Das Magazin der Schweizer Paraplegiker-Vereinigung I Winter 2021
Schwungvoll ins Pistenvergnügen
Ganz ehrlich: Ich war besorgt, dass es mein Sozialleben beeinflussen würde. Eva, ISK-Anwenderin
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EDITORIAL
Geschätzte Leserinnen und Leser Trübsal blasen und in dieser herausfordernden Zeit den Rückzug antreten, das ist für viele keine Option, auch für die SPV nicht. Gerade jetzt wollen wir für Mitglieder da sein, mit den Vereinsvertretern in Kontakt stehen, gut zuhören, bei Bedarf Support geben und unterstützen. In den letzten Monaten durfte ich vielen Mitgliedern persönlich begegnen, in Arbeitsgruppen über die SPV nachdenken und an Anlässen und Feiern teilnehmen. Dabei habe ich viele spannende Momente erlebt. Stets war das Motto: Wir lassen uns nicht unterkriegen, wie etwa auch die Präsidentinnen und Präsidenten der Rollstuhlclubs berichteten (siehe Seite 8).
«Sport bewegt» Sport bewegt die Menschen, ist eine wichtige Lebensschule, löst grosse Emo tionen aus und verbindet. All das haben wir an den Paralympics Tokyo 2020 in diesem Sommer erfahren. Getragen von Leidenschaft und klaren Zielen ist die Delegation ins ferne Japan gereist – als
Paracontact I Winter 2021
Heldinnen und Helden sind sie in die Schweiz zurückgekehrt. Die Athletinnen und Athleten haben uns in den zwei Wochen der Paralympics bewegende und unvergessliche Momente geschenkt. Dafür gebührt ihnen grösster Respekt und Dank! Die Teilnehmenden sind wichtige Vorbilder und sensibilisieren unsere Gesellschaft. Im Sport geht es nicht (nur) um Medaillen, sondern um Gesundheit, um Wohlbefinden, um Spass an der Bewegung. Wie Sport beflügeln kann, lesen Sie beispielsweise im Bericht über die junge Basketballerin Mirjam Waller oder im Interview mit dem langjährigen Skilehrer Sepp Zemp. Ich wünsche Ihnen viel Spass bei der Lektüre dieser Ausgabe, ein frohes Weihnachtsfest und einen guten Start ins neue Jahr. Ich freue mich, mit Ihnen zusammen auch im Jahre 2022 weiterbauen zu dürfen. Herzlichst
Laurent Prince, Direktor
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Paracontact I Winter 2021
IMPRESSUM
INHALT
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Herausgeberin Schweizer Paraplegiker-Vereinigung Kantonsstrasse 40, 6207 Nottwil Telefon 041 939 54 00 E-Mail spv@spv.ch www.spv.ch Chefredaktorin Evelyn Schmid Redaktion Laurent Prince, Gabi Bucher, Nadja Venetz, Felix Schärer, Roger Getzmann, Daniela Vozza, Michael Bütikofer, Tina Achermann Koordination, Grafik, Inserate Tina Achermann Fotos SPV, SPS, Adobe Stock, Stiftung Kinderhilfe Sternschnuppe, Mirjam Waller, Nico Schmid, Andi Gautschi, Jodlerklub Nottwil, Carlo Marti, Urs und Susanne Blöchlinger, Swiss Paralympic/Gabriel Monnet, Keystone/Ennio Leanza, Nora Frohofer, Viesturs Lacis, ParaRomandie, Matthias Lötscher, Markus Binda Druck Brunner Medien AG, www.bag.ch Redaktionsschluss Ausgabe Frühling 2022: abgeschlossen Ausgabe Sommer 2022: 14.2.2022 Auflage 8100 Exemplare deutsch 4 250 Exemplare französisch Wir bemühen uns um gendergerechtes Schreiben, verwenden zur besseren Lesbarkeit manchmal die weibliche oder männliche Form stellvertretend für alle Geschlechter. Alle Beiträge sind urheberrechtlich geschützt. Nachdruck nur mit Genehmigung der Redaktion. Fremdbeiträge geben nicht in jedem Fall die Meinung der SPV wieder. Ein Abdruck von unverlangt eingesendeten Manuskripten ist nicht gewährleistet.
Paracontact I Winter 2021
WIR BEWEGEN AKTUELL 6 NACHGEFRAGT Am Puls der Clubs 8 WEIHNACHTSREZEPT Feine, bunte Mandeln mit Schokolade 9 UNSERE PARTNER Herzlichen Dank 10 WUNSCHERFÜLLUNG Stiftung Kinderhilfe Sternschnuppe 11 LEBENSBERATUNG ASSISTENZBEITRAG Wie werde ich Arbeitgeberin? 12 FACHLICHER AUSTAUSCH G Kongress DMGP Mobilität 15 RECHTSBERATUNG WEITERENT WICKLUNG DER IV Das stufenlose Rentenmodell ab 2022 16 MEDIZIN UND WISSENSCHAFT ALLGEMEINMEDIZIN Wissen über Querschnittlähmung
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HINDERNISFREIES BAUEN ZUSAMMENHALT Wieder nach Hause
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KULTUR UND FREIZEIT ZIESEL-TOUR Der Herr der Winterberge 22 IN KÜRZE 24 SOMMERPLAUSCH Rückblick auf Interlaken-Highlights 27 MOBILITÄTSKURS Premiere in der Westschweiz Entdecken: Rheinfelden 29 ROLLSTUHLSPORT TOKYO 2020 Mehr als nur Medaillen 30 SERIE 4/4: TOKYO 2020 Ungleiche Voraussetzungen 33 IN KÜRZE 34 SERIE 4/4: ARMEE Professionalisierungsdruck 36 FRAUENPOWER IM SPORT Rollstuhlsporttrainerin 37 GIRO SUISSE 2021 Erfolgreich wie die Paralympics 2020 38 MEDAILLENGEWINNER Vorne mit dabei 39 FOKUS VERMISCHTES 40 IM GESPRÄCH Sepp Zemp 42 AUSGEZEICHNET Querschnittgelähmte des Jahres 46 UNSERE HELFER Hüter der Drachen 49 FÜR SIE DA Karin Paganini 50
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RUBRIK AKTUELL
LEBENSBERATUNG
SPRACHE
SPV-Höck
Gendergerechtes Formulieren
Die SPV bietet in der Uni klinik Balgrist regelmässig Infoveranstaltungen an. Offene Runde: Stammtisch Lebensberatung SPV Donnerstag, 27. Januar 2022 16.00–18.00 Uhr Der Austausch findet regelmässig statt. Interessierte treffen sich im Restaurant der Uniklinik Balgrist und diskutieren verschiedene Themen. Mobiliät – Fahrzeugumbau Lebensberatung SPV Mittwoch, 16. Februar 2022 15.00–17.00 Uhr Ein Mitarbeiter der Lebens beratung informiert über Vergünstigungen im ÖV, Autokauf und -umbau sowie Mobilität ganz allgemein. Allfällige Änderungen entnehmen Sie unserer Website www.spv.ch.
REISEN
Neuer Buspartner Planen Sie für 2022 einen Gruppenausflug? Dann macht Ihnen ab 1. Januar 2022 die Gössi Carreisen AG, unser neuer Buspartner, gerne eine Offerte.
Der Hauptsponsor des Zen tralfests zeigte sich gross zügig. Trotz Absage des Zentralfests hielt Hollister am beliebten Wettbewerb fest. Auf einer Onlineplattform konnten alle ihre Gewinnchancen erproben. Den glücklichen Gewinnerinnen und Gewinnern gratulieren wir herzlich und bedanken uns bei Hollister. Das Datum des nächsten Zentralfests wird sobald als möglich kommuniziert. 6
NEUE MITARBEITENDE
Für Fragen und Informationen steht Ihnen Rita Häfliger von Kultur und Freizeit gerne zur Verfügung (Tel. 041 939 54 25). Buspartner www.goessi-carreisen.ch Nico Eigenmann Tel. 041 340 30 55 E-Mail nico@goessi-carreisen.ch
ZENTRALFEST
Wettbewerb Hollister
Wir führen ab dieser Ausgabe eine gendergerechte Sprache ein. Wo möglich verwenden wir geschlechtsneutrale Begriffe. Neu nutzen wir den Genderstern. Um die Lesbar keit der Texte nicht zu beeinträchtigen, setzen wir manchmal die weibliche, manchmal die männliche Form stellvertretend für alle Geschlechter ein. Der SPV ist es ein wich tiges Anliegen, eine inklusive Sprache zu verwenden.
SWISS OLYMPIC
«Are you ok?» «Geht es dir gut?» fragt die neue Kampagne von Swiss Olympic. Mit «Are you ok?» macht der Dachverband auf Situationen im Sportumfeld aufmerksam, die belastend oder verletzend sein können. Die Sensibilisierungskampagne will Athletinnen und Athleten motivieren, über Missstände zu sprechen und sich Hilfe zu holen. Mehr zur Kampagne www.swissolympic.ch/areyouok
Yannick Gloor IRB
Seit Juli berät Yannick Gloor unsere Mitglieder in Rechts fragen. Studiert hat er Rechtswissenschaften an der Universität Bern mit Schwerpunkt Strafrecht und Kriminologie. Danach folgten diverse Anwaltspraktika und 2021 erwarb er das Anwaltspatent. Aktiv Der Bieler powert sich gerne beim Kickboxen aus. Seit Kurzem hat er nun auch das Klettern für sich entdeckt. Darüber hinaus geniesst er ein gesel liges Verweilen mit Freunden bei einem guten Essen oder einem lustigen Gesellschaftsspiel. Paracontact I Winter 2021
GESCHÄFTSSTELLE
PARALYMPICS
Beijing 2022 Rollstuhlsport Schweiz wird mit dem Curling-Team sowie hoffentlich mit einem oder zwei Monoskibobfahrern an den paralympischen Winterspielen teilnehmen.
Weihnachten
verkürzen. Erstmalig war jedoch eine Besichtigung der Infrastruktur im Vorfeld nicht möglich.
Alle Teilnehmenden werden täglich getestet und wer nicht vollständig geimpft ist, Gemäss Chef de Mission Roger Getzmann muss vor den Spielen drei Wochen vor Ort ist eine der Herausforderungen die Vertei- in Quarantäne. lung des Teams auf die drei Standorte Yanqing (Ski alpin), Zhangjiakou (Snowboard Das Swiss Paralympic Team hat gute Erfahund Langlauf) sowie Beijing (Curling). Die rungen mit Pandemie-Spielen und hofft, Hauptdelegation wird in Yanqing logieren. erneut mit tollen Leistungen und einem Eine Schnellbahn soll die Reisezeit massiv sympathischen Auftritt zu begeistern.
Katharina Zweifel
Die Geschäftsstelle der Schweizer Paraplegiker-Ver einigung in Nottwil ist vom 24. Dezember 2021 bis 2. Januar 2022 geschlossen. Ab dem 3. Januar 2022 sind wir wie gewohnt für Sie da. Ab Januar werden die Büroräumlichkeiten an der Kantonsstrasse sukzessive umgebaut. Wir sind sehr darum bemüht, dass der Zugang zu unseren Leistungen trotzdem stets gewährleistet ist.
IRB
IRB
Claudia Kobel
Coralie Jaquet
Ilaria Valentino
Katharina Zweifel ergänzt seit September das Team des IRB. Nach dem Studium der Rechts wissenschaft sammelte sie während zwei Jahren erste Berufserfahrung im Rahmen juristischer Praktika. Die letzten neun Jahre arbeitete sie bei der IV und freut sich, mit diesem Erfahrungsschatz die SPV-Mitglieder zu unterstützen.
Claudia Kobel ist seit Juli Teil des IRB. Sie studierte Rechtswissenschaft an der Universität Bern und absolvierte daraufhin mehrere Praktika. 2021 legte sie erfolgreich die Prüfung zur Rechtsanwältin ab.
Mitte August startete Coralie Jaquet ihre Tätigkeit in der Sozialberatung der SPV. Ursprünglich gelernt hat sie Schreinerin, orientierte sich um und studierte an der HES-SO Valais Wallis Soziale Arbeit. Zuletzt engagierte sie sich bei ParaWork für die berufliche Wiedereingliederung von Menschen im Rollstuhl.
Im August begann Ilaria Valentino die dreijährige Lehre zur Kauffrau bei der SPV. Die Vielfalt und Abwechslung ihrer Ausbildungsstätte gefallen ihr sehr. Die junge Frau aus Eschenbach LU schätzt zudem das soziale Engagement.
Gesellig Unter Familie und Freunden fühlt sich Katharina Zweifel besonders wohl. Sie reist leidenschaftlich gern, was sich ideal mit ihrem Interesse für die Fotografie verbinden lässt. Paracontact I Winter 2021 2021
Kultur Die Bernerin wohnt im schönen Seeland, wo sie ihre Zeit gerne mit Freunden, an Konzerten, in der Oper oder im Kino verbringt. Im Sommer braust sie mit dem Mountainbike, im Winter auf Skiern die Hügel hinunter.
Lebensberatung
Zweirad Die Fribourgerin liebt den Sport. Besonders gern tobt sie sich an der Kletterwand aus oder tritt in die Pedale. Das Velo nutzt sie mit Vorliebe auch zum Reisen.
Zentrale Dienste
Flink Ilaria Valentino ist in ihrer Freizeit am liebsten mit ihren Freunden unterwegs. Darüber hinaus betreibt sie mit viel Begeisterung seit zehn Jahren Leichtathletik im ESV Eschenbach. Weitsprung und Sprint sind ihre Lieblingsdis ziplinen. 7
WIR BEWEGEN
NACHGEFRAGT
Am Puls der Clubs Am 18. September 2021 trafen sich die Präsidentinnen und Präsidenten der Rollstuhlclubs. SPV-Präsidentin Olga Manfredi gibt Auskunft über die Themen, die besprochen wurden. Von Nadja Venetz
Es ist bereits das zweite Präsident*innentreffen in diesem Jahr. Weshalb brauchte es ein zweites? Das Treffen im Januar konnte aufgrund der Covid-Massnahmen nur auf digitalem Weg stattfinden, ebenso die Delegierten versammlung im Frühjahr. Es war uns ein Anliegen, dass wir uns, sobald es die Pandemie zulässt, wieder physisch treffen und austauschen. Der persönliche Kontakt hat in den letzten Monaten sehr gelitten. Diese Plattform wollten wir unseren Clubpräsi dentinnen und -präsidenten auf jeden Fall bieten.
Welche Themen wurden behandelt? Wir haben die Teilnehmenden mit Informationen aus dem Zentralvorstand und der Geschäftsleitung versorgt und über den aktuellen Stand der Arbeitsgruppen be8
richtet. Wir hatten ja am vergangenen Tref fen drei Arbeitsgruppen gebildet, die sich mit der Strukturentwicklung der SPV befassen (siehe Paracontact 2/2021, S. 8). In zwei Gruppen haben wir sodann diskutiert, wie die Präsident*innentreffen künftig gestaltet werden sollen. Ein weiterer Programmpunkt war der Austausch darüber, wie sich die Pandemie auf das Clubleben ausgewirkt hat. Wir wollten von den Präsidentinnen und Präsidenten erfahren, wie sie trotz Einschränkungen das Clubleben gepflegt haben. Was hat funktioniert, was nicht? Und was waren diesbezüglich die Rückmeldungen? Ausnahmslos alle haben es vermisst, sich persönlich zu sehen. Die Generalversammlungen waren dabei nicht das Problem. Diese konnten auf schriftlichem Weg statt finden. Der direkte Kontakt, ungezwungene Treffen, gesellige Abende und Ausflüge; das ist das, was gefehlt hat. Es gab Vorstandsmitglieder, die regelmässig per Mail oder Newsletter informiert haben. In anderen Clubs war es eher still. Mittlerweile sind die Covid-Massnahmen etwas gelockert; Treffen, Ausflüge und Anlässe sind unter Auflagen wieder möglich. Jetzt haben sich aber einige gemütlich zu Hause eingerichtet und die Clubs merken, dass es schwierig ist, diese Mitglieder wieder zu motivieren, aktiv teilzunehmen. Im Gegen satz dazu waren Trainings im Sport immer irgendwie möglich. Die Schwierigkeit hier bestand darin, den Überblick zu behalten, was aktuell gerade Vorschrift war. Mal wa ren Trainings nur draussen möglich, mal nur für eine bestimmte Altersgruppe. Trai
ningsstätten wurden geschlossen, gingen wieder auf und dann wieder zu. Je nach Sportart waren Trainings möglich oder eben nicht. Die Taucher etwa hatten im Sommerhalbjahr keine Einschränkungen, weil sie im See und damit draussen waren. Trainings im Winter waren jedoch nicht machbar, weil die Hallenbäder geschlossen waren. Das erforderte viel Flexibilität und kreative Lösungen. Wird es auch in Zukunft zwei Präsident*innentreffen pro Jahr geben? Wir haben festgestellt, dass es den Präsiden tinnen und Präsidenten ein grosses Anliegen ist, sich über aktuelle Herausforderun gen des Clublebens auszutauschen. Da wir ohnehin einen intensiveren Kontakt zu den Clubs suchen, macht es meines Erachtens durchaus Sinn, sich öfters zu treffen. Dieser Austausch wird auch sehr geschätzt. Das haben wir mehrfach zu hören gekriegt. Wir konnten die Diskussion nicht abschliessend führen und werden beim nächsten Termin Anfang Jahr entscheiden, in welcher Frequenz und in welcher Form wir uns künftig sehen. Auch hier möchten wir das Feld öffnen, Wünsche und Ideen einholen und nicht einfach von oben bestimmen. Ich fände es beispielsweise schön, wenn jeweils ein Club ein aktuelles Projekt vorstellt.
Haben Sie Ideen und Anregungen? Teilen Sie uns diese mit: spv@spv.ch Paracontact I Winter 2021
WIR BEWEGEN
ZUTATEN WEIHNACHTSREZEPT
Für je 200 g Mandeln
Feine, bunte Mandeln mit Schokolade
Schokomandeln mit Zimt
Ein exklusives Rezept für alle, die süsse Knabbereien lieben. Der Aufwand ist klein, die Wirkung gross!
2. Gefäss 60 g Kakaopulver 20 g Puderzucker 1 TL Zimt
Ruby-Himbeermandeln
Von Tina Achermann
1. Gefäss 100 g Ruby-Schokolade
Das diesjährige Weihnachtsrezept hat unsere Lernende Jana Thommen im Internet aufgestöbert und uns eine feine Kostprobe mitgebracht – einstimmig angenommen als Weihnachtsrezept in unserer Winteraus gabe!
Zwischenzeitlich die Schokoladen zerkleinern und in je einem wärmebeständigen ersten Gefäss bereitstellen. In je einem verschliessbaren zweiten Gefäss die jeweiligen Zutaten abmessen und eben falls bereitstellen.
Das Rezept ist viermal einfach … Die vier verschiedenen Geschmacksrichtungen sind im Nu hergestellt, das Verfahren überall gleich: Die Mandeln für alle vier Sorten 10 Minuten im Ofen bei etwa 160 Grad erwärmen (geben Sie gleich alle zusammen in den Ofen und nehmen Sie portionenweise Mandeln heraus, die restlichen verbleiben an der Wärme).
Die erste Portion heisse Mandeln in das erste Gefäss mit der zerkleinerten Schokolade geben und gut mischen, die Schokolade schmilzt durch die Hitze der Mandeln. Sind die Mandeln gut überzogen und die Masse bereits etwas ausgekühlt und eingedickt, geben Sie sie in das zweite Gefäss mit dem bereitgestellten Pulver. Mit dem Deckel verschliessen und gut schütteln, bis die Mandeln rundum mit Pulver überzogen sind und nicht mehr aneinander kleben. Auf einem Blech oder grossen Teller ausbreiten und nach Belieben nochmals mit etwas Pulver bestäuben. So verfahren Sie mit allen vier Sorten – einfacher gehts nicht. Ein kleiner Zusatz für die Goldmandeln: Die Schokomandeln so weit fertigstellen, auf einem Teller verteilen und erst ganz zum Schluss mit dem Goldpulver bestäuben, so glitzern sie am schönsten. In einer Dose sind die Mandeln gut haltbar, in kleine Zellophansäckli gemischt abgefüllt ein feiner, bunter Hingucker zum Verschenken.
Paracontact I Winter 2021
1. Gefäss 100 g Zartbitterschokolade 1 TL Vanilleextrakt
2. Gefäss 20 g Puderzucker 30 g Himbeeren gefriergetrocknet (aus dem Reformhaus)
Kokosmandeln 1. Gefäss 100 g weisse Schokolade 1 TL Vanilleextrakt 2. Gefäss 40 g Puderzucker 60 g Kokosraspeln
Goldmandeln 1. Gefäss 100 g Vollmilchschokolade 2. Gefäss 50 g Kakaopulver Goldpulver (aus der Backabteilung grösserer Geschäfte)
FROHE WEIHNACHTEN Das Team der Schweizer ParaplegikerVereinigung wünscht Ihnen, Ihren Familien, Freunden und Bekannten schöne Weihnachtstage und alles Gute für das neue Jahr. 9
WIR BEWEGEN
UNSERE PARTNER
Herzlichen Dank Die wahre Stärke von Partnerschaften zeigt sich erst in Krisenzeiten. Wir danken unserem Main Partner, den Partnern, Sponsoren und Supportern für die treue Unterstützung gerade auch während der Pandemie. Wir freuen uns auf viele spannende neue Projekte!
