respekt davor, bis ich mir irgendwann dachte, dass ich die Vocals einfach wie Samples oder Instrumente behandeln kann.« Auch heute noch entstünden aus diesem Mindset interessante Effekte, weil er die Gesangsspuren freimütiger bearbeite als andere Produzent*innen.

Seine ersten größeren Vocal-Projekte hätten unterschiedlicher kaum sein können: Einerseits produzierte er die Debüt-EP des Berliner Sängers Eshes. »Das war mehr Singer-Songwriting, aber mit einem elektronischen Touch.« Andererseits begann fast zeitgleich die Zusammenarbeit mit dem Wiener Rapper Kerosin95.

Das muss FM4 spielen!

»Wie schaffe ich es, meinen Stil einzubauen, aber so, dass es radiotauglich ist?« Das sei seine Ausgangsfrage gewesen, bevor es mit Kerosin95 losging, so Osive. Mit dieser klaren Vision – Airplay bei FM4 – habe er sich an die Produktion gesetzt. Der Plan ging auf. Schon die Debütsingle »Außen hart innen flauschig« landete in der Rotation des Senders. Kerosin95 entwickelte sich immer mehr zu Osives Hauptprojekt. Erst im vergangenen Jahr erschien mit »Coming Out« ein komplett von Osive produziertes Album. Bis vor Kurzem waren die beiden damit auf Tour durch Deutschland, Österreich und die Schweiz.

Dass es aktuell so gut läuft, war nicht abzusehen. Kerosin95 hatte in den ersten Jahren in der Musikindustrie so viel transfeindliche Gewalt erlebt, dass er vor ungefähr drei Jahren in Langzeitkrankenstand gehen musste. Zeitweise wollte er sogar komplett mit der Musik aufhören. Osive traf das Wegfallen seines größten Projekts damals hart. Es war ein »Wake-up-Call«, meint der Produzent. Plötzlich musste er sich fragen, welche Standbeine in der Musikindustrie er sonst habe. Seine Antwort: »Fuck, eigentlich habe ich nichts!« Nach der Pandemie sei er in der Clubszene irrelevant gewesen, Social Media habe er vernachlässigt, musikalisch zu viel auf eine Karte gesetzt.

»Als Wiener kannst du jetzt natürlich raunzen«, sagt Osive, »oder du packst an und machst was.« Er entschied sich für Letzteres, startete »Wednesday Jams Day«, ein wöchentliches Videoformat, sowie verschiedene andere Projekte. Darunter zum B eispiel die Beat Melange, eine Veranstaltungsreihe für Produzent*innen, die Osive mit organisiert. Oder Stems, eine Partyreihe, die neue Sounds in die Wiener Clubs bringen soll. »Global Sounds« oder simpler »Open Format DJing« nennen Osive und seine Mitstreiter*innen ihren Ansatz. Inspiriert von DJs wie The Gaslamp Killer spielen sie Musik von Jersey Club über Dubstep, Garage und Trap bis hin zu Jungle. »Ich lege immer so auf, wie ich es selbst gerne hören würde«, erklärt Osive. »Ich möchte immer überrascht

werden.« Ein neuer Ansatz in Wien, wo das Nachtleben von klar definierten Techno-, Drum-&-Bass- und Nullerjahre-Partys dominiert wird.

(Inter)national

Auch deshalb schielt Osive schon länger auf den internationalen Markt. Sein Mindset bringt er in einem Satz auf den Punkt: »Ich produziere Musik von hier, nicht für hier.« International könne man auf offenere Ohren stoßen als im deutschsprachigen Bereich. Mit seinen Club-Edits und eigenen elektronischen Releases, in denen er philippinische Musik mit elektronischen Sounds verbindet, versucht er sich eine internationale Zuhörer*innenschaft aufzubauen.

Diesen Anspruch bringt er auch in die Wiener Szene und produziert Tracks für Newcomer*innen wie Chovo, Kvsal und Nsheem. »Ich bin recht abgekapselt von der Szene«, meint er. »Aber ich habe meine ausgewählten Artists in Wien, mit denen ich gerne arbeite.« Ein wenig Musik von hier für hier ist also doch dabei.

Jannik Hiddeßen

Aktuelle Infos zu Osive sind auf seinem Instagram-Kanal @osive_the_producer zu finden.

Dieser Text ist im Rahmen des The-GapNachwuchspreises für Musikjournalismus in Kooperation mit dem Festival Waves Vienna entstanden.

Internet Killed the Video Star Stirbt das Musikvideo aus?

Die Musikwelt gehörte einst Viva und MTV. Doch diese Zeiten sind lange vorbei. Ersteres wurde 2018 eingestellt und Zweiteres zeigt keine Musikvideos mehr. Auch deren Views auf Youtube sind mit zunehmender Dominanz von Spotify und Co eingebrochen. Welchen Platz haben Musikvideos also aktuell in der Branche? ———— Welches österreichische Musikvideo der letzten zehn Jahre kommt euch spontan in den Sinn? Und, ja, der Release von »Maschin« ist schon länger her. Früher verbrachte man ganze Ferientage vor dem Fernseher. Man wusste noch nicht, was Algorithmen sind, aber dafür kannte man »MTV’s Most Wanted«. Während einst ganze TV-Sender der Kunstform Musikvideo gewidmet waren, starben diese Stationen – parallel zum sinkenden Interesse am linearen Fernsehen – aus. Selbst MTV stampfte Ende letzten Jahres fast auf der ganzen Welt seine Musikvideosparte ein. Der Song mit dem alles begann, war auch zum Ende zu hören: »Video Killed the Radio Star« von The Buggles.

Doch auch im Internet scheint die Lage mittlerweile kaum besser, auf Youtube sind die Zahlen für Musikvideos massiv zurückgegangen. Im Vergleich zeigt sich eine auffällige Entwicklung: Während Bilderbuchs »Plansch« aus 2013 bis heute mehr Aufrufe auf Youtube als auf Spotify verzeichnet, hat sich das Verhältnis in den letzten Jahren umgedreht. Ihre Single »Softpower« aus 2023 erreicht mit 260.000 Youtube-Aufrufen nicht einmal ein Fünftel der 1,6 Millionen SpotifyStreams. Aktuelle Videos von bekannten Acts wie Salò oder Buntspecht weisen YoutubeViews im vierstelligen Bereich auf. Und selbst

ambitionierte Produktionen wie jene von Rahel oder Videos von Überfliegern wie Lovehead schaffen keine 100.000 Aufrufe. Bei diesen Indizien drängt sich die Frage auf: Stehen wir vor dem Ende einer Kunstform?

Raison d’Être

Musikvideos begleiten uns seit den Sechzigern. Warum kämpfen sie nun plötzlich ums Überleben, nachdem sie die Musikwelt mehr als ein halbes Jahrhundert mitgeprägt haben? Die (Musikvideo-)Regisseurin Sabrina Norte

»Für einen Act in meiner Größe sind Videos ein Liebhaber*innending.« — Rahel

erklärt sich das so: »Das Problem ist, dass du so viele unterschiedliche Plattformen bespielen musst und es immer schwieriger wird, dafür das Budget zu finden.« Beteiligte müssten deshalb oft ohne Bezahlung mitwirken, um eine Produktion zu ermöglichen. Zwischen den Anforderungen von Tiktok, Instagram und Youtube soll dann auch noch Platz für die künstlerische Vision sein: Während die Aufrufzahlen sinken und die traditionellen

Kanäle verschwinden, wollen Künstler*innen weiterhin ihre visuelle Welt gestalten. Ohne Budget ist das jedoch kaum möglich, zumindest nicht so, wie wir es aus den glamourösen Clips der Nullerjahre kennen. Statt einer Ansage von Mola Adebisi zur besten Fernsehzeit, müssen ein paar Posts und ein Youtube-Link in der Story reichen, um ein Video interessant zu machen. Die Aufrufzahlen zeigen, dass das eher mäßig klappt.

Mit dem langsamen Schwund der Musikvideos geht auch ein essenzieller Weg verloren, die eigene Künstler*innenfigur bekannt zu machen. Wären Bilderbuch so ikonisch, wenn wir nicht alle das Bild eines platinblonden Maurice Ernst im gelben Lamborghini vor uns hätten? Ein Video steht für die visuelle Ebene der Musik, hilft, diese medial zu vermitteln. Egal, ob der Impuls dafür aus rein künstlerischen oder aus profitorientierten Sphären kommt. Doch, wie Christoph Etzlsdorfer, Leiter des Musikvideopreises beim Kurzfilmfestival Vienna Shorts, ausführt: »Es gibt noch immer eine Masse von Musikvideos, die als Werbemittel verwendet werden. Die wenigsten davon werden gesehen.« Spätestens seit TV-Sender keine Musikvideos mehr spielen, ist deren Werbepotenzial dahin. Ohne dieses lassen sich aber auch künstlerisch anspruchsvolle Produktionen immer schwerer rechtfertigen.

Liebhaber*innending

»Für einen Act in meiner Größe sind Videos ein Liebhaber*innending«, sagt Rahel. »Es wäre wahrscheinlich viel effizienter, wenn ich jeden Tag fünf Tiktoks machen würde.«

Im Video zur Single »Weidentier« nutzt Rahel das Tiktok-freundliche Hochformat.

Nach einjähriger Pause hat die Musikerin gerade eben wieder von sich hören – und sehen – lassen. Im aktuellen Video zu »Weidentier« agiert sie im Hochformat, das wir ja hauptsächlich von Social Media kennen. Während das klassische Musikvideo nicht mehr so richtig funktionieren will, suchen also manche neue, interessantere Wege. Mal ist es ein ungewöhnliches Format wie bei Rahel, mal eine humorvolle Eigenproduktion mit Fanunterstützung wie bei Loveheads »Erdnussallergie«. Christoph Etzlsdorfer sieht die Entwicklung ähnlich. Laut ihm würden Artists vermehrt innovative Zugänge suchen, um dem künstlerischen Anspruch trotz Content-Overload gerecht zu werden: »Eigentlich werden die Filmschaffenden noch kreativer.«

In Zeiten von Tiktok sind Musikvideos nicht leicht mit einem viralen Moment vereinbar. Dafür sind sie schlicht zu lang. Wenn bereits nach zwei Sekunden entschieden wird, ob man weiterswipt, verwundert es nicht, dass mehrminütiger Content auf wenig Interesse stößt. Mittlerweile sind sie für Artists wie Rahel ein »Herzensprojekt«, das es zumeist nicht über die eigene Fangemeinde hinausschafft. Dementsprechend geht es auch mehr und mehr darum, eine Verbindung zur Person hinter der Musik herzustellen. »Ob das jetzt in höchster Qualität, auf einer Dashcam oder mit einem I-Phone gefilmt ist, ist komplett egal«, meint Sabrina Norte. »Hauptsache, man findet eine Connection zu den Artists.« Ähnlich idealistisch Rahel: Es sei etwas Wunderschönes, wenn zumindest ein paar Leute die Vision hinter ihren Musikvideoproduktionen erkennen können.

Etzlsdorfer sieht die Band Bilderbuch in einer absoluten Vorreiter*innenrolle, wenn es darum geht, mit vergleichsweise wenig aufwendigen Produktionen zu überzeugen.

Christoph Etzlsdorfer, Leiter Musikvideopreis

Vor mittlerweile über zehn Jahren hätten die Oberösterreicher dem Musikvideo made in Austria jene »High-Gloss-Ästhetik« verpasst, die Pop gerne nachgesagt wird – und das ganz ohne großes Budget. Doch auch die Blütezeit dieser Low-Budget-Videos liegt nun schon eine Dekade hinter uns. Gerade wenn kleinere Artists immer größere Probleme haben, ihre Kunst zu finanzieren, wird natürlich hinterfragt, ob eine unterstützende Kunstform wie das Musikvideo überhaupt noch zeitgemäß ist. Damit stößt man die Tür zu einer Grundsatzdiskussion über den Wert von Kunst auf. Als Regisseurin kann Sabrina Norte die Debatte zwar verstehen, sie fragt sich aber, wie es

immer toll. Diese Repräsentation zu erfahren und Platz für Ideen zu bekommen, wäre ein Traum«, meint beispielsweise Rahel.

An manchen Stellen versucht man, der prekären Form noch Tribut zu zollen. Vienna Shorts vergibt jedes Jahr einen Musikvideopreis, der heuer mit 2.500 Euro dotiert ist. Das Musikvideo ist dort kein Add-on, sondern steht im Mittelpunkt. Als Leiter des Preises erlebt Christoph Etzlsdorfer häufig Aha-Momente im Publikum: »Nach den Screenings sagen Leute, dass sie den Song kannten, aber keine Ahnung hatten, wie das Video dazu aussieht.« So wird ein Ort geschaffen, an dem Musikvideos noch im Spotlight stehen und unter Menschen gebracht werden. Zusätzlich dient die Veranstaltung laut Etzlsdorfer auch als Vernetzungsort für Musiker*innen und Regisseur*innen. Oft würden dort entstehende Kooperationen dann im Folgejahr zu neuen Einreichungen führen.

Keine Grenzen

So eine letztlich dennoch limitierte Präsenz reicht für das Fortbestehen eines ganzen Mediums natürlich nicht aus. Wie kann es also mit dem Musikvideo weitergehen? Rahel sieht die Verantwortung zwar nicht hauptsächlich bei den Artists, aber schon auch: »Acts, die vielleicht noch gar nicht so groß

»Das Problem ist, dass du so viele unterschiedliche Plattformen bespielen musst und es immer schwieriger wird, dafür das Budget zu finden.« — Sabrina Norte

mit Musik ohne visuellen Aspekt weitergehen soll: »Würden wir etwa auf Konzerte verzichten wollen? Und genau wie Konzerte gehören auch Musikvideos dazu.«

Der Bedeutungsverlust von Musikvideos hängt auch damit zusammen, dass die Aufmerksamkeitsspanne der ganzen Welt signifikant kleiner und der Stress deutlich größer geworden ist. Zwischen den diversen Horrorszenarien des Weltgeschehens gilt es, so schnell wie möglich Dopamin freizusetzen. Ein Meisterwerk, das ein anderes »nur« untermalt, ist dabei schon ein Umweg zu viel. Doch ganz ist der nostalgische Gedanke an die »gute alte Zeit« nicht wegzubekommen: Wie könnten sich heutige Artists ausleben, wenn sie das Budget von vor zwanzig Jahren hätten? »Wenn weniger Barrieren für die künstlerische Umsetzung da sind, ist das

sind, haben mittlerweile ja sogar Social-Media-Personen. Gerade jüngere Musiker*innen werden ein Stück weit entscheiden, in welche Richtung es gehen wird.« Wenn man von außen auf das sinkende Interesse des Publikums schaut, mag jede Bemühung, das Musikvideo zu retten, vergeblich wirken. Doch die ständige Weiterentwicklung der Musikszene zeigt, dass die kreativen Grenzen der Branche längst nicht erreicht sind. Es bleibt zu hoffen, dass dies auch für ihr audio-visuelles Begleitformat gilt. Nico Rottenbücher

Das Video zu »Weidentier« von Rahel ist auf ihrem Youtube-Kanal zu finden. Der Österreichische Musikvideopreis wird am 29. Mai im Rahmen des Kurzfilmfestivals Vienna Shorts im Metro Kinokulturhaus vergeben – inklusive Konzert von Farce.

