Skip to main content

G_VWL 04_LV_ Ökonomische Modelle und Konzepte_4-G204-2609_Auszug_Theorie

Page 1


str teachware

Urs Saxer

Thomas Tobler

Heinz Rüfenacht

Aktualisierte Ausgabe 2026/27

Grundlagen

Wirtschaft & Recht

Volkswirtschaft

Ökonomische Modelle und Konzepte 4

Ausgabe für Lehrperson

4 Ökonomische Modelle und Konzepte

Bei wirtschaftlichen und rechtlichen Themen prallen persönliche und gesellschaftliche Interessen aufeinander: Was nützt mir, und was ist für die Gemeinschaft besser? Dieses Spannungsfeld zwischen Eigeninteresse und altruistischem Handeln – also Entscheidungen zugunsten anderer oder des Gemeinwohls – prägt viele wirtschaftliche Situationen.

Menschen handeln je nach Rolle unterschiedlich – als Konsumentin, Arbeitnehmer oder Bürgerin. So stellt sich etwa die Frage, ob man günstig einkauft oder fair produziert unterstützt, Missstände am Arbeitsplatz anspricht oder politisch eher eigene Vorteile oder Gemeinwohl und Klimaschutz in den Vordergrund stellt.

Weil wir Situationen je nach Perspektive anders bewerten, sind viele Entscheidungen komplex und oft umstritten. Ein Gesamtmodell hilft, wirtschaftliche und rechtliche Zusammenhänge zu verstehen. Ökonomische Modelle vereinfachen die Realität, um Muster sichtbar zu machen und komplexe Sachverhalte verständlich zu erklären. Für gute Entscheidungen braucht es reflektierte Werthaltungen, Verantwortungsbewusstsein und die Bereitschaft, soziale Systeme aktiv mitzugestalten.

Vorgaben aus dem Rahmenlehrplan Mögliches Lektionenbudget Grundlagen Schwerpunkt

4a. Die Pluralität der ökonomischen Konzepte, Modelle, Denk- und Analyseinstrumente nutzen und deren Limitationen berücksichtigen.

(z.B. Anreize, Wirtschaftskreislauf, Kosten-Nutzen-Überlegungen, Spieltheorie, Altruismus, nachhaltige Ökonomie)

4b. Marktmechanismus und die Rolle des Staates in der Wirtschaft beurteilen.

(z.B. Markteffizienz, Externalitäten, Steuern, Subventionen, Kontingente, Wettbewerbspolitik, Umweltpolitik, Sozialpolitik)

4c. Rolle des Staates in verschiedenen Wirtschaftsordnungen und damit verbundene Grundsätze und Zielsetzungen unterscheiden, ihre historischen Ursprünge und zugrundeliegenden Werthaltungen erläutern.

(z.B. soziale Marktwirtschaft, Planwirtschaft, Staatskapitalismus, Staatsversagen; Liberalismus, Sozialismus)

4d. Markt als zentrales Modell von marktwirtschaftlichen Ordnungen beurteilen.

(z.B. rechtliche Rahmenbedingungen, Marktgleichgewicht, Marktversagen)

10

(Ausgabe für Lehrperson)

1 Politik, Wirtschaft und Ökologie – systemisch denken

■ Wirtschaft und Gesellschaft als System

Der Begriff Wirtschaft bezeichnet sämtliche Tätigkeiten, mit denen Menschen versuchen, ihre Bedürfnisse zu befriedigen, obwohl die dafür verfügbaren Ressourcen begrenzt sind. Zu diesen Ressourcen zählen unter anderem Zeit, Geld, Rohstoffe wie Holz oder Erdöl, Wasser, Energie sowie Arbeitskraft und Wissen. Wirtschaftliches Handeln ist daher stets von Knappheit geprägt und erfordert Entscheidungen darüber, wie begrenzte Mittel möglichst effizient eingesetzt werden. Der Begriff Gesellschaft beschreibt das geordnete Zusammenleben von Menschen in verschiedenen sozialen Zusammenhängen, etwa in Familien, Schulen, Vereinen oder durch politische Beteiligung. Wie eine Gesellschaft mit der Knappheit von Ressourcen umgeht und wie Güter produziert und verteilt werden, kann unterschiedlich organisiert sein. Zur Analyse dieser Zusammenhänge spricht man von Systemen. Ein System besteht aus mehreren miteinander verknüpften Elementen, die sich gegenseitig beeinflussen und gemeinsam ein funktionierendes Ganzes bilden.

Das politische System umfasst alle nicht unmittelbar wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Menschen. Dazu gehören soziale Gruppen wie Familien, Freundeskreise, Vereine, Kirchen und andere Gemeinschaften. Eine zentrale Bedeutung kommt den politischen Rechten und Pflichten der Bürgerinnen und Bürger zu, da sie eine Mitgestaltung der gesellschaftlichen Ordnung ermöglichen. Der Staat nimmt im politischen System eine Schlüsselrolle ein und erfüllt vielfältige Aufgaben. Er sorgt für innere und äussere Sicherheit, gewährleistet ein funktionierendes Bildungs- und Gesundheitssystem und organisiert Sozialversicherungen, etwa für Alter, Krankheit oder Invalidität. Darüber hinaus greift der Staat regulierend in die Wirtschaft ein und übernimmt Verantwortung für den Schutz der Umwelt.

Die Rechtsordnung bildet den verbindlichen Rahmen des gesellschaftlichen Zusammenlebens. Sie umfasst alle Gesetze und Regeln, welche das Handeln der Menschen ordnen, etwa im Vertragsrecht, im Steuerwesen oder im Strassenverkehr.

Das ökonomische System beinhaltet sämtliche wirtschaftlichen Aktivitäten und Beziehungen innerhalb einer Gesellschaft. Eine leistungsfähige Wirtschaft stellt sicher, dass die Bevölkerung mit Gütern und Dienstleistungen versorgt wird. Dabei übernehmen Individuen unterschiedliche Rollen: Als Produzenten stellen sie Güter her oder bieten Dienstleistungen an, als Konsumenten kaufen oder nutzen sie diese. Zur wissenschaftlichen Analyse wirtschaftlicher Prozesse unterscheidet man zwischen Mikro- und Makroökonomik. Die Mikroökonomik untersucht das Verhalten einzelner Wirtschaftssubjekte, insbesondere von Haushalten und Unternehmen, z. B. bei Produktionsentscheidungen, Preisbildung oder Konsumverhalten. Die Makroökonomik betrachtet hingegen die Gesamtwirtschaft eines Staates und analysiert unter anderem wirtschaftliches Wachstum, Arbeitslosigkeit, Inflation oder die Funktionsweise der Marktwirtschaft.

RECHTSORDNUNG

Verbindliche Regeln ordnen Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.

POLITISCHES SYSTEM

Staat

Parlament, Gerichte, Regierung / Verwaltung

Produktion

Soziale Gruppen

Familien, Vereine, Parteien

ÖKONOMISCHES SYSTEM

Unternehmen stellen Güter her.

Ressourcen

Konsum Haushalte und Unternehmen kaufen Güter.

ÖKOLOGISCHES SYSTEM

Natur liefert Rohstoffe, Energie, Wasser, Luft.

Belastungen

Wirtschaft und Gesellschaft verursachen Emissionen und Abfälle.

Natur, Klima, Artenvielfalt, Boden, Wasser und Luft bilden die Lebensgrundlage für Wirtschaft und Gesellschaft.

Wirtschaft und Gesellschaft als Gesamtmodell mit den drei Systemen: Politik, Wirtschaft und Ökologie.

Das ökologische System bildet die natürliche Grundlage für sämtliche gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Aktivitäten. Menschen sind auf eine intakte Umwelt angewiesen, da sie lebensnotwendige Ressourcen wie Luft, Wasser und Nahrungsmittel bereitstellt. Zudem liefert die Natur Energie und Rohstoffe, die für Produktion und Konsum unerlässlich sind. Gleichzeitig haben menschliche Aktivitäten erhebliche Auswirkungen auf die Umwelt. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit eines nachhaltigen Umgangs mit natürlichen Ressourcen, der sowohl ökologische als auch wirtschaftliche und gesellschaftliche Interessen berücksichtigt.

■ Politisches System: Staatsformen, Ideologien und Gesellschaftsmodelle

Im Verlaufe der Geschichte entwickelte sich eine Vielzahl von Staatsformen bzw. Herrschaftssystemen, die unterschiedliche Vor- und Nachteile aufweisen. In demokratisch regierten Staaten wird die Staatsgewalt nicht durch eine einzige Institution ausgeübt. In Demokratien sollen jene Institutionen, die für den Erlass von Rechtsnormen zuständig sind (Parlament), nicht gleichzeitig für dessen Vollzug zuständig sein (Regierung und Verwaltungen) oder gar Recht sprechen (Gerichte). Von Diktaturen sprechen wir, wenn sich die Macht in der Hand einer einzigen Person oder sehr weniger Personen konzentriert. Typisch für Diktaturen sind die Abschaffung oder Entmachtung von gewählten Volksvertretungen (Parlamenten), die Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit (z. B. Schaffung einer Behörde, die sämtliche Medienerzeugnisse auf ihre politische Unbedenklichkeit prüft), Behinderung der Justiz (z. B. Entlassung regimekritischer Richter), Verhängung des Ausnahmezustands, wobei in der Regel die Verfassung und die darin aufgeführten Freiheitsrechte ausser Kraft gesetzt werden.

Im politischen System bestehen unterschiedliche Vorstellungen von Freiheit, Gerechtigkeit, Staat und Zusammenleben, sogenannte politische Ideologien. Der Liberalismus betont z. B. die individuelle Freiheit und Selbstverantwortung, während der Autoritarismus die Ordnung und staatliche Kontrolle über persönliche Freiheiten stellt. Solche politische Ideologien prägen die Gesellschaftsmodelle.

Ein Gesellschaftsmodell beschreibt, wie das politische, rechtliche, soziale und wirtschaftliche Leben grundsätzlich organisiert ist. Es legt dabei fest, wer Macht hat, wie Entscheidungen getroffen werden und wie soziale Gerechtigkeit, Freiheit oder Sicherheit organisiert sind. Kapitalismus und Sozialismus sind zwei zentrale Idealtypen von Gesellschaftsmodellen. Im Kapitalismus stehen Privateigentum, individuelle Freiheit und Marktmechanismen im Zentrum. Wer wirtschaftlich erfolgreich ist, kann dadurch Macht ausüben, Investitionen tätigen und selbstständig entscheiden. Kapital bezeichnet in der Wirtschaft alle Produktionsmittel, die eingesetzt werden, um weitere Güter oder Dienstleistungen zu erzeugen. Dazu zählen z. B. Maschinen, Werkzeuge, Gebäude, Fahrzeuge oder Geldmittel – also alles, was Menschen nutzen, um etwas herzustellen oder zu investieren. Im Sozialismus geht es um kollektive Verantwortung und soziale Gerechtigkeit. Die wirtschaftliche Macht liegt beim Staat, der durch Planung und Verteilung das Gemeinwohl sichert.

Im politischen System der Schweiz bestehen in der Staatsform der direkten Demokratie viele Möglichkeiten zur politischen Mitwirkung. Die Möglichkeit, sich in verschiedenen sozialen Gruppen zu organisieren, erlaubt es den Bürgerinnen und Bürgern, sich eine Meinung zu vielen Politikbereichen zu bilden. Durch unterschiedliche Werte und Einstellungen können sich mögliche Lösungsansätze stark voneinander unterscheiden. Bei Abstimmungen zu Sachfragen (z. B. der Schaffung eines neuen Gesetzes) und der Wahl von Behörden wirkt sich diese politische Überzeugung konkret aus. Mit dem traditionellen demokratischen Prinzip

Parlament

Gerichte

Regierung / Verwaltung

POLITISCHES SYSTEM

Wahlen

Abstimmungen

STAATSFORMEN / HERRSCHAFTSFORMEN

Diktatur Demokratie

Familien

Parteien

POLITISCHE IDEOLOGIEN

Vereine

NGOs

Autoritarismus Liberalismus

GESELLSCHAFTSMODELLE

Kapitalismus

Sozialismus

Im politischen System bilden die sozialen Gruppen, je nach politischen Ideologien, unterschiedliche Staatsformen, welche zu verschiedenen Gesellschaftsmodellen führen.

der Gewaltenteilung soll verhindert werden, dass sich bei einer bestimmten staatlichen Behörde eine zu grosse Machtballung ergibt. Gewaltenteilung bedeutet, dass dem Parlament das Recht zukommt, neue Gesetze zu erlassen, während die Regierung diese in der Alltagsarbeit anwendet und umsetzt. Bei Verstössen oder Unklarheiten haben die Gerichte den Auftrag, den Konflikt zu klären.

Auch Staaten mit demokratischen Regierungsformen unterscheiden sich in ihrer organisatorischen Ausgestaltung manchmal stark voneinander. Allen liegen jedoch ähnliche Prinzipien zugrunde. In demokratisch regierten Staaten wird die Staatsgewalt nicht durch eine einzige Institution ausgeübt. Die Aufteilung der Staatsgewalt in Legislative, Exekutive und Judikative nennt man Gewaltenteilung, mit welcher die Kontrolle, Hemmung oder Begrenzung der Macht sichergestellt wird. So sollen jene Institutionen, die für den Erlass von Rechtsnormen zuständig sind, nicht gleichzeitig für dessen Vollzug zuständig sein oder gar Recht spre-

(Ausgabe für Lehrperson)

■ Ökonomisches System: Instrumente, Modelle, Schulen und Konzepte

Ein Wirtschaftssystem bzw. eine Wirtschaftsordnung beschreibt, wie eine Gesellschaft ihre wirtschaftlichen Aktivitäten organisiert. Dabei geht es insbesondere um die Fragen, was produziert wird, wie produziert wird und für wen produziert wird. Unterschiedliche Wirtschaftsordnungen beantworten diese Fragen auf unterschiedliche Weise. In einer Marktwirtschaft werden Produktions- und Konsumentscheidungen weitgehend durch Angebot und Nachfrage auf Märkten gesteuert, während in einer Planwirtschaft zentrale staatliche Stellen über Produktion und Verteilung entscheiden. Reale Wirtschaftssysteme sind meist Mischformen, in denen Marktmechanismen und staatliche Eingriffe kombiniert werden. Die Wahl einer Wirtschaftsordnung beeinflusst Wohlstand, soziale Gerechtigkeit und ökologische Nachhaltigkeit einer Gesellschaft.

Um wirtschaftliche Zusammenhänge zu untersuchen und zu erklären, verwendet die Ökonomie verschiedene Denk- und Analyseinstrumente. Diese helfen dabei, menschliches Verhalten und wirtschaftliche Prozesse systematisch zu analysieren. Dazu zählen beispielsweise das Instrument des Grenznutzens, der beschreibt, welchen zusätzlichen Nutzen der Konsum einer weiteren Einheit eines Gutes bringt, oder finanzielle Anreize, die Entscheidungen von Individuen und Unternehmen beeinflussen. Auch statistische Methoden wie Korrelationsanalysen werden eingesetzt, um Zusammenhänge zwischen wirtschaftlichen Grössen zu erkennen. Solche Instrumente dienen nicht dazu, die Realität vollständig abzubilden, sondern komplexe Sachverhalte verständlich zu strukturieren.

Ökonomische Modelle sind vereinfachte Darstellungen der wirtschaftlichen Realität. Sie konzentrieren sich auf ausgewählte Aspekte und blenden andere bewusst aus, um Zusammenhänge klarer sichtbar zu machen. Beispiele dafür sind das Modell von Angebot und Nachfrage, der Wirtschaftskreislauf oder das Menschenbild des „Homo oeconomicus“, das davon ausgeht, dass Menschen rational handeln und ihren eigenen Nutzen maximieren. Modelle ermöglichen es, wirtschaftliche Prozesse zu erklären, Prognosen zu erstellen und politische Massnahmen zu beurteilen. Gleichzeitig ist wichtig zu beachten, dass Modelle stets Vereinfachungen sind und die Realität nur näherungsweise abbilden.

Ökonomische Schulen fassen unterschiedliche theoretische Ansätze und Denkweisen innerhalb der Wirtschaftswissenschaften zusammen. Sie unterscheiden sich vor allem darin, wie sie wirtschaftliche Zusammenhänge erklären und welche Rolle sie dem Staat im Wirtschaftsgeschehen zuschreiben. Die Neoklassik betont die Selbstregulierung der Märkte, während der Keynesianismus staatliche Eingriffe zur Stabilisierung der Wirtschaft, insbesondere in Krisenzeiten, als notwendig erachtet. Der Monetarismus wiederum legt den Schwerpunkt auf die Geldpolitik und die Kontrolle der Geldmenge. Diese Schulen prägen bis heute wirtschaftspolitische Diskussionen und Entscheidungen.