MAIN PARTNER
PARTNER
SUPPORTER
Schweizer Paraplegiker-Stiftung, Nottwil
Hollister, Dietikon
– Badminton-Club, Remetschwil – Bergbahnen Sörenberg, Sörenberg – Brunner Medien AG, Kriens – Bruttin Rachelle, Genève – Bundesamt für Sport, Magglingen
SPONSOREN
Suva, Luzern
Coloplast AG, Rotkreuz
– Caffè Chicco d’Oro di Er. Rino Valsangiacomo SA, Balerna – CHRIS sports AG, Münchwilen – Europcar AMAG Services AG, Kloten – Gazzose Ticinesi SA, Personico
Gelbart AG, Luzern
Orthotec AG, Nottwil
– Keller Marianne und Adolf, Thun – perü timing, Lengnau – Phil Freeze, Sursee – Rosenberger Christian, Zürich –S alomon - Amer Sports SA Switzerland, Hagendorn
PARTNER WERDEN
– Scatta AG, Hünenberg
Starke Stories mit Seele Andere müssen sie erst konstruieren, wir haben sie: Geschichten, die bewegen, fesseln, erstaunen, Nähe und Vertrauen schaffen. Egal ob in der internen Kommunikation oder im Content Marketing, die Schweizer Paraplegiker-Vereinigung bietet ihren Partnern ein breites Spektrum an Möglichkeiten, gemeinsame Kommunikationspotenziale zu nutzen.
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Aus unserem spannenden Repertoire: – Eventpartnerschaften – langfristige Förderung – Storytelling – Content Marketing – CSR – Sensibilisierung – Spitzenleistungen
–S chweizerische Vereinigung zugunsten von Personen mit Spina bifida und Hydrocephalus, Tagelswangen – Sportmedizin, Nottwil –S teffen-Freiburghaus Christoph, Trachselwald – Stiftung Denk an mich, Basel – Stiftung Folsäure Schweiz, Zug – Swiss International Air Lines Ltd., Zürich – Swiss Olympic, Ittigen
Kontaktieren Sie uns sponsoring@spv.ch
– Valiant Bank AG, Luzern – Verein Luzerner Kerzenziehen, Luzern
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WIR BEWEGEN
WUNSCHERFÜLLUNG
Vom «move on» zu den «Swiss Ladies» Die Stiftung Kinderhilfe Sternschnuppe erfüllte Mirjam Waller vor fünf Jahren ihren Herzenswunsch und veränderte damit das Leben der jungen Frau. Mitschuldig ist auch die SPV. Von Nadja Venetz
Mirjam Waller wurde mit einem verkürzten Oberschenkel geboren. Sie kann mit einer Prothese gehen, fährt aber auch im Rollstuhl durch die Gegend. Schon als klei nes Kind wollte sie gerne Rennrollstuhl fahren, nachdem sie im Fernsehen gesehen hatte, wie schnell die Athletinnen und Athleten damit unterwegs sind. Ihr Herzenswunsch war es, den bekannten Rollstuhlsportler Heinz Frei kennenzulernen und in einem Rennrollstuhl zu fahren. Im Oktober 2016 war es für die damals 11-Jährige so weit. «Wir trafen Heinz Frei im Bistro des Schweizer Paraplegiker-Zentrums in Nottwil, dann ging es in die grosse Sporthalle, wo wir einen für mich passenden Rennrollstuhl suchten», erinnert sich die junge Frau. Nach ein paar Erläuterun gen durch Heinz Frei drehte sie die ersten Runden und war sofort begeistert.
Wie es der Zufall wollte, fand am Nachmit tag ein Basketballtraining von «move on» statt. Mirjam machte begeistert mit. «Das Basketballtraining mit den anderen Teilnehmenden gefiel mir sehr gut, auch weil es ein Teamsport ist und die Atmosphäre sehr herzlich war.» SPV bewegt «move on» ist ein Sportcamp, organisiert von Rollstuhlsport Schweiz, und bietet Ge legenheit, zahlreiche Rollstuhl-Sportarten kennenzulernen und auszuprobieren. Die Teilnehmenden sollen entdecken, was ih nen Spass macht, um Motivation zu schöp fen, sich regelmässig zu bewegen. Die Freude steht dabei im Vordergrund. Immer wieder markiert «move on» aber auch den Startschuss einer verheissungsvollen Karriere.
Wunsch mit Folgen «Die Sternschnuppe-Wunscherfüllung hat mein ganzes Leben verändert», sagt Mirjam Waller heute. «Dadurch bin ich zum Bas ketballspielen gekommen. Ich habe neue Freunde gefunden und einen Sport, den ich liebe und der mir viel gibt.» In der Folge nutzte sie jede Gelegenheit zum Spielen und nahm an verschiedenen Sportcamps teil. Über eine Bekanntschaft gelangte sie zu den Hurricanes, einem Team des RC Zentralschweiz, wo sie noch heute trainiert. Hürden überwinden und Ziele erreichen Von ihrem Wohnort bis ins Training nach Nottwil sind es rund zwei Stunden mit dem Zug oder eine mit dem Auto. Die Athletin ist froh, dass ihre Eltern ab und zu Chauffeurdienste leisten. Dank verständnisvollen Lehrpersonen konnte sie sich in der Schule von einzelnen Lektionen dispensieren lassen. Seit Anfang August 2021 absolviert die Basketballerin eine Lehre als Kauffrau bei der Gemeindeverwaltung Studen BE. Damit sie weiterhin trainieren kann, arbei tet sie in einem 90 %-Pensum, und in der Berufsschule ist sie vom Sportunterricht dispensiert. Hoffnungsvoller Nachwuchs Mirjam Waller wird von der SPV im Fördergefäss «Future Rolli» unterstützt. Sie spielt im neu gegründeten Damenteam «Swiss Ladies», das bald ein offizielles Nationalteam stellen will. Mit dabei sind Ath letinnen aus allen Schweizer Mannschaften und das Team nimmt an der Schweizer Meisterschaft teil. Über den weiteren Verlauf ihrer Karriere hat die Bernerin klare Vorstellungen: «Mein grösstes Ziel ist es, einmal im Ausland Basketball zu spielen und Teil eines coolen Teams zu sein.» Mit der Qualifikation für das Nachwuchskader ist die junge Athletin diesem Ziel einen grossen Schritt nähergekommen.
Wegweisend Vor fünf Jahren kam Mirjam Waller mit Rollstuhlbasketball in Berührung und spielt bis heute mit grossen Ambitionen. Paracontact I Winter 2021
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LEBENSBERATUNG
ASSISTENZBEITRAG
Wie werde ich Arbeitgeberin? Sich den Alltag erleichtern mit einer Assistenzperson. Wie und in welchen Fällen geht das? Von Judith Stocker und Gabi Bucher
Im Jahr 2012 wurde in der Schweiz das Le ben mit persönlicher Assistenz gesetzlich verankert. Damit entstand der Rahmen für die lang erwartete Alternative zum Leben in einem Heim oder in einer Institution. Das Gesetz sieht vor, dass die staatlichen Gelder in Form eines Assistenzbudgets direkt an Menschen mit Behinderungen aus bezahlt werden; so haben sie die Möglichkeit, ihre Assistenz selbst zu organisieren, eine grosse Chance zu mehr Selbstbestimmung. Die ganze Organisation ist jedoch oft eine Herausforderung. Endlich Entlastung Ob beeinträchtigt oder nicht – abhängig sein von anderen Menschen, insbesondere von Familienangehörigen und vom sozialen Umfeld, wird von vielen als unangenehm empfunden. Der Wunsch nach einem selbstbestimmten Leben, auch wenn man auf viele Handgriffe im Alltag angewiesen ist, ist gross.
Die Bereiche, für welche Unterstützung benötigt wird, sind sehr unterschiedlich. Man braucht eine helfende Hand bei der Haushaltsführung, bei der Freizeitgestaltung oder bei der Kinderbetreuung. Auch wenn Sie bei der Ausführung einer gemein nützigen oder beruflichen Tätigkeit Handreichungen brauchen, kann der Anspruch auf Assistenz ebenfalls geprüft werden. Die medizinischen Pflegeleistungen werden dabei zusätzlich weiterhin von der Spitex abgedeckt. 12
Anrecht auf Assistenz Einen Assistenzbeitrag der IV geltend machen können Personen, welche eine leichte, mittlere oder schwere Hilflosenentschädigung (HE) der Invalidenversicherung beziehen. (Die HE steht jenen Personen zu, welche bei alltäglichen Lebensverrichtungen wie Ankleiden, Aufstehen, Absitzen, Essen und Körperpflege Unterstützung benötigen.) Zudem müssen die Personen volljährig sein und zu Hause wohnen. Min derjährige haben zusätzliche Bedingungen zu erfüllen. Assistenzdienstleistungen müs sen von aussenstehenden Drittpersonen geleistet werden, diese dürfen nicht in gerader Linie verwandt sein. Auch Ehepartnerinnen und -partner können diese Funk tion nicht übernehmen.
Das Anrecht auf einen Assistenzbeitrag können Sie mittels Formular bei der zu ständigen IV-Stelle prüfen lassen. Der konkrete Bedarf wird anschliessend bei einem detaillierten und ausführlichen Gespräch bei Ihnen zu Hause ermittelt. Auf Wunsch unterstützt Sie die Lebensberatung der SPV gerne und nimmt am Abklärungs gespräch teil. Ist der Anspruch gegeben, wird ein Budget zugesprochen. Wer also einen Assistenzbeitrag erhält, stellt Personen gegen Entgelt ein und tritt als Arbeitgeber auf. Zu beachten gilt: Kein Anspruch besteht, wenn Sie eine Hilflosenentschädigung der Unfallversicherung erhalten (Ausnahmen Kantone BE, TG). Für Personen im AHVParacontact I Winter 2021
Alter gilt: Die Leistung wird nur erbracht, wenn Sie vor Eintritt des Rentenalters schon anspruchsberechtigt waren. Berechnung des Assistenzbeitrages Der Assistenzbeitrag wird aufgrund des regelmässigen zeitlichen Hilfebedarfs der versicherten Person festgelegt. Für die Berechnung wird die Zeit abgezogen, die bereits über andere Leistungen gedeckt ist (Hilflosenentschädigung, Intensivpflege zuschlag, Grundpflege usw.) Der anrechen bare Stundenaufwand ist begrenzt und wird individuell bestimmt.
Der Assistenzbeitrag beträgt CHF 33.50 pro Stunde. Muss die Assistenzperson für die benötigten Hilfeleistungen über besondere Qualifikationen verfügen, beträgt der Assistenzbeitrag CHF 50.20 pro Stunde. Der Ansatz für den Nachtdienst wird im Einzelfall und nach Intensität der zu erbringenden Hilfeleistung festgelegt. Er beträgt jedoch höchstens CHF 89.30 pro Nacht. Wichtig: In diesen Ansätzen sind die Arbeitgeber- und Arbeitnehmerbeiträge an die Sozialversicherungen und die Fe rienentschädigung inbegriffen. (Informa tion Merkblätter der IV: Stand 30.12.2020) Komplexe Organisation – wer hilft? Die sehr aufwändige und anspruchsvolle Rolle einer Arbeitgeberin oder eines Ar beitgebers zu übernehmen, können sich verständlicherweise nicht alle vorstellen. Nebst dem Finden von geeigneten Personen muss auch ein hoher administrativer Aufwand bewältigt werden. Als anspruchs berechtigte Person leiten Sie einen Kleinbetrieb mit mehreren Angestellten, müssen Arbeitspläne erstellen, Lohnabrechnungen machen, Sozialversicherungen abschliessen, Arbeits- und Freizeit festsetzen, ein Team managen, Geld verwalten. Das Arbeitsverhältnis unterliegt den Bestimmun gen des Zivilgesetzbuches über den Ar beitsvertrag. Die Sozialabgaben (AHV, IV, usw.) sind wie bei jedem anderen Arbeitsverhältnis gemäss den rechtlichen Bestimmungen zu entrichten. Mittlerweile gibt es aber einige Stellen, die ihre Hilfe bei der Organisation und Planung anbieten oder sich der Herausforderung des Assistenzbeitrages annehmen. Nebenstehend listen wir Ihnen eine Auswahl davon auf. Paracontact I Winter 2021
Pro Infirmis Die Pro Infirmis hilft bei der Abklärung der Ansprüche bei der IV, bei der Suche und Einstellung einer Assistenz (Inserat aufsetzen, Auswahl, Arbeitsvertrag), bei der Alltagsplanung (Personalkoordination, Stellvertretungen bei Ferien und Krankheit), bei der Wahrnehmung Ihrer Rechte und Pflichten als Arbeitgeber (Personalführung). Links auf der Webseite führen Sie zu den verschiedenen Themen und geben Auskunft darüber. www.proinfirmis.ch Procap Procap hilft Ihnen, die Situation richtig einzuschätzen und zeigt verschiedene Finanzierungsmöglichkeiten auf. Über eine unentgeltliche Hotline oder per Mail berät Procap ihre Mitglieder über Fragen zum Arbeitsrecht. Die regionalen Beratungsstellen helfen gerne weiter bei der Planung. www.procap.ch CléA CléA hilft vor allem bei der Suche nach neuen Assistenzpersonen sowie beim Umgang mit Formularen und Behörden. Die professionelle Plattform bietet alle notwendigen Dienstleistungen an, befindet sich aber immer noch im
Aufgleisen mit finanzierter Beratung Angesichts der Komplexität beim Aufgleisen der Assistenzleistung bietet die IV bei Bedarf einen finanziellen Beitrag. Ist eine Beratung gewünscht, können Sie Drittpersonen (Institutionen, Treuhänder, natürli che Personen) damit beauftragen, Sie hinsichtlich der Einrichtung und Organisation der Assistenz zu unterstützen. Mehr dazu finden Sie unter der Verordnung über die Invalidenversicherung Art. 39j.
Aufbau. Eine Jobplattform ist bereits online. Diese führt Assistenzsuchende mit potenziellen Assistentinnen und Assistenten zusammen. Inserate für offene Stellen können ausgeschrieben werden und Assistenzpersonen haben die Möglichkeit, ein Profil zu erfassen. www.clea.app InVIEdual InVIEdual nimmt die Interessen von Menschen wahr, die mit Assistenz leben. Sie unterstützen überall dort und werden einbezogen, wo es um Arbeitsverhältnisse und Arbeit von persönlicher Assistenz geht. www.inviedual.ch Assistenzbüro Der Verein Assistenzbüro ABü berät in erster Linie Personen, die beim Pilotprojekt Assistenz budget Kanton Bern (ABBE), beim Berner Modell sowie beim Assistenzbudget Kanton Thurgau (ABTG) mitmachen, daneben aber auch Menschen, die einen Assistenzbeitrag der IV in den Kantonen Thurgau und Schaffhausen beziehen. Auf der Website finden sich Ratgeber mit nützlichen Links und Downloads für diejenigen, die mit einem Assistenzmodell abrechnen. www.assistenzbuero.ch
Haben Sie Fragen bei der Anmeldung ei nes Assistenzbeitrages oder möchten Sie Begleitung, wenn die IV zum Abklärungs gespräch vorbeikommt? Die Sozialarbei tenden des Teams Lebensberatung stehen Ihnen gerne zur Verfügung. Wenden Sie sich an www.spv.ch Tel. 041 939 54 00 lb@spv.ch 13
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LEBENSBERATUNG
FACHLICHER AUSTAUSCH INTERNATIONAL
Kongress DMGP Die Lebensberatung der SPV nahm im Juni 2021 zum ersten Mal am Kongress der deutschsprachigen medizinischen Gesellschaft für Paraplegiologie (DMGP) teil. Von Alexander Post, Sozialarbeiter M. A.
Die DMGP vernetzt alle Berufsgruppen, die sich mit der Behandlung und Rehabili tation von Querschnittgelähmten beschäftigen, mit dem Ziel, den Wissensaustausch zu fördern und sich fachlich zu vernetzen. Jährlich veranstaltet die DMGP einen Kon gress. Fachpersonen u. a. aus Medizin, Psy chologie, Forschung, Ergo- und Physiothe rapie, Arbeitsintegration, Pflege, Seelsorge und Sozialer Arbeit erhalten an diesem Anlass die Möglichkeit für einen wichtigen multiprofessionellen Austausch. Der eine Teil des Kongresses ist neuen Studien und Erkenntnissen gewidmet und für alle Fach disziplinen offen. Im anderen Teil tauscht man sich in der eigenen Fachrichtung aus. Spezifisches Wissen zu Querschnitt lähmung und Soziale Arbeit Die Lebensberatung stellte die Dienstleistungspalette der SPV vor. Diese beginnt bei unseren Rollstuhlclubs und geht weiter zu den Sport- und Freizeitangeboten, der juristischen Beratung bis hin zu den spe zialisierten Fachkräften des Zentrums für hindernisfreies Bauen. Hauptfokus des Austausches mit den Sozialarbeitenden aus Deutschland, Österreich und der Schweiz waren die Dienstleistungen der Lebensbe ratung mit dem Aussendienst (Peerberatung) und der Sozialberatung.
Für die Kolleginnen und Kollegen, welche in den diversen Rehabilitationskliniken tä tig sind, ist es klar, dass Soziale Arbeit mit spezialisiertem Wissen zum Thema Querschnittlähmung ein Erfolgsfaktor ist, um eine fachlich adäquate Unterstützung anbieten zu können und um die Teilhabe in der Gesellschaft für Betroffene zu erhöhen. Paracontact I Winter 2021
Die anwesenden Vertreter*innen verfügen mit ihren jeweiligen Teams über wertvolle und langjährige Erfahrung dazu. Das SPV-Angebot, Betroffene schweizweit auch zu Hause besuchen und Soziale Arbeit ambulant anbieten zu können, erwies sich im deutschsprachigen Raum als einzigartig. Es wurde von den Teilnehmenden aus fachlicher Sicht als sehr wünschenswert und wertvoll beurteilt, dass sowohl die Beratung als auch die Wissensvermittlung zu Sozialversicherungen, Finanzen, Wohnen, Soziales und zur psychischen Ge sundheit in der Lebenswelt der querschnitt gelähmten Person weitergeführt werden kann. Die Sozialberatungen der Kliniken SPZ Nottwil, Universitätsklinik Balgrist, Rehab Basel sowie CRR Sion nutzen die Möglichkeit der Zusammenarbeit rege. Erfahrungen teilen Weitere Aspekte, die unter dem Titel «Le benslange Nachsorge» diskutiert wurden, waren der Sterbewunsch von Patientinnen und Patienten in der Klinik und wie die Peers in Deutschland organisiert sind. Nach anregendem Austausch im eigenen Fachkreis und bereichert mit Informationen aus anderen Disziplinen konnte neues Wissen in den eigenen Arbeitsalltag mitgenommen werden.
Der nächste DMGP-Kongress zum Thema «Spätfolgen der Querschnittlähmung – Prävention und Therapie» findet vom 22. bis 25. Juni 2022 in Bad Wildungen (D) statt. Die Lebensberatung der SPV freut sich auf den fachlichen Diskurs und ist überzeugt, von diesem Austausch zu profitieren.
MOBILITÄT
Auto für die Erwerbstätigkeit Die Invalidenversicherung richtet unter gewissen Umständen einen jährlichen Beitrag von CHF 3000.– für den Unterhalt des Fahrzeuges aus. Verfügen Sie als Rollstuhlfahrer*in über ein angepasstes Auto und legen Sie damit Ihren Arbeitsweg zurück? Beträgt Ihr monatliches Bruttoeinkommen mindestens CHF 1778.–? Wenn Sie diese beiden Fragen mit ja beantworten können, steht Ihnen der Amortisationsbeitrag für Ihr Auto zu.
Wie machen Sie den Betrag geltend? Sie müssen der zuständigen IV-Stelle jährlich eine Rechnung stellen und folgende Informationen liefern: – Gegenwärtiges Monatseinkommen – Bestätigung, dass hinsichtlich der Erwerbstätigkeit keine Änderung eingetreten ist – Bestätigung, dass das Fahrzeug für den Arbeitsweg benötigt wird Formular für Invalidenversicherung www.ahv-iv.ch/p/318.632.d Amortisationsbeiträge werden so lange ausgerichtet, wie das Fahrzeug für den Arbeitsweg notwendig ist. Falls sich das Einkommen unter den genannten Betrag reduziert oder der Arbeitsweg nicht mehr mit dem Auto bewältigt wird, besteht eine Meldepflicht. Informationen Lebensberatung der SPV lb@spv.ch, Tel. 041 939 54 00 15
RECHTSBERATUNG
WEITERENT WICKLUNG DER IV
Das stufenlose Rentenmodell ab 2022
Ab Januar 2022 tritt ein neues System zur Berechnung der Renten der Invalidenversicherung in Kraft. Mit diesem Artikel möchten wir unseren Mitgliedern einen ersten Überblick ermöglichen, wie das neue Modell funktioniert. Sandra Rodriguez, MLaw, Rechtsanwältin
Wenn die von der Invalidenversicherung angeordneten Rehabilitationsmassnahmen nicht oder nur teilweise zum erwarteten Er folg führen oder diese gar nicht durchführbar sind, ist der Anspruch des Versi cherten auf eine Rente zu prüfen. Im Sommer 2020 haben National- und Ständerat die Vorlage «Weiterentwicklung der Invalidenversicherung» verabschiedet. Diese Vorlage sieht eine Teilrevision des Bundesgesetzes über die Invalidenversiche rung vor und tritt am 1. Januar 2022 in Kraft. Der vorliegende Artikel befasst sich mit der für unsere Mitglieder wohl wichtigsten Änderung dieser Revision, nämlich der Einführung eines stufenlosen Rentenmodells, welches nach wie vor auf dem Invaliditätsgrad der versicherten Person basiert. Um diese Änderungen zu verstehen, ist es sinnvoll, zunächst das heutige Rentenmodell der Berechnung der Invalidenrenten mit Schwellen zu betrachten und sich danach mit dem sogenannten stufenlosen Rentenmodell vertraut zu machen. Das neue System wird im Rahmen des Projekts zur Weiterentwicklung der IV in Kraft treten und für versicherte Personen gelten, die ab dem 1. Januar 2022 eine IV-Rente beziehen. Nach erfolgter Darstellung der beiden Rentenmodelle können dieselben verglichen und es kann beurteilt werden, wer inwieweit von dieser Revision betroffen sein wird. 16
Das derzeitige Rentenmodell – ein System mit Schwellen Im derzeitigen System bestimmt der Invaliditätsgrad der versicherten Person – ausgedrückt als Prozentsatz und ermittelt anhand der Differenz zwischen dem vor Eintritt der Invalidität erzielten Einkommen (Einkommen ohne Invalidität) und dem danach erzielbaren Einkommen (Ein kommen mit Invalidität) – die Invaliditäts rente. Dabei wird ein System von Schwellen werten angewendet (siehe unten). Je nach Invaliditätsgrad hat die versicherte Person Anspruch auf eine ganze, eine Dreiviertel-, eine halbe oder eine Viertelrente.
des neuen Rentenmodells noch wichtiger. Ab dem 1.1.2022 wird der Rentenanspruch in der Regel nicht mehr nach Massgabe der hiervor erwähnten Schwellenwerte, sondern anhand des prozentgenau ermittelten Invaliditätsgrads festgelegt.
