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Stahl - DAS MAGAZIN | 1/2017

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DAS MAGAZIN

I / 2017

Wirtschaftsvereinigung Stahl

FREIHANDEL VOR DEM AUS? 06_STAHLPOLITIK Protektionismus, Dumping und Überregulierung stoppen

10_INTERVIEW MICHAEL HÜTHER Der IW-Chef sieht „Erhebliches Gefährdungspotenzial“

16_BOTSCHAFTER FÜR STAHL Miele setzt bei Stahl auf „Made in Germany“


INHALT 02

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EDITORIAL Hans Jürgen Kerkhoff über Wettbewerbsrisiken für die Stahlindustrie in Deutschland

10 11 INTERVIEW MICHAEL HÜTHER Brexit, Trump, nationale Egoismen: Der IW-Chef redet Klartext

04 05 REFERENZ-PROJEKT „ELPHI“ Der Werkstoff Stahl macht Hamburgs Elbphilharmonie einzigartig FREIHANDEL VOR DEM AUS? Protektionismus, Dumping und Überregulierung bedrohen den fairen Wettbewerb

WUSSTEN SIE EIGENTLICH ...? Zahlen und Fakten zum Thema Stahl

WELTWEITES TEAMWORK Global statt national: Die Vorteile grenzenloser Zusammenarbeit zeigt das Beispiel Automobilindustrie

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HANDELSPARTNER CHINA Kein Grund zur Entwarnung

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20 21 VOM WERKSTOFF ZUM WERTSTOFF Die Stahlindustrie in Deutschland ist weltweit Vorbild in Sachen Kreislaufwirtschaft

NEUES AUS DER WELT DES STAHLS Wie Stahl-Innovationen aktuelle Herausforderungen meistern

16 18 SERIE: BOTSCHAFTER FÜR STAHL

Die Miele & Cie. KG, Gütersloh

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Weitere Informationen zur Stahlindustrie finden Sie online: www.stahl-online.de Herausgeber Wirtschaftsvereinigung Stahl Sohnstraße 65 40237 Düsseldorf Gesamtverantwortung Klaus Schmidtke, Leiter Öffentlichkeitsarbeit Tel.: +49 211 6707-115 E-Mail: klaus.schmidtke@­ stahl-zentrum.de

Gestaltung Ketchum Pleon GmbH, Düsseldorf

Stand Mai 2017

Redaktion Ketchum Pleon GmbH, Düsseldorf Wirtschaftsvereinigung Stahl, Marvin Bender

Titel: iStock, S. 2: iStock (1), Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW Köln) (2), Miele & Cie KG (3), iStock (4), S. 3: Wirtschaftsvereinigung Stahl/ Jakob Studnar, S. 4/5: iStock, S. 6: iStock, S. 7: iStock, S. 8: iStock, S. 9: iStock, S. 10: Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW Köln), S. 11: Institut der deutschen Wirtschaft

Bildnachweise:

Köln (IW Köln), S. 12/13 iStock, S. 14 Wirtschaftsvereinigung Stahl, S. 15: iStock (1), Europa-Institut/ Universität des Saarlandes (2), S. 16/17 Miele & Cie KG, S. 18: Miele & Cie KG, S. 20: Wirtschaftsvereinigung Stahl, S. 21: iStock, S. 22 Daimler (1), iStock (2), Liebherr-Werk Ehingen GmbH (3), WorldAutoSteel (4), Wirtschaftsvereinigung Stahl (5)


EDITORIAL 03

Sehr geehrte Damen und Herren, die Europäische Union stellt aktuell mit ihren Entscheidungen zum Emissionsrechtehandel und zur Handelspolitik die Weichen für die Zukunft der Stahlindustrie in Deutschland und Europa. Kommt es zu weiteren Verschärfungen beim Emissionsrechtehandel, die die Wettbewerbsfähigkeit unserer Branche bedrohen? Wird sich die EU auch künftig gegen Dumping-Importe und unfairen Handel schützen können? Beide Fragen sind für die Branche zentral und entscheiden über die Zukunft des Stahls in Europa. Ob ein Land seine Strukturprobleme exportiert, indem es Dumpingstahl in die globalen Märkte liefert oder sich durch protektionistische Maßnahmen gegen Importe schützt, beides ist zum Schaden unserer Industrie. Die wettbewerbsstarke Stahlindustrie in Deutschland ist auf faire Wettbewerbsbedingungen angewiesen. Da uns dieses Thema momentan ebenso beschäftigt, wie Sie vermutlich auch, stellen wir in dieser Ausgabe von „Stahl – Das Magazin“ die Frage: Steht der freie und faire Handel vor dem Aus? Mit dem neuen Magazin der Stahlindustrie in Deutschland wollen wir künftig zwei Mal im Jahr über unsere Themen informieren und einen Beitrag zur politischen Debatte leisten. Doch nicht nur die Kontroverse treibt uns an. Wir wollen auch zeigen, was der Werkstoff, die Industrie und die Menschen dahinter trotz der schwierigen Situation am Standort Deutschland Tag für Tag leisten. Sollten Sie Anmerkungen haben, schreiben Sie gerne eine E-Mail an magazin@wvstahl.de. Eine anregende Lektüre wünscht Ihnen

Hans Jürgen Kerkhoff Präsident Wirtschaftsvereinigung Stahl Vorsitzender Stahlinstitut VDEh


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REFERENZ-PROJEKT „ELPHI“ Stahl macht Hamburgs Elbphilharmonie einzigartig Die Elbphilharmonie fasziniert Besucher aus aller Welt. Das neue Wahrzeichen im Hamburger Hafen steht als Symbol für eine Kultur der offenen Gesellschaft. Zugleich ist das Anfang 2017 eröffnete Bauwerk nach einigen Schwierigkeiten zu

einem Meisterwerk der Ingenieurskunst und zu einer Referenz für den Werkstoff Stahl geworden. So ruht etwa die Dachkonstruktion mit ihren filigran geschwungenen Wellen auf rund 1.000 Stahlträgern – jeder einzelne ist eine Maßanfertigung.


