Das Magazin Staatsoper Unter den Linden Nr. 4 Barocktage 2026 S. 6 Premiere La Calisto S. 8 Premiere Die Fledermaus für Kinder S. 16
Premiere La Vestale S. 2
mit Sonya Yoncheva Vera-Lotte Boecker Christina Pluhar Cecilia Bartoli Christian Thielemann Staatskapelle Berlin u. a.
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Rigoletto 5. 11. 17. 19. 23. 25. September 2026
La traviata 7. 9. 16. 21. Januar 3. 10. 13. 19. Februar 4. 6. 13. März 2027
La forza del destino 28. 30. Mai 2. 6. Juni 2027
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Premiere La Vestale Barocktage 2026 Premiere La Calisto Konzert zum Jahreswechsel Der Rosenkavalier auf Reisen Premiere Die Fledermaus für Kinder
Liebes Publikum!
Eine anregende Lektüre unserer vierten Magazin-Ausgabe wünscht Elisabeth Sobotka Intendantin
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Editorial
Auf besondere Pfade begibt sich erneut Generalmusik direktor Christian Thielemann mit der Staatskapelle Berlin, der bei den Konzerten zum Jahreswechsel packende Musik aus einigen der berühmtesten Filme von Metropolis bis Vom Winde verweht dirigiert. Zuvor reist er mit dem Orchester auf einer großen Tournee durch Asien, wo neben mehreren Konzerten auch szenische Aufführungen unseres Rosenkavalier auf dem Programm stehen – wir haben einige erstaunliche Fakten zu diesem Operngastspiel zusammengetragen. Zum Staunen und zum Mitmachen laden wir auch unsere jüngsten Gäste ein: Zur Einstimmung auf Die Fledermaus für Kinder gibt es den Komponisten Johann Strauß und die Ideen der Regisseurin Giulia Giammona zu entdecken.
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In den schönsten Tönen die eigene Liebe zu offenbaren, das geht nur auf der Opernbühne. Die leidenschaftlichen und häufig aufopferungsvollen Figuren in dieser über wältigenden Kunstform rühren uns, ergreifen uns, begeistern uns. Und obwohl oder gerade weil die Geschichten oft in fernen oder vergangenen Zeiten spielen, finden wir zahlreiche Möglichkeiten, Bezüge zu unserem eigenen Leben herzustellen. Es sind die Menschen, deren bewundernswerte künstlerische Fähigkeiten uns zum Staunen bringen, besonders mit ihrem Gesang. Einige herausragende Sänger:innen möchten wir Ihnen in diesem Magazin vorstellen; in besonderen Opern aus verschiedenen Jahrhunderten sind sie in den nächsten Monaten an der Staatsoper Unter den Linden zu erleben. Sonya Yoncheva erfüllt sich mit der Titelrolle in Gaspare Spontinis La Vestale einen lang gehegten Traum. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde dieses Werk in knapp 20 Jahren mehr als zweihundert Mal in Paris gefeiert und eroberte die europäischen Opernhäuser, darunter auch unser Haus, wo der Komponist mehrere Jahrzehnte als erster Generalmusikdirektor überhaupt wirkte. Lydia Steiers Inszenierung gewinnt diesem Stoff aus dem antiken Rom eine besondere Relevanz für unsere Gegenwart ab und zeigt den Mut einer Frau, ihre Liebe trotz der grausamen Verbote eines autoritären Regimes zu leben. Als Sternbild endet die Nymphe Calisto in Francesco Cavallis gleichnamiger Oper aus der Frühzeit des Barock. Nachdem sie vor einigen Monaten als Füchsin in Leoš Janáčeks Oper begeistert hat, widmet sich Vera-Lotte Boecker nun der Titelpartie in dieser auch komischen Oper aus dem 17. Jahrhundert. Die Premiere von Stefan Herheims Neuinszenierung steht im Zentrum der diesjährigen Barocktage, die nach zwei Jahren Pause wieder zu erleben sind. Mit Cecilia Bartoli und Rolando Villazón sind zwei weitere Weltstars zu hören, die der Staatsoper seit langem verbunden sind. Sie singen die Rolle des mythischen Sängers Orpheus in unterschiedlichen Musikstilen, die den Beginn und das Ende der barocken Epoche markieren.
Sonya Yoncheva in der Staatsbibliothek Unter den Linden
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Premiere
La Vestale
Mutige Liebe Sonya Yoncheva debütiert in der Titelrolle von Gaspare Spontinis La Vestale
In La traviata, Tosca, Madama Butterfly, La Bohème, Medea und zuletzt Norma begeisterte Sonya Yoncheva das Publikum an der Staatsoper Unter den Linden. Nun widmet sie sich mit der Titelrolle in Gaspare Spontinis La Vestale einer Partie, der sie schon seit langem entgegenfiebert. Und auch für das traditionsreichste Berliner Opernhaus hat diese Oper von 1807 eine ganz besondere Bedeutung.