Das Rentenmodell ab 1. Januar 2022 – ein stufenloses System Nach dem neuen System wird grundsätzlich jeder Prozentpunkt des Invaliditätsgra des für die Rentenberechnung ausschlag gebend sein.
Das neue Rentenmodell: – Bei einem Invaliditätsgrad unter 40 % wird auch weiterhin keine Invaliditätsrente gewährt. – Bei einem Invaliditätsgrad zwischen 40 % und 49 % erhöhen sich die Renten je Prozentpunkt des Invaliditätsgrades um 2,5 %. So entspricht z. B. ein Invali ditätsgrad von 40% wie bisher einer Vier telrente, ein Invaliditätsgrad von 45% oder 49% neu nicht mehr einer Viertelrente, sondern einem Rentenanspruch von 37,5% (5 × 2,5% + 25% = 37,5 %) bezie hungsweise einer Rente von 47,5 % (9 × 2,5 % + 25 % = 47,5 %). –B ei einem Invaliditätsgrad zwischen 50 % und 69 % entsprechen die Renten dem Invaliditätsgrad. So entspricht beispielsweise ein Invaliditätsgrad von 53 % einer Rente von 53 % oder ein Invaliditätsgrad von 62 % einer Rente von 62 %; – Bei einem Invaliditätsgrad zwischen 70 % und 100 % besteht wie bisher ein Anspruch auf eine ganze Rente.
Die korrekte Festsetzung des Invaliditätsgrads einer versicherten Person, die bereits im derzeitigen Rentenmodell eine wesentliche Rolle spielt, wird mit Inkrafttreten
Die Renten von Versicherten mit einem In validitätsgrad zwischen 40% und 70% wer den somit nach dem neuen Rentenmodell anders berechnet.
Invaliditätsgrad Rente in % (Stufen) Ab 40 % Ab 50 % Ab 60 % Ab 70 %
Viertelrente Halbe Rente Dreiviertelrente ganze Rente
Paracontact I Winter 2021
Was bedeutet das neue Rentenmodell? Wie der nachstehenden Grafik entnommen werden kann, wird sich mit der Einführung des neuen Rentenmodells der Rentenanspruch für einige Versicherte erhöhen. Bei anderen hingegen könnte die Rente mittelfristig sinken. Um die even tuellen Auswirkungen dieser Gesetzes änderung bestmöglich abzufedern, wurden für drei bestimmte Kategorien von Versicherten Übergangsbestimmungen erlassen. Übergangsbestimmungen In der Regel wird das stufenlose Rentenmodell auf alle neuen Renten angewendet, die mit Wirkung ab dem 1. Januar 2022 zu gesprochen werden.
Zur Erinnerung: Der Anspruch auf eine Rente entsteht erst nach einer Karenzfrist von sechs Monaten ab Meldung des Falles bei der Invalidenversicherung und einer Wartezeit von einem Jahr, vorausgesetzt, die versicherte Person war ein Jahr lang ohne wesentliche Unterbrechung zu durch schnittlich 40% erwerbsunfähig. Kurz gesagt, Versicherte, die am oder nach dem 1. Januar 2021 einen Unfall erlitten ha ben, könnten je nach Umständen und Zeit punkt der Unfallmeldung bei der Invaliden versicherung von der Gesetzesänderung betroffen sein.
Dieses allgemeine System wird jedoch je nach Altersgruppe der Versicherten unterschiedlich angewendet: – Für Rentenbezüger, die am 1. Januar 2022 das 30. Altersjahr noch nicht erreicht haben, wird die Invalidenrente innerhalb der nächsten zehn Jahre automatisch in das stufenlose System überführt, wenn dieses Vorgehen nicht zu einer Rentenkürzung führt. Im letzteren Fall wird die frühere Rente weiter gezahlt, bis sich der Invaliditätsgrad um 5 % oder mehr ändert. – Rentenbezüger, die am 1. Januar 2022 zwischen 30 und 54 Jahre alt sind, erhal ten ihre derzeitige Rente so lange, bis sich ihr Invaliditätsgrad um 5 % oder mehr än dert oder auf 100% ansteigt. Ihre derzeitige Rente wird auch dann beibehalten, wenn das neue System zu einer Kürzung der Rente trotz einer Erhöhung des Invaliditätsgrades oder zu einer Erhöhung der Rente trotz einer Verringerung des Invaliditätsgrades führen würde. Allerdings wird die Revision der Renten dieser Versichertenkategorie nach dem neuen stufenlosen Rentenmodell erfolgen. – Für Rentner, die am 1. Januar 2022 über 55 Jahre alt sind, gilt das neue Rentenmodell nicht, und eine eventuelle An passung ihrer Rente erfolgt weiterhin nach den bisherigen Schwellenwerten. Es handelt sich hierbei um einen Fall der Anwendung des Grundsatzes der Besitz standswahrung.
Weitere Anwendungsbereiche dieser Gesetzesänderung Zu beachten ist auch, dass das neue stufen lose Rentenmodell auch für die Invalidenrenten der obligatorischen beruflichen Vor sorge gilt (siehe neuer Art. 24a BVG). Schlussfolgerung Die in diesem Artikel vorgestellte Reform zielt insbesondere auf die Abschaffung der Schwellenwerte im Rentensystem der Invalidenversicherung ab. Die Phase der Fest setzung des Invaliditätsgrades, das heisst die erforderliche Untersuchungsphase zur Feststellung des Sachverhalts und zur Bestimmung der Restarbeitsfähigkeit des Ver sicherten durch die Ärzteschaft, wird dadurch noch wichtiger. Unsere Mitglieder müssen daher während der von der Invalidenversicherung im Rahmen von Überprüfungs- oder Rentenfestsetzungsverfahren durchgeführten Abklärungsphasen eine noch höhere Wachsamkeit an den Tag legen. Je nach Altersgruppe unserer Mitglieder wird jeder Prozentpunkt des Invaliditätsgrads wichtig sein.
Institut für Rechtsberatung Zentralstrasse 47 2502 Biel Tel. 032 322 12 33
Prozentualer Anteil der Rente in %
Stufenloses Rentenmodell mit Vollrente ab 70 % Invalidität
100 75
Derzeitiges System Stufenloses System
50 25
0
10
20
30
40
50
60
70
80
90
100
Invaliditätsgrad Quelle: Botschaft des Bundesrates zur Änderung des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung vom 15. Februar 2017 (BBl 2017 2535, S. 82).
Paracontact I Winter 2021
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MEDIZIN UND WISSENSCHAFT
ALLGEMEINMEDIZIN
Wissen über Querschnittlähmung
Im Rahmen eines SwiSCI-Projekts werden Hausärztinnen und Hausärzte spezifisch zum Thema Querschnittlähmung geschult – zum Vorteil von Betroffenen in der Schweiz.
Von Teresa Brinkel, SwiSCI-Kommunikationsverantwortliche
Patricia Arnold ist seit zehn Jahren Paraplegikerin. Die 61-Jährige wohnt mit ih rem Mann in einem kleinen Ort im Bündnerland. Bei gesundheitlichen Problemen konsultiert sie ihren Hausarzt im Nachbar ort, der sich in paraplegiologischen Themen weitergebildet hat. «Ich bin sehr froh, dass ich einen Hausarzt in der Nähe habe, der etwas von Querschnittlähmung versteht. Er prüft meine Blutwerte und den Urinstatus regelmässig, und bei Problemen klärt er das weitere Vorgehen zuerst mit Spezialisten des Paraplegikerzentrums. Als querschnitt gelähmte Person fühle ich mich gut betreut und kann mir so die eine oder andere Fahrt ins nächste Paraplegikerzentrum sparen.» Diese Zusatzausbildung von Hausärztinnen wurde durch ein Pilotprojekt der Schweizer Kohortenstudie für Menschen mit Rückenmarksverletzungen (SwiSCI) initiiert, das sogenannte Hausarztprojekt. Es soll ge währleisten, dass sich Menschen mit Quer schnittlähmung bei gesundheitlichen Problemen zunächst an einen fachkundigen Hausarzt in ihrer Nähe wenden können. Dieser ist in der Lage, ihre gesundheitliche Situation spezifischer zu beurteilen als ein Hausarzt ohne zusätzliche Kenntnisse. So ist er bei Kontrollen und Behandlungen auf querschnittsspezifische Komplikationen und Risiken sensibilisiert und weiss, auf welche Symptome, Organe oder Labor werte er besonders achten muss. Gleichzei tig schätzt er besser ein, wann eine Überweisung zum Spezialisten angezeigt ist. 18
Lebenslange Nachsorge Menschen mit Querschnittlähmung sind oftmals mit einer Vielzahl an gesundheitlichen Problemen konfrontiert. Dazu gehören häufig Spastik, Schmerzen und Störungen der Blasen- und Darmfunktionen.
Zugleich ist das Risiko für altersbedingte Gesundheitsprobleme, wie zum Beispiel Diabetes, Herzkrankheiten und bestimmte Krebsformen bei Menschen mit einer Querschnittlähmung erhöht. Betroffene sind deshalb auf eine breitere Palette an Gesundheitsdiensten angewiesen als Men schen ohne Querschnittlähmung. Umso höher ist die Bedeutung der lebenslangen Nachsorge: Sie ist wichtig, um medizinischen Problemen vorzubeugen, sie frühzei tig zu diagnostizieren und den Rehabilitationsprozess regelmässig zu überprüfen.
«Ein wichtiges Element der lebenslangen Nachsorge sind die ambulanten Jahreskon trollen», so Dr. med. Inge Eriks-Hoogland, leitende Ärztin und Leiterin des Ambu latoriums am Schweizer ParaplegikerZentrum (SPZ). «Hier klären wir inter disziplinär sowohl medizinische als auch rehabilitative Probleme wie Spitexbedarf, Hilfsmittel oder Therapien. Gleichzeitig schauen wir zusammen mit der Patientin, wie sich ihr Arbeitspensum oder die Wohn situation auf ihre Gesundheit auswirken. Gegebenenfalls können wir dann Massnahmen definieren.» Der Blick aufs Ganze trägt in der lebenslangen Nachsorge also nicht nur zu einer bestmöglichen Gesunderhaltung bei, sondern ist wichtig für die Lebensqualität und die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben.
Zahlen Die Grafik zeigt, wie viele Menschen mit Querschnittlähmung von den häufigsten Erkrankungen und Komplikationen betroffen sind.
74 % 73 % 68 % 66 % 65 %
Spastik Chronische Schmerzen Störungen Sexualfunktionen Störung Darm Störung Blasenfunktion
59 % 58 %
Harnwegsinfektionen Schlafstörungen
51 %
Kontrakturen
0 %
10 %
20 %
30 %
40 %
50 %
60 %
70 %
Paracontact I Winter 2021
Einfluss auf die Lebenserwartung Resultate der SwiSCI-Studie heben die wichtige Bedeutung der klinischen Nachsorge hervor. Demnach haben die ambulanten Kontrollen sogar Auswirkungen auf die Lebenserwartung: Nehmen Betroffene ihre Nachsorge nicht wahr, so haben sie statistisch eine kürzere Lebenserwartung. Dies gilt vor allem für Menschen mit einer traumatischen, also unfallbedingten Quer schnittlähmung. Das Sterberisiko ist bei ihnen etwa dreimal höher im Vergleich zu Personen, die ihre Nachsorge-Untersuchun gen jedes Jahr wahrnehmen.
lähmte insbesondere in abgelegenen Re gionen eine verbesserte Grundversorgung erhalten, die rückenmarksspezifisch ist. Vorteile des Hausarztprojekts Der Hausarzt ist für viele Menschen mit einer Querschnittlähmung die wichtigste Kontaktperson in Gesundheitsfragen. Die SwiSCI-Studie zeigt, dass Menschen mit Querschnittlähmung ihre Hausärztin im Durchschnitt fünf Mal im Jahr besuchen, doppelt so häufig wie die Allgemeinbevölkerung.
«Der enge Kontakt mit Medizinern und Pflegekräften aus den spezialisierten Zentren erweitert unser Wissen und trägt in hohem Masse zu einer besseren Versorgung unserer Patientinnen und Patienten bei. Ich weiss nun beispielsweise viel mehr über das Blasen- und Darmmanagement oder über Dekubitus und kann meine Patienten dahingehend besser betreuen», beurteilt Susanne Morf, Hausärztin und Leitende Ärztin und Intensivmedizinerin im Gesundheitszentrum Val Müstair ihre Teilnahme am SwiSCI-Hausarztprojekt.
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler schliessen daraus, dass sich unerkannte oder zu spät behandelte Erkrankungen langfristig negativ auf den Gesundheits zustand und damit auch auf die Lebenserwartung auswirken. Muss sich der Körper häufig oder gar dauerhaft mit Infektionen oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen auseinandersetzen, so verliert er seine Regenerationsfähigkeit und altert schneller. Dies setzt die Lebenserwartung nachweislich herab. Dezentrale ambulante Versorgungsangebote Bestimmte Personengruppen tendieren eher dazu, ihre regelmässigen Kontrollen nicht wahrzunehmen. Dazu gehören Personen, bei denen die Querschnittlähmung erst in höherem Alter eintrat (über 60), Personen mit inkompletten Lähmungsfor men sowie Personen, die mehr als 30 Minuten Fahrtzeit vom nächsten Paraplegiker zentrum entfernt wohnen.
Gerade für den letztgenannten Faktor, die längere Fahrzeit, konnten in den letzten Jahren bereits Massnahmen umgesetzt wer den, die vielen Betroffenen eine Erleichterung brachten: Dazu gehört die Eröffnung der beiden dezentralen Ambulatorien in Lausanne und Bellinzona. Sie haben dazu geführt, dass Menschen mit Querschnittlähmung aus diesen Regionen eine bestmögliche ambulante Versorgung erhalten und nicht mehr in ein weit entferntes spezialisiertes Zentrum fahren müssen. Nun kann auch das SwiSCI-Hausarztprojekt dazu beitragen, dass QuerschnittgeParacontact I Winter 2021
Die Vorsorge und frühzeitige Diagnose von Erkrankungen ist ausserordentlich wichtig. Betroffene können so dazu beitragen, dass Erkrankungen nur einen milden Verlauf nehmen oder gar nicht erst ausbrechen.
Gleichzeitig erfordert die Häufigkeit und Komplexität von Erkrankungen bei einer Querschnittlähmung eine spezialisierte und interdisziplinäre Gesundheitsversorgung, wie sie in Paraplegikerzentren an geboten wird. Genau für diese Herausforderung kann das Hausarztprojekt einen entscheidenden Beitrag leisten: – Querschnittspezifische Expertise im ver trauten Umfeld bei gesundheitlichen Fra gen und Problemen –R egelmässige Schulungen der teilnehmen den Hausärzte mit Fokus auf häufige Komplikationen bei Querschnittlähmung – Verbesserte Zusammenarbeit zwischen Hausärzt*innen und Fachärzt*innen der Paraplegikerzentren
Wissenschaftliche Begleitung Das SwiSCI-Hausarztprojekt begann 2020 und wird bis Ende 2022 abgeschlossen. Die Studienleiter möchten herausfinden, welche Auswirkungen es auf die Gesundheit der Studienteilnehmenden hat, wenn sie eine teilnehmende Hausärztin als Erstkontakt bei gesundheitlichen Fragen aufsuchen. Dafür findet im Untersuchungs zeitraum dreimal eine Datenerhebung per Fragebogen statt, der an die Teilnehmenden verschickt wird.
Wissenswert Mehr Informationen zum Projekt und den teilnehmenden Hausarztpraxen: www.swisci.ch 19
HINDERNISFREIES BAUEN
ZUSAMMENHALT
Wieder nach Hause
Nach monatelanger Reha im SPZ ermöglicht ein anspruchsvoller Umbau Nico Schmid die Rückkehr ins Elternhaus.
Von Nadja Venetz
Nico Schmid sprang kopfüber in einen See. Das war im Sommer 2020. Der gelernte Zimmermann spielte gerade mit dem Gedanken, zu Hause auszuziehen. Auf den Sprung ins untiefe Wasser folgen elf Monate Reha im Schweizer Paraplegiker-Zentrum. Der junge Tetraple giker und seine Familie sehen sich plötzlich mit ganz anderen Herausforderungen konfrontiert und schmieden neue Pläne: Der 23-Jährige soll wieder im Elternhaus wohnen können. Dreh- und Angelpunkt Das Einfamilienhaus in Weggis LU direkt über dem Vierwaldstättersee ist seit jeher Zentrum der Familie Schmid. «Wir haben die Liegenschaft vor 30 Jahren gekauft und
diverse Male nach unseren Be dürfnissen umgebaut. Hier sind auch unsere drei Kinder gross geworden. Die bei den Töchter sind mittlerweile ausgezogen, kommen aber oft zu Besuch. Hier versammelt sich die Familie, zu Weihnachten, an Geburtstagen oder sonstigen Feiern», betont Mutter Elisabeth Schmid die Wichtigkeit des Hauses. Ein Umzug kam nicht in Frage. Gemeinsam mit seinen Eltern entschied sich Nico Schmid, dass er im vertrauten Zuhause le ben möchte. «Mein soziales Umfeld hat mich durch diese schwierige Zeit getragen. Durch den Unfall hat sich so viel verändert in meinem Leben. Ich habe gemerkt, dass ich nach Aspekten suche, die immer noch
gleich sind wie vorher, mein Elternhaus zum Beispiel.» Und selbst wenn er doch ausziehen sollte, ist es allen Beteiligten wichtig, dass Nico Schmid mühelos auf einen Besuch vorbeischauen kann. Endlose Stufen Die Familie entschloss sich für einen aufwändigen Umbau und holte das Zentrum für hindernisfreies Bauen mit ins Boot. Der Kontakt entstand bereits, als Nico in der Reha war. Gemeinsam mit seiner Ergotherapeutin und den Architekten des ZHB fand eine Wohnungsbegehung statt. Die Ausgangslage war nicht ganz einfach. Das Haus steht in Hanglage an einer Quartierstrasse, die sich leicht über Seeniveau befindet. Eine 25 m lange Treppe führt zum dreigeschossigen Haus. Parkmöglichkeiten gibt es keine. Auch im Haus selbst sind
Unter dem Haus entsteht die Tiefgarage
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Paracontact I Winter 2021
zahlreiche Treppen und Schwellen vorhan den. Die Herausforderung bestand darin, das Gebäude von der Strasse bis unters Dach zu erschliessen. Diese Aufgabe sollte ein einziger Lift übernehmen. Die Architekten des ZHB erarbeiteten nach der Begehung ein Vorprojekt. Dieses sah vor, dass der Hang vor dem Haus abgetragen wird. Unter dem Haus sollte eine Tiefgarage entstehen, von dort sollte ein Lift in alle Stockwerke führen. «Normalerweise erschliessen wir eine Liegenschaft durch ei nen Lift in einem Anbau. Hier in Weggis jedoch sahen wir die Lösung in einer Tiefgarage, von der aus die Räume von innen zugänglich gemacht werden», erläutert Ar chitekt Philipp Pfäffli die Besonderheiten. Der Plan war gut, die Finanzierung jedoch unklar und schwierig. Die IV finanziert «nur» Treppenlifte. Dieser wäre hier im Aussenbereich angebracht worden. Diese Option schien sowohl den Architekten wie auch der Familie als ungeeignet. Ein Treppenlift über einen solch langen Zugang ist unkomfortabel. Die Person ist Wind und Wetter ausgesetzt. «Das wollten wir Nico nicht antun», erklärt Vater Markus Schmid. Und auch das Parkplatzproblem wäre da mit nicht gelöst gewesen. Finanzierung Bevor der Umbau starten konnte, musste die Finanzierung geklärt werden. Die Familie Schmid reichte ein Gesuch bei der Schweizer Paraplegiker-Stiftung ein. Das ZHB erarbeitete dazu umfangreiche Entscheidungsgrundlagen. Die positive Antwort für eine Teil-Vorfinanzierung traf im Dezember 2020 ein. Ohne diese Unterstüt zung hätte sich das Projekt nicht realisieren lassen. Mittlerweile liegt auch der Entscheid der IV vor, die sich in Kostenhöhe eines Treppenlifts am Umbau beteiligt. Nachdem die Kostenfrage geklärt war, machte sich das Team des ZHB an die Planung und holte die Baubewilligung ein. Einen Teil der Bauleitung übernahm die Familie selbst, die durch frühere Anpassungen reichlich Umbauerfahrung mitbringt. «Mir macht das grossen Spass», bekennt Markus Schmid. Anfang April begannen die Arbeiten am Haus. Unter dem Haus entstand eine Tiefgarage mit drei Parkplätzen ebenerdig zur Strasse. Von hier aus fährt ein Lift in alle Paracontact I Winter 2021
Umzug Nico Schmid wohnt endlich wieder bei seiner Familie
Stockwerke. Damit dieser eingebaut werden konnte, wurde eine Dachlukarne aufgesetzt. Das Bad ist rollstuhlgängig und auch der Aussensitzplatz ist barrierefrei zu erreichen. Die vielen Schwellen wurden beseitigt. «Ich habe ein eigenes Stockwerk für mich allein mit grossräumigem Badezimmer und einem eigenen Wohnzimmer, in dem ich mit meinen Kollegen allein sein kann. So bin ich unabhängig, obwohl ich bei meinen Eltern wohne», freut sich Nico Schmid vor seinem Einzug. «Wir haben schon vor Nicos Unfall als Dreier-WG sehr gut funktioniert», merkt Markus Schmid an. Dennoch wird der Alltag ein anderer. Obwohl die Spitex einen Teil der Pflege übernimmt, ist Nico Schmid auf Unterstützung durch seine Eltern angewiesen. Wohnen üben Zwischen der Reha im SPZ und dem Einzug zu Hause wohnte Nico Schmid übergangsweise in der ParaWG in Schenkon LU. Mit drei anderen jungen Rollstuhlfahrern lebte er hier in einer barrierefreien Wohnung. Wo er Unterstützung benötigte, erhielt er diese. Jeder beteiligte sich gemäss seinen Fähigkeiten am Haushalt. Der Einzug in die WG sei ein grosser Schritt gewesen. Erstmals seit dem Unfall war er nicht mehr rund um die Uhr betreut, erinnert sich der junge Tetraplegiker. Er ist
überzeugt, dass er hier viel gelernt hat, um selbstständig zu leben. Von Schenkon aus fuhr er regelmässig mit dem Bus nach Nottwil, um in die Physiotherapie oder ins Krafttraining zu gehen oder zu ParaWork, wo er sich mit seiner beruflichen Zukunft befasste. «Es ist ein gutes Gefühl zu erfahren, was alles noch möglich ist.» Im September bei unserem Treffen war die Vorfreude auf die Rückkehr nach Hause indes gross; sowohl bei Nico Schmid selbst als auch bei seiner Familie. «Wir freuen uns sehr, wenn Nico wieder hier wohnen kann, er wieder unter seinen Freunden und in sei nem gewohnten Umfeld ist», blickt Markus Schmid nach vorn. Bauabschluss Im Spätherbst sind alle Arbeiten abge schlossen. Markus Schmid erlebte die Zusammenarbeit mit dem Team des ZHB sehr positiv. «Es war eine intensive und kreative Beratung und Begleitung mit hoher Fachkompetenz.» Er ist überzeugt, dass vom Umbau alle profitieren und fügt lachend an: «Auch wir werden nicht jünger.»