(Ausgabe für Lehrperson)

ÖKONOMISCHES SYSTEM

WIRTSCHAFTSSYSTEME / WIRTSCHAFTSORDNUNGEN

Marktwirtschaft

DENK- / ANALYSEINSTRUMENTE

Grenznutzen

Finanzielle Anreize

Korrelationsanalyse

KLASSISCHE

ökonomische Konzepte

Soziale Marktwirtschaft

Staatskapitalismus

Islamische Wirtschaft

ÖKONOMISCHE

MODELLE

Homo oeconomicus

Angebot - Nachfrage

Wirtschaftskreislauf

Planwirtschaft

ÖKONOMISCHE

SCHULEN

Neoklassik

Keynesianismus

Monetarismus

ALTERNATIVE ökonomische Konzepte

Gemeinwohl-Ökonomie

Postwachstumsökonomie

Solidarische Wirtschaft

Kreislaufwirtschaft

Donut-Ökonomie

Subsistenzwirtschaft

Denk- und Analyseinstrumente bilden die Grundlage für ökonomische Modelle, aus denen sich unterschiedliche ökonomische Schulen entwickeln, die schliesslich in verschiedene ökonomische Konzepte münden.

Ökonomische Konzepte sind konkrete Ausgestaltungen wirtschaftlicher Ordnungsvorstellungen. Klassische Konzepte wie die soziale Marktwirtschaft verbinden marktwirtschaftliche Effizienz mit sozialem Ausgleich. Andere Konzepte, etwa der Staatskapitalismus oder die islamische Wirtschaft, setzen unterschiedliche Schwerpunkte bei Eigentum, Verteilung und staatlicher Kontrolle. Daneben gewinnen alternative ökonomische Konzepte zunehmend an Bedeutung, etwa die Gemeinwohl-Ökonomie, die Kreislaufwirtschaft oder die Postwachstumsökonomie. Diese Ansätze stellen ökologische Nachhaltigkeit, soziale Gerechtigkeit und langfristige Stabilität stärker in den Mittelpunkt wirtschaftlichen Handelns.

■ Ökologisches System: Grundlage allen menschlichen Handelns

Im Zentrum stehen vier miteinander verbundene Kreisläufe: Luft, Wasser, Rohstoffe und Energie. Die Natur stellt diese lebenswichtigen Ressourcen bereit, die von Menschen für Produktion, Konsum oder Mobilität genutzt werden. In der Schweiz stammen beispielsweise rund 60 % der Stromproduktion aus Wasserkraft, ergänzt durch Kernenergie sowie zunehmend durch Solar- und Windenergie. Dies verdeutlicht die enge Verbindung zwischen Wirtschaft und natürlichen Ressourcen. Gleichzeitig gelangen durch wirtschaftliche Prozesse Abgase, Abwasser, Abfälle und Abwärme zurück in die Umwelt. Pro Person fallen hierzulande jährlich über 700 kg Siedlungsabfälle an, wovon etwa die Hälfte recycelt wird. Auch beim Wasser zeigt sich der Kreislaufgedanke: Über 95 % des Abwassers werden in modernen Kläranlagen gereinigt, bevor es wieder in natürliche Gewässer gelangt. Diese Rückflüsse zeigen, dass menschliches Handeln stets Teil natürlicher Stoff- und Energiekreisläufe bleibt. Entscheidend ist dabei die Regenerationsfähigkeit der Natur: Ökosysteme können Schadstoffe abbauen oder Wasser reinigen – jedoch nur bis zu bestimmten Belastungsgrenzen. Werden diese überschritten, verlieren natürliche Kreisläufe ihre Stabilität, was langfristig auch wirtschaftliche und soziale Systeme gefährdet.

Ein zentrales Element des ökologischen Systems ist die Biodiversität. Sie umfasst die Vielfalt von Tier- und Pflanzenarten, genetischen Ressourcen sowie unterschiedlichen Lebensräumen und stärkt die Widerstandsfähigkeit von Ökosystemen. Funktionen wie Bestäubung, Bodenbildung oder Klimaregulation sind direkt davon abhängig. In der Schweiz gilt rund ein Drittel der untersuchten Arten als gefährdet oder potenziell gefährdet, besonders Amphibien, Insekten und Pflanzen in intensiv genutzten Kulturlandschaften. Moore, Auen oder Trockenwiesen haben in den letzten Jahrzehnten stark an Fläche verloren. Gleichzeitig zeigen Renaturierungsprojekte an Flüssen oder Schutzprogramme für Berggebiete, dass gezielte Massnahmen positive Effekte erzielen können. Wirtschaftliche Aktivitäten greifen somit unmittelbar in natürliche Prozesse ein, etwa durch Landwirtschaft, Siedlungsbau oder Verkehrsinfrastruktur. Der Schutz der Biodiversität ist daher nicht nur ein ökologisches Anliegen, sondern auch eine Voraussetzung für langfristige wirtschaftliche Stabilität und Ernährungssicherheit, beispielsweise durch stabile Erträge in der Landwirtschaft oder durch naturnahen Tourismus.

Der Klimawandel verdeutlicht die Wechselwirkungen zwischen Wirtschaft und Umwelt besonders deutlich. Die Nutzung fossiler Energieträger und industrielle Prozesse führen zu Treibhausgasemissionen, die sich im atmosphärischen Kreislauf anreichern. In der Schweiz betragen die Emissionen rund 40 bis 45 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente pro Jahr, wobei der Verkehr einen der grössten Anteile ausmacht. Seit Beginn der Messungen ist die Durchschnittstemperatur hierzulande um über 2 °C gestiegen – stärker als im globalen Durchschnitt. Sichtbare Folgen sind schmelzende Gletscher, häufigere Hitzetage im Sommer und veränderte Niederschlagsmuster im Winter. Diese Entwicklungen beeinflussen Wasserverfügbarkeit,

ÖKOLOGISCHES SYSTEM

Wasser Rohstoffe Energie Luft

Abwasser Abfälle Abwärme Abgase

BIODIVERSITÄT

Vielzahl an Arten, genetischen Ressourcen und Lebensräumen

KLIMAWANDEL

Veränderung des Klimas mit Auswirkungen auf Menschen und Natur

NACHHALTIGKEIT

Ressourcen nutzen und für künftige Generationen erhalten

Die begrenzte natürliche Regenerationsfähigkeit bei den Kreisläufen Luft, Wasser, Rohstoffe und Energie sowie Biodiversität, Klimawandel und Nachhaltigkeit sind Herausforderungen im ökologischen System.

Energieproduktion aus Wasserkraft, Tourismus in Bergregionen sowie die Gesundheit der Bevölkerung. Die Abbildung macht sichtbar, dass Energiegewinnung und Abwärme nicht nur wirtschaftliche Prozesse darstellen, sondern auch ökologische Folgen haben. Klimaschutzmassnahmen wie CO₂-Abgaben, strengere Fahrzeugnormen oder Investitionen in den öffentlichen Verkehr sollen deshalb dazu beitragen, die Belastungsgrenzen der Natur einzuhalten und langfristige Risiken zu reduzieren.

Das Konzept der starken Nachhaltigkeit geht davon aus, dass natürliche Lebensgrundlagen nicht vollständig durch Technik oder wirtschaftliches Wachstum ersetzt werden können. Saubere Luft, stabiles Klima, fruchtbare Böden oder artenreiche Ökosysteme gelten als unverzichtbares Naturkapital. Nachhaltiges Handeln bedeutet daher, Ressourcen im Rahmen der Regenerationsfähigkeit der Natur zu nutzen. In der Schweiz zeigt sich dieser Ansatz etwa in der Energiestrategie 2050, im Ausbau erneuerbarer Energien, in Förderprogrammen für energieeffiziente Gebäude oder in Initiativen zur Kreislaufwirtschaft. Dennoch liegt der ökologische Fussabdruck der Schweiz weiterhin über dem global verträglichen Niveau, was zeigt, dass wirtschaftliche und gesellschaftliche Anpassungen notwendig bleiben. Ziel einer starken Nachhaltigkeit ist es deshalb, wirtschaftliche Entscheidungen konsequent an ökologischen Grenzen auszurichten und die Funktionsfähigkeit natürlicher Kreisläufe langfristig zu erhalten, damit auch zukünftige Generationen stabile Lebensbedingungen vorfinden.

(Ausgabe für Lehrperson)

■ Zusammenhänge verstehen, Zusammenleben gestalten

Das Gesamtmodell zeigt, wie Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt in der Schweiz eng miteinander verbunden sind und sich gegenseitig beeinflussen. Ausgangspunkt sind häufig Entwicklungen in der sozialen Lage, der Wirtschaftslage oder der Umweltqualität Steigende Krankenkassenprämien, wirtschaftliche Unsicherheiten oder Diskussionen über den Klimawandel werden über Medien sichtbar und prägen die öffentliche Wahrnehmung. Dabei spielt die Medienvielfalt eine wichtige Rolle: Unterschiedliche Medienangebote ermöglichen verschiedene Perspektiven auf gesellschaftliche Themen, während die individuelle Mediennutzung mitentscheidet, welche Informationen wahrgenommen und wie sie eingeordnet werden. Medien wirken somit als Wahrnehmungsfilter, indem sie Themen auswählen, interpretieren und gewichten, die anschliessend politische Diskussionen beeinflussen.

Im politischen System werden gesellschaftliche Anliegen durch Wahlen und Abstimmungen aufgenommen. Ein Beispiel ist die Energiestrategie 2050, die nach einer Volksabstimmung zu neuen gesetzlichen Rahmenbedingungen im Energiebereich führte. Auch Abstimmungen zur AHV-Reform oder zur Masseneinwanderungsinitiative zeigen, wie direktdemokratische Instrumente in der Schweiz gesellschaftliche Entwicklungen in politische Entscheidungen überführen. Durch solche Prozesse verändert sich die Rechtsordnung – etwa im Umweltrecht, im Sozialrecht oder im Wirtschaftsrecht – und schafft verbindliche Regeln für das Zusammenleben.

Neue Gesetze und Vorschriften wirken auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt zurück. So beeinflussen Förderprogramme für Photovoltaikanlagen Investitionen von Unternehmen und Privathaushalten, während Anpassungen im Sozialrecht – etwa bei Ergänzungsleistungen oder Familienzulagen – die soziale Lage bestimmter Bevölkerungsgruppen verändern. Auch strengere Vorgaben im Gewässerschutz oder bei CO₂-Emissionen zeigen, wie staatliche Regelungen in der Schweiz darauf abzielen, langfristig die Umweltqualität zu verbessern. Die Rechtsordnung bildet damit einen zentralen Steuerungsmechanismus, der politische Ziele in konkrete Handlungsrahmen übersetzt.

Das Modell verdeutlicht die Wechselwirkungen zwischen gesellschaftlicher Teilhabe, politischer Entscheidungsfindung und den daraus entstehenden Verantwortlichkeiten. In der Schweiz zeigt sich dies besonders durch die Möglichkeit von Initiativen und Referenden, mit denen Bürgerinnen und Bürger politische Prozesse direkt beeinflussen können. Wer Zusammenhänge zwischen Medien, Politik, Wirtschaft und Umwelt versteht, kann gesellschaftliche Entwicklungen besser einordnen. Auf dieser Grundlage lassen sich Diskussionen sachlich führen, Interessen abwägen und langfristige Lösungen entwickeln, die ein nachhaltiges und verantwortungsbewusstes Zusammenleben ermöglichen.

(Ausgabe für Lehrperson)

Wirkungszusammenhänge in Politik, Wirtschaft und Ökologie

1 Ausgangslage: Die Lage in Gesellschaft, Wirtschaft und Umwelt prägt unser Zusammenleben.

2 Information und öffentliche Diskussion: Medien nehmen Themen auf, informieren und gewichten.

3 Politische Willensbildung: Über Wahlen und Abstimmungen kann die Bevölkerung Präferenzen äussern.

4 Rechtsordnung: Parlemente erlassen neue Rechtsnoremen und setzen damit verbindliche Rahmenbedingungen.

5 Rückwirkungen: Rechtsnormen wirken auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt - und verändern die Ausgangslage.

2 Drei Grundfragen – Wirtschaftssysteme / Wirtschaftsordnungen

Im ökonomischen System müssen drei grundlegende Fragen beantwortet werden:

■ Was soll produziert werden?

■ Wie soll produziert werden?

■ Für wen soll produziert werden?

Diese Entscheidungen entstehen nicht isoliert, sondern sind eng mit dem politischen System verbunden. Politische Ideologien wie Liberalismus und Sozialismus sowie unterschiedliche Staatsformen – etwa Demokratie oder Autokratie – prägen die wirtschaftliche Ordnung eines Landes. Der Liberalismus betont individuelle Freiheit, Privateigentum und Wettbewerb als zentrale Prinzipien, während der Sozialismus stärker auf soziale Gleichheit, staatliche Verantwortung und gemeinschaftliche Organisation von Ressourcen setzt. In einer Demokratie werden politische Entscheidungen durch Wahlen, Abstimmungen und Mitbestimmung der Bevölkerung legitimiert, wie es beispielsweise in der Schweiz oder der Bundesrepublik Deutschland der Fall ist. In einer Autokratie hingegen liegt die politische Macht bei wenigen Personen oder einer einzelnen Partei, wodurch wirtschaftliche Entscheidungen stärker zentral gesteuert werden können. Aus diesen politischen und ideologischen Grundlagen entstehen unterschiedliche Gesellschaftssysteme wie Kapitalismus und Sozialismus. Gesellschaftssysteme beantworten grundlegende Wert- und Ordnungsfragen einer Gesellschaft, während Wirtschaftssysteme festlegen, wie diese Vorstellungen praktisch im wirtschaftlichen Alltag umgesetzt werden – insbesondere wer wirtschaftliche Entscheidungen trifft, ob vorwiegend der Markt oder der Staat. Daraus ergeben sich als grundlegende Wirtschaftssysteme bzw. Wirtschaftsordnungen die beiden Grundformen Marktwirtschaft und Planwirtschaft.

■ Planwirtschaft

In einer Planwirtschaft werden die drei Grundfragen des Wirtschaftens durch staatliche Planung beantwortet. Der Staat legt fest, welche Güter produziert werden, wie die Produktion organisiert ist und wie die Verteilung erfolgt. Preise, Löhne und Produktionsmengen werden häufig zentral bestimmt, mit dem Ziel einer gleichmässigen Versorgung der Bevölkerung. Planwirtschaftliche Systeme sind historisch oft mit sozialistischen Ideologien und eher autoritären oder autokratischen Staatsformen verbunden, da umfassende staatliche Steuerung nötig ist. Ein Beispiel ist die Deutsche Demokratische Republik (DDR), in der Produktionsziele durch staatliche Fünfjahrespläne festgelegt wurden. Auch China war lange stark planwirtschaftlich organisiert, hat jedoch seit den Reformen ab den 1980erJahren marktwirtschaftliche Elemente integriert. Planwirtschaften ermöglichen es, soziale Ziele direkt umzusetzen, stehen jedoch häufig vor Herausforderungen wie geringer Innovationsdynamik oder ineffizienter Ressourcenverteilung. Diese historischen Beispiele verdeutlichen, wie politische Ideologien, Staatsformen und Rechtsordnungen die konkrete Ausgestaltung von Wirtschaftsordnungen prägen.

Wirtschaftssysteme bzw. Wirtschaftsordnungen legen fest, wie die drei Grundfragen des Wirtschaftens – was, wie und für wen produziert wird – beantwortet werden. Sie entstehen aus politischen Ideologien, Gesellschaftsmodellen und der jeweiligen Rechtsordnung und bestimmen die Rolle von Markt und Staat im ökonomischen System.

■ Marktwirtschaft

In einer Marktwirtschaft werden die drei Grundfragen des Wirtschaftens hauptsächlich durch das Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage beantwortet. Unternehmen entscheiden weitgehend eigenständig, welche Güter sie herstellen und wie sie produzieren, während Konsumentinnen und Konsumenten durch ihre Kaufentscheidungen Einfluss auf Preise und Produktionsmengen nehmen. Wettbewerb gilt als Motor für Innovation und effiziente Ressourcennutzung. Politisch ist die Marktwirtschaft häufig mit liberalen Ideen und demokratischen Staatsformen verbunden, da wirtschaftliche Freiheit und individuelle Entscheidungsrechte im Zentrum stehen. Historisch lässt sich dies besonders in den USA beobachten, wo marktwirtschaftliche Prinzipien eine lange Tradition haben.

(Ausgabe für Lehrperson)

(Ausgabe für Lehrperson)

3 Ökonomische Denk- und Analyseinstrumente

Um wirtschaftliche Zusammenhänge zu verstehen, reicht es nicht aus, nur einzelne Ereignisse zu betrachten. Die Wirtschaftswissenschaft arbeitet mit verschiedenen Denk- und Analyseinstrumenten, ökonomischen Modellen, Schulen und Konzepten, die helfen, komplexe Prozesse zu ordnen und zu erklären. Diese Werkzeuge ermöglichen es, wirtschaftliches Verhalten systematisch zu untersuchen und Entwicklungen im ökonomischen System einzuordnen.

