Das Magazin der Schweizer Paraplegiker-Vereinigung I Herbst 2020
Mit Stil durchs Leben
Katheterinnen anwender/ leiden tlich an durchschnit
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* Quelle: IC Anwenderumfrage ( Länder: US, UK, DE, NL, FR, IT ), Januar 2016 ( n = 2942 )
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EDITORIAL
Geschätzte Leserinnen und Leser Wenn Sie diese Zeilen lesen, hat die Stabsübergabe bei der SPV bereits statt gefunden. So ein Führungswechsel ist weder ein kompletter Neuanfang noch ein blosses Weiterführen des Bisherigen. In den ersten Monaten ist unsere wich tigste Aufgabe, gemeinsam eine Auslege ordnung zu machen, die Organisation weiterzuentwickeln, bewährte Abläufe zu hinterfragen und aktuelle Stärken wie auch Herausforderungen zu erkennen.
«Vertrauen aufbauen» Mit dieser Auseinandersetzung haben wir anlässlich des Strategieworkshops im Juni begonnen. Es war wichtig, dass sich der abtretende und der neue Direktor gemeinsam mit der Geschäfts leitung während drei Tagen intensiv mit strategischen Fragestellungen befassen konnte. Wir haben dabei wichtige Weichen für die Zukunft der SPV gestellt. Lesen Sie mehr dazu auf Seite 10. Eine Stabsübergabe ist auch ein emotio naler Moment für alle Mitarbeitenden. Es wird unsere Aufgabe sein, Vertrauen für den Wandel aufzubauen, die gute Unternehmenskultur weiter zu stärken
Paracontact I Herbst 2020
und Potenziale zusammen mit dem Team wahrzunehmen. Jeder trägt mit seiner Arbeit, seinen Werthaltungen und seinem Engagement zum Erfolg der SPV bei. Auf diese Übergangszeit freuen wir uns beide gleichermassen, auch wenn es für einen von uns heisst, langsam Abschied zu nehmen. Der dritte und wohl wichtigste Aspekt des Führungswechsels ist die Kunden perspektive. Wir beide wollen diese ersten Monate nutzen, um gemeinsam möglichst viele Rollstuhlclubs zu besu chen, den Dialog mit Ihnen als Mitglied zu führen und unsere Leistungen noch stärker auf Ihre Bedürfnisse auszurichten. Aktuell werden viele unserer Angebote durch das Coronavirus beeinträchtigt, aber das wird sich ändern und darauf bereiten wir uns vor. Mit einem Willkommens- und einem Abschiedsgruss
Laurent Prince, Direktor
Urs Styger
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GO-TRYKE
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Michel, 49-jährig, Tetraplegiker seit 25 Jahren.
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IMPRESSUM
INHALT
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Herausgeberin Schweizer Paraplegiker-Vereinigung Kantonsstrasse 40, 6207 Nottwil Telefon 041 939 54 00 E-Mail spv@spv.ch www.spv.ch Chefredaktorin Evelyn Schmid Redaktion Urs Styger, Gabi Bucher, Nadja Venetz, Felix Schärer, Roger Getzmann, Tanja Müller, Harald Suter, Michael Bütikofer, Daniela Vozza, Tina Achermann Koordination, Grafik, Inserate Tina Achermann Fotos SPV, Titelbild Wisu Bucher, AdobeStock, Daniel Streit/Swiss Paralympic, Rémi Pradier, Ruth Freimüller, Roger Meyer, Judith Bachmann, Naturama, swissultra, BWF Basel 2019, SPS Druck Brunner Medien AG, www.bag.ch Redaktionsschluss Ausgabe Winter 2020: abgeschlossen Ausgabe Frühling 2021: 23.11.2020 Auflage 8100 Exemplare deutsch 4 250 Exemplare französisch In dieser Publikation wird zur Ver einfachung die männliche Form stellvertretend für die weibliche und männliche Formulierung verwendet. Die in der Zeitschrift veröffentlichten Beiträge sind urheberrechtlich geschützt. Nachdruck nur mit Genehmigung der Redaktion. Namentlich gekennzeichnete Fremdbeiträge geben nicht in jedem Fall die Meinung der Redaktion wieder. Ein Abdruck von unverlangt eingesendeten Manuskripten ist nicht gewährleistet.
Paracontact I Herbst 2020
WIR BEWEGEN AKTUELL 6 GEWÄHLT Neu im Zentralvorstand 9 STRATEGIEENT WICKLUNG Ganzheitlicher, persönlicher, gezielter 10 NACHGEFRAGT Neuer Therapiegarten im SPZ 11 LEBENSBERATUNG ARBEITSALLTAG Kein Tag wie der andere 12 UMZUG Von einem See zum anderen 15 RECHTSBERATUNG RENTENREVISION Wo liegen die Grenzen? 16 MEDIZIN UND WISSENSCHAFT GESUNDHEIT Nicht schlafen können HINDERNISFREIES BAUEN DENKMALSCHUTZ Umbau unter Auflagen
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KULTUR UND FREIZEIT EINKAUFSBEGLEITUNG Im Shoppingfieber 22 IN KÜRZE 25 PARAREISEN Endlich wieder Ferien! 26 REISEBÜRO Das Reisen und das Virus 29
DAS PERFEKTE HOBBY Chueli, Dackel & Co. AUSFLUG FÜR DIE FAMILIE Familienfreundlich – natürlich – Naturama DER PERFEKTE AUSFLUG Schaffhausen erkunden
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ROLLSTUHLSPORT GRENZENLOSE NEUGIER Lust auf Leistung 34 IN KÜRZE 36 SPORTERNÄHRUNG Energie auf den Punkt verfügbar machen 39 GIRO SUISSE Los gehts ! 40 VERBANDSLANDSCHAFT 3 Voll integriert oder Klotz am Bein? 42 FREIZEIT Sportangebot für Kinder 43 FOKUS VERMISCHTES 44 IM GESPRÄCH Guido A. Zäch, Edith Zäch, Silvia Buscher 46 UNSERE HELFER Sprachtalent am Flughafen 49 FÜR SIE DA Andreas Heiniger 50
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AKTUELL
AUS DER POLITIK
ROLLSTUHLCLUBS
Hilfsmittelverordnung
35. Geburtstag
Per 1. Juli 2020 traten Änderungen in der Verordnung über die Abgabe von Hilfsmitteln durch die IV (HVI) in Kraft und damit Neuregelungen der Finanzierung von Türautomaten und Treppenliften. Damit wird die bisherige stossende Praxis, Treppensteighilfen nur bis maximal 8000 Franken zu übernehmen, sofern die Hilfs mittel nicht dem Zweck der Ausbildung, des Erwerbs oder der Haushaltsversorgung
dienen, korrigiert. Neu können alle Perso nen unabhängig von ihrer Arbeitsfähigkeit die Ansprüche der bisherigen Ziff. 13.05 geltend machen und erhalten den Treppen lift finanziert, sofern sie die Abgabevoraus setzung erfüllen. Auch die paradoxe Situation, nur einen einzigen Türöffner in einem Mehrfamilien haus zu übernehmen, gehört damit der Vergangenheit an.
ZHB
Der Rollstuhlclub Oberwallis wird 35 Jahre jung. Bis heute ist der Club sehr aktiv. Der Club ist Mitorganisator der 6. Etappe des Giro Suisse. Auf halber Strecke feiert der Club mit seinem Sommerfest den Geburtstag – natürlich mit einem tollen Rahmenprogramm und kulinarischen Köstlichkeiten. Wir gratulieren herzlich und wünschen ein schönes Fest.
NEUE MITARBEITENDE
Hausabklärungen Während des Corona-Lockdowns führte das Zentrum für hindernisfreies Bauen (ZHB) Hausabklärungen virtuell beziehungsweise teilweise virtuell durch. Den Anfang bildete jeweils ein intensiver Austausch mit den Therapeuten des Patienten, um möglichst viele Informationen zu seiner Situation und seinen Ein schränkungen einzuholen. Nach Möglichkeit begut achteten die Architekten des ZHB die Gegebenheiten allein vor Ort und berieten sich währenddessen oder im Nachgang mit dem Betroffenen und seinen The rapeuten per Telefonkonferenz. War keine Begehung möglich, verfasste das ZHB seinen Bericht aufgrund von Fotos und Videos der Örtlichkeiten. Sollte eine reale Besichtigung zum Beispiel aus Gründen der Ent fernung nicht machbar sein, kann sich das ZHB gut vorstellen, auch künftig dieses Verfahren anzuwenden.
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Nicole Rösch
Karin Paganini
Seit Mai verstärkt Nicole Rösch die Zentralen Dienste. Nach ihrer kaufmännischen Lehre bei den Schweizerischen Bundesbahnen war Nicole Rösch 21 Jahre lang für die Perlen Papier AG im Bereich Rechnungswesen und Controlling tätig. Jetzt freut sie sich, in einem Umfeld zu arbeiten, bei dem der Mensch im Zentrum steht.
Ab August beantwortet Karin Paganini als Sachbearbeiterin Zentrale Dienste (ZD) die allgemeinen Anfragen unserer Mitglieder. Ihr berufliches Profil schärfte die Kauffrau bei der Schweizerischen Post. 2006 zog sie mit ihrer Familie ins Tessin. Seit drei Jahren lebt die Familie Paganini wieder in Sursee. Zuletzt arbeitete Karin Paganini im Kundenzentrum einer Metallbaufirma.
An Land und im Wasser Die Luzernerin schwimmt im Swim Team Lucerne, verbringt ihre freie Zeit aber auch gerne an Land, beim Biken, Wandern oder Skifahren.
Dem Mörder auf der Spur Karin Paganini liebt Krimis, egal ob als Buch oder als Film. Sie bewegt sich gerne in der Natur, geht wandern oder betreibt Nordic Walking.
Sachbearbeiterin Rechnungswesen
Sachbearbeiterin ZD
Paracontact I Herbst 2020
LEBENSBERATUNG
SPV-Höck Die SPV bietet in der Uniklinik Balgrist regelmässig Infoveranstaltungen an.
ROLLSTUHLSPORT
Manuela Schär Luzerner Sportlerin 2019 Manuela Schär gewinnt den Luzerner Sportpreis. Die Athletin aus Kriens holt sich den Titel verdientermassen vor dem Willisauer Ringer Stefan Reichmuth und dem Sempacher Spitzenruderer Roman Röösli. Nachdem Manuela Schär im letzten De zember bereits bei den Swiss Sports Awards triumphierte, gab es auch für die Jury der IG Sport Luzern keinen Zweifel: Die am
tierende Marathon-Weltmeisterin, mehr fache Weltrekordhalterin und zweimalige Gesamtsiegerin der World-Marathon-Majors-Serie hat sich den vom Kanton Luzern alljährlich vergebenen Titel klar verdient. Die feierliche Übergabe des Preises war leider aufgrund der Schutzmassnahmen gegen das Coronavirus nicht möglich und soll zu einem späteren Zeitpunkt nachge holt werden.
PARTNERSCHAFT
Masterarbeiten Zwei Masterstudierende beschäftigen sich in ihren Abschlussarbeiten mit Themen, die für die SPV und ihre Mitglieder von direktem Nutzen sind. Julia Leggio forscht unter dem Titel «An app to change your lifestyle. How does it work. A systematic review» zum Selbst management bei Querschnittlähmung mit Fokus Dekubitus. Marlis Gander unter Paracontact I Herbst 2020
sucht mit «What is a good framework for volunteering», welche Formen der Freiwil ligenarbeit bei der SPV eingesetzt werden können. Die beiden Studentinnen des Studien gangs Health Sciences werden ihre Ergeb nisse der SPV zur Verfügung stellen. Es handelt sich um eine Zusammenarbeit zwi schen der Universität Luzern und der SPV.
Offene Runde: Stammtisch Lebensberatung SPV Donnerstag, 26.11.2020 16.00 –18.00 Uhr Interessierte treffen sich im Restaurant der Uniklinik Balgrist zum Austausch. ParaHelp: Beratung von Querschnittgelähmten im Pflegebereich Donnerstag, 24.9.2020 18.00 –20.00 Uhr ParaHelp informiert über ihre Dienstleistungen und beantwortet Fragen. Mobilität – Fahrzeugumbau Lebensberatung SPV Donnerstag, 29.10.2020 18.00–20.00 Uhr Ein Mitarbeiter der Lebens beratung informiert über Vergünstigungen im ÖV, Autokauf und -umbau sowie Mobilität ganz allgemein.
CORONAVIRUS
Hygienemasken Die ESCIF (European Spinal Cord Injury Federation) hat der SPV 80 Packungen Hygienemasken geschenkt, um diese an Mitglieder abzugeben, die durch das Coronavirus besonders gefährdet sind. Auch der RC de la Côte hat Masken erhalten. Die Firma MCA Concept hat dem Club 200 Masken gespendet. Für diese grosszügigen Gesten bedanken wir uns herzlich. 7
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Paracontact I Herbst 2020
WIR BEWEGEN
GEWÄHLT
Neu im Zentralvorstand Die Delegierten der Rollstuhlclubs haben an der Delegiertenversammlung am 2. Mai 2020 Fabien Bertschy und Cornel Villiger in den Zentralvorstand gewählt. Von Nadja Venetz
Ein wichtiges Traktandum an der diesjäh rigen Delegiertenversammlung war die Er satzwahl des Zentralvorstands. Zwei Sitze galt es neu zu besetzen. Gerne stellen wir Ihnen die beiden neuen Mitglieder vor. Fabien Bertschy Inklusion, Teilhabe und Mobilität sind die Schwerpunkte im Schaffen des Neuen burgers. Als Projektleiter bei Pro Infirmis Neuchâtel engagiert sich Fabien Bertschy für eine barrierefreie Mobilität und Zu gänglichkeit. Durch diese Tätigkeit kennt er die Herausforderungen eines Rollstuhl fahrers nicht nur aus der eigenen Per spektive. Sein Wissen und seine Erfah rung bringt Fabien Bertschy in zahlreichen kantonalen Gremien ein. Unter anderem ist er Teil einer kantonalen Gruppe, die an einem Gesetz zur Partizipation und In klusion mitarbeitet. Er ist zudem Mitglied
mehrerer Konferenzen, dich sich mit der Gleichberechtigung von Menschen mit Be hinderung beschäftigen. Dadurch bringt der 43-Jährige ein breites Netzwerk mit, das er für die SPV nutzen will. Mit seinem um fassenden Know-how möchte der Freibur ger, wohnhaft in Colombier NE, dazu bei Paracontact I Herbst 2020
tragen, die Strategie der SPV weiterzuentwickeln. Fabien Bertschy ist verheiratet und leitet seit mehr als zwei Jahren als Prä sident den Rollstuhlclub Neuchâtel. Cornel Villiger Seit einem Motorradunfall 2004 ist Cornel Villiger Paraplegiker. Bereits vor diesem Einschnitt besass Sport eine grosse Bedeu tung im Leben des heute 44-Jährigen. Die se Passion blieb auch nach dem Unfall. Der diplomierte Betriebswirtschafter ist
erfolgreicher Leichtathlet, Handbiker und Langläufer sowie Kadermitglied von Roll stuhlsport Schweiz. Der Sportler engagiert sich zudem im Vorstand des Para Racing Teams, das rund zehn Athletinnen und Athleten aus dem Handbikesport professio nelle Betreuung bietet. Das Aktivmitglied des Rollstuhlclubs Zentralschweiz ist ver heiratet und Vater von drei Jungs. Bleibt ne ben dem Training und seiner beruflichen Tätigkeit bei der Kantonspolizei Aargau noch freie Zeit, verbringt er diese gerne mit seiner Familie und Freunden oder klopft einen Jass. Cornel Villiger hat viel Erfah rung im Vereins- und Verbandswesen, die er einsetzen wird, um an der strategischen
ZENTRALVORSTAND 2020 An der konstituierenden Sitzung wurde Annik Meystre zur Vizepräsidentin gewählt. Als Vertreterin der Westschweiz wird sie deren Anliegen einbringen. Zudem vertritt sie die SPV im Stiftungsrat von Swiss Paralympic. Nachdem an der DV Olga Manfredi zur Präsidentin gewählt wurde (wir berichteten), ist der Zentralvorstand komplett und geht in den kommenden Monaten wichtige Projekte wie den Strategieprozess gemeinsam mit der Geschäftsleitung an. Aktuelle Zusammensetzung – Olga Manfredi, Präsidentin – Annick Meystre, Vizepräsidentin – Stephan Bachmann – Fabien Bertschy – Claudia Hüttenmoser-Pfister – Walter Lisetto – Thomas Schneider (Austritt per 31.12.2020) – Cornel Villiger
Ausrichtung der SPV mitzuarbeiten. In sei nem Fokus stehen dabei klar die Bedürf nisse der Clubs und Mitglieder. Vollstän dige Transparenz, Vertrauen und Fairplay sowie der massvolle Einsatz der finanziel len Mittel sind die Werte, für die er einsteht. 9
WIR BEWEGEN
Gezielter Es gibt immer noch zahlreiche Querschnitt gelähmte, die nicht Mitglied bei der SPV sind und nicht von den Angeboten profi tieren können. Daher wird in den kommen den Jahren die Akquisition von neuen Mit gliedern verstärkt. Die Zielgruppen sind klar definiert, sodass wir diese Menschen kontaktieren können. Dabei werden nicht nur unsere Aussendienstmitarbeitenden gefordert sein, sondern die ganze Organi sation. Die SPV plant – insbesondere in der französischen Schweiz – mehr Mitar beitende aufzubauen, die themenspezifisch und eng mit den Clubs zusammenarbeiten.
STRATEGIEENT WICKLUNG
Ganzheitlicher, persönlicher, gezielter Die SPV stellt die Weichen für die Zukunft. Die Strategie 2021–2024 stellt die Rollstuhlclubs und ihre Bedürfnisse ins Zentrum. Von Evelyn Schmid
Drei Tage lang hat sich die Geschäftslei tung der SPV im Juni 2020 in Herisau zum Strategiereview zurückgezogen, um die Leitplanken für die zukünftige Ausrich tung zu definieren. Mit dabei war auch der designierte Direktor Laurent Prince, der sein Amt im August angetreten hat. Als Ausgangspunkt galt es, die Strategie der Schweizer Paraplegiker-Gruppe (SPG) ein zubeziehen, die im letzten Jahr überarbei tet und konkretisiert worden war. Wie in den Statuten festgelegt, unterstützt die SPV die Bestrebungen der SPG und setzt ihre Aktivitäten gesamtschweizerisch um. Die drei Adjektive «ganzheitlicher, persön licher, gezielter» fassen die Hauptstossrich tungen der neuen SPV-Strategie zusam men. Die Bereiche der SPV packen diese in den kommenden Jahren mit ihren Mit arbeitenden an und ergreifen entsprechen de Massnahmen. Ganzheitlicher Die SPV will vermehrt Leistungen zur För derung der ganzheitlichen Inklusion er bringen. Die Stärkung von strategischen Partnerschaften und der Ausbau der Ver netzung sowie der Interessenvertretung in allen Bereichen sollen dies vorantreiben. Selbstverständlich bleiben die Kernkom petenzen intern angesiedelt. Die Geschäfts leitung will dafür einstehen, dass zum Wohle unserer Mitglieder eine Einfluss nahme bei relevanten Stakeholder-Grup pen stattfindet. Aus diesem Grund werden auch die Sensibilisierungsangebote der SPV weiter professionalisiert. 10
Um die Massnahmen hinter den drei Ad jektiven effizient und effektiv umsetzen zu können, müssen viele unserer Geschäfts prozesse digital abgebildet werden. Dazu hat die SPV schon vor rund zwei Jahren die Weichen gestellt. Die Chancen aus diesem Digitalisierungsprojekt fordern unsere Business-Prozesse und auch unsere Kommu nikationswelten heraus. Wir werden daher nicht nur die Kommunikationsstrategie an die neuen Stossrichtungen anpassen, sondern und vor allem unsere Webstrate gie überdenken und entsprechende Mass nahmen in die Wege leiten.
Persönlicher Die Zusammenarbeit mit den Rollstuhl clubs soll in den kommenden Jahren in tensiviert werden. Diese sind oft viel näher an unseren querschnittgelähmten Mitglie dern, kennen deren Bedürfnisse detailliert und stehen in einem engen Austausch. Das Kurs- und Veranstaltungsangebot wird überarbeitet und soll künftig in möglichst enger Kooperation mit den Clubs umge setzt werden. Auch der Sportbereich will die Zusammenarbeit in den Regionen ins besondere für den Bereich Breitensport verstärken. Die Spitzensportler werden künftig über ihre gesamte Karriere noch intensiver begleitet. Auch dem Fachbe reich Verbandsdienstleistungen kommt folgerichtig eine wichtige DrehscheibenFunktion zu. Das bauliche, juristische und soziale Beratungsangebot richtet sich wei terhin an den persönlichen und individu ellen Bedürfnissen aus.