Über den Umbau und Nico Schmids Umzug ins neue Zuhause erfahren Sie mehr in unseren Kurzfilmen. 21
KULTUR UND FREIZEIT
ZIESEL-TOUR
Der Herr der Winterberge
Auf dem Bergrücken im Schnee Runden drehen, das ist im Hoch-Ybrig SZ mit dem Ziesel möglich. Die Touren im leistungsstarken Raupenfahrzeug sind auch für Personen mit eingeschränkter Mobilität machbar. Ein Spass in jeder Hinsicht. Von Claude Siegenthaler
«Ich gehe zieseln. Kommst du auch?» «Was, wie bitte? Was ist denn zieseln?» Zieseln ist in der Bevölkerung noch nicht so populär. Zwei Resultate spuckt die Such maschine aus: Ein Ziesel ist entweder ein Nagetier oder ein elektrisch angetriebenes Raupenfahrzeug. In der Landwirtschaft ist dieses Vehikel wohl noch eher bekannt, weil das Zuggerät klein und kräftig sowie vielseitig einsetzbar ist. Dadurch können zum Beispiel Transporte und Arbeiten wie Mähen oder Schneetreiben durchgeführt werden. Einsatz im Eventbereich Die Firma Impuls-Event aus Schindellegi SZ hat sich vor Jahren solche Fahrzeuge angeschafft und die Flotte stetig ausgebaut. Im Jahr 2021 war der Betrieb im Besitz von 22
zehn Ziesel-Fahrzeugen. Diese sind bei der Station Fuederegg stationiert und geben im Winter acht Personen die Gelegenheit, durch verschneite Landschaften zu kurven. Zwei Ziesel sind für die Guides reserviert, die den Teilnehmenden mit Rat und Tat zur Seite stehen. Die Fahrzeuge sind durch das Verkehrsamt Schwyz zugelassen, mit gelben Kontrollschildern versehen und strassentauglich. Der Fahrzeugpark wird künftig mit neuen Ziesel-Modellen der neuesten Generation erweitert. Anlass mit Impuls-Event organisiert Gemeinsam mit Fritz Mächler, einem der Geschäftsführer der Eventagentur, hatte die Abteilung Kultur und Freizeit der SPV im Winter ein Tagesprogramm zusammengestellt. Im Anschluss an die Fahrt mit dem
Ziesel war ein Fondueplausch im Bergrestaurant Fuederegg vorgesehen. Der Anlass war schnell ausgebucht. Einige Personen mussten sogar auf die Warteliste gesetzt werden. Nach einmaligem Verschieben war es im März dann endlich so weit. Beim zweiten Anlauf hat es geklappt Glücklicherweise liessen es die Massnahmen gegen die Covid-19-Pandemie im März zu, dass der Anlass stattfinden konnte. Verzichten mussten wir allerdings auf den Fondueplausch. Als Trost erhielten die Teilnehmenden für die Rückreise ein Picknickpaket. Anfängliche Schwierigkeiten Die angemeldeten Personen hatten sich um 16 Uhr auf dem Parkplatz der Talstation Paracontact I Winter 2021
Laucheren Oberiberg versammelt, von wo aus sie im rollstuhlgängigen Bus hoch zur Fuederegg gebracht wurden. Die Ankunft verzögerte sich. Der Chauffeur hatte die Schneeketten nicht montiert. Der Bus drif tete von der Strasse ab und blieb im Schnee stecken. Erst ein weiteres Fahrzeug vermochte den Bus und seine Insassen aus der misslichen Lage zu befreien. Mit etwas Verspätung sind die Teilnehmenden schliesslich doch noch auf dem Parkplatz der Fuederegg angekommen, wo sie herzlich von Roman Stöckli, dem zweiten Geschäftsführer der Eventagentur, empfangen und begrüsst wurden. Eventagentur mit hilfsbereiter Crew Neben den Geschäftsführern waren auch zwei Guides anwesend, die tatkräftig beim Besteigen der Fahrzeuge halfen. Nachdem alle Pilotinnen und Piloten ihr Plätzchen eingenommen hatten, erklärten die Betrei ber die Funktionsweise des Ziesels. Das Fahrzeug wird mit einem Joystick bedient und hat drei Gänge. Auch rückwärts kann man damit fahren. Einen sensiblen Joystick mit dicken Handschuhen zu bedienen ist allerdings gar nicht so einfach. Eine erste Testrunde mit den Guides um den Seeblisee half, sich mit dem Fahrzeug vertraut zu machen. Im ersten Gang ging es mit etwa 5 km/h vorwärts. Für den Anfang ganz schön schnell. Nachdem sich die Teil nehmenden ein bisschen an die Steuerung und das Schütteln im Fahrzeug gewöhnt hatten, durfte der zweite Gang eingelegt werden. Damit ist man bereits zwischen 10 und 15 km/h unterwegs, eine prächtige Steigerung. Der Kick im dritten Gang Nachdem der erste und zweite Gang durch gängig ausprobiert worden war, konnte der Spass erst richtig beginnen. Ab in den dritten Gang. Bei stolzen 30 km/h bläst einem der eiskalte Wind ins Gesicht und lässt die Wangen richtig einfrieren. Ein Wahnsinns erlebnis. Man fühlt sich wie in einem Rennboliden, hört lediglich das Knacken des Schnees unter den Raupen und sieht, wie der Schnee beim Kurvenschneiden davonspickt. Im Schalensitz ist man mit Hosenträgergurten fest angeschnallt, so dass man richtig zackig in die Kurven kann. Grossartig! Paracontact I Winter 2021
Vorfreude Gleich beginnt das Abenteuer im Raupenfahrzeug
Weicher Schnee Der Schnee Ende März war durch die wärmeren Temperaturen schon ziemlich weich. Bereits nach kurzer Zeit war die Piste holperig und hatte arge Dellen. Beim Befahren dieser Stellen wurden die Pilotinnen und Piloten im Fahrzeug so richtig durchgeschüttelt. Dies bei 30 km/h.
Im dritten Gang verbraucht der Ziesel ordentlich Strom, so dass mit dem Fahrzeug rund 45 Minuten gefahren werden kann. Danach geht es zurück in die Box. Die glücklichen Teilnehmerinnen und Teilneh mer begaben sich anschliessend zurück zum Parkplatz und traten individuell den Heimweg an. Feedback war gut Das Feedback der Teilnehmer war positiv. Lediglich der Start am späten Nachmittag wurde bemängelt. Besammlung war erst um 16 Uhr und das Ende des adrenalingeladenen Abenteuers wäre mit anschliessen dem Fondueplausch um 19.30 Uhr vorgesehen gewesen. Hätte das Nachtessen also stattgefunden, wären einige Teilnehmende erst spät in der Nacht nach Hause gekommen.
Feedback verwertet und Programm angepasst Die Inputs der Teilnehmenden haben wir mit Fritz Mächler besprochen und das Pro gramm entsprechend angepasst. Neu ist die Besammlung um 11.15 Uhr auf dem Parkplatz der Talstation Laucheren geplant. Nach der Ziesel-Tour ist um 13 Uhr der Fondueplausch angesagt und um 14.30 Uhr wird der Ziesel-Event beendet. Fazit Der Anlass hat grossen Spass gemacht. Der Reiz, in den Tiefschnee zu fahren, war gross, allerdings sind die Fahrzeuge dafür nicht geeignet. Doch auch auf den gut präparierten Pisten kommen alle Adrenalinjunkies auf ihre Kosten. Im Jahr 2022 haben wir den Anlass auf Ende Januar angesetzt, somit sollten die Schneeverhältnisse besser und die Piste angenehmer zu befahren sein.
Informationen zum Anlass 2022 und Anmeldeformular 23
RUBRIK UND FREIZEIT KULTUR
23.3.2022
Workshop «Farben und Stil» «Passende Bekleidung ist eine Frage des Stils, nicht des Geldes», schreibt Fabienne Thali, Farb- und Stilberaterin auf ihrer Webseite.
25.4.2022 ODER 30.9.2022
Erste-Hilfe-Kurs Frischen Sie Ihre Kenntnisse in der Ersten erhöhtes Risiko, einen medizinischen NotHilfe in einem auf Rollstuhlfahrer und fall zu erleiden, und zum anderen besondere deren Angehörige abgestimmten Kurs auf. Bedingungen, wenn es darum geht, Dritten Erste Hilfe zu leisten. Im von der SIRMED Rollstuhlfahrer*innen haben aufgrund ihrer organisierten Kurs in Nottwil erfahren und körperlichen Besonderheiten zum einen ein erlernen Sie die Grundlagen der Ersten Hilfe.
In diesem Workshop im Hotel Sempachersee verhilft sie Ihnen zum passenden eigenen Look. Die Personal Shopperin erteilt Tipps, wie Sie Farben, Muster und Schnitte einsetzen, und erklärt, welche Kleider und Accessoires sich gut kombinieren lassen. Erhalten Sie wertvolle Anregungen für Ihre Kleiderwahl.
23./24.9.2022
Mobilitätskurs In einem Mix aus Theorie und Praxis verbessern Sie Ihre Mobilität und lernen neue Fahrtechniken kennen. Ebenso sind schulterschonende Antriebstechnik oder sicheres Kippen ein Thema. Der Kurs findet am Freitag auf dem Gelände des SPZ Nottwil statt. Am Samstag absolvieren Sie in Luzern den speziell für Rollstuhlfahrer*innen konzi pierten Foxtrail. Besuchen Sie diesen Kurs, um mit mehr Sicherheit im Alltag unterwegs zu sein. 24
5./12./19.4.2022
Workshop Malen Lassen Sie im Atelier von Giordi Bianda in Sursee Ihren künstlerischen Fähigkeiten freien Lauf und erstellen Sie an drei Nachmittagen Ihr eigenes Kunstwerk. Diese Nachmittage stehen ganz im Zeichen des Malens und Zeichnens. Giordi Bianda unterstützt Sie und gibt Anleitungen und
Impulse bezüglich Technik. Da der Kurs in einer Kleingruppe durchgeführt wird, kann Giordi individuell auf Ihre Bedürfnisse eingehen. Sie können mit verschiedenen Techniken und Materialien experimentieren und Ihre individuelle Kreativität ausleben. Auch Rollstuhlfahrer*innen mit einer hohen Läh mung können am Kurs teilnehmen.
10./11.9.2022
Bettmeralp-Wochenende Dieses genussvolle Wochenende wird von Alois Schmid, selber Rollstuhlfahrer, mit viel Herzblut organisiert.
die Berge. Oberhalb der Bettmeralp liegt der Aletschgletscher, der grösste Gletscher der Alpen. Die Aletsch Arena ist barrierefrei und ermöglicht Menschen mit MobiliDie Bettmeralp ist mit den typischen Wal- tätseinschränkung, die Region in ihrer ganliser Chalets sehr authentisch und wie ge zen Schönheit zu erleben. Erleben Sie das schaffen für einen gemütlichen Ausflug in UNESCO-Welterbe in voller Pracht. Paracontact I Winter 2021
29.1.2022
ERSTES HALBJAHR
Ziesel-Tour
Offenes Singen
Ganz schön actionreich und doch romantisch – fahren Sie mit dem Raupengerät Ziesel durch die Winterlandschaft. Praktisch lautlos und umweltfreundlich steuern Sie hinauf ins Skigebiet Hoch-Ybrig. Ein einzigartiges Bergerlebnis und eine Tour, welche Abenteuer, Outdoorerlebnis, Natur und einmaligen Fahrspass verbindet.
Singen ist Atmen, Balance, Ausdruck und Vitalität. Singen ist quasi Vorsorgemedizin. Stimmen auch Sie ein! Sie müssen sich nicht anmelden und dürfen spontan erscheinen. Rosa Zaugg leitet im Raum der Stille des SPZ durch die Lieder. Daten: 7./21.5.2022 4./11./18.6.2022 jeweils 10.30 –12.00 Uhr
4.3.2022
Clever essen und trinken Ernährung ist einer der Grundpfeiler unserer Gesundheit, die Basis unseres Wohlergehens. Bettina Senft zeigt in diesem Kurs im Hotel Sempachersee, wie ausgewogene Ernährung aussehen kann und wie wir zu unserem Wohlbefinden selbst beitragen können. Unsere Ernährung gibt uns Energie, kann vor Erkrankungen schützen und hält den Körper in Form. Umso mehr Umsicht und Aufmerksamkeit hat sie sich verdient. Doch in der Praxis sieht es meist anders aus. Gerade für Rollstuhlfahrer*innen, die weniger Bewegung und oft Blasen- und Darmfunktionsstörungen haben, kann eine bewusste Ernährung positiv wirken. Bettina Senft gibt Tipps, wie das Gewicht gehalten oder bei Bedarf gesenkt werden kann, wie darmfreundliche Ernährung aussieht und wieso Entspannung bei all dem ebenfalls eine Rolle spielt. Paracontact I Winter 2021
22.5.2022
Wandertour Sie bewegen sich gerne in der freien Natur und lieben körperliche Herausforderungen? Dann kommen Sie mit auf unsere Wandertour in der Region Melchsee-Frutt. Wandern und Rollstuhl schliessen sich nicht aus. Bergwandern ist unter gewissen Voraussetzungen auch für Menschen im Rollstuhl, insbesondere für Paraplegiker*innen, möglich. Sowohl die Person im Rollstuhl als auch die Begleitperson müssen körperlich fit, gesund und sportlich sein. Die Begleitperson zieht oder bremst den Rollstuhl mit Seil und Gummischlauch, das Seil wird an einem gepolsterten Klettergurt befestigt.
3.9.2022
Swiss-Trac-Ausflug In den Bergen fast ohne Grenzen unterwegs sein, das ist mit dem Swiss-Trac möglich. Unter erfahrener Leitung werden die schönsten Wanderwege der Schweiz erkundet. Auch das kulinarische Wohl kommt nicht zu kurz, eine Stärkung zur Mittagszeit darf nicht fehlen.
18.6.2022
Swincar-Tour Geniessen Sie gerne die Berglandschaft und lieben Action? Dann ist die Swincar-Tour im Gebiet «Portes du Soleil» genau das Richtige für Sie. In der Haute-Savoie im Unterwallis haben Sie die Möglichkeit, mit einem leistungsstarken Elek trovehikel die Berge zu erklimmen. Sie können nicht nur Wanderwege befahren, sondern kreuz und quer durch die Landschaft kurven. Lassen Sie sich überzeugen von den Fähigkeiten dieses Gefährts. Während der zweistündigen Fahrt können Sie die Gegend der «Portes du Soleil» sowie der «Dents du Midi» erkunden. Ein wunderbares und unvergessliches Erlebnis.
DIENSTAGS
Rollstuhl-Tanz Jeweils dienstags (Daten unter www.spv.ch) wirbeln Rollstuhl-Fussgänger-Paare beim Tanzen in der Sporthalle in Nottwil umher. Der RC Solothurn freut sich auf zahlreiche Teilnehmende (auch Fussgänger sind willkommen).
Online-Anmeldung www.spv.ch/ Veranstaltungen Für Auskünfte wenden Sie sich an Yvonne Rölli, yvonne.roelli@spv.ch. 25
KULTUR UND FREIZEIT
14./21./28.3. UND 4./11.4.2022
26.6.2022
Yoga Yoga schafft eine Verbindung von Körper und Geist und wirkt auf alle Bereiche des Seins. Es wirkt ausgleichend und stärkt Körper und Geist. Egal welche körperlichen Voraussetzungen Sie mitbringen, Karin Roth achtet darauf, alternative Übungen anbieten zu können, so dass sie für alle möglich sind. Jeder ist anders, keiner ist gleich. Seien Sie mutig und probieren Sie Yoga im Hotel Sempachersee aus.
11.6. UND 3.9.2022
HandbikeTrail
Jodelgottesdienst
14.5.2022
Swiss-Trac Kurs Sie haben einen Swiss-Trac, es fehlt Ihnen aber an Fahrpraxis? Oder möchten Sie den Swiss-Trac kennen lernen und probefahren? Der Alltag im Rollstuhl steckt voller Herausforderungen, die gemeistert werden wollen. Erfahren Sie in Küssnacht am Rigi, was es heisst, mit dem Swiss-Trac selbstständig mobil zu sein. Zusammen sind wir unterwegs, erlernen das An- und Abkuppeln, überwinden Hindernisse und fahren im Gelände. Sie erhalten wertvolle Tipps zum Transport im Auto und im ÖV, zur Pflege und zu den Batterien des Zuggeräts. Zudem erfahren Sie von den Profis, welche individuel len Adaptionen möglich sind, um Ih ren Bedürfnissen gerecht zu werden.
29.10.2022
Auf Singletrails und Wanderwegen erleben Sie die Schweiz hautnah! Der Handbike-Trail ermöglicht es Ihnen, Orte zu entdecken, von denen Sie kaum glaubten, sie als Rollstuhlfahrer*in je zu erreichen. Die Touren führen über Wald-, Flur- und Bergstrassen, steile Aufstiege und rasante Abfahrten. Geniessen Sie die einzig artige Landschaft, spektakuläre Aussich ten und das Zusammensein in der Gruppe. 26
Der besinnliche und beliebte Gottesdienst findet jährlich im Schweizer ParaplegikerZentrum in Nottwil statt. Die Messe wird jeweils von einem Jodlerklub musikalisch umrahmt. Im Jahr 2022 ist der Jodlerklub Nottwil zu Gast.
Tanznacht Die Tanznacht findet in der Region Solothurn statt. Nach dem Abendessen können Sie unter Gleichgesinnten das Tanzbein schwingen. Ob mit alten oder neuen Bekannten, geniessen Sie den Abend in vollen Zügen. Für musikalische Unterhaltung ist gesorgt.
6.11.2022
Fototreff Auftakt macht der gemeinsame, optionale Brunch am Vormittag. Danach blicken wir in der Aula des SPZ auf das Reise jahr 2022 zurück. Informieren Sie sich anschliessend über die Reisedestinationen 2023 und buchen Sie vor Ort Ihre Ferien für das nächste Jahr. Die Reisefachfrauen stehen Ihnen gerne zur Seite.
4.12.2022
Weihnachtsmarkt Mit Leidenschaft und Engagement fertigen verschiedene Ausstellende, darunter auch Menschen im Rollstuhl, kunsthandwerkliche und kulinarische Artikel, die sie am Weihnachtsmarkt zum Verkauf anbieten. Kommen Sie im Schweizer Paraplegiker-Zentrum vorbei, Sie werden nicht mit leeren Taschen nach Hause gehen. Paracontact I Winter 2021
KULTUR UND FREIZEIT
SOMMERPLAUSCH
Wenn sich Highlight an Highlight reiht
so Spass gemacht, dass sie ein Maximum an Fahrten absolvierten während der Zeit, die zur Verfügung gestanden habe.
