Spielzeit 25/26

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Spielzeit 25/26


07. – 21.03.
Ein Editorial zum feministischen Kampftag
Es ist März, der Monat des offiziell sogenannten »Frauentages«. Da machen Blumenläden und Pralinenhersteller direkt den nächsten Reibach nach dem Valentinstag. Nette Aufmerksamkeiten sind zwar ganz hübsch, aber mit gleichen Chancen für alle Geschlechter würde man uns eine größere Freude machen. Schauen wir einmal hinter die Türen, die das Theater für uns aufmacht, aber auch auf die Türschwellen und sonstiges Interieur, zum Beispiel Decken.
Die sogenannte »gläserne Decke« beschreibt eine nicht offen sichtbare, jedoch wirksame Schwelle, die FLINTA*1 den Zugang zu höchsten Führungspositionen erschwert. Dieses Phänomen zeigt sich in der Regel erst in höheren Phasen der beruflichen Laufbahn und hält sich durch verfestigte Rollenbilder, diskriminierende Strukturen und institutionelle Ungleichheiten. Die Metapher der »Glas«-Decke macht deutlich, dass diese Begrenzung kaum wahrnehmbar ist, ihre Konsequenzen für die berufliche Entwicklung aber spürbar sind – und faktisch, auch am Theater: Das zeigen die Zahlen.
Bei dem Vortanzen für das Tanzensemble 2026 am Staatstheater Braunschweig waren von 1821 Bewerber:innen 75 % weiblich, 22 % männlich und 3 % nicht-binär. Während Frauen in den Bewerbungszahlen der Ensembles dominieren, zeigt sich in den Führungsstrukturen der Theaterhäuser ein gegensätzliches Bild. Laut dem Global Leadership Report 2025 des Dance Data Project (DDP) beträgt der Anteil männlicher künstlerischer Leiter in internationalen Tanz- und Ballettkompanien rund 70 %, während nur etwa 30 % weiblich sind. Spezifisch für Europa nennt der Bericht 102 künstlerische Leiter:innen in der Sparte Tanz/Ballett, davon etwa 25,5 % Frauen und 74,5 % Männer.
Das deutsche Musikinformationszentrum (MIZ) stellte in einer Studie von 2020 fest: In den 129 öffentlich finanzierten Orchestern sind vier von zehn Pulten mit einer Frau besetzt. Auf Stimmführer- und Solopositionen hoch dotierter Orchester sind es nur halb so viele. Stimmführende und Konzertmeister-Stellen sowie alle anderen Blas- und Schlaginstrumente sind deutlich männlich dominiert. Wurden 2020 vier der 129 Klangkörper von einer Frau geleitet und dirigiert, ist es derzeit nur noch eines. Als Gastdirigentinnen oder Kapellmeisterinnen sind weitere Frauen beschäftigt, zum Glück, denn aktuell sind 40 % aller Studienplätze für Dirigieren weiblich besetzt.
Die Studie »Macht und Struktur im Theater« von Thomas Schmidt zeigte 2020, dass 75 % der Theaterhäuser von Männern geleitet werden, vornehmlich die großen, prestigiösen. 76 % der Stücke im Schauspiel werden von Männern geschrieben, 70 % von Männern inszeniert. Der Deutsche Kulturrat bestätigt das Ungleichgewicht bei Intendanzen auch 2025 noch. Und er konstatiert, dass sich der Gender Pay Gap – der Lohnunterschied zwischen Frauen und Männern in Theaterberufen – zwischen 2014 und 2025 nicht stark verändert hat. Positiv zu vermerken ist allerdings der hohe Anteil von weiblichen Schauspieldirektionen: Er liegt 2025 bei 47 %.
Die strukturellen Gründe dieser Ungleichheiten sind ziemlich gut erforscht. Über die Methoden der Überwindung wird gestritten. Aber klar ist: Es ist viel Arbeit. Die Frage, wie solche Strukturen überwunden werden können, stellt sich damit auch am Staatstheater Braunschweig. Ihr nachzugehen, ist Teil unserer institutionellen Verantwortung.
Ihre
Eva Bode, Ira Goldbecher und Johanna Schatke
1 FLINTA* beschreibt die Geschlechtervielfalt jenseits von cis-Männern: Frauen, inter-, nonbinären und trans Personen. Als Verbündete im Queerfeminismus rechnen sich Lesben und Asexuelle hinzu.
Umschlag: Tyll, Schauspiel
K:lebt!, JUNGES! Musiktheater Illustrationen von Samuel Weikopf
07.03. Das kunstseidene Mädchen 1931. 2026., GH & Marilyn Forever, Premiere, KH 08.03. Mother’s Earth, AQ 14.03. Antipatriarchales Wunschkonzert Vol. 5, KH
21.03. Prima Facie, AQ
*Internationaler Frauen*tag
Dies sind die bekannten vier musikalischen Tiere: Esel, Hund, Katze und Hahn. Sie brechen gemeinsam auf ins Ungewisse und kommen letztlich nie am Sehnsuchtsziel Bremen an.
Bereits entlang des Weges haben sie ihren Zufluchtsort gefunden. »Etwas Besseres als den Tod finden wir überall« scheint allerdings auch eine überaus starke Motivation zu sein, anzukommen. Eine spannende und anschlussfähige Geschichte, die sich leicht in die Menschenwelt übertragen ließe.
Viele Komponist:innen haben sich dieser berühmten Geschichte gewidmet, in fast alle Sprachen und Dialekte wurde sie übersetzt. Auch das Staatsorchester Braunschweig und die Braunschweiger Illustratorin und Künstlerin Meike Töpperwien nehmen sich ihrer an. In der Fassung für Sinfonieorchester vom jüngst verstorbenen Komponisten Gisbert Näther erklingen ganz selbstverständlich lautmalerische Tiersprachen neben wunderbar vertraut wirkenden Melodien. Sie beleben diese sonderbare Märchenwelt, in der es immer wieder heißt »Komm doch mit uns nach Bremen« – dabei ist Braunschweig doch längst erreicht.

Musikalische Leitung: Alexis Agrafiotis
Musik: Gisbert Näther
Text: nach dem Märchen der Brüder Grimm
Live-Illustration: Meike Töpperwien
Dramaturgie & Erzählerin: Johanna Schatke
Mit dem Staatsorchester Braunschweig
Premiere im Großen Haus am 01. März 2026, 11:00 Uhr, weitere Vorstellungen am 02. März 09:30 & 11:00 Uhr
↥ Bronzeplastik der Bremer Stadtmusikanten von Gerhard Marcks, 1953 am Westportal des Bremer Rathauses aufgestellt. Wenn man die Vorderbeine des Esels berührt, gehe ein Wunsch in Erfüllung … heißt es. Foto: Wikimedia
In Daniel Kehlmanns historischer Fiktion erlebt der berühmte Narr, anarchische Freigeist und Spaßmacher zugleich die Schrecken des Dreißigjährigen Krieges, ausgelöst durch Aberglauben und religiösen Fanatismus.
Daniel Kehlmanns Roman erschien im Jahre 2017. Fünf Jahre hatte sich Kehlmann mit der Figur des berühmten Narren beschäftigt und dessen Geschichte in eine Zeit verlegt, in der in Mitteleuropa einer der schlimmsten Kriege der Menschheitsgeschichte tobte. Sein Werdegang wird dabei nicht chronologisch erzählt; so erleben wir Tyll zunächst als gefeierten Artisten, Bauchredner, Seiltänzer und Komödianten, und erst danach erfahren wir, wie er den Weg dorthin eingeschlagen hat.
Kehlmann springt durch die Zeiten. Dabei gelingt es ihm auf bestechende Weise, historisch verbürgte Figuren mit dem Schicksal Tylls zu verknüpfen; seien es Friedrich V. von der Pfalz, »Winterkönig« genannt, der unfreiwillig den Dreißigjährigen Krieg durch die Übernahme der böhmischen Krone mit ausgelöst hatte, seine Frau Elizabeth, Enkelin von Elisabeth I. von England, der Weltgelehrte Athanasius Kircher und sein Lehrer Tesimond, der sich fanatisch für die Inquisition einsetzte, der Hofmathematikus Adam Olearius oder der Lyriker Paul Fleming, der als einer der ersten die deutsche Sprache als tauglich für Dichtung und Poesie erachtete.
In manchen Situationen steht Tyll im Mittelpunkt, in anderen dagegen wird er zum bloßen Beobachter und zynischen Kommentator der Verhältnisse. Im Prozess der Zivilisation, so hat es Kehlmann in einem Interview mit Deutschlandfunk Kultur erzählt, verkörpert die Figur des Narren das Widerständige, das Regelwidrige, das Unangepasst-Anarchische: »Mein Eulenspiegel ist (…) nicht bösartig, aber diese Dimension, dass er etwas Rätselhaftes hat, etwas Gefährliches, etwas, das nicht in die Gesellschaft passt, das wollte ich unbedingt erhalten.«
Markus Heinzelmann wird nach der gefeierten Inszenierung von »Biedermann und die Brandstifter« die Geschichte Tylls als großes Ensemblestück aus dem Blickwinkel einer Künstlernatur erzählen, die nicht nur die eigene Autonomie verteidigt, sondern auch die Freiheit und Unabhängigkeit der Kunst.
Regie: Markus Heinzelmann
Bühne & Video: Nicole Hoesli, Matthias Huser
Kostüme: Meentje Nielsen
Musik: Viktor Marek
Dramaturgie: Holger Schröder
Mit: Mariam Avaliani, Tobias Beyer, Klaus Meininger, Georg Mitterstieler, Saskia Petzold, Lea Sophie Salfeld, Mattias Schamberger, Ines Schiller, Saskia Taeger, Lina Witte
Premiere im Großen Haus am 13. März 2026, weitere Vorstellungen am 15., 18., 20. & 27. März und 12. (mit AD), 16., 18. & 25. April sowie 29. Mai
Einführungsmatinee am 01. März um 11:15 Uhr, Kleines Haus