Die Strategie 2021–2024 wird spürbare Ver änderungen mit sich bringen – intern und extern. In den folgenden Monaten stellt die Geschäftsleitung zusammen mit den Roll stuhlclubs und dem neuen Direktor Lau rent Prince die operativen Weichen. Dies alles zum Wohle unserer Mitglieder. Wir sind und bleiben für Sie da.
WH/SH beider Basel
Thurgau
Jura Tennis AG Biel
Züri Oberland
Zürich
Solothurn
Taucher ZH
Bern
nord vaudois
St. Gallen
Zentralschweiz
Neuchâtel
De la Côte
Aargau
Chur
Fribourg
Lausanne
Gruyère
Oberwallis
Ticino
Genève Carouge Valais romand
Insuperabili
Persönliche Beratung in 27 Rollstuhlclubs Paracontact I Herbst 2020
WIR BEWEGEN
NACHGEFRAGT
Neuer Therapiegarten im SPZ Kathrin Kriesche, Therapie-Instruktion, Gabi Bucher, Ergotherapeutin, und Carsten Gugel, Sporttherapeut, erklären, was es mit dem neuen Therapiegarten des SPZ auf sich hat. Von Gabi Bucher
Hier entsteht der neue Therapiegarten
Wie ist die Idee des Therapiegartens entstanden? Gabi Bucher: Wir haben die Idee vor Jah ren als Ergänzung zum ganzheitlichen An gebot eingebracht, als wir über unser Thera pieangebot und die sich ändernde Klientel diskutierten. In diesem «Garten» gibt es auch einen Rollstuhlparcours? Kathrin Kriesche: Wir hatten früher bereits eine kleine Übungsstrecke im Aussenbe reich. 2014 hat sich eine Gruppe von Ergo-, Physio- und Sporttherapeuten mit Roll stuhlfahrern zusammengetan und Vor schläge für einen neuen Therapiegarten er arbeitet. Eine Umfrage hatte ergeben, dass Menschen mit einer inkompletten Quer schnittlähmung spezifische Trainingsmög lichkeiten vermissten. Damit alle unsere Patienten ihre Möglichkeiten ausschöpfen können, gibt es nun verschiedene Berei che mit unterschiedlichen Bodenbeschaf fenheiten, Hindernissen und Steigungen und somit auch unterschiedlichen Anfor Paracontact I Herbst 2020
derungen an Geschicklichkeit, Ausdauer und Kraft, sowohl für Rollstuhlfahrer als auch für Menschen mit einer Einschrän kung der Gehfähigkeit.
es unterfahrbare Hochbeete geben. Wir schauen mit den Patienten, was es braucht, was sie selber machen können, abhängig von ihren Zielsetzungen. Wir üben, wie man im Rollstuhl etwas transportieren, etwas hochheben, etwas verändern kann. Es geht auch um Sinneserlebnisse, ums Spüren, Schmecken, Riechen und Schau en. Wir werden Stauden mit Beeren an pflanzen, die wir nach der Ernte im Rah men der Therapie in der Küche verarbeiten. So können wir ganze Abläufe trainieren, Freude und Sinnhaftigkeit vermitteln. Carsten Gugel: Der Garten ist sehr positiv besetzt. Der Fokus liegt nicht nur auf dem Trainings- bzw. Lernaspekt, sondern die Patienten merken, dass Sie Ihre Fähigkei ten erweitern und so vermehrt Aktivitäten ausüben bzw. ihren Hobbys nachgehen können.
Und wo liegt der Nutzen für die Rollstuhlfahrer? Carsten Gugel: Es geht vor allem darum, unsere Patienten bestmöglich auf die Zeit nach der Rehabilitation vorzubereiten und ihnen den Übergang in den Alltag zu er leichtern. Durch die verschiedenen Schwie rigkeitsgrade auf dem Parcours werden die möglichen Hindernisse in der zukünf tigen Umgebung besser abgebildet. Die deutlich erweiterten Trainingsmöglichkei ten im Aussenbereich haben auch auf die Psyche einen positiven Einfluss.
Wer darf diesen Therapiegarten benutzen? Kathrin Kriesche: Der Therapiegarten ist für alle stationären Patienten des SPZ wäh rend der Erst- oder Folgerehabilitation ge dacht. Je nach Zielsetzung trainieren sie in Begleitung der Therapeuten in der 1:1-Be handlung und in Gruppen. Auch andere Berufsgruppen, wie z. B. Pflege, Psycholo gen können den Bereich mit Patienten nut zen. Möchte ein Patient gerne einmal aus serhalb der Therapiezeit üben, ist dies nach Absprache möglich.
Das tönt fast so, als wäre der Parcours wichtiger als der Garten? Gabi Bucher: Nein, der Garten ist genauso wichtig, es sind zwei verschiedene, sich er gänzende Angebote. Im Gartenhaus ziehen wir Pflanzen und im Aussenbereich wird
Der Garten ist also nicht öffentlich? Kathrin Kriesche: Nein, der Garten ist zwar nicht abgeschlossen, aber wir appellieren an das Verantwortungsbewusstsein der Be sucher, dass der geschützte Raum für Pa tienten respektiert wird. 11
LEBENSBERATUNG
ARBEITSALLTAG
Kein Tag wie der andere
Die Abwechslung ist die grosse Konstante in meiner Tätigkeit als Sozialarbeiter bei der SPV. Alles andere wäre ungewöhnlich. Willkommen in meinem Alltag.
Von Alexander Post
Maskenpflicht Ich fahre nach Basel, steige in die Strassen bahn und begebe mich zur Wohnung des Klienten. Ich verlaufe mich, obwohl ich schon einmal bei ihm war. Ich treffe den noch rechtzeitig ein – puh, Glück gehabt! Dieser Stress immer. Ich begrüsse den Klienten, wir ziehen Hygienemasken über. Irgendwie seltsam, der Mundschutz ver deckt einen wesentlichen Teil der Mimik. Dabei ist die nonverbale Kommunikation ein wichtiger Bestandteil in meinem Tä tigkeitsfeld.
Es ist Donnerstagmorgen. Bevor ich das Haus verlasse, kontrolliere ich wie üblich, ob ich alle meine Arbeitsunterlagen einge packt habe. Heute steht mein erster Haus besuch seit Mitte März 2020 an. Die Mass nahmen rund um das Coronavirus haben auch die Sozialberatung der SPV einge schränkt. Hausbesuche waren nicht mehr möglich – wir hielten per E-Mail, Telefon oder Videochat Kontakt zu unseren Klien ten. Der Umgang mit den neuen Medien 12
fiel mir leicht, die eine oder andere tech nische Panne passierte trotzdem. Während ich darüber sinniere, bemerke ich, dass ich meine Tasche noch nicht kontrolliert ha be. Wieso muss ich das bloss immer auf den letzten Drücker tun? Ich benötige mein Notebook, Schreibmaterial, mein Handy, Visitenkarten, das Ladegerät, um nur das Wichtigste zu nennen. Für das Gespräch heute werde ich farbiges Papier einsetzen, um Ordnung ins Gespräch zu bringen.
Wir sprechen wie im Vorfeld vereinbart über die berufliche Zukunft und eine mög liche IV-Anmeldung. Ein Thema, das sich auf die Bereiche Finanzen, Wohnen, Fami lie, Rechtliches und auf das persönliche Wohlbefinden auswirkt. Schnell greifen wir zu den bunten Blättern. Vieles schrei ben wir auf, verteilen und gruppieren die bunten Zettel auf dem Boden. Es arbeitet auf ganz unterschiedlichen Ebenen und es wird gelacht, Unmut ausgedrückt, auch emotionale Momente kommen zum Vor schein. Wegen des Mundschutzes achte ich vermehrt darauf, mich verbal zu äus sern. Am Ende dieses «Experiments» sind wir beide erschöpft, aber zufrieden. Die Ziele und Herausforderungen sind für den Klienten und mich klarer geworden. Trotz dem ist mir bewusst, dass viele Reflexio nen und Erkenntnisse oft zwischen den Gesprächen und nicht während des Ge sprächs entstehen.
Paracontact I Herbst 2020
Büro auf Schienen Nachdem wir eine Nachbesprechung per Videoanruf vereinbart haben, verabschie de ich mich vom Klienten. Draussen lege ich endlich die Maske ab. Auf meinem Handy sehe ich, dass vier Anrufe, eine Combox-Nachricht und sieben Mails ein gegangen sind. Beim Priorisieren der An fragen bemerke ich, dass ich mein Ladeka bel in der Wohnung des Klienten vergessen habe. Also nochmals zurück. Die Zugfahrt nutze ich für mein Mittagessen, während ich mir überlege, was ich heute hätte bes ser machen können. Habe ich zu viele Doppelfragen gestellt, manchmal die Stille nicht «ausgehalten» oder ein Ziel forciert? War das wirklich so oder bin ich zu hart mit meiner Selbstkritik? Noch während ich am Essen bin, klingelt mein Telefon. Eine Klientin erzählt mir von ihrer schwie rigen Zeit während des Lockdowns. Wir vereinbaren einen Telefontermin für den späteren Nachmittag. Den Rest der Zug fahrt verbringe ich damit, die Aktennotiz des heutigen Gespräches zu schreiben und die Mails zu beantworten.
Wieder zu Hause angekommen, will ich meine wichtigsten Erkenntnisse des Ge sprächs niederschreiben. Nun habe ich je doch eine Telefonkonferenz. Ich bereite mich vor, die Verbindung unterbricht, ich mache mir einen Kaffee und bin ganz Ohr.
Beratung eines Klienten
Flexibel bleiben Die Konferenz geht länger als gedacht und ich erhalte daraus verschiedene Aufträge. Nun rufe ich die Person an, welche sich während der Zugfahrt bei mir gemeldet hat. Sie erzählt mir, dass es ihr nicht gut gegangen sei. «Dunkle» Gedanken hätten sie geplagt. Ich frage, ob ich mir Sorgen machen müsse. «Nein, das Gröbste sei vor bei», versichert sie mir. Wir bleiben beim Thema, damit ich abwägen kann, ob es dringenden Handlungsbedarf gibt. Gleichzeitig will ich Raum schaffen, damit sie diese Erfahrung verarbeiten kann. Wir ver einbaren, dass sie sich bei Bedarf bei mir meldet. Als ich das Telefongespräch been de, fällt mir ein, dass meine Akteneinträge von heute noch ausstehen. Dies werde ich
morgen nachholen. Zum Schluss prüfe ich die geplanten Termine von morgen und schliesse das Notebook. Danach beant worte ich ein paar Whatsapp-(Sprach-) Nachrichten und lege das Geschäftshandy ebenfalls zur Seite. Der heutige Tag war spannend, herausfor dernd und abwechslungsreich. Ich schätze es, unsere Klientel in ihrem persönlichen Umfeld zu besuchen – anders als bei Ge sprächen im Büro erhalte ich so einen ver tieften Einblick in ihr Leben. Kontakt Wir sind für Sie da: Tel. 041 939 54 00 oder lb@spv.ch
LEBENSBERATUNG In den eigenen vier Wänden sind Menschen mit einer Querschnittverletzung mit verschiedenen Themen konfrontiert und auf sich selbst gestellt. Hier hilft die Lebensberatung. Diese besteht einerseits aus dem Team AussendienstBeratung durch Peers sowie dem Team Sozialberatung. Klienten werden uns von den vier Paraplegiker-Zentren zugewiesen, melden sich über die Clubs, über andere soziale Organisationen oder direkt bei uns. Bei Bedarf wird ein Termin vereinbart. Gespräche können etwa in den Büros in Nottwil, bei den Betroffenen zu Hause, bei Behörden oder im Restaurant stattfinden. Die Aufgabe unserer AussendienstBeratenden und Sozialarbeitenden ist es, dorthin zu gehen, wo die Probleme anstehen und/oder besprochen werden sollen. Personen gelangen häufig an die Lebensberatung, wenn sie Fragen zu ihren (Sozial-)Versicherungen haben.
Paracontact I Herbst 2020
Unser spezifisches Fachwissen unterstützt sie insbesondere bei: Rentenberechnungen, Abklärungen zu Hilflosenentschädigung oder Assistenzbeiträgen, Abrechnungen mit der Krankenkasse, Ansprüchen auf Leistungen bei Arbeitslosigkeit, Berechnungen der Ergänzungsleistungen, ungedeckten Pflegekosten, Anträgen auf Kostenübernahme für Hilfsmittel wie z. B. Duschrollstuhl, Sportgerät oder Anti-DekubitusMatratze. Wir beraten zu Fragen bezüglich Kostenübernahme von baulichen Anpassungen zu Hause oder am Arbeitsplatz, Veränderung der beruflichen Situation, Beschäftigung und Freizeit, finanziellen Sorgen und zur Wohnsituation. Nebst dem technischen Fachwissen bieten wir auch psychosoziale Beratungen an, in denen Themen wie beispielsweise Depression oder die Veränderung der Lebenssituation aufgegriffen werden. Bei allen Themen ziehen wir bei Bedarf weiteres Fachpersonal zu.
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Paracontact I Herbst 2020
LEBENSBERATUNG
UMZUG
Von einem See zum anderen Antoine Barizzi aus Neuenburg packt die Chance und zieht über den «Röstigraben» in die ParaWG in Schenkon. Von Gabi Bucher
Antoine Barizzi, 27-jährig, seit einem Gym nastikunfall 2010 Tetraplegiker, wohnte bis anhin in einem Wohnheim direkt bei der Uni in Neuenburg. Diese Wohnsituation war ideal für den Studenten, einerseits we gen des kurzen Wegs, andererseits gibts in diesem Wohnheim 24-Stunden-Betreuung. «Ich konnte kommen und gehen, wie ich wollte, es war immer jemand da», erzählt Antoine, das sei vor allem auch optimal ge wesen, wenn er in den Ausgang wollte, meint er lachend. Aber es fehle auch etwas an Privatsphäre und vor allem: «Meine Selbstständigkeit wurde nicht wirklich ge fördert.» Mysteriöser Brief mit Folgen Im Frühling machte er sich langsam Ge danken über seine Integration ins Berufs leben. «Ich habe einen Master in Soziologie und in allgemeiner Unternehmensfüh rung, jetzt möchte ich auch was machen damit», meint er. Und da sei etwas Seltsa
mes passiert. «Ich fand einen Brief in der Post, ohne Grussnachricht, einfach eine Werbung für die ParaWG in Schenkon.» Es sei kein gewöhnlicher Werbeprospekt gewesen. «Eher wie einer dieser Aushänge, welche man an Pinnwände heftet, mit klei nen Zetteln mit Telefonnummern.» Zwei Zettel hätten bereits gefehlt. «Irgendje mand muss das gesehen und an mich ge dacht haben, aber ich weiss nicht, wer.» «Irgendjemand» waren die Projektleiter der ParaWG: ParaHelp und ParaWork. Sie haben Antoine als potenziellen Kandida ten angeschrieben. Keine Angst vor der Deutschschweiz Die unkonventionelle Werbung hat bei Antoine die gewünschte Aufmerksamkeit erreicht und kam für ihn zum richtigen Zeitpunkt. Er habe angerufen und sich er kundigt, ob er mit seinen 27 Jahren und noch ohne Aussicht auf eine Anstellung auch akzeptiert würde. Man bestätigte ihm,
Antoine Barizzi ist bereit für seinen Umzug in die ParaWG
dass dies in seinem Fall kein Hindernis sei, und so zieht der junge Mann nun also vom Neuenburger- an den Sempachersee. Was ihn in der WG erwartet, weiss er nicht. «Ich kenne meine Mitbewohner nicht», aber das sei ja immer so, wenn man in eine WG ziehe. Und sein Deutsch sei auch nicht per fekt, «aber man lernt am besten, wenn man ins kalte Wasser geworfen wird». In der Ro mandie habe man beruflich mehr Chancen, wenn man Deutsch spreche, und sollte er in der Deutschschweiz bleiben, sei es ja eine Voraussetzung. Grosse Ziele Was in Sachen beruflicher Integration ge plant ist, weiss er. «Zuerst werde ich einen dreimonatigen Stage bei ParaWork absol vieren. Dort wird man mich berufsspezifisch vorbereiten auf den allgemeinen Arbeitsmarkt.» In einem Praktikum wird seine Arbeitsfähigkeit ermittelt, dann wird eine Festanstellung auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt gesucht. «Auch die Wohnsi tuation stellt mich vor neue Herausforde rungen», meint er, «ich werde dann selber waschen und einkaufen müssen und auch die Pflege steht nicht mehr 24 Stunden zur Verfügung.» Ein riesiger Schritt aus seiner Komfortzone, aber Antoine ist offen für alles und bereit zu lernen. «Wenn ich selbst ständig werden will, ist es unabdingbar, dass ich mehr Verantwortung übernehme im Alltag.» Ein zusätzliches Projekt steht ebenfalls an: Er will die Fahrprüfung able gen. «Auch dazu ist natürlich die Nähe zu Nottwil ideal.»
Vorläufig ist geplant, dass er ein Jahr in der WG bleibt. «Ich werde Zeit brauchen, um mich an alles zu gewöhnen, mich einzule ben, in der WG und beruflich.» Ob er da nach in der Deutschschweiz bleibt oder wieder zurückkehrt in die Romandie, lässt er offen. «Das kommt darauf an, wie es be ruflich aussieht nach diesem ersten Jahr.» Antoine hat sich sehr viel vorgenommen, aber er ist bereit, sein neues Leben in der ParaWG zu beginnen! ParaWG Schenkon SRF Schweiz aktuell berichtet am 28./29./30.12.2020 und 4.1.2021 (Änderungen vorbehalten)
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RECHTSBERATUNG
RENTENREVISION
Wo liegen die Grenzen?
Wer eine Rente der Invalidenversicherung und/oder der Unfallversicherung bezieht, weiss, dass diese Leistungen periodisch überprüft und je nachdem neu festgesetzt werden. Dieser Artikel geht der Frage nach, wo eigentlich die Grenzen einer Rentenrevision liegen. Von Michael Bütikofer, Rechtsanwalt und Notar
Wie jeden Morgen fährt Jan W. (Name ge ändert) auch an jenem verhängnisvollen Tag im Jahr 2009 mit seinem Motorrad zur Arbeit. Dabei geniesst er die kurvenreiche Strecke, welche seinen Wohn- mit seinem Arbeitsort verbindet. Unterwegs fährt er einem Sattelschlepper auf. In einer leich ten Rechtskurve setzt er zum Überholma növer an. Dabei übersieht er einen entge genkommenden Personenwagen, worauf es zur Kollision kommt. Jan W. verletzt sich bei diesem Unfall schwer. Die Ärzte diagnostizieren bei ihm eine inkomplette Paraplegie. Kürzung der UVG-Taggelder Jan W. absolviert im Schweizer Paraplegi ker-Zentrum in Nottwil (SPZ) eine mehr monatige Erstrehabilitation. Ganz abgese hen davon, dass der Töffunfall das Leben von Jan W. völlig auf den Kopf stellt, setzt dieses Ereignis zahlreiche rechtliche Ab klärungen in Gang. Weil sich Jan W. beim Unfall schwer verletzt und nicht auszu schliessen ist, dass er beim folgenschweren Überholmanöver gegen Bestimmungen des Strassenverkehrsrechts verstossen hat, wird gegen ihn eine Strafuntersuchung eröffnet.
