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The Gap 215a – Sonderausgabe: Diagonale 2026

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Macht und Ohnmacht

Sebastian Brauneis blickt mit »AMS – Arbeit muss sein« durch das Dickicht des Systems

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In „Luisa-Lokalen“ wird dir geholfen!

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Mehr Infos unter graz.at/luisa

Stadt Graz

Referat Frauen & Gleichstellung

Kaiserfeldgasse 17, 8010 Graz

graz.at/frauen

In Zusammenarbeit mit der Beratungsstelle TARA

Unterstützt von der WKO Steiermark

Luisa da?

Verwertungs-

Magazin

006Das System umgehen

»AMS – Arbeit muss sein« von Sebastian Brauneis

012Freiheit in der Hose

Crossdressing im Film in den 1930ern und heute

016 Altes Handwerk, unaufgearbeitete Geschichte

Samira Fux’ Doku »Pilije«

018Symptome des Systems

Vier Filme über Krankheit und ihre Auswirkungen

023Junge Filmschaffende

bei der Diagonale

030Nur das Beste vom Filmfeste Weitere Filmempfehlungen

004 Editorial/Impressum

010 Golden Frame

026 Workstation

Collecting Society of Audiovisual Authors

Wir vertreten die Rechte von Regie, Kamera, Filmschnitt, Szenenbild, Kostümbild & Schauspiel. vdfs.at

Web www.thegap.at

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Herausgeber

Manuel Fronhofer, Thomas Heher

Chefredaktion

Bernhard Frena

Gestaltung

Markus Ra etseder

Autor*innen dieser Ausgabe

Sarah Aberer, Luise Aymar, Loma Gerner, Ania Gleich, Susanne Gottlieb, Johanna T. Hellmich, Carl Christian Jamka, Veronika Metzger, Barbara Fohringer, Magdalena Pichler

Fotograf*innen dieser Ausgabe

Luca Celine, Alexander Galler, Teresa Wagenhofer

Coverfoto

Teresa Wagenhofer

Lektorat

Jana Wachtmann

Anzeigenverkauf

Herwig Bauer, Manuel Fronhofer (Leitung), Thomas Heher, Martin Mühl

Distribution

Wolfgang Grob

Druck

Grafički Zavod Hrvatske d. o. o. Mičevečka ulica 7, 10000 Zagreb, Kroatien

Geschäftsführung

Thomas Heher

Produktion & Medieninhaberin

Comrades GmbH, Hermanngasse 18/3, 1070 Wien

Kontakt

The Gap c/o Comrades GmbH Hermanngasse 18/3, 1070 Wien o ice@thegap.at — www.thegap.at

Bankverbindung

Comrades GmbH, Erste Bank, IBAN: AT39 2011 1841 4485 6600, BIC: GIBAATWWXXX

Abonnement

6 Ausgaben; Euro 19,97 abo.thegap.at

Heftpreis

Euro 0,—

Erscheinungsweise

Sonderausgabe zur Diagonale – Festival des österreichischen Films; Erscheinungsort Wien; Verlagspostamt 8000 Graz

Offenlegung gemäß § 25 Mediengesetz www.thegap.at/impressum

Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben nicht unbedingt die Meinung der Herausgeber*innen wieder. Für den Inhalt von Inseraten haften ausschließlich die Inserierenden. Für unaufgefordert zugesandtes Bildund Textmaterial wird keine Haftung übernommen.

Jegliche Reproduktion nur mit schriftlicher Genehmigung der Geschäftsführung.

Die Redaktion von The Gap ist dem Ehrenkodex des Österreichischen Presserates verpflichtet.

Editorial Short n’ Sweet

»Verdammt, schon wieder kein Kurzfilmprogramm gescha t!« Dieser Gedanke, kam mir in den letzten Jahren mehrfach nach intensiven Festivaltagen. Zwischen all den epischen (Oft-viel-zu-)Langspielfilmen und -dokumentationen gehen deren konzisere Geschwister oft unter. Man will ja schließlich vorab gesehen haben, was anschließend eh oft in die Kinos kommt, anstatt sich anzuschauen, was mitunter nur einmal über die lokalen Leinwände huscht.

notgedrungen meist sehr viel bewusster mit ihrer und un serer Zeit um, sie tun dies häufig auch auf kreativere und mutiger der Produktion damit kleiner und der Wille, radikal Neues zu scha en, umso größer ist, da finden sich in zehn Minu ten oft mehr frische Ideen als auf zweieinhalb polierten Stunden Zelluloid.

de erste Gehversuche wagen, Lücken zwischen längeren Produktionszyklen gestopft und spontane Einfälle rasch verwirklicht werden können. Sicher, es ist durchaus der eine oder andere Beitrag dabei, dem etwas mehr Feinschli , etwas mehr Oversight gutgetan hätte. Aber auch das ist bei Festivals kein Problem: Denn in einem kuratierten Kurzfilmprogramm sind selten ausschließlich fragwürdige Beiträge enthalten. Neben drei bis vier innovativen, überraschenden oder einfach nur kurzweiligen Erzählungen, kann man die vereinzelte

meist die ersten ö entlichen Lebenszeichen einer neuen Filmemacher*innenkarriere darstellen, findet sich hier nicht nur eine spannende Gegenwart, sondern auch die Zu kunft der Branche. Es sollten also auch jene, denen nur am kommenden Futter für die Spielpläne der Programmkinos gelegen ist, mal einen Blick über das nächste Jahr hinaus werfen. Ich jedenfalls verspreche, diesmal mit gutem Beispiel voranzugehen.

Chefredakteur • frena@thegap.at

Alexander Galler
NEOS - Das Neue Österreich und Liberales Forum Landesgruppe Steiermark, Glockenspielplatz 4, 8010 Graz

Das System umgehen »AMS – Arbeit muss sein« von Sebastian Brauneis

Der neue Studio-Brauneis-Film rückt eine Institution ins Zentrum, in der fundamentale gesellschaftliche Fragen alltäglich werden. In »AMS – Arbeit muss sein« geht es um Lohnarbeit, Würde und die Möglichkeiten, sich innerhalb eines Systems zu bewegen, das viele nur als undurchdringlich kennen. ———— Was passiert, wenn wir aus dem System »Arbeit« fallen? Wenn uns eine kapitalistische Welt suggeriert, dass wir ohne »Beschäftigung« unseren Wert als Menschen verlieren? Und was sagt das über eine Gesellschaft aus, deren Strukturen zwar auffangen sollen, dabei aber selbst oft überfordern? Gemeinsam mit seinem Team arbeitet Sebastian Brauneis – Film für Film – daran, diesem Zustand etwas entgegenzusetzen. Nicht in Form einer großen Lösung, sondern als Haltung.

»Arbeit ist ja nicht umsonst ein Menschenrecht. Und klar: Auch wir wollen arbeiten«, betont der Regisseur. »Es ist eben nichts geschenkt. Und natürlich versuchen wir täglich, so gut es nur geht, zu zeigen, dass wir das können.« Den Filmarbeiter*innen von Studio Brauneis kauft man ab, dass sie ihre Stoffe aus einer sozialen Perspektive heraus entwickeln, ohne von oben herab darauf zu blicken. Ohne Voyeurismus, ohne das Bedürfnis, fremde Lebensrealitäten aus sicherer Distanz zu sezieren. Es gehe darum, einzutauchen und nicht zu richten, so Brauneis.

Im Zentrum seines neuen Spielfilms »AMS – Arbeit muss sein« steht ein Ort, der gesellschaftliche Problemstellungen bündelt: das AMS. Als Wartezimmer, als

Schalterzone, als Raum des Stillstands und der Prüfung. Ein Ort, an dem täglich unzählige Geschichten aufeinandertreffen, ohne sich zwangsläufig zu berühren. Wo Menschen aus Pflicht, Scham oder Not landen, um im System wieder eine Rolle zu finden. Der Film verwandelt abstrakte Statistiken in konkrete Lebensgeschichten und gibt jenen eine Stimme, die sonst oft nur als Fallnummern und Kennzahlen existieren. Das AMS wird so zu einem Ort der Verdichtung von Bürokratie und Angst, aber genauso auch von Hoffnung.

»Die Menschen, die Arbeitssuchenden, werden allzu leicht zur Verschubmasse.«
— Sebastian Brauneis

Dieser Blick entsteht dabei nicht aus der Distanz, sondern speist sich aus Erfahrung. Sebastian Brauneis tritt als Regisseur weniger als autoritäre Instanz auf, sondern als Teil der Gesellschaft, die er abbildet. Als jemand, der das System nicht nur beobachtet, sondern selbst kennt. Es gehe ihm darum, gemeinsam in Realitäten, in Welten ein-

zutauchen, und nicht pauschal zu urteilen. »Ich war oft beim AMS, aber nicht im Sinne eines Elendspornotourismus, sondern weil ich erfahren und herausfinden wollte, was dort wirklich geschieht«, erklärt er seinen Zugang. Arbeitslosigkeit sei keine abstrakte Kategorie, sondern eine Lebenslage, in die viele jederzeit geraten können – besonders auch im kreativen Bereich, der von Projektarbeit und prekären Bedingungen geprägt ist. »AMS – Arbeit muss sein« ist damit keine Produktion über »die anderen«, sondern eine Auseinandersetzung mit einem Prozess, in den die meisten von uns irgendwann involviert sein werden, und mit einer Gesellschaft, die sich daran messen lassen muss, wie sie mit jenen umgeht, die temporär aus ihr herausfallen. Das System als Charakter So etwa Marie (Margarethe Tiesel), eine der Protagonistinnen des Films, deren Geschichte uns chronologisch durch die Handlung führt. Sie ist Ende fünfzig und bewegt sich seit Jahren durch die Berufswelt, ohne darin je wirklich Fuß fassen zu können. Jahrzehntelange Arbeitserfahrung bringt ihr wenig, weil sich diese bei ihr nicht in formale Qualifikationen übersetzen lässt. Österreich eben: ein Land, in dem Titel und Zertifikate oft Lebensrealitäten übertrumpfen. Während Marie sich beinahe kafkaesk durch Beratungsgespräche, skurrile Kursangebote und Warteschleifen fädelt, öffnet der Film einen Raum, der über einzelne Schicksale hinausweist.

Das AMS auch als ein Arbeitsumfeld von Menschen zu zeigen, war Drehbuchautorin Lily Ringler wichtig.

Aus Ohnmacht entsteht Handlung, aus Anpassung Widerstand. Das System, das zuvor alles bestimmt hat, wird damit lesbar und umgehbar. Nicht als karikierter Gegner, sondern als Struktur. »Wir haben eigentlich nichts erfunden, wir haben es nur auf eine bestimmte Art geremixt«, ergänzt Lily Ringler, die gemeinsam mit Brauneis und Helmut Emersberger für das Drehbuch verantwortlich zeichnet. Genau darin liegt die Stärke des Films: aus realen Erfahrungen eine Erzählung zu formen, in der kollektives Handeln plötzlich vorstellbar wird.

