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Zukunft mit Stahl

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ZUKUNFT MIT STAHL www.stahl-online.de

ORIENTIERUNG IN UNSICHEREN ZEITEN 06_STAHLPOLITIK Was Brüssel und Berlin jetzt entscheiden müssen

12_ARBEITSWELT STAHL Wie Experten den Industriestandort Deutschland sichern

16_INFRASTRUKTUR Warum Stahl Probleme lösen kann


INHALT 02

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06 09

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GLEICHE REGELN FÜR ALLE Aktion der Stahl­industrie vor dem Berliner Reichstag

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HERAUSFORDERUNGEN MEISTERN Beim Megatrend Infrastruktur punktet Stahl mit vielfältigen Vorteilen

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EDITORIAL Hans Jürgen Kerkhoff fordert klaren Kurs in bewegten Zeiten ZWISCHEN HOFFEN UND BANGEN Brüssel und Berlin entscheiden über den Stahlstandort Deutschland EFFIZIENT & NACHHALTIG Wie Stahl in Deutschland Ressourcen schont und Energien spart ARBEITSWELT STAHL Qualifikation und Weiterbildung machen Beschäftigte fit für die Zukunft STROMERZEUGUNG Stahl ermöglicht Rekorde bei Leistung und Umweltverträglichkeit FIT FÜR HEUTE UND MORGEN Fünf Beispiele zeigen: Stahl ist unver­ zicht­barer Bestandteil des Alltags

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INTERVIEW: MICHAEL ZIESEMER, Präsident des ZVEI, spricht Klartext

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LEICHT, SICHER, UMWELTVERTRÄGLICH Aus gutem Grund ist Stahl der Leichtbauwerkstoff Nummer eins

Weitere Informationen zur Stahlindustrie finden Sie online: www.stahl-online.de | www.stahl-blog.de | twitter.com/stahl_online Herausgeber Wirtschaftsvereinigung Stahl Sohnstraße 65 40237 Düsseldorf Kontakt Klaus Schmidtke, Leiter Öffentlichkeitsarbeit Tel.: +49 211 6707-115 E-Mail: klaus.schmidtke@­ stahl-zentrum.de

Gestaltung Ketchum Pleon GmbH, Düsseldorf

Stand Dezember 2016

Redaktion Ketchum Pleon GmbH, Düsseldorf Wirtschaftsvereinigung Stahl, Dr. Reinhard Winkelgrund Marvin Bender

Titel: iStock, S. 2: Wirtschafts­ vereinigung Stahl/Dirk Heckmann (1), iStock (2), Illustration: Katrin Wolff (3), Wirtschaftsvereinigung Stahl (4), S. 3: Wirtschaftsvereinigung Stahl/ Jakob Studnar, S. 4/5: Wirtschafts­ vereinigung Stahl/Dirk Heckmann, S. 6: iStock, S. 7: iStock, S. 8: worldsteel/ Gregor Schläger, S. 9: iStock,

Bildnachweise:

S. 10: Max Aicher Unternehmens­ gruppe/Angela Aicher (1), iStock (2), S. 11: iStock, S. 12 Saarstahl AG, S. 13: SHS – Stahl Holding Saar GmbH & CO. KG, S. 14: Illustration Katrin Wolff, S. 17: thinkstock (1), Jan Bitter, Berlin (2), iStock (3), S. 18: iStock, S. 19: iStock, S. 20/21: Siemens AG, S. 22: Istock (1), Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophen­ hilfe (2), S. 23: iStock


KLARER KURS IN BEWEGTEN ZEITEN 03

Sehr geehrte Damen und Herren, hat die wettbewerbsfähige Stahlindustrie in Deutschland weiter eine gute Zukunft oder wird sie ins Abseits gedrängt? Sicher ist: Wenn die derzeitigen Pläne der EU-Kommission zur Verschärfung des Emissionsrechtehandels Realität werden und die europäischen Handelsschutzinstrumente vor allem gegen Dumping-Stahl aus China nicht durchgreifend wirken können, steht der Stahlstandort Europa vor der Zukunftsfrage. Von Berlin und Brüssel gibt es zwar immer wieder gute Worte – doch gerade in Brüssel ist es bisher lediglich bei Lippenbekenntnissen geblieben. In diesen bewegten Zeiten ist ein klarer Kurs gefragt! Die Stärken der Stahlindustrie sind unübersehbar: Innovationsfähigkeit, die effiziente Nutzung von Energie und Rohstoffen oder die hohe Qualifikation der Beschäftigten sind nur einige der Pfeiler starker Wettbewerbsfähigkeit. Doch wenn die Unsicherheiten weiter bestehen bleiben, werden diese Stützen zunehmend wegbrechen. Stahl ist kein unbedeutender Werkstoff. Wer glaubt, der Verlust nachhaltiger Stahlkompetenz wäre leicht zu verkraften, der irrt. Werkstoff und Industrie sind eine Säule der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Dynamik. Stahl ist unverzichtbar für die industriellen Wertschöpfungsketten in Deutschland. Und das ganz gleich, ob als immer leichterer und festerer Stahl für den Automobilbau, als innovativer Baustein für eine nachhaltige und langlebige Infrastruktur oder als Grundwerkstoff für die Energiewende. Wir appellieren an die politischen Entscheidungsträger, dass sie die zukünftigen Rahmenbedingungen für eine starke Industrie aktiv mitgestalten. Über diese und weitere Themen rund um den Werkstoff Stahl lesen Sie im vorliegenden Magazin.

Hans Jürgen Kerkhoff Präsident Wirtschaftsvereinigung Stahl Vorsitzender Stahlinstitut VDEh


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GLEICHE REGELN FÜR ALLE Stahl-Aktion in Berlin Mit einer symbolischen Aktion appellierte die Stahl­ industrie Anfang September an die Bundesregierung und europäische Politik, die drohende Verschärfung des EU-Emissionsrechtehandels zu verhindern. Ein Schaukampf vor dem Berliner Reichstag demonst­ rierte die ungleichen Wettbewerbsbedingungen in

der Branche: Der deutsche Athlet muss eine deutlich größere und schwerere Kugel stoßen als zum Beispiel sein chinesischer Konkurrent, den keine zusätzlichen CO2-Kosten belasten. Stahl­ arbeiter unterstützten die Forderung nach einem fairen Wettbewerb mit gleichen Regeln für alle.