Die Strafuntersuchung wird von der zu ständigen Staatsanwaltschaft geführt. Die se kommt nach längeren Abklärungen zum Ergebnis, dass eine Bestrafung unangemes sen wäre, weil Jan W. durch die unmittel baren Folgen des Verkehrsunfalles bereits schwer genug betroffen ist. Die Staatsan waltschaft stellt das Verfahren gegen Jan W. deshalb ein. 16
Als Angestellter ist Jan W. zum Zeitpunkt des Verkehrsunfalles nach dem Bundes gesetz über die Unfallversicherung (UVG) versichert. Seine Unfallversicherung setzt nach Erhalt der Schadenmeldung die nöti gen Abklärungen in Gang. Dabei steht die Frage im Vordergrund, ob und falls ja in welchem Umfang Jan W. Anspruch auf ein Unfalltaggeld hat. Im Wissen um die gegen Jan W. geführte Strafuntersuchung richtet die Unfallversicherung vorderhand nicht ein ganzes Unfalltaggeld aus. Falls Jan W. ein Selbstverschulden am Motorradunfall nachgewiesen werden kann, behält sie sich eine Kürzung des Taggeldes vor. Um eine allfällige Leistungskürzung zu prüfen, fordert die Unfallversicherung die Akten der Strafuntersuchung an. Nach Ein sichtnahme in diese Akten erlässt sie im Jahr 2010 eine Verfügung, mit welcher sie den Taggeldanspruch von Jan W. während der ersten zwei Jahre um 20% kürzt (vgl. Art. 37 Abs. 2 UVG). Die Unfallversiche rung begründet die Taggeldkürzung da mit, dass Jan W. am Unfalltag grobfahrläs sig gehandelt haben soll. Jan W. akzeptiert diese Kürzung, worauf sein gekürzter Tag geldanspruch in Rechtskraft erwächst. Jahre später angedrohte Kürzung der UVG-Rente Im Anschluss an seine Erstrehabilitation im SPZ nimmt Jan W. eine Umschulung in Angriff. Nach Abschluss seiner Umschu lung spricht ihm zunächst die Invaliden versicherung bei einem IV-Grad von 41% ab dem Jahr 2013 eine Viertelsrente zu. Die
Unfallversicherung zieht nach und spricht Jan W. im Jahr 2013 bei einem IV-Grad von 41 % ebenfalls eine Rente nach UVG zu. Bei de Renten werden Jan W. ungekürzt ausge richtet. Leider verschlechtert sich der Gesund heitszustand von Jan W. im weiteren Ver lauf erheblich. Die Invalidenversicherung führt deshalb ein Revisionsverfahren durch und spricht Jan W. im Jahr 2016 bei einem IV-Grad von neu 100% eine ganze Rente zu. Daraufhin überprüft auch die Unfall versicherung den Rentenanspruch von Jan W. Im Jahr 2017 teilt ihm die Unfallversi cherung mit, die Verschlechterung seines Gesundheitszustands anzuerkennen und ihm ab dem 1. März 2017 bei einem Inva liditätsgrad von neu 55% statt wie bis an hin 41 % eine UVG-Rente auszurichten. Jan W. ist mit der revidierten Rentenleistung der Unfallversicherung nicht einverstanden und wendet sich an das Institut für Rechts beratung der SPV (IRB). Unter Verweis da rauf, dass die Invalidenversicherung neu von einem IV-Grad von 100% ausgeht, legt das IRB gegenüber der Unfallversicherung dar, dass der IV-Grad von Jan W. über 55% liegt und ihm deshalb eine höhere UVGRente zusteht. Was dann folgt, sucht seines gleichen. Im Februar 2018 teilt die Unfallversiche rung mit, dass sie am zuvor festgesetzten IV-Grad von 55% festhalte und zudem die Jan W. zustehende Rente mit Wirkung ab dem 1. Juni 2016 um 20% kürzen werde. Be gründung: Der Unfall aus dem Jahr 2009 Paracontact I Herbst 2020
sei auf ein Vergehen gegen das Strassenver kehrsgesetz zurückzuführen, weshalb die Rente gestützt auf Art. 37 Abs. 3 UVG ge kürzt werden könne. Gegen diese Renten kürzung, welche die Unfallversicherung neun Jahre (!) nach dem Unfall erstmals verfügt, erhebt das IRB für Jan W. Einspra che. Die Unfallversicherung lässt sich da nach ganze 20 Monate Zeit, um am 1. No vember 2019 bekanntzugeben, dass sie die UVG-Rente von Jan W. nicht wie zuvor in Aussicht gestellt um 20%, sondern neu um gar 50% kürzen werde. Begründung: Der Unfall aus dem Jahr 2009 sei auf ein Wag nis zurückzuführen, weshalb die Rente ge stützt auf Art. 39 UVG um die Hälfte ge kürzt werden könne. Für Jan W. heisst dies, dass ihm die UVG-Rente in Zukunft nur noch zur Hälft e zur Verfügung stehen wür de. Aufgrund der existentiellen Tragweite, welche diese Kürzung für ihn bedeuten würde, lässt Jan W. Beschwerde gegen den Entscheid der Unfallversicherung führen. Das Verfahren vor dem zuständigen Kan tonsgericht ist nach wie vor hängig. Einwände gegen die Jahre später angedrohte Kürzung der UVG-Rente Es bedarf keiner langen Ausführungen da zu, dass es aus Sicht von Jan W. besonders stossend ist, wenn ihm die Unfallversiche rung seine UVG-Rente über zehn Jahre nach dem Unfall erstmals kürzen will. Als umso stossender erweist sich dieser Um stand, wenn man bedenkt, dass die Unfall versicherung nach dem Motorradunfall aus dem Jahr 2009 Einsicht in die Strafak
ten genommen, diese geprüft und gestützt darauf zwar die Taggelder von Jan W. wäh rend der ersten zwei Jahre um 20% gekürzt hat, die im Anschluss an die Taggelder zu gesprochene UVG-Rente jedoch ungekürzt ausgerichtet hat. Die Unfallversicherung hatte damit alle nötigen Informationen, um bei erstmaliger Auszahlung auch die Rente von Jan W. zu kürzen. Genau dies tat sie aber nicht. Strittig ist somit, ob die Unfall versicherung bei dieser Ausgangslage die Rente von Jan W. im Rahmen einer UVGRentenrevision nachträglich (nach mehr als zehn Jahren seit dem leistungsbegründen den Unfallereignis) erstmals kürzen kann oder nicht. Zur Rechtfertigung stellt sich die Unfall versicherung auf den Standpunkt, dass sich der Gesundheitszustand von Jan W. ab Mitte 2016 erheblich verschlechtert habe. Infolgedessen liege ein Revisionsgrund im Sinne von Art. 17 ATSG vor, welcher sie be rechtige, den Rentenanspruch in tatsächli cher und rechtlicher Hinsicht umfassend zu überprüfen. Die Unfallversicherung ver weist dabei auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung, welche besagt, dass wenn ein Revisionsgrund vorliegt, «der Renten anspruch in rechtlicher und tatsächlicher Hinsicht umfassend (‹allseitig›) zu prüfen ist, wobei keine Bindung an frühere Beur teilungen besteht» (vgl. BGE 141 V 9 E. 2.3). Dem Rechtsstandpunkt der Unfallversi cherung lässt Jan W. in der erhobenen Be schwerde zunächst entgegenhalten, dass ge
mäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung «die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kon text unbeachtlich» ist (vgl. BGer 9C_699/ 2016 vom 13. März 2017, E. 4.1). Das heisst, dass die Unfallversicherung, nachdem sie den Unfallhergang anhand der Strafakten geprüft und bei der erstmaligen Rentenzu sprache auf eine Rentenkürzung verzichtet hat, den Unfallhergang Jahre später nicht anders als bis anhin beurteilen kann. Was die Unfallversicherung damit tut, ist nichts anderes, als einen von ihr längst beurteil ten, völlig gleich gebliebenen Sachverhalt plötzlich unterschiedlich zu beurteilen. Weiter lässt Jan W. gegen die Jahre später angedrohte Rentenkürzung einwenden, dass gemäss Rechtsprechung des Bundes gerichts «bejahte Anspruchsvoraussetzun gen und festgesetzte Leistungsbemessungs faktoren, welche im Zeitpunkt der Verfügung oder des Einspracheentscheids abgeschlossene Sachverhalte betreffen, (…) zufolge Rechtskraft nicht erneut überprüft werden» können (vgl. BGE 136 V 369 E. 3.1.1). Aus der weiteren Rechtsprechung des Bundesgerichts ist zu schliessen, dass im Rahmen eines Revisionsverfahrens nur jene Faktoren überprüft werden können, welche sich durch Zeitablauf verändern können. So beispielsweise der Gesundheits zustand oder die Einkommensverhältnisse, nicht aber jene Faktoren, welche sich auch bei Zeitablauf nie verändern. Zu letzteren zählen nach der hier vertretenen Auffas sung die Unfallumstände. Diese können sich nicht wie der Gesundheitszustand oder die Einkommensverhältnisse durch Zeit ablauf verändern, sondern bleiben immer gleich. Bei den Unfallumständen, welche der Un fallversicherung von Anfang an bekannt gewesen sind, handelt es sich um statische Faktoren, welche sich auch durch Zeitab lauf nicht verändern können und deshalb einer Neuprüfung im Rahmen einer Ren tenrevision entzogen sind. Es bleibt somit abzuwarten, wie das mit der Beurteilung der Beschwerde von Jan W. betraute Kan tonsgericht entscheiden wird. Über den Ausgang dieses Beschwerdeverfahrens wer den wir an dieser Stelle selbstverständlich berichten.
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MEDIZIN UND WISSENSCHAFT
GESUNDHEIT
Nicht schlafen können
Wie häufig treten Schlafstörungen bei Menschen mit Querschnittlähmung auf? Was kann man dagegen tun? Von Teresa Brinkel
Für den Körper ist er lebenswichtig, doch mehr als jede zweite Person mit einer Querschnittlähmung findet keinen guten Schlaf. Nicht einschlafen können, ständig aufwachen, lange wachliegen und am Mor gen total gerädert sein – anhaltende Schlaf störungen beeinflussen unsere Gesundheit und das Wohlbefinden. Folgen von Schlafstörungen Erholsamer Schlaf ist für unser physisches und psychisches Wohlbefinden sehr wich tig. Genügend zu schlafen, stärkt das Im munsystem, gleicht psychische Anspan nungen aus, die Erfahrungen des Tages werden intensiv verarbeitet und die Or gan- und Stoffwechselfunktionen erholen sich.
Länger anhaltende Schlafstörungen wie Ein- oder Durchschlafprobleme, Schlaf losigkeit oder unruhiger Schlaf vermindern die Regenerationsfunktion des Nachtschla fes. Dies kann negative Folgen für die Ge sundheit haben¹, wie zum Beispiel: – vermehrte Tagesmüdigkeit – erhöhte Reizbarkeit – verringerte Schmerztoleranz – reduzierte Aufmerksamkeit – Gewichtszunahme – Gedächtnisprobleme 18
– beeinträchtigtes Urteilsvermögen – erhöhte Unfallgefahr – erhöhtes Risiko für Diabetes – Herz-Kreislauf-Störungen – Störung der Immunabwehr – erhöhtes Risiko für Depressionen Menschen mit Querschnittlähmung sind oft von verschiedenen Begleiterkrankun gen betroffen. Kommen Schlafstörungen hinzu, kann dies ihre Gesundheit zusätz lich stark beeinträchtigen. Häufigkeit und Risikogruppen Die Schweizer Langzeitstudie SwiSCI be fragte 1549 Personen mit Querschnittläh mung nach ihrem Schlaf. Demnach berich ten querschnittgelähmte Menschen über deutlich mehr Schlafstörungen als in der Gesamtbevölkerung: 59% der Studienteil nehmenden leiden an Schlafproblemen 2, in der Gesamtbevölkerung liegt dieser Anteil bei 41%3. 25% der betroffenen Per sonen in der SwiSCI-Studie geben schwere oder chronische Schlafstörungen an. Ins besondere sind dies: – Personen zwischen 46 und 60 Jahren – Personen mit zusätzlichen Erkrankun gen, insbesondere mit chronischen Schmerzen und Depressionen – Personen mit finanziellen Problemen
Was sind die Ursachen für Schlafstörungen? Frisch verletzte Personen in der Erstreha bilitation haben sehr häufig Schlafstörun gen, so Dr. med. Anke Scheel-Sailer, leiten de Ärztin für Paraplegiologie am Schweizer Paraplegiker-Zentrum (SPZ). Seit vielen Jahren sind diese auch fester Bestandteil in der Akutbehandlung und Rehabilita tion.
«Zu Beginn der Querschnittbehandlung in den sechziger Jahren wurden Schlaf störungen einfach hingenommen. Mitt lerweile wissen wir aber, dass wir Schlaf störungen und psychische Probleme viel besser auffangen und behandeln können, wenn sie bereits im stationären Bereich thematisiert werden.» Schlafprobleme können sich im Laufe der Zeit jedoch verfestigen und chronisch wer den. «Hier müssen wir zusammen mit dem Patienten auf die Suche nach den Ursachen gehen», so Dr. med. Inge Eriks-Hoogland, leitende Ärztin am Ambulatorium des SPZ. Schlafstörungen können viele Gesichter haben. «Entsprechend gibt es für Schlaf probleme nicht nur eine passende Lösung, sondern wir müssen sie immer individuell betrachten.» Paracontact I Herbst 2020
Bei Personen mit einer Rückenmarksver letzung sind dabei stets die paraplegiologi schen Probleme mit einzubeziehen. Leidet der Patient zum Beispiel unter Schmerzen oder Spastik, können bestimmte Medika mente helfen. Gleichzeitig sollten aber auch die Lagerung in der Nacht oder das Blasen management beurteilt werden. Im Einzel fall kann auch eine physiotherapeutische Behandlung sinnvoll sein. Leiden Patienten an kurzen Atemausset zern im Schlaf, dem sogenannten Schlaf apnoe-Syndrom, so kommt eventuell eine nächtliche Beatmung infrage. Spielen psy chische Probleme oder Stress eine Rolle, könnte eine psychologische Therapie er wogen werden. «Haben wir erst einmal Ursachen festge stellt, können wir diese mit einer passen den Therapie oder einer Kombination aus verschiedenen Massnahmen gemeinsam angehen», so Dr. Eriks-Hoogland. Häufig spielt aber auch das eigene Verhal ten eine Rolle. Zu einer guten «Schlafhy giene» gehört zum Beispiel, Kaffee bereits ab 16 Uhr wegzulassen und sich vor dem Die Nutzung von Tablet, Laptop oder Natel vermittelt dem Körper das Signal, wach zu sein. Deshalb gehören elektronische Geräte nicht ins Bett!
Schlafen möglichst wenig dem Licht von Bildschirmen auszusetzen, so der Wissen schaftler Matthew Walker in seinem Rat geber «Das grosse Buch vom Schlaf» 4. Medikamentöse Therapie Unter Schlafmitteln verstehen die meisten Menschen vorrangig Benzodiazepine, be kannt auch als «Schlaftabletten». Diese haben jedoch eine Reihe von unerwünsch ten Nebenwirkungen und können abhän gig machen. Deshalb sollten diese Me dikamente nur in der akuten Situation und für eine begrenzte Zeit eingenommen werden.
«Mittlerweile gibt es jedoch ganz andere Methoden und Medikamente, die besser verträglich sind und längerfristig einge nommen werden können», so Dr. ScheelSailer. Dazu gehören verschiedene pflanz liche Wirkstoffe, wie zum Beispiel Baldrian, Orangenblüten und Lavendel, oder auch schlafunterstützende Antidepressiva. Bei manchen Patienten verbessere sich die Schlafqualität nach Einnahme von Mela tonin. Beraten und behandeln lassen Obwohl mit 59% ein hoher Anteil der querschnittgelähmten Menschen an Schlaf störungen leidet, wird laut SwiSCI-Studie nur etwa ein Drittel dagegen behandelt. Dr. Eriks-Hoogland und Dr. Scheel-Sailer empfehlen, Schlafstörungen nicht einfach hinzunehmen. Es lohne sich, Schlafprob leme zum Beispiel beim Hausarzt oder während der paraplegiologischen Jahres kontrolle anzusprechen und behandeln zu lassen. Da das Schlafen von zahlreichen Faktoren beeinflusst wird, brauchen Be troffene jedoch Geduld. So lautet auch das Credo beider Ärztinnen: Nicht aufgeben, auch wenn eine Verbesserung nicht sofort spürbar ist!
Von klinischer Seite jedoch sollten Schlaf probleme fester Bestandteil in der Anam nese bei Routineuntersuchungen sein. Zur Autorin Teresa Brinkel ist Verantwortliche für Kommunikation der SwiSCI-Studie an der Schweizer Paraplegiker-Forschung Paracontact I Herbst 2020
SCHLAFTIPPS ⁵ – Rhythmus: zu regelmässigen Zeiten ins Bett gehen und aufstehen – Ritual: zu Bett gehen nach dem gleichen Ablauf
– Schlafplatz: dunkel, kühl, ruhig, gut belüftet – Matratze: geeignete Matratze, angepasst an die eigenen Bedürfnisse – Im Bett nur schlafen: nicht fernsehen, im Internet surfen, arbeiten, telefonieren – Kein Mittagsschlaf: Schlafen am Tag bewirkt, dass der Schlafbedarf am Abend fehlt – Stimulanzien: Koffein und Teein ab 16 Uhr vermeiden, Alkohol und Nikotin am Abend nicht mehr kon sumieren oder ganz vermeiden – Ernährung: keine schweren Mahl zeiten 3 Std. vor dem Schlafengehen, aber nicht hungrig ins Bett gehen – Sport und körperliche Aktivität: sollte ausreichend tagsüber statt finden, nicht nach 20 Uhr – Stress: weitmöglichst reduzieren, Entspannungsmethoden anwenden – Beim Aufwachen während der Nacht: kein helles Licht machen, nicht auf die Uhr starren, sich nicht von den Schlafproblemen unter Druck setzen lassen, denn dies verstärkt die Schlafstörung Referenzen
¹ Fogelberg D, Burns S: Sleep problems and sleep apnea in persons with sci. 2012. ² Buzzell A, Chamberlain JD, Schubert M, Mueller G, Berlowitz DJ, Brinkhof MWG, for the SwiSCI study group: Perceived sleep problems after spinal cord injury: Results from a community-based survey in Switzerland. J Spinal Cord Med. 2020 Jan 24. ³ Tillmann R, Voorpostel M, Kuhn U, Lebert F, Ryser VA, Lipps O: The Swiss Household Panel Study: Observing social change since 1999. 2016. ⁴ Walker Matthew: Das grosse Buch vom Schlaf. Die enorme Bedeutung des Schlafs – Beste Vorbeugung gegen Alzheimer, Krebs, Herzinfarkt und vieles mehr. 2018. ⁵ Weess HG: Patientenratgeber der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin. 2018.
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HINDERNISFREIES BAUEN
DENKMALSCHUTZ
Umbau unter Auflagen
Roger Maillard wohnt zusammen mit seiner Frau in einem denkmalgeschützten Bauernhaus Ein Unfall im Jahr 2018 macht ihn zum Paraplegiker. Das ZHB koordiniert den Umbau.
Von Dominik Widmer
Sein ganzes Leben hat Roger Maillard in diesem Bauern haus in Surpierre FR ver bracht. Seit seiner Geburt bewohnt er das Haus aus dem Jahre 1789. Als junger Mann konnte er 1990 umfas sende Umbauarbeiten vornehmen. Zu diesem Zeitpunkt gehörte die Liegen schaft noch seiner Mutter. Es entstanden drei separate Wohnungen. Die Wohnung unseres Bauherrn wurde bei diesem Umbau im ersten und zweiten Obergeschoss eingerichtet. Im Erdgeschoss entstanden eine Wohnung für seine Mut ter sowie eine Mietwohnung. Das junge Ehepaar Maillard übernahm die Liegen schaft 1992 und unterstützte und beglei tete die Mutter von Roger Maillard bis zu ihrem Tod im Jahre 2012.
paar Maillard gemeinsam mit den drei Kindern be reits im Vorfeld viele Ge danken gemacht und hat te klare Vorstellungen, wie der Umbau aussehen sollte, jedoch ohne Kenntnis der baulichen Machbarkeit. Zweitens plante der jüngere Sohn der Familie, zu sammen mit seiner Lebenspartnerin eine der Wohnungen im Elternhaus zu bezie hen. Drittens war, gemäss Aussagen der Bauherrschaft, unser beratender Architekt sehr aufgeschlossen und liess sich auf Ge dankenspiele ein, die auf den ersten Blick unrealistisch und unverhältnismässig er schienen. Denkmalgeschütztes Objekt Erschwerend kam hinzu, dass das Bauern haus unter Denkmalschutz steht und es
demzufolge nicht möglich war, das äussere Erscheinungsbild des Gebäudes zu ändern. Nur bauliche Massnahmen im Innenbe reich waren erlaubt. Abgesehen von dieser behördlichen Ein schränkung war es für die Bauherrschaft zentral, dass der Charakter des Hauses er halten bleibt und es keine wesentlichen Verfremdungen erleidet. Wohnen auf einem Geschoss Es war der Bauherrschaft bereits zu einem sehr frühen Zeitpunkt klar, dass es nicht sinnvoll sein würde, die beiden Oberge schosse rollstuhlgängig auszubauen. Die Treppensituation war viel zu eng für den Einbau eines Treppenlifts. Wir suchten nach einer Lösung, eine eingeschossige Wohnung für Roger Maillard im Parterre einzurichten, sonst hätte sich das Eherpaar
Grosszügiger Wohnraum Das Ehepaar Maillard verfügte über ge nügend Wohnraum, um ihre drei Kinder grosszuziehen. Die zwei Kleinwohnungen vermieteten sie. Bereits vor dem Unfall von Roger Maillard hatten alle drei Kinder ihr Elternhaus verlassen. Gedanken zu neuer Wohnform Zur Wohnungsabklärung war die ganze Familie anwesend. Bereits nach der ersten Besichtigung war dem beratenden Archi tekten des ZHB klar, dass es keine leichte Aufgabe wird, hier eine gute Anpassungsund Umbaulösung zu finden. Entgegen diesem ersten Anschein entstand dennoch rasch eine konstruktive Lösung. Dies hatte drei Gründe: Erstens hatte sich das Ehe 20
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eine neue Wohnung suchen müssen, was emotional schwer zu verkraften gewesen wäre. Dieser Grundgedanke einer Parterre wohnung schwebte auch den Familienmit gliedern vor. Die bauliche Machbarkeit und die genaue Umsetzung waren jedoch noch nicht ausgereift. Dass die wenigen vorhandenen Baupläne nicht sehr infor mativ und zum Teil sehr ungenau waren, erschwerte die erste Abklärung zusätzlich. Das ZHB erhielt den konkreten Planungs auftrag und erarbeitete aufgrund der Dis kussion an der Wohnungsabklärung einen ersten spezifischen Umbauplan, den es Fa milie Maillard vorlegte. Breite Unterstützung Roger Maillard hatte bei den verschiede nen Umbauten und Erneuerungsarbeiten im und um das Haus immer selber ange packt und viel in Eigenleistung realisiert. Dass er nun während dieses Umbaus in Nottwil in der Reha weilte und nicht viel dazu beitragen konnte, war für ihn nicht einfach. Dabei geholfen hat ihm der Um stand, dass seine gesamte Familie sehr en gagiert beim Umbau mithalf und ihm täg lich über den Stand berichtete. Er konnte so indirekt am Bauvorhaben teilnehmen und auch entsprechend Einfluss nehmen.