Grauzonen der Verantwortung

»Wir haben eigentlich nichts erfunden, wir haben es nur auf eine bestimmte Art geremixt.«
— Lily Ringler

Mit zunehmender Verdichtung der Figuren tritt eine weitere zentrale »Person« hervor: das System selbst. »Wir haben gemerkt, dass das AMS nicht nur ein Ort oder eine Institution ist, sondern auf gewisse Art und Weise auch ein Charakter – im Sinne einer eigenständigen Filmfigur, einer speziellen Persönlichkeit«, beschreibt Sebastian Brauneis seinen Ansatz. Hinter jedem Schalter und jedem Telefonanschluss sitzt zwar ein Mensch, doch auch diese Menschen agieren innerhalb eines Apparats, der sie bewertet, reguliert und über Kennzahlen, Abschlüsse und Boni kontrolliert. So eine Form der bürokratischen Gamification ließe sich höchstens aus neoliberalen Effizienzlogiken als Fortschritt lesen: als System, das sich selbst optimiert. Doch was den einen als Spiel erscheint, ist für die anderen Existenz. Was als neutraler Verwaltungsakt daherkommt, greift direkt in Lebensrealitäten ein. »Die Menschen, die Arbeitssuchenden, werden allzu leicht zur Verschubmasse. Dann geht es nur noch um Statistiken und Zahlen. Und dahinter

oder darin verschwindet das persönliche Schicksal«, fasst Brauneis zusammen. Der Einsatz für jene, die durch dieses System navigieren müssen, ist ungleich höher als jeder Bonus oder Abschluss, der damit erreicht werden kann.

Kollektivistische Wende

Aus dem fragmentierten Alltag der fiktiven AMS-Realität, die der tatsächlichen überraschend nahekommt, entwickelt sich im Film schließlich eine Wendung. Der Plot kippt. Aus Stillstand wird Bewegung, aus Vereinzelung eine kollektive Struktur. »AMS – Arbeit muss sein« schlägt eine Wende hin zum Heistmovie ein – nicht als luftleeres Spiel mit Genres, sondern als notwendige Konsequenz. Hier wird entsprechend kein Casino überfallen, sondern das AMS selbst wird zum Zentrum einer gemeinschaftlichen Aktion. Dieser Twist folgt einer einfachen Logik: »In dem Moment, in dem man merkt, dass nichts zu haben wenigstens bedeutet, dass man nichts mehr verlieren kann, traut man sich vielleicht auch etwas«, vermutet Brauneis.

Die Kraft des Kollektivs, die »AMS – Arbeit muss sein« erzählerisch erfahrbar macht, ist zugleich gelebte Haltung bei Studio Brauneis. Sie prägt nicht nur den Film, sondern auch die Position, aus der sich Sebastian Brauneis seinen Stoffen nähert. »Der Inhalt hat immer die Form zu bestimmen und nicht die Form den Inhalt«, beschreibt er einen Anspruch an seine Arbeitsweise. Dass der Film diese spezifische Perspektive einnimmt, ist daher kein Zufall, sondern direkte Folge der Produktionsrealität, in der er entstanden ist. Wer selbst projektbasiert, prekär und eingebunden in Fördermechanismen arbeitet, entwickelt naturgemäß einen differenzierten Blick auf Institutionen und die mitunter mögliche »Verrasterung« dieser Welten, wie Brauneis es nennt; ohne hier eine gemeinsame Negativerfahrung von AMS und Kulturförderung behaupten zu wollen, sondern um die teils ähnlich aufgebauten Abläufe, Strukturen und Prozesse zu beleuchten, die solchen Systemen eigen sind.

Die Menschen, die in diesen Institutionen agieren, tun dies dabei mit sehr unterschiedlichen Handlungsspielräumen. Insofern soll sich Kritik weniger gegen einzelne Akteur*innen richten als gegen die Logiken, in denen sie handeln müssen. Drehbuchautorin Lily Ringler betont: »Wir wollten ja keinen Film machen, der nur plump das AMS basht.« Im Zuge der Vorbereitungen sei schnell klar geworden, dass hinter der Organisation keine homogene Front stehe, sondern ein Arbeitsalltag voller Widersprüche. »Wir haben sehr umfangreich recherchiert, viel mit Menschen gesprochen, die beim AMS gearbeitet haben, noch dort arbeiten oder die Strukturen anderweitig von innen kennen«, erzählt sie.

Brauneis unterstreicht, dass es ihm nicht um eine pauschale Kritik an Institutionen gehe, sondern um die Frage, wie abstrakte Vorgaben erst im konkreten Handeln

wirksam werden: in Beratungsgesprächen, Entscheidungen und im Umgang miteinander. Systeme existieren nicht unabhängig von den Menschen, die in ihnen arbeiten, genau in diesem Prozess entstehen aber Macht, Spielräume und Brüche. Der Film interessiert sich für solche Grauzonen: für jene Momente, in denen Verantwortung weitergereicht wird, ebenso wie für jene, in denen sie bewusst übernommen und zur Ermächtigung wird. »Das AMS ist auch nur ein Ort, an dem es viele verschiedene Menschen gibt«, sagt Ringler – und genau so zeigt der Film es: nicht als monolithischen Gegner, sondern als Arbeitsumfeld, in dem sich Macht, Ohnmacht und Handlungsmöglichkeiten ständig verschieben.

Aus dieser Perspektive erklärt sich auch, warum »AMS – Arbeit muss sein« nicht bei der Beschreibung von Missständen stehen bleibt. Sein Blick richtet sich immer wieder auf das, was jenseits reiner Verwaltung möglich wäre: auf Arbeit als sinnstiftende Tätigkeit und auf Räume, in denen Menschen nicht nur funktionieren müssen, sondern tatsächlich handeln können. Seine Überlegungen kreisen um die Vorstellung, dass Systeme nicht nur effizient, sondern lebenswert sein sollten. Arbeit erscheint so nicht als bloße Verwertbarkeit, sondern als Quelle von Würde; Wohnen nicht als Besitzfrage, sondern als Voraussetzung für Sicherheit; Organisation nicht als Kontrollinstrument, sondern als Struktur, die Teilhabe ermöglicht. Diese Gedanken bleiben im Film bewusst fragmentarisch. Sie formulieren kein Programm und keine Lösung, sondern markieren eine Richtung: weg von der Vorstellung,

»In dem Moment, in dem man merkt, dass nichts zu haben wenigstens bedeutet, dass man nichts mehr verlieren kann, traut man sich vielleicht auch etwas.«
— Sebastian Brauneis

dass Optimierung und das Hervorbringen Dutzender Ich-AGs ausreichen, und hin zu der Idee, dass Gemeinschaft und materielle Sicherheit die Grundlage jeder funktionierenden Gesellschaft bilden.

Eine Frage der Haltung

Das Drama der Realität, das den Film begleitet, wird dabei von einem unfreiwilligen, aber umso österreichischeren Schmäh getragen. Auch wenn dieser Humor auf den ersten Blick zynisch wirken könnte, ist seine Unfreiwilligkeit nicht zu übersehen. Er entsteht nicht aus Distanz, sondern aus Nähe. Oder, wie Sebastian Brauneis es selbst formuliert: »Man lacht gemeinsam mit den Leuten und nicht über sie.« Dieser Humor ist ein Mittel gegen Erstarrung. Ein leises Durchgrinsen, das Bewegung ermöglicht, ohne das Geschehen zu verharmlosen. So wie der Schmäh immer schon historisch als sozialer Klebstoff fungiert hat, stehen auch die Figuren im Film als Archetypen eines gesellschaftlichen Durchschnitts vor uns, der vielleicht konkret verortet, aber übertragbar ist: Sie

Marie (Margarethe Tiesel) muss sich schon lange mit dem System AMS herumschlagen.

lassen sich genauso in anderen kulturellen Kontexten lesen, gerade weil sie nicht karikiert, sondern von den Schreibenden ernst genommen werden.

Neben diesem Humor arbeitet der Film bewusst mit formalen Brüchen und Spielmitteln, die seine Realität immer wieder unterlaufen. Musik wird nicht nur zur Stimmungsträgerin, sondern kommentiert das Geschehen. Historische Einblendungen, Collagen und Zwischenbilder öffnen den Erzählraum über den konkreten Moment hinaus und bringen den Pop ins Wartezimmer. Immer wieder durchbricht der Film die vierte Wand, wenn Figuren sich direkt ans Publikum wenden und die klassische Spielfilmdramaturgie kurz ins Straucheln bringen. Diese teils bewusst überzeichneten Mittel lösen den Film aus einer reinen realistischen Erzählhaltung und machen ihn zu einem offenen Plädoyer: Realität wird hier nicht eins zu eins abgebildet, sondern gespiegelt und verschoben, wodurch sie umso deutlicher lesbar wird.

Die formalen Strategien sind somit weniger Stilmittel als vielmehr Werkzeuge, die Nähe zulassen und komplexe, sehr persönliche Themen in einen größeren Zusammenhang stellen. Wie schon in »Die Vermieterin« – dem Vorgängerfilm von Studio Brauneis – reagiert auch das neue Werk auf etwas, das dem Regisseur selbst nahekommt und trifft dabei erneut einen zeitgeistigen Nerv. In einer Phase, in der gerade in Österreich Arbeits- und Sozialsysteme zunehmend verschärft und »reformiert« werden, gewinnt der Film eine beinahe unheimliche Aktualität. Dass Sebastian Brauneis im Gespräch bereits über mögliche nächste Filme nachdenkt – etwa über die Themen Erben, Bildungs- und Gesundheitssystem –, folgt keiner verkopften Agenda, sondern derselben Logik. Er plant keinen langjährigen Themenzyklus, sondern reagiert auf Zustände in der Gesellschaft. Analog dazu, dass in politischen Krisen gerne zuerst auf die Untersten getreten wird, erscheinen diese filmischen Bewegungen als Suche nach dem nächsten wunden Punkt, als konsequente Fortsetzungen. Sie sind keine Antwort, sondern wenn überhaupt nur die nächste Frage.

Ania Gleich

»AMS – Arbeit muss sein« feiert seine Weltpremiere im Rahmen der Diagonale am 21. März um 17:30 Uhr im Annenhof Kino 2. Ein zweites Screening gibt es am 23. März um 17:15 Uhr im Annenhof Kino 6. Zudem findet am 1. Mai, dem Tag der Arbeit, eine Sondervorführung im Gartenbaukino in Wien statt.

