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Lebenswege können sich winden, verzweigen und Hindernisse umfließen wie ein naturbelassener Fluss. Erst die Rückschau lässt erkennen, welche Strudel und Strömungen letztlich die Richtung bestimmt haben.
Freunde nehmen mich 1976 mit zum Hechtfischen nach Irland. Eine glückliche Fügung setzt mich dort ins Boot von Wilfried Strießnig, Mitglied der Fischereigesellschaft Innsbruck. „He will bring fish“, meint respektvoll der Rezeptionist, der uns die Lizenz für den Elfenteich Lough Sheelin verkauft. Als Wilfried im windstillen Dämmerschein seine Fliege exakt vor dem Ring der großen „Eckforelle“ aufsetzt und sie dann ins Boot hebt, werde ich Fliegenfischer. So komme ich später zu Albert Held und meiner Aufgabe als Geschäftsführer. Und jetzt noch als Festschriftredakteur.
Ich danke höflich reihum für alle Versuche und Erfahrungen, die ich machen darf! In einem einzigartigen Verein, damals genau 100 Jahre, heuer doppelt so alt wie ich...





Vorwort
Seite 4
Seite 6


Mission
Statement
Was ist und will die Fischereigesellschaft?
Seite 8

Die Flüsse
Wasserwissen
Seite 10

Fischen und Fischereigesellschaft
Seite 24
Personalia
Seite 42
Die Tiere
Wasserwissen
Seite 44

Interview mit Stefan Schmutz
Seite 72


Wasserwissen
Seite 80
Impressum
Bild- und Textquellen
Seite 110




Als sich im Spätsommer des Jahres 1876 in Innsbruck ein Kreis von Fischereifreunden zusammentat, um die Fischereigesellschaft Innsbruck zu gründen, war nicht absehbar, dass dies der Beginn einer einzigartigen 150-jährigen Erfolgsgeschichte sein würde.
Der namensgebende Inn war zwar kein unberührter Naturfluss mehr, dennoch nahm die weitläufige Flusslandschaft im Inntal noch einen großen Teil des Talbodens ein und war bis zu dreimal so breit wie heute. Allerdings waren Begradigung und „Meliorierung“ der Flüsse bereits im Gange, um die Naturgewalten zu zähmen und in „geordnete“ Bahnen zu lenken.
Heute, 150 Jahre später, sehen wir vor uns leider kaum noch funktionierende Gewässer, von unterschiedlichsten Interessen benutzt und genutzt. Die Wasserkraft mit dem Entzug von Wasser auf langen Gewässerstrecken, Schwall und Sunk, harte Verbauungen und die tierischen Fischräuber haben unseren Fischbeständen stark zugesetzt.
Im Jahr 2026 stehen wir vor der schwierigen Aufgabe, die degradierten Bäche und Flüsse wieder zu renaturieren, die EU-Renaturierungsverordnung ist das rechtliche Instrument dazu. Zugleich wird mit dem Erneuerbaren-Ausbau-Beschleunigungs-Gesetz die Zerstörung der letzten Gewässer vorangetrieben. Es wirkt sehr befremdend, dass unter dem Deckmantel der Bekämpfung der Klimakrise die Zerstörung der letzten Naturschätze beschleunigt vorange-
trieben wird. Es wäre wohl an der Zeit zum Nachdenken, ob denn Wachstum wirklich unbegrenzt möglich ist.
Was in diesen 150 Jahren gleich geblieben ist, ist die Vorreiterrolle der Fischereigesellschaft bei der Weiterentwicklung der Fischerei in Tirol. Wir waren nicht nur die erste Fischereivereinigung in Westösterreich und die zweitälteste in ganz Österreich, sondern auch die stärksten Treiber bei der nachhaltigen Bewirtschaftung von Gewässern. Heute verwenden wir einen beträchtlichen Teil unserer Zeit für das Ausarbeiten und Durchführen von ökologischen Projekten, Anstoß und Umsetzung von Renaturierungen und den Einsatz für unsere Gewässer.
Ein Grundgedanke bei der Gründung der Fischereigesellschaft
Innsbruck war die Geselligkeit unter den Mitgliedern und dann auch die Verbindung über die Generationen hinweg. Viele Familien sind bereits seit vielen Generationen Mitglieder der Gesellschaft, die Fischerei wird von den Großeltern auf die Eltern und auf die Kinder weitergegeben. Diese generationenübergreifende Idee hilft uns sehr bei der Bewirtschaftung und dem Schutz unserer Gewässer. Die Organe und Mitglieder der Gesellschaft verstehen sehr wohl, dass sie diesen Schatz nur für eine bestimmte Zeit selbst nutzen und daher so behandeln und schützen müssen, dass er auch für die nachfolgenden Generationen möglichst intakt bestehen bleibt.
Die Prägung, das Interesse für die Fischerei, entsteht meist in der Kindheit. Wer einmal von seinen Eltern ans Wasser mitgenommen von diesem Virus im positiven Sinn befallen wird, bleibt zeitlebens damit infiziert. Es ist eine Leidenschaft, die sich bei Kindern oft erst hinsichtlich des Beutemachens - möglichst große und viele Fische zu fangen - manifestiert, die allerdings mit zunehmendem Alter klar überlagert wird von der Achtung der Natur und dem Respekt vor der Kreatur.
Fischen ist eindeutig mehr als ein Hobby, Fischen ist ein ganz besonderer Zugang zur Natur auch in einer Zeit, die zunehmend geprägt ist von Social Media und Künstlicher Intelligenz. Es ist eine Möglichkeit, um ins Hier und Jetzt, um in die reale Welt einzutauchen und daraus Kraft und Energie zu schöpfen.
Anlässlich eines runden Geburtstages gibt es neben vielen Glückwünschen meist auch zahlreiche Geschenke. Als Fischereigesellschaft haben wir uns das schönste Geschenk selbst gemacht, das sich ein Fischereiverein machen kann. Wir haben eine letzte „Lücke“ geschlossen und den Inneren Obernberger Seebach erworben. Dieser Bach war seit Jahrzehnten ein Herzenswunsch vieler Mitglieder, die immer sehnsüchtig auf dieses besondere Gewässer geäugt haben.
Unserem langjährigen Geschäftsführer Luis Töchterle danke ich für die Erstellung dieser Festschrift und Barbara Haid für ihre kompetente Beratung. Ich möchte hiermit allen Mitgliedern, Geschäftsführern und uns wohlgesonnenen Partnern, die in den letzten Jahrzehnten ihren Einsatz für unsere Interessen geleistet haben, recht herzlich danken und der Fischereigesellschaft Innsbruck das Beste für die kommenden Herausforderungen wünschen!
Andreas Schiechtl Obmann

Das Jahr 2026 markiert das 150. Jubiläum für die Fischereigesellschaft Innsbruck. Eine beeindruckende Zeitspanne, die von großer Verantwortung und tiefer Verbundenheit mit der Natur geprägt ist. Seit der Gründung im Jahr 1876 widmet sich die Gesellschaft der Pflege und Erhaltung unserer heimischen Gewässer, der Förderung einer nachhaltigen Fischerei und der Bewahrung eines wertvollen Teils der Tiroler Natur.
Über 150 Jahre hinweg haben sich die Mitglieder der Fischereigesellschaft Innsbruck mit großem Einsatz für ökologische Balance, Artenvielfalt und die Weitergabe einer langjährigen Tradition engagiert. Damit verbindet sie nicht nur Generationen, sondern schafft ein starkes Gemeinschaftsgefühl, getragen von Respekt und Verantwortung gegenüber unserer Umwelt.
Ich gratuliere allen Mitgliedern rund um Obmann Andreas Schiechtl zu diesem besonderen Jubiläum und wünsche für die Zukunft weiterhin viel Freude, Erfolg und „Petri Heil“!
Anton Mattle Landeshauptmann von Tirol

Alles Gute zum 150. Geburtstag! Bei der Fischereigesellschaft Innsbruck kann man gut von einem „altehrwürdigen Verein“ sprechen. Ein Verein, der Innsbruck im Namen trägt und seit 150 Jahren als Pächter durch Hege und Pflege des „Fischgewässers“ Inn zum Schutz der Lebensräume am und im Inn beiträgt. Und so auch zur Lebensqualität in der nach ihm benannten Stadt.
Wie die Alpen selbst prägen auch die Alpenflüsse Inn und Sill das Stadtbild von Innsbruck. Es ist ein gutes Gefühl zu wissen, dass in diesen Flüssen Bachforellen, Regenbogenforellen, Äschen oder Groppen leben. Danke für Ihr Engagement im Bereich Gewässerschutz und nachhaltiger Fischerei.
Trotzdem ist die Artenvielfalt unserer Flusslandschaften bedroht und braucht auch in Zukunft unseren gemeinsamen Einsatz. Stadt und Natur müssen kein Gegensatz sein. Ganz im Gegenteil: Intakte Naturräume gehören zu einer lebenswerten Stadt.
Johannes Anzengruber
Bürgermeister der Landeshauptstadt Innsbruck

Die Fischereigesellschaft Innsbruck feiert ihr 150jähriges Bestehen. Was für eine Leistung und meine herzlichste Gratulation hierfür. Es ist nicht selbstverständlich, dass sich Gleichgesinnte über einen so langen Zeitraum zusammentun, ihre große Leidenschaft gemeinsam ausüben und für den Erhalt unserer Gewässer und heimischen Fischbestände einstehen.
Wenn man sich die Situation zu Beginn eurer Tätigkeit und den heutigen Ist-Zustand ansieht, so hat sich – leider – vieles zum Negativen verändert. Der Druck auf unsere Gewässer und Fische ist aufgrund vielfältiger Einflüsse (Energiewirtschaft, Prädationsdruck, Verbauungen und Regulierungen, Erwärmung etc.) so groß geworden, dass wir geschlossener denn je zusammenstehen müssen, um den Schutz unserer Gewässer und Fischbestände zu gewährleisten. Nur so werden wir in Zukunft unserer „geliebten“ Fischerei weiterhin nachgehen können.
Vielen Dank für euren unermüdlichen Einsatz. Ich brauch euch das zwar nicht zu sagen, aber dieses Kärntner Zitat gefällt mir: „Vagiss nit bissl auf die Fisch aufpassen!“
Gert Gradnitzer Präsident Österreichischer Fischereiverband
Bürgerlich, männlich, engagiert
Mit diesen drei Attributen lässt sich der im Jahr 1876 gegründete Verein „Fischereigesellschaft Innsbruck“ beschreiben. Man war besorgt wegen des bedenklichen Umgangs mit dem Fischwasser der Stadt Innsbruck und entschlossen, es besser zu machen.
Der abgebildete Text aus der 50-Jahre-Festschrift bringt die Sache auf den Punkt: Diese Organisation ist nun 150 Jahre alt – auch heute noch sehr einer ökologisch ausgerichteten Arbeit verpflichtet, inzwischen auch weiblicher und weltoffen.

Was ist und will die Fischereigesellschaft Innsbruck?
Wir sind ein Verein, der eigene und angepachtete Fischgewässer nachhaltig bewirtschaftet. Wir sind bestrebt, unseren Mitgliedern und Lizenznehmern ökologisch intakte Reviere anzubieten. Dazu nehmen wir unsere Parteistellung bei Behördenverfahren verantwortungsbewusst wahr und regeln die Ausübung der Fischerei entsprechend. Wir achten auf einen geringen Befischungsdruck, maßvolle Entnahme und rücksichtsvolles Verhalten gegenüber der Natur. Dabei stellen uns abnehmende Fischbestände als Folge von Wasserkraftwerken, Schadstoffimmissionen, Eingriffen in die Gewässerstrukturen und zu hohem Prädatorendruck vor besondere Herausforderungen.
Unsere Reviere befinden sich im Bezirk Innsbruck Land am Inn und an der Sill sowie an einigen Zubringern. Mit dem Obernberger See und der Gaisau bei Inzing – hier verfügen wir über eine Fischerhütte – bewirtschaften wir auch zwei Stillgewässer.
Die Fischbestände setzen sich aus Bach- und Regenbogenforellen, Saiblingen, Äschen, Huchen, Hechten und mehreren Kleinfischarten zusammen. Wir versuchen die heimischen Fischarten zu fördern, nur im Inn besetzen wir auch Regenbogenforellen, weil sich die Bachforelle hier nicht mehr halten kann.
Die meisten Reviere dürfen nur von unseren Mitgliedern befischt werden, an ausgewählten Innrevieren und einem Sillrevier vergeben wir externe Jahreslizenzen. Für den Axamer Bach bieten wir Tageskarten an. Dem Fliegenfischen wird der Vorzug gegeben. Die Fischentnahme ist begrenzt, Schonmaßnahmen schützen den Bestand, insbesondere wertvolle Laichfische.
Als Fischereiberechtigte haben wir Parteistellung in Wasserrechtsverfahren. Bei der Genehmigung für Bauprojekte achten wir darauf, damit verbundene ökologische Schäden möglichst gering zu halten. Bei Großprojekten, wie etwa Wasserkraftwerken, nehmen wir die Parteistellung im Rahmen der Umweltverträglichkeitsprüfung wahr. Die laufende Überwachung der Vorgänge an den Gewässern erfolgt durch ein großes Team zur Fischereiaufsicht. Zum Tiroler Fischereiverband besteht ein sehr enger Kontakt.
Die Vereinsarbeit wird von den gewählten Organen, einem ehrenamtlichen Geschäftsführer, dem Rechtsbeauftragten und einer Schreibkraft erledigt. Unser Vereinsleben ist durch Ausschusssitzungen, Jahreshauptversammlungen und gelegentliche gesellige Zusammenkünfte strukturiert. Für den öffentlichen Auftritt gibt es die Internetseite www.fischereigesellschaft-innsbruck.at und fallweise auch mediale Kommunikation.
In Zukunft wollen wir vermehrt den Kontakt und Erfahrungsaustausch mit anderen Fischereivereinen mit gegenseitiger Einladung zum gemeinsamen Fischen suchen.
Die Fischereigesellschaft Innsbruck ist 150 Jahre alt und kerngesund!
Gerade 21 Jahre alt ist unser jüngstes Mitglied, das älteste 87, der Altersdurchschnitt liegt ziemlich genau mittig dazwischen. Uns verbinden ein Hobby mit Potenzial zur Leidenschaft, hochgradig aktuelle Themen wie Naturerlebnis und Nachhaltigkeit und eine grundsolide aufgestellte Struktur.
Unsere Mitgliederzahl hat sich seit den Gründungsjahren kaum verändert, wir jagen keinen ehrgeizigen Wachstumszielen hinterher. Wir strengen uns an, die Ressourcen an den Gewässern zu erhalten und verantwortungsvoll zu nutzen.