Bei der Ausführung haben ortsansässige Unternehmen, zu denen Familie Maillard einen persönlichen Kontakt pflegte, kons truktiv und unterstützend mitgewirkt und
dazu beigetragen, dass der unkonventionel le und anspruchsvolle Umbau erfolgreich über die Bühne ging. Für Roger Maillards Frau, die während der gesamten Umbau zeit das Haus bewohnte, war es eine an strengende und ermüdende Phase. Das gelungene Endresultat entschädigt jedoch für die aufreibende Zeit.
Wohlfühlen im umgebauten Haus …
Vorfinanzierung durch die SPS Damit ein solches Projekt überhaupt um gesetzt und vor allem termingerecht reali siert werden konnte, war eine zeitnahe Fi nanzierung unumgänglich. Die Schweizer Paraplegiker-Stiftung SPS unterstützte die ses Projekt und übernahm vorab einen Teil der Kosten, die das ZHB prognostizierte. Die Bauherrschaft hatte für einen grossen Teil der Baukosten die Finanzierung selber sichergestellt. Somit konnte bald weiterge plant und das Bauvorhaben zur Ausfüh rungsreife gebracht werden.
… im grossräumigen Bad …
Zusammenarbeit mit dem ZHB 2019 zog Roger Maillard nach etwa acht Monaten Rehabilitationszeit im SPZ in sei ne neu umgebaute Wohnung ein.
Nach einem Jahr zieht er eine sehr positi ve Bilanz und ist überzeugt, dass zusammen mit unseren Architekten die richtigen Ent scheidungen und Umbaumassnahmen ge troffen wurden. Die gute Zusammenarbeit mit dem ZHB habe die Umsetzung des Projektes erleichtert, meint Roger Maillard und erwähnt dabei insbesondere die spezi
Waschküche/ Keller
Zimmer
… auf dem Gartensitzplatz
fischen Kompetenzen in der individuellen Bedarfsabklärung und Lösungsfindung. Ein externer Architekt hätte diese fachspe zifische Be glei tung im hindernisfreien Bauen kaum so schnell einbringen können.
Dusche/ WC Waschküche
Esszimmer
Zimmer
Wohnzimmer
Bad
Bad WC
Wintergarten
Küche
Gang
WC Küche
Wintergarten
Küche
Eingang Wohnzimmer Wohnzimmer
Paracontact I Herbst 2020
Küche
Eingang
Wohnzimmer
Erdgeschoss vor dem Umbau
Gang
Wohnzimmer
Wohnung 1 Wohnung 2
Erdgeschoss nach dem Umbau
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KULTUR UND FREIZEIT
EINKAUFSBEGLEITUNG
Im Shoppingfieber
Fabienne Thali, Farb- und Stilberaterin und Personal Shopperin, verhilft zum passenden eigenen Look und Rollstuhlfahrerin Mirjam Gasser nimmt ihre Dienste gerne in Anspruch.
Von Gabi Bucher
Fabienne ging schon immer gerne mit Freunden shoppen und ihre Freunde ka men gerne mit, sie schien ein Auge dafür zu haben, was zu ihnen passte. «Du hast ein gutes ‹Gspüri›, du solltest was draus ma chen», sagten sie ihr. Aber ihr war nicht 22
klar, wie man da «was draus machen» könnte. «Eine Ausbildung zum Shoppen? Ich konnte mir nicht vorstellen, dass es sowas gibt», erzählt sie lachend. Sie erkun digte sich und fand heraus, dass es tatsäch lich eine Ausbildung in Farb- und Stilbe
ratung gibt. Ihre damalige Teilzeitstelle bei der SPV in der Abteilung Rollstuhlsport er laubte ihr, diese parallel dazu zu absolvie ren. Nachdem sie die Beratungen zuerst zu Hause anbot, fand sie später einen Raum im Städtli Sursee, wo sie diese weiterführte. Paracontact I Herbst 2020
Shoppen im Rollstuhl Mirjam kauft auch gerne Kleider ein, aber das ist nicht so einfach für jemanden, der im Rollstuhl sitzt. «Allein klappt das nur schlecht. Ich bin zwar relativ selbstständig, aber es gibt gewisse Dinge, die ich nicht schaffe.» Zum Beispiel Hosen anprobieren, dies manchmal in zu engen Kabinen. Die Fachangestellten fragt sie eher nicht um Hilfe, nimmt die Kleider lieber einfach mit nach Hause und probiert sie dort. Und je nachdem bringt sie sie eben wieder zurück. «Ich liess mir auch schon mal etwas online zusammenstellen, aber das passte leider nicht.» Gerade entspannt sei das Shoppen so nicht. Emmen Center Fabienne war es von Anfang an wichtig, dass ihre Kunden die Kleidungsstücke di rekt in den Läden anprobieren können. «So sieht man die reellen Farben, im Ka talog ist das oft nicht möglich, das Ganze sieht dann bei Tageslicht auf einmal an ders aus.»
Nachdem Fabienne ihre Tätigkeit bei der SPV beendet hatte, kam das Emmen Cen ter auf sie zu und fragte, ob sie vor Ort Be ratungen durchführen würde. Sie packte diese Chance: «Das war genau das, was ich mir gewünscht hatte.» Seit sechs Jahren berät sie jetzt Kunden in Sachen Farbe und Stil und begleitet sie auf Wunsch beim Personal Shopping. «Meine Kunden ha ben die Möglichkeit, ihre Kleider gleich in mehreren verschiedenen Läden anzupro bieren und zu vergleichen.» Gemeinsames Einkaufen Mirjam kannte Fabienne vom Monoski bobfahren aus SPV-Zeiten, das Wiederse hen war eine grosse Freude. Mit Fabienne an ihrer Seite konnte sie das «Nötige» mit dem «Angenehmen» verbinden. So fanden sich die beiden ein erstes Mal beim gemein samen Shoppen, und es sollte bei weitem nicht das letzte Mal bleiben. «Mit Fabienne fühle ich mich rundum wohl. Sie begegnet mir auf Augenhöhe, kennt sich aus und weiss, worauf ich zu achten habe beim Kleiderkauf. Denn neben Farben und Stil hat sie auch grosse Erfahrung bezüglich praktischer und bequemer Kleidung für Menschen im Rollstuhl.» Paracontact I Herbst 2020
Persönliche Beratung: So macht Einkaufen Spass
Beratung für Rollstuhlfahrer Unabhängig von dieser ersten Beratung mit Mirjam war für Fabienne schnell klar gewesen, dass sie ihr Angebot auch Men schen im Rollstuhl anbieten will. Es ist ihr ein Anliegen, ihnen bewusst zu machen, wie man mit der Kleiderwahl die eigene Persönlichkeit unterstreichen kann. Ihr sei es wichtig, ihren Kunden ein gutes Selbst wertgefühl mitzugeben. «Es ist ein tolles Gefühl, wenn sie sich im Spiegel anschau en und sagen: Wow, so sehe ich gut aus!» Typgerecht und authentisch solle es sein, und vor allem so, dass man der Person ins Gesicht schaue und nicht von der Kleidung abgelenkt werde. Dabei gebe es ein paar einfache Tipps zu beachten, zum Beispiel, dass die Kleider unten eher in dunklen Far ben gehalten sein sollten und gegen oben immer heller werden. «Das streckt optisch, was in sitzender Position wichtig ist.» Gros se Muster seien nicht ideal, da sie ebenfalls optisch kleiner machen. In guten Händen Mirjam liebt das Shoppen mit Fabienne. «Sie weiss bestens, was von Farbe, Stil und Schnitt her zu mir passt.» Fabienne mache sich im Vorfeld eines gemeinsamen Aus flugs bereits Gedanken und steuere dann zielsicher auf die Läden zu, wo sie passen de Kleider finde. «Das heisst aber nicht, dass sie mich in irgendeiner Weise bevor mundet. Sie nimmt meine Meinung und meine Vorlieben ernst.» Sie habe jedoch schon so manches Kleidungsstück gekauft, welches sie selbst nie anprobiert hätte, «und ich trage es auch», fügt sie an. Zusätz lich sei Fabienne bestens geschult, wenn es darum gehe, gewisse Hilfestellungen anzu bieten. «Sie weiss, wie unterstützen, wenn jemand das braucht und möchte, und sie spürt auch, wenn es nicht erwünscht ist.»
Eingespieltes Team Auch heute sind sie wieder gemeinsam un terwegs. Fabienne steuert geradewegs auf einen Tisch zu mit farbigen T-Shirts. «Nein, vergiss es, ich ahne, was du mir bringen willst, es wird mir nicht gefallen!», ruft Mirjam ihr nach. Fabienne kommt lachend zurück. «Ich weiss, dass du dieses Gelb nicht magst, aber es würde dir so gut ste hen, darum versuch ichs ab und zu wieder.» Aber klar reiche es nicht, wenn die Farbe ideal sei, aber der Kundin nicht gefalle, meint Fabienne.
Die beiden sind ein gutes Team und mitt lerweile so vertraut, dass sie auch mal schal lend lachen können, wenn sich in einer engen Kabine ein Kleidungsstück einfach nicht anziehen lassen will. «So ist Shoppen richtig entspannt», meint Mirjam und rollt zufrieden mit den ausgesuchten Artikeln zur Kasse.
NEUES KURSANGEBOT Workshop «Farben und Stil» Unterstreichen Sie Ihre Persönlichkeit. Fabienne Thali erteilt Tipps, wie Sie Farben, Muster und Schnitte einsetzen, und erklärt, welche Kleider und Accessoires sich gut kombinieren lassen. Erhalten Sie wertvolle Anregungen für Ihre Kleiderwahl. Datum 24.3.2021 Zeit 19.00 – 21.00 Uhr Kursort Hotel Sempachersee, Nottwil Leitung www.fabiennethali.ch Kosten CHF 60.– Anmelden www.spv.ch
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Intermittierende Katheterisierung.
1. Hakansson et al. Urol Nurs 2015;35:239-47. 2. Koeter et al. Abstract 806, ICS 2016. WELLSPECT verzichtet nicht auf jegliche Rechte an seinen Marken, indem es die Symbole ® oder ™ nicht verwendet.
#Bewegungsfreiheit
#Bewegungsfreiheit und Stories dazu unter: paraplegie.ch/stories
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Paracontact I Herbst 2020
KULTUR UND FREIZEIT
HANDWERKERMARKT
Traditionell gut Der Handwerkermarkt findet in diesem Jahr zum ersten Mal in einer neuen Form statt und löst den traditionellen Weihnachtsmarkt ab. ALEX’ KULTURTIPP
LOOK & ROLL Die Schweiz hat ein kleines, feines und weltweit exklusives Kurzfilm-Festival: LOOK & ROLL. Es findet alle zwei Jahre statt und zeigt Filme über das Leben mit Einschränkungen, mit Schwächen, mit Behin derungen. Gegründet wurde es 2006 auf Initiative von Gerhard Protschka und Procap. Seit nunmehr 14 Jahren zeigt LOOK & ROLL, was Sache ist: mal schonungslos realistisch, mal satirisch überhöht oder romantisch verklärt, immer aber mit dem Anliegen, Menschen mit Einschränkungen ernst zu nehmen und ihre Situation in der Gesellschaft auszuhorchen. Alle Filme werden behindertengerecht aufgearbeitet. Für Gehörlose und Hörbehinderte werden spezielle Untertitel geschrieben, welche neben den Dialogen auch anderes, für die Handlung Wichtiges miteinbeziehen. Für Blinde und Sehbehinderte wird eine Audiodeskription geliefert. Das ist eine Handlungsbeschreibung, die in den Dialogpausen erklärt, was zu sehen ist. Ich lade Sie hiermit herzlich ein ans nächste Festival vom 17. bis 20. September 2020 in der Kaserne Basel. www.lookandroll.ch
Es ändert sich aber nur der Name. Das Angebot umfasst wie bisher verschiedene kunsthand werkliche Artikel und kulinarische Köstlichkei ten. Der Markt findet am 7./8. November 2020 in der Begegnungshalle des SPZ Nottwil statt. Kommen Sie vorbei und lassen Sie sich von der Vielfalt begeistern.
TANZGRUPPE ROCSO
FOTOTREFF
Bilder aus Balkonien Ja, er findet statt! Am 8. No vember 2020 begrüssen wir Sie zum beliebten «Fototreff» mit Ausblick aufs Reisejahr 2021. Dieses Jahr mit Brunch im Restaurant Vivace in Nottwil. In diesem Jahr ist bekanntlich alles etwas anders: Wir können uns weder an vergangene SPV-Ferien zurückerinnern noch die dazugehörigen Bilder bestaunen. Trotzdem würden wir gerne auf das vergangene «Zuhause-bleiben-Jahr» zurückblicken.
Let’s dance Die Tanzgruppe des Rollstuhlclubs Solothurn trifft sich ab dem 27. Oktober 2020 zum Tanzen. Wir freuen uns, neue Rolli-Tänzer begrüssen zu dürfen. Ebenso sind bei uns tanzbegeisterte Fuss gänger immer willkommen. 27. Oktober, 3. November, 10. November, 24. No vember, 1. Dezember 2020, jeweils dienstags von 11.00 bis 13.00 Uhr in der Sporthalle 2 im Schwei zer Paraplegiker-Zentrum, Nottwil Kontakt Fritz Lüthi Tel. 062 216 05 65, Mobile 079 618 30 31 fritz.luethi@gmx.ch, www.rocso.ch
Senden Sie uns doch den einen oder anderen Schnappschuss aus Ihrer Corona-Zeit daheim. Wir erstellen daraus eine Präsentation und schon wird unser Event seinem Namen wieder gerecht. Tipp Besuchen Sie nach dem Fototreff den vorweihnachtlichen Handwerkermarkt im SPZ.
Anmelden/Fotoadresse Ihre «Zuhause-Fotos» an kf@spv.ch senden. Möchten Sie am Handwerkermarkt ausstellen oder sich für den Fototreff anmelden? www.spv.ch
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KULTUR UND FREIZEIT
DESTINATIONEN 2021 Aktivferien für alle Mitglieder Skiwoche Arosa Skiwoche Zinal Interlaken Sommerplausch
14.–19.3.2021 29.3.–2.4.2021 17.–24.7.2021
Städtereisen für alle Mitglieder Valencia 10.–17.4.2021 Göteborg 19.–26.6.2021 Madrid 25.9.–2.10.2021 Städtereisen für Mitglieder mit Tetraplegie
PARAREISEN
Endlich wieder Ferien! Machen wir das Reisejahr 2021 gemeinsam zu einem Highlight. Denn was gibt es Schöneres, als nach einer restriktiven Zeit zusammen in die Ferien zu fahren? Von Antonia Tanner Die Vorfreude beim Koffer packen, das Kribbeln auf der Anfahrt und die Entspannung, die unmittelbar beim ersten Urlaubsdrink einsetzt – all das wollen wir wieder spüren! Die Lust, auf Reisen zu gehen, ist nach einem Jahr wie diesem grösser als je zuvor. Entdecken Sie unsere Desti nationen 2021. Im Gepäck haben wir seit langem wieder Badeferien für alle Mitglieder an der beliebten Costa del Sol.
Wenn Sie schon immer mal Sardinien bereisen oder den hohen Norden um Mittsommer besuchen wollten, machen wir auch das möglich! Alle Reisen sind ab dem 9. November 2020 nach dem «Fototreff» online buchbar. Infos zum etwas anderen Fototreff finden Sie auf Seite 25 dieser Ausgabe. Anmeldung «Fototreff» spv.ch/veranstaltungen
Frankfurt Mailand Badeferien für alle Mitglieder
21.–28.8.2021 2.–9.10.2021
Costa del Sol
16.–23.10.2021
Badeferien für Mitglieder mit Tetraplegie Teneriffa ab Genf Grado Lanzarote
24.4.–1.5.2021 4.–11.9.2021 17.–24.10.2021
Regionenreise für alle Mitglieder Sardinien
4.–11.9.2021
Regionenreise für Mitglieder mit Tetraplegie Toskana Südtirol Algarve Kärnten Spezialwoche Allgäu*
15.–22.5.2021 29.5.–5.6.2021 12.–19.6.2021 18.–25.9.2021 26.6.–3.7.2021
Reisen für alle Mitglieder mit Warteliste Rundreise Thailand 14.–27.11.2021 Regionenreisen Schottland Reise 1 7.–14.8.2021 Schottland Reise 2 14.–21.8.2021 * Anmeldung mit
fixer Betreuungsperson
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Paracontact I Herbst 2020
KULTUR UND FREIZEIT
Reiseluft schnuppern AKTIVFERIEN SKIWOCHEN
REGIONENREISE ALGARVE
BADEFERIEN COSTA DEL SOL
Für alle Mitglieder
Für Mitglieder mit Tetraplegie
Für alle Mitglieder
Spass und Sicherheit stehen in den SPVSkiwochen an erster Stelle. Professionelle Skilehrer begleiten Sie und verleihen Ih ren Schwüngen den letzten Schliff – ohne Unterricht, aber mit Rat und Tat an Ihrer Seite.
Lieben Sie das Meer? Im Süden Portugals ist es allgegenwärtig; in der Identität der Einwohner, in der lokalen Küche und in der Geschichte der Region.
«Hola y bienvenidos» an der Sonnenküste Spaniens. Was lange gewünscht wurde, wird 2021 nun endlich wahr. Diese Woche Badeferien steht allen Mitgliedern offen.
Geniessen Sie das Meer nicht nur kulina risch, sondern entspannen Sie an einem der paradiesischen Sandstrände und erle ben Sie auf einer Bootstour die faszinie renden Meereshöhlen von Benagil.
Könnte ein Tag besser starten als mit einem Frühstück auf einer Terrasse mit Meer blick? In Fuengirola an der Playa Los Boliches erwartet Sie danach ein breiter, flachabfallender Strand am ruhigen Mit telmeer. Doch das ist noch nicht alles: Hier weht die Blaue Flagge! Sie zeichnet den Strand für besonders gute Wasserqualität, Sicherheit und sorgfältigen Umweltschutz aus. Und auch das geht: ein kleiner Imbiss hier, ein neuer Badeanzug da oder ein Sou venir dort.
Arosa Das Skigebiet Arosa-Lenzerheide ist mit über 225 Pistenkilometern ein wahres Win terparadies. Datum 14.–19.3.2021 Kosten ab CHF 1340.– Anreise individuell Inklusive 5 Übernachtungen im DZ mit Halbpension, Skipass Anmelden ab 9. November 2020
Zinal Der Wintersportort Zinal liegt zuhinterst im Val d’Anniviers und garantiert Schnee abenteuer und Pistenspass in Hülle und Fülle. Datum 29.3.–2.4.2021 Kosten ab CHF 1140.– Anreise individuell Inklusive 4 Übernachtungen im DZ mit Halbpension, Skipass Anmelden ab 9. November 2020 Paracontact I Herbst 2020
In Portimão und Loulé geht es zwar ge schäftiger zu und her, trotzdem ist die At mosphäre sehr locker. In den pittoresken Altstädten mischt sich der orientalische Zauber mit traditionellem portugiesischem Erbe. Was aussieht wie ein Palast aus 1001 Nacht, ist die Markthalle von Loulé. Wer noch auf der Suche nach einem Souvenir ist, wird an den Ständen mit lokalem Kunst handwerk und einheimischen Spezialitäten bestimmt fündig. Datum 12.–19.6.2021 Kosten ab Fototreff 2020 bekannt Inklusive Direktflug ab Zürich, 7 Übernachtungen im Zweibettzimmer mit Halbpension, Ausflüge und Transfers Anmelden ab 9. November 2020
Dürstet es Sie nach Kunst und Kultur? Dann ist das nur 30 km entfernte Málaga als Ausflugsziel prädestiniert. Kein Gerin gerer als der Meister Pablo Picasso wurde in der zweitgrössten Stadt Andalusiens ge boren. Datum 16.–23.10.2021 Kosten ab Fototreff 2020 bekannt Inklusive Direktflug ab Zürich, 7 Übernachtungen im DZ mit Halbpension Anmelden ab 9. November 2020 27
Discretion by Design Ein Katheter, dessen Design wirklich begeistert.