ZWISCHEN HOFFEN UND BANGEN 06 6

Klimaziele, Energiewende, Dumping-Importe: drei Themen, die Ăźber die Zukunft der Stahlindustrie in Deutschland mitentscheiden. Vor allem BrĂźssel und Berlin sind jetzt gefordert.


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D

as Jahr 2016 neigt sich dem Ende zu, doch von einem entspannten Jahresausklang kann für die Stahl­ industrie keine Rede sein – im Gegenteil. Die Verwerfungen im globalen Handel, die Verschärfung der europäischen Klima­ schutzbemühungen und die Folgen der Energiewende in Deutschland sind Belastungen, die auch weiterhin das kommende Jahr bestimmen werden. Die Stahlunternehmen in Deutschland können im internationalen Wettbewerb bestehen. Das allerdings nur, wenn die Wettbewerbsbedingungen fair und ver­ gleichbar sind. Berlin und Brüssel müssen dafür die Voraussetzungen schaffen.

Die Stahlkonjunktur in Deutschland bietet 2016 ein uneinheitliches Bild: Während Produktion und Umsatz im Jahresverlauf zurückgingen, zeigte sich bei Auftragslage und Geschäftsklima eine leichte Besse­ rung. Die Auslastung liegt 2016 bei rund 86 Prozent. Die Branche weiß jedoch: Die Lage ist ernst, solange die Struktur­ krise in der globalen Stahlindustrie und die Importkrise auf dem europäischen Stahlmarkt ungelöst bleiben. Zwar hat sich die weltweite Nachfrage nach Stahl insgesamt stabilisiert, die Kapazitätsaus­ lastung liegt mit 70 Prozent jedoch auf historisch niedrigem Niveau. Gerade auch vor dem Hintergrund einer schwachen Weltwirtschaft halten Experten einen Abbau der globalen Stahlkapazitäten für unausweichlich.

Orte der Entscheidung. Im Bundestag und der EUKommission stehen wegweisende Beschlüsse zur Zukunft des Stahlstandorts Deutschland an.

Gemeinsam gegen Dumping In Europa zeigt sich die Strukturkrise beim Stahl vor allem als Importkrise. Die größten Sorgen bereitet dabei China. Die Stahleinfuhren aus dem Reich der Mitte befinden sich nach wie vor auf einem sehr hohen Niveau. Zudem sind die Gesamtimporte in die EU auf­ grund sogenannter Kaskadeneffekte 2016 merklich gestiegen: Anbieter aus Südkorea, Russland und der Ukraine, die von chinesischen Unternehmen auf Drittmärkten verdrängt werden, verla­ gern ihr Geschäft zunehmend nach Euro­ pa. Die europäische Stahlindustrie hat frühzeitig auf die daraus resultierenden Gefahren hingewiesen. Im Februar und April demonstrierten mehr als 45.000 Beschäftigte in Brüssel, Berlin und an den heimischen Standorten. Im Novem­ ber gingen erneut 15.000 Mitarbeiter in Brüssel auf die Straße. Gemeinsam


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fordern Unternehmen und Gewerkschaften von der EU-Kommission faire Wettbewerbsbedingun­ gen und die Anwendung not­wendiger Schutz­ maßnahmen. Eine Abschottung der Märkte liegt nicht im Interesse der Stahlindustrie. Wenn jedoch, wie im Fall China, der Handel massiv verzerrt wird, sind Schutzmaß­ nahmen unvermeidlich. Dass Dumpingklagen gut begründet waren, belegt die rasche Reaktion der EU-Kommission. Die bisher beschlossenen Maß­ nahmen sind allerdings nach Ansicht von Beob­ achtern nur ein Teilerfolg und reichen längst noch nicht aus. Es zeigt sich: Die handelspolitischen Instrumente der EU sind international nicht wettbe­ werbsfähig, andere Regionen der Welt sind besser aufgestellt und reagieren schneller auf Verwerfungen in den Märkten. Daraus leitet sich eine wesentliche Forderung an die Politik ab: Um gezielt bei einzelnen Produkten gegen unfaire Importe vorgehen zu können, ist eine Reform des Außenhandelsinstru­ mentariums erforderlich.

Die Regeln der Marktwirtschaft Mit Bangen schaut die Stahlindustrie zudem nach Brüssel, weil dort in Kürze die Entscheidung über den Marktwirtschaftsstatus für China ansteht. Sollte das Riesenreich den begehrten Status zuge­ sprochen bekommen, würde das die handels­ politischen Möglichkeiten der Europäer im Kampf gegen Dumpingimporte massiv schwächen. China steht nicht nur für die Hälfte der Weltstahl­ produktion, sondern auch für zwei Drittel der glo­ balen Überkapazitäten in Höhe von 660 Millionen Tonnen. 75 Prozent des weltweiten Kapazitäts­ aufbaus seit 2011 entfallen auf das Land. Zudem kommt jede dritte Tonne Stahl, die weltweit ex­ portiert wird, aus China. Die Regierungschefs der

G-20-Staaten haben auf ihrer Konferenz in Hangzhou im September die Strukturprobleme der Stahlin­ dustrie diskutiert. Sie forderten konkrete Schritte, um die notwendigen Anpassungsprozesse zu unter­ stützen. China hat zugesagt, seine Kapazitäten bis 2020 um 100 bis 150 Millionen Tonnen abzubauen – bis September 2016 waren es aber gerade einmal – abzüglich der Neuanlagen – fünf Millionen Tonnen und damit gerade einmal 0,5 Prozent der Gesamt­ kapazitäten. Mit solch eher symbolischen Maßnah­ men lässt sich das Strukturproblem mit Sicherheit nicht lösen und es bleibt zu hoffen, dass sich China in die Arbeit des neu gegründeten „Kapazitäts­ forums Stahl“ konstruktiv und verantwortungsvoll einbringt. Die europäische Stahlindustrie drängt darauf, dass China weitere Schritte in Richtung Marktwirtschaft gehen muss. Sie fordert nachweisbare Kriterien und effiziente Verfahren, damit ein wirkungsvoller Handelsschutz auch nach Dezember 2016, wenn China den Marktwirtschaftsstatus erhalten sollte, noch möglich ist. Die Anfang November von der Europäischen Kommission vorgestellten neuen Methoden zur Bestimmung von Dumping gehen in die richtige Richtung. Doch es bleiben zahlreiche Fragen offen, die im weiteren Verlauf der Beratun­ gen und des Gesetzgebungsverfahrens zu beant­ worten sind.