„Was tun die da?“
Diese Frage stellen sich manche, die Menschen stundenlang am oder im Wasser stehen und mit einer langen Rute hantieren sehen.
Wir erzählen von unserem Wasserwissen, das aus genauer Beobachtung und aufmerksamem Tun über lange Zeit erwächst. Von Flüssen, Tieren und Menschen.


„Flüsse sind zwar schön, aber der Einfluss, den sie auf uns ausüben, ist weit mehr als bloß ästhetisch. Ihre Anziehungskraft stammt von der innigen Beziehung, die wir mit diesen Merkmalen der natürlichen Landschaft seit vorgeschichtlichen Zeiten unterhalten haben.“
Laurence C. Smith, Weltgeschichte der Flüsse
„Es ist doch dieses, was du meinst: daß der Fluß überall zugleich ist, am Ursprung und an der Mündung, am Wasserfall, an der Fähre, an der Stromschnelle, am Meer, im Gebirge, überall, zugleich, und dass es für ihn nur Gegenwart gibt, nicht den Schatten Zukunft?“
Hermann Hesse, Siddhartha
„Er [der Fluß] steht nie still und hält auf dem Weg zu seinem fernen Ziel das Land ringsum am Leben. Sein Wandern und mein Denken ist unser gemeinsames Geschick. Der Fluß ist der Gedanke der Natur.“
Josef Pedarnig, Flußlandschaft
„Wir alle sind wasserundurchlässig geworden, begrifflich versiegelt gegen nuancierte Beziehungen zu den Flüssen, wenngleich sie nach wie vor unsere Gedanken, Körper, Lieder und Geschichten durchziehen. Flüsse fließen nicht nur durch Landstriche, sondern eben auch durch Menschen.“
Robert Macfarlane, Sind Flüsse Lebewesen?


Wasser ist der einzige Stoff der Erde, der natürlich in allen drei Aggregatzuständen vorkommt: fest, flüssig und gasförmig. Am tief winterlichen Bach sogar gleichzeitig.
Mit flüssigem Wasser kam das Leben auf unseren Planeten, Fließgewässer sind seine Lebensadern. Der Großteil dieses Lebens findet unter Wasser statt – im Meer, im Fließwasser und in Feuchtgebieten. Die ältesten Spuren menschlicher Kultur finden sich an Flüssen.
Wer Zeit am frei fließenden Wasser verbringt, spürt sich und die Umgebung lebendig. Und kann seine Schönheit bewundern.




Der Berg, der Fluss, die Schotterbank – diese drei Darsteller spielen „Gesicht der Erde“. Tektonische Kräfte wölben die Erdkruste auf, Flüsse zerfurchen sie mit erosiver Gewalt. Meistens in stetigen Prozessen, bisweilen in dramatischen Ereignissen. Als Gletscher, als Mure oder Lawine. Wir sorgen uns zu Recht, ob alle Schutzbauten ausreichen, wenn der Fluss seinen Job macht.
Der Blick in ein Tal zeigt jene Bresche, die der Fluss schon aus dem Bergmassiv heraus geschnitten hat. Und Gipfel und Grate? Sind einfach die härtesten Brocken, die – bisher – noch stehen geblieben sind. Was jetzt noch oben ist, kommt irgendwann herunter. Berge sind künftiges Schwemmland.
Auf den ersten Blick schaut das nach Kampf aus. Viel eher ist es aber ein grandioses Zusammenspiel. Sichtbar für jene, die Zeit im Panoramaformat denken.
„Den Bach hinunter“ geht alles, was hineinfällt. Fließendes Wasser ist ein weltumfassendes Werkzeug der Schwerkraft. Wo immer es tropft oder sickert, beginnt die gigantische Transportmaschine leise zu arbeiten, bis hin zu mächtigen Muren und Hochwassern.
Der Transportweg verändert seine Fracht. Aus einem grünen Baum werden bizarre, nackte Holzskulpturen, alles wird gebrochen und zermalmt. Für Manches braucht der Fluss einen starken Magen – Schwermetalle und Einleitungen aus Industrie und Kläranlagen, Medikamente, Dünger und Pestizide, Räumschnee mit Giftcocktail. Manche Flüsse sterben daran.
Dabei kann Mitgeschwemmtes bei nachlassender Schleppkraft auch tausende Jahre an einem Ufer liegen bleiben. Irgendwann kommt es im Meer an und bleibt dort, die Verdunstung verweigert die weitere Mitnahme in den Wasserkreislauf. Sie nimmt nur reines H2O und bringt den Flüssen damit wieder reines Regen- und Quellwasser. Um unterwegs zum Meer wiederum alle Problemstoffe einzusammeln…





Todeszone: kolmatierter Flussgrund
Eine Schotterbank lässt sich lesen wie das Protokoll der letzten Hochwasser. Fließendes Wasser sortiert je nach Durchflussmenge und Schleppkraft das mitgeführte Geschiebe. Neben Fraktionen mit großen Steinen liegen Flächen mit feinkörnigem Schotter oder Sand.
Gegen Ende führt ein Hochwasser fast keine Schwebstoffe mehr mit. Es hinterlässt blankgeputzte Steine und sauber gewaschenen Sand. Es formt damit einen vielgestaltigen Lebensraum und ein ideales Laichsubstrat für kieslaichende Fische.
Wird ein Bach jedoch bei Niederwasser längere Zeit getrübt, etwa durch eine Winterbaustelle oder schmutziges Stauseewasser, verklebt das Feinsediment als zäher Schlick Steine und Zwischenräume. Hier kann kein Fisch mehr ablaichen, bereits abgelegter Laich erstickt darin ebenso wie alles andere Leben im Flussschotter.


Die Wasseroberfläche trennt zwei Welten. Menschen können Atemsauerstoff nur aus der Luft aufnehmen, unter Wasser können wir uns nur mit technischer Hilfe länger aufhalten. Als Fischer interessieren wir uns besonders für diese fremde, verborgene Welt. Dort leben schließlich die „Objekte unserer Begierde“.
Die Lebenswelt unter Wasser ist mindestens so vielfältig, so komplex und auch so zerbrechlich wie an Land. Wie sehr uns die spiegelnde Oberfläche von diesem Universum fernhält, zeigt sich an verbreiteten Verhaltensweisen. Was ins Wasser abtaucht, ist für uns ganz einfach weg – versenkt, versunken, ertrunken, verschwunden. Die Illusion, dass damit solche Stoffe und Gegenstände ganz aus der Welt sind, wollen wir nur allzu gern glauben.
Vom Überleben
zur Leidenschaft:
Die Geschichte des Fischens
Fische zu fangen ist eine uralte Kulturtechnik der Menschen zur Nahrungsbeschaffung, ihre ersten Siedlungen entstehen an Flüssen. Die Ausübung des Fischfangs als passionierte Freizeitbeschäftigung bleibt jahrhundertelang dem Adel und Klerus vorbehalten. Das Fischereibuch von Kaiser Maximilian gibt dazu für Tirol einen detailreichen Einblick.
Vor 150 Jahren, als die Fischereigesellschaft Innsbruck gegründet wird, dürfte die Fischerei Thema und Hobby einer noch recht überschaubaren Interessentengruppe sein. An Flüssen und Seen arbeiten Berufsfischer nicht zimperlich mit jeder Methode, die Fische an Land bringen kann, Teichwirtschaft und künstliche Aufzucht sind verbreitet. Voller Respekt schauen Freizeitfischer nach England, wo die Kunst des Fliegenfischens schon weit entwickelt ist. Ein antiquarischer Text zeichnet ein beinahe eskapistisches Bild des zeitgenössischen Anglers (Das Ganze der Angelfischerei, Baron v. Ehrenkreutz, Halberstadt und Leipzig 15. Auflage 1894):
„Das Vergnügen des Angelns ist daher nur für solche Leute geeignet, die unumschränkte Herren ihrer Zeit sind und Niemanden davon Rechenschaft abzulegen haben. Dazu rechne ich neben den Rentnern die Masse an Pensionären, namentlich vom Militärstande, denen freie Luft ein Bedürfniß geworden, und die Muße genug haben, diesem Vergnügen obzuliegen. Kann es denn wohl ein größeres Vergnügen oder Erholung geben für einen Mann, der seine Rechnung mit dem Ehrgeiz geschlossen hat, als wenn er – dazu noch oft durch Kränkungen und bittere Lebenserfahrungen bewogen – sich von der engeren Gemeinschaft der Menschen zurückzieht und seinen eigenen Weg geht, an einem Flusse, See oder Bache ein Plätzchen, einsam, still und ruhig, gefunden, auf dem er unbemerkt eine Freude sucht, von welcher Der, der keine Kenntniß davon hat, sich auch gar keinen Begriff machen kann.“
Bei so viel Vergnügen an der Einsamkeit verwundert es nicht, dass es im 19. Jahrhundert, also dem „Jahrhundert der Vereine“, doch einige Zeit dauert, bis die ersten Fischereivereine gegründet werden. Die bürgerliche Lust auf gemeinsame Freizeit erreicht schließlich auch die Petrijünger.
1865 wird von elf Anglern der „Erste Fischer-Club für Oberösterreich“, der älteste Fischerverein Österreichs, in Linz gegründet. Die Fischereigesellschaft Innsbruck kann somit 1876 bei der Formulierung ihrer Satzung schon auf ein Vorbild zurückgreifen.

Ein zweites antiquarisches Zitat ruft den Verhaltenskodex für Fischer in Erinnerung, er ist erstaunlich aktuell (Die Forelle und ihr Fang, Arthur Schubart, Berlin 1908):
„Latein ist verpönt, jedenfalls nicht entfernt so gebräuchlich als bei den Jägern; der Fischer redet überhaupt nicht viel und spricht höchstens von entsprechendem oder leidlichem Fang.
Man fischt mit Vorliebe allein, jedenfalls in einem Abstand von einem anderen, Zuschauer sind unbeliebt.
Als Gast hat man nach dem guten Worte: ‚Noblesse oblige‘ nur zweifellos brauchbare Fische zu behalten, alle übrigen aber ins Wasser zu geben.
Der Fischneid, besser Fangneid, ein abscheuliches Gefühl, das auch sonst durchaus noble Naturen ergreift, soll mit allen Kräften in sich und bei anderen bekämpft werden, da er mit Recht als unfair gilt. Er ist unfruchtbar, wie jeder Neid, und schädigt seinen Träger mehr als den Beneideten.“
Mehr als 10.000 Fischer gibt es heute in Tirol, wenn man dafür die Anzahl der Mitglieder beim Fischereiverband zugrunde legt. Wer einschlägige Publikationen sucht, findet allein im deutschsprachigen Raum zahlreiche Bücher und Magazine, die Anzahl der Internetseiten ist unüberschaubar, nicht zu reden von Einträgen in sozialen Medien. Auch wissenschaftliche Texte zur Lebensgemeinschaft im Süßwasser werden in großer Vielfalt publiziert.