FREIHANDEL VOR DEM AUS? 06 6

Die Herausforderungen für die Stahlindustrie sind immens: Protektionismus bedroht den freien Handel, Dumping und Überregulierung den fairen Wettbewerb. Was jetzt zu tun ist.

B

rexit, China-Dumping, Trump – die Stahlindustrie in Deutschland sieht sich 2017 mit alten und neuen Herausforderungen konfrontiert. Die Risiken scheinen genauso vielfältig wie die Ursachen. „Buy American“ oder „Buy British“ könnten den internationalen Handel ebenso beeinträchtigen wie das anhaltende Stahl-Dumping aus China und einseitig belastende Klimavorschriften aus Brüssel. In dieser Situation fragen sich nicht nur Stahlexperten: Steht der freie und faire Welthandel vor dem Aus?

Notwendiger Schutz Die leichte konjunkturelle Erholung in der Stahlindustrie hat sich zuletzt verfestigt: Die Auftragseingänge bei den Unternehmen in Deutschland konnten sich auf Vorjahreshöhe stabilisieren, die Rohstahlproduktion stieg im ersten Quartal um rund zwei Prozent gegenüber dem Vorjahr. Zudem zeigen sich bislang auch die wichtigsten stahlverarbeitenden Branchen in Deutschland von den internationalen Unsicherheiten weitgehend unbeeindruckt.


07 Gleichwohl ist die leichte Erholung durch die nach wie vor bestehenden erheblichen strukturellen Probleme in der globalen Stahlindustrie gefährdet. Die Importkrise auf dem EU-Stahlmarkt ist bei Weitem noch nicht überwunden. Massive Überkapazitäten gefährden das internationale Marktgefüge beim Stahl. Hauptverursacher bleibt China. 2016 verzeichnete die Volksrepublik – trotz offiziell verkündetem Kapazitätsabbau – rund 360 Millionen Tonnen Überkapazitäten. Zum Vergleich: Deutschland als größter Produzent in Europa kam 2016 auf eine Gesamtproduktionsmenge von 42,1 Millionen Tonnen. Eine schnelle Besserung des Ungleichgewichts ist nicht in Sicht, im Gegenteil: „Die aktuellen Stilllegungspläne der chinesischen Regierung reichen bei Weitem nicht aus“, betont Hans Jürgen Kerkhoff, Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl. Der deutsche Branchenverband geht davon aus, dass auch 2020 noch die Überkapazität in China über der 300-Millionen-TonnenMarke liegen wird, selbst wenn die chinesische Regierung ihre Abbaupläne vollständig umsetzen würde. Abhilfe schaffen soll das globale „Stahlforum zu Überkapazitäten“, das die G-20-Regierungschefs im September 2016 beim Gipfeltreffen in Hangzhou ins Leben riefen. In den nächsten drei Jahren will man konkrete Schritte vereinbaren, um die Anpassungsfunktion der Märkte zu stärken. Vor allem geht es darum, Subventionen abzubauen, die als Ursache der aktuellen Strukturprobleme gelten. Ob sich China letztendlich in diese Richtung bewegen lässt, bleibt abzuwarten. Beobachter gehen aber davon aus, dass für die Herstellung fairer Wettbewerbsbedingungen multilaterale Gespräche allein kaum ausreichen werden und daher ein effektiver Handelsschutz vonseiten der EU auch künftig unverzichtbar sein wird.

Mögliche Handelsschutzmaßnahmen wie etwa Antidumping-Verordnungen dürfen jedoch keinesfalls mit Protektionismus gleichgesetzt werden. Denn es geht bei diesen handelspolitischen Schutzinstrumenten nicht darum, der eigenen Industrie einen künstlichen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen. Sie sind vielmehr ein notwendiges Korrektiv, um Verzerrungen im internationalen Wettbewerb so weit wie möglich auszugleichen. Die europäische Stahlindustrie lehnt Protektionismus ab und setzt sich für offene Märkte ein. Im aktuellen Umfeld wird es aber zunehmend wichtiger, sich gegen unfaire Praktiken zur Wehr setzen zu können. Drohende Handelskonflikte Experten sind sich einig: Protektionismus ist die falsche Antwort auf die Herausforderungen für die globale Stahlindustrie. Daher bereitet der Branche die „AmericaFirst“-Politik der neuen US-Regierung unter Präsident Donald Trump große Sorgen. Eine mögliche Abschottung der USA durch höhere Außenzölle oder verschärfte „BuyAmerican“-Vorschriften könnte gravierende Folgen haben. Denn die Vereinigten Staaten sind nicht nur der größte Importmarkt der Welt, sondern auch einer der größten Absatzmärkte für deutschen Stahl. Rund 700.000 Tonnen liefern deutsche Stahlkonzerne direkt in die USA, das entspricht einem Viertel der deutschen Stahlexporte außerhalb der EU. Noch wichtiger sind aber die indirekten Exporte der Stahlerzeuger: Maschinen, Fahrzeuge und andere stahlhaltige Güter, die nach Amerika exportiert werden, summieren sich auf 2,5 Millionen Tonnen Stahl. Der Ernst der Lage zeigte sich im April, als die US-Regierung Dumping-Vorwürfe auch gegen deutsche Stahlunternehmen erhob und einzelne Produkte mit Strafzöllen belegte. „Eine gesunde Stahlindustrie ist entscheidend für unsere Wirtschaft und Produktionsbasis, doch unsere Stahlindustrie