Verantwortung für Arbeit und Umwelt Anfang November ist das neue, weltweite Klima­ schutzabkommen in Kraft getreten, nachdem die erforderliche Anzahl von Ländern, darunter auch Deutschland, den Vertrag ratifiziert hat. Erstmals haben sich alle Unterzeichner zum Klimaschutz sowie zur Verringerung der CO2-Emissionen bekannt und sich grundsätzlich zu Maßnahmen in einem


internationalen Rahmenwerk verpflichtet. Was auf den ersten Blick positiv scheint, erweist sich bei genauerem Hinsehen als kritisch: Von global ver­ gleichbaren Wettbewerbsbedingungen kann keine Rede sein. Schon die Ausgangspunkte sind äußerst unterschiedlich. So geht die Europäische Union bei ihren Emissionszielen vom Basiswert 1990 aus, andere Länder berechnen die Reduktionsziele vom aktuellen Niveau aus. China will sogar den Höhe­ punkt seiner Emissionen erst im Jahr 2030 erreichen. Vor diesem Hintergrund ist eine Verschärfung der deutschen und europäischen Klimapolitik gegen­ über der heimischen Industrie höchst problematisch. Die aktuellen Pläne zur Reform des europäischen Emissionsrechtehandels würden eine wettbewerbs­ fähige Stahlproduktion wohl unmöglich machen. Der aktuelle Vorschlag zur künftigen Ausgestaltung des europäischen Emissionshandelssystems ab 2021 zieht enorme Kosten für Stahlproduzenten nach sich. Sie müssten wegen der zunehmenden Ver­ knappung von CO2-Zertifikaten im Zeitraum 2021 bis 2030 durchschnittlich fast 40 Prozent der Zertifi­ kate zukaufen. Zusammen mit den höheren Strom­ preisen belaufen sich die Kosten durchschnittlich auf eine Milliarde Euro pro Jahr. Das ist weder wirtschaft­ lich sinnvoll noch technisch realisierbar. Denn die deutsche Stahlindustrie, die ihre CO2-Emissionen seit 1990 bereits um rund 20 Prozent vermindert hat, stößt bei der weiteren Reduktion an prozess­ bedingte Grenzen. Es wäre fatal, wenn eine Klimapolitik ohne Augen­ maß die Existenz der weltweit saubersten Stahl­ produzenten zerstört. Chinesischer Stahl verursacht durchschnittlich 43 Prozent mehr CO2-Emissionen als europäischer Stahl. Mit den 7,2 Millionen Tonnen Walzstahlimporten aus China wurde 2015 ein ökologischer Rucksack von vier Millionen Tonnen zusätzlichem CO2 exportiert. Daher mahnen Fachleute, Ökologie und Ökonomie in Einklang zu bringen. Die Zuteilung der CO2-Zertifikate sollte so festgelegt werden, dass die zehn Prozent effizi­ entesten Anlagen auch künftig ohne zusätzliche

Belastungen bleiben. So lohnt es, in saubere Tech­ nologien zu investieren. Zugleich sinkt das Risiko von „carbon leakage“, das heißt, einer Abwande­ rung der Industrie in Regionen mit geringeren Um­ weltauflagen. Die Debatte in Brüssel lässt bisher nicht erkennen, dass die Brisanz voll erkannt wird. Hier ist eine starke Position von Ministerrat und Europäischem Parlament wünschenswert, die auch die Interessen der Industrie berücksichtigt, die den Klimaschutz fördert, aber zugleich die Stahlproduktion in Deutsch­ land auch künftig ermöglicht. Notwendig ist eine Klimapolitik, die auch technologisch effizient ist und dabei die Kosten im Blick behält. Europa kann sich keine Klima-Vorreiterrolle auf dem Rücken der heimischen Industrie erlauben. Und kein Land der Welt wird einem Vorreiter folgen, wenn seine Volkswirtschaft dabei Schaden nimmt.

Es braucht Taten statt Worte Die Stahlindustrie in Deutschland ist gut aufge­ stellt. Ihre Zukunft hängt aber stark von den anstehenden politischen Entscheidungen ab. Wenn den Unternehmen durch regulatorische Kosten und gezieltes Dumping die Finanzkraft für Forschung und Entwicklung genommen wird, dann hat die Stahlindustrie langfristig keine Chance mehr in Europa. Deshalb braucht es faire und gleiche Wett­ bewerbsbedingungen bei Handel und Klimaschutz, damit die Stahlindustrie als Ursprung industrieller Wertschöpfungsketten in Deutschland erhalten bleibt. Die Stahlindustrie in Deutschland hat ihre Erwartungen formuliert, die Politik hat reagiert. Der Worte sind genug gewechselt – jetzt müssen Taten folgen!

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EFFIZIENT & NACHHALTIG 10

Die Stahlindustrie steht zu ihrer Verantwortung für Nachhaltigkeit. Durch die gesteigerte Ressourcen- und Energie­ effizienz kann Stahl heutzutage deutlich umweltfreundlicher produziert werden als vor wenigen Jahren. Auch das zeichnet die deutschen Stahlhersteller im inter­ nationalen Wettbewerb aus.

Immer wieder neu Stahl ist Recycling-Weltmeister, allein in Deutsch­ land werden pro Jahr rund 22 Millionen Tonnen wiederverwertet – das entspricht fast 3.000 Eiffel­ türmen. Stahlrecycling schont nicht nur Energie und Ressourcen, es senkt auch CO2-Emissionen. So spart der Einsatz einer Tonne Stahlschrott CO2Emissionen in gleicher Höhe ein. Pro Jahr sind das in Deutschland mehr als 20 Millionen Tonnen CO2 – so viel, wie Berlin in einem Jahr freisetzt.

