

BAUKULTURELLE LEITLINIEN der
Stadt Villach
#grenzenlosvillach | #grenzenloserfolgreich
1. STÄRKUNG DES
HISTORISCHEN STADTKERNS UND DER IDENTITÄT FÜR
VILLACHS BEWOHNER
Die Stadt Villach steht, wie viele andere Städte in Österreich, vor der Aufgabe die Nutzungen des Stadtkerns zu sichern.
Städte in Österreich stehen alle vor derselben Herausforderung: Der einst florierende Einzelhandel, hat sich von einst begehrten Innenstadtlagen an den Stadtrand, in neu entstandene Einkaufszentren, verlagert. Teilweise haben Geschäfte den Standort komplett aufgegeben und bieten ihre Waren nur noch online an. In den letzten Jahren hat ein Wandel in den
Stadtzentren stattgefunden, dem durch Belebung und Aktivierung entgegengewirkt werden muss. Ein vitaler Stadtkern wirkt nicht nur als Treffpunkt und sozialer Knotenpunkt der Bewohner:innen, sondern ermöglicht auch das Erledigen der Dinge des alltäglichen Lebens bequem zu Fuß oder mit dem Fahrrad. Damit leistet eine vitale Innenstadt einen wertvollen Beitrag für eine umweltverträgliche Stadtentwicklung. Die Stärkung des Stadtkerns von Villach ist daher ein zentrales Anliegen der nachhaltigen Stadtentwicklung.
I. LEERSTAND AKTIVIEREN
Die Aktivierung von Leerständen bietet einen Hebel, mit dem weitere Bodenversiegelung in Villach eingeschränkt werden kann. Doch wie kann die Belebung von leerstehenden Flächen in Innenstadtlagen gelingen? Ein hochwertiger, klimawandelangepasster öffentlicher Raum ist
anziehend und fördert damit neue Nutzungen. Der menschliche Maßstab der Innenstadt ist attraktiv für aktive Mobilitätsformen wie zu Fuß zu gehen und Rad zu fahren. Dies sorgt in Folge für eine Wiederbelebung des Baubestandes.
I. NACHHALTIGE UND KOMPAKTE SIEDLUNGSENTWICKLUNG
Der urbane Raum verlangt eine kompakte Bebauung mit geringem Flächenverbrauch, bei der die bereits bestehende Infrastruktur genutzt wird.
Die nachhaltige und kompakte Siedlungsentwicklung besticht durch eine funktionale Durchmischung
von Arbeiten, Wohnen und Freizeit, also als „Stadt der kurzen Wege“aber auch „Stadt der kurzweiligen Wege“. Das führt zu einem geringeren motorisierten Verkehrsaufkommen und erhöht die Energie- und Flächeneffizienz.
II. ZERSIEDELUNG EINDÄMMEN
In Villach ist durch die historisch gewachsene Siedlungsstruktur eine größere Abhängigkeit vom PKW als Verkehrsmittel, tägliche Wege zurückzulegen, gegeben.
Die Stadt Villach ist durch ihre dezentrale Siedlungsstruktur besonders von fragmentierten Siedlungsräumen betroffen. Das steigert die Kosten der sozialen- und der technischen Infrastruktur der Stadt. Es sind daher die Bestrebungen für eine kompaktere Siedlungsentwicklung zu verstärken.
Beginn der Grünen Achse in Richtung Stadtpark

3. FÖRDERUNG DER ÖFFENTLICHEN RÄUME
Der öffentliche Raum spielt in Villach, wie in allen anderen Städten, eine bedeutende Rolle. Er bietet den Menschen einen Ort der Begegnung, des Austauschs und der Erholung. Öffentliche Plätze, Parks und Fußgängerzonen geben den Villacher:innen die Möglichkeit für soziale Interaktionen und stärken das Gemeinschaftsgefühl und den Zusammenhalt.
Zahlreiche Parks und Grünflächen in Villach laden die Bewohner:innen von Villach dazu ein, sich zu erholen und zu entspannen, aber auch sportlich zu betätigen.
Der öffentliche Raum trägt zur Lebensqualität bei und fördert ein gesundes und aktives Leben. Die öffentlichen Plätze geben aber auch wirtschaftliche Impulse, indem sie z.B. Platz für temporäre Nutzungen wie Feste und Märkte bieten.
Ruhezonen im Bereich Wasenboden