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steht unter Beschuss durch ausländische Produzenten, die ihre Exporte verschleudern und subventionieren lassen“, behauptete US-Handelsminister Wilbur Ross und drohte mit Konsequenzen. Berlin reagierte mit deutlichen Worten: „Die US-Industrie soll geschützt werden, indem man die bessere deutsche Stahlindustrie benachteiligt“, kritisierte Außenminister Sigmar Gabriel. Die neue US-Regierung sei offenbar bereit, US-Unternehmen unfaire Wettbewerbsvorteile gegen europäische und andere Unternehmen zu verschaffen, auch wenn das gegen internationales Handelsrecht verstößt. Die Dumping-Raten seien mit Methoden berechnet worden, die nicht den Regeln der Welthandelsorganisation (WTO) entsprächen. „Die WTO-Regeln sind das Rückgrat der internationalen Handelsordnung“, betonte Gabriel. Ihre bewusste Verletzung durch die USA wäre ein „gefährlicher Schritt“. Mindestens ebenso wichtig wie die USA ist für die Stahlunternehmen aus Deutschland Großbritannien: Das Vereinigte Königreich ist der größte Nettoimporteur von stahlhaltigen Gütern in der EU und für die deutschen Stahlverarbeiter der wichtigste Absatzmarkt – noch vor den USA und Frankreich. Doch dieser Markt könnte sich spätestens nach dem Austritt des Landes aus dem EU-Binnenmarkt in zwei

Jahren deutlich verändern. Die Handelsverflechtungen mit Großbritannien dürften eher ab- als zunehmen, trotz der Ankündigung von Premierministerin Theresa May, aus „Great Britain a truly more global Britain“ zu machen. Auch für die britische Stahlindustrie dürfte der Brexit weitreichende Konsequenzen haben: Mehr als 60 Prozent ihrer Exporte gehen bisher in die EU, mehr als zwei Drittel der Stahleinfuhren kamen zuletzt aus Ländern der Europäischen Union. „Ein kleinerer Binnenmarkt durch den Brexit nützt niemandem“, beschreibt Axel Eggert, Generaldirektor des Europäischen Stahlverbandes Eurofer, die drohende Lose-lose-Situation. Einseitige Belastungen Nicht nur die politischen Entscheidungen in Washington und London bereiten der Stahlindustrie derzeit Kopfzerbrechen. Sorgenfalten verursachen auch politische Entscheidungen in Brüssel, allen voran die industriefeindliche Entwicklung beim europäischen Emissionsrechtehandel. Die angekündigte Kehrtwende in der US-Klimapolitik und wachsende Stahlimporte aus Ländern ohne Emissionshandel unterstreichen, dass die heimische Industrie im intensiven globalen Wettbewerb nicht mit Wettbewerbsnachteilen belastet werden darf. Die Bundesregierung spricht sich in ihrem Klimaschutzplan dafür aus, dass die


09 zehn Prozent effizientesten Anlagen eine zu hundert Prozent freie Zuteilung von Zertifikaten erhalten sollen – ohne weitere Kürzungen. Auch die Forderung nach einer weiteren Kompensation emissionshandelsbedingter Strompreissteigerungen findet in Berlin Unterstützung. Anliegen, die für die Stahlindustrie von zentraler Bedeutung sind. Doch wird diese Position auch in Brüssel durchgesetzt oder gibt es letztendlich einen Kompromiss zulasten der Industrie? Nach wie vor ist nicht absehbar, dass die unerreichbaren Benchmarks für die Stahlindustrie korrigiert und sie bei fehlenden technischen Potenzialen keinen Kürzungen unterzogen werden. Dies ist aber eine entscheidende Voraussetzung, damit die Stahlindustrie gegenüber internationalen Wettbewerbern weiter bestehen kann. Andernfalls müssten selbst die effizientesten Anlagen massive Zusatzkosten tragen. So viel steht fest: Dem Klima ist nicht geholfen,

wenn die weltweit klimafreundlichsten Stahlwerke in Deutschland nicht mehr produzieren – zum Vorteil außereuropäischer Konkurrenz, die mit deutlich niedrigeren Umweltstandards den Werkstoff herstellt. Politische Verantwortung Brexit, China-Dumping, Trump – als Antwort auf die vielfältigen Herausforderungen will Europa der industriellen Wertschöpfung mehr Gewicht geben. Hierfür sind faire Wettbewerbsregeln ohne einseitige Belastungen die beste Voraussetzung; Investitionen in Innovationen, Qualität, Effizienz und Nachhaltigkeit sind das beste Rezept. Die Stahlindustrie in Deutschland mit ihrer Schlüsselfunktion für die industrielle Wertschöpfung kann hierzu einen wertvollen Beitrag leisten. Das sollte die Politik bei den anstehenden Entscheidungen berücksichtigen und verantwortungsvoll handeln.

Ginge es nach Donald Trump, wäre „made in USA“ das Qualitätssiegel Nummer eins. Zumindest 43.000 Verbraucher in 52 Ländern sehen das anders: Sie wählten im „Made-in-Country-Index 2017“ von Statista und Dalia Research „made in Germany“ auf Platz eins. Die USA kommen lediglich auf Platz acht und liegen damit noch hinter Großbritannien und Kanada. Das weltweit unbeliebteste Label ist übrigens „made in China“, abgeschlagen auf Platz 49.


KLARTEXT „ERHEBLICHES GEFÄHRDUNGSPOTENZIAL“ 10

Trump, Brexit, zunehmender Protektionismus: Ist dies das Ende offener Grenzen – sowohl politisch als auch wirtschaftlich? Prof. Dr. Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW Köln) spricht im Interview über eine Weltwirtschaft unter veränderten Vorzeichen, mögliche Folgen für die deutsche Wirtschaft und die daraus resultierende Lage der Stahlindustrie.