■ Ökonomische Denkinstrumente: Anreize und Kosten-Nutzen-Überlegungen

Ökonomische Denkinstrumente sind grundlegende Perspektiven oder Fragestellungen, mit denen wirtschaftliche Entscheidungen betrachtet werden. Dazu gehören insbesondere Überlegungen zu Anreizen sowie zu Kosten und Nutzen. Menschen und Unternehmen reagieren auf Anreize, etwa auf Preise, Regeln oder Belohnungen, und wägen bei Entscheidungen ab, welcher Nutzen entsteht und welche Kosten anfallen. Konzepte wie Grenznutzen und Grenzkosten helfen dabei zu verstehen, warum Individuen oder Unternehmen ihr Verhalten anpassen und wann sich eine zusätzliche Handlung wirtschaftlich lohnt.

■ Anreize erklären, wie sich wirtschaftliches Verhalten durch Erwartungen, Preise oder Regeln beeinflussen lässt. Menschen und Unternehmen reagieren auf die Rahmenbedingungen, die sie vorfinden: Steigen etwa die Benzinpreise, suchen viele nach sparsameren Autos oder anderen Verkehrsmitteln. Ebenso können Steuern, Subventionen oder gesetzliche Vorschriften gezielt Verhalten fördern oder bremsen. Anreizsysteme sind deshalb ein zentrales Element wirtschaftlicher Steuerung.

■ Opportunitätskosten machen deutlich, dass jede Entscheidung immer auch den Verzicht auf eine andere Möglichkeit bedeutet. Wer sich für ein Studium entscheidet, verzichtet vorerst auf das Einkommen eines Vollzeitjobs. Diese entgangene Alternative stellt die «Kosten der Entscheidung» dar. Das Konzept hilft zu verstehen, dass wirtschaftliches Handeln immer von Alternativen und Knappheit geprägt ist.

■ Der Grenznutzen beschreibt den zusätzlichen Nutzen, den eine Person durch den Konsum einer weiteren Einheit eines Gutes erhält. Meist nimmt dieser Zusatznutzen mit jeder weiteren Einheit ab – ein Phänomen, das als «abnehmender Grenznutzen» bezeichnet wird. Nach dem ersten Stück Kuchen schmeckt das zweite vielleicht noch gut, das dritte aber schon weniger. Der Grenznutzen zeigt damit, warum Menschen ihre Entscheidungen abwägen und wann ein «Zuviel» keinen zusätzlichen Wert mehr bringt.

Beim Social-Media-Konsum zeigt sich der abnehmende Grenznutzen: Die erste Stunde macht viel Spass, jede weitere bringt weniger zusätzlichen Nutzen.

Studium statt Job – entgangener Lohn zeigt typische Opportunitätskosten.

■ Die Grenzkosten bezeichnen die zusätzlichen Kosten, die entstehen, wenn eine weitere Einheit eines Gutes produziert oder verkauft wird. Ein anschauliches Beispiel sind Last-Minute-Angebote von Fluggesellschaften. Ist ein Flug kurz vor dem Abflug noch nicht ausgebucht, sind die Fixkosten – etwa für Personal, Treibstoff oder Flughafengebühren – bereits grösstenteils angefallen. Die Grenzkosten für einen zusätzlichen Passagier sind daher vergleichsweise gering, zum Beispiel etwas mehr Gewicht oder Service an Bord. Verkauft die Airline den Sitzplatz kurzfristig zu einem reduzierten Preis, erzielt sie zusätzliche Einnahmen. Dieser zusätzliche Erlös aus dem Verkauf eines weiteren Sitzplatzes wird Grenzerlös genannt. Solange der Grenzerlös höher ist als die Grenzkosten, lohnt sich das Last-Minute-Angebot, auch wenn der Ticketpreis deutlich niedriger ist als ursprünglich geplant.

Black-Friday-Rabatte setzen Kaufanreize und steigern kurzfristig die Nachfrage.

■ Ökonomische Analyseinstrumente: Spieltheorie, Korrelation und Kausalität

Analyseinstrumente hingegen sind konkrete Methoden, mit denen wirtschaftliche Zusammenhänge systematisch untersucht werden können. Dazu zählen etwa die Spieltheorie, mit der strategische Entscheidungen zwischen mehreren Akteuren analysiert werden, sowie statistische Verfahren wie die Korrelationsanalyse, die Zusammenhänge zwischen wirtschaftlichen Variablen sichtbar macht. Solche Instrumente ermöglichen es, Hypothesen zu überprüfen, Muster zu erkennen und wirtschaftliche Entwicklungen kritisch zu beurteilen.

■ Die Spieltheorie beschäftigt sich damit, wie Menschen, Unternehmen oder Staaten Entscheidungen treffen, wenn ihr eigener Erfolg davon abhängt, wie sich andere verhalten.

Solche Situationen nennt man strategische Entscheidungen. Eine strategische Entscheidung liegt vor, wenn eine Person oder Organisation ihre Handlung nicht nur nach den eigenen Zielen ausrichtet, sondern auch überlegt, wie andere wahrscheinlich reagieren werden. Wer etwa einen Preis festlegt, ein Angebot macht oder ein Abkommen eingeht, berücksichtigt dabei immer auch mögliche Gegenreaktionen anderer Beteiligter.

Typische Beispiele für strategische Entscheidungen finden sich im Wettbewerb zwischen Unternehmen, bei internationalen Verhandlungen oder in der Umweltpolitik. Ein Unternehmen überlegt beispielsweise, ob es die Preise senken soll, wenn Konkurrenten darauf reagieren könnten. Staaten entscheiden, ob sie bei gemeinsamen Abkommen kooperieren oder eigene Vorteile suchen. In solchen Situationen entsteht ein Zusammenspiel aus Kooperation und Konkurrenz, bei dem jede Entscheidung die Handlungsmöglichkeiten der anderen beeinflusst.

Das Gefangenendilemma zeigt am Beispiel der Verbrecher Bonnie und Clyde: Fehlendes Vertrauen verhindert Kooperation – obwohl gemeinsames Kooperieren für beide besser wäre.

Die Spieltheorie zeigt, dass individuell nachvollziehbare Entscheidungen nicht immer zu den besten Ergebnissen für alle führen. Menschen oder Organisationen wählen oft Strategien, die kurzfristig Vorteile versprechen, auch wenn langfristige Zusammenarbeit bessere Ergebnisse bringen könnte. So wird verständlich, warum es zu Wettbewerb, Kooperation oder Konflikten kommt – und wie stark wirtschaftliche Resultate von strategischen Entscheidungen abhängen.

■ Eine Korrelationsanalyse ist ein wichtiges Analyseinstrument in der Ökonomie und in den Sozialwissenschaften. Sie untersucht, ob zwischen zwei Grössen ein statistischer Zusammenhang besteht und wie stark sich diese gemeinsam verändern. Wenn beispielsweise zwei Werte gleichzeitig steigen oder fallen, spricht man von einer positiven Korrelation; entwickeln sie sich in entgegengesetzte Richtungen, liegt eine negative Korrelation vor. Solche Analysen helfen dabei, Muster in Daten zu erkennen und mögliche Zusammenhänge sichtbar zu machen.

Streudiagramme zeigen positive, negative und fehlende Korrelationen zwischen zwei Variablen.

Achtung: Nur weil zwei Variablen korrelieren, heisst das noch nicht, dass die eine Variable die andere Variable verursacht. Eine echte Ursache-Wirkungs-Beziehung nennt man Kausalität.

Merke: Aus einer Korrelation kann man nicht automatisch auf Kausalität schliessen.

In der Wirtschaft können etwa steigende Einkommen mit höherem Konsum oder wachsende Investitionen mit stärkerem Wirtschaftswachstum korrelieren. Gleichzeitig ist es wichtig zu verstehen, dass eine Korrelation zwischen Variablen noch nichts über Ursache und Wirkung (Kausalität) aussagt.

Ein bekanntes Beispiel ist der Zusammenhang zwischen Eisverkäufen und Badetoten: Beide Zahlen steigen im Sommer an, doch nicht das Eis verursacht die Badeunfälle, sondern die höhere Temperatur als gemeinsame Einflussgrösse. Ein weiteres oft genanntes Beispiel zeigt eine Korrelation zwischen der Schuhgrösse von Kindern und ihrer Leseleistung. Auch hier besteht kein direkter ursächlicher Zusammenhang; beide Grössen hängen vielmehr mit dem Alter der Kinder zusammen. Korrelationsanalysen sind daher vor allem ein erster Schritt, um mögliche Beziehungen zu entdecken. Sie liefern Hinweise, die anschliessend genauer untersucht werden müssen, etwa durch zusätzliche Daten, Experimente oder theoretische Modelle.

Wer wirtschaftliche Statistiken interpretiert, sollte deshalb immer prüfen, ob hinter einer beobachteten Korrelation tatsächlich ein ursächlicher Zusammenhang steckt oder ob andere Faktoren eine Rolle spielen.

(Ausgabe für Lehrperson)

(Ausgabe für Lehrperson)

4 Ökonomische Modelle und Schulen

Weil die wirtschaftlichen Prozesse in der Wirklichkeit sehr komplex sind, versucht die Volkswirtschaftslehre, sich mit Hilfe von Modellen einen Überblick über die wichtigsten ökonomischen Zusammenhänge zu verschaffen. Diese Modelle stellen Abbilder der Wirklichkeit dar und beschränken sich auf die wesentlichen Elemente der realen Situation. Modelle entstehen durch Vereinfachung und können deshalb niemals vollständig mit der Realität übereinstimmen.

Beim Arbeiten mit volkswirtschaftlichen Modellen müssen die Annahmen, die dem Modell zugrunde liegen, bekannt sein. Um Schlussfolgerungen aus dem Modell ziehen zu können, wird jeweils nur eine Einflussgrösse verändert und alle anderen Einflussgrössen konstant gehalten. Dieses Vorgehen wird als Ceteris-paribus-Klausel bezeichnet. Der Chemiker, der im ersten Versuch aus drei verschiedenen Substanzen eine blaue Flüssigkeit erhält und im zweiten Versuch eine Substanz verändert und eine rote Flüssigkeit erhält, kann die Ursache der Farbveränderung auf diese veränderte Substanz zurückführen. Beim Volkswirtschafter, der das Verhalten von Menschen in wirtschaftlichen Prozessen untersucht, ist dies nicht immer möglich. Nicht alle Menschen verhalten sich in ähnlichen Situationen immer gleich. Volkswirtschaftliche Modelle beruhen nicht auf Naturgesetzen und sind deshalb nicht zeitlos gültig.

■ Modell 1: Homo oeconomicus

Der Homo oeconomicus steht im Zentrum eines ökonomischen Verhaltensmodells, das erklärt, wie Menschen unter Bedingungen von Knappheit Entscheidungen treffen. Wofür geben wir unser Geld aus? Soll ein neues Game oder ein Streaming-Abo gekauft werden? Oder doch ein Kinobillet? Oder soll auf beides verzichtet werden, um mit den Ersparnissen später ein Mountain-Bike kaufen zu können? Um alle Bedürfnisse zu befriedigen, reicht das Geld erfahrungsgemäss bei den wenigsten Menschen.

Der Homo oeconomicus ist kein realer Mensch, sondern ein Modell für die Prognose menschlichen Verhaltens.

■ Modellannahme 1: Nutzen maximieren. Eine erste Modellannahme des Homo oeconomicus beinhaltet, dass ein Mensch mit den ihm zur Verfügung stehenden Mitteln möglichst viele Bedürfnisse befriedigen bzw. seinen Nutzen maximieren will. Mit dem Begriff «Nutzen» wird in der Wirtschaftswissenschaft der subjektiv empfundene Grad der Bedürfnisbefriedigung beschrieben, den jemand mit Gütern oder Dienstleistungen verbindet. Im Weiteren verhält sich der Homo oeconomicus rational, d.h. er prüft seine Möglichkeiten und entscheidet sich für jene, die ihm den grössten Nutzen verspricht.

■ Modellannahme 2: Rational handeln nach dem ökonomischen Prinzip. Beim Zielkonflikt zwischen begrenzten Mitteln und unbegrenzten Bedürfnissen handeln Menschen häufig nach dem ökonomischen Prinzip. Dieses kann in drei Ausprägungen auftreten: Beim Maximalprinzip versucht man, mit gegebenen Mitteln einen möglichst grossen Nutzen zu erzielen. Beim Minimalprinzip geht es darum, ein vorgegebenes Ziel mit möglichst wenig Mitteln zu erreichen, etwa eine Flugreise zum günstigsten Preis zu buchen. Beim Optimalprinzip werden weder Ziele noch Mittel absolut vorgegeben; vielmehr werden Preis und Leistung verglichen, um die beste Kombination zu finden.

■ Modellannahme 3: Vollständige Information. Vom Homo oeconomicus nimmt man an, dass er über die ihm zur Verfügung stehenden Alternativen informiert ist und die möglichen Ergebnisse seiner Handlungen kennt. Diese Annahme vereinfacht die Analyse wirtschaftlicher Entscheidungen, auch wenn sie in der Realität oft nur teilweise zutrifft.

■ Modellannahme 4: Reaktion auf veränderte Rahmenbedingungen. Das Verhalten des Homo oeconomicus kann durch finanzielle Anreize beeinflusst werden. Sinkende Preise oder staatliche Subventionen können die Nachfrage nach bestimmten Gütern erhöhen, während Steuererhöhungen die Nachfrage tendenziell senken. Neben finanziellen Faktoren spielen zunehmend auch soziale und ökologische Überlegungen eine Rolle, etwa wenn Konsumentinnen und Konsumenten bewusst nachhaltige Produkte wählen.

■ Modellannahme 5: Berücksichtigung von Opportunitätskosten. Jede Entscheidung bedeutet auch Verzicht auf eine Alternative. Den entgangenen Nutzen der nicht gewählten Möglichkeit bezeichnen Ökonomen als Opportunitätskosten. Wenn jemand im Sommer nicht ins Kino geht, weil ein Abend am See attraktiver erscheint, sind die entgangenen Kinoerlebnisse die Opportunitätskosten dieser Entscheidung. Veränderungen von Preisen oder Einkommen beeinflussen somit auch die Bewertung verschiedener Handlungsoptionen.

Der Homo oeconomicus ist kein reales Menschenbild, sondern eine theoretische Vereinfachung, um wirtschaftliches Verhalten zu erklären. Das Modell unterstellt, dass Wirtschaftssubjekte ihren eigenen Vorteil verfolgen und auf Anreize reagieren. In vielen Situationen liefert dieses Modell hilfreiche Prognosen, in anderen zeigt sich jedoch, dass Menschen nicht immer vollständig rational handeln. Mit zunehmendem Wohlstand gewinnen auch Werte und immaterielle Aspekte an Bedeutung. Menschen entscheiden sich beispielsweise bewusst für teurere, aber nachhaltigere Produkte oder handeln aus altruistischen Motiven, indem sie das Wohl anderer mitberücksichtigen. Neuere Modelle der Verhaltensökonomik oder Spieltheorie beziehen deshalb neben irrationalen Entscheidungen und unvollständiger Information auch soziale Motive wie Kooperation oder Altruismus ein.

■ Modell 2: Angebot und Nachfrage

Das Modell von Angebot und Nachfrage erklärt, wie sich Preise und gehandelte Mengen auf Märkten bilden und verändern. Es gehört zu den zentralen Modellen der Volkswirtschaftslehre, weil es hilft zu verstehen, wie Entscheidungen von Konsumentinnen und Konsumenten sowie von Unternehmen zusammenwirken. Auf einem Markt treffen Anbieter, die Güter oder Dienstleistungen verkaufen möchten, und Nachfrager, die diese kaufen wollen, aufeinander. Beide Seiten orientieren sich dabei am Preis: Während Nachfrager bei steigenden Preisen in der Regel weniger kaufen, sind Anbieter eher bereit, mehr zu produzieren und anzubieten.

■ Das Angebot zeigt, wie viele Einheiten eines Gutes Unternehmen zu unterschiedlichen Preisen bereit sind zu produzieren und zu verkaufen. Steigende Preise machen die Produktion oft attraktiver, weil höhere Einnahmen möglich sind und sich zusätzliche Kosten eher lohnen.

■ Die Nachfrage beschreibt hingegen die Menge eines Gutes, die Konsumentinnen und Konsumenten zu verschiedenen Preisen kaufen möchten und können. Sie hängt unter anderem vom Einkommen, von Bedürfnissen, Trends oder von den Preisen ähnlicher Produkte ab. Sinkt beispielsweise der Preis eines Smartphones, steigt häufig die Nachfrage, weil sich mehr Menschen den Kauf leisten können oder wollen.

Ein anschauliches Beispiel für das Marktmodell sind Konzerttickets. Wird ein Konzert einer sehr beliebten Künstlerin angekündigt, ist die Nachfrage oft grösser als das vorhandene Angebot an Plätzen. Liegt der Ticketpreis zunächst relativ tief, entsteht ein Nachfrageüberschuss: Viele Fans möchten Tickets kaufen, aber es gibt zu wenige. In der Praxis zeigt sich das durch ausverkaufte Konzerte oder lange Online-Warteschlangen. Steigt der Preis hingegen stark an, können sich weniger Menschen ein Ticket leisten. Dann bleibt ein Teil der Plätze unverkauft – es entsteht ein Angebotsüberschuss. Der Gleichgewichtspreis liegt dort, wo der Ticketpreis genau so hoch ist, dass die angebotene Anzahl Plätze der nachgefragten Menge entspricht. Zu diesem Preis sind weder viele Tickets übrig noch bleiben zahlreiche Fans ohne Eintrittskarte.

