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Bäuerliches Handwerk

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Bäuerliches Handwerk

Kostbare Einzelstücke aus Südtirol

Alle Bauernhöfe auf einen Blick

Völlan/Foiana
Vilpian/Vilpiano
Girlan/Cornaiano
St. Pauls/S. Paolo
Drechseln
1 Lahngut
S. 12
Flechten
2 Oberhof
S. 18
Häkeln 3 Hoferhof
S. 24

Von Hand gefertigt und mit Liebe vollendet

Jahrhundertelang spielte das Handwerk eine bedeutende Rolle auf Südtirols Bauernhöfen: Über Generationen hinweg wurde mit großem Geschick geschnitzt und gedrechselt, gefilzt und gewebt. Vor allem in den kalten Wintermonaten, in denen die Arbeit draußen in der Natur ruhte, verbrachte die bäuerliche Familie viele Stunden mit Handarbeit in der gut gewärmten Stube oder Werkstatt.

Der Lauf der Zeit hat diese alte Tradition zunehmend in den Hintergrund gedrängt. Um dem fast in Vergessenheit geratenen bäuerlichen Handwerk eine neue Bühne zu bieten, hat sich „Roter Hahn“ daher auf die Suche gemacht: nach flinken bäuerlichen Händen, die am Hof handwerklich tätig sind und gleichzeitig neue Wege gehen. Sie werden in der vorliegenden Broschüre vorgestellt.

Ziel der Broschüre „Bäuerliches Handwerk“ ist es, dazu beizutragen, ein weiteres Stück bäuerlicher Kultur in Südtirol zu erhalten. Es gilt aber auch, das bäuerliche Handwerk nachhaltig zu

entwickeln und in die Zukunft zu tragen. Dies soll unter anderem durch gezielte Weiterbildungsmaßnahmen gelingen.

Dabei bleibt die Marke „Roter Hahn“ ihrer Linie treu und setzt auf hohe Qualitätsstandards und strenge Kriterien. Nur Werkstücke, deren Ausgangsmaterialien zu 100 Prozent auf einem Südtiroler Bauernhof gewachsen sind, die zur Gänze in bäuerlicher Handarbeit gefertigt wurden und Unikate sind, erhalten das begehrte Markenzeichen.

Wie Südtirols Bäuerinnen und Bauern von Hand und mit viel Liebe wahre Kunstwerke aus natürlichen Materialien schaffen, entdecken Sie auf den folgenden Seiten.

Ihr Daniel Gasser

Obmann des Südtiroler Bauernbundes

Roter Hahn – Bauernhof spüren

Der Südtiroler Bauernbund hat die fünf Säulen „Urlaub auf dem Bauernhof“, „Qualitätsprodukte vom Bauern“, „Bäuerliche Schankbetriebe“, „Bäuerliches Handwerk“ und „Roter Hahn Kochschule“ unter der Dachmarke „Roter Hahn“ zusammengeführt und verbindliche Qualitätsstandards festgelegt. Das Ziel: den Zu- und Nebenerwerb der heimischen Bauern zu unterstützen und den Konsumenten die bäuerliche Südtiroler Lebensart näher zu bringen.

Gäste, die ihren „Urlaub auf dem Bauernhof“ in Südtirol verbringen, dürfen sich – dank der sehr kleinen bäuerlichen Strukturen (die Anzahl der Ferienwohnungen ist auf fünf begrenzt) – auf ein unverfälschtes Naturerlebnis, echte Gastfreundschaft und nicht zuletzt auf authentische bäuerliche Produkte freuen.

„Roter Hahn“ bürgt auch für die Qualitätsprodukte vom Bauern: Die herzhaften Fruchtaufstriche und -säfte, Käse- und Milchprodukte und anderen Köstlichkeiten werden schonend hergestellt und strengen Kontrollen unterzogen.

Schließlich führt der „Bäuerliche Feinschmecker“ von „Roter Hahn“ in die leckersten Ecken

Südtirols. Produkte, die in den Hof- und Buschenschänken auf den Tisch kommen, stammen zum Großteil direkt von Hof und Feld und sind unnachahmlich im Geschmack.