Eszter
Kondor, Julia Oberhauser

Grandoro –reine Genusssache!

Kein Scherz: Der frühere Maschek-Satiriker Ulrich Salamun baut auf seiner eigenen Finca im Nebelwald Nicaraguas Kaffee an. Nach der Röstung im Burgenland kommt dieser unter der Marke Grandoro in den heimischen Handel.

Wie kaum ein anderes Genussmittel hat es Kaffee in den letzten Jahren geschafft, bei den Konsument*innen ein breites Bewusstsein für seinen beeindruckenden Nuancenreichtum zu entwickeln. Spätestens seit gefühlt an jeder Straßenecke ein Third-Wave-Coffeeshop aufgemacht hat, ist dieses Bewusstsein auch in Österreich angekommen. Die unterschiedlichen Anbauregionen und die Sortenvielfalt, aber auch die handwerkliche Perfektionierung aller Produktionsstufen – vom Anbau über die Ernte und die Trocknung bis hin zur Röstung – wirken sich auf den Geschmack von Kaffee aus.

Caffé Dolcevita

Ein Espresso-Cuvée aus den ArabicaSorten Bourbon, Catimor und Caturra — erhältlich bei Billa und Billa Plus

Eine geradezu ansteckende Begeisterung für eben diesen Nuancenreichtum ist schon sehr früh, noch bevor es die neue »Röstereiszene« in Wien gab, in Ulrich Salamun ausgebrochen. Dass es den Österreicher schließlich vor gut

Kilambé BioNationalparkkaffee

Von der Grandoro-Biosphären-Finca Los Alpes im Nationalpark Kilambé — erhältlich bei Denn’s und Reform Martin

einem Jahrzehnt sogar in den Norden Nicaraguas verschlagen hat, um dort selbst als Kaffeebauer aktiv zu werden, kann man aber als eher außergewöhnlich beschreiben. War Salamun hierzulande doch vor allem als ein Drittel der begnadeten »Drüberreder« Maschek auffällig geworden.

Aus Leidenschaft

Politisches Kabarett und Kaffeeanbau – gibt es da eine Verbindung? »Ja, man braucht viel Kaffee, um politisches Kabarett zu machen«, so Salamun schmunzelnd. Dass seine Zeit für Maschek letztlich zu knapp geworden ist, liegt daran, dass die Kaffeeernte mit der Spielsaison im Theater zusammenfällt.

Ursprünglich kam er in den Nullerjahren nach Nicaragua, um dort ein freies Radio aufzubauen, das es immer noch gibt, und er hat dabei Land und Leute

kennengelernt. Aus der Leidenschaft für Kaffee entwickelte sich vor Ort ein Interesse am Anbau und daran, kleinbäuerlichen Kooperativen bei der Vermarktung unter die Arme zu greifen.

Seit mehr als zehn Jahren röstet Salamun nun schon auf einem Teil des Weinguts der befreundeten Topwinzer*innen Gernot und Heike Heinrich Kaffee auf höchstem Niveau. Vertrieben wird dieser unter dem Namen Grandoro.

Das Mission Statement seiner Unternehmung: an die gute alte Zeit des Kaffees anschließen, als dieser noch als Luxusprodukt galt – als ein Produkt, das für ein gewisses Lebensgefühl stand. Mit seinen fast ausschließlich in Handarbeit und mit einem Augenmerk auf Nachhaltigkeit hergestellten Spezialitätenkaffees aus eigenem Anbau gelingt ihm das sehr gut.

— www.cafegrandoro.com

Grandoro Volcán Eine Arabica-Mischung mit einem Hauch Robusta aus Nicaragua — erhältlich bei Spar Gourmet

Special Being

Band

Bei Monkeys of Earth stehen alle Mitglieder gleichberechtigt auf der Bühne.

The Sound of Disability Von Musik, Aktivismus und Agency

Laut, selbstbewusst und widerständig: So erkämpfen sich Musiker*innen mit Behinderung die Bühnen Österreichs und der Welt. ———— Behinderte Körper auf der Bühne sind selten. Umso mehr ist schon allein deren Anwesenheit ein Akt des Widerstands und ihre Musik eine Waffe im Kampf für die Rechte von Menschen mit Behinderung. Seit der NS-Zeit wird Behinderung allzu häufig als beseitigbarer Makel betrachtet und diese Ansicht ist in unserer Gesellschaft noch immer tief verwurzelt. Um das zu ändern, ist die Sichtbarkeit von Menschen mit Behinderung sowie die Hörbarkeit ihrer Stimmen in einem zutiefst politischen und ohnehin schon schwer zugänglichen Bereich wie der Musikindustrie von nicht zu unterschätzender Bedeutung.

Das sieht Dom Delicious, Aktivist*in und Musiker*in bei der Wiener Punkband Dregs, ähnlich: »Meine Message ist, dass ich als Mensch mit Behinderung auf der Bühne bin und zeige, dass da Raum für uns sein kann.« Dey erklärt, dass enge Gänge und verwinkelte Backstagebereiche Künstler*innen mit körperlichen Behinderungen einschränken können und Hürden darstellen. Zudem sei die Situation von Menschen mit Behinderung deutlich prekärer als ohnehin schon für Künstler*innen generell. Denn eine Arbeit zu finden, sei schwieriger und manche Menschen mit Behinderung seien gar nicht mehr am Arbeitsmarkt vermittelbar.

Viele der Barrieren beim Musikmachen sind oft weniger sichtbar, als man zunächst

»Wir können Dinge ansprechen, die andere Bands nicht ansprechen. Das hat viel mit Aktivismus zu tun. Und mit Antifaschismus.«
— Ron Pfennigbauer
Christopher Mavrič

erwarten würde. Es sind nicht nur fehlende Aufzüge oder unzugängliche Backstagebereiche, die Barrieren für Musiker*innen mit Behinderung darstellen. Der Grund für diese materiellen Barrieren sind nämlich vor allem unsichtbare Hürden: Vorurteile, Unwissen, Infantilisierung und die hartnäckige Annahme, Menschen mit Behinderung seien »anders«.

»Barrieren im Kopf«

»Viel fehlende Barrierefreiheit kommt einfach daher, dass Menschen gar nicht darüber nachdenken, dass etwas eine Barriere sein könnte, weil es für sie selbstverständlich ist, dass es kein Problem ist«, erklärt Dom Delicious.

»Entertainment is not a disabled person’s world. Aber nichtsdestotrotz sind wir da und wir ver-

suchen uns den Raum zu nehmen. Es ist nicht immer einfach und unkompliziert, aber: We gotta keep fighting.«

Dasselbe Thema spricht auch Behindertenrechtsaktivistin und Musikerin Julia Brandstötter an: »Das Problem sind die Barrieren im Kopf, die die Leute haben. Denn ein Aufzug ist gleich mal angebaut.« Was fehle, sei nicht nur Technik, sondern primär Haltung. »Wirklich weiterzudenken und mit Menschen mit Behinderung zu reden, das macht selten jemand. Dabei können wir am besten sagen, was wir brauchen und was nicht.«

Für Brandstötter kommt noch eine weitere Ebene hinzu: die Geschlechterfrage. Die Musikszene sei ohnehin männerdominiert, erläutert sie – und als Frau mit Behinderung

spüre sie diese Schieflage noch deutlicher. Weniger Chancen, weniger Sichtbarkeit, mehr Zweifel von außen. Von der Musikindustrie wünscht sie sich vor allem zwei Dinge: »Dass sie noch offener wird. Und dass nicht alles schlecht geredet wird, nur weil es von einem Menschen mit einer Behinderung kommt.« Kulturelle Teilhabe

Dabei ist die rechtliche Grundlage eigentlich eindeutig: Die UN-Behindertenrechtskonvention garantiert kulturelle Teilhabe, also auch Zugang zu musikalischer Bildung, Bühnen und Öffentlichkeit. Doch zwischen Anspruch und Wirklichkeit klafft eine große Lücke. »Viele Musiker*innen mit Behinderung arbeiten als Einzelkämpfer*innen«, erzählt Chris-

»Entertainment is not a disabled person’s world. Aber nichtsdestotrotz sind wir da und wir versuchen uns den Raum zu nehmen. Es ist nicht immer einfach und unkompliziert, aber: We gotta keep fighting.«

— Dom Delicious

toph Heiß, Gründer des Powerband Festivals, das Inklusion auf der Bühne feiert. Betroffene Musiker*innen tun zwar vieles dafür, Bewusstsein zu schaffen, bleiben dabei aber oft ohne strukturelle Unterstützung. Die Interessengemeinschaft Musik Inklusiv Österreich versucht, das zu ändern. Heiß, der auch bei der NGO tätig ist, erklärt, dass es deren Ziel sei, Menschen zu vernetzen, um gemeinsam Forderungen stellen zu können. Für ihn eine wichtige Arbeit, denn: »Nur durch eine inklusive Gesellschaft kann Frieden entstehen.« Mit dem von ihm organisierten Powerband Festival möchte er diesem

Ideal ebenfalls näherkommen. Dort treffen internationale Musiker*innen mit und ohne Behinderung aufeinander. »Es entstehen unglaubliche zwischenmenschliche Begegnungen sowie gelebte Inklusion«, berichtet Heiß.

Vereint durch Musik

Für gelebte Inklusion setzt sich auch die Band Monkeys of Earth ein. Wer sie zum ersten Mal hört, merkt sofort: Dieser Sound passt nicht in verengte Schubladen. Sie mischt Punk mit Klassik sowie anderen Genres und macht dabei vor allem ihr eigenes Ding. Ihr Sound ist energiegeladen, wild, manchmal verspielt – und genau dadurch unverwechselbar. Eine

Band, die rockt, und zwar nicht trotz der Behinderung einiger Mitglieder, sondern gerade wegen der einzigartigen Ausdrucksformen, die daraus entstehen.

Was die Wiener Band auszeichnet, ist die Vielfalt ihrer Mitglieder: Laura Rambossek als vorwiegend klassische Pianistin mit einem absoluten Gehör; Manu Hauer mit ihrer eigenen poetischen Sprache, mit der sie tiefe Emotionen ausdrückt; Ron Pfennigbauer als aktivistischer Redner, Moderator und Sänger; Markus Kranzler als Schlagzeuger; und Antti Kaikkonen als Bandleader, Gitarrist und Organisationstalent. Eine Mischung, die nicht nur musikalisch beeindruckt, sondern auch politische Kraft entwickelt. Pfennigbauer: »Wir können Dinge ansprechen, die andere Bands nicht ansprechen. Das hat viel mit Aktivismus zu tun. Und mit Antifaschismus. Mehr Akzeptanz, mehr Liebe, mehr Widerstand.«

Exklusive Inklusion

Gerade die Besonderheiten jedes einzelnen Mitglieds – ob mit oder ohne Behinderung – prägen den Sound der Band. Die Vocals der Sängerin Manu Hauer etwa bestehen aus einer eigenen, intuitiven Sprache, ohne klare Worte. »Man könnte sagen, dass sie das aufgrund ihrer Behinderung so macht. Aber eigentlich bringt das etwas für die Musik selbst, macht sie besonders und ganz eigen«, meint Bandleader Kaikkonen. Was gesellschaftlich als Einschränkung markiert ist, wird zur künstlerischen Stärke, zu einer Form des Ausdrucks, die ebenso widerständig wie subversiv ist.

Deshalb bedeutet Inklusion für Monkeys of Earth auch, dass alle Mitglieder auf Augenhöhe zusammenarbeiten und gemeinsam, wie Pfennigbauer schmunzelnd sagt, »die Bühne zerlegen«. »Wir arbeiten gleichberechtigt, unabhängig und selbstbestimmend«, hält auch Keyboarderin Rambossek fest. »Jeder Mensch soll bei uns gleiche Rechte haben.« Gleichzeitig betont Kaikkonen, dass der Begriff »inklusive Band« auch irreführend sein könne: »Eigentlich sind wir sehr exklusiv –wir sind fünf Menschen, eine geschlossene Gruppe. Man muss gut spielen können, um bei uns dabei zu sein.«

Auf die Frage, ob Behinderungen beim Musikmachen und in der Dynamik der Band eine Rolle spielen, antwortet Pfennigbauer

Special Being a Band

ohne Zögern: »Nein, überhaupt nicht. Jeder kann das, was er kann. Und jeder trägt seinen Teil bei.« Was für Monkeys of Earth zählt, ist das Zusammenspiel als Band, nicht die Behinderung.

Dieses vereinende Moment der Musik betont auch Punkmusiker*in Dom Delicious: »Jede Revolution, jede Bewegung hat irgendwo Musik im Hintergrund. Sie ist ein guter Einstiegspunkt für Leute, um über Sachen nachzudenken, weil sie zunächst einmal Spaß macht. Erst danach schaust du dann auf die Lyrics und merkst, dass da vielleicht noch eine Message dahintersteckt. Musik kann eigentlich nicht nichtpolitisch sein – gerade in einer gewinnorientierten Gesellschaft, in der so ziemlich alles produktiv sein muss.«

Loma Gerner

Weitere Infos zu Julia Brandstötter finden sich auf Instagram unter @julia_brandstoetter. Monkeys of Earth sind am 2. Mai bei Inklusion im Park im Belvedereschlössl in Stockerau und am 27. Juni beim S’Werkl-Straßenfest am Yppenplatz in Wien live zu erleben. Das Powerband Festival findet am 9. Mai im Glenthof in Imst statt. Die Musik der Band Dregs mit Dom Delicious hört ihr am besten bei Bandcamp.

Dom Delicious, Aktivist*in und Musiker*in

SingerSongwriter

19/10/26

Veranstaltungen

Sophie Hunger © Marikel Lahana

Mit einer Band erfolgreich zu sein, grenzt manchmal an Glücksspiel. Deshalb könnt ihr euch auf dieser Doppelseite eure individuelle Band erwürfeln und schauen, wie weit sie es im Musikbusiness wohl bringen würde.