„One of the roles I have long been looking forward to”, schrieb die Sopranistin Sonya Yoncheva im März auf ihrem Instagram-Kanal, kurz nach der Veröffentlichung des Spielplans der Staatsoper Unter den Linden für die gerade begonnene Spielzeit. Die Rolle der Julia in Gaspare Spontinis Oper La Vestale reizt die Sängerin seit langem, nun singt sie diese herausfordernde Partie in der Eröffnungspremiere unserer neuen Saison. Gefragt, warum sich Yoncheva auf diese Rolle so freut, antwortet sie: „In der Vergangenheit sangen viele Kolleginnen diese Rolle, heute gibt es auf der Welt nicht viele Theater, die dieses Repertoire anbieten. Die Musik ist absolut faszinierend, ein Werk des Übergangs wie auch Luigi Cherubinis Medea. Manche Stellen klingen nach Christoph Willibald Gluck, aber die ganze Anlage des Stücks erinnert an Richard Wagner.“ Wagner war ein großer Fan dieser Oper, die er 1844 in Dresden mit einer der bedeutendsten Sängerinnen seiner Zeit, Wilhelmine Schröder-Devrient, selbst dirigierte. Spontinis Musik und dramatischer Instinkt inspirierten Wagner auch bei seinen eigenen Werken. 1774 in Italien geboren, ging Spontini nach ersten Erfolgen als Opernkomponist 1803 nach Paris, wo seine Werke an der OpéraComique gespielt wurden und er als Kammerkomponist der Kaiserin Joséphine reüssierte. Mit ihrer Unterstützung entstand mit La Vestale eine Oper über eine Frau, die es wagt, im antiken Rom als eine der Vestalinnen, die vom Oberpriester kontrolliert werden, ihr Keuschheitsgelübde zu brechen und ihre Liebe zu einem erfolgreichen Feldherrn zu leben. Für ihren Mut, ihrer Liebe und damit der menschlichen Natur anstatt einem autoritär geschaffenen Gesetz zu folgen, müssen die beiden mit ihrem Leben bezahlen. Spontinis Oper mit ihren ergreifenden, virtuosen Arien, opulenten Chorszenen und instrumentalen Ballettnummern wurde 1807 mit großem Erfolg in Paris uraufgeführt, bis 1830 gab es mehr als 200 Vorstellungen. Bereits 1811 war La Vestale in deutscher Sprache als Die Vestalin im Berliner Opernhaus Unter den Linden zu erleben. 1820 erhielt Spontini hier als erster musikalischer Leiter in der Geschichte des Hauses den Titel des Generalmusikdirektors und hatte diese Position über 20 Jahre inne. Die italienische Version von La Vestale ist besonders mit der Sängerin Maria Callas verbunden, die 1954 an der Mailänder Scala in der Inszenierung von Luchino Visconti die Hauptrolle verkörperte. Die Musik von La Vestale vereint virtuose Koloraturen im barocken Gestus, bewegende Gefühlswelten, die an Wolfgang Amadeus Mozart erinnern, und innovative Elemente, die nachfolgende Komponisten wie Hector Berlioz und Richard Wagner maßgeblich beeinflussten. Diese einzigartige Mischung spricht Sonya Yoncheva besonders an, spiegelt sie doch wichtige Etappen ihrer eigenen Gesangskarriere wider: „Ich begann als Barocksängerin, sang sehr viel französisches Repertoire und erarbeitete mir dann den Verismo.“ Diese stilistische Entwicklung lässt sich sogar bei der musikalischen Gestaltung von Julias Rolle im zweiten Akt erkennen, der von der Vestalin dominiert wird. Ihr obliegt es, nachts das Feuer der Göttin Vesta zu bewachen, das für die Unversehrtheit des Staates steht. �
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„Ihr Mut ist rebellisch. Rebellisch zu sein muss nicht immer etwas Negatives bedeuten.“ Szenenbild der Koproduktion mit der Opéra national de Paris Zunächst fleht sie in innigen, ehrfurchtsvollen Tönen die Göttin an, ihre Musik erinnert an die unglücklich liebende Gräfin in Mozarts Le nozze di Figaro. In ihrer darauffolgenden Arie wendet sich Julia an die „unbarmherzigen Götter“, die nur für einen Moment durch die Gegenwart ihres Geliebten den Ort „verzaubern“ sollen, bevor sie sich den strengen Gesetzen unterwirft. Immer aufgewühlter und kontrastreicher wird ihre Musik, die Überschreitung der bestehenden Gesetze, die schließlich in der verbotenen Anwesenheit ihres Geliebten Licinius an diesem heiligen Ort gipfelt, drückt Spontini mit einer für seine Zeit äußerst avancierten Klangsprache aus. Wie ein autokratisches Regime durch die Verbindung von religiösen und militärischen Mechanismen über das Leben besonders von Frauen verfügt, bringt Lydia Steier in ihrer Inszenierung in vielfältiger Weise auf die Bühne. Inspiriert auch von Margaret Atwoods 1985 erschienenem dystopischen Roman The Handmaid’s Tale (Der Report der Magd), der mehrfach verfilmt wurde, betont die Regie dieser mit der Opéra national de Paris entstandenen Koproduktion die Bedeutung des Wissens, worin autoritäre Regierungsformen seit Jahrtausenden eine große Gefahr für ihr Machtsystem sehen. Gemeinsam mit dem Bühnenbildner Etienne Pluss verortet Steier ihre Inszenierung daher an einem Ort, der wie kaum ein anderer für die Bedeutung des freien Zugangs zu Wissen und Forschung steht: dem sogenannten Amphitheater an der Pariser Universität Sorbonne. Dieser große Saal wurde 1889 eingeweiht und zeigt herausragende Personen der Forschung als Statuen,
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darunter René Descartes, Blaise Pascal und Cardinal Richelieu. Das Bühnenbild greift zentrale ikonographische Elemente dieses Raumes auf, verändert ihn aber, indem es Spuren der militärischen Verwüstung zeigt, wie sie weltweit an Orten des Wissens verübt werden. Hinzugefügt wurden Bücherregale, die jedoch keine Bücher mehr beherbergen, da diese von den Machthabern dazu auserkoren wurden, das Feuer Vestas am Lodern zu halten. Es ist hier die grausame Pflicht der Vestalinnen, Bücher zu verbrennen. Auch in unmittelbarer Nähe der Staatsoper Unter den Linden wurden auf dem damaligen Opernplatz, dem heutigen Bebelplatz, im Mai 1933 von den Nationalsozialisten Bücher von insgesamt 94 Autor:innen verbrannt, die als „undeutsch“ bezeichnet wurden. In Lydia Steiers Vestale-Inszenierung versucht Julia, zumindest vereinzelt Bücher vor den Flammen zu bewahren. Nachdem ihr Geliebter Licinius verbotenerweise nachts den Ort betreten hat, geben sich beide ihrer Liebe hin und besingen diese in einem mitreißenden Duett. Julia ver nachlässigt das Feuer, das schließlich erlischt. Das vom Oberpriester mit seiner bedrohlichen Bassstimme vorgeworfene Verbrechen besteht nicht nur in der zuvor von der Oberpriesterin als „barbarisches Monster“ besungenen Liebe der beiden, sondern auch in Julias Missachtung des Feuers, das durch die Beseitigung des Wissens das bestehende Regime stützt. Julia habe „das heiligste Gesetz“ gebrochen, wirft ihr der Oberpriester vor. Und sie entgegnet mit ergreifenden Tönen: „Kann ein einzelnes Gesetz die Natur überwinden?“ Es ist dieser Mut, der Sonya Yoncheva an der Figur der Julia besonders fasziniert: „Ihr Mut ist rebellisch. Rebellisch zu sein muss nicht immer etwas Negatives bedeuten. Es kann dein eigenes Leben verändern, es kann auch die Geschichte der Welt verändern. Ich mag es, Frauen zu singen, die mutig sind, die für das einstehen, was sie denken.“