Einer der beiden Patrone des Staatstheaters Braunschweig: Till Eulenspiegel in einer Keramik von Petra Förster, Foto: Peter Eberts
aus Hildesheim
Theater-Spektakel mit Till Eulenspiegel
Das theater für niedersachsen präsentiert im Stadttheater Hildesheim »Till Eulenspiegel« als Trilogie.
Samstag, 18.04., 19 Uhr
Premiere: In dem Tanzstück erkunden jugendliche Tänzer:innen ihre kreative Selbstbefreiung.
Sonntag, 19.04., 14 Uhr
Die spätromantische Oper von Emil Nikolaus von Reznicek begeistert mit fantastischer Musik.
Sonntag, 19.04., 19 Uhr
Das Schauspiel von Moritz Nikolaus Koch ist ein wilder Ritt durch die Epochen.
Begleitend gibt es ein vielfältiges Rahmenprogramm Infos und Karten: www.mein-theater.live

Karl Goldmark
Im Frühling op. 36
Johann Strauss (Sohn)
Frühlingsstimmen Walzer
Frédéric Chopin
Klavierkonzert Nr. 1 in e-Moll op. 11
Hector Berlioz
Symphonie fantastique op. 14
Im 7. Sinfoniekonzert läutet ein buntes Programm den Frühling ein.
Frédéric Chopins 1. Klavierkonzert, das er kurz vor seiner Übersiedelung nach Frankreich 1830 fertigstellte, ist bis heute eine Visitenkarte für Solist:innen weltweit. Der Komponist verlangt ihnen in diesem Werk einiges ab: ausschweifende Melodiebögen und koloraturartige Läufe, rasantes Tempo im dritten Satz oder gesangliche Schönheit im zweiten. Chopin verleiht dem Konzert eine unglaubliche stilistische Bandbreite von vorweggenommenen impressionistischen Klängen à la Debussy bis hin zu Anleihen aus dem italienischen Belcanto eines Vincenzo Bellini.
Mit seiner »Symphonie fantastique« wollte der junge Hector Berlioz nicht nur die ganze Welt von seinem Talent als Komponist überzeugen, er wollte zugleich der Schauspielerin Harriet Smithson seine große Liebe und Bewunderung beweisen. Insofern trägt diese, in wenigen Monaten des Jahres 1830 niedergeschriebene Sinfonie stark autobiographische Züge, die sich auch im ursprünglichen Titel des Werks widerspiegeln: »Episoden aus dem Leben eines Künstlers«. Die Symbiose aus Musik, Drama und Literatur findet sich in allen fünf Sätzen dieser Sinfonie wieder und verleiht der Komposition etwas Visionäres und Unbestimmtes. Auf das damalige Publikum wirkte diese Programmatik wie auch die Musik Berlioz’ wie der freie Sturz in das Chaos. Heute aber lieben und bewundern wir eben jene kaum greifbare Phantastik, die dieser Sinfonie innewohnt.
Musikalische Leitung: N.N.
Solistin: Olga Scheps (Klavier) Staatsorchester Braunschweig
Sonntag, 15. März 2026, 11:00 Uhr Montag, 16. März 2026, 20:00 Uhr Konzerteinführung 45 Minuten vor dem Konzert in der Hausbar im 3. Rang Staatstheater Braunschweig, Großes Haus
Andreas Ottensamer kehrt nach seinem fulminanten Hausdebüt in der letzten Spielzeit mit einem facettenreichen Programm von Mozart bis Bartók zurück nach Braunschweig.
Von spritziger Operette über elegante Sinfonik bis hin zu virtuoser Moderne: Im 8. Sinfoniekonzert präsentiert das Staatsorchester die gesamte Bandbreite österreichisch-ungarischer Musiktradition. Das Programm beginnt mit Johann Strauss’ mitreißender »Fledermaus«Ouvertüre, die schwungvolle Melodien, Wiener Walzer und die turbulente Lebensfreude der berühmten Operette im Saal versprüht. Seine 29. Sinfonie komponierte Mozart im zarten Alter von gerade einmal 18 Jahren – und dennoch ist sie ein Glanzstück der frühklassischen Sinfonik. Allseits bekannt ist das Thema des ersten Satzes, das mit graziler Leichtigkeit daherkommt. Über den gesanglichen zweiten Satz bis hin zum feurigen Finale gelang Mozart bereits als jungem Mann das gesamte Spektrum der Sinfonik. Den etwas irreführenden Titel »Konzert für Orchester« wählte Béla Bartók, weil in diesem Stück das Orchester selbst zum virtuosen Solisten wird. Bartóks einzigartige Stimmbehandlung lässt immer wieder einzelne Instrumente solistisch aus dem Orchester hervortreten und beschert dem Werk so seinen einzigartigen Farbenreichtum. Mit Einflüssen aus der Volksmusik und expressionistischen Passagen entwirft Bartók ein Klanggemälde mit unglaublich vielen Facetten –von düsterer Melancholie bis zu triumphierender Lebendigkeit.
Musikalische Leitung: Andreas Ottensamer Staatsorchester Braunschweig
Sonntag, 12. April 2026, 11:00 Uhr Montag, 13. April 2026, 20:00 Uhr Konzerteinführung 45 Minuten vor dem Konzert in der Hausbar im 3. Rang Staatstheater Braunschweig, Großes Haus

Johann Strauss (Sohn)
Ouvertüre zu »Die Fledermaus« Wolfgang Amadeus Mozart Sinfonie Nr. 29 in A-Dur KV 201 Béla Bartók Konzert für Orchester
Regisseur Jan Eßinger kehrt für die Neuproduktion von Vincenzo Bellinis Belcanto-Klassiker zurück ans Staatstheater Braunschweig.
Romeo und Julia: Die wohl bekannteste Liebesgeschichte der Welt wird in unzähligen Varianten in Oper, Ballett, Schauspiel oder Film erzählt. Auch einer der Meister des Belcanto, Vincenzo Bellini, erkannte, was in diesem Stoff steckt. 1830 erhielt er den Kompositionsauftrag für »I Capuleti e i Montecchi« und stellte die Oper in kurzer Zeit fertig. Zur Vorlage für das Libretto nahm Felice Romani aber nicht das berühmte Werk von William Shakespeare, sondern mehrere italienische Quellen, allen voran das Drama »Giulietta e Romeo« von Luigi Scevola.
Der tödliche Krieg ihrer Familien stellt die Liebe der Protagonist:innen auf die Probe: Als Romeo Julias Bruder im Kampf tötet, gerät diese zwischen die Fronten. Obwohl ihre Liebe für Romeo weiter anhält, zerren ihre Familienbande an ihr und sie trennt sich von ihm. Als ihr Vater eine Zwangsehe mit dem neuen Verbündeten Tebaldo plant, schmieden Romeo, Julias Arzt sowie Pater Lorenzo einen verzweifelten Plan, um sie zu retten – doch dieser endet in einer Tragödie. Bellini webt die großen Emotionen dieses Stoffes, von bedingungsloser Liebe bis zu tiefer Trauer, in seine Musik ein wie kein zweiter: Seine schier endlosen Melodiebögen ziehen sich wie Fäden durch den Abend, die Bellinis feine Belcanto-Technik eindrucksvoll zum Ausdruck bringen. Zudem treten durch die transparente Orchestrierung die emotionalen Nuancen seiner Charaktere in den Vordergrund.
Musikalische Leitung: Srba Dinić
Regie: Jan Eßinger
Bühne: Marc Weeger
Kostüme: Natascha Maraval
Dramaturgie: Björn Seela
Chor: Johanna Motter
Licht: Susanne Reinhardt
Mit: Sungjun Cho, Philipp Kapeller, Rainer Mesecke, Nina Solodovnikova, Milda Tubelytė sowie dem Chor des Staatstheaters Braunschweig und dem Staatsorchester Braunschweig
Premiere im Großen Haus am 19. April 2026, weitere Vorstellungen am 26. April sowie in den folgenden Monaten
Einführungsmatinee am 29. März um 11:15, Kleines Haus

