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Paracontact Fruehling 2026

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Im Gedenken an Guido A. Zäch

Am 16. Februar 2026 ist unser Gründer

Guido A. Zäch im Alter von 90 Jahren im Beisein seiner Familie friedlich eingeschlafen. Wie kein anderer prägte er die Lebensrealität von querschnittgelähmten Menschen in der Schweiz. Er gab ihnen eine Stimme, eine Perspektive und eine Gemeinschaft.

Schon als junger Arzt kam er in Kontakt mit Rückenmarksverletzten und war entsetzt über die Zustände, in denen diese Menschen ihr Dasein fristeten. Schnell erkannte er die Lücken im Versorgungssystem und widmete fortan seine gesamte Energie der Verwirklichung seiner Vision: Menschen mit Querschnittlähmung eine ganzheitliche Rehabilitation und lebenslange Begleitung zu gewährleisten und ihnen damit ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen.

«Ein einzigartiges Leistungsnetzwerk»

1975 gründete Guido A. Zäch die Schweizer Paraplegiker­Stiftung und fünf Jahre später zusammen mit den sieben bereits bestehenden Rollstuhlclubs die Schweizer Paraplegiker­Vereinigung als Dachverband der Querschnittgelähmten.

1990 eröffnete er das Schweizer Paraplegiker­Zentrum, 2005 die Schweizer Paraplegiker­Forschung. Ein einzigartiges Leistungsnetzwerk entstand.

Guido A. Zäch war ein aufmerksamer Zuhörer. Vor Personen im Rollstuhl ging er stets in die Knie, um auf Augenhöhe zu sprechen. Er suchte den persönlichen Austausch, mit Patientinnen und Patienten genauso wie mit Mitarbeitenden. Heute blicken wir mit Dankbarkeit auf sein Lebenswerk. Und wir wissen: Ohne ihn wären wir nicht da, wo wir heute sind.

Als uns die Nachricht von Guido A. Zächs Tod erreichte, hatten wir den Druckauftrag für dieses Magazin bereits erteilt. Wir werden ihm und seinem Lebenswerk in der nächsten Ausgabe des Paracontact einen ausführlichen Beitrag widmen.

Herzlichst

Olga Manfredi Laurent Prince Präsidentin Direktor EDITORIAL

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Herausgeberin

Schweizer Paraplegiker-Vereinigung

Kantonsstrasse 40, 6207 Nottwil

Telefon 041 939 54 00

E-Mail spv@spv.ch www.spv.ch

Chefredaktorin

Evelyn Schmid

Redaktion

Laurent Prince, Nadja Venetz, Felix Schärer, Michael Bütikofer, Daniela Vozza, Peter Läuppi, Peter Birrer, Tina Achermann

Koordination, Grafik, Inserate Tina Achermann

Fotos

SPV, SPS, Adobe Stock, Tobias Lackner, Thomas Walker, Manuela Gossweiler Photography, Roland Bigler, Gabi Thoenen, Catherine Debrunner, Swiss Paralympic/ Manuel Lopez, bindaphoto.ch, Milano Cortina 2026, Claude Mbuta, Gravel Ride, Spitzensportförderung der Armee, Swiss Bike Park, SBB CFF FFS, Rubi Photography Druck

Brunner Medien AG, www.bag.ch

Redaktionsschluss

Ausgabe Sommer 2026: abgeschlossen

Ausgabe Herbst 2026: 12.5.2026

Auflage

8100 Exemplare deutsch

4 250 Exemplare französisch

Wir bemühen uns um gendergerechtes Schreiben, verwenden zur besseren

Lesbarkeit manchmal die weibliche oder männliche Form stellvertretend für alle Geschlechter.

Alle Beiträge sind urheberrechtlich geschützt. Nachdruck nur mit Genehmigung der Redaktion. Fremdbeiträge geben nicht in jedem Fall die Meinung der SPV wieder. Ein Abdruck von unverlangt eingesendeten Manuskripten ist nicht gewährleistet.

WIR BEWEGEN

AKTUELL 6

BENEVOL AWARDS

Sechs Freiwillige gewürdigt 8

SPORTFÖRDERUNG

Mehr Geld für mehr Bewegung 10

NACHGEFRAGT

Die SAHB soll sich weiterentwickeln 11

AUS DEM LEBEN

ERWACHSENWERDEN

Mit dem Kopf durch die Wand 12 AUTO

So klappt effizientes Rollstuhlverladen 15

RECHTSBERATUNG

TAGGELDER

Berufliche Entwicklung und Taggeld 16

MEDIZIN UND WISSENSCHAFT

VERDAUUNG

Wenn der Darm streikt 18

HINDERNISFREIES BAUEN

30 JAHRE ZHB

Routiniers ohne Ermüdungserscheinungen 20

INTERESSENVERTRETUNG

IN SÖRENBERG

stärkt ihr

CORTINA 2026

vor der Haustür

EIGENTLICH …?

ON» TICINO

BESUCH ALS GAST

Delegiertenversammlung

Die Delegiertenversammlung der SPV findet am Samstag, 2. Mai 2026 in der Aula des SPZ in Nottwil statt. Als Aktivmitglied der SPV haben Sie die Möglichkeit, als Gast ohne Stimmrecht teilzunehmen. Interessiert? Melden Sie sich bitte bis 29. April per Mail an: spv@spv.ch.

SENSIBILISIERUNG

Disability Awareness Day

Am 3. Dezember, dem Internationalen Tag der Menschen mit Behinderungen, veranstaltete die Universität Zürich erstmals den Disability Awareness Day. Das Ziel des Aktionstags: Berührungsängste abbauen, gegenseitig ins Gespräch kommen und Verständnis für unterschiedliche Lebensrealitäten stärken.

Auch die SPV war vor Ort. Die beiden Referenten Rudolf Weiler und Stephan Freude gaben Einblick in ihren Alltag im Rollstuhl und erklärten, mit welchen Hindernissen und Vorurteilen sie konfrontiert sind.

FORUM RECHT 2026

Pflege zu Hause

Wer zu Hause gepflegt wird, kennt die Herausforderungen rund um Abklärung und Finanzierung der Pflegeleistungen. Am 28. Mai 2026 beleuchten wir die wichtigsten Fragen und geben praxisnahe Antworten.

Viele SPV­Mitglieder sind auf regelmässige Hilfe und Pflege zu Hause angewiesen. Trotz mehrerer Bundesgerichtsentscheide bleibt die Abklärung des Pflegebedarfs und dessen Finanzierung komplex. Am Forum Recht informieren unsere Anwälte sowie externe Fachleute von ParaHelp, SAHB

und Solicare über die Vergütung von Pflegeleistungen. Der Anlass findet am 28. Mai 2026 um 13.30 Uhr in der Aula des Schweizer Paraplegiker­Zentrums in Nottwil statt. Alle Beiträge werden simultan übersetzt (Deutsch/Französisch). Als SPV­Mitglied erhalten Sie eine separate Einladung per Mail. Wir freuen uns über Ihre Teilnahme.

Anmeldung

Melden Sie sich über diesen Link an

RECHTSPRECHUNG

Urteile Angehörigenpflege

Beharrlichkeit lohnt sich. Die SPV erstreitet in zwei wegweisenden Urteilen die höhere Tarifvergütung.

Beide Fälle behandelten die Frage, ob spezifische Pflegeverrichtungen zur medizinischen Behandlungspflege oder zur Grundpflege zählen. Relevant ist dies, weil erstere mit einem höheren Tarif vergütet werden.

Strittig waren die Dekubitusprophylaxe, die Lagerung des Patienten, das An­ und Ausziehen von Kompressionsstrümpfen,

das Anlegen des Urinals, die aktive und passive Bewegungsunterstützung und das Aufstehen oder Hinlegen mit Hilfe. Personen, welche von einer Tetraplegie betroffen sind, weisen häufig einen Bedarf nach den genannten Pflegeverrichtungen auf. Die Rechtsberatung der SPV hat sich stets auf den Standpunkt gestellt, dass es sich hierbei um medizinische Behandlungspflege handelt. Sowohl das Bundesgericht als auch die Bündner Oberrichter bestätigten diese Sicht mit ihren Urteilen vom 14. November 2025 und 9. Dezember 2025.

Wochenende am Genfersee

Bereits zum dritten Mal veranstaltet der CFR Lausanne am 6. und 7. Juni 2026 in Morges ein Seewochenende.

Gemeinsam mit Partnern organisiert der Rollstuhlclub eine breite Palette an Aktivitäten auf und im Wasser. Im Kajak oder auf dem SUP sitzend gleiten Sie über den Genfersee. Ein bisschen Geduld braucht, wer im rollstuhlgängigen Fischerboot hin­

ausfährt und die Angel auswirft. Mit etwas Glück beisst ein Barsch oder eine Forelle an. Und dank des barrierefreien Seeeinstiegs erfrischen Sie sich im kühlen Nass.

Der CFR Lausanne freut sich über Teilnehmende aus anderen Rollstuhlclubs. Der Jachthafen in Morges ist Ausgangspunkt der Aktivitäten. Um Anmeldung wird gebeten: cfrlausanne.ch.

NEUER MITARBEITER

Pierre Gumy

Architekt

Seit Mitte November verstärkt

Pierre Gumy das Zentrum für hindernisfreies Bauen. Perfekt zweisprachig wird er Bauberatungen in der Romandie wie in der Deutschschweiz übernehmen. Davor war er unter anderem Teilinhaber und GL-Mitglied eines Architekturbüros sowie selbstständigerwerbend im Bereich Webentwicklung und -design.

Vielseitig

Für den Naturliebhaber steht die Familie an erster Stelle. Er wandert und fotografiert gerne, begeistert sich aber auch für Oldtimerautos und ferngesteuerte Segelflugzeuge.

SPENDE

Danke für CHF 20 000.–

Damian Gianola (ehemaliger CEO des Olympia Bob Run St. Moritz­Celerina) veranstaltete in La Punt GR eine Benefizgala.

Zu allen drei Organisationen, die mit einer Spende bedacht wurden, hat der Initiant einen persönlichen Bezug. Mit der SPV kam Damian Gianola durch den ParaBob­Sport in Berührung. Eine Privatperson rundete am Ende des Galaabends die CHF 14 300.– grosszügig auf. Wir bedanken uns herzlich.

WEBSITE

Bibliothek Rechtsberatung

Neu finden Sie auf unserer Website spv.ch unter Rechtsberatung ein Online-Archiv der Texte, welche die Anwältinnen und Anwälte der SPV in den letzten Jahren für dieses Magazin verfasst haben.

Die Beiträge sind thematisch geordnet und lassen sich als PDF herunterladen. Wir hoffen, Ihnen damit ein praktisches Nachschlagewerk für Rechtsthemen anzubieten.

Hier anmelden Text Text Zum Online-Archiv spv.ch (Beratung/ Rechtsberatung)

AUS DEN CLUBS

Jubiläen

Die 26 Rollstuhlclubs sind das Fundament der SPV und bieten Anschluss, Geselligkeit und Sport in allen Regionen der Schweiz.

Folgende Rollstuhlclubs feiern 2026 ein Jubiläum:

Rollstuhlclub Aarau

40 Jahre

CFR Bienne

50 Jahre

Rollstuhlclub Zentralschweiz

60 Jahre

Die SPV gratuliert den drei Rollstuhlclubs herzlich zum runden Geburtstag und bedankt sich für das Engagement in all den Jahren.

Sechs Freiwillige gewürdigt

Sie sind die Helfer im Hintergrund, ohne die weder die Rollstuhlclubs noch die SPV ihr Angebot aufrecht halten könnten: rund 2000 Ehrenamtliche und Freiwillige. Sechs davon wurden mit einem Benevol Award geehrt.

Von Evelyn Schmid

Anlässlich des Welttags der Freiwilligen am 5. Dezember ehrte die Schweizer Paraplegiker­Vereinigung Personen, die ehrenamtlich Grosses geleistet haben für Menschen mit einer Querschnittlähmung. Die Awards wurden im Rahmen einer Galaveranstaltung vergeben, zu der alle Vorstandsmitglieder der 26 Rollstuhlclubs eingeladen waren.

SPV­Direktor Laurent Prince und Präsidentin Olga Manfredi überreichten die Auszeichnung an sechs Freiwillige und

Video

Ein bewegter und bewegender Abend

Ehrenamtliche, die in den Rollstuhlclubs mit viel Engagement dafür sorgen, dass das Vereinsleben funktioniert. Sie leiten Trainings, organisieren kulturelle Anlässe, unterstützen im Vorstand oder werken an Sportgeräten herum. Wer mindestens zehn Jahre in einem Club mitgewirkt und mehr als 100 Arbeitsstunden geleistet hat, kommt für einen Award in Frage.

Die Benevol Awards sind nicht nur Zeichen der Wertschätzung, sondern sie sind ein Zeichen dafür, dass in der Schweiz viele Vereine ohne Freiwilligenarbeit nicht existieren würden. Zugleich zeigen sie, dass in den Rollstuhlclubs Inklusion gelebt wird. Fünf der sechs Awardträgerinnen und ­träger leben ohne Behinderung. Gelebte Inklusion zeigte auch der junge Verein Enviedanse mit seinen berühren­

den Showeinlagen. Tänzerinnen und Tänzer mit und ohne Rollstuhl zeigten ein breites Repertoire vom Volkstanz bis zum flippigen Pop.

Der Benevol Award wird unterstützt durch Hollister. Geehrt wurden für das Jahr 2025:

Susanne Blöchlinger

Rollstuhlclub Zürich

Seit einem Unfall 1992 ist Susanne Blöchlinger querschnittgelähmt. Bereits während der Rehabilitation in Nottwil lernte sie den Rollstuhlclub Zürich kennen, sodass sie schon bald dem Club beitrat. Bis heute nimmt die 56­Jährige nicht nur an diversen Sporttrainings teil, sondern leitet auch selbst Angebote. Trotz Berufstätigkeit und der Gründung einer Familie mit einem Sohn fand sie Zeit, sich im Vorstand zu engagieren. Lange verantwortete sie den Bereich «Kultur und Freizeit». Zusätzlich dazu ist sie inzwischen auch Vizepräsidentin. Als Ausgleich ist Susanne Blöchlinger gerne in der Natur unterwegs mit ihrem Handbike oder Swisstrac. Sie reist gerne und kocht mit Begeisterung.

René Bolliger

Rollstuhl-Tennis-Club Aargau

Seit 1991 fördert René Bolliger das Rollstuhl­Tennis in der Schweiz. Eher zufällig kam er anlässlich des Besuchs der Schweizer Interclub­Meisterschaften in Kontakt mit der rasanten Ballsportart. Schon im Jahr darauf half er mit, das erste Birrhard Open, ein internationales Rollstuhl­Tennis­Turnier, zu organisieren. 1995 war er dabei, als der Rollstuhl­Tennis­Club Aargau gegründet wurde und als deren Sportchef bietet er bis heute bis zu vier Trainings pro Woche an. Von 2000 bis 2008 amtete er als Nationaltrainer RollstuhlTennis und Mitglied der Technischen Kommission Tennis der SPV. Er begleitete Athleten an die Paralympics in Sydney und Athen. Auch in der Freizeit ist er sportlich unterwegs und liebt Wanderungen im Flachland genauso wie in den Bergen. Nun möchte der 64­Jährige etwas ruhiger treten und übergibt nach 23 Jahren im Vorstand die Funktion des Sportchefs an seinen Sohn Patrik, auch wenn er weiterhin den wöchentlichen Kurs selber leiten wird.

BENEVOL AWARDS

Johannes Labarile

Rollstuhlclub Oberwallis

Freiwillige Einsätze gehören zu Johannes Labarile. Schon als 23­Jähriger engagierte er sich für das Behindertentaxi Kleeblatt. Während der ersten Jahre als vierfacher Familienvater fehlte ihm dann allerdings die Zeit für dieses Engagement. Jahre später, 2008, begleitete er seinen Sohn zu einem Schnuppertraining beim Bogenschützenverein in Gampel. Dort begegnete er dem früheren Koordinator des Behindertentaxis, dem Para­Schützen Robert Lehner. Erstaunt stellte er fest, dass unter den Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen auch einige Personen im Rollstuhl an den Trainings teilnahmen. Er liess sich selbst für die Sportart Bogenschiessen begeistern, und als der damalige Trainer 2011 nach Deutschland auswanderte, übernahm er den Trainerposten. Sogleich absolvierte er die nötigen Ausbildungskurse in Nottwil und rückte näher an den Rollstuhlclub Oberwallis. Für diesen organisiert er seither mit Freude und Engagement, ab und zu auch mit Hilfe seiner Familie, viele Anlässe, Sporttage und Ausflüge.

Brigitte Ochsner

Rollstuhlclub Winterthur Schaffhausen Schwimmen ist eine wunderbare Sportart, und im Wasser können sich Menschen mit

Querschnittlähmung schwerelos fühlen. Vor 26 Jahren fehlte dem Rollstuhlclub Winterthur Schaffhausen aber eine Hilfsperson für das wöchentliche Schwimmen. Dank ihrem Hintergrund im Samariterwesen war Brigitte Ochsner wie geschaffen für diese Aufgabe. Kurz darauf absolvierte sie den Basis­Leiterkurs der SPV und ist seither engagierte Schwimmleiterin. Woche für Woche begleitet sie Mitglieder mit viel Geduld und Herzblut beim Umziehen, ins und aus dem Wasser, beim Schwimmen und natürlich wieder beim Anziehen. Sie hat darüber hinaus neue Traditionen im Rollstuhlclub geschaffen wie das jährliche Sommerbräteln. Seit zwölf Jahren ist sie zudem Ersatz­Revisorin und springt jeweils unkompliziert und fachmännisch ein, wenn einer der Revisoren ausfällt.

Paul Odermatt

Rollstuhlclub Zentralschweiz

Den Namen Paul Odermatt verbindet man fast automatisch mit Marcel Hug, dem Topathleten, den er seit dessen Kindheit trainiert. Zudem begleitet er seit Jahrzehnten viele junge Leichtathletinnen und ­athleten. Dabei wird gerne vergessen, dass der mittlerweile 73­Jährige seit 1996 im Vorstand des Rollstuhlclubs Zentralschweiz mitarbeitet. Seit 1998 amtet er als dessen Sportchef und hat den grössten und ältes­

ten Rollstuhlclub der Schweiz entscheidend mitgeprägt. In seiner Freizeit unternimmt Paul Odermatt an schönen Tagen Ausflüge mit seinem Jaguar E­Type oder besucht Oldtimertreffen.

Luigino Trebucchi

Rollstuhlclub Züri Oberland

Gino Trebucchi war in den Siebzigerjahren bei der iwaz (Stiftung für Inklusives Wohnen, Arbeiten, Ausbilden und Zusammenleben in Wetzikon) dafür zuständig, individuelle Hilfsmittel für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen zu erstellen. Durch einen Arbeitskollegen kam er in Kontakt mit dem Rollstuhlclub Uster (Vorgänger von Züri Oberland). Gemeinsam begannen sie, die bestehenden BasketballRollstühle weiterzuentwickeln. An zahlreichen Wochenenden war Gino Trebucchi jeweils an Sportanlässen oder tüftelte in der Werkstatt. Seit sieben Jahren ist der 72­jährige pensioniert, aber noch heute trifft man ihn oft in der Werkstatt der iwaz und auch bei den Turnieren des RCZO.

Bilder

Obere Reihe v. l. n. r.: Susanne Blöchlinger, René Bolliger, Johannes Labarile; untere Reihe v. l. n. r.: Brigitte Ochsner, Paul Odermatt, Luigino Trebucchi

SPORTFÖRDERUNG

Mehr Geld für mehr Bewegung

Die Schweizer Paraplegiker­Stiftung sammelt gegenwärtig Spenden für Sportprojekte. Geld, mit dem die SPV zahlreiche Angebote im Breitensport stärken kann.

Von Nadja Venetz

Die Schweizer Paraplegiker­Stiftung (SPS) unterstützt Querschnittgelähmte ein Leben lang – auch finanziell. Die Mittel dafür stammen aus Mitgliederbeiträgen, Spenden und Legaten. Darüber hinaus sammelt die SPS regelmässig gezielt für bestimmte Projekte; aktuell für das Projekt «Sport und Bewegung».

Die Spenden, die dafür eintreffen, gehen an die SPV, dafür hat sich Peter Läuppi, Bereichsleiter Rollstuhlsport und Freizeit, in den letzten Monaten ins Zeug gelegt. Die SPV hat mit diesen Mitteln für die Laufzeit von vier Jahren Massnahmen definiert, sogenannte Überzahlprojekte. «Der Fokus liegt klar auf dem Breitensport und der Gesundheitsförderung», erklärt Peter Läuppi. «Das Geld hilft uns, unsere Strategie umzusetzen. Wir wollen die Eintrittsschwelle für regelmässige Bewegung senken und das Angebot noch besser den Bedürfnissen unserer Mitglieder anpassen.» Wichtige Erkenntnisse, was Rollstuhlfahrerinnen und Rollstuhlfahrer von einer sportlichen Betätigung abhält, lieferte die Studie der Uni Bern (siehe Paracontact 4/25).

Mieten statt kaufen Die aufstrebenden Sportarten Mountain Handbike und Langlauf werden verstärkt gefördert, mit geführten Touren bzw. zusätzlichen Destinationen. Beides sind jedoch auch Sportarten, die Personen unabhängig von der SPV ausüben. Und beides sind Sportarten, deren Geräte teuer sind in der Anschaffung. Das kann und will sich

nicht jeder leisten. Der Plan: Die SPV kauft eine gewisse Anzahl Bikes und Langlaufschlitten, die anschliessend zu günstigen Konditionen gemietet werden können. Wer Lust auf Bewegung in der Natur hat, soll nicht an den Kosten scheitern.

Eine Sportart, die neu aufgebaut wird, ist Boccia. Hier strebt die SPV eine Zusammenarbeit mit den 26 Rollstuhlclubs an, damit Para Boccia in der ganzen Schweiz gespielt werden kann. Die Sportart ist attraktiv: Sie kann auch von Personen mit starken Einschränkungen ausgeübt werden und benötigt wenig Infrastruktur. Man kann Boccia nur zum Spass betreiben oder eine internationale Karriere verfolgen, denn Boccia ist eine paralympische Disziplin. «Mit Boccia tragen wir dem Umstand Rechnung, dass unsere Mitglieder immer älter werden. Boccia ist körperlich nicht anstrengend, aber taktisch, koordina­

tiv anspruchsvoll und fördert zugleich den sozialen Austausch», betont Peter Läuppi. Boccia ist zudem Teil des geplanten «move on»­Targetsport, eine Adaption des beliebten Sport­ und Freizeitcamps, das sich ausschliesslich mit Zielsportarten beschäftigen wird: Schiessen, Bogenschiessen und eben Boccia. Der Anlass richtet sich gezielt an SPV­Mitglieder, die sich bis jetzt körperlich nicht aktiv betätigten.