Der Ausflug mit dem Jet-Boot konnte zuerst wegen Hochwasser nicht durchgeführt werden. Carlo war sich aber bewusst, dass das die Krönung des Programms werden würde und setzte alles daran, diese Fahrt Zehn Rollstuhlfahrerinnen und Rollstuhlfahrer genossen doch noch zu ermöglichen. Am letzten Nachmittag war es so weit, zum richtigen eine wunderbare, ereignisreiche Woche in Interlaken. Zeitpunkt als krönender Abschluss. «Wir Von Gabi Bucher brachten alle Teilnehmenden mit vereinten Kräften in die zwei Boote, ohne dass sie nass wurden. Während der rasanten Fahrt mit Kurven und 360°-Drehungen konnten Der Sommerplausch habe jedem Stopp wieder geschul wir das dann aber nicht mehr verhindern.» dieses Jahr seinem Namen tert habe. Ein Ausflug aufs Am Abend folgte das Open-Air-Konzert wieder alle Ehre gemacht, Schilthorn, ins Planetarium mit Live-Musik vor der Jugi. «Für einige erklärt Carlo Marti, der als «Sirius» und eine Schifffahrt gings danach noch weiter, sie wollten nicht Gruppenleiter mit dabei war: standen auf dem Programm. bereits um Mitternacht ins Bett, es war ja Herrliches Wetter, eine super Der Besuch bei der Rega hät- schliesslich Sommerplausch!» Gruppe, die sich sehr gut verstante wohl einen ganzen Tag dauern den habe, und Unterhaltung und Abenteu- können, so viele Fragen seien aufgekom- Die ganze Woche habe riesig viel Spass geer pur. Seine Augen leuchten immer noch, men, und der Grillabend auf dem schönen macht, die «Neuen» hätten sich schnell inwenn er darüber spricht. Mitarbeitende der Platz hinter der Jugendherberge an der tegriert in die Gruppe und das Wetter ParaHelp hätten ihn vor etwa drei Jahren, Aare sei sehr gemütlich gewesen. «Die Tage habe das Seine dazu beigetragen. Begleiter, als er noch bei der Orthotec gearbeitet ha endeten oft mit guten Gesprächen bei ei Chauffeure und Pflegeleitung hätten alle be, auf diese Woche aufmerksam gemacht. nem Drink in der Jugi, beim Billardspielen, Hand in Hand gearbeitet, «das war sehr «Ich habe den eintägigen Gruppenleiter- am Töggelikasten oder mit einer Runde wertvoll, vor allem auch wegen den relativ engen Platzverhältnissen in der Jugi und kurs besucht und fand, das sei eine gute Brändi-Dog.» in den Bussen. Dort wars ein bisschen wie Sache!» Und es habe sich für ihn nun zum Rollstuhl-Tetris», lacht Carlo. «Aber nach zweiten Mal bestätigt, dass dem auch so sei. Kuhhandel im Ballenberg Beim Besuch im Ballenberg durften die zwei Tagen hatten wir alles im Griff, auch Highlights ohne Ende Teilnehmenden eine kleine Holzkuh schnit die teilweise streikende elektronische Lade Zehn Rollstuhlfahrer und neun Begleitper zen. Jeder bekam einen Rohling zum Be- rampe des Minibusses.» Er sei bestimmt sonen hatten sich zusammengefunden für arbeiten, Anmalen und Lackieren. Und wieder mit dabei, wenn er es sich einrichdiese Woche in Interlaken. Der «harte das Rodeln auf der Pfingstegg habe einigen ten könne nächstes Jahr, meint Carlo. Kern», das heisst mehr als die Hälfte der Rollstuhlfahrerinnen und Rollstuhlfahrer, nimmt seit Beginn am Sommerplausch teil. Dieser hat bereits einmal in Interlaken statt gefunden, aber Reisefachfrau Rita Häfliger hatte ein komplett neues Angebot zusammengestellt, in welchem laut Carlo ein Höhepunkt den nächsten jagte. Die Stadtführung durch Thun mit dem Nachtwächter sei spannend gewesen, was bei Stadtführungen nicht immer der Fall sei. «Der Führer hat sich vorher informiert über die Breite der Rollstühle, so war er optimal vorbereitet.» Ein paar Passanten seien zwar beinahe von der Hellebarde erschlagen worden, welche er jeweils nach Paracontact I Winter 2021
Vom Mittelalter in die Neuzeit – der Sommerplausch liess keine Wünsche offen 27
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Paracontact I Winter 2021
KULTUR UND FREIZEIT
MOBILITÄTSKURS
Premiere in der Westschweiz Praktische Tipps zur Rollstuhlhandhabung und eine erlebnisreiche Schnitzeljagd bekamen die Teilnehmenden des Mobilitätskurses in Biel geboten. Von Claude Siegenthaler An einem Wochenende im Juni führte die SPV den ersten Mobilitätskurs für Romands in Biel und Umgebung durch. Der Kurs dauerte anderthalb Tage und bestand aus einem Block, bei dem das Rollstuhlhandling von Grund auf angeschaut wurde
Anschieben zu sehr belastet werden. Unter den Teilnehmenden waren erfahrene so wie unerfahrene Personen dabei. Weitere Elemente, die gezeigt und erlernt wurden, waren das Kippen mit dem Rollstuhl, das Befahren von Rampen und Überwinden
ENTDECKEN
Rheinfelden Als glückliche Gewinner einer Verlosung durften wir, Urs und Susanne Blöchlinger, im Ambrosia Guesthouse in Rheinfelden AG übernachten. Vor dem Check-in besichtigten wir die malerische Grenzstadt. Dank grossen Platten links und rechts der Gasse ist das für Rollstuhlfahrer trotz Kopfsteinpflaster kein Problem. Nach einem Drink in der Fussgängerzone waren wir nun gespannt auf unsere Unterkunft. In einer modernen Überbauung zentral gelegen befindet sich das B & B. Die herzlichen Gastgeber zeigten uns das Haus und unser rollstuhlgängiges Zimmer. Hier fühlten wir uns sofort wohl.
Kursabschluss mit einem Parcours durch Biel
und einem Block, bei dem es das Erlernte in der Stadt anzuwenden galt. Bei der Turnhalle von Bellmund versammelten sich am Freitagnachmittag sieben Rollstuhlfahrerinnen und Rollstuhlfahrer, teil weise in Begleitung, um den Turnhallen part des Kurses zu absolvieren. Ab 13 Uhr zeigten die Experten Martin Wenger und Anael Plebani den begeisterten Kursteilnehmenden, wie der Rollstuhl nachhaltig und schonend angetrieben wer den sollte. Bei längerfristiger Nutzung des Rollstuhls ist dies sehr wichtig, weil Kör perpartien wie Schultern, Handgelenke, Ellenbogen oder Nacken durch ein falsches
von Hindernissen, und das jeweils hoch und runter. Die Teilnehmenden waren interessiert und haben engagiert mitgemacht. Anspruchsvolle Schatzsuche in Biel Im zweiten Teil des Kurses haben die Teilnehmenden am Samstag in Biel bei bestem Wetter eine Schatzsuche in Angriff genom men. Kreuz und quer, über Stock und Stein sind sie durch die Stadt gerollt. Die rund 50 Posten haben einige Personen ans Limit gebracht. Nach dem verdienten Mittagessen haben somit nur einige die Schatz suche vollendet. Dennoch für alle ein gewinnbringender Tag!
Hunger machte sich bemerkbar und so spazierten wir erneut in die Altstadt. Im rollstuhlgängigen Restaurant Rhyblick, bekannt für seine Fischgerichte, erhielten wir einen Tisch mit Blick auf den Rhein. Eine Reise wert Die Nacht war komfortabel, das Frühstück am Morgen sehr lecker. Wir waren uns einig: Rheinfelden ist eine Reise wert und das Ambrosia Guesthouse als Unterkunft zu empfehlen. Informationen ambrosiaguesthouse.ch
Paracontact I Winter 2021 29
ROLLSTUHLSPORT
TOKYO 2020
Mehr als nur Medaillen «United by emotion» war das Motto der Spiele in Tokio. Die Schweiz lebte den Teamspirit vor und schickte positive Vibes nach Hause. Von Nicolas Hausammann
Strahlend und überglücklich, teilweise ungläubig ob der eigenen Leistung und derer ihrer Kolleginnen und Kollegen, so präsen tierten sich die Schweizer Rollstuhlsportlerinnen und Rollstuhlsportler meist vor der Kamera bei den Interviews von SRF Sport. Die lachenden Gesichter und erfrischenden Statements liessen keinen Sportfan kalt. Positive Emotionen in Zeiten der Pandemie waren gefragt wie selten zuvor. Es begann in der Leichtathletik Die Rollstuhl-Leichtathletik, seit jeher das Steckenpferd der paralympischen Erfolge der Schweiz, legte einen Blitzstart hin. Manuela Schär eröffnete den Medaillencount für die Schweiz und die viel zitierte «Ketchup-Flasche» für sich selbst mit Silber über 5000 m T54. Fortan sprudelte es nur so Medaillen aus dem Land der aufgehenden Sonne. Marcel Hug doppelte nach
mit Gold, was sonst, doch dazu später. Bereits am zweiten Wettkampftag machte Catherine Debrunner den ersten Medaillen satz mit Bronze komplett. Bemerkenswert war sie, die Einstellung unserer Stars. So konnte sich Manuela Schär nicht nur über eigenes Edelmetall freuen, sondern fand immer wieder herzliche Worte für siegreiche Konkurrentinnen: «Ich habe Silber gewonnen und freue mich auch für Susannah, die mit mir gemeinsam immer bereit ist, ein Risiko einzugehen und aufs Tempo zu drü cken», so Schär nach ihrer Silbermedaille. Personifizierte Dominanz Sieben Mal am Start, sieben Mal als erster über die Ziellinie gefahren. Diese makellose Bilanz steht hinter dem Namen von Swiss Silver Bullet, Marcel Hug. Seine «KetchupFlasche» wurde definitiv bereits in Rio vor fünf Jahren geöffnet. Und die Goldmedail-
len, sie flossen in Tokio im Viererpack. Viel wurde auch um seinen massgeschneiderten Carbon-Rennboliden diskutiert. «Den schnellsten Rollstuhl der Welt» zu bauen, war das Ziel von Orthotec-Geschäftsführer Stefan Dürger. Offensichtlich ist ihm dies in Zusammenarbeit mit der ETH Zürich und Sauber gelungen. Gepaart mit dem Thurgauer in Topform und seinem Know- how, wenn es um Regenmaterial geht, entstand ein überragender Champion. Goldener Donnerstag Der 2. September wird in die Geschichtsbücher eingehen als Schweizer Tag. «Ja was erleben wir denn hier, Schweizer Gold im Minutentakt!», schreit SRF-Kommentator Beat Sprecher ins Mikrofon. Tatsächlich waren es drei Goldmedaillen in einer Stunde. Wieder vom Trio infernale Debrunner, Schär, Hug.
Sensationell: Unser Medaillenquartett in Tokio 30
Paracontact I Winter 2021
Doch damit nicht genug. Noch am selben Tag holten sich die stehenden Athletinnen Elena Kratter Bronze im Weitsprung und Schwimmerin Nora Meister eine Bronzemedaille über 400 m Freistil. Irgendwie hatte aber ein anderer diesen Tag eingeläutet, nämlich der Maestro des Rollstuhlsports, Heinz Frei, höchstpersönlich. Kampf bis zum letzten Meter Bereits am 1. September auf dem «Fuji Speedway» holte Heinz Frei seine sage und schreibe 35. paralympische Medaille. In einem packenden Finish fehlte nur wenig für ein kitschig-goldenes Märchenende. Mit wenig Sauerstoff im Blut und überwäl tigt von Emotionen erklärte ein überglück licher 63-jähriger Frei, dies sei wohl sein letztes paralympisches Rennen gewesen. «Mein Spirit für den Sport, auch auf diesem Leistungsniveau, ist jedoch immer noch da, so dass ich sicher noch weiter Rennen fahren und für nachrückende Athleten im Hinblick auf Quotenplätze auf Punktejagd gehen werde. Paris steht jedoch nicht mehr auf meinem Plan», so Frei im Interview. Sportliche Leistung und Inklusion Die fantastischen Leistungen der Para lympioniken rückten den Rollstuhlsport für einige Zeit in den Fokus der medialen Sportberichterstattung. Mit der Kampagne #WeThe15 wurden die Sportlerinnen und Sportler auch zu Vorzeigebeispielen einer inklusiven Welt. Beim Auftritt im Sport-
panorama von Manuela Schär und Marcel Hug stellte Sascha Ruefer dann auch gleich zu Beginn klar: «Rollstuhlsport auf Para lympics-Niveau hat sich zu absolut kom promisslosem Spitzensport entwickelt.» Umso höher sind die Leistungen unseres Teams einzustufen. Und zwar nicht nur diejenigen der Medaillengewinner, sondern aller Teilnehmenden. So zum Beispiel diejenige unseres Badminton-Doppels, welches es bei der paralympischen Premiere ihrer Sportart auf den unglücklichen vierten Platz schaffte. Cynthia Mathez und Karin Suter-Erath hatten einen unüberwindbaren asiatischen
Block vor sich, welcher zusätzlich noch Athletinnen aus einer höheren Klasse einsetzen konnte. Was den Regeln entspricht, in der Schweiz sind allerdings noch keine Athletinnen in dieser mobileren WH2Klasse auf diesem Niveau aktiv. Oder aber Silvio Keller, der nachnominiert wurde für den verletzt ausgefallenen Weltmeister. Im zweiten Gruppenspiel lag die Überraschung beinahe in Reichweite. Doch nach zwei ganz knappen ersten Sätzen war die Luft raus. Der Tischtennisspieler musste ohne Satzgewinn wieder abreisen. Dasselbe Schicksal erreichte Tenniscrack Nalani Buob an ihrem ersten paralympi-
PLATZIERUNGEN AUF EINEN BLICK Badminton Cynthia Mathez (WH1) Einzel Gruppenphase ausgeschieden Doppel 4. Platz (Diplom) Karin Suter-Erath (WH1) Einzel Viertelfinale ausgeschieden (Diplom) Doppel 4. Platz (Diplom) Handbike Team Relay 7. Platz Tobias Fankhauser Time Trial DNF Road Race 4. Platz (Diplom) Heinz Frei (MH3) Time Trial 7. Platz (Diplom) Road Race Silber Sandra Graf (WH4) Time Trial 11. Platz Road Race 11. Platz Fabian Recher (MH4) Time Trial DNF Road Race 7. Platz (Diplom) Sandra Stöckli Time Trial 8. Platz (Diplom) Road Race 9. Platz Leichtathletik Beat Bösch (T52) 100 m 5. Platz (Diplom)
Paracontact I Winter 2021
Catherine Debrunner (T53) 800 m Bronze 100 m 6. Platz (Diplom) 400 m Gold Patricia Eachus (T54) 5000 m 10. Platz Marathon 9. Platz Marcel Hug (T54) 5000 m Gold 1500 m Gold (WR) 800 m Gold Marathon Gold Manuela Schär (T54) 5000 m Silber 800 m Gold 1500 m Silber 400 m Gold Marathon Silber Sportschiessen Nicole Häusler (SH2) Sitzend Schiessen 20. Platz Stehend Schiessen 13. Platz Tennis Nalani Buob 1. Runde ausgeschieden Tischtennis Silvio Keller Gruppenphase ausgeschieden 31
schen Auftritt. Auch sie schied ohne Satzgewinn aus. Ihr Koffer wird allerdings für einen nächsten Auftritt mit den ersten Erfahrungen angereichert sein. Für Nicole Häusler reichte es im Sportschiessen auch nicht ganz für einen Exploit. Sie platzierte sich auf Rang 13 im «Liegend Schiessen». Entgegen den Erwartungen des perfekten japanischen Organisationstalents gab es auch reihenweise Kurioses anzutreffen. So warteten beispielsweise die Handbiker am ersten Tag vergebens auf einen rollstuhlgängigen Bus zum Transport auf die Strecke. Auf der Strecke liefs den Athleten unterschiedlich. Fabian Recher beispielsweise riss die Kette im Zeitfahren. Tobias Fankhauser musste sich im Strassenrennen mit Rang vier begnügen, zeigte sich aber ob sei ner gezeigten Leistung, so kurz nach überstandenem Infekt, zufrieden. Die Staffel Recher, Fankhauser, Frei holte sich ein Diplom konnte jedoch nicht um die Medaillen kämpfen. Auch bei den Frauen konnten Sandra Graf und Sandra Stöckli nicht in die Medaillenentscheidungen eingreifen. Stöckli holte sich jedoch ein paralympi sches Diplom mit Rang acht im Zeitfahren. Gleiches gelang auch Beat Bösch in der Leichtathletik. Für Patricia Eachus reichte es leider nicht ganz für ein Diplom. Begeisterter Empfang in Nottwil Wie sehr das Schweizer Team hierzulande für Emotionen sorgte, zeigte sich auch beim begeisterten Empfang im SPZ Nottwil am Mittwoch nach den Paralympics. Die Balkone der Klinik waren voll besetzt und der Therapiegarten umzingelt von Fans mit Transparenten und Schweizerfahnen.
Nachdem die Spiele leider ohne Publikum stattfinden mussten, war das Bad in der Menge, wenn auch auf Distanz, eine will kommene Abwechslung für die Athletinnen und Athleten. «Für uns ist alles aufgegangen mit 14 Medaillen und vielen weiteren Topleistungen», konstatierte Roger Getzmann dann auch als Fazit der Spiele. «Dass wir unser Ziel um mehr als das Doppelte übertroffen haben, liegt daran, dass alle im wichtigsten Moment geliefert und somit auch mentale Stärke gezeigt haben. Hinzu kam noch das nötige Wettkampfglück.» 32
Zwei Pionierinnen treten zurück Die Schweiz zeigte Frauenpower an den Olympischen wie Paralympischen Spielen. Nun treten zwei starke Frauen des Schweizer Rollstuhlsports zurück. Beide nahmen in mehreren Sportarten an den Paralympics teil. Karin Suter-Erath in den Rückschlagspielen Tennis und Badminton und Sandra Graf im Monoskibob, der Leichtathletik sowie im Handbike.
Karin Suter-Erath «Ich bin im Moment in Topform und es ist ein Privileg, jetzt aufhören zu können und nicht irgendwann dazu gezwungen zu werden, weil der Körper nicht mehr mitmacht. Mit 50 ist eine Stop-and-Go-Sportart wie Badminton eine hohe Belastung. Der Trainingsaufwand ist enorm. Ich konnte phasenweise nicht mehr ganz in dem Umfang und der Intensität trainieren, wie ich mir das gewünscht hätte», begründet Karin Suter-Erath ihren Rücktrittsentscheid. Eigentlich hätte diese Topform noch bis Ende Oktober 2021 ausgereicht, um als Schlusspunkt die WM in Tokio zu spielen. Die Absage des Organisationskomitees bringt nun das verfrühte Karriereende. Die Paralympics in Athen 2004 waren zweifelsohne der grösste Erfolg der Baslerin. Sie holte sich zusammen mit Sandra Kalt die Bronzemedaille im Tennis-Doppel. Im Badminton
wurde sie Einzel-Weltmeisterin in Dortmund 2012 und kehrt mit zwei Diplomplätzen aus Tokio zurück. Sie wird mit ihrem Know-how dem Badmintonsport als Trainerin erhalten bleiben.
Sandra Graf Wenn jemand gezeigt hat, dass Familie und Sport vereinbar sind, dann Sandra Graf. Im selben Jahr, in dem sie in Lillehammer im Riesen slalom (4. Platz) an ihren ersten Paralympics teilgenommen hatte, wurde sie Mami, was sie nicht von einer grossen Rollstuhlsport-Kar riere abhielt. Nach ihrem Wechsel in die Leichtathletik nahm die Appenzellerin im Rennrollstuhl an den Paralympics in Sydney, Athen und Peking (Bronze im Marathon) teil. Ihre grössten Erfolge feierte sie im Handbike, wo sie in London 2012 im Zeitfahren die lang ersehnte paralympische Goldmedaille gewann. Hinzu kam in England noch eine bronzene Auszeichnung im Leichtathletik-Marathon. Dass nun Tokyo 2020 ihr letzter grosser internationaler Auftritt sein würde, war lange klar: «Ich hatte eine schöne Karriere, allerdings sind andere Sachen privat zu kurz gekommen, da möchte ich jetzt mehr Zeit investieren. Mein Wissen möchte ich jedoch weitergeben und werde im Handbike-Sport engagiert bleiben. Beim Sportcamp ‹move on› war ich bereits im Einsatz.»
Paracontact I Winter 2021
ROLLSTUHLSPORT
SERIE 4/4: TOKYO 2020
Ungleiche Voraussetzungen Catherine Debrunner und Tobias Fankhauser starteten mit sehr ungleichen Prämissen und Erwartungen in die lang ersehnten Paralympics. Von Nicolas Hausammann
Catherine war in Topform, gestählt aus dem Trainingslager in Papendal. Sie reiste mit der Erwartung, ihre erste Paralympics-Medaille klarzumachen, nach Tokio. Tobias Fankhauser hingegen sah statt seiner wunderbaren Baselbieter Trainingsstrecke nur die Decke eines Patientenzimmers des SPZ – ein Infekt unterbrach seine Vorberei tung jäh. Wie steht es um die Erfüllung eurer eigenen Erwartungen? Catherine: Für mich ist es optimal gelaufen. Ich habe in jeder Disziplin Topleistungen abrufen können. Das grosse Ziel war eine Medaille, welches ich mit Bronze gleich im ersten Rennen erreichte. Gold wollte ich mir eigentlich für Paris 2024 aufsparen (lacht), natürlich nehme ich es aber auch jetzt schon. Tobias: Meine Leistung ist schwierig einzuordnen. Zehn Tage vor den Paralympics lag ich mit einem Infekt, Fieber und Antibiotika im SPZ Nottwil. Lang war gar unsicher, ob ich überhaupt nach Tokio mitreisen kann. Ich konnte wegen der Folgen des Infekts nicht mein volles Leistungsvermögen abrufen. Mit Rang vier im Strassen rennen fuhr ich aber für mich das bestmög liche Resultat heraus. Da wir Handbiker ausserhalb des Village in einem Hotel nahe der Strecke des «Fuji Speedway» untergebracht waren, fehlte die
Verbindung ins Village zu anderen Sportarten und Nationen. Das hinterlässt bei mir etwas Wehmut. Wie ist die Stimmung: Aufbruch zum nächsten Ziel oder froh um eine Pause? Tobias: Es ist krass, wie viel mich diese Vorbereitung körperlich und mental gekostet hat. Da braucht es einen Moment, um Energie zu tanken. Mein nächstes Ziel dreht sich daher ums Studium. Die sportlichen Ziele sind noch offen. Es kommt darauf an, wie stark meine Motivation und der Rückhalt auf verschiedenen Ebenen sind. Catherine: Ich geniesse es gerade sehr im Kreise meiner Familie und meines Göttibubs zu sein, die mich erden nach den gan zen emotionsgeladenen Ereignissen. Da her gibt es eine kleine Pause mit einigen Urlaubstagen. Dann heisst es aber Vollgas nach Paris – es sind ja nur drei Jahre. Thema Druck: Wie geht ihr damit um, und stellte sich bei euch eine Art Olympiadepression ein? Catherine: Ich konnte meine Lockerheit behalten und frei in die Rennen starten. Nach der Bronzemedaille gings sowieso fast wie von selbst. Olympiadepression ist bei mir daher eher unwahrscheinlich. Mei ne Familie hilft mir sehr, mich hier geborgen zu fühlen und Ruhe zu finden.