Norma Jeane Mortenson starb mit nur 36 Jahren, Marilyn Monroe ist jedoch »unsterblich« geworden. Anlässlich ihres 100. Geburtstags widmet sich das Musiktheater mit »Marilyn Forever« dem Leben der Ikone.
»Hollywood ist ein Ort, an dem sie dir tausend Dollar für einen Kuss bezahlen und fünfzig Cent für deine Seele«, konstatierte Marilyn. Sie selbst hat bestens gewusst, wie das Show-Business funktioniert und welche Werte Konjunktur hatten – sie war nicht nur Filmstar und Model, sondern prägte das Schönheitsideal ihrer Zeit und galt universell als Sexsymbol. Mit nur 36 Jahren aber verstarb sie an einer Überdosis Beruhigungsmittel.
Bryars und seine Librettistin Marilyn Bowering nähern sich in ihrem revuehaften Musiktheater aus Sopranistin, Bariton, dreiköpfigem Männerchor und Kammerorchester mit Jazz-Trio den oft widersprüchlichen Fremd- und Selbstbildern einer Persönlichkeit, die lange zum Objekt gemacht und der die Rolle einer naiven Schönheit zugeschrieben worden ist.
Während die Grenzen zwischen öffentlicher und privater Person, zwischen Marilyn als Identität und Konstruktion immer wieder zu verschwimmen scheinen, flackern verschiedene Facetten des komplexen Seelenlebens einer Frau auf, ihre Gedanken und Gefühle zu Leben, Liebe, Tod und Ruhm.
Marie Gedicke legt in ihrer Inszenierung mit Veronika Schäfer in der Titelrolle den Fokus auf die Widersprüchlichkeit der Protagonistin und die Frage, was es bedeutet, in einer »Männerwelt« als Frau im Zentrum des öffentlichen Interesses zu (über)leben.
In jener Nacht vom 4. August 1962 beginnt die Oper des britischen Komponisten Gavin Bryars. Mit Marilyn schauen wir zurück auf ihr Leben: auf die Waise Norma Jeane, die junge Schauspielerin, die den (männlichen) Blicken ausgesetzt wird, ohne dabei als Darstellerin ernsthaft respektiert zu werden, und auf eine der meistfotografierten Frauen ihrer Zeit, die sich aber nie wirklich gesehen fühlte. 50 Cent für


Musikalische Leitung: Christine Strubel
Regie: Marie Gedicke
Bühne & Kostüme: Melanie Slabon
Dramaturgie: Sarah Grahneis
Mit: Zachariah N. Kariithi, Veronika Schäfer, Mitgliedern des Staatsorchesters Braunschweig, den Tritones (Lukas Eder, Leon Teichert, Maximilian Vogler & Jean Philipp Chey) & der Statisterie
Premiere im Kleinen Haus am 07. März 2026, weitere Vorstellungen am 11., 15. & 20. März sowie am 12., 18. & 30. April
Figurinen von Melanie Slabon

Wir werden mehr, weil wir stärker werden und Grenzen sich auflösen.
Das ist ein Wagnis, immer. Wir werden mehr, aber weil wir auch offener werden, erhöht sich unsere Verletzlichkeit.
Margarete Stokowski: »Untenrum Frei«
If you’re happy and you know it (niemand klatscht)
Unter der Leitung von Jörg Wesemüller und Alessandro Schiattarella erforschen die Performer:innen in Wort und Bewegung die Strukturen, mit denen wir Liebe begründen und wie wir unser binäres Denken in Frage stellen können. Gemeinsam mit dem Ensemble werden Beziehungsmuster hinterfragt, Rollenbilder umgeworfen und Verletzlichkeit erprobt.
bin ich allein?
team bzw. wer seid ihr?
Romantische Liebe steht im Fokus unserer Gesellschaft: Kitschige Liebeslieder von Boybands, Tik Tok-Trends mit Pärchen an Traumstränden, Serien und Romane drehen sich um das Finden des »perfect match«. Auf der Suche nach Liebe werden Konventionen, Verhaltensweisen und binäre Stereotypen festgeschrieben, die wir in Beziehungen und in unserer Gesellschaft einnehmen. Wie können wir uns davon lösen und herausfinden, was Liebe für jeden einzelnen und in Verbindung mit anderen bedeutet? Und dies nicht nur in Bezug zu romantischen Beziehungen. Auch Freund:innenschaften können romantisch sein und bilden Netzwerke, um sich gegenseitig Unterstützung zu geben. Denn Liebe ist für das Leben in unserer krisenbehafteten Zeit unersetzlich. Nur sie vermag die Kraft zu entwickeln, das eigene Ich zu verlassen, um ein Wir zu sein. Wie kann es uns gelingen, durch sie den Mut aufzubringen, Zärtlichkeit und Verletzlichkeit zuzulassen?
Von: Fayer Koch, ab 14 Jahren
Regie: Jörg Wesemüller
Choreografie: Alessandro Schiatarella
Bühne & Kostüme: Jasna Bošnjak
Musik: Eugenio Fabiani
Dramaturgie: Miriam Beike, Judith Sünderhauf
Mit: Roman Konieczny, Mars Löffler, Isabella Fakhimi Roth, Ellen Walther
Premiere am 07. März in der Hausbar (Großes Haus), weitere Vorstellungen am 10., 11., 12 & 13. März
Rebekka David und ihr Team begeben sich auf eine lustvolle Suche nach den Spielformen der Angst und entwickeln gemeinsam mit dem Ensemble ein Stück. Sie tauchen dabei in die Welt des Autors und Versicherungsangestellten Franz Kafkas ein, der in vielen seiner Texte untergründige Beklemmungen spürbar macht.
»Wenn man in der Nacht durch eine Gasse spazieren geht, und ein Mann uns entgegenläuft, von weitem schon sichtbar« Ich kriege Angst.
» – denn die Gasse vor uns steigt an und es ist Vollmond – « Ich kriege Angst, Franz! Vollmond? Was denn noch? Ein Werwolf?
»so werden wir ihn nicht anpacken, selbst wenn er schwach und zerlumpt ist, selbst wenn jemand hinter ihm läuft und schreit« JETZT WIRKLICH EIN WERWOLF?!
»sondern wir werden ihn weiter laufen lassen.« Jemand läuft hinter ihm und schreit. Na klar. Also ich würde ihn nicht nur weiter laufen lassen, sondern halt abhauen oder mich einpinkeln. Ein Mann nachts auf einsamem Weg reicht mir schon. Das verstehst du doch?
»Denn es ist Nacht, und wir können nicht dafür, dass die Gasse im Vollmond vor uns aufsteigt« Na bitte.
»und überdies, vielleicht haben die zwei die Hetze zu ihrer Unterhaltung veranstaltet, vielleicht verfolgen beide einen dritten«
EINEN DRITTEN?
»vielleicht wird der erste unschuldig verfolgt, vielleicht will der zweite morden, und wir würden Mitschuldige des Mordes« Mein lieber Herr Kafka. Warum kannst du nicht mal eine herzerwärmende Gutenachtgeschichte schreiben, …?
»vielleicht wissen die zwei nichts voneinander, und es läuft nur jeder auf eigene Verantwortung in sein Bett, vielleicht sind es Nachtwandler, vielleicht hat der erste Waffen.«
... eine ohne Männer mit Waffen?
»Und endlich, dürfen wir nicht müde sein, haben wir nicht so viel Wein getrunken? Wir sind froh, dass wir auch den zweiten nicht mehr sehn.« Genau!
Und achso, obwohl… der schwache, zerlumpte, da hätte ich doch nochmal eine Nachfrage. Hätte er… hätte er meine Hilfe gebraucht?
Text: Franz Kafka, Rebekka David & Ensemble Regie: Rebekka David
Bühne: Jana Wassong
Kostüme: Florian Kiehl
Musik: Alexander Zwick
Dramaturgie: Eva Bode
Mit: Gertrud Kohl, Amy Lombardi, Ivan Marković, Ana Yoffe, Cedric Ziouech
Premiere im Kleinen Haus am 27. März 2026, weitere Vorstellungen am 29. März, 08. & 17. April sowie in den folgenden Monaten
Einführungsmatinee am 15. März um 11:15 Uhr
ANGST. Ein neuronales Spektakel featuring Amygdala, Thalamus, Hippocampus und weitere Hirnregionen, Grafik: The Digital Artist