Sparsamer Kreislauf Auch beim Wasser setzt die Stahlindustrie auf Effizienz, wie der nahezu geschlossene Wasserkreislauf zeigt. Im Fertigungsprozess werden große Mengen Wasser unter­ schiedlicher Qualität benötigt. Das wird jedoch nur zu gut fünf Prozent über Frischwasser gedeckt, knapp 95 Prozent des Wassers werden im geschlossenen System immer wieder aufbereitet. Durch Kreislaufführung und Kaskadennutzung konnte der Wassereinsatz bei der Stahlerzeugung in Deutschland seit 1983 um 75 Prozent gesenkt werden.


Emissionen bei der Stahlproduktion

Effizienz fossiler Kraftwerke

0,1

Windkraft

0,4

Pkw (Gewichtsreduktion)

Netto-CO2-Einsparpotenzial 29,5 14,2

8,4

11,2

Kraft-Wärme-Kopplung

1,0

Weitere regenerative Energien

0,03

Effizientere Trafos

0,1

Effiziente E-Motoren

0,7

Lkw (Gewichtsreduktion)

0,9

Summe Emissionen: ca. 12 Mio. t

9,2 5,0 2,1 1,9 1,0

Summe Ersparnis: ca. 74 Mio. t

Quelle: Boston Consulting Group Emission durch Produktion in Millionen Tonnen

CO2-Einsparungen durch Stahl in Millionen Tonnen

Klimaschutz mit Faktor 6 Ein Drittel der von der Bundesregierung bis 2020 geplanten CO2-Einsparungen in Deutschland lässt sich nur mithilfe innovativer Stahlprodukte verwirklichen. Sie sind unverzichtbar etwa beim Bau von Windkraftanlagen, effizienteren Kraftwerken und Elektrofahrzeugen. Experten haben errechnet: Im Durchschnitt spart der Einsatz innovativer Stähle sechsmal so viel CO2 ein, wie bei der dafür notwendigen Stahlproduktion verursacht wird.

Vorrang für Eigenstrom Mit der Verwertung von Kuppelgasen spart die Stahlindustrie pro Jahr 2,6 Millionen Tonnen Steinkohle oder zwei Milliarden Kubikmeter Erdgas. Dies entlastet das Klima um rund 6,5 Millionen Tonnen CO2, was den Emissionen von mehr als drei Millionen Mittelklasse-Pkw entspricht. Kuppelgase entstehen bei der Koks-, Roheisen- und Stahl­ produktion im integrierten Hüttenwerk. Etwa zwei Drittel werden dem Produktionsprozess zugeführt, aus dem Rest erzeugen die Unternehmen Strom in speziellen Kraftwerken. Die so gewonnenen rund elf Terawattstunden Strom decken den Strombedarf der Werke zu mehr als 50 Prozent.

Gut vernetzt Effizienz bedeutet für die deutsche Stahlindustrie den schonenden Umgang mit Ressourcen – allein schon, weil die benötigten Rohstoffe größtenteils importiert werden müssen. Energieeffizienz und noch geringere CO2-Emissionen bleiben auch weiterhin Ziele für die Zukunft. Als Mitglieder in der Initiative Energieeffizienz-Netzwerke der Bundes­ regierung und der Wirtschaft in Deutschland unterstützen die Wirt­ schaftsvereinigung Stahl und das Stahlinstitut VDEh ihre Unternehmen bei diesem Vorhaben. Mehr unter: www.effizienz-mit-stahl.de

11


ARBEITSWELT STAHL WISSENSTRANSFER UND INDUSTRIE 4.0 12

Qualifikation und Weiterbildung spielen für die Stahlindustrie in Deutschland seit jeher eine große Rolle. Die Anforderungen an die eigenen Mitarbeiter sind hoch. In Zeiten von Digitalisierung und Industrie 4.0 heißt es umso mehr, die rund 86.000 Beschäftigten „fit für die Zukunft“ zu machen.

auch die Arbeitswelt Stahl. „Um die Chancen der digitalen Entwicklung auch für die betriebliche Weiterbildung zu nutzen, müssen nicht nur die Strukturen und Arbeitsplätze angepasst, sondern auch die Mitarbeiter entsprechend qualifiziert werden“, erklärt Harald Schartau, Vorsitzender des Ausschusses Bildung und Personal der Wirt­ schaftsvereinigung Stahl und Arbeitsdirektor der Georgsmarienhütte Holding, die Herausforderungen.

Know-how für Generationen

D

er technische und organisatorische Wandel macht auch vor der Arbeitswelt Stahl nicht halt. Die Stahlunternehmen in Deutschland stellen sich den gestiegenen Anforderungen an die Aus- und Weiterbildung. Sie bilden aktuell rund 4.500 Jugendliche aus. Das Spektrum der angebote­ nen Berufe reicht dabei vom Chemielaboranten bis hin zum Kaufmann für Bürokommunikation.

„Experten für Stahl“ sichern den Industriestandort Deutschland Einen großen Anteil am Erfolg des Stahlstandortes Deutschland haben hoch qualifizierte Männer und Frauen mit interessanten und verantwortungsvollen Berufen. Bei den rund 6.000 Ingenieuren, die in der Stahlindustrie in Deutschland beschäftigt sind, werden Spezialisierung und Qualifizierung großgeschrieben. Das gilt auch seit jüngster Vergangenheit besonders für das Thema Digitalisierung. Die unter dem Schlag­ wort Industrie 4.0 zusammengefassten Veränderun­ gen betreffen nicht nur industrielle Prozesse, sondern

Um die hohe Qualifikation ihrer Mitarbeiter zu sichern, greifen die Stahlunternehmen auf unter­ schiedliche Maßnahmen zurück: So hat beispiels­ weise ArcelorMittal im Sommer dieses Jahres eine konzernweite Woche des Lernens ausgerufen. Im Rahmen des Exzellenz-Programms Action 2020, mit dem Ziel, das Unternehmen in der Spitzen­ gruppe der Wettbewerber zu halten, schulte das Unternehmen seine Mitarbeiter an den deutschen Standorten unter anderem zu Themen wie Arbeits­ sicherheit oder Prozessoptimierung. Für Michelle Nicolaus, Ingenieurin Verfahrenstech­ nik bei Saarstahl im Bereich Innovation, ist die Weitergabe von Wissen an die jüngeren Kollegen besonders wichtig: „Das von einem Mitarbeiter über Jahre erworbene Wissen und die Erfahrungen dürfen nicht verloren gehen. Diesen gesammelten Schatz frühzeitig und strukturiert in Form eines Wissenstransfers an eine jüngere Generation zu übertragen, stellt sicher, dass das Wissen im Unter­ nehmen bleibt und uns Nachwuchskräften hilft.“ Salzgitter Flachstahl betreibt eigens für die Weitergabe von Know-how das Programm „TransferWerk“.


