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VWL 4 Ökonomische Modelle und Konzepte - Auszug Pilot-Version

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str teachware

Urs Saxer

Thomas Tobler

Heinz Rüfenacht

Aktualisierte Ausgabe 2026/27

Grundlagen

Wirtschaft & Recht

Volkswirtschaft

Ökonomische Modelle und Konzepte 4

Ausgabe für Lehrperson

Grundlagen Wirtschaft und Recht

Volkswirtschaft

Kapitel 4 «Ökonomische Modelle und Konzepte»

Ausgabe für Lehrpersonen

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1. Auflage 2026/2027

© copyright STR Teachware GmbH, St. Gallen, www.strteachware.ch

Umschlag: schmizz communicate 360° GmbH, Schaffhausen

Druck: Copy + Print AG, Schaffhausen

4 Ökonomische Modelle und Konzepte

Bei wirtschaftlichen und rechtlichen Themen prallen persönliche und gesellschaftliche Interessen aufeinander: Was nützt mir, und was ist für die Gemeinschaft besser? Dieses Spannungsfeld zwischen Eigeninteresse und altruistischem Handeln – also Entscheidungen zugunsten anderer oder des Gemeinwohls – prägt viele wirtschaftliche Situationen.

Menschen handeln je nach Rolle unterschiedlich – als Konsumentin, Arbeitnehmer oder Bürgerin. So stellt sich etwa die Frage, ob man günstig einkauft oder fair produziert unterstützt, Missstände am Arbeitsplatz anspricht oder politisch eher eigene Vorteile oder Gemeinwohl und Klimaschutz in den Vordergrund stellt.

Weil wir Situationen je nach Perspektive anders bewerten, sind viele Entscheidungen komplex und oft umstritten. Ein Gesamtmodell hilft, wirtschaftliche und rechtliche Zusammenhänge zu verstehen. Ökonomische Modelle vereinfachen die Realität, um Muster sichtbar zu machen und komplexe Sachverhalte verständlich zu erklären. Für gute Entscheidungen braucht es reflektierte Werthaltungen, Verantwortungsbewusstsein und die Bereitschaft, soziale Systeme aktiv mitzugestalten.

Vorgaben aus dem Rahmenlehrplan

Theorie

Vielfalt der ökonomischen Denkrichtungen

1 Politik, Wirtschaft und Ökologie - systemisch denken ............................................ 2 2 Drei Grundfragen

5 Klassische und alternative ökonomische

4a. Die Pluralität der ökonomischen Konzepte, Modelle, Denk- und Analyseinstrumente nutzen und deren Limitationen berücksichtigen. (z.B. Anreize, Wirtschaftskreislauf, Kosten-Nutzen-Überlegungen, Spieltheorie, Altruismus, nachhaltige Ökonomie)

4b. Marktmechanismus und die Rolle des Staates in der Wirtschaft beurteilen.

Mögliches Lektionenbudget

Grundlagen Schwerpunkt

12

(z.B. Markteffizienz, Externalitäten, Steuern, Subventionen, Kontingente, Wettbewerbspolitik, Umweltpolitik, Sozialpolitik) 8 10

4c. Rolle des Staates in verschiedenen Wirtschaftsordnungen und damit verbundene Grundsätze und Zielsetzungen unterscheiden, ihre historischen Ursprünge und zugrundeliegenden Werthaltungen erläutern.

(z.B. soziale Marktwirtschaft, Planwirtschaft, Staatskapitalismus, Staatsversagen; Liberalismus, Sozialismus)

4d. Markt als zentrales Modell von marktwirtschaftlichen Ordnungen beurteilen.

(z.B. rechtliche Rahmenbedingungen, Marktgleichgewicht, Marktversagen)

Übungen

1 Systemisch denken

2 Drei Grundfragen

3 Denk-/Analyseinstrumente

5 Konzepte

6 Wie entscheiden?

11 Markt-/Staatsversagen

12 Primär-/Sekundärverteilung

(Ausgabe für Lehrperson)

(Ausgabe für Lehrperson)

1 Politik, Wirtschaft und Ökologie – systemisch denken

■ Wirtschaft und Gesellschaft als System

Der Begriff Wirtschaft bezeichnet sämtliche Tätigkeiten, mit denen Menschen versuchen, ihre Bedürfnisse zu befriedigen, obwohl die dafür verfügbaren Ressourcen begrenzt sind. Zu diesen Ressourcen zählen unter anderem Zeit, Geld, Rohstoffe wie Holz oder Erdöl, Wasser, Energie sowie Arbeitskraft und Wissen. Wirtschaftliches Handeln ist daher stets von Knappheit geprägt und erfordert Entscheidungen darüber, wie begrenzte Mittel möglichst effizient eingesetzt werden. Der Begriff Gesellschaft beschreibt das geordnete Zusammenleben von Menschen in verschiedenen sozialen Zusammenhängen, etwa in Familien, Schulen, Vereinen oder durch politische Beteiligung. Wie eine Gesellschaft mit der Knappheit von Ressourcen umgeht und wie Güter produziert und verteilt werden, kann unterschiedlich organisiert sein. Zur Analyse dieser Zusammenhänge spricht man von Systemen. Ein System besteht aus mehreren miteinander verknüpften Elementen, die sich gegenseitig beeinflussen und gemeinsam ein funktionierendes Ganzes bilden.

Das politische System umfasst alle nicht unmittelbar wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Menschen. Dazu gehören soziale Gruppen wie Familien, Freundeskreise, Vereine, Kirchen und andere Gemeinschaften. Eine zentrale Bedeutung kommt den politischen Rechten und Pflichten der Bürgerinnen und Bürger zu, da sie eine Mitgestaltung der gesellschaftlichen Ordnung ermöglichen. Der Staat nimmt im politischen System eine Schlüsselrolle ein und erfüllt vielfältige Aufgaben. Er sorgt für innere und äussere Sicherheit, gewährleistet ein funktionierendes Bildungs- und Gesundheitssystem und organisiert Sozialversicherungen, etwa für Alter, Krankheit oder Invalidität. Darüber hinaus greift der Staat regulierend in die Wirtschaft ein und übernimmt Verantwortung für den Schutz der Umwelt.

Wirtschaft und Gesellschaft als Gesamtmodell mit den drei Systemen: Politik, Wirtschaft und Ökologie.

Die Rechtsordnung bildet den verbindlichen Rahmen des gesellschaftlichen Zusammenlebens. Sie umfasst alle Gesetze und Regeln, welche das Handeln der Menschen ordnen, etwa im Vertragsrecht, im Steuerwesen oder im Strassenverkehr.

Das ökonomische System beinhaltet sämtliche wirtschaftlichen Aktivitäten und Beziehungen innerhalb einer Gesellschaft. Eine leistungsfähige Wirtschaft stellt sicher, dass die Bevölkerung mit Gütern und Dienstleistungen versorgt wird. Dabei übernehmen Individuen unterschiedliche Rollen: Als Produzenten stellen sie Güter her oder bieten Dienstleistungen an, als Konsumenten kaufen oder nutzen sie diese. Zur wissenschaftlichen Analyse wirtschaftlicher Prozesse unterscheidet man zwischen Mikro- und Makroökonomik. Die Mikroökonomik untersucht das Verhalten einzelner Wirtschaftssubjekte, insbesondere von Haushalten und Unternehmen, z. B. bei Produktionsentscheidungen, Preisbildung oder Konsumverhalten. Die Makroökonomik betrachtet hingegen die Gesamtwirtschaft eines Staates und analysiert unter anderem wirtschaftliches Wachstum, Arbeitslosigkeit, Inflation oder die Funktionsweise der Marktwirtschaft.

Das ökologische System bildet die natürliche Grundlage für sämtliche gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Aktivitäten. Menschen sind auf eine intakte Umwelt angewiesen, da sie lebensnotwendige Ressourcen wie Luft, Wasser und Nahrungsmittel bereitstellt. Zudem liefert die Natur Energie und Rohstoffe, die für Produktion und Konsum unerlässlich sind. Gleichzeitig haben menschliche Aktivitäten erhebliche Auswirkungen auf die Umwelt. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit eines nachhaltigen Umgangs mit natürlichen Ressourcen, der sowohl ökologische als auch wirtschaftliche und gesellschaftliche Interessen berücksichtigt.

Leseprobe

■ Politisches System: Staatsformen, Ideologien und Gesellschaftsmodelle

RECHTSORDNUNG POLITISCHES SYSTEM

Im Verlaufe der Geschichte entwickelte sich eine Vielzahl von Staatsformen bzw. Herrschaftssystemen, die unterschiedliche Vor- und Nachteile aufweisen. In demokratisch regierten Staaten wird die Staatsgewalt nicht durch eine einzige Institution ausgeübt. In Demokratien sollen jene Institutionen, die für den Erlass von Rechtsnormen zuständig sind (Parlament), nicht gleichzeitig für dessen Vollzug zuständig sein (Regierung und Verwaltungen) oder gar Recht sprechen (Gerichte). Von sprechen wir, wenn sich die Macht in der Hand einer einzigen Person oder sehr weniger Personen konzentriert. Typisch für Diktaturen sind die Abschaffung oder Entmachtung von gewählten Volksvertretungen (Parlamenten), die Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit (z. Schaffung einer Behörde, die sämtliche Medienerzeugnisse auf ihre politische Unbedenklichkeit prüft), Behinderung der Justiz (z. Entlassung regimekritischer Richter), Verhängung des Ausnahmezustands, wobei in der Regel die Verfassung und die darin aufgeführten Freiheitsrechte ausser Kraft gesetzt werden.

Im politischen System bestehen unterschiedliche Vorstellungen von Freiheit, Gerechtigkeit, Staat und Zusammenleben, sogenannte Liberalismus betont z.B. die individuelle Freiheit und Selbstverantwortung, während der Autoritarismus die Ordnung und staatliche Kontrolle über persönliche Freiheiten stellt. Solche politische Ideologien prägen die Gesellschaftsmodelle. beschreibt, wie das politische, rechtliche, soziale und wirtschaftliche Leben grundsätzlich organisiert ist. Es legt dabei fest, wer Macht hat, wie Entscheidungen getroffen werden und wie soziale Gerechtigkeit, Freiheit oder Sicherheit organisiert sind. Kapitalismus und Sozialismus sind zwei zentrale Idealtypen von Gesellschaftsmodellen. Im stehen Privateigentum, individuelle Freiheit und Marktmechanismen im Zentrum. Wer wirtschaftlich erfolgreich ist, kann durch das Macht ausüben, mit Investitionen tätigen und selbstständig entscheiden. Kapital bezeichnet in der Wirtschaft alle Produktionsmittel, die eingesetzt werden, um weitere Güter oder Dienstleistungen zu erzeugen. Dazu zählen z. B. Maschinen, Werkzeuge, Gebäude, Fahrzeuge oder Geldmittel – also alles, was Menschen nutzen, um etwas herzustellen oder zu investieren. Im Sozialismus geht es um kollektive Verantwortung und soziale Gerechtigkeit. Die wirtschaftliche Macht liegt beim Staat, der durch Planung und Verteilung das Gemeinwohl sichert.

Im politischen System der Schweiz bestehen in der Staatsform der direkten Demokratie viele Möglichkeiten zur politischen Mitwirkung. Die Möglichkeit, sich in verschiedenen sozialen Gruppen zu organisieren, erlaubt es den Bürgerinnen und Bürgern, sich eine Meinung zu vielen Politikbereichen zu bilden. Durch unterschiedliche Werte und Einstellungen können sich

Staatsformen / Herrschaftsformen

Politische Ideologien

Staat

Parlament

Regierung

Gerichte

Demokratie Diktatur

Bundesverwaltung

Kantonale Verwaltungen

Wahlen

Abstimmungen

Gesellschaftsmodelle

Gemeindeverwaltungen

Liberalismus Autoritarismus

Soziale Gruppen

Familie

Vereine

Parteien

Kapitalismus Sozialismus

Im politischen System bilden die sozialen Gruppen, je nach politischen Ideologien, unterschiedliche Staatsformen, welche zu verschiedenen Gesellschaftsmodellen führen.

mögliche Lösungsansätze stark voneinander unterscheiden. Bei Abstimmungen zu Sachfragen (z. B. der Schaffung eines neuen Gesetzes) und der Wahl von Behörden wirkt sich diese politische Überzeugung konkret aus. Mit dem traditionellen demokratischen Prinzip der Gewal-tenteilung soll verhindert werden, dass sich bei einer bestimmten staatlichen Behörde eine zu grosse Machtballung ergibt. Gewaltenteilung bedeutet, dass dem Parlament das Recht zukommt, neue Gesetze zu erlassen, während die Regierung diese in der Alltagsarbeit anwendet und umsetzt. Bei Verstössen oder Unklarheiten haben die Gerichte den Auftrag, den Konflikt zu klären.

Auch Staaten mit demokratischen Regierungsformen unterscheiden sich in ihrer organisatorischen Ausgestaltung manchmal stark voneinander. Allen liegen jedoch ähnliche Prinzipien zugrunde. In demokratisch regierten Staaten wird die Staatsgewalt nicht durch eine einzige Institution ausgeübt. Die Aufteilung der Staatsgewalt in Legislative, Exekutive und Judikative nennt man Gewaltenteilung, mit welcher die Kontrolle, Hemmung oder Begrenzung der Macht sichergestellt wird. So sollen jene Institutionen, die für den Erlass von Rechtsnormen zuständig sind, nicht gleichzeitig für dessen Vollzug zuständig sein oder gar Recht sprechen.

(Ausgabe für Lehrperson)

Leseprobe

(Ausgabe für Lehrperson)

■ Ökonomisches System: Instrumente, Modelle, Schulen und Konzepte

RECHTSORDNUNG

POLITISCHES SYSTEM

Ein beschreibt, wie eine Gesellschaft ihre wirtschaftlichen Aktivitäten organisiert. Dabei geht es insbesondere um die Fragen, was produziert wird, wie produziert wird und für wen produziert wird. Unterschiedliche Wirtschaftsordnungen beantworten diese Fragen auf unterschiedliche Weise. In einer Marktwirtschaft werden Produktions- und Konsumentscheidungen weitgehend durch Angebot und Nachfrage auf Märkten gesteuert, während in einer zentrale staatliche Stellen über Produktion und Verteilung entscheiden. Reale Wirtschaftssysteme sind meist Mischformen, in denen Marktmechanismen und staatliche Eingriffe kombiniert werden. Die Wahl einer Wirtschaftsordnung beeinflusst Wohlstand, soziale Gerechtigkeit und ökologische Nachhaltigkeit einer Gesellschaft.

Um wirtschaftliche Zusammenhänge zu untersuchen und zu erklären, verwendet die Ökonomie verschiedene . Diese helfen dabei, menschliches Verhalten und wirtschaftliche Prozesse systematisch zu analysieren. Dazu zählen beispielsweise das Instrument des , der beschreibt, welchen zusätzlichen Nutzen der Konsum einer weiteren Einheit eines Gutes bringt, oder finanzielle , die Entscheidungen von Individuen und Unternehmen beeinflussen. Auch statistische Methoden wie Korrelationsanalysen werden eingesetzt, um Zusammenhänge zwischen wirtschaftlichen Grössen zu erkennen. Solche Instrumente dienen nicht dazu, die Realität vollständig abzubilden, sondern komplexe Sachverhalte verständlich zu strukturieren.

Ökonomische Modelle sind vereinfachte Darstellungen der wirtschaftlichen Realität. Sie konzentrieren sich auf ausgewählte Aspekte und blenden andere bewusst aus, um Zusammenhänge klarer sichtbar zu machen. Beispiele dafür sind das Modell von Angebot und Nachfrage “, das davon ausgeht, dass Menschen rational handeln und ihren eigenen Nutzen maximieren. Modelle ermöglichen es, wirtschaftliche Prozesse zu erklären, Prognosen zu erstellen und politische Massnahmen zu beurteilen. Gleichzeitig ist wichtig zu beachten, dass Modelle stets Vereinfachungen sind und die Realität nur näherungsweise abbilden.

Ökonomische Schulen fassen unterschiedliche theoretische Ansätze und Denkweisen innerhalb der Wirtschaftswissenschaften zusammen. Sie unterscheiden sich vor allem darin, wie sie wirtschaftliche Zusammenhänge erklären und welche Rolle sie dem Staat im Wirtschaftsgeschehen zuschreiben. Die Neoklassik betont die Selbstregulierung der Märkte, während der Keynesianismus staatliche Eingriffe zur Stabilisierung der Wirtschaft, insbesondere in Krisenzeiten, als notwendig erachtet. Der Monetarismus wiederum legt den Schwerpunkt auf die Geldpolitik und die Kontrolle der Geldmenge. Diese Schulen prägen bis heute wirtschaftspolitische Diskussionen und Entscheidungen.

ÖKONOMISCHES SYSTEM

Wirtschaftssysteme / Wirtschaftsordnungen

Marktwirtschaft

Denk - / Analyseinstrumente

Grenznutzen

Planwirtschaft

Finanzielle Anreize

Korrelationsanalyse

Ökonomische Modelle

Homo oeconomicus

Angebot-Nachfrage

Wirtschaftskreislauf

Ökonomische Konzepte

Ökonomische Schulen

Neoklassik

Keynesianismus

Monetarismus

Klassische ökonomische Konzepte Alternative ökonomische Konzepte

Soziale Marktwirtschaft

Staatskapitalismus

Gemeinwohl-Ökonomie

Kreislaufwirtschaft

Islamische Wirtschaft

Postwachstumsökonomie

Subsistenzwirtschaft

Donut-Ökonomie

Solidarische Wirtschaft

Denk- und Analyseinstrumente bilden die Grundlage für ökonomische Modelle, aus denen sich unterschiedliche ökonomische Schulen entwickeln, die schliesslich in verschiedene ökonomische Konzepte münden.

Ökonomische Konzepte sind konkrete Ausgestaltungen wirtschaftlicher Ordnungsvorstellungen. Klassische Konzepte wie die soziale Marktwirtschaft verbinden marktwirtschaftliche Effizienz mit sozialem Ausgleich. Andere Konzepte, etwa der Staatskapitalismus oder die islamische Wirtschaft, setzen unterschiedliche Schwerpunkte bei Eigentum, Verteilung und staatlicher Kontrolle. Daneben gewinnen alternative ökonomische Konzepte zunehmend an Bedeutung, etwa die Gemeinwohl-Ökonomie, die Kreislaufwirtschaft oder die Postwachstumsökonomie. Diese Ansätze stellen ökologische Nachhaltigkeit, soziale Gerechtigkeit und langfristige Stabilität stärker in den Mittelpunkt wirtschaftlichen Handelns.

Kreisläufe: Luft, Wasser, Rohstoffe und Die Natur stellt diese lebenswichtigen Ressourcen bereit, die von Menschen für Produktion, Konsum oder Mobilität genutzt werden. In der Schweiz stammen beispielsweise rund 60 % der Stromproduktion aus Wasserkraft, ergänzt durch Kernenergie sowie zunehmend durch Solar- und Windenergie. Dies verdeutlicht die enge Verbindung zwischen Wirtschaft und natürlichen Ressourcen. Gleichzeitig gelangen durch wirtschaftliche Prozesse Abgase, Abwasser, Abfälle und Abwärme zurück in die Umwelt. Pro Person fallen hierzulande jährlich über 700 kg Siedlungsabfälle an, wovon etwa die Hälfte recycelt wird. Auch beim Wasser zeigt sich der Kreislaufgedanke: Über 95 % des Abwassers werden in modernen Kläranlagen gereinigt, bevor es wieder in natürliche Gewässer gelangt. Diese Rückflüsse zeigen, dass menschliches Handeln stets Teil natürlicher Stoff- und Energiekreisläufe bleibt. Entscheidend ist dabei die Regenerationsfähigkeit der Natur: Ökosysteme können Schadstoffe abbauen oder Wasser reinigen – jedoch nur bis zu bestimmten Belastungsgrenzen. Werden diese überschritten, verlieren natürliche Kreisläufe ihre Stabilität, was langfristig auch wirtschaftliche und soziale Sys-

. Sie umfasst die Vielfalt von Tier- und Pflanzenarten, genetischen Ressourcen sowie unterschiedlichen Lebensräumen und stärkt die Widerstandsfähigkeit von Ökosystemen. Funktionen wie Bestäubung, Bodenbildung oder Klimaregulation sind direkt davon abhängig. In der Schweiz gilt rund ein Drittel der untersuchten Arten als gefährdet oder potenziell gefährdet, besonders Amphibien, Insekten und Pflanzen in intensiv genutzten Kulturlandschaften. Moore, Auen oder Trockenwiesen haben in den letzten Jahrzehnten stark an Fläche verloren. Gleichzeitig zeigen Renaturierungsprojekte an Flüssen oder Schutzprogramme für Berggebiete, dass gezielte Massnahmen positive Effekte erzielen können. Wirtschaftliche Aktivitäten greifen somit unmittelbar in natürliche Prozesse ein, etwa durch Landwirtschaft, Siedlungsbau oder Verkehrsinfrastruktur. Der Schutz der Biodiversität ist daher nicht nur ein ökologisches Anliegen, sondern auch eine Voraussetzung für langfristige wirtschaftliche Stabilität und Ernährungssicherheit, beispielsweise durch stabile Erträge in der Landwirtschaft oder durch naturnahen Tourismus.