Kleben. Zusammenschließen. Nachhaltige Verbindungen eingehen. In Zeiten gesellschaftlicher Zerreißproben, die Isolation und Konkurrenz fördern, entwirft Alex Paxtons Musiktheater ein magisches Zukunftsbild – erzählt aus der Perspektive einer jungen Generation, die an Zusammenhalt glaubt.
Ein paar geheime Zutaten, einige magische Formeln und die außerordentliche Sorgfalt fleißiger Alchemist:innen sind der Schlüssel zu einem Superkleber, der die Gesellschaft zusammenhält. Wenn da nicht der Alltagstrott dazwischenkäme! Doch nur wer lernt, sich für die wirklich wichtigen Dinge im Leben Zeit zu nehmen, beginnt, die Welt mit anderen Augen zu sehen – bunter, offener, leichter. Und lernt schließlich zu fliegen.

»K:lebt!« verhandelt die Bedingungen für gesellschaftlichen Zusammenhalt und fragt danach, was Menschen verbindet – heute und in Zukunft. Für die Produktion arbeitet das Regieteam mit dem Wilhelm Klauditz Institut (WKI) des Fraunhofer-Instituts für Holzforschung zusammen, das seit über 20 Jahren zu Klebstoffen auf Basis nachwachsender Rohstoffe forscht, wie z. B. auf Basis einer Substanz, die aus einer bestimmten Fliegenart gewonnen wird. Was auf der Bühne als Metapher erscheint, findet hier eine reale Entsprechung: die Suche nach nachhaltigen Verbindungen, die Bestand haben. Das gemeinsame Ziel, das Leben der Menschheit in Einklang mit allen Organismen dieses Planeten zu bringen, prägt sowohl die wissenschaftliche Forschung als auch die künstlerische Auseinandersetzung mit dem Thema. Die Produktion wird gefördert durch das Programm »Zero –Klimaneutrale Kunst- und Kulturprojekte der Kulturstiftung des Bundes«.
Der britische Komponist und Posaunist Alex Paxton gehört zu den prägnantesten Stimmen der jüngeren Musikszene und ist für seine lebendige, assoziationsreiche Klangsprache vielfach ausgezeichnet worden. Über mehrere Jahre unterrichtete er als Musiklehrer Klassen mit rund 30 Kindern im Alter von vier bis elf Jahren – eine Erfahrung, die er als prägend für seine Arbeit beschreibt. Besonders deutlich wird diese Nähe in den spielerisch-absurden und humorvollen Songtexten, die in Zusammenarbeit mit der Regisseurin Sofia Simitzis »K:lebt!« zu einer vielschichtigen musiktheatralischen Collage werden lässt.
Musikalische Leitung: Christine Strubel
Chorleitung: Burkhard Bauche
Regie: Sofia Simitzis
Bühne & Kostüme: Eva Lochner
Einstudierung Chor: Lukas Lattau, Gudrun Samson, Burkhard Bauche
Einstudierung Kinderorchester: Charlotte von Garssen, Christiane Tiemann, Stefan Schmicker, Karle Bardowicks
Dramaturgie: Vanessa Zuber
Produktionsleitung: Iris Kleinschmidt
Mit: Zachariah N. Kariithi, Matthew Peña und Veronika Schäfer sowie dem Kinderchor der Edith-Stein-Grundschule (gesamte Klassenstufen 3 & 4), dem Projektorchester der städtischen Musikschule Braunschweig und dem Staatsorchester Braunschweig
Premiere im Kleinen Haus am 24. April 2026, weitere Vorstellungen am 25. & 27. April
Daniele Szeredy seziert im medialen Dauerrauschen die Psychologie eines neuen »Hamlets«. Eine Performance zu Widerstand und Gewalt angesichts von Rechtsruck und demokratischer Ermattung.