Dr. Johann Tschurtschenthaler


1876/77
1876 wird die Pacht der städtischen Fischerei Innsbruck am Inn, dem Höttinger Gießen und der Lohe frei. Der Arzt Theodor Kölle, Rechtsanwalt Karl Felderer, Sparkassendirektor Johann Tschurtschenthaler und der Zollbeamte Franz Oberhauser kommen überein, zur Übernahme dieser Pacht einen Verein zu gründen. Sie wollen diese stark ausgebeuteten Fischgründe mit eigener Aufzucht und Schonmaßnahmen „ordentlich bewirtschaften“. Die offizielle Gründungsversammlung erfolgt im April 1877 mit 36 Mitgliedern. Die meisten von ihnen sind keine aktiven Fischer, wollen aber die Initiative unterstützen. Erster Vorstand wird Georg Steyrer, ab Ende 1877 Franz Oberhauser.
1877 – 1926
Die Pacht des städtischen Innreviers kann seit der Gründung bis heute ununterbrochen gesichert werden. Die Vermehrung der angepachteten Fischgründe entwickelt sich ab den ersten Vereinsjahren zu einer zentralen Aufgabe, das verzweigte Netzwerk der Mitglieder leistet dabei gute Dienste. Teils kommt es auch zu Kooperationen, oder Reviere werden privat angekauft und später in den Vereinsbestand eingebracht.
Die ersten Erweiterungen der Fischgründe kommen mit der Fischerei der Innsbrucker Spinnfabrik an der Sill von der Sillschlucht bis zur Mündung in den Inn, dem Innrevier Völs-Kematen, der Sternbachschen Fischerei am linken Innufer vom Weiherburgbachl bis zur Haller Stadtgrenze und vorübergehend dem rechtsufrigen Innrevier des Stiftes Wilten im Westen der Stadt sowie dem Amraser Schlossteich.
Bald folgt die Sillstrecke BergiselArztaler Bach einschließlich Vikarbach. Das erste von der Gesellschaft selbst käuflich erworbene Fischwasser ist die linksufrige Innstrecke Martinsbühel-Kranebitten, zuerst ein Anteil im Jahre 1905, die restlichen Anteile dann 1913. Das rechte Innufer Völs-Kematen wird 1881 von einigen Mitgliedern gekauft und kann damit von allen befischt werden. Es geht 1909 in den Besitz der Gesellschaft über.
Nach den ersten fünfzig Vereinsjahren können die Mitglieder mit geringfügigen Lücken die meisten Innreviere – gekauft oder gepachtet – flussaufwärts bis Zirl und flussabwärts bis Baumkirchen sowie die Sill bis unterhalb von Matrei und den äußeren Obernberger Bach befischen. Anfangs steht als öffentliches Verkehrsmittel nur die Eisenbahn durchs Inn- und Wipptal zur Verfügung, viele Wege zu den Fischgründen muss man zu Fuß bewältigen. Erst später gibt es Buslinien, Straßenbahnen und Individualverkehr.
REVIERKARTE 2026
FISCHEREIGESELLSCHAFT
1927 – 1976
Zur Finanzierung weiterer Revierankäufe werden teilweise Anteilsscheine an Mitglieder ausgegeben. Naturgemäß konzentriert sich das Interesse auf Fischereimöglichkeiten, die von Innsbruck aus gut erreichbar sind. Vielfach können neue Strecken zuerst nur angepachtet werden, um sie in weiterer Folge käuflich zu erwerben. In den 1930er Jahren kann das Fischereirecht für das rechte Innufer erst bis Hall und dann gegenüberliegend bis hinab zur Einmündung des Lavierenbaches bei der Volderer Karlskirche gekauft werden, sowie die bisher nur angepachtete Strecke am Obernberger Bach.
Als Pachtgewässer kommt die Sillstrecke der Stadt Innsbruck vom Sinuswehr unterhalb von Matrei bis kurz vor den Bergisel dazu. 1953 wird ein linksufriges Innrevier von Oberpettnau bis zur Einmündung des Dirschenbachs dazugekauft.
Es dauert dann bis in die 1970er Jahre, bis das rechte Innufer von Hatting bis zur Mündung des Inzinger Enterbaches mit der Gaisau und zwei attraktive Reviere an Bachstrecken gekauft werden: zuerst die Sill von Stafflach bis unterhalb von Steinach und dann der untere Gschnitzbach von Trins bis zur Einmündung in die Sill.
Bis 1990 erweitert sich der Bestand um den Axamer Bach, Sendersbach und eine weitere Strecke an der Sill von Gries am Brenner bis Stafflach. Noch vor der Jahrtausendwende kann das Fischereirecht am Obernberger See mitsamt dem Grundstück erworben werden.
Ein Hälfteanteil am Innrevier 2005, linksufrig vom Innsteg in Telfs bis gegenüber der Mündung Kanzingbach, wird 2004 angekauft. Im Jahr darauf folgt das flussaufwärts anschließende Revier 2001 am linken Innufer bis hinauf zur Bezirksgrenze Innsbruck Land/Imst.
Die beiden jüngsten Neuerwerbungen schließen zwei wesentliche Lücken im Gewässernetz der Fischereigesellschaft. 2024 kommt das Innrevier 2010 oberhalb von Zirl hinzu, sodass die schon vor langer Zeit erworbenen beidufrigen Reviere 2007 und 2011 nunmehr lückenlos zusammenhängen. Der Ankauf des Inneren Obernberger Bachs im Jahr 2025 verbindet das älteste FGIRevier im Wipptal, den Äußeren Obernberger Bach mit dem Obernberger See. Dies bedeutet nicht nur einen Lückenschluss, sondern den Zugewinn eines sehr attraktiven Bergbaches, der auch für ältere Mitglieder gut zugänglich ist. Größere zusammenhängende Strecken ergeben wesentliche Verbesserungen bei deren Bewirtschaftung, die ökologische Wirkung von Besatznahmen und Befischungsregeln wird nachhaltiger.
Mehrfach werden auch Fischereirechte an Loh- und Nebenbächen, z. B. bei Hall, Aldrans, Hötting, Völs, Zirl, Inzing und Pettnau gepachtet oder angekauft. Diese haben heute fast durchwegs jegliche Attraktivität zur Ausübung der Fischerei verloren. Teils sind sie verrohrt, verbaut, durch Biberdämme blockiert oder vom Inn für Fische unpassierbar abgetrennt. Mit dem kraftwerksbedingt absinkenden Grundwasserspiegel sind auch manche Kleingewässer mittlerweile trockengefallen. Nur in ganz geringem Ausmaß haben sie noch eine bescheidene Bedeutung als „Kinderstube“ für den Fischnachwuchs.




Eine frühe Einladung zur Ausschusssitzung, auf der Tagesordnung: Netzfischerei und Zucht von Besatzfischen
Die Vereinsstruktur wird mit der Gründung festgelegt. Obmann und Ausschuss führen die Geschäfte, die Mitglieder wählen in der Jahreshauptversammlung ihre Funktionäre, entscheiden über wichtige Vereinsfragen und regeln die Bestimmungen zur Mitgliedschaft sowie Satzungsänderungen.
In den ersten zehn Jahren stärken gesellige Zusammenkünfte der Mitglieder den Zusammenhalt. Nur wenige Mitglieder sind aktive Fischer, alle erhalten von angestellten Fischern gefangene Fische zugeteilt.
Große Aufmerksamkeit richtet sich auf den Fischbesatz in die Vereinsgewässer. Dieser erfolgt vorwiegend mit selbst gezogenen Brütlingen, wobei manche Zuchtversuche auch scheitern. Insbesondere dem langjährigen Funktionär Fritz Plaseller wird viel Geschick bei der Fischzucht zugeschrieben.
Obmann Hermann Maffei schlägt eine andere Richtung ein, die Verteilung von Fischen an die Mitglieder wird eingestellt. Stattdessen fischen ab jetzt die Mitglieder selbst, was zu einer Halbierung der Mitgliederzahl auf ca. 25 führt.
Man ist strikt darauf bedacht, in den eigenen Strecken starke Fischbestände zu etablieren. Als Maßnahmen dazu dienen der konsequente Fischbesatz, schonende Befischung mit geringer Entnahme, höheren Mindestmaßen und längeren Schonzeiten als gesetzlich vorgeschrieben sowie die Eindämmung von Fischdiebstahl und Gewässerverschmutzungen. Dazu wird auch eine entsprechende Fischereiaufsicht organisiert. Der Verkauf gefangener Fische wird untersagt.
Die Gesellschaft wirkt mehrfach auf den Gesetzgeber ein, etwa um die damals verbreitete Netzfischerei auf Äschen in der Schonzeit und feststehende Fangvorrichtungen generell zu verbieten. Außerdem betreiben Mitglieder der Gesellschaft, insbesondere Karl Maldoner und Paul Sternbach, die Gründung eines Tiroler Landesfischereiverbandes samt Neufassung des Fischereigesetzes sowie die Errichtung einer landeseigenen Fischzucht, die 1914 in Thaur eröffnet wird.
Der Zugang zu attraktiven Gewässern wertet die Mitgliedschaft schon früh erheblich auf, die steigende Zahl von Beitrittswerbern und der angewachsene Besitzstand der Gesellschaft machen eine Neuregelung erforderlich. Die Mitgliedschaft wird ab jetzt „vererbt“, sie geht von jedem Mitglied auf ein Kind über. Neubeitritte erfolgen nur mehr im Zusammenhang
mit dem Einbringen neuer Reviere. Seit damals liegt die Mitgliederzahl bis heute konstant bei ungefähr 35 Personen. Neben Aufnahmegebühren und jährlichen Mitgliedsbeiträgen hilft der Verkauf externer Jahreslizenzen bei der Finanzierung der Vereinsaufgaben.
1938
Massive Turbulenzen bringt der Anschluss Österreichs ans Deutsche Reich auch für viele Organisationen und Vereine. Erst werden alle bestehenden Vereine aufgelöst, die Fischereigesellschaft wird danach als „Angelsportverein Innsbruck“ in den „Reichsverband deutscher Sportfischer Berlin“ eingewiesen. Der „Landesfischereiverband Alpenland“ in Salzburg will sie als „Ortsfischereivereinigung Innsbruck“ samt Vermögen eingliedern. Es gelingt mit vielen Interventionen, dennoch die Eigenständigkeit zu erhalten und die erworbenen Fischereirechte ins Grundbuch einzutragen.
Mit Wiedererrichtung der Republik Österreich wird die Fischereigesellschaft nach dem Stand vor 1938 reaktiviert. Nach provisorischer Vereinstätigkeit unter einem dreigliedrigen Vorstand erfolgt ab der Jahreshauptversammlung 1947 wieder die volle Vereinstätigkeit unter dem alten Namen.
Bei seiner Wahl nennt Obmannkandidat Paul Weyrer als Bedingung für seine Übernahme der Funktion die Bestellung eines Geschäftsführers, „welcher die gesamten Agenden des Vereinsbüros zu erledigen“ habe. Die Jahreshauptversammlung stimmt zu und wählt zusätzlich zum Ausschuss einen ehrenamtlichen Geschäftsführer, womit Ausschuss und Obmann so weit entlastet werden, dass sie ihre Verantwortung weiterhin tragen können. Der Geschäftsführer erledigt die operativen Aufgaben wie Wasserrechtsverhandlungen, Bewirtschaftung, Besatz und Lizenzvergabe. Er organisiert und protokolliert die Sitzungen und kümmert sich um die in- und externe Kommunikation.
Heute übt eine überwiegende Zahl der Mitglieder die Fischerei selbst aktiv aus, bei vielen bleibt die Zahl der Fischtage pro Saison aber recht gering. Der größere Befischungsdruck kommt von den ca. 35 Lizenznehmern in den Revieren, für die es Jahreskarten gibt. Dabei wird die gesetzlich limitierte Zahl an verkauften Lizenzen pro Revier nicht ausgeschöpft. Externe Lizenzen gibt es an fast der Hälfte aller Fließstrecken.

Die Gaisau ist ein naturnah verbliebener Altarm des Inns, ein landschaftlich reizvoller Teich nordwestlich von Inzing, knapp 600 m lang und bis zu 60 m breit. Zusammen mit ihrem Schilfgürtel und umgebenden Auwaldresten wird sie 2009 zum Naturschutzgebiet erklärt. Sie wird hauptsächlich von Grundwasser dotiert, das aufgrund des kraftwerksbedingten Geschiebedefizits im Inntal immer tiefer absinkt. Oberflächlich kommt nur nach stärkeren Regenfällen Frischwasser hinzu. Als eines der wenigen noch größeren Feuchtgebiete bildet sie ein wichtiges Rückzugsgebiet für seltene Pflanzen- und Vogelarten wie Sibirische Schwertlilie und Wiesenknopf, Eisvogel, Nachtreiher oder Teichrohrsänger. Sie beherbergt einen ansehnlichen Bestand an Hechten und Rotaugen sowie einigen Edelkrebsen, andere Fischarten sind leider kaum noch vorhanden. Immerhin gibt es einen aktuellen Einzelnachweis für das äußerst seltene Moderlieschen. Dabei werden noch 1997 insgesamt 19 verschiedene Fischarten nachgewiesen.
1970/71
Die Gaisau wird als „Schifferegger Fischerei“ (rechtes Innufer von Hatting bis zum Enterbach in Inzing) samt Fischerhütte und Stauwehr im Abfluss von der Fischereigesellschaft erworben. 1969, also ein Jahr zuvor, stößt eine riesige Mure aus dem Enterbachtal bis über den Bahndamm in die Gaisau ein und verwüstet deren östlichen Teil. Die Folge sind schwere Schäden am Fischbestand und eine übelriechende Schmutzbrühe im gesamten Gewässer. Es dauert mehr als 15 Jahre, bis es gelingt, den abgelagerten Schlamm auszubaggern und damit den angerichteten Murschaden zu beheben.
Das Bestreben, die vereinseigene, idyllisch gelegene Fischerhütte direkt am Ufer in gutem Zustand zu erhalten, beschäftigt die Vereinsleitung seit deren Erwerb immer wieder. 2019 wird die Anbindung an den Inn verbessert, das alte Stauwehr abgerissen und durch eine fischpassierbare Rampe ersetzt. Die Hütte dient als Stützpunkt für Veranstaltungen, ein eigenes Ruderboot ermöglicht eine oft spannende Fischerei auf den Hecht. Leider gibt es keine Zuleitung von Frischwasser und keinen Kanalanschluss, eine kleine PV-Anlage liefert wenigstens eine gewisse Menge an elektrischem Strom. Vorschläge und Berichte zu Sanierungsmaßnahmen füllen die Vereinsprotokolle in regelmäßigen Abständen, die Hütte ist Lust und Last zugleich. Bei massiven Innhochwassern kann der Wasserspiegel bis über die Terrasse steigen.