Vorwärts in die Vergangenheit Diagonale-Trailer von Michael Gülzow

Michael Gülzow »Die Zeitreisenden«, aus der Reihe »Die paradoxe Begegnung am 18. März 2026« (Filmstill)

Der Medienkünstler und Filmemacher Miachael Gülzow bewegt sich an der Grenze von Fiktion und Realität, Zukunft und Vergangenheit. Für die diesjährige Ausgabe der Diagonale hat er nicht nur einen, sondern gleich drei Trailer produziert. ———— Der Tenor von Michael Gülzows Arbeiten scheint stets ähnlich: Es geht um die Zukunft, utopisch oder dystopisch, faktisch oder fiktiv – und darum, wie diese aus der Vergangenheit geformt wird. Seine Mockumentary »Der tote Winkel der Wahrnehmung«, mit der er 2025 bei der Diagonale den Preis für innovatives Kino gewann, spielt beispielsweise vor zwanzig Jahren, nimmt eine Science-Fiction-Perspektive ein und behandelt dabei hochaktuelle Themen wie Verschwörungstheorien und Medienkompetenz. Gülzow zeigt »Bilder, die vertraut wirken und im nächsten Moment kippen«, wie es in einem Text zu seiner Kunsthaus-Graz-Ausstellung im Rahmen der Diagonale heißt.

Was sich als leichtfüßige Hommage auf verschiedene Filmklassiker bezieht, wird unheimlich real, schaut man auf die Bilder, die uns täglich in den Nachrichten begegnen. Bilder, die bereits im Begriff sind zu kippen, mit denen man nicht vertraut sein möchte, bei denen eine Vertrautheit gar geleugnet wird, Bilder wie ein beklemmendes Déjà-vu. »Der tote Winkel der Wahrnehmung« widmet sich vor allem der Verschwörungstheorie über Echsenmenschen, die angeblich unter uns leben und uns kontrollieren. Für die meisten ist dies keine ernst zu nehmende Idee. Ernst zu nehmen ist aber, wie wahrhaftig die Bedrohung ist, die von ideologischem Gedankengut ausgeht, und wie schnell dieses sich verbreitet. Nicht immer so spezifisch auf die Spitze getrieben wie in der Fantasie über Echsenmenschen wandeln solche Weltanschauungen – diesen ähnlich – unter uns, gekleidet in ein fadenscheiniges Kostüm von Menschlichem.

Die eigene Medienkompetenz zu hinterfragen und über den Tellerrand zu schauen, ist wohl das Beste, was man dagegen tun kann. Genau hierzu lädt Michael Gülzow mit seinen Filmen mal überspitzt, mal humorvoll ein. In seinen Diagonale-Trailern reist man durch die Zeit, aber auch durch Fakten und Fiktion. Ein müheloser Trip über Grenzen hinweg. So mühelos, dass man die Bewegung womöglich gar nicht bemerkt. Die Diagonale hat es sich zur Aufgabe gemacht, das österreichische Kino »differenziert, vielschichtig und kritisch« zu betrachten. Mit Michael Gülzow zeigt sie jedenfalls, dass sie Blicke auf beide Enden des Zeitstrahls und über den eigenen Horizont hinaus wagt. Was man dort findet, ist eine Frage für sich – aber es fängt immer damit an, nicht wegzuschauen. Veronika Metzger

Die Gewinner*innen des jährlichen Preises für innovatives Kino gestalten für die jeweils nächste Ausgabe der Diagonale den Festivaltrailer sowie eine Ausstellung im Kunsthaus Graz. »Michael Gülzow. Das Tor zur Unwirklichkeit« ist dort von 20. Februar bis 29. März zu sehen. Gülzows Trailer finden sich auf der Diagonale-Website.

Freiheit in der Hose Crossdressing im Film in den 1930ern und heute

Markus Schleinzer zeigt die Geschichte einer Frau, die sich mit den ihr zur Verfügung stehenden Mitteln selbst hilft, frei zu leben. Er tut dies mit viel Empathie und Gespür. »Rose« steht dabei in einer langen Tradition von Crossdressing im Film. ———— Crossdressing, Geheimnisse, eine Utopie des Zusammenlebens gegen alle Widerstände. Mit Intellekt, Gefühl und Wut spielt Sandra Hüller in der Titelrolle Rose, eine Frau, die im frühen 17. Jahrhundert als Mann gekleidet im Dreißigjährigen Krieg kämpft. Nach ihrem Soldatendasein zieht sie sich in eine kleine Dorfgemeinschaft zurück. Sie gibt vor, Erbe eines verlassenen Gutes zu sein und präsentiert ein Dokument, das diesen Umstand belegen soll. Trotz des Argwohns der Dorfbewohner*innen dem Fremden ge -

Für ihre Rolle in »Rose« wurde Sandra Hüller vor Kurzem bei der Berlinale mit dem Silbernen Bären ausgezeichnet.

genüber, behauptet sie sich und gewinnt ihren Respekt. Doch gilt dieser Respekt dem Mann, den Rose darstellt und dessen Namen das Publikum nie erfährt, aber eben nicht der Frau, die Rose ist.

Historisch fundiert

Basierend auf historischen Unterlagen und Gerichtsprozessen von Frauen, die Freiheit, Schutz oder Flucht im Männergewand gefunden haben, entwarf Markus Schleinzer diese fiktionalisierte Geschichtsaufarbeitung. »Ich habe versucht, in diesem Crossdressing-Genre – sofern es so etwas gibt – eine neue Seite aufzuschlagen«, so der Regisseur. Ihm gehe es nicht um Boulevard oder Verrat. Er wolle keine Entblößung zeigen, seine Figuren nicht sexualisieren, sondern ernst nehmen und verstehen. Visuelle

Inspiration dafür habe er sich etwa bei Carl Theodor Dreyers »Die Passion der Jungfrau von Orléans« aus dem Jahr 1928 geholt und aus der geschichtlichen Entwicklung von Crossdressing im Film. Doch wie genau sieht diese eigentlich aus?

Die filmwissenschaftliche Gesellschaft Synema gestaltet jedes Jahr ein historisches Special für die Diagonale. Heuer präsentiert sie drei Filme unter dem Titel »Girls Will Be Boys – Genderfluidität und Travestie im Kino der Zwischenkriegszeit«. Wichtig war den beiden Kurator*innen Brigitte Mayr und Michael Omasta dabei der Fokus auf die Wirtschaftskrise und die schlechten Arbeitsmöglichkeiten dieser Periode sowie auf die Exilgeschichte der jeweiligen, zu ihrer Zeit sehr bekannten Hauptdarstellerinnen.

Konkret Franziska Gaál (»Peter, das Mädchen von der Tankstelle« aus 1934), Dolly Haas (»Der Page vom Dalmasse-Hotel« aus 1933) und Renate Müller (»Viktor und Viktoria« ebenfalls aus 1933). »Wir wollten diesen drei Frauen, die damals einen so großen Einfluss hatten, wieder Raum geben, damit sie im Kino weiterleben«, erklärt Mayr.

Patriarchale Klassenteilung

In allen drei Filmen ermöglicht das Crossdressing den Protagonist*innen Freiheiten, die sie in ihrer Rolle als Frau nicht gehabt hätten. Geschichten, die es derart auch in der Realität häufig gibt. So berichtet etwa Trans-Liberation-Aktivist*in Leslie Feinberg im Buch »Transgender Warriors«, dass zie selbst, um einen Job

zu bekommen, sogar noch in den 1960ern und 1970ern als Mann auftreten musste. Anders als Feinbergs Erfahrung sind die Filme der Retrospektive jedoch Komödien. Die verkleideten Frauen verstehen sich selbst durchwegs als Frauen, ihre Romanzen mit den von ihnen begehrten Männern werden durch die Verkleidung verhindert. Mit viel Geschick und Cleverness navigieren sie in ihren neuen Kostümen – die jedoch nie mehr sind als eben Maskerade – durch die Welt. Schlussendlich kehren sie wieder in den Hafen der Heteronormativität zurück. Das Verheimlichen ihres Frauseins geschieht immer nur vorübergehend, mit dem klaren Ziel, an Arbeit zu kommen und eine Verbesserung ihrer derzeitigen Lage zu erreichen. »Man sieht, wie sie sich diese Rolle als Mann erobern

»Bilder haben eine Verantwortung. Ich will keine Vergewaltigungen mehr sehen. Über die Anwendung von Gewalt hat Film, wie das wahre Leben, bereits genug Bilder produziert.«
— Markus Schleinzer

und eine Art Selbstermächtigung durchführen«, so Brigitte Mayr von Synema. »Dieses Aneignen einer Emanzipation hat uns sehr interessiert.«

Von Rose erfahren wir erst gegen Ende, warum sie sich entschieden hat, als Mann zu leben: »In der Hose steckt mehr Freiheit. Und es ist ja nur ein Stückchen Stoff. Also bin ich in die Hose.« Auch Rose geht es also nicht um eine andere Genderidentität, sondern um die Möglichkeiten, die mit einer männlichen Rolle verknüpft sind. Das verbindet sie mit den Figuren der drei Filme aus den 1930ern. Crossdressing ist oft mit Narrativen des Maskierens und des Betrugs verbunden. Umso bezeichnender, dass Roses erster Kontakt mit der Dorfgemeinschaft bei einem Perchtenlauf stattfindet. Hier ist es nicht primär sie, die maskiert auftritt. Zudem: Sie gibt sich zwar als Erbe eines verfallenen Gutshofes aus, doch damit überschreitet sie nicht nur Geschlechtergrenzen, sondern – zumindest genauso schwerwiegend – auch den ihr zustehenden Stand. Die strenge Aufteilung in einzelne Geschlechter und die gesetzliche Verfolgung von Transgressionen dieses Systems seien Werkzeuge der patriarchalen Klassenteilung, schreibt auch Leslie Feinberg. Macht werde über Besitz ausgeübt, es gebe eine besitzende Klasse und die Unterdrückten.

Rose erschleicht sich durch ihre Hose und das Dokument einen Platz unter den Besitzenden, die etablierten Grenzen werden verwischt. Über Roses Vergangenheit wissen wir nichts. Die Erzählerin (Marisa Growaldt) nennt sie stets nur Soldat. Der Film ist geprägt von Auslassungen, verweigert an unterschiedlichen Stellen Erklärungen. »Die Loslösung von zweifelhaften oder sinnlosen Informationen verhindert

Kategorisierungen und Zuschreibungen, gegen die sich Personengruppen dann verteidigen müssen«, erklärt Regisseur Markus Schleinzer. Von Beginn des Films an hat man das Gefühl, zu spät gekommen zu sein; die Geschichte, den Krieg verpasst zu haben. Was im Laufe der Handlung folgt, ist nur der Epilog in Schwarz-Weiß.