Der Klimawandel verdeutlicht die Wechselwirkungen zwischen Wirtschaft und Umwelt besonders deutlich. Die Nutzung fossiler Energieträger und industrielle Prozesse führen zu Treibhausgasemissionen, die sich im atmosphärischen Kreislauf anreichern. In der Schweiz betragen die Emissionen rund 40 bis 45 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente pro Jahr, wobei der Verkehr einen der grössten Anteile ausmacht. Seit Beginn der Messungen ist die Durchschnittstemperatur hierzulande um über 2 °C gestiegen – stärker als im globalen Durchschnitt. Sichtbare Folgen sind schmelzende Gletscher, häufigere Hitzetage im Sommer und veränderte Niederschlagsmuster im Winter. Diese Entwicklungen beeinflussen Wasserverfügbarkeit,

Abgase Abwasser Abwärme Abfälle

Biodiversität

Klimawandel

Nachhaltigkeit

Die begrenzte natürliche Regenerationsfähigkeit bei den Kreisläufen Luft, Wasser, Rohstoffe und Energie sowie Biodiversität, Klimawandel und Nachhaltigkeit sind Herausforderungen im ökologischen System.

Energieproduktion aus Wasserkraft, Tourismus in Bergregionen sowie die Gesundheit der Bevölkerung. Die Abbildung macht sichtbar, dass Energiegewinnung und Abwärme nicht nur wirtschaftliche Prozesse darstellen, sondern auch ökologische Folgen haben. Klimaschutzmassnahmen wie CO₂-Abgaben, strengere Fahrzeugnormen oder Investitionen in den öffentlichen Verkehr sollen deshalb dazu beitragen, die Belastungsgrenzen der Natur einzuhalten und langfristige Risiken zu reduzieren.

Das Konzept der starken Nachhaltigkeit geht davon aus, dass natürliche Lebensgrundlagen nicht vollständig durch Technik oder wirtschaftliches Wachstum ersetzt werden können. Saubere Luft, stabiles Klima, fruchtbare Böden oder artenreiche Ökosysteme gelten als unverzichtbares Naturkapital. Nachhaltiges Handeln bedeutet daher, Ressourcen im Rahmen der Regenerationsfähigkeit der Natur zu nutzen. In der Schweiz zeigt sich dieser Ansatz etwa in der Energiestrategie 2050, im Ausbau erneuerbarer Energien, in Förderprogrammen für energieeffiziente Gebäude oder in Initiativen zur Kreislaufwirtschaft. Dennoch liegt der ökologische Fussabdruck der Schweiz weiterhin über dem global verträglichen Niveau, was zeigt, dass wirtschaftliche und gesellschaftliche Anpassungen notwendig bleiben. Ziel einer starken Nachhaltigkeit ist es deshalb, wirtschaftliche Entscheidungen konsequent an ökologischen Grenzen auszurichten und die Funktionsfähigkeit natürlicher Kreisläufe langfristig zu erhalten, damit auch zukünftige Generationen stabile Lebensbedingungen vorfinden.

(Ausgabe für Lehrperson)

(Ausgabe für Lehrperson)

Leseprobe VWL – Gesamtzusammenhänge systemisch denken

■ Zusammenhänge verstehen, Zusammenleben gestalten

Das Gesamtmodell zeigt, wie Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt in der Schweiz eng miteinander verbunden sind und sich gegenseitig beeinflussen. Ausgangspunkt sind häufig Entwicklungen in der sozialen Lage, der Wirtschaftslage oder der Umweltqualität Steigende Krankenkassenprämien, wirtschaftliche Unsicherheiten oder Diskussionen über den Klimawandel werden über Medien sichtbar und prägen die öffentliche Wahrnehmung. Dabei spielt die Medienvielfalt eine wichtige Rolle: Unterschiedliche Medienangebote ermöglichen verschiedene Perspektiven auf gesellschaftliche Themen, während die individuelle Mediennutzung mitentscheidet, welche Informationen wahrgenommen und wie sie eingeordnet werden. Medien wirken somit als Wahrnehmungsfilter, indem sie Themen auswählen, interpretieren und gewichten, die anschliessend politische Diskussionen beeinflussen.

Im politischen System werden gesellschaftliche Anliegen durch Wahlen und Abstimmungen aufgenommen. Ein Beispiel ist die Energiestrategie 2050, die nach einer Volksabstimmung zu neuen gesetzlichen Rahmenbedingungen im Energiebereich führte. Auch Abstimmungen zur AHV-Reform oder zur Masseneinwanderungsinitiative zeigen, wie direktdemokratische Instrumente in der Schweiz gesellschaftliche Entwicklungen in politische Entscheidungen überführen. Durch solche Prozesse verändert sich die Rechtsordnung – etwa im Umweltrecht, im Sozialrecht oder im Wirtschaftsrecht – und schafft verbindliche Regeln für das Zusammenleben.

Neue Gesetze und Vorschriften wirken auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt zurück. So beeinflussen Förderprogramme für Photovoltaikanlagen Investitionen von Unternehmen und Privathaushalten, während Anpassungen im Sozialrecht – etwa bei Ergänzungsleistungen oder Familienzulagen – die soziale Lage bestimmter Bevölkerungsgruppen verändern. Auch strengere Vorgaben im Gewässerschutz oder bei CO₂-Emissionen zeigen, wie staatliche Regelungen in der Schweiz darauf abzielen, langfristig die Umweltqualität zu verbessern. Die Rechtsordnung bildet damit einen zentralen Steuerungsmechanismus, der politische Ziele in konkrete Handlungsrahmen übersetzt.

Das Modell verdeutlicht die Wechselwirkungen zwischen gesellschaftlicher Teilhabe, politischer Entscheidungsfindung und den daraus entstehenden Verantwortlichkeiten. In der Schweiz zeigt sich dies besonders durch die Möglichkeit von Initiativen und Referenden, mit denen Bürgerinnen und Bürger politische Prozesse direkt beeinflussen können. Wer Zusammenhänge zwischen Medien, Politik, Wirtschaft und Umwelt versteht, kann gesellschaftliche Entwicklungen besser einordnen. Auf dieser Grundlage lassen sich Diskussionen sachlich führen, Interessen abwägen und langfristige Lösungen entwickeln, die ein nachhaltiges und verantwortungsbewusstes Zusammenleben ermöglichen.

Sozialrecht

Rechtssätze

Wirtschaftsrecht

Umweltrecht

RECHTSORDNUNG

Staatsformen / Herrschaftsformen Demokratie Diktatur

Politische Ideologien Liberalismus Autoritarismus

Wahlen

Abstimmungen

Gesellschaftsmodelle Kapitalismus Sozialismus

Bundesverwaltung Kantonale Verwaltungen Gemeindeverwaltungen

Soziale Lage

ÖKONOMISCHES

Wirtschaftssysteme / Wirtschaftsordnungen Marktwirtschaft Planwirtschaft

Medien (Wahrnehmungsfilter)

Wirtschaftslage

ÖKOLOGISCHES SYSTEM

Klimawandel

Nachhaltigkeit

Umweltqualität

Soziale Lage, Wirtschaftslage und Umweltqualität bilden den Ausgangspunkt gesellschaftlicher Entwicklungen. Über Medien als Wahrnehmungsfilter gelangen Themen ins politische System, wo Wahlen und Abstimmungen zu Anpassungen der Rechtsordnung führen. Diese beeinflusst wiederum Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt und kann deren Entwicklung gezielt verbessern.

2 Drei Grundfragen - Wirtschaftssysteme und Wirtschaftsordnungen

Im ökonomischen System müssen drei grundlegende Fragen beantwortet werden:

■ Was soll produziert werden?

■ Wie soll produziert werden?

■ Für wen soll produziert werden?

Leseprobe VWL – Gesamtzusammenhänge systemisch denken

Diese Entscheidungen entstehen nicht isoliert, sondern sind eng mit dem politischen System verbunden. Politische Ideologien wie Liberalismus und Sozialismus sowie unterschiedliche Staatsformen – etwa Demokratie oder Autokratie – prägen die wirtschaftliche Ordnung eines Landes. Der Liberalismus betont individuelle Freiheit, Privateigentum und Wettbewerb als zentrale Prinzipien, während der Sozialismus stärker auf soziale Gleichheit, staatliche Verantwortung und gemeinschaftliche Organisation von Ressourcen setzt. In einer Demokratie werden politische Entscheidungen durch Wahlen, Abstimmungen und Mitbestimmung der Bevölkerung legitimiert, wie es beispielsweise in der Schweiz oder der Bundesrepublik Deutschland der Fall ist. In einer Autokratie hingegen liegt die politische Macht bei wenigen Personen oder einer einzelnen Partei, wodurch wirtschaftliche Entscheidungen stärker zentral gesteuert werden können. Aus diesen politischen und ideologischen Grundlagen entstehen unterschiedliche Gesellschaftssysteme wie Kapitalismus und Sozialismus. Gesellschaftssysteme beantworten grundlegende Wert- und Ordnungsfragen einer Gesellschaft, während Wirtschaftssysteme festlegen, wie diese Vorstellungen praktisch im wirtschaftlichen Alltag umgesetzt werden – insbesondere wer wirtschaftliche Entscheidungen trifft, ob vorwiegend der Markt oder der Staat. Daraus ergeben sich als grundlegende Wirtschaftsordnungen die beiden Grundformen Marktwirtschaft und Planwirtschaft.

■ Marktwirtschaft

In einer Marktwirtschaft werden die drei Grundfragen des Wirtschaftens hauptsächlich durch das Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage beantwortet. Unternehmen entscheiden weitgehend eigenständig, welche Güter sie herstellen und wie sie produzieren, während Konsumentinnen und Konsumenten durch ihre Kaufentscheidungen Einfluss auf Preise und Produktionsmengen nehmen. Wettbewerb gilt als Motor für Innovation und effiziente Ressourcennutzung. Politisch ist die Marktwirtschaft häufig mit liberalen Ideen und demokratischen Staatsformen verbunden, da wirtschaftliche Freiheit und individuelle Entscheidungsrechte im Zentrum stehen. Historisch lässt sich dies besonders in den USA beobachten, wo marktwirtschaftliche Prinzipien eine lange Tradition haben.

■

Sozialrecht

Rechtssätze

Bundesverwaltung Kantonale Verwaltungen Gemeindeverwaltungen

Wirtschaftsrecht

Wahlen

Umweltrecht

Abstimmungen

Gesellschaftsmodelle Kapitalismus Sozialismus

Soziale Lage

Wirtschaftssysteme / Wirtschaftsordnungen Marktwirtschaft Planwirtschaft

Medien (Wahrnehmungsfilter)

Wirtschaftssysteme bzw. Wirtschaftsordnungen legen fest, wie die drei Grundfragen des Wirtschaftens – was, wie und für wen produziert wird – beantwortet werden. Sie entstehen aus politischen Ideologien, Gesellschaftsmodellen und der jeweiligen Rechtsordnung und bestimmen die Rolle von Markt und Staat im ökonomischen System.

Luft Wasser Energie Rohstoffe

Wirtschaftslage

In einer Planwirtschaft werden die drei Grundfragen des Wirtschaftens durch staatliche Planung beantwortet. Der Staat legt fest, welche Güter produziert werden, wie die Produktion organisiert ist und wie die Verteilung erfolgt. Preise, Löhne und Produktionsmengen werden häufig zentral bestimmt, mit dem Ziel einer gleichmässigen Versorgung der Bevölkerung. Planwirtschaftliche Systeme sind historisch oft mit sozialistischen Ideologien und eher autoritären oder autokratischen Staatsformen verbunden, da umfassende staatliche Steuerung nötig ist. Ein Beispiel ist die Deutsche Demokratische Republik (DDR), in der Produktionsziele durch staatliche Fünfjahrespläne festgelegt wurden. Auch China war lange stark planwirtschaftlich organisiert, hat jedoch seit den Reformen ab den 1980er-Jahren marktwirtschaftliche Elemente integriert. Planwirtschaften ermöglichen es, soziale Ziele direkt umzusetzen, stehen jedoch häufig vor Herausforderungen wie geringer Innovationsdynamik oder ineffizienter Ressourcenverteilung. Diese historischen Beispiele verdeutlichen, wie politische Ideologien, Staatsformen und Rechtsordnungen die konkrete Ausgestaltung von Wirtschaftsordnungen prägen.

Biodiversität Klimawandel

Umweltqualität

Nachhaltigkeit

Abgase Abwärme Abfälle

(Ausgabe für Lehrperson)

(Ausgabe für Lehrperson)

3 Ökonomische Denk- und Analyseinstrumente

Um wirtschaftliche Zusammenhänge zu verstehen, reicht es nicht aus, nur einzelne Ereignisse zu betrachten. Die Wirtschaftswissenschaft arbeitet mit verschiedenen Denk- und Analyseinstrumenten, ökonomischen Modellen, Schulen und Konzepten, die helfen, komplexe Prozesse zu ordnen und zu erklären. Diese Werkzeuge ermöglichen es, wirtschaftliches Verhalten systematisch zu untersuchen und Entwicklungen im ökonomischen System einzuordnen.

■ Ökonomische Denkinstrumente: Anreize und Kosten-/Nutzenüberlegungen

Ökonomische Denkinstrumente sind grundlegende Perspektiven oder Fragestellungen, mit denen wirtschaftliche Entscheidungen betrachtet werden. Dazu gehören insbesondere Überlegungen zu Anreizen sowie zu Kosten und Nutzen. Menschen und Unternehmen reagieren auf Anreize, etwa auf Preise, Regeln oder Belohnungen, und wägen bei Entscheidungen ab, welcher Nutzen entsteht und welche Kosten anfallen. Konzepte wie Grenznutzen und Grenzkosten helfen dabei zu verstehen, warum Individuen oder Unternehmen ihr Verhalten anpassen und wann sich eine zusätzliche Handlung wirtschaftlich lohnt.

■ Anreize erklären, wie sich wirtschaftliches Verhalten durch Erwartungen, Preise oder Regeln beeinflussen lässt. Menschen und Unternehmen reagieren auf die Rahmenbedingungen, die sie vorfinden: Steigen etwa die Benzinpreise, suchen viele nach sparsameren Autos oder anderen Verkehrsmitteln. Ebenso können Steuern, Subventionen oder gesetzliche Vorschriften gezielt Verhalten fördern oder bremsen. Anreizsysteme sind deshalb ein zentrales Element wirtschaftlicher Steuerung.

■ Opportunitätskosten machen deutlich, dass jede Entscheidung immer auch den Verzicht auf eine andere Möglichkeit bedeutet. Wer sich für ein Studium entscheidet, verzichtet vorerst auf das Einkommen eines Vollzeitjobs. Diese entgangene Alternative stellt die „Kosten der Entscheidung“ dar. Das Konzept hilft zu verstehen, dass wirtschaftliches Handeln immer von Alternativen und Knappheit geprägt ist.

Studium statt Job – entgangener Lohn zeigt typische Opportunitätskosten.

■ Der Grenznutzen beschreibt den zusätzlichen Nutzen, den eine Person durch den Konsum einer weiteren Einheit eines Gutes erhält. Meist nimmt dieser Zusatznutzen mit jeder weiteren Einheit ab – ein Phänomen, das als „abnehmender Grenznutzen“ bezeichnet wird. Nach dem ersten Stück Kuchen schmeckt das zweite vielleicht noch gut, das dritte aber schon weniger. Der Grenznutzen zeigt damit, warum Menschen ihre Entscheidungen abwägen und wann ein „Zuviel“ keinen zusätzlichen Wert mehr bringt.

Beim Social-Media-Konsum zeigt sich der abnehmende Grenznutzen: Die erste Stunde macht viel Spass, jede weitere bringt weniger zusätzlichen Nutzen.

■ Die Grenzkosten bezeichnen die zusätzlichen Kosten, die entstehen, wenn eine weitere Einheit eines Gutes produziert oder verkauft wird. Ein anschauliches Beispiel sind LastMinute-Angebote von Fluggesellschaften. Ist ein Flug kurz vor dem Abflug noch nicht ausgebucht, sind die Fixkosten – etwa für Personal, Treibstoff oder Flughafengebühren – bereits grösstenteils angefallen. Die Grenzkosten für einen zusätzlichen Passagier sind daher vergleichsweise gering, zum Beispiel etwas mehr Gewicht oder Service an Bord. Verkauft die Airline den Sitzplatz kurzfristig zu einem reduzierten Preis, entstehen zusätzliche Einnahmen, also ein Grenznutzen für das Unternehmen. Solange dieser Grenznutzen höher ist als die Grenzkosten, lohnt sich das Last-Minute-Angebot, auch wenn der Ticketpreis deutlich niedriger ist als ursprünglich geplant.

Black-Friday-Rabatte setzen Kaufanreize und steigern kurzfristig die Nachfrage.

■ Ökonomische Analyseinstrumente: Spieltheorie, Korrelation und Kausalität

Analyseinstrumente hingegen sind konkrete Methoden, mit denen wirtschaftliche Zusammenhänge systematisch untersucht werden können. Dazu zählen etwa die Spieltheorie, mit der strategische Entscheidungen zwischen mehreren Akteuren analysiert werden, sowie statistische Verfahren wie die Korrelationsanalyse, die Zusammenhänge zwischen wirtschaftlichen Variablen sichtbar macht. Solche Instrumente ermöglichen es, Hypothesen zu überprüfen, Muster zu erkennen und wirtschaftliche Entwicklungen kritisch zu beurteilen.

■ Die Spieltheorie beschäftigt sich damit, wie Menschen, Unternehmen oder Staaten Entscheidungen treffen, wenn ihr eigener Erfolg davon abhängt, wie sich andere verhalten.

Solche Situationen nennt man strategische Entscheidungen. Eine strategische Entscheidung liegt vor, wenn eine Person oder Organisation ihre Handlung nicht nur nach den eigenen Zielen ausrichtet, sondern auch überlegt, wie andere wahrscheinlich reagieren werden. Wer etwa einen Preis festlegt, ein Angebot macht oder ein Abkommen eingeht, berücksichtigt dabei immer auch mögliche Gegenreaktionen anderer Beteiligter.

Typische Beispiele für strategische Entscheidungen finden sich im Wettbewerb zwischen Unternehmen, bei internationalen Verhandlungen oder in der Umweltpolitik. Ein Unternehmen überlegt beispielsweise, ob es die Preise senken soll, wenn Konkurrenten darauf reagieren könnten. Staaten entscheiden, ob sie bei gemeinsamen Abkommen kooperieren oder eigene Vorteile suchen. In solchen Situationen entsteht ein Zusammenspiel aus Kooperation und Konkurrenz, bei dem jede Entscheidung die Handlungsmöglichkeiten der anderen beeinflusst.

Das Gefangenendilemma zeigt am Beispiel der Verbrecher Bonnie und Clyde: Fehlendes Vertrauen verhindert Kooperation – obwohl gemeinsames Kooperieren für beide besser wäre.

Die Spieltheorie zeigt, dass individuell nachvollziehbare Entscheidungen nicht immer zu den besten Ergebnissen für alle führen. Menschen oder Organisationen wählen oft Strategien, die kurzfristig Vorteile versprechen, auch wenn langfristige Zusammenarbeit bessere Ergebnisse bringen könnte. So wird verständlich, warum es zu Wettbewerb, Kooperation oder Konflikten kommt – und wie stark wirtschaftliche Resultate von strategischen Entscheidungen abhängen.

■ Eine Korrelationsanalyse ist ein wichtiges Analyseinstrument in der Ökonomie und in den Sozialwissenschaften. Sie untersucht, ob zwischen zwei Grössen ein statistischer Zusammenhang besteht und wie stark sich diese gemeinsam verändern. Wenn beispielsweise zwei Werte gleichzeitig steigen oder fallen, spricht man von einer positiven Korrelation; entwickeln sie sich in entgegengesetzte Richtungen, liegt eine negative Korrelation vor. Solche Analysen helfen dabei, Muster in Daten zu erkennen und mögliche Zusammenhänge sichtbar zu machen.

Streudiagramme zeigen positive, negative und fehlende Korrelationen zwischen zwei Variablen. Achtung: Nur weil zwei Variablen korrellieren, heisst das noch nicht, dass die eine Variable die andere Variable verursacht. Eine echte Ursache-Wirkungs-Beziehung nennt man Kausalität. Merke: Aus einer Korrelation kann man nicht automatisch Kausalität schliessen.

In der Wirtschaft können etwa steigende Einkommen mit höherem Konsum oder wachsende Investitionen mit stärkerem Wirtschaftswachstum korrelieren. Gleichzeitig ist es wichtig zu verstehen, dass eine Korrelation zwischen Variablen noch nichts über Ursache und Wirkung (Kausalität) aussagt.

Ein bekanntes Beispiel ist der Zusammenhang zwischen Eisverkäufen und Badetoten: Beide Zahlen steigen im Sommer an, doch nicht das Eis verursacht die Badeunfälle, sondern die höhere Temperatur als gemeinsame Einflussgrösse. Ein weiteres oft genanntes Beispiel zeigt eine Korrelation zwischen der Schuhgrösse von Kindern und ihrer Leseleistung. Auch hier besteht kein direkter ursächlicher Zusammenhang; beide Grössen hängen vielmehr mit dem Alter der Kinder zusammen. Korrelationsanalysen sind daher vor allem ein erster Schritt, um mögliche Beziehungen zu entdecken. Sie liefern Hinweise, die anschliessend genauer untersucht werden müssen, etwa durch zusätzliche Daten, Experimente oder theoretische Modelle.

Wer wirtschaftliche Statistiken interpretiert, sollte deshalb immer prüfen, ob hinter einer beobachteten Korrelation tatsächlich ein ursächlicher Zusammenhang steckt oder ob andere Faktoren eine Rolle spielen.

(Ausgabe für Lehrperson)

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4 Ökonomische Modelle und Schulen

Weil die wirtschaftlichen Prozesse in der Wirklichkeit sehr komplex sind, versucht die Volkswirtschaftslehre, sich mit Hilfe von Modellen einen Überblick über die wichtigsten ökonomischen Zusammenhänge zu verschaffen. Diese Modelle stellen Abbilder der Wirklichkeit dar und beschränken sich auf die wesentlichen Elemente der realen Situation. Modelle entstehen durch Vereinfachung und können deshalb niemals vollständig mit der Realität übereinstimmen.