Im Marktmodell werden Angebot und Nachfrage meist in einem Preis-Mengen-Diagramm dargestellt. Dort schneiden sich Angebots- und Nachfragekurve im sogenannten Marktgleichgewicht. Dieser Schnittpunkt zeigt den Gleichgewichtspreis und die Gleichgewichtsmenge – also den Preis, bei dem genau so viel angeboten wird, wie nachgefragt wird. Liegt der Preis über diesem Punkt, entsteht ein Angebotsüberschuss: Unternehmen produzieren mehr, als Konsumentinnen und Konsumenten kaufen wollen. Liegt der Preis darunter, kommt es zu einem Nachfrageüberschuss oder zu Knappheit, weil viele kaufen möchten, aber zu wenig angeboten wird. In einer Marktwirtschaft führen solche Ungleichgewichte oft zu Preisanpassungen, die den Markt wieder in Richtung Gleichgewicht bewegen.

Beim Preis von CHF 14.– wird mehr angeboten als nachgefragt (Angebotsüberschuss).

Beim Preis von CHF 10.– wird mehr nachgefragt als angeboten (Nachfrageüberschuss).

Beim Preis von CHF 12.– gibt es weder einen Angebotsüberschuss noch einen Nachfrageüberschuss, der Markt ist im Gleichgewicht.

(Ausgabe für Lehrperson)

■ Modell 3: Wirtschaftskreislauf

Der Wirtschaftskreislauf stellt modellhaft die Vielzahl der Tauschbeziehungen in unserer arbeitsteiligen Wirtschaft dar, in der wir darauf angewiesen sind, produzierte Güter und Dienstleistungen mit anderen zu tauschen.

Einfacher Wirtschaftskreislauf

■ Im einfachen Wirtschaftskreislauf werden diese Beziehungen stark vereinfacht dargestellt, indem die gesamte Wirtschaft auf die beiden Akteure «Haushalte» und «Unternehmen» beschränkt wird. Im Güterstrom stellen die Haushalte den Unternehmen die Produktionsfaktoren Arbeit und Wissen, Kapital und Natur zur Verfügung und im entgegengerichteten Geldstrom erhalten sie als Entschädigung dafür einen Lohn oder Zins. Die Unternehmen stellen Güter und Dienstleistungen her, die von den Haushalten gekauft werden. Dem realen Strom von Gütern und Dienstleistungen steht ein monetärer Strom von Ausgaben bzw. Einnahmen in Geld gegenüber; Güter- und Geldkreislauf sind damit geschlossen.

Die rund 5 Millionen Erwerbstätigen stellen den Unternehmen Arbeit und Wissen zur Verfügung und erhalten dafür Löhne und Gehälter von insgesamt über 450 Milliarden Franken pro Jahr. Mit diesem Einkommen kaufen die Haushalte Güter und Dienstleistungen – die privaten Konsumausgaben liegen bei rund 400 Milliarden Franken jährlich. Die Unternehmen nutzen die Einnahmen aus diesen Konsumausgaben, um weiter zu produzieren und erneut Löhne zu bezahlen. So entsteht ein geschlossener Kreislauf aus Güterstrom und Geldstrom: Arbeit fliesst zu den Unternehmen, während Geld in Form von Löhnen zu den Haushalten zurückkehrt und wieder in den Konsum gelangt.

(Ausgabe für Lehrperson)

■ Um detaillierte Aussagen über den Stand und die Entwicklung einer Wirtschaft machen zu können, muss dieser einfache Wirtschaftskreislauf erweitert werden. Im erweiterten Wirtschaftskreislauf wird modellhaft dargestellt, wie die Unternehmen, die Güter und Dienstleistungen schaffen, Einkommen bezahlen und Steuern entrichten.

Die Haushalte beziehen Einkommen für das Zurverfügungstellen der Produktionsfaktoren und verwenden dieses Einkommen, um bei den Unternehmen Güter und Dienstleistungen zu beziehen. Der Staat zieht von den Unternehmen und Haushalten Steuern ein und finanziert damit seine Ordnungs-, Steuerungs- und Umverteilungsaktivitäten. Der Finanzsektor sorgt für einen reibungslosen Zahlungs- und Kapitalverkehr, indem er Ersparnisse und Investitionen zwischen den Wirtschaftsteilnehmern vermittelt. Schliesslich wird im Wirtschaftskreislauf auch die Verflechtung mit dem Ausland dargestellt.

Erweiterter Wirtschaftskreislauf

■ Ökonomische Schulen

Die Ökonomische Schulen sind grundlegende Sichtweisen (Paradigmen), mit denen erklärt wird, wie die Wirtschaft funktioniert und wie der Staat wirtschaftliche Entwicklungen beeinflussen kann. Sie unterscheiden sich vor allem in ihren Annahmen über den Menschen, die Funktion von Märkten und die Rolle des Staates.

■ Klassik

Die klassische Schule der Wirtschaftswissenschaften (ca. 1776–1870) wurde von Ökonomen wie Adam Smith geprägt und untersuchte, wie Arbeitsteilung, Wettbewerb und internationaler Handel den Wohlstand einer Gesellschaft fördern können. Adam Smith beschrieb dabei das Prinzip der «unsichtbaren Hand»: Wenn Menschen ihre eigenen Interessen verfolgen, kann dies durch Wettbewerb unbeabsichtigt zum Wohl der gesamten Gesellschaft beitragen. Die Klassik ging davon aus, dass Märkte sich weitgehend selbst regulieren und individuelle Interessen durch Wettbewerb zum allgemeinen Nutzen führen können.

■ Neoklassik

■ Keynesianismus

Die Neoklassik (ab 1870) verlagerte den Fokus stärker auf das Verhalten einzelner Konsumentinnen, Konsumenten und Unternehmen sowie auf die Preisbildung durch Angebot und Nachfrage. Sie analysierte durch Marginalbetrachtungen in Gleichgewichtsmodellen wie Nutzen, Knappheit und Entscheidungen wirtschaftliche Entscheidungen beeinflussen. Die Neoklassik geht davon aus, dass sich Märkte über Preise weitgehend selbst steuern können, wenn Angebot und Nachfrage frei wirken. Im Zentrum steht die Vorstellung rational handelnder Menschen, die ihren Nutzen oder Gewinn maximieren und auf Preissignale reagieren. Steigt die Nachfrage nach einem Gut, erhöht sich der Preis, was Unternehmen zu einer Ausweitung des Angebots anregt und Knappheiten ausgleichen soll. Die Rolle des Staates wird vor allem darin gesehen, verlässliche Rahmenbedingungen zu schaffen und Wettbewerb zu gewährleisten. Kritiker bemängeln, dass reale Unsicherheit oder soziale Unterschiede nur teilweise berücksichtigt werden. Trotzdem bildet die Neoklassik bis heute eine wichtige Grundlage wirtschaftlicher Modelle.

Der Keynesianismus entstand in den 1930er-Jahren im Umfeld der Weltwirtschaftskrise und geht auf den britischen Ökono men John Maynard Keynes zurück. Im Unterschied zu marktli beralen Ansätzen geht diese Schule davon aus, dass sich wirt schaftliche Probleme nicht immer von selbst lösen und dass zu geringe Nachfrage zu Arbeitslosigkeit und rückläufiger Produk tion führen kann. Wenn Haushalte und Unternehmen weniger ausgeben, kann sich die wirtschaftliche Lage weiter verschlech tern. Deshalb soll der Staat in solchen Phasen aktiv eingreifen, etwa durch öffentliche Ausgaben, Investitionen oder steuerli che Entlastungen, um die Nachfrage zu stärken. In wirtschaft lich stabileren Zeiten wird hingegen eine zurückhaltendere Fi nanzpolitik empfohlen. Befürworter sehen darin ein wichtiges Instrument zur Stabilisierung der Wirtschaft, während Kritiker vor steigenden Staatsausgaben warnen.

■ Monetarismus

John Maynard Keynes prägte staatliche Nachfragepolitik in Krisenzeiten.

Milton Friedman forderte feste Regeln für die Steuerung der Geldmenge.

Der Monetarismus entwickelte sich vor allem ab den 1950erund 1960er-Jahren und ist eng mit dem US-Ökonomen Milton Friedman verbunden. Diese Schule betont die Bedeutung einer stabilen Geldpolitik für eine verlässliche wirtschaftliche Entwicklung. Monetaristen gehen davon aus, dass Veränderungen der Geldmenge einen starken Einfluss auf das allgemeine Preisniveau haben können. Deshalb soll vor allem die Zentralbank nach klaren Regeln handeln und für stabile Rahmenbedingungen sorgen, während staatliche Ausgabenprogramme eher kritisch beurteilt werden. Eine verlässliche Geldpolitik soll Erwartungen stabilisieren und langfristige Planung erleichtern. Kritiker weisen darauf hin, dass wirtschaftliche Probleme nicht allein durch Geldpolitik erklärt werden können. Trotzdem hat der Monetarismus die Ausrichtung vieler Zentralbanken bis heute stark geprägt.

(Ausgabe für Lehrperson)

Adam Smith gilt als Begründer der klassischen Nationalökonomie.
Alfred Marshall entwickelte zentrale Modelle der Neoklassik weiter.

5 Klassische und alternative ökonomische Konzepte

Ökonomische Konzepte zeigen, wie wirtschaftliche Ideen in verschiedenen Ländern konkret umgesetzt werden. Sie entstehen aus ökonomischen Modellen, Schulen und politischen Ideologien, unterscheiden sich jedoch je nach historischen Erfahrungen, gesellschaftlichen Werten und staatlichen Rahmenbedingungen.

■ Klassische ökonomische Konzepte

Klassische ökonomische Konzepte beschreiben bekannte Wirtschaftsmodelle, die auf etablierten Marktmechanismen und staatlichen Rahmenbedingungen beruhen. Sie zeigen, wie wirtschaftliche Ordnungssysteme organisiert sein können und welche Rolle Markt, Staat und Gesellschaft dabei spielen.

■ Die soziale Marktwirtschaft verbindet die Prinzipien einer freien Marktwirtschaft mit sozialem Ausgleich und staatlicher Verantwortung. Unternehmen sowie Konsumentinnen und Konsumenten handeln grundsätzlich eigenständig auf Märkten, während der Staat durch Regeln, Wettbewerbspolitik und Sozialversicherungen für faire Rahmenbedingungen sorgt. Ziel ist es, wirtschaftliche Effizienz mit sozialer Sicherheit zu verbinden und extreme Ungleichheiten zu begrenzen.

AHV-Ausgleichskassen sind

ein Beispiel, wie staatliche Institutionen Risiken wie Alter oder Erwerbsausfall absichern.

Das Konzept der sozialen Marktwirtschaft entstand nach dem Zweiten Weltkrieg in der Bundesrepublik Deutschland. Wirtschaftspolitiker wie Ludwig Erhard wollten eine Alternative sowohl zur zentralen Planwirtschaft als auch zu einem völlig ungeregelten Kapitalismus schaffen. Wettbewerb sollte Innovation und Wachstum fördern, gleichzeitig sollte ein Sozialstaat Risiken wie Arbeitslosigkeit, Krankheit oder Alter absichern. Diese Kombination trug wesentlich zum wirtschaftlichen Aufschwung der Nachkriegszeit bei und wurde zu einem prägenden Modell für viele europäische Länder. Auch die Schweiz weist zahlreiche Merkmale einer sozialen Marktwirtschaft auf, obwohl der Begriff politisch weniger stark verwendet wird. Die Wirtschaft basiert auf Wettbewerb und Privatunternehmen, ergänzt durch ein ausgebautes System von Sozialversicherungen wie AHV, IV, Arbeitslosen- und Krankenversicherung. Die sogenannte Sozialquote – also der Anteil der Sozialausgaben am Bruttoinlandprodukt – liegt in der Schweiz je nach Berechnung bei rund einem Viertel der Wirtschaftsleistung. Dies zeigt, dass auch eine stark marktorientierte Volkswirtschaft umfangreiche soziale Sicherungssysteme integriert, um wirtschaftliche Stabilität und gesellschaftlichen Zusammenhalt zu fördern.

(Ausgabe für Lehrperson)

■ Der Staatskapitalismus bezeichnet ein ökonomisches Konzept, bei dem marktwirtschaftliche Mechanismen mit einer starken Rolle des Staates kombiniert werden. Unternehmen können Gewinne erzielen und im internationalen Wettbewerb stehen, doch zentrale Branchen wie Energie, Infrastruktur, Banken oder Technologie bleiben häufig unter staatlicher Kontrolle oder werden strategisch gesteuert.

State Grid ist der grösste Stromnetzbetreiber der Welt – ein staatlicher Konzern, der Chinas Energiepolitik umsetzt.

Ein bekanntes Beispiel ist China: Seit den Reformen ab den 1980er-Jahren wurden Märkte geöffnet und private Firmen zugelassen, gleichzeitig setzt die Regierung über Fünfjahrespläne, Staatsunternehmen und Industriepolitik langfristige wirtschaftliche Ziele durch. Dieses Modell trug wesentlich zum raschen Wirtschaftswachstum und zur Industrialisierung des Landes bei. Auch andere Staaten zeigen staatskapitalistische Elemente, etwa Singapur mit staatlichen Beteiligungsfonds oder die Vereinigten Arabischen Emirate mit staatlich geprägten Schlüsselindustrien. Befürworter sehen darin ein wirksames Instrument für Entwicklung und Stabilität, während Kritiker auf politische Einflussnahme, eingeschränkten Wettbewerb und Abhängigkeit von staatlichen Entscheidungen hinweisen.

■ Die islamische Wirtschaft basiert auf religiösen Regeln der Scharia und verbindet wirtschaftliches Handeln mit ethischen Prinzipien. Zentrale Merkmale sind das Verbot von Zinsen (Riba), die Begrenzung spekulativer Geschäfte sowie Gewinn- und Verlustbeteiligungen statt klassischer Kredite. Banken treten dabei häufig als Partner auf, die Risiken mittragen und Investitionen stärker an reale Projekte koppeln. Zudem spielt soziale Verantwortung durch Umverteilung eine wichtige Rolle, etwa durch verpflichtende Abgaben wie die Zakat, die soziale Unterstützung fördern sollen. Im Iran wurde nach der Revolution 1979 versucht, eine islamisch geprägte Wirtschaftsordnung aufzubauen. Das Land verbindet religiöse Prinzipien mit staatlichen Unternehmen und nationaler Industriepolitik. Auch Staaten wie Saudi-Arabien oder Malaysia nutzen Elemente islamischer Finanzsysteme. Befürworter sehen darin eine ethische Alternative zur kapitalistischen Finanzwirtschaft, während Kritiker auf Umsetzungsprobleme hinweisen.

Iranische Banken arbeiten nach islamischen Finanzprinzipien. Zinsverbote führen häufig zu Beteiligungsmodellen statt klassischen Kreditgeschäften.

■ Alternative ökonomische Konzepte

Alternative ökonomische Konzepte hinterfragen traditionelle Wachstums- und Marktlogiken und setzen neue Schwerpunkte, etwa Nachhaltigkeit, Gemeinwohl oder regionale Kreisläufe. Sie bieten unterschiedliche Perspektiven darauf, wie Wirtschaft sozial und ökologisch gestaltet werden kann.

Die folgenden Wirtschaftskonzepte legen unterschiedliche Schwerpunkte auf ökologische Nachhaltigkeit, soziale Gerechtigkeit und wirtschaftliches Wachstum.

■ Subsistenzwirtschaft / Bedarfswirtschaft

In einer Subsistenzwirtschaft produzieren die Menschen überwiegend für den eigenen Bedarf und nicht für den Markt. Güteraustausch auf lokalen Märkten, Arbeitsteilung sowie die Koordination der Produktionsweisen sind zentraler Bestandteil der Subsistenzwirtschaft. Geschichtlich gesehen war die Subsistenzwirtschaft bis zur Industrialisierung und dem sich dabei herausbildenden Kapitalismus das weltweit vorherrschende Prinzip des Wirtschaftens. Heute findet man das Modell der Subsistenzwirtschaft in der Landwirtschaft in Entwicklungsländern.

Gruppen, die subsistenzorientiert wirtschaften, werden als lokale Gemeinschaften bezeichnet. Entsprechend haben Fred Frohofer und Werner Vontobel in ihrem Buch die Bedarfswirtschaft als Ökonomie der kurzen Wege bezeichnet.

■ Donut-Ökonomie

Das Modell der Donut-Ökonomie definiert die äussere Grenze des Donuts als die ökologischen Grenzen der wirtschaftlichen Aktivitäten, die sicherstellen, dass die Nutzung natürlicher Ressourcen und die Umweltbelastung das tragbare Mass des Planeten nicht überschreiten. Die inneren Grenzen des Donuts definieren die sozialen Grundlagen, die gewährleisten, dass grundlegende menschliche Bedürfnisse und Rechte, wie Nahrung, Gesundheit, Bildung und Gleichheit, erfüllt werden.