III. AUSGEWOGENE MISCHUNG ZWISCHEN RUHEZONEN UND AKTIVITÄTSBEREICHEN
In den letzten Jahren hat sich im Bereich des Freizeitangebotes einiges getan. Beispielsweise der am Wasenboden angelegte Skaterpark oder die anliegenden Basketballplätze wurden erneuert. Im Bereich der Kriegsbrücke befinden sich ein neuer Calisthenics Park und weitere Sportanlagen.
Zugleich bietet der Wasenboden, auf Grund seiner Weitläufigkeit, Ruhezonen mit Sitzmöglichkeiten und natürlicher Beschattung. Dieser Bereich gilt als Musterbeispiel für die Stadt, um weitere Ruhezonen und Aktivitätsbereiche miteinander zu verbinden.
Trendsportanlage Wasenboden


Calisthenics Park
4. NACHHALTIGKEIT UND
ENERGIEEFFIZIENZ
Der Klimawandel ist eine globale Herausforderung, die aber regionale Lösungsansätze verlangt. Die Klimapionierstadt Villach trat vorrausschauend schon im Jahr 1992 dem Klimabündnis bei und lieferte so die Grundlage für eine nachhaltige Zukunft. Der Umweltschutz ist ein wesentlicher Teil der Baukultur, denn eine verbesserte Energieeffizienz und der Einsatz erneuerbarer Energiequellen werden den ökologischen Fußabdruck der Stadt weiter reduzieren. Nachhaltige Stadtentwicklung in Villach bedeutet einen sparsamen Umgang mit begrenzten Ressourcen. Dies wurde bereits im Stadtentwicklungskonzept STEVI 2025 als zentrales Leitthema entwickelt.
Eine kompakte Siedlungsentwicklung mit einem hohen Anteil an nicht versiegelten Frei- und Grünflächen hilft, den verfügbaren Boden sparsam zu nutzen und den Energieverbrauch zu senken. Energieeffizienzmaßnahmen führen langfristig zu Kosteneinsparungen. Durch die Reduzierung des Energieverbrauchs in Gebäuden und der Optimierung von Infrastrukturen werden Betriebskosten und die Umweltbelastung gesenkt.
I. ENERGIEEFFIZIENTE GEBÄUDE UND BAUWEISEN
Die Stadt Villach ermutigt ihre Bewohner:innen und die ansässigen Unternehmen dazu, eine energieeffiziente Bauweise einzusetzen. Das beginnt bei einer durchdachten Nutzung des Gebäudes oder eines Quartiers, führt über eine hochqualitative Gebäudehülle und nutzt zum Beispiel erneuerbare Technologien, umwelt-
freundliche Materialien, recyclebare Baustoffe, aber auch Dach- und Fassadenbegrünungen und außenliegende Verschattungssysteme, um die Energieeffizienz eines Gebäudes zu fördern. Zur Bewertung von Qualitäten werden einheitliche Standards, wie zB Klimaaktiv, herangezogen.
II. MULTIMODALE KNOTEN FÖRDERN
Multimodale Knoten (z.B. Hauptbahnhof Villach) sind Verkehrsknotenpunkte, die verschiedene Verkehrsmittel miteinander verbinden. Dafür müssen verschiedene Mobilitätsmöglichkeiten, wie z.B. Sharing-Systeme, Fahrradabstellplätze, Ladesäulen für
E-Fahrzeuge aber auch Haltestellen für den ÖPNV und Taxistandplätze, Teil dieser Knoten sein. Die Entwicklung solcher Knoten ist bei relevanten städtebaulichen Entwicklungen einzuplanen.
III. AUSBAU DES ÖFFENTLICHEN VERKEHRS
Der öffentliche Verkehr in Villach hat sich in den letzten Jahren stetig verbessert und ist auch beliebter als je zuvor. Die Stadt setzt sich zum Ziel,
den öffentlichen Verkehr auszubauen und sucht dabei aktiv den Diskurs mit den für die Finanzierung entscheidenden Stellen bei Land und Bund.
IV. PARK-AND-RIDE-ANGEBOTE
Der motorisierte Individualverkehr wird durch Park-and-Ride-Anlagen aufgefangen. Wenn die Anlagen an strategischen Verkehrsknotenpunkten
situiert sind, reduzieren sie nicht nur den motorisierten Individualverkehr im Stadtgebiet, sondern erhöhen die Auslastung des öffentlichen Verkehrs.
Digitale Infotafel für den Öffentlichen Verkehr