Kein Frankenstein-Moment

»Gier ist ein Rausch«, sagt die Erzählerin. Um ihr Gut zu vergrößern, heiratet Rose –mit dem Risiko der Enthüllung – Suzanna (Caro Braun). Sie wird ein respektierter Teil der Gemeinschaft, als diese schwanger wird, wodurch der Betrug dem Dorf später noch größer vorkommt. Suzanna und eine Magd sind die Ersten, die Roses fehlendes Glied bemerken. Vom Wissen um dieses Geheimnis ermächtigt, wird Suzanna Herrin des Hofes. Doch: »Du gehörst dir nicht«, sagt ihr Rose. Ihre Freiheit steckt in der Hose, Suzannas Freiheit darin, mit Rose auf Augenhöhe zu leben. Eine kurze Utopie eröffnet sich. Bis die Magd das Geheimnis enthüllt: »Der Herr ist kein Herr.«

Der etwas klägliche Mob sammelt sich vor Roses Tür. »Das wäre ein klassischer Frankenstein-Moment. Dort liegt aber nicht die eigentliche Gewalt. Die liegt darin, dass es überhaupt dazu kommt. Es war mir ein Anliegen, dass der Film in dieser Situation bei Rose bleibt.« Schleinzer sei die Wut wichtig gewesen, die sie in diesem Augen-

blick verspürt und äußert. Geht es denn wirklich nur um etwas Fleisch in ihrer Hose? Oder sollte es nicht um das Gute gehen, das sie hier in dieser Gemeinschaft geschaffen hat? Um die Leute, denen sie geholfen hat? Doch ihre Rede stößt auf taube Ohren.

Das Verlangen, der Dorfleute, sie solle ihre Hose runterlassen und beweisen, dass sie ein Mann sei, erinnert schmerzhaft an gegenwärtige Diskurse rund um trans Personen und angedrohte Kontrollen von Geschlechtszugehörigkeit beim Toilettenbesuch, etwa in den USA oder Großbritannien. Stets liegt die Bringschuld eines Beweises bei den bereits diskriminierten Menschen. Wut ist eine gerechtfertigte Reaktion darauf, ständig hinterfragt und diskreditiert zu werden. Ist ein kleiner Körperteil wirklich so wichtig? Oder ist diese Kontrolle nur eine weitere Taktik, um Solidarisierungen innerhalb der nicht-herrschenden Klasse zu verhindern? Autor*in Leslie Feinberg zumindest vertritt letztere Auffassung. Auf den Angriff des Mobs folgen weitere Gewalttaten: Verhaftung, Prozess, Vergewaltigung. Letztere sehen wir im Film nicht, nur ihre Konsequenzen. »Bilder haben eine Verantwortung«, meint Schleinzer dazu. »Ich will keine Vergewaltigungen mehr sehen. Über die Anwendung von Gewalt hat Film, wie das wahre Leben, bereits genug Bilder produziert. Die Verbreitung von und der Umgang mit diesen Bildern ist höchst fragwürdig. Die Verantwortung, die wir aber immer tragen, ist, die Auswirkung von Gewalt zu beleuchten. Alles andere würde bedeuten, Opferschaft zu verschweigen.« Trotz dieser Gewalterfahrung schenkt Rose sich eine Vision für die Zukunft. Sie schreibt ihre Geschichte auf, damit etwas von ihr bleibt. Sie wird nicht gebrochen, bleibt aufrecht bis zum Schluss. Johanna T. Hellmich

»Rose«, Markus Schleinzers dritter Film, erö net die diesjährige Diagonale am 18. März um 19.30 Uhr in der Helmut List Halle. Der Film ist zudem am 18. März um 21 Uhr im Annenhof Kino 6 sowie am 20. März um 16:30 Uhr im Kiz Royal Kino 1 zu sehen. Das historische Special »Girls Will Be Boys«, kuratiert von Synema – Gesellschaft für Film und Medien, besteht aus drei Teilen: »Peter, das Mädchen von der Tankstelle«, am 19. März um 10:30 Uhr im Annenhof Kino 5; »Der Page vom Dalmasse-Hotel«, am 20. März um 14:30 Uhr im Rechbauerkino; und »Viktor und Viktoria« am 21. März um 11:15 Uhr ebenfalls im Rechbauerkino.

Markus Schleinzer, Regisseur
Rafaela Pröll, Ralph Wieser

Altes Handwerk, unaufgearbeitete Geschichte Samira Fux’ Doku »Pilije«

In »Pilije« kehrt Filmemacherin Samira Fux in ihre Heimat Kärnten/Koroška zurück und wirft einen Blick auf das traditionelle Handwerk der Wa enschmiede in Ferlach/Borovlje. ———— Ist das nicht der Ort mit den Waffen?« Diese Rückmeldung bekommt man als Erstes, wenn man im eigenen Umfeld Ferlach erwähnt. Die Dokumentation »Pilije« (übersetzt: »Die Büchsenmacher«) nimmt die Stadtgemeinde mit etwa 7.500 Einwohner*innen als Ausgangspunkt für einen Blick auf die Geschichte der deutschund slowenischsprachigen Bevölkerungsgruppen in Kärnten/Koroška. Gleich der Beginn zeigt – mitunter jugendliche – Schützen im Ort. Doch Waffen werden in Ferlach/Borovlje nicht nur abgefeuert, sondern auch produziert. Der Ort hat darin eine lange Tradition inklusive Berufsschule mit Schwerpunkt Waffenmechanik. Aktuell werden vor allem Luxuswaffen hergestellt. Dabei blickt der Film den Handwerker*innen über die Schulter. Samira Fux, die Regisseurin von »Pilije«, sagt, es sei ihr beim Filmen eine Hilfe gewesen, mit den Gewehren dieses »ganz konkrete Materielle« zu haben. Davon ausgehend hätte sie erforscht, was dahinter liege, was unausgesprochen bleibe. Dabei sei

ihr vor allem die Sicht der Menschen vor Ort wichtig gewesen, weshalb im Film auch keine Expert*innen, etwa Historiker*innen, zu Wort kommen.

Geschichte aufarbeiten

In und um Ferlach/Borovlje gibt es viel Raum für Unausgesprochenes und Verborgenes. Kämpfe zwischen Faschist*innen und Partisan*innen, Verschleppungen, das KZ Loibl. Alte Geschichten, die – wie der Film erzählt – nach wie vor präsent sind. Lieder, die noch heute von Krieg und Verlust erzählen. Böses Blut, das entstanden ist. Eine Szene handelt etwa bildgewaltig vom

Versuch, auf einem Landsitz einen Fluch aufzulösen. Vielleicht auch eine Art der Aufarbeitung. Diese brauche es jedenfalls, wie Fux erklärt, damit die alten Geschichten möglicherweise vergehen können. Und auch ein anderer Umgang mit der Zweitsprache im Süden von Kärnten und in den slowenischsprachigen Gebieten in der Steiermark sei notwendig. Konkret: »dass man Zweisprachigkeit als etwas Gutes sieht und nicht als etwas Lästiges, das nur irgendwelche Minderheitenorganisationen einfordern«, so die Regisseurin.

Das böse Blut, das Ungesagte ist schwer zu greifen. Aber Fux gelingt es, die Atmosphäre einer Region fühlbar zu machen, in der klar zu sein scheint, dass man entweder zur Mehrheit oder zur Minderheit gehört. Geschichten im Film, wie die eines Protagonisten, der von der Familie nicht mehr eingeladen wurde, weil die Ehefrau slowenischsprachig war, sind eindrücklich. »In dieser Region und an diesem Ort floss viel Blut, es taten sich Gräben innerhalb von Familien auf, innerhalb der Nachbarschaft. Man misstraute einander, brach den Kontakt aufgrund von sprachlicher Zugehörigkeit ab.« Dieses Misstrauen, diese Vorsicht, wen man vor sich hat und wie diese Person

Stefanie Hintersteiner, Sixpackfilm

über die slowenische Volksgruppe denkt, empfindet auch die Regisseurin, wenn sie in Kärnten/Koroška ist. In Wien und in Deutschland, wo sie Film studierte, habe sie fast so was wie eine Pause von der Thematik gehabt. Jetzt, so wirkt es in ihrer Doku, ist Fux mit einem teils staunenden Blick von außen zurückgekehrt.

Entschleunigter Schnitt

»Pilije« zeigt zwar eine subjektive Perspektive, diese ist aber nicht einseitig. Die Einstellungen sind lang, die Kameraführung ruhig. Ort und Umgebung sprechen für sich, Musik ist keine unterlegt. Das verleiht dem von Maria Lisa Pichler geschnittenen Film eine gewisse Langsamkeit, besonders im Kontrast zu den omnipräsenten TiktokVideos, die oft nur wenige Sekunden dauern. Vielleicht steht das auch sinnbildlich für eine Gegend, die aus einer anderen Zeit zu kommen und in der die Gegenwart mehr von der Vergangenheit dominiert zu sein scheint als von der Zukunft. Einiges hätte sich in den letzten Jahren für die Kärntner Slowen*innen zwar verbessert, meint Samira Fux, und doch würden ihr die Ereignisse des letzten Jahres zu denken geben.

»In dieser Region und an diesem Ort floss viel Blut, es taten sich Gräben innerhalb von Familien auf, innerhalb der Nachbarschaft.«
— Samira Fux

Beispielsweise erneute Beschmierungen von zweisprachigen Ortstafeln oder die Razzia am Peršmanhof, einer Gedenkstätte für den Widerstand der Partisan*innen gegen den Nationalsozialismus.

Möglichkeiten für einen besseren Umgang mit der Zweisprachigkeit sieht die Filmemacherin etwa in Volksschulen oder bei Ausschilderungen in Museen. Die Ausstellung »Hinschaun! Poglejmo.« im Landesmuseum Kärnten, die sich intensiv mit der Geschichte der Kärntner Slowen*innen auseinandergesetzt habe, hebt sie hierbei positiv hervor. Jungen Menschen, die sich für dieses Thema interessieren, empfiehlt die Filmemacherin, die Klubs slowenischer Student*innen in Wien, Graz oder Klagenfurt aufzusuchen. »Pilije« hat jedenfalls durchaus das Potenzial, einen Beitrag zur Aufarbeitung der verborgenen, verdrängten, aber noch immer sehr präsenten Geschichte von Kärnten/Koroška zu leisten.

Magdalena Pichler

Im Rahmen der Diagonale läuft »Pilije« von Samira Fux am 21. März um 17 Uhr im Kiz Royal Kino 1 sowie am 22. März um 13:30 Uhr im Annenhof Kino 5.

»Pilije« nimmt das Handwerk des Wa enbaus als Ausgangspunkt für Fragen der sprachlichen und sozialen Zugehörigkeit.

Symptome des Systems Vier Filme über Krankheit und ihre Auswirkungen

Jola Wieczorek versucht die verblassenden Erinnerungen ihrer Mutter Wiesława in »Die noch unbekannten Tage« einzufangen.

Krankheit im Film ist meist mehr als eine reine Opferdarstellung. Sie kann erzählerisches Mittel sein, um gesellschaftliche Missstände oder Familiendynamiken aufzuzeigen. »Baba, What’s Your Plan?«, »Die noch unbekannten Tage«, »Teresas Körper« und »Mein halber Vater« verknüpfen individuelle Erfahrungen mit sozialen Zusammenhängen. ———— Wenn in einer Familie einer krank ist, dann sind alle krank, erklärt Tolga Karaaslans Vater Celal zu Beginn des Dokumentarfilms »Baba, What’s Your Plan?«. Krank ist auch Celal, er leidet seit einigen Jahren an Krebs. Dieser lässt sich zwar mit Krankenhausbesuchen im Zaum halten, beeinflusst aber seine Lebensqualität und Erwerbstätigkeit sowie das Leben seiner Familie erheblich.