In die ganze Schweiz Als Pilotprojekt eröffnet die SPV im neugebauten Sportzentrum «CMFG Arena» in Sigirino­Monteceneri TI ein Büro. Der direkte Kontakt mit den Mitgliedern und Leitungspersonen soll den Austausch fördern und Sportangebote stärken. Die Option, dass Büros in weiteren Regionen folgen, besteht. Eine neu geschaffene Stelle soll zudem das Bewegungsangebot der SPV in den Rehakliniken und weiteren Institutionen bekannter machen. Und mit einem Bus und einfach transportierbaren Rollstühlen will die SPV darüber hinaus in der breiten Bevölkerung für den Rollstuhlsport und die gleichberechtigte Teilhabe sensibilisieren.

Diese und weitere Projekte sind für die Laufzeit von vier Jahren bestimmt. Damit die Angebote danach nicht wieder verschwinden, ist die SPV bereits jetzt daran, die Finanzierung für den Weiterbetrieb zu sichern. Abschliessend betont Peter Läuppi: «Diese zusätzlichen Mittel der SPS sind für uns eine grosse Chance, unser Bewegungsangebot zu stärken und nicht zuletzt auch eine Investition in die Gesundheit unserer Mitglieder.»

NACHGEFRAGT

Die SAHB soll sich weiterentwickeln

Seit Mitte 2025 vertritt Stefan Keller die SPV im Vorstand der SAHB. Er wünscht, dass sich die unabhängige Beraterin und Dienstleisterin für Hilfsmittel weiter professionalisiert.

Von Evelyn Schmid

Was sind die zentralen Aufgaben der SAHB und wie bist du eingebunden? Im Ursprung ist die SAHB so etwas wie eine Selbsthilfeorganisation für Hilfsmittelberatung, getragen von verschiedenen Behindertenor ganisationen wie der SPV. Sie beschäftigt an acht Standorten rund 160 Mitarbeitende und bietet Beratungen in den Bereichen Wohnen, Arbeitsplatz, Rollstühle, Orthopädie, Hilfsmittel für Kinder, Umweltsteuerung, unterstützte Kommunikation und Autoumbau.

Im Vorstand engagieren sich neben mir auch Vertreter anderer Behindertenorganisationen. Die Zusammenarbeit innerhalb des strategischen Gremiums wie auch mit der GL erlebe ich als sehr offen.

Was sind die wichtigsten Anliegen, die du als Vertreter der SPV einbringst? Kurz und knapp: eine möglichst gute Versorgung mit Hilfsmitteln und Dienstleistungen für Menschen mit Behinderungen. Dafür müssen bestehende Prozesse neu ausgerichtet werden. Die SAHB befindet sich in einer ähnlichen Situation wie die SPV vor ein paar Jahren. Mein Anliegen ist, dass sich die SAHB in eine ähnlich positive Richtung entwickelt wie die SPV, dynamischer, offener wird und ihre Kunden ins Zentrum stellt. Dies mit dem Wissen, dass das Verändern einer Organisationskultur seine Zeit braucht.

Was sind die aktuellen Herausforderungen?

Die grössten Herausforderungen sind personeller Natur. Wie immer in Veränderungsprozessen ist der Faktor Mensch der wichtigste. Alles andere ist Beigemüse. Die acht Standorte sind unterschiedlich unterwegs. Einige entwickeln sich bereits in die gewünschte Richtung, andere noch nicht. Dort, wo es schwierig ist, besteht zum einen ein Mangel an Fachkräften, zum anderen ein Mangel an Identifikation.

Die SAHB bezeichnet sich als unabhängige Organisation, die Beratungen für Menschen mit einer Beeinträchtigung anbietet. Auf der anderen Seite schreibt sie Gutachten im Auftrag der IV und anderer Sozialversicherungen. Gibt es da Interessenkonflikte?

Dieser Umstand birgt sowohl Herausforderungen als auch Chancen. Es geht darum, die Chancen zu nutzen, ohne die Schwierigkeiten zu übersehen. Die IV als Auftraggeberin richtet sich nach gesetzlichen Vorgaben und Bundesgerichtsentscheiden, die beide zunehmend politisch geprägt sind. Da führt für die SAHB leider kein Weg vorbei. Der Spielraum ist klein und der Druck der IV hoch. Aus diesem Grund sind die Möglichkeiten der SAHB, sich für die Interessen von Menschen mit Behinderungen einzusetzen, bescheiden. Natürlich gibt es für die Mit­

arbeitenden ständig Interessenkonflikte, was zu einem Arbeitsumfeld führt, in dem auch Fehler passieren.

Ich möchte mir nicht vorstellen, die IV würde Abklärungen selber machen und Entscheide treffen ohne eine unabhängige Beratung. Unabhängig meint hier unabhängig von Fachhändlern und Herstellern.

Und wie spielt die SPV da hinein?

Es kann vorkommen, dass sich Anwälte der SPV gegen Entscheide der IV wehren, die sich auf die Abklärungen der SAHB stützen. Doch es gibt auch Fälle, da wehren sich die SPV­Anwältinnen im Interesse der SAHB gegen Bundesgerichtsentscheide oder eine schon länger gängige Praxis.

Hast du eine Vision oder einen Wunsch, wohin die SAHB sich entwickeln sollte?

Ich wünsche mir und der SAHB, dass sich diese, ähnlich wie die SPV, gegen den leider herrschenden rauenden Wind positiv in die richtige Richtung entwickelt. Als Flieger weiss ich, dass es oft lohnender und effizienter ist, gegen den Wind aufzukreuzen, als es frontal zu versuchen.

ÜBER DIE PERSON

Stefan Keller ist selbstständiger Coach und Berater und begleitet Veränderungsprozesse. Zudem ist er seit 2025 im Zentralvorstand der SPV.

ERWACHSENWERDEN

Mit dem Kopf durch die Wand

Eine Lehrstelle finden, von zuhause ausziehen, Verantwortung übernehmen: eine anspruchsvolle Zeit für Emiglio Pargätzi. Von Nadja Venetz

Im Sommer 2025 hält er es endlich in den Händen, sein Diplom zum Fahrradmechaniker EFZ. Der Weg dahin war holprig. «Ich war kurz davor abzubrechen und psychisch ziemlich am Ende», sagt Emiglio Pargätzi rückblickend. Er ist stolz auf die bestandene Prüfung, aber auch erleichtert, dass diese schwierige Lebensphase hinter ihm liegt.

Der heute 22­Jährige wächst im bündnerischen Lüen auf; ein Dorf bei Arosa mit knapp 80 Einwohnern. Die ersten Primarschuljahre verbringt er im Schulheim in Chur. Die Schule im Tal ist auf ein Kind im Rollstuhl nicht vorbereitet. Emiglios Mutter kämpft dafür, dass ein Treppenlift eingebaut wird, sodass ihr Sohn ab der

dritten Klasse dieselbe Schule wie alle anderen Kinder im Ort besuchen kann. Erst für die Oberstufe fährt er wieder nach Chur; mit dem Taxi. «Ich war ein ruhiger und unauffälliger Schüler», beschreibt er sich selbst.

Weg von zu Hause

Mit 17 Jahren zieht er nach Schenkon LU und ist einer der ersten Bewohner der ParaWG. «Ich habe die WG als grosse Chance gesehen, mich weiterzuentwickeln und mich von zu Hause zu lösen. Bis hierhin habe ich höchstens die Farbe meines Rollstuhls ausgewählt.» Durch die ParaWG kommt er in Kontakt mit Silvia Affentranger, Sozialarbeiterin der SPV. Sie geht in der Sozialberatung die eher uncoolen The­

men des Erwachsenenlebens mit den WGBewohnern an: Sozial­ und Krankenversicherungen, Steuererklärung, Hilfsmittelversorgung usw.

Emiglio will die Zusammenhänge und Leistungen der Sozialversicherungen und deren Abläufe verstehen und die Administration selbst übernehmen. Damit nimmt er aber seiner Mutter etwas weg. Über all die Jahre hat sie sich darum gekümmert, dass ihr Sohn zu den Leistungen kommt, die ihm zustehen, und sich ein System aufgebaut. Dieses ist jedoch für Emiglio weder logisch noch praktisch. «Ich brauche keine 50 Ordner in meiner Wohnung. Ich will ein papierloses Leben.» Regelmässig trifft er sich allein mit Silvia Affentranger und

baut mit ihrer Unterstützung seine eigene Ablage auf, digital auf seinem Laptop. Seiner Mutter jedoch fällt es schwer, loszulassen. Emiglio zeigt sich heute gnädig: «Meine Mutter legte eine steile Lernkurve hin.» Die Wogen zwischen den beiden haben sich längst geglättet.

Auf keinen Fall ins Büro

Die Bewohner der ParaWG lernen nicht nur, was es heisst, selbstständig zu wohnen, sondern werden von ParaWork in der Berufswahl begleitet. Perspektivenjahr nennt sich das. Emiglio macht ein Praktikum in einem Büro und stellt bald fest, dass ihn die Tätigkeiten langweilen. Und sowieso wehrt er sich gegen die Vorstellung, dass der einzige Arbeitsort für einen Rollstuhlfahrer am Schreibtisch ist. Stattdessen will er Velomechaniker werden. Als begeisterter Rollstuhlskater schraubt er oft selbst an seinem WCMX­Stuhl, warum also nicht das Handwerk von Grund auf lernen? Er schnuppert in mehreren Betrieben in den Beruf rein, aber von diesen sind dann doch die wenigsten bereit, ihre Lehrstelle mit einem Rollstuhlfahrer zu besetzen. Er könne ein Velo, das er geflickt habe, ja doch nicht Probe fahren; so oder ähnlich klingen die Begründungen. Emiglio schreibt viele Bewerbungen, bis er seinen Ausbildungsplatz bekommt. Bevor er seine Lehre beginnt, absolviert er im selben Betrieb ein sechsmonatiges Praktikum. Es soll dazu dienen, herauszufinden, was angepasst werden muss.

Rückblickend meint Emiglio: «Ich hätte noch in andere Berufe reinschnuppern sollen.» Im zweiten Lehrjahr verliert er die

Freude, kann sich kaum noch motivieren. «Ich habe überhaupt keinen Sinn dahinter gesehen, warum ich dieses oder jenes lernen soll. Entsprechend schlecht war meine Leistung.» Er tauscht sich intensiv mit seiner Jobcoachin von ParaWork aus. Statt abzubrechen, entschliesst er sich, durchzubeissen. Viel zu lange hat er nach dieser Lehrstelle gesucht, und was ist schon ein Jahr. «Es geht schon, es muss irgendwie gehen», sagt er sich. Aber es wird ein schwieriger Abschnitt, vor allem auch weil er keine Zeit für seinen Ausgleich hat: WCMX.

Emiglio probiert die Sportart zum ersten Mal, als er vor knapp zehn Jahren an der Jugendreha im Schweizer ParaplegikerZentrum teilnimmt. Am gleichzeitig stattfindenden Leichtathletik­Grand­Prix ParAthletics zeigt der deutsche WCMX­Pionier David Lebuser auf Rampen und Rails sein Können. Und Emiglio unternimmt selbst erste Versuche. Zu dieser Zeit gibt es jedoch in der Schweiz noch keine Strukturen für WCMX. Erst als er in die ParaWG einzieht, etabliert Marco Bruni, Leiter Athletenentwicklung bei der SPV, diese Sportart. Die damalige Leiterin der ParaWG stellt den Kontakt her und Emiglio wird einer der ersten WCMX­Athleten des Landes. Er hat vorher schon gerne Sport gemacht, aber weder Basketball noch Leichtathletik packen ihn wirklich. Bei WCMX ist das anders. «Kreativität, Action und Schnelligkeit, Geschicklichkeit; der Sport vereint alles», schwärmt der Bündner, der heute zum A­Kader gehört.

Mehr Selbstbewusstsein

Und noch etwas gefällt ihm: Er kann mit seinem Rollstuhl Grenzen ausloten, zeigen, was alles möglich ist. Das machte er

«Ich bin heute ein ganz anderer Mensch.»

schon vorher gern, vorwärts Treppen oder einen steilen Wanderweg runterfahren, mit Karacho über einen Bordstein springen. «Als WCMX­Athlet kann ich auch ein Vorbild sein für Personen, die sich schämen für ihren Rollstuhl. Ich habe mich früher auch nicht wohl gefühlt mit mir selber und habe mich zu Hause verkrümelt», sagt Emiglio. Die Sportart verändert den schüchternen Teenager. «Kaum hatte ich einen Helm auf dem Kopf, wurde ich zur Rampensau. Der Sport hat mir viel Selbstbewusstsein gegeben. Ich bin heute ein ganz anderer Mensch.»

Die Struktur seiner Ausbildung lässt jedoch kaum Platz für seine sportlichen Ambitionen. In den warmen Sommermonaten, die ideal für den Skatepark wären, herrscht Hochbetrieb in der Velowerkstatt. «Ich konnte nicht mehr trainieren, wie ich wollte, dann konnte ich nicht mehr das abliefern, was ich von mir gewohnt war.» Die Leistungen werden auch im Sport schlechter. Das macht Emiglio noch unzufriedener. Mit Ach und Krach besteht er im Sommer 2025 seine Prüfungen. Er ist froh, hat er nun ein eidgenössisches Fähigkeitszeugnis, aber als Velomechaniker zu arbeiten, das kann er sich nicht mehr vorstellen. Aktuell ist er mit der Unterstützung von ParaWork auf Stellensuche. Eine neue Arbeitsstelle muss sich mit seinen sportlichen Zielen vereinbaren lassen. Zudem absolviert er die Leiterausbildung im Behindertensport. Er möchte die Sportart, die aus ihm einen anderen Menschen gemacht hat, an andere weitergeben.

Balanceakt

Eine neue Arbeitsstelle muss mit den sportlichen Ambitionen vereinbar sein.

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Wohnen und Tagesstruktur Stiftung Rossfeld

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Unser oberstes Ziel ist das selbstbestimmte Leben unserer Bewohner:innen. Wir beraten Sie gerne: info@rossfeld.ch oder Tel. 031 300 02 02.

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So klappt effizientes Rollstuhlverladen

Es gibt mehrere Möglichkeiten, den Rollstuhl oder noch schwerere Geräte ins Auto zu hieven und zu verstauen.

SPV­Peerberater Beat Bösch setzt auf einen Seilzuglift.

Wenn eine Person im Rollstuhl einen Autokauf plant, tut sie gut daran, einen Punkt zu priorisieren: Die Zweckmässigkeit steht über der Ästhetik. Beat Bösch, Peerberater bei der SPV und Tetraplegiker, betont: «Wunschvorstellung und Realität sind leider nicht immer deckungsgleich.»

Eine Frage wird gerne vergessen, dabei ist sie für ihn zentral: «Wie bringe ich meinen Rollstuhl überhaupt in den Wagen?» Darum ist für ihn ein Faktor massgebend: «Die Grösse des Autos. Ideal sind Kombis oder Mini­Vans.» Und ebenfalls von erheblichem Vorteil sind automatische Schiebetüren ab Werk, die man per Knopfdruck öffnen kann. Denn: «Nicht jeder Rollstuhl passt durch eine gewöhnliche umgebaute Schwenktür.»

90 Sekunden statt 6 Minuten Als Beat Bösch vor bald 30 Jahren nach dem Unfall zum ersten Mal seinen Rollstuhl ins Auto lud, dauerte der Vorgang oft bis zu sechs Minuten. Zuerst transferierte er vom Rollstuhl hinter das Lenkrad, dann folgte das Verladen des Rollstuhls mit einem Hebearm, der sich mit einer Kabelsteuerung bedienen liess. Wenn er pro Tag fünfmal ein­ und ausstieg, kostete ihn das insgesamt also rund eine Stunde.

Inzwischen klappt das viel schneller. In 90 Sekunden ist der 54­Jährige abfahrbereit, manchmal benötigt er gar noch weniger. Das hat primär mit einem relativ einfachen Hilfsmittel zu tun. Beat Bösch transferiert auf den Fahrersitz, öffnet die Schwenktüre und fährt den Seilzug aus. Er bringt den Haken am Rahmen an und hievt den Rollstuhl, den er von Hand führt, hinter den Fahrersitz. Natürlich hilft ihm auch die Routine – jeder Handgriff sitzt.

Längst ist er ein Verfechter des Seilzugs, der für Rollstühle mit Festrahmen oder Faltrollstühle geeignet ist. «Er ist effizient und leicht zu handhaben. Ich habe damit nur gute Erfahrungen gemacht», sagt er und fügt an, dass noch auf einen Punkt zu ach­

ten ist: «Es vereinfacht den Transfer ins Auto, wenn sich Fahrersitz und Rollstuhl in etwa auf gleicher Höhe befinden.»

Ladeboy eine Option zum Seilzug Vor allem Menschen mit einer Paraplegie verzichten teilweise auf die Unterstützung eines Verladesystems und wählen die manuelle Option. Sie haben dadurch eine grössere Auswahl an Fahrzeugmodellen, darunter auch Zweitürer. Nach dem Transfer hinters Steuer nehmen sie die Räder des Rollstuhls ab und verstauen sie zusammen mit dem Rahmen. «Physio­ und Ergotherapie raten jedoch von diesem Vorgehen ab, weil es mit der Zeit Schulterprobleme verursachen kann», sagt Beat Bösch.

Eine Alternative ist der Ladeboy, ein teureres Hilfsmittel als der Seilzuglift. Mit diesem System lässt sich ein Rollstuhl ohne Kraftaufwand ein­ oder ausladen. Einsetzbar ist es sowohl für manuelle Rollstühle als auch für Elektrorollstühle bis 50 Kilo. Für noch schwerere Geräte – wie zum Beispiel Zuggeräte – bietet sich der Kofferraumlift an. Je nach Modell kann er eine Last von bis zu 200 Kilo verladen. In der Regel übernimmt die Invalidenversicherung (IV) die Kosten für ein System.

Verschiedene Verlademöglichkeiten machen das Ein­ und Ausladen zu einem Routinevorgang, der mit wenig Energieverlust vonstattengeht. Beat Bösch macht es vor.

Beat Bösch verwendet einen Seilzuglift. Je nach Bedürfnis und Beratung kommen andere Lösungen infrage – siehe Überblick auf orthotec.ch unter Hilfsmittel/Autofahren.

TAGGELDER

Berufliche Entwicklung und Taggeld

Der vorliegende Artikel geht der Frage nach, ob und inwiefern eine berufliche Entwicklung, zu der es ohne Gesundheitsschaden gekommen wäre, bei der Berechnung von Taggeldern berücksichtigt werden kann.

Von Michael Bütikofer, Rechtsanwalt und Notar

Im Paracontact sind bereits mehrere Artikel zum Thema erschienen, ob eine berufliche Entwicklung, zu der es ohne Gesundheitsschaden gekommen wäre, bei der Rentenfestsetzung berücksichtigt werden kann (siehe dazu bspw. Paracontact 2/2024). Wie in diesen früheren Artikeln dargelegt, liegen die Hürden grundsätzlich hoch und sind die (bundesgerichtlichen) Kriterien streng, damit eine vereitelte Karriere bei der Rentenfestsetzung berücksichtigt werden kann. Ob sich der Umstand einer vereitelten Karriere allenfalls auch auf den Taggeldanspruch auswirken kann, wird nachfolgend näher beleuchtet.

Das Taggeld der Unfallversicherung Erwerbstätige Personen sind in aller Regel obligatorisch gegen die Folgen von Berufsund Nichtberufsunfällen versichert. Wer als erwerbstätige Person einen Unfall erleidet und infolgedessen (teil­)erwerbsunfähig wird, erhält grundsätzlich ab dem dritten Tag nach dem Unfallereignis ein Taggeld von der Unfallversicherung. Dieses Unfalltaggeld berechnet sich basierend auf dem letzten vor dem Unfall bezogenen Lohn (versicherter Verdienst). Das Unfalltaggeld beträgt bei voller Arbeitsunfähigkeit 80 Prozent des versicherten Verdienstes. Bei teilweiser Arbeitsunfähigkeit wird es entsprechend gekürzt. Der höchstmögliche Tagessatz beläuft sich aktuell auf CHF 406.–. Der Taggeldanspruch erlischt

mit der Wiedererlangung der vollen Arbeitsfähigkeit, mit dem Beginn einer Rente oder mit dem Tod des Versicherten.

Nach dem Gesagten steht fest, dass eine Unfallversicherung die Zeit vom dritten Tag nach dem Unfallereignis bis zum Beginn des Rentenanspruchs mit einem Taggeld überbrückt. Dabei kann es erfahrungsgemäss einige Zeit (mehrere Monate bis

Jahre) dauern, bis der Rentenanspruch festgesetzt werden kann und der Taggeldanspruch endet.

Taggelder der Invalidenversicherung Auch gegenüber der Invalidenversicherung kann ein Taggeldanspruch entstehen. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn die versicherte Person einen Arbeitsversuch absolviert oder an Eingliederungsmassnah­

Die vereitelte Karriere muss (glaubhaft) dargelegt werden.

men teilnimmt. Ein Taggeldanspruch kann zudem im Rahmen einer erstmaligen beruflichen Ausbildung, einer höheren Berufsbildung oder eines Studiums an einer Hochschule entstehen. Gleich wie derjenige gegenüber einer Unfallversicherung kann sich auch der Taggeldanspruch gegenüber der Invalidenversicherung über eine Zeitdauer von mehreren Monaten bis Jahren erstrecken. Dabei orientiert sich grundsätzlich auch das Taggeld der Invalidenversicherung am letzten ohne gesundheitliche Einschränkung erzielten Erwerbseinkommen. Eine andere, hier nicht näher zu beleuchtende Bemessungsgrundlage gilt für Taggelder im Rahmen einer erstmaligen beruflichen Ausbildung, einer höheren Berufsbildung oder eines Studiums an einer Hochschule. Erhält eine versicherte Person ein Taggeld einer Unfallversicherung und nimmt sie an einer taggeldberechtigten Eingliederungsmassnahme der Invalidenversicherung teil, so entspricht ihr Taggeld der Invalidenversicherung mindestens dem bisher bezogenen Taggeld der Unfallversicherung (sog. Besitzstandsgarantie).

Möglichkeit zur Taggeldanpassung

Die Frage, die sich nun stellt, ist, ob die Taggelder angepasst, d. h. erhöht werden können, wenn ohne Gesundheitsschaden der (Validen­)Lohn angestiegen wäre. Mit anderen Worten stellt sich die Frage, ob sich eine Lohnsteigerung, zu der es ohne Gesundheitsschaden gekommen wäre, auf den Taggeldanspruch gegenüber der Unfall­ und/oder Invalidenversicherung auswirken kann. Wie nachfolgend dargelegt werden wird, fällt die Antwort im Verhältnis zur Unfallversicherung anders aus als im Verhältnis zur Invalidenversicherung.