Zunächst wählt ihr den Namen eurer Band nach dem Modus Adjektiv plus Hauptwort (Arctic Monkeys, Green Day, Sonic Youth etc. – ihr versteht). Für jedes weitere freie Feld im Charakterbogen schaut ihr einfach in der gleichnamigen Tabelle nach, ob ihr einen oder zwei sechsseitige Würfel werfen sollt. Das Ergebnis sowie das zugehörige Power-Rating (»PR«) in den Klammern dahinter notiert ihr dann im Bogen in den entsprechenden Feldern.

Ein Beispiel: Für das Feld »Genre« nehmt ihr zwei Würfel. Wenn ihr damit eine Zehn würfelt, tragt ihr im Charakterbogen »House« und daneben »2« ein.

Diese Vorgangsweise wendet ihr bei der Band und bei allen vier Protagonist*innen an. Am Ende zählt ihr alle »PR«-Werte zusammen. Die »Wie weit schafft es eure Band?«-Skala könnt ihr dann bis zu eurem Gesamtwert ausfüllen. Wird es für eure Death-Jazz-Band nur bis zur ersten gemeinsamen Probe oder doch bis zum Festivalheadliner reichen? Wir wünschen viel Würfelglück!

Genre

(zwei sechsseitige Würfel)

02Funk (1)

03Folk (2)

04Techno (3)

05Rock (3)

06Pop (3)

07Hip-Hop (3)

08Soul (2)

09Punk (2)

10House (2)

11Metal (3)

12Jazz (1)

Präfix

(zwei sechsseitige Würfel)

02Post- (1)

03K- (3)

04Neo- (1)

05Hard- (2)

06Indie- (2)

07Soft- (3)

08Dream- (2)

09Art- (1)

10Instrumental- (1)

11Deep- (2)

12Death- (2)

Rolle

(zwei sechsseitige Würfel)

02Harfe (3)

03Blockflöte (1)

04Geige (2)

05Keyboard (2)

06Gitarre (2)

07Vocals (3)

08Drums (3)

09Bass (2)

10Saxofon (1)

11Roadie (1)

12Manager*in (3)

Background (ein sechsseitiger Würfel)

01Nepo-Baby (3)

02Straßenmusiker*in (2)

03Absolvent*in eines Musikstudiums (1)

04Castingshow-Teilnehmer*in (1)

05Industry-Plant (2)

06Influencer*in (3)

Charaktereigenschaft

(ein sechsseitiger Würfel)

01introvertiert (1)

02extrovertiert (2)

03konfliktsuchend (1)

04harmoniebedürftig (2)

05geldgetrieben (3)

06kunstgetrieben (3)

Drama (zwei sechsseitige Würfel)

02verwendet KI (−3)

03Playboy/-girl (−1)

04mangelnde Impulskontrolle (−2)

05hat ein Soloprojekt (−3)

06übermäßiger Drogenkonsum (−1)

07»kreative Di erenzen« (−2)

08Geldprobleme (−2)

09Narzisst*in (−3)

10verliebt sich in ein*e Bandkolleg*in (−3)

11Lampenfieber (−2)

12Verschwörungstheoretiker*in (−3)

Alles muss raus

Kunst ohne Zweifel? Gibt’s nicht. Richtig unangenehm wird es aber, wenn der Zweifel nicht nur an dir nagt, sondern zum Fell wird und dich innerlich auskleidet. Paula Dorten weiß ein Lied davon zu singen …

DAS ZWEIFELL

Eines vorab: Der folgende Text entstand in der ExilLiteraturhauswerkstatt, in der Frieda Paris zu Gast war. Das Wort und der Titel »Zweifell« stammt aus ihrem Langgedicht »Nachwasser« und war Inspiration.

Ich stelle mir vor, dass es unter meiner Haut liegt

Dass es dort an meine Organe angewachsen ist

An diese dicke wachsige Fleischwand meiner Organe

An den Darm, den Magen

Auch an die Bauchspeicheldrüse

Ich stelle es mir sanft rostrot vor mit blonden Strähnen

Eine Mesche könnte man sagen

Wie es sich die 50-Jährigen im Friseursalon

Unter Aluminiumwürsten in die Haarschöpfe färben lassen

Das Zweifell war nicht immer da Früher war meine Organhaut butterweich

Wie Säuglingsbacken könnte man sagen

Oder ein gelaserter Erwachsenenarsch

Unbehaart in jedem Fall

Ohne dass ich sie pflegen musste mit Cremes oder Ähnlichem

Da stoben mir die Wörter aus dem Handgeäst

Plumpsten aufs Papier und wälzten sich dort

Dann wurde mir ein Endgerät geschenkt

Groß und klobig und silbern

Stand es auf dem Kinderschreibtisch

Wölbte sich die Platte gen Boden Hob ich es hoch

Wölbte sich mein Bizeps gen oben

Dem Endgerät fehlte die Niere

Der Akku war ihm ausgebrochen

Organtransplantation zu teuer

Also hing es permanent am Tropf

Wenn es den Kabel-Fremdkörper wieder ausstieß

Waren meine Textkinder augenblicklich tot

Im Zehnfingersystem ging es im Sturzflug an die Tastatur

Ich hackte ein in rasender Manie

Stunden um Stunden bis meine Bindehaut

Eins wurde mit dem Bildschirm

Und ich atmete mit dem Gebläse im Einklang

Einmal schlug ich das Endgerät fast kaputt

Es wollte die Buchstaben nicht schlucken

Deshalb drückte ich sie ihm ins Gehäuse

Manchmal kamen die Eltern ins Kinderzimmer

Sahen mich hechelnd vor dem Endgerät

Mit Speichel im Mundwinkel und schmelzender Stirn

Sie rissen die Fenster auf

Ließen den Dunst hinauswabern

Die Eltern erzählten mir später

Als Baby im Kreischsaal

Das Krankenhauspersonal unterbesetzt

Blieb ich unbewacht

Mit langen Beinen und großem Mund

Zog sich die Sprache über den Fensterrand

Und biss sich fest in meinem Babynackenspeck

Meine Mutter meinte

Ein Zahn steckt wohl bis heute noch

Weil die Pinzette später nicht alles fassen konnte

Vielleicht kommt es daher

Das Nicht-anders-Können

Erst später schwollen mir unter der Haut die Knubbel

Gefüllt mit Haarwurzeln

Da wurde meine Menschenhaut zur Gans

In den weißgelben Kugeln zuckte der Flaum

Ich denke das Zweifell

Wuchs mir zum ersten Mal mit elf

Da schrieb ich um die Wette und verlor

Erstmals begann es mich zu jucken unter der Haut

Ich beschuldigte meine Schwester der Hagebuttenpulver-Produktion

Und kratzte mich in den Schlaf

Das Zweifell gab auch ein Wachsgeräusch von sich

Ein hohes Surren

Die Wörter wälzen sich nicht mehr

Ich muss mich gegen sie stemmen

Um sie zu manövrieren

Von einer Zeile zur nächsten

Und dazwischen liest sich nichts

Nackt weilen sie im Dokument

Mein Hirn in seinen Windungen ist gähnend leer

Mein Zweifell biegt sich und juckt

Dort wo es an meine gespannte Haut stößt

Wenn ich wieder vor dem Endgerät sitze

Muss ich mich kratzen und habe zum Schreiben

keinen Finger frei

Ich habe mir deshalb

Große Mengen Fenistil im Internet bestellt

Nach mehreren Stunden steht da dann oft nur ein Satz

Den ich mühend herausgewürgt habe

Manchmal stecken mir die Wörter auch nicht im Rachen

Sondern eher im Mittelohr

Mit langen Nägeln packe ich sie und breite sie aus

Mit dem Lineal ziehe ich sie gerade

Ich glaube der Platz unter meiner Haut wird eng Zu wenig Platz führt unweigerlich zur Sprengung

Ist da jemand

Der mich abscheren möchte wie ein Schaf

Ich gehe zur Hautärztin

Ihre Augen sind stahlblau

Das passt zur Sterilität der Praxisräume

Im Warteraum liegen Broschüren zur Nasenkorrektur

Sofort fasse ich mir

Ans herausstehende Nasenbein

Man bittet mich auf der Liege Platz zu nehmen

Die Frau Doktor komme gleich

Ich zersitze den Überzug

Nach näherem Begutachten beordert mich die Ärztin zum Chirurgen

Sie sagt, wegen meiner Beschwerden betreffend dem Zweifell

Könne sie mir nicht helfen

Sie sei nur oberflächlich bewandert

Ich muss ins Krankenhaus

Dort bitte ich um einen Ultraschall

Ich sage, es handle sich um ein Zweifell

Mit der zerschabten Haut

Falle ich sogar dort

Unter den ganzen Zertrümmerten auf

Was früher Stoppel war, ist jetzt Langhaar

Und presst mir von innen gegen die Schale

Inzwischen bin ich sicher

Es ist dick und schillernd und kraus und spitz

Das Zweifell wagt sich an meinen Hals

Es schnabuliert

Mein Kinn, meinen Kiefer entlang

Es reicht mir bis ins Ohr hinein

Das Ultraschallbild gibt von meinem Gewebe nichts preis

Nur dicken Flausch

Das sorgt für furchige Medizinerstirnen

Tuschelnde Medizinermünder

Man rät mir zu einer baldigen OP

Dem Epilieren meiner Organe unter Narkose

Vor dem operativen Eingriff

Mache ich mich splitterfasernackt

Ich entferne meinen Zehenring

Und schlüpfe in das mir nahegelegte blaue Nachthemd

Mein Arsch blitzt das Personal böse an

Man verabreicht mir einen Sirup

Den schlucke ich hungrig

Zur Person

Paula Dorten, 2005 in Niederösterreich geboren, hat schon einiges an Talentproben abgeliefert und verö entlicht regelmäßig Beiträge in Anthologien und Zeitschriften wie & Radieschen, Zeitschrift der Schule für Dichtung, DUM und Jenny. Auch an literarischen Auszeichnungen mangelt es nicht. Texte der Zwanzigjährigen wurden etwa 2025 mit dem Exil-Literaturpreis Jugend, 2021 mit dem Publikumspreis des Literaturpreises der Ärztekammer Wien sowie 2019 mit dem dritten Platz des Literaturpreises Texte ausgezeichnet. 2023 wurde sie zudem österreichische U20-Poetry-Slam-Vizemeisterin. Momentan studiert Paula Dorten Politikwissenschaften in Wien, ab Herbst 2026 dann Sprachkunst an der Universität für angewandte Kunst. Wer sich von der Qualität ihrer Texte persönlich und live ein Bild machen möchte, der*dem sei ein Besuch in der Textwerkstatt/Lesereihe Gläserne Texte empfohlen, die monatlich an wechselnden Veranstaltungsorten stattfindet.

Als ich aufwache

Ist mein Mund verfault

Die kranke Schwester beugt sich an mein Bett

In ihren Haaren blonde Meschen

Der Eingriff, sagt sie

Sei reibungslos verlaufen

Das Zweifell nachhaltig entfernt

Es sei außerdem in meiner Nackengegend

Ein fremder Körper gefunden und beseitigt worden

In einem Gefrierbeutel mit blauem Zip sehe ich

einen blutigen Zahn

Sie legt das Teil auf den Beistelltisch aus Hartplastik

Zwei Tage später werde ich entlassen

Meine Beute, den Zahn

Trage ich wie einen abgenommenen Gips nachhause

Er stinkt auch ein bisschen

Ich wage mich nur zaghaft an das Endgerät heran

Vorerst beobachte ich es schüchtern vom Türrahmen aus

Es sitzt da wie ein dickes Tier

Die Tastatur klebrig schillernd

Vom ganzen Fenistil

So eine Gemeinheit!

Onlineklasse der Schule für Dichtung mit Franz Adrian Wenzl

e Gap ist euch zu brav? Ihr würdet bei uns gerne mehr Gemeinheiten lesen? Dann schreibt sie doch selbst! Von 9. bis 30. April bietet die Schule für Dichtung eine Onlineklasse an – geleitet von Franz Adrian Wenzel aka Austrofred aka ein Viertel von Kreisky. Das Motto: »So eine Gemeinheit!«

Die Teilnahme ist kostenfrei und der Einstieg jederzeit möglich. Einfach ab 9. April registrieren, mitschreiben, ein Review von Franz Adrian Wenzl erhalten und mitunter in der nächsten Ausgabe von e Gap verö entlicht werden. Übung

Verfasse bis 30. April einen gemeinen Text oder einen Text über eine Gemeinheit. Textgattung: Was es braucht! Kurzgeschichte, Dialog, Witz, Lyrik, Songtext, Schlagzeile oder Pamphlet; Maximum 3.000 Zeichen

Gewinnen thegap.at/gewinnen

1 Designhotel Das Franzl

Das Franzl, ein kleines Designhotel am Wolfgangsee, versteht sich als Ort zum Wohlfühlen, Entdecken und Genießen. Die Zimmer sind durchwegs mit Vintage-Möbeln eingerichtet und lassen Tradition mit Moderne verschmelzen. Beim Frühstücksbu et im Restaurant Franzls Fischzeit wird Wert auf regionale und hochwertige Zutaten gelegt. Wir verlosen eine Nächtigung für zwei Personen inklusive Frühstück.

2 20 Jahre KFC in Österreich

Gerade eben wurde der 22. Standort von Kentucky Fried Chicken in Österreich erö net. Ein Beleg für die Erfolgsgeschichte, die das knusprige Fastfood aus den USA – seine Originalrezeptur ist seit mehr als 70 Jahren unverändert – auch hier in Schnitzelland zu schreiben wusste. Zum Jubiläum gibt’s jede Menge Rabatte und Sonderaktionen. Wir verlosen drei 20-Euro-Gutscheine.

3 Brizz Hot Sauces

Natürliche Fermentation, keine künstlichen Zusätze – das ist die Grundidee von Brizz. Entwickelt von Haubenkoch Johannes Schartner bringen die scharfen Saucen dank wochenlanger Reifung eine außergewöhnliche geschmackliche Tiefe mit: umami galore! Das »Full Flavor Set« bietet die gesamte Produktpalette von mild über fruchtig bis maximal scharf. Wir verlosen zwei Bundles.

4 Hansi Lang »Keine Angst/Der Taucher«

Die ersten beiden Hansi-Lang-Alben »Keine Angst« und »Der Taucher« als Reissue auf einer LP, remastered und auf farbigem Vinyl. Nicht weniger als ein Zeitdokument, das das frühe Scha en dieses so wichtigen Wiener Musikers zwischen Rock, Pop und New Wave neu aufbereitet. Unter anderem sind darauf Klassiker wie »Keine Angst« und »Montevideo« zu hören. Wir verlosen drei Exemplare.