Dennoch: »Der Film soll zeigen«, so der Regisseur, »dass mein Vater kein Opfer einer Krankheit oder eines Systems ist, sondern dass er selbst über sein Leben bestimmt. Auch wenn es Unsicherheiten über seine Gesundheit und berufliche Situation gibt.« Die Krankheit mag eine körperliche Last sein, worin aber die wahren Herausforderungen stecken, zeigt die Dokumentation deutlich: in der harten Arbeit, die Celal alltäglich schupfen musste; im Staat, der ihm seine Invaliditätspension nach wie vor nicht zugesteht. Dass Symptome systemische Makel repräsentieren können, beschrieb auch schon die US-amerikanische Autorin Susan Sontag in ihrem Essay »Krankheit als Metapher«. Laut ihr würde diese nie neutral abgebildet, sondern als bedrohliche Kraft fungieren, die Menschen überfällt und Leben zerstört. Sie werde als Symbol für emotionale Unterdrückung, soziale Degeneration oder kulturelle Dekadenz genutzt.

Krankheiten ergeben in dieser Lesart das Sinnbild einer »kranken Gesellschaft«, die von innen zerfressen wird. Sie stehen nicht für individuelle Biografien, sondern für eine allgemeine innere Leere, für Identitätsund Kontrollverlust sowie für moralischen Verfall. Celal nimmt in seiner Erzählung nicht nur die Rolle des Kranken ein. Er ist gleichzeitig ein türkischer Immigrant, der in den dreißig Jahren, die er in Österreich lebt, erst lange auf eine Arbeitserlaubnis warten und dann schwer im Schichtdienst schuften musste; der die Jobs, die weniger physische Erschöpfung bedeutet hätten, schlichtweg nicht bekommen konnte. Menschen wie sein Vater, befindet Tolga Karaaslan, hätten nicht die Möglichkeit, »als Individuum gesehen zu werden. Sie kämpfen sich durch Barrieren wie die Sprache, Bürokratie oder das Gesundheitssystem und haben dabei ihre eigenen Verantwortungen, Träume und Ängste.«

Eine migrantische Biografie findet sich auch in der Doku »Die noch unbekannten Tage« von Jola Wieczorek. Die Regisseurin wollte mehr über die Beweggründe ihrer Mutter Wiesława wissen, aus denen diese Ende der Achtziger mit der Familie aus Polen geflohen war. Wie viele Zeitzeug*innen, die

Tragisches erleben, weigerte sie sich jahrzehntelang, darüber zu sprechen. Nun hat Wiesława bald keine Gelegenheit mehr dazu. Denn sie beginnt nach und nach »zu vergessen«. Die Erkrankung ihrer Mutter habe, so Jola Wieczorek, schleichend Eingang in den Film gefunden. »Zu Beginn wollte ich das gar nicht thematisieren.« Schließlich wurde klar, dass »ihre Krankheit einen kleinen, aber notwendigen Platz in der filmischen Erzählung einnehmen muss«. So ergibt sich mit der sich anbahnenden Demenz auch hier eine Krankheit, die von Flucht und schwierigen Jahren in Österreich gerahmt ist.

Patriarchale Unterdrückung

Der Spielfilm »Teresas Körper« von Magdalena Chmielewska dreht sich ebenfalls um die Mutter der Filmemacherin, allerdings um eine fiktionalisierte Version von ihr. Teresa lebt nach wie vor in Polen und leidet an chronischen Rückenschmerzen – eine Folge harter Arbeit, aber auch patriarchaler Unterdrückung. »Schütze Mama vor Papa«, beten zwei kleine Mädchen in einer Traumsequenz immer wieder. »Mein Körper ist in dieser Verfassung, weil mein Leben nicht gut war«, meint Teresa selbst. Dennoch beschwert sich

»Teresas Körper« erzählt die fiktionalisierte Geschichte der Mutter von Regisseurin

diese selten und macht niemanden für ihren »kaputten« Körper verantwortlich. »Ihre Strategie war immer: weitermachen trotz des Schmerzes«, erzählt die Tochter über die reale Teresa. »Diese Ambivalenz – Schmerz und Funktionieren – hat mich stark geprägt.«

Keine Standesdünkel

Dass Krankheit vor keinem sozialen Hintergrund halt macht, zeigt der nächste Film. Viki Kühns Vater Herbert mag zwar aus einer gut situierten Wiener Familie kommen, sein Gesundheitszustand verschlechtert sich nach einem Schlaganfall und einseitiger Lähmung allerdings zunehmend. »Mein halber Vater« dokumentiert diesen Prozess. Auch hier werden wieder patriarchale Strukturen aufgegriffen: Wenn das traditionell männliche Haupt der Familie nicht mehr kann, was passiert, was verändert sich dann?

Die vier Filmemacher*innen holen neben den kranken Protagonist*innen auch den Rest ihrer Familien vor die Kamera. So entstehen Dynamiken, die zeigen, wie unterschiedlich jede*r einzelne mit einer derartigen Situation umgeht. Während Tolga Karaaslan in »Baba, What’s Your Plan?« immer hinter der Kamera beobachtet, die Monologe und direkte Anrede seines Vaters oft nur mit einem »Hm« quittiert, rücken »Mein halber Vater«, »Die noch unbekannten Tage« und »Teresas Körper« die Eltern-Kind-Beziehungen deutlicher

ins Zentrum. Wieczorek, Kühn und die Töchter bei Chmielewska werden hierbei zu Gegenpolen der Kranken. »Am ersten Drehtag wurde mir klar«, erinnert sich Jola Wieczorek, »dass ich diesen Schritt vor die Kamera wagen musste. Ich bin ebenso Teil dieser Geschichte. Wenn ich meine Familie bitte, sich zu zeigen, dann muss auch ich mich zeigen.«

Alltägliches Leiden

Allen Filmen gemein ist, wie Leiden als Teil des Alltags dargestellt wird. Die Krankheit wird weder als Katalysator für Tränen, Schock und Mitgefühl missbraucht, noch wird sie rein auf Extremzustände reduziert. Die Figuren hingegen werden pointiert gezeichnet. Tolga Karaaslan unterbricht an einem Punkt den Dreh, weil Celal abermals ins Krankenhaus muss und weil er selbst eine psychische Auszeit braucht. Wenn Celal über die Schmerzen spricht, dann

wandert der Kamerablick, zeigt nur seinen Schatten. Manchmal ist nur seine Stimme aus dem Off zu hören.

Auch Herbert rückt mit fortschreitender Verschlechterung immer weiter aus dem Blickfeld. Zu Beginn sieht man ihn, einigermaßen kommunikativ, wie er versucht mit seiner mobilen linken Seite ein Handtuch aufzuheben. Gegen Ende des Films scheint er nur mehr ans Bett gefesselt, die Sprache wird immer undeutlicher. Kühns Handkamera hat ihn immer weniger im Fokus, man erhascht seinen von Krankheit geplagten Körper nur noch in Ansätzen oder aus schiefen Winkeln. »Mir war wichtig, die Fragilität meines Vaters sichtbar zu machen, ohne sie auszubeuten oder ihn auf seine Krankheit zu reduzieren«, erläutert die Regisseurin. »Ich wollte keine entblößenden oder rein körperlich drastischen Bilder zeigen, sondern eher Zustände andeuten – das Nachlassen, die Verschiebung von Rollen, die körperliche Veränderung.« Mit diesen filmischen Kniffen entziehen sich die beiden Filmemacher*innen dem inszenierten leidvollen Ausnahmezustand und konzentrieren sich auf die langfristige Lebensrealität mit all ihren Veränderungen und neuen Routinen.

Was ist normal?

Um auf Sontag zurückzukommen: Diese beschreibt Krankheit als Eintritt in ein anderes gesellschaftliches Reich, das getrennt von der Welt der Gesunden existiert. Betroffene werden ausgegrenzt, gemieden, weggeschoben. Im Film zeigt sich das häufig durch Settings wie Krankenhäuser, Sanatorien oder psychiatrische Kliniken. Diese Darstellung verstärkt das Bild von Krankheit als Fremdzustand sowie die Vorstellung, dass Kranke außerhalb des normalen sozialen Lebens stehen.

Viki Kühn dokumentiert in »Mein halber Vater« den immer schlechter werdenden Gesundheitszustand ihres Vaters.

In »Baba, What’s Your Plan?« zeigt Tolga Karaaslan den langjährigen Kampf seines Vaters Celal gegen Krebs.

sie nämlich auch als eine Form des Widerstands gegen gesellschaftliche Zwänge lesen. Als Ausbruch aus normierten Lebensläufen und der Befreiung von Leistungsanforderungen. Die Figuren entziehen sich durch ihre Erkrankungen den Erwartungen der Gesellschaft. »Normalität« wird dadurch nicht als Maßstab für Gesundheit präsentiert, sondern als potenziell problematisches Ideal.

Herbert liegt zumeist in seinem Zimmer im Krankenbett. Jenes Bett, in das sich seine Tochter gerne mit der Videokamera legt, um etwa darüber zu sinnieren, wie ihr Vater durch das Fenster die Welt sieht. Celal wandert einsam durch die Wohnung, fährt mit seinem Auto im anonymen Straßenverkehr oder besucht die oft desolaten, weitläufigen Orte seiner Kindheit in der Türkei, in denen er, der Langzeitemigrant, nun fremd und einsam ist. Teresa existiert an einem NichtOrt. In Berlin kann sie nicht als Pflegerin arbeiten, weil ihr kaputter Rücken keine schwere Last zulässt. In Polen muss sie aus ihrer Wohnung ausziehen, weil der Sohn ihres Expartners diese zurückfordert. Im Leben ihrer Töchter bleibt sie Beobachterin, während diese sich beim tranceartigen Tanz austoben. Krankheit ist hier mehr als ein körperlicher oder psychischer Zustand. Sie steht für gesellschaftliche Missstände, Entfremdung, Identitätskrisen. Sie bietet Raum für Kritik an Leistungsdruck, der Konsumgesellschaft und sozialer Isolation.

