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Theaterzeitung – September 2024/25

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THEATER ZEITUNG SEPTEMBER 2024 DES OLDENBURGISCHEN STAATSTHEATERS

FAMILIENANGELEGENHEITEN

Schauspiel

Seite 3

DINOS UND TANZ

Ballett

MIT TIEREN SPRECHEN

Junges Staatstheater

Seite 4

Seite 8

Foto: Stephan Walzl

IN DIESER AUSGABE

FÜR OLDENBURG UND UMZU IN ZUSAMMENARBEIT MIT DER NWZ

Martin Bermoser als Samiel in »Freischütz«

LIEBE LESER:INNEN, LIEBES PUBLIKUM, neu im Team sind wir am Oldenburgischen Staatstheater in eine neue Spielzeit gestartet. Neue Darsteller:innen treten neben langjährigen Ensemblemitgliedern auf. Die vertrauten Räume sind in andere Farben getaucht, Aufführungen finden neue Blickweisen: Zeit, das Liebgewonnene zu schätzen und das Neue zu entdecken. Über Oldenburgs Theaterleben, das im Staatstheater und das in der reichen freien Theaterszene, wird seit langem durch eine beliebte und weit verbreitete Zeitung berichtet. Auch sie bekommt ein neues Aussehen und einen neuen Namen: Das neue Logo des Staatstheaters verbindet die Wörter Theater und Zeitung miteinander: Die »Theaterzeitung« kommt auf den Punkt. Und auch hier trifft Neues auf Bewährtes: In Interviews, Berichten und Essays wird über die Proben zu neuen Inszenierungen berichtet. Künstler:innen werden vorgestellt und Hintergründe vertieft. Der »Kulturschnack«, als Kolumne etabliert, schaut von außen auf unser Theater; das neue »Gassenlicht« schaut aus den Fenstern des Theaters in die Welt hinaus. Wir hoffen, dass Ihre und unsere Theaterzeitung Lust macht auf zahlreiche Besuche der großen und kleinen Bühnen Oldenburgs und freuen uns auf Sie!

Musiktheater – Premiere

ÜBER DEN MENSCHEN

D

UND er junge Jäger Max steht unter Druck: Seine Zukunft

und sein Lebensglück hängen von diesem einen Probeschuss ab. Doch um seine Treffsicherheit ist es in letzter Zeit alles andere als gut bestellt. Verunsichert, ängstlich und schwach lässt er sich von Kaspar und seinem verheißungsvollen Angebot, Freikugeln zu gießen, auf die dunkle Seite ziehen; er erliegt der Versuchung des Bösen und lässt sich auf schwarze Magie ein. Die Handlungsdynamik des »Freischütz« entsteht aus der altbekannten Dualität von Gut und Böse. Die Unterscheidung in »gut« und »böse« ist einer der wirkungsmächtigsten Mechanismen unseres menschlichen Zusammenlebens. Spricht man von dem »Guten« oder dem »Bösen« in der Welt, erweckt das den Eindruck, als seien diese moralischen Kategorien sogar eigenständig handelnde Akteure unserer Gegenwart. So erleben wir auf der Bühne nicht selten Personifikationen des »Bösen« als eigenständig handelnde Figuren, in Gestalt eines Mephisto, Samiel oder der Hexe in »Hänsel und Gretel«. Aber mal ehrlich, haben Sie Mephisto schon einmal persönlich getroffen? Was also ist das sogenannte Böse? Dieser Frage widmet sich die Menschheit, insbesondere die Philosophie seit Jahrtausenden. Ist das »Böse« in der Welt oder ist das »Böse« im Menschen, in jedem von uns? Grundsätzlich gilt: »Gut« und »Böse« sind menschengemachte Kategorien, zur besseren Organisation unseres Zusammenlebens. Das Handbuch der Politischen Philosophie und Sozialphilosophie definiert das Böse so: »Vom Bösen ist die Rede, wenn Gesetze religiöser, moralischer oder juristischer Art übertreten werden, wenn Menschen dadurch körperlicher oder seelischer Schaden zugefügt wird, und

DAS BÖSE

wenn dies willentlich geschieht.« Diese Definitionen sind nicht losgelöst von Machtdynamiken, denn wo die Macht liegt, werden oben beschriebene Gesetze festgelegt. In unserer westlich-demokratischen Welt sind wir uns weitestgehend einig darüber, was gut und was böse ist. Dabei gilt es zu beachten, dass diese Zuschreibungen sich im Laufe der Geschichte – teilweise stark – verändert haben: Was heute als normal angesehen wird, könnte noch vor 100 Jahren als moralisch höchst verwerflich bewertet worden sein. Oder andersherum: Was heute nicht mehr zum guten Ton gehört, war vor wenigen Jahrzehnten gesellschaftlich völlig toleriert (Rassismen im Sprachgebrauch beispielsweise). Und auch im Jahr 2024 haben lange nicht alle Kultur- oder Religionsgemeinschaften die gleichen Definitionen von Gut und Böse. Trotz vieler kultureller Unterschiede haben sich 193 Länder unserer Erde zusammengetan und gemeinsam die UN-Charta der Menschenrechte verfasst, in der sich alle unterzeichnenden Staaten auf Grundwerte eines weltweiten menschlichen Miteinander geeinigt haben. Worüber deutlich weniger Klarheit herrscht, ist die Frage: Warum handeln Menschen, wie sie handeln? Steckt das Böse in uns allen? Und wenn ja, was bringt es zum Ausbruch? Wie können Menschen wie du und ich zu Unvorstellbarem fähig sein? Gerade weil das Böse so schwer greifbar ist, übt es schon immer eine tiefe Faszination auf die Menschen aus; eine Erklärung dafür, dass Fernseh-Formate wie »Aktenzeichen XY« oder True Crime Podcasts sich höchster Beliebtheit erfreuen. Spricht man mit Psycholog:innen oder Pflichtverteidiger:innen über die Frage: »Sind wir alle böse?«, fallen die Antworten sehr ähnlich aus. Kein Mensch wird böse geboren. weiter auf Seite 2

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