Premiere
La Vestale
La Vestale Gaspare Spontini Premiere 26. September 2026
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A lle Infos
Mehr als ein Jahrhundert Barock musik mit einem mythischen Sänger Herausragende Gesangsstars und Ensembles bei den Barocktagen 2026
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Mit seinem Gesang rührt er Menschen und Götter, betört Tiere, Pflanzen und Steine und verschafft sich sogar Zugang zur Unterwelt: Die antike Gestalt des Orpheus prägt seit Jahrhunderten die Musikgeschichte, immer wieder neu werden seine Geschichten zum Klingen gebracht, besonders seine Liebe zur Nymphe Eurydike. Als sich im 17. Jahrhundert in Italien die Oper entwickelt, ist der Sänger Orpheus die beliebteste Bühnenfigur. Bei den diesjährigen Barocktagen der Staatsoper Unter den Linden sind die vielfältigen musikalischen Erzählungen über Orpheus mit herausragenden Sänger:innen und Ensembles zu erleben. Von Claudio Monteverdis 1607 uraufgeführter Oper L’Orfeo bis zu Christoph Willibald Glucks Orfeo ed Euridice, 1762 am Ende der Barockzeit entstanden, spannt sich der Bogen. Verbunden sind diese beiden Werke mit zwei besonderen Sänger:innen, die seit Jahrzehnten das Publikum der Staatsoper begeistern: Im Eröffnungskonzert widmet sich der Tenor Rolando Villazón der Musik von Monteverdi und seinen Zeitgenossen, in einer halbszenischen Aufführung ist die Mezzosopranistin Cecilia Bartoli in der Titelrolle von Glucks Orfeo ed Euridice zu hören. An der Staatsoper war Villazón seit den 2000er Jahren in Hauptrollen von Giuseppe Verdi, Gaetano Donizetti, Georges Bizet und anderen zu erleben, nun singt er hier zum ersten Mal Musik aus der frühen Barockzeit, die seit längerem ebenso zu seinem Repertoire zählt. Wie kaum eine andere Sängerin trug Cecilia Bartoli in den vergangenen Jahrzehnten zur Wiederentdeckung von barocken Opern
besonders von Antonio Vivaldi bei, an der Staatsoper begeisterte sie vor allem in Rollen Wolfgang Amadeus Mozarts sowie in Konzerten gemeinsam mit dem ehemaligen General musikdirektor Daniel Barenboim. Anlässlich ihres runden Geburtstags in diesem Jahr kehrt Bartoli in der Rolle des Orpheus zurück auf die Bühne der Staatsoper, nun zum ersten Mal mit dem 2016 auf ihre Initiative gegründeten Orchester Les Musiciens du Prince, das gemeinsam mit dem Chor Il canto di Orfeo unter der musikalischen Leitung von Gianluca Capuano Glucks epochale Oper in einem Gastspiel der Opéra de Monte-Carlo präsentiert. Im Eröffnungskonzert werden Villazón und seine Gesangskolleg:innen von dem Ensemble begleitet, das auch in der Opernneuproduktion von Francesco Cavallis La Calisto zu erleben ist: das Ensemble L’Arpeggiata, mit dem Christina Pluhar seit Jahrzehnten zahlreiche Perlen des reichen barocken Repertoires wiederentdeckt und sie mit historischinformierten und zugleich innovativen Spielweisen aufführt. Mehrere dieser Perlen erklingen auch bei ihrem Konzert Wonder Women mit der Mezzosopranistin Luciana Mancini, in dem vor allem Werke von Komponistinnen wie Barbara Strozzi und Francesca Caccini zu hören sind. Für La Calisto finden sich erstmalig Musiker:innen von L’Arpeggiata und der Akademie für Alte Musik Berlin zusammen. Seit Jahrzehnten prägt dieses Ensemble die
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Barocktage 2026
Orfeo ed Euridice Gastspiel der Opéra de Monte-Carlo
Aufführungen von Barockopern an der Staatsoper. In zwei weiteren Opern während der Barocktage 2026 bringt Akamus – wie das Ensemble sich selbst gern nennt – die stilistische Vielfalt dieser Epoche zum Strahlen: im Publikumsliebling Dido & Aeneas, mit dem die Choreographin Sasha Waltz mit Henry Purcells genreübergreifender Form der barocken Masque eine zeitgenössische Inszenierung geschaffen hat, sowie bei Claudio Monteverdis L’incoronazione di Poppea. In diesem bewegenden Werk über die vielfachen Verstrickungen von Liebe und Politik im antiken Rom ist neben Anna Prohaska in der Titelrolle auch Raffaele Pe als Kaiser Nero zu erleben. Der Countertenor widmet sich weiteren ergreifenden Stücken Monteverdis im Konzert mit seinem eigenen Ensemble La Lira di Orfeo im Apollosaal. Ein Ausschnitt aus Monteverdis L’Orfeo darf dabei natürlich nicht fehlen. Über einhundert Jahre später, um 1730, entstand Giovanni Battista Pergolesis Kantate Orfeo. Dieses Werk für Sopran, Streicher und Basso continuo präsentieren die Sopranistin Roberta Mameli und Akamus in ihrem Kammerkonzert im Apollosaal. Georg Friedrich Händel spielt in diesem Konzert eine besondere Rolle: Neben einer Arie aus seiner Oper Ariodante gibt es eine Kantate zu hören, von der man bis vor wenigen Jahrzehnten annahm, dass Händel sie kom poniert habe. Tatsächlich stammt Il Pianto di Maria aus der
Orfeo ed Euridice Christoph Willibald Gluck ab 12. November 2026
Feder seines italienischen Kollegen Giovanni Battista Ferrandini. Diese ergreifende Kantate offenbart, wie ähnlich Gefühle in weltlicher und geistlicher Musik während der Barockzeit dargestellt wurden, und entpuppt sich als effektvoll dramatische Musik. In welcher stilistischen Bandbreite sich die affektgeladene Musik in etwas mehr als einhundert Jahren von den Anfängen der Gattung Oper bis zur so genannten klassischen Epoche gewandelt hat, lässt sich bei den Barocktagen 2026 mit herausragenden Sänger:innen und Ensembles sinnlich erleben.