Im Verhältnis zur Unfallversicherung

Der Taggeldanspruch gegenüber der Unfallversicherung wird in der Verordnung über die Unfallversicherung (UVV) näher konkretisiert. Währenddem sich in Art. 22 UVV Präzisierungen zum versicherten Verdienst finden, enthält Art. 23 UVV Bestimmungen bezüglich des massgebenden Lohnes «für das Taggeld in Sonderfällen». In Absatz 7 der nämlichen Verordnungsbestimmung wird festgehalten, dass falls die Heilbehandlung wenigstens drei Mo­

nate gedauert hat und falls «der Lohn des Versicherten in dieser Zeit um mindestens 10 Prozent erhöht worden» wäre, diesfalls «der massgebende Lohn für die Zukunft neu bestimmt» wird.

Damit steht im Verhältnis zur Unfallversicherung fest, dass sich das Taggeld nicht länger basierend auf dem letzten vor dem Unfall bezogenen Lohn berechnet, wenn die Heilbehandlung wenigstens drei Monate gedauert hat und der Lohn des Versicherten in dieser Zeit um mindestens 10 Prozent erhöht worden wäre, wäre der Unfall nicht passiert. Sind im Einzelfall diese Voraussetzungen erfüllt, schreibt die UVV somit vor, dass der massgebende Lohn und damit das Taggeld für die Zukunft neu zu bestimmen sind.

Damit bleibt zu prüfen, was es in der Praxis braucht, um gestützt auf Art. 23 Abs. 7 UVV eine Erhöhung des Taggeldes auch tatsächlich bewirken zu können. Eine Erhöhung des Einkommens, zu welcher es ohne den Unfall gekommen wäre, steht immer im Spannungsfeld zur reinen Hypothese. Aus diesem Grund und zur Vermeidung des Missbrauchs muss die beachtliche Änderung des Lohnes schon vor dem Unfall konkret voraussehbar gewesen sein. Weder der blosse Wunsch nach einer Ausdehnung der Arbeitsdauer noch dahingehende einseitige Absichtserklärungen der versicherten Person vermögen diesen Anforderungen zu genügen. Stattdessen muss schon vor dem Unfall mit überwiegender Wahrscheinlichkeit festgestanden haben, dass es zu einer Lohnsteigerung kommt. Gegenüber der Unfallversicherung gelten für die Erhöhung von Taggeldern somit ähnlich strenge Kriterien wie für eine Erhöhung von Renten infolge beruflicher Entwicklung im Gesundheitsfall (vgl. dazu Paracontact 2/2024).

Verhältnis zur Invalidenversicherung Auch die Invalidenversicherung kennt mit Art. 21bis Abs. 5 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV) eine Bestimmung, welche unter gewissen Umständen eine Anpassung des Taggeldes ermöglicht: Macht eine versicherte Person glaubhaft, dass sie während der Zeit der Eingliederung ohne Eintritt der Invalidität eine an­

dere als die zuletzt ohne gesundheitliche Einschränkung ausgeübte Erwerbstätigkeit aufgenommen hätte, bemisst sich das Taggeld nach dem Verdienst, der mit dieser neuen Tätigkeit erzielt worden wäre. Wenn also im Einzelfall eine versicherte Person ohne schädigendes Ereignis beispielsweise die Stelle gewechselt hätte, kann sie beantragen, dass ihr IV­Taggeld basierend auf dem Einkommen berechnet wird, welches sie nach dem Stellenwechsel verdient hätte.

Interessant ist diese Verordnungsbestimmung nicht zuletzt deshalb, weil im Verhältnis zur Invalidenversicherung ein Stellenwechsel, zu dem es ohne schädigendes Ereignis gekommen und welcher mit einem höheren Einkommen einhergegangen wäre, lediglich glaubhaft gemacht werden muss. Im Unterschied zur Unfallversicherung muss dieser Stellenwechsel somit nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit festgestanden haben. Im Verhältnis zur Invalidenversicherung gilt im Zusammenhang mit einer Anpassung des Taggeldanspruchs somit ein herabgesetztes, weniger strenges Beweismass.

Fazit

Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass sowohl im Bereich der Unfallversicherung als auch der Invalidenversicherung eine Erhöhung des Taggeldanspruches infolge beruflicher Entwicklung, zu welcher es ohne Gesundheitsschaden gekommen wäre, grundsätzlich möglich ist. Die Kriterien für eine Taggeldanpassung sind in der Unfallversicherung strenger als in der Invalidenversicherung. In der Praxis ist jeweils genau zu prüfen, ob und inwiefern es ohne Gesundheitsschaden zu einer massgeblichen beruflichen Veränderung gekommen wäre. Spricht im Einzelfall einiges für eine positive Veränderung im Gesundheitsfall, kann es sich durchaus lohnen, die Sozialversicherungen auf diese Umstände hinzuweisen und eine Erhöhung des Taggeldes zu beantragen. Wir von der Rechtsberatung der SPV stehen Ihnen jederzeit zur Verfügung und prüfen die Möglichkeit für eine allfällige Erhöhung Ihrer Taggeldansprüche gerne.

VERDAUUNG

Wenn der Darm streikt

Der Darm spielt bei einer Querschnittlähmung oft verrückt. Welchen Einfluss haben Ernährung, Bewegung und Alltag und was hilft, Beschwerden zu lindern?

Viele Menschen mit Querschnittlähmung kennen das Problem: Der Darm macht nicht, was er soll. Grund dafür ist die enge Verbindung zwischen Darm und Nervensystem. Normalerweise wird der Darm über ein fein abgestimmtes Netzwerk von Nerven gesteuert, das zwischen Gehirn, Rückenmark und Darmwand vermittelt. Es koordiniert die Bewegung der Darmmuskulatur und löst Reflexe aus, die für Verdauung und Entleerung wichtig sind.

Der Darm im Ausnahmezustand Wird die Verbindung zwischen Gehirn und Darm durch eine Rückenmarkverletzung unterbrochen, fällt die Steuerung der Darmbewegung ganz oder teilweise aus; man spricht von einer neurogenen Darmfunktionsstörung. In der Folge bewegt sich der Darm träger, der Stuhl bleibt länger im Körper, und das Signal zur Darmentleerung wird schwächer oder bleibt ganz aus. Dadurch entsteht eine Vielzahl an Symp­

tomen wie Verstopfungen, Blähungen und Stuhlinkontinenz. Bei höheren Lähmungen, etwa einer Tetraplegie, kann das zusätzlich zu übermässigen Reflexreaktionen führen und unangenehme Krämpfe oder sogar eine autonome Dysreflexie auslösen.

Auch indirekte Faktoren können diese Beschwerden verstärken: Menschen mit Querschnittlähmung sind seltener körperlich aktiv, trinken zu wenig oder nehmen Medikamente ein, welche die Darmtätigkeit verlangsamen – zum Beispiel Schmerzmittel oder Spasmolytika.

Unser inneres Ökosystem

Im menschlichen Darm leben Billionen von Mikroorganismen: Bakterien, Pilze und Viren. Zusammen bilden sie die sogenannte Darmflora oder das Mikrobiom. Das Mikrobiom hilft, Nahrung zu verdauen, Vitamine zu bilden, Abwehrzellen zu trainieren und die Darmwand gesund zu halten.

Über fein abgestimmte Botenstoffe, Immunzellen und Nervenbahnen steht das Mikrobiom in direktem Kontakt mit dem Gehirn – der sogenannten Darm­HirnAchse – und wirkt dabei ersten Studien zufolge sogar als «Chemiefabrik» für Stimmung, Antrieb und Motivation.

Die Darmtätigkeit verlangsamt sich bei einer Querschnittlähmung.

Nach einer Querschnittlähmung gerät dieses System oftmals durcheinander. Studien zeigen, dass sich die Zusammensetzung der Darmflora bei einer Querschnittlähmung deutlich verändert: Die Vielfalt der Bakterien nimmt ab und durch die verzögerte Verdauung verändert sich das Milieu im Darminnern. Einige Bakterienarten passen sich besser an diese neue Umwelt an als andere. Vergleichbar ist dies mit dem Überleben der Anpassungsfähigsten gemäss der darwinschen Evolutionstheorie. Gerade «gute» Bakterien, die die Darmwand schützen, können sich schlechter durchsetzen. Gleichzeitig nehmen Arten zu, die Entzündungsprozesse fördern. Die auf diese Weise veränderte Darmflora führt dazu, dass sich die Stuhlkonsistenz verändert. Es kommt häufiger zu Infekten und stärkeren Blähungen durch erhöhte Gasbildung und möglicherweise auch zu einem verringerten Wohlbefinden. So entsteht ein Kreislauf aus bakteriellen Veränderungen und Symptomen – ein deutlicher Hinweis darauf, wie wichtig das Mikrobiom für die Darmgesundheit ist.

Die gute Nachricht: Das Mikrobiom ist veränderbar. Schon kleine Anpassungen bei der Ernährung, Bewegung und Tagesstruktur helfen, nützliche Bakterien zu fördern und die Verdauung in Schwung zu bringen.

Was hilft?

Der Darm reagiert sensibel auf unseren Alltag. Wenn wir essen, ernähren wir gleichzeitig unser Mikrobiom. Ballaststoffe sind das Lieblingsfutter der Darmbakterien. Sie binden Wasser, machen den Stuhl weicher und fördern die Bewegung im Dickdarm. Gute Ballaststoffquellen sind Hafer, Leinsamen, Hülsenfrüchte, Gemüse, Vollkornprodukte und Beeren. Wer bisher eher wenig Ballaststoffe gegessen hat, sollte die Menge allerdings nur langsam steigern. Bei einer abrupten Steigerung drohen Blähungen. Wichtig ist, die eigene Darmtätigkeit zu beobachten, da zu viele Ballaststoffe bei einer Person mit Querschnittlähmung wiederum zu Verstopfungen führen können.

Auch präbiotische Lebensmittel, die gezielt das Wachstum und die Aktivität von «guten» Bakterien fördern, stärken die Darmflora. Dazu gehören zum Beispiel Chicorée oder abgekühlte Kartoffeln. Es gibt auch Lebensmittel, die lebende Bakterien enthalten, sogenannte probiotische Lebensmittel wie Naturjoghurt, Kefir oder Sauerkraut. Diese helfen zusätzlich, das Mikrobiom mit «guten» Bakterien zu stabilisieren.

Ausreichend Flüssigkeit zu sich zu nehmen, ist ebenfalls entscheidend: Anderthalb bis zwei Liter pro Tag, sofern medizinisch erlaubt, unterstützen eine weiche Stuhlkonsistenz. Besonders hilfreich ist ein warmes Getränk am Morgen, das den natürlichen Darmreflex anregt. Auch kleine körperliche Aktivitäten begünstigen die Darmtätigkeit: Armtraining, Rollstuhlfahren im Freien, gezielte Atemübungen und etliche andere sportliche Tätigkeiten fördern die Durchblutung des Darms und verkürzen somit die Verdauungszeit, was sich positiv auf Mikrobiom und Symptome auswirkt.

Unterschätzte Faktoren sind Stress und Schlaf. Chronischer Stress hemmt die Verdauung und verändert das Mikrobiom. Entspannungsübungen, Atemtechniken oder kurze Pausen helfen mit, die DarmHirn­Achse zu stabilisieren. Ein erholsamer Schlaf von sieben bis neun Stunden unterstützt eine gesunde Darmflora.

Forschung und Zukunft

Die Wissenschaft entdeckt den Darm gerade neu. Besonders spannend sind Studien, die untersuchen, wie sich das Mikrobiom nach einer Rückenmarksverletzung verändert und welche Bakterien des Mikrobioms mit einer verbesserten Darmgesundheit verbunden sind. Erste Ergebnisse zeigen: Menschen mit höherer MikrobiomVielfalt haben oft weniger Beschwerden und benötigen kürzere Darmentleerungszeiten. Eine in Nottwil durchgeführte Studie mit Rollstuhlathletinnen und ­athleten zeigte zudem, dass diese Personen eine deutlich vielfältigere Darmflora aufweisen als weniger aktive Personen mit Querschnittlähmung. Das deutet darauf hin, dass regelmässige Bewegung das Mikrobiom nachhaltig positiv beeinflusst. Ein weiterer Forschungsansatz betrifft Probiotika, gezielt eingenommene «gute» Bakterien. In Zukunft könnten solche Präparate helfen, das Mikrobiom bewusst zu stärken und damit Darmbeschwerden bei Personen mit Querschnittlähmung zu lindern. Erste Pilotstudien mit Rollstuhlathletinnen und ­athleten an der Schweizer Paraplegiker­Forschung (SPF) zeigen eine gute Verträglichkeit dieser Präparate und einen positiven Einfluss auf die Darmfunktion. Die SPF leistet damit einen wertvollen Beitrag zu einem der aktuellsten Themen der modernen Ernährungsmedizin.

Fazit: Kleine Schritte, grosse Wirkung Auch wenn Darmprobleme bei einer Querschnittlähmung häufig sind, gibt es viele Möglichkeiten, selbst etwas zu tun. Wer sich bewusst mit Ernährung, Trinkmenge, Bewegung und Alltagsroutinen beschäftigt, kann viel erreichen. Das Mikrobiom ist dabei ein wichtiger Verbündeter: Es reagiert auf jede kleine Veränderung. Wer

ein wenig Geduld mitbringt, die eigenen Gewohnheiten reflektiert und sich mit Fachpersonen austauscht, kann mit kleinen Anpassungen einen grossen Gewinn an Wohlbefinden und Lebensqualität erwirken.

AUFRUF

Zurzeit läuft an der Schweizer Paraplegiker-Forschung (SPF) eine Studie, welche die Auswirkungen einer Prä- und Probiotika-Einnahme auf die Darmgesundheit bei Menschen mit Querschnittlähmung untersucht. Gesucht werden Personen mit einer Querschnittlähmung über 18 Jahre, die unter erheblichen Darmbeschwerden leiden (Eintritt der Querschnittlähmung vor mind. einem Jahr).

Im Rahmen der Studie werden sowohl eine Ernährungsanalyse als auch eine Mikrobiomanalyse durchgeführt. Die persönliche Auswertung wird den Teilnehmenden nach Studienabschluss selbstverständlich zur Verfügung gestellt, sodass sie einen Einblick in ihre eigene Darmflora erhalten.

Bei Interesse und für weiterführende Informationen zur Studie melden Sie sich gerne unverbindlich bei der Studienkoordination.

Kontakt: Julia Trunz julia.trunz@paraplegie.ch Tel. 041 939 66 74

Mehr Gemüse Ballaststoffe helfen dem Mikrobiom.

Routiniers ohne Ermüdungserscheinungen

Jeder von ihnen hat bereits über 1000 Bauberatungen durchgeführt. Felix Schärer, Dominik Widmer und Marcel Strasser erzählen von besonderen Projekten und was sich über all die Jahre verändert hat.

Von Nadja Venetz

Wie lief eine Bauberatung vor 30 Jahren ab?

Dominik Widmer (DW): Eigentlich gleich wie heute. So früh wie möglich besuchten wir mit dem Patienten und der Ergotherapeutin seine Wohnung.

Marcel Strasser (MS): Wir haben im Unterschied zu heute mit einer analogen Kamera Fotos gemacht, möglichst viele, damit der Film schnell voll war und entwickelt werden konnte.

Felix Schärer (FS): Und wir sind mit Papierkarten durch die Schweiz geirrt.

Was hat sich in der Baubranche getan?

MS: Es ist schwieriger geworden, Handwerker zu finden, die Zeit haben; vor allem in städtischen Gebieten.

FS: Früher haben wir in Badezimmern Bleiwannen eingebaut. Die Handwerker hatten keine Ahnung, wie sie das machen sollten. Heute bringt eine begehbare Dusche keinen Sanitär mehr ins Grübeln.

Wird heute hindernisfreier gebaut?

FS: Mit dem Behindertengleichstellungsgesetz von 2004 hat sich ein bisschen was verbessert, vor allem im Wohnungsbau. Aber das Angebot entspricht noch längst nicht der Nachfrage.

MS: Gerade Badezimmer sind schon hindernisfreier geworden. Die Räume wurden grosszügiger und bodenebene Duschen chic. Heute schätzen es auch Fussgänger, wenn sie nicht mehr über eine hohe Badewannenwand steigen müssen.

Was hat sich vereinfacht im Vergleich zu früher?

DW: Heute gibt es viel mehr technische Möglichkeiten zur Automatisierung. Die Bedienung erfolgt direkt über das Smartphone. Früher brauchte es ein extra Gerät, die Zielgruppe war klein und es gab nur wenige Anbieter. Heute rüsten immer mehr Menschen ohne Behinderung ihr Zuhause mit technischen Spielereien aus. Für unsere Kundschaft jedoch sind das keine Spielereien, sondern die Grundlage, um selbstbestimmt zu wohnen.

Wie hat sich eure Klientel verändert?

MS: Vor 25 Jahren waren komplett gelähmte Paraplegiker die Mehrheit. Heute haben wir einen deutlich höheren Anteil an inkomplett gelähmten Personen.

Was bedeutet das für eure Arbeit?

MS: Sobald die Person das Spitalbett verlassen kann, führen wir die Wohnungsabklärung durch. Zu diesem frühen Zeitpunkt ist oft ungewiss, welche Fähigkeiten die Person während der Rehabilitation wiedererlangen wird. Konkret heisst das, wir müssen mehrere Varianten planen. Vielleicht ist die Person dauerhaft auf einen Rollstuhl angewiesen, vielleicht kann sie einen Absatz aber auch zu Fuss meistern. Sobald wir an Handwerker Aufträge erteilen, müssen wir entscheiden, was wir umsetzen. Es braucht heute viel individuellere Lösungen als vor 20 Jahren.

Reich an Erfahrung (v. l. n. r.): Felix Schärer, Dominik Widmer, Marcel Strasser.

Highlightprojekt Dominik Widmer

2012 durfte ich in Maracon VD ein Einfamilienhaus planen und bauen, das mit Strohballen isoliert werden sollte. Die beiden Auftraggeberinnen kamen direkt auf uns zu, ob wir das mit ihnen umsetzen, denn eine der beiden Frauen ist Paraplegikerin. Die beiden wohnten in derselben Gemeinde zur Miete und wollten sich einen Lebenstraum verwirklichen. Sie hatten sich ein 1200 m² grosses Stück Land gekauft und die Strohballen hatten sie auch schon besorgt. Das war die Ausgangslage. Ansonsten keine Skizze, keine Pläne, nur viele Ideen. Die beiden Bauherrinnen haben wahnsinnig viel Herzblut in dieses Projekt reingesteckt und es war einfach schön, das auf der wortwörtlich grünen Wiese mit ihnen zusammen zu realisieren.

Highlightprojekt Marcel Strasser Ein einzigartiges Projekt war die Erschliessung eines Terrassenhauses mit einem Lift im Winter 2009/2010. Das Gebäude bestand aus vier zweigeschossigen Wohneinheiten, welche versetzt an einem steilen Hang angeordnet waren. Der Zugang erfolgte von oben. Das Haus, um das es ging, war das zweitoberste. Wir mussten einen Liftschacht am obersten Haus vorbei graben. Ein Kran hob einen Bagger in das Loch, der anschliessend im Erdinnern verschwand. Das Ganze war wahnsinnig aufwendig. Da die Häuser wie Stufen aufeinander angeordnet waren, mussten wir vom Lift einen Tunnel zum betreffenden Haus bauen. Die Bauherren nutzten den zusätzlich entstehenden Raum vor dem Lift und liessen sich eine Sauna einrichten.

Highlightprojekt Felix Schärer In besonderer Erinnerung ist mir der Neubau eines Einfamilienhauses im liechtensteinischen Ruggell. Was wir da für ein Tempo hingelegt haben, war schon beeindruckend. Im Juni 2003 führten wir die Bauberatung durch, im August hatten wir die erste Besprechung mit der Bauherrenschaft. Im September reichten wir das Baugesuch ein und Ende Februar 2004 durfte der Bauherr einziehen. Er – mittlerweile leider verstorben – war hochgelähmt, das heisst, wir bauten viele Automationen ein zu einer Zeit, als sich noch nicht das ganze Haus mit dem Smartphone steuern liess. Das Ziel war, dass er sich möglichst selbstständig im Haus bewegen konnte. Ich bin heute noch stolz, dass wir das in so kurzer Zeit geschafft haben.

DW: Erschwerend kommen da die kürzeren Rehazeiten hinzu. Heute ist es fast nicht mehr möglich, einen Umbau so fertigzustellen, dass die Person bei Spitalentlassung direkt nach Hause kann. Oftmals braucht es Übergangslösungen in Pflegeheimen.

Wann ist eine Beratung für euch unbefriedigend?

FS: Manchmal gibt es einfach keine Lösung und der Aufwand für einen Umbau ist zu gross. Dem Gegenüber dann zu erklären, dass sie am besten eine neue Bleibe suchen, ist keine einfache Aufgabe.

MS: Wir haben viel Erfahrung und wissen, was eine gute Lösung ist und was nicht. Wenn die Kundschaft dann auf der schlech­

ten Lösung beharrt, ist das ärgerlich. Ein dreistöckiges Haus für eine Person im Rollstuhl mit einem Sitzlift zu erschliessen, ist unsinnig. Es braucht jedes Mal einen Transfer, auf jedem Stockwerk einen Rollstuhl. Aber wir geben letztlich nur eine Empfehlung ab. Die Kundschaft und natürlich die Geldgeber entscheiden, was umgesetzt wird.

Wo fehlt es noch an einer guten Lösung?

FS: Es gibt sogenannte Homelift­Anlagen, die sind zwar kompakt, aber mit 15 cm pro Sekunde ziemlich langsam. Reguläre Aufzüge bewegen sich über einen Meter pro Sekunde, brauchen aber viel mehr Platz. Eine Kombi aus beidem würde ich mir wünschen.

DW: Im öffentlichen Raum ist immer noch vieles im Argen. Da fehlt es aber nicht an den Lösungen, sondern an der Umsetzung.

2025 feierte das Zentrum für hindernisfreies Bauen sein 30-jähriges Bestehen. Braucht es euch in 30 Jahren noch?

MS: Die Bausubstanz ändert sich ja nicht so schnell. Ein Gebäude hat eine Lebensdauer von 40, 50 Jahren oder noch mehr. Solange Menschen in alten Bauten wohnen, wird es uns brauchen, und auch für individuelle Anpassungen.

FS: Ein Umdenken in der Immobilienbranche ist dringend nötig. Wenn Hindernisfreiheit von Anfang an mitgedacht wird, wirds nicht teurer. Hindernisfreier Wohnraum nützt allen.