5 Franzobel »Das Klo«

Ausgewählte Beiträge der Onlineklasse erscheinen in der nächsten Ausgabe von e Gap.

In diesem Band aus der Reihe »Dinge des Lebens« erzählt der Autor Franzobel die Geschichte der Menschheit aus einer ganz besonderen Perspektive: aus jener der Verdauung. Ob Plumpsklo, Nachttopf oder mit beheiztem Klodeckel, das stille Örtchen ist immer noch Tabuthema, und das, obwohl wir alle durchschnittlich drei Jahre unseres Lebens dort verbringen. Wir verlosen drei Exemplare.

Nina Buchner, Bettina Gangl, Kentucky Fried Chicken, Brizz Foods, Sony Music Austria, Residenz Verlag

Rezensionen Musik

Eli Preiss (Selbst)bewusst Upstairs

Es ist Frühling und das bedeutet: Die Zeit der Decken ist vorbei. Dicke Schneedecken schmelzen auch in höhergelegenen Gebieten, Heizdecken werden in Plastikkisten unterm Bett verstaut und jede Wettermeldung, die das Wort »bedeckt« enthält, wird fortan kritisch beäugt. Nicht nur die Spatzen pfeifen es von den Dächern: Es wird wärmer und die Natur erwacht. Vogelgezwitscher hört man auch auf dem neuen Album von Eli Preiss. »Früher habe ich mich versteckt, heute kann ich zu mir stehen«, singt sie im Track »Frühling«.

Was ihre Emotionen betri t, möchte sich die Künstlerin nämlich nicht länger bedeckt halten, sondern diese ganz o en annehmen. Ihr neues Album mit dem Titel »(Selbst)bewusst« ist ein tiefer und zugleich poppig sprudelnder Selbstbewusstseinsstrom. Es ist ein befreites Erwachen – ein Aufbruch, der sich aber auch schwer anfühlen darf. Nach einem langen, kalten Winter endlich Erleichterung zu empfinden, bedeutet nämlich nicht, dass plötzlich alles leicht ist. »Bin noch nicht da, aber am Weg dahin«, lässt uns Eli Preiss im Song »20 & irgendwas« wissen. Willkommen im Glück

Insgesamt vermittelt ihr neues Album das Gefühl, dass es absolut in Ordnung ist, mit zwanzig und irgendwas noch nicht alles im Gri zu haben, solange man sich selbst nicht zur Gänze entgleitet und auf dieser Reise außerdem nicht vergisst, ausreichend auf sich zu schauen. Das gilt im Übrigen auch für die Altersgruppe 30 und irgendwas (Anm. der Autorin).

Auf »(Selbst)bewusst« tre en zudem nicht nur Leichtigkeit auf Stärke und Intuition auf Reflexion, sondern es vermischen sich auch Pop, R&B und Rap zu einer warmen, beschützenden Sounddecke. Diese Art von Decke steht sowohl im Frühling als auch im Sommer hoch im Kurs. Nach dem Durchhören des Albums möchte man der Musikerin jedenfalls am liebsten ihre eigenen Lyrics laut entgegenrufen: »Willkommen im Glück, willkommen zurück.« Und dabei der Frühlingssonne entgegenblinzeln. (VÖ: 10. April) Sarah Wetzlmayr

Live: 6. November, Wien, Arena

Rezensionen Musik

Antonia XM

Watch the World End Upstairs

Als ich vor drei Jahren über die Hyperpopszene in Österreich berichtete, war die Welt noch eine andere. Irgendwie positiver, ein klein wenig ho nungsvoller. Sicher, alles, was heute ein paar Kilometer den Bach runtergegangen ist, war damals zumindest schon klitschnass. Aber in der breiten Gesellschaft schien zumindest noch die Möglichkeit diskutabel, dass alles vielleicht nicht absolut zwangsläufig in der Apokalypse enden wird. Hyperpop mit seinem maximalistisch-optimistischen Ansatz war einerseits der Ausdruck dieser Ho nung, andererseits aber immer auch schon ein bisschen Realitätsverweigerung, das denial in den Five Stages of Grief. Nur wenige Jahre später haben die meisten meiner damaligen Gesprächspartner*innen die Stadien anger und bargaining übersprungen und sind irgendwo zwischen depression und acceptance gelandet.

Emo Dance Music

Genretechnisch drückt sich das wohl am besten im Präfix »Emo-« aus: Enns (Kenji Araki und Ybsole) machen Emo-Postpunk, Anthea macht Emo-Pop – und Antonia XM? Die macht EDM: Emo Dance Music. Poppige Melodien, Beats, die in die Beine gehen, und Hooks, die sich ins Hirn graben. Großartig! Doch während der Subwoofer wooft, die Drops droppen, der Glitch glitcht und sogar der Hoover hoovert, zeigt sich in Vocals wie Lyrics ein gewisser Ennui, eine Teilnahmslosigkeit, eine Endzeitstimmung. Der Opener sagt schon im Titel alles Notwendige: »Shiny Apocalypse«.

Bon Jour

How Long is Forever Morinoko

Kontrollverlust. Bon Jour warnen davor, geben sich ihm aber auch genussvoll hin – je nach Song. Es geht um die Räume, in denen eine gewünschte, rauschhafte Intensität mitunter kippen kann. Das ist für Bon Jour ein durchaus wünschenswerter Zustand. Wichtiger: Sie singen nicht nur davon, sondern übersetzen ihn auch in Musik. Schreiben Songs, die diesen Zustand unterstützen oder triggern können. Es ist bekanntlich eine der großen Leistungen im Pop, zu verschleiern, wie arbeitsreich das Entstehen und das Spielen von Musik sein kann. Und auch die musikalische Suche nach intensivem Rausch bedeutet akribische Arbeit. Dass deren Verschleierung insbesondere bei einem eher sommerlichfröhlichen Sound gelingt, macht manche der ganz großen Bands aus. Phoenix zum Beispiel oder Jungle, die immer neue Spielarten eines modernen Soulsounds perfektionieren. Bon Jour feiern auf ihrer neuen EP genau diesen, wobei spätestens »Baby, Am I Delusional?« dann auch tatsächlich ein wenig an die letztgenannte Band denken lässt. Die sechs Songs auf »How Long Is Forever« wirken bei aller unterschiedlicher Betonung einzelner Aspekte wie aus einem Guss. Nicht nur, aber vor allem der Titeltrack drückt angenehm in Richtung Tanzbarkeit und schraubt das Energielevel hoch.

Außergewöhnliches Format

Beim Label Morinoko ist auch schon Pressyes untergekommen, das Studioprojekt von René Mühlberger, der eine durchaus ähnliche Ästhetik bespielt und leider dauerhaft nicht jene Aufmerksamkeit bekommt, die sein sonniger Sound verdient hätte. Die Mitglieder von Bon Jour haben bereits Erfahrung in anderen Bandprojekten gesammelt, im Zusammenspiel sind ihnen (oft geschlechtsbezogene) Klischees glücklicherweise fremd. Und so hat ihre Musik außergewöhnliches Format und verzichtet auch auf eine geografische Zuordnung. Das ist Pop aus Österreich, der höchst international klingt und auch in Sachen Style, der in den Videos geradezu zelebriert wird, frei von Klischees denkt und arbeitet. (VÖ: 17. April) Martin Mühl

Live: 29. April, Graz, Orpheum — 6. Mai, Salzburg, Rockhouse — 23. Mai, Linz, Stadtwerkstatt — 27. Mai, Wien, Flucc

Bernhard Frena

Hier wird weder gegen das Ende der Welt angetanzt noch – um zu vergessen – sich dem Rausch hingegeben. Die Katastrophe ist allgegenwärtig, unausweichlich. Sie türmt sich vor uns auf und wir müssen lernen, mit ihr umzugehen. »Watch the World End« ist eine schonungslose Auseinandersetzung mit dem Zeitgeist des Dooms, mit einem weltweiten Gefühl von Verlust. Doch wie bei jeder Trauerarbeit müssen wir, um wieder handlungsfähig zu werden, um nicht in Leugnen, Wut, Verhandeln oder Depression steckenzubleiben, unseren Weg hin zu Akzeptanz finden. Der Tanz, zu dem uns Antonia XM einlädt, ist einer, der die Schockstarre löst, der ein neues Equilibrium herstellt. Die Trauer bleibt, aber sie lähmt nicht mehr. Und darin liegt dann doch wieder eine neue Ho nung. (VÖ: 15. Mai)

Nezpera, Paul Vincenth Schütz, Luca Celine

Cute Aggression

Make Us Crash

Bauernfest Records

Nineties-Gameboy-Sound-Core tri t bei Cute Aggression auf hyperpoppige Punknostalgie und landet damit irgendwo zwischen Peaches und digitalem Kinderzimmer-Crash. Die süßeste Überforderung hält selbst die aggressivste Miezekatze aus dem hintersten Kämmerchen nicht von der kleinen Bühne des Wiener Duos fern. Was auf dem Debütalbum »Make Us Crash« passiert, ist kein sauber gebautes Set, sondern ein kontrollierter Kontrollverlust. Es ist widerständige Ironie und schillernd neonfarbener Zweifel, der die beiden Köpfe hinter Cute Aggression antreibt: Aaron Abebe und Erika Schweighofer wüten – aber mit Lust, Ausdauer und einer fast kindlichen Freude an der Eskalation. Ihre Tracks wirken wie zu schnell abgespielte Erinnerungen, die gerade so viel zu viel von allem sind, dass sie an den richtigen Stellen reingehen.

Reiz rein, Kopf raus

Ob das jemand mag oder nicht, ist ihnen wohl egal: Hauptsache, der Synth wummert und die Drummachines rattern weiter durch das Nebelwerk ihrer Reizüberflutungsraketen. Man steht mittendrin, lässt sich beschallen und merkt irgendwann, dass genau das der Punkt ist. Denn Cute Aggression übersetzen den Overload nicht in Rückzug, sondern in Bewegung. Körper wenden und drehen sich dabei mal rhythmisch, mal explosiv, mal chaotisch. Eigentlich egal, Hauptsache, sie bewegen sich überhaupt. Kontrolle wird hier nicht zurückgewonnen, sondern bewusst abgegeben.

Und genau darin liegt etwas Befreiendes. Was am Anfang noch irritiert, kippt irgendwann: Die Blitze gehen durch einen durch und plötzlich fühlt sich das Chaos weniger wie ein Angri an, sondern wie ein Angebot. »Make Us Crash« wird zum Programm und vielleicht ist das die eigentliche Geste dieses Sounds – nicht bloß eskapistisch, sondern eine Einladung, kurz aus den eigenen Routinen auszubrechen. So werden auch die letzten Nine-to-Fivers irgendwann reingesogen, die Socken halb ausgezogen, der Körper schon im Takt, während der Kopf mitzuhalten versucht. Cute Aggression ziehen alle hinein in diesen Strudel aus Glitzer und Taumel. (VÖ: 8. Mai) Ania Gleich

Live: 19. Juni, Wien, Badeschi

DI 14. APR 2026 | 19:30 Uhr

Schubert ins Herz geschaut

mit Clara Frühstück und Oliver Welter

Foto:
Ingo Petramer

Dima Braune

Glücklich in Blau

Feber Wolle Records

Es geht mit Volldampf los, die Gitarre bohrt sich gleich einmal mit einer freudigen Melodie ins Hirn, doch der Text in »Das, was ich nicht hab « (featuring Havarie) erzählt eine andere Geschichte. Der Opener gibt den ersten Hinweis darauf, was hier inhaltlich noch so alles auf uns wartet: »Von da an ging es nur bergab.« Folglich geht es langsamer und schlingernd mit »Swarovski Steine im Asphalt« (featuring Reiszner) weiter. Das Glitzern trübt sich, die Zweisamkeit ist doch nur oberflächlich, darunter lauert Sehnsucht und Einsamkeit: »Wir sind so alleine wie Swarowski-Steine.« Bei »Kulturadel« legt Dima Braune dann äußerst lässig frei, was im Business so alles nicht ganz richtig läuft. Man schmunzelt. Und nickt.

Die Musik auf dem Solodebüt des ehemaligen Grant-Sängers und -Songwriters setzt dabei auf von Experimentell-Psychedelischem durchzogenen Indiepop. Darin eingebettet und davon getragen geben sich die Texte trocken, lakonisch, oft melancholisch – und immer so ehrlich, dass es einfach ständig ein wenig wehtut. Doch das ist nicht immer schlecht, wie man schon bei Grant gemerkt hat.

Das Schöne im Unperfekten

Je tiefer wir ins Album vordringen, desto mehr wird in gesellschaftliche Abgründe geschaut, es wird seziert, hervorgehoben und durchleuchtet. »Zahl den Doktor« (featuring Neps) hat eine Diagnose parat. Und am Ende kommt mit »Safespace« dann noch eine richtig wichtige Erkenntnis. Hier wird der Blick so lange geschärft, bis man das Schöne im Un perfekten sehen kann. Es ist ein Soundtrack für den freien Fall, aber einer mit Reservefallschirm. Der Blick wandert bei jedem der zwölf Tracks kurz über die Oberfläche, um sich dann in die Tiefe zu stürzen. Und je öfter man das Album hört, desto mehr Schönes kann man finden. (VÖ: 24. April)

Live: 30. April, Wien, Rhiz

Petra Ortner

Rezensionen Musik

Post

Go Boomer Go! Voller Sound

Warnung: alte, weiße Männer! Die Älteren hier (*lol*) kennen manche dieser Wiener Punkund New-Wave-Haudegen von früher, als sie ab den Siebzigerjahren in legendären Formationen wie Chuzpe, Willi Warma oder Target of Demand daran beteiligt waren, der österreichischen Musikszene zuerst aus den Windeln zu helfen, um sie hernach mitzuprägen. Rainer Krispel, Robert Wolf, Christian Unger und Tom Niesner haben sich nun unter dem Bandnamen Post zu einer Art All-Star-Truppe versammelt.

»Go Boomer Go!« ist jedoch kein parodontöser Wir-wollen-es-nochmal-wissen-Schmafu. Es klingt auch nicht wie früher, im Sinne eines nostalgischen Revivals. Dieses Debüt ist rasiermesserscharf in seinen Statements und räudig in der Gegenrede. Das Wortmaterial ist so böse wie gewieft. In kantigen Paarreimen ringen dort Ironie und Vorschlaghammer mit akuter Ignoranz und dunkler Aufklärung. Ein bisschen Gonzo, ein bisschen Amok ist das allemal – vor allem aber ist es aktuell.