Reich strukturiertes Flussbett des Inns; die sichtbare Trasse der Karwendelbahn deutet auf ein Datum nach 1912 hin.
Der Mensch greift weltweit massiv in Fließgewässer, Seen, Gletscher und Meere ein und richtet damit sehr oft an deren Lebewelt schwere Schäden an. Die wichtigsten Einflussfaktoren, die Gewässer der Fischereigesellschaft betreffen:
Bau einer Schifffahrtsrinne im Inn ab Hall im 18. Jahrhundert Errichtung der Inntal-, Brenner- und Arlbergbahn Mitte des 19. Jahrhunderts − Flussverbauung zur Gewinnung von Flächen für Landwirtschaft, Industrie und Siedlungen, Uferregulierungen, Geschiebesperren, Querwerke und Kastengerinne für den Hochwasserschutz, Verrohrung von Kleingewässern und Trockenlegen von Feuchtgebieten
Bau weiterer Verkehrsinfrastruktur wie Straßen, Inntal- und Brennerautobahn, Brennerbasistunnel, Errichtung des Flughafens Innsbruck Kranebitten (1948) und Innverlegung zur Verlängerung der Landebahn (2009) Errichtung von Fluss- und Speicherkraftwerken: Prutz-Imst (1956 Beginn des Schwallbetriebes im Inn), Sellrain-Silz, Kaunertal, Engadiner Kraftwerke, zahlreiche Laufkraftwerke an Bächen (Sendersbach, Vikar, Gschnitz, Obernbergerbach, Melach, Mühlauerbach, Sill, Ruetz) mit Wasserausleitungen, Schwallbetrieb, Stauraumspülungen, Migrationsbarrieren für Fische Verschmutzung, Schneeeinbringung, Freizeitnutzung einschließlich Befischung und Besatz Klimawandel, Artensterben
Bereits laut den ältesten Aufzeichnungen der Fischereigesellschaft werden Belastungen der Gewässer bekämpft, die aus heutiger Sicht fast abenteuerlich anmuten. Das von der Spinnfabrik eingeräumte Fischereirecht an der Sill sei „fast wertlos wegen häufigen Trockenliegens, Einleitung der Teerabwässer der Gasfabrik und durch ständiges Einwerfen von Kalkabfällen“. Die Stadt Innsbruck leitet ihr Abwasser und wirft ihren gesamten Müll in den Inn, im Pachtvertrag wird der Fischereigesellschaft untersagt, sich dagegen zu wehren. Andere Kommunen missbrauchen ihre Fließgewässer ebenso als billige Müllabfuhr. Beklagt wird auch die häufig „übertriebene Ausbeutung der Gewässer“ durch einzelne Revierbewirtschafter.

Die penibel geführten Fangbücher eines Mitglieds dokumentieren die abnehmenden Fischbestände im Inn.
Eine fischökologische Katastrophe für den Tiroler Inn bedeutet der Bau des bayrischen Kraftwerks Jettenbach 1919 bis 1923. Fangen die vorher fast 300 Berufsfischer in Kufstein noch über 6.000 kg Barben pro Jahr, geht dieser Ausfang danach gegen Null. Ähnliche Einbrüche gibt es auch bei Huchen, Nasen, Äschen und Lauben. Von den ehedem 27 nachgewiesenen Fischarten im Inn verschwinden die allermeisten. Die verbliebenen Arten lassen sich an einer Hand abzählen.
Während der Erste Weltkrieg vorübergehend zu vermehrter Schwarzfischerei wegen des verbreiteten Nahrungsmangels in der Bevölkerung führt, bringen der Zweite Weltkrieg und die nachfolgende Besatzungszeit einen viel stärkeren Einbruch in den Fischbeständen mit sich. Fischdiebstähle teils „mit Sprengkörpern aller Art“ und intensive Befischung durch die Besatzungsmacht setzen den Fischwässern sehr zu.

Renaturierungsversuch bei Baumkirchen — großer technischer Aufwand mit geringem ökologischen Nutzen
Der wirtschaftliche Aufschwung ab den 1950er Jahren hat auch seine Schattenseite. Er bringt vermehrte Abwassereinleitungen, Einbringung von Giftstoffen, Verbauungen noch natürlicher Gewässerstrukturen, Wasserkraftwerke, Schotterentnahmen. Der Bau von vorerst nur mechanischen Kläranlagen kann die zunehmende Verschmutzung kaum abschwächen.
1964 stürzt ein mit Phenol gefüllter Tank-LKW bei Gries am Brenner in die Sill, der ausfließende Inhalt vernichtet den gesamten Fischbestand in der Sill und richtet sogar ab deren Mündung schwere Schäden im Inn an. Immer wieder kommt es zu lokalen Fischsterben als Folge der Einleitung giftiger Stoffe, die Verursacher können nur selten ausgeforscht werden.
Schwere Hochwasser richten mehrfach Schäden auch an den Fischbeständen an. Besonders heftige Hochwasserereignisse treffen den Inn in den Jahren 1965, 1985 und gleich zweimal 1987 mit Durchflussspitzen bis über 1.100 m³/sec. am Pegel Innsbruck. Letztere verwüsten auch die Reviere an der Sill und ihren Zubringern. 2005 wird in Innsbruck sogar ein Scheiteldurchfluss von 1.538 m³/sec. (HQ 200) erreicht, der höchste Wert
seit Beginn der Messungen im Jahre 1871. Je mehr das Flussbett durch Verbauungen eingeengt ist, umso schwerer fallen die Fischschäden aus.
Von Fischkrankheiten sind FGI-Reviere kaum betroffen. 2003 verenden an die 100.000 junge Besatzäschen in der Fischzucht Thaur an IPN (Infektionöse Pankreasnekrose). Die Befürchtung, dass diese Erkrankung auch Fische im freien Gewässer befallen hat, bewahrheitet sich zum Glück nicht. Auch die PKD (Proliferative Kidney Disease), eine Fischkrankheit, die durch Parasiten verursacht wird und als mögliche Ursache für schwindende Fischbestände vermutet wird, kann bei einem Screening im Jahr 2021 kaum nachgewiesen werden. Von 27 untersuchten Forellen bei Telfs wird eine einzige positiv getestet.
Ein wesentlich größeres Problem geht ungefähr ab 1990 von den vermehrt auftretenden fischfressenden Tieren aus. EU-weite Schutzbestimmungen führen zu der an sich erfreulichen Entwicklung, dass sich die bedrohten Bestände von Kormoranen, Reihern und Gänsesägern deutlich erholen. Was dieser auf einzelne Arten fixierte Naturschutz nicht einkalkuliert, ist die dadurch ausgelöste schwere Störung im aquatischen Ökosystem. Deren bevorzugte Beutetiere, also mehrere Fischarten wie Forellen und Äschen, werden streckenweise nahezu ausgelöscht. Die Behörden erlauben Maßnahmen zur Wiederherstellung einer gesunden Balance nur sehr zögerlich oder verweigern sie grundsätzlich.

Vorzeigebeispiel – Sill aufgeweitet und neu strukturiert mit starker Düse, tiefem Pool und kiesiger Flachwasserzone
Ähnlich verhält es sich mit der Wiederansiedlung des früher fast ausgerotteten Fischotters. Dieser höchst effiziente Fischräuber, der ebenso wie die fischfressenden Vögel keine Bestandsregulierung durch natürliche Fressfeinde zu befürchten hat, besiedelt seit etwa 2010 von Osten her einwandernd die Flüsse und Bäche Tirols.
Neben den zunehmenden Belastungen und Schäden für die Fischerei gibt es auch positive Veränderungen und Ereignisse zu berichten. Die EU-Wasserrahmenrichtlinie legt ein grundsätzliches Verschlechterungsverbot und Verbesserungsgebot für Gewässer fest. Diese Bestimmung führt in einigen Fällen zur Beseitigung von Migrationshindernissen für Fische und einer besseren Durchgängigkeit.
Die Wirkung von Kläranlagen wird durch zwingende Einleitung und zusätzliche Reinigungsstufen deutlich verbessert. Die Einleitung von ungeklärten Abwässern wird gesetzlich untersagt. Neben einer mechanischen Klärung, die nur Feststoffe und Fette absondert, werden auch biologische und chemische Reinigungsstufen zugeschaltet. Was noch fast durchgehend fehlt, ist eine vierte Reinigungsstufe, die Spurenstoffe wie Arzneimittelrückstände, hormonelle Substanzen und andere schädliche Substanzen in geringer Konzentration entfernt.
Der Widerstand der Fischereigesellschaft gegen ein von den Innsbrucker Kommunalbetrieben geplantes „Kraftwerk Mittlerer Inn“ kann dieses Vorhaben in Zusammenarbeit mit
gleichgesinnten Organisationen stoppen. Dieses ursprünglich bei Telfs geplante Kraftwerk scheitert dort wegen naturschutzrechtlicher Bestimmungen. Daraufhin wird ein neuer Standort weiter flussab bei Pettnau projektiert. Hier bewegt die massive Gegenwehr die Landesregierung 2014 dazu, eine kraftwerksfreie Tabu-Strecke am Inn zwischen Haiming und Kirchbichl festzulegen, womit dieses Projekt nicht mehr realisierbar wird. Die Innausleitung von Prutz bis Imst dagegen soll mit dem 2025 nach UVP-Verfahren genehmigten Kraftwerk Imst-Haiming um weitere 14 km verlängert werden.
Am Obernberger See kann ein jahrelang hartnäckig verfolgtes Hotelprojekt abgewehrt werden. Der Grundbesitzer am Standort des aufgelassenen Gasthauses am See will mit einem Seminarhotel und mehreren eingegrabenen Wohntanks ein internationales Publikum an diesen Standort bringen. Letztlich scheitert dieses Projekt, weil das Gericht in zweiter Instanz der Klage von Wegberechtigten der örtlichen Bringungsgemeinschaft Recht gibt. Die Zufahrt wird als ungeeignet für große Baufahrzeuge erachtet.
Besser wird allmählich auch die Art von Hochwasserschutzbauten an den Fließgewässern. Statt eintöniger, linearer Blockufer werden vermehrt fischfreundliche Strukturen eingebaut, die Standplätze für adulte Fische und Laichstätten sowie Jungfischhabitate anbieten. Vereinzelt kommt es sogar zur Anbindung und Renaturierung von Seitengewässern.

Christoph Walder (WWF) erstellt auf Initiative der FGI einen Film zu den Folgen des Schwallbetriebs.

An der Studie INN 2000 arbeitet Geschäftsführer Manfred Biller engagiert mit.