INTERESSENVERTRETUNG

Spielplatz für alle

Kinder mit und ohne Behinderung, die gemeinsam auf einem Spielplatz herumtollen: Die Idee ist schön und dank der Interessenvertretung für hindernisfreies Bauen beginnt sie in Milvignes NE Gestalt anzunehmen.

Die Einrichtung einer inklusiven Spielanlage ist ein Ziel, das Emmanuelle Domon Beuret sehr am Herzen liegt. Die 40­Jährige, seit Anfang 2024 Mitarbeiterin der Interessenvertretung für hindernisfreies Bauen der Schweizer Paraplegiker­Vereinigung (SPV) und Gemeindeparlamentarierin in La Grande Béroche NE, sitzt selbst im Rollstuhl. Die Mutter von zwei Kindern war einst selbst ein kleines Mädchen, das aufgrund seiner Behinderung nicht im Freien spielen konnte. Spielplätze sind jedoch entscheidend für die Entwicklung, die motorischen Fähigkeiten, die Sozialisierung und die psychische Gesundheit von Kindern. «Stellen Sie sich eine Welt vor, in der unsere Kleinen keinen Platz zum Spielen hätten: Das ist inakzeptabel!», macht Emmanuelle Domon Beuret deutlich.

Allerdings gibt es nur wenige Anlagen, die für Kinder im Rollstuhl zugänglich sind. Und wenn man vom Recht auf Teilhabe spricht, denkt man nicht sofort an Spielplätze. Es war also an der Zeit, darüber nachzudenken. Das hat der Kanton Neuenburg getan, der in Sachen Inklusion mit einem Aktionsplan eine Vorreiterrolle einnimmt. Seit einigen Jahren gibt es einen offenen Projektaufruf, um die Inklusion in einem bestimmten Bereich zu verbessern. Diese Projekte werden einem Wettbewerb unterzogen. Die prämierten Eingaben erhalten einen Betrag von bis zu 20 000 Franken. «Ich dachte, das wäre eine gute Gelegenheit, Mittel zu beschaffen, um etwas zu verbessern. So kam mir die Idee für ein konkretes Projekt», erzählt Emmanuelle Domon Beuret.

Ein schrittweiser Prozess

Die SPV­Mitarbeiterin schlug daher vor, mit Mitteln des Kantons Neuenburg eine Spielanlage mit einem rollstuhlgerechten Element zu errichten. «Das Ziel war, Kindern mit Behinderung den Zugang zu alltäglichen Dingen zu ermöglichen, auch wenn diese auf den ersten Blick unbedeutend erscheinen.» Sie machte sich also auf die Suche nach inklusiven Spielgeräten. Bevor sie ihren Antrag einreichte, kontaktierte sie die Gemeinden, um für ihr Vorhaben zu werben. Sie traf sich mit Gemeinderäten, denen sie die Vorteile dieser An­

lage vorstellte, indem sie ihnen den Mehrwert für ihre Gemeinde aufzeigte. Sie überzeugte diese, sich an dem Projekt zu beteiligen. «Die Gemeinde kann so zeigen, dass sie offen ist, dass sie ihre gesamte Bevölkerung einbeziehen will, unabhängig davon, wer sie ist, wie alt sie ist und welche Besonderheiten sie hat. Das ist eine sehr schöne Botschaft.» Emmanuelle Domon Beuret unterbreitete der Gemeinde alle Vorschläge, die sich dann um die Einholung der Genehmigungen, die Vergabe der Aufträge, die Bestellung und Installation des Geräts, die Einhaltung der Fristen usw. kümmerte.

Emmanuelle Domon Beuret lässt sich die Schaukel zeigen.

Eröffnung des Spielplatzelements

Begleitung vor Ort

Der Prozess, gemeinsam zu überzeugen, zu überlegen und Fragen zu beantworten, das Gerät auszuwählen und zu installieren, verlief harmonisch. Auch wenn dabei einige Vorurteile ausgeräumt werden mussten: «Ich höre oft, dass es nur sehr wenige Menschen mit Behinderung gibt, dass sie nicht präsent sind. Aber wenn sie im öffentlichen Raum oder bei kulturellen Veranstaltungen fehlen, dann gerade deshalb, weil diese für sie in vielerlei Hinsicht nicht zugänglich sind und weil sie in vielerlei Hinsicht eingeschränkt werden. Es ist vor allem im Bereich der Hindernisfreiheit von Orten und Räumen notwendig, daran zu arbeiten, dass diese Menschen sichtbar und in allen Belangen Teil der Gesellschaft werden», betont die Interessenvertreterin.

Nachdem das Projekt genehmigt und gestartet worden war, engagierte sich Emmanuelle Domon Beuret weiterhin für dessen Umsetzung, indem sie vor Ort war und gegebenenfalls Korrekturen vornahm. Da sie selbst im Rollstuhl sitzt, erkannte sie Probleme sofort. Als sie nach Fertigstellung der Arbeiten die Baustelle besuchte, stellte sie fest, dass einige rote Bodenplatten fehlten, die den Zugang zur Schaukel ermöglichen sollten. Dies musste also nachgebessert werden.

Schliesslich konnte die Neuenburger Gemeinde Milvignes am 3. Dezember letzten Jahres die erste Anlage einweihen. Und das Projekt zur Installation eines rollstuhlgerechten Spielgerätes wird in einigen Jahren in der Gemeinde La Grande Béroche

INTERESSENVERTRETUNG FÜR HINDERNISFREIES BAUEN

Der Fachbereich der Schweizer Paraplegiker-Vereinigung ist dem Zentrum für hindernisfreies Bauen in Muhen AG angeschlossen.

Die Interessenvertretung für hindernisfreies Bauen ist landesweit tätig und setzt sich für die systematische Umsetzung rollstuhlgerechten Bauens ein. Ihre Aufgabe besteht zudem darin, die Kommunikation zwischen den verschiedenen Parteien zu verbessern und Kontakte zu einflussreichen Personen in der Politik, zu kommunalen Behörden, Institutionen und Bauverantwortlichen zu knüpfen; sei es für bestehende Gebäude oder geplante Bauprojekte.

Die Interessenvertretung ist auch dafür zuständig, in der Vernehmlassungsphase auf Gesetzesvorlagen zu reagieren: sie analysiert die Gesetzestexte und gibt Kommentare und Verbesserungsvorschläge ab, bevor der Text endgültig festgelegt wird. Eine weitere Aufgabe besteht darin,

fortgesetzt. Die Gemeinde hat bereits zugesichert, dass sie ihre Spielplätze zugänglicher gestalten wird.

Ein Tropfen auf den heissen Stein Natürlich handelt es sich letztendlich nur um eine Schaukel, deren Wert eher symbolisch ist. Ein Tropfen auf den heissen Stein, wenn man bedenkt, wie viel noch zu tun ist. Zumal solche inklusiven Einrichtungen selbstverständlich sein sollten und nicht Gegenstand von Anträgen und Gesuchen. Aber es regt zum Nachdenken an. Für Emmanuelle Domon Beuret tragen solche Projekte dazu bei, die Inklusion in der Gesellschaft zu verbessern, und senden eine sehr positive Botschaft aus. «Denn Menschen

das Bewusstsein zu schärfen, Wissenslücken zu schliessen und Missstände zu beseitigen.

Sie haben Fragen zu einem Bauprojekt oder einem bestehenden Gebäude? Sie sind sich nicht sicher, ob der Neubau des Bahnhofs oder der Schule in Ihrer Gemeinde auch behindertengerecht geplant wird? Sie möchten bei einem Projekt intervenieren, wissen aber nicht wie? Dann melden Sie sich bei Adrian Haueter, Koordinator der Interessenvertretung für hindernisfreies Bauen. Egal, ob Sie Politiker, Bauexperte, Mitglied der Rollstuhlgemeinschaft oder einfach an hindernisfreiem Bauen interessiert sind, wir suchen gemeinsam mit Ihnen nach Lösungen.

Kontakt Adrian Haueter Koordinator der Interessenvertretung für hindernisfreies Bauen Tel. 062 737 40 00 adrian.haueter@spv.ch

im Rollstuhl haben Bedürfnisse wie alle anderen auch. Es ist die nicht hindernisfreie Umgebung, die Menschen zu Menschen mit Behinderung macht», erklärt sie.

Das sind auch gute Nachrichten für unsere Mitglieder, insbesondere für den CFR Neuchâtel. «Das zeigt, dass sich die SPV engagiert und sich dafür einsetzt, etwas zu bewegen.» Mit der Umsetzung ihres Projekts wollte sie auch implizite Anreize für andere Gemeinden schaffen, denn: «Inklusion bedeutet, kleine Schritte zu machen. Das Ziel ist es, zu zeigen, dass sich etwas verändert. Jede noch so kleine Handlung sät einen Samen», schliesst sie.

HAUSBOOTFERIEN

Meine Feuertaufe als Kapitän

Tetraplegiker Roland Bigler erfüllt sich einen langgehegten Traum. Er schippert mit dem Hausboot über die Havel. Das Steuer übernimmt er selbst.

Von Roland Bigler und Nadja Venetz

Hausbootferien – das klingt für mich nach Freiheit, Abenteuer und einer Prise Romantik. Was schon lange weit oben auf meiner Wunschliste steht, wird endlich Realität. Die passende Lösung finde ich in Deutschland: eine Reise ab Brandenburg an der Havel. Schiff ahoi!

Brandenburg ist ein Bundesland der ehemaligen DDR und umschliesst die deutsche Hauptstadt Berlin. Manch einer witzelt, hier sagen sich Fuchs und Hase «Gute Nacht». Schliesslich ist Brandenburg eines der Bundesländer mit der dünnsten Besiedelung. Wer Ruhe sucht, ist hier gut aufgehoben. Aber nicht nur das: Brandenburg ist auch das gewässerreichste Bundesland Deutschlands. Über 300 Seen und 30 000

Kilometer Fliessgewässer, darunter die Havel, warten auf Wassersportlerinnen und Naturfreunde. Für mein Vorhaben scheine ich hier genau richtig zu sein.

Die Nähe zu Berlin macht meine Anreise denkbar bequem: Von Bern bringt mich der ICE ohne Umsteigen direkt in die deutsche Hauptstadt. Als Alternative bietet sich der Nachtzug an, der im Rollstuhlabteil Platz bietet für einen Gast im Rollstuhl sowie eine Begleitperson. Von Berlin fährt mich die Regiobahn nach Brandenburg an der Havel. Ab da gehts aufs Wasser.

Unser schwimmendes Zuhause

Die Hausboote sind wahre Raumwunder: 12 Meter lang, 5 Meter breit, ausgestattet

mit Küche, zwei Schlafzimmern und einem Bettsofa. Das Badezimmer ist barrierefrei mit befahrbarer Dusche und WC. Sogar Duschsitz und Haltegriffe sind montiert. Platz hat es für maximal sechs Personen. Wir hingegen machen es uns zu zweit gemütlich.

Um mein schwimmendes Zuhause zu steuern, benötige ich keinen Bootsschein. Vor Ort erhalte ich eine gründliche Einweisung, die mich befähigt, das Hausboot selbstständig zu fahren. Und nun sitze ich, Tetraplegiker, selbst am Steuer. Anfangs steigt der Puls meiner Freundin bei meinen Manövern noch in den roten Bereich, doch mit etwas Routine werde ich zum sicheren Kapitän.

ÜBER DEN AUTOR

Roland Bigler ist Reiseberater bei unserem Partner Globetrotter. Er unterstützt Sie gerne bei der Planung Ihres eigenen Hausboot-Abenteuers oder anderen Reiseträumen.

Kontakt globetrotter.ch/rbigler

Volle Kraft voraus Roland Bigler ist selber überrascht, wie zugänglich das Hausboot für ihn ist.

Ist man die gewünschte Strecke gefahren, hält man Ausschau nach einem geeigneten Platz, um eine Pause einzulegen. Ankern darf man das Boot fast überall entlang den Ufern der Havel. Fischen, Schwimmen oder mit dem gemieteten Kanu die Umgebung erkunden – hier erlebt man die Natur hautnah. Die Angelausrüstung, ein Beiboot oder ein Kanu können als Extras zusätzlich gebucht werden.

Abendstimmung

Für mich gibt es nichts Schöneres, als am Abend den frisch gefangenen Fisch auf offenem Feuer zu grillieren. Auf jedem Boot steht eine Feuerschale. Das nötige Brennholz kann gegen einen kleinen Aufpreis erworben werden.

Welche Distanz man pro Tag zurücklegt, entscheiden Lust und Laune. Wie bereits erwähnt, darf man fast überall ankern. Meine persönliche Empfehlung ist, sich früh genug einen Ankerplatz für die Nacht zu suchen. Denn die Abenddämmerung hat ihren ganz besonderen Reiz. Nicht nur wegen des stimmungsvollen Lichts, sondern auch weil sich bei Sonnenauf­ und ­untergang die meisten Tiere beobachten lassen. Mit Sicherheit treffen Sie auf Graureiher, die durchs Schilf am Ufer staksen. Mit etwas Glück sehen Sie die wunderschönen blauen Eisvögel und mit noch mehr Glück einen Biber

Neben Flora und Fauna gibt es auch sonst viel zu sehen. Vor allem an den Wochenenden ist auf dem Wasser einiges los. Die

Bevölkerung der urbanen Zentren Berlin und Potsdam zieht es raus an die frische Luft. Und ich habe reichlich Freude dabei, zu beobachten, wer alles an uns vorbeifährt: Frachtschiffe und teure Yachten, fantasievolle Eigenkonstruktionen und Fischerboote, SUP­Paddler und Kanufahrerinnen.

Bei schönstem Regenwetter Regen in den Ferien? Das wünscht sich keiner. Doch auf dem Hausboot einen Regentag zu erleben, ist für mich einer der Höhepunkte der gesamten Reise: Gut ausgerüstet mit einem Buch, genügend Essen an Bord und mit einem Glas Rotwein bei der Abenddämmerung geniessen wir die Stimmung von der warmen Stube aus. So wird dieser nasse Tag zu einem ganz besonderen Erlebnis!

Unser schwimmendes Ferienhaus ist für jede Wetterlage ausgestattet. Die Terrasse, auf der sich auch die Steuerung befindet, ist gedeckt. So bin ich als Kapitän stets geschützt. An einem schönen Sommertag baumelt die Seele in der Hängematte besonders komfortabel. Bei garstigem Wetter – und mit dem muss man im Norden Deutschlands schon mal rechnen – lässt sich die Terrasse zu einem Wintergarten verschliessen. Regen und Wind bleiben draussen. Der grosszügige Wohnraum ist mit einer Gasheizung ausgestattet, falls es besonders kalt wird. Dank der grossen Fenster habe ich auch vom heimeligen Wohnzimmer aus im Blick, was draussen passiert.

Landgang

Da ich mich nicht darauf verlassen will, täglich genügend Fische zu fangen, steuere ich ab und zu die Zivilisation an. Entlang des Ufers finden sich immer wieder kleine Dörfer wie Pritzerbe, in denen man die Lebensmittelvorräte aufstocken kann. Hier weht noch ein Hauch von DDR durch die Gassen. Und wer nach so viel Entspannung Sehnsucht nach der Stadt hat, streift vor der Heimreise einfach noch durch Berlin oder Potsdam.

Ich habe schon manchen Flecken auf dieser Erde gesehen, aber die Hausbootferien in Brandenburg gehören zu den schönsten Reisen, die ich bis jetzt erlebt habe. Dass ich als Tetraplegiker ein Hausboot steuern kann, hat mich selbst überrascht. Dieses Abenteuer hat mir gezeigt: Freiheit kennt keine Grenzen – und manchmal liegt sie direkt vor Anker.

PRAKTISCHE TIPPS

– Beste Reisezeit: von Mai bis September – warme Temperaturen und lange Tage.

– Dauer: Ideal sind 4–7 Tage, um die Havel entspannt zu erkunden.

– Kosten: ab rund 150 Euro pro Tag für das Boot, plus Sprit und Verpflegung

– Barrierefreiheit: Viele Anbieter haben rollstuhlgerechte Boote im Programm.

– Führerschein? Nicht nötig! Nach einer Einweisung gibts den Charterschein.

– Wohnraum: etwa 30 m² plus rund 14 m² Terrasse

Naturschönheit Die Havel in der Nähe von Berlin ist ein Paradies.

– Badezimmer: 150 × 204 cm, 80 cm breite Schiebetür, befahrbare Dusche mit Duschsitz und Haltegriffen

– Schlafen: 2 Schlafzimmer mit Doppelbetten, 1 Schlafcouch

– Ausstattung: Hängematte, Wintergarten, Feuerschale, Gaskocher, Kühlschrank (Gas)

– Geschwindigkeit: 7–9 km/h (Catamaran mit 15-20 PS Aussenborder)

– Mögliche Extras: Beiboot, Kanus, Fahrräder, Angelausrüstungen

HEITERE OPEN AIR

Einzigartige Konzerte

Begleiten Sie uns vom 7. bis 9. August 2026 an das Heitere Open Air auf dem Zofinger Hausberg.

Freuen Sie sich auf drei Tage grossartige Musik und entspannte Atmosphäre. Welche Acts auf der Bühne sind, sehen Sie ab März auf heitere.ch.

Wir übernachten im Hotel Sempachersee. Der barrierefreie Transport zum Festivalgelände erfolgt mit dem Bus der Gössi Carreisen AG.

24. BIS 30. MAI 2026

Für Körper und Geist

Machen Sie Ferien vom Alltag. In unserer Well­being­Woche am Sarnersee erfahren Sie, wie Sie mit kleinen Kniffen Ihr Wohlbefinden steigern.

U30 Badeferien mit Ausflügen

Unsere U30-Ferien führen uns vom 11. bis 18. Juni 2026 nach Hyères-lesPalmiers in Südfrankreich.

Freuen Sie sich auf traumhafte Strände und eine gelungene Mischung aus Erholung am Pool und geführten Aktivitäten.

Gemeinsam fahren wir etwa auf die Insel Porquerolles und besuchen das Schildkrötendorf Tortupôle. Ein Pflegeteam von ParaHelp begleitet die Reise.

Wir haben für Sie ein vielfältiges Programm zu den Themen Ernährung, Bewegung, Entspannung und psychischer Gesundheit zusammengestellt. Verschiedene Fachpersonen stehen Ihnen Rede und Antwort, vermitteln praktische Tipps und motivieren Sie, Gewohnheiten zu ändern.

FREIZEITANGEBOT

Tanzen in Nottwil

In der Sporthalle des SPZ in Nottwil geht es ab 24. März wieder rund: Taktfreudige Rollstuhlfahrerinnen und tanzbegeisterte Fussgänger treffen sich an vier Dienstagen zum Rollstuhltanz.

Organisiert wird das Angebot vom Rollstuhlclub Solothurn. Eine kostenlose Probeteilnahme steht allen Aktivmitgliedern der SPV offen. Fussgängerinnen und Fussgänger, die mittanzen, sind jederzeit herzlich willkommen. Ein Gefühl für die Musik und erste Tanzerfahrungen werden vorausgesetzt.

Dabei knüpfen Sie neue Bekanntschaften, denn der Austausch untereinander und das gemütliche Beisammensein sollen nicht zu kurz kommen. Schliesslich tragen auch soziale Kontakte zum Wohlbefinden bei.

Für all jene, die Lust haben, bieten wir einen Ausflug ins Freilichtmuseum Ballenberg an. Tauchen Sie ein in das bäuerliche Leben der Schweiz. Freuen Sie sich auf eine inspirierende Woche und buchen Sie noch heute.

ADAPTIVE GAMING

Spielspass

Tauchen Sie ein in die Welt der Computerspiele.

Besuchen Sie uns am 18. April 2026 in der Erupt Lounge in Bern und testen Sie verschiedene Computerspiele sowie Controller, die sich auch mit eingeschränkter Handfunktion bedienen lassen.

Eventkalender Alle Informationen zu den Reisen sowie Freizeitaktivitäten finden Sie hier: spv.ch/eventkalender

AUSBILDUNG

Fit und gesund im Rollstuhl

Ein Fortbildungsmodul für Leiterinnen und Leiter im Rollstuhlsport fokussiert auf die gesundheitlichen Herausforderungen eines Lebens im Rollstuhl. So viel sei verraten: Bewegung spielt eine grosse Rolle.

Seit Januar ist vieles neu im Bereich der Leiterinnen­ und Leiterausbildung (siehe Kasten). Das Fundament bildet die zweitägige Basisausbildung im Behindertensport. Wer diese absolviert hat, kann sich mit Weiterbildungen spezialisieren. Jährlich stehen vier eintägige Fortbildungsmodule zur Auswahl, die sich explizit mit Sport im Rollstuhl befassen. Diese sollen

AUSBILDUNGSSTRUKTUR

Seit 1. Januar 2026 finden die Ausbildungen im Behindertensport unter dem Dach von Sport + Handicap EDUCATION statt. Dabei handelt es sich um einen Zusammenschluss der Schweizer Paraplegiker-Vereinigung, PluSport Behindertensport Schweiz und Procap. Der Zusammenschluss schafft ein zukunftsorientiertes, schweizweit abgestimmtes Bildungsangebot, das klar strukturiert und direkt ins nationale Sportsystem eingebettet ist. Ausbildungen werden in den Bereichen Polysport, Schwimmsport und Schneesport angeboten. Für bereits begonnene beziehungsweise abgeschlossene Ausbildungen bei Rollstuhlsport Schweiz gelten Übergangsregeln.

Mehr erfahren

www.spv.ch (Sport/Ausbildung)

zum einen neue Impulse geben für die Angebote in den Rollstuhlclubs, zum anderen aber auch für Aspekte sensibilisieren, die ausschliesslich Personen betreffen, die sich im Rollstuhl fortbewegen.

Wie bleiben wir möglichst lange gesund und welchen Einfluss hat dabei die Bewegung? Diesem Thema widmet sich das Fortbildungsmodul «Fit und gesund im Rollstuhl», das am 18. April 2026 in Nottwil durchgeführt wird. Die Teilnehmenden sollen lernen, welche gesundheitlichen Herausforderungen ein Leben im Rollstuhl mit sich bringt. «Ein grosses Thema ist die Schulter», erklärt Karin Suter­Erath, die das Modul gemeinsam mit der Physiotherapeutin Brigitte Lichtenberger und Damiano Zemp, Sportverantwortlicher im Rollstuhlclub «Gruppo Paraplegici Ticino», leitet. «Ich als Rollstuhlfahrerin brauche meine Schulter immer. Am Ende des Tages bin ich bei rund 20 Transfers, bei denen ich jedes Mal mein ganzes Körpergewicht hochhebe.» Das Trio vermittelt also Übungen zur Mobilisierung und Kräftigung der Schulter, erläutert aber auch, warum es wichtig ist, andere Körperpartien zu stärken. Die Teilnehmenden sollen verstehen, wie sich Bewegung positiv auf die Gesundheit auswirkt.