Jung und modern. So vielfältig wie die Menschen sind auch die Beschäftigungsmöglich­ keiten in der Stahlindustrie. Das wissen nicht nur die Auszubilden­ den an der Saar zu schätzen.

Dieses kommt zum Einsatz, wenn ein Personal­ wechsel auf einer verantwortungsvollen Position ansteht. „Durch das TransferWerk stellen wir sicher, dass Aufgaben und Anforderungen strukturiert zwischen Experten und Wissensnehmern überge­ ben werden und somit kein Wissen verloren geht“, so Anja Gießelmann, Leiterin Support berufliche Bildung des Unternehmens.

Fit für Industrie 4.0 Den Weg der individuellen Weiterbildung hat Laura Tolettini, Einkaufsmanagerin bei den ElbeStahl­werken Feralpi in Riesa, eingeschlagen. Erst kürzlich hat sie den Masterstudiengang in Business Administration an der Handelshochschule in Leipzig abgeschlossen. Ihre Masterarbeit schrieb sie zum Thema Industrie 4.0 in der Stahlindustrie

und befragte mit Unterstützung der Feralpi Group hierfür rund 60 Stakeholder. „Ich bin überrascht, welchen Stellenwert Industrie 4.0 in der Stahl­ industrie hat. Es ist eine fundamentale Vernetzung und Partnerschaft von allen Stakeholdern in der Wertschöpfungskette“, beschreibt Tolettini die Ergebnisse ihrer Abschlussarbeit. Diesen Eindruck bestätigt Ulrich Schneppe, Head of Technology Management der thyssenkrupp Hohenlimburg: „Wir gehen in grenzenlose Ge­ schäftsprozesse. Industrie 4.0 ist der Dreiklang aus Technologie, Informatik und dem Menschen – vor allen Dingen dem Menschen.“ Und betont somit die Wichtigkeit des Faktors Mensch beim Thema Industrie 4.0.


KLARTEXT „DIGITALISIERUNG ALS CHANCE BEGREIFEN“ 14

Michael Ziesemer ist Präsident des ZVEI – Zentralverband Elek­ trotechnik- und Elektronikindustrie. Im Interview spricht er über die wachsende Bedeutung von Wertschöpfungsnetzwerken, die Chancen der Digitalisierung für den Wirtschaftsstandort Deutschland und erklärt, was das wirklich Revolutionäre an Industrie 4.0 ist.

I

ndustrie 4.0 bedeutet, Maschinen, Elektrotechnik und moderne IT-Systeme intelligent zu vernetzen. In der Stahlin­ dustrie in Deutschland ist das bereits heute Realität. Ein Ziel der Digitalisierung ist die flexible Produktion. Individuelle Produkte und die Großserienproduktion schließen sich heute nicht mehr aus – aber das ist nur ein Aspekt und der Beginn des Transformationsprozesses, den die Stahlunternehmen maßgeblich mitgestalten. Die Digitalisierung ermög­ licht gänzlich neue Geschäftsmodelle, mit dem Potenzial, die gesamte Wirt­ schaft zu verändern.

Michael Ziesemer | Präsident ZVEI


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„Die Politik muss sich für faire Wettbewerbsbedingungen für alle Branchen gleichermaßen einsetzen.“ Im Gespräch: Michael Ziesemer, Präsident ZVEI

Wie gut sehen Sie Deutschland im Bereich Industrie 4.0 aufgestellt? Industrie 4.0 hat in den letzten Jahren enorm an Dynamik gewonnen. Deutschland und seine Unternehmen sind technologisch ganz weit vorn. Über die Plattform Industrie 4.0 ist es uns gelungen, die Digitalisierung zu einem zentralen Baustein der deutschen Industriepolitik zu machen. Gemeinsam mit Bitkom, DIN, DKE und VDMA hat der ZVEI aus der Plattform heraus das „Standardization Council“ gegründet. Ziel der Initiative ist es, Industrie-4.0-Standards zu initiieren und diese national sowie international zu koordinieren. Mit dem im ZVEI entwickelten Referenzarchitekturmodell RAMI 4.0 übernehmen wir hierzulande eine Führungsrolle in der internationalen Diskussion über zukünftige Industriestan­ dards. Den Erfolg der deutschen Wirt­ schaft sichert zudem die Zusammenar­ beit in Initiativen wie dem Labs Network Industrie 4.0, die vor allem mittelständi­ schen Unternehmen zugutekommt. Ich habe den Eindruck, dass die Digitalisie­ rung mit ihrem durchaus disruptiven Potenzial bei den Unternehmen ange­ kommen ist. Reicht das aus, um im internationalen Wettbewerb zu bestehen? Bei Industrie 4.0 geht es nicht einfach um die Vernetzung der Produktion, sondern um die Digitalisierung komplet­ ter Wertschöpfungsketten zu Wert­

schöpfungsnetzwerken. Dabei handelt es sich um einen fundamentalen Trans­ formationsprozess, der grenzüberschrei­ tend stattfindet. Es ist richtig, dass uns die amerikanische Internetwirtschaft bei der Entwicklung von datenbasierten Geschäftsmodellen voraus ist. Unsere Unternehmen sind dort exzellent, wo die Welt der IT mit der realen Welt zusam­ menkommt – in Antrieben, Steuerungen, Sensoren und Maschinen. In diesen Bereichen sind deutsche Unternehmen Weltmarktführer. Doch das eigentlich „Revolutionäre“ an Industrie 4.0 ist die Entstehung neuer Geschäftsmodelle. Und hier muss Deutschland tatsächlich noch zulegen. Die Digitalisierung muss als Chance begriffen werden. Das gilt natürlich auch für die Stahlindustrie.