Prämiert vom Chicago Athenaeum: Museum of Architecture and Design
Der Infyna Chic Einmalkatheter wurde mit Hilfe von Fachexperten entwickelt, um ein hohes Mass an Diskretion für Frauen, die Einmalkatheter verwenden, zu gewährleisten. Der Einmalkatheter hat nicht nur ein ansprechendes Design, sondern ist auch einfach in der Handhabung. Infyna Chic kann einer Frau helfen, sich besser damit zu fühlen, einen Katheter zu verwenden. Benötigen Sie weitere Informationen oder möchten Sie ein Testprodukt anfordern? Dann besuchen Sie uns auf www.hollister.ch/InfynaChic. Lesen Sie vor der Verwendung die Gebrauchsanleitung mit Informationen zu Verwendungszweck, Kontraindikationen, Warnhinweisen, Vorsichtsmassnahmen und Anleitungen.
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Einmalkatheter
© 2020: Hollister Incorporated. Hollister und Logo sowie Infyna Chic und Kontinenzversorgung sind Warenzeichenvon Hollister Incorporated. GOOD DESIGN ist ein eingetragenes und geschütztes Warenzeichen des Chicago Athenaeum. Metropolitan Arts Press Copyright 2020.
Kontinenzversorgung
KULTUR UND FREIZEIT
REISEBÜRO
Das Reisen und das Virus Anfangs war die Lage schwer einzuschätzen, doch rasch wurde klar: Die Situation ist ernst. Als logische Folge sagte die SPV alle Reisen für 2020 ab. Was uns im Reisejahr 2021 erwartet, lässt sich nicht abschliessend festhalten. Von Tanja Müller und Antonia Tanner
Das Corona-Jahr 2020 hat viele Reiselus tige enttäuscht und die SPV konnte Ange hörigen nicht die dringend benötigte Ent lastung bieten. Trotzdem kam von unserer Kundschaft viel Verständnis, denn die Pan demie hatte in den letzten Monaten alles und jeden im Griff. Was erwartet uns? Die Pandemie hat die Reisebranche schwer getroffen: Fast täglich ist von Stellenabbau und Filialschliessungen zu hören, Sicher heitsvorkehrungen sind erhöht, Flüge wer den verschoben und Buchungen gestalten sich kompliziert. Zu gerne würden wir fest halten, dass unsere Reisen im Jahr 2021 problemlos und ohne Einschränkungen stattfinden können. Doch die Antwort auf die eingangs gestellte Frage ist einfach: Wir wissen nicht, was uns erwartet.
Nichtsdestotrotz steht das nächste Reise jahr schon bald vor der Tür und unsere Reisefachfrauen sind fleissig an der Pla nung der Destinationen. Auch wenn wegen der Krise noch diverse Unsicherheiten be Paracontact I Herbst 2020
stehen: Existiert das angefragte Hotel auch in einem Jahr noch? Können wir alle benö tigten Flüge buchen? Wie werden die Ein reisebestimmungen im nächsten Jahr aus sehen?
uns zudem entschieden, einen Teil der im Jahr 2020 angebotenen Reisen noch einmal ins Programm zu nehmen, so beispiels weise Madrid, Mailand oder die Reise ins Südtirol.
Eines ist sicher: Es ist ein hohes Mass an Zuversicht und Flexibilität gefragt, wenn wir ins Reisejahr 2021 blicken.
Wartelisten für 2021 Weitere Spezialfälle sind auch die beiden Regionenreisen in Schottland sowie die Rundreise in Thailand. Im Jahr 2020 aus gebucht, aber aufgrund der Umstände ab gesagt, werden wir die Reisen 2021 durch führen. Da wir den Teilnehmenden, die sich für 2020 angemeldet hatten, den Vor zug gegeben haben, sind diese drei Reisen bereits ausgebucht. Für alle Interessierten führen wir Wartelisten – vielleicht ergibt sich auch für Sie noch eine Chance.
Reisen in der Nähe Um eine Gruppenreise zusammenstellen zu können, müssen im Vorfeld zahlreiche Abklärungen getroffen werden. Dies ver langt dem SPV-Reisebüro einen relativ lan gen Planungshorizont ab. Kurzfristig ins Ausland zu verreisen, ist nicht möglich.
Da COVID-19 uns immer wieder Anpas sungen aufzwingt, hat die SPV-Geschäfts leitung entschieden, auf eine, hoffentlich, sicherere Variante zu setzen: Im ersten Halbjahr 2021 werden keine aussereuropä ischen Reisen geplant. Destinationen wie Tel Aviv, welche bereits in Bearbeitung wa ren, wurden wieder verworfen. Wir haben
Hoffnung stirbt zuletzt Auch wenn die Durchführung unserer Reisen von vielen nicht beeinflussbaren Faktoren abhängt, sind wir dennoch op timistisch, dass wir mit Ihnen, unserer Kundschaft, 2021 wieder erlebnisreiche und erholsame Ferien verbringen dürfen. 29
KULTUR UND FREIZEIT
Jahr gibts eines.» Auch die Idee eines Mas sagerollers hat er aufgenommen. «Und die Kuh da …», er zeigt auf ein wunderschön gefertigtes Tier, «die entstand nach einem Besuch auf dem Säntis. Da sah ich kleine Holzkühe, aufgezogen auf einem Stück Schnur.» Das habe ihn fasziniert und zu Hause habe er getüftelt und ausprobiert, «und daraus ist nun diese Kuh entstan den». Im Lauf der Zeit sind Stier und Kalb dazugekommen. Er sei ständig am Ändern, Ausprobieren, Verbessern. «Das gibt zwar Abfall, aber wenn irgendwie möglich, wer fe ich nichts weg. Mit den Resten mache ich Tierli oder Deko-Artikel, kleine Krip pen, Schlüsselanhänger.» Diese verteilt er am Markt an die Kinder.
DAS PERFEKTE HOBBY
Chueli, Dackel & Co. Die Pensionierung hat Sepp Pörnbacher endlich die nötige Zeit gebracht, um sich seinem Hobby zu widmen: dem Anfertigen von Holzspielsachen. Von Gabi Bucher
Seine Holztiere, Traktoren und Puzzles sind vielen be kannt vom Weihnachts markt der SPV. Sepp Pörn bacher hat seit Beginn keinen ausgelassen und war immer sehr erfolgreich mit seinen Holzkreationen. «Bereits als Bub habe ich gerne mit Holz gearbei tet», erzählt er, «und ein Bastler war ich schon immer. Ich habe im Quartier alles geflickt, was es zu flicken gab.» Jetzt hat er Zeit, sich dem zu widmen, wovon er ei gentlich immer geträumt hat. Inspirationen vom Säntis «Ich habe früher sehr viel Freizeit mit dem Deltafliegen verbracht. Das war meine grosse Leidenschaft», erzählt Sepp. Dann sei der Unfall passiert, vor 37 Jahren. «Wäre ich nicht in den Rollstuhl gekom 30
men, hätte ich mir wohl die Zeit nicht genommen, mit der Holzverarbeitung an zufangen.» Jetzt, mit sei nem Bastelraum, seiner Bandsäge, der Dekupiersä ge, welche er zum 50. Geburts tag geschenkt bekommen habe, und der Bohrmaschine, sei er bestens aus gerüstet. «Der Raum ist klein, aber wäre er grösser, gäbe es nur noch mehr Platz für Staub», meint er lachend. Und so ver bringt er im Winter und bei Regenwetter viele Stunden damit, seine wunderbaren Nachziehtiere, Traktoren, Weihnachtsde korationen und Puzzles zu kreieren. «Die Ideen? Die kommen mir oft nachts, wenn ich nicht schlafen kann», erklärt er. «Oder die Kunden geben mir Anregungen. Letz tes Jahr am Weihnachtsmarkt fragte je mand nach einem Rückenkratzerli, dieses
Holzige Begeisterung Sepp verarbeitet unterschiedlichste Holz arten. «Früher war die Holzbeschaffung einfacher. Ich kannte einen Schreiner, der mir jeweils sein ‹Abfallholz› gab.» Der Mann sei leider verstorben. Jetzt meldeten sich ab und zu Bekannte, welche im Gar ten Bäume schneiden. Zeder, Ahorn, helle Esche, Buche, Ulme, Kirschbaum; jedes Holz ist willkommen. «Es ist faszinierend, wenn ich einen ‹Rugel› aufschneide und eine schöne Maserung kommt zum Vor schein», schwärmt Sepp und streicht liebe voll über die Räder seiner Nachzieh-Ente. Dackel, Heuschrecke und Ente Seine Artikel verkauft er teilweise online, an Bekannte und Freunde, aber vor allem am Weihnachtsmarkt im SPZ, der jetzt durch den Handwerkermarkt am 7. und 8. November 2020 abgelöst wird. Sepp hat eine treue Kundschaft. «Ich geniesse es sehr, dass ich das als Hobby ausführen kann. Ich habe ja praktisch keine Unkosten.» Dauer brenner sind der Dackel, «davon habe ich bestimmt schon zwischen 30 und 40 Stück gemacht», die Heuschrecke und die Ente. Und kommt jeweils ein Kind an seinem Stand vorbei, darf es sich ein bis zwei klei ne Holztiere aus einer Kiste aussuchen. Da leuchten die Kinderaugen, die Erwachse nenaugen leuchten oft mit. «Ich freue mich einfach, wenn sich andere über meine Kreationen freuen», meint Sepp zufrieden. Informationen und Angebot www.holz-kreationen.ch Paracontact I Herbst 2020
KULTUR UND FREIZEIT
AUSFLUG FÜR DIE GANZE FAMILIE
Familienfreundlich – natürlich – Naturama Sich auf Zeitreise begeben und die Natur entdecken: Im Naturama in Aarau dürfen Sie das zottige Mammutbaby streicheln, sich wie ein Käfer im Gras fühlen und in die Urzeit zu den Dinosauriern reisen. Ein Museum, das Unterhaltung für die ganze Familie bietet. Von Antonia Tanner
Hätten Sie es gewusst? Im Aargau lebten Dinosaurier, es gab ein tropisches Meer mit Korallenriff und heutzutage stehen die pro duktivsten Wälder Europas auf Aargauer Boden. In einem der modernsten Natur museen der Schweiz erfahren Sie das und noch viel mehr auf interaktive und spiele rische Art und Weise. (Ur-)Tiere zum Anfassen Die Ausstellung «Lebensraum Aargau» dokumentiert eindrücklich, wie sich die Natur und ihre Ökosysteme im Aargau verändert haben. Starten Sie mit der Ver gangenheit und erkunden Sie im Unterge schoss die Zeiten von Dinosauriern bis zu den Mammuts. Ein Highlight für Ihre Kin der wird mit Sicherheit das Mammutbaby sein, dessen dickes Fell sie sogar streicheln dürfen. Neben dem Eiszeit-Elefanten gibt es noch zahlreiche weitere präparierte Tie re, die nur darauf warten, von Ihnen ge krault zu werden. Auch eines der wenigen existierenden Präparate eines Riesenalks beherbergt das Museum. Der flugunfähige Seevogel wurde 1844 ausgerottet und ist ein eindrucksvolles Zeugnis für den ein schneidenden menschlichen Einfluss auf die Ökosysteme.
labor können die Kinder sich als kleine Wissenschaftler versuchen. Neben Spinnen und Käfern unter dem Mikroskop können Sie auch in die Welt der Gerüche eintau chen. Lust, einen Blick in die Zukunft zu werfen? Im Obergeschoss wird anhand von interaktiven Filmen, Spielen und Hör stationen Interessantes über die sich stän dig verändernde Umwelt vermittelt. Besonderes und Leckeres Bis März 2021 wird die Sonderausstellung «Heisse Zeiten – Klimaportraits» gezeigt. Zwei Fotografen haben 22 grossformatige Portraits von Menschen erstellt und doku mentiert, auf welche Weise diese vom Kli mawandel betroffen sind.
Für Ihr leibliches Wohl ist auch gesorgt. Im familienfreundlichen «Café Friedrich» gibt es während der Museumsöffnungszei ten kalte und warme Getränke sowie Ge bäck und Snacks.
NATURAMA IN AARAU Das Museum ist rollstuhlgängig. Es stehen zwei Parkplätze und ein rollstuhlgängiges WC zur Verfügung. www.naturama.ch Freier Eintritt mit «Sternschnuppe-Karte» Das Naturama ist eine Partnerinstitution der Stiftung Sternschnuppe und ihrer «Freizeitsterne». Dieses Angebot ermöglicht Familien mit Kindern, welche mit einer Krankheit, einer Behinderung oder mit den Folgen einer schweren Verletzung leben, freien Eintritt zu diversen Freizeiteinrichtungen. Wo Sie eine Karte beantragen können und welches die detaillierten Bedingungen sind, lesen Sie unter: www.sternschnuppe.ch
Heute und in Zukunft Erforschen Sie die gegenwärtigen Lebens räume. Im Erdgeschoss wird es tierisch: Entdecken Sie Spuren des Bibers und be obachten Sie lebende Zwergmäuse, Frösche und Fische. Wenn Sie wissen möchten, wie es sich anfühlt, als Käfer auf einer Wiese zu leben, ist auch das möglich. Im Natur Paracontact I Herbst 2020
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C-Brace® Orthese
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Neue Wege in der Orthetik Gehen neu berechnet Wie ist es möglich, dass Menschen mit Lähmungserscheinungen in den Beinen bis hin zu einer inkompletten Querschnittlähmung wieder in fliessenden Bewegungen laufen können? Computergesteuerte Schwung- und Standphase lautet die Antwort – Das Gehen wird durch die Orthese kontrolliert. Die Sensorik im Kniegelenk der Orthese registriert 100 mal in der Sekunde, welche Bewegungen Sie gerade ausführen. Das C-Brace® reagiert auf jede Situation blitzschnell, in Echtzeit. Erfahren Sie mehr auf www.ottobock.ch/de/cbrace
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KULTUR UND FREIZEIT
DER PERFEKTE AUSFLUG
Schaffhausen erkunden Schaffhausen? Die allermeisten denken zuerst an den Rheinfall. Der kleine Kanton an der Grenze zu Deutschland hat jedoch mehr zu bieten. Heidi Surbeck und Beat Kistler vom Rollstuhlclub Winterthur/Schaffhausen verraten uns ihre Highlights. Von Nadja Venetz
Ganz ohne Rheinfall geht es dann doch nicht. Mehrere Rollstuhlparkplätze befin den sich direkt am Rheinfallbecken. «Wir nutzen diese Parkplätze nie», erklärt Beat Kistler. «Wenn es viele Besucher hat, muss man mitten durch die Menschenströme fahren. Wir parkieren lieber auf dem Ge lände der SIG in Neuhausen. Dort hat es immer genügend Platz.» Bevor wir Schaff hausens Touristenmagnet Nummer eins besichtigen, machen wir einen Abstecher in die Mi niaturwelt Smilestones. Die Schweiz in klein Auf 250 m2 erleben Besu cher Schweizer Sehenswür digkeiten im Kleinformat. Die Stadt Schaffhausen lässt sich hier schon mal begutachten. Die Aus stellung befindet sich direkt beim SBBBahnhof «Neuhausen Rheinfall». Von die sem Bahnhof aus geht es mit zwei Liften runter ans Rheinfallbecken. Dem Ufer ent lang flanierend bewundern wir die tosen den Wassermassen. Wer noch näher an die Wasserfälle heran möchte, besteigt ein Boot. Die Schiffanlegestelle verfügt über einen Rollstuhllift. Rollstuhlgängig ist al lerdings nur das Boot der blauen Linie. «Besonders schön ist der Rheinfall, wenn er beleuchtet ist», wissen unsere beiden Locals. Beeindruckend sei auch das Feuer werk zum Nationalfeiertag am 31. Juli. We gen des Coronavirus wurde dieses 2020 jedoch abgesagt. Schmucke Altstadt Wer mag, kann mit dem Rollstuhl auf der Promenade dem Rhein entlang bis nach Schaffhausen. «Das ist wirklich ein toller Paracontact I Herbst 2020
Spaziergang am Wasser und in gut 30 bis 45 Minuten erreicht man die Stadt», emp fiehlt Heidi Surbeck. Schaffhausen besticht mit seiner schönen Altstadt. Eigens für Rollstuhlfahrer hat die Stadt auf einem rund 1,5 m breiten Streifen das Kopfstein pflaster der Fussgängerzone mit breiten Bodenplatten ersetzt. Schade, dass gewisse Ladenbesitzer diesen Streifen als Abstell fläche für ihre Angebotstafeln nut zen. Im verkehrsfreien Zent rum schlendern wir durch die Gassen und bestaunen die kunst voll bemalten Altstadthäuser und einige der insgesamt 171 Erker. Beat Kistler springt derweil in die Confiserie Reber und kommt mit Schaffhauserzungen zurück: «Unsere lokale Spezialität.» Das süsse Nussgebäck mundet und bleibt zwischen den Zähnen kleben. Im Café «El Bertin» gibt es das beste Glacé der Stadt. «Abends gehen wir gerne ins ‹Kammgarn›. Hier ist es sehr ungezwungen; alle sagen sich Du», berichtet Beat Kistler. Die Beiz ist zugleich auch Konzertlokalität und bie tet ein breites Veranstaltungsprogramm. Geschichtsträchtig Kunst und Kultur erlebt man auch im Mu seum zu Allerheiligen. Untergebracht im ehemaligen Benediktinerkloster ist schon der Eingang durch den Kreuzgang ein Er lebnis. Als eines der vielfältigsten Museen der Schweiz zeigt das Ausstellungshaus Kunst, Archäologie, Geschichte und Natur unter einem Dach. Der Munot, die Festung aus dem 16. Jahrhundert, ist das Wahrzei chen der Stadt. Der Weg schraubt sich im Zickzack den Hügel hoch. «Es braucht viel
Am Rheinfall in Neuhausen
Muskelkraft oder ein gutes Zuggerät, um mit dem Rollstuhl da hochzukommen», weiss Heidi Surbeck. Sportlich oder gemütlich Zahlreiche Velowege durchlaufen den Kan ton. Je nach sportlicher Ambition kann man mit dem Handbike bis an den Boden see und um diesen rundherum fahren. Wer es lieber gemütlich nimmt, wählt das Schiff. Besonders schön sei die Fahrt von Schaffhausen nach Stein am Rhein. Ein Besuch dieses Städtchens lohne sich oh nehin, betonen Heidi Surbeck und Beat Kistler. Hoch über dem Ort trohnt die Burg Hohenklingen, die ein exzellentes Restau rant mit grossartigem Ausblick beherbergt. «Das ist eher gehobene Preisklasse, aber ab und an kann man sich ja was gönnen», kommentiert Beat Kistler. Günstiger ist da die Jugendherberge Stein am Rhein. Alle Zimmerkategorien gibt es auch in einer rollstuhlgängigen Variante. Informationen Alle Empfehlungen, Links und einen Programmvorschlag haben wir Ihnen zusammenstellt: spv.ch/paraschweiz 33
ROLLSTUHLSPORT
GRENZENLOSE NEUGIER
Lust auf Leistung Walter Eberle lotet seit Jahren seine sportlichen Grenzen aus und überrascht sich selber mit den Resultaten und Leistungen, die er dabei erreicht. Von Gabi Bucher
Aufgewachsen ist Walter Eberle, Jahrgang 1962, auf einem Bauernhof. Er sei immer in Bewegung gewesen und viel unterwegs mit dem Mountainbike und am Wandern. Als er den ersten Gleitschirm sah, fand er, das wäre die ideale Lösung, das ungeliebte Talwärtslaufen zu umgehen. Gleitschirm fliegen wurde seine Leidenschaft – und sein Verhängnis. Anlässlich eines Fluges geriet er in ein Abwindsystem. Die Notlandung in Hanglage fiel zu hart aus. Er brach einen Wirbel, ein Splitter verletzte sein Rücken
mark. «Ich wusste sofort, was Sache war.» Oberhalb des Landeplatzes spazierte ein Paar durch, er winkte und rief, sie winkten zurück. «Ich musste lauter rufen, um zu er klären, dass ich nicht nur grüssen wollte.» Wenn auch der Wille nicht reicht Es folgte die Notoperation im Spital Chur und vier Monate Reha «im Balgrist». Da es sich um eine inkomplette Querschnittläh mung handelte, hoffte Walter, mit positi vem Denken und eisernem Willen zu Fuss
Unzertrennlich: Ein unschlagbares Team – Walti und sein Handbike
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nach Hause zu gehen. «Ich habe eine Weile gebraucht, um zu verstehen, dass das nichts werden würde», erzählt er. Glücklicher weise hatte ihm sein Arbeitgeber in Liech tenstein eine Stelle im Büro angeboten. «So war das mit meiner Arbeitsstelle schon mal geregelt. Die Rückkehr ins ‹normale› Leben war schwieriger, als ich es mir vor gestellt hatte. Ich brauchte Zeit, um mich wieder zurechtzufinden.» Ein nicht ganz alltäglicher «Triathlon» Als Bewegungsmensch brauchte Walter auch im Rollstuhl Herausforderungen. «Ich habe so ziemlich jede Sportart ausprobiert», erzählt er. Unter anderem das Handbike, aber nach zehn Minuten habe er entschie den, das sei nichts für ihn. «Mir fielen fast die Arme ab», erinnert er sich. Trotzdem wurde das Handbike zum Sportgerät, mit dem er eine beinahe symbiotische Bezie hung einging. «Nachdem ich zehn Jahre Wettkampfsport im Nationalkader betrie ben hatte, kam die Lust auf etwas Neues auf.» Es zieht ihn auf längere Distanzen wie Gigathlons und Rad-Marathons, wo öfters zuerst auch Integrationsarbeit nötig war. Sein Traum blieb ein Triathlon. Dann trai nierten Radfahrer in seiner Region für den «Swissultra», einen Ultratriathlon-Wett kampf. Das interessierte ihn, er informierte sich über die Bedingungen: Ein fünffacher Ironman mit 3,8 km Schwimmen, 180 km Rad, 42,3 km Laufen an fünf Tagen in Folge. «Es hätte nicht grad eine Langdistanz sein müssen», erzählt er schmunzelnd, «aber warum nicht probieren. Das Ganze fand sozusagen vor meiner Haustüre statt. Der Veranstalter hat die Laufstrecke angepasst, sodass ich sie im Rennrollstuhl absolvieren konnte, also habe ich mich angemeldet.» Paracontact I Herbst 2020
Beim Schwimmtraining merkte er dann allerdings, dass er sich etwas überschätzt hatte. Beim ersten Durchgang im Neopren anzug sei er nach 50 Metern völlig erschöpft gewesen. «Die Wasserlage war ganz anders, die Beine waren zu weit oben und ich kam in Panik.» Zusammen mit einer Schwimm trainerin, Gewichten und Luftpolstern im Anzug schaffte er es dann doch, die Strecke von 3,8 km innerhalb der Limite von zwei Stunden zu absolvieren. Beim Handbike wusste er, wozu er fähig war, denn er hatte bereits an Langdistanzrennen in Skandi navien teilgenommen. Den Rennrollstuhl hingegen empfand er als notwendiges Übel. «Eine ungemütliche Position, ich fühlte mich wie in einer Nussschale.» Eine verrückte Geschichte Walter setzte sich zum Ziel, mindestens ei nen Tag durchzustehen, alles andere wäre Zugabe. Seine Helfer hatte er für drei Tage gebucht. Und so stand er am Start, als ein ziger Rollstuhlfahrer. Er wusste nicht, wie sein Körper reagieren würde, wie das funk tionieren sollte, rein nur das Katheterisie ren. Aber es funktionierte. Und obwohl er nachts kaum schlief, verging Tag um Tag. Er suchte neue Helfer für Tag vier und fünf. «Am vierten Tag war ich so kaputt, dass ich während des Schwimmens beinahe ein schlief.» Am fünften Tag, nach einer guten Nacht, lief alles wieder rund. «Es ist auch jetzt kaum fassbar, wie das möglich war», meint er, «eine verrückte Geschichte!»