Beim Arbeiten mit volkswirtschaftlichen Modellen müssen die Annahmen, die dem Modell zugrunde liegen, bekannt sein. Um Schlussfolgerungen aus dem Modell ziehen zu können, werden jeweils nur einzelne Einflussgrössen verändert und alle anderen Einflussgrössen konstant gehalten. Dieses Vorgehen wird als Ceteris-paribus-Klausel bezeichnet. Der Chemiker, der im ersten Versuch aus drei verschiedenen Substanzen eine blaue Flüssigkeit erhält und im zweiten Versuch eine Substanz verändert und eine rote Flüssigkeit erhält, kann die Ursache der Farbveränderung auf diese veränderte Substanz zurückführen. Beim Volkswirtschafter, der das Verhalten von Menschen in wirtschaftlichen Prozessen untersucht, ist dies nicht immer möglich. Nicht alle Menschen verhalten sich in ähnlichen Situationen immer gleich. Volkswirtschaftliche Modelle beruhen nicht auf Naturgesetzen und sind deshalb nicht zeitlos gültig.

■ Modell 1: Homo oeconomicus

Der Homo oeconomicus steht im Zentrum eines ökonomischen Verhaltensmodells, das erklärt, wie Menschen unter Bedingungen von Knappheit Entscheidungen treffen. Wofür geben wir unser Geld aus? Soll ein neues Game oder ein Streaming-Abo gekauft werden? Oder doch ein Kinobillet? Oder soll auf beides verzichtet werden, um mit den Ersparnissen später ein Mountain-Bike kaufen zu können? Um alle Bedürfnisse zu befriedigen, reicht das Geld erfahrungsgemäss bei den wenigsten Menschen.

Der Homo oeconomicus ist kein realer Mensch, sondern ein Modell für die Prognose menschlichen Verhaltens.

■ Modellannahme 1 Nutzen maximieren: Eine erste Modellannahme des Homo oeconomicus beinhaltet, dass ein Mensch mit den ihm zur Verfügung stehenden Mitteln möglichst viele Bedürfnisse befriedigen bzw. seinen Nutzen maximieren will. Mit dem Begriff «Nutzen» wird in der Wirtschaftswissenschaft der subjektiv empfundene Grad der Bedürfnisbefriedigung beschrieben, den jemand mit Gütern oder Dienstleistungen verbindet. Im Weiteren verhält sich der Homo oeconomicus rational, d.h. er prüft seine Möglichkeiten und entscheidet sich für jene, die ihm den grössten Nutzen verspricht.

Modellannahme 2 Rational handeln nach dem ökonomischen Prinzip: Beim Zielkonflikt zwischen begrenzten Mitteln und unbegrenzten Bedürfnissen handeln Menschen häufig nach dem ökonomischen Prinzip. Dieses kann in drei Ausprägungen auftreten: Beim Maximalprinzip versucht man, mit gegebenen Mitteln einen möglichst grossen Nutzen zu erzielen. Beim Minimalprinzip geht es darum, ein vorgegebenes Ziel mit möglichst wenig Mitteln zu erreichen, etwa eine Flugreise zum günstigsten Preis zu buchen. Beim Optimalprinzip werden weder Ziele noch Mittel absolut vorgegeben; vielmehr werden Preis und Leistung verglichen, um die beste Kombination zu finden.

Modellannahme 3 Vollständige Information: Vom Homo oeconomicus nimmt man an, dass er über die ihm zur Verfügung stehenden Alternativen informiert ist und die möglichen Ergebnisse seiner Handlungen kennt. Diese Annahme vereinfacht die Analyse wirtschaftlicher Entscheidungen, auch wenn sie in der Realität oft nur teilweise zutrifft

Modellannahme 4 Reaktion auf veränderte Rahmenbedingungen: Das Verhalten des Homo oeconomicus kann durch finanzielle Anreize beeinflusst werden. Sinkende Preise oder staatliche Subventionen können die Nachfrage nach bestimmten Gütern erhöhen, während Steuererhöhungen die Nachfrage tendenziell senken. Neben finanziellen Faktoren spielen zunehmend auch soziale und ökologische Überlegungen eine Rolle, etwa wenn Konsumentinnen und Konsumenten bewusst nachhaltige Produkte wählen.

Modellannahme 5 Berücksichtigung von Opportunitätskosten: Jede Entscheidung bedeutet auch Verzicht auf eine Alternative. Den entgangenen Nutzen der nicht gewählten Möglichkeit bezeichnen Ökonomen als. Wenn jemand im Sommer nicht ins Kino geht, weil ein Abend am See attraktiver erscheint, sind die entgangenen Kinoerlebnisse die Opportunitätskosten dieser Entscheidung. Veränderungen von Preisen oder Einkommen beeinflussen somit auch die Bewertung verschiedener Handlungsoptionen.

Der Homo oeconomicus ist kein reales Menschenbild, sondern eine theoretische Vereinfachung, um wirtschaftliches Verhalten zu erklären. Das Modell unterstellt, dass Wirtschaftssubjekte ihren eigenen Vorteil verfolgen und auf Anreize reagieren. In vielen Situationen liefert dieses Modell hilfreiche Prognosen, in anderen zeigt sich jedoch, dass Menschen nicht immer vollständig rational handeln. Mit zunehmendem Wohlstand gewinnen auch Werte und immaterielle Aspekte an Bedeutung. Menschen entscheiden sich beispielsweise bewusst für teurere, aber nachhaltigere Produkte oder handeln aus altruistischen Motiven, indem sie das Wohl anderer mitberücksichtigen. Neuere Modelle der Verhaltensökonomik oder Spieltheorie beziehen deshalb neben irrationalen Entscheidungen und unvollständiger Information auch soziale Motive wie Kooperation oder Altruismus ein.

■ Modell 2: Angebot und Nachfrage

Das Modell von Angebot und Nachfrage erklärt, wie sich Preise und gehandelte Mengen auf Märkten bilden und verändern. Es gehört zu den zentralen Modellen der Volkswirtschaftslehre, weil es hilft zu verstehen, wie Entscheidungen von Konsumentinnen und Konsumenten sowie von Unternehmen zusammenwirken. Auf einem Markt treffen Anbieter, die Güter oder Dienstleistungen verkaufen möchten, und Nachfrager, die diese kaufen wollen, aufeinander. Beide Seiten orientieren sich dabei am Preis: Während Nachfrager bei steigenden Preisen in der Regel weniger kaufen, sind Anbieter eher bereit, mehr zu produzieren und anzubieten.

Marktwirtschaft

■ Das Angebot zeigt, wie viele Einheiten eines Gutes Unternehmen zu unterschiedlichen Preisen bereit sind zu produzieren und zu verkaufen. Steigende Preise machen die Produktion oft attraktiver, weil höhere Einnahmen möglich sind und sich zusätzliche Kosten eher lohnen.

■ Die Nachfrage beschreibt hingegen die Menge eines Gutes, die Konsumentinnen und Konsumenten zu verschiedenen Preisen kaufen möchten und können. Sie hängt unter anderem vom Einkommen, von Bedürfnissen, Trends oder von den Preisen ähnlicher Produkte ab. Sinkt beispielsweise der Preis eines Smartphones, steigt häufig die Nachfrage, weil sich mehr Menschen den Kauf leisten können oder wollen.

in anschauliches Beispiel für das Marktmodell sind Konzerttickets. Wird ein Konzert einer sehr beliebten Künstlerin angekündigt, ist die Nachfrage oft grösser als das vorhandene Angebot an Plätzen. Liegt der Ticketpreis zunächst relativ tief, entsteht ein Nachfrageüberschuss: Viele Fans möchten Tickets kaufen, aber es gibt zu wenige. In der Praxis zeigt sich das durch ausverkaufte Konzerte oder lange Online-Warteschlangen. Steigt der Preis hingegen stark an, können sich weniger Menschen ein Ticket leisten. Dann bleibt ein Teil der Plätze unverkauft – es entsteht ein Angebotsüberschuss. Der Gleichgewichtspreis liegt dort, wo der Ticketpreis genau so hoch ist, dass die angebotene Anzahl Plätze der nachgefragten Menge entspricht. Zu diesem Preis sind weder viele Tickets übrig noch bleiben zahlreiche Fans ohne Eintrittskarte.

Im Marktmodell werden Angebot und Nachfrage meist in einem Preis-/Mengendiagramm dargestellt. Dort schneiden sich Angebots- und Nachfragekurve im sogenannten Marktgleichgewicht. Dieser Schnittpunkt zeigt den Gleichgewichtspreis und die Gleichgewichtsmenge – also den Preis, bei dem genau so viel angeboten wird, wie nachgefragt wird. Liegt der Preis über diesem Punkt, entsteht ein Angebotsüberschuss: Unternehmen produzieren mehr, als Konsumentinnen und Konsumenten kaufen wollen. Liegt der Preis darunter, kommt es zu einem Nachfrageüberschuss oder zu Knappheit, weil viele kaufen möchten, aber zu wenig angeboten wird. In einer Marktwirtschaft führen solche Ungleichgewichte oft zu Preisanpassungen, die den Markt wieder in Richtung Gleichgewicht bewegen.

Zum Preis von CHF 10.- werden 150 Einheiten angeboten, aber nur 100 nachgefragt à Angebotsüberschuss

Nachfrage Angebot

Zum Preis von CHF 4.- werden nur 40 Einheiten angeboten, aber 210 Einheiten nachgefragt à Nachfrageüberschuss

Der Gleichgewichtspreis liegt am Schnittpunkt von Angebot und Nachfrage (hier ca. CHF 8.– bei 120 Einheiten). Zu diesem Preis entspricht die angebotene Menge genau der nachgefragten Menge. Es gibt weder einen Angebotsüberschuss noch einen Nachfrageüberschuss, weshalb der Markt in einem stabilen Zustand, im Gleichgewicht, ist.

(Ausgabe für Lehrperson)

Einfacher Wirtschaftskreislauf

tauschen zu können. Die Vielzahl dieser Tauschbeziehungen lassen sich in einem Wirtschaftskreislauf modellhaft darstellen.

■ Modell 3: Wirtschaftskreislauf

Der Wirtschaftskreislauf stellt modellhaft die Vielzahl der Tauschbeziehungen in unserer arbeitsteiligen Wirtschaft dar, in der wir darauf angewiesen sind, produzierte Güter und Dienstleistungen mit anderen zu tauschen.

Erweiterter Wirtschaftskreislauf

Im einfachen Wirtschaftskreislauf (vgl. � Abb. 10) werden diese Beziehungen stark vereinfacht dargestellt, indem die gesamte Wirtschaft auf die beiden Akteure «Haushalte» und «Unternehmungen» beschränkt wird. Im Güterstrom stellen die Haushalte den Unternehmungen die Produktionsfaktoren Arbeit und Wissen, Kapital und Natur zur Verfügung und im entgegengerichteten Geldstrom erhalten sie als Entschädigung dafür einen Lohn oder Zins. Die Unternehmungen stellen Güter und Dienstleistungen her, die von den Haushalten gekauft werden. Dem realen Strom von Gütern und Dienstleistungen steht ein monetärer Strom von Ausgaben bzw. Einnahmen in Geld gegenüber; Güter- und Geldkreislauf sind damit geschlossen.

(Ausgabe für Lehrperson)

Um detaillierte Aussagen über den Stand und die Entwicklung einer Wirtschaft machen zu können, muss dieser einfache Wirtschaftskreislauf erweitert werden. Im erweiterten Wirtschaftskreislauf wird modellhaft dargestellt, wie die Unternehmungen, die Güter und Dienstleistungen schaffen, Einkommen bezahlen und Steuern entrichten. Die Haushalte beziehen Einkommen für das Zurverfügungstellen der Produktionsfaktoren und verwenden dieses Einkommen, um bei den Unternehmungen Güter und Dienstleistungen zu beziehen. Der Staat zieht von den Unter-

■ Im einfachen Wirtschaftskreislauf werden diese Beziehungen stark vereinfacht dargestellt, indem die gesamte Wirtschaft auf die beiden Akteure «Haushalte» und «Unternehmungen» beschränkt wird. Im Güterstrom stellen die Haushalte den Unternehmungen die Produktionsfaktoren Arbeit und Wissen, Kapital und Natur zur Verfügung und im entgegengerichteten Geldstrom erhalten sie als Entschädigung dafür einen Lohn oder Zins. Die Unternehmungen stellen Güter und Dienstleistungen her, die von den Haushalten gekauft werden. Dem realen Strom von Gütern und Dienstleistungen steht ein monetärer Strom von Ausgaben bzw. Einnahmen in Geld gegenüber; Güter- und Geldkreislauf sind damit geschlossen.

Güter und Dienstleistungen

Unternehmungen Haushalte Konsumausgaben

Produktionsfaktoren: Arbeit und Wissen Kapital und Natur

Einfacher Wirtschaftskreislauf

Güterströme

Löhne und Zinsen Geldströme

� Abb. 10Einfacher Wirtschaftskreislauf

Urs Saxer, Kantonsschule Schaffhausen – nur zum persönlichen Gebrauch

Im einfachen Wirtschaftskreislauf der Schweiz stehen sich Haushalte und Unternehmungen gegenüber. Die rund 5 Millionen Erwerbstätigen stellen den Unternehmen Arbeit und Wissen zur Verfügung und erhalten dafür Löhne und Gehälter von insgesamt über 450 Milliarden Franken pro Jahr. Mit diesem Einkommen kaufen die Haushalte Güter und Dienstleistungen – die privaten Konsumausgaben liegen bei rund 400 Milliarden Franken jährlich. Die Unternehmen nutzen die Einnahmen aus diesen Konsumausgaben, um weiter zu produzieren und erneut Löhne zu bezahlen. So entsteht ein geschlossener Kreislauf aus Güterstrom und Geldstrom: Arbeit fliesst zu den Unternehmen, während Geld in Form von Löhnen zu den Haushalten zurückkehrt und wieder in den Konsum gelangt

40 Kapitel 2 Volkswirtschaftliche Modelle nehmungen und Haushalten Steuern ein und finanziert damit seine Ordnungs-, Steuerungs- und Umverteilungsaktivitäten. Der Finanzsektor sorgt für einen reibungslosen Zahlungs- und Kapitalverkehr, indem er Ersparnisse und Investitionen zwischen den Wirtschaftsteilnehmern vermittelt. Schliesslich wird im Wirtschaftskreislauf auch die Verflechtung mit dem Ausland dargestellt (vgl. � Abb. 11).

Mikroökonomie

■ Um detaillierte Aussagen über den Stand und die Entwicklung einer Wirtschaft machen zu können, muss dieser einfache Wirtschaftskreislauf erweitert werden. Im erweiterten Wirtschaftskreislauf wird modellhaft dargestellt, wie die Unternehmungen, die Güter und Dienstleistungen schaffen, Einkommen bezahlen und Steuern entrichten. Die Haushalte beziehen Einkommen für das Zurverfügungstellen der Produktionsfaktoren und verwenden dieses Einkommen, um bei den Unternehmungen Güter und Dienstleistungen zu beziehen. Der Staat zieht von den Unternehmungen und Haushalten Steuern ein und finanziert damit seine Ordnungs-, Steuerungs- und Umverteilungsaktivitäten. Der Finanzsektor sorgt für einen reibungslosen Zahlungs- und Kapitalverkehr, indem er Ersparnisse und Investitionen zwischen den Wirtschaftsteilnehmern vermittelt. Schliesslich wird im Wirtschaftskreislauf auch die Verflechtung mit dem Ausland dargestellt.

Makroökonomie

In der Volkswirtschaftslehre wird üblicherweise zwischen Mikro- und Makroökonomie unterschieden. Die Mikroökonomie analysiert das Verhalten der einzelnen Wirtschaftsteilnehmer und untersucht die Preisbildung auf einzelnen Märkten.

Die Makroökonomie beschäftigt sich demgegenüber mit den volkswirtschaftlichen Gesamtgrössen des Wirtschaftskreislaufes wie Konjunktur- und Beschäftigungsschwankungen, der Preisentwicklung, dem langfristigen Wachstum oder dem Aussenhandel.

Steuern der Unternehmungen

Konsumausgaben des Staates, Subventionen Löhne, Sozialversicherungs-

Steuern der Haushalte

Einnahmen aus Exporten

Ausland Unternehmungen

Konsumausgaben der Haushalte

Staat Haushalte Ausland

Löhne und Zinsen

Ausgaben für Importe

Ersparnisse der Ersparnisse des Staates

Verschuldung des Staates

Regelung des Geldumlaufs Unternehmungen leistungen

Nationalbank

InvestiKredite tionen

Konsumausgaben für Importe

Ersparnisse der Haushalte

Finanzsektor (Vermögensveränderung)

Regelung des Geldumlaufs

Erweiterter Wirtschaftskreislauf

Dargestellt sind nur die Geldströme

� Abb. 11Erweiterter Wirtschaftskreislauf

■ Ökonomische Schulen

Ökonomische Schulen sind grundlegende Sichtweisen (Paradigmen), mit denen erklärt wird, wie Wirtschaft funktioniert und wie der Staat wirtschaftliche Entwicklungen beeinflussen kann. Sie unterscheiden sich vor allem in ihren Annahmen über den Menschen, die Funktion von Märkten und die Rolle des Staates.

■ Klassik

Die klassische Schule der Wirtschaftswissenschaften (ca. 1776–1870). wurde von Ökonomen wie Adam Smith geprägt untersuchte, wie Arbeitsteilung, Wettbewerb und internationaler Handel den Wohlstand einer Gesellschaft fördern können. Adam Smith beschrieb dabei das Prinzip der «unsichtbaren Hand»: Wenn Menschen ihre eigenen Interessen verfolgen, kann dies durch Wettbewerb unbeabsichtigt zum Wohl der gesamten Gesellschaft beitragen. Sie ging davon aus, dass Märkte sich weitgehend selbst regulieren und individuelle Interessen durch Wettbewerb zum allgemeinen Nutzen führen können.

■ Neoklassik

■ Keynesianismus

Die Neoklassik (ab 1870) verlagerte den Fokus stärker auf das Verhalten einzelner Konsumentinnen, Konsumenten und Unternehmen sowie auf die Preisbildung durch Angebot und Nachfrage. Sie analysierte, wie Nutzen, Knappheit und Entscheidungen bei einer zusätzlichen Einheit wirtschaftliche Entscheidungen beeinflussen. Die Neoklassik geht davon aus, dass sich Märkte über Preise weitgehend selbst steuern können, wenn Angebot und Nachfrage frei wirken. Im Zentrum steht die Vorstellung rational handelnder Menschen, die ihren Nutzen oder Gewinn maximieren und auf Preissignale reagieren. Steigt die Nachfrage nach einem Gut, erhöht sich der Preis, was Unternehmen zu einer Ausweitung des Angebots anregt und Knappheiten ausgleichen soll. Die Rolle des Staates wird vor allem darin gesehen, verlässliche Rahmenbedingungen zu schaffen und Wettbewerb zu gewährleisten. Kritiker bemängeln, dass reale Unsicherheit oder soziale Unterschiede nur teilweise berücksichtigt werden. Trotzdem bildet die Neoklassik bis heute eine wichtige Grundlage wirtschaftlicher Modelle.

Der Keynesianismus entstand in den 1930er-Jahren im Umfeld der Weltwirtschaftskrise und geht auf den britischen Ökono men John Maynard Keynes zurück. Im Unterschied zu marktli beralen Ansätzen geht diese Schule davon aus, dass sich wirt schaftliche Probleme nicht immer von selbst lösen und dass zu geringe Nachfrage zu Arbeitslosigkeit und rückläufiger Produk tion führen kann. Wenn Haushalte und Unternehmen weniger ausgeben, kann sich die wirtschaftliche Lage weiter verschlech tern. Deshalb soll der Staat in solchen Phasen aktiv eingreifen, etwa durch öffentliche Ausgaben, Investitionen oder steuerli che Entlastungen, um die Nachfrage zu stärken. In wirtschaft lich stabileren Zeiten wird hingegen eine zurückhaltendere Fi nanzpolitik empfohlen. Befürworter sehen darin ein wichtiges Instrument zur Stabilisierung der Wirtschaft, während Kritiker vor steigenden Staatsausgaben warnen.

■ Monetarismus

feste Regeln für die Steuerung der Geldmenge.

Der Monetarismus entwickelte sich vor allem ab den 1950erund 1960er-Jahren und ist eng mit dem US-Ökonomen Milton Friedman verbunden. Diese Schule betont die Bedeutung einer stabilen Geldpolitik für eine verlässliche wirtschaftliche Entwicklung. Monetaristen gehen davon aus, dass Veränderungen der Geldmenge einen starken Einfluss auf das allgemeine Preisniveau haben können. Deshalb soll vor allem die Zentralbank nach klaren Regeln handeln und für stabile Rahmenbedingungen sorgen, während staatliche Ausgabenprogramme eher kritisch beurteilt werden. Eine verlässliche Geldpolitik soll Erwartungen stabilisieren und langfristige Planung erleichtern. Kritiker weisen darauf hin, dass wirtschaftliche Probleme nicht allein durch Geldpolitik erklärt werden können. Trotzdem hat der Monetarismus die Ausrichtung vieler Zentralbanken bis heute stark geprägt.

(Ausgabe für Lehrperson)

Adam Smith gilt als Begründer der klassischen Nationalökonomie.
Alfred Marshall entwickelte zentrale Modelle der Neoklassik weiter.
John Maynard Keynes prägte staatliche Nachfragepolitik in Krisenzeiten.
Milton Friedman forderte

5 Klassische und alternative ökonomische Konzepte

Ökonomische Konzepte zeigen, wie wirtschaftliche Ideen in verschiedenen Ländern konkret umgesetzt werden. Sie entstehen aus ökonomischen Modellen, Schulen und politischen Ideologien, unterscheiden sich jedoch je nach historischen Erfahrungen, gesellschaftlichen Werten und staatlichen Rahmenbedingungen.