Seit 2013 rückt die vierte Säule, das „Bäuerliche Handwerk“, beinahe verloren gegangene handwerkliche Tätigkeiten, die am Bauernhof eine lange Tradition haben, wieder ins Rampenlicht. Für Interessierte ist das eine einzigartige Gelegenheit, bäuerliche Qualitätsarbeit aus erster Hand kennen zu lernen und echte Unikate – als edles Präsent oder für das eigene Zuhause –zu erwerben.

Wer vom Geschmack der bäuerlichen Küche angetan ist, kann in der „Roter Hahn Kochschule“ selbst Hand anlegen und mit Zutaten von Südtirols Bauernhöfen ein bäuerliches Menü unter erfahrener Anleitung zubereiten und die selbst zubereiteten Gerichte anschließend im familiären Ambiente genießen.

Alles Wissenswerte über Südtirols bäuerliche Lebensart und die Angebote der Dachmarke „Roter Hahn“ erfahren Sie auf der offiziellen Internetseite www.roterhahn.it.

Unser Qualitätsversprechen

Ein Blickfang in den Bauernstuben sind sie allemal: die von Hand gemachten bäuerlichen Werkstücke. Funktional, aber dennoch formschön und häufig mit aufwendiger künstlerischer Gestaltung. Die bäuerlichen Handwerkerinnen und Handwerker unter dem Markenzeichen „Roter Hahn“ setzen mit ihren Produkten neue Maßstäbe: Sie verpflichten sich zur Einhaltung einer Reihe von Qualitätskriterien, die in eigenen Richtlinien festgeschrieben sind.

Die Marke „Roter Hahn“ ist somit ein Gütesiegel, dessen Erhalt unter anderem an folgende Kriterien geknüpft ist:

Alle Rohstoffe stammen aus Südtirol und ein Teil davon direkt vom eigenen Hof. Die Verarbeitung der Produkte findet direkt am Bauernhof statt.

Von A wie Ausgangsmaterial bis V wie Verarbeitung: Handgeschaffenes aus der Werkstatt des Bauern hebt sich in mehrfacher Hinsicht ab: Holz, Wolle oder andere in der Natur gewachsene Rohstoffe bilden die Grundlage für die edlen Werkstücke.

Das Ergebnis spricht für sich: Natürliche Materialien und perfekte Handarbeit treffen auf edles Design – von einfach bis extravagant, von traditionell bis trendig. Die Kreationen der bäuerlichen Handwerkerinnen und Handwerker umfassen Praktisches ebenso wie Dekoratives und Accessoires.

Einen Überblick über die Vielfalt an Gegenständen kann man sich im jeweiligen Hofladen verschaffen. Es sind anspruchsvolle Objekte, die Funktionalität und Stil miteinander vereinen und allesamt dasselbe Ziel verfolgen: dem Kunden vom ersten Augenblick an Freude zu bereiten.

Eine lange Tradition

Seine Blütezeit erlebte das bäuerliche Handwerk in der Zeit zwischen 1800 und 1900. Unabhängig von den spezialisierten Handwerkern in den Städten und auf dem Land waren sowohl Kleinbauern als auch Vollerwerbsbauern handwerklich tätig.

Die so genannten „Kleinhäusler“ waren Kleinbauern, die nur wenig Besitz hatten und meist ein Handwerk ausübten, um ihr Auskommen zu finden. Sie richteten sich eine kleine Werkstatt ein oder gingen „auf die Stör“, auf Wanderschaft. Am Land war es nämlich Brauch, sich die Handwerker ins Haus zu holen. So zogen beispielsweise Schneider, Schuster und Weber von Hof zu Hof, um ihre Arbeit zu verrichten. Sie kamen mit Lehrling und Gesellen und fertigten Schuhe und Gewand für die ganze Familie an. Die Entlohnung bestand unter anderem in freier Kost, oft auch in Logis. Dazu kam im Spätherbst die „Besserung“, eine Naturalabgabe etwa in Form von Getreide, Mohn oder Brot. Auch kochte die Bäuerin häufig Sonntagsgerichte, wenn die „Störhandwerker“ im Hause waren, um sich nichts nachsagen lassen zu müssen. Weil sie weit herumkamen, wussten die Handwerker auf

der Stör viele Neuigkeiten zu erzählen – eine willkommene Abwechslung im bäuerlichen Alltag.