Im Gespräch: Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW Köln)

Herr Prof. Dr. Hüther, Trump-Wahl, Brexit, immer stärkere protektionistische Tendenzen: Wie bewerten Sie die wirtschaftlichen Auswirkungen? Für eine Exportnation wie Deutschland kann zunehmender Protektionismus fatal sein. Wir haben einen Großteil unseres Wohlstands dem internationalen Handel zu verdanken. Die Handelsliberalisierung seit den 1990er-

Jahren hat es möglich gemacht, sich auf hochqualitative Produkte und komplexe Produktionsstufen zu spezialisieren und die eigenen Wettbewerbsvorteile dadurch auszubauen. Doch freier Handel ist auch in einer Welt mit Brexit möglich und selbst Donald Trump dürfte die Risiken eines sich ausbreitenden Protektionismus oder gar Handelskriegs erkennen.


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„Die Stahlindustrie wird für die nachgelagerten Branchen eine immer wichtigere Rolle spielen.“

Wie gut sehen Sie in diesem Kontext die deutsche Wirtschaft aufgestellt? Protektionistische Tendenzen bieten für die exportstarke deutsche Wirtschaft ein erhebliches Gefährdungspotenzial. Allerdings sind die deutschen Industrieunternehmen, zu denen viele Hidden Champions mit hoch spezialisierten Produkten zählen, global aufgestellt und dadurch flexibel. Schwierigkeiten auf einzelnen Exportmärkten konnten schon öfter durch Erfolge auf anderen Märkten wettgemacht werden. Aktuell sieht es so aus, dass Europa endlich auf den Wachstumspfad zurückfindet. Mit Kanada wurde ein Freihandelsabkommen geschlossen und mit Japan laufen die Verhandlungen für ein weiteres. Dies könnte einen Ausgleich für mögliche Probleme auf dem US-Markt bieten.

Ablehnen von Protektionismus auch nicht, dass man Importe zu Dumpingpreisen unbeschränkt ins Land lässt. Das chinesische Exportverhalten ist weiter genau zu beobachten und notfalls angemessen zu sanktionieren.

Wertschöpfungsketten entwickeln sich zu Wertschöpfungsnetzwerken, die digital gesteuert werden. Die Stahlindustrie wird aus diesen Gründen für die nachgelagerten Branchen eine immer wichtigere Rolle spielen.

Wie kann die Branche in diesem schwierigen wirtschaftlichen und politischen Umfeld bestehen? Durch eine konsequente Qualitätsorientierung bei gleichzeitiger Ausnutzung aller Möglichkeiten zur Steigerung der Produktivität. Allerdings setzt dies auch voraus, dass internationale Überkapazitäten irgendwann vom Markt genommen werden, da andernfalls immer neue Dumpingwellen drohen, die auch eigentlich gesunde Unternehmen gefährden.

Ergänzen Sie zum Abschluss bitte folgenden Satz: Die Stahlindustrie in Deutschland kann positiv in die Zukunft blicken … …, weil hochwertiger Stahl auch in der digitalen Welt gebraucht wird.

Was kann die Politik leisten, damit die hiesige Stahlindustrie weiterhin wettbewerbsfähig produzieren kann? Die Stahlindustrie gehört zu den energieintensiven Industrien, die besonders von Rohstoff- und Energiepreisen sowie Regulierung tangiert werden. Hier sollten Deutschland und die EU darauf achten, trotz Bemühungen für eine Verbesserung des Klimaschutzes gleiche Wettbewerbsbedingungen wie internationale Wettbewerber zu erhalten. Im Übrigen bedeutet das

Industrie 4.0 hat schon längst Einzug in die Stahlindustrie gehalten. Welche Entwicklungen sind durch die Digitalisierung in den Wertschöpfungsketten bereits absehbar? Die Digitalisierung löst zunehmend Branchengrenzen auf. Das bedeutet, dass auch die Stahlindustrie immer mehr Dienstleistungen anbietet. Die Arbeitsteilung nimmt weiter zu, Wissen wird immer spezifischer. Hierdurch werden Netzwerke und Kooperationen zwischen Unternehmen immer wichtiger.

Zur Person: Prof. Dr. Michael Hüther studierte Wirtschaftswissenschaften sowie Mittlere und Neuere Geschichte in Gießen und in Norwich. Der renommierte Wirtschaftswissenschaftler ist unter anderem Mitglied des Vorstands der Atlantik-Brücke, eines überparteilichen Vereins zur Stärkung der deutsch-amerikanischen Freundschaft. Hüther ist seit 2004 Direktor und Mitglied des Präsidiums im Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW Köln).


WELTWEITES TEAMWORK 12

Zölle auf importierte Autos, wie zurzeit besonders in den USA diskutiert, schaden immer auch der heimischen Industrie. Denn Automobilzulieferer handeln und arbeiten global statt national. So steckt beispielsweise in ausgewählten Bauteilen des Skoda Superb* Know-how aus zehn Ländern von drei Kontinenten. Motor und Aggregate Deutschland USA

Bremssystem Deutschland

• Kolbenringe • Kolbenbolzen • Lagerschalen • Ventile

• Bremskraftverstärker

Getriebe und Antrieb Deutschland Schweiz

• Getriebewelle • Synchronringe • Gelenkwellen • Zweimassenschwungrad

Fahrwerk Spanien Deutschland Japan

• Längslenker • Dämpfer • Radlager • Hinterachse

*Auswahl von Zulieferern des Skoda Superb, Baujahr 2015 / Limousine, Baureihe 3V Quelle: Automobilwoche, WV Stahl