Multimodaler Knoten am Villacher Hauptbahnhof
6. BERÜCKSICHTIGUNG DER BEDÜRFNISSE UND VIELFALT DER BEVÖLKERUNG
Die Stadt Villach steht für Inklusion und soziale Gerechtigkeit. Auch das ist gelebte Baukultur. Die Berücksichtigung von Menschen mit unterschiedlichen Fähigkeiten, Einkommensniveaus und kulturellen Hintergründen und aus unterschiedlichen Altersgruppen sorgt für eine inklusive und gerechte Stadt. Einen wichtigen Anteil hat die Barrierefrei-
Gestaltung des Hans-Gasser-Platzes unter Beratung des Gleichstellungsbeirats
heit, um allen Menschen zu ermöglichen, gleichberechtigt am städtischen Leben teilzunehmen.
Eine vielfältige Wohninfrastruktur mit verschiedenen Wohnformen und –größen, bezahlbarem Wohnraum und unterschiedlichen Wohnkonzepten ist außerdem essenziell, um die Anforderungen der Bürger:innen zu erfüllen.

I. STÄRKUNG DER ZUSAMMENARBEIT
IM ALPEN-ADRIA-RAUM
Die Alpen-Adria Region arbeitet bereits in vielen Bereichen zusammen.
Dazu gehören unter anderem Umwelt und Verkehr, Gesundheit, Inklusion, Ländliche Entwicklung, Tourismus
und Wirtschaft. Die räumliche Entwicklung wird durch eine Zusammenarbeit im Rahmen von nationalen und europäischen Förderprojekten gestärkt.
II. AUSTAUSCH BEWÄHRTER PRAKTIKEN UND ERFAHRUNGEN
Eine regionale Kooperation mit den umliegenden Gemeinden und Städten fördert den Austausch von Know-how
und Best Practice Ansätzen unter den Kommunen. Dieser Wissensaustausch führt zur Steigerung der Baukultur in Villach.

9. QUALITÄTSVERFAHREN FÜR DIE STÄDTEBAULICHE ENTWICKLUNG
Die Qualitätsverfahren der Baukultur sind essenziell, um die städtebaulichen Ansprüche zu erfüllen. Eines dieser Qualitätsverfahren sind die sogenannten integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzepte (ISEK). Diese schaffen konkrete, langfristig wirksame und lokal angepasste Lösungen für städtebauliche, funktionale und sozialräumliche Anforderungen. In Folge eines ISEK lohnt sich die Durchführung von Architekturwettbewerben. Wettbewerbe bieten
unter anderem eine Möglichkeit für Architekt:innen und Planer:innen, innovative Ideen zu entwickeln. Die Qualität von städtebaulichen Projekten wird durch die verschiedenen Vorschläge und damit breitere Auswahl gesteigert. Eine unabhängige Jury bewertet die eingereichten Objekte, um eine transparente und faire Auswahl sicherzustellen. Durch öffentliche Workshops und Präsentationen sowie Ausstellungen wird die Bevölkerung Villachs in die Diskussion eingebunden.
I. STÄRKUNG DER PLANUNGS- UND GESTALTUNGSBEIRÄTE
Da Villach großen Wert auf Baukultur legt, gibt es Planungs- und Gestaltungsbeiräte, die die Stadt unterstützen und die Qualität des Bauens verbessern. Der Architekturbeirat
der Stadt Villach tagt seit 1996 in der Regel einmal im Monat und vertritt im Sinne der Baukultur architektonische Qualitätsstandards.