Vollerwerbsbauern mit acht Stück Vieh und mehr im Stall sowie Ackerland hatten es hingegen nicht nötig, einen Zuerwerb auszuüben. Insbesondere in den ruhigeren Wintermonaten betätigten sie sich für den Eigengebrauch handwerklich. Auf jedem Bauernhof gab es dafür eine Werkstatt, die „Machkammer“, die für Ausbesserungs- und Reparaturarbeiten des bäuerlichen Handwerksgeräts genutzt wurde.

Darüber hinaus fertigten die Bauersleute unterschiedliche Gegenstände des täglichen Gebrauchs an: So wurden Körbe für die verschiedensten Zwecke geflochten, Rechen gemacht oder an der Drehbank aus Zirbenholz Teller, Schalen und Wetzkümpfe gedrechselt. Während die Männer meist mit Holz arbeiteten, widmeten sich die Frauen vor allem der Verarbeitung der Wolle. Vielfach wurden diese handwerklichen Fertigkeiten von Generation zu Generation weitergegeben.

Echt, einzigartig, wertvoll

Schon seit jeher hat die Fähigkeit des Bauern und der Bäuerin, mit den eigenen Händen zu gestalten, einen hohen Stellenwert im bäuerlichen Bereich. Nun ruft ihre Fingerfertigkeit neue Formen ins Leben. Und der Unterschied sticht sofort ins Auge: Handwerklich gefertigte Produkte vom Bauern sind Unikate, sie sind echt, einzigartig und wertvoll. Echt sind sie, weil ihre Rohstoffe zu 100 Prozent vom Bauernhof stammen. Einzigartig, weil jedes Produkt individuell aus bäuerlicher Hand gefertigt wird und wertvoll, weil großes Geschick, viel Fleiß und unzählige Arbeitsstunden dahinter stecken.

Besonders spürbar wird die Qualität der bäuerlichen Handwerksprodukte, wenn man diese in die Hand nimmt. Die hohe Materialqualität, die hochwertige Verarbeitung und die lange Lebensdauer kann man förmlich fühlen. Egal, ob Sie sich als Gäste eine bleibende Erinnerung an Ihren Urlaub in Südtirol mitnehmen wollen oder als Einheimische auf der Suche nach einem ganz besonderen Geschenk sind – mit den bäuerlichen Unikaten werden Sie lange eine Freude haben.

Die Produktpalette umfasst formschöne Gebrauchsgegenstände ebenso wie raffinierte Dekorationsobjekte und pfiffige Accessoires. Gemeinsam sind ihnen die traditionellen Werkstoffe und das große handwerkliche Können, mit dem sie gefertigt wurden. Auf dieser Grundlage entstehen Produkte, die in dieser Form nur auf dem Bauernhof erhältlich sind: authentische und innovative Werkstücke, von denen keines dem anderen gleicht.

Am Besten lernen Sie das bäuerliche Handwerk bei einem persönlichen Werkstattbesuch kennen. Er bietet eine einmalige Gelegenheit, den bäuerlichen Handwerkerinnen und Handwerkern bei ihrer Arbeit über die Schulter zu schauen und mehr über ihre Leidenschaft für die Handarbeit zu erfahren. Zudem erhalten Liebhaber und Interessierte dabei aus erster Hand einen Einblick in die Herstellung dieser stilvollen Objekte und können sich von deren Qualität persönlich überzeugen.

Das Drechseln

Formvollendete Kunstwerke

An der stetig summenden Drechselbank rotiert das Werkstück. Hier entsteht ein Unikat. Die Kunst des Drechselns ist feinste Millimeterarbeit: Mithilfe von Drechselmessern werden gekonnt Späne abgehoben und das Holz zu einem Kunstobjekt geformt. Von Farben und Formen des Holzes inspiriert, bringt dieses Handwerk individuelle und moderne Kreationen hervor. So entstehen Einzelstücke, die jedes Ambiente bereichern: Vasen oder Schalen, aber auch Früchte, Kugeln und filigraner Schmuck aus Holz. In den von Hand gefertigten Werken stecken viele Stunden Arbeit und Leidenschaft.