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La Calisto Francesco Cavalli Premiere 8. November 2026
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Barocktage 2026
Nymphe und Sternbild: La Calisto singt und strahlt Sieben Fragen an Vera-Lotte Boecker Ein wahres Meisterwerk der venezianischen Barockoper ist Francesco Cavalli, dem Schüler und Nach-Nachfolger Claudio Monteverdis an der Basilika San Marco, 1651 mit La Calisto gelungen. Die Geschichte der schönen Nymphe, deren Schicksal von den Göttinnen und Göttern Diana, Juno und Jupiter freud- wie leidvoll bestimmt wird, kommt nun auf die Bühne der Staatsoper Unter den Linden. Christina Pluhar, seit vielen Jahren mit ihrem Originalklang-Ensemble L’Arpeggiata auf dem Feld der „Alten Musik“ präsent und mit zahlreichen außergewöhnlichen Konzert- und Aufnahmeprojekten hervorgetreten, hat eine Neufassung der Partitur erstellt. In der Regie von Stefan Herheim wird Cavallis Wunderwerk im September zunächst am MusikTheater an der Wien gespielt, bevor es dann an der Lindenoper zu sehen und zu hören ist, mit tragikomischer Handlung in einer – laut Herheim – „barocken Science FictionÄsthetik“, gesanglichem Zauber und klangfarblicher Vielfalt. Mit unserer Calisto Vera-Lotte Boecker, 2022 von der Zeitschrift Opernwelt zur „Sängerin des Jahres“ gekürt, haben wir gesprochen. Im Frühjahr 2026 erst war sie als Füchslein Schlaukopf auf der Bühne zu erleben und wurde für ihre exzellente sängerische und darstellerische Leistung gefeiert, nun gibt sie der sagenhaften Nymphe, die am Schluss in ein für ewige Zeiten am Himmel leuchtendes Sternbild verwandelt wird, Gestalt und Stimme. Nach dem Schlauen Füchslein von Leoš Janáček steht für dich jetzt Francesco Cavallis La Calisto an der Staatsoper Unter den Linden an, auf ein Werk der Klassischen Moderne folgt eines aus der Frühzeit der Operngeschichte. Das sind schon zwei verschiedene Welten, oder? Ja, zwei sehr unterschiedliche! Bei Janáček haben wir den vollen Orchesterapparat, unglaublich vielschichtige und raffinierte Klangwelten breiten sich aus, herrliche, spät romantische, rein instrumentale Zwischenspiele durchbrechen immer wieder die Szene und erzählen auf eigene Weise die Geschichte weiter. Bei La Calisto hören wir den
Beginn von Oper überhaupt, wir hören, wie alles seinen Anfang nahm, und das ist nicht weniger reizvoll. La Calisto wirkt gegen Janáček nahezu minimalistisch und pur, und das hat einen unglaublichen Sog und eine eigene Schönheit. Das Ensemble der Instrumente ist überschaubar, zu keinem Zeitpunkt muss ich als Sängerin fürchten, ich könnte nicht zu hören sein. Alles ist durchsichtiger, aber doch auch rhythmisch, und dramaturgisch sehr packend geschrieben. Du bist sehr viel im Musiktheater des 20. und 21. Jahrhunderts unterwegs, etwa mit Werken von Alban Berg, Paul Hindemith, Hans Werner Henze, Georg Friedrich Haas oder kürzlich in der Uraufführung von Brett Deans Of One Blood. Jetzt tauchst du in die Barockoper ein – welche Erfahrungen hast du in diesem Repertoire schon gewinnen können? Ich habe bisher nur einmal eine Partie der Drusilla in Monteverdis L’incoronazione di Poppea gesungen. Das war eine wunderbare Erfahrung, die mir gezeigt hat, wie unglaublich leidenschaftlich und beinahe „zeitgenössisch“ diese Musik klingen kann, wenn sie richtig angepackt wird. Es gibt die wildesten Dissonanzen und rhythmischen Strukturen. Schon im Studium haben mich die Madrigale von Monteverdi fasziniert. Dass mein Weg mich nicht zur Barockspezialistin gemacht hat, liegt einfach daran, dass ich für nichts eine „Spezialistin“ sein möchte. Ich liebe die Vielseitigkeit, vom Barock bis in die Moderne – ich möchte alles, was mich musikalisch interessiert, singen und das gelingt bis jetzt auch ganz gut. Welche Herausforderungen stellen sich, mit einem Ensemble der „Alten Musik“ zusammenzuarbeiten, das hinsichtlich Klang und Stil der sogenannten „historisierenden Aufführungspraxis“ verpflichtet ist? �
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„Ich finde es wunderbar, denn es gibt keine klaren Grenzen zwischen Komödie und Tragödie – es ist beides zugleich, und damit sehr, sehr lebensnah.“ Die Herausforderung besteht darin, dass ich mich als Sängerin dafür öffne, die Stimme anders zu behandeln. Ich muss hier nicht den größten, lautesten Klang erzeugen, wie es oft bei spätromantischen Werken der Fall ist, damit die Stimme gut trägt und über das Orchester kommt. Es geht im Gegenteil darum, auch Intimität zuzulassen im klanglichen Sinn, mit feinem Pinsel zu malen und sich gegenseitig sehr gut zuzuhören, damit eine Freiheit des Miteinandermusi zierens entstehen kann. Das ist eine ungemein bereichernde Art, Musik zu machen. Ich schätze natürlich auch, dass ich selbst sehr viel lerne von den „Spezialist:innen“ dieser Barock-Welt, die sehr tief eingetaucht sind in diese Materie. Die Oper selbst, La Calisto, gilt mit Recht als eines der Meisterwerke Cavallis und seiner Zeit, des mittleren 17. Jahrhunderts. Dem Typus der venezianischen Oper entsprechend enthält es sowohl ernste als auch komische Figuren und Szenen. Wie reizvoll ist für dich dieses Mit- und Gegeneinander? Ich finde es wunderbar, denn es gibt keine klaren Grenzen zwischen Komödie und Tragödie – es ist beides zugleich, und damit sehr, sehr lebensnah. Calisto ist einerseits eine wirklich tragische Figur, gerade, wenn man Ovid liest, aber bei Cavalli ist sie eine verirrte Liebende und es gibt richtig viele Momente, wo man Tränen lachen kann, ohne dass damit die Figuren lächerlich gemacht würden – das gefällt mir überaus gut. Als Calisto singst und spielst du eine Nymphe, die von vielen starken Leidenschaften erfüllt ist, von Liebessehnen und Enttäuschung, von Freude und Schmerz, von Überschwang und Trauer und anderem mehr. Wie ist dies alles durch Stimme und Spiel auszudrücken? So, wie in jeder anderen Oper auch – ich beschäftige mich zuerst intensiv mit der Figur, mit dem Text, mit der Historie, und natürlich mit der Musik, die die Basis für alles ist. Dann baue ich Stück für Stück eine Art der Identifikation mit der Figur auf, was natürlich in Bezug auf das Lieben und den heftigen Liebeskummer, den sie erfährt, nicht schwerfällt. Und aus dieser Identifikation entsteht dann, im Idealfall
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relativ natürlich, eine Körperlichkeit und eine Art, die Partie stimmlich zu gestalten. Etwas hakelig ist der Schluss – die Verwandlung in den eine Bärin und ihre, nun, vielleicht etwas abrupte Freude über ihren Platz in der Unendlichkeit als Sternbild. Sie hat da keine Rachegedanken mehr, sie beschwert sich nicht über die eigentlich riesige Ungerechtigkeit, die ihr widerfahren ist, sie nimmt ihr Schicksal einfach an und freut sich darauf. Damit hatte ich erstmal meine Schwierigkeiten, letztendlich kann ich ihre Freude aber dann doch verstehen – sie erfährt sozusagen Erlösung von den ganzen Leiden und Freuden und Verstrickungen, die zum Menschsein gehören, sie wird am Ende frei, und das wie derum kann ich als Sehnsucht gut nachvollziehen, und es berührt mich sehr. Ein musikalisches Kennzeichen der venezianischen Barockoper – man denke neben Cavalli durchaus auch an Monteverdi – ist ein beständiges Changieren zwischen rezitativischen und ariosen Momenten, zwischen Deklamation und melodischen Entfaltungen. Mal dominiert die Sprache bzw. Rede, mal die Musik bzw. der Gesang. Wie lässt sich das zusammenbringen? Meine erste Aufgabe ist hier, den Text wirklich bis ins kleinste Detail zu kennen und zu verstehen, auch mit dem ganzen Subtext, der sich in ihm verbirgt und der für unsere heutigen Augen nicht immer sofort offensichtlich ist. Das Drama, das erzählerisch rezitativische, die Handlung vorantreibende Singen steht für mein Gefühl ganz gleichberechtigt neben den arienhaften Momenten, es greift sehr harmonisch ineinander. Dein Debüt an der Staatsoper Unter den Linden hast du 2023 in der Titelpartie von Richard Strauss' Daphne feiern können, Anfang 2026 folgte dann das schon erwähnte Schlaue Füchslein, ebenfalls in der Titelgestalt. Welche Erinnerungen verbindest du mit diesen beiden sehr erfolgreichen Produktionen hier am Haus und welche mit den Menschen, mit denen du an der Staatsoper zu tun hattest? Ich mag das Haus sehr, und es ist natürlich eine ungeheure Ehre, in diesen Partien hier auftreten zu dürfen. Von viel mehr kann ich als Sängerin kaum träumen, ehrlich gesagt! Gleichzeitig bedeutet für mich das Singen von Titelpartien auch immer eine Art „Stress“, bei Daphne habe ich empfunden, dass der Abend auf mir als Sängerin „ruhte“, auch so etwas kann eine Ehre sein und gleichzeitig eine Herausforderung an die eigene Energie und Präsenz auf der Bühne. Trotzdem hat für mich der Genuss überwogen, diese herrliche Musik hier singen zu dürfen. Das Füchslein wiederum war eine ganz ungetrübte Freude, ich habe mich dabei sozusagen unsterblich in Janáček verliebt. Als sehr besonders empfinde ich an der Staatsoper die Zusammenarbeit hinter den Kulissen, vom Inspizienten bis zur Ankleiderin – ich habe hier immer das Gefühl, alle arbeiten im Team für den schönsten, bestmöglichen Theaterabend. Das Gespräch führte Detlef Giese.