Ein junger Mann allein in einem Raum. Ist es ein Podcast-Studio? Er liest, er checkt Nachrichten, er nimmt alles auf, was medial zu ihm dringt. Um ihn herum entsteht ein überbordendes Archiv aus Spuren einer gewaltvollen Politik, einer in den Faschismus driftenden Gesellschaft. Der junge Mann sammelt und ordnet. Ohne soziale Interaktion. Schritt für Schritt wächst der Widerstand in ihm, die Gewaltbereitschaft. Er ist nicht Hamlet. Aber wie Shakespeares Hamlet in seinem berühmten Monolog quält ihn die Frage,
»Obs edler im Gemüt, die Pfeil und Schleudern / Des wütenden Geschicks erdulden oder, / Sich waffnend gegen eine See von Plagen, / Durch Widerstand sie enden?«
Und auch wenn wir wissen, dass Hamlets Zögern zu einem tragischen Super-GAU führte – kann Gewalt jemals Gegengewalt rechtfertigen?
Daniele Szeredy entwickelt die Psychologie seines Protagonisten analog zu Shakespeares Hamlet. Er beschäftigt sich unter Verwendung von O-Tönen, Interviews und Schnipseln aus den sozialen Netzen mit populistischer Hetze und der Ohnmacht des Einzelnen angesichts der Verführbarkeit vieler. Sein »Hamlet« spricht nicht mehr, wir sehen einen Performer verstummen im medialen Wörtermeer. Szeredy verbindet in seinen recherchebasierten Inszenierungen aktuelle, politische Fragestellungen mit der Sinnlichkeit des Theaters, die selbst hochproblematische Themen greif- und diskutierbar macht.
Regie: Daniele Szeredy
Ausstattung: Maria de Oro
Video: Davide di Lorenzo
Raum: Wolf Gutjahr
Dramaturgie: Ursula Thinnes
Mit: Valentin Fruntke
Premiere im Aquarium am 20. März 2026, weitere Vorstellungen am 28. März sowie am 18. April & 22. April (Schulvorstellung, 10:00 Uhr)
Die Inszenierung ist auch zugänglich für Menschen mit geringen Deutschkenntnissen
Valentin Fruntke studierte Schauspiel an der Filmuniversität Konrad Wolf in Babelsberg und an der Zürcher Hochschule der Künste. Seit 2021 ist er festes Ensemblemitglied am Staatstheater Braunschweig. Mit Daniele Szeredy arbeitete er bereits bei dessen mehrteiligem Projekt »Den Aufstand proben. Handbuch einer Hausbesetzung« im Aquarium
Foto: Volker Conradus
11:15 S Einführungsmatinee zu »Zeit für Monster«
So 01 11:00 J! K Die Bremer Stadtmusikanten GH
11:15 S Einführungsmatinee zu »Tyll« KH
18:00 M Peter Grimes, E*1 GH
18:00 E Geldvorstellung – ein Schöpfungsakt mit VOLL:MILCH AQ
19:30 T Styx, E*2 KH
Mo 02 09:30 & 11:00 J! K Die Bremer Stadtmusikanten GH
Mi 04 18:45 J! Achtung Durchlauf! zu »Marilyn Forever«, A*1 KH
18:30 E BuchClub »Marilyn«, A*3 5kW
19:30 S brand AQ
Do 05 18:15 J! S T Achtung Durchlauf! zu Im Namen der Liebe, A*1 HB
Fr 06
19:30 M Peter Grimes, E*1 GH
19:30 S Tag der Ansteckung, E*2 KH
Sa 07 15:00 E Öffentliche Führung GH
16:00 J! S T Im Namen der Liebe (UA) HB
19:30 S Das kunstseidene Mädchen. 1931. 2026., E*2 GH
19:30 M Marilyn Forever KH
So 08 11:00 O 4. Kammerkonzert LSS
11:00 O Elbphilharmonie Hamburg EH
19:30 S Babettes Fest KH
20:00 E Bodo Wartke »Wunderpunkt« GH
20:00 S Mother’s Earth, N* mit »pro familia« AQ
Di 10 10:00 & 12:00 J! S T Im Namen der Liebe
19:00 E Theaterkreis
Mi 11 11:00 J! S T Im Namen der Liebe
18:45 J! Achtung Durchlauf! zu »Tyll«, A*1 GH
19:30 M Marilyn Forever, E*2 KH
Do 12 10:00 & 12:00 J! S T Im Namen der Liebe HB
19:30 T Styx, E*2
20:00 S Who Wants to Live Forever AQ Fr 13 10:00 & 12:00 J! S T Im Namen der Liebe
19:30 S Tyll GH
Sa 14 19:30 S Das kunstseidene Mädchen. 1931. 2026.
Sinfoniekonzert, E*1
19:30 S Tyll
19:30 M Marilyn Forever, E*2
20:00 S Turbovolk3000, E*2 Jugoslawien. Nation und Nostalgie
Mo 16 20:00 O 7. Sinfoniekonzert, E*1
Mi 18 19:15 J! Achtung Durchlauf! zu »hamlet. the rest is silence.«, A*1
19:00 O Juleumskonzert
19:30 S Tyll, E*2
19 19:30 M Peter Grimes, E*1
20
S Tag der Ansteckung, E*2
S Prima Facie, N* mit »sichtbar e. V.«
So 22 14:30 M Peter Grimes, AD*, E*1, E*3 mit AD*
15:00 T Tanzworkshop für alle zu »Styx«, A*2
T Styx, E*2
S Solaris, E*2 & N*
25 18:45 J! Achtung Durchlauf! zu »Zeit für Monster«, A*1
E Wagner und die Homosexualität
20:00 O Gastkonzert Wolfsburg WOB
26 19:00 J! JUNGES! späti #8
S Zeit für Monster (UA)
28 19:30 M Die Fledermaus (ZLM), E*1
T Styx, E*2
S hamlet. the rest is silence. AQ So 29 11:15 M Einführungsmatinee zu »I Capuleti e I Montecchi« (Romeo und Julia)
18:00 M Peter Grimes, E*1
18:00 S Zeit für Monster
AQ Aquarium
EH Elbphilharmonie Hamburg
GH Großes Haus
HB Hausbar, Großes Haus
HE Helmstedt
KH Kleines Haus
LSS Louis-Spohr-Saal
Mi 08 17:45
TF Theater Fadenschein
TiP Tanzsaal im Park
WOB Wolfsburg
UA Urauffühung
WA Wiederaufnahme
ZLM Zum letzten Mal
J! S Achtung Durchlauf! zu »(Keine) Märchen!«, A*1 KH
19:30 S Zeit für Monster KH
Do 09 19:30 S Tag der Ansteckung, N* mit Dr. Britta Wittner und Derk Trei KH
Fr 10 18:00 J! S (Keine) Märchen! (UA) AQ
19:30 S Babettes Fest KH
Sa 11 15:00 E Öffentliche Führung GH
19:30 T Styx, E*2 KH
20:00 E Meisterkonzert GH
20:00 S Solaris AQ
So 12 11:00 O 8. Sinfoniekonzert, E*1 GH
19:30 S Tyll, E*3 mit AD* GH 19:30 M Marilyn Forever KH
20:00 S Turbovolk3000 AQ
Mo 13 20:00 O 8. Sinfoniekonzert, E*1 GH
Di 14 19:00 E Theaterkreis HB
19:00 E Performativer Schwimmraum AQ
Mi 15 10:00 J! S Der Bär, der nicht da war TF
17:45 J! M Achtung Durchlauf! zu »I Capuleti e i Montecchi«, A*1 GH
20:00 E Verwandlung AQ
Do 16 10:00 J! S Der Bär, der nicht da war TF
19:30 S Tyll, E*2 GH
20:00 E Verwandlung AQ
Fr 17 10:00 J! S Der Bär, der nicht da war TF
19:30 S Zeit für Monster, E*2 KH
Sa 18 15:00 J! S Der Bär, der nicht da war TF
19:30 S Tyll GH
19:30 M Marilyn Forever, E*2 KH
20:00 S hamlet. the rest is silence. AQ
So 19 11:00 J! S Der Bär, der nicht da war TF 11:00 O 5. Kammerkonzert LSS
18:00 M I Capuleti e i Montecchi (Romeo und Julia), E*1 GH
19:30 T Styx, E*2 KH
Mi 22 10:00 S hamlet. the rest is silence. (Schulvorstellung mit N*) AQ
20:00 S Materialpfürung AQ
Do 23 20:00 S brand, E*2 AQ
Fr 24 11:00 J! S (Keine) Märchen! AQ
18:00 J! M K:lebt (UA) KH
Sa 25 11:00 T Saturday Sneak Peak zu »Triple Impact« HB
A*1 Anmeldung: junges@ staatstheater-braunschweig.de
A*2 Anmeldung: brigitteuray@ staatstheater-braunschweig.de
A*3 Anmeldung: aktion@ staatstheater-braunschweig.de
AD* mit Audiodeskription Anmeldung: barrierefrei@ staatstheater-braunschweig.de
E*1 Einführung 45 min vor Beginn
E*2 Einführung 30 min vor Beginn
11:00 J! M K:lebt KH 18:00 J! S (Keine) Märchen! AQ 19:30 S Tyll GH
So 26 11:30 J! JUNGES! späti #9 AQ 14:30 M I Capuleti e i Montecchi (Romeo und Julia), E*1 GH 16:00 J! S (Keine) Märchen! AQ
Mo 27 10:00 & 18:00 J! M K:lebt KH
Mi 29 18:30 J!T Achtung Durchlauf! zu »Triple Impact«, A*2 GH
19:30 S Babettes Fest (ZLM) KH 20:00 S Turbovolk3000 AQ
Do 30 19:30 M Marilyn Forever KH 20:00 S Solaris, E*2 AQ
E*3 Einführung 60 min vor Beginn N* Nachgespräch Wieder

Was ist wohl hinter den Türen …(IV)?
Manchmal ist der Reiz zu groß, die Neugier (oder die gute alte Gier). Und dann fahren die Naseweise nach Gelsenkirchen, bloß weil sie wissen wollen, was hinter den 3000 Türen und Klappen im Keller der Sparkasse ist. Bestimmt hatte den Naseweisen keiner verraten, was hinter den vielen Türchen herumliegt. Einerseits ist es wie beim Adventskalender: In der Überraschung liegt der Reiz. Zum anderen sprechen die Menschen, zumal die deutschen Menschen und sogar die Redseligen zwischen Rhein und Ruhr ungern über Geld. Eigentlich reden sie gar nicht über Geld. Oder über dessen Äquivalente wie Wertpapier und Gold und Krypto. Jetzt sind die Naseweise den ganzen Weg nach Gelsenkirchen und wissen immer noch nicht, was hinter den Türchen…
Wie groß kann die Neugier sein? Dann hilft nur eines: Nachschauen schafft Wissen und Information. Denn mit freiherziger Auskunft ist ja nicht zu rechnen. Investigativ oder schlicht neugierig, jedenfalls robust ist das Vorgehen, mit dem Kopf durch die Keller-Wand und ran an die Infos hinter den Klappen. Gut, dass solches Datensammeln im Grundsatz unerlaubt ist, dafür sorgt die DSGVO, sonst wär‘s an der Tagesordnung, und in allen Kellern zöge es wie Hechtsuppe. Verwunderlich, ja rätselhaft bleibt, warum die Forschenden den Bestand hinter den Türen nach Bestandsaufnahme mitgenommen haben. Der gehört denen doch gar nicht. Wahrscheinlich wollten sie einfach aufräumen, nicht dass es wieder heißt… Um die Satire kurz einzunorden: Raub ist böse, das Ersparte wichtig, die Opfer sind zu beklagen. Richtig ist auch: Die allgemeine und hinlänglich durchschnittliche Theaterdienstleister:in ist öffentlicher Dienst und wird in den kunstnäheren Abteilungen nach Normalvertrag NV Bühne/Solo entlohnt – und braucht infolge dessen kein Schließfach. Und die Zeiten, die sich für ungesetzliche Einstiege besonders eignen, nämlich abends und am Wochenende, sind für diese Leute (also für uns) 1a Arbeitszeiten. Neugierig sind wir auch, aber wenn Sie sich in unsere Sphäre begeben, vorzugsweise ins Aquarium, beispielsweise durch legalen Ticketerwerb, dann sind Sie in besten Händen bei den notgedrungen gesetzestreuen Naseweisen.
Christoph Diem und Leon Bornemann
VOLL:MILCH Geldvorstellung –ein Schöpfungsakt (Gastspiel) 01.03.
brand 04.03., 23.04.
Mother’s Earth 08.03. zum feministischen Kampftag mit »pro familia«
Who Wants to Live Forever 12.03.
Turbovolk3000 15.03., 12. & 29.04. (15.03. mit Einführung, 19:30, Aquarium: Jugoslawien. Nation und Nostalgie / Rückblick auf die Proteste in Belgrad)
Prima Facie 21.03.
zum feministischen Kampftag mit »sichtbar e.V.«
Solaris 22.03., 11. & 30.04.
Performativer Schwimmraum 14.04.
Verwandlung (Gastspiel) 15. & 16.04.
Materialprüfung 22.04.