Die Chronik eines so altehrwürdigen Vereins bringt auch Dinge zutage, die heute zum Schmunzeln anregen.
Finanzbehörden sind offenbar immer schon kreativ beim Aufspüren neuer Einnahmequellen. So müssen Fischer in den 1930er Jahren für ihre selbstgefangenen Fische eine Umsatzsteuer abliefern.
Zugewanderte Huchen werden in den frühen Vereinsjahren als ernsthafte Bedrohung des Bestandes von Äschen und Forellen betrachtet. Ein Aufsichtsfischer, der mehrere Huchen bei Ampass mit einer Harpune gestochen hat, kommt mit der Begründung „einer ansonsten entstehenden Schädigung des Fischwassers“ straffrei davon.
Ein versuchsweiser Besatz mit japanischen Goldforellen erweist sich recht bald als Fehlschlag. Man stellt fest, dass sie „kein erfreulicher Anblick im Gewässer“ sind. Weil sie obendrein nicht besonders gut schmecken, wird dieses Projekt rasch beendet.
Das Bestreben der Fischereigesellschaft, in ihren Revieren einen möglichst hohen und vitalen Fischbestand zu erreichen, führt auch zu Maßnahmen, die heute anders bewertet werden. So wird 1917 über zehn Jahre lang die Verwendung von „Wasserstiefeln“ erst beim Forellenfischen und im Jahr darauf gänzlich verboten. Man will damit die Laichstätten der Fische schützen.
Im Pachtvertrag mit der Stadt Innsbruck aus dem Jahr 1940 ist festgehalten: „Im Interesse der Versorgung der Bevölkerung von Innsbruck mit Fischen ist die Pächterin verpflichtet, die gefangenen Fische abzuliefern, falls dies durch die Behörde vorgeschrieben wird.“ Ob es jemals dazu kommt, ist nicht überliefert.
1878 – 1885
Franz Oberhauser
1876 – 1877
Dr. Georg Steyrer
1899 – 1903
Fritz Plaseller 1898
Johann Kastner
1895 – 1897
Josef Schueler
1886 – 1894
Hermann Maffei 1904
Dr. Franz Greil
Obmann MMag. Andreas Schiechtl
Obmannstellvertreter und Kassier Mag. Lorenz Held Ausschussmitglieder Björn Strießnig, Mag. Dr. Simon Weyrer, Florian Bartenbach
Rechtsberater Dr. Stefan Zelger Geschäftsführer Hannes Frontull Kassaprüfer....................Mag. Markus Greil, Mag. Stefan Walde
1943 – 1945
Fritz Hörtnagl
1905 – 1942
Franz Hörtnagl
1946 – 1948
Prof. Paul Huter
2013 – 2022
Luis Töchterle
2003 – 2012
Manfred Biller
1967 – 2002
Walter Tusch
1949 – 1966
Fritz Hörtnagl
1967 – 2003
Ing. Paul Weyrer
seit 2023
Hannes Frontull
seit 2004
MMag. Andreas Schiechtl

„In einem Bächlein helle …“ wird sie von Franz Schubert besungen. Sie ist der Leitfisch in den Bächen und im Oberlauf der Flüsse, ein Fisch aus der Familie der Lachse. Schnell fließende, kalte und sauerstoffreiche Bäche bilden den bevorzugten Lebensraum des scheuen Raubfischs mit ausgeprägtem Revierverhalten.
Das unverkennbare Design der Bachforelle zeigt hell umrandete rote und schwarze Punkte an den Körperflanken. Die Bachforelle ist nach ihrer Abstammung eine echte Europäerin, mittlerweile kommt sie in allen Kontinenten vor.

Die Bachforellen in europäischen Gewässern bilden heute meist ein genetisches Durcheinander. Vor allem durch unbedachte Besatzaktionen haben das im Wesentlichen die Fischer selbst zu verantworten. Man kaufte Besatzfische dort ein, wo sie billig zu bekommen oder angeblich besonders großwüchsig waren. Der Nachteil: Diese Fische sind schlecht ans jeweilige Gewässer angepasst, entwickeln sich nicht gut oder können sich mit den angestammten Fischen kaum erfolgreich paaren.
Mit Hilfe genetischer Analysen konnten Wissenschafter der Uni Innsbruck unverfälschte „donaustämmige Urforellen“ im Gossenköllesee (Kühtai) identifizieren. Sie stammen wohl aus einem Besatz zu Zeiten Kaiser Maximilians. Durch Nachzucht wurden diese Fische vermehrt und haben sich etwa im oberen Sendersbach sehr gut etabliert. Sie kommen mit niedrigen Temperaturen und mit Hochwasser deutlich besser zurecht als etwa atlantische Besatzfische



„Fahnenträgerin“ nennt man die Äsche wegen ihrer großen, bunten Rückenflosse. Sie zählt zur Gattung der Coregonen, ihre Fettflosse weist sie als Lachsartige aus. Im Inn kommt sie in einer eigenen Sublinie vor, großwüchsig und in einer spezifischen Färbung.
Unter Fliegenfischern ist die Äsche ein begehrter Zielfisch. Sie ernährt sich fast ausschließlich von Wasserinsekten, ihr Fang erfordert besonderes Geschick.
Der mittlere Inn wird der Äschenregion zugeordnet, bis vor einigen Jahren war ihre hohe Bestandsdichte entsprechend. Inzwischen muss ihr Vorkommen durch ständigen Besatz und ein strenges Entnahmeverbot gesichert werden.

Er ist der mächtigste Bewohner mancher Zuflüsse zur Donau. Für Laien kaum fassbar, dass es hier so große Fische gibt. Huchen sind die größten Fische aus der Familie der Lachse, sie können über 35 kg schwer und 150 cm lang werden. Sie brauchen als Raubfische naturnahe, größere Flüsse mit geeignetem Nahrungsangebot. Um 1 kg Gewicht zuzunehmen, braucht ein Huchen 10 kg Beutefisch.
Um den Huchenfang ranken sich hinter vorgehaltener Hand geflüsterte Geheimnisse, schlaflos gewälzte Strategiepläne und stolze Trophäenbilder. Früher weit verbreitet und als gieriger Fischräuber verfolgt, heute vom Aussterben bedrohte Spezies in wenigen verbliebenen Lebensräumen.



Der Inbegriff des Raubfischs, ein geduldiger Lauerjäger vorwiegend in stehenden Gewässern. Sein Äußeres lässt auf die Verhaltensweise schließen – der gestreckte, schlanke Körper, sein großes, Zähne starrendes Maul, die drei hinteren Beschleunigungsflossen und die perfekte Tarnung.
Hechte gibt es auf der Nordhalbkugel weltweit. Sie fressen Fische, Krebse, Frösche, Vögel und kleine Säugetiere. Bei uns können sie bis über einen Meter lang und an die zehn Kilo schwer werden.
Auch bei Feinschmeckern stehen sie hoch im Kurs, allerdings wehren sie sich mit zahllosen schwer zu entfernenden Gräten gegen die kulinarische Verwertung.





Ein Fisch für die Fischer. Oder vielleicht auch für das Ökosystem?
Die aus Nordamerika stammende Fischart wurde Ende des 19. Jahrhunderts nach Europa gebracht und kommt hier in vielen Gewässern vor. Sie verträgt höhere Temperaturen, wächst schneller und ist robuster als die heimische Bachforelle. Vor allem in der Zucht von Speisefischen stellt sie die bevorzugte Art dar.
Manche Fachleute vertreten die Meinung, sie verdränge die heimischen Arten. In stark veränderten Gewässern wie dem Inn ist die Bachforelle allerdings so gut wie verschwunden. Hier kann die Amerikanerin noch einen für die Fischerei interessanten Bestand erhalten und die ökologische Funktion der Bachforelle wenigstens teilweise übernehmen. Dass sie sich auch mit der Äsche verträgt, zeigen viele Flüsse, wo beide Arten gut nebeneinander gedeihen.
Ebenso wie die Regenbogenforelle ist der Bachsaibling aus Nordamerika importiert, im Gegensatz zum heimischen Seesaibling. Von diesem unterscheidet er sich durch den auffälligen schwarzweißen Saum an den unteren Flossen, der beim Seesaibling reinweiß ist. In Körperbau und Verhalten ähnelt er der Forelle.
Er wird als Speisefisch sehr geschätzt und daher von Fischzüchtern häufig angeboten. Aus Zuchtanstalten entkommen offenbar immer wieder solche Fische in unsere Bäche und Flüsse.
Wildlebende Bachsaiblinge werden selten länger als 40 cm und 1 kg schwer. Sie können sich mit Bachforellen paaren, solche Nachkommen, Tigerfisch genannt, bleiben allerdings unfruchtbar.




Du wirst überrascht sein, einen Abschiedsbrief von mir zu bekommen. Nein, ich will Dich nicht verlassen, Du wirst mich verlassen. Und zwar für immer. Für Dich und Deine Artgenossen sowie all die kleinen Gründlinge, Koppen, Moderlieschen, Elritzen und Lauben schaut es leider schlecht aus.

Dein Bach wird nämlich trocken gelegt, „Bachräumung mit Wasserabkehr“ nennt das der Bürgermeister. Nur vorübergehend, sagen der Mann vom Naturschutz und die Planerin, das wird schon wieder. Die sehen das wohl zu optimistisch, vielleicht wollen sie dem Bürgermeister nicht widersprechen „wegen ein paar fingerlanger Fische“, so sagen sie. Naturschutzgesetz hin oder her. Wofür das gut sein soll, kann ich Dir nicht erklären, ich hab´s nicht verstanden. Um Deinen schönen Bach ist es wirklich schade – all die Blumen, Wasserpflanzen und natürlich die Kleintiere, die Dich ernähren.
Nichts für ungut und viele Grüße von einer jener großen Gestalten am Ufer, die Euch manchmal so erschrecken.
Äschen und Huchen laichen im April, Regenbogenforellen teils im Spätherbst, teils bis in den Mai hinein. Die sichtbarste Laichaktivität zeigen die Bachforellen von Oktober bis zum Jahreswechsel. Eine evolutionäre Anpassung, um den Reproduktionserfolg zu optimieren, denn zu dieser Zeit ist der Wasserstand der Bäche niedrig, das Wasser glasklar. Die Fische sind auf den mit ihren Schwanzschlägen blank geputzten Kiesplätzen oft sehr gut zu beobachten.
Der abgelegte Laich entwickelt sich im kalten Winterwasser sehr langsam, erst mit der Erwärmung im April schlüpfen die Brütlinge. Sie zehren erst ihren Dottersack auf und verlassen dann das Lückensystem im groben Schotter, um nach kleinen Insekten zu jagen. Tödlich für einen ganzen Jahrgang kann ein Winterhochwasser sein.



Gegen Mitte Mai kann man an strömungsarmen Uferstellen solche Bilder entdecken. Schwärme von zwei, drei Zentimeter langen, kürzlich geschlüpften Äschen und Forellen tummeln sich im Flachwasser. Die kleineren Jungäschen sind am dunklen Längsstreifen gut erkennbar. Sie sind als Laich erst vor gut einem Monat im Schotterbett abgelegt worden, die Forelleneier fast vor einem halben Jahr.
Unter natürlichen Bedingungen erreichen weniger als fünf Prozent von ihnen das laichfähige Alter von zwei bis vier Jahren. Das reicht, um den Bestand zu erhalten. In Fließgewässern mit Kraftwerksschwall überleben leider viel zu wenige – wenn das Wasser unnatürlich rasch absinkt, stranden Tausende von ihnen und ersticken in trocken fallenden Mulden.



Schwallbetrieb tötet Fischlarven.



Der fast ausgerottete große Nager ist zurückgekommen! Er selbst ist scheu und nur selten zu sehen, seine Spuren findet man aber an sehr vielen Wasserläufen.
Der europäische Biber kann etwa einen Meter Körperlänge erreichen (plus 35 cm Schwanz) und an die 30 kg wiegen. Er ist ein reiner Vegetarier und staut mit Dämmen aus Holz, Steinen und Schlamm Fließgewässer auf.
Mit seinen Baumfällungen gerät er bisweilen in Konflikt mit Bauern oder Straßenerhaltern. Wenn ursprünglich verzweigte Bäche auf ein einzelnes Gerinne eingeengt sind, kann sein Damm auch zum Migrationshindernis für Fische werden. Am Völser Gießen wurde deswegen ein Fischaufstieg errichtet, eine teure und pflegeintensive Maßnahme mit bescheidenem Erfolg.
Ein sandiger Uferstreifen mit frischen Trittspuren. Ein Graureiher war da heute früh schon fischen.
Als Mensch sind wir eines von mehreren Lebewesen, die den Fischen im Fluss nachstellen. Neben den Reihern sind das vor allem Kormorane, Gänsesäger und Fischotter. Einen Fisch, der vielleicht verendet oder verletzt ist, verschmähen auch Raben oder Füchse nicht. Wird insgesamt nur der „jährliche Zuwachs“ abgeschöpft, bleibt der Bestand stabil. Wie bei der Bewirtschaftung eines Waldes.
Diese „Konkurrenz“ führt zu spannenden Fragen: Hat jemand ein Vorrecht gegenüber anderen Arten? Wer braucht Fische zum Überleben? Wie und warum verändern sich die Zahlen der Fisch(fr)esser? Wie wirken wir Beutegreifer uns auf die Fischbestände aus?

Forelle mit Kormoranverletzungen




Leicht sind diese eigenartigen Tiere nicht zu entdecken. Sie sind scheu, leben versteckt und sind selten geworden. Das abgebildete Exemplar fand sich im Magen eines großen Hechts.
Bis vor kurzer Zeit war der Edelkrebs auch in Tirol recht verbreitet, er wurde mit Fallen oder Krebstellern für den Verzehr gefangen. Besonders das Aussetzen amerikanischer Signalkrebse hat die Bestände dezimiert. Diese importierten nämlich die für den heimischen Krebs tödliche Krebspest gleich mit.
Der Edelkrebs wird bis zu 18 cm lang und ist Allesfresser. Vom Signalkrebs ist er am besten dadurch zu unterscheiden, dass er an den Scherengelenken keinen hellen Fleck aufweist.