■ Klassische ökonomische Konzepte

Klassische ökonomische Konzepte beschreiben bekannte Wirtschaftsmodelle, die auf etablierten Marktmechanismen und staatlichen Rahmenbedingungen beruhen. Sie zeigen, wie wirtschaftliche Ordnungssysteme organisiert sein können und welche Rolle Markt, Staat und Gesellschaft dabei spielen.

■ Die soziale Marktwirtschaft verbindet die Prinzipien einer freien Marktwirtschaft mit sozialem Ausgleich und staatlicher Verantwortung. Unternehmen und Konsumentinnen handeln grundsätzlich eigenständig auf Märkten, während der Staat durch Regeln, Wettbewerbspolitik und Sozialversicherungen für faire Rahmenbedingungen sorgt. Ziel ist es, wirtschaftliche Effizienz mit sozialer Sicherheit zu verbinden und extreme Ungleichheiten zu begrenzen.

AHV-Ausgleichskassen sind ein Beispiel, wie staatliche Institutionen Risiken wie Alter oder Erwerbsausfall absichern.

Das Konzept der sozialen Marktwirtschaft entstand nach dem Zweiten Weltkrieg in der Bundesrepublik Deutschland. Wirtschaftspolitiker wie Ludwig Erhard wollten eine Alternative sowohl zur zentralen Planwirtschaft als auch zu einem völlig ungeregelten Kapitalismus schaffen. Wettbewerb sollte Innovation und Wachstum fördern, gleichzeitig sollte ein Sozialstaat Risiken wie Arbeitslosigkeit, Krankheit oder Alter absichern. Diese Kombination trug wesentlich zum wirtschaftlichen Aufschwung der Nachkriegszeit bei und wurde zu einem prägenden Modell für viele europäische Länder. Auch die Schweiz weist zahlreiche Merkmale einer sozialen Marktwirtschaft auf, obwohl der Begriff politisch weniger stark verwendet wird. Die Wirtschaft basiert auf Wettbewerb und Privatunternehmen, ergänzt durch ein ausgebautes System von Sozialversicherungen wie AHV, IV, Arbeitslosen- und Krankenversicherung. Die sogenannte Sozialquote – also der Anteil der Sozialausgaben am Bruttoinlandprodukt – liegt in der Schweiz je nach Berechnung bei rund einem Viertel der Wirtschaftsleistung. Dies zeigt, dass auch eine stark marktorientierte Volkswirtschaft umfangreiche soziale Sicherungssysteme integriert, um wirtschaftliche Stabilität und gesellschaftlichen Zusammenhalt zu fördern.

(Ausgabe für Lehrperson)

■ Der Staatskapitalismus bezeichnet ein ökonomisches Konzept, bei dem marktwirtschaftliche Mechanismen mit einer starken Rolle des Staates kombiniert werden. Unternehmen können Gewinne erzielen und im internationalen Wettbewerb stehen, doch zentrale Branchen wie Energie, Infrastruktur, Banken oder Technologie bleiben häufig unter staatlicher Kontrolle oder werden strategisch gesteuert.

State Grid ist der grösste Stromnetzbetreiber der Welt – ein staatlicher Konzern, der Chinas Energiepolitik umsetzt.

Ein bekanntes Beispiel ist China: Seit den Reformen ab den 1980er-Jahren wurden Märkte geöffnet und private Firmen zugelassen, gleichzeitig setzt die Regierung über Fünfjahrespläne, Staatsunternehmen und Industriepolitik langfristige wirtschaftliche Ziele durch. Dieses Modell trug wesentlich zum raschen Wirtschaftswachstum und zur Industrialisierung des Landes bei. Auch andere Staaten zeigen staatskapitalistische Elemente, etwa Singapur mit staatlichen Beteiligungsfonds oder die Vereinigten Arabischen Emirate mit staatlich geprägten Schlüsselindustrien. Befürworter sehen darin ein wirksames Instrument für Entwicklung und Stabilität, während Kritiker auf politische Einflussnahme, eingeschränkten Wettbewerb und Abhängigkeit von staatlichen Entscheidungen hinweisen.

■ Die islamische Wirtschaft basiert auf religiösen Regeln der Scharia und verbindet wirtschaftliches Handeln mit ethischen Prinzipien. Zentrale Merkmale sind das Verbot von Zinsen (Riba), die Begrenzung spekulativer Geschäfte sowie Gewinn- und Verlustbeteiligungen statt klassischer Kredite. Banken treten dabei häufig als Partner auf, die Risiken mittragen und Investitionen stärker an reale Projekte koppeln. Zudem spielt soziale Verantwortung durch Umverteilung eine wichtige Rolle, etwa durch verpflichtende Abgaben wie die Zakat, die soziale Unterstützung fördern sollen.

Iranische Banken arbeiten nach islamischen Finanzprinzipien. Zinsverbote führen häufig zu Beteiligungsmodellen statt klassischen Kreditgeschäften.

Im Iran wurde nach der Revolution 1979 versucht, eine islamisch geprägte Wirtschaftsordnung aufzubauen. Das Land verbindet religiöse Prinzipien mit staatlichen Unternehmen und nationaler Industriepolitik. Auch Staaten wie Saudi-Arabien oder Malaysia nutzen Elemente islamischer Finanzsysteme. Befürworter sehen darin eine ethische Alternative zur kapitalistischen Finanzwirtschaft, während Kritiker auf Umsetzungsprobleme hinweisen.

■ Alternative ökonomische Konzepte

Alternative ökonomische Konzepte hinterfragen traditionelle Wachstums- und Marktlogiken und setzen neue Schwerpunkte, etwa Nachhaltigkeit, Gemeinwohl oder regionale Kreisläufe. Sie bieten unterschiedliche Perspektiven darauf, wie Wirtschaft sozial und ökologisch gestaltet werden kann.

Die folgenden Wirtschaftskonzepte legen unterschiedliche Schwerpunkte auf ökologische Nachhaltigkeit, soziale Gerechtigkeit und wirtschaftliches Wachstum.

■ Subsistenzwirtschaft / Bedarfswirtschaft

In einer Subsistenzwirtschaft produzieren die Menschen überwiegend für den eigenen Bedarf und nicht für den Markt. Güteraustausch auf lokalen Märkten, Arbeitsteilung sowie die Koordination der Produktionsweisen sind zentraler Bestandteil der Subsistenzwirtschaft. Geschichtlich gesehen war die Subsistenzwirtschaft bis zur Industrialisierung und dem sich dabei herausbildenden Kapitalismus das weltweit vorherrschende Prinzip des Wirtschaftens. Heute findet man das Modell der Subsistenzwirtschaft in der Landwirtschaft in Entwicklungsländern.

Gruppen, die subsistenzorientiert wirtschaften, werden als lokale Gemeinschaften bezeichnet. Entsprechend haben Fred Frohofer und Werner Vontobel in ihrem Buch die Bedarfswirtschaft als Ökonomie der kurzen Wege bezeichnet.

■ Donut-Ökonomie

Das Modell der Donut-Ökonomie definiert die äussere Grenze des Donuts als die ökologischen Grenzen der wirtschaftlichen Aktivitäten, die sicherstellen, dass die Nutzung natürlicher Ressourcen und die Umweltbelastung das tragbare Mass des Planeten nicht überschreiten. Die inneren Grenzen des Donuts definieren die sozialen Grundlagen, die gewährleisten, dass grundlegende menschliche Bedürfnisse und Rechte, wie Nahrung, Gesundheit, Bildung und Gleichheit, erfüllt werden.

Das von der Wirtschaftswissenschaftlerin Kate Raworth entwickelte Modell der Donut-Ökonomie zielt darauf ab, wirtschaftliche Aktivitäten nur innerhalb eines sicheren und gerechten Raums für die Menschheit (innerhalb des Donuts) zu ermöglichen.

■ Postwachstumsökonomie

Ein wirtschaftliches Modell, welches das ständige Streben nach wirtschaftlichem Wachstum in Frage stellt. Es betont die Notwendigkeit, den Verbrauch von Ressourcen zu reduzieren und sich auf Wohlstand und Lebensqualität zu konzentrieren, anstatt auf kontinuierliches wirtschaftliches Wachstum.

Im Buch «Befreiung vom Überfluss» argumentiert Niko Paech für eine Postwachstumsökonomie, in der die Reduktion von Konsum und Produktionsvolumen sowie die Stärkung lokaler und nachhaltiger Strukturen zur Lösung von Umwelt- und Wirtschaftsproblemen beitragen sollen. Er plädiert für eine Abkehr vom Wachstumsparadigma hin zu einer suffizienten und gemeinschaftlich orientierten Lebensweise.

■ Kreislaufwirtschaft

Ein System, das darauf ausgelegt ist, Abfall und Verschwendung zu minimieren, indem Produkte, Materialien und Ressourcen so lange wie möglich genutzt, wiederverwendet, repariert und recycelt werden.

Das Buch «Circular Economy» von Günther Dobrauz und Nicolas Huras beschreibt die Prinzipien der Kreislaufwirtschaft, die darauf abzielen, Abfall zu minimieren und Ressourcen durch Wiederverwendung, Reparatur, Aufbereitung und Recycling effizient zu nutzen. Es betont die Notwendigkeit eines systemischen Wandels von der linearen Wirtschaftsweise hin zu einer zirkulären Wirtschaftsweise, um nachhaltigere Produktions- und Konsummuster zu etablieren.

Jede Wirtschaftsordnung, jedes Wirtschaftsmodell und jedes Wirtscahftskonzept hat ihre eigenen Vor- und Nachteile und beeinflusst die Lebensweise und den Wohlstand der Menschen in einer Gesellschaft unterschiedlich.

Innerhalb dieser Vielfalt von Wirtschaftsordnungen und Wirtschaftsmodellen nimmt die Marktwirtschaft eine zentrale Rolle ein. Sie ist nicht nur die am weitesten verbreitete Wirtschaftsordnung, sondern auch eines der dynamischsten und anpassungsfähigsten Systeme. Die Marktwirtschaft fördert Wohlstand, Wettbewerb sowie Innovation, und bietet durch die Preisbildung über Angebot und Nachfrage eine effiziente Methode zur Allokation (Zuteilung) von Ressourcen. Aufgrund ihrer weitreichenden Bedeutung und ihrer komplexen Mechanismen wird die Marktwirtschaft in den folgenden Kapiteln ausführlich behandelt.

(Ausgabe für Lehrperson)

(Ausgabe für Lehrperson)

6 Fakten, Kriterien und Werte – wirtschaftliche Entscheidungen begründen

■ Warum Entscheidungen mehr als nur Zahlen brauchen

Wirtschaftliche Entscheidungen wirken oft eindeutig, solange man nur auf Zahlen blickt. Diese Zahlen bilden Fakten – also überprüfbare Informationen über die Wirklichkeit, etwa Statistiken zu Preisen, Einkommen oder Nachfrageentwicklungen. In der Realität spielen jedoch auch Kriterien und Werte eine Rolle. Kriterien sind Beurteilungsmassstäbe, mit denen verschiedene Optionen verglichen werden, zum Beispiel Rentabilität, Nachhaltigkeit oder soziale Auswirkungen. Werte sind grundlegende Vorstellungen darüber, was Menschen oder eine Gesellschaft als gerecht, wichtig oder wünschenswert ansehen, etwa Freiheit, Sicherheit oder Solidarität.

Ein Beispiel ist die Diskussion um steigende Mieten in Schweizer Städten. Statistiken zeigen, wie stark die Nachfrage nach Wohnraum wächst und wie sich Preise entwickeln – sie liefern Fakten über die Ausgangslage. Gleichzeitig stellt sich die Frage, nach welchen Kriterien Wohnpolitik beurteilt werden soll: Wirtschaftliche Rentabilität, soziale Durchmischung oder langfristige Stadtentwicklung können zu unterschiedlichen Prioritäten führen. Während einige mehr Neubauten und Marktfreiheit fordern, betonen andere den Schutz von Mieterinnen und Mietern durch Regulierungen. Dieselben Fakten können somit zu verschiedenen Positionen führen, weil sie anhand unterschiedlicher Kriterien bewertet und durch unterschiedliche Wertvorstellungen interpretiert werden.

■ Empirische Evidenz: Entscheiden auf der Grundlage von Daten und Forschung

Empirische Evidenz umfasst Daten aus Beobachtungen, Messungen und wissenschaftlichen Untersuchungen, die wirtschaftliche Zusammenhänge überprüfbar machen. In der Forschung werden häufig Hypothesen formuliert – Annahmen darüber, wie sich Menschen oder Märkte verhalten könnten. Eine Hypothese könnte beispielsweise lauten, dass sinkende Preise für Elektroautos die Nachfrage erhöhen. Forschende prüfen solche Aussagen anhand von Verkaufszahlen, Umfragen oder Experimenten. Zentral ist das Prinzip der Falsifizierbarkeit: Eine wissenschaftliche Aussage muss so formuliert sein, dass sie grundsätzlich widerlegt werden könnte. Zeigen neue Daten ein anderes Ergebnis, wird die Hypothese angepasst oder verworfen. Auf diese Weise entsteht schrittweise wissenschaftlicher Erkenntnisgewinn. Ein Beispiel ist die Untersuchung von Homeoffice-Regelungen nach der Pandemie. Unternehmen analysieren Produktivitätskennzahlen, Mitarbeitendenzufriedenheit und Kostenstrukturen, um fundierte Entscheidungen zu treffen. Unterschiedliche Studien gelangen teilweise zu verschiedenen Ergebnissen, weil sie andere Methoden oder Zeiträume verwenden. Empirische Evidenz liefert damit eine wichtige Grundlage, die jedoch erst durch klare Bewertungskriterien und gesellschaftliche Werte zu konkreten Entscheidungen führt.

■ Kriterien als Orientierung für wirtschaftliche Entscheidungen

Zwischen Fakten und Werten stehen häufig Kriterien, anhand derer wirtschaftliche Optionen verglichen werden. Kriterien sind konkrete Beurteilungsmassstäbe oder Leitfragen, die festlegen, worauf bei einer Entscheidung besonders geachtet wird. Sie übersetzen allgemeine Werte – etwa Gerechtigkeit oder Nachhaltigkeit – in überprüfbare Aspekte wie Kosten, Umweltbelastung oder Auswirkungen auf Arbeitsplätze. Dadurch wird nachvollziehbar, wie aus abstrakten Zielvorstellungen eine strukturierte Bewertung entsteht. Kriterien helfen dabei, komplexe Situationen systematisch zu beurteilen, etwa nach Effizienz, Nachhaltigkeit, sozialer Gerechtigkeit oder langfristiger Stabilität.

Ein Beispiel ist die Bewertung neuer Verkehrsinfrastruktur. Beim Ausbau einer Bahnlinie können Kosten, Zeitersparnis, Umweltwirkungen und regionale Entwicklungschancen als Kriterien dienen. Je nachdem, welche Kriterien stärker gewichtet werden, erscheint ein Projekt sinnvoll oder kritisch. Kriterien schaffen damit Transparenz im Entscheidungsprozess, weil sichtbar wird, nach welchen Massstäben eine Option beurteilt wird und wie unterschiedliche Prioritäten zu verschiedenen Ergebnissen führen können.

■ Werte und Normen in wirtschaftlichen Entscheidungen

Werte sind grundlegende Vorstellungen darüber, was Menschen oder eine Gesellschaft als gut, gerecht oder erstrebenswert ansehen – etwa Freiheit, Sicherheit oder Nachhaltigkeit. Normen hingegen sind konkrete Regeln oder Erwartungen, die aus diesen Werten abgeleitet werden, zum Beispiel gesetzliche Arbeitszeiten oder Vorschriften zu Ladenöffnungszeiten. Werte geben also die Richtung vor, während Normen festlegen, wie sich Menschen in bestimmten Situationen verhalten sollen.

Ein Beispiel ist die Diskussion über längere Ladenöffnungszeiten im Detailhandel. Befürworter betonen Werte wie Konsumfreiheit und wirtschaftliche Dynamik, während Kritiker Werte wie Gesundheitsschutz oder Familienzeit hervorheben. Daraus entstehen unterschiedliche Normen, etwa gesetzliche Begrenzungen der Öffnungszeiten oder arbeitsrechtliche Regelungen. Beide Seiten beziehen sich auf Fakten wie Umsatzzahlen oder Beschäftigungsstatistiken, doch die Bewertung hängt stark davon ab, welche Werte stärker gewichtet werden und welche Normen daraus abgeleitet werden. Wirtschaftliche Debatten verbinden deshalb sachliche Informationen mit Vorstellungen darüber, was als gerecht oder wünschenswert gilt und wie diese Vorstellungen in konkrete Regeln umgesetzt werden sollen.

■ Fakten-, kritieren- und wertbasiert entscheiden

Fakten liefern Informationen darüber, wie eine Situation ist oder sich entwickeln könnte. Kriterien helfen dabei, verschiedene Handlungsoptionen systematisch zu vergleichen, während Werte Orientierung geben, welche Ziele oder Folgen als besonders wichtig gelten. Erst wenn diese drei Ebenen zusammen gedacht werden, wird nachvollziehbar, warum unterschiedliche Personen trotz gleicher Daten zu verschiedenen Schlussfolgerungen gelangen.

Die Verbindung von empirischer Evidenz, klaren Kriterien und Werturteilen lässt sich gut an der Diskussion über eine CO₂-Abgabe zeigen. Emissionsdaten, Energieverbrauch und wirtschaftliche Kennzahlen liefern die faktische Grundlage. Damit daraus eine Entscheidung wird, braucht es Kriterien, nach denen mögliche Lösungen verglichen werden: etwa ökologische Wirksamkeit (wie stark sinken Emissionen?), wirtschaftliche Belastung (wer trägt die Kosten?) oder internationale Wettbewerbsfähigkeit (bleiben Unternehmen konkurrenzfähig?). Hinter der Wahl und Gewichtung dieser Kriterien stehen Werte, zum Beispiel Verantwortung gegenüber zukünftigen Generationen, soziale Ausgewogenheit oder wirtschaftliche Freiheit.

Eine hilfreiche Unterstützung ist eine Wertesammlung: Begriffe wie Nachhaltigkeit, Sicherheit, Freiheit, Verantwortung oder Gewinn machen sichtbar, dass verschiedene Wertdimensionen gleichzeitig angesprochen werden und erklären, warum Positionen auseinandergehen. Besonders deutlich wird das Zusammenspiel von Fakten, Kriterien und Werten, wenn zusätzlich verschiedene Perspektiven eingenommen werden.

Eine fundierte Beurteilung entsteht, wenn Fakten, Kriterien und Werte gemeinsam betrachtet und die Konsequenzen für verschiedene Perspektiven berücksichtigt werden.

Je nachdem, ob man aus der Sicht eines Haushalts mit kleinem Budget, eines Transportunternehmens, einer energieintensiven Industrie, einer Umweltorganisation oder des Staates argumentiert, rücken andere Kriterien in den Vordergrund und andere Werte werden betont. Dadurch entstehen unterschiedliche Vorschläge: etwa eine Abgabe mit Rückverteilung an die Bevölkerung, Ausnahmen für bestimmte Branchen oder stärkere Investitionen in klimafreundliche Technologien. Es geht dabei nicht nur um eine einzelne Meinung, sondern um eine strukturierte Auseinandersetzung mit Wertalternativen, Folgen und Begründungen aus mehreren Blickwinkeln.

Ein ähnlicher Entscheidungsprozess zeigt sich bei der Frage, ob der Staat Sharing-Angebote wie Carsharing stärker fördern soll. Daten zu Verkehrsaufkommen, Parkplatzbedarf und Auslastung liefern empirische Hinweise darauf, ob Carsharing Städte entlasten kann. Kriterien wie Effizienz der Ressourcennutzung, Datenschutz, Zugang für verschiedene Bevölkerungsgruppen oder Auswirkungen auf bestehende Arbeitsplätze strukturieren die Beurteilung. Gleichzeitig spielen Werte eine zentrale Rolle: Manche betonen Nachhaltigkeit und Suffizienz (weniger Besitz, mehr Nutzung), andere Fairness, Privatsphäre oder die Bedeutung stabiler Arbeitsverhältnisse. Konsumentinnen, Taxi- oder Garagenbetriebe, Plattformanbieter, Gemeinden und der öffentliche Verkehr kommen zu unterschiedlichen Abwägungen kommen können.

Welche Werte sind für Sie am wichtigsten? (Abbildungen angelehnt an: Ethisch-reflexive Kompetenz, Euler & Kühner, Iconomix)

(Ausgabe für Lehrperson)

(Ausgabe für Lehrperson)

7 Wie funktionieren Märkte?

Im Zusammenhang mit den Tauschbeziehungen stellen sich in einer arbeitsteiligen, modernen Volkswirtschaft immer drei Fragen: Was soll produziert werden? In welcher Kombination – wie – sollen die Produktionsfaktoren eingesetzt werden? Für wen sollen bestimmte Güter und Dienstleistungen produziert werden? In den meisten Volkswirtschaften werden diese drei Hauptfragen heute mehrheitlich mit Hilfe von Marktmechanismen geregelt. Die Märkte funktionieren nach gewissen Regeln, die wir in diesem Abschnitt vorstellen

■ Güter und Faktormärkte

Ein Markt ist ein Ort, an dem sich Käufer und Verkäufer treffen und über die gehandelten Mengen und die entsprechenden Preise entscheiden. Die Tauschbeziehungen lassen sich in zwei Gruppen gliedern: Auf den Gütermärkten fragen die Konsumenten die gewünschten Güter und Dienstleistungen bei den Unternehmungen nach und kaufen sie gegen Geld. Die Gütermärkte werden je nach Untersuchungsgegenstand weiter unterteilt (z.B. Konsumgütermarkt, Investitionsgütermarkt und Dienstleistungsmarkt). Auf den Faktormärkten treten die Haushalte als Anbieter auf und die Unternehmungen fragen die Produktionsfaktoren (Arbeit und Wissen, Kapital und Natur) nach. Wir unterscheiden den Arbeitsmarkt,¨ den Bodenmarkt und den Kapitalmarkt.