Blick auf Villach von der Gerlitzen
II. INTEGRIERTE QUARTIERSENTWICKLUNG
Die Stadtplanung ist gegenwärtig mit Anforderungen konfrontiert, die dazu führen, dass Quartiersentwicklung als solches heute um ein vielfaches komplexer ist als sie es noch vor ein, zwei Generationen war. Globalisierung, Geburtenrückgang und Überalterung, Zuwanderung, veränderte Sozialstrukturen, Funktionsverluste von urbanen Räumen und der Klimawandel verlangen eine neue, interdisziplinäre Herangehensweise an Quartiersentwicklungsprojekte. Integrierte Stadtentwicklungskonzepte bieten hier die Antwort. Im Rahmen von integrierten
Stadtentwicklungskonzepten trifft die Fachexpertise auf die Bedürfnisse der Grundstückseigentümer:innen in Verbindung mit der Einbindung interessierter Bürger:innen. Der Prozess wird fachlich von Fachdisziplinen begleitet, wie z.B. Freiraum-, Energie- und Verkehrsplanung. Das integrierte Stadtentwicklungskonzept ermöglicht, dass Anforderungen und Problemfelder frühzeitig identifiziert werden. Die gemeinsam erarbeiteten Ziele, Handlungsfelder und Projekte bilden die Grundlage für die darauffolgenden Planungsprozesse.
III. ARCHITEKTURWETTBEWERBE ZUR SICHERSTELLUNG HOHER BAUKULTURELLER QUALITÄT
Architekturwettbewerbe wie auch offene Vergabeverfahren sollten verstärkt abgehalten werden, da sie eine breite Auswahl an Ideen und Vorschlägen für die baulichen Herausforderungen in Villach ermöglichen. Die Stadt Villach ist ein attraktiver Standort für innovative und qualitativ hochwertig geplante Bauprojekte. Es ist im Interesse der Stadt, dass groß-
volumige Projekte – hier auf freiwilliger Basis - Wettbewerbe durchgeführt werden.
Die Stadt Villach vergibt Aufträge auch an Arbeitsgemeinschaften (ARGE), weil damit jungen, innovativen Planer:innen der Zugang zu öffentlichen Aufträgen ermöglicht wird.
10. INSTRUMENTE DER QUALITÄTSSICHERUNG
Die Stadt Villach beauftragt Studienund Fachkonzepte zu Fragestellungen, die von übergeordnetem öffentlichem Interesse sind. Die Themen sind von besonderer Relevanz für eine nachhaltige Siedlungsentwicklung und Sicherung der baukulturellen Qualitäten.
Die Höhenstudie (2023) analysiert die Stadtmorphologie und identifiziert Bereiche im Stadtgebiet, die von übergeordnetem Interesse für das Stadtbild wie auch für das Stadtklima sind. Dazu zählen z.B. Kaltluftschneisen, die im Sommer einen wichtigen Beitrag gegen die Überhitzung leisten. Die Höhenstudie bildet die Grundlage für eine geordnete Höhenentwicklung im Siedlungsgebiet.
Ein weiteres qualitätssicherndes Instrument für die nachhaltige Stadtentwicklung ist das Fachkonzept Öffentlicher Raum (2019). Die darin angeführten Maßnahmen sichern die Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum.
Im Energie- bzw. Nachhaltigkeitsbereich wird besonderes Augenmerk auf integrierte Planungsansätze sowie standardisierte Bewertungsmethoden gelegt. Diese orientieren sich an nationalen (zB Indikatoren der Klimapionierstadt-Initiative gemeinsam mit dem Klimaministerium, Klimaaktiv) aber auch internationalen (e5; European Energy Award für energieeffiziente Gemeinden) Richtlinien und Vorgaben. Ergänzend werden zukünftige rechtliche Verpflichtungen frühzeitig mitgedacht und laufend aktualisiert, wie zB im Rahmen des Fachkonzeptes Energieraumplanung, welches Datengrundlagen für das Örtliche Entwicklungskonzept liefert.