Barocktage 2026
Aus Babelsberg und Hollywood
Filmmusik zum Jahreswechsel, gespielt von der Staatskapelle Berlin, dirigiert von Generalmusikdirektor Christian Thielemann Konzert zum Jahreswechsel
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„Die Musik ist dramatisch, plakativ im guten Sinne.“ Christian Thielemann
Szenenbild aus Die Abenteuer des Robin Hood ( 1938 )
Konzert zum Jahreswechsel 31. Dezember 2026 1. Januar 2027
Szenenbild aus Vom Winde verweht ( 1939 )
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Die Staatskapelle Berlin, zu Hause in Oper und Symphonik, unternimmt zu Silvester und Neujahr einen Ausflug in die Sphären der Filmmusik. Wie schon in den beiden vergangenen Jahren möchten Generalmusikdirektor Christian Thielemann und „sein“ Orchester dem Publikum zum Jahreswechsel etwas Besonderes, Außergewöhnliches, durchaus auch Überraschendes bieten – nach Musik aus dem Berlin der Weimarer Zeit und Musik aus Operetten von Franz Lehár erklingt nun Musik aus bekannten Filmen der 1920er und 1930er Jahre, aus Babelsberg und Hollywood. Mit Musik aus dem vor genau 100 Jahren gedrehten UFAStreifen Metropolis, einem Klassiker des expressionistischen Stummfilms, sowie aus den opulent in Szene gesetzten Hollywood-Produktionen Gone with the Wind (Vom Winde verweht) und The Adventures of Robin Hood (Die Abenteuer des Robin Hood) werden Lichter auf drei Filme geworfen, die Kinogeschichte geschrieben haben, in Europa und Übersee. Und zwei der drei Komponisten, denen wir diese großartigen Filmmusiken verdanken, haben auch den Weg aus der Alten in die Neue Welt genommen: Max Steiner (1888-1971) und Erich Wolfgang Korngold (1897-1957), beide im damaligen Österreich-Ungarn geboren, beide aus alteingesessenen jüdischen Familien stammend, beide musikalisch bestens ausgebildet und hochtalentiert – beide waren sie auch maßgeblich bei der Ausprägung eines spezifischen „Hollywood-Sounds“ beteiligt. Zahlreiche Oscar-Prämierungen bzw. -Nominierungen sprechen für die hohe Wertschätzung, die ihnen zuteil wurde, wenngleich sie dadurch recht einseitig – in der Rückschau vielleicht sogar zu sehr – als Filmkomponisten wahrgenommen wurden. Was im Falle von Steiner, der seit 1929 bis in die mittleren 1960er Jahre hinein nahezu ausschließlich für die „Traumfabrik“ arbeitete, noch zutreffen mag, stellte sich bei Korngold durchaus anders dar: Immerhin hatte er bereits 1920 mit seiner Oper Die tote Stadt einen Welterfolg landen können, mit weiteren Bühnenwerken sowie Orchester-, Kammer- und Klaviermusik war er als formidabler wie prominenter Komponist der „ernsten Musik“ und der klassischen Formen anerkannt, bevor er von den Nationalsozialisten zur Emigration gezwungen wurde. Es ist diese Verankerung in der Tradition, fußend auf einem souveränen handwerklichen Können, die für Christian Thielemann von entscheidender Bedeutung ist, wenn der Blick auf die Filmmusiken Korngolds und Steiners fällt. Die besondere Opulenz dieser Kompositionen erinnert nicht selten an die klangmächtigen, effektvoll instrumentierten Tondichtungen von Richard Strauss. Vielfach sind sie ausgesprochen „symphonisch“ gehalten, mit einem Gespür für großformatige melodische Entwicklungen, dynamische Steigerungen und vor allem für klangfarbliche Raffinesse, zudem ist sie häufig „dramatisch, plakativ im guten Sinne" (Thielemann) gehalten und vermag sehr plastisch Figuren und Situationen zu charakterisieren. Schaut man in die Partituren dieser Hollywood-Musiken, so wird offenbar, dass diese wahrlich meisterhaft gestaltet sind, von großer Könnerschaft getragen. Manches klinge zwar, so Christian Thielemann, zuweilen „pathetisch überhöht“, was sehr schnell
und voreilig als Kitsch abgetan werden könne. Anzuerkennen ist aber die hohe Qualität und der künstlerische Anspruch dieser Musik, die, aus der symphonischen Tradition der klassisch-romantischen Zeit heraus erwachsen, zweifellos zu beeindrucken weiß. Es bedarf jedoch einer speziellen Form der Annäherung, um ihre Qualitäten voll und ganz zur Geltung zu bringen, im Sinne eines grundlegenden Verständnisses für Ausdruck und Stil. Wenn ein Spitzenorchester wie die Staatskapelle Berlin sich diesen vermeintlich „leichten“ und „populären“ Filmmusiken mit ihrem oft schier überwältigenden „Breitwand-Sound“ zuwendet, so geschieht dies mit aller nötigen Ernsthaftigkeit. Für Christian Thielemann, der schon in seinen ersten beiden Spielzeiten als Generalmusikdirektor auf manchmal überraschende Weise in eher weniger beachteten musikalischen Gefilden unterwegs gewesen ist, liegt ein besonderes Anliegen darin, zumindest ab und an auch dieses Repertoire und diese Stilistik zu pflegen. Er ist überzeugt, dass auch ohne die Bilder, die der Film liefert und die unsere Aufmerksamkeit zu fesseln wissen, die Musik wirkungsmächtig Präsenz gewinnen kann – konzentriert und intensiv darauf zu hören, ist ein Erlebnis eigener Art. Besonders freue er sich, so Christian Thielemann, auf die Filmmusik zu Metropolis, die den Ausklang der besagten Jahreswechselkonzerte bilden wird. Als eine Ikone des Science-Fiction-Kinos, in dem die Vision einer zukünftigen Stadt und eines zukünftigen Menschen entworfen wird – und dies keineswegs positiv und optimistisch –, ist dieses Monumentalwerk in der Regie von Fritz Lang und mit der packenden, konturscharfen Musik von Gottfried Huppertz (1887-1937) zur Filmlegende geworden. Im Herbst 1926 nach mehr als einjährigen, enorm aufwändigen Dreharbeiten fertiggestellt und im Januar 1927 erstmals im Berliner Zoo-Palast präsentiert, steht unser Konzert genau zwischen diesen beiden 100-Jahr-Jubiläen. Gewiss ist dies ein schönes Zusammentreffen, wichtiger aber noch ist es, dass damit ein Stück „großer Musik“, die in der künstlerischen Praxis der Staatskapelle bislang kaum einmal eine Rolle gespielt hat, in den Saal der Staatsoper gelangt – für ein Publikum, das ein offenes Ohr für diese Klänge mitbringt.