»Mein halber Vater« und »Baba, What’s Your Plan?« nutzen diese Kritik auch, um etwas über die oft unsichtbare Last der Mütter zu erzählen. Angehörige übernehmen darin die Betreuung Kranker. Dabei wird Familie zur emotionalen Stütze, moralischen Instanz und Pflegekraft zugleich, während das professionelle Hilfesystem anonym und distanziert erscheint. Viki Kühn filmt ihre Mutter Anna bei alltäglichen Prozeduren wie Saugen, Kochen, Christbaum-Schmücken, aber auch bei den Versuchen, mit einem gereizten Herbert zu kommunizieren oder ihn zu waschen: »Sie ist diejenige, die bleibt, trägt, organisiert und aushält – in gewisser Weise ist sie die Heldin dieser Geschichte.« Celals Frau Bilgi ist selten zu sehen. Ihre Abwesenheit erklärt sich aus der Notwendigkeit, Geld zu verdienen und die Familie zu erhalten. »Sie sieht mich die ganze Woche, das ganze Jahr«, erkennt Celal ihre Leistung an. »Ich

lebe mit ihm«, schneidet Kühns Mutter der Tochter einmal das Wort ab, als diese scheinbar naiv suggeriert, man müsste dem Vater doch besser helfen können.

Öfters wird in den besprochenen Filmen suggeriert, dass Krankheit nicht nur durch Zufall oder individuellen Lebensstil bedingt ist, sondern durch gesellschaftliche Strukturen hervorgerufen oder zumindest verstärkt wird. Arbeitsdruck, Konsumzwang, soziale Isolation oder fehlende Sinnstiftung erscheinen als krankmachende Faktoren. Magdalena Chmielewska veredelt den realen Schmerz ihrer Mutter zu einem fiktionalisierten Kunstprojekt, in dem Knochen knirschen und Sauerkirschen wie Blutflecken an den Mündern leidender Frauen hängen bleiben. »Meine Wirbelsäule wird jeden Moment brechen«, stöhnt Teresa einmal. Die patriarchale Erniedrigung hat sie gebeugt. Nur der flache Boden, auf dem sie sich ausstrecken kann, bietet eine Kraft- und Ruhequelle. Fragliche Realität

Gerade psychische Krankheiten wie die Demenz von Wiesława können eine starke Symbolik aufweisen. Sie machen innere Konflikte und subjektive Wahrnehmungen sichtbar, stellen die Realität infrage. Filme können solche Erkrankungen nutzen, um Identität, Schuld, Angst oder Orientierungslosigkeit zu thematisieren. In »Die noch unbekannten Tage« stehen alte Briefe und Tonaufnahmen als Zeug*innen für Wiesławas verblassende Erinnerung. »Ich weiß nicht mehr«, tönt es einmal, beim Besuch in Polen sowie von Stationen der Flucht, aus ihrem Mund. »Ich kann solch kleine Details nicht mehr sehen.« In anderen Momenten blitzt so ein scheinbar längst vergessenes Detail dann plötzlich wieder bei ihr auf.

Der Mut der Protagonist*innen, sich ihrer Situation und der Vergangenheit zu stellen, leitet zur letzten Funktion über, die Krankheit in diesen Filmen erfüllt: Man kann

Am Ende steht dann so etwas wie Versöhnung mit der Realität und der Verschmelzung der unterschiedlichen Erfahrungen im Raum. »Mir war wichtig, meinen Vater als Persönlichkeit mit Humor, Eigenwilligkeit und Geschichte zu zeigen«, betont Viki Kühn. »Deshalb finden sich auch Erinnerungen, Widersprüche und Fragmente seiner früheren Stärke im Film.« In »Die noch unbekannten Tage« wiederum meint Jola Wieczorek tröstend zu ihrer Mutter: »Ich kenne jetzt deine Perspektive.« Die Dokumentation wurde zu einem Akt gegen das Verschwinden, erklärt die Filmemacherin im Gespräch. Magdalena Chmielewska andererseits rühmt ihre Mutter, die sich nie als Opfer verstanden habe. »Ich wollte, dass sie in meinem filmischen System das ganze Bild für sich einnimmt, nach all den Jahren, in denen sie neben den Männern in diesem patriarchalen System leben musste, die das ganze Bild für sich eingenommen hatten.« Und dann ist da noch Celal, der betont, die Diskussion über seine Invaliditätspension sei zweitrangig und wertlos, wenn er letzten Endes tot sei: »Zuerst einmal muss ich am Leben bleiben.« Ein gewisser Pragmatismus stellt sich ein, der in unserer »gesunden« Leistungsgesellschaft bei der Suche nach dem Immer-Besseren gerne auf der Strecke bleibt. Die Ängste, so Celal, würden irgendwann einmal verschwinden. Denn: »Was passiert, passiert.« Susanne Gottlieb

»Baba, What’s Your Plan?« von Tolga Karaaslan läuft am 19. März um 17:15 Uhr im Annenhof Kino 6 und am 20. März um 17 Uhr im Schubertkino 2. »Die noch unbekannten Tage« von Jola Wieczorek ist am 21. März um 20:30 Uhr im Annenhof Kino 2 sowie am 22. März um 17 Uhr im Schubertkino 1 zu sehen. »Teresas Körper« von Magdalena Chmielewska wird am 19. März um 19:45 Uhr im Kiz Royal 1 und am 20. März um 11 Uhr im Annenhof Kino 6 gezeigt. Und wer »Mein halber Vater« von Viki Kühn sehen möchte, hat am 20. März um 17:45 Uhr im Schubertkino 1 sowie am 21. März um 20 Uhr im Rechbauerkino die Gelegenheit dazu.

Sixpackfilm

Junge Filmschaffende bei der Diagonale

Die Diagonale ist nicht nur Tre für die altgediente Filmbranche, sondern auch Bühne für Menschen, die gerade dabei sind, in dieser Fuß zu fassen. The Gap präsentiert acht junge Filmscha ende, die am Festival mit Arbeiten vertreten sind.

Zorah Berghammer

»A. will raus (Über Neutralität)«

»In Wirklichkeit kann ich mir nicht vorstellen, wem Filmemachen nicht Spaß machen würde«, meint Zorah Berghammer. Geboren in Hamburg, studierte sie an der Filmakademie in Wien und arbeitet hier nun als Regieassistentin sowie Casterin. Für ihre eigenen filmischen Projekte lasse sie sich von allem inspirieren, was ihr zunächst irritierend, unangenehm oder schwer zu beantworten erscheint. Diesen Gefühlen nähere sie sich dann auf der Leinwand an: »Es tröstet mich, diese Verunsicherungen zu teilen.« Sorgen wie militärische Aufrüstung, wachsender Rechtsruck oder Zukunftsängste angesichts der Weltlage spiegeln sich auch in ihrem neusten Film wider. »A. will raus« zeigt den Zwiespalt, mit dem jüngere Generationen konfrontiert sind: einerseits mit der Notwendigkeit, die Verantwortung für sich selbst zu übernehmen, andererseits mit der fehlenden Handlungsmacht sowie dem Gefühl von Alternativlosigkeit. Vielen geht es dabei ähnlich wie A. Der Protagonist sei Stellvertreter für alle, die aus diesen überfordernden Strukturen ausbrechen wollen. Von der Komplexität dieser Gefühle erzählt Berghammer aus einer ganz persönlichen Perspektive. Kein Wunder, übernahm sie doch Drehbuch, Regie, Kamera sowie Casting selbst. »Ich möchte einfach Filmemacherin sein«, fasst sie ihr Selbstverständnis zusammen. Luise Aymar 19. März, 16:30 Uhr Annenhof Kino 5 — 20. März, 11 Uhr Kiz Royal Kino 1; im Programm »Kurzspielfilm 1«

Natalia del Mar Kašik

»Perseidas«

»Meine Filme entstehen aus Impulsen«, erzählt Natalia del Mar Kašik. »Wenn Ideen lange genug in meinem Kopf hängenbleiben, dann müssen sie umgesetzt werden.« Die gebürtige Grazerin studierte Filmwissenschaften, besuchte dann die Schule Friedl Kubelka und fand so zum Analogfilm. Damit zu arbeiten, sei ein entschleunigender, aber auch intimer Prozess. Bei »Perseidas« gestalteten die Darsteller*innen den Bildraum mit, indem sie mit Taschenlampen für die nötige Beleuchtung sorgten. Gerade diese technischen Limitationen hätten den Film laut del Mar Kašik geformt. Die Filmschaffende macht bei ihren Projekten vieles selbst, zum Beispiel Kameraführung und Drehbuch. Ihre Produktionen sehe sie als Dialoge. Ihr sei es dabei wichtig, sich stets bewusst zu machen, was ihre Filme abbilden. Der Male Gaze ist darin ein wiederkehrendes Thema, aber auch die Auseinandersetzung mit postfeministischer Medienkultur. Ihr Zugang sei überdies vom Magischen Realismus geprägt, was man etwa auch am Soundtrack von »Perseidas« merkt, der von einer Freundin produziert wurde. Del Mar Kašiks nächstes Projekt ist stärker narrativ angelegt, aber gleichermaßen von experimentellen 16-MillimeterFilmen inspiriert. Für die Zukunft strebt sie auch längere Arbeiten an. Sarah Aberer 21. März, 10:30 Uhr Annenhof Kino 5 — 22. März, 16:30 Uhr Annenhof Kino 5; im Programm »Innovativer Kurzfilm 4«

Lisa Staber, Matías Krahn
Uribe, Vasilisa Inshutina, Miriam Sand Kutzleben

Varia Garib und Kirill Komar »Mosquito«

Bereits seit 2023 drehen Varia Garib und Kirill Komar gemeinsam Kurzfilme. Beide migrierten als Kinder –aus Usbekistan beziehungsweise der Ukraine. Diese Erfahrung schlägt sich in ihren Filmen nieder. Während er zunächst Werbe- und Musikvideos in Wien drehte, besuchte sie die Filmschule in Moskau und gab ihr Wissen dann an ihn weiter. Beim Kurzfilm »Mosquito«, für den die beiden Regie, Drehbuch, Produktion und Schnitt übernahmen, arbeiteten sie nicht zum ersten Mal mit Laiendarsteller*innen zusammen, die den Text vorab nicht kannten, um ein intuitiveres Spiel zu ermöglichen. Der Film verweigert sich einfachen Deutungen und einer konventionellern Dramaturgie. Statt ein Narrativ auszuerzählen, zeichnet »Mosquito« das intime Porträt einer Freundschaft zwischen zwei heranwachsenden Jungen und lässt dabei Raum für lange Einstellungen und abstrakte Szenen, die eher über Emotion und Atmosphäre funktionieren. »Der Wortlaut unserer Texte steht nicht im Mittelpunkt«, meint Garib. Es gehe weniger um Analyse als um einen subjektiven Zugang zu Themen wie Trauer, Verlust, Erwachsenwerden, Vergänglichkeit. »Das Filmemachen ist wie ein Puzzle«, so die Regisseurin. »Dieses zusammenzusetzen, ist manchmal stressig, aber gleichzeitig auch sehr erfüllend.« Derzeit arbeitet das Duo am Drehbuch für seinen ersten Langfilm. Carl Christian Jamka 19. März, 16:30 Uhr Annenhof Kino 5 — 20. März, 11 Uhr Kiz Royal Kino 1; im Programm »Kurzspielfilm 1«