Das von der Wirtschaftswissenschaftlerin Kate Raworth entwickelte Modell der Donut-Ökonomie zielt darauf ab, wirtschaftliche Aktivitäten nur innerhalb eines sicheren und gerechten Raums für die Menschheit (innerhalb des Donuts) zu ermöglichen.

■ Postwachstumsökonomie

Ein wirtschaftliches Modell, welches das ständige Streben nach wirtschaftlichem Wachstum in Frage stellt. Es betont die Notwendigkeit, den Verbrauch von Ressourcen zu reduzieren und sich auf Wohlstand und Lebensqualität zu konzentrieren, anstatt auf kontinuierliches wirtschaftliches Wachstum.

Im Buch «Befreiung vom Überfluss» argumentiert Niko Paech für eine Postwachstumsökonomie, in der die Reduktion von Konsum und Produktionsvolumen sowie die Stärkung lokaler und nachhaltiger Strukturen zur Lösung von Umwelt- und Wirtschaftsproblemen beitragen sollen. Er plädiert für eine Abkehr vom Wachstumsparadigma hin zu einer suffizienten und gemeinschaftlich orientierten Lebensweise.

■ Kreislaufwirtschaft

Ein System, das darauf ausgelegt ist, Abfall und Verschwendung zu minimieren, indem Produkte, Materialien und Ressourcen so lange wie möglich genutzt, wiederverwendet, repariert und recycelt werden.

Das Buch «Circular Economy» von Günther Dobrauz und Nicolas Huras beschreibt die Prinzipien der Kreislaufwirtschaft, die darauf abzielen, Abfall zu minimieren und Ressourcen durch Wiederverwendung, Reparatur, Aufbereitung und Recycling effizient zu nutzen. Es betont die Notwendigkeit eines systemischen Wandels von der linearen Wirtschaftsweise hin zu einer zirkulären Wirtschaftsweise, um nachhaltigere Produktions- und Konsummuster zu etablieren.

Jede Wirtschaftsordnung, jedes Wirtschaftsmodell und jedes Wirtschaftskonzept hat seine eigenen Vor- und Nachteile und beeinflusst die Lebensweise und den Wohlstand der Menschen in einer Gesellschaft unterschiedlich.

Innerhalb dieser Vielfalt von Wirtschaftsordnungen und Wirtschaftsmodellen nimmt die Marktwirtschaft eine zentrale Rolle ein. Sie ist nicht nur die am weitesten verbreitete Wirtschaftsordnung, sondern auch eines der dynamischsten und anpassungsfähigsten Systeme. Die Marktwirtschaft fördert Wohlstand, Wettbewerb sowie Innovation und bietet durch die Preisbildung über Angebot und Nachfrage eine effiziente Methode zur Allokation (Zuteilung) von Ressourcen. Aufgrund ihrer weitreichenden Bedeutung und ihrer komplexen Mechanismen wird die Marktwirtschaft in den folgenden Kapiteln ausführlich behandelt.

(Ausgabe für Lehrperson)

(Ausgabe für Lehrperson)

6 Wie funktionieren Märkte?

Im Zusammenhang mit den Tauschbeziehungen stellen sich in einer arbeitsteiligen, modernen Volkswirtschaft immer drei Fragen: Was soll produziert werden? In welcher Kombination – wie – sollen die Produktionsfaktoren eingesetzt werden? Für wen sollen bestimmte Güter und Dienstleistungen produziert werden? In den meisten Volkswirtschaften werden diese drei Hauptfragen heute mehrheitlich mithilfe von Marktmechanismen geregelt. Die Märkte funktionieren nach gewissen Regeln, die wir in diesem Abschnitt vorstellen.

■ Güter- und Faktormärkte

Ein Markt ist ein Ort, an dem sich Käufer und Verkäufer treffen und über die gehandelten Mengen und die entsprechenden Preise entscheiden. Die Tauschbeziehungen lassen sich in zwei Gruppen gliedern: Auf den Gütermärkten fragen die Konsumenten die gewünschten Güter und Dienstleistungen bei den Unternehmen nach und kaufen sie gegen Geld. Die Gütermärkte werden je nach Untersuchungsgegenstand weiter unterteilt (z. B. Konsumgütermarkt, Investitionsgütermarkt und Dienstleistungsmarkt). Auf den Faktormärkten treten die Haushalte als Anbieter auf und die Unternehmen fragen die Produktionsfaktoren (Arbeit und Wissen, Kapital und Natur) nach. Wir unterscheiden den Arbeitsmarkt, den Bodenmarkt und den Kapitalmarkt.

■ Marktmechanismus

Auf den Konsumgütermärkten treffen die Nachfrage der Haushalte und das Angebot der Unternehmen aufeinander. Auf den Faktormärkten sind die Haushalte die Anbieter und die Unternehmen die Nachfrager. Jedes knappe Gut, sei es eine Stereoanlage oder die Arbeitsstunde einer Verkäuferin, hat ein bestimmtes Tauschverhältnis – in Geld ausgedrückt: einen Preis. Löhne sind Preise für den Produktionsfaktor Arbeit, Kapitalzinsen sind Preise für den Produktionsfaktor Kapital. Der Preis für den Produktionsfaktor Boden ist abhängig von den zukünftigen Erträgen, die aus der Nutzung des Bodens erzielt werden. Sämtliche Preise koordinieren die Entscheidungen auf den entsprechenden Märkten und lenken die Produktion in Richtung der Konsumentenwünsche.

Angenommen, die Haushalte kaufen mehr Snowboards als Alpinskis, dann bauen Sportgeschäfte ihre Snowboardlager schneller ab und bestellen bei Produzenten nach. Diese weiten die Produktion aus, erhöhen wegen der höheren Nachfrage teilweise die Preise und erzielen steigende Gewinne. Es entstehen neue Produktionskapazitäten, wovon auch Zulieferbetriebe profitieren: Der Bedarf an Holz, Kunststoffen, Metall, Krediten und Arbeitskräften steigt, ebenso die Löhne. In der Alpinskibranche verläuft der Prozess umgekehrt.

Auf den Güter- und Faktormärkten werden verschiedene Dinge gegen Geld getauscht.

■ Gewinne und Verluste steuern die Tätigkeit der Unternehmen

Die Haushalte bestimmen mit ihrer Nachfrage, was und wie viel produziert wird. Preise und Gewinne zeigen den Unternehmen, welche Güter gefragt sind: Gewinne lenken Ressourcen in nachgefragte Branchen, Verluste führen zum Rückzug aus unattraktiven Märkten. Damit wird zugleich entschieden, wie knappe Produktionsfaktoren eingesetzt werden. Steigt etwa die Nachfrage nach Arbeit, erhöhen sich die Löhne; langfristig versuchen Unternehmen jedoch, teurere Arbeit durch Kapital zu ersetzen.

■ Preis koordiniert die Güter- und Faktormärkte

Produziert wird grundsätzlich für jene Konsumenten, die die Preise bezahlen können. Einkommen entstehen auf Arbeits- und Kapitalmärkten, sodass Angebot und Nachfrage auf Faktormärkten mitbestimmen, «für wen» produziert wird. In der Marktwirtschaft erfolgen Konsum- und Produktionsentscheidungen dezentral. Preise wirken dabei als zentrale Koordinationsgrösse, die den Wirtschaftskreislauf laufend anpasst.

7 Preisbildung durch Angebot und Nachfrage

Im Marktmodell treffen Nachfrage und Angebot aufeinander. Konsumentinnen und Konsumenten überlegen, welchen Nutzen ihnen ein Gut bringt und wie viel sie dafür bezahlen wollen. Unternehmen vergleichen ihre Kosten mit den möglichen Erlösen. Aus diesen Entscheidungen können Nachfrage- und Angebotskurven abgeleitet werden. Durch das Übereinanderlegen beider Kurven kann in einem Preis-Mengen-Diagramm der sogenannte Gleichgewichtspreis dargestellt werden: Zu diesem Preis stimmen angebotene und nachgefragte Menge überein.

■ Nachfragekurve – Nutzenüberlegungen der Konsumenten

Die Nachfrage der Haushalte wird – rein ökonomisch – durch Nutzenüberlegungen beeinflusst. Wer ein Gut kauft, vergleicht den erwarteten Nutzen mit dem Preis. Dabei ist nicht nur der gesamte Nutzen wichtig, sondern vor allem der zusätzliche Nutzen einer weiteren Einheit. Diesen zusätzlichen Nutzen nennt man Grenznutzen

Der Ökonom Hermann Heinrich Gossen formulierte das Gesetz des abnehmenden Grenznutzens: Mit zunehmendem Konsum eines Gutes nimmt der zusätzliche Nutzen jeder weiteren Einheit ab. Bei Nahrungsmitteln ist dies gut erkennbar: Ein Glacéliebhaber empfindet bei der ersten Kugel einen hohen Nutzen. Die zweite und dritte Kugel erhöhen den Gesamtnutzen ebenfalls, aber nicht mehr so stark. Nach der fünften Kugel dürfte der zusätzliche Nutzen klein sein – vielleicht sogar negativ.

Ein Haushalt muss entscheiden, wofür er sein begrenztes Budget ausgibt. Dabei vergleicht er nicht nur verschiedene Güter, sondern auch deren Preise. Entscheidend ist deshalb der Grenznutzen pro Franken: Wie viel zusätzlichen Nutzen bringt ein Gut im Verhältnis zu seinem Preis? Ist der Grenznutzen pro Franken bei einem Gut höher als bei einem anderen, lohnt es sich, mehr davon zu kaufen. Sinkt dagegen der Grenznutzen oder steigt der Preis, wird weniger davon nachgefragt.

Das lässt sich am Beispiel Glacé zeigen: Kostet eine Kugel wenig, erscheint sie im Vergleich zu anderen Ausgaben attraktiv. Steigt der Preis jedoch deutlich, überlegen sich Konsumentinnen und Konsumenten eher, ob sie ihr Geld nicht für ein anderes Gut einsetzen, zum Beispiel für ein Getränk, einen Snack oder eine Kinokarte. Das Glacé bringt zwar weiterhin Nutzen, aber im Verhältnis zum höheren Preis weniger Nutzen pro Franken. Deshalb wird bei steigendem Preis tendenziell weniger Glacé nachgefragt.

Daraus lässt sich die Nachfragekurve erklären: Bei einem hohen Preis kaufen Konsumentinnen und Konsumenten in der Regel eine kleinere Menge. Das Gut ist im Vergleich zu anderen Verwendungsmöglichkeiten des Geldes weniger attraktiv. Sinkt der Preis, steigt der Nutzen pro ausgegebenem Franken. Das Gut wird im Verhältnis günstiger, und die nachgefragte Menge nimmt zu. Die Nachfragekurve verläuft deshalb im Preis-Mengen-Diagramm in der Regel von links oben nach rechts unten

Mit zunehmender Menge steigt der Gesamtnutzen zunächst stark, danach immer weniger. Der Grenznutzen nimmt ab und kann später negativ werden. Deshalb wird bei hohen Preisen weniger, bei tieferen Preisen mehr nachgefragt.

(Ausgabe für Lehrperson)

■ Angebotskurve – Kostenüberlegungen der Produzenten

Unternehmen müssen entscheiden, wie viel sie produzieren und zu welchem Preis sie ihre Güter anbieten wollen. Dabei vergleichen sie die zusätzlichen Erlöse mit den zusätzlichen Kosten. Solange eine weitere verkaufte Einheit mehr einbringt, als sie kostet, lohnt sich eine Ausdehnung der Produktion. Diese Überlegung erklärt, warum Unternehmen bei höheren Preisen bereit sind, grössere Mengen anzubieten.

Bei der Produktion eines Gutes entstehen zunächst Fixkosten. Das sind Kosten, die unabhängig von der produzierten Menge anfallen. Ein Landwirtschaftsbetrieb muss zum Beispiel Pachtzinsen, Abschreibungen auf Gebäuden und Maschinen, Löhne oder Versicherungsprämien einrechnen, bezahlen, auch wenn er nur wenig produziert. Zusätzlich entstehen variable Kosten. Sie hängen von der Produktionsmenge ab. Produziert der Betrieb mehr Kartoffeln, braucht er mehr Saatgut, Dünger und Pflanzenschutzmittel, Wasser, Treibstoff und Verpackungsmaterial.

Die Gesamtkosten setzen sich aus Fixkosten und variablen Kosten zusammen. Wird die Produktion ausgeweitet, steigen die Kosten jedoch nicht immer gleichmässig. Zunächst können die zusätzlichen Kosten noch relativ hoch sein, weil Maschinen, Arbeitsabläufe und Mitarbeitende noch nicht optimal eingesetzt sind. Mit zunehmender Erfahrung entstehen Lerneffekte: Die Arbeit geht schneller, Maschinen werden besser ausgelastet und Abläufe eingespielter. Die variablen Kosten steigen dann weniger stark. Wird die Produktion noch weiter erhöht, können jedoch Engpässe entstehen. Beim Landwirtschaftsbetrieb müssen zusätzliche Felder bewirtschaftet, Erntehelfer koordiniert, Maschinen stärker beansprucht oder zusätzliche Transporte organisiert werden. Vielleicht liegen neue Felder weiter entfernt oder sind weniger ertragreich. Dadurch nehmen Arbeitszeit, Koordinationsaufwand und Materialeinsatz überproportional zu. Die Gesamtkosten steigen nun immer stärker an.

Für das Unternehmen sind deshalb die Grenzkosten entscheidend. Grenzkosten sind die zusätzlichen Kosten, die durch die Produktion einer weiteren Einheit entstehen. Wenn ein Betrieb eine weitere Einheit produziert, fragt er: Wie viel kostet genau diese zusätzliche Einheit? Wegen Lerneffekten können die Grenzkosten zunächst sinken. Wenn später Engpässe und Koordinationsaufwand zunehmen, steigen die Grenzkosten wieder an.

Den zusätzlichen Erlös aus dem Verkauf einer weiteren Einheit nennt man Grenzerlös In einem einfachen Marktmodell entspricht der Grenzerlös dem Preis. Ein gewinnorientiertes Unternehmen produziert so lange mehr, wie der Grenzerlös höher ist als die Grenzkosten. Sind Grenzkosten und Grenzerlös gleich gross, bringt eine weitere Ausdehnung der Produktion keinen zusätzlichen Gewinn mehr. Steigen die Grenzkosten über den Grenzerlös, würde eine weitere Einheit den Gewinn verringern.

Daraus lässt sich die Angebotskurve erklären: Bei einem höheren Preis können auch höhere Grenzkosten gedeckt werden. Deshalb lohnt es sich für Unternehmen, zusätzliche Einheiten anzubieten. Die Angebotskurve entspricht deshalb dem steigenden Teil der Grenzkostenkurve und verläuft im Preis-Mengen-Diagramm von links unten nach rechts oben

(Ausgabe für Lehrperson)

Mit zunehmender Produktionsmenge steigen die Gesamtkosten. Anfangs können Lerneffekte die Grenzkosten senken, später führen Engpässe und Koordinationsaufwand zu steigenden Grenzkosten. Weil Unternehmen nur anbieten, wenn der Preis die Grenzkosten deckt, steigt bei höheren Preisen die angebotene Menge.

■ Preismechanismus – Ausgleich von Angebot und Nachfrage

Bis anhin haben wir Angebot und Nachfrage getrennt analysiert. Welcher Preis wird sich nun aufgrund von Angebot und Nachfrage bilden? Dazu betrachten wir einen «idealen Markt», die Wertpapierbörse. Als «ideal» wird der Börsenhandel deshalb angesehen, weil in diesem Markt die fünf Modellannahmen der vollkommenen Konkurrenz am ehesten anzutreffen sind:

1. Homogene Güter: Die gehandelten Wertpapiere sind gleichartig.

2. Viele Anbieter, viele Nachfrager: Es gibt viele Marktteilnehmer, sowohl auf der Angebots- als auch auf der Nachfrageseite, sodass der Preis nicht von einzelnen Anbietern oder Nachfragern beeinflusst werden kann.

3. Markttransparenz: Im elektronischen Börsensystem werden die verschiedenen Angebote (Verkaufsaufträge) und die Nachfrage (Kaufaufträge) in der Form eines Auftragsbuches dargestellt. Die Marktteilnehmer sind über alle beabsichtigten Mengen- und Preisvorstellungen vollständig informiert.

4. Keine Beschränkungen im Marktzutritt: Jeder kann über die Banken an der Börse Wertpapiere kaufen und verkaufen.

5. Keine Zeitverzögerung: Anpassungen aufgrund neuer Informationen erfolgen sofort und führen unmittelbar zu veränderten Marktverhältnissen.