Konzert zum Jahreswechsel
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Der Rosenkavalier auf Reisen Gemeinsam mit ihrem Generalmusikdirektor Christian Thielemann ist die Staatskapelle Berlin im November in mehreren Konzerten in China und Japan zu hören, unter anderem in Kawasaki, Tokio und Taipeh. In Shanghai kann das Publikum in drei szenischen Auf führungen zudem Richard Strauss‘ Der Rosenkavalier in der Inszenierung von André Heller erleben. Für sein Dirigat dieser weltweit beliebten Oper bei den vergan genen Festtagen an der Staatsoper wurde Christian Thielemann vom Publikum wie von der Presse euphorisch gefeiert. Ein Gastspiel einer szenischen Opernproduktion bedeutet für sämtliche Abteilungen der Staatsoper Unter den Linden sowie internationale Dienstleister eine genau abgestimmte Planung, bevor das Bühnenbild und die Kostüme im neuen Theater in Shanghai mit den Sänger:innen Camilla Nylund, Samantha Hankey, Peter Rose, Nikola Hillebrand u. a. die Spielfläche eröffnen. Einige Fakten zum Entdecken und Staunen.
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2 Tage Verladen in Container
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9 Wochen Reise zu Wasser und zu Land, ca. 20.000 km Seeweg
3 Tage Packvorbereitung mit Wiegen und Protokollieren von mehreren Tausend Gegenständen
Szenenbild aus Der Rosenkavalier
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Kulissenteile des Bühnenbilds
30 Mitarbeiter:innen aus technischen Abteilungen auf Reisen
30 Tage Anwesenheit in Asien inklusive technischer Vorbereitung
Staatskapelle Berlin
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7 Container von je maximal 28.000 kg Gewicht mit Kulissenteilen und Kostümen
„Deshalb mag ich das Format der Mitmachoper so gern. Man sitzt nicht einfach nur da und schaut zu, sondern wird Teil der Geschichte.“
Mitmachen erwünscht!
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Nach dem großen Erfolg von Der Freischütz für Kinder wartet an der Staatsoper Unter den Linden schon das nächste Mitmach-Abenteuer: Die Fledermaus für Kinder! Auch diesmal heißt es: Mitsingen, Mittanzen und selbst Teil der Geschichte werden! Im Gespräch hat uns Regisseurin Giulia Giammona schon vorab verraten, warum Mut, Verkleidungen und ein frecher Kuschelfrosch dabei eine ganz besondere Rolle spielen – und warum am Ende alle gemeinsam feiern.
Giulia, du hast schon viele Opern für Kinder auf die Bühne gebracht. Worauf kommt es dabei an? Für mich geht es vor allem um Zauber. Um dieses besondere Gefühl, etwas zum ersten Mal zu entdecken oder vielleicht auch zum zweiten oder dritten Mal und trotzdem wieder neu zu erleben. Ich liebe es, wenn man für eine Stunde in eine andere Welt eintauchen kann und alles möglich scheint. Deshalb mag ich das Format der Mitmachoper so gern. Man sitzt nicht einfach nur da und schaut zu, sondern wird Teil der Geschichte. Vielleicht entdeckt man dabei sogar, dass man selbst gern singen, tanzen oder mal auf einer Bühne stehen würde. Mir ist wichtig, dass Oper nicht wie etwas wirkt, das weit weg ist, sondern wie ein Ort, an dem alle willkommen sind. Worum geht es in der Fledermaus für Kinder? Unsere Geschichte spielt in einer Privatschule. Dort geht es vor allem um Adele. Sie träumt davon zu singen, hat aber nicht genug Geld, um ihre Schulgebühren zu bezahlen. Deshalb arbeitet sie in der Schule und putzt, damit sie weiterhin dabei sein kann. Gleichzeitig fühlt sie sich oft ausgeschlossen und gehört nicht so richtig dazu. Vielleicht kennen viele dieses Gefühl, dass man unbedingt dazugehören möchte und manchmal nicht weiß, ob man gut genug ist. Natürlich geht es auch um Verkleidungen, Feste und jede Menge Spaß. Aber wir haben uns auch gefragt: Warum verstecken sich Menschen eigentlich hinter Masken? Und was passiert, wenn man sie wieder ablegt? Adele hat eine wunderschöne Stimme, aber sie traut sich nicht, sie hören zu lassen. Auf ihrer Reise wird sie von ihrem Kuschelfrosch begleitet, der sich plötzlich in einen Menschen verwandelt und sie immer wieder herausfordert, mutiger zu werden. Schritt für Schritt findet Adele den Mut, für sich selbst und ihre Träume einzustehen. Dabei merkt sie, dass sie sich gar nicht verstellen muss, um dazuzugehören. Unser Motto dabei ist „Just be wild!“, also: Trau dich, du selbst zu sein, auch wenn du vielleicht ein bisschen anders bist als die anderen. Bei der Fledermaus für Kinder soll niemand nur still auf seinem Platz sitzen. Wie kann das Publikum mitmachen?