Emma Hütt und Tina Mu ler

»Bleifrei 95«

Interesse daran, etwas für die Leinwand zu produzieren, hätten Emma Hütt und Tina Muffler schon immer gehabt. Auch zur Zeit ihres Studiums der Angewandten Theaterwissenschaft in Gießen sowie der Mitgründung eines Theaterperformancekollektivs. Aus der in diesem erlernten, freien und energievollen Arbeitsweise entwickelte sich ein gemeinsamer Kurzfilm. Es ist eine Hommage an die prägende Zeit sowie die »Einöde« in ihrer Studienstadt geworden. In »Bleifrei 95« experimentieren die beiden humorvoll und dennoch tiefgründig mit dem Thema Freund*innenschaft, mit ihrer Bedeutung, ihrem Stellenwert und ihren vermeintlichen No-Gos. Der Film zeigt, dass sie mehr ist als eine Vorstufe zur romantischen Beziehung und wie viel Kraft sowie Diversität in ihr stecken kann. Die Figuren bewegen sich dabei zwischen der legendären, 1971 eröffneten Frankfurter Lesbenbar La Gata und der Kahlheit deutscher Tankstellenästhetik. »Uns interessierte besonders der Kontrast zwischen den vielen internationalen als auch queeren Menschen im Studiengang sowie der Tristesse ihrer Umgebung.« In Anbetracht der cineastischen Wirkung der Bilder, verblüfft es vielleicht, dass »Bleifrei 95« lediglich mit einem I-Phone gedreht wurde. Gemeinsam mit dem Cast aus Personen unterschiedlichster queerer Generationen schafft der Film einen eigenen visuellen Stil und macht sichtbar, dass »queere Parallelwelten überall zu finden sind«. Luise Aymar 21. März, 22:30 Uhr Schubertkino 1 — 22. März, 10:30 Uhr Annenhof Kino 5; im Programm »Kurzspielfilm 3«

Sebastian Kubelka

»64 km von daheim«

Sebastian Kubelka, aufgewachsen in Döbling, studiert im Master Kamera und Bildgestaltung an der Filmakademie Wien. In seinem Regiedebüt als Dokumentarfilmer begleitet er seine 95-jährige Großmutter an jenen Ort, den sie 1945 Hals über Kopf verlassen musste. Bei »64 km von daheim« tritt Kubelka als Regisseur, Kameramann und Enkel zugleich in Erscheinung. Im Zuge des Schneideprozesses kürzte er über vierundzwanzig Stunden Filmmaterial auf unter eine halbe Stunde. »Dieses Projekt hat mich gefunden, nicht umgekehrt. Es hat mich nie losgelassen und ein Ventil gebraucht. Das musste einfach raus.« Seinen »Kamerastolz« dabei komplett hintanzustellen, sei befreiend gewesen – anders hätte der Film nicht entstehen können. Das Porträt der Großmutter und ihre unauslöschlichen Kriegserinnerungen schlagen eine Brücke in die Gegenwart: zu heutigen Geflüchteten, die weiterhin mit Stigmatisierung konfrontiert sind. »Die Menschen wollen einfache Antworten, es mangelt an Empathie«, meint Kubelka. Film könne solche Schwarz-Weiß-Denkmuster aufbrechen: »Er schaut in die Grauzonen, in Zwischenräume.« »64 km von daheim« erzählt von Flucht, von Erinnerung und vom Weiterleben mit einer Erfahrung, die bis heute nachwirkt. Carl Christian Jamka 21. März, 14 Uhr Annenhof Kino 6 — 22. März, 19:30 Uhr Rechbauerkino; im Programm »Kurzdokumentarfilm 3«

Fabian Rausch »Spielen«

Am Filmemachen fasziniere ihn besonders, wie die Zusammenarbeit unterschiedlicher Talente ein gemeinsames Werk entstehen lässt, erzählt Fabian Rausch. Ein frühes Faible für Musikvideos war Ausgangspunkt für seine Leidenschaft, die sich mit der Zeit und beim Drehbuchstudium an der Filmakademie Wien auf sämtliche Facetten des Filmschaffens ausweitete. Das Drehbuchschreiben entdeckte er dank seiner Affinität für das Spielen mit Worten für sich: »Ich liebe es, Dinge auszudrücken, egal ob Erfundenes, Erlebtes, Geschehenes, Aufgeschnapptes oder Gehörtes.« Dieses Interesse zeigt sich auch in seinem aktuellen Diagonale-Beitrag. Das titelgebende Spielen kann darin vieles sein: ein Moment zwischen Mutter und Kind, das Schauspiel vor der Kamera, der Zugang, den wir zu unserer Welt finden. Der Film entdeckt wieder, was uns nach der Kindheit oft abhandenkommt: sich in eine Fantasie hineinzubegeben, ganz die eigene Ideenwelt auszuleben, auch wenn diese zuerst zu groß erscheinen mag, sowie die Schönheit, die in diesem Sich-fallenLassen zu finden ist. Rausch widmet sich dem Thema seines Films aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln und mit einem humorvollen Augenzwinkern. Damit schafft er Momentaufnahmen, die zeigen, was Spielen auf der Bühne des Alltags alles sein kann: schön, unmittelbar und aus dem Augenblick heraus. Luise Aymar 20. März, 13:30 Uhr Annenhof Kino 5 — 21. März, 11 Uhr Kiz Royal Kino 1; im Programm »Kurzspielfilm 2«

AB ZUR RICHTIGEN SAMMELSTELLE

Ausgediente Elektrogeräte richtig entsorgen umwelt.graz.at

Ausgediente Elektrogeräte landen leider o im Restmüll oder verstauben zuhause in der Schublade. Doch sie enthalten neben wertvollen Rohsto en auch gefährliche Teile, die im Haushaltsmüll nichts verloren haben. Deshalb: auch kleine Elektrogeräte immer zur richtigen Sammelstelle!

Alle Grazer AbfallSammelstellen nden Sie hier: Eine Zusammenarbeit von Holding Graz Abfallwirtschaft, Stadt Graz Umweltamt und der EAK Austria GmbH.

Workstation Menschen am Arbeitsplatz

Katja Hawliczek

Filmtierbetreuerin

Einen Hahn, eine Gans und ein Huhn bringt Katja Hawliczek mit ins Fotostudio. Während sie die Gans noch unterm Arm hält, erzählt sie, dass alle drei Tiere heute eigentlich nicht mehr am Leben hätten sein sollen. Aber bei ihr wurden sie aufgepäppelt und dürfen jetzt als Schauspieler*innen vor die Kamera. Hawliczek ist gelernte Tierärztin und erfüllte sich damit einen Kindheitstraum. Durch Zufall begann sie dann, mit Filmtieren zu arbeiten, was inzwischen ihr eigentlicher Beruf ist. Als Tiertrainerin würde sie sich selbst allerdings nicht bezeichnen: »Dieses Wort ist ziemlich ausgeschlachtet und umfasst sehr viel. Einem Tier einen Trick beizubringen, das ist einfach. Aber eine echte Verbindung zwischen den Schauspielenden und dem Tier zu schaffen, das ist für mich die richtige Kunst.« Auf ihrem Hof sind derzeit knapp hundert Tiere zu Hause. D eren Leben dort unterscheide sich jedoch wesentlich von jenem in einem landwirtschaftlichen Betrieb: »Bei uns müssen sie sehr menschenbezogen sein und viele Situationen kennenlernen, denn ihre Aufgabe ist hier eine andere.« Am Set sei Hawliczek wichtig, dass die Tiere nicht vermenschlicht werden: »Die Leute sehen Tiere so, wie wir sie darstellen. Ein Tier ist kein Kasperl und es sollten ihm keine menschlichen Eigenschaften zugeschrieben werden.«

Luca
Celine Loma Gerner

David Baumgartner

Koch für Setcatering

Der Geruch von frisch gekochtem Kaffee und ein strahlendes Lächeln von David Baumgartner empfangen uns, als wir beim Foodtruck von Tasty Planet im Wiener Umland ankommen. Die mobile Küche ist on location bei einem Filmset – vor Ort wird gerade gedreht. Baumgartner ist der Koch des Cateringunternehmens und gemeinsam mit seiner Kollegin Cornelia Grünauer versorgt er das Produktionsteam den ganzen Tag über mit Essen und Getränken. Essenziell sei der Kaffee, der gerade, zum Start des Drehtags, bereitsteht: »Die Kaffeemaschine ist unsere wichtigste Mitarbeiterin«, meint er schmunzelnd. Nicht außer Acht zu lassen ist aber natürlich auch das Essen, das bei Tasty Planet ausschließlich vegetarisch oder vegan und nur mit frischen Zutaten zubereitet wird. Speziell auf Letzteres lege Baumgartner besonderen Wert. Die Arbeit in der Küche ist für ihn eine große Leidenschaft: »Schon als Kind habe ich gerne mit meiner Oma gekocht.« Durch eine langjährige Freundin ist er dann schließlich zum Filmcatering gekommen. »Mittendrin in der Kreativität sein zu können, macht viel Spaß. Und mit gutem Essen kann man für gute Stimmung sorgen.« Ganz dem Slogan »good food, good mood« entsprechend, der uns in pinken Buchstaben aus dem Foodtruck entgegenstrahlt.

Nur das Beste vom Filmfeste

Eine sterbende Kuh, der Mythos um Dracula, Elternschaft und transkulturelle Brie reund*innenschaften: Die Diagonale hat auch 2026 wieder thematisch vielfältige Spiel- und Dokumentarfilme sowie Experimentelles zu bieten. Hier einige Highlights.