Bewegungsmangel ausgleichen «Wer sitzend unterwegs ist, bewegt sich meist zu wenig», weiss Karin Suter­Erath.

Das Herz­Kreislauf­System hat zu wenig zu tun. «Es gibt viele tolle Sportarten, die ich als Rollstuhlfahrerin ausüben kann, um meine Ausdauer zu trainieren, beispielsweise Rudern, Handbiken oder Langlaufen. Diese Vielfalt möchten wir aufzeigen, damit die Teilnehmenden diese Optionen kennen und weiterempfehlen können.»

Das Hauptziel ist, dass die Teilnehmenden der Fortbildung dieses Wissen anschliessend in die Gestaltung ihrer Trainings in den Rollstuhlclubs einfliessen lassen. «Wir möchten, dass sie als Leiterinnen und Leiter von Sportangeboten verstehen, warum es wichtig ist, gut aufzuwärmen. Und wir möchten, dass sie die Leute ermuntern, die Übungen auch zu Hause zu machen, damit sie präventiv Schulterproblemen entgegenwirken und mit Bewegung etwas für ihre Gesundheit tun», sagt Karin Suter­Erath. Dieser Wissenstransfer vom Ausbildungsteam in die Rollstuhlclubs und von dort zu den Mitgliedern soll schliesslich für viele ermöglichen, was der Titel des Moduls verspricht: Fit und gesund zu bleiben.

Alle Fortbildungsmodule im Rollstuhlsport im Überblick: 14.2. Sportspiele im Rollstuhl 18.4. Fit und gesund im Rollstuhl 19.9. Rollstuhlfahrende kompetent und effizient begleiten 21.11. Rückschlagspiele im Rollstuhl

Informationen und Anmeldung www.sporthandicapeducation.ch (Kursprogramm)

ABENTEUER

Safari ohne Grenzen

Selbst der afrikanische Busch muss keine Grenze sein, wenn Mut, Teamgeist und Improvisation zusammenkommen.

Von Gabi Thoenen, Veranstalterin

Zwei Jahre Planung stecken in der Reise, als die neunköpfige Gruppe in Victoria Falls landet. Vier Teilnehmende sitzen im Rollstuhl und sind mit ihren Partnerinnen und Partnern angereist. Ebenso ist eine Pflegefachfrau mit von der Partie. Geplant und durchgeführt wurde die Safari von NJOVU SAFARIS, meinem Reisebüro mit Schwerpunkt südliches Afrika. Vor Ort arbeite ich mit Endeavour Safaris zusammen. Deren Leiter Mike Hill weiss, was es braucht, damit auch im Busch alles rollt.

Schon am Flughafen zeigt sich: Langweilig wird diese Reise nicht. Ein 180 Kilogramm schwerer Elektrorollstuhl dreht fröhlich seine Runden auf dem Gepäckband – obwohl er dort eigentlich gar nichts verloren hat. Die Frage, wie man dieses Monstrum wieder herunterbekommt, bleibt kurz offen. Doch es ist nur einer von vielen Momenten, in denen Improvisation gefragt ist. Viel Zeit zum Grübeln bleibt ohnehin nicht. Kaum im Hotel, wartet bereits das erste Highlight: eine Bootsfahrt auf dem Sam­

besi. Der Einstieg ist sportlich – Treppen, eine hohe Reling und leichter Regen. Doch mit vier Mitarbeitern des Hotels und vereinten Kräften schaffen es alle an Bord. Zur Belohnung zeigen sich Hippos, Krokodile, Elefanten und zahlreiche Vögel.

Pitschnass

Am nächsten Tag besuchen wir die Victoriafälle. Die Gischt ist stärker als jede Regenjacke. Nass werden alle – aber bei warmen Temperaturen und bester Stimmung. Eine Teilnehmerin legt spontan ein Tänzchen mit einer lokalen Tanzgruppe hin, später beim Mittagessen mit Blick in die Schlucht lachen wir über die Erlebnisse.

Weiter geht es nach Botswana, in den Chobe­Nationalpark. Hier kommt Mike von Endeavour Safaris ins Spiel, dessen Leitspruch «no problem» schnell zum Motto der ganzen Reise wird. Angepasste Fahrzeuge mit Hebebühne, viel Erfahrung und noch mehr Gelassenheit sorgen dafür, dass Pirschfahrten für alle möglich sind.

Spektakuläre Tierbegegnungen

Ab Savute wird es dann richtig wild. Nach stundenlangen Fahrten über Holperpisten jagt ein Höhepunkt den nächsten: ein Löwenrudel mit Jungtieren an einem frischen Zebra­Riss. Die Tiere kommen dem Fahrzeug erstaunlich nahe. Später folgen Leoparden, Giraffen, Geparde, Schakale und vieles mehr. Wir kommen aus dem Staunen nicht heraus.

Mit der Mobile Safari verlässt die Gruppe endgültig die Komfortzone. Wir übernachten in Zelten statt in Lodges. Telefonempfang haben wir keinen. Die Tagesabläufe sind improvisiert. Zwei Teilnehmende geben später zu, dass sie anfangs Respekt davor hatten. Doch der Zusammenhalt in der Gruppe habe schnell alle Zweifel weggewischt. Man half sich gegenseitig, lachte miteinander – und manchmal auch über sich selbst. Ganz ohne Zwischenfälle geht es nicht. Tiefer Schlamm, Flussdurchquerungen und Blessuren verlangen spontane Planänderungen. Und manchmal musste gar der Toilettenstuhl im Busch aufgestellt werden.

Nach 16 Tagen kehrt die Gruppe müde, staubig und überglücklich zurück. Zwei Personen mit Tetraplegie und zwei Paraplegiker haben diese Safari gemeistert. Mit Teamgeist, Humor und Menschen, die lieber Lösungen suchen als Probleme. Der afrikanische Busch ist kein Spaziergang. Aber er ist – mit der richtigen Einstellung – auch für Menschen mit Mobilitätseinschränkung zugänglich. Diese Reise hat es eindrücklich bewiesen. Und sie wird nicht die letzte ihrer Art gewesen sein.

Unterwegs in Simbabwe und Botswana Die gut gelaunte Reisegruppe zeigt sich abenteuerlustig.

Portugalferien mal anders

Sie jettet um die Welt, von Bahnrennen zu Marathon und wieder zurück. Erholt hat sie sich in der Algarve und wagte sich dort auf den Rücken, der gemäss Sprichwort das Glück der Erde bedeutet. So macht Catherine Debrunner Ferien.

Die Faszination für Pferde kommt bei Catherine Debrunner nicht von ungefähr. Wie viele Mädchen ist sie als Kind geritten. Später stieg sie bekannterweise in der Leichtathletik zur Weltspitze auf. Im Urlaub will sie sich hingegen primär erholen.

Einfach nur stillsitzen kann sie in den Ferien dennoch nicht. Aber es ist der Zufall, der ihre Reisepläne dieses Mal verändert: «Den Flug nach Portugal und ein schönes Hotel am Meer in Albufeira hatte ich schon früh gebucht. Zehn Tage Erholung, süsses Nichtstun und ein paar Stunden im grossen SPA meines Hotels waren geplant, als ich meiner Nachbarin von den Ferien erzählte.» Diese hatte vor Jahren in der Nähe von Albufeira auf einem Reithof gearbeitet. Sie berichtete so begeistert von der Ranch, die auch Reitstunden für Menschen im Rollstuhl anbietet, dass Catherine kurzerhand anrief. «Beverley, die Besitzerin, war mir auf Anhieb sympathisch und ihre vielen Fragen zu meiner Fitness, Mobilität und meinem Balancegefühl gaben mir die

Sicherheit dank Begleitpersonen

Sicherheit, dass sie jemand ist, der weiss, wie Querschnittgelähmte reiten können. Also buchte ich ein paar Stunden bei ihr.»

Von A bis Z wohlgefühlt

Am 10. Oktober fährt Catherine erstmals zum Pinetrees Riding Centre, wo Beverley Gibbons sie herzlich begrüsst. Corina, die braune Stute, die auch für Therapiestunden eingesetzt wird, steht geduldig bereit, geputzt und gesattelt. Wobei gesattelt der falsche Begriff ist, denn geritten wird mit einem Voltigiergurt, der einen festen Griff hat, damit sich die Reiterin gut festhalten kann. Zwei dicke Satteldecken schützen den Pferderücken, ermöglichen aber, dass sich die Bewegungen gut auf die Reiterin übertragen. Dank einer klug gebauten Rampe kann Catherine selber vom Rollstuhl auf den Pferderücken transferieren.

Zuerst geht es auf den Reitplatz. Beverley will herausfinden, wie viel Catherine noch in Erinnerung hat von ihren Reitstunden als Kind und wie gut ihre Balance wirklich ist. Die ist so gut, dass sie schon in der zweiten Stunde einen Ausritt machen. Sicherheit wird hier grossgeschrieben, wie Catherine bestätigt: «Beverley hat mich angeleitet, damit ich möglichst viel alleine machen konnte. Ich führte Richtungswechsel mit Gewichtsverlagerung und fast ohne Zügelhilfen selbstständig aus. Zusätzlich zur Führperson lief immer noch je eine Person links und rechts von mir mit, die, wenn nötig, eingegriffen hätten. Beim Traben hat es mich doch recht durchgeschüttelt, da war ich froh, dass mir die Steigbügel, die am Voltigiergurt festgemacht waren, etwas Halt gaben.»

Highlight

Es war nicht das erste – und vermutlich auch nicht das letzte Mal – dass Catherine in den Ferien reiten ging. Sie wagte sich schon einmal auf ein Kamel und auf einen Esel. Aber richtig begeistert ist sie nur von Pferden: «Da kann ich besser die Balance halten, egal auf welchem Untergrund wir reiten oder ob es mal einen Hügel runtergeht. Das Reiten war das Highlight der Reise.» Die weiteren Tage in Portugal tankt sie Sonne, geniesst den Blick aufs Meer und lässt es sich gut gehen. Die iberische Halbinsel gefällt ihr auch neben den Reiterlebnissen und sie kommt bestimmt wieder, um das Meer, feines Essen, nette Menschen und vor allem warme Temperaturen zu geniessen.

TIPP

Lust auf Reiten in Portugal? pinetrees.pt bevpinetrees@gmail.com

Pferd Corina Sanft und gutmütig

KIDS CAMP

Chaos, Klang und Kinderlachen

Sport, Spiel und Musik: Das Kids Camp in Nottwil verbindet Bewegung, Gemeinschaft und ein einzigartiges Konzerterlebnis mit Clown Jeanloup, Käpt’n Etienne und dem «Orchesterchaos».

Von Nicolas Hausammann

Wenn sich im Schweizer ParaplegikerZentrum (SPZ) in Nottwil Rollstühle, Kinderlachen und neugierige Blicke begegnen, findet erneut das bei Gross und Klein beliebte Kids Camp statt. Eine Woche lang steht alles im Zeichen von Bewegung, neuen Freundschaften und dem Entdecken der eigenen Möglichkeiten. Das Camp richtet sich an Kinder im Rollstuhl und ihre Familien und bietet ein vielfältiges Sportund Freizeitprogramm, das Mut macht, stärkt und vor allem Freude bereitet.

Kinderfreundschaften, die halten Auch in diesem Jahr dürfen sich die Teilnehmenden auf viele abwechslungsreiche Sportangebote freuen. Ob erste Erfahrungen im Rollstuhlsport, spielerische Wettkämpfe oder gemeinsames Austoben – im Kids Camp geht es nicht um Leistung, sondern ums Ausprobieren und Mitmachen. Betreut von erfahrenen Leiterinnen und Leitern, erleben die Kinder Tage voller Abwechslung, Selbstvertrauen und Gemeinschaft. Für viele ist es ein Ort, an dem

sie andere Kinder treffen, die ähnliche Erfahrungen machen, und an dem aus Begegnungen Freundschaften entstehen.

Trainingsplan: Lachmuskeltraining Ein besonderes Highlight sorgt dieses Jahr für zusätzliche Begeisterung: Clown Jeanloup ist mit von der Partie. Mit seinem fei­

JETZT ANMELDEN 6. und 7. Juni 2026 SPZ Nottwil www.spv.ch/KidsCamp

Das Orchesterchaos

Mit Pauken, Geigen und Plankton –Käpt’n Etienne und sein Matrose Jeanloup nehmen das Publikum mit auf eine fantasievolle Reise. Was kann da schon schief gehen? Vieles!

Samstag, 6. Juni 2026

19.30 Uhr

Aula SPZ Nottwil

nen Gespür für Kinder, Humor und Chaos bringt er nicht nur die Campteilnehmenden zum Lachen, sondern sorgt auch für ein musikalisches Erlebnis der besonderen Art. Gemeinsam mit der Kammerphilharmonie Graubünden verwandelt er das Konzert «Das Orchesterchaos» in ein lustiges Durcheinander, bei dem klassische Musik auf Slapstick, Überraschung und spielerische Mitmachmomente trifft. Für die Familien des Kids Camp ist dieses Konzert fester Bestandteil des Campangebots. Sie erleben Musik nicht stillsitzend, sondern lebendig, laut, leise, überraschend und voller Fantasie. Instrumente werden plötzlich zu Gesprächspartnern, Klänge zu Geschichten, und aus vermeintlichem Chaos entsteht ein gemeinsames Erlebnis, das noch lange in Erinnerung bleiben wird.

Kurt Bucher alias Jeanloup ist bereits das dritte Mal im Kids Camp mit dabei. «Ich arbeite am liebsten mit und für Kinder. Sie haben es einfach im Griff. Sie sind voll im

Sponsoren

Moment und haben die kreativsten Lösungen parat», sagt der Luzerner zu seinem Engagement im Kids Camp. Dies Leidenschaft spüren auch die kleinen Gäste und geben in der gemeinsamen Zeit Vollgas.

Natürlich kommt aber auch der klassische Sport im Kids Camp nicht zu kurz. Rumplantschen im Hallenbad, erhaben unterwegs hoch zu Ross mit der Hippotherapie des SPZ oder mit quietschenden Reifen bei der Kids­Camp­Rollolympiade auf dem Parket der Sporthalle, viele Körperfasern werden bewegt.

Mehr als ein Sportcamp

Das Kids Camp in Nottwil ist damit mehr als ein Sportwochenende. Es ist ein Ort, an dem Kinder im Rollstuhl neue Horizonte erleben: neugierig, aktiv, kreativ und voller Energie. Und es ist ein Anlass, der auch nach aussen wirkt – mit einem Konzert, das Lust macht, selbst wieder Kind zu sein, zuzuhören und mitzustaunen.

Das Konzert am Samstag, 6. Juni 2026 wird ein Highlight für Besuchende aus der ganzen Region. Familien, Musikfans und alle, die Lust auf ein ungewöhnliches Konzerterlebnis haben, können Tickets buchen. Das Konzert eignet sich für Gross und Klein und zeigt auf spielerische Weise, dass klassische Musik alles andere als steif sein muss. Clown Jeanloup schafft es bestens, Barrieren abzubauen – zwischen Bühne und Publikum, zwischen Musik und Humor, zwischen Erwartung und Überraschung.

Dank unterstützender Partnerschaften mit der Stiftung Folsäure, Orthotec, der SBH Schweiz und Cosanum konnte das Team der Schweizer Paraplegiker­Vereinigung einmal mehr ein hochkarätiges Programm auf die Beine stellen. Warum also warten? Melden Sie Ihre Familie jetzt fürs Kids Camp an oder sichern Sie sich Tickets für «Das Orchesterchaos».

Infos & Tickets

KURSE IN SÖRENBERG

Skifahren stärkt ihr Selbstvertrauen

Noemi Studer aus Kriens liebt Tage mit dem Monoskibob. Das Ziel der 18­Jährigen, die mit einer Zerebralparese geboren wurde: eines Tages selbstständig im Schnee unterwegs zu sein.

Von Peter Birrer

Die Vorfreude beginnt mit dem Moment, in dem sie sich für den Skikurs anmeldet. Noemi Studer wird Ende 2025 in Sörenberg den ersten Tag dieses Winters im Monoskibob verbringen und ein paar Stunden geniessen, die für sie weit mehr sind als ein sportlicher Zeitvertreib.

«Skifahren bedeutet für mich Freiheit», sagt die 18­Jährige aus Kriens LU, die mit einer Zerebralparese zur Welt kam. «Und es ist auch eine Beruhigungsmethode. In stressigen Phasen hilft manchmal bereits die Vorstellung, wie schön es jeweils auf der Piste ist – und es geht mir wieder gut.»

Die Fragen vor dem Skitag

Als der 29. Dezember 2025 in Sörenberg näher rückt, spürt sie eine leichte Anspannung. Passt die Sitzschale? Was ist wohl

von dem übrig geblieben, was sie in vergangenen Wintern gelernt hat? Wie lange dauert es, bis sie wieder einigermassen im Rhythmus ist? Und vor allem auch: Wie reagiert der Körper auf die Anstrengung?

Noemi Studer erhält rasch die Antworten. Die Sitzprobe ist innerhalb weniger Minuten erledigt und die ideale Schale gefunden.

SPV­Mitarbeiter Richard Studer, Co­Koordinator Mono­ und Dualskibobkurse in Sörenberg, kümmert sich an diesem Tag als Skilehrer um seine Namensvetterin, mit der er nicht verwandt ist.

Ihre Sportart Nummer eins

Noemi Studer, die eine KV­Lehre mit Berufsmatura macht, hat ein ambivalentes Verhältnis zum Schnee. Sie benötigt als Gehhilfe einen Rollator, gerät damit im Alltag bei winterlichen Bedingungen gelegentlich an Grenzen und kann mit der weissen Pracht in solchen Momenten nichts anfangen. «Cool» findet sie dafür verschneite Hänge, erst recht, seit sie vor acht Jahren mit Skifahren angefangen hat.

Das ist ihre Sportart Nummer eins geworden. Skitage haben einen fixen Platz in der Agenda, unabhängig vom Wetter. Sie will

Nach gerade einmal ein, zwei Fahrten ist Noemi Studer aufgewärmt. Das Fahren fühlt sich danach so vertraut an, dass das Sicherheitsseil, das ihren Monoskibob mit Richard Studer verbindet, entfernt werden kann. Das stärkt das Selbstbewusstsein der jungen Frau: «Je selbstständiger ich fahren kann, desto mehr spüre ich, wie mir das gut tut.»

ihre Fähigkeiten im Monoskibob so verbessern, dass sie eines Tages ohne fremde Hilfe auskommt – und mit Kolleginnen und Kollegen Abstecher in die Berge machen kann. «Ich möchte so weit kommen, dass ich auch ausserhalb der Kurstage Ski fahren kann», sagt sie. Die Disziplin und Bereitschaft, einen hohen zeitlichen Aufwand zu betreiben, sind vorhanden.

Das Skifahren soll für sie nie eine Belastung sein, sondern ein Vergnügen. Gleichzeitig hat sie den Ehrgeiz, an ihrer Technik zu feilen und die Kurven sauber zu drehen. Neben der Eleganz hat sie den Anspruch, mit einem gewissen Tempo unterwegs zu sein und die Kontrolle nie zu verlieren. Eine Eigenschaft ist dabei von Vorteil: Furchtlosigkeit. «Sobald ich Angst habe, erhöht das die Wahrscheinlichkeit eines Sturzes.»

Eingespielt Das Duo Studer

Sportliche Inspirationsquellen

Gerne lässt sie sich inspirieren, zum Beispiel vom Paralympics­erprobten Pascal Christen und Para­Snowboarderin Romy Tschopp. Sie zählt auch Athletinnen und Athleten aus anderen Sportarten zu ihren Vorbildern: Rollstuhlleichtathlet Marcel Hug, Badmintonspielerin Ilaria Olgiati oder Schwimmerin Nora Meister. Beeindruckt ist sie ausserdem von Marco Odermatt und Wendy Holdener – wegen ihrer skifahrerischen Qualitäten und der mentalen Stärke.

Sörenberg ist das bevorzugte Gebiet von Noemi Studer. Hier kommt sie sich nicht vor wie eine Exotin, weil viele andere auch mit einem Monoskibob unterwegs sind; hier steht ihr hochwertiges, perfekt gewartetes Material zur Verfügung; und hier findet sie ein Ausbildnerteam, das auf ihre Bedürfnisse eingeht. Richard Studer gibt immer wieder Anweisungen, animiert Noemi, mit einer Spur mehr Dynamik die Kurven noch enger zu schneiden, und ist erfreut über ihre Entwicklung. «Sie schafft blaue und einfache rote Pisten ohne meine Hilfe», sagt er.

Ihre hohe Lernbereitschaft kommt auch beim Videostudium zum Ausdruck. Der Skilehrer filmt einige Fahrten, die hinterher gemeinsam analysiert werden. Sie ist dankbar für Hinweise auf Details und bestrebt, beim nächsten Durchgang sofort Korrekturen anzubringen. Das kann die Anwendung der zwei Krückenski (Stabilos) betreffen, die Sitzposition oder den Kanteneinsatz. «Es ist mir wichtig, Macken zu eliminieren», erklärt sie mit einem Augenzwinkern.

Viel Gesprächsstoff am Bügellift «Noemi ist eine coole junge Frau, die viel investiert, um eine bessere Skifahrerin zu werden», sagt Richard Studer. «Die Zusam­

Noemi Begeisterte Skifahrerin

menarbeit mit ihr ist extrem unkompliziert und angenehm.» Und noch etwas: «Langweilig ist es auch nie. Noemi ist ein kommunikativer Mensch und hat am Bügellift immer etwas zu erzählen, sei es von der jüngsten Französischprüfung oder der letzten Reitstunde.»

Die Innerschweizerin lässt dem ersten Tag im Schnee gleich einen zweiten folgen. Sie hat Altes aufgefrischt und Neues gelernt. Mitgemacht hat auch ihr Körper. Sie hat unzählige Fahrten gemeistert, die viel Energie gekostet haben. «Aber ich hatte das Glück, dass ich nicht mit muskulären Problemen zu kämpfen hatte wie auch schon», sagt sie.

Die Kurse bei der SPV machen Lust auf mehr. Sie kann nun auch mit ihrer Familie Skiferien erleben, wobei ihr Vater Christoph dann die Rolle des Begleiters übernimmt. Er hat dafür eigens einen Kurs absolviert. Möglichst viele Kilometer will sie in diesem Winter zurücklegen und, so formuliert sie es, «Vollgas geben». Das klingt nun fast so, als spräche eine Athletin. Denkt sie vielleicht doch daran, einmal Wettkämpfe zu bestreiten? «Bis jetzt war das kein Thema», antwortet Noemi Studer. «Aber ich sage es so: Ich schliesse es nicht mehr kategorisch aus.»