Tobias: Der Qualifikationsdruck war bedingt durch meine Gesundheitsprobleme dieses Jahr fast grösser als derjenige der Paralympics selbst. Andere Athleten hatten da sicher mehr Druck und Erwartungshal tung von aussen. Ich habe die tolle Stim mung mit meinen Handbike-Amigos sehr genossen und konnte unbeschwert in mei ne Rennen starten. Nach den Paralympics bin ich aber froh, etwas Distanz zur Sportwelt zu gewinnen. Was bleibt von den Spielen speziell in Erinnerung? Tobias: Die ersten Tage waren nur mit viel Humor zu überstehen. Wir haben immer gehört, wie akribisch die Japaner arbeiten und welch Organisationstalente sie seien. Dann waren da zehn Volunteers vor Ort, aber kein rollstuhlgängiger Bus, als wir auf die Rennstrecke wollten. Catherine: Samantha Kinghorn habe ich vor meinem Goldrennen im Call Room gesagt: «Let’s beat the Chinese today.» Nach dem Rennen hat sie mir erzählt, sie habe in der Schlusskurve an meine Worte gedacht und die Gegnerin nicht vorbeigelassen. Schön, dass es trotz Konkurrenz solche Freundschaften gibt. Kurz vor Druck des Heftes hat sich Tobias Fankhauser zum Rücktritt entschlossen. Eine Würdigung seiner Karriere folgt in der nächsten Ausgabe.
Paracontact I Winter 2021 33
ROLLSTUHLSPORT
WINTERPROGRAMM
Vorschau Ski
AUSBILDUNGSKURSE 2022
Jetzt weiterbilden Mit den Ausbildungen möchten wir die Qualität in den Bewegungs- und Sportlektionen der Rollstuhlclubs und den sportartspezifischen Trainings der Technischen Kommissionen auf einem hohen Stand hal ten. Interessant zu wissen: je höher die Aus bildung der aktiven Leitenden ist, desto höher fällt der Qualitätsbeitrag vom Bundesamt für Sozialversicherungen für die einzelnen Rollstuhlclubs aus. Folgende Ausbildungskurse finden 2022 in Nottwil statt: Stufe 1 – Vorbildung – B asismodul (französisch und deutsch) 19.3.2022, 12.11.2022, 1.10.2022 – Praxismodul (französisch und deutsch) «gute esa-Aktivitäten vermitteln» 20.3.2022, 13.11.2022, 2.10.2022 – Interdisziplinäres J+S-Modul «Sport- und Handicap-Grundlagen» 7.–8.5.2022
Stufe 2 – Grundausbildung – esa-Kernausbildung 1.–3.4.2022, 9.–11.9.2022 – esa-Einführungskurs/ Fachausbildung «Rollstuhlsport» 21.–22.10.2022/21.–23.10.2022 Stufe 3 – Weiterbildung 1 – Sport und Gesundheit 18.–19.11.2022 – Methodik-Didaktik 20.–21.11.2022
Bei Fragen oder für eine Beratung zum Ausbildungsweg steht das Ausbildungsteam gerne zur Verfügung. Über viele Anmeldun gen freuen wir uns. Hoffentlich bis bald!
Wir sind bereit – der Winter kann kommen Das Winterprogramm von Rollstuhlsport Schweiz bietet wiederum eine reichhaltige Auswahl an Sportmöglich keiten auf Schnee und Eis. Durch die Pandemie hat Langlauf einen richtigen Boom erfahren. Auch RSS nimmt diesen Trend auf und bietet neben den etablierten Kursen in Fiesch und Les Diablerets neu in Lenk einen Langlaufkurs in Kombination mit Biathlon an. In der ganzen Schweiz werden zudem über 50 Monound Dualskibob-Kurstage angeboten. Wer sich aufs Curlingeis wagen will, kann sich bei einem Rollstuhlclub der Wahl für ein Schnuppertraining anmelden. Selbst der Eiskanal in St. Moritz steht wiederum für Wagemutige zu einem Schnupperkurs bereit. Informationen spv.ch (Breitensport)
Informationen www.spv.ch/ausbildung
BASKETBALL
EM Madrid VORSCHAU TITELWETTKÄMPFE
WM in Lillehammer Weltmeisterschaften der Wintersportar werden die Athleten ihre Karten zum ersten Ski Alpin, Snowboard und Langlauf ten Mal in dieser Saison auf den Tisch le vom 8. bis 23.1.2022 in Lillehammer NOR. gen müssen, um Edelmetall zu gewinnen. Gleichzeitig bietet dieser Anlass für die Zum ersten Mal in der Geschichte des IPC Schweizer Sportler*innen die letzte Chance, finden sie für alle drei Sportarten zum glei sich mit guten Leistungen für einen der chen Zeitpunkt am gleichen Ort statt. Zwei begehrten Quotenplätze für die ParalymMonate vor den Paralympics in Peking pics zu empfehlen. 34
Vom 2. bis 12. Dezember findet in Madrid die IWBF ECMA 2021 statt. Die A-EM musste aufgrund der Verschiebung der Paralympics ins 2021 nach hinten weichen. Die europäischen Ligen werden diesen Winter für drei Wochen pausieren, um allen Teams eine ultrakurze Vorbereitung zu ermöglichen. Die Schweiz fliegt als neuntbestes Team nach Madrid. Für die WM-Qualifikation gibt es nur fünf Quotenplätze. Paracontact I Winter 2021
PARA TOP POTENTIAL
ROLLSTUHLCLUBS
Felix Frohofer, Handbike
Einsteiger-Coach
27-jährig, wohnhaft in Russikon (ZH). Felix gehört zum neuen Athletenförder gefäss «Para Top Potential» von Rollstuhlsport Schweiz.
WESTSCHWEIZ
Langlaufen Zusätzlich zu den Aktivitäten des Winterprogramms, welches von Rollstuhlsport Schweiz angeboten wird, besteht auch die Möglichkeit zum Langlaufen in der Westschweiz.
Dein Lieblingsessen? Ein Stück Fleisch mit Nüdeli oder Pommes. Und ich liebe die Spargelsaison! Dein Soundtrack fürs Training? Im Training keiner. Ansonsten Gölä oder die Toten Hosen. Deine Hobbys neben dem Handbiken? Draussen in der Natur sein: Wandern, Fischen und allgemein polysportive Sachen. Das müssen unsere Leser unbedingt über dich wissen. Wenn es nicht läuft, nehme ich einen Koffein-Shot. Dann bekomme ich sofort das Gefühl, dass ich bereit bin. Netflix oder SRF? SRF – die machen coole Sportberichte. Insta oder Whatsapp? Insta, ich checke es täglich. Handyfoto oder Spiegelreflexkamera? Handyfoto. Das geht auch beim Velofahren. Paracontact I Winter 2021
Der Verein «Handiconcept» und das Sportfachgeschäft «Sibéria Sports» in La Brévine verleihen angepasste Langlaufschlitten und vermitteln den Kontakt zu Langlauflehrer*innen. Mehr Informationen Sophie Gnaegi, sophie.gnaegi@spv.ch, Tel. 076 310 36 58
FOKUS
TK Rugby Dynamische Sportarten wie Rugby basieren auf ebenso innovativen TK. Dank der vier aktiven Spieler in der TK ist die Nähe zum aktuellen Geschehen und zu den sich entwickelnden Trends stets gegeben. Beim TK-Chef Peter Roos laufen alle Fäden zusammen, Christian Hähnel ist Herr über die Finanzen und Headcoach Adrian Moser vereint Beruf und Hobby, um das Nationalteam sportlich weiterzuentwickeln. Der eben erreichte Auf s tieg in die europäische A-Liga macht die zielge richtete Arbeit des gesamten Gremiums deutlich. Um die Ausbildung und die Einsätze der Schieds richter kümmert sich seit vielen Jahren Claudia Rota. «Sportkoordinatorin» beschreibt die Tätig keiten von Tausendsassa Renate Kurmann nicht einmal ansatzweise. Und mit scharfem Blick in die Zukunft ist Nachwuchs-Scout Selina Wittenwiler unterwegs.
Die Rollstuhlclubs bieten eine grosse Palette an Sportarten an. Nicht alle Rollstuhlfahrer kennen diese attraktiven Trainingsangebote. Dies gilt ins besondere für Patient*innen, die sich in der Rehabilitation befinden und dort meistens ihren ersten Kontakt mit dem Rollstuhlsport haben. Damit die angehenden Sportler*innen nach der Rehabilitation den Zugang zu den Angeboten in ihrer Region erhalten, nimmt eine Sport beraterin der Schweizer Paraplegiker-Vereinigung in den letzten Wochen vor dem Spitalaustritt mit den Patienten Kontakt auf. Der Sportberater zeigt den Patienten die regionalen Angebote auf und stellt den Kontakt zum lokalen Club her. Der Einsteiger-Coach des Rollstuhlclubs unterstützt den Rollstuhlfahrer beim Besuch der ersten Trainings. Bislang hat die Arbeit der Einsteiger-Coaches zu hervorragenden Ergebnissen und zur Gewinnung neuer Clubmitglieder geführt. Diese nehmen voller Elan am Clubleben teil.
35 DIE ZAHL
… Teilnehmende verzeichnete das diesjährige Sportcamp «move on», welches vom 11. bis 16. Oktober 2021 in Nottwil durchgeführt wurde. spv.ch/breitensport 35
ROLLSTUHLSPORT
SERIE 4/4: SPITZENSPORTFÖRDERUNG SCHWEIZER ARMEE
Professionalisierungsdruck Ohne institutionelle Unterstützung kein Erfolg. Marco Bruni, Initiator der Inklusion des Rollstuhlsports in die Spitzensportförderung der Armee, gibt Einblicke im Interview. Von Nicolas Hausammann
Das erste Jahr mit drei remilitarisierten Athleten ist vorbei, ein weiterer hat die Spitzensport-RS begonnen. Welche Bilanz ziehst du? Sehr positiv. Die Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen der Armee ist sehr angenehm und klappt hervorragend. Die WKs laufen und finden teilweise auch in Magglingen statt. Diese Begegnung, wie sie bald auch in der Spitzensport-RS tagtäglich stattfinden wird, ist der Grundstein für eine tiefgreifende Sensibilisierung und Inklusion. Wie ist diese Inklusion der Rollstuhlsportler überhaupt ins Rollen gekommen? Dank der Jubiläumsansprache von Sport ministerin Viola Amherd in Magglingen anlässlich von 75 Jahren Sportförderung. Darin erwähnte sie die Integration des Be-
hindertensports. So was braucht man mir natürlich nicht zweimal zu sagen. Ich habe die Initiative ergriffen und sogleich beim Kommando der Spitzensport-RS nach ei ner Sitzung gefragt. Dabei stellte sich heraus, dass ein Kommandant der RS bereits ein Pilotprojekt gestartet hatte. Am runden Tisch war schnell klar, dass es an der Zeit ist, die Inklusion von Rollstuhl- und Behin dertensportlerinnen in die Spitzensport förderung der Armee umzusetzen. Roll stuhlsport Schweiz und PluSport haben in der Folge ein Konzept ausgearbeitet, welches im Sommer 2020 bewilligt wurde. Warum war die Zeit genau jetzt reif für diese Öffnung? Integration ist endlich ein Ziel für die gesamte Gesellschaft geworden. Da gehört das Militär auch dazu und die politische Bereitschaft ist unter Viola Amherd deutlich gestiegen. Die Verschiebung von Lyss nach Magglingen und die Tatsache, dass die Ausbildung nun theoretischer ist, erlaubt es auch Rollstuhlfahrerinnen und Rollstuhlfahrern die Ausbildung als Büroordonanz zu absolvieren. Wie viele Athletinnen und Athleten sollen in den Fördergefässen der Armee unterstützt werden? Ziel ist es, diejenigen Athletinnen und Athleten aus der Nachwuchsförderung, die Potenzial für Weltmeisterschaften oder gar Paralympics zeigen, in dieses Gefäss einzu bringen. Bei den Fussgängern stammen mehr als die Hälfte der olympischen MeMarco Bruni Vom Snowboardpionier zum Leiter des nationalen Leistungszentrums für Rollstuhlsport
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daillengewinnerinnen und Medaillengewinner aus dieser Förderung. Da auch im paralympischen Sport ein extremer Profes sionalisierungsdruck herrscht, ist die Aufnahme in die Spitzensportförderung Gold wert. Es gibt in diesem Konzept keine Obergrenze, rein das Athleten-Potenzial und die Armee entscheidet, wer in die RS aufgenommen oder remilitarisiert wird. Fabian Recher wird der erste Rollstuhlsport-Rekrut. Wie profitieren beide Seiten voneinander? Bereits durch die Sichtbarkeit wird die Wahrnehmung verbessert und ein Näherkommen unumgänglich, da man längere Zeit miteinander verbringt. Somit gibt es auch Raum für Austausch, der für beide Seiten wertvoll ist und beide Seiten für die Anliegen sensibilisiert. Der Sport ist hier der gemeinsame Nenner oder Vermittler, der wahre Wunder wirken kann in der Ver ständigung. Du hast ja diesen Weg in die Spitzensportförderung der Armee mit den Snowboardern schon einmal beschritten. Was ist beim Rollstuhlsport anders? Die Ausbildung der Armee war früher eine Grünausbildung (Schiessen, Marschieren usw). Hier hat sich seither einiges verändert und Türen geöffnet. Die Freestyler waren damals die Exoten im Spitzensport, was zu Beginn mit den Rollis ähnlich sein wird. Heute sind die Freestylerinnen jedoch nicht mehr wegzudenken, und genau auf diesen Moment freue ich mich für den Rollstuhlsport in der Schweiz! Paracontact I Winter 2021
ROLLSTUHLSPORT
FRAUENPOWER IM SPORT
Von der Spitzenläuferin zur Rollstuhlsporttrainerin Monika Vifian engagiert sich seit rund 30 Jahren in verschiedenen Funktionen für die Leichtathletik im Breiten- und im Leistungssport und ist seit Anfang 2021 Nachwuchsverantwortliche Leichtathletik im Rollstuhlsport. Von Gabi Bucher
Frauenpower im Sport? Davon hatte und hat Monika Vifian eine ganze Menge. In jungen Jahren war sie Spitzensportlerin über 800 m. «Ich bestritt den letzten Länderkampf mit Meta Antenen, sie hat damals den Frauensport salonfähig gemacht.» Nach ihrer Karriere machte sie die Trainerausbildung und ist im Moment im Ausbildungskader von Swiss Athletics im Mittel- und Langstrecken sport. Sie sei oft die einzige Frau gewesen in der Ausbil dung. «Ich hatte Glück, dass meine Eltern so offen waren. Spitzensport für Frauen war lange verpönt. Als Mädchen oder junge Frau lernte man früher eher einen Beruf oder half zu Hause.» Gefahr in der Männerriege Monika hat ihr Leben lang Sport gemacht, gab Aquafit-Kurse für die Rheumaliga, war Expertin im Erwachsenensport und leitete unter anderem auch den Turnverein in Rothrist. «Eine Männerriege», erklärt sie, da sei schon mal ein Spruch gefallen. «Nach dem ersten Training erzählten sie mir, sie hätten vor lauter Muskelkater nicht mehr Treppen steigen können. Damals war ich halt sehr fit», sagt sie lachend. Schwieriger sei teilweise die Akzeptanz der Frauen zu Hause gewesen. «Eine Frau hat ihrem Mann sogar verboten, weiter zu mir ins Training zu kommen».
Von Beat Fäh, Nationaltrainer Leichtathle tik RSS, erhielt sie vor zirka zweieinhalb Jahren die Anfrage, ob sie Trainer Paul Paracontact I Winter 2021
Odermatt im Nachwuchstraining unterstützen könne. Monika Vifian fand Gefallen an der Tätigkeit und wurde Anfang 2021 Nachwuchsverantwortliche als Assistenz von Paul. Als sie zusätzlich den «Trainer A» absolvierte, die höchste Verbandsausbildung, entschied sie sich, diesen im Rollstuhlsport zu machen. Monika merkte schnell, dass das Training der Rollstuhl fahrer jenem der Fussgänger sehr ähnlich ist. «Die Roll stuhlfahrer machen einfach mehr Kilometer», fasst sie zusammen. Es gebe auch keinen Unterschied zwischen den Trainingsplänen für Mädchen und Jungs. «In diesem Alter können Mädchen genauso viel leisten wie Jungs, wenn nicht sogar mehr.» Natürlich sei die Menstruation wie auch bei Fussgängerinnen ein Thema. «Die einen haben mehr Schmerzen als die anderen.» Mit der Sportmedizin vor Ort hätten sie aber die Möglichkeit, auf allfällige Probleme diesbezüglich einzugehen. «Und an den jährlichen Testing Days wird alles abgecheckt, auf sport medizinischer und psychologischer Ebene. So haben wir viele Daten über unsere Nachwuchsathletinnen und -athleten.»
nach einer kurzen Nackenmassage, was sie wohl früher kaum getan haben.» Der Nach wuchs bekommt ihre Frauenpower aber auch anderweitig zu spüren. «Ich bin stren ger als Paul, das gibt er auch zu. Aber wenn man Spitzenathletin werden will und da bei teilweise vom Verband unterstützt wird, muss man auch etwas leisten.» Frauenpower im Sport zeigte sich auch an den diesjährigen Olympischen und Paralympischen Spielen. Es erstaunt Monika nicht, dass die Frauen so abgeräumt haben. «Frauen haben mehr Biss und man sagt ihnen nach, dass sie mehr Schmerz aushalten können.» Dass man sich jetzt vermehrt dem Frauenthema widme im Sport, findet sie gut, «aber man sollte es nicht zuspitzen, das wäre schade. Es ist wichtig, Gefässe zu schaffen, in denen man Frauen abholen kann, aber im gesunden Mass. Frauen sollen für ihre Leistungen wahrgenommen werden und nicht dafür, dass sie sie als Frauen erbringen!»
Frauen mit Biss Dass jetzt neben Paul auch eine Frau anwesend im Training ist, sei sicher von Vorteil. «Wenn es gilt, mal bei Transfers anzupacken, ist das nun sicher angenehmer für die Mädchen, und ab und zu fragen sie 37
ROLLSTUHLSPORT
GIRO SUISSE 2021
Breitensport vom Feinsten Nach der Jubiläumstour im letzten Jahr tourte der Giro Suisse 2021 von der Zentral- in die Ostschweiz. Viele erfahrene und auch neue Giro-Teilnehmende belebten die Radwege mit ihren Handbikes. Von Thomas Hurni
Nach dem grossartigen Giro Suisse 2020 war die Vorfreude beim OK und dem Staff mindestens so gross wie bei den Hand bikerinnen, die am Dienstag, 24. August am früheren Vormittag auf der Leichtathletikanlage beim SPZ eintrafen. Begeisterte zeka-Rollers Pünktlich um 11.00 Uhr schickten die Gäs te rund um SPV-Direktor Laurent Prince und SPZ-CEO Dr. Luca Jelmoni die 21 erwartungsfrohen Giro-Teilnehmenden auf die erste Etappe nach Aarau. Kühles, aber trockenes Wetter begleitete die HandbikeGruppen durchs Suhrental nach Aarau. Dort wurde der Giro-Tross von den zekaRollers des RC Aargau frenetisch empfangen. Zusammen mit dem Vorstand wurde die erste Etappe bei gemütlichem Beisammensein gefeiert.
LUST AUF MEHR GIRO? Der Giro Suisse 2022 goes West. Vom 23. bis 28. August 2022 ist der Giro als «Tour de Romandie» unterwegs. Die detaillierten Infos folgen im März 2022. Das OK freut sich auf viele begeisterte Rollstuhlsportler*innen.
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«Dr Aare naa…» Mit Begeisterung wie bei der Ankunft applaudierten die Lernenden des zeka Aarau allen Giro-Teilnehmenden zum Start der zweiten Etappe. Der Weg führte den GiroTross gemütlich an der Aare entlang. Kurz vor dem Etappenziel, die Rehaklinik in Bellikon, mussten für den kontinuierlichen Anstieg die Reserven angezapft werden. Mit einem sonnigen und begeisterten Emp fang wurde die Giro-Gruppe belohnt. Zusätzlich wurden alle mit einem fantastischen Abendessen (offeriert von der Rehaklinik Bellikon) entschädigt. Abgerundet wurde der Kurzaufenthalt in Bellikon mit einer Liveschaltung nach Tokio ins Schweizer Lager der Paralympics. Königsetappe über Deutschland nach Schaffhausen Mit über 60 Kilometern führte die längste Etappe des Giro 2021 von Brugg nach Schaffhausen. Dabei überquerten die Rollstuhlsportlerinnen die Landesgrenze und
wagten sich auf die Velowege des grossen Kantons. Mitglieder des RC Winterthur/ Schaffhausen empfingen den Tross mit ei nem Apéro und einem gemütlichen Abend essen. Vom Giro-Etappen-OK zur Teilnehmerin Nachdem Schaffhausen bereits 2020 Etappenort war und die Sportchefin des Roll stuhlclubs, Daniela Moor, sich als Organisatorin ins Zeug legte, liess sie es sich dieses Jahr nicht nehmen, neben den Vorbereitungen der Zielankunft am nächsten Tag gleich selber die Kurbeln in die Hand zu nehmen. So sollte es sein – dass Clubmitglieder des Etappenorts oder -region gleich selber zu begeisterten Teilnehmenden werden. Daniela hat es vorgemacht. Andere werden hoffentlich für künftige Giros motiviert, gleich selber mitzufahren.