Lahngut

Der Hof Lahngut umfasst 2,5 Hektar Obstwiesen und liegt in Niederlana südlich von Meran, das für seine Pfarrkirche mit dem spätgotischen Flügelaltar des Malers und Bildhauers Hans Schnatterpeck bekannt ist. Im Erdgeschoss des Hauses hat sich der Obstbauer Karl Heinz Windegger seine Drechslerei-Werkstätte mit Blick auf die Apfelbäume eingerichtet. Ihr Herzstück ist die gusseiserne Drechselbank, an der der begeisterte Drechsler seine vielfältigen Unikate aus Holz zaubert.

„Es ist das Unebene, das Ungleiche, das mich fasziniert“, erklärt Karl Heinz Windegger. Die interessanten Maserungen der Laubhölzer, die knotige Veredelungsstelle beim Apfelholz, ein knorriger alter Holzblock: Holz, so wie es die Natur prägt, ist das, was er für seine Drechselarbeiten bevorzugt verwendet: „Die Handarbeit vermag diese Unebenheiten besonders gut auszudrücken. Das Glatte hingegen wird schnell mit maschineller Herstellung in Verbindung gebracht.“ Mit dem Kunstdrechseln hat der Bauer 2005 begonnen, seitdem hat ihn die Faszination für dieses Handwerk nicht mehr losgelassen. Vor allem in den Wintermonaten verbringt er viel Zeit in seiner Werkstatt. Mit welchem Einsatz er bei der Sache ist, verraten seine Arbeiten: In aufwendigen Werkstücken stecken unzählige Stunden Handarbeit. „Es ist eine wahre Leidenschaft“, bringt es der Bauer auf den Punkt.

Karl Heinz Windegger Lahnstraße 9 39011 Lana

Tel. 335 8 397 070 h.windegger@rolmail.net www.kunstdrechslerei.it

Auf der Schnellstraße

MeBo die Ausfahrt „Lana-Burgstall“ nehmen. Weiter Richtung Lana, dann nach 500 m links Richtung Pfarrkirche Niederlana und bei der Obstgenossenschaft „Pomus“ wiederum links in die Schnatterpeckstraße einbiegen. Bei der Pfarrkirche Niederlana angekommen, geradeaus in die Lahnstraße fahren. Nach ca. 200 m befindet sich der Hof auf der linken Seite.

Besuch der Werkstatt sowie Ab-Hof-Verkauf nach telefonischer Vereinbarung.

Meran

Lana

Sortiment

• Kugelvasen

• Schalen und Teller

• Kugeln

• Holzfrüchte

• Schmuck

• Pfeffermühlen

Niederlana

Bozen Ausfahrt Lana/Burgstall Lahngut

Drechseln mit dem Holz, nicht dagegen

Jedes Stück aus der Werkstatt von Karl Heinz Windegger ist ein Unikat. Umgeben von den eigenen Obstwiesen gehört Apfelbaumholz zu den liebsten Hölzern, die der Kunstdrechsler verwendet. Aber auch mit Kirsche und Nuss sowie Esche und Buche arbeitet er gerne. Er führt seine kleinen Kunstwerke meist im Querholzdrechseln, also quer zur Holzfaser, aus. Welche Form das Holz letztlich annehmen soll, wird erst im Laufe

der Arbeit deutlich. Bei Schalen und Vasen dreht Karl Heinz zunächst die Außenform und höhlt das Werkstück anschließend innen aus. „Ich lasse mich auf das Holz ein, es gibt die Form vor“, beschreibt der Drechsler seine Arbeitweise. Bei der Ausführung dieses Handwerks brauche es viel Gefühl: „Das Wichtigste ist: Man muss mit dem Holz arbeiten, nicht dagegen.“

Vielfältig und kreativ

Die Formen und Farben des Holzes regen die Phantasie und Kreativität des Kunstdrechslers an. Die Produktpalette reicht von Schmuck aus Holz über Holzkugeln, -schalen und -früchten bis hin zu kleinen und großen Vasen. „Es ist die Vielfalt, die mich interessiert. Weniger die Gebrauchsgegenstände als vielmehr das Künstlerische“, betont Karl Heinz Windegger. Nach der Fertigstellung erhält jedes Werkstück noch den letzten Schliff: Das Holz wird von Hand geschliffen und poliert, mit einigen Tropfen Naturöl behandelt und schließlich noch kurz getrocknet.