Aufruhr im Märchenwald. Auf den ersten Blick sehen wir die Märchen wie wir sie kennen: Rotkäppchen und der Wolf, die Prinzessinnen aus »Die zertanzten Schuhe«, Rapunzel in ihrem Turm. Doch Stück für Stück verschieben sich die Geschichten, die Figuren lehnen sich auf und die Ereignisse beginnen sich aus ihren bekannten Mustern zu lösen: Die Prinzessinnen planen eine Revolte, Rapunzel lässt ihr Haar für niemanden mehr herunter und der Wolf schließt Freundschaft mit der Großmutter.
Die Grimm’schen Märchen oder die Sammlung »Kinder- und Hausmärchen«, die von Jacob und Wilhelm Grimm von 1812 bis 1858 gesammelt und herausgegeben wurden, geistern nach wie vor in unserem Gedächtnis. Wenngleich man sie vielleicht nicht mehr flächendeckend als Gutenachtgeschichte vorliest, so wird man spätestens in der Schule mit ihnen bekannt gemacht. Ursprünglich nicht für Kinder- und Jugendliche gedacht, lag das Interesse der Grimms eher darin, eine Sammlung aller im deutschsprachigen Raum existierenden Volksmärchen anzulegen. Sie scheinen eine Zusammenfassung der damals existierenden Moral- und Wertvorstellungen zu sein.
Der Jugendklub Schauspiel beschäftigt sich diese Spielzeit mit den Märchen, die wir uns immer noch erzählen und nimmt sie genauer unter die Lupe. Mit frischer Perspektive fragen sich die Jugendlichen: Wer hat die Macht in diesen Märchen? Welche Rollenbilder bewahren die Erzählungen um Prinz, Prinzessin und böser Stiefmutter? Und was genau bedeutet eigentlich ein »Happy End« einer Geschichte?
Es war einmal. Unbekanntes Land. Die Märchen, die wir kennen sind Abschreckungsparabeln. Sie sagen uns: Oh oh oh
Was wohl hinter der nächsten Ecke lauert!
Ein Biest, ein Monster, ein Wolf.
Mit Motiven der Gebrüder Grimm und anderen, ab 13 Jahren
Leitung & Regie: Merlin Mölders Regieassistenz: Jule Reinhardt Dramaturgie: Judith Sünderhauf
Mit: Romy Freiberg, Charlie Könnecke, Melissa Kreihe, Letizia Kulaszewska, Valeria Luft, Corey Lemburg, Malcom Ogbaegbe, Helen Prescher, Marika Rand, Johanna Rand, Carolina Simon, Martha Weyde, Jule Zukowski, Ella Zwafelink
Premiere im Aquarium am 10. April 2026, weitere Vorstellungen am 24., 25. & 26. April

Kuratiert vom Team JUNGES! Staatstheater
Das JUNGE! späti als Treffpunkt (wie am Späti eben) für alle, die Theater partizipativ als offenen Raum in verschiedensten Formen erleben wollen! Ganz nach dem Spielzeitmotto eröffnet das JUNGE! Späti verschiedenste Türen des Lebens, hinter denen alles dabei ist, was das Herz begehrt.
#08: Escape-Room im Staatstheater
26. März, 19:00, Hausbar, Großes Haus
Verloren im Theater, die Türen sind zu, die Pforte nicht besetzt. Das Haus hat uns verschluckt und lässt uns nicht mehr frei. Nur gemeinsam können wir es schaffen, diesen Fluren zu entkommen. Der Ausweg? Rätseln, kombinieren, suchen und finden: ein Escape-Game im Theater!
#09: Märchen-Brunch
26. April, 11:30 Uhr, Aquarium
Zwischen dem Lichter-Blätter-Wald, schimmernd im Feenstaub liegt ein Picknickkorb. Hat ihn Rotkäppchen dort vergessen oder liegt doch noch etwas Lebkuchen von Hänsel und Gretel darin?
Die Tür des spätis geht auf mit einem »Es war einmal …« und lädt zu einem interaktiven Brunch im Märchenwald ein. Bringt eure verzauberten Äpfel, verzuckerten Brote, Tischlein und Decklein mit. Denn wie am Späti ist auch im Märchenwald alles möglich.


Musiktheater 21. & 28.03. (zum letzten Mal), Großes Haus
In Johann Strauss’ dritter Operette »Die Fledermaus« – für viele die Operette schlechthin – entspinnt sich aus den Plänen des Dr. Falke ein rasantes Verwechslungsspiel voll beißender Ironie, schwelgerischem Walzer und rauschender Feste. Die rund 120 Melodien der Operette sind weltbekannt, denn: »Glücklich ist, wer vergisst, was doch nicht zu ändern ist.«
»Braunschweigs Erster Kapellmeister Alexander Sinan Binder sorgte mit souveränem Dirigat von Anfang an neben dem auch nötigen Sentiment für flotte, vorwärts drängende Tempi.«
Gerhard Eckels, Der Opernfreund, 08. 12.2025
Foto: Thomas M. Jauk ↤
Schauspiel Eine theatrale Radioshow, 15.03., 12. & 29.04., Aquarium
Nach dem Zweiten Weltkrieg versucht der neu gegründete Mehrvölkerstaat Jugoslawien, eine gemeinsame Identität zu schaffen. Dafür wird ein gesamtjugoslawischer Sound propagiert. Als der Staat zerfällt, bleibt ein hybrides musikalisches Phänomen: Turbofolk – ein Mix aus Volksmusik, Techno, Pop, Rock, Trance und orientalischem Einfluss, der Soundtrack zu Aufstieg und Zerfall einer sozialistischen Utopie. Turbovolk3000 widmet sich diesem Musikgenre. Ivan Marković führt durch einen Abend voller Kitsch, Nostalgie, Genuss und Exzess. Der Auftrag: die Gründung eines neuen Volkes – das Turbovolk.
»Im rasanten Tempo der Lieder und der Moderation von Ivan Marković wird man unweigerlich mitgerissen, …« Abendzeitung München, zur Uraufführung 2021/22
Ursprünglich eine Produktion von HochX München, gefördert im Rahmen der Debütförderung 2021 der Landeshauptstadt München, mit freundlicher Unterstützung durch das Kulturreferat der Landeshauptstadt München und die Richard Stury Stiftung.
Tanztheater 01., 12., 22. & 28.03. sowie 11. & 19.04, Kleines Haus
Die australische Choreografin Melanie Lane erforscht gemeinsam mit den Tänzer:innen die mythische Schwelle zwischen Leben und Tod. In der antiken Sage markiert der Styx diese Grenze – ein Übergang, den nur jene überschreiten dürfen, die den nötigen Obolus besitzen. Doch jenseits der rastlosen Seelen und den unheilvollen Kräften des Wassers interessiert Lane vor allem, was zwischen den Welten liegt: jene Räume, in denen sich Identitäten lösen, Körper sich verwandeln und Gewissheiten ins Fließen geraten.
»Choreographin Melanie Lane, Bühnenbildnerin Katharina Andes, Kostümschöpfer Don Aretino und Muyao Zhang sowie Komponistin Yamila Ríos haben ein kostbar schillerndes Gesamtkunstwerk entworfen, das nicht dem Todesschrecken sondern der Metamorphose gewidmet ist. Von Verwesung keine Spur, dafür Erlösung in Schönheit. Wie es den Seelen gebührt.«
Andreas Berger, Braunschweiger Zeitung, 09.02.2026
Abb.: Miriam Kaya, Lucas Roque Machado, Filipa Amorim, Nao Tokuhashi
Foto: Lioba Schöneck ↤