Rohe Poesie

Stilprägendes für die Platte findet sich in der turbulenten Wucht von The Clash, im sozialkritischen Zorn Sigi Marons. An anderer Stelle hat man die musikalisch-metaphorische Tschick von Dr. Feelgood in der Pappn. Zwischen rasantem Highspeed-Shu le, kratzbürstigen, direkt aus den Gitarrenhälsen gequetschten Ri s, verspielten Soli und dem traditionellen Staccato des Punk ist hier ein Album entstanden, das gerade wegen seiner abgeschabten Tonalität in die Vollen geht. Das Songwriting ist kompakt, die Arrangements sind schnörkellos. Und dann kommt noch Krispels Gesang hinzu, der mit roher Poesie die Dringlichkeit und Authentizität unterstreicht. Intoniert wird im Wiener Grant oder im Düsseldorfer Punkrock-Deutsch. Die Realität, gegen die angesungen wird, ist meist nackt und ungeschönt. Generationenkonflikte hingegen werden mit Humor statt Verbitterung aufgerollt. Zu schade für Selbstironie ist man sich auch nicht, während man dem Wahnsinn unserer Zeit – genau wie einst – mit künstlerischem Widerstand und ruppigem Schmäh begegnet. Post, das ist gesellschaftspolitisches Tacheles statt glattkomponierte Empörungsökonomie. »Go Boomer Go!«, das ist Klartext! (VÖ: 10. April) Tobias Natter

Live: 8. Mai, Neunkirchen,

Salamirecorder

Inside the Cage Siluh Records

Wenn die Ho nung als Letztes stirbt, kann sie niemand begraben. Bitte kein Missverständnis: Es ist natürlich nicht so, dass es ein großes gesamtgesellschaftliches Ho en auf und Beten für die Fleischwerdung eines Erlösers, eines Heilsbringers, eines Ho nungsträgers gegeben hätte, der uns durch die – spätestens seit dem Ende der mittleren Staggers-Zeit verödete – Wüste zeitgenössischer, Sixties-infusierter Grave-Beat-Musik aus Österreich führen würde. Aber, weil da natürlich trotzdem einige mit ihren Winklepickers auf den Spaten gestiegen sind: Der Schnabl Felix, der Feschak da im Bild, der coolste Hund von ganz St. Pölten, könnte man sagen, der gräbt schon ordentlich Tote aus, wenn er mit seinem Projekt Salamirecorder mal wieder eine Garagenrockplatte ins Presswerk schickt. Und die hat sich nicht nur gewaschen, sondern wirbelt so was von Staub auf, dass die verwirrten Clean Girls und Boys Kettenfetthaut kriegen, so ölig und rau ist das.

Platte in Einzelhaft

Umso bemerkenswerter, aber auch nicht ganz untypisch: Während der bockstarke Vorgänger »Goods for Conversation« noch mitsamt der Livepartie, den Hi-Fi Phonos, eingespielt wurde, hat sich Salamirecorder für sein erstes wirkliches Soloalbum ganz in der Manier großer Songschreiber*innen in Einzelhaft begeben. In seinem titelgebenden Cage hat er die insgesamt zehn Nummern – erraten: auf einem Vierspurrekorder – Instrument für Instrument in Eigenregie und -umsetzung ins Magnetband genagelt, was natürlich heißt: Krachen, Kratzen. Da hörst du das Vinyl, selbst wenn du das Ding am Smartphone laufen hast (wobei, hallo?!). Ebenso analog und gleichsam kompromisslos sind natürlich auch die Stücke selbst, das geht nicht nur »nach vorne«, das ist teilweise schon freier Fall. Ist das noch eine Gitarre oder nur noch das Fuzz-Pedal? Ist das eine Hammond oder eine Farfisa? Verstehst du die Lyrics? Wie gut kann man mit 23 sein? »How to dress like Salamirecorder«? Typische Fragen für die In-Crowd, die Antworten wie üblich mit Interpretationsspielraum. Nur die nach dem jeweiligen personal Jesus o enbar nicht mehr. (VÖ: 24. April) Dominik Oswald

Live: 22. April, Wien, B72 — 29. Mai, Wien, B72

Post, Felix
Schnabl, Kevin
Pham

Salò

Hardcore

Phat Penguin Records

Katastrophen on demand und kleine DopaminPushes, um weiterzumachen – das ist das Album »Hardcore« von Salò. Doch in diesen Zeiten gilt: Sogar »Hardcore ist tot«! Genauso wie Christoph Schlingensief, Thomas Bernhard und wir alle in Hundejahren, wie es an verschiedenen Stellen auf diesem Langspieler heißt. Mit krachenden Punkgitarren und Electroanleihen Marke DAF zeigt Salò, wohin die Reise mit seinem neuen Label Phat Penguin Records gehen soll. Während das Vorgängeralbum bei Universal Music noch deutlich poppiger daherkam, sind auf »Hardcore« nicht nur die Inhalte beißend, auch die Klangwelt hinterlässt eine kompromisslose Bedrückung, die zwischen Abstumpfung und Überlastung liegt.

Bereits der Opener »Rotten.com« vereint den visuellen Horror blutiger Internetschockbilder mit dem inhaltlichen eines »ZIB Flash«. Wie schon beim letzten Album wird auf Jello Biafra, den Frontman der Dead Kennedys, verwiesen, diesmal in Anlehnung an deren Song »Let’s Lynch the Landlord«. Obwohl diese Inspiration mittlerweile bald fünfzig Jahre alt ist, sind die strukturellen Probleme nach wie vor dieselben.

Nie wieder denken

Im Titeltrack »Hardcore« geht es dann um Eskapismus, wenn Salò sein Nasenbluten genießt, weil für ihn dabei ein kurzes Vakuum des Annichts-Denkens entsteht. In eine ähnliche Kerbe schlägt »2D«. Das Dauerdröhnen unserer Apps wird darin mit Schlagworten der Gegenwart in Songform gebracht. Die tre ende Bottom-Line: »Alle wollen immer irgendwas / Ich will nie wieder denken, nein.« Und zum Abschluss wird das Publikum beim Rausschmeißer »Hundsjahre« mal eben direkt angesprochen – mit der Empfehlung, das ganze Album in endloser Streamingschleife wieder und wieder zu hören. Was jedenfalls besser ist, als auf Autoplay zu vertrauen. (VÖ: 10. April) Nico Rottenbücher

Live: 20. Mai, Graz, PPC — 21. Mai, Linz, Posthof — 22. Mai, Wien, Wuk — 23. Mai, Wien, Wuk — 27. Mai, Salzburg, Rockhouse — 28. Mai, Innsbruck, Bäckerei — 30. Mai, Dornbirn, Dynamo Festival

AB 24. APRIL IM KINO

RUSSELL CROWE IST HERMANN GÖRING

Ab 7. Mai im Kino

RUSSELL
Photo
Art: Evelyn Lynam Ruiz

Termine Musik

26.05.2026

Donaufestival

Auch diesen Frühling wird das Donaufestival wieder zum Treffpunkt für Kulturschaffende und -interessierte aus allen Ecken der Avantgarde. Genreübergreifend wird zu Veranstaltungen rund um Performance, bildende Kunst, Film und Musik geladen. Hinsichtlich Letzterer oszilliert das Spektrum dabei zwischen Noise, Experiment und Clubkultur. Besonders freuen darf man sich auf die Electropunk-Ikone Peaches (Bild) mit neuem Album – oder besser: queerfeministischem Manifest. 1. bis 3. und 8. bis 10. Mai Krems, diverse Locations

Manchmal kann Musik Gefühle wecken, von denen wir gar nicht wussten, dass sie in uns schlummern. Irgendwo zwischen Fassade und Verletzlichkeit trifft Filiah intime Emotionen. In ihren Texten verhandelt sie zutiefst Persönliches, sie strahlt aber zugleich eine stille Verbundenheit aus. Die Musikerin kombiniert zarten Indiepop mit souligen Nuancen und schafft Refrains mit Gänsehautmomenten. Sofern die neuesten Singles ein Indiz sind, darf man bei dieser Albumreleaseshow auf Großes gespannt sein. 5. Juni Wien, Porgy & Bess

© Schwarzer Juice

Termine Musik

Babymetal

Laut, dynamisch, energetisch und vielleicht ein kleines bisschen niedlich – das ist der Sound dieser japanischen Kawaii-Metalband. Babymetal mischen die scheinbar widersprüchlichen Genres Heavy Metal und J-Pop und schaffen es damit, beide Fanbases zu überzeugen. Ihre Konzerte punkten mit einer sehr guten Liveband und aufwendigen Choreografien im japanischen Idol-Style. 9. Mai Kufstein, Festung Kufstein

Musik Markt Wien

Die Basis Kultur Wien bringt mit dem Musik Markt auch dieses Jahr wieder vielfältige Musik auf die Wiener Märkte. Vom Schlinger bis zum Meidlinger Markt, von Wienerlied bis Elektropop und von Floridsdorf bis Mariahilf gilt heuer das Motto »So bunt klingt Wien«. Unter anderem mit Balkan Express, Sanou Yeelen, Rebecca Lynn Sprague und Kvsal (Bild). 7. bis 16. Mai Wien, diverse Locations

Joshua Idehen

Der Musiker und Lyriker Joshua Idehen schaut nicht weg, sondern ganz genau hin. Auf seinem neuen Album »I Know You’re Hurting, Everyone Is Hurting, Everyone Is Trying, You Have Got to Try« blickt er dorthin, wo es wehtut, und schafft auf Basis von Clubsounds einen hoffnungsvollen, poetischen Raum. Seine Musik ist politisch, macht zugleich Spaß und vor allem: Sie bringt uns zusammen. 19. Mai Wien, Lucia

Hyperreality Festival

Das Hyperreality Festival verhandelt den Sound experimenteller elektronischer Musik als Praxis, die atmosphärische, körperliche und soziale Situationen erzeugt. Der Livemoment wird dabei als offener Prozess verstanden: Brüche, Lücken und Übergänge werden sicht- und hörbar. Ein Festival, das sich bewusst zwischen Club, Konzert und Performance bewegt. Im Bild: Jorkes. 21. bis 23. Mai Wien, Otto-Wagner-Areal und Filmcasino

Garbage

Die Mitglieder von Garbage wurden in den späten Neunzigerund frühen Nullerjahren zu Stars – weit über die AlternativeSzene hinaus. Mit Welthits wie »Only Happy When It Rains«, »Queer« oder »I Think I’m Paranoid« eroberten sie die Bühnen. Jetzt sind sie, nach längerer Pause, wieder auf Welttournee mit einem aktuellen Album, dessen Sound düster, kraftvoll und emotional ist. 8. Juni Wien, Arena

Engin

Die Indieband Engin veröffentlichte mit dem Album »Sag mir Almanya« deutsch-türkische Musik, deren leichtfüßige Energie ansteckend ist. Politische und persönliche Texte werden darauf mit anatolischem Rock sowie psychedelischem Pop verwoben. Mal ruhiger, mal lauter, immer bewegend. 16. April Wien, Grelle Forelle

CocoRosie

Als CocoRosie machen die beiden Schwestern Sierra und Bianca Casady Musik, die Operngesang mit LoFi-Spielzeugklängen, klassische Instrumente mit elektronischen Sounds verbindet. Sie nehmen ihr Publikum mit in fantasiereiche, aber auch klar politische Räume. So poetisch wie radikal. 12. Juni Wien, Wuk

Empire of the Sun

Das australische Duo Empire of the Sun ist bekannt für smooth produzierten Synthpop. Erstmals seit über zehn Jahren kommt sie Band nun wieder nach Österreich. Ihre akribisch durchgeplanten Liveauftritte mit auf wendigen Kostümen und spektakulären Visuals gelten als legendär. 16. Juni Wien, Arena

Termine Festivals

3 Fragen an Jakob Brossmann

Künstlerischer Leiter

Stimmen der Wildnis

Was waren die Beweggründe für das Festival Stimmen der Wildnis?

Als Gesellschaft stehen wir vor einer enormen ökologischen Herausforderung, in die auch Kunst und Kultur hineinwachsen sollten. Die ökologischen Krisen spitzen sich zu – die Klimakatastrophe ebenso wie der Biodiversitätsverlust. Gleichzeitig sehen wir im öffentlichen Diskurs eine gegenläufige Entwicklung: Das Interesse an und die Auseinandersetzung mit diesen Themen gehen stark zurück. Diskurse rund um den Themenkomplex Nachhaltigkeit und Klimagerechtigkeit drohen zu versanden. In Anbetracht dessen ist das Museum Niederösterreich auf uns vom Verein Globart zugekommen und hat uns eingeladen, etwas Neues zu entwickeln.

Welche Schwerpunkte setzt ihr mit der Kuration des Festivals?

Die Klänge der Natur haben eine rätselhafte Anziehungskraft auf uns Menschen. Nicht nur die vielzitierten Vogelrufe und -gesänge, sondern auch diverse andere Stimmen und Geräusche der Natur: das Rascheln der Blätter, das Rauschen des Meeres, das Plätschern eines Baches. All das inspiriert seit jeher auch Künstler*innen. Das wollten wir als Basis für diese dringliche Auseinandersetzung nehmen. Wenn wir der Natur zuhören, beginnen wir zu verstehen, was vor sich geht. Und wir sind selbst aufgerufen, der Natur unsere Stimme zu geben. Im letzten Akt des Festivals gründen wir deshalb ein Parlament der Wildnis und geben verschiedenen Aktivist*innen sowie Expert*innen eine Bühne.

Was genau wird dieses Parlament diskutieren?

Es geht um Grundrechte der Natur, Funktionsweisen des Parlaments und konkrete Anträge von NGOs sowie Initiativen. Wir haben über zwanzig Einreichungen erhalten, von denen wir leider nicht alle, aber doch eine Vielzahl behandeln werden. Die Beschlüsse übergeben unsere Senator*innen dann als Forderung an Entscheidungsträger*innen. Natürlich muss dabei trotzdem klar bleiben, dass wir leider nicht die Macht haben, zum Beispiel das Ende der Förderungen für fossile Energien zu erwirken. Wir können alles diskutieren, aber entscheiden können wir es nicht.