Wertschöpfungstiefe. Das hat uns in der Vergangenheit stark gemacht und das muss auch der Schlüssel für die Zukunft sein. Die Politik muss sich für faire Wettbewerbsbedingungen für alle Branchen gleichermaßen einsetzen.

Kann die Europäische Union als komplexes Gebilde Schritt halten mit der Innovationsgeschwindigkeit einer digitalisierten Wirtschaft? Das muss sie! Die Politik hat erkannt, dass die Zukunft in Europa maßgeblich durch die Digitalisierung geprägt wird. Der ZVEI unterstützt ausdrücklich die EU-Kommission und ihre Digitalisie­ rungsstrategie für Europa.

Durch die Digitalisierung ändern sich auch die Anforderungen an die Fachkräfte. Auf welche Fähigkeiten wird es künftig ankommen? Es ist unverkennbar, dass die Digitali­ sierung die Arbeitswelt verändern wird. Insbesondere einfache Tätigkeiten werden wegfallen und die Zusammen­ arbeit von Mensch und Maschine wird zunehmen. Es entstehen aber auch vielfältige neue Arbeitsplätze. Diese Entwicklung muss gestaltet werden. Der ZVEI ist überzeugt, dass der Mensch nicht in eine Nebenrolle gedrängt wird. Erforderlich ist jedoch, dass Mitarbeiter sich umfassend weiter­bilden und Zusatzqualifikationen erwerben, denn die digitale Transformation vollzieht sich maßgeblich in den nächsten fünf bis acht Jahren. Daher müssen die entscheidenden Weichenstellungen mit der aktuellen Belegschaft bewältigt werden.

Es geht um die Wettbewerbsfähigkeit des europäischen Wirtschaftsraums. Unser Anliegen ist es, den Standort Deutschland zu stärken und unseren Heimatmarkt Europa auszubauen. Essenziell hierfür sind starke Wert­ schöpfungsnetzwerke und eine hohe

Ergänzen Sie zum Abschluss bitte folgenden Satz: Digitalisierung ist für die deutsche Industrie … ... die Chance, den nächsten Sprung der industriellen Entwicklung aus einer führenden Position heraus zu gestalten.


HERAUSFORDERUNGEN MEISTERN 16

Stahl gehört noch lange nicht zum alten Eisen – im Gegenteil. Bei aktuellen und künftigen Herausforderungen im Bereich der Infrastruktur kann der Werkstoff seine vielfältigen Vorteile voll ausspielen.

L

ange war das Häuschen im Grünen der Traum vieler Deutscher – heute ziehen sie lieber in die Großstadt. Nicht nur für junge Menschen, sondern auch für Familien mit Kindern werden Metropolen attraktiver, sodass sie immer seltener ins Umland ziehen. Mit Blick auf die Renaissance der Städte prognostizieren Experten für 2030 stei­ gende Einwohnerzahlen und wachsende Heraus­ forderungen: „Es drohen Engpässe auf dem Woh­ nungsmarkt und die Überlastung der Infrastruktur“, mahnt Klaus-Heiner Röhl vom Institut der deut­ schen Wirtschaft (IW). Bund, Länder und Kommu­ nen sind gefordert, die Themen jetzt anzupacken.

Nachhaltig mobil Zum Beispiel Straßen und Brücken: Intakte Verkehrs­ wege sind die Schlagadern der mobilen Gesell­ schaft. Doch der Patient Deutschland schwächelt, allein rund 6.000 Brücken an Bundesstraßen und Autobahnen gelten als dringend sanierungsbedürf­ tig. Sie leiden vor allem unter dem zunehmenden Schwerlastverkehr. Was Abhilfe schaffen könnte, lässt sich seit Mitte September an der A 44 begut­ achten: Hier steht Deutschlands erste feuerverzinkte Stahl-Verbundbrücke. Die Neukonstruktion zeigt, dass durch Feuerverzinkung Brückenbauwerke deut­ lich wartungsärmer und damit wirtschaftlicher als bisher ausgeführt werden können. Denn der Korro­ sionsschutz der Brücke hält mindestens 100 Jahre. Es kommt auf leisen Sohlen daher, ist flink, wendig, umweltfreundlich: Das Elektroauto ist das Verkehrs­ mittel der Zukunft. Ins Rollen kommt das E-Mobil mit Stahl. 30.000 Tonnen Elektro­blech werden benötigt, um die ambitionierten Ziele der Bundesregierung zu erreichen: Bis 2020 sollen eine Million Elektrofahr­ zeuge auf Deutschlands Straßen unterwegs sein. Speziell für Elektromotoren entwickelte Stahlsorten

ermöglichen einen verbesserten Wirkungsgrad bei erhöhter Drehzahlfestigkeit und Temperatur­ beständigkeit. Hochfeste Stähle schützen nicht nur die Insassen der Fahrzeuge, sondern auch die sensible Batterie. Die Stadt der Zukunft stellt auch in puncto Wohnen neue Ansprüche: Platzsparend, ressourceneffizient und attraktiv sollen die eigenen vier Wände sein. Wie das geht, zeigt der Sieger des Wettbewerbs „Häuser des Jahres 2016“. Mit ihrer markanten Wellblech-Fassade erfülle die „Neue deutsche Welle beispielhaft die Erwartungen an ein modernes Stadthaus und ist ein Modell für zukünftiges Bauen“, lobt der Jury-Vorsitzende Meinhard von Gerkan. Hier zeigt sich auch: Bauen mit Stahl ist nachhaltig. Denn schlanke Bauteile und große Spannweiten sparen Ressourcen, zudem lässt sich Stahl beim Rückbau ohne Qualitätseinbußen recyceln.

Investitionen lohnen Bleibt noch die Frage nach den Kosten. Das Institut der deutschen Wirtschaft schätzt die Investitionen für die marode Infrastruktur in den nächsten zehn Jahren auf mindestens 120 Milliarden Euro. „Die Politik sollte vor Invest­ itionsausgaben nicht zurückschrecken“, rät IWExperte Röhl mit Verweis auf eine Faustformel: Zehn Milliarden Euro für die Infrastruktur erhöhen die Wirtschaftsleistung um 2,5 Milliarden Euro pro Jahr. Jede Investition macht sich also bereits nach vier Jahren bezahlt.