Während der vierten Etappe wartete ein Novum auf die Teilnehmenden: Zum ersten Mal konnte bei der Mittagsverpflegung gewählt werden, ob man eine längere, anstrengendere oder eine einfachere, flachere Route zum Etappenziel bestreiten wollte. Bei Sonnenschein begrüsste uns Berlingen als Etappenziel. Das sehr zuvorkommende Personal des Ferienhotels liess schnell heimatliche Stimmung aufkommen und verwöhnte die Giro-Truppe mit einem wun derbaren Grillabend. Für die Weiterfahrt entlang des Bodensees deckte uns Petrus am fünften Tag schon früh mit Regen ein. So suchten wir am Mittag Schutz in einer Scheune und konnten dort die Goldfahrt von Marcel Hug über 5000 m bejubeln. Motiviert von seiner Leistung sprinteten die Giro-Teilnehmenden förmlich dem Ziel in Arbon entgegen. Statt Weltklasse – Giro am See Für die letzte Etappe wartete nochmals eine Neuerung. Der slowUp Bodensee eröffnete dem Giro nie geahnte Möglichkeiten mit einer Fahrt auf verkehrsfreien Stras sen. Trotz strömendem Regen erreichten alle zufrieden und glücklich das Ziel in Wil. Mit einem Apéro (offeriert durch den RC St. Gallen) endete am 29. August der zweite Giro Suisse. Das OK gratuliert allen herzlich zur Weltklasseleistung am Giro Suisse 2021. Paracontact I Winter 2021
ROLLSTUHLSPORT
MEDAILLENSPIEGEL Christopher Stewart EM Bob, 1 × Bronze Jonas Frei WM Bob, 1 × Gold Curling-Nationalteam B-WM, 1 × Silber (Aufstieg in A-Liga)
MEDAILLENGEWINNER
Vorne mit dabei Egal ob drinnen in einer Sporthalle oder draussen bei Wind und Wetter: Unsere Athlet*innen haben sich auch nach der Corona-Pause Edelmetall gesichert. Von Linda Wiprächtiger
Alexandra Helbling EM Leichtathletik, 1 × Bronze Beat Bösch EM Leichtathletik, 1 × Gold, 1 × Silber Catherine Debrunner EM Leichtathletik, 3 × Gold, 1 × Bronze Fabian Blum EM Leichtathletik, 1 × Silber, 1 × Bronze Marcel Hug EM Leichtathletik, 3 × Gold Patricia Eachus EM Leichtathletik, 2 × Gold
Fulminant startete der Bobpilot Jonas Frei zu Jahresbeginn. Der 23-Jährige sicherte sich an der Heim-WM in St. Moritz den Weltmeistertitel, was zugleich die erste WM-Goldmedaille im Parabob für die Schweiz ist. Routinier Christopher Stewart holte knapp zwei Wochen später Bronze an der EM in Frankreich. Aufstieg gesichert Sieg um Sieg ins Final spielte sich das Curling-Nationalteam an der B-WM in Finnland. Nur gegen die USA reichte es am Schluss knapp nicht. Mit der Silbermedaille ist die Schweiz nicht nur zurück in der A-Gruppe, sondern hat sich damit auch den Quotenplatz an den Paralympics 2022 in Beijing, CHN gesichert.
Nicht nur auf dem Eis lief alles glatt, auch das Rugby-Nationalteam hat den Aufstieg in die A-Liga geschafft. An der B-EM in Polen gingen alle fünf Spiele zugunsten der Schweiz aus. Ob sich die Rugbyspieler in der europäischen Top-Liga behaupten können, sehen wir im Februar 2022 an der A-EM in Paris. Medaillenregen Für viele Leichtathletinnen und Leichtathleten war die EM in Polen eine zusätzliche Standortbestimmung und die letzte QualiParacontact I Winter 2021
fikationsmöglichkeit für die Paralympics in Tokio. Einmal mehr zeigte sich, die Schweiz gehört in Europa klar zur Spitze. Mit insgesamt 18 Medaillen reiste die Schweizer Delegation nach Hause. Von der Bahn auf die Strasse. Für die Paracycling-Athletinnen und -Athleten ging es Schlag auf Schlag. Nach dem Medaillenregen an der EM in Oberösterreich zeigten die Schweizer auch an der WM in Portugal hervorragende Leistungen. In fast allen Rennen wurde erst im Schlusssprint entschieden, wer Edelmetall nach Hause trägt. Immer wieder top Der Wasserskiathlet Christophe Fasel zeigt immer wieder eindrücklich, dass er international zu den Topathleten gehört. So auch an der EM in Griechenland. Im Slalom fuhr Fasel auf Rang zwei. Mit seiner Performance in der Disziplin Tricks sicherte sich der Schweizer nicht nur Gold, sondern stellte gleichzeitig einen neuen Europarekord auf. Gratulation Die SPV gratuliert den Medaillengewinnerinnen und -gewinnern sowie ihren Trai ner*innen und Staff herzlich zu den diesjährigen Erfolgen und wünscht alles Gute für die kommende Saison.
Alain Tuor EM Para-cycling, 1 × Gold, 1 × Silber Benjamin Früh EM Para-cycling, 1 × Bronze Fabian Recher EM Para-cycling, 1 × Bronze Heinz Frei EM Para-cycling, 2 × Silber Sandra Graf EM Para-cycling, 1 × Gold Silke Pan EM Para-cycling, 1 × Gold, 1 × Silber Fabian Recher WM Para-cycling, 1 × Bronze Sandra Graf WM Para-cycling, 1 × Bronze Sandra Stöckli WM Para-cycling, 1 × Silber Silke Pan WM Para-cycling, 1 × Bronze Rugby-Nationalteam B-EM, 1 × Gold (Aufstieg in A-Liga) Christophe Fasel EM Wasserski, 1 × Gold, 1 × Silber Die Resultate der Paralympics sind auf Seite 31 aufgelistet.
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VERMISCHTES
GEMEINWOHL
Sponsorenlauf HaitiRehab verwirklicht Rehabilitationsprojekte in Haiti. Alljährlich veranstaltet der Verein in Nottwil einen Sponsorenlauf. 31 Teilnehmende legten im Rollstuhl, zu Fuss oder mit dem Spitaltrottinett insgesamt 307 Runden auf der 400-m-Bahn zurück.
VERANSTALTUNG
ParaRomandie
ÖV
Begleiterkarte SBB Die Ausweiskarte für Reisende mit einer Behinderung wird 2022 auf den SwissPass integriert. Die Migration erfolgt gestaffelt nach Wohnkanton. Ab diesem Zeitpunkt kann die Begleiterkarte vorzugsweise via Kontaktformular (sbb.ch/ begleiterkarte) oder per Post beim SBB Contact Center beantragt werden. Vorgängig eingereichte Anträge werden bis zum Migrationsmonat aufbewahrt und können nicht früher bearbeitet werden. Nach Abschluss der Migration sämtlicher Wohnkantone ist die Papierkarte nicht mehr gültig und bei einer Kontrolle wird nur noch die Begleiterkarte auf dem SwissPass akzeptiert. Eine E-Mail oder SMS informiert darüber, wenn der SwissPass ausgestellt resp. die Leistung Begleiterkarte auf den SwissPass migriert wurde. Ab diesem Zeitpunkt ist die Papierkarte ungültig und kann entsorgt werden. Informationen/Zeitplan www.sbb.ch/ begleiterkarte 40
Nach 2017 und 2019 organisierte die Clinique romande de réadaption (CRR) in Sion am 28. August zum dritten Mal einen Tag für und über Menschen im Rollstuhl. Diese für alle offene Veranstaltung will eine Plattform bieten, um sich zu treffen, sich zu informieren und zu sensibilisieren. Durch Diskussionsrunden, Workshops, Vorfüh rungen und Messestände lernten Besu cherinnen und Besucher das Leben von Menschen mit einer Behinderung kennen.
Highlights Die diesjährige Austragung war dem Wohl befinden gewidmet und wollte aufzeigen, dass eine Behinderung nicht daran hindert, sich wohlzufühlen, sich um sich selbst zu kümmern und aktiv zu sein. Zu den Höhe punkten des Tages gehörte das Podiumsgespräch, das Christine Savioz, Journalistin bei «Le Nouvelliste», mit den beiden Rollstuhlfahrern Aude Jardin und Jérôme Bagnoud führte, sowie eine Modenschau mit Models im Rollstuhl.
POLITIK
IV-Ausweis Der Ständerat hat in der Herbstsession einen Vorstoss angenommen, der für Menschen mit Behinderung deutliche Erleichterungen bringt. Die Motion von Nationalrat Christian Lohr forderte die automatische Zustellung des IV-Ausweises an Personen, die eine Hilf-
losenentschädigung (HE) beziehen, so wie das bei Personen der Fall ist, die eine IVRente erhalten. Damit wird der Zugang zu Vergünstigungen Privater für Menschen mit Behinderung ermöglicht. Eine besondere Bedeutung hat die Neuregelung für Kinder, die seitens IV keinen anderen Aus weis erhalten können. Paracontact I Winter 2021
INKLUSION
PUBLIKATION
WeThe15
Hindernisfrei bauen
15 % der Weltbevölkerung lebt mit einer Behinderung. Die globale Kampagne «WeThe15» rückt diese 15 % in den Fokus der Öffentlichkeit und fordert mehr Gleichberechtigung. Lanciert wurde die Aktion am 19. August. Zu diesem Zweck wurden weltweit 125 Gebäude in violettes Licht getaucht, darunter das Münster in Bern, der Jet d’eau und der Palais Wilson in Genf und das Olympische Museum in Lausanne. Zur Kampagne www.wethe15.org
SPS
Zeitgemässes Wohnen fordert eine hin- Die Publikation erschien erstmals im Okdernisfreie Gestaltung von Wohnräumen. tober 2017. Nun rückte sie Pro Infirmis mit hilfe einer Social-Media-Kampagne und Das Buch «Zukunftsweisend umbauen – einer entsprechenden Landingpage erneut hindernisfrei wohnen» zeigt in 15 Praxisbei in den Fokus. spielen das Potenzial für Umbaumassnahmen bei Mehrfamilienhäusern. Die reich illustrierte Publikation bietet nicht nur Anschauungsmaterial realisierter Objekte, sondern auch konkrete Hinweise und Lösungsvorschläge für neue Projekte mit pra xisnahen Plänen und Detailzeichnungen. Die Publikation dient als Orientierungshilfe für Planer und Beraterinnen und ist Referenz für die Immobilienbranche, für Entscheidungsträger und Eigentümerinnen gleichermassen.
Neuer Stiftungsrat Matthias Lötscher
Informationen www.proinfirmis.ch/wohnen
Matthias Lötscher wurde in den Stiftungsrat der Schweizer Paraplegiker-Stiftung (SPS) gewählt.
VERANSTALTUNG
Messe Rollivision Der 35-Jährige aus Marbach LU arbeitet als Rechtsanwalt in Zürich. 2005 verunfallte er beim Skispringen und wurde zum inkompletten Tetraple giker. Matthias Lötscher ist u. a. auch im Vorstand des Vereins Hindernisfrei Bauen Luzern (HBLU) und Mitglied des Verwaltungsrates der Bergbahnen Sörenberg. Paracontact I Winter 2021
Rollivision heisst die traditionelle Messe für Rollstuhlfahrer*innen, die Orthotec 19-mal auf dem Campus Nottwil veranstaltet hat. Nun macht Orthotec gemeinsame Sache mit der Messe Luzern und überführt die Rollivision in die Swiss Handicap, die Messe für Menschen mit und ohne Behinderung. Die Swiss Handicap findet nächstes Jahr vom 2. bis 4. Dezember 2022 statt. Rund 120 Aussteller werden erwartet. Informationen www.swiss-handicap.ch
MARATHON
Gesamtsieg Zum dritten Mal in Folge gewann Manuela Schär vorzeitig die Serie der Abbott World Marathon Majors, die aus sieben Wettkämpfen bestand. Nach fünf Siegen war der Abstand auf die Zweitplatzierte so gross, dass die Krienserin bereits vor dem letzten Rennen in New York nicht mehr von ihrem Spitzenplatz zu verdrängen war. Bei den Männern fiel die Entscheidung, ob der Gesamtsieger Marcel Hug oder Daniel Romanchuk heisst, in New York. Der Marathon fand erst nach Redaktionsschluss statt. 41
FOKUS
IM GESPRÄCH
Spuren im Schnee
Seit 30 Jahren wird in Sörenberg Monoskibob gefahren. Ein Rückblick mit dem Initiator und früheren Koordinator Sepp Zemp. Von Gabi Bucher
Sepp Zemp, von allen Söpp genannt, Land wirt aus Schüpfheim und Vater von drei Kindern, war jahrelang Schneesportlehrer und Koordinator der Monoskibobkurse in Sörenberg. Wie kein anderer hat er diesen Sport geprägt. Wie kam der Monoskibob nach Sörenberg? André Deville hat den Monoskibob nach Sörenberg gebracht. Ich lernte André in der Schneesportschule Sörenberg kennen. Er war von 1980 bis 1997 Ressortchef Roll stuhlsport der SPV und förderte meinen Bruder Erwin in der Leichtathletik und im Schiessen, nachdem dieser 1976 in den Roll stuhl kam. 1987 besuchten die beiden in Engelberg einen Workshop über Skiunterricht für Menschen mit einer körperlichen Beeinträchtigung. Da wurden Wintersport geräte vorgestellt, das waren unmögliche Dinger, viel zu schwer und ungelenk. Ein Walliser Skilehrer, Raymond Schneebeli, war aber daran, Monoskibobs zu konstruieren. Diese waren revolutionär, eine Sitzschale auf gefedertem Unterteil mit Sche rengitteraufbau (Söpp zückt einen alten Artikel mit einem sehr jungen Peter Gilomen in einem dieser Bobs). Der Walliser Paraple giker Jacques Blanc fuhr diesen Bob. André lud ihn ein, damit er ihn in Sörenberg präsentiert. Danach stellte Raymond Schneebeli uns fünf bis sechs Bobs zur Verfügung und wir begannen mit dem Unterricht. Ihr habt mit dem Unterricht begonnen ohne Ausbildung und Erfahrungen? Einerseits waren wir ja alle Skilehrer, aber wir haben den Bob natürlich zuerst selber ausprobiert. Ich sass drin, André las vor, 42
Das Seil am Bob gibt Sicherheit Paracontact I Winter 2021
was wie gemacht werden soll und mein Cousin Joseph Schmid stand daneben und schaute zu. Ich habe schnell gemerkt, dass wir etwas finden mussten, was künftige Fahrerinnen und Fahrer unterstützt, damit der Bob nicht davonfährt oder sie umfallen. So ist die Idee mit dem Seil entstanden, mit dem wir Anfänger sichern und unterstützen. Das war unsere eigene Methode. Anderswo übten die Fahrerinnen in einer Art Senke, dort konnten sie aber nicht wirklich fahren, nur sich drehen und sich nach hinten und vorne schieben. Auf der richtigen Piste waren sie dann oft überfordert. Unsere Methode mit dem Seil gefiel jedoch nicht allen. Wir durften uns den Vorwurf anhören, wir würden die Leute von uns ab hängig machen und wir sollen sie von Anfang an alleine fahren lassen. Aber unsere Teilnehmenden hatten Freude und waren am Abend jeweils noch einigermassen heil (lacht). Das Seil verleiht Sicherheit und nimmt die Panik. Wenn wir es loslassen, begleiten wir die Anfängerinnen und Anfänger an der unteren Seite des Bobs auf derselben Höhe, damit sie wissen, dass sie jetzt selbstständig unterwegs sind. Wann fanden die ersten Kurse statt? Im März 1991 hatten wir die ersten Gäste im Sörenberg, das waren Andi Gautschi und Vreni Stöckli. Sie kamen mit Monika Schachschneider, damals Sportlehrerin im SPZ. Monika war jeweils ziemlich nervös, wenn sie mit Patienten bei uns war. Das war aber verständlich, sie wollte sie unbedingt wieder heil mit nach Hause nehmen. Dann kam bald Ursula Joss ins Spiel, sie war damals bei der SPV zuständig für den Breitensport. Sie wurde unsere Ansprechpartnerin und organisierte Drei- und Fünf-TagesKurse und Schnuppertage, da ging es dann so richtig los. Ihr habt eure Methode auch in Italien vorgestellt, wie kam das? Ursulas damaliger Partner hatte Verbin dungen nach Italien und er erzählte dort von unserer Methode. Die Italiener wollten sehen, wie wir das machen, und so sind Joseph Schmid und ich runtergefahren ins Val Zoldana mit viel Material und vier Roll stuhlfahrerinnen und Rollstuhlfahrern. Das war im Dezember 1993. Die italienischen Instruktoren blieben skeptisch, bis wir ihre
Tüftlergeist und Monoskibob-Pionier
Fahrer ans Seil nahmen. Nach vier Tagen fuhren alle selbstständig. Bei diesem Event war die Skischule von Cortina auch vor Ort und lud uns ein, drei Wochen später bei ihnen einen Kurs durchzuführen. Da sie dort nur Italienisch sprachen, liessen wir uns vorgängig die wichtigsten Sätze für die Ausbildung auf Italienisch übersetzen und übten diese, damit wir uns einiger massen verständigen konnten. Im Notfall hätte aber einer der Skilehrer etwas Deutsch verstanden. Nun hat sich ja einiges verändert an den Bobs in dieser Zeit? Verschiedene Firmen fingen an, Bobs zu bauen. Einige hörten wieder auf, weil der Markt zu klein war. Ende der Neunzi gerjahre wurden die Kinderbobs populär durch Maria Walliser und ihre Tochter Siri. Dann folgten die ersten Dual-Bobs mit zwei Skiern. Vor zirka sechs Jahren begann Simon Weber, Maschineningenieur und Mitentwickler der Stoos-Bahn, ebenfalls Bobs zu bauen. Die waren designt «bis a Bach abe». Er brachte uns Modelle vorbei und wurde bei seinem nächsten Besuch kreidebleich, als er sah, wie wir seine Designerstücke mit Löchern und Drähten ver sehen haben. War er beleidigt? Nein, im Gegenteil, er hat schnell begriffen, dass jeder bei uns ein Einzelfall ist. Er hat mittlerweile das «Impulse»-Fahrwerk kreiert. Die Bohrungen sind so angebracht, dass wir alle Schalen draufsetzen können. So ist dasselbe Modell auch für hohe Schalen möglich, was uns sehr entgegenkommt. Wir sind Verfechter von hohen Schalen,
du gehst ja auch nicht mit Halbschuhen Skifahren. Sobald die Fahrerinnen und Fahrer mehr Halt haben, kann man die Schalen mit der Stichsäge zurechtschneiden oder etwas rausnehmen, falls es drückt. Wir haben in Sörenberg jetzt zehn bis zwölf solche «Impulse»-Fahrwerke und können von 50 Schalen auswählen, je nach benötigter Höhe und Breite. Wir tüfteln viel: an den Dämpfungssystemen, der Verlagerung des Gewichts, den verschiedenen Positionen der Sitzneigung, und haben auch viele verschiedene Skier, die man ausprobieren kann. Welche Rolle spielt der Ski beim Bob? Der Ski spielt eine sehr grosse Rolle. Wenn er zu hart und in der Torsion zu steif ist, wird das Fahren schwierig. Ich sehe schon nach den ersten Minuten, ob sich ein Ski eignet oder nicht. Manchmal wollen die Fahrer ihren eigenen Lieblingsski fahren und müssen dann einsehen, dass der sich nicht eignet für den Monobob. Eine Fahrerin brachte mal ihren eigenen, präparier ten und geschliffenen Ski, kam aber nicht zurecht damit. Ich bot ihr einen von uns an und gab vor, er sei ebenso präpariert und frisch geschliffen wie der ihre. Es funktionierte wunderbar. Der Ski hatte aber seit zwei Jahren keine Feile gesehen und war total rund und weich, ich musste sie etwas anlügen, damit sie dem Ski eine Chance gab! Simona de Agostini fuhr mal drei Tage hier, dann wollte sie am vierten Tag ihren Lieblingsski ausprobieren, den sie als Fuss gängerin benutzt hatte, aber damit ging rein gar nichts mehr. Das erleben wir häufig. Oft liegts am Ski und nicht am Fahrer, wenns nicht klappt.