Auftragsbuch im elektronischen Börsensystem: Kauf- und Verkaufsaufträge nach Preisstufen

■ Gleichgewichtsfunktion des Preises: Der Gleichgewichtspreis ist jener Preis, bei dem die angebotene Menge der nachgefragten Menge entspricht. Auf einem Markt mit vollkommener Konkurrenz liegt dieser Gleichgewichtspreis im Schnittpunkt der Angebotsund Nachfragekurve. Bei einem Preis von CHF 147.50 können jene Käufer, die kaufen wollen, die entsprechende Menge an Wertpapieren den verkaufswilligen Verkäufern abkaufen. Jeder andere Preis würde zu mehr unzufriedenen Marktteilnehmenden führen. Bei einem Preis von CHF 148.– könnten 1600 Stück nicht verkauft werden (Angebotsüberschuss). Bei einem Preis von 147.– möchten die Nachfrager 1500 Stück mehr kaufen, als die Anbieter zu verkaufen bereit sind (Nachfrageüberschuss). Der Preis hat in einer Marktwirtschaft die zentrale Funktion, die Pläne der Anbieter und der Nachfrager ohne zentrale Entscheidungen aufeinander abzustimmen. Mit fallendem Preis sinkt das Angebot und steigt die Nachfrage so lange, bis sich die angebotene Menge mit der nachgefragten Menge im Gleichgewicht befindet.

■ Informationsfunktion des Preises: Der Preis liefert auch Informationen für Konsumenten und Produzenten. Ein höherer Preis signalisiert den Unternehmen, mehr zu produzieren, und anderen Anbietern, ebenfalls auf diesem Markt aufzutreten.

■ Rationierungsfunktion des Preises: Es muss aber beachtet werden, dass die Koordination durch den Preis selektioniert: Ein steigender Preis «rationiert» die Nachfrage und beschränkt die Konsummöglichkeiten der ärmeren Leute.

Marktgleichgewicht: Angebots- und Nachfragekurven gemäss Auftragsbuch

(Ausgabe für Lehrperson)

(Ausgabe für Lehrperson)

8 Einflussfaktoren auf Angebot und Nachfrage

Neben dem Preis können noch andere Faktoren das Angebot und die Nachfrage beeinflussen. Wenn wir die direkten Auswirkungen von Preisänderungen der nachgefragten bzw. angebotenen Güter oder Produktionsfaktoren beobachten, so bewegen wir uns jeweils auf der entsprechenden Nachfrage- bzw. Angebotskurve. Betrachten wir Veränderungen bei anderen Einflussfaktoren (z. B. Einkommen, Marktgrösse, Preise anderer Güter, Erwartungshaltungen, Produktionskosten oder besondere externe Einflüsse), bewegen wir uns nicht mehr auf der Nachfrage- bzw. Angebotskurve. Solche Veränderungen verschieben die gesamte Nachfrage- bzw. Angebotskurve. Bei den folgenden Überlegungen steht also immer die Frage im Mittelpunkt, wie sich der beschriebene Einfluss bei stabilem Preis auf das Angebot bzw. die Nachfrage auswirkt.

■ Einflussfaktoren auf die Nachfragekurve

1. Einkommen: Ein wichtiger Einflussfaktor auf die Nachfrage ist das Einkommen. In wohlhabenderen Ländern oder Familien werden oft mehr Güter und Dienstleistungen nachgefragt als in ärmeren. Bei gleichem Preis steht mehr Geld zur Verfügung –die Nachfragekurve verschiebt sich nach rechts.

2. Marktgrösse: Auch die Grösse eines Marktes spielt eine Rolle. Wenn etwa durch offene Grenzen mehr Menschen Zugang zu einem Produkt haben, steigt die nachgefragte Menge meist deutlich an.

3. Preisänderungen bei Substitutionsgütern (Güter, die ein anderes Gut ersetzen können): Werden Substitutionsgüter günstiger, sinkt oft die Nachfrage nach dem ursprünglichen Produkt, zum Beispiel bei verschiedenen Energieträgern oder alternativen Materialien.

4. Preisänderungen bei Komplementärgütern (Güter, die zusammen mit einem anderen Gut genutzt werden): Komplementärgüter werden zusammen verwendet, etwa Smartphones und Apps oder Spielekonsolen und Games. Sinkende Preise bei Komplementärgütern erhöhen häufig auch die Nachfrage nach dem Hauptprodukt.

5. Ökologische Einflüsse: Veränderungen in Umwelt und Klima wirken sich ebenfalls aus. Hitzesommer steigern zum Beispiel die Nachfrage nach Klimageräten oder Sonnencreme, während schlechtes Wetter Ausflugsziele weniger attraktiv macht.

6. Subjektive Faktoren: Geschmacksänderungen, Trends oder Erwartungen beeinflussen die Nachfrage stark. Social Media kann Produkte schnell beliebt machen, während kulturelle Traditionen bestimmen, was konsumiert wird. Wer steigende Preise erwartet, kauft manchmal früher oder mehr ein. Je nach Entwicklung verschiebt sich die Nachfragekurve nach links oder rechts.

Verschiebungen der Nachfragekurve: Sechs Einflussfaktoren

■ Einflussfaktoren auf die Angebotskurve

1. Preise der Produktionsfaktoren: Steigen die Preise für Produktionsfaktoren wie Löhne, Rohstoffe, Energie, Mieten oder Zinsen, erhöhen sich die Produktionskosten. Für einige Unternehmen lohnt sich die Herstellung dann weniger. Das Angebot nimmt ab, die Angebotskurve verschiebt sich nach links. Sinken dagegen die Kosten, können Unternehmen günstiger produzieren. Das Angebot nimmt zu.

2. Produktionsverfahren: Fortschritte in der Produktion können die Kosten senken. Neue Maschinen, bessere Arbeitsabläufe oder technische Innovationen ermöglichen es, mehr oder günstiger zu produzieren. Dadurch steigt das Angebot. Produktionsstörungen oder veraltete Verfahren können dagegen die Kosten erhöhen und das Angebot verringern.

3. Staatliche Transfers: Unterstützt der Staat Unternehmen oder Branchen mit Subventionen, Direktzahlungen oder Steuererleichterungen, sinken die effektiven Produktionskosten. Dadurch wird es attraktiver, mehr zu produzieren, und das Angebot steigt. Zusätzliche Abgaben oder Steuern verteuern die Produktion und verringern das Angebot eher.

4. Rechtliche Regelungen: Gesetze und Vorschriften beeinflussen, wie leicht oder teuer Unternehmen produzieren können. Mehr Auflagen, Bewilligungen oder Kontrollen können die Produktion verteuern und das Angebot verkleinern. Weniger Auflagen oder vereinfachte Verfahren können die Produktion erleichtern und das Angebot erhöhen.

5. Ökologische Einflüsse: Besonders in der Landwirtschaft hängt das Angebot stark von natürlichen Bedingungen ab. Trockenheit, Frost, Hagel oder Schädlingsbefall können zu kleineren Ernten führen. Das Angebot sinkt. Günstige Bedingungen wie Sonne, Regen und gute Böden können die Ernte erhöhen und das Angebot vergrössern.

6. Subjektive Faktoren: Auch Erwartungen der Unternehmen spielen eine Rolle. Rechnen sie mit guter Konjunktur, steigender Nachfrage oder höheren Preisen, planen sie oft ein grösseres Angebot. Sind sie pessimistisch oder erwarten unsichere Absatzmöglichkeiten, investieren und produzieren sie vorsichtiger.

■ Achtung:

Bewegung auf der Kurve ist nicht gleich Verschiebung der ganzen Kurve

Bei der Analyse eines Marktes ist wichtig zu unterscheiden, ob die Nachfrage steigt (die ganze Nachfragekurve verschiebt sich) oder ob nur die nachgefragte Menge zunimmt (Bewegung entlang derselben Kurve, meist wegen eines tieferen Preises). Sinkt zum Beispiel das Angebot, steigt der Gleichgewichtspreis. Dadurch wird weniger nachgefragt – es kommt zu einer Bewegung nach oben auf der Nachfragekurve und nicht zu einer Verschiebung der Kurve

Verschiebungen der Angebotskurve: Sechs Einflussfaktoren

selbst. Ein konkretes Beispiel sind Konzerttickets: Wird ein Konzert günstiger angeboten, kaufen mehr Menschen Tickets – die nachgefragte Menge steigt entlang derselben Kurve. Wird dagegen ein Künstler durch Social Media plötzlich viel populärer, möchten generell mehr Personen Tickets kaufen. Dann verschiebt sich die gesamte Nachfragekurve nach rechts, auch wenn sich der Preis zunächst nicht verändert.

(Ausgabe für Lehrperson)

(Ausgabe für Lehrperson)

9 Märkte sind grundsätzlich effizient und demokratisch

Auf den verschiedenen Märkten wird entschieden, was für wen wie produziert wird. Ziel all dieser Tauschvorgänge ist es, möglichst viele Güter und Dienstleistungen zu möglichst günstigen Preisen zu produzieren und zu konsumieren. Das Optimum ist dann erreicht, wenn mit den gegebenen Produktionsfaktoren jene Güter- und Dienstleistungen mit dem höchsten Nutzen für die Gesellschaft hergestellt werden. Diesen Zustand nennt man Effizienz. Eine Analyse dieser Tauschvorgänge zeigt, wie effizient der Marktmechanismus ist. Wie kann man diese Effizienz messen? Ausgangspunkt für diese Überlegungen sind die Angebots- und Nachfragekurven im Preis-Mengen-Diagramm. Während auf der Nachfragekurve ähnlich einem Umfrageergebnis die gewünschten Preis-Mengen-Kombinationen der Nachfrage abgebildet sind, kann man auf der Angebotskurve die Preis-Mengen-Kombinationen erkennen, zu denen die Unternehmen bereit sind, die entsprechenden Produkte herzustellen.

■ Konsumentenrente

Als Mass für die Effizienz des Marktmechanismus kann man die Zufriedenheit der Konsumenten und der Produzenten mit dem sich auf dem Markt ergebenden Gleichgewichtspreis erfragen. Konsument1 und Konsumentin2 sind mit dem Gleichgewichtspreis wohl sehr zufrieden, denn sie wären bereit gewesen, für das entsprechende Produkt einen höheren Preis zu zahlen. Die Differenz zwischen ihrer Preisvorstellung und dem geltenden Gleichgewichtspreis nennt man Konsumentenrente, weil die Konsumenten bei jedem Kauf weniger zahlen müssen, als ihnen dieses Produkt wert ist; die Konsumenten machen damit bei jedem Kauf einen entsprechenden «wiederkehrenden Gewinn», mit anderen Worten: sie erhalten eine «Rente».

■ Produzentenrente

Der Produzent1 und die Produzentin2 erzielen ihrerseits bei jedem Verkauf einen zusätzlichen Gewinn (die sogenannte Produzentenrente), da diese beiden auch bereit wären, das Produkt zu einem tieferen als dem geltenden Gleichgewichtspreis herzustellen. Als Mass der Zufriedenheit mit dem geltenden Marktpreis kann die Summe der Konsumenten- und Produzentenrente betrachtet werden.

■ Nicht berücksichtigte Konsumenten und Produzenten

Nicht alle Marktteilnehmenden kommen beim Gleichgewichtspreis zum Zug. Einige Konsumentinnen und Konsumenten wären nur zu tieferen Preisen bereit zu kaufen und verzichten deshalb auf den Kauf. Gleichzeitig gibt es Produzentinnen und Produzenten, die erst bei höheren Preisen anbieten würden und daher nicht produzieren. Diese Gruppen liegen im Diagramm ausserhalb des Marktgleichgewichts.

Konsumenten- und Produzentenrente beim Gleichgewichtspreis

■ Höchstpreise bewirken Effizienz- bzw. Wohlstandsverluste

Ein Höchstpreis liegt unter dem Gleichgewichtspreis. Er wird meist im Interesse von Konsumentinnen und Konsumenten gefordert, die sich ein Gut zum Marktpreis nicht leisten können oder wollen. Der tiefere Preis erhöht die Nachfrage, gleichzeitig bieten weniger Produzenten das Gut an. Es entsteht ein Nachfrageüberschuss. Ohne Höchstpreis würde die Gleichgewichtsmenge gehandelt. Beim Höchstpreis sinkt die gehandelte Menge. Dadurch gehen Tauschgewinne verloren: Die Summe aus Konsumenten- und Produzentenrente nimmt ab. Dieser Verlust heisst Effizienz- oder Wohlfahrtsverlust.

Höchstpreis p1 unterhalb des Gleichgewichtspreises p0 führt zu einem Nachfrageüberschuss. Weil weniger produziert und verkauft wird als im Marktgleichgewicht, gehen Tauschgewinne verloren.

■ Mindestpreise bewirken ebenfalls Effizienz- bzw. Wohlstandsverluste

Ein Mindestpreis liegt über dem Gleichgewichtspreis. Er wird meist im Interesse von Produzenten gefordert, die einen höheren Preis erzielen möchten. Der höhere Preis erhöht das Angebot, gleichzeitig fragen weniger Konsumentinnen und Konsumenten das Gut nach. Es entsteht ein Angebotsüberschuss: Ein Teil der Anbieter bleibt auf seinen Gütern sitzen. Ohne Mindestpreis würde die Gleichgewichtsmenge gehandelt. Dann würde mehr produziert und verkauft; entsprechend wären dann auch Arbeitsnachfrage und Beschäftigung höher.

Mindestpreis p2 oberhalb des Gleichgewichtspreises p0 führt zu einem Angebotsüberschuss. Weil bei Menge m1 weniger verkauft und produziert wird als bei m0, sinken Tauschgewinne und Beschäftigung.

(Ausgabe für Lehrperson)

(Ausgabe für Lehrperson)

10 Staatliche Eingriffe – notwendig und problematisch

Der Markt ist grundsätzlich ein demokratisches System: Jeder darf selber entscheiden, was er wann, bei wem und zu welchem Preis anbieten oder nachfragen will. Anders als in einer Planwirtschaft, in der der Staat Produktion und Konsum zentral festlegt, entstehen diese Entscheidungen in einer Marktwirtschaft durch das Zusammenspiel von Haushalten und Unternehmen. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass möglichst viele Menschen tatsächlich am wirtschaftlichen Leben teilnehmen können. Dazu müssen sie ihre wirtschaftlichen Grundbedürfnisse decken können. Deshalb spielt der Staat auch in marktwirtschaftlich organisierten Gesellschaften eine wichtige Rolle. Greift er in den Wirtschaftskreislauf ein, sollte er darauf achten, dass die Marktmechanismen weiterhin funktionieren. Oft lassen sich soziale Ziele effizienter durch eine Umverteilung der Einkommen erreichen als durch direkte Preisvorschriften.

■ Freier Markt und notwendige Aufgaben des Staates

Unsere Wirtschaftsordnung ist nach den Grundsätzen einer sozialen Marktwirtschaft aufgebaut. Der Marktmechanismus soll grundsätzlich dafür sorgen, dass Güter und Dienstleistungen effizient bereitgestellt und ein möglichst hoher Wohlstand erreicht wird. Als «sozial» gilt diese Wirtschaftsordnung, weil der Staat unerwünschte Ergebnisse eines ungehinderten Marktes korrigiert, etwa eine zu ungleiche Verteilung von Einkommen und Vermögen.

In der Realität zeigt sich, dass der Staat trotz der koordinierenden Funktion des Preises in vielfältiger Weise eingreifen muss, damit aus der Summe aller Wirtschaftsaktivitäten ein wirtschafts- und sozialpolitisch erwünschtes Ergebnis entsteht. Der Staat übernimmt dabei folgende Aufgaben: :

■ Aufgabe 1: Freiheitliche Rechtsordnung

Eine funktionierende Marktwirtschaft kann nur entstehen, wenn das Privateigentum gewährleistet ist. Unternehmen und private Haushalte werden nur Geld für Investitionen und Konsum ausgeben, wenn sie mit Sicherheit davon ausgehen dürfen, dass das, was sie kaufen, ihnen auch langfristig nicht weggenommen werden kann ( Eigentumsgarantie). Zudem müssen sie frei entscheiden dürfen, mit wem sie zusammenarbeiten und wie sie die Zusammenarbeit inhaltlich gestalten möchten ( Vertragsfreiheit); diese wirtschaftspolitischen Grundlagen sind in der Bundesverfassung festgeschrieben. Schliesslich müssen Verstösse gegen gesetzlich festgesetzte Regeln oder die Nichteinhaltung einmal geschlossener Verträge Konsequenzen haben, die auch durchgesetzt werden können. Wenn das nicht der Fall ist, besteht keine Rechtssicherheit, und der Erlass von Regeln ist nutzlos.