Die Zuversicht des Skilehrers Richard Studer würde es natürlich begrüssen, wenn er und sein Team das Talent aus Kriens fördern dürften. Aber er will Noemi nicht dazu drängen: «Sie ist noch jung und muss selbst entscheiden, ob Rennen für sie ein Thema werden oder nicht.» Wichtig ist ihm, dass Noemi den Spass am Skifahren behält und ihre Fähigkeiten kontinuierlich erweitert, etwa das Carven oder das selbstständige Fahren mit dem Sessellift: «Das schafft sie dank ihrer Beharrlichkeit ganz bestimmt. Es kommt gut.»

BADMINTON

Player of the Year

Der Welt-Badminton-Verband kürt Ilaria Olgiati zur weltbesten Para-BadmintonSpielerin 2025.

Die Aargauerin gewann an der EM in Istanbul nicht nur den Titel im Einzel, sondern auch im Doppel zusammen mit Cynthia Mathez sowie im Mixed-Doppel mit dem Italiener Yuri Ferrigno.

Der «Player of the Year Award» ist der wichtigste Titel, der in der Sportart Badminton vergeben wird. In die Nomination wird auch die Weltrangliste einbezogen. Dort belegt Ilaria Olgiati aktuell im Einzel den 2. Rang, im Doppel den 1. Rang und im Mixed-Doppel den 8. Rang. Ilaria Olgiati ist die zweite Schweizerin, die diesen prestigeträchtigen Titel erhält.

Am 15. Dezember 2025 wurde der Preis im chinesischen Hangzhou feierlich übergeben.

Swiss Paralympic Night

Swiss Paralympic hat die 16 erfolgreichsten Para­Sportlerinnen und ­sportler des Jahres ausgezeichnet.

Der Pistolenschütze Stefan Amacker erhielt den Allianz Newcomer Award. Der 26­Jährige gewann mit Silber an der EM in Kroatien sein allererstes Edelmetall an einem Titelwettkampf.

Ebenfalls mit Diplomen geehrt wurden alle Athletinnen und Athleten, die an einer EM oder WM einen Podestplatz erreichten.

32 Medaillen gab es zu feiern, und zwar in den Sportarten Badminton, Cycling, Leichtathletik, Schwimmen, Sportschiessen, Ski alpin und Snowboard.

Herausragend war unter anderem die Leichtathletin Catherine Debrunner. Sie gewann fünf Goldmedaillen an der WM in Indien. Historische Erfolge feierte auch das Rollstuhl­Badminton­Team an der EM in Istanbul mit sieben Medaillen, davon fünf goldene.

CURLING

HANDBIKE

Giro Suisse 2026

Vom 25. bis 30. August 2026 werden wir durch die Zentralschweiz fahren.

Ob ambitionierte Handbikerin oder gemütlicher Genussfahrer – am Giro Suisse sind alle willkommen.

Die einzelnen Etappen werden wir Ende März aufschalten. Die Anmeldungen werden nach Eingang berücksichtigt. Fahren Sie mit, ob auf einer Etappe oder auf allen sechs.

Einstieg

leicht gemacht

Curling Luzern bot in dieser Wintersaison Schnuppertrainings und Anfängerkurse für Personen im Rollstuhl an.

Teamgeist, Taktik und Technik; das sind die Zutaten, die es für Curling braucht. Die Sportart auf dem Eis eignet sich dabei auch ideal für Personen, die auf einen Rollstuhl angewiesen sind. Gespielt wird im Alltagsrollstuhl und der Stein wird mit Hilfe eines Sticks abgegeben. Doch wo kann man ausprobieren, ob einem die Sportart gefällt?

Curling Luzern veranstaltete ab Januar Einsteigerevents im Rollstuhl­Curling. In einem kostenlosen Schnupperkurs konnten die Teilnehmenden erste Erfahrungen auf dem Eis sammeln. Wer mehr wollte, lernte die wichtigsten Regeln und Bewegungsabläufe in einem vierteiligen Anfängerkurs. Die SPV begrüsst es sehr, wenn Sportvereine ihre Türen für Rollstuhlfahrer öffnen und Angebote für sie schaffen.

Curling Luzern curling-luzern.ch

EHRUNGEN

PERSONAL

Verstärkung Trainercrew

Rollstuhlsport Schweiz hat Fabrice Descloux als Nationaltrainer Tischtennis (50 %) und Bastian Wyss als Assistent der CurlingNationaltrainerin (20%) festangestellt. Per 1. Januar 2026 je in einem 30%­Pensum festangestellt wurden Christian Rosenberger (Nationaltrainer Basketball Damen)

und Nicola Damiano (Nationaltrainer Basketball Herren). Auch Sandra Graf (40 %) wurde als Nachwuchsverantworliche Handbike verpflichtet. Die Festanstellungen wurden möglich dank der zusätzlichen Mittel für den Sport (siehe Seite 10) und sind bis Ende 2029 befristet.

PARATHLETICS 2026

Stars hautnah erleben

Vom 21. bis 23. Mai 2026 messen sich Catherine Debrunner und Marcel Hug in Nottwil mit der internationalen Konkurrenz. Mit fünf respektive drei Siegen waren die beiden im Vorjahr die erfolgreichsten Teilnehmenden dieses Grossevents.

Rund 350 Leichtathletikstars aus der ganzen Welt treten beim Grand Prix in Nottwil an. Neben den Bahnwettkämpfen gibt es auch Wurf­ und Sprungdisziplinen

für Athletinnen und Athleten im Rollstuhl, mit Amputationen oder Sehbehinderungen zu verfolgen. Das macht einen Besuch besonders spannend. Es gibt Verpflegungsmöglichkeiten, eine Hüpfburg sowie einen Rollstuhlparcours. Der Eintritt ist kostenlos. Kommen Sie vorbei und erleben Sie live, wenn auf der schnellsten Bahn der Welt Rekorde purzeln.

Mehr Informationen parathletics.ch

BASKETBALL

Cupfinal

Das grosse Finale um die Patrick Baumann Trophäe findet am 11. April 2026 in der Mobiliar Arena in Bern statt.

Am grossen Basketballfest von Swiss Basketball spielen die Rollstuhl-Basketball-Teams vor den Damen und Herren. Die Rolling Rebels konnten die Pilatus Dragons bereits im Viertelfinale ausschalten und sind nun Favorit auf den Titel.

Infos zum Cupfinal basketball.spv.ch

IWBF EuroCup in Nottwil

Im März wird das Parkett des Schweizer ParaplegikerZentrums wiederum zur EuroCup-Arena.

Am 13. und 14. März 2026 kämpfen die Pilatus Dragons am «IWBF EuroCup 2»-Qualifikationsturnier gegen internationale Top-Teams aus England, Israel und Frankreich um die Qualifikation für eines der beiden Finalturniere – ein sportliches Highlight, das Spannung, Teamgeist und hochklassiges Basketball verspricht.

Infos zum Turnier pilatusdragons.ch

MILANO CORTINA 2026

Winterspiele vor der Haustür

Was für ein Glück, erst die Sommerspiele Paris 2024 beim westlichen Nachbarn und jetzt vom 6. bis 15. März ab in den Süden zu den Paralympischen Winterspielen Milano Cortina 2026.

Von Nicolas Hausammann

Sommer­ und Winter­Paralympics unterscheiden sich grundlegend nicht nur wegen des Temperaturunterschieds. Während im Sommer viel mehr Wettkämpfe mit diversen Klassen und in diversen Kategorien stattfinden, ist die Zahl der Sportarten und Klassen im Winter überschaubarer. Können im Sommer oft viele Wettkämpfe zentral gebündelt stattfinden, verlangt der Winter nach dezentralen Austragungsorten, komplexerer Logistik und deutlich höherem technischem Aufwand. Schnee, Eis, Höhenlage und Wetterfenster machen eine Organisation anspruchsvoller, aber gleichzeitig auch einzigartig.

Partnerschaft und Konkurrenz

Der Organisationsaufwand in Milano Cortina ist entsprechend hoch. Transportketten, barrierefreie Infrastruktur in alpinen

Regionen sowie die Koordination zwischen mehreren Austragungsorten fordern Präzision und eine enge Abstimmung. Hier können wertvolle Synergien in Form von Partnerschaften mit anderen Ländern helfen. Mit Deutschland und den Niederlanden verbindet die Schweiz eine enge Zusammenarbeit. So sind beispielsweise die niederländischen Snowboard­Athletinnen und ­Athleten im Schweizer Team integriert. Im Gegenzug kann die Schweiz auf eine Akkreditierung mehr sowie Unterstützung am Berg zählen. Manchmal sind die Trainingsbedingungen in einem grösseren Team von Para­Athleten im Ausland sinnvoller als alleine auf der heimischen Loipe. Man hilft sich und ist bis auf die Piste füreinander da – das Konkurrenzdenken beginnt erst im Rennen.

Nachhaltigkeit vs. Social Spaces

Die räumliche Trennung von Bergregionen für die Schneesport­Disziplinen und vom städtischen Umfeld für Curling und ParaEishockey sowie für die Feiern birgt eine besondere Herausforderung. Am Berg in Cortina d’Ampezzo wurden Container als Unterkünfte aufgestellt. Diese sind zwar zweckmässig für die Athletinnen und Athleten, bieten aber anders als das paralympische Dorf in Milano kaum Möglichkeit für Geselligkeit, Arbeitsplätze oder Teammeetings. Erschwerend findet die Eröff­

nungsfeier der Spiele in Verona statt. Anfang des Jahres hatte das Leitungsteam neben den Selektionen unzählige Detailfragen zu klären. Wo kann jetzt genau die Videoanalyse der letzten Trainingsfahrten stattfinden? Wie schaffen wir Raum fürs Team, dass kein Lagerkoller aufkommt, und wie ermöglichen wir dem Team eine würdige Eröffnung ohne die Tagesreise nach Verona zur Feier? Hier kommt das House of Switzerland ins Spiel.

Ein Stück Heimat

Das House of Switzerland bringt ein Stück Schweiz nach Cortina. Als internationaler Hub für Begegnungen, Public Viewings und Swissness verbindet es Fans, VIPs und Athletinnen und Athleten. Es wird zu einem zentralen Treffpunkt für Sport, Politik, Wirtschaft und Community: Erstmals wird sich die Schweizer Delegation dort zur feierlichen Eröffnung treffen. So bleibt der Fokus in Cortina bei den Rennen und man erspart sich Reisestrapazen gleichsam wie Wartezeiten bei der offiziellen Feier in Verona.

Milano Cortina 2026 zeigt: Winter­Paralympics sind zwar kleiner als Sommerspiele, dafür komplexer und vielleicht genau deshalb so faszinierend.

LIVE AUF SRF

Eröffnungsfeier Arena di Verona: Freitag, 6. März 2026, 20.00 Uhr

Studiosendung mit Highlights: Täglich von 20.10 bis 21.00 Uhr

Wettkämpfe mit Schweizer Beteiligung: Livestream SRF Sport App

Ein Stück Schweiz House of Switzerland

EIN TAG MIT ALEXANDRE TORNAY

Zwischen den Stühlen

Mit 17 Jahren zum ersten Mal an der Pfeife, heute international im Rollstuhl­Basketball: Alexandre Tornay verbindet Fussgänger­ und Rollibasket mit Verantwortung, Neugier und Leidenschaft fürs Spiel.

Der 30­jährige Walliser ist momentan der beste Schiedsrichter im Schweizer Rollstuhl­Basketball, pfeift international an EM und EuroCup und leitete im vergangenen Jahr erstmals den Vorsaisonkurs für die Rollstuhl­Basketball­Schiedsrichter. Eine steile Karriere seit seinem ersten Auftritt als Spielleiter im Alter von 17 Jahren. Seine Mutter, selbst auch Schiedsrichterin, fragt ihn für einen Einsatz bei einem Freundschaftsspiel im Fussgänger­Basketball an und er denkt sich: Ja, das wäre eigentlich cool. Was als spontane Idee beginnt, wird schnell zu einem ernsthaften Weg voller Herausforderungen, Überraschungen und persönlicher Weiterentwicklung.

Bezug zum Behindertensport

Ein prägender Moment kommt an einem Kurs, als Bertrand Galley, ein erfahrener Schiedsrichter und FIBA­Commissioner, unter den Schiedsrichtern Werbung fürs Rollstuhl­Basketball macht. Diese bleibt hängen. Auch, weil Alexandres Mutter an MS erkrankt ist. Der Bezug zum Behindertensport, zum Rollstuhl­Basketball, entsteht leise, aber nachhaltig.

Drei Jahre lang leitet Alexandre nur wenige Spiele. Der erste grosse Prüfstein im Rollstuhl­Basketball ist ein Playoff­Spiel zwischen den Rolling Rebels und den Pilatus Dragons. Hart umkämpft, intensiv, zu dritt geleitet. Zum ersten Mal spürt Alexandre diese besondere Verantwortung, dieses Spiel zu führen. Es fordert ihn – und genau daran wächst er. Schiedsrichter­Chef Fabrizio Sani sät bei ihm den Gedanken, auf internationaler Ebene immer wieder solch hochkarätige Spiele leiten zu können.

Verantwortungsvoller Job Alexandre Tornay schaut genau hin.

Auch wenn am Anfang das Gefühl bleibt, Rollstuhl­Basketball als Spiel noch nicht vollends verstanden zu haben, wagt er den Schritt und wird belohnt. «Wenn ein Spieler fällt oder irgendwie seinen Stuhl noch mirakulös dreht vor dem Kontakt, denkt man am Anfang: das muss doch ein Foul sein! Aber auf diesem Niveau wird man immer wieder überrascht, wie gut die Spieler ihren Sportrollstuhl im Griff haben», beschreibt der Romand die Spielleitung an einer EM.

Eine Frage des Blickwinkels

«Es gibt viele Parallelen zwischen dem stehenden und sitzenden Basketball», erklärt er. «Mein Vorteil ist mein hohes Niveau als Schiedsrichter bei Swiss Basketball, so bin ich mir Spielleitung, Kommunikation und Geschwindigkeit gewohnt.» Gute Schiedsrichter sind keine Zuschauer, sie bewegen sich, verschieben sich, suchen Kontaktpunkte. Die Kontrolle von Tisch, Uhr und Abläufen ist ähnlich. Doch im RollstuhlBasketball gibt es kaum Ruhe. Der Positionskampf im Stuhl geht auch nach einem Korberfolg weiter. Ein deutscher Kollege

sagt ihm einmal klar: «Wach auf, das ist Rollibasket, du musst auch nach dem Korberfolg schauen, ob es illegale Rollstuhl­Kontakte beim Zurückfahren gibt.» Die Intensität der Spiele ist auf höchstem Niveau dieselbe wie im Fussgänger­Basketball.

Motivation Entwicklung

In der Schiedsrichterausbildung ist ihm eines besonders wichtig: Klarheit. Viele Regeln hat er selbst erst spät wirklich verstanden, oft dank internationalen Turnieren. Deshalb versucht er heute als Dozent die Regeln früh und mit klaren Kriterien zu vermitteln. «Mein Ziel ist es, dass die neuen Schiedsrichter die Grundregeln schnell verstehen. So können sie sich im Verständnis des Spiels und seiner Feinheiten entwickeln», sagt er.

Rollstuhl­Basketball bedeutet für Alexandre auch Wertschätzung und Bewunderung. Spiele sollten noch häufiger als nur beim Cupfinal gemeinsam mit Swiss Basketball stattfinden, besonders auch bei den Nationalteams, mit denen die Zuschauenden besonders emotional verbunden sind.

Im Flow des neuen Lebens

Manuela Schär denkt heute gelassener, dankbarer und neugieriger als je zuvor. Sie folgt ihrem inneren Kompass zwischen Bewegungsfreude und Wettkampfgeist.

Wer Manuela Schär begegnet, spürt sofort diese Mischung aus Klarheit, Ruhe und einer feinen Unruhe, die nur Menschen mit echtem Antrieb in sich tragen. Die vielfache Paralympics­Medaillengewinnerin, Weltrekordhalterin und Aushängeschild der Rollstuhl­Leichtathletik hat ihre Bahnkarriere nach Paris 2024 beendet. Heute wirkt sie keineswegs wie jemand, der sich zur Ruhe gesetzt hat. Vielmehr sitzt mir eine Frau gegenüber, die neue Freiräume entdeckt und diese mit einer beneidenswerten Leichtigkeit füllt.

Abschied und Neuanfang

Der Abschied von der Bahn war für sie kein einfacher Schritt. «Ich hatte ziemliche Angst vor meinem Teilruhestand, bevor ich mit den Bahnrennen aufgehört habe. Es fühlte sich vorher teilweise wie ein Verrat an mir selbst an, diesen so wichtigen Teil meines Lebens zu verlassen. Gleichwohl spürte ich irgendwie, dass die Zeit reif war.» Die letzten Bahnrennen in Paris wurden zu einer Art Versöhnung. «Was zurückblieb, war pure Dankbarkeit nach den letzten Rennen an den Paralympics mit

den Medaillen. Denn nach meinem Beinbruch einige Jahre zuvor wusste ich, dass man einfach nicht alles kontrollieren kann und Erfolg trotz guter Vorbereitung nicht selbstverständlich ist.»

Diese Dankbarkeit trug sie auch an die ParAthletics 2025 in Nottwil. «Ich war total im Reinen mit meiner Entscheidung, jenseits der Absperrgitter zum Publikum zu gehören, und einfach nur zuzuschauen, anzufeuern und frühere Konkurrentinnen und Freunde zu treffen.»

Gravel Ride Gemeinsam unterwegs
Manuela Schär beim Bikejöring

Passion Marathon

Was sich seither verändert hat? Viel und zugleich das Wesentliche. «Vor allem der ganze Saisonplanungsstress ist von mir abgefallen», sagt sie und lächelt. Früher pendelte sie ständig zwischen Marathon­ und Bahntraining. «Dieser Wechsel hat mich unbewusst immer ein wenig gestresst. Ich hatte das Gefühl, im Marathontraining etwas hinterherzuhinken, weil der Fokus im Frühling und Sommer auf der Bahn lag.» Nun kann sie einen langen Sommerblock zielgerichtet auf die Marathonsaison ausrichten – ein Luxus, der ihr gutzutun scheint. Auch das Alter spielt hinein: «Es wird nicht einfacher, Schnelligkeit aufzubauen und zu erhalten», sagt sie und lacht erneut.

Mit dem klaren Fokus auf den Marathon hat sich aber noch mehr verschoben. «Ich schätze die Professionalität des Marathonzirkus, der grossen Major­Events in aller Welt und gleichzeitig den kleinen, fast familiären Kreis der Athletinnen.» Zudem arbeitet sie mit einem neuen Coach: «Mit Beat Fäh haben wir die Welt zwar nicht grundsätzlich neu erfunden, aber einige stimmige Anpassungen gemacht.» Und obwohl sie heute anders an die Rennen herangeht, bleibt ihr Anspruch spürbar: «Ich feiere jedes Podest, das ich noch schaffe, wobei die Top 5 mein Minimalziel sind.»

Raum für bewegende Erlebnisse Gleichzeitig haben sich neue Räume geöffnet, zum Beispiel für Mountain Handbike und Langlauf. Manuelas Hundeliebe hat sie zudem zu ganz neuen Sportarten wie Mantrailing – die Personensuche mit dem Hund – oder Bikejöring geführt, bei dem ein Mountainbike von Schlittenhunden gezogen wird. Experimente, die früher wenig oder keinen Platz hatten. «Früher wollte ich alle Trainings im Rennstuhl absolvieren. Heute mache ich längere Einheiten gerne auf dem Mountain Handbike oder im Langlaufschlitten. Auch habe ich mehr

Raum für andere Hobbys.» Diese Vielseitigkeit macht sichtbar Spass.

Auch gesellschaftlich ist für Manuela gefühlsmässig ein Wandel im Gange. «Man kann mit dem Rollstuhl immer mehr inklusiv an Veranstaltungen teilnehmen.

Wenn es bei einer Anmeldung nicht speziell vermerkt ist, sind die Organisatoren oft sehr offen, einen Weg zu finden. Das finde ich fantastisch.» Dieser Pioniergeist wirkt ansteckend und findet ein Pendent in ihrem beruflichen Umfeld. Seit 2024 arbeitet sie beim Schweizerischen Turnverband (STV) in einer befristeten Anstellung bis Ende 2026. Als Mitarbeiterin Inklusion ist sie mitverantwortlich, im Verband Ideen und Konzepte zur Teilhabe zu entwickeln. Es sollen Angebote entstehen, die genau da ansetzen, worin Manuela im Moment voll aufgeht – bei gemeinsamen Erlebnissen, die selbstverständlich für alle Menschen offen sind. Im Rahmen ihrer Tätigkeit ist ein Konzept entstanden, um die Events und Vereinsangebote des STV inklusiver zu gestalten. «Das Ziel ist es, dass Inklusion bei allen Instanzen und Bereichen so verankert ist, dass diese automatisch mitbedacht wird», erklärt sie.

Paralympisches Wintermärchen?

Dann ist da dieses neue Kapitel, das fast beiläufig klingt, eine weitere Bewegungspassion der Krienserin, aber ein Funkeln in ihren Augen verrät mehr: im Langlauf drückt der Wettkampfgeist durch. «Man kann halt nicht aus seiner Haut. In mir schlummert das Competition­Monster», sagt sie mit einem breiten Grinsen. Ursprünglich wollte sie nur aus Spass an einigen Wettkämpfen teilnehmen. Doch nach dem Marathon in Japan flog sie spontan nach Norwegen – zur Klassifikation. «Da die Technik nicht so entscheidend ist wie bei den Fussgängern, kommt man mit einer guten Kondition relativ weit.» Vorerst startet Manuela am Weltcup in Finsterau (D). Wohin sie der kompetitive Weg in dieser Sportart führen wird, ist noch ungewiss.

Sport als Erlebnisorientierung Trotz der Marathon­Teilnahmen und des Ausblicks auf erste Wettkämpfe im Langlauf rückt für Manuela ein anderer Fokus beim Sporttreiben ins Zentrum: Das Erlebnis! «Es steht bei meinen diversen Bewegungsformen nun viel mehr im Mittelpunkt, auch wenn immer wieder der Wettkampfhunger aufflammt.» Ihre Karriere war geprägt von Phasen: «Erst war es pures Talent. Dann reichte das Talent ir­

gendwann nicht mehr, und der Ehrgeiz kickte voll rein. Alles wurde dem Sport untergeordnet.» Heute blickt sie liebevoller und versöhnlicher auf sich. «Ich bin grosszügiger geworden mit mir. Es ist ‹nur› Sport.» Und dann sind da noch ihre Hunde – inklusive des neuen Hobbys Mantrailing. «Da ich gemerkt habe, wie gut mein neuer Hund darin ist, mache ich mit ihm eine Prüfung. Da kommt er wieder hervor, der Wettkampfhunger», sagt sie und lacht.