Im folgenden Jahr absolvierte Walter mit Bert Marti die Tortour, die Umrundung der Schweiz ohne Pause, 1000 Kilometer, 13 000 Höhenmeter, 55 Stunden Fahrt. «Eine Art Stafette, 50 Kilometer ich, 50 Kilo meter Bert, zwei Stunden ausruhen im Begleitfahrzeug «Pfuusbus», während der andere fährt, und das zweieinhalb Tage ohne Unterbruch.» Es sei erstaunlich, wie schnell der Körper regeneriere, erzählt er. Das Verschieben der Grenzen, das Austes ten der Möglichkeiten seines Körpers, der Ausdauerfähigkeit, das zieht sich durch bei Walter. Er frage sich immer wieder, ob es wohl möglich sei, noch weiter zu gehen. «Eindrücklich war auch, wie gut mein Kör per reagierte. Ich hatte nach der Tortour einen vorsorglichen Termin mit meiner Paracontact I Herbst 2020
Walti liebt es, seine Grenzen zu testen
Physiotherapeutin gebucht, aber sie mein te, meine Muskeln seien butterweich.» Die Langdistanzen und runden Bewegungen im mittleren Pulsbereich führten zu einer entspannten Muskulatur und gut ge schmierten Gelenken. «Dieser austrainierte Körper ist eine tolle Erfahrung.» Im Früh ling reiche ein kurzes Aufbauprogramm und er sei wieder fit für neue Herausfor derungen. «Zudem habe ich seither keine Schulterprobleme mehr», versichert er. Aus fünf mach zehn Letztes Jahr fragte ihn der Veranstalter von «Swissultra», ob er wieder dabei sei. Dies mal seien es allerdings zehn Tage. «Ich hat te eigentlich mit dem Thema Triathlon ab geschlossen und hoffte insgeheim, Arbeitgeber und Helfer würden nicht mitmachen. Das taten sie aber und mich packte die Neugier, ob ich das schaffe.» Er nahm sich vor, mindestens sechs Tage durchzustehen und biss sich durch. «Ab dem siebten Tag war der Druck weg, ich konnte völlig frei fahren und kam in einen wunderbaren Flow. Ich fuhr ein gutes Wohlfühltempo, hätte einen Tempomaten einschalten kön nen.» Fans seien kurze Strecken mitgefah ren, er genoss Morgen- und Abendstim mungen, spürte die veränderten Windverhältnisse, stand Blitz und Donner durch. «Und je länger es dauerte, desto schneller wurde ich. Die zehnte Runde war gar mei ne schnellste!» Da seien natürlich auch die Emotionen gewesen, unglaublich, unvor stellbar. Bis acht Wochen danach sei er noch im Flow gewesen. Wirklich eindrücklich.
Und so versucht sich Walter in seinen Gren zen und schmiedet Pläne. Die einen reali siert er, andere versanden. Ein grösseres Projekt ist die Bezwingung der höchsten Alpenpässe Europas mit dem Bike. «Auf über 2800 m kommt die Herausforderung mit dem Sauerstoff dazu.» In der Zwischen zeit geniesst er die schönen Tage, geht auf einwöchige Biketouren mit seinem «Gotte chind». Rollstuhl, Zelt und Gepäck führt er auf dem Handbike mit. «Die Schweiz und Europa sind so schön», schwärmt er, «und
im Sommer irgendwo zelten, am Abend ein kühlendes Bad in einem See, herrlich.» Aber manchmal sei er ganz froh, wenn es zwei, drei Tage regne. «Denn wenn schö nes Wetter ist, muss ich raus.» Wenn Walter von seinen Leistungen er zählt, leuchten seine Augen. Es fasziniere ihn, wozu ein Körper fähig sei. Aber er halte immer seine Gesundheit vor Augen. Man spürt, dass ihm das alles eine tiefe Zufriedenheit gibt, und hat nie das Ge fühl, er wolle etwas beweisen. Da ist ein fach diese grenzenlose Neugier auf seine fast ebenso grenzenlosen Fähigkeiten. Giro Suisse Walter Eberles nächste Herausforderung: www.girosuisse.ch 35
ROLLSTUHLSPORT
KIDS DAY
Ein Familien-Event
FOKUS
Augenmerk TK Handbike Mit 60 lizenzierten Athleten ist die Sportart Handbike eine der grössten Rollstuhlsport arten in der Schweiz. Bereits im Jahr 2004 waren die Handbiker das erste Mal an den paralympischen Spielen in Athen am Start. Schon einige Jahre länger existiert die TK Handbike, welche einen wichtigen Beitrag zur Förderung der Sportart beiträgt. Aktuell setzt sich die TK aus dem Na tionaltrainer Dany Hirs und der Sportartmanagerin Barbara Zihlmann zusammen. Dany, ehemaliger Profiradsportler und UCI-Continental-TeamTrainer, unterstützt die Athleten jetzt bereits das vierte Jahr. Barbara übernimmt seit diesem Jahr vorübergehend die Funktion als TK-Chefin. Jetzt wird Verstärkung gesucht: Um die Sportart nachhaltig zu fördern, braucht es einen TKChef sowie einen Athletenvertreter, welche die strategische Ausrichtung zusammen mit dem bestehenden Team vor antreiben. Langweilig wird es den neuen Mitgliedern auf alle Fälle nicht, denn nebst den paralympischen Spielen im nächsten Jahr steht 2024 die Para-cycling WM in Zürich auf dem Plan. 36
Gemeinsam mit den Geschwistern und Days statt: Am Samstag, 3. Oktober in Te Eltern einen Tag Rollstuhlsport erleben. nero, am Samstag, 7. November in Nottwil Altbekannte und neue Freunde treffen. und am Sonntag, 8. November in Bulle. Teilnehmen können alle Kids im Alter von Bewegung und jede Menge Spass! Die Kids 6 bis 16 Jahren – gemeinsam mit der ganzen im Rollstuhl und ihre Familien lieben das Familie. Kids Camp. Dieses Jahr mussten wir das Kids Camp aus bekannten Gründen leider Jetzt anmelden www.spv.ch/breitensport absagen. Dafür finden nun gleich drei Kids
SERIE – FAIL-STORIES
Zerstreuter Routinier Es ist der 5. Februar 2020. Manuela Schär und ich, Nationaltrainer Beat Fäh, checken ein für das Trainingslager in Südafrika. Es läuft, wie es besser nicht laufen kann. Gemeinsam mit dem Material sind wir unterwegs nach Johannesburg.
sucht seinen Koffer. «Manuela, der ist doch auf deinem Zimmer», behaupte ich. «Nein, der muss bei dir sein.» Ups! Meine Pupil len haben sich kurz geweitet, der Herz schlag ausgesetzt – der Physiokoffer liegt noch am Flughafen. Christian begleitet mich am nächsten Tag dorthin. Da steht Mit dabei ist auch der Physiokoffer, den das gelbe Teil. «Macht 4000 Rand», meint wir freundlicherweise für Christian, den die Dame am Flughafenservice. Ich zücke Physio, mitnehmen. Er reist mit der restli meine Karte. Sie lacht: «Nein, dieser Ser chen Delegation drei Tage später an. Mate vice ist in Südafrika gratis.» Bei uns wäre rial ausladen, Zimmer verteilen. Christian das ohne Gebühr undenkbar. Paracontact I Herbst 2020
WIR ELTERN
«Chauffeure und Techniker»
PARALYMPICS UM EIN JAHR VERSCHOBEN
Tokyo-Update Das Organisationskomitee (TOGOC) ist mit grossem Einsatz daran, die Herausfor derungen der Verschiebung zu meistern. Vor ein paar Tagen wurde informiert, dass mehr als 80% der Wettkampfstätten zur Verfügung stehen werden. Schwieriger ist die Situation bei den Sportlerunterkünften: Das Village ist noch nicht gesichert, auch wenn das TOGOC zuversichtlich ist. Es sind noch Verhandlungen mit den neuen Besitzern, die in wenigen Monaten hätten
einziehen sollen, im Gang. Wie es mit den von Medien, Zuschauern und Teams bereits gebuchten Hotels aussieht, ist auch noch nicht klar. Im Sport hätten wir rascher neue präzise Qualifikationskriterien gewünscht. Auf grund der Corona-Krise konnten jedoch noch keine Wettkampfdaten fixiert werden, somit tun sich die internationalen Verbän de schwer, sich verbindlich festzulegen.
VORSCHAU TITELWETTKÄMPFE
Unsichere Durchführung Geplant sind sie, doch ob sie durchgeführt werden, ist noch nicht sicher. Im Wettkampfkalender 2020 von Rollstuhlsport Schweiz werden noch drei Titel wettkämpfe geführt. Cynthia Mathez und Karin Suter haben für die Badminton-EM vom 6. bis 11. Ok tober in Dublin (IRL) ein klares Ziel vor Augen. Sie wollen ihren Titel im Doppel der letzten EM vor zwei Jahren verteidigen. Weiteres Medaillenpotenzial haben beide in der Einzeldisziplin. Die Selektion der Athleten erfolgt nach Redaktionsschluss. Wenn möglich sollen auch im Mixed Dop pel sowie im Herren Einzel Athleten be schickt werden. Paracontact I Herbst 2020
Ihr Zeitaufwand für Fabians Sport sei deutlich geschrumpft, sagt Judith Recher. Der Handbiker ist selbstständig, die Familie bleibt aber ein starkes Sport-Trio. Der Vater als Techniker und Chauffeur, die Mutter, die ihn mental und haushaltstechnisch unterstützt. Die finanzielle Belastung hat durch die Unterstützung der Sporthilfe sowie privater Sponsoren markant abgenommen.
Die EM gilt als weiterer Gradmesser in der Vorbereitung für die Paralympics 2020 im nächsten Jahr. Das Schweizer Curling-Team tritt an der B-WM vom 31. Oktober bis 6. November in Lohja (FIN) zum Wiederaufstieg in die A-Gruppe an. Unmittelbar danach startet der internationale Verband vom 7. bis 13. November am gleichen Ort mit der WM Mixed Doubles eine Weltpremiere. Die Schweiz setzt für die Zukunft viel auf diese neue attraktive Turnierform, bestehend aus einem Mann und einer Frau pro Team. Diese Disziplin soll an den Paralympics 2026 Einzug in das Wettkampfprogramm finden.
Bereut hat es Judith nie, dass Fabian den Weg zum Spitzensportler eingeschlagen hat, denn «er ist ein WettkampfFödle». Erleichtert ist sie aber, dass die Wahl nicht auf den Skisport fiel, der noch mehr als das Handbiken an oder auch über die Grenzen geht.
DIE ZAHL
16 030 Kilometer werden alle GiroSuisse-Teilnehmenden gemeinsam während 13 Etappen zurücklegen, was der Strecke vom Nordkap zum Kap der Guten Hoffnung entspricht. 37
ROLLSTUHLSPORT
SPORTERNÄHRUNG
Energie auf den Punkt verfügbar machen Das ist die Herausforderung, der sich Joëlle Flück in ihrer täglichen Arbeit mit Athleten stellt. Die Sportmedizin Nottwil übernimmt einmal mehr eine Vorreiterrolle. Von Nicolas Hausammann
Das Schweizer Paraplegiker-Zentrum ist weltweit bekannt für den Ansatz der ganz heitlichen Rehabilitation. Ebenso ganzheit lich werden Rollstuhlsportler im Natio nalen Leistungszentrum der Sportmedizin in Nottwil betreut. Grund genug, um mit Joëlle Flück, der Fachexpertin für Sporter nährung des Swiss Olympic Medical Cen ter, dieses Fachgebiet etwas zu beleuchten. Joëlle, wie weit ist die Wissenschaft bezüglich der Sporternährung von querschnittgelähmten Athletinnen und Athleten? Das Fachgebiet der Sporternährung und Supplementierung ist allgemein noch eher jung. Der Rollstuhlsport ist so gesehen ein Baby. Von zirka zehn Studien dieses Fach gebiets haben wir in der Sportmedizin Nottwil sechs oder sieben selber initiiert und durchgeführt. Die Fallzahlen dieser Studien sind zwar klein, allerdings haben wir das Glück, durch unsere zentrale Stel lung und die enge Zusammenarbeit mit Rollstuhlsport Schweiz, relativ guten Zu gang zu Athleten zu haben. Diese sind oft auch sehr offen, bei unseren Studien mit zumachen, was es uns ermöglicht, aussage kräftige Studien durchführen zu können. Was sind denn die Hauptunterschiede zwischen Fussgängern und Rollstuhl sportlern? Jeder Sportler ist sowieso individuell und wird auch immer so analysiert und betreut. Bei Rollstuhlsportlern machen es die kör perlichen Veränderungen, die durch die jeweilige Behinderung ausgelöst werden, noch schwieriger, generelle Aussagen zu Paracontact I Herbst 2020
machen. Bewegungsapparat, Muskulatur und hormonelle Steuerung sind von Athlet zu Athlet verschieden betroffen, selbst bei vergleichbaren Läsionen. Hinzu kommen oft Medikamente und Nebendiagnosen als sekundäre Faktoren, die einen Einfluss ha ben können. Allerdings ist der Grundumsatz eines Roll stuhlsportlers oft viel geringer als bei einem Fussgänger. Manchmal verbrennen sogar Spitzenathleten in Ruhe nur gerade 1000 bis 1600 Kalorien pro Tag, und auch der Energieverbrauch im Training ist geringer. Folglich ist es umso wichtiger, die Energie auf den Punkt verfügbar zu machen. Hier gilt der Grundsatz: Kohlenhydrate vor in tensiven Trainings und Protein danach, al les im richtigen Mass. Nun ist ja sportlicher Lifestyle gerade in. Was siehst du bezogen auf die Sport ernährung als Gefahr? Nun ja, grundsätzlich ist der Trend zu mehr Bewegung etwas sehr Positives. Negativ wird es dann, wenn es in Richtung Wahn geht und plötzlich die Supplementierung wichtiger wird als das Training und eine ausgewogene Ernährung oder diese gar er setzen soll. Welchen Anteil an der Leistung eines Athleten hat die optimale Sporternährung? Das ist sehr schwierig zu beziffern. Grund sätzlich denke ich, dass durch eine weitere Professionalisierung im Rollstuhlsport, sprich gesteigerte Trainings- und Ruhezei ten, noch ein grösseres Erfolgspotenzial
Joëlle Flück im Beratungsgespräch
vorhanden ist. Die Sporternährung ist aber ein wichtiges Puzzleteilchen in der Glei chung des Erfolgs. Was würdest du einem Breitensportler, der an unserem Giro Suisse teilnimmt, zur erfolgreichen Bewältigung einer Etappe mit auf den Weg geben? Es geht ja beim Giro nicht darum, mög lichst schnell von A nach B zu kommen. Daher braucht es eigentlich keine Supple mente, aber sicherlich genügend Energie und regelmässiges Trinken vor, während und nach der Etappe. Supplemente (wie Gels) würden erst ein Thema, wenn auf grund von Magen-Darm-Unverträglich keiten auf dem Weg gar keine festen Le bensmittel wie Früchte oder Riegel zu sich genommen werden können. Interessiert? Möchten Sie individuell beraten werden? Tel. 041 939 66 00 www.sportmedizin-nottwil.ch 39
ROLLSTUHLSPORT
GIRO SUISSE
Los gehts ! Am 25. August startet endlich der Giro Suisse. Zu Ehren des 40-jährigen Jubiläums der SPV führt die Handbike-Tour in 13 Etappen über 700 Kilometer und 6500 Höhenmeter quer durch die Schweiz. Von Nadja Venetz
Das Coronavirus wirbelte auch die mona telange Vorbereitung des Giro Suisse durch einander. Lange war unklar, ob der Anlass überhaupt stattfinden darf. Mitte Juni fällt das OK den erlösenden Entscheid: Wir füh ren den Giro Suisse durch – natürlich so fern es die aktuelle Lage zulässt. Gemein sam mit der Sportmedizin Nottwil, dem Medical Partner der Veranstaltung, haben die Verantwortlichen ein Schutzkonzept er arbeitet.
nen. «Ich habe meinen Freunden vom Giro Suisse vorgeschwärmt. Viele von ihnen sind selbst sehr aktiv. Einige fragten sofort, ob sie auch mitfahren dürfen. Ein solches Erlebnis mit Freunden zu teilen, macht es natürlich umso schöner.»
«Ich kann Orte und Wege erkunden, an die ich ohne Giro nicht hinkäme.»