Stimmen der Wildnis 24. bis 26. April St. Pölten, diverse Locations

Festwochen Wien

Mythologische Götter wie Zeus, Anubis, Thor oder Athene sind bekanntermaßen schon Jahrtausende alt. Zeit für Neues, sagen die heurigen Wiener Festwochen mit ihrem Motto »Time for New Gods!«. Zum 75. Veranstaltungsjubiläum erklärt sich die »Freie Republik Wien« damit zu einer »Republic of Gods«. Ob Jahwe, Allah oder Gott – in der aktuellen weltpolitischen Lage ist die Frage nach einer überirdischen Existenz besonders brisant. Aus diesem Grund erkundet das Festival die Anfänge und Grenzen von Spiritualität. Es untersucht, wie tief wir nach wie vor von Glauben und Aberglauben sowie von der Angst vor dem Weltende und der Hoffnung auf Erlösung geprägt sind. Zwischen Kunst, Theater, Performance und Musik wird deshalb die Frage gestellt: Wird es nicht mal Zeit für neue Legenden? 15. Mai bis 21. Juni Wien, diverse Locations

Termine Festivals

Viertelfestival

Vier Festivals, viermal so viel Kreativität! Das wird hier mit einem originellen Konzept bewiesen. Im Vierjahrestakt baut das Festival in jeweils einem niederösterreichischen Viertel eine Brücke zwischen ländlicher und zeitgenössischer Kultur – 2026 im Weinviertel. Kulturschaffende und -initiativen treffen auf Gemeinden und Kleinregionen. Inspirierende Projekte sollten schließlich nicht nur den städtischen Galerien vorbehalten bleiben. Ab Mai kann man erfahren, was künstlerisch derzeit so alles im Viertel des heiligen Tropfens passiert. 15. Mai bis 19. Juli Weinviertel, diverse Locations

Crossing Europe

In einer Zeit, in der sich das abendliche Filmstreaming die Aufmerksamkeit der Zuschauenden mit dem Smartphone teilen muss, macht Crossing Europe deutlich, dass Filmgenuss auch anders geht, und präsentiert Filmschaffen, das seinem künstlerischen Freigeist treu bleibt: modernes Autor*innenkino aus ganz Europa. Auf den Festivalleinwänden zeigen sich nicht nur die vielen Seiten des Kontinents, sondern auch neue Positionen und Entwicklungen in der Filmkunst, etwa beim Nachwuchswettbewerb Yaaas! (im Bild: »Ninja Motherf*cking Destruction« von Lotta Schwerk). 28. April bis 3. Mai Linz, diverse Locations

Kurz, aber dafür nicht weniger eindrucksvoll. Bei Vienna Shorts zeigen an die 350 Kurzfilme aus aller Welt die Vielfalt visueller Möglichkeiten, die diesem prägnanten Format innewohnt. So bieten die Vorführungen trotz knapper Länge großen Raum für Entdeckungen, Innovationen und persönliche Handschrift. Schon seit über zwei Jahrzehnten zeigt das Festival, wie viel – Achtung, Wortspiel! – Würze in der Kürze steckt. 26. bis 31. Mai Wien, diverse Locations

Klima Biennale

Ein Gefühl von Ohnmacht und Zukunftsangst, das löst das Thema Klimakrise bei vielen aus. Das interdisziplinäre Programm der Klima Biennale Wien bricht diese Schockstarre auf und bringt Kunst, Wissenschaft und Gesellschaft auf der Suche nach neuen Perspektiven für eine lebenswertere Zukunft zusammen. Statt permanentem Doomscrolling sollen hier selbst in der Dystopie die aktivistischen Spielräume gefunden werden. 9. April bis 10. Mai Wien, diverse Locations

Art Film Vienna

Art, Film, Vienna. Drei Wörter, eine innovative Idee. Das Festival für Bewegtbild schließt gezielt die Lücke zwischen Film und Kunst und experimentiert dafür mit hybriden sowie transmedialen Zugängen. Ob avantgardistische Experimentalfilme, installative Arbeiten oder performative Liveformate – hier wird deutlich, wie viel Kunst in Bewegung steckt. Auch die klangliche Dimension kommt dabei nicht zu kurz. 13. bis 16. Mai Wien, Breitenseer Lichtspiele

Affordable Art Fair

Kunst zu sammeln, klingt für die meisten nach einer nicht gerade leistbaren Angelegenheit. Bereits der Name der Affordable Art Fair möchte vom Gegenteil überzeugen. Deren Angebot: Erschwingliches von jungen Talenten wie auch von etablierten Künstler*innen, das nichtsdestotrotz vor Passion und Kreativität strotzt. Eine inspirierende Reise durch moderne Kunst für jeden Geschmack und jede Brieftasche. 28. bis 31. Mai Wien, Marx Halle

im Museum

Eurovision-Song-Contest-Highlights

Unstoppable!

Die Schau im Haus der Geschichte Österreich zeigt eindrucksvoll, wie eng Popkultur und Gesellschaft miteinander verwoben sind. Anhand ausgewählter Objekte wird die österreichische Song-Contest-Geschichte beleuchtet. Zu sehen sind unter anderem ikonische Exponate wie das Kleid von Conchita Wurst (Bild) oder die Kulisse von JJs letztjährigem Auftritt. Dabei wird deutlich, dass der ESC weit mehr ist als bloßes

Entertainment: Trotz offizieller Neutralität spiegeln sich regelmäßig gesellschaftliche und kulturelle Entwicklungen auf seiner Bühne wider. Gleichzeitig zeigt die Ausstellung, wie Musik Menschen verbinden und Debatten anstoßen kann. Eine begleitende Onlineausstellung rückt die internationalen und politischen Aspekte des Wettbewerbs in den Vordergrund. bis 11. Oktober Wien, Haus der Geschichte Österreich

Termine Kunst

Termine Kunst

Max Pechstein: Abenteuer Expressionismus

Im Linzer Lentos ist eine umfassende Retrospektive eines der bedeutendsten deutschen Expressionisten zu bestaunen. Gezeigt werden zentrale Werke aus diversen Schaffensperioden, die Max Pechsteins künstlerische Entwicklung zwischen Berlin, der Ostsee und der Südsee nachzeichnen. Auch seine Reise nach Palau und deren Einfluss auf sein Œuvre werden thematisiert. Besonders imposant: die farbintensiven Naturansichten und Porträts. Über hundert Arbeiten sind erstmals in Österreich zu sehen. 23. April bis 30. August Linz, Lentos

Davide Allieri: 47°24‘35‘‘N / 9°44‘20‘‘E

Wie eine Szene aus einem Science-Fiction-Blockbuster präsentiert sich die alte Montagehalle der Rüschwerke. Ein regloser Roboter liegt zusammengebrochen am Boden des industriellen Backsteinbaus. Daneben ein leuchtendes Portal, aus dem dieser mutmaßlich gekrochen ist. Davide Allieris verstörende Skulptur lässt popkulturelle Ängste von »Terminator« bis »Alien« aufleben. Dabei bleibt unklar, ob wir uns gerade am Beginn oder am Ende einer apokalyptischen Erzählung befinden. bis 21. Juni Dornbirn, Kunstraum

Sozialreportage als Medienspektakel

Basierend auf dem Lichtbildvortrag »Durch die Wiener Quartiere des Elends und Verbrechens« von Journalist Emil Kläger und Richter Hermann Drawe aus dem Jahr 1905 untersucht diese Ausstellung die Frage, ob und wie dokumentarische Fotografie nicht nur Realität abbildet, sondern gezielt inszeniert und medial verbreitet. Anhand historischer Beispiele wird gezeigt, wie soziale Themen durch Bilder emotionalisiert und für ein breites Publikum aufbereitet werden. 10. April bis 17. Juli Wien, Photoinstitut Bonartes

Animalia: Von Tieren und Menschen

Die vielschichtige Beziehung zwischen Mensch und Natur aus künstlerischer Perspektive: Werke des 20. und 21. Jahrhunderts zeigen Tiere mal als Spiegel menschlicher Eigenschaften, mal als eigenständige, faszinierende Wesen. In Form unterschiedlichster Medien entfaltet sich ein facettenreicher Blick auf Nähe, Symbolik und den verantwortungsvollen Umgang mit der Fauna. Zu sehen sind unter anderem künstlerische Positionen von Maria Lassnig, Gelatin/ Gelitin und Damien Hirst. bis 30. August Wien, Heidi Horten Collection

Barbara Höller: Präsenz der Linien

Im Museum der Wahrnehmung zeigt Barbara Höller Werke der letzten Jahre, in denen die Linie als zentrales Gestaltungselement im Fokus steht. Durch fließende Farben, Raster und Netzstrukturen entstehen spannungsreiche Bildräume, die zwischen Ordnung und Zufall oszillieren. Höller arbeitet mit offenen sowie systematischen Konzepten und bezieht auch den Ausstellungsraum aktiv mit ein. In Wien betreibt die Künstlerin übrigens einen Art Space, den Sehsaal, der stets einen Besuch wert ist. bis 11. September Graz, Museum der Wahrnehmung

Inge Dick: Vom Licht berührt

Inge Dicks zentrales Thema ist das Licht. Mithilfe unterschiedlichster Medien macht sie feine Veränderungen von Licht(-Farbe) sichtbar und zeigt, wie sich diese im Laufe von Zeit, Tagesrhythmus und Jahreszeiten wandelt. Die Retrospektive spannt den Bogen von den 1960er-Jahren bis heute und würdigt anlässlich ihres 85. Geburtstags das Lebenswerk der Künstlerin. Dabei wird deutlich, wie Dick das Unsichtbare erfahrbar und das Leuchten selbst zum eigentlichen Bildinhalt macht. bis 10. Jänner 2027 Krems, Landesgalerie Niederösterreich

Termine Filme & Serien

3 Fragen an

Harald Friedl

Regisseur »Wahlkampf«

Wie kam es dann dazu, dass du einen Film über ihn und sein Team machen wolltest?

Im April 2023 besuchte ich Babler in Traiskirchen und wir sprachen über einen möglichen Film. Er wollte Bedenkzeit haben, aber zwei Wochen später sagte er zu. Damals war ich mir sicher, dass er die Wahl zum SPÖ-Bundesvorsitzenden nicht gewinnen und Bürgermeister von Traiskirchen bleiben würde. Das sagte ich ihm auch so. Mir erschien sein Kampf derart aussichtslos, dass ich ursprünglich überzeugt war, dass der Film eine andere Geschichte erzählen würde. Es stellte sich schnell heraus, dass es in seinem Umfeld interessante, engagierte Unterstützer*innen gibt. Auch das veränderte den Fokus meines Films stark.

Durftet ihr überall mitfilmen oder gab es Einschränkungen?

Vielleicht erfuhren wir manches nicht, aber wir hatten immer Kontakt mit seinem Team hinsichtlich der anstehenden Termine. Anhand dieser Angaben äußerte ich meine Wünsche, wann wir gerne drehen würden. Bei Veranstaltungen gab es keine Einschränkungen. Teilweise gab es geteilte Räume im Büro: Den einen Teil durften wir filmen, den anderen nicht. Es waren nicht immer alle begeistert, dass wir da waren. Wobei alle im Kernteam Bablers, die man im Film sieht, von Anfang an dabei waren. Sie waren sehr offen. Nur zweimal gab es Situationen, wo die Nerven blank lagen. Da zogen wir uns höflich zurück.

Was überraschte dich bei der Arbeit an diesem Film besonders?

Ich hatte mir einen Wahlkampf kälter und strategischer vorgestellt, als er es in diesem Fall tatsächlich war. Es wurde auch vieles improvisiert, was der Qualität des Films guttut, weil man immer wieder sieht, wie die Gedanken erst im Moment formuliert werden und wie sehr Gefühle mitspielen. Das sind oft nur so kleine Beobachtungen. Da gibt es eine Situation, in der backstage ein Auftritt von Andreas Babler besprochen wird. Die Begeisterung, mit der die einzelnen Schritte diskutiert werden, ist das Gegenteil davon, alles vorgeplant zu haben. Viele Entscheidungen entstanden im Moment, in den paar Minuten vor dem großen Auftritt.

Start: 24. April

Rose

Regie: Markus Schleinzer In »Rose« spielt eine abermals großartige Sandra Hüller – sie erhielt für diese Rolle den Silbernen Bären bei der Berlinale – die titelgebende Protagonistin, die sich im 17. Jahrhundert als Soldat ausgibt und als solcher das Erbe eines Gutshofes antritt. Der Wunsch nach noch mehr Land führt zu einer arrangierten Ehe mit Suzanna (Caro Braun), der Tochter eines Großbauern. Doch wie lange kann Roses Geheimnis gewahrt werden? In der Vorbereitung des Films befasste sich Markus Schleinzer mit historischen Unterlagen und Gerichtsprozessen von Frauen, die Freiheit, Schutz oder Flucht gefunden hatten, indem sie in die Rolle eines Mannes geschlüpft waren. »Ich habe versucht, in diesem Crossdressing-Genre – sofern es so etwas gibt – eine neue Seite aufzuschlagen«, erzählt der Regisseur im Interview mit The Gap über seinen dritten Spielfilm. Start: 17. April

Hungrig

Regie: Susanne Brandstätter Während konventionelle Dokumentarfilme oft mit Interviews und neutral-beobachtenden Aufnahmen versuchen, eine objektive Perspektive einzunehmen, hat sich die Regisseurin und Drehbuchautorin Susanne Brandstätter für eine experimentellere Option entschieden: In »Hungrig« entdeckt ein geheimnisvolles Wesen, das in der nahen Zukunft lebt, einen Planeten Erde ohne Menschen. Es will herausfinden, wie es dazu gekommen ist, und folgt Spuren aus der Vergangenheit – etwa Tonaufzeichnungen von menschlichen Wissenschaftler*innen. Aus diesen Überbleibseln erschafft das Wesen seinen eigenen Dokumentarfilm. Inhaltlich geht es um die Gründe für das Aussterben der Menschheit – um Lebensmittelpolitik, verminderte landwirtschaftliche Vielfalt sowie die Macht großer Konzernmonopole. Start: 24. April

Barbara Fohringer Schubert ROW Picutres/Walker Worm Film/Gerald

Alpha

Regie: Julia Ducournau ———— Nach »Titane« folgt nun mit »Alpha« eine weitere Geschichte von Regisseurin Julia Ducournau über körperliche Transformation. Die dreizehnjährige Alpha (Mélissa Boros) kommt eines Tages mit einem blutenden Tattoo nach Hause. Ihre Mutter (Golshifteh Farahani) ist besorgt, dass sich Alpha durchs Tätowieren eine neue mysteriöse Krankheit eingefangen haben könnte. Eine chiffrierte Verhandlung der Aidsepidemie als Body-Horror. Start: 10. April