Das Publikum darf ganz viel mitmachen. Gemeinsam wird gesungen, getanzt, mit zuvor gebastelten Requisiten gespielt und mit den Figuren gesprochen. Zusammen mit unserer Choereographin haben wir uns Bewegungen ausgedacht, die alle vom Sitzplatz aus mitmachen können. Ich hoffe sehr, dass am Ende möglichst viele mittanzen. So wird jede Vorstellung ein bisschen anders und zu einem großen gemeinsamen Fest. Du warst selbst viele Jahre im Jugendchor der Staatsoper, der nun in der Fledermaus für Kinder mitsingt. Wie ist es für dich, jetzt mit dem Jugendchor zusammenzuarbeiten? Das macht mich sehr glücklich. Als ich selbst im Jugendchor gesungen habe, durfte ich die Oper von einer ganz besonderen Seite kennenlernen. Ich konnte hinter die Kulissen schauen und erleben, wie aus Musik, Theater, Gesang, Kostümen und Phantasie eine ganze Welt entsteht. Diese Zeit hat mich sehr geprägt. Der Jugendchor war für mich ein Ort, an dem ich mich wohlgefühlt habe und viel Selbstvertrauen sammeln konnte. Ich war damals noch in der Schule und habe jede Probe geliebt. Die Mischung aus Musik, Schauspiel, Verwandlung und Gemeinschaft hat mich total verzaubert. Deshalb freut es mich besonders, heute mit einer neuen Generation junger Sängerinnen und Sänger zusammenzuarbeiten. Sie bringen so viel Energie, Freude und Spiellust mit und genau das passt wunderbar zu unserer Fledermaus für Kinder. Das Interview führte Elisabeth Kühne.
Die Fledermaus für Kinder Johann Strauß Premiere 21. Januar 2027
Premiere
Fledermaus für Kinder
Johann Strauß Superstar
Er komponierte für die Menschen und die Menschen liebten ihn dafür! Johann Strauß war ein Superstar – lange bevor es dieses Wort überhaupt gab. Geboren wurde er vor über 200 Jahren, am 25. Oktober 1825 in der Wiener Vorstadt St. Ulrich. Von seinem Vater Johann Strauß erhielt er nicht nur seinen Namen, sondern auch das musikalische Talent. Denn wie sein Vater, der ein berühmter Komponist und Dirigent war, liebte auch Johann Strauß (Sohn) die Musik. Wäre es nach seinem Vater gegangen, so hätte „Schani“, wie Johann zuhause liebevoll genannt wurde, aber etwas „Ordentliches“ gelernt: Beamter sollte er werden. Zum Glück setzte seine Mutter Anna alles daran, Johann musikalisch ausbilden zu lassen. So lernte Johann Geige spielen und komponierte schon mit sechs Jahren seinen ersten Walzer.
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Als der Vater die Familie verließ, musste Johann als ältester Sohn mithelfen, Geld zu verdienen. Sein erstes Konzert in einem bekannten Vergnügungslokal wurde ein Riesenerfolg. Schon bald reiste er mit seinem eigenen Orchester durchs ganze Land. Als sein Vater starb, übernahm er auch dessen Orchester und vereinte es mit seinem eigenen. Wie ein Popstar tourte Johann durch ganz Europa und gab sogar Konzerte in Nordamerika. Auch der österreichische Kaiser Franz Joseph I. liebte seine Musik und ernannte ihn zum „Hofball-Musikdirektor“. Johann schrieb eine Tanzmusik nach der nächsten und war schon bald als „Walzerkönig“ berühmt. Sein bekanntester Walzer An der schönen blauen Donau wurde ein weltweiter Hit, machte Johann steinreich und ist bis heute die heimliche Nationalhymne Österreichs. Später komponierte Johann nicht nur Tanzmusik, sondern auch Operetten für das Theater – 15 insgesamt. Operette bedeutet übrigens „kleine Oper“, sie ist quasi die „kleine Schwester“ der Oper. Seine berühmteste Operette Die Fledermaus wurde am 5. April 1874 in Wien uraufgeführt und begeistert bis heute Groß und Klein.
Habt ihr gut aufgepasst? 6↓
Könnt ihr das Quiz lösen? Schickt uns das Lösungswort an operleben@staatsoper-berlin.de und gewinnt zwei Karten für Die Fledermaus für Kinder! 1 – Johann Strauß wurde auch „…könig“ genannt.
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2 – Welchem Fluss ist sein berühmtester Walzer gewidmet?
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3 – In dieser Stadt wurde Die Fledermaus uraufgeführt.
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4 – So lautete Johanns Spitzname.
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5 – Welches Instrument hat Johann Strauß gelernt?
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7 – Wie hieß sein Vater mit Vornamen?
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6 – So heißt seine berühmteste Operette.
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9 – Johann Strauß spielte auch vor echten Berühmtheiten. Einer von ihnen war ... Franz Joseph I.
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10 – Wie nennt man die „kleine Schwester“ der Oper?
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Autor:innen: Olaf A. Schmitt (S. 2f., 6f., 14f.) Detlef Giese (S. 8f., 11f.) Elisabeth Kühne (S. 16f.)
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