Schauspiel 04.03. sowie 23.04, Aquarium
Ein Blick ins Europa der Zukunft, das mit den Folgen von Kriegen und Klimawandel leben muss. Eine verbrannte Welt tut sich auf, eine Welt, in der rivalisierende Sekten um knappe Ressourcen ringen, streng kontrolliert, bar jeder Freiheit. Mitten in diesem Chaos: Maëlle, Koé und Andrii, drei irrlichternde junge Menschen voller Lebenshunger. Der international renommierte österreichische Bühnenautor Volker Schmidt fragt in seinem neuen Stück, ob die Apokalypse naht – und wie sie noch vermieden werden kann. »Volker Schmidts dystopisches Stück »brand« entwickelt im Staatstheater dank berührender Schauspielcrew magische Poesie.«
Andreas Berger, Braunschweiger Zeitung, 07.10.2025
Abb.: Ivan Marković, Mariam Avaliani Foto: Joseph Ruben Heicks ↤
Schauspiel 08.03. sowie 10. & 29.04. (zum letzten Mal), Kleines Haus
Die Meisterköchin Babette muss in Folge des Aufstandes der Pariser Commune Hals über Kopf fliehen und landet in einer pietistischen Gemeinschaft hoch oben an einem norwegischen Fjord. Dort führt sie klaglos den Haushalt zweier Schwestern, die der Gemeinde nach dem Tod deren Vaters und Begründers der Sekte vorstehen. Das Leben ist geprägt von Enthaltsamkeit und Frömmigkeit. Nach zwölf Jahren gewinnt Babette in einer Lotterie. Das Geld setzt sie ein, um die Gemeinschaft aus Dank dafür, aufgenommen worden zu sein, zu einem Festmahl einzuladen. »Spaß macht »Babettes Fest«, gerade auch, weil das Publikum an Ende mit Wein auf Tuchfühlung mit der Bühne und dem Ensemble geht.«
Jan Fischer, Deutsche Bühne, 19. November 2023
Abb.: Saskia Petzold, Lea Sophie Salfeld, Gertrud Kohl Foto: Björn Hickmann ↤
Musikvermittlung ist ein in den letzten 20 Jahren entstandenes neues Berufsfeld zwischen Kunst und Pädagogik, um zwischen Theorie und Praxis, um zwischen Musik und Menschen, Musizierenden und Zuhörenden zu vermitteln – kurz: um mit teilweise jahrhundertealter Kunst, aufgeführt von den professionellen Instrumentalist:innen des Staatsorchesters, auch weiterhin Menschen zu erreichen und Konzertsäle zu füllen. Denn das ist alle Mühe wert, davon sind wir felsenfest überzeugt. Auch wenn in der heutigen Welt vieles dagegen zu sprechen scheint. Kurze und gut verdauliche Schnipsel seien gefragt, langes Stillsitzen mit 900 Menschen in einem Saal bedeute Überforderung und generell sei die Bereitschaft zu Konzentration und zum Sich-Einlassen auf Unbekanntes zurückgegangen, ungewohnt, nicht gewünscht?
Das können wir nicht bestätigen! Seit über 25 Jahren sind für das Staatsorchester Braunschweig Kinderkonzerte und Schulkonzerte fest im Spielplan verankert und gehören selbstverständlich ins Programm: neben kleineren, kammermusikalischen Formaten, bei denen die Schul- und Kindergartenkinder ganz nah an den Instrumenten sind, gibt es immer auch inszenierte Konzerte auf der großen Bühne, bei denen das ganze Orchester musiziert. Zusätzlich begleiten Geschichten und Bilder die Musik, erzählt von Schauspieler, Dramaturgin oder Live-Zeichnerin, von der Bühnentechnik liebevoll eingeleuchtet und ausgestattet.

So wird auch bei dem anstehenden Familienkonzert »Die Bremer Stadtmusikanten« wieder einiges zu erleben sein auf der Bühne des Staatstheaters: neben Orchesterklängen, dem bekannten Text und einigen tierischen Refrains zum Mitsingen für das Publikum wird das Konzert live von der Seitenbühne aus illustriert und somit künstlerisch kommentiert.
Erleben Sie ab dem 01. & 02. März das Kinder- und Familienkonzert »Die Bremer Stadtmusikanten« mit dem Staatsorchester und Live-Illustration, geeignet für Menschen ab 6 Jahren.
Johanna Schatke, Dramaturgin und Musikvermittlerin Mehr zum Stück auf Seite 2

Braunschweig, im Januar 2026
Kurz vor Beginn der Proben am 27. Januar 2026 ist die Bühnenfassung von »Tyll« fast fertig. Fast, weil sie wahrscheinlich noch zu lang ist, aber das wird sich in den Proben zeigen. Wichtig wird es sein, möglichst schnell herauszufinden, welchen Modus das Ensemble findet, um zwischen den dialogischen und den erzählerischen, zum Teil chorischen Passagen zu wechseln.
Wir erzählen die Geschichte von Tyll als großes Ensemblestück mit elf Spieler:innen. Die Bühne erinnert an ein verlassenes Film-Set, mit einer Mühle als zentralem Element. Für was könnte das stehen? Wir wollen die Assoziationen gar nicht festzurren, aber vielleicht ist hier ein ambitioniertes Konzept für eine Miniserie über Tyll, ein bisschen Historiendrama und ein bisschen Mystery-Fiction, gescheitert, weil die Produktionsfirma nicht die Gelder für eine Realisierung bewilligt hat. Das Ensemble aber will nicht einfach so den Platz räumen, sondern sucht nach einem Weg, die Geschichte doch noch zu erzählen… und so fangen die Spieler:innen an, zu improvisieren und tauchen schließlich hinein in die Welt des Dreißigjährigen Krieges; eine Welt voller Aberglauben und religiöser Verblendung. Zwei Charaktere ziehen sich durch das ganze Stück: Tyll und seine Gefährtin Nele, die zwar kein Paar sind, aber durch das Schicksal in tiefer Vertrautheit verbunden. Die weiteren Spieler:innen werden jeweils verschiedene Hauptcharaktere übernehmen, alle werden aber auch immer wieder als Chor agieren.

Wie schon an anderer Stelle erwähnt, gelingt es Kehlmann, wichtige und historisch verbürgte Figuren mit der fiktiven Geschichte Tylls zu verknüpfen. Dieses poetische Mittel rückt uns Figuren sehr nah, die man sonst nur durch die wissenschaftliche Überlieferung erinnert: den »Winterkönig« und seine Frau Liz, den Chronisten Martin von Wolkenstein, König Gustav Adolph von Schweden oder den Weltgelehrten Athanasius Kircher. Selbst der große englische Dramatiker William Shakespeare hat seinen Auftritt.
Fragen tauchen auf… nach Spielweisen und Haltungen zum Beispiel. Wie schafft man es, einen falschen Märchenton zu vermeiden? Tyll ringt um seine Kunst; in dieser apokalyptischen Welt geht es nicht nur darum, Kunst auszuüben, sondern sie auch zu schützen. Bereits als Junge hat er traumatische Erfahrungen machen müssen, er wurde