■ Marktmechanismus

Auf den Konsumgütermärkten treffen die Nachfrage der Haushalte und das Angebot der Unternehmungen aufeinander. Auf den Faktormärkten sind die Haushalte die Anbieter und die Unternehmungen die Nachfrager. Jedes knappe Gut, sei es eine Stereoanlage oder die Arbeitsstunde einer Verkäuferin, hat ein bestimmtes Tauschverhältnis – in Geld ausgedrückt: einen Preis. Löhne sind Preise für den Produktionsfaktor Arbeit, Kapitalzinsen sind Preise für den Produktionsfaktor Kapital. Der Preis für den Produktionsfaktor Boden ist abhängig von den zukünftigen Erträgen, die aus der Nutzung des Bodens erzielt werden. Sämtliche Preise koordinieren die Entscheidungen auf den entsprechenden Märkten und lenken die Produktion in Richtung der Konsumentenwünsche. Angenommen, die Haushalte kaufen mehr Snowboards als Alpinskis, bauen Sportgeschäfte ihre Snowboardlager schneller ab und bestellen bei Produzenten nach. Diese weiten die Produktion aus, erhöhen wegen der höheren Nachfrage teilweise die Preise und erzielen steigende Gewinne. Es entstehen neue Produktionskapazitäten, wovon auch Zulieferbetriebe profitieren: Der Bedarf an Holz, Kunststoffen, Metall, Krediten und Arbeitskräften steigt, ebenso die Löhne. In der Alpinskibranche verläuft der Prozess umgekehrt.

Dienstleistungsmarkt

Dienstleistungen gegen Kaufpreis

Investitionsgütermarkt

Investitionsgüter gegen Kaufpreis

Konsumgütermarkt

Konsumgüter gegen Kaufpreis

Unternehmungen

Arbeitsmarkt Arbeit gegen Lohn

Bodenmarkt Boden gegen Zins

Kapitalmarkt Kapital gegen Zins

Haushalte

Gütermärkte

Güterströme

Geldströme

Faktormärkte

Auf den Güter- und Faktormärkten werden verschiedene Dinge gegen Gelt getauscht.

Abb. 21Güter- und Faktormärkte

■ Gewinne und Verluste steuern Unternehmungstätigkeit

2.3.2Marktmechanismus

Preis = Tauschverhältnis

Die Die Haushalte bestimmen mit ihrer Nachfrage, was und wie viel produziert wird. Preise und Gewinne zeigen den Unternehmungen, welche Güter gefragt sind: Gewinne lenken Ressourcen in nachgefragte Branchen, Verluste führen zum Rückzug aus unattraktiven Märkten. Damit wird zugleich entschieden, wie knappe Produktionsfaktoren eingesetzt werden. Steigt etwa die Nachfrage nach Arbeit, erhöhen sich die Löhne; langfristig versuchen Unternehmen jedoch, teurere Arbeit durch Kapital zu ersetzen.

■ Preis koordiniert die Güter- und Faktormärkte

Auf den Konsumgütermärkten treffen die Nachfrage der Haushalte und das Angebot der Unternehmungen aufeinander. Auf den Faktormärkten sind die Haushalte die Anbieter und die Unternehmungen die Nachfrager. Jedes knappe Gut, sei es eine Stereoanlage oder die Arbeitsstunde einer Verkäuferin, hat ein bestimmtes Tauschverhältnis – in Geld ausgedrückt: einen Preis. Löhne sind Preise für den Produktionsfaktor Arbeit, Kapitalzinsen sind Preise für den Produktionsfaktor Kapital. Der Preis für den Produktionsfaktor Boden ist abhängig von den zukünftigen Erträgen, die aus der Nutzung des Bodens erzielt werden. Sämtliche Preise koordinieren die Entscheidungen auf den entsprechenden Märkten und lenken die Produktion in Richtung der Konsumentenwünsche.

Produziert wird grundsätzlich für jene Konsumenten, die die Preise bezahlen können. Einkommen entstehen auf Arbeits- und Kapitalmärkten, sodass Angebot und Nachfrage auf Faktormärkten mitbestimmen, «für wen» produziert wird. In der Marktwirtschaft erfolgen Konsum- und Produktionsentscheidungen dezentral. Preise wirken dabei als zentrale Koordinationsgrösse, die den Wirtschaftskreislauf laufend anpasst.

Urs Saxer, Kantonsschule Schaffhausen – nur zum persönlichen Gebrauch

8 Preisbildung durch Angebot und Nachfrage

Im Zusammenhang mit den Tauschbeziehungen stellen sich in einer arbeitsteiligen, modernen Volkswirtschaft immer drei Fragen: Was soll produziert werden? In welcher Kombination – wie – sollen die Produktionsfaktoren eingesetzt werden? Für wen sollen bestimmte Güter und Dienstleistungen produziert werden? In den meisten Volkswirtschaften werden diese drei Hauptfragen heute mehrheitlich mit Hilfe von Marktmechanismen geregelt. Die Märkte funktionieren nach gewissen Regeln, die wir in diesem Abschnitt vorstellen

■ Nachfragekurve - Nutzenüberlegungen der Konsumenten

Hinter der Nachfrage der Haushalte stehen Nutzenüberlegungen. Der Ökonom Hermann Heinrich Gossen formulierte im letzten Jahrhundert das Gesetz vom abnehmenden Grenznutzen: Der Nutzenzuwachs, den ein Haushalt beim Konsum einer zusätzlichen Gütereinheit gewinnt, nimmt mit zunehmendem Konsum ab (1. Gossen’sches Gesetz). Bei Nahrungsmitteln ist dieses Gesetz besonders augenfällig: Ein Glacéliebhaber empfindet bei der ersten Kugel einen sehr hohen Grenznutzen. Die zweite und die dritte Kugel Glacé erhöhen den Gesamtnutzen sicher zusätzlich, wenn auch nicht mehr so stark. Nach der fünften Kugel Glacé dürfte wohl jeder Glacéliebhaber den zusätzlichen Nutzen, den so genannten Grenznutzen, als sehr minim – wenn nicht gar negativ – einschätzen.

■ Gleichgewichtsbedingung: Gleicher Grenznutzen pro Franken

Wie verhält sich ein nutzenmaximierender Haushalt, wenn ihm mehrere Güter zur Verfügung stehen? Nach dem 2. Gossen’schen Gesetz ist die maximale Bedürfnisbefriedigung erreicht, wenn die Grenznutzen der zuletzt konsumierten Gütereinheiten gleich sind. Aus dieser Gleichgewichtsbedingung lassen sich Beziehungen zwischen nachgefragten Mengen und Preisen ableiten – die sogenannte Nachfragekurve. Sie verläuft im Preis-Mengen-Diagramm in der Regel von oben links nach unten rechts. Fällt der Preis eines Gutes, steigt die nachgefragte Menge und umgekehrt. Eine Preissenkung zieht neue Käufer an, wie Aktionspreise oder Sonderangebote zeigen. Das Modell des gleichbleibenden Grenznutzens erklärt auch die fallende Nachfragekurve: Ein Homo oeconomicus verteilt sein Budget so, dass der Grenznutzen pro ausgegebenem Franken bei allen Gütern gleich ist. Steigt der Preis eines Produkts, sinkt dieses Verhältnis im Vergleich zu anderen Gütern. Der Konsument reduziert daher den Konsum dieses Gutes, bis das Verhältnis Grenznutzen zu Preis wieder ausgeglichen ist.

Nachfragekurve verläuft in der Regel von oben links nach unten rechts

(Ausgabe für Lehrperson)

Gesamtnutzen und Grenznutzen

■ Angebotskurve - Kostenüberlegungen der Produzenten

Wer sagt den Unternehmungen, wie viel sie produzieren sollen? Unternehmungen beobachten dazu ihre Kosten und die möglichen Erlöse. Wir betrachten deshalb im Folgenden, wie die Grenzkostenkurve einer Unternehmung verläuft. Abnehmender Grenzertrag = zunehmende Grenzkosten Eine Unternehmung muss für die Herstellung ihrer Güter und Dienstleistungen Produktionsfaktoren einsetzen. In der Landwirtschaft wird das Gesetz des abnehmenden Grenzertrages beobachtet: Werden die Anstrengungen beim Anbau eines begrenzten Stück Landes intensiviert, nehmen die Grenzerträge vorerst zu. Je intensiver der Anbau erfolgt, zum Beispiel in Form von zusätzlichem Düngereinsatz, desto geringer werden mit der Zeit aber die zusätzlichen Erträge. Die Kosten für die Produktion einer zusätzlichen Einheit (Grenzkosten) verhalten sich gerade umgekehrt zu den abnehmenden Grenzerträgen: nachdem sie anfänglich geringer werden, nehmen sie schliesslich überdurchschnittlich zu. Daraus ergibt sich eine Grenzkostenkurve, die im Preis-Mengen-Diagramm von unten links nach oben rechts verläuft.

■ Gleichgewichtsbedingung: Grenzkosten = Grenzerlös

Eine gewinnorientierte Unternehmung wird ihre Produktion so weit ausdehnen (m1 steigt auf m2), bis die zusätzlichen Kosten der weiteren verkauften Einheit (Grenzkosten) gleich gross sind wie der zusätzliche Erlös einer weiteren verkauften Einheit (Grenzerlös). Mit jeder zusätzlichen Einheit wird der gesamte Gewinn nochmals etwas grösser, der Gewinn je Stück nimmt jedoch ab. Erst wenn die Grenzkosten gleich gross sind wie der Grenzerlös, bringt eine Ausdehnung der Produktionsmenge keinen zusätzlichen Gewinn mehr. Die Angebotskurve der Unternehmungen entspricht daher gerade der Grenzkostenkurve.

Grenzkosten

Preis

(Ausgabe für Lehrperson)

� Abb. 24Grenzkosten und Grenzerlös

Preiselastizität von Nachfrage und Angebot

Grenzkosten

Grenzerlös

Grenzerlös

Angebotskurve verläuft in der Regel von unten links nach oben rechts

Was geschieht, wenn der Benzinpreis um 20 Rappen erhöht wird? Sicherlich wird in der Folge etwas weniger Benzin nachgefragt – aber diese simple Aussage genügt den Ökonomen in vielen Fällen nicht. Die Preiselastizität der Nachfrage misst, wie stark die nachgefragte Menge auf eine Änderung des Preises reagiert und zeigt damit, wie steil die Nachfrage- und Angebotskurve verläuft.

Preiselastizität relative Veränderung der Menge (in %) relative Veränderung des Preises (in %) - =

Wir unterscheiden drei Fälle (vgl. � Abb. 25): Der erste Fall, bei dem nur eine geringe prozentuale Veränderung der nachgefragten Menge zu beobachten ist, fällt in die Kategorie der «unelastischen Nachfrage». Den zweiten Fall, bei dem eine starke prozentuale Veränderung der Menge vorliegt, bezeichnen wir als elastische Nachfrage. Im dritten Fall, bei dem die prozentuale Veränderung der nachgefragten Menge durch die prozentuale Veränderung des Preises kompensiert wird, sprechen wir von einer Preiselastizität der Nachfrage von 1.

Die Preiselastizität der Nachfrage nach einem bestimmten Gut hängt von den Preisen anderer Güter ab. Wenn ein Gut leicht durch ein anderes Gut ersetzt bzw. substituiert werden kann (z.B. Butter durch Margarine),

■ Preismechanismus - Ausgleich von Angebot und Nachfrage

Bis anhin haben wir Angebot und Nachfrage getrennt analysiert. Welcher Preis wird sich nun aufgrund von Angebot und Nachfrage bilden? Dazu betrachten wir einen «idealen Markt», die Wertpapierbörse. Als «ideal» wird der Börsenhandel deshalb angesehen, weil in diesem Markt jene Bedingungen am ehesten anzutreffen sind, die für den Zustand der vollkommenen Konkurrenz gegeben sein müssen.

■ Modellannahmen der vollkommenen Konkurrenz

1. Homogene Güter: Die gehandelten Wertpapiere sind gleichartig.

2. Viele Anbieter, viele Nachfrager: Es gibt viele Marktteilnehmer, sowohl auf der Angebots- als auch auf der Nachfrageseite, sodass der Preis nicht von einzelnen Anbietern oder Nachfragern beeinflusst werden kann.

3. Markttransparenz: Im elektronischen Börsensystem werden die verschiedenen Angebote (Verkaufsaufträge) und die Nachfrage (Kaufaufträge) in der Form eines Auftragsbuches dargestellt. Die Marktteilnehmer sind über alle beabsichtigten Mengen- und Preisvorstellungen vollständig informiert.

4. Keine Beschränkungen im Marktzutritt: Jeder kann über die Banken an der Börse Wertpapiere kaufen und verkaufen.

2.3 Wie funktionieren Märkte? 61

5. Keine Zeitverzögerung: Anpassungen aufgrund neuer Informationen erfolgen sofort und führen unmittelbar zu veränderten Marktverhältnissen.

Nachfrage

Einzelne Kaufaufträge Gesamtnachfrage Gesamtangebot

Preisstufe Angebot

Einzelne Verkaufsaufträge

Menge in Stück pro Preisstufe kumuliert1 kumuliert pro Preisstufe Menge in Stück

400 + 300700 700150,004200 200200 900149,504200

3003001200149,004200

4004001600148,504200500200 + 300

5005002100148,003700700 700

800 + 100900 3000 147,50 3000 500 500

100010004000147,002500300100 + 200

700 + 2009004900146,502200300 300

4900146,001900300100 + 200

4900145,501600100 100 4900145,0015001500700 + 800

� Abb. 27Auftragsbuch im elektronischen Börsensystem 1 Kumuliert = angehäuft, im Sinne von addiert, zusammengezählt. Auftragsbuch im elektronischen Börsensystem mit kumulierter (zusammengezählter) Gesamtnachfrage

Der Gleichgewichtspreis ist jener Preis, bei dem die angebotene Menge der nachgefragten Menge entspricht. Auf einem Markt mit vollkommener Konkurrenz liegt dieser Gleichgewichtspreis im Schnittpunkt der Angebots- und Nachfragekurve.

Informationsfunktion des Preises

Bei einem Preis von 147,50 können jene Käufer, die kaufen wollen, die entsprechende Menge an Wertpapieren den verkaufswilligen Verkäu-

Rationierungs-

■ Gleichgewichtsfunktion des Preises: Der Gleichgewichtspreis ist jener Preis, bei dem die angebotene Menge der nachgefragten Menge entspricht. Auf einem Markt mit vollkommener Konkurrenz liegt dieser Gleichgewichtspreis im Schnittpunkt der Angebotsund Nachfragekurve. Bei einem Preis von 147,50 können jene Käufer, die kaufen wollen, die entsprechende Menge an Wertpapieren den verkaufswilligen Verkäufern abkaufen. Jeder andere Preis würde zu mehr unzufriedenen Marktteilnehmern führen. Bei einem Preis von 148 könnten 1600 Stück nicht verkauft werden (Angebotsüberhang). In diesem Fall würden einige der zahlreichen Anbieter den zu hohen Preis allmählich unterbieten, um nicht auf ihren Produkten sitzenzubleiben. Bei einem Preis von 147 möchten die Nachfrager 1500 Stück mehr kaufen, als die Anbieter zu verkaufen bereit sind (Nachfrageüberhang). Bei einem Nachfrageüberhang kommt der Preisdruck von den Käufern. Der Preis hat in einer Marktwirtschaft die zentrale Funktion, die Pläne der Anbieter und der Nachfrager ohne zentrale Entscheidungen aufeinander abzustimmen. Mit fallendem Preis sinkt das Angebot und steigt die Nachfrage so lange, bis sich die angebotene Menge mit der nachgefragten Menge im Gleichgewicht befindet.

■ Informationsfunktion des Preise: Der Preis liefert auch Informationen für Konsumenten und Produzenten. Ein höherer Preis signalisiert den Unternehmungen, mehr zu produzieren, und anderen Anbietern, ebenfalls auf diesem Markt aufzutreten.

■ Rationierungsfunktion des Preises: Es muss aber beachtet werden, dass die Koordination durch den Preis selektioniert: Ein steigender Preis «rationiert» die Nachfrage und beschränkt die Konsummöglichkeiten der ärmeren Leute. Nur die reichen Leute können sich zum Beispiel eine Ferienwohnung leisten.

700 3000 4900 Preis

Angebotsüberschuss

Angebot

Marktgleichgewicht

Nachfrage

Nachfrageüberschuss

Marktgleichgewicht (Ausgabe für Lehrperson)

Der Preis liefert auch Informationen für Konsumenten und Produzenten. Ein höherer Preis signalisiert den Unternehmungen, mehr zu produzieren, und anderen Anbietern, ebenfalls auf diesem Markt aufzutreten.

Es muss aber beachtet werden, dass die Koordination durch den Preis selektioniert: Ein steigender Preis «rationiert» die Nachfrage und beAbb. 28Marktgleichgewicht

(Ausgabe für Lehrperson)

9 Einflussfaktoren auf Angebot und Nachfrage

Neben dem Preis können noch andere Faktoren das Angebot und die Nachfrage beeinflussen. Wenn wir die direkten Auswirkungen von Preisänderungen der nachgefragten bzw. angebotenen Güter oder Produktionsfaktoren beobachten, so bewegen wir uns jeweils auf der entsprechenden Nachfrage- bzw. Angebotskurve. Betrachten wir Veränderungen bei anderen Einflussfaktoren (z.B. Einkommen, Marktgrösse, Preise anderer Güter, Erwartungshaltungen, Produktionskosten oder besondere externe Einflüsse), bewegen wir uns nicht mehr auf der Nachfrage- bzw. Angebotskurve. Solche Veränderungen verschieben die gesamte Nachfrage- bzw. Angebotskurve. Bei den folgenden Überlegungen steht also immer die Frage im Mittelpunkt, wie sich der beschriebene Einfluss bei stabilem Preis auf das Angebot bzw. die Nachfrage auswirkt.

■ Einflussfaktoren auf die Nachfragekurve

1. Einkommen: Ein wichtiger Einflussfaktor auf die Nachfrage ist das Einkommen. In wohlhabenderen Ländern oder Familien werden oft mehr Güter und Dienstleistungen nachgefragt als in ärmeren. Bei gleichem Preis steht mehr Geld zur Verfügung –die Nachfragekurve verschiebt sich nach rechts.

2. Marktgrösse: Auch die Grösse eines Marktes spielt eine Rolle. Wenn etwa durch offene Grenzen mehr Menschen Zugang zu einem Produkt haben, steigt die nachgefragte Menge meist deutlich an.

3. Preise von Substitutions- und Komplementärgütern: Die Preise anderer Güter beeinflussen ebenfalls die Nachfrage. Werden Substitutionsgüter günstiger (z. B. verschiedene Energieträger oder alternative Materialien), sinkt oft die Nachfrage nach dem ursprünglichen Produkt.

4. Preise von Komplementargütern: Komplementärgüter werden dagegen zusammen genutzt, etwa Smartphones und Apps oder Spielekonsolen und Games. Sinkende Preise bei Komplementärgütern erhöhen häufig auch die Nachfrage nach dem Hauptprodukt.

5. Ökologische Einflüsse: Veränderungen in Umwelt und Klima wirken sich ebenfalls aus. Hitzesommer steigern zum Beispiel die Nachfrage nach Klimageräten oder Sonnencreme, während schlechtes Wetter Ausflugsziele weniger attraktiv macht.

6. Subjektive Faktoren: Geschmacksänderungen, Trends oder Erwartungen beeinflussen die Nachfrage stark. Social Media kann Produkte schnell beliebt machen, während kulturelle Traditionen bestimmen, was konsumiert wird. Wer steigende Preise erwartet, kauft manchmal früher oder mehr ein. Je nach Entwicklung verschiebt sich die Nachfragekurve nach links oder rechts.

Preis

Menge m1 m0 m2 N1 N0 N2 p0

Verschiebung nach links Einflussfaktor Verschiebung nach rechts

Senkung

Abnahme

Preissenkungen

1.EinkommensveränderungErhöhung

2.Marktteilnehmer Zunahme

3.Preise SubstitutionsgüterPreissteigerungen

Preissteigerungen 4.Preise KomplementärgüterPreissenkungen

ungünstige

tiefere Nutzeneinschätzung

5.Ökologische Veränderungengünstige

6.Subjektive Faktoren höhere Nutzeneinschätzung

Einflussfaktoren auf die Nachfragekurve

Kostenstruktur

� Abb. 29Verschiebungen der Nachfragekurve

Verschiebungen der Angebotskurve Angebotskurven können sich ebenso verschieben wie Nachfragekurven. Hier sind es grundsätzlich drei Einflussfaktoren, die zu einer Verlagerung der Angebotskurve führen: Veränderungen der Kostenstruktur, ökologische Einflussgrössen und subjektive Faktoren (vgl. � Abb. 30).

Veränderungen in der Kostenstruktur können verschiedene Ursachen haben. Wenn in einer Branche die Preise für die Produktionsfaktoren wie zum Beispiel Löhne oder Zinsen steigen, wird das Angebot kleiner, weil

Kapitel 2 Volkswirtschaftliche Modelle

■ Einflussfaktoren auf die Angebotskurve

1. Einkommen: Ein erster Einflussfaktor auf die Nachfrage nach einem Gut ist das Einkommen. In reichen Ländern oder Familien ist die Nachfrage nach bestimmten Gütern und Dienstleistungen grösser als in ärmeren. Bei identischem Preis steht schlicht mehr Einkommen zur Verfügung, d.h. die gesamte Nachfragekurve liegt weiter rechts.