Türen Deutschland Luxemburg Tschechien

Sitze Kanada Irland Deutschland Österreich • Sitzstruktur • Rücklehnenverriegelung • Rücklehnenlagerung

• Schließbügel • Gasdruckfedern Heckklappe / Motorhaube • Tür- und Heckklappen scharniere • Türaußen- und -innenbleche

Abgasanlage Deutschland

Karosserie Deutschland Kanada USA Österreich Tschechien • Rahmenteile • Säulen • Halterung Tank • Seitenteil-Verstärkung • Quer- und Längsträger • Seitenteile

• Dieselpartikelfilter • Entkoppelungselemente

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KEIN GRUND ZUR ENTWARNUNG 14

In Zeiten von Brexit und ProtektionismusTendenzen in den USA präsentiert sich China als Hüter des freien Handels. Das klingt verlockend, doch die Realität sieht anders aus. Zum Beispiel beim Stahl.

Massive Überkapazitäten Die globale Stahlindustrie wird belastet von massiven Überkapazitäten – vor allem in China. Trotz einiger Maßnahmen des Landes zur Reduzierung der überschüssigen Kapazitäten reichen diese Anstrengungen jedoch nicht aus. Aktuell liegt der Kapazitätsüberhang in China bei rund 360 Millionen Tonnen. 2017 dürfte er sich zwar ein wenig reduzieren, mit rund 330 Millionen Tonnen aber auf einem extrem hohen Niveau verbleiben und selbst unter Rückgriff auf optimistische Nachfrageszenarien bis 2020 über der 300-Millionen-Tonnen-Grenze verharren. Damit wäre China potenziell in der Lage, mit seinen Überkapazitäten die gesamte Nachfrage von EU, NAFTA und Südamerika abzudecken.

Exporte gefährden Stahlmärkte

Anhaltend hohe Überkapazitäten lassen keinen nennenswerten Rückgang der Exporte erwarten Angebot und Nachfrageentwicklung in China (Millionen Tonnen) Überkapazitäten 2020: Bei max. Nachfrage (13. FJP): 320 Mio. t Bei min. Nachfrage (13. FJP): 369 Mio. t

Rohstahlkapazität (effektiv) Marktversorgung (Rohstahl) Kapazitätsüberhang

1.051

1.083

766

740

700

711

700

Wachsender Kaskadeneffekt

1.019

1.074

1.096

650 285

343

396

364

369 320

2013

2014

2015

Quelle: OECD, WV Stahl, worldsteel, MIIT

2016

China hat seine Stahlexporte in den vergangenen Jahren rasant auf 111 Millionen Tonnen gesteigert. Damit stammt jede dritte Tonne, die weltweit exportiert wird, aus der Volksrepublik. Ungeachtet des internationalen Drucks dürften die chinesischen Exporte auch 2017 auf hohem Niveau verharren – eine latente Gefahr für die Welt-Stahlmärkte, wenn dies zu Dumping-Konditionen geschieht.

2020f

China exportiert seine Strukturprobleme und bringt damit den gesamten Welt-Stahlmarkt ins Wanken. Zwar gelangte 2016 mit 6,1 Millionen Tonnen etwas weniger Stahl direkt nach Europa als im Vorjahr. Hinzu kam aber ein erheblicher Kaskadeneffekt: Gedumpte und subventionierte chinesische Exporte verdrängen Anbieter in anderen Teilen der Welt, die dann ihren Weg in den grundsätzlich offenen EU-Markt finden. Drittlandimporte aus Ländern wie Russland oder der Türkei sind zuletzt spürbar gestiegen.


„ZULASTEN DER EUROPÄISCHEN INDUSTRIE“ Nachgefragt bei Prof. Dr. Marc Bungenberg

Ökologischer Rucksack Die chinesische Stahlindustrie ist in weiten Teilen veraltet und wenig effektiv. Das Land ist der bedeutendste CO2-Emittent der Welt, Experten zufolge liegt der durchschnittliche CO2-Ausstoß pro Tonne Stahl in der Volksrepublik um 500 Kilogramm höher als in Europa. Das bedeutet: Allein mit den 7,2 Millionen Tonnen Walzstahl, die China 2015 nach Europa exportiert hat, wurde zugleich ein ökologischer Rucksack von vier Millionen Tonnen zusätzlichem CO2 importiert. Das entspricht in etwa dem jährlichen CO2-Ausstoß von 2,1 Millionen Mittelklassewagen.

Herr Prof. Bungenberg, wie bewerten Sie die von der Kommission vorgeschlagene neue Methodik zur Dumping-Berechnung? Der Vorschlag geht zulasten der europäischen Industrie. Wenn sich Unternehmen zur Wehr setzen wollen und bei der EU klagen, müssten sie nach den Vorstellungen der Kommission selbst „Marktverzerrungen“ nachweisen. Eine Hürde mit viel bürokratischem Aufwand. Gleichzeitig entfällt die Möglichkeit, wie bisher ein Vergleichsland zur Preisermittlung heranzuziehen. Das ist besonders problematisch, wenn keine verlässlichen Daten, wie im Falle China, vorliegen. Was raten Sie der EU? Die Vorschläge noch einmal nachzubessern. Da aktuell ein Streitbeilegungsverfahren zwischen China und der EU vor der WTO läuft, ist dafür genug Zeit. Es kommt darauf an, das EU-Recht so zu reformieren, dass es sowohl WTO-rechtskonform ist als auch einen wirksamen Handelsschutz gewährleistet. Es sollten also zunächst weitere Überlegungen mit allen Beteiligten – Parlament, Rat, aber auch Industrie und Wissenschaft – angestellt werden.