„Die Möglichkeiten, aus Holz Objekte entstehen zu lassen, die Aussagekraft und Ausstrahlung haben, sind schier unbegrenzt“, freut sich der Kunsthandwerker.

Das Flechten Kunstvoll geknüpft

Aus biegsamen Zweigen werden mit gekonnten Handgriffen künstlerische Einzelstücke. Sorgfältig wird Zweig um Zweig um das Grundgerüst des Flechtwerks gewunden. Dies erfordert nicht nur viel Kraft und Ausdauer, sondern auch Geschick und Fingerspitzengefühl. Altüberlieferte Techniken werden dabei gekonnt mit neuen und innovativen Ideen verbunden, um Kunstwerke in verschiedenen Formen zu kreieren. Von nützlichen Körben über dekorative, filigrane Flechtobjekte wie Schalen, Windlichter und Taschen erstrecken sich die kreativen Gestaltungsmöglichkeiten beinahe unendlich.

Oberhof

Der Oberhof liegt oberhalb des Dorfes St. Nikolaus im Ultental, nicht weit entfernt vom St. Moritz-Kirchlein, der ältesten gotischen Hügelkirche im Tal. Im Stall des Bio-Betriebs, der sich auf die Produktion von Fleisch spezialisiert hat, stehen 16 Stück Tiroler Grauvieh. Hier, auf 1.600 m Seehöhe, hat der Bauer Erhard Paris die uralte Handwerkskunst des Flechtens zu neuem Leben erweckt und seine „Ultner Flechtwerkstatt“ eingerichtet. Als Meister seines Fachs gibt er sein Wissen zudem in zahlreichen Kursen und Vorträgen weiter.

Das Arbeiten mit Naturmaterialien hat Erhard Paris schon von Kindesbeinen an fasziniert. Was er dazu benötigte, fand er in den Wäldern und Wiesen rund um den Heimathof. Das nötige handwerkliche Rüstzeug holte er sich in einer mehrjährigen Ausbildung im Flechten, Drechseln und Schnitzen. „Da hat mich dann die Leidenschaft insbesondere für das Flechten gepackt“, erinnert sich der Bauer. Vor der Werkstatt des Ultners warten Berge von Ruten und Zweigen darauf, verflochten zu werden. „Ich experimentiere gerne mit verschiedenen Materialien und Formen“, unterstreicht der kreative Landwirt. Sein Ziel: etwas Einzigartiges zu entwickeln, das es in dieser Form noch nicht gegeben hat: „Am Geflochtenen gefällt mir vor allem das Luftige, das Spiel von Licht und Schatten und die Möglichkeit vielseitig und kreativ zu sein.“

Erhard Paris Oberhof 253 39016 Ulten/St. Nikolaus Tel. 339 1 713 897 erhard.paris@hotmail.com

Von Lana ins Ultental bis nach St. Nikolaus fahren. Im Dorfzentrum nach St. Moritz abbiegen und der Straße rund 4 km bergwärts folgen. Der Oberhof liegt auf der rechten Seite.

Besuch der Werkstatt sowie Ab-Hof-Verkauf nach telefonischer Vereinbarung.

Sortiment

• Körbe

• Lampen

• Taschen

• Schmuck

• Dekorationsgegenstände

• Sonderanfertigungen

Pankraz St. Walburg

Kuppelwies

St. Nikolaus

Präzisionsarbeit

Grundlage für die Flechtwerke von Erhard Paris sind Weiden, aber nicht nur: Von seinen Streifzügen im eigenen Wald bringt der junge Landwirt Haselnuss-, Lärchen- und Birkenzweige mit. Wieder zurück in der Werkstatt, werden diese für das Flechten vorbereitet. Die Haselnussstöcke ritzt er mit einem scharfen Messer an, biegt sie übers Knie und bricht geschickt lange, gleichmäßig dicke Reiser heraus. „Da braucht es viel

Zeit, Geduld und große Fingerfertigkeit“, erzählt Erhard, während er die Zweige mit geübten Schnitten von der Rinde befreit. Dann gilt es, die „Rippen“, also das Grundgerüst eines Flechtwerks, zurecht zu legen. Zweig um Zweig windet der Bauer die Reiser schließlich mit flinken Fingern ein. Wurden diese bereits getrocknet, müssen sie zuvor mehrere Tage in Wasser eingeweicht und biegsam gemacht werden.