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Paracontact I Winter 2021
Ihr konntet bestimmt viele Erfahrungen sammeln in den letzten Jahren? Wenn wir nach den Kursen am Abend jeweils gemeinsam im Auto nach Hause fuh ren, sprachen wir über nichts anderes als darüber, was alles gelaufen ist. Jeder hat profitiert von der Erfahrung des anderen und ich habe 30 Jahre lang jeden Tag etwas Neues gelernt. Jede Person ist anders, es kommt auf die Lähmungshöhe an, auch auf die noch vorhandene Beweglichkeit. Wenn man anfänglich alles abklärt, kann man das Optimum herausholen. Und ich habe oft einen unserer Skilehrer gebeten, sich in den Bob zu setzen, ohne zu erklären, worum es ging. So konnte ich beobachten, was wie funktioniert und viel lernen dabei. Einer meiner Leitsätze ist: «Die Nebenwirkungen der Massnahme sind grösser als die Massnahme selber.» Nehmen wir an, wir wollen gegen den Berg kippen und es funk tioniert nicht, dann bitte ich die Fahrerin, mit dem bergseitigen Arm breit zu werden und schon beginnt sie leicht zu kippen. Was waren die schönsten Momente für dich in all diesen Jahren? Es gab jeden Tag schöne Momente. Am Abend hast du immer mehr bekommen, als du gegeben hast. Schöne Momente waren zum Beispiel auch die Sessellift-Trainings in Grindelwald und in den Flumserbergen. Wir hatten damals noch keine Sessellifte in Sörenberg. Oder all die Momente mit den Kollegen und Ursula, wenn wir in der Schwarzenegg noch Kaffee tranken und sich dann die Talfahrt ziemlich lustig gestaltete. Und die vielen schönen Begegnun gen – Daniela Jutzeler war bei uns, Edith Hunkeler auch. Und Manuela Schär kam als kleines Mädchen schon vorbei. Sie hat te damals ein Klettband um die Beine, an diesem konnten wir sie aufheben und in den Bob transferieren, so klein und zart war sie. Und wenn sie jeweils den Helm auszog und ihr Käppi überstülpte, musste ihr Rossschwanz immer durch die Öffnung des Käppis gezogen werden. Sie ist eine gute Skifahrerin, mit etwas Training wäre sie sofort vorne mit dabei! Ich habe sie und Marcel Hug im Jugendskilager in der Lenk betreut. Einmal lud die Firma Rossignol den italienischen Skirennfahrer Alberto Tomba als Gast an die Eröffnungs-
Ein Herz für grosse und kleine Schützlinge
feier ein. Die Kids waren alle total aus dem Häuschen. Paul Berlinger, Vertreter von Rossignol Ski und ich haben abgeklärt, ob Alberto ein Autogramm auf Manuelas und Marcels Jacken geben würde. Marcel hat seine Jacke ohne viel Worte ausgehändigt, Manuela aber hat gesagt: «Äuä chuum, der muss mir meine Jacke nicht verkritzeln, ich bin nicht Tomba-Fan.» Du bist ja seit ein paar Jahren nicht mehr Koordinator der Kurse in Sörenberg. Wie war es für dich, die Leitung abzugeben? Natürlich war es nicht ganz einfach, aber es ist der Lauf der Dinge. Richard Studer und Fabian Emmenegger führen jetzt den Laden. Richard kümmert sich mehr um die Administration, Fabian ist der «Stallchef» auf der Rossweid und wartet vor allem das Material. Ich weiss, dass sie alles in meinem Sinn weiterführen, mit den nötigen Veränderungen und Anpassungen. Sie haben ein super Team um sich und ich verstehe mich bestens mit ihnen. Wenn sie mich brauchen, helfe ich jederzeit gerne aus und gehe ab und zu vorbei und schaue zu. Jetzt kann ich aber vermehrt selber Ski fahren. Ein herzliches Dankeschön! Sepp ist massgeblich dafür verantwortlich, dass das Skiangebot in Sörenberg das ist, was es heute ist, auch wenn er selbst, be-
scheiden wie er ist, diesen Erfolg als Teamleistung bezeichnet. Für ihn ist sein unermüdlicher Einsatz selbstverständlich. Söpp ist überall gern gesehen und geschätzt, wohl nicht zuletzt, weil er sich ganz auf sein Gegenüber konzentriert und sich von nichts ablenken lässt. Rollstuhlfahrer fragt er anfänglich, was noch möglich ist, was sie noch spüren, wo allfällige Probleme liegen. In seinen Pausen setzt er sich zu den Fahrerinnen, hört zu und erlaubt sich auch den einen oder anderen Spruch, immer mit dem nötigen Respekt. Denn Söpp sitzt durchaus auch der Schalk im Nacken. Legendär ist die Aussage zu Weisungen der Ansprechpartner bei der SPV: «Wenn sie was sagen, nicken wir alle und sagen ja, ja. Und dann machen wir es so, wie wir es für richtig halten.» Unvergesslich auch sein «Computer», ein kleines Büchlein, welches er in der Brusttasche seiner Jacke aufbewahrt und in dem all seine wichtigen Da ten «gespeichert» sind. Söpp hat unzählige Stunden in den Skisport investiert. Seine Begeisterung für die Sa che ging so weit, dass er mit einem Preis, den ihm der Kiwanis-Club verliehen hatte, einen neuen Bob kaufte. Das ist Söpp, wir danken ihm von Herzen für alles und hoffen, ihn immer wieder und noch möglichst lange anzutreffen für einen Schwatz, um Erinnerungen auszutauschen und uns eine seiner vielen Geschichten anzuhören.
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FOKUS
QUERSCHNITTGELÄHMTE DES JAHRES
Galina Gladkova und Karl Emmenegger
Anfang September ehrte die Schweizer Paraplegiker-Stiftung zum 28. Mal in Nottwil zwei Querschnittgelähmte. Von Gabi Bucher
Am 5. September, dem internationalen Tag der Querschnittgelähmten, wurden die Basler Ballett-Lehrerin Galina Gladkova-Hoffmann und der frühere Lebensund Laufbahnberater Karl Emmenegger zu den Querschnittgelähmten der Jahre 2020/21 gewählt. GALINA GLADKOVA Geboren: 15.6.1959 Behinderung: Tetraplegikerin Beruf: Choreografin und Tanzlehrerin, dipl. Kultur managerin MAS Uni BS, dipl. Kontrabassistin Hobbys: Fotografie, Musik, Automobilsport Der lange Weg Galina Gladkova wurde in Kanada als Kind russischer Eltern geboren. Ihre Kindheit verbrachte sie in Toronto und begann früh mit Tanzen. Der bekannte Schweizer Cho reograf Heinz Spoerli lud sie nach einem anspruchsvollen Vortanzen in New York nach Basel ein. Sie tanzte viele Jahre als Solistin beim Basler Ballett, später beim Luzerner Ballett, dem Schweizer Kammer ballett, dem Cathy Sharp Dance Ensemble und anderen.
1995 wurde sie in Frankreich von ihrem Pferd geworfen. Der Sturz machte sie zur Tetraplegikerin. Sie habe sofort realisiert, dass sie «in big trouble» sei. «Gleich zwei 46
Rettungsfahrzeuge kamen zum Einsatz, da wir eine Departementsgrenze überqueren mussten», erinnert sie sich. Nach der lebensrettenden Operation im Unispital Besançon hätten sie gut zu ihr geschaut, aber es sei die Hölle gewesen in einem Zimmer ohne Klimaanlage und einer Aussentemperatur von 34 Grad. «Wenn ich das überlebe, schaffe ich alles», habe sie damals gedacht. Die Rega verlegte sie nach einer Woche nach Nottwil. «Die Ärzte haben nicht schlecht gestaunt, als ich im Helikopter während des Flugs ‹It’s a long way to Tipperary, it’s a long way to home› gesungen habe.»
«Mudance» im Schloss von Villersexel, im 2006 ihre eigene «Basel Dance Academy», leitet diese noch heute als Direktorin und Choreografin und bildet junge Profitän zer inklusive Maturaabschluss aus. Durch das Tanzen habe sie die Lebenslust wieder gefunden. «Hätte ich den Tanz nicht, würde ich mich nur auf meine körperlichen Einschränkungen konzentrieren und nicht darauf, was ich machen kann! Mein Beruf ist meine Leidenschaft und trägt mich.» Und sie ist überzeugt: «Es geht nicht um Akzeptanz, sondern um Anpassung, da rum, den Mut zu haben, sich auf das neue Leben einzulassen.»
Leidenschaft Tanz In Nottwil empfing sie Guido A. Zäch. «Er sagte mir, jetzt werde es schwer, aber es werde alles wieder gut.» Und so sei es gekommen, das könne sie heute, 26 Jahre später, bestätigen. Im Schweizer Paraplegiker-Zentrum traf sie den Berufsberater Karl Emmenegger. «Schön, dass wir heute zusammen geehrt werden», freut sie sich. «Als er damals mein Dossier sah, meinte er, eine Balletttänzerin im Rollstuhl, das werde kompliziert.» Aber sie liess sich ihre Passion fürs Tanzen durch den Unfall nicht nehmen. «Tanzen und Querschnittlähmung müssen sich nicht gegenseitig ausschliessen.» Und so arbeitet sie seit ih rer Rehabilitation weiter als Choreografin und Tanzlehrerin. 1999 gründete sie
Russischer Toast mit Weisswein Heidi Hanselmann, Präsidentin der Schwei zer Paraplegiker-Stiftung, zeigte sich in ihrer Laudatio beeindruckt. «Trotz ihres Schicksalsschlages bleibt Galina Gladkova- Hoffmann ihrer Leidenschaft treu und gibt ihre Motivation und ihr Flair für das Tanzen an junge Menschen weiter, damit auch sie im Tanz ihre Erfüllung finden.» Sie lebe Inklusion täglich und inspiriere damit zahl reiche Mitmenschen. «Das verdient grossen Respekt.» Galina Gladkova zeigte sich gerührt über die unerwartete Ehrung. Sie hat Dr. Guido Zäch für seine geniale Weitsichtigkeit gedankt und alle Gäste gebeten, sich nach russischem Brauch zu einem Toast zu erheben, zwar ohne Wodka, aber mit viel Emotionen. Paracontact I Winter 2021
KARL EMMENEGGER Geboren: 19.2.1952 Behinderung: Paraplegiker Beruf: dipl. Berufs- und Laufbahnberater und Jobcoach Hobbys: Modellfliegerei und Saxofon spielen Das Beste ist der Kopf Ein Autounfall Mitte zwanzig veränderte das Leben des damaligen Spitzenhandbal lers Karl Emmenegger schlagartig. Er erin nert sich noch ganz genau an den Unfall, ausgelöst durch einen Sekundenschlaf am Steuer. «Es krachte, ich erwachte und wuss te sofort, was Sache ist.» Er habe sich überlegt, sich umzubringen, gleich vor Ort. Eine Art Wachtraum hat ihn davon abgehalten. Im Paraplegiker-Zentrum Basel hat Guido A. Zäch ihn empfangen und ihm Mut zugesprochen, allerdings auch erklärt, er wür de nie mehr gehen können. «Und dann hat er angefügt, dass das Beste, was ich habe, mein Kopf sei, der funktioniere noch. Aber für mich war damals mein Körper das Wichtigste, nicht mein Kopf.» Er werde es
schaffen, habe Guido A. Zäch gesagt, und wenn mal etwas schieflaufe in seinem Le ben, seien sie da für ihn. «Das hat mir Mut gemacht», erinnert sich Karl. Kommunikativ, authentisch und ehrlich Karl Emmenegger liess sich zum Erwachsenenbildner umschulen. 1990 erarbeitete er mit Berufskolleginnen und -kol legen ein Konzept, wie sie sich die berufliche Wiederein gliederung Querschnittgelähmter vorstellen. Er unterbreitete den Vorschlag Guido A. Zäch. «Das machen wir, und du wirst der Chef», war seine Antwort. «Ich erwiderte, ich sei kein Berufsberater, da meinte Guido Zäch, dann wirst du es!» So begann seine Karriere. «Karl Em menegger hat vielen Leuten Mut gemacht und neue Perspektiven aufgezeigt», sagte Heinz Frei in seiner Laudatio. «Als ehema liger Leiter der ‹ParaWork›, einer Abteilung des SPZ, war Karl Emmenegger massgeblich daran beteiligt, dass die Schweiz in internationalen Vergleichen den Spitzen-
platz bei der Integration von Querschnitt gelähmten ins Berufsleben einnimmt.» Er habe mit seiner kommunikativen Art un zählige Querschnittgelähmte auf dem Weg zurück ins Leben begleitet. «Er zeigte ihnen auf, worauf man sich vorbereiten muss, und das gelang ihm hervorragend.» Er sei immer authentisch und ehrlich gewesen, habe aber auch vorgelebt, was er von anderen verlangt habe. «Für mich ist er einer der inkludiertesten Querschnittgelähmten überhaupt» schloss Heinz Frei. Zehn gewonnene Jahre Karl Emmenegger, von al len Kari genannt, ist und war immer schon direkt und beschönigt nichts. Er gibt unumwunden zu, dass, wenn es eine Möglichkeit gäbe, wieder ge hen zu können, er sie sofort wählen würde. «Ich wüsste auch, welche Carving Ski ich dann gleich kaufen würde», lacht er. Gleichzeitig bestätigt er aber, ein völlig gleichwertiges und ausgefülltes Leben zu haben, als wäre er Fussgänger. «Das Wichtigste ist, nicht einen eingefahrenen Weg gehen zu wollen, sondern das Schicksal an zunehmen und daraus einen Gewinn zu generieren.» Er zeigte sich geehrt und auch etwas stolz über die Ehrung. «Ich habe wohl nicht alles falsch gemacht», meinte er schmunzelnd. «Mein Nachfolger Stefan Staubli zieht mein Projekt bei ParaWork in meinem Sinn weiter, das freut mich sehr.» Abschliessend bedankte er sich für die frühzeitige Pensionierung, die ihm das Unternehmen ermöglicht hat. In seiner eigenen Firma ist er zwar immer noch als Berufs- und Laufbahnberater tätig, aber er erlebe jetzt seine schönste Zeit. «Damals sprach man von einer Lebenserwartung von 60 Jahren, die habe ich jetzt um zehn Jahre überschritten und geniesse das Le ben in vollen Zügen!»
Herzliche Gratulation Die Schweizer Paraplegiker-Vereinigung gratuliert den beiden Querschnittgelähmten der Jahre 2020/21 und bedankt sich für das grosse Engagement zugunsten aller Rollstuhlfahrer. Paracontact I Winter 2021
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FOKUS
UNSERE HELFER
Hüter der Drachen René Kathriner kümmert sich seit 2003 um das Material der Pilatus Dragons. Von Gabi Bucher
«Ohne ihn läuft bei den Dra gons gar nichts! Er ist Herr über das riesige Ersatzteillager und kein Schaden ist zu gross für ihn. So manches Formel 1-Team wäre froh, ihn in seiner Boxencrew zu haben.» Die Beschreibung des Rollstuhlbasketball-Mechanikers René Kathriner auf der Website der Pilatus Dragons macht neugierig.
Frühling stattfinden, aber im Sommerhalbjahr auch bei jenen der Nationalmannschaft. Dazu kommen all die Spiele und Turniere, und so mit viele Einsätze an Wochen enden. Manchmal ist er bis zu zwei Wochen unterwegs. Aber er habe ja Zeit, meint er. «Und jetzt sind wir dran, eine Frauenmannschaft aufzubauen», erklärt er nicht ohne Stolz.
René und die Drachen René, heute 45 Jahre alt, ehemals Elektromechaniker, erlitt mit 23 Jahren bei einem Autounfall einen mehrfachen Schädelbruch und lag fast ein Jahr im Spital. Im Zentrum für berufliche Abklärung lernte er Thomas kennen, einen MS-Patienten. Dieser fragte ihn, ob er ihn in ein Roll stuhlbasketball-Training begleiten würde, alleine wollte er nicht hin. «Ich dachte, okay, ich geh zwei, drei Mal mit, dann hat er Gspändli gefunden und braucht mich nicht mehr.» Dabei selber in den Rollstuhl sitzen wollte er aber nicht. «Ich fand es daneben, mich im Rollstuhl zu amüsieren.» Beim zweiten Mal liess er sich überreden, «und dann ‹fägte› es ganz einfach», meint er lachend. So fing alles an.
Allzeit bereit René flickt, pumpt, ersetzt und schraubt wann und wo immer nötig. «Während eines Spiels habe ich gerade mal eine Minute Zeit, um auf dem Feld zu flicken. Wenn ich es nicht schaffe in dieser Zeit, muss der Spieler vom Feld und wird ersetzt, bis ich den Schaden behoben habe, ein ziemlicher Druck für mich.» Ganz sel-
Auf Anfrage von Walter Spuler, Manager und Spieler der Dragons, begann René, ab und zu Fotos zu machen. Dann zeigten die Spieler ihm, wie er kleinere Reparaturen optional ausführen konnte. Für diese Beschäftigung war er dankbar, war er doch wegen seines Schädel-Hirn-Traumas 100% arbeitsun fähig. René lernte immer mehr dazu. Mitt lerweile ist er bei den Trainings dabei, die zwei Mal wöchentlich von Herbst bis Paracontact I Winter 2021
ten komme es vor, dass er bei einem Turnier ein klein wenig wegdöse, «lange Präsenzzeiten, heisse Hallen …». Wenn es dann knallt, würden sie nach ihm schreien, während er sich zuerst orientieren müsse, was los sei. Bei wichtigen Spielen passiere aber sowas nie! Und wenn es langweilig werde, kümmere er sich um die Alltagsrollstühle der Jungs, wie er «seine» Spieler nennt, und schaue, was es zu machen gebe. René flickt nicht nur, er begleitet die Spieler auch auf Reisen, lädt ein und aus, schleppt das viele Gepäck, hilft am Flughafen. Wenn nötig springt er selbst beim Training ein, beim Einwerfen, Bälle zurückbringen. «So können sich die Spieler aufs Wesentliche konzentrieren. Wir wollen uns kontinuierlich verbessern, weiterkommen und gewinnen, da muss man dranbleiben.» Und das kann und will René. Genialer Zufall «Das alles ist genau zum richtigen Zeitpunkt gekommen», erklärt René. «Ich hatte keine Ahnung, dass es Rollstuhlbasketball gibt.» Aber es habe ihn total gepackt und vor allem beeindruckten ihn die Spieler mit ihren Leistungen, mit ihrer positiven Einstellung. «Unglaublich, wie locker sie sind», meint er, «ich fühle mich wohl, gut aufgehoben und es relativiert vieles im Leben. Das ist eine absolute Win-win-Situation, einfach nur ein genialer Zufall!» Dem können die Dragons nur zustimmen!
Boxenstopp: René bleibt nur eine Minute 49
FOKUS
FÜR SIE DA
Buongiorno, Bonjour, Guten Tag Am Empfang der SPV kommen viele Fäden zusammen. Seit August 2020 hat Karin Paganini-Fellmann diese fest in der Hand. Von Gabi Bucher
Beruflich ist Karin bei der Post grossge worden, wie sie sagt. Nach der Lehre hat sie noch weitere 20 Jahre dort gearbeitet. Dann folgte der Umzug ins Tessin, bedingt durch die neue Stelle ihres Mannes. Nach gut zehn Jahren kehrte die Familie in die Deutschschweiz zurück. Karin suchte eine neue Stelle und fand diese als Sachbearbeiterin Zentrale Dienste bei der SPV. Einen Bezug zu Rollstuhlfahrern habe sie vorher nicht gehabt, meint sie. «Aber während der Einführungstage haben wir viele wertvolle Informationen erhalten, die mir den Einstieg in die Thematik sehr erleichtert haben.» Zudem ändere es wenig an ih rer Arbeit, ob ihr Gegenüber im Rollstuhl sitze oder nicht und sie sei eh jemand, der es «mit den meisten gut kann», wie sie selber lachend feststellt. 50
Vielseitig aufgestellt Karins Arbeitsgebiet ist vielseitig. Sie küm mert sich um die Jahresfakturierung von 14 Rollstuhlclubs, unterstützt bei der Mitgliederverwaltung und ist zuständig für die Versände, welche die Clubs in Auftrag geben. Dieses Jahr habe es einen Mehr aufwand gegeben, da viele GVs schriftlich durchgeführt werden mussten. Hier kann sie auf die Mithilfe der Lernenden zählen. Als Praxisausbildnerin ist sie zuständig da für, sie in all die anfallenden Arbeitsabläufe einzuführen. «Ich arbeite sehr gerne mit den Jugendlichen, es macht Spass und freut mich zu sehen, wie sie laufend dazulernen.» Drehscheibe Empfang Karin ist auch Anlaufstelle für jegliche Art von Serviceleistungen und Anfragen bei der Geschäftsstelle. Da sind einerseits ex-
terne Kunden, die einen Euroschlüssel oder Rolli-Aufkleber kaufen möchten, sich über Flottenrabatte informieren oder un terschiedlichste Fragen haben. Anderer seits ist sie Drehscheibe für die Mitarbeitenden, wenn Büromaterial oder Hygieneartikel knapp werden oder der technische Dienst aufgeboten werden muss. Auch bei diesen Aufgaben wird sie von den Lernenden tatkräftig unterstützt. «Wir tun unser Bestes, alles nach Wunsch zu erledigen.» Sportliche Lumpen Dann sind da all die Telefonanrufe. Immer noch wähnen sich etliche bei der GönnerVereinigung oder im Paraplegiker-Zentrum. «Das verstehe ich, bevor ich hier zu arbeiten anfing, kannte ich den Unterschied auch nicht», meint Karin beschwichtigend. Und ab und zu sorgen Besucher auch für kuriose Momente. Eines Tages stand ein Chauffeur am Empfang und wollte «Lumpen liefern», wie er sagte. Es stellte sich dann heraus, dass es keine Lumpen waren, sondern die Banden der ParAthletics!
«Ich liebe meine Arbeit und finde es sehr spannend, meine Sprachkenntnisse einset zen zu können», erklärt Karin, welche am Telefon mühelos von Deutsch auf Französisch und Italienisch wechselt, was ihre Bürogspändli oft staunen lässt. Sie mag den Austausch mit den Vorständen der Roll stuhlclubs, kennt aber leider die meisten nicht persönlich. Sie hoffte, dies am Zentralfest zu ändern, leider hat Corona hier einen Strich durch die Rechnung gemacht. Paracontact I Winter 2021
B L A D D E R M A N AG E M E N T
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