Ab Mitte März bis zum einsetzenden Schmelzwasser können scharfe Augen am Inn ein seltenes Schauspiel beobachten. Fast täglich schlüpfen Eintagsfliegen an der Wasseroberfläche, manchmal ganz wenige, an einzelnen Tagen ganze Schwärme. Sie haben bis zu zwei Jahren unter Wasser gelebt und vollziehen in wenigen Stunden an der Luft ihren Reproduktionsakt. Sehr genau lässt sich die Uhrzeit vorhersagen, der Beginn erfolgt am frühen Nachmittag, das Ende nach einigen Minuten, manchmal auch Stunden. Stärkere Schlüpfe gibt es bei trübem, windschwachem Wetter. Dem kundigen Beobachter zeigen vom Ufer aus jagende Bachstelzen, ins Wasser pickende Enten oder Schwalbenschwärme überm Wasser an, was genau jetzt geschieht.
Für Fliegenfischer bedeutet das eine aufregende Zeit. Äschen und Forellen lassen sich die Gelegenheit nicht entgehen und fressen die schutzlosen Insekten, während an der Wasseroberfläche ihre Flügel aushärten. Mit der „Trockenfliege“, also einer schwimmenden Imitation, lassen sich die hungrigen Fische überlisten.
Interview mit Stefan Schmutz
Dipl.-Ing. Dr.nat.techn. Stefan Schmutz ist Universitätsprofessor an der Universität für Bodenkultur Wien, Department Ökosystemmanagement, Klima & Biodiversität, Institut für Hydrobiologie und Gewässermanagement. Seine Arbeitsschwerpunkte sind Gewässerökologie, Bewertung von Eingriffen, multiple Belastungen, Wasserkraft, Flussregulierungen, Gewässersanierung, Habitat, Fischwanderung, Fischökologie, Fischwanderhilfen und ökologischer Zustand.
Die Fragen stellten Zacharias Schähle, Geschäftsstellenleiter des Tiroler Fischereiverbandes, und Luis Töchterle für die Fischereigesellschaft Innsbruck.
Um die Relevanz für unser Thema einzuordnen: Weltweit wird viel über Probleme bei Wasserlebewesen und Fischbeständen berichtet – Korallenbleiche, Plastikverschmutzung, Überfischung, Einbrüche bei den Lachswanderungen oder der Ostseefischerei auf Kabeljau. Sind diese Veränderungen einfach Teil eines nicht aufhaltbaren globalen Trends?
Schmutz: Generell gibt es leider diesen abnehmenden Trend weltweit. Die Ursachen sind Klimawandel, Überfischung, Habitatzerstörung, Verschmutzung und vieles mehr. Was sich in den letzten Jahrzehnten verschärft hat, ist das Zusammenwirken von mehreren Belastungen in ein und demselben Ökosystem, wobei die Folgen dieser Mehrfachbelastungen auch wissenschaftlich kaum untersucht sind. Ich würde aber nicht sagen, dass es ein „unaufhalt-

barer“ Trend ist. Erfreulicherweise gibt es Beispiele, die eine Trendumkehr zeigen. So erholen sich Fischbestände in Meeresschutzgebieten relativ rasch, wenn die Schutzmaßnahmen effektiv umgesetzt werden. Auch die Erholung von Fischbeständen in revitalisierten Gewässerstrecken, wie z. B. der Traisen in Niederösterreich, zeigt, dass es möglich ist, Fischbestände wiederherzustellen. Voraussetzung dafür ist die Schaffung attraktiver Lebensräume in ausreichend langen Gewässerstrecken (10 km im Falle der Traisen), ein intaktes Kontinuum (z. B. freier Zugang zur Donau) und ausreichendes Wiederbesiedelungspotential (z. B. gesamte aktuelle Fischfauna der Donau). Im Falle der Traisen konnte sich der Fischbestand von einem „unbefriedigenden“ wieder in einen „guten Zustand“ gemäß Wasserrahmenrichtlinie entwickeln, kurzzeitig sogar zu einem „sehr guten“.
Wir bewirtschaften mehrere Reviere im Bezirk Innsbruck-Land, besonders in unseren Innrevieren können wir Fischbestände nur mit hohem Besatzaufwand erhalten. Manche Fischbestände in unseren Revieren sind innerhalb einer Generation eingebrochen. Davon berichten ältere Mitglieder besonders am Inn. Welche
Chancen haben die Fischbestände und die Angelfischerei?
Schmutz: Die Bestandseinbrüche sind wirklich dramatisch, nicht nur am Inn oder in Tirol, sondern in ganz Österreich. Umso wichtiger ist es, umfassende Strategien zu erarbeiten, um eine Trendumkehr zu ermöglichen. Dies bedeutet einerseits Erforschung
der Ursachen, um möglichst dort anzusetzen, wo man die größte Wirkung erwarten kann, und natürlich eine Anpassung des Managements unserer Flusslandschaften. Es ist unsere Verantwortung, den Gewässerlebewesen wieder einen Lebensraum zu bieten, in dem sie überleben können. Dann hat auch die Angelfischerei eine Zukunft.

Zunahme bedeutender Fischfresser in Österreich und Abnahme der Fischbestände in ausgewählten Fließgewässern (Schmutz et al. 2023)
Die Bachforelle verschwindet trotz Besatz, gibt es eine Erklärung abseits der Bachforellenkrankheit PKD und Strukturarmut? Die Äsche kommt trotz massivem Einsatz des Tiroler Fischereiverbandes noch in kleinen Resten vor, einzig die Regenbogenforelle scheint mit den Verhältnissen einigermaßen zurecht zu kommen. Welche Konsequenzen ergeben sich für die Bewirtschaftung?
Schmutz: Wie gesagt ist es wahrscheinlich das Zusammenwirken von vielen Faktoren. Die PKD ist ja erst mit dem Klimawandel und damit verbundenen erhöhten Sommertemperaturen besonders virulent geworden. Zudem werden Gewässer immer noch punktuell verbaut; insbesondere nach Hochwasserereignissen, bzw. wenn Infrastrukturbauten gefährdet sind.
Die klimabedingte Veränderung der Abflussverhältnisse ist auch ein Kandidat für Ursachen. Die langen Niederwasserphasen mit erhöhten Temperaturen scheinen der Bachforelle nicht gut zu bekommen, die Niederschlagsereignisse wiederum sind sehr intensiv, was kurze, starke Abflussspitzen erzeugt und insbesondere bei den Jungfischen zu Ausfällen führt. Das Ausbleiben der Frühjahrshochwässer als Folge des Schneemangels wiederum reduziert die Umlagerungen im Gewässer, was zu einer Verringerung an funktionsfähigen Laichplätzen führt.
Die Versiegelung der Landschaft und Intensivierung der Landwirtschaft spielen auch eine Rolle. Die ausgeräumten Landschaften haben ihre „Schwammfunktion“ verloren und das Wasser wird bei Nieder-
schlagsereignissen unmittelbar an die Fließgewässer abgegeben, was wiederum das Problem mit den Abflussspitzen verschärft. Zudem ist das Wasser mit Schadstoffen versetzt, wie Dünge- und Spritzmittel, aber auch der Eintrag von Feinsedimenten und Trübstoffen wird dadurch erhöht.
Ein noch weitgehend ungeklärtes und vielfach ungelöstes Problem sind die persistenten Stoffe, die in der Umwelt nur sehr langsam abgebaut werden und aus den unterschiedlichsten Quellen stammen. Z. B. PFAS (per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen) sind eine Gruppe von synthetischen Chemikalien, die aufgrund ihrer wasser-, fettund schmutzabweisenden Eigenschaften in einer Vielzahl von Produkten und industriellen Anwendungen verwendet werden (Antihaftbeschichtungen, wasserabweisenden Textilien, Feuerlöschschäumen, Verpackungsmaterialien, Outdoor-Bekleidung, Teppichen, Kosmetika). Bei Fischen verursachen sie hormonelle Störungen, die die Fortpflanzung und das Wachstum beeinflussen und Immunsystemschäden hervorrufen, wodurch Fische anfälliger für Krankheiten werden. Weiters können sie Leber- und Nierenschäden verursachen und zu Verhaltensänderungen führen, die ihre Überlebensfähigkeit in der Wildnis beeinträchtigen.
Auch der Besatz selbst kann Ursache für Bestandsrückgänge sein, wenn Fische eingebracht werden, die nicht an die standortspezifischen Verhältnisse angepasst sind, sich mit den (noch wenigen) natürlich vorkom-
Entwicklung des fischökologischen Zustands der Traisen vor und nach der Revitalisierung (©IHG)
Wassertemperatur