2. Marktgrösse: Zweitens hat auch die Grösse eines Marktes einen Einfluss auf die zu einem bestimmten Preis nachgefragte Menge. Wenn eine Öffnung der Grenzen zu einer Verdoppelung der Konsumentenzahl führt, wird sich auch die nachgefragte Menge etwa verdoppeln.

3. Preisänderungen bei Substitutions- und Komplementärgütern: Im Weiteren beeinflussen die Preise anderer Güter die Nachfragekurve. Preissenkungen bei Substitutionsgütern (Güter, welche die primär beobachteten Güter ersetzen und somit alternativ eingesetzt werden können) verringern die Nachfrage nach den primären Gütern. Dies ist zum Beispiel bei Kohle, Gas und Öl als Energieträger der Fall oder bei Holz, Kunststoff und Stahl als Baumaterialien. Umgekehrt ist die Wirkung bei Komplement.rgütern. Darunter verstehen wir Güter, die immer mit den primären Gütern zusammen verwendet werden, wie zum Beispiel Autos und Autoreifen, CD-Player und CDs, Hardund Software. Preissenkungen bei Komplementärgütern erhöhen die Nachfrage nach den primären Gütern, auch wenn sich deren Preis nicht ändert.

4. Ökologische Einflüsse: Ein vierter Einflussfaktor sind ökologische Veränderungen. Das Ozonloch hat zum Beispiel die Nachfrage nach Sonnencrèmes stark anwachsen lassen, schlechtes Herbstwetter beeinträchtigt die Umsätze von Ausflugsrestaurants.

5. Subjektive Faktoren Schliesslich beeinflusst eine Reihe subjektiver Faktoren die Nachfrage wie zum Beispiel Geschmacksänderungen oder veränderte Zukunftserwartungen. Die Nachfrage nach einzelnen Produkten kann auch in den Traditionen begründet sein. Zum Beispiel wird Rindfleisch von den Amerikanern sehr geschätzt, während in Indien Rindfleisch vielerorts tabu ist. Raucher, die Preissteigerungen bei Zigaretten erwarten, werden vermehrt Zigaretten nachfragen und Hamsterkäufe tätigen. Je nach Veränderung dieser Faktoren wird sich die Nachfragekurve nach links oder nach rechts verschieben.

■ Achtung:

Bewegung auf der Kurve ist nicht gleich Verschiebung der ganzen Kurve

Bei der Analyse eines Marktes ist wichtig zu unterscheiden, ob die Nachfrage steigt (die ganze Nachfragekurve verschiebt sich) oder ob nur die nachgefragte Menge zunimmt (Bewegung entlang derselben Kurve, meist wegen eines tieferen Preises). Sinkt zum Beispiel das Angebot, steigt der Gleichgewichtspreis. Dadurch wird weniger nachgefragt – es kommt zu einer

Verschiebung nach links

Senkung

Abnahme

Preissenkungen

Preissteigerungen

Einflussfaktor Verschiebung nach rechts

1.EinkommensveränderungErhöhung

2.Marktteilnehmer Zunahme

3.Preise SubstitutionsgüterPreissteigerungen

4.Preise KomplementärgüterPreissenkungen

ungünstige 5.Ökologische Veränderungengünstige

tiefere Nutzeneinschätzung

6.Subjektive Faktoren höhere Nutzeneinschätzung

� Abb. 29Verschiebungen der Nachfragekurve

Einflussfaktoren auf die Angebotskurve

Verschiebungen der Angebotskurve Angebotskurven können sich ebenso verschieben wie Nachfragekurven. Hier sind es grundsätzlich drei Einflussfaktoren, die zu einer Verlagerung der Angebotskurve führen: Veränderungen der Kostenstruktur, ökologische Einflussgrössen und subjektive Faktoren (vgl. � Abb. 30).

Bewegung nach oben auf der Nachfragekurve und nicht zu einer Verschiebung der Kurve selbst. Ein konkretes Beispiel sind Konzerttickets: Wird ein Konzert günstiger angeboten, kaufen mehr Menschen Tickets – die nachgefragte Menge steigt entlang derselben Kurve. Wird dagegen ein Künstler durch Social Media plötzlich viel populärer, möchten generell mehr Personen Tickets kaufen. Dann verschiebt sich die gesamte Nachfragekurve nach rechts, auch wenn sich der Preis zunächst nicht verändert.

Kostenstruktur Veränderungen in der Kostenstruktur können verschiedene Ursachen haben. Wenn in einer Branche die Preise für die Produktionsfaktoren wie zum Beispiel Löhne oder Zinsen steigen, wird das Angebot kleiner, weil es sich für einige Anbieter nicht mehr lohnt, die entsprechenden Güter herzustellen. Demgegenüber können Verbesserungen im Produktionsverfahren oder neue Erfindungen die Produktionskosten senken und damit das Angebot erhöhen. Ein dritter Grund für die Veränderung der Kostenstruktur sind staatliche Eingriffe: Werden einer Branche Unterstützungszahlungen oder Steuererleichterungen gewährt, so führt dies zu einer Erhöhung des Angebots; zusätzliche Steuern werden das Angebot eher verkleinern. Auch rechtliche Regelungen wie zum Beispiel verein-

(Ausgabe für Lehrperson)

64 Kapitel 2 Volkswirtschaftliche Modelle

(Ausgabe für Lehrperson)

10 Märkte sind grundsätzlich effizient und demokratisch

Auf den verschiedenen Märkten wird entschieden, was für wen wie produziert wird. Ziel all dieser Tauschvorgänge ist es, möglichst viele Güter und Dienstleistungen zu möglichst günstigen Preisen zu produzieren und zu konsumieren. Das Optimum ist dann erreicht, wenn mit den gegebenen Produktionsfaktoren jene Güter- und Dienstleistungen mit dem höchsten Nutzen für die Gesellschaft hergestellt werden. Diesen Zustand nennt man Effizienz. Eine Analyse dieser Tauschvorgänge zeigt, wie effizient der Marktmechanismus ist. Wie kann man diese Effizienz messen? Ausgangspunkt für diese Überlegungen sind die Angebots- und Nachfragekurven im Preis-Mengen- Diagramm. Während auf der Nachfragekurve ähnlich einem Umfrageergebnis die gewünschten Preis-Mengen-Kombinationen der Nachfrage abgebildet sind, kann man auf der Angebotskurve die Preis-Mengen-Kombinationen erkennen, zu denen die Unternehmungen bereit sind, die entsprechenden Produkte herzustellen.

■ Konsumentenrente

Als Mass für die Effizienz des Marktmechanismus kann man die Zufriedenheit der Konsumenten und der Produzenten mit dem sich auf dem Markt ergebenden Gleichgewichtspreis erfragen. Die Konsumenten K1 und K2 sind mit dem Gleichgewichtspreis wohl sehr zufrieden, denn sie wären bereit gewesen, für das entsprechende Produkt einen höheren Preis zu zahlen. Die Differenz zwischen ihrer Preisvorstellung und dem geltenden Gleichgewichtspreis nennt man Konsumentenrente, weil die Konsumenten bei jedem Kauf weniger zahlen müssen, als ihnen dieses Produkt wert ist; die Konsumenten machen damit bei jedem Kauf einen entsprechenden «wiederkehrenden Gewinn», mit anderen Worten: sie erhalten eine «Rente».

■ Produzentenrente

Die Produzenten P1 und P2 erzielen ihrerseits bei jedem Verkauf einen zusätzlichen Gewinn (die so genannte Produzentenrente), da diese Produzenten auch bereit wären, das Produkt zu einem tieferen als dem geltenden Gleichgewichtspreis herzustellen. Als Mass der Zufriedenheit mit dem geltenden Marktpreis kann die Summe der Konsumenten- und Produzentenrente betrachtet werden.

■ Nicht berücksichtigte Konsumenten und Produzenten

Nicht alle Marktteilnehmenden kommen beim Gleichgewichtspreis zum Zug. Einige Konsumentinnen und Konsumenten wären nur zu tieferen Preisen bereit zu kaufen und verzichten deshalb auf den Kauf. Gleichzeitig gibt es Produzenten, die erst bei höheren Preisen anbieten würden und daher nicht produzieren. Diese Gruppen liegen im Diagramm ausserhalb des Marktgleichgewichts.

Konsumenten- und Produzentenrente beim Gleichgewichtspreis

Markt als grundsätzlich demokratisches System

■ Höchst- und Mindestpreise bewirken Effizienz- bzw. Wohlstandsverluste

Die Konsumenten K3 und K4 gehen auf diesem Markt leer aus, da sie den geltenden Marktpreis nicht zahlen wollen oder können. Ihre Forderung nach einem gesetzlich vorgeschriebenen Höchstpreis für dieses Produkt hätte zur Folge, dass nun mehr Konsumenten auf diesem Markt berücksichtigt würden. Gleichzeitig käme es zu einer Überschussnachfrage, da zum tieferen Preis weniger Produzenten bereit wären, die entsprechenden Güter anzubieten. Gesamthaft betrachtet würde die Summe der Konsumenten- und Produzentenrente um die farbig schraffierte Fläche in der nebenstehenden Abbildung sinken. Ein solcher Effizenzverlust ergibt sich analog auch bei Mindestpreisen.

■ Markt als grundsätzlich demokratisches System

Neben der Effizienz ist der Markt auch ein grundsätzlich demokratisches System: Jeder darf selber bestimmen, was er wann bei wem zu welchem Preis anbieten und nachfragen will. Anders als in einer Planwirtschaft, in welcher der Staat über die Produktion und den Konsum bestimmt, werden diese Entscheide in einer Marktwirtschaft durch die Haushalte und die Unternehmungen getroffen. Ähnlich wie im sozialen System ist jedoch die Mitwirkungsmöglichkeit auch im ökonomischen System eine Grundvoraussetzung. Es ist wichtig, dass alle Menschen ihre wirtschaftlichen Grundbedürfnisse decken können. Aus diesem Grunde spielt in den meisten marktwirtschaftlich organisierten Gesellschaften der Staat eine gewichtige Rolle. Wenn der Staat in den Wirtschaftskreislauf eingreift, sollte er stets darauf achten, dass die Marktmechanismen weiterhin funktionieren. Statt mit Preisvorschriften werden die Ziele effizienter durch eine Umverteilung der verfügbaren Einkommen der Wirtschaftsteilnehmer erreicht.

sches System: Jeder darf selber bestimmen, was er wann bei wem zu welchem Preis anbieten und nachfragen will. Anders als in einer Planwirtschaft, in welcher der Staat über die Produktion und den Konsum bestimmt, werden diese Entscheide in einer Marktwirtschaft durch die � Abb. 33Konsumenten- und Produzentenrenten bei einem Höchstpreis

Preis Angebot

Effizienzverlust

Lachende

Konsumenten

(K-Rente)

Lachende

Produzenten

Nachfrage (P-Rente)

Nicht berücksichtigte Produzenten

Nicht berücksichtigte Konsumenten

Menge

Nachfrageüberschuss

Konsumenten- und Produzentenrente bei einem Höchstpreis

Urs Saxer, Kantonsschule Schaffhausen – nur zum persönlichen Gebrauch

(Ausgabe für Lehrperson)

(Ausgabe für Lehrperson)

11 Staatliche Eingriffe – notwendig und problematisch

■ Freier Markt und notwendige Aufgaben des Staates

Unsere Wirtschaftsordnung ist nach den Grundsätzen einer sozialen Marktwirtschaft aufgebaut. Danach soll primär der Marktmechanismus dafür sorgen, dass in unserer Gesellschaft ein möglichst hoher Wohlstand erreicht wird. Als «sozial» bezeichnen wir die Wirtschaftsordnung, weil durch staatliche Eingriffe gesellschaftlich unerwünschte Ergebnisse des ungehinderten Marktmechanismus, beispielsweise eine ungleiche Verteilung von Einkommen und Vermögen, korrigiert werden sollen.

In der Realität zeigt sich, dass der Staat trotz der koordinierenden Funktion des Preises in vielfältiger Weise in die Wirtschaft eingreifen muss, damit aus der Summe aller Wirtschaftsaktivitäten ein wirtschafts- und sozialpolitisch erwünschtes Ergebnis erreicht wird. Der Staat übernimmt dabei folgende Aufgaben:

■ Aufgabe 1: Freiheitliche Rechtsordnung

Eine funktionierende Marktwirtschaft kann nur entstehen, wenn das Privateigentum gewährleistet ist. Unternehmungen und private Haushalte werden nur Geld für Investitionen und Konsum ausgeben, wenn sie mit Sicherheit davon ausgehen dürfen, dass das, was sie kaufen, ihnen auch langfristig nicht weggenommen werden kann ( Eigentumsgarantie). Zudem müssen sie frei entscheiden dürfen, mit wem sie zusammenarbeiten und wie sie die Zusammenarbeit inhaltlich gestalten möchten ( Vertragsfreiheit); diese wirtschaftspolitischen Grundlagen sind in der Bundesverfassung festgeschrieben. Schliesslich müssen Verstösse gegen gesetzlich festgesetzte Regeln oder die Nichteinhaltung einmal geschlossener Verträge Konsequenzen haben, die auch durchgesetzt werden können. Wenn das nicht der Fall ist, besteht keine Rechtssicherheit, und der Erlass von Regeln ist nutzlos.

■ Aufgabe 2: Regulierung und Deregulierung

Eine Gesellschaft strebt nicht ausschliesslich Ziele an, die mithilfe des Marktmechanismus erreicht werden können. Der Staat entscheidet, welche gesamtgesellschaftlichen Ziele so wichtig sind, dass deren Erreichung staatliche Eingriffe zur Beschränkung des freien Wettbewerbs rechtfertigen. Insbesondere wenn möglichst alle gesellschaftlich relevanten Gruppen am Wohlstand eines Landes teilhaben sollen, greift er durch Gesetze und Verordnungen in den Markt ein. Solche Eingriffe nennen wir Regulierungen. Damit soll der Handlungsspielraum von Unternehmungen und privaten Haushalten so beeinflusst werden, dass die angestrebten Ziele erreicht werden. Typische Beispiele dafür sind Versorgungssysteme (Post, Energie und Wasser) für alle Regionen eines Landes, die Steuerung der Bautätigkeit durch die Raumplanung oder der Schutz von Angestellten vor den negativen Folgen von Nacht- oder Schichtarbeit. Diese Bereiche könnten grundsätzlich auch in der Schweiz – wie in einigen anderen Ländern – den Marktkräften überlassen werden. Die Mehrheit der Bevölkerung befürchtet jedoch, dass dies nicht erwünschte Ergebnisse hervorbringen würde, und unterstützt deshalb entsprechende Regulierungen. In einer demokratischen Gesellschaft kann sich diese Einschätzung aber auch verändern, was allenfalls zur Beseitigung entsprechender gesetzlicher Auflagen führt ( Deregulierung). Dies zeigt sich z. B. bei Veränderungen im Bereich der Post und Telekommunikation: Noch vor 30 Jahren war ausschliesslich der Staat über einen entsprechenden Monopolbetrieb (PTT: Post, Telefon, Telegraf) für den Verkauf von Post- und Telefondienstleistungen verantwortlich. Als Erstes wurde der Telekommarkt dereguliert, indem unter bestimmten Auflagen private Unternehmungen zugelassen wurden (Sunrise oder Orange [heute «salt»] neben Swisscom). In den letzten Jahren erfolgte schliesslich auch die schrittweise Deregulierung des Postmarktes, indem private Unternehmen zunächst Pakete zustellen durften und seit 2009 teilweise auch die Briefpost durch private Anbieter befördert werden darf.

Aufgabe des Staates bei der Regulierung von Märkten ist es nun, die rechtlichen Auflagen möglichst so zu gestalten, dass das übergeordnete gesellschaftliche Ziel erreicht werden kann, ohne die oben beschriebenen, positiven Funktionen des Preises infrage zu stellen.

Während für Briefpostsendungen bis 50 g die Post aufgrund ihrer Monopolstellung alleiniger Anbieter ist, gilt für adressierte Pakete der freie Wettbewerb; neben der Post erbringen auch private Anbieter solche Dienstleistungen.

■ Aufgabe 3: Korrektur von Marktversagen

Von Marktversagen sprechen wir dann, wenn das Marktergebnis zu einer Verschwendung von Ressourcen führt. Dies geschieht dann, wenn der Preis seine Koordinationsfunktion nicht wahrnehmen kann und Knappheitssituationen deshalb falsch dargestellt werden. Dabei werden drei Formen unterschieden: die Entstehung externer Kosten, die ausbleibende Herstellung öffentlicher Güter sowie das Streben nach unzulässigen Wettbewerbsbeschränkungen zum Vorteil weniger.

■ Aufgabe 3a: Internalisierung von externen Kosten

■ Preis-Mengen-Auswirkung der Internalisierung von externen Kosten

Ticketpreis

Nachfrage

A 1 = Ursprüngliches Angebot

A 2 = Angebot bei internalisierten

externen Kosten

Gemäss einer Studie des Bundesamtes für Raumentwicklung betrugen die externen Kosten des privaten Strassenverkehrs im Jahr 2022 12,5 Mrd

Franken

Wenn die wirtschaftliche Tätigkeit in einem Markt Kosten verursacht, die nicht von den Verursachern getragen, sondern Dritten oder der Gesellschaft aufgebürdet werden, sprechen wir von externen Kosten. Diese betreffen vor allem freie Güter. Freie Güter kommen in der Natur in scheinbar unbeschränkter Menge vor. Sie können deshalb nicht bewirtschaftet werden und haben folglich auch keinen Marktpreis. Am Beispiel der Lärmbelastung durch den Flugverkehr im Einzugsbereich eines Flughafens lassen sich externe Kosten illustrieren. Wie Proteste der Anwohner von Anflug- oder Abflugschneisen deutlich zeigen, ist Fluglärm eine Belästigung. Die Anwohner in den betroffenen Gebieten müssen diese Belästigung «gratis» ertragen, weil sie dafür nicht entschädigt werden, d. h., Lärm hat für die Verursacher keine Kosten, welche sie in den Preis einkalkulieren müssen. In die Kostenkalkulation eines Flugtickets fliessen alle möglichen Kostenfaktoren ein, wie z. B. Treibstoffkosten, Lohnkosten, Flugzeugamortisation oder Landegebühren, nicht jedoch der Lärm. Damit zahlt ein Flugpassagier mit dem Ticketpreis nicht alle Kosten, die sein Flug verursacht. Durch die zu tiefen Flugpreise ohne «Lärmkostenanteil» ist Fliegen «zu billig», deshalb wird häufiger geflogen. Würden nämlich externe Kosten internalisiert, d. h. den Verursachern belastet, müssten die Ticketpreise bei der Menge m 1 von p 1 nach p 2 angehoben werden (vgl. Abbildung). Dies hätte dieselbe Wirkung wie eine Linksverschiebung der Angebotskurve mit der Folge, dass die Anzahl Flüge – und damit auch die Lärmbelastung – abnähme und sich bei der Menge m 2 sowie dem Preis p 3 einpendeln würde.

Mengenrückgang

Externe Kosten

Anzahl Flüge

Externe Kosten können wir allgemein als jene Kosten umschreiben, die im sozialen und ökologischen Umfeld eines Marktes entstehen, aber nicht von den Marktteilnehmern getragen werden. Neben dem beschriebenen Versuch, diese Kosten mit Geld zu bewerten und auf gesetzlichem Weg in die Preise einzurechnen (Internalisierung), kann der Staat auch mit Verboten agieren oder sich selbst um die Beseitigung der negativen Effekte kümmern. Beim Beispiel des Fluglärms wirkt sich dies in Nachtflugverboten oder der staatlich finanzierten Schallisolation von Gebäuden aus. m 2

Tatsächlich verlangt z. B. der Flughafen Zürich seit Langem Lärmgebühren, die zweckgebunden für Lärmsanierungen und Lärmbekämpfungsmassnahmen im Umfeld des Flughafens verwendet werden. Die anhaltenden Proteste der Anwohner lassen allerdings darauf schliessen, dass damit nicht alle externen Kosten abgegolten werden können.

(Ausgabe für Lehrperson)

■ Aufgabe 3b: Bereitstellung von öffentlichen Gütern

Güter, die von vielen Menschen gleichzeitig genutzt werden können, ohne dass man Einzelne von der Nutzung ausschliessen kann, bezeichnen wir als öffentliche Güter. Angenommen, an einem Privatweg mit sechs Einfamilienhäusern entschliessen sich fünf Eigentümer, den Weg mit drei Strassenlampen zu beleuchten, der sechste Eigentümer aber macht beim gemeinsamen Projekt nicht mit. Einmal installiert, kann er – aber auch jede weitere Person – vom Nutzen der Strassenbeleuchtung nicht ausgeschlossen werden; die Strasse wird auch für ihn beleuchtet. Im Unterschied zu den auf Seite 4 behandelten externen Kosten handelt es sich hier um einen externen Nutzen für diejenigen, die sich nicht an den Kosten eines öffentlichen Gutes beteiligen. Weil ein Einzelner keinen Anreiz hat, solche Kosten zu bezahlen, sondern vielmehr hofft, als sogenannter «Trittbrettfahrer» von den Massnahmen anderer profitieren zu können, werden öffentliche Güter in der Regel vom Staat angeboten. In einem marktwirtschaftlichen System mit freiem Wettbewerb sind die gewinnorientierten privaten Unternehmungen nämlich nicht bereit, Güter anzubieten, von denen eine grosse Anzahl von Leuten profitiert, aber nur wenige zur Zahlung bereit sind. Beispiele für öffentliche Güter sind die öffentliche Sicherheit und Ordnung durch das Militär, die Polizei oder das Rechtssystem. Am Beispiel der Diskussionen über Struktur, Grösse und Auftrag der schweizerischen Armee wird ersichtlich, dass das erwünschte staatliche Angebot an öffentlichen Gütern in einer demokratischen Gesellschaft in einem klar festgelegten politischen Verfahren bestimmt wird. Durch das Gesetzgebungsverfahren und Volksabstimmungen werden die entsprechenden Staatsaktivitäten legitimiert und müssen schliesslich von allen Bürgern über Steuern finanziert werden.

