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Theaterzeitung Dezember 2025/26

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THEATER DEZEMBER 2025

DES OLDENBURGISCHEN STAATSTHEATERS

IN DIESER AUSGABE

WIE WORTE REALITÄTEN SCHAFFEN

S. 4

ZEITUNG

FÜR OLDENBURG UND UMZU IN ZUSAMMENARBEIT MIT DER NWZ

ANNIE HEGER ZU GAST

VORVERKAUFSSTART TANZGALA

S.7

S. 10

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DIE SCHÖNE UND DAS BIEST

Von Lucy Kirkwood / Katie Mitchell Deutsch von Katharina Schmitt → Im Dezember im Großen Haus

ZWISCHEN

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WARUM ZEIT NICHT ÜBERALL GLEICH VERGEHT

igentlich wollte ich über Weihnachten schreiben – oder besser gesagt, über all die Menschen, die es nicht feiern. Welche Feste begehen andere Religionen zu dieser Jahreszeit? Welche Bräuche, welche Geschichten stehen dahinter? Doch bei meiner Recherche stieß ich auf zwei Meinungsartikel in der Jüdischen Allgemeinen: einen von der Journalistin Lena Gorelik, einen von Rabbiner Avichai Apel. Die beiden diskutierten, ob Juden:Jüdinnen Silvester feiern sollten oder nicht. Mein erster Gedanke war: »Aber Silvester ist doch kein religiöser Feiertag?« Hat das etwas mit Bräuchen, mit Tradition, mit dem Wochentag zu tun? Nach der Lektüre von Apels Text wurde mir klar, dass meine Frage zu kurz gedacht war. Denn es geht beim Silvesterfeiern im Kern um den Übergang von einem Jahr ins nächste. Von 2025 auf 2026… nach Christus. Natürlich wusste ich, dass es verschiedene Kalendersysteme gibt – gregorianisch, julianisch, irgendwas klingelte da schon. Auch das chinesische Neujahr war mir ein Begriff. Aber dass nicht jede Religion »im gleichen Jahr« lebt, war mir nie so bewusst. Kalendersysteme und Zeitrechnungen gibt es viele. Einige erinnern sich vielleicht an das popkulturell vielbeschworene »Ende des Maya-Kalenders«. Tatsächlich endete damals

Zwei, die es so nur bei evers gibt.

SONNE UND MOND

nur das 13. Baktun, ein Zyklus von knapp 400 Jahren, doch der 21. Dezember 2012 wurde trotzdem als mögliches Ende der Welt gehandelt – ähnlich wie der sogenannte Millennium-Bug im Jahr 2000. Der Maya-Kalender, eigentlich ein Ritualkalender namens Tzolkin, ist ein vielschichtiges System, das sich am Sonnenjahr orientiert und 365 Tage umfasst – ganz ähnlich unserem gregorianischen Kalender. Eingeführt wurde dieser als Reform des julianischen Kalenders, der etwas zu lang war, um die allmähliche Verschiebung der Tagundnachtgleichen zu korrigieren. Grundlage bleibt aber der Lauf der Erde um die Sonne. So stimmen Jahreszeiten und Kalender überein: Der erste Monat liegt immer im Winter, der siebte im Sommer – zumindest auf der Nordhalbkugel. Anders funktioniert der Lunarkalender, der etwa im jüdischen und islamischen Glauben gilt. Beide bestehen aus zwölf Mondmonaten. Doch während der Mondzyklus nur rund 29 bis 30 Tage dauert, ist das Mondjahr einige Tage kürzer als das Sonnenjahr. Um den Jahreslauf der Sonne nicht zu verlieren, fügt das Judentum regelmäßig Schaltjahre mit einem dreizehnten Monat ein. Im Islam hingegen wandert das Jahr weiter: Der Fastenmonat Ramadan verschiebt sich so jährlich um etwa zehn bis zwölf Tage nach vorne. Auch das Christentum kennt

bewegliche Feiertage – etwa Ostern, das am Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond gefeiert wird. Im Hinduismus wiederum gibt es eine Kombination aus beiden Systemen: sogenannte lunisolare Kalender, die Sonne und Mond gleichermaßen einbeziehen – und je nach Region unterschiedlich berechnet werden. Je mehr ich über diese unterschiedlichen Systeme und Zeitrechnungen las, desto klarer wurde mir: Kalender sind keine neutralen Tabellen, sondern kulturelle Landkarten. Sie bestimmen, wann gearbeitet, gefeiert, gefastet oder geruht wird – und damit, wie Gemeinschaft funktioniert. Vielleicht ist das die eigentliche Magie dieser vielen Systeme: Sie erinnern uns daran, dass Zeit keine objektive Größe ist, sondern eine Verabredung. Wir beginnen das Jahr nicht alle am selben Tag – und doch teilen wir das Bedürfnis, ihm einen Anfang zu geben. Nach dem gregorianischen Kalender verabschieden wir uns Ende Dezember von 2025. Für viele andere Kulturen aber beginnt das neue Jahr an einem ganz anderen Tag - und doch bedeutet es überall dasselbe: einen Anfang, Hoffnung und das Gefühl, Teil von etwas Gemeinsamem zu sein. Anna Blanke

Alexanderstraße 53 26121 Oldenburg Telefon: 0441 / 8 72 51 Mo.-Fr.: 08:00 - 18:00 Uhr Parkplätze im Hof! www.gesunde-schuhe.org


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