THEATER JUNI-JULI 2026
DES OLDENBURGISCHEN STAATSTHEATERS
ZEITUNG
FÜR OLDENBURG UND UMZU IN ZUSAMMENARBEIT MIT DER NWZ
INTERNATIONALER TANZ AUF DER VON WUT, WANDEL UND IN DIESER AUSGABE PUDERZUCKER S. 2 OLDENBURGER BÜHNE S. 3
TOLERANZ RAUM GEBEN
S. 4
DER BLINDE PASSAGIER
VON MARIA LAZAR
AB DEM 6. JUNI IM KLEINEN HAUS
MEHR ALS NUR EIN STÜCK STOFF ... ÜBER DEN THEATERVORHANG. Am 5. Juli heißt es zum letzten Mal in dieser Spielzeit: Vorhang zu! Der letzte Vorhang fällt, die Lichter gehen aus, die Bühnenbilder fallen in den Sommerschlaf. Nach ereignisreichen Wochen und Monaten verabschieden wir uns in die Spielzeitpause, bevor es am 5. September auch schon wieder heißt: Vorhang auf! – für eine neue Saison voller großer Geschichten. Wobei die ersten Vorhänge der neuen Saison sogar schon früher aufgehen: Am 23. August kehrt unsere Erfolgsproduktion »Cabaret« zurück, ab dem 28. August folgt »Mephisto«. Ganz schön viel Vorhang. Anlass genug, diesem sagenumwobenen Gegenstand einmal etwas mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Der Vorhang trennt die Zuschauenden von der Bühne und damit zwei Welten. Die Realität des Alltags von der Welt der Fantasie. Während das Publikum seine Plätze sucht, Programme studiert oder noch schnell Bonbonpapierchen verschwinden lässt, herrscht hinter dem Stoff geschäftiges Treiben. Kulissen werden gerückt, letzte Absprachen getroffen, Requisiten kontrolliert und Lampenfieber bekämpft. Noch ist das Bühnengeschehen ein Geheimnis. Der Theatervorhang blickt auf eine erstaunlich lange Karriere zurück. Bereits in der römischen Antike kannte man Thea-
tervorhänge. Allerdings funktionierten sie anders als heute: Sie wurden nicht nach oben gezogen, sondern versanken im Boden, im Vorhanggraben – vielleicht auch daher die Redewendung »der Vorhang fällt«? Der uns vertraute Bühnenvorhang setzte sich erst ab dem 16. Jahrhundert durch und entwickelte sich bald zu einem festen Bestandteil europäischer Theaterkultur. Und warum sind so viele Vorhänge rot? Die Antwort führt direkt in die Welt von höfischem Prunk. Rot galt über Jahrhunderte als Farbe der Macht und des Reichtums. Die Herstellung roter Farbstoffe war aufwendig und teuer, weshalb sie vor allem Adeligen vorbehalten blieb. Wurde am Hof Theater gespielt schmückte oft ein roter Vorhang die Bühne. Da wir Theaterleute Traditionen lieben, hat sich das bis heute gehalten. Manche Vorhänge haben es selbst zu Berühmtheit gebracht. Zu den prächtigsten zählt der historische Hauptvorhang der Wiener Staatsoper, dessen schwere rote Stoffbahnen längst zum Markenzeichen des Hauses geworden sind. Im venezianischen Teatro La Fenice funkelt ein Vorhang mit goldenen Verzierungen und in vielen historischen Opernhäusern sind die Vorhänge wahre Kunstwerke: bestickt, bemalt und oft ebenso aufwendig gestaltet wie die Bühnenbilder, die sich dahinter verbergen.
Tatsächlich besitzt ein Theater meist nicht nur einen einzigen Vorhang. Es gibt den Hauptvorhang, den Zwischenvorhang und den sogenannten Eisernen Vorhang. Dieser besteht nicht aus Stoff, sondern aus Stahl und dient dem Brandschutz. Im Ernstfall trennt er Bühne und Publikumsraum voneinander. Ein Vorhang kann also nicht nur für Magie sorgen, sondern manchmal auch ganz handfest Leben retten. Seit Jahrhunderten macht der Vorhang stoisch immer dasselbe: Er verbirgt Geschichten, um sie im richtigen Moment sichtbar zu machen. In diesem Sinne fällt am 5. Juli für diese Spielzeit ein letztes Mal der Vorhang. Aber keine Sorge: Er bleibt nicht lange geschlossen. Denn schon bald heißt es wieder: Vorhang auf! Und dann gilt für eine neue Spielzeit, Abend für Abend wieder das Motto: Der Lappen muss hoch! Wir wünschen Ihnen einen erholsamen Sommer Ihre Theaterzeitungsredaktion
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