■ Aufgabe 2: Regulierung und Deregulierung

Eine Gesellschaft strebt nicht ausschliesslich Ziele an, die mithilfe des Marktmechanismus erreicht werden können. Der Staat entscheidet, welche gesamtgesellschaftlichen Ziele so wichtig sind, dass deren Erreichung staatliche Eingriffe zur Beschränkung des freien Wettbewerbs rechtfertigen. Insbesondere wenn möglichst alle gesellschaftlich relevanten Gruppen am Wohlstand eines Landes teilhaben sollen, greift er durch Gesetze und Verordnungen in den Markt ein. Solche Eingriffe nennen wir Regulierungen. Damit soll der Handlungsspielraum von Unternehmen und privaten Haushalten so beeinflusst werden, dass die angestrebten Ziele erreicht werden. Typische Beispiele dafür sind Versorgungssysteme (Post, Energie und Wasser) für alle Regionen eines Landes, die Steuerung der Bautätigkeit durch die Raumplanung oder der Schutz von Angestellten vor den negativen Folgen von Nacht- oder Schichtarbeit. Diese Bereiche könnten grundsätzlich auch in der Schweiz – wie in einigen anderen Ländern – den Marktkräften überlassen werden. Die Mehrheit der Bevölkerung befürchtet jedoch, dass dies nicht erwünschte Ergebnisse hervorbringen würde, und unterstützt deshalb entsprechende Regulierungen. In einer demokratischen Gesellschaft kann sich diese Einschätzung aber auch verändern, was allenfalls zur Beseitigung entsprechender gesetzlicher Auflagen führt ( Deregulierung). Dies zeigt sich z. B. bei Veränderungen im Bereich der Post und Telekommunikation: Noch vor 30 Jahren war ausschliesslich der Staat über einen entsprechenden Monopolbetrieb (PTT: Post, Telefon, Telegraf) für den Verkauf von Post- und Telefondienstleistungen verantwortlich. Als Erstes wurde der Telekommarkt dereguliert, indem unter bestimmten Auflagen private Unternehmen zugelassen wurden (Sunrise oder Orange [heute «Salt»] neben Swisscom). In den letzten Jahren erfolgte schliesslich auch die schrittweise Deregulierung des Postmarktes, indem private Unternehmen zunächst Pakete zustellen durften und seit 2009 teilweise auch die Briefpost durch private Anbieter befördert werden darf.

Aufgabe des Staates bei der Regulierung von Märkten ist es nun, die rechtlichen Auflagen möglichst so zu gestalten, dass das übergeordnete gesellschaftliche Ziel erreicht werden kann, ohne die oben beschriebenen, positiven Funktionen des Preises infrage zu stellen.

Während für Briefpostsendungen bis 50 g die Post aufgrund ihrer Monopolstellung alleiniger Anbieter ist, gilt für adressierte Pakete der freie Wettbewerb; neben der Post erbringen auch private Anbieter solche Dienstleistungen.

■ Aufgabe 3: Korrektur von Marktversagen

Von Marktversagen sprechen wir dann, wenn das Marktergebnis zu einer Verschwendung von Ressourcen führt. Dies geschieht dann, wenn der Preis seine Koordinationsfunktion nicht wahrnehmen kann und Knappheitssituationen deshalb falsch dargestellt werden. Dabei werden drei Formen unterschieden: die Entstehung externer Kosten, die ausbleibende Herstellung öffentlicher Güter sowie das Streben nach unzulässigen Wettbewerbsbeschränkungen zum Vorteil weniger.

■ Aufgabe 3a: Internalisierung von externen Kosten

Gemäss einer Studie des Bundesamtes für Raumentwicklung betrugen die externen Kosten des privaten Strassenverkehrs im Jahr 2022 12,5 Mrd Franken

Wenn die wirtschaftliche Tätigkeit in einem Markt Kosten verursacht, die nicht von den Verursachern getragen, sondern Dritten oder der Gesellschaft aufgebürdet werden, sprechen wir von externen Kosten. Diese betreffen vor allem freie Güter. Freie Güter kommen in der Natur in scheinbar unbeschränkter Menge vor. Sie können deshalb nicht bewirtschaftet werden und haben folglich auch keinen Marktpreis. Am Beispiel der Lärmbelastung durch den Flugverkehr im Einzugsbereich eines Flughafens lassen sich externe Kosten illustrieren. Wie Proteste der Anwohner von Anflug- oder Abflugschneisen deutlich zeigen, ist Fluglärm eine Belästigung. Die Anwohner in den betroffenen Gebieten müssen diese Belästigung «gratis» ertragen, weil sie dafür nicht entschädigt werden, d. h., Lärm hat für die Verursacher keine Kosten, welche sie in den Preis einkalkulieren müssen. In die Kostenkalkulation eines Flugtickets fliessen alle möglichen Kostenfaktoren ein, wie z. B. Treibstoffkosten, Lohnkosten, Flugzeugamortisation oder Landegebühren, nicht jedoch der Lärm. Damit zahlt ein Flugpassagier mit dem Ticketpreis nicht alle Kosten, die sein Flug verursacht. Durch die zu tiefen Flugpreise ohne «Lärmkostenanteil» ist Fliegen «zu billig», deshalb wird häufiger geflogen. Würden nämlich externe Kosten internalisiert, d. h. den Verursachern belastet, müssten die Ticketpreise bei der Menge m 0 von p 0 nach p 1 angehoben werden. Dies hätte dieselbe Wirkung wie eine Linksverschiebung der Angebotskurve mit der Folge, dass die Anzahl Flüge –und damit auch die Lärmbelastung – abnähme und sich bei der Menge m 1 sowie schliesslich dem Preis p 2 einpendeln würde.

Tatsächlich verlangt z. B. der Flughafen Zürich seit Langem Lärmgebühren, die zweckgebunden für Lärmsanierungen und Lärmbekämpfungsmassnahmen im Umfeld des Flughafens verwendet werden. Die anhaltenden Proteste der Anwohner lassen allerdings darauf schliessen, dass damit nicht alle externen Kosten abgegolten werden können.

Externe Kosten können wir allgemein als jene Kosten umschreiben, die im sozialen und ökologischen Umfeld eines Marktes entstehen, aber nicht von den Marktteilnehmern getragen werden. Neben dem beschriebenen Versuch, diese Kosten mit Geld zu bewerten und auf gesetzlichem Weg in die Preise einzurechnen (Internalisierung), kann der Staat auch mit Verboten agieren oder sich selbst um die Beseitigung der negativen Effekte kümmern. Beim Beispiel des Fluglärms wirkt sich dies in Nachtflugverboten oder der staatlich finanzierten Schallisolation von Gebäuden aus.

Preis-Mengen-Auswirkung der Internalisierung von externen Kosten

(Ausgabe für Lehrperson)

■ Aufgabe 3b: Bereitstellung von öffentlichen Gütern Güter, die von vielen Menschen gleichzeitig genutzt werden können, ohne dass man Einzelne von der Nutzung ausschliessen kann, bezeichnen wir als öffentliche Güter. Angenommen, an einem Privatweg mit sechs Einfamilienhäusern entschliessen sich fünf Eigentümer, den Weg mit drei Strassenlampen zu beleuchten, der sechste Eigentümer aber macht beim gemeinsamen Projekt nicht mit. Einmal installiert, kann er – aber auch jede weitere Person – vom Nutzen der Strassenbeleuchtung nicht ausgeschlossen werden; die Strasse wird auch für ihn beleuchtet. Im Unterschied zu den externen Kosten handelt es sich hier um einen externen Nutzen für diejenigen, die sich nicht an den Kosten eines öffentlichen Gutes beteiligen. Weil ein Einzelner keinen Anreiz hat, solche Kosten zu bezahlen, sondern vielmehr hofft, als sogenannter «Trittbrettfahrer» von den Massnahmen anderer profitieren zu können, werden öffentliche Güter in der Regel vom Staat angeboten. In einem marktwirtschaftlichen System mit freiem Wettbewerb sind die gewinnorientierten privaten Unternehmen nämlich nicht bereit, Güter anzubieten, von denen eine grosse Anzahl von Leuten profitiert, aber nur wenige zur Zahlung bereit sind. Beispiele für öffentliche Güter sind die öffentliche Sicherheit und Ordnung durch das Militär, die Polizei oder das Rechtssystem. Am Beispiel der Diskussionen über Struktur, Grösse und Auftrag der schweizerischen Armee wird ersichtlich, dass das erwünschte staatliche Angebot an öffentlichen Gütern in einer demokratischen Gesellschaft in einem klar festgelegten politischen Verfahren bestimmt wird. Durch das Gesetzgebungsverfahren und Volksabstimmungen werden die entsprechenden Staatsaktivitäten legitimiert und müssen schliesslich von allen Bürgern über Steuern finanziert werden.

■ Aufgabe 3c: Sicherstellung von Wettbewerb Marktsituationen bringen dann das beste Preis-Mengen-Verhältnis hervor, wenn kein Marktteilnehmer allein den Preis beeinflussen kann. Gelingt dies einem Marktteilnehmer dennoch, wird er den Preis so festlegen, dass er einen maximalen Nutzen erzielt. Dieser Preis, der ja nicht dem eigentlichen Marktpreis entspricht, gibt in jedem Fall falsche Knappheitssignale und führt damit zu einer mangelhaften Allokation der eingesetzten Produktionsmittel (Ressourcenverschwendung). Es liegt deshalb im Interesse der Gesellschaft, dass der Staat alle Bestrebungen zur Verhinderung von Wettbewerb unterbindet, sofern nicht übergeordnete gesellschaftliche Interessen dafür sprechen. Und solche Bestrebungen gibt es viele: So haben Schweizer Bauern z. B. ein Interesse daran, dass sie bei landwirtschaftlichen Produkten nicht gegen ausländische Konkurrenz antreten müssen. Auch bei der Vergabe öffentlicher Aufträge (z. B. dem Bau einer Schule) wären lokale Gewerbebetriebe sicherlich daran interessiert, wenn auswärtige Anbieter keine Offerte einreichen dürften. Schweizer Inhaber von Berufs- oder Universitätsdiplomen hätten ein Interesse daran, dass vergleichbare ausländische Abschlüsse nicht anerkannt würden, damit sie auf dem Arbeitsmarkt vor dieser Konkurrenz geschützt würden.

(Ausgabe für Lehrperson)

■ Vom Marktversagen zum Staatsversagen

Um die Unzulänglichkeiten des Marktes bei Fällen von Marktversagen zu «korrigieren», werden meistens staatliche Massnahmen gefordert. Ist man mit den erreichten Ergebnissen solcher Staatseingriffe nicht zufrieden, ist häufig von Staatsversagen die Rede.

Die folgenden Gründe können zu einem Staatsversagen führen:

■ Oftmals wirken die staatlichen Massnahmen nicht zum richtigen Zeitpunkt, weil vom Entscheid bis zur Umsetzung eines Eingriffs durch die politischen und administrativen Prozesse viel Zeit verstreicht. Steuersätze können z. B. nicht von heute auf morgen verändert werden.

■ Die Bereitstellung von öffentlichen Gütern wird über ein oftmals langwieriges politisches Verfahren festgelegt. Die daraus resultierenden Entscheide sind deshalb nicht selten Kompromisse zwischen den Interessen der verschiedenen Regionen, Kantone, Parteien oder Verbände. Mit solchen Kompromisslösungen werden allerdings vielfach die knappen Produktionsfaktoren nicht optimal eingesetzt. Als Beispiel für eine solch teure Kompromisslösung kann die Realisierung von gleichzeitig zwei Eisenbahn-Alpentransversalen am Lötschberg und am Gotthard angeführt werden. Wäre nur ein Projekt in Angriff genommen worden, hätten beträchtliche finanzielle Mittel für andere öffentliche Aufgaben, z. B. den städtischen Agglomerationsverkehr, eingesetzt werden können.

Prozent des Bruttoinlandprodukts

entspricht.

■ Häufiger werden staatliche Aktivitäten grundsätzlich als zu wenig effizient und zu teuer kritisiert. Vergleiche mit der Privatwirtschaft sind allerdings wenig hilfreich, da die privatwirtschaftlichen Unternehmen ja gerade nicht bereit sind, öffentliche Güter herzustellen. Allerdings befinden sich die öffentlichen Unternehmen in diesen Fällen in einer Monopolstellung, und es kann deshalb argumentiert werden, es fehle der effizienzsteigernde Wettbewerbs- oder Konkurrenzdruck.

Der Gotthardtunnel führt vom Nordportal bei Erstfeld im Kanton Uri (Foto) zum Südportal bei Bodio im Kanton Tessin. Die Schweiz hat rund 22,8 Milliarden Franken in den Bau der NEAT investiert, was fast 3,5
(BIP)

11 Primärverteilung durch den Markt – Sekundärverteilung durch den Staat

■ Ungleiche Primärverteilung von Einkommen und Vermögen durch den Markt

Der Marktmechanismus belohnt die leistungsfähigsten Unternehmen und privaten Haushalte mit den höchsten Gewinnen und Löhnen. Weil die Voraussetzungen wie zum Beispiel Vermögen, Intelligenz oder Ausdauer in der Bevölkerung ungleich verteilt sind, wird das marktwirtschaftliche System immer die Tendenz zu einer ungleichen Einkommens- und Vermögensverteilung beinhalten. Eine gewisse Ungleichheit ist in einer Volkswirtschaft durchaus sinnvoll. Bei einer völligen Gleichverteilung sähe der Homo oeconomicus keinen Anreiz zum Arbeiten, und es würden weniger Güter und Dienstleistungen hergestellt. Der Markt sorgt nach dem Leistungsprinzip für die effiziente Bereitstellung von Gütern und Dienstleistungen. Diese Allokationswirkung des Marktes führt zu einer ungleichen Primärverteilung von Einkommen und Vermögen.

■ Bedarfsgerechte Sekundärverteilung durch den Staat

Eine solche Primärverteilung könnte beispielsweise dazu führen, dass in einer Volkswirtschaft mehr für Hunde- und Katzennahrung ausgegeben wird als für die Förderung von Kinderkrippen. Wenn eine Gesellschaft mit der Primärverteilung des Marktes nicht zufrieden ist, kann sie durch Umverteilungsmassnahmen eine gerechtere Sekundärverteilung erreichen. Diese Sekundärverteilung kann durch progressive Steuern erfolgen, bei denen die Reichen überdurchschnittlich viel Steuern bezahlen. Zudem können aus diesen Steuereinnahmen gezielte Unterstützungszahlungen finanziert werden, die den Ärmeren ein gewisses Mindesteinkommen sichern.

Der Staat verfügt darüber hinaus über verschiedene Instrumente, um Märkte zu beeinflussen. Steuern können das Verhalten von Konsumentinnen und Produzenten lenken, etwa durch höhere Abgaben auf Tabak oder CO₂-intensive Produkte, um den Konsum zu reduzieren. Subventionen wirken in die entgegengesetzte Richtung: Sie verbilligen bestimmte Güter oder Dienstleistungen, zum Beispiel Beiträge an Kinderkrippen, erneuerbare Energien oder den öffentlichen Verkehr, damit diese stärker genutzt werden. Mit Kontingenten kann der Staat schliesslich die Menge eines Gutes begrenzen oder steuern, etwa durch Importkontingente in der Landwirtschaft oder Fangquoten in der Fischerei. Durch die Kombination dieser Instrumente versucht die Politik, wirtschaftliche Effizienz mit sozialen und ökologischen Zielen zu verbinden.

■ Problematische Höchstpreise zum Schutz der Konsumenten

Wenn der Staat aus sozialen Gründen Höchstpreise festlegt, die unter dem Gleichgewichtspreis liegen, entsteht ein Nachfrageüberhang. Wenn auf dem Wohnungsmarkt beispielsweise Höchstpreise gelten, entsteht ein Nachfrageüberschuss. Nach dem Grundsatz «Wer zuerst kommt, mahlt zuerst» werden sich Warteschlangen und Schwarzmärkte bilden. Wenn der Staat das knappe Angebot durch die Zuteilung von Wohnraum selber regeln will, ist ein gewaltiger Verwaltungsapparat notwendig. Eine weitere Möglichkeit ist die Ausdehnung des Angebots durch staatliche Wohnbauförderung.

■ Problematische Mindestpreise zum Schutz der Anbieter

Zur Unterstützung und zum Schutz der Anbieter kann der Staat auch einen Preis oberhalb des Gleichgewichtspreises festsetzen; dieser Mindestpreis entspricht dabei einer Preisuntergrenze. Auf dem Markt wird sich dadurch ein Angebotsüberhang einstellen. Wenn der Staat das Angebot durch eine Quotenbeschränkung (Kontingentierung) für die Anbieter begrenzt, besteht die Gefahr, dass die Anbieter ihre Überproduktion illegal auf dem Schwarzmarkt verkaufen. Der Staat kann den Angebotsüberschuss, zum Beispiel einen «Milchsee» oder einen «Butterberg», zu garantierten Preisen übernehmen. Die Verwertung dieser Überschüsse muss dann durch die Steuerzahler finanziert werden.