Durchfluss
Aktuell messen wir an Inn und Sill höhere Wassertemperaturen und weniger Durchfluss.
menden Fischen kreuzen, und dadurch das autochthone Genmaterial verloren geht. Auch das Einbringen von Krankheiten durch Besatzfische kann eine Ursache sein. Eine nachhaltige BesatzBewirtschaftung sollte daher soweit wie möglich mit genetisch ursprünglichen, standorttypischen Fischen erfolgen. Das heißt aber nicht, dass die „Urforelle“ der geeignetste Fisch für Besatz im Inn ist, da die letzten autochthonen Bestände sich in sehr kleinen Bächen befinden, eine Umgebung, die nicht mit dem Inn vergleichbar ist. Um Domestizierungseffekte zu vermeiden, die geringere Überlebenschancen im Gewässer bewirken, sollten Fische möglichst in frühen Stadien besetzt werden, wobei im Falle des Inns bei gegebener Schwallbelastung keine Larven, sondern nur Jungfische verwendet werden sollten. Da Besatz sehr teuer ist, insbesondere wenn man standorttypische Laichfische verwendet und diese naturnah aufzieht, sollten Besatzmaßnahmen regelmäßig auf ihre Sinnhaftigkeit überprüft werden. Ein dafür notwendiges Jungfischmonitoring verursacht zwar entsprechende Kosten, aus den daraus gewonnenen Erkenntnisse lassen sich jedoch nachhaltigere Bewirtschaftungsstrategien ableiten und Kosten mittelfristig optimieren. Langfristig sollte auf die Sanierung von Belastungen abgezielt werden, so dass auf Besatz verzichtet werden kann.
Welche Maßnahmen und Kernelemente braucht der Inn für eine Erholung der Bestände? Reichen Schwallsanierungen, Instream-Maßnahmen und Anbindungen aus? Wie sieht das gute ökologische Potential am Inn aus, was ist realistisch zu erreichen?
Schmutz: Schwallsanierung und morphologische Maßnahmen sind sicherlich prioritär. Die Frage ist aber, inwieweit diese Maßnahmen unter den gegebenen Rahmenbedingungen umsetzbar sind.
Die Schwallsanierung ist dadurch limitiert, dass gemäß geltender Rechtsordnung nur Maßnahmen vorgeschrieben werden können, die die Nutzung, sprich Spitzenstromerzeugung, nicht signifikant einschränken. Das heißt, eine wesentliche Änderung der Betriebsweise der Kraftwerke wird wahrscheinlich nicht stattfinden. Verbleiben als Maßnahmen nur noch Ausgleichsbecken und Ausleitungskraftwerke. Das neue Schwallausgleichsbecken beim Kraftwerk Silz zeigt, dass dies eine praktikable Lösung ist, auch wenn die Platzverfügbarkeit im Inntal natürlich begrenzt ist. Auch beim Schwallausleitungskraftwerk GKI (Gemeinschaftskraftwerk Inn) ist eine Erholung der Gewässerbiozönose zu erhoffen (das Postmonitoring ist gerade im Laufen).
Die bisherigen morphologischen Verbesserungen am Inn sind sehr erfolgversprechend, auch wenn damit erst ein sehr geringer Teil des verbauten Inns saniert wurde. Diese Maßnahmen sollten konsequent weitergeführt werden. Limitierend ist, wie bei fast allen größeren Flüssen in Österreich, auch hier die Platzverfügbarkeit. Im Wettstreit mit den vielen anderen Flächennutzern ist hier ein Flächenmanagement vorzusehen, das mittel- bis langfristig ausreichend Flächen für die Innrevitalisierung sichert, die ja auch für den passiven Hochwasserschutz benötigt werden. Der Schulterschluss zwischen Renaturierung und Hochwasserschutz ist ein Hebel, mit dem man auch breitere Bevölkerungsgruppen und Entscheidungsträger für den Gewässerschutz gewinnen kann. Bei der Flächensicherung braucht es innovative Zugänge, wie z. B. ein Pool an Tauschflächen, Pachtlösungen etc.
Ein Thema, das leider noch immer zu wenig Aufmerksamkeit erfährt, ist die Geschiebeproblematik. Der Inn leidet unter massivem Geschiebedefizit. Geschiebesperren und Kraftwerke halten das Geschiebe zurück, der Schwallbetrieb schwemmt den verbleibenden Kies aus und verstärkt somit die Kolmatierung (Verfestigung) der Sohle. Zudem verhindert das monotone Regulierungsprofil die für den Inn ursprünglich typische Sedimentdynamik mit Ablagerungs- und Erosionsprozessen und somit die Ausformung von Kiesbänken. Neben Schwallsanierung und Revitalisierung inklusive Sedimentmanagement braucht es noch, wie erwähnt, zusätzliche Maßnahmen im Einzugsgebiet, um den oben genannten Belastungen entgegenzuwirken (Schadstoffe, Feinsedimente). Bei periodisch wiederkehrenden Stauraumspülungen und Speicherentleerungen werden wiederum große Mengen an Feinsedimenten remobilisiert und in Fließstrecken eingebracht. Vor allem die Reproduktion und Jungfische sind von diesen Belastungen betroffen. Um die Geschiebe- und Feinsedimentprobleme ganzheitlich anzugehen, braucht es ein integratives Geschiebemanagement. Obwohl dies seit Jahren von Seiten der Ökologie und Fischerei gefordert wird, gibt es dazu lediglich punktuelle Ansätze.
− Kienstock − 95 970 km2)
Einzugsgebietsgröße km2
Mittlere Augustwassertemperatur in einem heißen Sommer (2018) ausgewählter Fließgewässer unterschiedlicher Größe (Schmutz et al. 2023, Datenquelle: ehyd.gv.at)
Reicht die Einhaltung der Grenzwerte für Schwall- und Sunkraten aus, um Schäden am Jungfischaufkommen zu vermeiden, oder stranden Fischlarven trotzdem noch? Und was passiert bei den Wasserinsekten, also den Fischnährtieren?
Schmutz: Grundsätzlich sind die Grenzwerte so konzipiert, dass bei deren Einhaltung die Larven und Jungfische nicht mehr stranden. Die Grenzwerte wurden unter experimentellen Bedingungen in einer naturnahen Fließrinne erarbeitet und stellen den aktuellen Stand des Wissens dar. Aber wie immer gibt es eine Grauzone bei Grenzwerten. Das heißt, es können vereinzelt auch Fische unterhalb der Grenzwerte stranden, wenn die Bedingungen äußerst ungünstig sind. Z. B. bei sehr flachen und breiten Kiesbänken, wie sie für den ursprünglichen Inn sehr typisch waren, kann es insbesondere in der Nacht bei tiefen Wassertemperaturen zu Strandungen auch unterhalb der Grenzwerte kommen. Zwar werden bei natürlichen Hochwässern auch diese Grenzwerte oft überschritten und Fische können dann stranden, aber Hochwässer treten im Gegensatz zu Schwall sehr selten auf. Die beste Strategie ist jedenfalls, in der kurzen, kritischen Larvenphase gänzlich auf Schwallbetrieb zu verzichten bzw. den Schwall vollkommen zu dämpfen.
Immer wieder wird die Fischerei für den Besatz mit Regenbogenforellen am Inn kritisiert. Obwohl die Fischbiomasse extrem gering ist, wird behauptet, Regenbogenforellen würden die Bachforellen verdrängen. Wie sieht das die Wissenschaft?
Schmutz: Obwohl das Thema Konkurrenz zwischen Salmoniden schon lange diskutiert wird, gibt es vergleichsweise wenige fundierte wissenschaftliche Studien dazu. Jedenfalls gibt es anhand der vorliegenden Erkenntnisse keinen Beleg, dass die Regenbogenforelle die Bachforelle systematisch verdrängt. Ein mehr als 20jähriges Monitoring unseres Institutes an der naturnahen Ois (Oberlauf der Ybbs) zeigt eine stabile Koexistenz der beiden Arten, deren Bestände in dieser Strecke ausschließlich auf natürlicher Reproduktion basieren. Das Fehlen der Bachforelle ist in den meisten Fällen wohl eher auf ungünstige Umweltbedingungen zurückzuführen als auf eine mögliche Konkurrenz durch die Regenbogenforelle. Aus ökologischer Sicht verbleiben natürlich Bedenken, dass durch Regebogenforellenbesatz Krankheiten eingebracht werden, die auch auf die Bachforelle übertragen werden können. Dies gilt aber grundsätzlich für jeden Besatz.
Was wird der Klimawandel bewirken? Welche Bedeutung hat der Tiroler Inn für den Huchen? Kann er ein Habitat in Zeiten der Gewässererwärmung darstellen?
Schmutz: Der Klimawandel bewirkt im Wesentlichen eine Erwärmung der Gewässer und, wie bereits gesagt, eine Veränderung der Hydrologie. Die Temperaturerhöhung betrifft vor allem die Salmoniden. Eine Verschiebung der Fischregionen Richtung flussauf ist bereits in vielen Fließgewässern erkennbar, das heißt, aus Salmoniden- werden zunehmend Cyprinidengewässer. Die Augustmittelwerte der Wassertemperaturen haben sich in den ursprünglichen österreichischen Huchengewässern bereits um 1,6 °C erhöht. Der Inn zählt mit < 14 °C Augustmittelwert noch zu den kühlsten Huchengewässern in Österreich. Dadurch nimmt er zukünftig einen besonders hohen Stellenwert im Erhalt des Huchens ein. Während insbesondere die Unterläufe der letzten Huchengewässer zunehmend mit hohen Temperaturen zu kämpfen haben und regelmäßig Fischsterben in Hitzeperioden auftreten (z. B. Pielach, NÖ), wird der Inn auch bei einem weiteren Temperaturanstieg für den Huchen geeignet bleiben. Zudem weist der Inn die längste, noch ununterbrochene Fließstrecke (ca. 150 km) in Österreich auf, eine ideale Voraussetzung für die Ausbildung größerer Huchenpopulationen. Für ein Wiedererstarken des Huchens im Inn sind jedoch zuerst die genannten Sanierungen umzusetzen.
Kann es sein, dass wir wichtige Einflussfaktoren noch gar nicht im Blick haben, etwa ganzjährige Gewässertrübungen oder veränderte Temperaturverläufe durch abgearbeitetes Wasser aus alpinen Speicherseen?
Schmutz: Die Liste der möglichen Belastungsfaktoren, die wir zu betrachten haben, wird von Jahr zu Jahr länger. Dazu zählen auch Gewässertrübungen aus Speicherseen. Während die Auswirkungen von Stauraumspülungen wissenschaftlich vergleichsweise gut untersucht sind, gibt es zu permanenten Trübebelastungen kaum Untersuchungen. Hier kommt es weniger zu akuter Mortalität als zu chronischen Belastungen, die sich in verringertem Wachstum und Fitness von Fischen niederschlägt. Wie unsere Untersuchungen gezeigt haben, kann eine Abkühlung des Wassers um mehr als 2,0 °C die Abdrift von Fischlarven bei Schwall massiv erhöhen.
Wie werden sich die kleineren Bäche (Sill, Gschnitzbach etc.) entwickeln? In Tirol werden Baumaßnahmen nur im Winterhalbjahr genehmigt. Wie wirken sich dadurch bedingte Trübungen bei Niederwasser auf den abgelegten Forellenlaich aus?
Schmutz: Würde ich zwischen den Effekten von Stauraumspülungen und permanenter geringer Trübe einordnen und ist angesichts der bestehenden Belastungen ein nicht zu vernachlässigender zusätzlicher Faktor.
Politiker und Vertreter der Wasserkraft fordern unbeirrt weitere Kraftwerksanlagen an vielen Fließgewässern. Welcher weitere Ausbau kann noch begründet und verkraftet werden?
Schmutz: Das Wasserkraftpotenzial österreichischer Fließgewässer wird schon zu ca. 80 % genutzt. Ein weiterer Ausbau in bestehenden Fließstrecken ist mit dem Erhalt bedrohter Fischarten nicht vereinbar. Bei Wind und Photovoltaik liegt der Ausbaugrad noch unter 10 %, hier gibt es noch ein weit höheres, ökologisch verträgliches Potenzial.
Literatur:
Schmutz, S.; Jungwirth, M.; Ratschan, C.; vSiemens, M.; Guttmann, S.; Paintner, S.; Unfer, G.; Weiss, S.; Hanfland, S.; Schenekar, T.; Schubert, M.; Brunner, H.; Born, O.; Woschitz, G.; Gum, B.; Friedl, T.; Komposch, C.; Mühlbauer, M.; HonsigErlenburg, W.; Hackländer, K.; Haidvogl, G.; Eberstaller, J.; Friedrich, T.; Geist, J.; Gumpinger, C.; Graf, C.; Hofpointner, M.; Honsig-Erlenburg, G.; Latzer, D.; Pinter, K.; Rechberger, A.; Schähle, Z.; Schotzko, N.; Seliger, C.; Sutter, G.; Schröder, W.; Zauner, G.: Der Huchen stirbt aus – was tun? Gefährdungsfaktoren und notwendige Maßnahmen in Bayern und Österreich. Sonderheft Österreichs Fischerei (2023), herausgegeben vom Österreichischen Fischereiverband, Wien.



Ein sehr genauer Blick ins Wasser oder in den Mageninhalt eines frisch gefangenen Fisches verrät, was dieser zuletzt gefressen hat. Im Bildbeispiel eine besondere Steinfliegenart, die „Needle Fly“. Nach dieser Vorlage fertigt der tüftelnde Fliegenfischer daheim am Bindetisch jene Muster, die er beim nächsten Fischgang ans Ende seiner durchsichtigen dünnen Angelschnur bindet.
Dabei zeigt sich oft, dass die Fische ihre Nahrung offenbar mit ganz anderen Augen sehen. Man fragt sich dann manchmal nach einem erfolglosen Fischgang, wer hier eigentlich wen täuscht.
So still wie am Ufer eines Fischwassers ist es selten in unserer lauten und oft hektischen Welt. Nur die gleichförmigen Fließgeräusche des Wassers, das Knirschen der eigenen Schritte im losen Flussschotter, bisweilen der Ruf eines Vogels…
Dass schon ein kurzer Aufenthalt im Wald den Stressmarker Cortisol schnell und wirksam reduziert, ist wissenschaftlich belegt. Naturaufenthalte fördern die körperliche und mentale Gesundheit und lindern belastende Emotionen.
Radikal anders und noch archaisch ist die Zeit-Welt, die wir beim Fischen betreten. Nein, es geht hier nicht um Langeweile oder Geduldsproben. Schnellere Rhythmen wie Wellenschlag, Gehen oder das Schwingen der Fliegenrute geraten in den Hintergrund. Tages- Jahres- und Lebensablauf werden bewusster. Die frühe Dämmerung im trüben Spätherbst, der zunehmende Schatten vom sprießenden Laub, die mit den Lebensjahren wachsende Unsicherheit auf rutschigem Flussgrund.


Schwammerlsuchen, Beerenpflücken oder Fischen am Bergbach sind sich sehr ähnlich. So ungefähr wie Bergwandern mit einem zusätzlichen Motiv, vielleicht auch wie Fotografieren oder Malen.
In einem naturbelassenen Bach schwimmt in fast jedem Gumpen mindestens eine scheue Bachforelle. Eine oder zwei davon landen letztlich im Rucksack für ein gesundes und genussvolles Abendessen. Wer geschickt ist, zieht vor einem zu kleinen Fisch den Köder rechtzeitig weg, damit dieser den Angelhaken gar nicht spürt.
Wie diese Lebensgemeinschaft und vor allem die Fortpflanzung funktionieren, bleibt mancherorts ein Rätsel. Steile Abstürze machen einen Bach nämlich für Fische zu einer Einbahn nach unten. Lange, eisige Winter, wuchtige Hochwasser und ein geringes Nahrungsangebot sorgen für zusätzlichen Stress.




Fisch ist ein wertvolles Nahrungsmittel. Er enthält Eiweiß, Vitamine und Omega-3-Fettsäuren und weniger Fett als Fleisch. Außerdem lassen sich Fischgerichte mit vielfältigen und schmackhaften Gemüsesorten zubereiten. Ein Wildfisch aus einem unbelasteten Bergbach schmeckt deutlich besser als ein Zuchtfisch.
Dennoch lassen Fischer ihre gefangenen Fische oft wieder frei. Natürlich darf ein Fisch in der Schonzeit oder unter dem vorgeschriebenen Schonmaß keinesfalls entnommen werden. Größere Fische sind für die Produktion von Nachwuchs besonders wichtig. Es gilt also verantwortungsbewusst abzuwägen, ob die Beute in die Küche kommt oder zurück ins Wasser.
In Österreich überlässt der Gesetzgeber diese Entscheidung dem Fischer. In Deutschland normiert das Naturschutzgesetz, dass man Fische nicht ohne „vernünftigen Grund“ – also zum Verzehr – fangen darf, ähnlich ist die Regelung in der Schweiz.
„Man kann nicht zweimal in den gleichen Fluss steigen“, sagt der griechische Philosoph Heraklit und regt damit vielerlei Gedanken zu Wandel und Identität an.
Was aber, wenn das Wasser des Flusses in einen Kraftwerkskanal ausgeleitet ist? Wenn da nichts mehr fließt? Diese Errungenschaft der Neuzeit fordert nicht nur kluge Denker heraus. Sondern vor allem das Leben im Wasser, das auf das beständige Strömen eingestellt ist. Zum Beispiel mit Wanderbewegungen flussauf, wie dem Laichaufstieg von Fischen oder dem Kompensationsflug von Wasserinsekten vor der Eiablage.
Mehr als siebzigtausend Querbauwerke, wie Wehre, Dämme oder Geschiebesperren unterbrechen den natürlichen Lauf österreichischer Flüsse, durchschnittlich mehr als eines pro Kilometer. Im abgebildeten Beispiel wird an einer Lösung gearbeitet, die EU-Wasserrahmenrichtlinie schreibt eine Mindestdotation und eine Fischaufstiegshilfe vor.