■ Aufgabe 3c: Sicherstellung von Wettbewerb

Marktsituationen bringen dann das beste Preis-Mengen-Verhältnis hervor, wenn kein Marktteilnehmer allein den Preis beeinflussen kann. Gelingt dies einem Marktteilnehmer dennoch, wird er den Preis so festlegen, dass er einen maximalen Nutzen erzielt. Dieser Preis, der ja nicht dem eigentlichen Marktpreis entspricht, gibt in jedem Fall falsche Knappheitssignale und führt damit zu einer mangelhaften Allokation der eingesetzten Produktionsmittel (Ressourcenverschwendung). Es liegt deshalb im Interesse der Gesellschaft, dass der Staat alle Bestrebungen zur Verhinderung von Wettbewerb unterbindet, sofern nicht übergeordnete gesellschaftliche Interessen dafür sprechen. Und solche Bestrebungen gibt es viele: So haben Schweizer Bauern z. B. ein Interesse daran, dass sie bei landwirtschaftlichen Produkten nicht gegen ausländische Konkurrenz antreten müssen. Auch bei der Vergabe öffentlicher Aufträge (z. B. dem Bau einer Schule) wären lokale Gewerbebetriebe sicherlich daran interessiert, wenn auswärtige Anbieter keine Offerte einreichen dürften. Schweizer Inhaber von Berufs- oder Universitätsdiplomen hätten ein Interesse daran, dass vergleichbare ausländische Abschlüsse nicht anerkannt würden, damit sie auf dem Arbeitsmarkt vor dieser Konkurrenz geschützt würden.

(Ausgabe für Lehrperson)

■ Vom Marktversagen zum Staatsversagen

Um die Unzulänglichkeiten des Marktes bei Fällen von Marktversagen zu «korrigieren», werden meistens staatliche Massnahmen gefordert. Ist man mit den erreichten Ergebnissen solcher Staatseingriffe nicht zufrieden, ist häufig von Staatsversagen die Rede.

Die folgenden Gründe können zu einem Staatsversagen führen:

■ Oftmals wirken die staatlichen Massnahmen nicht zum richtigen Zeitpunkt, weil vom Entscheid bis zur Umsetzung eines Eingriffs durch die politischen und administrativen Prozesse viel Zeit verstreicht. Steuersätze können z. B. nicht von heute auf morgen verändert werden.

■ Die Bereitstellung von öffentlichen Gütern wird über ein oftmals langwieriges politisches Verfahren festgelegt. Die daraus resultierenden Entscheide sind deshalb nicht selten Kompromisse zwischen den Interessen der verschiedenen Regionen, Kantone, Parteien oder Verbände. Mit solchen Kompromisslösungen werden allerdings vielfach die knappen Produktionsfaktoren nicht optimal eingesetzt. Als Beispiel für eine solch teure Kompromisslösung kann die Realisierung von gleichzeitig zwei Eisenbahn-Alpentransversalen am Lötschberg und am Gotthard angeführt werden. Wäre nur ein Projekt in Angriff genommen worden, hätten beträchtliche finanzielle Mittel für andere öffentliche Aufgaben, z. B. den städtischen Agglomerationsverkehr, eingesetzt werden können.

Prozent des Bruttoinlandprodukts

entspricht.

■ Häufiger werden staatliche Aktivitäten grundsätzlich als zu wenig effizient und zu teuer kritisiert. Vergleiche mit der Privatwirtschaft sind allerdings wenig hilfreich, da die privatwirtschaftlichen Unternehmungen ja gerade nicht bereit sind, öffentliche Güter herzustellen. Allerdings befinden sich die öffentlichen Unternehmungen in diesen Fällen in einer Monopolstellung, und es kann deshalb argumentiert werden, es fehle der effizienzsteigernde Wettbewerbs- oder Konkurrenzdruck.

Der Gotthardtunnel führt vom Nordportal bei Erstfeld im Kanton Uri (Foto) zum Südportal bei Bodio im Kanton Tessin. Die Schweiz hat rund 22,8 Milliarden Franken in den Bau der NEAT investiert, was fast 3,5
(BIP)

12 Primärverteilung durch den Markt - Sekundärverteilung durch den Staat

■ Ungleiche Primärverteilung von Einkommen und Vermögen durch den Markt

Der Marktmechanismus belohnt die leistungsfähigsten Unternehmungen und privaten Haushalte mit den höchsten Gewinnen und Löhnen. Weil die Voraussetzungen wie zum Beispiel Vermögen, Intelligenz oder Ausdauer in der Bevölkerung ungleich verteilt sind, wird das marktwirtschaftliche System immer die Tendenz zu einer ungleichen Einkommens- und Vermögensverteilung beinhalten. Eine gewisse Ungleichheit ist in einer Volkswirtschaft durchaus sinnvoll. Bei einer völligen Gleichverteilung sähe der Homo oeconomicus keinen Anreiz zum Arbeiten, und es würden weniger Güter und Dienstleistungen hergestellt. Der Markt sorgt nach dem Leistungsprinzip für die effiziente Bereitstellung von Gütern und Dienstleistungen. Diese Allokationswirkung des Marktes führt zu einer ungleichen Primärverteilung von Einkommen und Vermögen.

■ Bedarfsgerechte Sekundärverteilung durch den Staat

Eine solche Primärverteilung könnte beispielsweise dazu führen, dass in einer Volkswirtschaft mehr für Hunde- und Katzennahrung ausgegeben wird als für die Förderung von Kinderkrippen. Wenn eine Gesellschaft mit der Primärverteilung des Marktes nicht zufrieden ist, kann sie durch Umverteilungsmassnahmen eine gerechtere Sekundärverteilung erreichen. Diese Sekundärverteilung kann durch progressive Steuern erfolgen, bei denen die Reichen überdurchschnittlich viel Steuern bezahlen. Zudem können aus diesen Steuereinnahmen gezielte Unterstützungszahlungen finanziert werden, die den Ärmeren ein gewisses Mindesteinkommen sichern.

Der Staat verfügt darüber hinaus über verschiedene Instrumente, um Märkte zu beeinflussen. Steuern können das Verhalten von Konsumentinnen und Produzenten lenken, etwa durch höhere Abgaben auf Tabak oder CO₂-intensive Produkte, um den Konsum zu reduzieren. Subventionen wirken in die entgegengesetzte Richtung: Sie verbilligen bestimmte Güter oder Dienstleistungen, zum Beispiel Beiträge an Kinderkrippen, erneuerbare Energien oder den öffentlichen Verkehr, damit diese stärker genutzt werden. Mit Kontingenten kann der Staat schliesslich die Menge eines Gutes begrenzen oder steuern, etwa durch Importkontingente in der Landwirtschaft oder Fangquoten in der Fischerei. Durch die Kombination dieser Instrumente versucht die Politik, wirtschaftliche Effizienz mit sozialen und ökologischen Zielen zu verbinden.

■ Problematische Höchstpreise zum Schutz der Konsumenten

Wenn der Staat aus sozialen Gründen Höchstpreise festlegt, die unter dem Gleichgewichtspreis liegen, entsteht auf dem Markt ein Nachfrageüberhang. Wenn auf dem Wohnungsmarkt beispielsweise Höchstpreise gelten, entsteht ein Nachfrageüberschuss. Nach dem Grundsatz «Wer zuerst kommt, mahlt zuerst» werden sich Warteschlangen und Schwarzmärkte bilden. Wenn der Staat das knappe Angebot durch die Zuteilung von Wohnraum selber regeln will, ist ein gewaltiger Verwaltungsapparat notwendig. Eine weitere Möglichkeit ist die Ausdehnung des Angebots durch staatliche Wohnbauförderung.

■ Problematische Mindestpreise zum Schutz der Anbieter

Zur Unterstützung und zum Schutz der Anbieter kann der Staat auch einen Preis oberhalb des Gleichgewichtspreises festsetzen; dieser Mindestpreis entspricht dabei einer Preisuntergrenze. Auf dem Markt wird sich dadurch ein Angebotsüberhang einstellen. Wenn der Staat das Angebot durch eine Quotenbeschränkung (Kontingentierung) für die Anbieter begrenzt, besteht die Gefahr, dass die Anbieter ihre Überproduktion illegal auf dem Schwarzmarkt verkaufen. Der Staat kann den Angebotsüberschuss, zum Beispiel einen «Milchsee» oder einen «Butterberg», zu garantierten Preisen übernehmen. Die Verwertung dieser Überschüsse muss dann durch die Steuerzahler finanziert werden.

■ Allgemeiner Preisstopp führt zu Schwarzmärkten

Wenn der Staat die Preise einfriert und einen allgemeinen Lohn- und Preisstopp verfügt, werden sich Anbieter häufig aus dem offiziellen Markt zurückziehen und ihre Produkte oder Dienstleistungen auf einem Schwarzmarkt anbieten. Ein Schwarzmarkt entsteht, wenn Güter ausserhalb der staatlichen Regeln gehandelt werden, etwa zu höheren Preisen oder ohne Kontrollen. Solche Märkte haben oft negative Folgen: Es fehlen Qualitäts- und Sicherheitsstandards, der Staat verliert Steuereinnahmen, und ehrliche Anbieter werden benachteiligt. Zudem steigt das Risiko von Betrug oder illegalen Aktivitäten. Beispiele dafür sind der illegale Handel mit stark nachgefragten Konzerttickets zu überhöhten Preisen oder der Verkauf von Treibstoff und Lebensmitteln in Ländern mit staatlich festgelegten Niedrigpreisen. Schwarzmärkte zeigen damit, dass zu starke Eingriffe in die Preisbildung unerwünschte Nebenwirkungen haben können.

(Ausgabe für Lehrperson)

■ Wie viel Staat und wie viel Markt?

Wie stark soll sich der Staat im ökonomischen System engagieren? Die Antwort auf diese Frage hängt von der politischen Grundhaltung ab: Wer von den positiven Auswirkungen des Marktes überzeugt ist, betont die Eigenverantwortung und Freiheit des Einzelnen und fordert daher ein Minimum an staatlichen Eingriffen. Wer sein Augenmerk vor allem auf die unbefriedigenden Ergebnisse des Marktes richtet, ruft nach der starken Hand des Staates.

■ Beurteilungskriterien für staatliche Eingriffe

Aus ökonomischer Sicht sollte der Staat bei seinen Eingriffen den Marktmechanismus nicht ausser Kraft setzen, sondern die Zielsetzung durch eine Sekundärverteilung anstreben. Die folgenden Kriterien können bei der Beurteilung von Staatseingriffen in die Wirtschaft verwendet werden:

■ Bleibt der Preismechanismus wirksam?

■ Ist der Marktzutritt für neue Anbieter gewährleistet?

■ Ist sichergestellt, dass die Eingriffe rasch umgesetzt werden?

■ Wie hoch sind die Kosten für das staatliche Engagement?

Aus den Überlegungen zum Staatsversagen bevorzugen Ökonomen staatliche Eingriffe, die den Marktmechanismus nicht ausser Kraft setzen. Der Staat kann nämlich einerseits das Verhalten der Anbieter auch über die Kostenseite beeinflussen: durch Steuersenkungen, Subventionen oder Zinssenkungen. Andererseits kann der Staat auch selber auf dem Markt als Nachfrager und Anbieter auftreten. Die einkommensschwachen Haushalte können durch eine Steuersenkung oder durch Transferzahlungen begünstigt werden. Solche Eingriffe werden als marktkonform bezeichnet, weil die Wirkung des Preismechanismus und damit die Allokationsfunktion des Marktes erhalten bleibt.

(Ausgabe für Lehrperson)

A Wie schnell fahren Sie?

a) Ausgangslage1: Ihre Klasse schlüpft in die Rolle von Fahrer:innen, die möglichst schnell ihre Sendungen verteilen wollen. Je schneller Sie am Ziel sind, desto höher ist Ihr Bonus. Jemand in ihrer Klasse übernimmt die Rolle der Polizei, die mit einem Budget Kontrollen durchführt und von zu schnell Fahrenden Bussgelder einzieht.

b) Rolle Fahrer:in

Sie wollen während Ihrer Arbeitszeit möglichst viele Sendungen verteilen. Wenn Sie schneller fahren, erhalten Sie einen Bonus gemäss der folgenden Tabelle. Wenn Sie in eine Geschwindigkeitskontrolle der Polizei geraten, müssen Sie ein Busse zahlen.

Rahmenbedingungen für Fahrer:innen

Überschreitung der Höchstgeschwindigkeit Bonus, weil mehr Sendungen verteilt

über 30

800 + Ausweisentzug

Wie gehen Sie vor? Formulieren Sie Ihre Strategie stichwortartig.

Individuelle Antworten, z. B.

Vorsichtig: in allen Runden 1-5 km/h zu schnell

Risikoreich: in allen Runden 20-26 km/h zu schnell

Wahrscheinlichkeitsorientiert: Nach Kontrolle 20-26 km/h

1 Nach dem Lastwagenfahrerspiel von A. Hunziker: Spass am ökonomischen Denken. Verlag SKV. 2008.

2 Von der gemessenen Geschwindigkeit wird ein sogenannter Sicherheitsabzug abgezogen.

und Robert Lynn DHL im Jahr 1969 gründeten, wussten sie nicht, dass sie die Welt der Logistik revolutionieren würden. Heute ist DHL das weltweit führende Logistikunternehmen mit 600 000 Mitarbeiter in mehr als 220 Ländern und über 84 Mrd € Umsatz (2024).

Kreuzen Sie in Ihrem Auswertungsblatt zu Beginn jeder Runde an, wie schnell Sie fahren. Übertragen Sie nach dem Entscheid der Polizei zu Geschwindigkeitskontrollen den entsprechenden Bonus als Nutzen und eine allfällige Busse als Kosten in Ihr Auswertungsblatt. Falls in einer Runde die Busse höher ist als Ihr Bonus, tragen Sie die negative Zahl ein. Addieren Sie am Ende Ihre Einnahmen.

Auswertungsblatt Fahrer:in Runde

Überschreitung der Höchstgeschwindigkeit

Einnahmen

(Ausgabe für Lehrperson)

Als Adrian Dalsey, Larry Hillblom

Ökonomische Modelle und Konzepte (Ausgabe für Lehrperson)

c) Rolle Polizist:in

Sie haben den Auftrag, die Geschwindigkeit auf den Strassen so zu kontrollieren, dass möglichst wenig Geschwindigkeitsübertretungen vorkommen.

Jede Geschwindigkeitskontrolle ist mit Kosten verbunden. Für jeden kontrollierten Fahrer:in entstehen der Polizei Kosten von je 20. Demgegenüber gehen die eingenommen Bussgelder in die Staatskasse. Die Polizei erhält vom Staat ein Start-Budget (Anzahl Faher:innen auf den Strassen * 20).

Die Geschwindigkeitskontrollen müssen selbsttragend sein. Wie gehen Sie vor? Formulieren Sie Ihre Strategie stichwortartig:

Individuelle Antworten, z. B.

Runde 1: keine Kontrollen / Runde 2: Risiko-affine (Pappenehimer)

Runde 3: wie in Runde 2 / Runde 4: Alle

Runde 5 - 7: Budget ausschöpfen

Kreuzen Sie zu Beginn jeder Runde an, wie schnell Sie fahren. Übertragen Sie nach dem Entscheid der Polizei zu Geschwindigkeitskontrollen den entsprechenden Bonus als Nutzen und eine allfällige Busse als Kosten in Ihr Auswertungsblatt. Falls in einer Runde die Busse höher ist als Ihr Bonus, tragen Sie die negative Zahl ein. Addieren Sie am Ende Ihre Einnahmen.

Hier können Sie folgende überfachliche Kompetenz trainieren:

9 Umgang mit Digitalität Tabellenkalkulation effizient einsetzen Merkpunkte, im Excel-Portfolio nachtragen

1. Erstellen Sie die beiden Auswertungsblätter in Form einer Excel-Tabelle, in welcher Sie die Entscheide effizient eintragen und die Ergebnisse automatisch berechnet werden.

2. Formatieren Sie Ihre Tabelle farblich und stellen Sie negative Zahlen in rot dar.

3. Erläutern Sie Ihre Formeln in einem Video.

Auswertungsblatt für Polizist:in

Runde (1) Budget vor Kontr. Anzahl Kontr. (2) Kosten (Anz.*20) Wer wird kontrolliert? Busse (3) Einnahmen aus Bussen Budget nach Kontr. (= 1–2+3)

d) Auswertung 1: Grenznutzen- und Grenzkostenüberlegungen

Die Fahrer:innen stehen vor der ökonomischen Entscheidung, ob sich eine zusätzliche Geschwindigkeitsüberschreitung lohnt. Dabei sind der zusätzliche Bonus (Grenznutzen) und die erwarteten zusätzlichen Kosten einer möglichen Busse (Grenzkosten) zu berücksichtigen. Die rationale Entscheidung hängt zudem von der Kontrollwahrscheinlichkeit p und somit vom Verhalten der Polizei ab.

Füllen Sie dazu die folgende Tabelle aus und analysieren Sie anschliessend anhand der berechneten Grenznutzen und erwarteten Grenzkosten, bei welcher Geschwindigkeitsüberschreitung ein rational handelnder Fahrer bzw. eine rational handelnde Fahrerin fahren sollte. Begründen Sie Ihre Entscheidung ökonomisch.

Tempolimitüberschreitung solange gilt: Grenznutzen > Grenzkosten

p = 0,05: 21-25 km/h zu schnell (Grenznutzen 5 > Grenzkosten 2,5)

p = 0.5: 6-10 km/h zu schnell (Grenznutzen 15 > Grenzkosten 10)

p = 0.8 : 1-5 km/h zu schnell (Grenznutzen 20 > Grenzkosten 0)

Tempolimitüberschreitung Bonus (= Nutzen)

Zus. Nutzen bei mehr Tempo (= Grenznutzen) Busse (= Kosten)

Zus. Kosten bei mehr Tempo (= Grenzkosten)

Grenzkosten bei Kontrollwahrscheinlichkeit p

(Ausgabe für Lehrperson)

und Recht

e) Auswertung 2: Gründe für nicht rationales Verhalten?

Weshalb verhalten sich nicht alle Fahrer:innen rational?

– Ökonomische Modelle und Konzepte (Ausgabe für Lehrperson)

Begrenzte Rationalität: Die Fahrer bzw. die Polizei durchschauen

ihre Kosten/Nutzen-Situation nicht ganz.

Moral/Psychische Kosten: Man will anständig sein und lässt sich

diesen Anstand etwas kosten - in Form eines Verzichts auf einen

Bonus, der bei weniger anständigem Verhalten zu erreichen wäre.

Versteckte Kosten: Es steigt auch das Unfallrisiko, das hier nicht abgebildet ist. Deshalb fahren die Fahrer im Vergleich zum

theoretischen Wert zu langsam.

Schadenfreude / Psychologischer Nutzen: Nur wer zu schnell fährt,

schafft sich Chancen auf das gute Gefühl, dass man ihn/sie nicht erwischt hat.

Polizei kennt die «Pappenheimer»: Sie fischt immer die notorischen

Schnellfahrer heraus. Deshalb kann die Polizei mit ihren Kontrollen

ein tieferes als das theoretisch erwartete Geschwindigkeitsniveau

erwirken

f) Welche Rahmenbedingungen würden Sie für das Fahren auf den Schweizer Autobahnen setzen?

Tempolimitüberschreitung Sanktion

um

um 31–34 km/h

um 35+ km/h

80+ km/h bei Tempolimit über 80 (Raserdelikt)

Anzeige (mind. 400.–) Verwarnung

Anzeige, Ausweisentzug mind. 1 Monat

Anzeige, Ausweisentzug mind. 3 Monate

Anzeige, Freiheitsstrafe oder Geldstrafe, Ausweisentzug mind. 1 Jahr, Fahreignungs-Untersuchung

C Welche Wirtschaft wünschen Sie sich?

In jeder Volkswirtschaft kann die Gesellschaft entscheiden, welche Ziele sie erreichen will und wie sie die vorhandenen (knappen) Mittel (Ressourcen), wie z.B. Arbeit, Kapital, Materialien In jeder Volkswirtschaft kann die Gesellschaft entscheiden, welche Ziele sie erreichen will und wie sie die vorhandenen (knappen) Mittel (Ressourcen), wie z.B. Arbeit, Kapital, Materialien einsetzen will, um die gesetzen Ziele zu erreichen.

Für den Einsatz der beschränkten Mittel, die wirtschaftlichen Aktivitäten, können Rahmenbedingungen und Regeln festgelegt werden. Welche Ressourcen sollen für die Herstellung von Gütern eingesetzt werden? Auf welche Art und Weise soll prodziert werden? Wie sollen die hergestellten Güter verteilt werden?

1. Recherche und Präsentation

a) Bilden Sie Gruppen und recherchieren Sie jeweils eine der folgenden Wirtschaftsordnungen bzw. Wirtschaftsmodelle:

Gruppe 1: Marktwirtschaft

Gruppe 2: Planwirtschaft

Gruppe 3: Soziale Marktwirtschaft

Gruppe 4: Mixed Economy

Gruppe 5: Donut-Ökonomie

Gruppe 6: Subsistenz-/Bedarfswirtschaft

Gruppe 7: Postwachstumsökonomie

Gruppe 8: Kreislaufwirtschaft

b) Erstellen Sie eine Präsentation (z.B. PowerPoint, Prezi) über ihre zugeteilte Wirtschaftsordnung bzw. ihr zugeteiltes Wirtschaftsmodell. Die Präsentation sollte folgende Punkte abdecken:

– Definition und grundlegende Prinzipien

– Beispiele von Ländern oder Gesellschaften, die diese Wirtschaftsordnung umsetzen oder umgesetzt haben

– Vorteile und Nachteile

– Auswirkungen auf die Gesellschaft (z.B. soziale Gerechtigkeit, Wohlstand, Chancengleichheit)

– Auswirkungen auf die Umwelt (z.B. ökologische Nachhaltigkeit)

Die Wirtschaftsordnung bezeichnet das institutionelle und rechtliche System, das die Rahmenbedingungen und Regeln für wirtschaftliche Aktivitäten und das Zusammenwirken von Wirtschaftsakteuren festlegt. Bei den Wirtschaftsordnungen unterscheidet man zwei Hauptformen: Marktwirtschaft und Planwirtschaft. In der Praxis finden sich auch einige Mischformen, die als Mixed Economy bezeichnet werden..