Handelsschutz in Gefahr Seit dem 11. Dezember 2001 ist China Mitglied der WTO. Nach 15 Jahren sind nun Regelungen in Chinas WTO-Beitrittsprotokoll ausgelaufen. Die europäischen Stahlhersteller sahen die große Gefahr, dass damit China pauschal als Marktwirtschaft anerkannt wird. Die Konsequenz wäre, dass die EU-Stahlindustrie kaum noch in der Lage ist, sich gegen gedumpte chinesische Importe zu wehren. Die Europäische Kommission hat nun Ende 2016 einen Vorschlag zur Überarbeitung der Antidumping-Verordnung vorgelegt. Demnach soll effektiver Handelsschutz weiterhin möglich sein – unabhängig davon, ob China eine Marktwirtschaft ist. Die Stahlindustrie zweifelt jedoch daran, dass dadurch ein vergleichbarer Schutz vor unfairen Importen möglich ist, und hat Verbesserungen angemahnt.

Zur Person: Prof. Dr. Marc Bungenberg, LL.M. ist Direktor des Europa-Instituts der Universität des Saarlandes und Lehrstuhlinhaber für Öffentliches Recht, Völkerrecht und Europarecht.

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SERIE: BOTSCHAFTER FÜR STAHL 16

Die Miele & Cie. KG, Gütersloh Kühlschrank, Waschmaschine, Wäschetrockner oder Geschirrspüler – kein Haushalt in Deutschland kommt heute ohne Hausgeräte, die sogenannte „Weiße Ware“, aus. Für seine Innovationen und die Langlebigkeit der Produkte ist der Premiumhersteller Miele mit Sitz in Gütersloh weltbekannt. Der Global Player vertraut auf langfristige Partnerschaften mit Stahlunternehmen aus Deutschland.


17 Stahl-Experten bei Miele. Martina Ringeln, Leiterin Serienpflege im Qualitätsmanagement, und Meinolf Röwekamp, Leiter Fertigung im Werk Gerätefertigung Gütersloh.

A

lles begann im Jahr 1899: Im westfälischen Herzebrock gründeten Carl Miele und Reinhard Zinkann das Unternehmen Miele, welches zunächst Milchzentrifugen und Buttermaschinen fertigt. 15 Jahre später setzten sie das gesammelte Know-how ein, um die erste Wassermotor-Waschmaschine zu entwickeln. 1929 folgte die erste elektrische Geschirrspülmaschine Europas. Das Gerät hatte jedoch kaum etwas mit den heute verfügbaren Modellen zu tun. Damals wurde das Geschirr von oben in einen runden Bottich eingefüllt. Ein Elektromotor im Boden der Maschine trieb die Sprüharme an, die das Geschirr mit Wasser bespritzte. Seitdem haben zahlreiche Innovationen die Handhabung und die Effizienz der praktischen Haushaltshilfen umfassend verbessert: Der Wasserverbrauch hat sich seit 1980 von

40 Litern pro Spülgang deutlich verringert. Moderne Modelle spülen bereits ab 6,5 Liter Wasser. Auch der Stromverbrauch ist mit deutlich unter 1 kWh nur noch halb so hoch wie vor rund 40 Jahren. Made of Steel Egal ob Waschmaschine, Wäschetrockner, Geschirrspüler oder Kühlschrank: Stahl ist für hochwertige Hausgeräte „made by Miele“ unverzichtbar. Dabei wird ein großer Teil des Werkstoffs für die Gehäuse eingesetzt. Welche hohen Anforderungen das von den Stahllieferanten fertig beschichtete Stahlblech erfüllen muss, ist nur wenigen klar. Es kommt hier nicht nur auf eine makellos gearbeitete Oberflächenstruktur an, sondern auch auf optische Aspekte, wie Glanzgrad und Gleichmäßigkeit der Oberfläche. Dass Stahlproduzenten aus Deutschland für die hohen Anforderungen besonders zuverlässige Partner sind, weiß Dr. Thorsten Störmer, der bei Miele für den Stahleinkauf zuständig ist: „Für unsere Produkte benötigen wir makelloses Vormaterial. Hinsichtlich Qualität, Zuverlässigkeit und insbesondere aufgrund der kurzen Entfernung geringen Koordinationsaufwände sind die Stahllieferanten aus Deutschland unschlagbar.“

Zum Unternehmen: Die Miele & Cie. KG mit Sitz in Gütersloh ist einer der weltweit führenden Premiumhersteller für Hausgeräte. In insgesamt zwölf Werken, davon acht in Deutschland, produzieren 18.370 Mitarbeiter Waschmaschinen, Geschirrspüler, Wäschetrockner und weitere Haushaltsgeräte. Der Umsatz im Geschäftsjahr 2015/2016 betrug 3,71 Milliarden Euro.


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Innovationspartner Stahlindustrie Doch wer glaubt, die Werkstoffentwicklung und die Möglichkeiten für den Stahleinsatz in der „Weißen Ware“ seien bereits erschöpft, der irrt. Kontinuierlich entwickelt Miele seine Produkte weiter. Manchmal entstehen so auch werkstoffseitig ganz neue Lösungen. Um der EU-Verordnung zum Wärmeschutz gerecht zu werden, entwickelte das Unternehmen gemeinsam mit Stahlherstellern beschichtete Bleche, die verhindern, dass zu viel Wärme über die Gehäuse abgegeben wird. Dies ist besonders bei Wäschetrocknern wichtig, damit der Verbraucher das Gerät energiesparend und sicher nutzen kann. Das Innovationspotenzial von Hausgeräten ist aber nicht immer auf den ersten Blick ersichtlich. Schaut ein Laie zum Beispiel in eine Waschmaschine, erkennt er kaum einen Unterschied zwischen verschiedenen Modellen. Doch Waschmaschinentrommel ist nicht gleich Waschmaschinentrommel. Das zeigte Miele bereits vor einigen Jahren mit der Erfindung einer besonders wäscheschonenden Lösung. Da brachte der Premiumhersteller eine Edelstahltrommel mit einer wabenförmig strukturierten Oberfläche sowie reduzierter Lochanzahl und -größe auf den Markt. Dadurch wird das Wasser im Innenraum „mitgenommen“. Die Folge: In der Trommel entsteht ein Wasserfilm, auf dem die Wäsche gleitet. Die Textilien werden somit noch besser geschont.