2 Hot 2 Drive

Kurdwin Ayub konnte schon mit ihren Filmen »Paradies! Paradies!«, »Sonne« und zuletzt »Mond« überzeugen. Wer sie einmal bei einem Interview erlebt hat, weiß zudem um ihren hintergründigen Humor. Dieser zeigt sich auch in ihrem neuen Projekt – der sechsteiligen Comedy-Webserie rund um den Fahrlehrer Florian (Kabarettist Christoph Fitz). 21. März, 22:15 Uhr Kiz Royal Kino 1

Dracula

Ein rumänischer Regisseur (Adonis Tanța) will einen Film über Dracula drehen, einen Mythos, der Rumänien bis heute prägt. Radu Jude liefert mit diesem Metaprojekt laut Onlinemagazin Filmstarts den »verrücktesten Dracula-Film aller Zeiten« ab. Wir sehen Vampirjagden, Streiks von Arbeiter*innen, KI-Inhalte, etwas Sci-Fi sowie Romantik – verbunden mit Folklore und Horror. 19. März, 19:30 Uhr Annenhof Kino 5

B wie Bartleby

»Ich möchte lieber nicht«, sagt die Hauptfigur in Herman Melvilles Erzählung »Bartleby, der Schreiber« fortwährend. Es ist eine Geschichte über gesellschaftliche Zwänge und entfremdende Arbeit. Angela Summereder spinnt daraus einen Essayfilm und lässt verschiedene Menschen reflektieren – über Erinnerung, Widerstand und Sprache. 21. März, 19:15 Uhr Schubertkino 2

Die Kuh, die weint Regisseur Andreas Prochaska sowie Drehbuchautorin und Schauspielerin Pia Hierzegger sind keine unbekannten Namen im österreichischen Film. Im »ORF Landkrimi« »Die Kuh, die weint« erzählen sie von einem Mädchen, das verschwindet, und von einer Kuh, die ins Gras beißt. TVKlischees werden getestet und mit Horrorelementen verbunden. 19. März, 17:30 Uhr Schubertkino 1

Beautiful and Neat Room

Die Suche nach einer neuen Wohnung ist meist furchtbar. Das zeigt auch »Beautiful and Neat Room«: Marie (Charlotte Aubin) sucht Mitbewohner*innen für ihr gemietetes Apartment in Brooklyn – und findet skurrile Begegnungen. Regisseurin Maria Petschnig lebt selbst in New York City und hatte bereits mehr als sechzig Mitbewohner*innen. 20. März, 17:15 Uhr Annenhof Kino 6 — 21. März, 17:15 Uhr Rechbauerkino

Licht, kein Licht

Schuld, Zurechnungsfähigkeit und der Verstoß gegen Normen. In diesem Film von Matthias van Baaren sehen wir einen Mann, der ohne Grund auf Menschen geschossen hat und deswegen ins Gefängnis muss. Wir sehen außerdem eine junge Labormitarbeiterin, die als Geschworene berufen worden ist, sowie einen Soziologen, der eine Arbeit über den juristischen Strafvollzug schreibt. 19. März, 17 Uhr Schubertkino 2 — 20. März, 10:30 Uhr Annenhof Kino 5

Our Girls

Ein Urlaub wird durch eine Katastrophe unterbrochen: Zwei Familien genießen die freie Zeit in den Alpen, als ein Unfall ihrer Teenagertöchter alle in ein Dilemma stößt. Die Freund*innenschaft wird auf die Probe gestellt und unbequeme Wahrheiten kommen ans Tageslicht. Regisseur Mike van Diem fragt: Was tun Eltern, um ihre Kinder zu retten? 18. März, 16 Uhr Annenhof Kino 6 — 19. März, 14:30 Uhr Annenhof Kino 6

The Stories

Es beginnt mit einer Brieffreund*innenschaft: Der junge Ägypter Ahmed (Amir El-Masry) schreibt der Österreicherin Liz (Valerie Pachner). Obwohl Ahmed aus ärmlichen Verhältnissen kommt, möchte er Pianist werden. Liz will ihn dabei unterstützen. »The Stories« von Abu Bakr Shawky erzählt von Ägyptens politischem Wandel am Beispiel einer Familie. 21. März, 21:15 Uhr Annenhof Kino 6 — 23. März, 13:30 Uhr Annenhof Kino 5

Spielfilm lang

Lukas Kranzelbinder

Operetten-Krimi nach dem gleichnamigen Roman von Ferdinand Schmalz

22. März 2026 bis 10. April 2026

Dokumentarfilm lang

All My Sisters

Die Situation im Iran und die dortigen »Frau, Leben, Freiheit«-Proteste bewegen Menschen auf der ganzen Welt. Wie das Leben von Mädchen und jungen Frauen im Iran aussehen kann, zeigt »All My Sisters«. Achtzehn Jahre lang begleitet Massoud Bakhshi seine beiden Nichten – sie werden älter und ihr Leben wird zunehmend eingeschränkt. 21. März, 14 Uhr Kiz Royal Kino 1 — 22. März, 17:45 Uhr Schubertkino 2

Croma

Geschlechterrollen und gesellschaftliche Konventionen hinterfragen, das möchte »Croma«. Manuel Abramovich lässt Kinder sowie Erwachsene vor einem Greenscreen sinnieren, was ein Mann, eine Frau oder eine trans Person ist. Identitäten, Wünsche und Zukunftsperspektiven werden sichtbar, ebenso Ängste und Enttäuschungen. 19. März, 14 Uhr Schubertkino 2

Mit Ästen bis zum Himmel

Wie leben blinde beziehungsweise sehbeeinträchtigte Menschen? Katharina Copony begleitet Schüler*innen, die lernen, ihre Umwelt durch Hören und Fühlen wahrzunehmen. In ihrem Film liegt der Fokus auf Klängen, Musik, Rhythmen und Materialitäten. Sowie auf den Verbindungen zwischen Ich, Gemeinschaft und Welt. 19. März, 20:30 Uhr Schubertkino 1 — 21. März, 11 Uhr Annenhof Kino 6

Portrait of Nowness

Juri Rechinsky und Mario Hainzl hatten eine einfache, aber spannende Idee: Sie statteten Menschen aus unterschiedlichen Ländern wie Österreich, Senegal, USA, Japan oder der Ukraine mit Bodycams aus. Ein Film darüber, wie wir leben; wie unterschiedlich, aber auch ähnlich unser Alltag ist. Alle Protagonist*innen suchen nach Momenten der Freude, der Ruhe und des Glücks. 19. März, 21 Uhr Annenhof Kino 6 — 20. März, 14 Uhr Kiz Royal Kino 1; in der Schiene »Innovativer Film«

A Russian Winter

Patric Chiha begleitet Russ*innen, für die es seit dem Angriff auf die Ukraine nicht mehr infrage kommt, in ihrem Heimatland zu leben. Sie sind nach Paris gegangen und verbringen ihre Zeit in der Kreativszene, über die sie Anschluss in der französischen Hauptstadt gefunden haben. Ein Film über Liebe und Freund*innenschaft – Dinge, die besonders wichtig werden, wenn man keine Heimat mehr hat. 20. März, 18 Uhr Annenhof Kino 2 — 22. März, 11:15 Uhr Annenhof Kino 6

Wax & Gold

»Ich denke, am Ende spricht man immer über sich selbst, webt einen neuen Faden in das Geflecht der eigenen Erfahrungen, der europäischen Geschichte«, sagt Ruth Beckermann, deren aktueller Film nach Äthiopien führt. Sie geht den Spuren des Kolonialismus nach und wirft zugleich einen Blick auf Vergangenheit sowie Zukunft des Landes. 20. März, 20:30 Uhr Annenhof Kino 2 — 21. März, 11:30 Uhr Schubertkino 1

Wellen Wende

Josephine Ahnelt richtet ihre analoge Kamera auf fünf Mütter im Wochenbett. Diese müssen lernen, mit ihrem neuen Leben umzugehen, einem Leben mit verändertem Alltag: zwischen Aufopferung und dem Willen, die eigene Identität zu bewahren. »Wellen Wende« ist auf 16-Millimeter-Film gedreht und bringt intime Momente auf die große Leinwand. 19. März, 14 Uhr Kiz Royal Kino 1 — 20. März, 20 Uhr Rechbauerkino

When Fire Turns to Ash

Auf Feuerland, einer Inselgruppe an der Südspitze Südamerikas, wurde die indigene Bevölkerung gnadenlos verfolgt und nahezu ausgelöscht. Michaela Grill spürt in ihrem Essayfilm anhand von historischen Texten, Fotos, Zeichnungen und Interviews mit Nachfahr*innen dem Leben dieser Vergessenen nach. 21. März, 17 Uhr Schubertkino 2 — 23. März, 11 Uhr Annenhof Kino 5

Kurzfilm

All Buildings Are Beautiful

Christoph Schwarz ist für seinen satirischen Blick auf unsere Welt bekannt. In »All Buildings Are Beautiful« widmet er sich nun einem Gebäude – und zwar der alten Wirtschaftsuniversität Wien. Diese soll abgerissen werden. Schwarz stellt sich tiefergehende Fragen, die an diese bauliche Maßnahme anschließen. 19. März, 20 Uhr Rechbauerkino — 21. März, 10:30 Uhr Schubertkino 2; im Programm »Kurzdokumentarfilm 2«

Frutti di mare

2023 erhielt David Lapuch für »Cornetto im Gras« den Diagonale-Preis für den besten Kurzspielfilm. Nun hat er die damalige Crew für »Frutti di mare« erneut versammelt. Anna ist Anfang dreißig, lebt in einem Dorf und steckt fest – zwischen Pizzalieferdienst, Familienproblemen und der eigenen Vergangenheit. 22. März, 19:45 Uhr Kiz Royal Kino 1 — 23. März, 14 Uhr Kiz Royal Kino 1; im Programm »Kurzspielfilm 4«

Béni’s Noise

Die zehnjährige Béni sammelt Töne wie andere Kinder Spielzeugfiguren. Vogelgezwitscher, das Brummen der Hochspannungsleitung, der Wind, der einen Drachen steigen lässt. Valérie Pelet zeigt nicht nur ihre aufmerksame Protagonistin, sondern auch das, was wir im Leben mitunter überhören. 20. März, 14:15 Uhr Schubertkino 1 — 21. März, 17:45 Uhr Schubertkino 1; im Programm »Innovativer Kurzfilm 3«

Dark Times

2024 war der Filmemacherin, Fotografin und Medienkünstlerin Lisl Ponger bei der Diagonale eine umfangreiche Retrospektive gewidmet. Heuer geht sie mit dem Zehnminüter »Dark Times« der Frage nach, ob Bilder Wahrheit transportieren oder diese formen – und wie Geschichte sichtbar gemacht werden kann. 21. März, 17 Uhr Annenhof Kino 6 — 23. März, 11:30 Uhr Annenhof Kino 6; im Programm »Innovativer Kurzfilm 5«

Gay by Nature

Zwei queere Katzenmenschen brechen aus ihrem Gehege aus. Isa Schieche und Helen Weber haben mit »Gay by Nature« einen subversiven Heimatfilm geschaffen, in dem Außenseiterinnen gängige Vorstellungen unserer Welt hinter sich lassen und erste Schritte hin zu antifaschistischem Widerstand machen. 21. März, 22:30 Uhr Schubertkino 1 — 22. März, 10:30 Uhr Annenhof Kino 5; im Programm »Kurzspielfilm 3«

Die Diagonale 2026 findet von 18. bis 23. März in Graz statt. Sämtliche Detailinfos sind unter www.diagonale.at zu finden.

Motherigine

Wie lebt man faire Elternschaft? Dieser Frage geht Sophie Bösker nach – anhand ihrer eigenen Biografie. Drei Jahre lang filmte sie sich, ihren Partner Georg und die gemeinsame Tochter. Die Kamera dient ihr als Ventil dafür, ihre Gefühle rauszulassen. Aber auch der eine oder andere Rapsong hilft dabei. 21. März, 14 Uhr Annenhof Kino 6 — 22. März, 19:30 Uhr Rechbauerkino; im Programm »Kurzdokumentarfilm 3«

Barbara
Fohringer
Christian Schwab, Valérie
Pelet/Sixpackfilm, Tim Sharp, Vincent
Seidl, Helen Weber/Isa
Schieche, Bösker/Sixpackfilm

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