Hundert Jahre lang hat man mit riesigem Mitteleinsatz versucht, aus dem wilden, verzweigten Inn eine Schifffahrtsrinne zu machen. Um die Mitte des 19. Jahrhunderts war das Projekt abgeschlossen, der ökologische Schaden angerichtet. Und alles umsonst. Was die Schiffe hätten transportieren sollen, übernahm die neu erfundene Eisenbahn.
Mit ähnlichem Aufwand hat man Bäche von der Mündung bis hoch in die Berge in Betonrinnen gezwängt. Über weite Strecken sind diese tristen Bachleichen heute teure Aufgaben für Rückbau und Renaturierung.

Renaturierung am Abfluss der Gaisau

Was ist in der Entwicklung von Menschen schief gegangen, die den Übergang zwischen Land und Wasser derart verstümmeln? Die Psychologie kennt vielleicht Antworten, frühkindliche Traumata oder Ähnliches. Oder ist es einfach technokratische Ahnungslosigkeit?
Für beide zusammen gehörenden Welten, über und unter Wasser, ist eine vielfältige Uferzone unverzichtbarer Lebensimpuls. Sie fördert die Artenvielfalt, bietet Nahrung, Brutplatz und Rückzugsraum für zahlreiche Lebewesen.
Dieses Bild stellt die Frage, was uns an Uniform, Gleichschritt und Ausschaltung des Individuellen fasziniert. Warum das Gruseln ausbleibt angesichts von monströsen Militärparaden, exakt geschnittenen Thujenhecken oder solchen Blockwurfufern.



Leben im Flachwasser: Eintagsfliegen, Köcherfliegen, Steinfliegen
Wird Wasser gestaut, setzen sich mitgeführte Sedimente am Grund ab. Diese Sedimente beeinträchtigen Betrieb und Staukapazität von Wasserkraftwerken an Flüssen und alpinen Speicherseen.
Man könnte Stauräume ausbaggern, um das Problem zu lösen. Oder die Ablagerungen in verträglichen Mengen natürlichen Hochwassern beimischen. Die billige und bequeme Lösung heißt leider auch hier: einfach den Bach hinunter! Solche Spülungen erweisen sich als mörderisch für das gesamte Leben in betroffenen Fließstrecken, oft weit über die Mündung in das nächstgrößere Gewässer hinaus.
Die Wirkung solcher Spülungen mit natürlichen Hochwassern zu vergleichen verhöhnt die Realität. Fische verenden wegen verklebter Kiemen, Sauerstoffmangel, mechanischer Schädigung. Noch lange nach der Spülung bleiben Laichplätze und Lebensräume verstopft und tot.

Genau so beginnt das beängstigende Trauerspiel um riesige Müllteppiche in den Ozeanen bis hin zum allgegenwärtigen Mikroplastik. Ein Picknick am Flussufer, der Müll bleibt liegen. Der Fluss behandelt ihn wie jedes andere Treibgut, er nimmt ihn mit, zerkleinert ihn und befördert ihn ins Meer.
Als Fischer fühlt man sich manchmal wie im Außendienst der Müllabfuhr. Wenn sich etwas so einfach mitnehmen lässt, trägt man es halt bis zum nächsten Mülleimer. Im großen Stil und bei schweren Brocken braucht es dafür die Teamarbeit im Rahmen jährlicher Uferreinigungen.
Was sich leider nicht entsorgen lässt, ist die unerklärliche Haltung von Leuten, die so etwas tun. Eigentlich gemein, dafür mit dem Schwein einen Tiernamen zu missbrauchen.




Stellvertretend für die Mitglieder der Fischereigesellschaft Innsbruck stellen wir drei Persönlichkeiten vor. Christian Bartenbach, kurz nach unserem Interview mit 96 Jahren unerwartet verstorben, war international als Erforscher des Lichts und als innovativer Unternehmer bekannt.
Neben seinem beruflichen Engagement füllte Fischen viele Stunden und Tage seines Lebens.
An der geliebten Goiserer Traun, im Meer vor La Palma oder ganz bescheiden am Obernberger Bach.
„Das Fliegenfischen am Inn bedeutet mir besonders viel – schon als 12Jähriger studierte ich die vorkommenden Insekten und entwickelte am Bindetisch erfolgreiche Nachbildungen.“

„Für mich ist Fischen weit mehr als nur ein Hobby – es ist eine Form der Meditation in der Natur. Meditation begleitet mich schon seit vielen Jahren, sie ist ein fester Bestandteil meines Alltags. Und genau deshalb fühlt sich das Fischen für mich so stimmig an. Das langsame Durchstreifen der Gewässer, das geduldige Eintauchen in die natürliche Umgebung, das bewusste Wahrnehmen von Wind, Wasser und Licht – all das schenkt mir eine tiefe, fast ursprüngliche Ruhe.
Gleichzeitig hat das Fischen auch etwas Spielerisches. Es erfordert Aufmerksamkeit, Feingefühl und manchmal auch ein bisschen Raffinesse. Man muss die Natur lesen können, kleine Hinweise deuten und mit Respekt und Klugheit handeln. Diese Mischung aus Achtsamkeit und Geschicklichkeit fasziniert mich.
Ich habe viele wertvolle Stunden mit meinem Vater am Wasser verbracht – wir haben gemeinsam geangelt, er hat mir gezeigt, wie man Fische zubereitet. Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich mit sechs Jahren zum ersten Mal einen Fisch ausgenommen habe – es war aufregend, lehrreich und prägend zugleich.“





„Unberührte Gewässer mit klarem Wasser finde ich besonders interessant. Das Fischen auf Sicht ist unschlagbar. Fast jede Fischart kann spannend sein. Hauptsache, sie ist nicht in einer Fischzucht großgezogen worden. Der faszinierendste Fisch ist der atlantische Lachs. Wie soll man einen Fisch fangen, der gar nicht fressen will?
Von den Revieren der Fischereigesellschaft mag ich besonders den Obernberger See. Dort habe ich nicht nur meine erste Forelle gefangen, sondern auch meine erste Kaulquappe und meine erste Pfrille.
Ich erwarte, dass unsere Gewässer durch Klimawandel und Wasserkraft immer stärker unter Druck kommen werden. Ich hoffe, dass sich die Natur als resilienter erweisen wird, als wir annehmen.“
Für jedes Fischereirevier ist an die Behörde mindestens ein Aufsichtsfischer als amtliches Kontrollorgan zu nennen. Dafür gelten mehrere Voraussetzungen wie ein eigener Ausbildungskurs mit Prüfung. Stefan Hackl ist schon lange im Aufsichtsteam unterwegs:
„Fischereiaufsicht ist für mich heute weniger die Kontrolle der Einhaltung von Gesetzen und Regeln bei Fischern und Fischerinnen, sondern vielmehr ein umfassendes Gewässermonitoring. Natürlich habe ich auch den einen oder anderen Schwarzfischer erwischt, aber mehr Sorgen bereiten mir die legalen Schädigungen des Fischbestandes z.B. durch Kraftwerke, Verbauungen und geschützte Fischräuber. So bin ich viel am Wasser, nicht nur fischend, sondern auch bei Fischbesatz, E-Befischungen, Vogelzählungen, Gewässerverbauungen, behördlichen Verfahren und nach Hochwasser. Ich dokumentiere Schäden durch fischfressende Vögel und Fischotter, Schwallbetrieb, Einleitung von Schadstoffen und beobachte Fischbestand und auch Insektenleben. Spannend!“

Albtraum der Fischereiaufsicht: Eingesammelte Kadaver nach einem Fischsterben




Neben Mitgliedern sind die Lizenznehmer eine weitere Personengruppe, die mit der Fischereigesellschaft Innsbruck oft über viele Jahre eng verbunden ist. Einer von ihnen ist die Skisprunglegende Toni Innauer.
„Fischen bedeutet für mich Abenteuer und Erholung zugleich, Ausstieg und Flucht aus einer übernutzten, verdichteten und versiegelten Umwelt in eine ursprünglichere Umgebung. Begegnung mit der Natur in mir und um mich herum in einer Jahrtausende alten und respektvollen Sprache.
Als Fliegenfischer bin ich nur an Fließgewässern unterwegs, schrecke auch vor schwierig zugänglichen Schluchten und ihren versteckten Geheimnissen nicht zurück. Die seltener werdenden Äschen mit Trockenfliegen zu befischen ist zur Leidenschaft geworden. Die rotgetupfte Bachforelle hat mich schon zur Volksschulzeit gebannt und geprägt.
Meine Erwartungen für Flüsse und Fischer oszillieren zwischen Hoffnungen und Befürchtungen. Immer schon war der Umgang und die Erhaltung möglichst naturbelassener Gewässer Gradmesser für Feinfühligkeit und kulturellen Entwicklungsstand einer Gesellschaft. Kurzfristige Begehrlichkeiten und Verständnis wie Verantwortlichkeit für große biologische Zusammenhänge werden sich weiter gegenüberstehen.“
„Bald werde ich denken wie ein Fisch“, sagt der von Brad Pitt dargestellte Paul Maclean im Fischerepos „Aus der Mitte entspringt ein Fluss“.
Diesen Wunsch haben viele Petrijünger. Fischen ist ein spannender Grenzgang entlang des Scheiterns empathischer Fähigkeiten. Mensch möchte wissen, wie Fisch tickt. Dabei verhalten sich Tiere ähnlich individuell wie Menschen, neueste Forschungen zeigen dies sogar bei Insekten.
Je näher wir dieser Erkenntnis kommen, umso klarer wird, dass sie zu kurz greift. Wenn globale Krisen Fischbestände auf der ganzen Welt bedrohen, wenn sogar Gewässer absterben, stellen sich größere Fragen.
Es geht nicht mehr darum, was der Fisch will, sondern was der Fluss braucht. Für sein vielfältig wirksames Fließen, für seine reiche Spende ans Leben. An den Ufern der Flüsse lässt sich vielleicht erahnen, was unsere Zukunft trägt. Mit oder ohne Angelrute.


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Innsbruck, 2026
Satz & Design
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Redaktion
Andreas Schiechtl, Barbara Haid, Luis Töchterle
Druck
Alpina Druck GmbH Haller Straße 121 A-6022 Innsbruck
Kontakt office@fischereigesellschaftinnsbruck.at
50 Jahre Fischereigesellschaft
Innsbruck, Eigenverlag 1926
100 Jahre Fischereigesellschaft Innsbruck, Eigenverlag 1976
125 Jahre Fischereigesellschaft Innsbruck, Eigenverlag 2001
Chronologisch:
Das Tiroler Fischereibuch
Maximilians I., Wolfgang Hohenleiter 1504, Reprint
Styria Verlag 1967
Das Ganze der Angelfischerei, Baron v. Ehrenkreutz, Halberstadt und Leipzig 15. Auflage 1894
− Die Forelle und ihr Fang, Arthur Schubart, Berlin 1908
Fischweid und Süßwasserleben, Albin Tung, Berlin 1911
− Siddhartha, Hermann Hesse, Frankfurt am Main 1922
Der Inn, Franz Gschnitzer, Innsbruck 1947
− A river runs through it, Norman Maclean, Chicago 1976
Der Fluß ist der Gedanke der Natur Flußlandschaft, Josef Pedarnig, Wien 2005
Flüsse in Österreich, Gregory Egger e.a., Innsbruck-Wien 2008
Weltgeschichte der Flüsse, Laurence C. Smith, München 2022 Sind Flüsse Lebewesen? Robert Macfarlane, München 2025 www.orf.at www.de.wikipedia.org
Umschlagbild: Bleistiftzeichnung
Anton Tiefenthaler, Privatbesitz
Seite 4: Martina Schiechtl
Seite 6: Land Tirol
Seite 7: Stadt Innsbruck, Österreichischer Fischereiverband
Vorsatz, Nachsatz, Seite 36: Stadtarchiv Innsbruck
Seiten 40, 61, 63: Christoph Walder
Seiten 41, 95: Tiroler
Fischereiverband
Seite 48: Christian Zus
Seite 50: Helmut Zaderer
Seite 51: Ewald Hochebner
− Seite 64: Monika Eder
Seiten 72, 73, 74, 77:
Stefan Schmutz
Seite 75: www.tirol.gv.at/ umwelt/wasserwirtschaft/ wasserkreislauf/hydro-online/
Seiten 80, 81: Walter Reisinger
Seite 99: Christian Bartenbach
− Seite 102: Björn Strießnig
Seiten 105, 106: Stefan Hackl alle anderen: Luis Töchterle
Dank für Text- und Bildmaterial gebührt den Mitgliedern Jörg Blaas und Albert Held





Wir ziehen Schnur von der Rolle.
Stark und zusammenhängend – die aufgerollte alte Angelschnur ist eine wunderbare Metapher für Geschichte. Langer Verschleiß und aufregende Zerreißproben haben Spuren hinterlassen: ausgefranste und aufgescheuerte Stellen, Verletzungen, Knoten und Schlingen.
Dieses Buch rollt die Geschichte von 150 Jahren Fischereigesellschaft Innsbruck aus. Es lädt gedanklich auch an heutige Ufer ein und fragt nach, in welche Zukunft unsere Flüsse strömen.