Blickfang Stahl. Als Werkstoff in der Infrastruktur ist Stahl oft nicht nur funktional, sondern auch ästhetisch.


LEICHT, SICHER, UMWELTVERTRÄGLICH 18

Unsere Autos müssen abspecken. Weniger Gewicht und weniger Emissionen ermöglicht der Werkstoff Stahl.

N

ur noch drei Jahre bleibt den Autobauern in Europa Zeit, die CO2-Emissionen ihrer Fahrzeuge auf unter 95 Gramm pro Kilometer zu senken. Gelingt das nicht, drohen empfindliche Bußgelder. Die Lösung scheint einfach: kleinere Motoren, alternative Antriebe und weniger Gewicht. 100 Kilogramm weniger Gewicht bedeuten bis zu 0,3 Liter weniger Kraftstoff auf 100 Kilometern. Doch ganz so leicht geht es nicht. Viele Energie­ spartechniken machen das Fahrzeug schwerer. So bringt eine Start-Stopp-Automatik rund 15 Kilo­ gramm zusätzliches Gewicht an Bord, mit Batterien bei Elektroantrieben sind es bis zu 250 Kilogramm.

Mehr Sicherheit, weniger Gewicht Damit Autos künftig nicht nur leicht, sondern auch sicher sind, müssen die Bauteile hochbelastbar sein. Die Schlüsseltechnologie dafür heißt Leichtbau. Im Wettbewerb mit Aluminium und Carbon ist Stahl

der Leichtbauwerkstoff Nummer eins. Die Alter­ nativen zu Stahl sind zwar leichter, aber auch deutlich teurer, da sie bei der Herstellung weit mehr Ressourcen verbrauchen. Konsequenz: Aluminium und Carbon sind insbesondere für die Großserienfertigung von Klein- und Mittelklasse­ wagen zu kostspielig. Weltweit entfallen rund 90 Prozent auf diese Gruppe. Der Anteil von Stahl beträgt hier rund 60 Prozent am Fahrzeugge­ wicht. Die anspruchsvollen Anforderungen der Kunden erfüllen die Stahlhersteller mit innovati­ ven Produkten, mehr als 2.500 Stahlsorten sind derzeit gelistet. Gefragt sind vor allem hochund höchstfeste Stähle, mit denen die Autobauer immer dünnere und damit leichtere Bauteile herstellen können. Für viele sicherheitsrelevante Fahrzeugteile – etwa A- und B-Säule, Dachrahmen oder Seitenaufprall­ schutz – werden vorrangig Mangan-Bor-Stähle


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eingesetzt. Sie werden bei der Warmumformung auf gut 900 Grad Celsius erhitzt und anschließend in speziellen Umformwerkzeugen schnell abge­ kühlt, was ihre Festigkeit verdreifacht. Die Bauteile zeichnen sich nicht nur durch 20 bis 30 Prozent weniger Gewicht aus, sondern auch durch hervor­ ragende Crash-Eigenschaften. Warmumformstähle sind die am schnellsten wachsende Werkstoff­ gruppe. Ihr Anteil beträgt im aktuellen VW Golf 28 Prozent, beim Vorgängermodell waren es erst sechs Prozent.

Hoch im Kurs. Bei der Automobil­ fertigung ist Leichtbau besonders gefragt.

Gemeinsam gehts leichter Das Gewicht eines Pkw wird im Wesentlichen von Karosserie, Fahrwerk, Antrieb, Ausstattung und Elektronik bestimmt. Lange konzentrierten sich die Konstrukteure hinsichtlich Leichtbau auf die Karosserie. Doch auch das Leichtbaupotenzial von Antriebsstrang und Fahrwerk ist groß, wie die Initiative Massiver Leichtbau ermittelt hat. In dem 2013 gegründeten, weltweit einzigartigen Verbund arbeiten Stahlhersteller und Umform­ unternehmen gemeinsam und präsentieren nun eindrucksvolle Ergebnisse: 42 Kilogramm Leicht­ baupotenzial identifizierten die Fachleute bei Antriebsstrang- und Fahrwerkbauteilen eines normalen Mittelklasse-Pkw, es reicht von der Kurbelwelle über Getriebewellen und Zahnräder bis hin zur einzelnen Schraube. Bei leichten Nutzfahrzeugen wie Transportern sind sogar 99 Kilogramm weniger Gewicht möglich.

Auch die Ergebnisse der Initiative Massiver Leicht­ bau belegen: Leichtbau zahlt sich aus und wird bei der Automobilfertigung immer wichtiger. Der Schlüssel zum Erfolg liegt in der Zusammenarbeit über die gesamte Fertigungskette hinweg – von der Stahlherstellung bis zur einbaufertigen Kom­ ponente. Das Entwicklungspotenzial des Werk­ stoffs Stahl ist dabei längst nicht ausgeschöpft. Neue Sorten, Werkstoffverbunde und innovative Ver­arbeitungsprozesse machen Fahrzeuge noch leichter und sparsamer. Davon profitieren nicht nur Autofahrer und Umwelt, sondern auch der Wirtschaftsstandort Deutschland.

Leicht, aber nicht locker. Die Leichtbaumutter der Firma HEWI G. Winker wiegt 20 Prozent weniger als herkömmliche Muttern. Dafür erhielt der Spaichinger Automobilzulieferer den Stahl-Innovationspreis 2015.


STROMERZEUGUNG AUF REKORDJAGD 20

Stahl ist die Basis für die Energiewende. Das gilt auch für die konventionelle Stromgewinnung. Hier ermöglicht der Werkstoff Bestmarken bei Leistung und Umweltverträglichkeit.

„Fortuna“ in Düsseldorf. Der Kraftwerksblock an der Lausward ist nicht nur weltmeisterlich effizient, sondern auch optisch ansprechend.


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TOPLEISTUNG! 603,8 MEGAWATT

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uch Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel hat erkannt: „Ohne Stahl gibt es keine Energiewende“ – und er hat recht. Ohne Stahl dreht sich kein Windrad und fährt kein Elektroauto. Doch Strom aus erneuerbaren Energien steht nicht gleichmäßig zur Verfügung: Sonnenkollektoren und Windräder produzieren nur, wenn die Sonne scheint oder der Wind weht.