Filigranes

Flechtwerk

Die Gestaltungsmöglichkeiten beim Flechten sind schier unendlich: Formvollendete Körbe in allen Größen und Formen stapeln sich in der Werkstatt des Bauern. Daneben finden sich dekorative Flechtobjekte wie Schalen und Windlichter sowie ausgefallene Taschen mit Charme und Eleganz.

„Die Kunst des Flechtens hat eine mehr als 2000 Jahre alte Tradition. Die uralten überlieferten Techniken in Verbindung mit neuen Ideen ergeben schlichte und dennoch außergewöhnliche Hingucker für Haus und Garten“, ist der Kunsthandwerker überzeugt. Die Schönheit eines jeden filigranen Flechtobjekts liegt im Detail. Nur wenn der Flechter genügend Ausdauer und Erfahrung mitbringt, können auch kleinste Fehler vermieden werden. Das gilt auch fürs Flechten mit Schafwolle, der jüngsten Leidenschaft des Bauern.

Das Häkeln Um den Finger gewickelt

Häkelnadel, Faden, Schere und echte Südtiroler

Schafwolle: Die Häkelkunst überdauert Generationen und wird bis heute mit Begeisterung an Kinder und Enkelkinder weitergegeben. Für die kunstvoll gehäkelten Stücke gibt es beinahe unzählige individuelle Gestaltungsmöglichkeiten – vom Muster bis hin zu Materialien und Form. Mit viel Geschick und Kreativität entstehen Kleidung und Teppiche sowie kuschelige Kissen und Decken. In jeder einzelnen der von bäuerlicher Hand gefertigten Textilware stecken nicht nur viele Stunden Arbeit, sondern auch viel Liebe zur Handarbeit und zur Tradition.

Hoferhof

Ganz oben am Ende der Straße, oberhalb der Hl. Dreifaltigkeitskirche in Vellau bei Algund, liegt ein Bauernhof, abgeschieden und malerisch auf ca. 1.000 Meter Höhe: der Hoferhof. Wer am Algunder Waalweg entlang wandert, bleibt hier gerne stehen, um eine Pause einzulegen und einmal genauer hinzuschauen. Zwischen Biogemüse und 25 frei lebenden Tiroler Bergschafen arbeitet Johanna Aichner an ihrem Herzensprojekt „boden.kleid“ und schafft Kunstwerke der ganz besonderen Art.

Mit Faden, Schere, Häkelnadel und ausschließlich Südtiroler Schafwolle zaubert die junge Bäuerin allerhand hübsche Textilwaren. „Einen großen Teil der Wolle beziehe ich von unseren eigenen Schafen. Diese werden geschoren, und anschließend wasche ich die Wolle in einem Schubkarren und trockne sie direkt auf unserem Hof. Nach dem Kardieren und der Verarbeitung verwende ich die aufgerollten Garne zum Häkeln.“ Mittlerweile finden Johanna Aichners Produkte großen Anklang, auf Instagram und Facebook verkauft sie den Großteil ihrer Ware. Von Hand Geschaffenes komme nämlich vor allem bei jungen Leuten gut an, verrät sie. Dass die liebevoll hergestellten Unikate so großen Anklang finden, freut Johanna sehr und erfüllt sie auch ein wenig mit Stolz. Denn auch wenn sie seit vielen Jahren mit großer Leidenschaft häkelt, steckt doch in jedem Stück eine Menge Arbeit.

Johanna Aichner Vellau 9 39022 Algund Tel. 334 2 614 704 boden.kleid@hotmail.com www.bodenkleid.it

Von Meran in Richtung Naturns fahren und nach dem zweiten Tunnel vor der Töll die Abbiegung in Richtung Vellau/ Algund nehmen. Nach 700 m links in Richtung Vellau abbiegen. Der Straße circa 4,7 km bis ins Ortszentrum von Vellau folgen. Der Hoferhof befindet sich oberhalb der Kirche.

Besuch der Werkstube sowie Ab-Hof-Verkauf nach telefonischer Vereinbarung.