Langlauf Seit Jahren Passion, neu auch Wettbewerb

Zum Abschied zeigt sich Manuela so, wie man sie sich auch in einigen Jahren vorstellen möchte: neugierig, aktiv, mit leuchtenden Augen beim Schwärmen von ihren bewegenden Erlebnissen. Diese reichen, gezogen von einem Schlittenhund beim Bikejöring über ihre Graveltouren, bis weit nach hinten ins Eigenthal auf die Langlaufloipe oder dann, wenn es wieder wärmer wird, zurück auf die Strassen der Metropolen dieser Welt zu den MarathonMajors. «Wenn ihr diese Serie in Zukunft vielleicht wieder mit mir macht, hoffe ich, dass ich immer noch mit viel Freude an der Bewegung unterwegs bin und einen aktiven, fitten Lifestyle pflege.» Und wer weiss, vielleicht hat sie dann sogar noch ein paralympisches Wintermärchen mehr im Gepäck.

«MOVE ON» TICINO

Bereit für die dritte Ausgabe

Drei Tage im Zeichen von Sport, Kultur und Sensibilisierung: Die Tessiner Ausgabe von «move on» findet dieses Jahr zum dritten Mal statt und begeistert mit einem abwechslungsreichen Programm.

Von Davide Bogiani

Vom 12. bis 14. Juni 2026 kehrt das Sportund Freizeitcamp «move on» ins Tessin ins Centro Sportivo di Tenero zurück. Die Veranstaltung findet bereits zum dritten Mal statt und hat sich als fester Termin etabliert, und dient dazu – nach bewährtem «move on»­Rezept – Sportarten zu entdecken, die für Menschen im Rollstuhl geeignet sind.

Der Anlass wird von der Schweizer Paraplegiker­Vereinigung organisiert, doch entsteht dieser in enger Zusammenarbeit mit dem Tessiner Rollstuhlclub Gruppo Paraplegici Ticino (GPT). Ein Club, der sich in den letzten Monaten durch seinen innovativen und zukunftsorientierten Ansatz hervorgetan hat und inzwischen auch über den Gotthard hinaus als Referenz gilt. GPT wird die sportlichen Aktivitäten aktiv unterstützen und erfahrene Leiterinnen und Leiter aus verschiedenen Disziplinen zur Verfügung stellen.

Auf und im Wasser

Das Sportprogramm präsentiert sich vielseitig und abwechslungsreich, mit einem besonderen Fokus auf Zugänglichkeit und gezielte Anpassungen der Aktivitäten. Ein

zentrales Element der Ausgabe 2026 ist das Wasser: Geplant sind Disziplinen wie Kajak, Schwimmen und voraussichtlich auch Segeln. Ergänzt wird das Angebot durch Hallen­ und Outdoorsportarten wie Tischtennis, Target Sprint, Boccia, Bogenschiessen, Fechten und Handbike. Die Auswahl der Disziplinen wurde so konzipiert, dass sowohl Personen mit Paraplegie als auch mit Tetraplegie angesprochen sind. Nicht alle Aktivitäten sind für alle Teilnehmenden machbar, doch dank gezielter Anpassungen ist die Teilnahme an einem wesentlichen Teil des Programms möglich.

Kulturelle Vielfalt

Neben dem Sport bietet «move on» auch ein kulturelles Rahmenprogramm mit starkem Bezug zur Region. Geplant sind unter anderem Führungen durch das Museo Ghisla Art, Besuche der Falconeria sowie weitere Aktivitäten, die in den kommenden Monaten bekannt gegeben werden. Eine besonders erwartete Neuerung dieser Ausgabe ist ein Mobilitätskurs, der sich an Personen richtet, die ihre Rollstuhltechnik im Alltag verbessern möchten. Die Teilnehmenden üben, wie sie sicher unebene Bodenbeläge bewältigen, kleine Stufen über­

winden und einen selbstständigen Umgang mit unterschiedlichen Hindernissen finden.

Die Tessiner Austragung von «move on» bestätigt sich damit als Veranstaltung, die über den sportlichen Aspekt hinausgeht: ein Ort der Begegnung, des Austauschs und der Sensibilisierung, an dem Erfahrungen, Perspektiven und gesellige Momente geteilt werden. Gerade in solchen Kontexten entfaltet das Prinzip «Gemeinsam sind wir stärker» seine volle Wirkung.

Die Teilnahme am Camp lässt sich nach den eigenen Bedürfnissen gestalten: Wer will, meldet sich für alle drei Tagen an. Eine Teilnahme ist aber auch an einzelnen Halbtagen beziehungsweise Tagen möglich. Wer das Erlebnis vollständig geniessen möchte, kann zudem im Centro Sportivo di Tenero übernachten. Barrierefreie Zimmer sind vorhanden.

«move on» Tessin 12. bis 14. Juni 2026

Centro Sportivo di Tenero Programm und Anmeldung: spv.ch/eventkalender

SPITZENSPORT-RS

Profi auf Zeit

Eine Athletin und zwei Athleten von Rollstuhlsport Schweiz konzentrieren sich zurzeit voll auf ihren Sport. Möglich macht das die Schweizer Armee.

Von Nadja Venetz

Am Montag, 27. Oktober 2025 starteten 59 Athletinnen und Athleten ihre Ausbildung in der Spitzensport­Rekrutenschule in Magglingen. 39 Männer und 20 Frauen aus 21 verschiedenen Sportarten trainieren während 18 Wochen bei idealen Bedingungen, unter ihnen eine Athletin und zwei Athleten von Rollstuhlsport Schweiz: Wayra Huber (Basketball), Stefan Amacker (Schiesssport) und Giuliano Carnovali (Tennis). Im Herbst 2021 rückten mit Fabian Recher (Handbike) und Elena Kratter (Leichtathletik) erstmals zwei Para­Sportler in die Spitzensport­RS ein. Mittlerweile stellt Rollstuhlsport Schweiz 13 Sportsoldatinnen und Sportsoldaten.

Bevor die Athletinnen und Athleten Vollzeit trainieren, absolvieren sie in den ersten drei Wochen der Rekrutenschule eine militärische Grundausbildung. Sie lernen die Umgangsformen und Dienstgrade und werden vertraut gemacht mit der Zugschule und dem Sanitätsdienst. Es sind diese Übungen, die den Zusammenhalt stärken. «Wir haben eine tolle Stimmung untereinander. Ich habe nur offene Leute kennengelernt», sagt Wayra Huber. Den Austausch empfand sie als grosse Bereicherung.

Fiese Fragen

Trainieren ohne Geldsorgen

Für die Athletinnen und Athleten ist die Rekrutenschule eine grossartige Möglichkeit, sich sportlich weiterzuentwickeln, und das ohne Lohneinbussen. «Ich kann mich voll und ganz auf Basketball konzentrieren, ohne mir Sorgen ums Finanzielle machen zu müssen. Normalerweise hetzte ich von der Arbeit ins Training. Jetzt kann ich unter perfekten Bedingungen trainieren und habe zusätzlich Zeit, mich zu regenerieren, was in meinem Alltag viel zu kurz kommt», berichtet Wayra Huber. Es ist das Leben eines Profisportlers, das die drei in den 18 Wochen führen. «Ich kann intensiv trainieren und fokussiert an gewissen Themen arbeiten. Ein grosses Privileg», sagt Stefan Amacker.

Zusätzlich zur militärischen Grundausbildung und den sportartenspezifischen Trainings besuchen die Rekrutinnen und Rekruten in den ersten acht Wochen Module, die unterschiedliche Aspekte einer Sportkarriere beleuchten: Wie ernähre ich mich richtig? Wie finde ich Sponsoren? Wie vermarkte ich mich? Besonders wertvoll für Wayra Huber war das Medientraining. «Wir haben vor der Kamera geübt, wie wir mit politischen Fragen umgehen oder wenn sich Journalisten mehr für den Rollstuhl interessieren als für die sportliche Leistung. Das hat mir viel gebracht.»

Die verbleibenden zehn Wochen widmen alle vollumfänglich ihrem Sport. Stefan Amacker trainiert gemeinsam mit Jannis Bader, Rekrut des Schweizer Schiesssport­

verbands (SSV). «Wir haben dasselbe Programm. Der Sport ist schliesslich auch derselbe. Ich profitiere sehr vom Wissen des Schiesssportverbands und den neuen Trainingsinputs», erklärt Stefan Amacker. Betreut werden die beiden Schützen abwechselnd von einer Trainerin des SSV und dem Trainer von Rollstuhlsport Schweiz.

Stefan Amacker ist überzeugt, dass die Spitzensport­RS dazu beiträgt, sein Leistungsniveau zu steigern. An diesem Fundament will er nach Abschluss der RS weiterarbeiten. Dem Sportsoldaten stehen anschliessend neben den 30 obligatorischen weitere 100 WK­Diensttage zur Verfügung, die er bei vollem Sold für Training und Wettkampf einsetzen kann. «Die Differenz zwischen Trainings­ und Wettkampfleistung muss kleiner werden», formuliert er sein Ziel. Dank dem intensiven Training, aber auch den wertvollen Inputs zum Karrieremanagement will er sich für die Weltmeisterschaft im September qualifizieren.

Fokus

Nach der militärischen Grundausbildung trainieren die drei Vollzeit.

Bewegung verbindet

Ein Ort für eingefleischte Velofans und solche, die es werden wollen. Der Swiss Bike Park ist für alle da. Kommen Sie vorbei und testen Sie kostenlos geländegängige Handbikes.

Von Fabio Brändle und Nadja Venetz

Der Swiss Bike Park Oberried in der Nähe von Bern liegt idyllisch mitten im Grünen und ist in vielerlei Hinsicht einzigartig in der Schweiz. Als attraktiver Begegnungsund Präventionsort für die gesamte Bevölkerung wirkt er als Leuchtturmprojekt sowie als touristischer Magnet und verbindet die Bedürfnisse von Spitzen­, Breiten­ und

Behindertensport. Der Park ist als Trainingsgelände bewusst so gestaltet, dass er von Menschen mit ganz unterschiedlichen Fähigkeiten genutzt werden kann. Ein Ort für Menschen mit und ohne Behinderung. Viele Bereiche sind ebenerdig erreichbar, die Wege breit und gut sichtbar angelegt und die Rundkurse bieten genügend Platz,

um in angepasstem Tempo zu üben. Das ermöglicht insbesondere Personen im Rollstuhl und auf dem Handbike ein sicheres und selbstbestimmtes Training.

Die grosszügigen Parcours und Skills­Zonen erlauben es, Schritt für Schritt neue Fertigkeiten zu erlernen – vom Kurvenfah­

SWISS BIKE PARK

GUT ZU WISSEN

Swiss Bike Park

– Der Besuch ist kostenlos.

– Der Gastro-Bereich und Seminarräume sind vollständig rollstuhlgängig.

– Barrierefreie Toiletten, Garderoben und Duschen sind vorhanden.

– Unkomplizierte Verpflegung tagsüber im Restaurant.

– Picknickplätze draussen.

– Rollstuhl-Parkplätze in unmittelbarer Nähe zum Parkeingang.

– Anreise, Öffnungszeiten und Newsletter unter swissbikepark.ch

ren über Balance bis hin zu kleinen technischen Herausforderungen. Für Einsteiger stehen einfache, flache Linien bereit, während Fortgeschrittene auf anspruchsvolleren Sektionen ihre Technik verfeinern.

Auch Familien, Schulklassen und Vereine nutzen den Park gerne, denn alle Bereiche sind frei zugänglich und kostenlos nutzbar. Auf 30 000 m² bietet der Swiss Bike Park für alle Bedürfnisse etwas, um schneller und sicherer zu biken.

Und so sind ambitionierte Mountainbiker, Handbike­Einsteigerinnen und Genussfahrer gemeinsam unterwegs. Das schafft eine Atmosphäre, in der man sich gegenseitig unterstützt und voneinander lernt. Der Swiss Bike Park ist so nicht nur ein Ort der Bewegung, sondern auch ein Ort der Begegnung. Es entsteht eine selbstverständliche Form der Inklusion, die zeigt, wie vielseitig und zugänglich der Bikesport ist.

Kostenlose Schnupperkurse Wer will, bringt das eigene Sportgerät mit. Es stehen aber auch Handbikes vor Ort bereit, die kostenlos genutzt werden dürfen. Ein geländegängiger Elektrorollstuhl wartet ebenfalls darauf, ausgeführt zu werden. Wer in die wunderschöne Natur ausserhalb des Swiss Bike Parks erkunden möchte, schnappt sich das Mountain Handbike und kurbelt auf diversen gut ausgetesteten Strecken rund um Oberried. Erfahrene Coaches des Swiss Bike Parks führen für Personen im Rollstuhl kostenlose Schnup­

perkurse im Mountain Handbike durch. Eine grossartige Sportart für all jene, die sich gerne an der frischen Luft abseits vom Verkehr bewegen. Wenn Sie einen Schnupperkurs besuchen möchten, melden Sie sich bitte vorher bei info@swissbikepark.ch oder telefonisch unter 031 848 22 12 an.

Bikes testen

Eine grössere Auswahl an Testgeräten wartet am Wochenende vom 27. und 28. Juni auf Sie. Sie wollten schon immer Mal ein Mountain Handbike oder ein Vorspannbike ausprobieren? Zusammen mit verschiedenen Anbietern und Händlern führt die SPV den Event «Giro Suisse | Meet ’n’ Ride» durch. Kommen Sie vorbei und fahren Sie unterschiedliche Geräte Probe. Wir zeigen Ihnen wie es geht und nehmen Sie mit auf eine kleine Einsteigerausfahrt. Keine Sorge, Sie müssen dafür keine Sportskanone sein. Die meisten Bikes sind mit einem unterstützenden Elektromotor ausgestattet, damit Ihnen nicht die Puste ausgeht. Und wer weiss, vielleicht haben Sie anschliessend sogar Lust, auf einer Etappe des Giro Suisse mitzufahren, der vom 25. bis 30. August 2026 stattfindet.

Event

Giro Suisse | Meet ’n’ Ride 2026 27.–28. Juni 2026

Swiss Bike Park Oberried spv.ch/eventkalender

STIFTUNG

Die Stiftung Swiss Bike Park setzt sich für eine starke inklusive Velokultur in der Schweiz ein und fördert das Velo in all seinen Formen als gesundheitsförderndes, sicheres, nachhaltiges und sozial verbindendes Verkehrs- und Fortbewegungsmittel. Sie betreibt den Swiss Bike Park Oberried, entwickelt Bildungs- und Mobilitätsprojekte und vernetzt Partner aus Sport, Tourismus, Forschung, Wirtschaft und Gesellschaft. Ihr Ziel: möglichst vielen Menschen Zugang zu aktiver Mobilität zu ermöglichen – unabhängig von Alter, Fähigkeit oder Herkunft. Die Stiftung Swiss Bike Park setzt sich zudem aktiv für mehr barrierefreie Freizeitanlagen und inklusive Trails ein.

JURA BIKE PARK

Angelehnt an das Konzept des Swiss Bike Parks in Oberried entsteht in Porrentruy der Jura Bike Park. Der Jura Bike Park soll noch 2026 eröffnet werden: jurabikepark.ch

IMMOBILIENMARKT

Tipps zur Wohnungssuche

Sie suchen eine rollstuhlgängige Wohnung? Procap hat Tipps.

Der Schweizer Wohnungsmarkt ist knapp. Wer eine neue Bleibe sucht, die erst noch rollstuhlgängig sein muss, wähnt sich vor einer unlösbaren Aufgabe.

In der Wohnungsbörse von Procap können Sie Gesuche erfassen oder Wohnungen zur Miete ausschreiben. Erweitern Sie die Suchkriterien, wenn Sie kein Angebot finden. Oft können nur teilweise hindernisfreie Wohnungen angepasst werden. Alle Tipps finden Sie auf dem Informationsblatt «Tipps für die Suche nach rollstuhlgängigen Wohnungen».

Wohnungsbörse/Tipps procap.ch

(Angebote/Wohnen)

ÖFFENTLICHER

VERKEHR

Bus mit vier

Rollstuhlplätzen

Die ersten beiden Gelenkbusse der Schweiz mit vier Rollstuhlplätzen nahmen Ende November Fahrt auf.

Die beiden Fahrzeuge gehören der Rottal Auto AG und verkehren zwischen Sursee und Nottwil; eine Strecke, auf der das Platzangebot regelmässig zu knapp war. Die SPV hofft, dass sich andere Verkehsbetriebe inspirieren lassen und den öffentlichen Verkehr für Personen im Rollstuhl attraktiver machen.

AKTIONSTAGE

Gewalt und Behinderung

Jedes Jahr vom 25. November bis 10. Dezember engagieren sich über 300 Organisationen in der Schweiz gegen geschlechtsspezifische Gewalt. 2025 zum Fokusthema Behinderung.

Frauen und queere Menschen mit Behinderungen – besonders jene, die auf Pflege angewiesen sind, in Institutionen leben oder unsichtbare Behinderungen haben – erleben zwei­ bis viermal häufiger Gewalt. Sie sind Übergriffen, Machtmissbrauch, Kont­

rolle und Vernachlässigung ausgesetzt. Sie tauchen in den Statistiken nicht auf und haben kaum Zugang zu Schutz oder Unterstützung. Es fehlt an gezielten Datenerhebungen, einer breiten Sensibilisierung und barrierefreien Hilfsangeboten. Auf diese Missstände machte die Aktion «16 Tage gegen Gewalt an Frauen» mit zahlreichen Veranstaltungen aufmerksam.

Mehr zu den Aktionstagen 16tage.ch/fokusthema

SBB

Mehr Hilfestellung an Bahnhöfen

Mit SBB Assist baut die SBB ihr Dienstleistungsangebot für Personen mit eingeschränkter Mobilität aus.

2025 bot die SBB im Rahmen des Pilotprojekts SBB Assist zusätzliche Hilfestellungen an SBB-Bahnhöfen an wie zum Beispiel beim Umsteigen, dem Bewältigen von Rampen oder beim Einsteigen in Niederflurzüge.

Bis Oktober 2025 konnten erfolgreich rund 7000 zusätzliche Hilfestellungen angeboten werden, insbesondere für Personen mit Mobilitätseinschränkung oder Sehbehinderung.

Per 1. Januar 2026 wurde SBB Assist nun dauerhaft eingeführt und fest in das bestehende Angebot integriert. SBB Assist richtet sich an alle, die bei ihren Reisen Schwierigkeiten in SBB-Bahnhöfen haben, und umfasst verschiedene Arten von Hilfestellungen. Die Hilfestellung muss mindestens eine Stunde vorab direkt beim Contact Center Handicap reserviert werden.

SBB Assist sbb.ch (SBB Assist)

PARAFRIENDS-BAND

Lust auf Musik

13 Musikerinnen und Musiker bilden die ParaFriends­Band.

Einige spielen im Sitzen, andere singen im Stehen; doch was alle verbindet, ist die Freude, gemeinsam Musik zu machen. Die 13­köpfige Band aus dem Umfeld der Schweizer Paraplegiker­Gruppe besteht schon seit über zehn Jahren. An ihren vier bis fünf Konzerten im Jahr geben sie unter

der Leitung von Rafael Jerjen Hits aus der Rock­ und Popgeschichte zum Besten: ABBA, Michael Jackson und viele mehr.

Geübt wird jeden Mittwochabend im alten Militärspital in Nottwil. Die Band ist offen für versierte Musikerinnen und Musiker, die ihr Instrument beherrschen. Bei Interesse melden Sie sich gerne bei Peter Landis (peterlandis@bluewin.ch).

ERGÄNZUNGSLEISTUNGEN

Besser

informieren

Eine Studie des Bundesamts für Sozialversicherungen zeigt: Nicht jeder Kanton informiert gleich gut über die Ergänzungsleistungen.

Menschen, die mit ihrer AHV­ oder IVRente ihre minimalen Lebenskosten nicht decken können, haben Anspruch auf Ergänzungsleistungen (EL). Die Kantone sind verpflichtet, über die EL zu informieren, damit potenzielle Empfänger ihre Rechte kennen und sich administrativ zurechtfinden. Eine Studie im Auftrag des Bundesamts für Sozialversicherungen (BSV) zeigt, dass die Kantone grundsätzlich über die EL informieren und Unterstützungsangebote wie persönliche Beratungen fast über­

all genutzt werden. Jedoch bestehen zwischen den Kantonen grosse Unterschiede. Die Studie nennt mehrere praktische Verbesserungsmöglichkeiten: Informationsmaterial soll vermehrt in leichter Sprache erstellt, Partnerschaften mit relevanten Institutionen gestärkt, zentrale Anlaufstellen aufgebaut und die Information der Bevölkerung proaktiver gestaltet werden. Auch bei der administrativen Unterstützung der EL­Berechtigten gibt es Optimierungspotenzial, etwa durch Checklisten, OnlineAnträgen mit Hilfestellungen, stärker personalisierten Angeboten und Beratungen. Es ist sehr zu wünschen, dass die Kantone diese Verbesserungsvorschläge ernst nehmen und in Bälde umsetzen.

AUS DEN CLUBS

Jurassische Handbiker auf Instagram

Die inklusive Velo- und Handbiketruppe «Achilles» des CFR Jura berichtet über ihre Ausfahrten neu auch auf Instagram.

Sie finden das Konto unter @Achilles_Jura. Die jurassischen Handbike-Enthusiasten freuen sich über zahlreiche Follower und Likes.

TOURISMUS

Barrierefreie Hotels

Das Ranking «Die 101 besten Hotels Schweiz» führt ab April eine neue Kategorie für barrierefreie Hotels ein.

Die neue Auszeichnung entsteht in Zusammenarbeit mit Procap und ist in der DACHRegion einzigartig. Ziel ist es, Hotels hervorzuheben, die barrierefreies Reisen aktiv ermöglichen. Die Bewertung berücksichtigt bauliche und serviceorientierte Aspekte.

«Barrierefreiheit ist ein wesentliches Qualitätsmerkmal moderner Gastlichkeit. Mit dieser neuen Kategorie würdigen wir Hotels, die echte Inklusion leben und damit neue Standards für die Branche setzen», sagt Initiator Carsten K. Rath. Welche Hotels 2026 zu den 101 Besten zählen, wird am 19. April bekannt gegeben.

Zum Ranking die-101-besten.ch

IM GESPRÄCH

Ohne Praxisnähe macht Forschung wenig Sinn

Zwanzig Jahre lang prägte Mirjam Brach die Schweizer Paraplegiker­Forschung (SPF) als Geschäftsführerin mit. Bevor sie Ende März in den Ruhestand geht, spricht sie über die Anfänge, Erkenntnisse – und die Rolle der SPV.

Von Evelyn Schmid und Peter Birrer

Mirjam, du gehst bald in den Ruhestand. Wie hört sich das für dich an? Seltsam, das muss ich zugeben. Gleichzeitig freue ich mich auf das, was kommt. Es heisst ja nicht, dass ich als Rentnerin aus der Welt bin. Wenn ich einen Beitrag leisten oder die eine oder andere Frage beantworten kann, mache ich das auf jeden Fall sehr gerne. Mal schauen, was da auf mich zukommt.