Längst wird die wäscheschonende Trommel bei Miele serienmäßig produziert und wurde 2013 nochmals weiterentwickelt. Das ist nur ein Beispiel für den Erfindergeist der Ostwestfalen, die für diese Konstruktion 2003 mit dem Stahl-Innovationspreis ausgezeichnet wurden. Das völlig neue Umformverfahren, mit dem die einzigartigen Oberflächeneigenschaften eingestellt werden, wurde damals in Absprache mit einem Stahlhersteller aus Deutschland entwickelt. Zuverlässige Geschäftsbeziehungen Wie wichtig Stahl „made in Germany“ für einen Global Player wie Miele ist, erklärt Thorsten Störmer: „Wir legen großen Wert auf langfristige Partnerschaften mit unseren Lieferanten. Zuverlässigkeit, ein guter Umgang miteinander, aber auch ein Stück weit Neugier auf Neues sind die Kriterien, nach denen wir unsere Partner aussuchen. Wir haben zudem einen hohen Anspruch was Nachhaltigkeit angeht. Der Werkstoff, aber auch die Transparenz in den Lieferketten machen die hiesigen Stahlunternehmen zu unseren ersten Ansprechpartnern.“ Damit Miele sein Versprechen „Immer besser“ auch in Zukunft erfüllen kann, sind hochwertige Stahlerzeugnisse und zuverlässige Geschäftsbeziehungen wichtig. Die Stahlindustrie in Deutschland ist für beides bekannt.


WUSSTEN SIE EIGENTLICH …? Zahlen und Fakten zum Thema Stahl

Attraktiver Arbeitgeber Die Stützen der Stahlindustrie sind hoch

qualifizierte Frauen und Männer: Rund

86.000 Beschäftigte arbeiten in interessanten und verantwortungsvollen Berufen. Davon sind

4.500

Auszubildende.

Große Vielfalt Rund 2.500 genormte Stahlsorten gibt es derzeit. Und das deutsche, weltweit einzigartige,

Forschungsnetzwerk Stahl macht es möglich, dass jedes Jahr rund 30 neue Sorten dazukommen.

Gut fürs Klima ein Drittel der für Deutschland bis 2020 geplanten

Rund

CO2-Einsparungen lässt sich

allein mithilfe neuer,

leistungsfähiger Stahlprodukte realisieren. Der Einsatz innovativer Stähle spart

sechsmal so viel CO ein, wie bei der dafür erforderlichen

Gefragter Innovationstreiber

2

Stahlproduktion verursacht wird.

Ganz gleich ob nachhaltige Mobilität, saubere Energieerzeugung oder urbane Infrastruktur:

Stahl ist der Basiswerkstoff

Nummer 1 für die aktuellen Megatrends.

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VOM WERKSTOFF ZUM WERTSTOFF

Aus alt wird Neu. Stahlschrott von heute ist der Rohstoff für die Hightech-Produkte von morgen.

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Mehr Ressourceneffizienz könnte der Weltwirtschaft jährlich bis zu zwei Billionen Euro einbringen. Zu diesem Ergebnis kommt ein neuer Bericht des UN-Umweltprogramms. Wie die dafür notwendige Kreislaufwirtschaft erfolgreich funktioniert, zeigt die Stahlindustrie bereits heute.

E

twa zwei Billionen Euro pro Jahr lassen sich durch effizienten Ressourcen-Einsatz weltweit bis 2050 erzielen. So steht es im Bericht des UN-Umweltprogramms „Resource Efficiency: Potential and Economic Implications“. Notwendig dafür ist der Ersatz des linearen „Herstellen-Nutzen-Wegwerfen“-Modells durch die Kreislaufwirtschaft, in der die eingesetzten Rohstoffe über den Lebenszyklus der Ware hinaus wieder vollständig in den Produktionsprozess zurückgelangen. Bei diesem Wandel vom Werkstoff zum Wertstoff geht Stahl mit bestem Beispiel voran.

Perfekter Kreislauf. Stahl ist zu hundert Prozent und immer wieder recycelbar.


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Recycling-Weltmeister Stahl ist der am meisten recycelte Werkstoff weltweit, Stahlschrott ist einer der wichtigsten Rohstoffe für Hightech-Produkte von morgen. Denn Stahl lässt sich als permanenter Werkstoff ohne Qualitätsverlust beliebig oft wiederverwerten. Allein die deutsche Stahlindustrie setzt jährlich rund 23 Millionen Tonnen Stahl- und Eisenschrott ein, um neue Produkte herzustellen. Mit anderen Worten: Stahl ist nicht nur Recycling-Weltmeister, sondern auch einer der begehrtesten Sekundärrohstoffe. So hebt das Umweltbundesamt im aktuellen Ressourcen-Bericht einen Anteil von 46 Prozent der sekundären Rohstoffe an der Rohstahl-Produktion hervor und weist explizit auf die damit verbundene enorme Einsparung an CO2-Emissionen hin. Wer diese Hintergründe kennt, für den bekommt das Wort „Schrott“ eine ganz neue Bedeutung: Denn Schrott ist nicht wertlos, sondern das Gegenteil trifft zu. Er ist in vielerlei Hinsicht ein „Wertstoff“. Kritik an Brüssel Umso mehr hat der im März vom EU-Parlament gefasste Beschluss zur Kreislaufwirtschaft in der Stahlindustrie Enttäuschung ausgelöst. Hier wurde besonders die einzigartige, unendliche Recyclingfähigkeit von Stahl nur unzureichend berücksichtigt. „Dabei macht doch gerade Stahl vor, was durch Multirecycling möglich ist“, erklärt Hans Jürgen Kerkhoff, Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl, und ergänzt: „Dafür benötigen wir einen integrierenden Ansatz, der nicht nur einzelne Umweltkriterien betrachtet, sondern neben allen