Sortiment

• Sitzkissen

• Decken

• Teppiche

• Oma-Emma-Deckchen

• Kissenbezüge

• Maßanfertigungen

Hoferhof
Algund Vellau

Traditionelles Handwerk – frische Ideen

„Ich habe das Häkeln schon als Kind von meiner Mama gelernt“, erinnert sich die gelernte Floristin lächelnd, die mittlerweile das ruhige Landleben dem regen Treiben in der Stadt vorzieht. Vor einigen Jahren habe sie sich dazu entschlossen, aus ihrer langjährigen Passion ein kleines Business zu machen und dazu die heimischen Rohstoffe zu nutzen. Begonnen habe es übrigens mit Kissen. „Ich habe sehr lange an meinem Stil

gefeilt, dem ich jetzt folge. Irgendwann habe ich die sogenannten 3D-Teppiche entdeckt und daraufhin meine ersten Teppiche im Noppen-Häkelmuster hergestellt.“ Manchmal tüftelt sie lange an einer Technik oder einem Stück, bis es genau so wird, wie sie es im Kopf hat. „Oft wache ich mitten in der Nacht auf und überlege da weiter“, schmunzelt die sympathische Künstlerin.

Kunst im Hühnerstall

Der ehemalige Hühnerstall des Bauernhofs beherbergt nun Johanna Aichners neuen Hofladen. Jeder Winkel ist hier geschmackvoll eingerichtet, jeder Gegenstand liebevoll drapiert – ein harmonisches Gesamtbild, das neugierig macht auf ihre Geschichte, ihre Philosophie, ihr Wesen. Kein Wunder, dass viele ihrer Kundinnen und Kunden auch gerne persönlich bei der Bäuerin und in ihrem Hofladen vorbeischauen.

Mittlerweile gibt es verschiedene gehäkelte Kunstwerke im Sortiment, an denen die Bäuerin bis zu 13 Stunden arbeitet – Teppiche, Kissen, aber auch Oma-Emma-Deckchen und Sitzkissen in den verschiedensten Farben. Auf Anfrage werden auch individuelle Stücke angefertigt. Und apropos Oma Emma: Die Produkte tragen fast allesamt Namen von Familienmitgliedern. Vor allem steckt aber ganz schön viel Johanna in ihren Unikaten. Von ihrer Zeit, ihrem Herzblut und ja, auch ihrem Perfektionismus. Das beweist wieder einmal mehr, dass Handwerk weit mehr ist, als „nur“ das Herstellen von Waren. Es ist Kunst. Und ganz viel Liebe.

Herausgegeben im Februar 2026 vom

Südtiroler Bauernbund K.-M.-Gamper-Str. 5 I-39100 Bozen

Tel. +39 0471 999 325 info@roterhahn.it www.roterhahn.it

13. Auflage

Konzept, Texte und Abwicklung

Südtiroler Bauernbund:

Hans J. Kienzl

Sabine Gafriller

Janine Gamper

Marion Götsch

Gabriele Hafner

Kevin Huck

Sonja Kaserer

Hannes Knollseisen

Magdalena Lang

Daniela Mauroner

Nadine Messner

Walter Rier

Lisa Schwabl Cainelli

Bildquellen und Karte

Südtiroler Bauernbund, Frieder Blickle, Kartograph Maiwald/Hamburg

Titelbild Aus Nussholz gefertigte Vase

Gestaltung mugele’s marketing communication, Bozen

Druck

Athesia Druck, Bozen

Hier gelangen Sie zu den 3 ausgewählten bäuerlichen Handwerkerinnen und Handwerkern.

Roter Hahn

Urlaub auf dem Bauernhof, authentische Qualitätsprodukte vom Bauern, köstliche Hausmannskost in gemütlichen Stuben, bäuerliches Handwerk sowie Roter Hahn Kochschule –das Qualitätssiegel „Roter Hahn“ zeigt Ihnen das Beste aus der Welt der Südtiroler Bauernhöfe.

Roter Hahn – Südtiroler Bauernbund info@roterhahn.it, www.roterhahn.it

… Bauernhof spüren

Roter Hahn –das Qualitätssiegel der Südtiroler Bauernhöfe

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Tel. +39 0471 999 325, info@roterhahn.it, www.roterhahn.it

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