Zusätzlich bieten Wirtschaftsmodelle Ansätze und Konzepte, wie bestimmte ökonomische Aktivitäten organisiert und durchgeführt werden.

2. Vergleich und Diskussion

a) Nach den Präsentationen erstellen Sie eine vergleichende Tabelle, in der Sie die verschiedenen Wirtschaftsordnungen hinsichtlich ihrer Merkmale, Vor- und Nachteile sowie ihrer sozialen und ökologischen Auswirkungen gegenüberstellen.

b) Diskutieren Sie in der Klasse die folgenden Fragen:

– Welche Wirtschaftsordnung und welches welches Wirtschaftsmodell erscheint Ihnen am nachhaltigsten 1) und warum?

– In welcher Wirtschaftsordnung sehen Sie die grösste soziale Gerechtigkeit und warum?

– Welche Wirtschaftsordnung passt Ihrer Meinung nach am besten zur heutigen globalen Situation und warum?

Hier können Sie folgende überfachliche Kompetenz trainieren:

33 Kooperationsfähigkeit: Teamfähigkeit

Mit anderen zusammenarbeiten, dabei den Umgang mit Vielfalt pflegen, sich in der Gruppe aktiv einbringen, Verantwortung übernehmen, andere respektieren, sich in sie hineindenken und auf sie eingehen, die eigene Position sachlich und überzeugend vertreten, sich argumentativ überzeugen lassen, respektive überzeugen können. Merkpunkte, im Excel-Portfolio nachtragen

1 Unter Nachhaltigkeit verstehen wir eine Entwicklung, welche die heutigen Bedürfnisse zu decken vermag, ohne für künftige Generationen die Möglichkeit zu schmälern, ihre eigenen Bedürfnisse zu decken.

(Ausgabe für Lehrperson)

und Recht

Vergleichslösung zu 1. Recherche und Präsentation

Wirtschaftsordnung / Wirtschaftsmodelle

Freie Marktwirtschaft

(USA im 19. Jhd.)

Soziale Marktwirtschaft (Europäische Länder)

Merkmale

Ressourcen durch freien Markt gesteuert, Angebot und Nachfrage bestimmen Preise, Staat greift begrenzt ein

Mischung aus Marktwirtschaft und sozialer Absicherung, Staat greift zur sozialen Gerechtigkeit ein

Planwirtschaft (Nordkorea, Kuba)

Mixed Economy (China, Russland, Singapur, Norwegen)

Donut-Ökonomie (Amsterdam)

Subsistenz-/ Bedarfswirtschaft (Regionalläden)

Postwachstumsökonomie (Repair-Cafés)

Kreislaufwirtschaft (Dänemark)

– Ökonomische Modelle und Konzepte (Ausgabe für Lehrperson)

Staat kontrolliert Produktionsmittel und Ressourcenverteilung, zentral gesteuert

Kombination aus Markt- und staatlicher Intervention, Mischung variiert je nach Land

Von zwei Seiten (Umwelt, Gesellschaft) begrenzter Raum für wirtschaftliche Aktivitäten

Selbstverantwortlichkeit für Grundbedürfnisse, Markt nur für Überschussproduktion

Infragestellung ständigen Wirtschaftswachstums, Subsistenz, Suffizienz

Minimierung von Ressourcenverbrauch und Abfall, Wiederverwendung und Recycling in Kreisläufen

Vorteile Nachteile

Hohe Effizienz und Innovation, individuelle Freiheit und Wahlmöglichkeiten

Soziale Gerechtigkeit und Sicherheit, Markt bleibt effizient

Gleichverteilung von Ressourcen, Erfüllung gesellschaftlicher Bedürfnisse

Flexibilität, Möglichkeit, soziale und ökologische Ziele zu erreichen

Soziale Ungleichheiten, Marktversagen und Umweltverschmutzung

Soziale Auswirkungen Ökologische Auswirkungen

Grosse Einkommensunterschiede, wenig soziale Sicherung

Hohe Staatsausgaben für Sozialprogramme, Bürokratie

Geringe Effizienz, wenig Innovation

Komplexität der Koordination, potenziell ineffizient

Fördert nachhaltiges Wirtschaften kann Wirtschaftswachstum einschränken

Unabhängigkeit, nachhaltige Lebensweise

Nachhaltigkeit, Fokus auf Lebensqualität statt Wirtschaftswachstum

Umweltfreundlich, Ressourcen werden effizient genutzt

Geringer Wohlstand, eingeschränkter Zugang zu modernen Annehmlichkeiten

Schwierige politische Durchsetzbarkeit, potenziell niedriger Lebensstandard

Hoher Aufwand für Recycling und Wiederverwendung, Anfangsinvestitionen erforderlich

Bessere Chancengleichheit, starke soziale Sicherung

Potenziell hohe Umweltbelastung

Staatliche Regulierungen können Umwelt schützen

Soziale Sicherheit für alle, geringe Einkommensunterschiede

Variiert je nach politischer Ausrichtung, kann soziale Sicherheit verbessern

Gesellschaftliche Bedürfnisse werden definiert, setzen Rahmen

Hohe Gemeinschaftsbindung, geringe soziale Ungleichheit

Förderung sozialer Gerechtigkeit, reduzierte Ungleichheiten

Kann umweltschonend sein, aber oft ineffiziente Nutzung von Ressourcen

Kann Umweltschutz fördern, wenn staatliche Massnahmen stark sind

Umweltschutz wird definiert, setzt Rahmen

Geringe Umweltbelastung, nachhaltige Nutzung lokaler Ressourcen

Stark ökologisch orientiert, geringere Ressourcenausbeutung

Kann zur Schaffung von Arbeitsplätzen im RecyclingSektor beitragen, fördert soziale Gerechtigkeit

Starke Reduktion von Abfall und Umweltbelastung, Erhöhung der Ressourceneffizienz

G Wer soll den Wohnungsmarkt steuern?

Lesen Sie zum Einstieg den folgenden Text von Florian Bally-Rommel (Sunflower Foundation) und führen Sie zur Frage am Ende des Textes eine Umfrage durch.

Auf dem Boden bleiben – Plurale Ökonomie als geteilte Lebenswirklichkeit

In den letzten beiden Abschnitten wurden verschiedene Typen von Wirtschaftssystemen und -modellen besprochen. Sie lassen sich stereotypisch veranschaulichen: In der traditionell kommunistisch-planwirtschaftlich organisierten Volksrepublik China gehört Land entweder dem Staat oder den ländlichen Kollektiven. Privatpersonen und Unternehmen können Land nicht im eigentlichen Sinne kaufen, sondern nur Nutzungsrechte für 50 oder maximal 99 Jahre erwerben.

Dort, wo marktwirtschaftliche Prinzipien walten, wie in vielen westlichen Metropolen, sind die Preise in den letzten Jahrzehnten bedingt durch das Spiel zwischen Angebot und Nachfrage enorm gestiegen. In London stehen Häuser zum Teil leer, weil Investoren davon ausgehen, sie in kurzer Zeit ohnehin wieder teurer verkaufen zu können.

Eine spannende Mischform findet sich in Singapur. Dort baut der Staat und verkauft Eigentumswohnungen. Jeder Bürger hat das Recht, zu verbilligten Konditionen eine Wohnung zu erwerben, um für das Alter vorzusorgen. Nach ein paar Jahren darf diese auch auf dem freien Markt gehandelt werden. Die Preise sind hoch, und zugleich hat jeder das Grundrecht auf bezahlbares Wohneigentum.

Der Zweck bestimmt die Perspektive und den Preis

Der Preis für das Wohnen kann sich nach dem Gesetz von Angebot und Nachfrage richten, aber nicht nur. In der gelebten Vielfalt liegt eine Vielfalt konkreter Konzepte, die das wirtschaftliche Leben strukturieren.

- Als Kapitalanlage wird Wohnraum vor allem unter dem Aspekt von Rentabilität betrachtet. Investitionen sollen sich lohnen, Mieten sichern Einnahmen, Sanierungen erhöhen den Marktwert. Diese Perspektive kann zur effizienten Nutzung knapper Flächen führen etwa durch zügige Projektentwicklung oder Modernisierung. Gleichzeitig besteht die Gefahr, dass soziale Aspekte wie Erschwinglichkeit oder Nachbarschaftsbindung in den Hintergrund treten oder sogar Leerstand in Kauf genommen wird, um zu spekulieren.

- Als Gemeingut in einer Genossenschaft steht häufig die langfristige Versorgungssicherheit im Mittelpunkt. Mieten orientieren sich an tatsächlichen Kosten weitgehend ohne Renditedruck. Entscheidungen werden ggf. kollektiv getroffen. Das kann eine stabile, solidarische Wohnform ermöglichen, birgt aber auch Herausforderungen, etwa bei Investitionen oder bei der Lösung von Konflikten.

- Als Teil staatlicher Daseinsvorsorge wird Wohnraum über Bauprogramme, Förderinstrumente oder Preisbindungen gestaltet. Der Staat kann gezielt eingreifen, um soziale Ziele zu erreichen etwa in Krisenzeiten, bei besonderem Bedarf oder um räumliche Segregation zu verhindern. Gleichzeitig muss er dabei politische, fiskalische und verwaltungstechnische Zwänge abwägen.

- Als persönliches Projekt etwa in Form eines selbstgebauten Hauses oder gemeinschaftlichen Wohnprojekts kann Wohnen auch Ausdruck individueller Lebensgestaltung, familiärer Selbstversorgung, Altersvorsorge oder alternativer Lebensformen sein.

In welcher Wirtschaftsform leben wir eigentlich in der Schweiz?

Die Wirklichkeit ist meist facettenreicher als die idealen Typen. Welche der bis hier eingeführten Begriffe passen Ihrer Meinung nach am besten zur Beschreibung des Wohnens in der Schweiz? Wenn wir uns einen konkreten Fall ansehen, entdecken wir schnell eine erhebliche Vielfalt an Optionen. Es gibt verschiedene Grundverständnisse, die in ganz konkreten Rechtsformen umgesetzt und durch unterschiedliche Praktiken funktionieren:

A) Kantone wie Basel haben die kantonale Wohnungsnot ausgerufen. Der Kanton stellt damit offiziell fest, dass die Gesetze von Angebot und Nachfrage aufgrund des begrenzten Angebots nicht mehr in Kraft sind. Neue Mieter haben nach Einzug einen Monat Zeit, um gegen Mieten, die über der Quartiersüblichkeit liegen, Einsprache zu erheben.

B) Im Kanton Uri gehören ca. 70% des Bodens einer kommunalen und werden, wie in China nur auf X Jahre verpachtet. Im Kanton Basel war eine Initiative erfolgreich, die festlegt, dass den Kanton Land nicht mehr verkaufen, sondern nur noch im Baurecht vergeben darf.

C) Laut Bundesgesetz darf mit der Vermietung von Wohnungen in der Schweiz nur eine Rendite von 3% erwirtschaftet werden. Dennoch werben Immobilienfonds mit Renditen bis zu 10% im Jahr.

D) In Zürich wohnen 25% der Mieter in Genossenschaftswohnungen. Gemäss einem Entscheid soll der Anteil sogar noch auf 33% steigen.

Umfrage:

Ist Wohnen ein ökonomisches Gut, ein Grundrecht oder ein Spekulationsobjekt?

(Ausgabe für Lehrperson)

In vielen Städten der Schweiz steigen die Mieten stark. Gleichzeitig wird Wohnraum knapper. Besonders in grossen Städten wie Zürich oder Basel gibt es nur wenige freie Wohnungen. Der Wohnungsmarkt ist deshalb ein gutes Beispiel, um zu untersuchen, wie Märkte funktionieren und wann der Staat eingreift.

Auf dem Wohnungsmarkt treffen verschiedene Akteure aufeinander:

■ Mieterinnen und Mieter suchen bezahlbaren Wohnraum.

■ Vermieterinnen und Vermieter wollen mit Wohnungen eine Rendite erzielen.

■ Bauunternehmen und Investoren möchten rentable Bauprojekte realisieren.

■ Der Staat versucht, genügend Wohnraum und eine ausgewogene Stadtentwicklung sicherzustellen.

Problemstellung: Soll Wohnraum hauptsächlich durch den Markt organisiert werden oder braucht es staatliche Eingriffe?

a) Bilden Sie die folgenden vier Gruppen:

Gruppe 1: Mieterinnen / Mieter

Gruppe 2: Vermieterinnen / Immobilienbesitzer

Gruppe 3: Bauunternehmen / Investoren

Gruppe 4: Stadtrat / Raumplanungsamt

b) Recherchieren Sie zu den folgenden Aspekten

Aspekt A – Interessen analysieren

• Welche Interessen verfolgt Ihre Gruppe im Wohnungsmarkt?

• Welche Vorteile hat Ihre Gruppe im aktuellen System?

• Welche Probleme oder Risiken erlebt Ihre Gruppe?

Aspekte B – Marktmechanismus verstehen

• Warum steigen in vielen Städten die Mieten?

• Was passiert, wenn die Nachfrage nach Wohnungen stark steigt?

• Welche Rolle spielen Baukosten und Bauland?

Aspekt C – Rolle des Staates

• Soll der Staat die Mietpreise regulieren?

• Soll der Staat Bauvorschriften ändern?

• Sollen Wohnbaugenossenschaften staatlich gefördert werden?

Notieren Sie Ihre Erkenntnisse und begründen Sie dese mit Fakten aus den nebenstehenden Quellen.

(Ausgabe für Lehrperson)

■ SRF Dok: Wo-wo-Wohnungsnot

■ 3sat: Schweiz - das Land der Genossenschaften

■ Die Volkswirtschaft: Wohnen zwischen Markt und Staat

c) Überlegungen zu Lösungsvorschlägen

Welche Massnahmen könnten das Wohnungsproblem verbessern?

Formulieren Sie aus Ihrer Perspektive drei konkrete Vorschläge.

d) Präsentation

Bereiten Sie eine Kurzpräsentation (5 Minuten) vor. Diese Präsentation soll folgende Punkte aus Ihrer Perspektive enthalten

• Statement zur Problemstellung

• Wichtigste Probleme im Wohnungsmarkt

• Drei politische Lösungsvorschläge

e) Perspektiven vergleichen

Bilden Sie nach den Präsentationen neue Gruppen, so dass in jeder neuen Gruppe eine Person aus jeder Perspektive vertreten ist. Diskutieren Sie in dieser neuen Gruppe deie folgenden Fragen:

1. Welche Interessen stehen im Konflikt?

2. Welche Lösungen erscheinen realistisch?

3. Wie könnte ein Mischsystem zwischen Markt und Staat aussehen?

Ergänzen Sie stichwortartig die folgende Vergleichstabelle

Perspektive Interessen Lösungsvorschläge

Mieterinnen/ Mieter

Vermieterinnen/ Immobilienbesitzer

Bauunternehmen/ Investoren

Stadtrat/ Raumplanungsamt

f) Kriterienbasierte Bewertung der Lösungsvorschläge

Beurteillen Sie die Lösungsvorschläge anhand ökonomischer, sozialer und ökologischer Kriterien

Hier können Sie folgende überfachliche Kompetenz trainieren: 33 Kooperationsfähigkeit: Sozialverantwortungsfähigkeit

Für Personen mit einem Bedürfnis nach Hilfe diese gewähren, damit sich der Verantwortung gegenüber anderen bewusst sein und diese Verantwortung wahr- und übernehmen..

Merkpunkte, im Excel-Portfolio nachtragen

g) Welche Mischung aus Markt und Staat ist für den Wohnungsmarkt aus Ihrer Sicht am sinnvollsten?

Formulieren Sie stichwortartig ihre Meinung mit Begründung.

(Ausgabe für Lehrperson)

Ökonomische Modelle und Konzepte (Ausgabe für Lehrperson)

Bildnachweis

Titelseite: Adobe Stock / Alex from the Rock

Umschlag Innenseite: Adobe Stock / MR

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Seite 11: Keystone/Gaëtan Bally

Umschlag Rückseite: Adobe Stock / artrachen, tiero, Alex from the Rock, ipopba

Seit 1993 entwickeln wir gemeinsam Unterrichtsmaterialien für Wirtschaft und Recht auf der Sekundarstufe II. Ausgangspunkt unserer Überlegungen sind immer die konkrete Umsetzung im Unterricht, die Denk- und Lernprozesse der Schülerinnen und Schüler.

Unser Anspruch: Lehrpersonen sollen mit unseren Unterlagen professioneller, gelassener und mit Freude unterrichten können. Schülerinnen und Schülern wollen wir das Rüstzeug und ein vertieftes Verständnis von wirtschaftlichen und rechtlichen Zusammenhängen mitgeben, damit sie im privaten und beruflichen Umfeld bewusst handeln, entscheiden und mitgestalten können.

Autoren

■ Dr. Urs Saxer war bis 2025 Wirtschaftslehrer an der Kantonsschule Schaffhausen und Brückendozent am Institut für Wirtschaftspädagogik (IWP) der Universität St. Gallen. urs.saxer@strteachware.ch

■ Thomas Tobler, mag. oec., ist Wirtschaftslehrer und Rektor an der Kantonsschule Stadelhofen, Zürich. thomas.tobler@strteachware.ch

■ Heinz Rüfenacht, lic. oec., war bis 2014 Wirtschaftslehrer am Bildungszentrum Wirtschaft, Weinfelden. heinz.ruefenacht@strteachware.ch

Über Rückmeldungen und Anregungen freuen wir uns sehr. Gerne nehmen wir Ihr Feedback auf info@strteachware.ch entgegen.

Wir wünschen Ihnen einen interessanten und anregenden Unterricht mit Ihren Lernenden.

Sommer 2026

Urs Saxer, Thomas Tobler, Heinz Rüfenacht

STR Teachware GmbH | Rötelistrasse 16 | CH-9000 St. Gallen | strteachware.ch

Betriebswirtschaft

Grundlagen

1 Wirtschaftskreislauf

2 Marktwirtschaft

Ausgewählte Problemstellungen

3 Arbeitslosigkeit

4 Sozialer Ausgleich

5 Preisstabilität

6 Ökologische und energiepolitische Herausforderungen

Volkswirtschaftliche Zusammenhänge

7 Weltweite Verflechtung – Globalisierung

8 Konjunkturzyklus

9 Fiskal- und Geldpolitik

10 Wachstum und Strukturwandel

11 Wirtschafts-, Sozial- und Umweltpolitik

Grundlagen

1 Eine erste Übersicht über die Wirtschaft

2 Unternehmungsmodell

Leistungswirtschaftliche Aspekte

3 Organisation

4 Grundlagen des Marketings

5 Marketing-Mix

Finanzielle Aspekte

6 Unternehmungsfinanzierung

7 Bankkredite

8 Wertpapiere

9 Versicherungen

10 Finanzwirtschaftliche Zusammenhänge

Soziale Auswirkungen

11 Personalwesen

12 Unternehmerisch denken und handeln mit einem Businessplan

Recht / Gesellschaft Rechnungswesen

Grundlagen

1 Gesamtmodell «Wirtschaft und Gesellschaft»

2 Merkmale eines Rechtsstaates

3 Rechtsquellen und Verhaltensregeln

4 Parteien und Verbände

Rechtsvorschriften im Zivilgesetzbuch (ZGB)

5 Personenrecht

6 Familienrecht

7 Erbrecht

8 Sachenrecht

9 Kinder- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB)

Rechtsvorschriften im Obligationenrecht (OR)

10 Entstehung von Obligationen

11 Allgemeine Vertragslehre

12 Kaufvertrag

13 Verträge auf Arbeitsleistung

14 Mietvertrag

15 Rechtsformen

Rechtsvorschriften im öffentlichen Recht

16 Steuerrecht

17 Schuldbetreibungs- und Konkursgesetz (SchKG)

18 Strafrecht

19 Prozessrecht

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Grundlagen

1 System der doppelten Buchhaltung - mit Swiss21

2 Waren- und Zahlungsverkehr – mit Swiss21

Ausgewählte Aspekte

3 Fremde Währungen – mit Swiss21

4 Mehrwertsteuer – mit Swiss21

5 Lohnbuchhaltung – mit Swiss21

6 Wertschriften

7 Immobilien

Fragestellungen beim Jahresabschluss

8 Bewertungsfragen (Bilanzkurse, Delkredere, Bestandesänderungen, Abschreibungen, Rückstellungen)

9 Rechnungsabgrenzungen und Stille Reserven

10 Gewinnverwendung und Verlustdeckung bei verschiedenen Rechtsformen - mit Swiss21

Grundlagen für unternehmerische Entscheide

11 Warenkalkulation, Deckungsbeitragsrechnung, Bilanz- und Erfolgsanalyse – mit Swiss21

12 Betriebsbuchhaltung

13 Geldflussrechnung

14 Revision und Wirtschaftsprüfung

Case Studies

1 Letzte Bergfahrt

2 Gesucht: Neue Geschäftsmodelle für IKEA

3 Mode Milano – mit Swiss21

4 Young Enterprise Switzerland (YES) – mit Swiss21

5 Sommer Sport AG – mit Swiss21

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