schützenswerten Ressourcen auch die Nachhaltigkeitsanforderungen der Gesellschaft sowie die Bedürfnisse der Wirtschaft ausgewogen berücksichtigt. Auch das Europäische Parlament muss hier weiterdenken und Anreize für eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft schaffen, statt Hürden durch Steuern und Abgaben vorzuschlagen.“ Beitrag zum Klimaschutz Jedes neue Stahlerzeugnis ist ein typisches Recyclingprodukt: In einem Auto steckt zum Beispiel Stahl, der im früheren Leben einmal eine Waschmaschine, ein Fahrrad oder eine Dose war. Auf diese Weise entstehen aus einer Tonne Stahl bei mehrmaligem Recycling in der Summe mehr als vier Tonnen neue Stahlprodukte. Mit jeder Tonne Recyclingschrott werden 1,5 Tonnen Erz und 665 Kilogramm Kohle eingespart. Dies schont nicht nur Ressourcen, sondern verringert auch schädliche Emissionen. Der Einsatz einer Tonne Stahlschrott reduziert CO2-Emissionen in gleicher Höhe. Durch das Stahlrecycling in Deutschland werden mehr als 20 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr vermieden – dies ist so viel, wie Berlin in einem Jahr freisetzt. Darüber hinaus sorgt Multirecycling dafür, dass sich der ökologische Fußabdruck von Stahl mit jeder Recyclingstufe verringert: Die CO2-Emissionen bei der Herstellung von einer Tonne Stahl sind nach nur sechs Lebenszyklen um rund 50 Prozent niedriger als bei der Primärproduktion. Auch das macht deutsche Stahlprodukte deutlich klimafreundlicher als im Ausland produzierte Stähle.


NEUES AUS DER WELT DES STAHLS 22

Fünf Beispiele zeigen, welches Potenzial der Werkstoff Stahl bei der Bewältigung der technischen und gesellschaftlichen Herausforderungen hat.

Saubere Motoren Kolben aus hochfestem Stahl machen Dieselmotoren effizienter und leisten einen wesentlichen Beitrag zur Erfüllung der anspruchsvollen CO2-Vorgaben. Der Grund: Stahlkolben sind bei geringerer Höhe thermisch und mechanisch stärker belastbar als Aluminiumkolben. Zudem verbessern sie den Verbrennungsvorgang und verringern die innermotorische Reibung.

Von der Natur inspiriert Stetige Belastungen bestimmter Bauteile – beispielsweise in Zügen, Flugzeugen oder auch Kraftwerken – können zu Materialermüdung und schließlich zu Brüchen führen. Einem internationalen Forscherteam rund um die Materialwissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Eisenforschung (MPIE) ist es nun gelungen, die Mikrostruktur des menschlichen Knochens auf Stahl zu übertragen. Die neue Stahlsorte hält wiederholten Belastungen besser stand als alle bisher bekannten Stahlwerkstoffe. Durch diese Innovation wird es künftig möglich sein, unter anderem langlebigere Flugzeug- und Autoteile zu produzieren.


Starkes Gerät Sie kommen zum Beispiel beim Bau von Windkraftanlagen zum Einsatz, eignen sich aber auch für den Schwergutumschlag und den Anlagenbau. Moderne Gittermast-Raupenkrane aus höchstfesten Baustählen besitzen heute die sechsfache Tragfähigkeit im Vergleich zu ihrem Eigengewicht. Die leistungsstärksten Modelle heben Lasten bis zu 3.200 Tonnen – das entspricht dem Gewicht von acht Airbus A380.

Höchstfeste Sicherheit Höchstfeste Stahlsorten machen Autos nicht nur leichter und sparsamer im Verbrauch, sie erhöhen auch die Sicherheit der Insassen. Fahrzeugkarosserien aus innovativen Leichtbaustählen nehmen bei einem Unfall innerhalb weniger Millisekunden bis zu 30 Prozent mehr Bewegungsenergie auf als herkömmliche Materialien. Da sie sich beim Aufprall auch weniger verformen, sind Fahrer und Insassen besser geschützt.

Aus einem Blech Stahl ist Design – das zeigt die Treppe „cut it!“ der Firma Spitzbart. Das Besondere an ihr ist die Transformation einer zweidimensionalen Stahlblechtafel in die dreidimensionale Raumskulptur. Aus nur einem Stück geschnitten, entfaltet sich die „Schnittgut-Treppe“ ähnlich einer Pop-up-Karte. Konstruktion und Design bilden dabei eine untrennbare Einheit. Der minimale Materialeinsatz und die effiziente Bearbeitung zeigen, wie zukunftsfähig die intelligente Anwendung von Stahl sein kann. Dafür erhielt „cut it!“ die Auszeichnung „Stahl-Innovationspreis 2015“.

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Stahl - DAS MAGAZIN | 1/2017 by Wirtschaftsvereinigung Stahl - Issuu