Yanuni–Die Stimme des Amazonas

Regie: Richard Ladkani ———— Juma Xipaia ist eine indigene Frau aus dem Amazonasgebiet –und kämpft dort für die Rechte der Bevölkerung. Wir sehen, wie sie ihren Aktivismus vorantreibt und schließlich eine Position im brasilianischen Ministerium für indigene Völker erlangt. In seinen Dokus betrachtet Richard Ladkani häufig aktuelle ökologische Probleme. Mit diesem Film landete er auf der Shortlist für die diesjährigen Oscars. Start: 24. April

All My Sisters

Regie: Massoud Bakhshi ———— Zwischen 2007 und 2025 filmte Massoud Bakhshi das Aufwachsen seiner zwei Nichten im Iran. Die daraus entstandene Doku zeigt, wie das Leben der beiden Schritt für Schritt durch das Regime beschnitten wird – und wie sich bei ihnen Widerstand dagegen regt. »All My Sisters« lässt erahnen, wie sehr Frauen im Iran täglich um ihre Rechte kämpfen müssen und wie ungewiss ein freies Leben für sie ist. Start: 24. April

Paris Murder Mystery

Regie: Rebecca Zlotowski ———— Ein Todesfall erschüttert die Psychotherapeutin Lilian Steiner (Jodie Foster): Als ihre ehemalige Patientin Paula (Virginie Efira) stirbt, macht sie sich Vorwürfe –und glaubt die offizielle Version der Polizei nicht. Gemeinsam mit ihrem Ex-Mann Gabriel (Daniel Auteuil) beginnt sie zu ermitteln. »Hitchcock’sche Spannung mit einem verspielten Hauch von Camp«, resümiert die Website Rotten Tomatoes. Start: 24. April

Dracula

Regie: Radu Jude ———— Ein rumänischer Regisseur (Adonis Tanța) will einen Film über Dracula drehen. Kein leichtes Unterfangen, denn der Mythos um den Untoten prägt Rumänien bis heute. Radu Jude hat mit diesem Metaprojekt laut Onlinemagazin Filmstarts den »verrücktesten DraculaFilm aller Zeiten« abgeliefert. Wir sehen Vampirjagden, Streiks von Arbeiter*innen, KI-Inhalte, etwas Sci-Fi sowie Romantik – verbunden mit Folklore und Horror. Start: 8. Mai

The Boroughs

Idee: Jeffrey Addiss und Will Matthews

Bei der Serie »The Boroughs« hatten die Duffer-Brüder (»Stranger Things«) als Produzenten ihre Finger im Spiel. Sicherlich ein Grund, warum viele Menschen bei dieser Science-Fiction-Produktion auf Play drücken werden. Die Handlung spielt in einer Senior*innensiedlung in New Mexico. Deren Bewohner*innen (unter anderem Bill Pullman) werden mit einer übernatürlichen Gefahr konfrontiert. ab 21. Mai Netflix

Spider-Noir

Idee: Oren Uziel, Steve Lightfoot, Phil Lord, Christopher Miller und Amy Pascal Nicolas Cage als Spider-Man! In der neuen Streamingserie spielt der langjährige Marvel-Fan –sein Künstlername ist von der Comicfigur Luke Cage inspiriert – eine alternative Film-Noir-Version des arachnophilen Superhelden. Als Setting dient New York während der Weltwirtschaftskrise. Eher außergewöhnlich: Die Serie kann wahlweise in Schwarz-Weiß oder in Farbe geschaut werden. ab 27. Mai Amazon Prime Video

Christoph Prenner

bewegen bewegte Bilder – in diesem Kompendium zum gleichnamigen Podcast schreibt er drüber

Screen Lights

Der hungrige Geist

Dem gewogenen Kolumnenpublikum wird das garantiert bekannt vorkommen: Gesichter, die einst untrennbar mit dem eigenen Alltag verknüpft waren und deren Abwesenheit unvorstellbar schien, verschwinden dann doch für Ewigkeiten aus dem Leben, um irgendwann jäh und unausweichlich wieder darin aufzutauchen. Ganz so, als hätten sie die gesamte Zeit nur auf diesen Moment gewartet, um das Versäumte nun mit gesteigerter Intensität nachholen zu können. Dieses Muster lässt sich freilich auch auf all jene Einbahnbeziehungen zu Menschen übertragen, die man kaum je persönlich, dafür verlässlich auf Leinwänden und Bildschirmen zu sehen bekommt. Oder eben: lange Jahre bekam. Michelle Pfeiffer gehörte zuletzt etwa irgendwann zu jenen Gesichtern, die man nur noch aus dem Augenwinkel wahrnahm – als Teil des Megaensembles eines Comicfranchise zum Beispiel. Ungebrochen wohlwollend zwar, aber ohne wirklich bleibenden Eindruck. Umso begrüßenswerter ist da der aus heiterem Himmel kommende Michellesche Doppelschlag in diesem Fernsehfrühling, der zu signalisieren scheint, dass sie die Branche zwischenzeitlich bloß deren eigenem Treiben überlassen wollte. Zugegeben: Bei ihrem Auftritt in »The Madison« von Red-State-Messias Taylor Sheridan musste man noch ein Auge zudrücken angesichts der haarsträubend kulturkämpferischen Romantisierung eines kühn herbeifantasierten heilen Landlebens. Zum Glück hat Pfeiffer in diesen Tagen aber eben noch ein zweites Eisen im Feuer, das gleich ungleich heller glüht: »Margo’s Got Money Troubles«.

Trotziges Leben

In der ab 15. April bei Apple TV abrufbaren Serienadaption des 2024er-Romans von Rufi Thorpe besticht Pfeiffer selbstredend nicht alleine. Das Zentrum der Aufmerksamkeit gehört der titelgebenden Figur – verkörpert von Elle Fanning (»Sentimental Value«), die dieser klugen, fantasie- und schreibbegabten, wenngleich zu vertrauensseligen Studentin mit Es-

Michelle Pfei er und Elle Fanning als Mutter und Tochter in »Margo’s Got Money Troubles«

prit, Verwundbarkeit und unerschrockenem Ganzkörpereinsatz auf markante Weise Gestalt verleiht. Nachdem Margo infolge einer Affäre mit einem Professor ungeplant schwanger wird, beschließt sie – trotz existenzieller Schieflage und des Desinteresses des Babydaddys –, das Kind zu bekommen. Gleichsam mit einer Attitüde aus spätadoleszentem Trotz und jener unverbrüchlichen Zuversicht, der es eben bisweilen bedarf, damit ein Leben überhaupt beginnen kann. Dies alles geschieht zur Sorge von Margos Mutter, die von Pfeiffer im Leo-Look und mit Veneers so schrill wie street smart, so lebensecht wie liebenswert angelegt ist. Shyanne wurde schließlich in jungen Jahren Alleinerzieherin und rät ihrer Tochter davon ab, es ihr gleich zu tun – ahnend, dass dieser Appell wenig ausrichten wird.

Mutter und Sexarbeiterin

Erwartungsgemäß nimmt diese komplizierte Mutter-Tochter-Beziehung breiten Raum in den acht Episoden ein. Einfacher wird sie gewiss auch dadurch nicht, dass der entfremdete, suchterfahrene Wrestlervater (lakonisch anrührend: Nick Offerman) sich bald zusätzlich ins Geschehen mischt, wodurch die Bruchlinien dieser dysfunktionalen Familie zwischen alten Verletzungen und neuen Zumutungen nur noch deutlicher sichtbar werden. Der zentrale Antrieb der Handlung entsteht freilich durch Margos Entscheidung, ihre money troubles über Onlyfans zu lösen. Was als heiteres, textbasiertes Experiment beginnt, führt über Obenohne-Fotos zu kinky Videos in Sci-Fi-Settings, in denen sie als grünhäutiger Alien namens Hungry Ghost auftritt. Dieser aus der Not geborene Schaffensakt mit sexpositivem Stempel verschränkt letztlich zwei gesellschaftliche Rollen miteinander, die sonst gern und reflexhaft als unvereinbar erachtet werden: die der Mutter und die der Sexarbeiterin.

Die redlichste Qualität von »Only Margo« (so der deutsche Titel und auch jener des Buchs) ist, dass die prekäre Situation der

Protagonistin nicht zur reißerischen Pointe verzerrt wird, dass der blanken Sensationsgeilheit überhaupt wenig Raum geboten wird. Im Kern beschäftigt sich diese Show mit der Frage, warum alleinerziehende Frauen oftmals gezwungen sind, finanzielles Auskommen, Mutterschaft und eigene Würde auf solch harte Tour unter einen Hut bringen zu müssen. Mit seinem grundsätzlich heiteren, fein austarierten Erzählton, der der Verschrobenheit näher ist als der Niederschmetterung, umschifft das Skript gängige Vorurteile, bleibt dabei aber stets wachsam gegenüber der Gefahr der Stigmatisierung sowie der digitalen Entblößung und thematisiert auch die Tücken des Sorgerechts. Insbesondere begegnet die Handlung der bigotten Erwartungshaltung, dass junge Mütter gefälligst auf moralisch korrekte Weise zu darben haben, mit der ihr gebührenden Geringschätzung.

Mit ansteckender Neugier und einem, ja, hungrigen Geist ist den Kreativen rund um David E. Kelley – Produzent von Serien wie »Ally McBeal« oder »Big Little Lies« und seit 32 Jahren Pfeiffers Ehemann – hier etwas gelungen, das mitnichten selbstverständlich ist: ein Format, das Menschen nicht auf ihre Probleme reduziert, sondern sie beim mutigen, einfallsreichen Kämpfen und Sich-neu-Erfinden, aber auch beim Stürzen und Straucheln begleitet, ohne sie zu beschämen oder ihren Überlebenswillen kleinzureden; ein Format, das Mutterschaft nicht verklärt, Sexarbeit nicht skandalisiert, weibliche Selbstbestimmung und familiäre Loyalität nicht gegeneinander ausspielt. Wenn diese Gesichter also trotz der abgeschlossenen Handlung der Miniserie irgendwann wieder auftauchen sollten – es wäre nur wünschenswert.

prenner@thegap.at • www.screenlights.at

Christoph Prenner plaudert mit Lillian Moschen im Podcast »Screen Lights« zweimal monatlich über das aktuelle Filmund Seriengeschehen.

Luca Senoner, Apple TV

Termine Bühne

3 Fragen an Mika Tacke

Dramaturgin »Fretten«

»Fretten« erzählt vom »Leben im Überleben«, von Herkunft, Mutterschaft und »Existierzorn«. Was macht diese Geschichte heute so dringlich?

Es ist nicht nur die Geschichte selbst, sondern die Art, wie sie erzählt wird. Helena Adler schreibt in ihrem Roman von einer Lebensgeschichte, die teilweise grausam und von schlimmen Erfahrungen geprägt ist, und schafft es gleichzeitig eine so große Sprache zu finden. Was den Text besonders relevant macht, ist das Thema Herkunft. Adler beschreibt eindrücklich, dass man dieser nicht einfach entkommen kann. Diesen »Herkunftshader«, wie sie es nennt, kann sie für sich nur über Kunst bearbeiten. Deshalb ist nicht nur das Was, sondern auch das Wie entscheidend. Die Sprache, die sie dafür findet, macht diese Geschichte zu etwas, das wir unbedingt auf die Bühne bringen wollen.

Der Roman ist extrem sprachgewaltig und körperlich. Wie setzt ihr das auf der Bühne um?

Wir arbeiten mit zwei Sprachen: Österreichischer Gebärdensprache (ÖGS) und Lautsprache, die beide gleichwertig auf der Bühne stehen. ÖGS ist dabei keine Übersetzung der Lautsprache, sondern ein eigenständiges Element. Das Stück ist von Anfang an für gehörlose Menschen konzipiert, gleichzeitig macht es aber auch für hörende Menschen eine zusätzliche Ebene auf. Es stehen zwei gehörlose und zwei hörende Performerinnen auf der Bühne. Makemake ist ein rein hörendes Team, das unter anderem durch zwei für Awareness zuständige Personen ergänzt wird. Zusätzlich arbeitet unsere Choreografin Martina Rösler mit den Spielerinnen daran, körperliche Bilder für die Situationen zu finden. Die Wucht des Textes lässt sich gut in Bewegung übersetzen.

Helena Adler kämpft literarisch gegen Sprachlosigkeit. Wie kann Theater diesen Kampf weiterführen?

Das ist eine sehr große Frage. Theater hat grundsätzlich das Potenzial, Raum zu schaffen: Raum für Themen, für Menschen, für alles Mögliche – für Helena Adlers Geschichte. Theater sollte ein Ort sein, an dem verschiedenste Stimmen und Formen von Sprache zu Wort kommen, sichtbar und spürbar werden. Das ist, was Theater eigentlich leisten müsste und auch kann.

Der blinde Passagier

Im dichten Nebel eines Hafens beginnt die Handlung von »Der blinde Passagier«. Was wie ein Krimi losgeht, kippt schnell in ein gesellschaftspolitisches Drama über Mut und Wegsehen. Ein Mann wird im kalten Wasser entdeckt und an Bord eines Schiffes versteckt. Bald stellt sich heraus, dass er vor den Nationalsozialist*innen auf der Flucht ist. Der Text der in den 1930er-Jahren ins Exil geflohenen Wiener Autorin Maria Lazar wurde vor wenigen Jahren überraschend in England wiederentdeckt. In der österreichischen Erstaufführung entsteht daraus ein Theaterabend, an dem es genauso um individuelle wie um kollektive Verantwortung geht. Wer hilft, wenn Helfen gefährlich wird? Und wer schaut lieber weg? Für Zuschauer*innen ab 14 Jahren. bis 22. Mai St. Pölten, Landestheater Niederösterreich

Was sind wir für Tage

Überall muss man einchecken: am Flughafen, im Hotel – und nun sogar am Arbeitsplatz. Wer ist anwesend? Wie geht es uns? Wo drückt der Schuh? Wer traut sich was zu sagen? Doch was, wenn der Check-in anfängt, länger zu dauern, als es der Tagesplan zulässt? Oder der formelle Rahmen durch übermäßige Emotionen gesprengt wird? Denn während man noch versucht, halbwegs professionell zu bleiben, kann die Situation längst in andere Richtungen abrutschen. Zwischen Meetingkultur, Erschöpfung und der Sehnsucht nach Verbindung entdecken die Menschen in »Was sind wir für Tage« unerwartete, neue Formen der Begegnung. Dabei zeigt sich, wie schnell aus einem kleinen Ritual etwas völlig Unvorhersehbares werden kann. 11. bis 25. April Wien, Kosmos Theater

Simon Pfeifer Apollonia
Theresa Bitzan (2), Luiza Puiu
12. bis 27. Mai Wien, Kosmos Theater

Sophia oder Das Ende der Humanisten

Von Einsamkeit und Männerfantasien: Was für Pygmalion Galatea war, ist für Altertumswissenschaftler Wolfgang Bergmann Sophia. Als ihn seine Frau verlässt, bestellt er sich eine jüngere, makellose, künstliche Version von ihr in Form eines humanoiden Roboters. Sophia lernt schnell (vielleicht zu schnell?) und plötzlich muss man sich fragen, wer hier eigentlich menschlicher handelt. Von Autor Moritz Rinke ursprünglich als unterhaltsame ScienceFiction-Komödie gedacht, hat der Text nun eine überraschende Aktualität erhalten. bis 26. Juni Wien, Kammerspiele der Josefstadt

Wiedersehen.