Deshalb braucht Deutschland auf dem Weg in eine Zukunft mit hundert Prozent erneuerbarer Energie kurz- und mittelfristig konventionelle Kraftwerke. Moderne Gas- und Dampfkraftwerke (GuD) haben hierbei eine wichtige Brückenfunktion: Sie lassen sich innerhalb weniger Minuten hochfahren und können Stromschwankungen ausgleichen, die bei der Nutzung von Solar- und Windkraft entstehen. Und auch hier ist Stahl einer der wichtigsten Konstruktionswerkstoffe.

Fortunas Hattrick Das effizienteste und leistungsfähigste Gas- und Dampfturbinenkraftwerk weltweit arbeitet im Düsseldorfer Hafen. Herzstück des Blocks „Fortuna“ am Standort Lausward ist die Gasturbine SGT58000H von Siemens. Sie ist eine der größten der Welt und besteht zu 95 Prozent aus geschmiedeten und gegossenen Bauteilen aus Stahl. Die hiermit erzeugten 603,8 Megawatt aus einem einzigen Kraftwerksblock sind Weltrekord. Gleiches gilt für den Wirkungsgrad: Während er bei herkömmlichen Kohle­kraftwerken bei rund 40 Prozent liegt, erreicht Fortuna mehr als 61 Prozent und spart im Vergleich zum Durchschnitt der EU-Kohlekraftwerke pro Jahr auch noch rund drei Millionen Tonnen CO2 ein.

Mit der Nutzung der anfallenden Wärmeenergie für Düsseldorfs Fernwärmenetz wird ein weiterer Weltrekord aufgestellt. Nie zuvor konnten aus einem einzigen Kraftwerksblock mit nur einer Gasturbine 300 Megawatt Fernwärme ausgekoppelt werden. Möglich machen diese Spitzenwerte hochwarmfeste Spezialstähle für druck- und temperaturbeanspruchte Bauteile. „Hochtemperatur-Werkstoffe leisten einen wichtigen Beitrag zum wirtschaftlichen Betrieb und zum Umweltschutz“, erklärt Andreas Neidel, Leiter des Prüflabors Werkstoffe der Siemens Power Generation. „Sie ermöglichen höhere Prozesstem­ peraturen, höhere Wirkungsgrade und geringeren Brennstoffverbrauch.“

Noch höhere Flexibilität Bereits zum Jahreswechsel 2016/2017 soll das GuD-Kraftwerk am Standort Lausward um eine weitere wichtige Komponente erweitert werden: ein großer Heißwasser-Fernwärmespeicher, der die Flexibilität der Anlage weiter steigert. Die Wirkungsweise des Speichers ist einfach. Sobald bei der Stromerzeugung mehr Wärme ausgekoppelt wird, als die Stadt Düsseldorf zum betreffenden Zeitpunkt benötigt, wird die überschüssige Wärme­ menge zwischengespeichert. Besteht dagegen geringer Strom-, aber hoher Wärmebedarf, wird dieser durch den Speicher gedeckt. Auf diese Weise kann die Strom- und Fernwärmeerzeugung vom Wärmebedarf der Stadt zeitlich entkoppelt und der Betrieb der Anlage gezielt der konkreten Nachfragesituation angepasst werden. Die Anlage der Stadtwerke Düsseldorf zeigt, dass sich die Investition in hocheffiziente GuDKraftwerke auch unter schwierigen Marktbe­ dingungen rechnen kann – maßgeblich sind die effiziente Brennstoffausnutzung und der hohe Grad ausgekoppelter Fernwärme. Moderne GuD-Kraftwerke übernehmen somit als Partner der erneuerbaren Energien mittelfristig eine wesentliche Rolle für eine stabile und bezahlbare Energieversorgung.


FIT FÜR HEUTE UND MORGEN 22

Autos, Windräder, Turbinen: drei typische Beispiele aus Stahl. Doch als Konstruktionswerkstoff Nummer eins vollbringt Stahl auch Großes im Kleinen. Fünf Beispiele präsentieren Stahl als unverzichtbaren Bestandteil des Alltags.

Präziser Schnitt Edelstahl ist unverzichtbar für die medizinische Versorgung des Menschen, er ist aus dem Klinikalltag nicht wegzuden­ ken. OP-Besteck aus Edelstahl zeichnet sich durch höchste Funktionalität, Präzision und Hygiene aus. Der Werkstoff verhindert Bakterienbildung auf der Oberfläche und kann problemlos desinfiziert und sterilisiert werden.

Gedächtnis der Nation Barbarastollen, Schwarzwald: In 400 Meter Tiefe hilft Stahl, das Vermächtnis der deutschen Geschichte zu schützen. Luft- und wasserdicht verpackt lagern hier historische Dokumente in Edelstahlfässern für die Nachwelt. Zum Tag der Deutschen Einheit 2016 wurde mit der Erstfassung des Grundgesetzes das milliardste Dokument gesichert.


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Stabiles Wintervergnügen Widerstandslos auf millimeterdünnen Kufen über das Eis gleiten und dennoch nichts an Stabilität einbüßen: Speziell legierte Stähle sorgen dafür, dass die Fahrt mit Bob, Schlitten oder auf Schlittschuhen zum Wintervergnü­ gen wird. Denn in Schnee und Eis ist der robuste Werkstoff der perfekte Begleiter und Wegbereiter.

Gutes neues Jahr! Pünktlich zum Jahreswechsel zeigt sich Stahl von seiner schönsten Seite: Im Inneren der Wunderkerze bildet ein Stahldraht den verlässlichen Kern. Er ist – neben der brennbaren Unterstützung – die Voraussetzung dafür, dass die Wunderkerze ihr Funkenspiel entfalten kann.

Leicht und lecker Ob Profi oder Laie, ob Sternerestaurant oder heimische Küche: Produkte aus Edelstahl sind beim Umgang mit Lebensmitteln und bei der Zubereitung von Gerichten die erste Wahl. Ganz gleich ob Messer, Topf oder Pfanne – die Vorteile sind dieselben: Edelstahl ist geschmacksneutral, robust und lässt sich leicht reinigen.


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Zukunft mit Stahl by Wirtschaftsvereinigung Stahl - Issuu