Auch die 12-jährige Viola Kuster hätte gerne mit ihrem Vater Martin den ganzen Giro Suisse bewältigt. «Wir sind begeis terte Velotouren-Fahrer und radeln jeden Sommer mit der ganzen Familie eine län gere Tour an einem Fluss entlang. Viola geht jedoch ab dem 17. August wieder zur Schule, weshalb wir nur über ein verlänger tes Wochenende am Giro Suisse teilneh men», erklärt Martin Kuster. Die beiden sind auf einem Tandem unterwegs. «Viola kann mit den Händen mithelfen, was sie auch mit viel Ausdauer stundenlang macht. Wenn sie aber müde ist, kann sie die Hän de einfach in den Schoss legen und den Papi strampeln lassen.» Als «Training» für den Giro Suisse fuhr Familie Kuster Mitte Juli von Frankfurt dem Main und dem Rhein entlang zurück in die Schweiz.
ich meinen Bewegungsradius massiv erwei tern. Der Giro Suisse ermöglicht mir, Orte und Wege zu erkunden, an die ich ohne die Tour nicht hinkäme. Der Transfer von einem Ort zum anderen mitsamt Gepäck wäre für mich alleine unmöglich zu organi sieren. Ich freue mich aber genauso auf das Gesellige. Geniessen und Spass haben; das ist meine Devise», begründet Pia Schmid ihre Teilnahme. Begleitet wird sie auf den 13 Etappen von unterschiedlichen Perso
Ohne Rangliste Die Freude an der Bewegung und das ge meinsame Erlebnis stehen im Zentrum des Giro Suisse. Es gibt weder eine Zeit nahme noch eine Rangliste. Was die tech nische Betreuung betrifft, steht die Veran staltung einem grossen Rennen allerdings in nichts nach. Die Orthotec begleitet den Tross als Service-Partner mit einem eige nen Fahrzeug; mit an Bord ist ein profes sioneller Handbike-Mechaniker. So genies
Buntes Teilnehmerfeld Insgesamt haben sich 71 Teilnehmende an gemeldet. Viele davon bestreiten mehrere Etappen, drei sogar die ganze Tour. Eine dieser drei ist die ehemalige ParalympicsMedaillengewinnerin Pia Schmid. «Ich lie be es, mit meinem Vorspann-E-Bike unter wegs zu sein. Dank diesem E-Bike konnte
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sen die Teilnehmenden einen technischen Service, wie ihn normalerweise die Hand bike-Nationalmannschaft bekommt. Engagement der Clubs 16 Rollstuhlclubs haben Strecken zusam mengestellt, ein Abendprogramm organi siert, Gäste eingeladen und Werbung für ihre Etappen gemacht. Dieser fruchtbaren Zusammenarbeit ist es zu verdanken, dass ein spannender und abwechslungsreicher Anlass entstanden ist. Diverse Clubs ver binden eigene Aktivitäten mit «ihren» Etap pen. So übergibt in Lausanne Françoise Joggi das Präsidium des CFR de la Côte symbolisch mit der Clubfahne an ihren Nachfolger Oliviero Iubatti. Und in der Mitte der Etappe Naters – Sion feiert der RC Oberwallis mit seinem Sommerfest samt Konzert das 35-jährige Bestehen. Start in Kriens Der Start des Giro Suisse steht ganz im Zei chen des 40-jährigen Jubiläums der SPV. Am 27. April 1980 gründete Guido A. Zäch Paracontact I Herbst 2020
Pia Schmid freut sich sehr auf 13 gesellige und ereignisreiche Tage
mit den bereits existierenden Rollstuhl clubs die Schweizer Paraplegiker-Vereini gung. Gemeinsam mit dem langjährigen Zentralsekretär Werner Waldispühl und André Deville, dem früheren Leiter Roll stuhlsport Schweiz, wird er auf dem Stadt platz in Kriens ein Grusswort an die Teil nehmenden richten. Auch Laurent Prince, der neue Direktor der SPV, wird den Teil nehmenden eine ereignisreiche Zeit wün schen, bevor sich die Handbiker auf den Weg nach Uster machen. Prominente Unterstützung Auf ihrer Reise quer durch die Schweiz er halten die Teilnehmenden immer wieder prominente Unterstützung. Bundesrätin und Sportministerin Viola Amherd wird die Gruppe in Bern in Empfang nehmen. Nationalrat Matthias Aebischer radelt auf der anschliessenden Etappe mit. Auch der jüngst vom Winter-Spitzensport zurückge tretene Monoskibobfahrer Christoph Kunz fährt die Etappe in die Hauptstadt. Der Bündner Freestyle-Skifahrer Elias Ambühl Paracontact I Herbst 2020
begrüsst die Handbiker in Chur, und der ehemalige Radprofi Oliver Zaugg begleitet die Gruppe von Personico bis nach Tenero. Der bekannte Rollstuhlsportler Heinz Frei bestreitet die beiden letzten Etappen. Gemeinsame Ankunft Der Giro Suisse endet beim SPZ in Nott wil. Die Teilnehmenden aller Etappen ha ben in Sursee, fünf Kilometer vor dem Ziel, die Gelegenheit, sich der Gruppe erneut anzuschliessen, um gemeinsam nach Nott wil zu fahren. Topathlet Marcel Hug beglei tet und motiviert sie auf den letzten Kilo metern bis in die Sport Arena Nottwil, wo der Giro Suisse mit einem gemeinsamen Grillfest seinen Abschluss findet. Online dabei Wer nicht selbst mitkurbelt, kann die Tour auch online verfolgen. Unter den Hashtags #GiroSuisse und #SPV40 sehen Sie die Beiträge der SPV und der Teilnehmenden auf unserem Facebook- und InstagramKanal: @ParaplegikerVereinigung.
ÜBERBLICK Das sind die Etappen: 25.8. Kriens – Uster 26.8. Uster – Neuhausen am Rheinfall 27.8. Schaffhausen – Wil 28.8. Haag – Chur 29.8. Personico – Tenero 30.8. Naters – Sion 31.8. Lausanne – Yverdon-les-Bains 1.9. Yverdon-les-Bains – Givisiez 2.9. Givisiez – Bern 3.9. Bern – Neuchâtel 4.9. Delémont – Basel 5.9. Basel – Oensingen 6.9. Oensingen – Nottwil Das detaillierte Tagesprogramm jeder Etappe können Sie nachlesen unter girosuisse.ch
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ROLLSTUHLSPORT
SERIE 3/4: VERBANDSLANDSCHAFT INTERNATIONAL
Voll integriert oder Klotz am Bein? Der Ruf nach Integration in allen Lebensbereichen wird lauter und lauter – auch in der Verbandslandschaft des Sports? Von Nicolas Hausammann
Das Modewort «Integration» ist nicht im mer mit so viel Inhalt gefüllt, wie es vorder gründig daherkommt. Grund genug, in diesem dritten Teil unserer Verbandsserie internationale Sportverbände zu beleuch ten, welche den Behindertensport als ei gene Disziplin in ihrem Programm führen und teilweise seinen nationalen Mitglie dern gar die Einbindung des Rollstuhl sports vorschreibt. Beispiele dafür sind der internationale Cur lingverband «World Curling Federation», der Rollstuhl-Curling seit Jahren im Pro gramm führt. Weitere Beispiele sind der Radsportverband UCI (Union Cycliste In ternationale) sowie die Rückschlagsport arten Tennis (ITF) und Tischtennis (ITTF).
Integratives Werbevideo Badminton auf dem Titlis
Die BWF prescht als Weltverband des Bad mintonsports gar mit dem Slogan «one sport – one team» voran und will damit die Philosophie der gemeinsamen Vermark tung des Badmintonsports ins Zentrum stellen. Partnerschaftliches Verhältnis auf nationaler Ebene RSS pflegt mit allen Schweizer Verbänden, welche diese integrative Ausrichtung pro pagieren, ein partnerschaftliches Verhält nis, das auf der Basis von Committments und Verträgen geregelt ist. Das sporttech nische Know-how liegt bei Rollstuhlsport Schweiz und die Organisation des Wett kampfsports sowie die Besetzung der Na tionaltrainer wird über die TKs bzw. den Verband mit seinen Sportartmanagern ge regelt. Im Gegenzug kann der Rollstuhl sport oft von Verbandspartnerschaften der Fussgänger-Verbände profitieren, welche zum Bezug von vergünstigtem Material
oder Bekleidung verhelfen. Im Bereich der Infrastruktur-Nutzung liegt ein weiterer Vorteil bei der Integration in die Fussgän ger-Verbände. Oft lässt sich Material für Events mieten, wie beispielsweise von Swiss Cycling für die Organisation von Strassen rennen, oder die Mitnutzung von Leistungs zentren, sofern diese rollstuhlgängig sind, ist ein Thema. Integrierte Vermarktung Ein weiteres Ziel ist die integrierte Vermark tung des Rollstuhlsports im Sog der gros sen Stars einer Sportart. Beispielhaft agier te hier die Badminton World Federation im Vorfeld der Para-Badminton-WM 2019 in Basel, die gemeinsam mit der WM der Validen in einer Aussenhalle der St. Jakobs halle stattfand. Der Para-Badminton-Sport wurde in diverse Marketingaktivitäten vor dem Turnier integriert. Zu viel mehr Auf merksamkeit des Publikums vor Ort am Turnier führte dies allerdings nicht.
Doch die integrierte Vermarktung kann auch negative Auswirkungen haben. So bei spielsweise im Tennis. Dort gibt die ITF vor, dass es keine behinderungsabhängi gen Kategorien mehr gibt. Medial ist dies natürlich wirksamer, da es keine kompli zierten Einstufungen und medizinische Problematiken zu erklären gibt. Für Athle ten mit höheren Läsionen und stärkeren Mobilitätseinschränkungen ist ein Platz an der Weltspitze dadurch allerdings ausser Reichweite gelangt.
Basel 2019 Schweizer Doppel in der St. Jakobshalle 42
Integration bleibt letzten Endes nur ein Wort, das in vielen Konzepten – sicher auch mit guter Absicht – steht. Ein Wort bleibt allerdings nur ein Wort, bis es gelebt wird. Paracontact I Herbst 2020
ROLLSTUHLSPORT
Landquart, Pully, Fribourg und Le Locle statt. Alle Kinder im Alter von sechs bis zwölf Jahren, ob mit oder ohne Handicap, sind hier willkommen. Dieses Angebot bietet eine tolle Möglichkeit, mit Gleich altrigen sportlich aktiv zu sein. Diese Bar rierefreiheit wird zunehmend auf weitere Standorte ausgeweitet und 2022 sollen alle OpenSunday allen offenstehen.
FREIZEIT
Sportangebot für Kinder
Fokus «Erlebnisse im Rollstuhl» Die Schweizer Paraplegiker-Vereinigung spannt mit IdéeSport zusammen und bie tet Sportaktivitäten für ihre jüngsten Mit glieder an sowie «Rollstuhl-Tage», um Kinder für das Thema Behinderung zu sensibilisieren. Anlässlich dieser Tage dür fen sich Fussgänger in einen Rollstuhl setzen und sich im Basketball, in Stafetten und weiteren Spielen versuchen. Diese Aktionen werden sehr geschätzt und sind für alle Teilnehmenden eine wertvolle Er fahrung.
Kinder im Rollstuhl dürfen Sport machen – dank einem Inklusionsprogramm von IdéeSport. Von Sophie Gnaegi
«IdéeSport setzt sich seit 1999 für die För derung von Kindern und Jugendlichen ein. Die angebotenen Aktivitäten bieten Raum für Sport und Bewegung, damit sich Kin der und Jugendliche über kulturelle und soziale Grenzen hinweg begegnen können» (IdéeSport 2020). Programme nach Altersgruppen IdéeSport bietet je nach Altersgruppe ver schiedene Programme an: MiniMove für Kinder von zwei bis fünf Jahren (in Begleitung eines Erwachsenen), OpenSunday für Primarschüler und MidnightSports für Jugendliche im Alter von 13 bis 17. Dank vielfältiger sportlicher Aktivitäten können sich die Kinder amüsieren und werden da bei von jugendlichen Coaches und jungen Erwachsenen begleitet, die für die Organi sation der Veranstaltungen verantwortlich sind. Paracontact I Herbst 2020
Inklusion von Kindern mit einer Behinderung 2019 öffnete IdéeSport das Veranstaltungs gefäss OpenSunday auch für Kinder mit ei ner Behinderung. Verschiedene Standorte in der Schweiz wurden wegen ihrer Zu gänglichkeit für Kinder im Rollstuhl aus gewählt. Zusätzlich absolvierten gewisse Trainer, von denen jeweils einer anwesend ist, eine zusätzliche Ausbildung und wur den geschult, wie sie Kinder mit einer kör perlichen oder geistigen Behinderung mit einbeziehen können. Inklusive Angebote in der Schweiz In der kommenden Saison 2020/2021 fin den zwölf OpenSunday statt, an denen Kin der mit einer Behinderung teilnehmen dür fen; neun davon in der Deutschschweiz. Diese finden in Zürich, Olten, Bern, Basel, Bülach, Riehen, Hinterkappelen, Eglisau,
DATEN «Rollstuhl-Tage» für Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren sind an folgenden Sonntagen geplant: – 31. Januar 2021 in Le Locle von 13.30 bis 16.30 Uhr, Salle de sport des Jeanneret, Avenue du Technicum 25, 2400 Le Locle – Frühling 2021 in Bülach, Turnhalle Hohfuri, von 13.30 bis 16.30 Uhr (genaues Datum wird im Herbst auf www.ideesport.ch aufgeschaltet)
Angebote www.ideesport.ch Stiftung IdéeSport info@ideesport.ch Tel. 062 296 10 15 43
VERMISCHTES
TOURISMUS
Initiative OK: GO Der Förderverein Barrierefreie Schweiz (FVBS) lanciert die OK: GO-Initiative: Jeder Tourismusanbieter in der Schweiz soll Informationen über die Zugänglichkeit seines Angebots veröffentlichen. Davon profitieren Menschen mit Behinderungen, ältere Menschen, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind, sowie Familien mit kleinen Kindern. Die Schweizer ParaplegikerVereinigung ist Mitglied beim FVBS. Jeder Mensch hat individuelle Bedürfnisse bezüglich der Zugänglichkeit eines Ortes. Es soll für alle möglich sein, die nötigen Informationen für die Planung einer Reise im Internet zu finden.
THERAPIE
AUSZEICHNUNG
Swiss Recovery Center Das Swiss Recovery Center ist ein Zentrum für ganzheitliches körperliches Training. Das Zen trum mit Sitz in Villeneuve bietet mit SPRALT eine Methode an, die nach der Rehabilitation zum Zuge kommt und auf eine lange Dauer aus gelegt ist.
Anerkennungspreis Die Stiftung MOVE vergibt neu jährlich einen Anerkennungspreis. Ausgezeichnet werden Gemeinden und Städte, die sich beispielhaft für die Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen einsetzen, innovative Lösungen erarbeiten und ein vorbildliches Verhalten der Behörden aufweisen. Die Vergabe des Preises erfolgt im Oktober. Mehr erfahren www.move-stiftung.ch
HOTEL SEMPACHERSEE
Die Methode zielt darauf, den ganzen Körper zu aktivieren und die gelähmten Körperteile in den Bewegungsablauf miteinzuschliessen. Das Pro gramm stützt sich auf drei Prinzipien: der Un terstützung der Skelettstruktur, der Aktivierung des Nervensystems und dem Training ausser halb des Rollstuhls. Haben Sie Lust, diese Me thode auszuprobieren? Mehr Informationen www.swissrecoverycenter.ch info@swissrecoverycenter.ch
Charity-Velotour Sechs Mitarbeitende des Hotels Sempachersee fuhren vom 18. bis 23. Mai 2020 mit dem Velo beziehungsweise dem Handbike von Schaffhausen nach Genf. In sechs Etappen legte die kleine Gruppe die 383 Kilometer zurück. Mit der Aktion sammelte das Hotel Geld für einen Sportrollstuhl für junge Paraplegiker.
SPORT OK:GO beabsichtigt, ein Maximum an Tourismusanbietern zu motivieren, Informationen zur Zugänglichkeit ihrer Angebote auf der Plattform ginto zu erfassen. Zahlreiche Anbieter und Destinationen haben ihre Teilnahme zugesichert. Mehr erfahren www.ok-go.org www.ginto.guide 44
One Million Run Eine Million Kilometer zurücklegen und dabei den Schweizer Sportnachwuchs unterstützen; das war das Ziel des One Million Run. Egal ob laufend, walkend, rollstuhlfah rend oder wandernd – gemeinsam sollten innert 48 Stunden eine Million Kilome ter zurückgelegt werden. Dabei absol
vierte jeder Teilnehmer für sich eine frei ge wählte Strecke. Insgesamt beteiligten sich am Wochenende vom 30. bis 31. Mai 80 727 Per sonen, die gemeinsam 1 124 737 Kilometer be wältigten. Die Rollstuhlathleten Manuela Schär und Marcel Hug engagierten sich als Botschafter für das virtuelle Rennen, dessen Erlös dem Schweizer Nachwuchssport zugute kommt. Paracontact I Herbst 2020
SPZ
Globi besucht SPZ Globi, die beliebte Kinderbuchfigur, erlebt ein weiteres Abenteuer. Im neu erschienenen Wissensband «Globi und die Roboter» macht Globi unter anderem im Schweizer Paraplegiker-Zentrum halt. Der Held besucht seinen Freund Nik, der sich nach einem Sturz in Nottwil von seinen Verletzungen erholt. Neuste Robotik kommt auch hier zum Einsatz.
SPS
Hindernisfrei wohnen In der Überbauung Sonnenrain in Nottwil haben die Schweizer ParaplegikerStiftung, die Gemeinde Nottwil und die Wohnbaugenossenschaft Orbano bezahlbaren, hindernisfreien und altersgerechten Wohnraum geschaffen. Seit 2015 lassen sich nun die 25 Wohnungen (2,5- und 3,5-Zimmer) mieten.
tung SPS, sieht grosse Vorteile in der Kombination von altersgerechtem und hindernisfreiem Wohnangebot: «Eine querschnittgelähmte Person schätzt die gute Verkehrsanbindung, die Nähe zu den Dienstleistungen und der Infrastruktur des SPZ. Ältere Personen können eigen ständig leben, können aber wenn nötig vom Service des nahen Alterszentrums Obwohl die Zielgruppen nicht unter Eymatt profitieren.» Freie Wohnungen im schiedlicher sein könnten, das Bedürfnis Sonnenrain 1 hat es immer wieder. nach bezahlbarem, sicherem und barriere freiem Wohnraum ist gleich. Nik Bättig, Informationen und Wohnungen www.paraplegie.ch/awono Verantwortlicher Immobilienbewirtschaf
EVENT
ParAthletics Nachdem die ParAthletics 2020 leider aufgrund des Coronavirus abgesagt werden mussten, stehen die Daten für die nächste Austragung mittlerweile fest. Der Leichtathletikanlass findet 2021 vom 14. bis 16. Mai statt. Seien Sie dabei, wenn die internationale Leichtathletikelite in Nottwil um Podestplätze und wertvolle Punkte für die Paralympics-Qualifikation kämpft. Paracontact I Herbst 2020
Der Band ist im Buchhandel und im ParaForum erhältlich.
INTERNATIONAL
Behindertenrechtskonvention Der UNO-Ausschuss überprüft die Umsetzung der UNO-Behindertenrechtskonvention (UNO-BRK) in der Schweiz. In der sogenannten List of Issues sind Fragen formuliert, die Bund und Kantone bis Herbst 2020 beantworten müssen. Der UNO-Ausschuss bringt darin be reits zum Ausdruck, in welchen Berei chen er Probleme ortet. So muss die Schweiz beispielsweise darlegen, wel che Massnahmen sie ergreift, um
Menschen mit Behinderungen vor Benach teiligungen durch Dienstleister und private Arbeitgeber zu schützen. Gestützt auf diese Antworten und Anhörun gen von Staat und NGOs wird der UNOAusschuss die Schlussempfehlungen verab schieden. Darin wird festgehalten, inwiefern und in welchen Bereichen die UNO-BRK in der Schweiz umgesetzt ist und wo Massnah men zu ergreifen sind. Der UNO-Ausschuss wird die Schweiz in seiner 24. Session vom 1. März bis 1. April 2021 überprüfen. 45
FOKUS
IM GESPRÄCH
Gemeinsam durch dick und dünn
Mit Genugtuung blickt Guido A. Zäch auf sein Lebenswerk. Ohne seine Ehefrau Edith Zäch und seine langjährige Mitarbeiterin Silvia Buscher wäre dieses nicht möglich gewesen. Ein Gespräch zu dritt. Gespräch mit Urs Styger, Evelyn Schmid und Nadja Venetz, Text von Nadja Venetz
Anfang Juni unterhielten wir uns mit dem Ehepaar Zäch und Silvia Buscher über das Schaffen von Guido A. Zäch. Im Fokus stand dabei nicht die bereits vielfach er zählte Geschichte der von ihm gegründe ten Schweizer Paraplegiker-Gruppe, son dern Guido A. Zäch als Privatperson sowie die Menschen, die ihn auf seinem Weg be gleitet haben.