unter das Mühlrad gestoßen und allein mit einem Esel im Wald vergessen, er musste dabei zuschauen, wie sein Vater, der Müller Claus, in die Fänge der Inquisition geriet und verurteilt wurde. Was macht das mit einem jungen Menschen? Die Kunst, die Tyll erlernt, ist vielfältig. Das Seiltanzen hat dabei etwas Symbolisches, es hilft Tyll, die Schwerkraft zu überwinden und sich dem Treiben auf der Erde zu entziehen. Aber er ist nicht nur Seiltänzer, sondern auch Akrobat, Schauspieler und Bauchredner. Er agiert performativ und spontan und ist in präzisesten Techniken geschult, die er penibel zu reproduzieren versteht. Er wird zum Anarchisten und damit zum Außenseiter, der dennoch stets die Zentren der Macht sucht, um sein Auskommen zu finden. Aber durch seine Fähigkeiten und seine wachsende Popularität kann er sich immer größere gedankliche Freiräume schaffen, in die niemand hineinschauen kann. Wie wird das dann am Premierenabend und bei den folgenden Vorstellungen erzählt werden?
Tyll ist auf jeden Fall ein ziemlich moderner Mensch. Zu hoffen ist, dass wir durch ihn auch etwas über die Mechanismen erfahren, die die Welt vor vierhundert Jahren so ins Verderben stürzen konnte. Rückwärtsgewandter Aberglaube, verbunden mit religiösem Wahn und die krankhafte Sucht nach Macht: das sind dafür bestimmende Faktoren, und es ist nicht allzu lange her, da dachten wir, dass wir sie besser im Griff hätten. Selbst die Drachen können dem nichts entgegensetzen. Daniel Kehlmann findet einen tollen Moment, um uns diese mystischen Wesen nahe zu bringen… als ein unbestimmbares, übernatürliches Phänomen, das sich von dieser Welt abwendet.
Wie man aber nun einen Drachen auf die Bühne bringt, das können Sie, werte Leser:innen, dann ab dem 13. März 2026 im Großen Haus erleben!
Holger Schröder, Dramaturg im Schauspiel
Mehr zum Stück auf Seite 3
BuchClub:»Marilyn« 04. März, 18:30 Uhr, 5kW (Einlass am Magnitorwall) Eintritt frei, Anmeldung (für beide Termine): aktion@staatstheater-braunschweig.de
Unser BuchClub geht weiter! Der verstörende Romanbestseller »Blonde« von Joyce Carol Oates dient als Sprungbrett in zwei literarische Gesprächsrunden zum Thema »Marilyn Monroe« (Teil 2 am 06. Mai). Teilnahmevoraussetzung: Kenntnis des Romans.
Staatsorchester Braunschweig in der Elbphilharmonie
08. März, 11:00 Uhr, Elbphilharmonie Hamburg Tickets unter www.der-schmidt.de
Auch in diesem Jahr gastiert das Staatsorchester Braunschweig wieder in der Elbphilharmonie Hamburg. Wir feiern mit einem musikalischen Feuerwerk gemeinsam das 70. Firmenjubiläum des Reisebüros Schmidt. Entsprechend festlich erklingt ein energiegeladenes Programm: Beginnend mit der populären Ouvertüre zu »Wilhelm Tell« von Giacomo Rossini schließt das Staatsorchester die Suite aus Felix Mendelssohns Schauspielmusik »Ein Sommernachtstraum« an. Zum krönenden Abschluss erklingt Igor Strawinskys stürmische Feuervogel-Suite.
Kammerkonzert
08. März, 11:00 Uhr, Louis-Spohr-Saal
Wolfgang Amadeus Mozart: Streichquartett Nr. 5 in F-Dur, KV 158 Jacques Ibert: Cinq Pièces en Trio Wolfgang Amadeus Mozart: Quintett in Es-Dur, KV 452 für Klavier, Oboe, Klarinette, Horn und Fagott Antonin Dvořák: Streichquintett in Es-Dur op. 97 Mit: Barbara Buschenhenke, Cornelia Rumpp (Violine), Santiago E. Osorio, Eva Piazza (Viola), Christoph Lagemann (Violoncello), Nicolai Borggrefe (Oboe), Wolfgang Bayer (Klarinette), Jusara Moser (Fagott), Lucia Gurrieri (Horn), Momoka Nichida (Klavier)
Bodo Wartke: »Wunderpunkt«
08. März, 20:00 Uhr, Großes Haus
Bodo Wartke bringt es auf den Wunderpunkt! Politisches Couplet. Check! Poetische Satire. Check! Wortakrobatische Zungenbrecher. Check! Feiner Sprachwitz, überraschende Reimkultur und virtuoses Klavierspiel – der Entertainer und Poet setzt das Staunen gegen die Macht der Gewohnheit, stellt Humor den alten Mustern an die Seite. Leichtigkeit! – Warum nicht? (Reimkultur 2025)
14. März, 20:00 Uhr, Kleines Haus
Patriarciao! Zum fünften und letzten Mal holen wir mit unserer Abschiedsedition des Antipatriarchalen Wunschkonzerts den feministischen Kampf per Direktmusik auf die Bühne des Kleinen Hauses. Ab sofort können Sie und könnt ihr Songwünsche im Foyer des kleinen Hauses abgeben, damit wir zusammen den antipatriarchalen Soundtrack 5.0 zum Tanzen, Empowern und Teilen erstellen können.
Tanzworkshop für Alle
22. März, 15:00 – 17:00 Uhr, Tanzsaal im Park, Anmeldung: BrigitteUray@staatstheater-braunschweig.de
Im Workshop schaffen musikalische, szenische und tänzerische Improvisationen einen Zugang zu den Inhalten und der Ästhetik der Produktion »Styx«. Stimmen Sie sich gemeinsam mit Tanzvermittlerin Brigitte Uray kreativ auf Ihren Vorstellungsbesuch ein! Keine Tanzerfahrung erforderlich.
Wagner und die Homosexualität
25. März, 19:00 Uhr, Hausbar
Viele Freunde, Anhänger und Unterstützer Richard Wagners waren homosexuell, am bekanntesten sicher sein wichtigster Mäzen Ludwig II. Manche lebten zeitweise in Wagners Patchworkfamilie in Bayreuth und Venedig. Eine Spurensuche des Journalisten Dieter David Scholz auf Einladung des Wagner-Verbands Braunschweig.
Meisterkonzert:
Alexej Gerassimez Percussion Collective Rhythm is it!
11. April, 20:00 Uhr, Großes Haus
Elements of Drum: Bach, Glass, Gerassimez und andere Mit: Alexej Gerassimez, Sergey Mikhaylenko, Emil Kuyumcuyan, Lukas Böhm
Für den Percussionisten und Komponisten Alexej Gerassimez steckt der Alltag voller Rhythmen – jedes Material, jede Oberfläche trägt eine ganze Welt musikalischen Möglichkeiten in sich, die es zu entdecken gilt. Dieser Welt widmen sich der gebürtige Essener und seine drei Schlagzeugkollegen in ihrem Programm und stimmen die Klangwelten von Wasser, Stein, Holz, Fell und Metall an.
Kammerkonzert 19. April, 11:00 Uhr, Louis-Spohr-Saal
Hans Peter Türk: »Meditationen über KV 499«
Ludwig van Beethoven: Streichquartett Nr. 4 in c-Moll op. 18 Béla Bartók: Streichquartett Nr. 4
Mit: George Dudea, Jueer Wang (Violine), Santiago E. Osorio (Viola), Guchao Zhao (Violoncello)
Theaterführung
Werfen Sie einen Blick hinter die Kulissen! 07. März & 11. April, 15:00 Uhr, Bühneneingang, Großes Haus

Kassenhalle, Großes Haus
Am Theater, 38100 Braunschweig
Di–Fr 10:00–18:30 | Sa 10:00–14:00
Telefon 0531 1234 567 | Fax 0531 1234 570 besucherservice@staatstheater-braunschweig.de www.staatstheater-braunschweig.de
Buchung für Schul- und Kindergartengruppen: schulgruppen@staatstheater-braunschweig.de
Die Veranstaltungskasse öffnet im Großen und im Kleinen Haus eine Stunde vor Vorstellungsbeginn.
Der Vorverkauf für fast alle Termine der Spielzeit 25/26 läuft. Kurzfristig angesetzte Termine geben wir jeweils am 1. des Vormonats in den Verkauf, für Abonnent:innen, StaatstheaterFreunde und Inhaber:innen der TheaterCard zwei Werktage vorher.
Der Vorverkauf für das Aquarium beginnt bereits am 1. des Vorvormonats.
Detaillierte Hinweise zu Ihrem Besuch lassen wir Ihnen bei Ihrem Kartenkauf oder rechtzeitig vor der Vorstellung per E-Mail zukommen.
Herausgeber
Staatstheater Braunschweig
Am Theater, 38100 Braunschweig
Interimsleitung
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Verwaltungsdirektor
Stefan Mehrens
Redaktion
Presse- und Marketingabteilung, Dramaturgie, Vermittlung, Künstlerisches Betriebsbüro, Orchesterbüro, Besucherservice
Umschlagmotive: Samuel Weikopf
Gestaltung Lisa Blädtke
Redaktionsschluss 11.02.26
Änderungen vorbehalten
Die Öffentliche Versicherung Braunschweig fördert die Audiodeskription.

»Die Fledermaus« wird gefördert von

»Im Namen der Liebe« & »K:lebt!« werden gefördert im Programm Zero–Klimaneutrale Kunst- und Kulturprojekte der Kulturstiftung des Bundes. Gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.

»K:lebt!« ist eine Kooperation mit


Blumensponsoring
Das Staatstheater Braunschweig ist eine Einrichtung des Landes Niedersachsen und wird gefördert von der Stadt Braunschweig.