■ Allgemeiner Preisstopp führt zu Schwarzmärkten

Wenn der Staat die Preise einfriert und einen allgemeinen Lohn- und Preisstopp verfügt, werden sich Anbieter häufig aus dem offiziellen Markt zurückziehen und ihre Produkte oder Dienstleistungen auf einem Schwarzmarkt anbieten. Ein Schwarzmarkt entsteht, wenn Güter ausserhalb der staatlichen Regeln gehandelt werden, etwa zu höheren Preisen oder ohne Kontrollen. Solche Märkte haben oft negative Folgen: Es fehlen Qualitäts- und Sicherheitsstandards, der Staat verliert Steuereinnahmen, und ehrliche Anbieter werden benachteiligt. Zudem steigt das Risiko von Betrug oder illegalen Aktivitäten. Beispiele dafür sind der illegale Handel mit stark nachgefragten Konzerttickets zu überhöhten Preisen oder der Verkauf von Treibstoff und Lebensmitteln in Ländern mit staatlich festgelegten Niedrigpreisen. Schwarzmärkte zeigen damit, dass zu starke Eingriffe in die Preisbildung unerwünschte Nebenwirkungen haben können.

(Ausgabe für Lehrperson)

■ Wie viel Staat und wie viel Markt?

Wie stark soll sich der Staat im ökonomischen System engagieren? Die Antwort auf diese Frage hängt von der politischen Grundhaltung ab: Wer von den positiven Auswirkungen des Marktes überzeugt ist, betont die Eigenverantwortung und Freiheit des Einzelnen und fordert daher ein Minimum an staatlichen Eingriffen. Wer sein Augenmerk vor allem auf die unbefriedigenden Ergebnisse des Marktes richtet, ruft nach der starken Hand des Staates.

■ Beurteilungskriterien für staatliche Eingriffe

Aus ökonomischer Sicht sollte der Staat bei seinen Eingriffen den Marktmechanismus nicht ausser Kraft setzen, sondern die Zielsetzung durch eine Sekundärverteilung erreichen. Die folgenden Kriterien können bei der Beurteilung von Staatseingriffen in die Wirtschaft verwendet werden:

■ Bleibt der Preismechanismus wirksam?

■ Ist der Marktzutritt für neue Anbieter gewährleistet?

■ Ist sichergestellt, dass die Eingriffe rasch umgesetzt werden?

■ Wie hoch sind die Kosten für das staatliche Engagement?

Aus den Überlegungen zum Staatsversagen bevorzugen Ökonomen staatliche Eingriffe, die den Marktmechanismus nicht ausser Kraft setzen. Der Staat kann nämlich einerseits das Verhalten der Anbieter auch über die Kostenseite beeinflussen: durch Steuersenkungen, Subventionen oder Zinssenkungen. Andererseits kann der Staat auch selber auf dem Markt als Nachfrager und Anbieter auftreten. Die einkommensschwachen Haushalte können durch eine Steuersenkung oder durch Transferzahlungen begünstigt werden. Solche Eingriffe werden als marktkonform bezeichnet, weil die Wirkung des Preismechanismus und damit die Allokationsfunktion des Marktes erhalten bleibt.

(Ausgabe für Lehrperson)

12 Ökonomisch denken und handeln

■ Volkswirtschaftliche Problemstellungen verstehen

Ökonomisch denken heisst, wirtschaftliche Fragen nicht isoliert zu betrachten. Viele aktuelle Problemstellungen betreffen gleichzeitig Haushalte, Unternehmen, den Staat und die natürlichen Lebensgrundlagen. Klimawandel, Rentensicherheit, Migration, Energieversorgung, Wohnungsmarkt, Gesundheitskosten oder Staatsverschuldung zeigen, wie eng wirtschaftliche, politische, rechtliche, soziale und ökologische Fragen miteinander verbunden sind.

Wirtschaftliche und gesellschaftliche Herausforderungen verlangen Systemverständnis. Wer ökonomisch denken und handeln will, muss komplexe Problemstellungen erkennen, unterschiedliche Interessen einordnen und begründete Entscheidungen treffen..

Solche Problemstellungen sind selten eindeutig lösbar. Meist stehen verschiedene Ziele in einem Spannungsfeld: Wachstum und Klimaschutz, tiefe Preise und faire Löhne, individuelle Freiheit und staatliche Regeln, Wohlstand heute und Kosten morgen. Deshalb genügt es nicht, nur einzelne Zahlen oder persönliche Meinungen zu betrachten. Nötig ist ein Verständnis für Zusammenhänge, Wechselwirkungen und mögliche Nebenfolgen.

In einer demokratischen Gesellschaft ist dieses Verständnis besonders wichtig. Bürgerinnen und Bürger entscheiden in Wahlen und Abstimmungen regelmässig über Fragen mit wirtschaftlichen Folgen: Wie sollen Sozialversicherungen finanziert werden? Welche Rolle soll der Staat im Wohnungsmarkt übernehmen? Wie sollen Umweltbelastungen reduziert werden? Welche Regeln braucht es für Unternehmen, Arbeitnehmende oder Konsumentinnen und Konsumenten? Begründete Meinungsbildung setzt voraus, dass solche Fragen sachlich analysiert und unterschiedliche Interessen nachvollzogen werden können.

■ Zusammenhänge sichtbar machen: Concept Map

Viele wirtschaftliche Problemstellungen bestehen aus mehreren miteinander verbundenen Elementen. Eine Concept Map hilft, diese Zusammenhänge sichtbar zu machen. Dabei werden wichtige Begriffe notiert und mit Pfeilen verbunden. Die Pfeile zeigen, wie die Begriffe zusammenhängen oder sich gegenseitig beeinflussen.

Im Zentrum steht meist eine Problemstellung, zum Beispiel «steigende Gesundheitskosten» oder «Klimaschutz und Wachstum». Davon ausgehend werden Ursachen, betroffene Akteure, Interessen, Folgen und mögliche Massnahmen ergänzt. So entsteht ein übersichtliches Bild einer komplexen Situation.

Eine Concept Map ist keine fertige Lösung. Sie hilft aber, Fragen zu ordnen, Wechselwirkungen zu erkennen und Entscheidungen besser zu begründen. Besonders wichtig ist, dass die Verbindungen zwischen den Begriffen kurz beschriftet werden, zum Beispiel mit «führt zu», «belastet», «fördert», «steht im Konflikt mit» oder «setzt voraus».

Die Concept Map zeigt, warum Gesundheitskosten steigen: Alterung, medizinischer Fortschritt und eine höhere Nachfrage nach Leistungen wirken zusammen. Die Folgen zeigen sich besonders bei den Krankenkassenprämien. Staat und Politik können reagieren, die Entwicklung aber nur begrenzt steuern.

(Ausgabe für Lehrperson)

(Ausgabe für Lehrperson)

■ Fakten, Kriterien und Werte unterscheiden

Wirtschaftliche Entscheidungen wirken oft eindeutig, solange man nur auf Zahlen blickt. Zahlen liefern Fakten, also überprüfbare Informationen über die Wirklichkeit. Dazu gehören zum Beispiel Daten zu Preisen, Einkommen, Arbeitslosigkeit, Inflation, Staatsausgaben, CO₂Emissionen oder Nachfrageentwicklungen.

Für eine begründete Entscheidung reichen Fakten allein jedoch nicht aus. Entscheidend ist auch, nach welchen Kriterien eine Situation beurteilt wird. Kriterien sind Beurteilungsmassstäbe oder Leitfragen. Sie legen fest, worauf bei einem Vergleich verschiedener Möglichkeiten besonders geachtet wird: Ist eine Massnahme wirksam? Ist sie finanzierbar? Ist sie sozial ausgewogen? Belastet sie die Umwelt? Lässt sie sich rasch umsetzen?

Hinter der Auswahl und Gewichtung solcher Kriterien stehen Werte. Werte sind grundlegende Vorstellungen darüber, was Menschen oder eine Gesellschaft als wichtig, gerecht oder wünschenswert ansehen. Dazu gehören zum Beispiel Freiheit, Sicherheit, Gerechtigkeit, Verantwortung, Nachhaltigkeit oder wirtschaftliche Leistungsfähigkeit. Werte bestimmen nicht die Fakten, aber sie beeinflussen, welche Ziele verfolgt und welche Folgen stärker gewichtet werden.

Das zeigt sich etwa bei steigenden Mieten in Schweizer Städten. Statistiken können zeigen, wie stark die Nachfrage nach Wohnraum wächst und wie sich die Mietpreise entwickeln. Die politische Beurteilung hängt aber davon ab, worauf besonders geachtet wird: auf Investitionsanreize, soziale Durchmischung, bezahlbaren Wohnraum oder langfristige Stadtentwicklung. Deshalb können dieselben Fakten zu unterschiedlichen Positionen führen.

■ Empirische Evidenz nutzen

Empirische Evidenz umfasst Daten aus Beobachtungen, Messungen und wissenschaftlichen Untersuchungen. Sie macht wirtschaftliche Zusammenhänge überprüfbar. In der Forschung werden dazu häufig Hypothesen formuliert, also Annahmen darüber, wie sich Menschen, Unternehmen oder Märkte verhalten könnten. Eine Hypothese könnte lauten: Wenn die Preise für Elektroautos sinken, steigt die Nachfrage. Solche Aussagen werden mit Verkaufszahlen, Umfragen, Experimenten oder statistischen Auswertungen geprüft. Wichtig ist die Falsifizierbarkeit: Eine wissenschaftliche Aussage muss so formuliert sein, dass sie durch neue Daten grundsätzlich widerlegt werden könnte. Zeigen die Daten ein anderes Ergebnis, muss die Hypothese angepasst oder verworfen werden.

■ Perspektiven und Interessen berücksichtigen

Volkswirtschaftliche Entscheidungen betreffen unterschiedliche Anspruchsgruppen. Haushalte, Unternehmen, soziale Gruppen und der Staat beurteilen eine Problemstellung oft aus verschiedenen Perspektiven. Dadurch entstehen Zielkonflikte, die nicht einfach durch eine Zahl gelöst werden können.

Ein Beispiel ist eine CO₂-Abgabe. Emissionsdaten, Energieverbrauch und wirtschaftliche Kennzahlen bilden die faktische Grundlage. Für die Beurteilung stellen sich jedoch weitere Fragen: Wie wirksam ist die Abgabe für den Klimaschutz? Wie stark belastet sie Haushalte mit tiefem Einkommen? Wie wirkt sie sich auf Unternehmen und internationale Wettbewerbsfähigkeit aus? Wie gut lässt sie sich politisch umsetzen?

■ Fakten-, kriterien- und wertbasiert entscheiden

Fakten zeigen, wie eine Situation ist oder sich entwickeln könnte. Kriterien strukturieren den Vergleich verschiedener Handlungsoptionen. Werte geben Orientierung, welche Ziele besonders wichtig sind. Erst zusammen erklären diese drei Ebenen, weshalb Menschen trotz gleicher Daten zu unterschiedlichen Schlussfolgerungen gelangen.

Ökonomisch denken und handeln bedeutet deshalb, eine Problemstellung systematisch zu bearbeiten. Zuerst muss geklärt werden, worum es genau geht. Danach werden Interessen, Aussagen und Grundlagen geprüft. Anschliessend werden Lösungsalternativen entwickelt und anhand geeigneter Kriterien beurteilt. Schliesslich werden die Konsequenzen für Betroffene abgeschätzt und die Entscheidung begründet.

Der Entscheidungsprozess hilft, diese Schritte sichtbar zu machen. Er verhindert, dass vorschnell aus einzelnen Fakten eine Meinung abgeleitet wird. Gleichzeitig macht er deutlich, dass wirtschaftliche Entscheidungen nicht nur technische Fragen sind. Sie betreffen immer auch Menschen, Machtverhältnisse, Interessen und gesellschaftliche Ziele.

Der Wertekompass ergänzt den Entscheidungsprozess. Er zeigt, dass wirtschaftliche Entscheidungen nicht nur an Gewinn, Effizienz, Leistung oder Wettbewerb ausgerichtet werden können. Auch soziale, ökologische und individuelle Werte spielen eine Rolle. In Zielkonflikten hilft der Wertekompass, unterschiedliche Wertdimensionen bewusst zu machen und eine Entscheidung nachvollziehbar zu begründen.

Ökonomisch handeln heisst somit nicht, immer die billigste, gewinnstärkste oder kurzfristig effizienteste Lösung zu wählen. Es bedeutet, knappe Mittel verantwortungsvoll einzusetzen, Folgen abzuschätzen, Zielkonflikte offenzulegen und Entscheidungen so zu begründen, dass andere sie nachvollziehen und kritisch prüfen können..

Interessen von Staaten

2 Interessen klären

1

Interessen von sozialen Gruppen

Spannungsfeld A Freiheit vs. staatliche Regeln

Gerechtigkeit

Interessen von Unternehmen

(Machtverhältnisse analysieren)

Beurteilungskriterien festlegen 5 Konsequenzen für Betroffene abschätzen 6 Wertbasiert entscheiden (Faktencheck: Belege Daten, Quellen, Kontext)

Aussagen prüfen 3

Volkswirtschaftliche Problemstellung formulieren

Gewinn

Solidarität

Vertrauen

Soziale Werte

Effizienz

Leistung

Spannungsfeld B Tiefe Preise vs. faire Löhne

Freiheit

Autonome Sicherheit

Ökonomische Werte

(Optionen aus Sicht der Interessen)

Lösungsalternativen entwickeln 4

(Soziale, ökonomische, ökologische, individuelle Werte)

Interessen von Haushalten

Fairness Toleranz

Individuelle Werte

Selbstverantwortung Würde Gesundheit

Innovation Wettbewerb

Klimaschutz Intakte Natur Generationengerechtigkeit

Spannungsfeld D Wohlstand heute vs. Kosten morgen

Artenvielfalt Nachhaltigkeit

Ökologische Werte

Entscheidungsprozess: Fakten, Kriterien und Werte gemeinsam betrachten und die Konsequenzen für verschiedene Interessen berücksichtigen. Eigene Darstellung in Anlehnung an Euler & Kühner, Iconomix.

Spannungsfeld C Wachstum vs. Ressourcen schonen

Wertekompass: Übersicht über individuelle, soziale, ökologische und ökonomische Werte, die Entscheidungen beeinflussen können (angelehnt an: Ethisch-reflexive Kompetenz, Euler & Kühner, Iconomix).

(Ausgabe für Lehrperson)

Bildnachweis

Titelseite: Adobe Stock / Alex from the Rock

Umschlag Innenseite: Adobe Stock / MR

Seite 2: Shutterstock © Kzenon

Seite 11: Keystone/Gaëtan Bally

Umschlag Rückseite: Adobe Stock / artrachen, tiero, Alex from the Rock, ipopba

Seit 1993 entwickeln wir gemeinsam Unterrichtsmaterialien für Wirtschaft und Recht auf der Sekundarstufe II. Ausgangspunkt unserer Überlegungen sind immer die konkrete Umsetzung im Unterricht, die Denk- und Lernprozesse der Schülerinnen und Schüler.

Unser Anspruch: Lehrpersonen sollen mit unseren Unterlagen professioneller, gelassener und mit Freude unterrichten können. Schülerinnen und Schülern wollen wir das Rüstzeug und ein vertieftes Verständnis von wirtschaftlichen und rechtlichen Zusammenhängen mitgeben, damit sie im privaten und beruflichen Umfeld bewusst handeln, entscheiden und mitgestalten können.

Autoren

■ Dr. Urs Saxer war bis 2025 Wirtschaftslehrer an der Kantonsschule Schaffhausen und Brückendozent am Institut für Wirtschaftspädagogik (IWP) der Universität St. Gallen. urs.saxer@strteachware.ch

■ Thomas Tobler, mag. oec., ist Wirtschaftslehrer und Rektor an der Kantonsschule Stadelhofen, Zürich. thomas.tobler@strteachware.ch

■ Heinz Rüfenacht, lic. oec., war bis 2014 Wirtschaftslehrer am Bildungszentrum Wirtschaft, Weinfelden. heinz.ruefenacht@strteachware.ch

Über Rückmeldungen und Anregungen freuen wir uns sehr. Gerne nehmen wir Ihr Feedback auf info@strteachware.ch entgegen.

Wir wünschen Ihnen einen interessanten und anregenden Unterricht mit Ihren Lernenden.

Sommer 2026

Urs Saxer, Thomas Tobler, Heinz Rüfenacht

STR Teachware GmbH | Rötelistrasse 16 | CH-9000 St. Gallen | strteachware.ch

Grundlagen Wirtschaft und Recht Zusammenhänge verstehen, Zusammenleben

gestalten

Betriebswirtschaft Recht Volkswirtschaft

1 Unternehmens- und Geschäftsmodelle

2 Unternehmensethik

3 Finanzwirtschaftliche Zusammenhänge

4 Ökonomische Modelle und Konzepte

5 Wirtschaftliche Entwicklungen, planetare und soziale Belastungsgrenzen

6 Einkommen und Ungleichheit

7 Geld und Finanzstabilität

8 Globalisierung und Welthandel

9 Tradition und Evolution

10 Macht und Verantwortung

11 Schuld und Sanktion

12 Berechtigung und Verpflichtung

str teachware

Online Shop

Alle Kapitel sind als Print-Broschüre und digital erhältlich.

Bestellungen: shop.strteachware.ch

Turn static files into dynamic content formats.

Create a flipbook
G_VWL 04_LV_ Ökonomische Modelle und Konzepte_4-G204-2609_Auszug_Theorie by STR teachware - Issuu