Guido, du hast gesagt, du seist noch nie so viel zu Hause gewesen? Guido A. Zäch: Die Arbeit war für mich ein Leben lang ein wesentlicher Teil. Silvia Bu scher und ich hatten regelmässig 80-Stun
den-Wochen in der Klinik. Hinzu kam na türlich noch die Öffentlichkeitsarbeit. Ich habe wöchentlich Vorträge in der ganzen Schweiz gehalten, um unsere Arbeit zu prä sentieren und Gönner für die Stiftung zu
Herzlich willkommen bei der SPV. Was assoziiert ihr spontan mit diesen Räumlichkeiten? Guido A. Zäch: Dieses Haus habe ich 1991 zwischen Chefvisite und Mittagessen ge kauft. Die SPV war damals noch in Kriens und ich wollte sie unbedingt nach Nottwil holen. Näher ans 1990 eröffnete SPZ ging nicht mehr. Ihr habt am Telefon berichtet, dass ihr während des Corona-Lockdowns kaum das Haus verlassen habt. Wie habt ihr diese besondere Zeit erlebt? Guido A. Zäch: Ich war total begeistert von diesem Rückzug. So lange bin ich noch nie zu Hause gewesen. Edith Zäch: Wir hatten Glück. Wir sind zwei Wochen vor dem Lockdown in unse re neue Wohnung umgezogen und konn ten diese dann wirklich geniessen. Unsere Kinder kauften für uns ein, aber persönli chen Kontakt hatten wir keinen mit ihnen. Das war schon sehr seltsam. 46
Starkes Team Silvia Buscher, Guido A. Zäch, Edith Zäch Paracontact I Herbst 2020
gewinnen. Silvia Buscher hat mich mit dem Diaprojektor im Gepäck quer durchs Land chauffiert. Das waren insgesamt über 2 Mio. Kilometer. Silvia Buscher: Die Vorträge begannen für gewöhnlich um 20 Uhr und dauerten bis 22 Uhr. Anschliessend beantwortete Guido Fragen bis um Mitternacht. Danach wollte er zurück in die Klinik, um zu schauen, ob alles in Ordnung sei. Man hatte ja noch keine Handys. Wollte er in die Klinik an rufen, musste ich wissen, auf welcher Auto bahnraststätte um Mitternacht die Telefon kabine noch offen war. Edith Zäch: Das kann ich bestätigen, dass ihr wirklich oft nach Mitternacht heim gekommen seid. Morgens um sieben Uhr stand Silvia mit dem Auto wieder vor der Tür und hat Guido abgeholt. Dafür habe ich euch bewundert. Silvia Buscher: Im Auto konnte mir Guido nicht abhauen (alle lachen). Ich meine das nicht negativ, Guido war den ganzen Tag in der Klinik engagiert. Er ist kein Büro mensch. Während dieser Autofahrten ha ben wir Traktandenlisten besprochen, Re daktionssitzungen abgehalten und die Geschäfte erledigt, die anstanden. Kam da das Privatleben nicht etwas zu kurz? Guido A. Zäch: Definitiv. Deshalb habe ich leider eine Scheidung hinter mir. 1962 habe ich meine erste Frau Claire geheiratet und hatte mit ihr die ersten drei Kinder. Auf die Dauer war ich ihr zu wenig zu Hause. Aber sie hat wesentlich zum späteren be ruflichen Erfolg und zum Gedeihen der Familie beigetragen. Edith Zäch: Ohne das gegeneinander aus spielen zu wollen, aber ich glaube, für mich war es einfacher. Guido war schon Chefarzt, als wir uns kennenlernten. Mir war von Anfang an klar, dass die Arbeit bei ihm an erster Stelle steht. Und ich war zu 100% überzeugt, dass er sich für eine gute und wichtige Sache einsetzt. Das war nicht irgendein Job, der mir meinen Partner weg nahm. Silvia Buscher: Klar haben wir viel gearbei tet, aber ich habe das nie als Opfer verstan den. Ich empfand jede einzelne Stunde als sinnvoll. Es war und ist bis zum heutigen Tag ein Riesengeschenk, eine so herausfor dernde Aufgabe zu haben.
Anfänge Silvia Buscher und Guido A. Zäch in den 70ern
Guido und Edith, ihr habt zwei gemein same Kinder. Wie haben sie das erlebt? Guido A. Zäch: Wir haben 1989 geheiratet, 1990 kam Myriam auf die Welt, zwei Jahre später Yasmin. Seit Geburt gingen sie im Paraplegiker-Zentrum ein und aus. Es war mir wichtig, dass die Kinder wussten, wo ich arbeite, wo ich bin, wenn ich nicht zu Hause sein konnte. Edith Zäch: Sie wussten nicht nur, wo er war, sondern waren ein Teil davon. Das macht einen Unterschied. Wir besuchten das Hallenbad und hatten Kontakt zu Mit arbeitenden. Wir waren nicht nur auf Be such. Es entstanden bleibende Freundschaf ten. Unsere Kinder sind in Nottwil gross geworden. Das SPZ war wie ein zweites Zu hause, in dem sie herzlich empfangen wur den. Sie spürten die Wertschätzung des Personals und der Patienten. Die Kinder des Chefs zu sein, ist gar nicht so schlecht (lacht). War Guido zu einem Anlass einge laden, haben wir daraus einen Familien ausflug gemacht und das Angenehme mit dem Nützlichen verbunden. Nottwil war immer das erste Thema, auch bei uns zu Hause in Zofingen am Familientisch. Guido, du hast mit deinem Engagement das Leben von Querschnittgelähmten in der Schweiz grundlegend verändert. Welchen Anteil haben die beiden Frauen an deinem Lebenswerk? Guido A. Zäch: Im Klinikbetrieb benötigte es einen «Cerberus», der meine Tür be wachte, sonst wäre ich überfahren worden. Da war ich sehr froh um Silvia. Sie hat sich um die Planung und Koordination geküm mert und ist bis heute mein Terminchef. Ich konnte und kann mich voll auf sie ver lassen. Silvia hat am 2. August 1970 als Lei terin des Entwicklungslabors bei mir in Basel auf der Hämatologie angefangen, weil sie Spezialistin in einer neuen Methode für
Folsäuremessung war. Wir arbeiten also seit 50 Jahren zusammen. Auf der anderen Seite hätte ich all das nicht machen können, wenn ich nicht gewusst hätte, dass es der Familie gut geht. Meine Frau hat für Haus halt und Kinder gesorgt. Die Familie gab mir den nötigen Rückhalt. Beide Frauen haben also eine grosse Bedeutung. Silvia Buscher: Es ist auch Guidos mensch lichen Qualitäten zu verdanken, dass un ser Arbeitsverhältnis so lange hielt. Guido hat, und das erleben alle, die ihn kennen lernen, eine unglaubliche Präsenz im per sönlichen Kontakt. Wenn er mit dir spricht, hast du seine volle Aufmerksamkeit. Das war im Umgang mit den Patienten so, aber auch mit den Mitarbeitenden. Alle hatten seinen Respekt, wurden zwar gefordert, aber auch gefördert. Dieselbe Intensität der Beziehung lebte Guido auch in der Fami lie. Das bekam ich oft mit. Wenn ein Kind ein Problem hatte, gesundheitlich, in der Schule oder sonst, ging Guido nach Hause. Edith Zäch: In einer kalten Winternacht wurde unser Kater angefahren. Wir wuss ten, dass er schwer verletzt ist, konnten ihn aber nicht mehr finden. Guido war als Nationalrat in der Wintersession in Bern. Ich rief ihn gegen 20 Uhr an und erklärte, was passiert war. Eine Stunde später stand Guido vor der Tür. Das sind natürlich Momente, die für sehr viel entschädigen. Wenn es wirklich gebrannt hat, warst du da. Immer. Ihr habt ja auch viele schwierige Zeiten erlebt. Du, Guido, wurdest auch angefeindet. Wie habt ihr das erlebt? Silvia Buscher: Da habe ich schwer mitge litten, aber es stand nie zur Diskussion, das nicht gemeinsam durchzustehen. Edith Zäch: Ich kann mich an einen be stimmten Journalisten erinnern, der euch ständig kritisierte und Negatives behaup
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tete. Natürlich haben diese Giftpfeile einen persönlich getroffen. Das war nicht ein fach. Wenn ich heute über jemanden lese, der in der Presse verrissen wird, leuchtet bei mir eine Alarmlampe. Die meisten sol cher Geschichten müsste man differenzier ter betrachten, als es die Medien tun. Das habe ich gelernt und dafür bin ich sehr dankbar. Guido A. Zäch: Wir hatten eine gemein same Aufgabe, eine Zielsetzung und leiste ten einen sinnvollen Einsatz. Alle wussten, dass das nur funktioniert, wenn man die Kräfte bündelt. Wir haben uns auf das Ziel der Chancengleichheit von Menschen mit einer Behinderung fokussiert. Das hat vie les relativiert. Beim ganzen Wirbel, der ent stand, wussten wir, dass wir dieses Ziel nicht aus den Augen verlieren dürfen. Blieb
Silvia Buscher: Gerade diese schweren Zei ten haben uns noch mehr zusammenge schweisst. Guido, du wirst am 1. Oktober 85. Seit zwölf Jahren bist du offiziell im Ruhestand. Deine Arbeit war dein Leben. Wie hat sich dein Alltag verändert? Guido A. Zäch: Das kann ich leicht beant worten. Während meiner Berufszeit habe ich nie mehr als vier Stunden geschlafen, jetzt schlafe ich fünf bis sechs. Schon wäh rend meines Studiums schlief ich wenig. Das ist aber kein besonderer Verdienst, ich benötige einfach nicht mehr (lacht). An sonsten bin ich immer noch voll beschäf tigt. Ich pflege weiterhin viele Kontakte, halte Vorträge für die Stiftung und mache
Wie war es, in all diese Erinnerungen einzutauchen? Guido A. Zäch: Ich habe vieles neu entdeckt beziehungsweise neue Zusammenhänge er kannt. Ich habe ein gutes Gedächtnis und kann Dutzende von Zahlen und Daten gut im Kopf behalten, aber ich habe nun Stel lungnahmen von Leuten in einem chrono logischen Zusammenhang gesehen, die mich schon verblüfft haben. Bei gewissen Aussagen ist es nicht erstaunlich, welchen Ausgang Projekte genommen haben. Diese Zusammenhänge zeigen sich im Rückblick über mehrere Jahrzehnte. In den 50 Jahren ist viel zusammengekommen. Mir bleibt die Befriedigung, dass ich meine Vision von der ganzheitlichen Rehabilitation von Querschnittgelähmten im Sinne der Chan cengleichheit im Wesentlichen erreicht ha be. Wir müssen aber dranbleiben, ansons ten verpassen wir den Anschluss. Edith Zäch: Als ich die Fotoalben von den gemeinsamen Anlässen oder alte Ausga ben von «Paraplegie» in den Händen hielt, kamen viele Erinnerungen hoch. Es war schön, dass wir zu all diesen Leuten eine Beziehung aufbauen durften. All das zeigt, wie wertvoll diese Arbeit war.
Was wünscht ihr euch für die Zukunft? Guido A. Zäch: Ich wünsche mir, dass es meiner Familie, meinen Kindern und En kelkindern und allen, die mir geholfen ha ben, das alles zu erreichen, gut geht. Und für mich wünsche ich mir, dass ich geistig fit bleibe und dann «zack und weg» von dieser Welt abtreten darf (lacht). Servir et disparaître. Edith Zäch: Aber noch nicht so schnell! Für mich ist die Gesundheit aller, die uns nahe Mit seinen Kindern Yasmin, Flavia, Silvia, Stéphanie, Riccardo, Isabelle, Myriam (v. l.) stehen, das Wichtigste. Wir werden Gross eltern. Für mich ist es das erste Mal. Guido nur die Frage, ob man genügend Wider Beratungen. Und da sind meine v ielen hat schon acht Enkel. Da wünsche ich mir, standskraft aufbringt, um das zu überste Hobbys. Es sind immer noch dieselben: dass wir das noch möglichst lange genies hen. Mit meinen direkten Angehörigen und Briefmarken, Münzen, Ansichtskar ten, sen dürfen. Und dass Guidos Lebenswerk den engsten Mitarbeitenden, vor allem mit Bundesfeierkarten und Kunst. Wir haben in seinem Sinne weitergeführt wird. Silvia Buscher, haben wir das ausgestan jetzt eine schöne Sammlung tunesischer Silvia Buscher: Dem schliesse ich mich an, den. Es ist erstaunlich, was der Mensch Kunst. Meine Frau ist daran auch sehr in Gesundheit für meine Liebsten und dass alles erträgt und verkraften kann. Es ent teressiert. Zudem arbeiten wir gerade die die Vision der Chancengleichheit für Men spricht meiner Überzeugung, dass man im Archive auf. Es ist eine Riesenarbeit, al- schen mit einer Querschnittlähmung im Leben bis an die Leistungsgrenze gehen les Bedeutende chronologisch zu ordnen. Sinne von Guido A. Zäch weiter verwirk sollte, in körperlicher, geistiger und psy- Agnes Jenowein von der SPS unterstützt licht wird. chischer Hinsicht. Erst wenn man unter uns dabei, Wichtiges für die Zukunft zu er schwierigsten Umständen Grosses leistet, halten. Vieles, was damals passiert ist, ist merkt man, wie viel in einem steckt. heute kaum mehr vorstellbar. 48
Paracontact I Herbst 2020
FOKUS
UNSERE HELFER
Sprachtalent am Flughafen Markus Schürmann empfängt seit fünf Jahren Athleten aus aller Welt am Flughafen Zürich und bringt sie zum Bus, der sie nach Nottwil fährt. Von Gabi Bucher
Sportliche Grossveranstaltungen in Nott wil sind eine Herausforderung, unter an derem was die Transporte der Athleten aus den verschiedensten Nationen vom und zum Flughafen betrifft. Tagelang wird über Listen gebrütet: Wer kommt wann wo an, wie viel Platz braucht er im Bus mit Sportrollstühlen und Gepäck. Diese Lis ten sind unentbehrlich für die gute Orga nisation, aber kommt ein Flugzeug zu spät, geht ein Athlet verloren, bleibt ein Bus im Stau ste cken, helfen sie nicht viel. Hier kommt nun seit 2015 Mar kus Schürmann ins Spiel. Der Ex-Banker ist die ideale Besetzung eines «Mittelsmannes» am Flug hafen: Er liebt das internatio nale Gewusel dort, hat als Früh pensionierter die nötige Zeit und spricht diverse Sprachen. «Ich bin in Beirut aufge wachsen, habe dort die französische und deutsche Schule besucht und Englisch und Arabisch gelernt.» Und so sprach ihn mal einer seiner Kunden an, ein Mitarbei ter der SPV – «Bankgeheimnis», meint er verschmitzt – und fragte ihn, ob er nicht ein bis zwei Mal im Jahr am Flughafen die Athleten empfangen und zu den SPV-Bus sen bringen wolle. Unerwarteter Gruss Markus hat zugesagt und 2015 seinen ers ten Einsatz absolviert. «Damals war ich schon etwas nervös, bin zwischen den Ter minals hin- und hergerannt, habe Rollstuhlfahrer gruppiert und Funktio näre gesucht», erinnert er sich. Aber es habe bereits damals sehr viel Spass ge macht. Und das mache es auch nach fünf Paracontact I Herbst 2020
Jahren noch. Der persönliche Empfang nach einem langen Flug mache vielen Athleten sichtlich Freude. «Und wenn ich dann die Arabisch Sprechenden noch in ihrer Sprache begrüsse, fällt ihnen meist der Kiefer runter, ich gebe zu, das gefällt mir.» Unangemeldeter Gast Mittlerweile kennt Markus den Flug hafen wie seine Westentasche und viele Athleten kennen ihn. Ab und zu werde er herzlich begrüsst: «Oh, hi Markus, how nice to see you.» Spezielle Situationen können ihm nicht mehr viel anhaben. «Letztes Jahr stand einer da, unangemeldet. Er wollte aber an den Wettkämp fen teilnehmen.» In solchen Fällen nimmt Markus Rücksprache mit Rita Häfliger, der Verantwortlichen für die Transporte bei der SPV. Der Athlet hatte Glück, es hatte noch Platz im nächsten Transport. Steht ein Bus mal im Stau und hat Verspä tung, instruiert er die Athleten, zeigt ih nen, wo sie Kaffee trinken können, wo die Toiletten sind oder wo es Handykabel gibt. «Einmal habe ich kurz nacheinander fünf Athleten dafür zum selben Laden ge bracht. Der Verkäufer meinte, wenn das so weitergehe, kriege ich Provision.» An Spitzentagen ist Markus von 7.00 bis 22.00 Uhr im Flughafen und legt bis zu 25 Kilo meter zurück. Er arbeitet eng mit den
Chauffeuren zusammen und nimmt die sen viel Arbeit ab und bei Fragen steht ihm Rita Häfliger bei. Ein perfektes «Dreiecks verhältnis», alle profitieren und die Athle ten fühlen sich gut aufgehoben. «Und es macht mir einfach wirklich riesigen Spass, all die Nationen, die Sprachen, aber auch die Dankbarkeit der Sportler.» Unbeliebter Stillstand Dieses Jahr ist nichts mit Flughafen, auch seinen Job im Touristikbüro der SBB muss te er vorübergehend an den Nagel hängen. Aber langweilig wird dem umtriebigen Markus nicht: Gerade baut er den ehema ligen Stall neben seinem Haus zum Atelier aus, er fotografiert und malt mit Leiden schaft oder sitzt auch gerne in seinem klei nen Refugium hinter seinem Haus und wartet darauf, sich bald wieder in irgend einer Form nützlich zu machen, denn: «Nichtstun ist so gar nicht mein Ding.»
In seiner Freizeit ist Markus gerne kreativ 49
FOKUS
FÜR SIE DA
Gelebte Begeisterung Andreas Heiniger leitet seit vier Jahren mit viel Elan und Begeisterung den Bereich Leistungssport von Rollstuhlsport Schweiz. Von Gabi Bucher
Andreas Heiniger, kurz Andy genannt, war früher erfolgreicher Fussballer (u. a. in der Nati A beim FC Thun), arbeitete als Banker und nach absolviertem Sportstudium in Magglingen als Sportlehrer an der Berufs schule Solothurn. Das habe ihm sogar er laubt, zwei Tage die Woche Hausmann zu sein. Trotzdem suchte er eine neue Heraus forderung. Diese fand er 2016 bei der SPV als Leiter Leistungssport. Ein Feuerwerk von Aufgaben Wie gross die Herausforderung war, zeigte sich in den ersten Wochen. Nicht die Tat sache, dass die Athleten im Rollstuhl sas sen, forderte ihn, «im Sport gehts doch im Prinzip überall um dasselbe», meint Andy. Nur die «Sichtweise» der Rollstuhlfahrer sei eine andere, die habe er sich aber schnell angeeignet. Nein, die Herausforde rung war die Vielseitigkeit der Aufgabe. Ein farbiges Mindmap wie ein explodie rendes Feuerwerk und ein Stapel Papiere 50
erinnern an die Einführungstage mit sei nem Vorgänger Roger Getzmann. «Ich ver suchte, alles darin festzuhalten: Sportarten, Mitarbeitende, Technische Kommissionen, Events. Nach zwei Monaten sagte ich zu meiner Frau: Du, ich glaube das wird nichts, das ist eine Nummer zu gross für mich!»
Olympic und begleitet Athleten an die Ti telwettkämpfe und die Paralympics. Kurz: Er zieht die Fäden, damit die Athleten op timale Bedingungen haben, um Leistun gen auf höchstem Niveau zu erbringen, dies mit viel Herzblut. «Wir sind eigentlich Dienstleister», meint Andy fast etwas be scheiden. «Wenn der Athlet am Start steht, wollen wir sagen können, dass wir alles getan haben, damit er seine beste Leistung abrufen kann.» Das erfordert ab und zu auch schwierige Entscheide. «Ich führe re lativ oft Streitgespräche.» Er könne sich je doch gut abgrenzen. «Es geht primär um sportliche Entscheide, die Gespräche werden nicht auf persönlicher Ebene ausgetra gen.» Eine neue Herausforderung, das hat te er sich gewünscht, die hat er gefunden.
Mit viel Aufwand verbunden, aber ein Highlight, sind für Andy die sportlichen Grossanlässe in Nottwil, wo er jeweils im OK sitzt. Da läuft er zur Höchstform auf, Im Dienst der Athleten Glücklicherweise hat sich Andy durchge das können alle bestätigen, welche mit ihm bissen und ist heute ein vielgeschätzter All zu tun haben. Andy gibt jedem in seiner rounder, Teamplayer und Motivator mit Crew zu spüren, dass er wichtig ist, hört Witz und Herz. Als Sportartenmanager für zu und muntert auf, wo nötig. Hier ist er Badminton, Curling, Leichtathletik und in seinem Element. «Wenn all die Welt Wasserski berät und unterstützt er die klasseathleten da sind, du ihnen die besten Technischen Kommissionen, vertritt die In Bedingungen für die Wettkämpfe geschaf teressen des Sportbereichs in internationa fen hast und wenn dann positive Rück len und nationalen Gremien. Er erarbeitet meldungen kommen, ist das eine wunder Kaderlimiten, Reglemente und Wettkampf bare Belohnung. Und am Abend ein kühles ordnungen, entscheidet über Beschickun Bier mit der tollen OK-Crew – was gibt es gen von WMs und EMs, ist zusätzlich Anti- Schöneres», schwärmt er mit seinem offe Doping-Verantwortlicher, steht in regem nen, herzlichen Lachen, dessen Charme Kontakt mit den Bundesämtern, mit Swiss man sich schwer entziehen kann. Paracontact I Herbst 2020
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