Ein Stück Hoffnung

Ein Snackautomat auf der Intensivstation eines Krankenhauses und zwei Menschen, die einmal ein Paar waren und plötzlich wieder miteinander reden müssen. Der gemeinsame Sohn Jonah liegt im Koma und erlebt jenseits der Geräte, die ihn am Leben halten, fantastische Abenteuer. Diese zweite Ebene setzt der Begegnung der Eltern etwas Tröstliches entgegen. Regisseur und Autor David Bösch erzählt mit »Wiedersehen. Ein Stück Hoffnung« eine Geschichte, die zwischen alten Verletzungen und vorsichtiger Annäherung oszilliert. 9. April bis 22. Mai Klagenfurt, Stadttheater

Die Quelle

Man hört ständig von Skandalen, aber nur selten von den Menschen, die sie publik machen: den Quellen. In Zusammenarbeit mit dem Magazin Dossier rückt Regisseur Calle Fuhr genau diese Personen ins Zentrum. Zwischen investigativem Journalismus und Psychothriller entfaltet sich eine Inszenierung über Unterdrückung, Verfolgung und den Preis der Wahrheit. Eine Hommage an alle, die den Mund aufmachen, und ein aufrüttelnder Abend für jene, für die Whistleblowing ein abstraktes Schlagwort ist. 16. April bis 7. Mai Wien, Theater am Werk (Kabelwerk)

Kafana Beisl

Culture Clash

Bane und Jana haben sich ihren Traum erfüllt und in der österreichischen Pampa eine Kafana, eine traditionelle südosteuropäische Gaststätte, aufgemacht. Wäre da nur nicht die Behörde, die deren Abriss fordert. Die einzige Rettung: eine Umwidmung in einen jugoslawischen Kulturverein. Sandy Lopičić macht aus dieser Ausgangssituation eine musikalische Komödie über Ankommen, Wegwollen und darüber, was von der alten Heimat bleibt. Mit Band, Ensemble, jeder Menge Musik und genug Reibung, damit der Abend nicht in Nostalgie versinkt. 8. Mai bis 25. Juni Graz, Schauspielhaus

21.03.–

21.03.–08.11. 2026 30 %

Joiri Minaya, Shield, 2022

Service Notizen

Glossar

Gewidmet all denjenigen, die beim Lesen auf die eine oder andere Wissenslücke gestoßen sind.

Mit dem Brat Summer lieferte Charli XCX 2024 vermutlich eines der gesellschaftlich relevantesten Phänomene zeitgenössischer Popkultur. Der Erfolg ihres sechsten Studioalbums führte dazu, dass die Ästhetik des Covers mit seiner grellgrünen Farbe für den Rest des Jahres allgegenwärtig war. Sie wurde sogar von der Kampagne der US-amerikanischen Präsidentschaftskandidatin Kamala Harris aufgegri en. Dey ist ein Neopronomen als Option für nichtbinäre Menschen, die sich außerhalb der Binarität von männlich oder weiblich verstehen. Beispiel: Dey geht mit deren Hund spazieren. Farfisa und Hammond sind Markennamen elektronischer Orgeln, der Vorläufer moderner Synthesizer. Der Ton wird dabei – je nach Modell – mitunter noch analog mit elektromechanischen Methoden erzeugt. Als Hoover bezeichnet man einen im Techno weitverbreiteten Synthesizersound, der entfernt an das Geräusch eines Staubsaugers erinnert. Er stammt ursprünglich aus einem Preset des Roland Alpha Juno und wurde durch die belgische und niederländische Raveszene der Neunziger populär. In einem sokratischen Dialog wird eine – meist moralische – Überzeugung einer Person durch Rückfragen auf Inkonsistenzen geprüft. Der Begri geht auf von Plato verfasste Lehrtexte zurück, in denen Sokrates seine Gesprächspartner so lange drangsaliert, bis sich ihre einstige Selbstsicherheit in Aporie, sprich Ratlosigkeit, auflöst. Süß, sauer, salzig, bitter und umami. Die fünfte Geschmacksrichtung wurde erstmals 1908 vom japanischen Chemiker Ikeda Kikunae beschrieben, als dieser Mononatriumglutamat isolierte. Übersetzt bedeutet der Begri so etwas wie »köstlicher Geschmack« und beschreibt die herzhaft-würzige Note, die unter anderem in Fleisch, Käse, Sojasauce, aber auch Tomaten zu finden ist. Unter Winklepickers versteht man vorne spitz zulaufende Schuhe, die in den 1960er-Jahren in der britischen Rock-and-Roll-Szene populär wurden und sich bis heute in Subkulturen wie Goth halten.

The Gap 150 Mai/Juni 2015

Queer Vienna und Happy Panda-Birthday. ———— Anlässlich des bevorstehenden Song Contests im Mai 2015 in Wien fragte sich Dominik Oswald für uns in seiner Coverstory: »Wie queerfreundlich ist die österreichische Hauptstadt?« Nun, es ist kompliziert. Conchita, Lifeball und Regenbogenfahnen auf der einen Seite, Homophobie, der »Zungenpritschler«-Eklat rund um zwei sich küssende Frauen im Café Prückel und diverse Sager von Andreas Gabalier auf der anderen. Beiträge zu queerer Identität und Kunst in Wien sowie zu Queer Marketing im Tourismus gab es auch. »Das kleine queere ABC« rundete das Thema schließlich ab – von A wie »Almdudler« bis Z wie »Zierhofer-Kin, Tomas«. Die Illustration auf der Titelseite stammte von Julia Spoerk, die als Siegerin unseres Coverwettbewerbs in Kooperation mit der Graphischen hervorgegangen war. Der Anlass: unsere 150. Ausgabe. Eine Timeline der The-Gap-Historie griff das Jubiläum ebenfalls auf. Und auch in einigen anderen Bereichen des Hefts schlug es sich nieder: etwa in der Rubrik »Unbezahlter Anzeiger«, die diesmal für Produkte mit unserem Wappentier, dem Panda, Werbung machte.

gibt’s The Gap?

Kino Freistadt Freistadt

Zentral im mittelalterlichen Kern von Freistadt gelegen, lädt das älteste Programmkino Oberösterreichs zu ausgiebigen Lichtspielabenden ein. Im Selbstverständnis als Kulturnahversorger lockt das Kino neben dem regulären Programm mit einer Reihe von Sonderformaten: Filmschauen bei gemeinsamem Frühstück, Publikumsgespräche mit Cast und Crew, diverse Liveveranstaltungen sowie sommerliches Open-Air-Kino. Und spannende Lektüre von The Gap gibt’s obendrein – was will man mehr?

Salzgasse 25, 4240 Freistadt

Ganz Wien Wien

Bunt zusammengewürfelt, heimelig und gemütlich – das ist die Bar Ganz Wien im Bezirk Neubau. Hier lassen sich gutes Essen, wunderbare Drinks und erlesene Musik genießen. Zollergasse 15, 1070 Wien

Uppers & Downers Wien

Ein fresher Concept-Store mit einer feinen Auswahl an (Vintage-) Kleidung, Beautyprodukten und Lesesto . Darunter findet sich natürlich auch The Gap. Burggasse 46, 1070 Wien

DER BLICK UNTER DEN TELLERRAND.

Offenheit hält die Tür offen. Auch für unbequeme Themen. Journalismus, der Welten öffnet. Macht was.

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Josef Jöchl

artikuliert hier ziemlich viele Feels

Sex and the Lugner City Warum sind alle auf Linkedin?

Manchmal möchte man seinen Augen nicht trauen. Wie ich vor Kurzem, als ich den Namen einer flüchtigen Bekannten googelte, weil mein Leben ist aufregend like that. Ich stieß auf eine Frivolität, die sie wohl lieber verheimlicht hätte: ihr penibel editiertes Linkedin-Profil. Sofort warf ich die Popcornmaschine an. Lückenlos listete sie dort alle Stationen ihres bisherigen Berufslebens auf, überhaupt sei sie #OpenToWork, wie der grüne Rahmen um ihr Profilbild verriet. Aber das war noch nicht alles. Beim Durchklicken stachen mir immer mehr Namen von Autor*innen, DJs, Standup-Comedians und Leuten, die ich vom Sehen kannte, ins Auge – und alle so fleißig am Kommentieren: »Wow, spannendes Projekt!« und »Congrats on the new role«. Ich war gelinde gesagt shook. Wo war er hin, der Konsens unter »coolen« Personen, unter keinen Umständen ein Profil im sozialen Businessnetzwerk zu haben? Linkedins einzige nützliche Funktion bestand doch darin, herausfinden zu können, wie alt jemand war (erstes Unijahr minus neunzehn). Mittlerweile stellen dort aber sogar ganz vernünftige Leute ihren CV ins Internet, for the world to see. Klar, wir alle müssen essen. Aber sind die Zeiten wirklich gar so schlecht? Und wenn ja, sollte ich auch ein Profil auf Linkedin haben? Ich kam nicht umhin, mich zu wundern: Sollte ich Networking betreiben?

Linkedin Park

Ab einem gewissen Grad der gesellschaftlichen Durchdringung sind Dinge eben nicht mehr peinlich. Zum Beispiel: sich zu Markte tragen wie ein Stück Fleisch mit exzellenten Soft Skills. Das sogar ganz buchstäblich. Im Fitnesszeitalter lässt kaum jemand seinen Körper ohne Gegenwehr verfallen. Auch etwas, an das ich mich

nur schwer gewöhnen konnte. Viele Jahre fand ich es nämlich unangenehm, öffentlich Sport zu treiben. Ich ging deshalb ausschließlich in der Nacht joggen. Wenn ich im Gym auf Bekannte traf, tat ich manchmal so, als wäre ich eine Latzugmaschine, hielt eine breite Gewichtsstange vor mein Gesicht und klemmte mir einen Steckpin zwischen die Beine. Heute gehe ich völlig schambefreit ins McFit. Hin und wieder frage ich sogar, wie viele Sätze jemand noch hat. Mein Problem war, dass ich aussehen wollte wie jemand, der Sport macht, aber nicht als jemand gelten, der sich dafür anstrengt. Müsste ich in Bezug auf Networking ähnlich gleichmütig werden? Eine Freundin hielt es für keine schlechte Idee. Sie mochte Linkedin, schließlich seien dort alle immer so nett. Stimmt auch wieder, dachte ich. Instagram ist da in jeder Hinsicht schlimmer. Zumindest ist bisher niemand süchtig nach Linkedin geworden. Ein weiterer, unschätzbarer Vorteil: Man netzwerkt dort nur virtuell.

Alles mit Maß und Ziel

Das weiß ich zu würdigen, seit ich zufällig auf einem echten Networkingevent landete. Es war genau so, wie man es sich vorstellt: Flughafenloungeästhetik, alle Dollarzeichen in den Augen, mit jedem Glas Rosé wurden die gepressten Lacher ein bisschen lauter. Kein guter Boden für Leute wie mich, die am liebsten über ihre Fehlleistungen sprechen.

Draußen beim Rauchen erzählte ich schließlich, dass ich keinen Alkohol mehr trinke. Ein interessierter Networker fragte zurück, warum ich das mache, man solle sich doch dem Genuss nicht gänzlich verwehren – alles mit Maß und Ziel. Meine Antwort war vermutlich ein bisschen zu offenherzig. Nach fünf Minuten klopfte er mir auf die Schulter und murmelte irgendwas

in Richtung »Kopf hoch«. Wenig überraschend stellte er sich als Marketingleiter eines großen Weinproduzenten heraus. Extrem sensibel darf man also nicht sein fürs Networking. Ein paar Wochen später war ich auf einem gelungenen Konzert eines jungen Musikers. Als danach in kleiner Runde die Sprache auf das nervtötende Instagram kam, das man halt bedienen müsse, um Publikum zu finden, verschwand plötzlich jegliche Freude aus seinem Gesicht. Es scheint, nicht ohne dieses Netzwerken zu gehen, aber irgendwie auch nicht mit ihm.

»Hy Josef«

Wie soll man auch gelassen kommunizieren, wenn es um den eigenen Lebensunterhalt geht? Ein Arbeitskollege schrieb mir unlängst eine E-Mail. Sie begann mit den Worten »Hy Josef«. Richtig gelesen: Hi mit Ypsilon. Beim ersten Mal war ich noch bereit, darüber hinwegzulesen. Wenigstens war es nicht dieses aufdringliche Ikea-Hej, dachte ich mir. Vermutlich ein seltsamer Scherz. Erst das zweite »Hy Josef« stürzte mich in ein Dilemma. Anscheinend war die Schreibweise ernst gemeint. Sollte ich ihn beschämen oder gewähren lassen? Bis zu diesem Zeitpunkt hatten wir eigentlich ganz gut genetzwerkt.

Ich entschied mich dafür, nichts zu sagen. Irgendjemand auf Linkedin würde ihn schon darauf hinweisen. Bestimmt einwandfreies Netzwerkverhalten, aber zugegebenermaßen etwas half-assed von mir. Dabei gäbe es nicht einmal einen Grund, bei »Hy« haltzumachen: Vielleicht sollte man dieses Linkedin einfach komplett verbieten. Denn warum sollten Social-MediaVerbote nur für Teenager gelten? Irgendwie muss man dieser um sich greifenden Radikalisierung schließlich Einhalt gebieten. joechl@thegap.at • @knosef4lyfe

Richter

24./25./26. IN ST. PÖLTEN April

stimmen wildnis der

EIN FESTIVAL FÜR MENSCH UND NATUR

NACHHALTIGKEIT VORTRÄGE WORKSHOPS MUSIK

David Monacchi (IT), Klangkünstler Mogli (DE), Singer-Songwriterin Birdgirl (UK), Aktivistin Angela Stöger (AT), Biologin u.v.m.

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