Was wirst du sicher nicht vermissen? Deadlines brauche ich definitiv keine mehr. Ich habe so viel und so oft mit Deadlines gearbeitet – das reicht jetzt.

Du hast vor zwanzig Jahren bei der SPF begonnen. Was hast du angetroffen?

Am 1. Oktober 2005 wurde das Guido A. Zäch­Institut eingeweiht. Es war als Multifunktionsgebäude geplant, war aber damals natürlich nicht ausgelastet. Wir haben begonnen die Forschung aufzubauen, die Forschungsthemen zu entwickeln, Mitarbeitende zu gewinnen. Die SPF wurde im Jahr 2000 gegründet, hatte aber noch nicht die Grösse von heute. Sie bestand aus etwa zehn Forschenden. Guido A. Zäch, dem Gründer der Schweizer ParaplegikerStiftung (SPS), war immer die ganzheitliche Versorgung der Betroffenen ein Anliegen, das war visionär. Das heisst: Er dachte auch an ihr Leben nach der Entlassung aus der Reha. Aus diesen Gedanken von Guido A. Zäch und unserem Verständ­

nis einer ganzheitlichen Perspektive ist der 360­Grad­Forschungsansatz entstanden –von der Zelle bis zur Gesellschaft.

Was hat dich überhaupt nach Nottwil geführt?

Seit 1999 arbeitete ich am Klinikum der Ludwig­Maximilians­Universität in München zusammen mit Professor Gerold Stucki am Lehrstuhl für Physikalische Medizin und Rehabilitation. Ich verantwortete das Klinik­ und Forschungsmanagement. Wir erhielten einen Auftrag von Guido A. Zäch für ein Forschungsprojekt, das ein spezifisches ICF­Core­Set für Menschen mit Querschnittlähmung entwickeln sollte. Die ICF ist eines der grossen Klassifikationssysteme der WHO – die International Classification of Functioning, Disability and Health. Um die ganzheitliche Perspektive von Menschen mit Querschnittlähmung zu verstehen, muss man die Funktionsfähigkeit erfassen; d. h. welche Aktivitäten können noch erfolgen, wie sieht es mit der Partizipation aus, was sind wichtige Umgebungsfaktoren, was tut die Gesellschaft. Wir haben mit vielen internationalen Experten die Faktoren identifiziert, die für Betroffene relevant sind. Die ICF erfasst Funktionsfähigkeit strukturiert, und darauf aufbauend können wir gemeinsam innerhalb der SPG die Massnahmen festlegen, die einerseits die erstklassige klinische Versorgung sicherstellen, aber auch alle anderen Lebensaspekte berück­

sichtigen. Das sind insbesondere die Leistungen der SPV. Stichworte dazu sind zum Beispiel Partizipation sowie berufliche und soziale Integration.

Warum war die ICF-Klassifikation so wichtig?

Weil sie den Rahmen für die Forschung schuf und Antworten lieferte auf bedeutende Fragen: Was müssen wir neben den klinischen Aspekten auch noch berücksichtigen? Für Guido A. Zäch war klar, dass die Forschung zukünftig eine ganzheitliche Ausrichtung verfolgen soll. Gerold Stucki war als weltweit führender RehaMediziner die ideale Wahl, um die Leitung der SPF zu übernehmen. Und mir wurde angeboten, das Forschungsmanagement

Im Gespräch mit Gerold Stucki

zu übernehmen. Ich sah das als grosse Chance, sagte zu – und bereute den Umzug in die Schweiz nie.

Wusstest du, was auf dich zukommt?

Ich hatte eine Vorstellung, aber eigentlich war das Blatt leer, als ich anfing. Das heisst, ich durfte bei der Gestaltung mitwirken. Gerold Stucki verfasste zusammen mit den damaligen leitenden Personen in der SPG eine grundlegende Fachpublikation, in der exakt beschrieben wurde, was es braucht, um eine Forschung für querschnittgelähmte Menschen aus der ganzheitlichen Perspektive aufzubauen.

Worin bestand die grosse Herausforderung?

Mit der SPS und weiteren Organisationen wie der SPV oder dem SPZ existierte eine grossartige Ausgangslage, es wurde Hervorragendes geleistet. Was uns allerdings fehlte, waren repräsentative und damit verlässliche Daten und Zahlen. So wusste niemand, wie viele Querschnittgelähmte es in der Schweiz überhaupt gab. Eine Fragestellung war also: Wie kommen wir zu diesen Angaben? Die Antwort: Wir lancieren eine Kohortenstudie, die Swiss Spinal Cord Injury Cohort Study (SwiSCI). Diese Langzeitstudie für Personen mit Rückenmarksverletzungen war ein Meilenstein. Wir haben die Betroffenen direkt befragt und wir durchforsteten alle Krankenakten der spezialisierten Paraplegiezentren in der Schweiz bis ins Jahr 1967 zurück.

Wie viele Querschnittgelähmten gab es damals und gibt es heute?

Vor zwanzig Jahren existierte kein Register – und auch heute gibt es keines. Aber wir nähern uns dem langsam. Von 4500 bis 5000 Betroffenen haben wir gesicherte Kontakte. Die exakte Zahl liegt höher, wahrscheinlich sind es 6000 bis 8000. Wir sind mit SwiSCI aber gut und repräsentativ aufgestellt.

Warum ist es so bedeutend, exakte Daten zu erhalten?

Je genauer sie sind, desto präziser können wir die Probleme der Betroffenen erfassen. Wir können eruieren, was dazu beiträgt, dass die Lebenserwartung steigt. Nicht zuletzt ermöglicht dies der SPS und uns allen

eine Einschätzung, wie viele Querschnittgelähmte Jahr für Jahr hinzukommen und welche Leistungen diese benötigen. Ausserdem können wir mit exakten Daten gezielter argumentieren und aufzeigen, was zum Beispiel von politischer oder rechtlicher Seite notwendig ist, um die Inklusion voranzutreiben. Fakt ist: Wir sind heute in der klinischen Rehabilitation sehr gut.

Aber?

Wir müssen uns auch um ganz viele andere Fragen kümmern, die im gesellschaftlichen Kontext im Sinne einer funktionierenden Inklusion eine Rolle spielen. Dafür sind die Stiftung und die Gruppengesellschaften zuständig. Am Schluss haben wir alle ein Ziel: zu gewährleisten, dass Menschen mit einer Querschnittlähmung möglichst selbstbestimmt bei bestmöglicher Gesundheit leben können. Und da ist SwiSCI das wichtigste zentrale Monitoringsystem. Wir erhalten Aufschlüsse darüber, was gut läuft, wo Versorgungslücken oder grössere Probleme bestehen.

Welches sind die wichtigsten Erkenntnisse der letzten zwanzig Jahre?

Wir verstehen die schwersten Komplikationen einer Querschnittlähmung besser und wissen, wie wir entstehenden Begleiterkrankungen besser entgegentreten können. Und wir können den Betroffenen gezielt Tools an die Hand geben, die ihnen aufzeigen, worauf sie im Alltag zu achten

haben. Ein Beispiel ist die Schultergesundheit. Wir befassen uns ständig mit Fragen wie: Welche Angaben können wir den Medizinern oder auch den Betroffenen liefern, um Schulterschmerzen zu verringern oder idealerweise zu vermeiden? Wie zeigen wir auf, dass es wichtig ist, sportlich aktiv zu bleiben und sich richtig zu ernähren? Wir machen immer häufiger Studien, die wir individuell für Betroffene auswerten. Wir müssen ein «lernendes System für Querschnittlähmung» einrichten, was kontinuierlich auf der neusten verfügbaren Evidenz basiert.

Wie schafft man es, Forschungserkenntnisse in die Praxis einfliessen zu lassen? Das ist eine der grössten Herausforderungen. Forschung kann Evidenz für die Rehabilitation und Versorgung liefern. Zum Beispiel haben wir aufgezeigt, dass Lungenentzündungen zu einem sehr frühen Zeitpunkt der Erstrehabilitation entstehen, oft schon auf der Intensivstation. Auf Basis dieser Erkenntnis ist es von Bedeutung, mit dem Atemmuskulatur­Training ebenfalls früh zu beginnen. Da werden aktuell gerade Anpassungen gemacht. Ein anderes Beispiel ist das von uns entwickelte JobMatching­Tool. Dieses liefert Informationen, mit denen die berufliche Integration nachhaltig gesteigert wird. Die Entwicklung der «Nationalen Strategie Querschnittlähmung» ist zentral. Gemeinsam mit allen denkbaren Stakeholdern in der

Mit Herzblut für die Forschung

Schweiz haben wir Ziele und Massnahmen für die wichtigsten Handlungsfelder entwickelt. Die Querschnittgelähmten waren bei der Erarbeitung der Strategie direkt eingebunden. Diese Strategie nutzt Forschungsresultate, um Ziele und Massnahmen in die Praxis umzusetzen.

Welche Bedeutung hat die SPV dabei?

Die SPV ist die Institution, die nahe bei den Betroffenen ist, wenn sie nicht klinisch betreut werden – so nahe wie sonst keine Organisation der Schweizer ParaplegikerGruppe. Sie übernimmt mit ihrem breiten Angebot zweifellos eine Schlüsselfunktion und ist der ideale Multiplikator. Für die SPV ist es genauso wichtig, mit Daten versorgt zu werden, um zu wissen, was gut läuft und wo allenfalls Verbesserungsbedarf besteht. Ein gutes Beispiel ist die Arbeitsmarktintegration. Da ist die Schweiz mit rund 64 Prozent weltweit die absolute Spitzenreiterin. Dazu trägt auch die SPV viel bei mit ihren Beratungsleistungen durch Anwälte, Peers oder Sozialarbeiterinnen. Zusammen mit ParaWork am SPZ ist die SPV der erste Kontaktpunkt. In den letzten 15 Jahren haben wir uns gemeinsam in der Schweiz auf diesem Gebiet gewaltig gesteigert.

Wie motiviert man Leute zur Teilnahme?

Indem man ihnen beispielsweise den unmittelbaren Nutzen für den eigenen Alltag aufzeigt. Oder ihnen erklärt, dass ihre Teilnahme ein Investment für das grössere Ganze und in die Zukunft ist und sie damit das Leben anderer verbessern helfen. Andererseits müssen wir aufpassen, dass wir die Betroffenen nicht mit zu vielen Studienanfragen überfordern. Das Gleichgewicht muss stimmen. Was auch hilft, ist, dass wir bei der Kommunikation der Forschungsergebnisse nicht nur auf hochrangige wissenschaftliche Publikationen fokussieren, sondern diese allgemein verständlich vermitteln, zum Beispiel im Paracontact.

alltag wirklich passiert. Und damit können wir die Sensibilisierung und Schulung verbessern.

Verändern Echtzeitdaten die Forschung?

Auf jeden Fall. Wir sind heute in der Lage, umfassende und grosse Datenmengen zu sammeln und investieren viel in deren zum Teil hoch spezialisierte Auswertung in Zusammenarbeit mit Datenwissenschaftlern, Klinikern und Betroffenen. In diesem Bereich haben wir viel neues Know­how an die SPF geholt.

Wo stehen wir im Jahr 2046?

Wir haben in der Schweiz jetzt schon einen hohen Standard. Ich bin sicher, dass wir das aufrechterhalten, was wir geschaffen und erreicht haben in der gesellschaftlichen Inklusion und Integration. Wir sind in der SPG auch immer dabei, weitere Versorgungslücken zu schliessen. Trotzdem bin ich der Meinung, dass wir von anderen Ländern lernen können, die in der Gesundheitsversorgung ebenfalls sehr gut aufgestellt sind. Ich denke da an die Niederlande oder Norwegen. Wir sind weltweit mit Klinikern und Wissenschaftlern in sehr engem Austausch, stellen Vergleiche an und lernen voneinander. Und ein Thema wird uns vermutlich noch intensiv beschäftigen.

Vermittlung von Erkenntnissen

Die SPF zählt aktuell 110 Forschende ... das ist eine Menge, und dafür braucht es eine gute Organisation. Das Rückgrat bilden erfahrene Forschende, die wir gezielt suchen. Dann engagieren wir auch viele Doktoranden und junge Forschende. Wir investieren viel in die Nachwuchsförderung. Aber auch hier möchte ich betonen: Die Implementierung von Erkenntnissen aus der Forschung ist sehr anspruchsvoll. Wir können nicht zu viele Fragestellungen gleichzeitig verfolgen und müssen immer wieder gezielt priorisieren. Das braucht Erfahrung aber immer auch neue Kompetenzen, zum Beispiel für das Sammeln von Real­Time­Daten.

Welche Rolle spielen diese Real-Time-, also Echtzeitdaten?

Für dich ist also praxisnahe Forschung entscheidend?

Absolut. Forschung ohne Praxisnähe macht wenig Sinn. Wenn ich das Gefühl hätte, dass sie nicht bei den Betroffenen ankommt, machen wir alle etwas falsch. Massgebend ist aber, dass wir für unsere Projekte genügend Studienteilnehmer finden.

Eine sehr grosse. Wir können heute verstärkt mit Real­Time­Daten arbeiten und nicht nur mit Daten aus der reinen Testsituation, z. B. im Bewegungslabor. Die Erfassung der Alltagssituation ist zentral und funktioniert heute besser und einfacher mit der verfügbaren Technologie. Beispielsweise bilden Sensoren am Rollstuhl die Realität der Rollstuhlnutzung sehr gut ab. Wenn wir unter dem Sitzkissen eine Messmatte anbringen, sieht man sofort, wie der Betroffene die Empfehlungen zur Prophylaxe von Druckstellen aus der Patientenedukation umsetzt, oder ob es noch Verbesserungspotenzial gibt. Man weiss, was zu Hause, in der Freizeit oder im Arbeits­

Welches?

Älter werden mit einer Querschnittlähmung. Unsere Studien zeigen, dass neue Herausforderungen für die Versorgung anstehen, wenn Betroffene nicht mehr die gleiche Selbstständigkeit haben. Wie sieht dann die Situation aus? Wo gibt es gute und tragfähige Konzepte zu altersgerechtem Wohnen oder Pflegen? Wo sind die Altersresidenzen, die in der Lage sind, die auf diese Bedürfnisse zugeschnittene Betreuung zu übernehmen? Und nicht zuletzt stellt sich die Frage: Wer bezahlt das alles? Die Herausforderungen werden nicht weniger.

Bald nimmst du die Rolle der Beobachterin ein. Kannst du loslassen? Das wird mir gelingen. Aber ich leiste gerne einen Beitrag. Ich bleibe Nottwil und der ganzen Schweizer Paraplegiker­Gruppe immer sehr verbunden.

UNSERE ROLLSTUHLCLUBS

CFR Gruyère

Klein, stolz – und bestrebt, mit dem Nachbarn aus Fribourg ein konstruktives Verhältnis zu pflegen: Das ist der CFR Gruyère, der sich hartnäckig Herausforderungen stellt.

Wenn Konstantin Schmaeh über seine Rolle spricht, bringt er zum Ausdruck, wie gern er sie ausübt. Er ist beim CFR Gruyère der Sportverantwortliche, der ehrenamtlich zwar manche Stunde investiert und doch einen Lohn erhält – in Form von Dankbarkeit. «Wenn sich die Teilnehmenden nach einem gelungenen Anlass bedanken und Zufriedenheit ausstrahlen, ist das für mich die schönste Entschädigung», sagt der 58­jährige Paraplegiker.

2022 übernahm er den Posten, den er zuvor während eines Jahrzehnts beim CFR Fribourg besetzt hatte. Dank dieser Erfahrung konnte ihn ein Problem nicht überraschen: Auch im Greyerzerland mangelt es an Nachwuchs. Der Herausforderung stellt er sich mit grosser Beharrlichkeit. «Wir leisten ständig Überzeugungsarbeit, bemühen uns um ein möglichst attraktives Programm und versuchen so aufzuzeigen, weshalb eine Mitgliedschaft beim Rollstuhlclub wertvoll ist», erklärt der Sportchef.

stuhl nicht immer mehr in ihre vier Wände zurückziehen, nur noch am Computer sitzen und vereinsamen», erklärt er. «Der Austausch untereinander und die gegenseitige Unterstützung sind ein zentraler Bestandteil unseres Clublebens. So entstehen Freundschaften.»

Das sportliche Angebot beschränkt sich primär auf Tennis – und auf Curling. Vor allem in dieser Sparte ist der Club gut aufgestellt. Das ist nicht selbstverständlich, weil in der Region kein Eis vorhanden ist und das Team für die Trainings nach Bern ausweichen muss. Der Qualität schadet das jedoch nicht. Mit Stéphanie Combremont, PierreAlain Tercier, Konstantin Schmaeh und Hans Burgener gehören vier Mitglieder des CFR Gruyère zum Nationalkader.

Synergien mit Fribourg nutzen

Der CFR Gruyère ist von überschaubarer Grösse, aber ein stolzer Club. Konstantin Schmaeh, ein gebürtiger Deutscher aus der Bodenseeregion, hat schnell eine Eigenheit erkannt. «Wir flachsen gerne, dass wir in erster Linie Greyerzer sind und erst danach Fribourger.» Trotzdem sind die Verantwortlichen bestrebt, mit dem benachbarten CFR Fribourg ein kollegiales Verhältnis zu pflegen. Synergien sollen da genutzt werden, wo es Sinn macht – zum Beispiel im Sportbereich.

Dass früher Spannungen zwischen den zwei Clubs bestanden, will Philippe Martinet nicht in Abrede stellen. Doch der 73­Jährige, der vor vier Jahren das Präsidium übernommen hat, hebt die zunehmend besser werdende Zusammenarbeit hervor: «Daran haben beide Vorstände ein Interesse.»

Mündet die Annäherung eines Tages in eine Fusion? «Wir beschäftigen uns zwar nicht intensiv mit diesem Thema, schliessen aber nichts kategorisch aus», antwortet Philippe Martinet. Ähnlich sieht es Konstantin Schmaeh. Stets offen sein – das ist auch seine Devise. «Wir ziehen uns nicht in unser Schneckenhaus zurück. Wenn wir überzeugt sind, dass unsere Mitglieder von neuen Wegen profitieren können, schlagen wir sie ein.»

DER CLUB IN KÜRZE

– 81 Aktivmitglieder und 117 Passivmitglieder

– 1984 gegründet

– Tennis und Curling cfrg.ch

Am 9. Mai bietet sich eine ideale Möglichkeit, um Werbung zu machen: Der CFR Gruyère wird bei Bull’Bouge präsent sein: es handelt sich quasi um einen Tag der offenen Tür für Vereine.

Curling, das sportliche Steckenpferd Einen Punkt betont Konstantin Schmaeh in Gesprächen mit potenziellen Mitgliedern immer wieder: die Wichtigkeit der sozialen Vernetzung. «Wir wollen dazu beitragen, dass sich junge Menschen im Roll­

SIE DA

«Es fägt»
Claudia

Kobel kämpft als Rechtsanwältin für Menschen mit Querschnittlähmung. Die Seeländerin strebt stets die einvernehmliche Lösung an – kann aber auch anders.

Sie mag es harmonisch in ihrem Leben, eigentlich. Aber wenn es die Situation erfordert, scheut sie sich nicht davor, unangenehm zu werden. Claudia Kobel steht als Rechtsanwältin des Instituts für Rechtsberatung (IRB) für die Rechte der SPV­Mitglieder ein. Scheitert der Versuch einer aussergerichtlichen Einigung, zieht sie alle Register – notfalls bis vor Bundesgericht.

Das Sozialversicherungs­ und Haftpflichtrecht zählt zu den Kernkompetenzen der 34­Jährigen. Sie setzt sich für Menschen ein, die in eine Notsituation geraten sind, Existenzsorgen haben und nicht wissen, wie sie vorgehen sollen. Claudia Kobel sagt selber: «Das Versicherungsrecht ist nicht besonders laienfreundlich.»

«Ohne Sie hätte ich das nie geschafft» Kostenübernahmen für Hilfsmittel und Therapien, Kampf um höhere Renten oder Taggelder sowie Integritäts­ und Hilflo­

senentschädigungen – nach einer gründlichen Auslegeordnung strebt sie beharrlich danach, für ihre Klientel das Optimum zu erreichen. Dafür erntet sie viel Dankbarkeit, etwa mit Sätzen wie: «Frau Kobel, ohne Sie hätte ich das nie geschafft.»

Welche Herausforderungen Menschen mit einer Querschnittlähmung und deren Angehörige meistern müssen, erfährt sie in ihrer Jugend hautnah. Ihr Grossvater ist Tetraplegiker und lebt unter demselben Dach in Epsach, einem Dorf im Berner Seeland. Dass sie einmal Rechtsanwältin würde und sich für Personen wie ihn engagiert, ist damals nicht absehbar.

Am Gymnasium in Biel belegt sie das Schwerpunktfach Musik. An einem Besuchstag der Universität Bern will sie herausfinden, welche Studienrichtung ihr zusagt. Zum Schluss des Tages sitzt sie in die Infoveranstaltung der Rechtswissenschaf­

ten. Jura hatte sie bis dahin nie auf dem Radar, aber die Ausführungen des Dekans faszinieren sie. Sich in komplexe Fälle und neue Rechtsgebiete einarbeiten, Fingerspitzengefühl zeigen – und die Feinheiten der Sprache als wirksames Werkzeug einsetzen: Ja, das ist es.

Sie organisiert das Forum Recht Claudia Kobel wird Juristin, erwirbt 2021 das Anwaltspatent und findet noch in der Nacht nach bestandener Prüfung ein Stelleninserat der Schweizer Paraplegiker­Vereinigung, die ihr sehr wohl ein Begriff ist. Sie bewirbt sich erfolgreich und hat fortan auch viel mit medizinischen Belangen zu tun: «Die Medizin und deren Schnittstelle zum Recht interessieren mich seit jeher.» Und: «Es ist cool, Teil eines Kompetenzzentrums und von etwas Grösserem zu sein.» Inzwischen ist sie Stellvertreterin von IRB­Bereichsleiter Michael Bütikofer, bearbeitet laufend knapp hundert Dossiers und organisiert in Nottwil das Forum Recht. Am 28. Mai 2026 findet der Anlass zum dritten Mal statt, diesmal zum Thema Pflegefinanzierung.

Die Batterien lädt sie im Familien­ und Freundeskreis, beim Sport oder bei Konzertbesuchen. Sie mag die Oper genauso wie ein Heavy­Metal­Festival. Damit es ihr sicher nie langweilig wird, lernt sie derzeit Italienisch. Die Vielfalt in Beruf und Freizeit garantiert eine spannende Mischung. Wie sagt sie im breiten Berner Dialekt doch so schön: «Es fägt.»

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